Analyse

Christlicher Nationalismus: Will Gott das wirklich?

Ein Kriegsminister, der für die brutale Vernichtung seiner Feinde betet, ein Präsident, der sich als von Gott erwählt sieht: In den USA macht sich ein „christlicher Nationalismus“ breit. Worum geht es dabei? Und gibt es Auswege?
Von Nicolai Franz
Donald Trump sitzt am Schreibtisch im Oval Office. Geistliche legen ihm die Hände auf und beten für ihn.

Ich wurde von Gott gerettet, um Amerika wieder groß zu machen“, sagt Donald Trump am 20. Januar 2025 in der Rotunde des US-Kapitols in Washington, D.C.. Langer Applaus. Es ist die Einführung in die zweite Amtszeit des US-Präsidenten, und sie ist die Krönung einer Kampagne, die aus dem Attentat auf den Republikaner eine Gottesknechts-Erzählung machte. Trump war ein halbes Jahr zuvor bei einem Wahlkampfauftritt von einer Kugel getroffen worden, die nur sein rechtes Ohr gestreift hatte.

Seit Jahren nutzen Trump und seine Anhänger religiöse Symbole, um seine Macht zu sichern. 2020 demonstrierten Trump-Anhänger unter dem Namen „Jericho March“ gegen das Wahlergebnis (Trump hatte gegen Joe Biden verloren), begleitet von Fasten, Gebeten, Schofarhörnern und Lobpreis. Wie Josua mit Gottes Hilfe die Mauern Jerichos zum Einsturz brachte, so sollte Gott die Mauern des angeblichen Wahlbetrugs einreißen.

Schon in seiner ersten Amtszeit vereinnahmte Trump insbesondere die weißen Evangelikalen wie kaum ein Präsident zuvor. Doch die Art, wie offensichtlich und schambefreit Trump den christlichen Glauben nutzt, ohne selbst als besonders gottesfürchtig aufzufallen, hat in seiner zweiten Präsidentschaft neue Dimensionen erreicht.

Stille Zeit mit Trump

2016 hieß es noch unter konservativen Christen, Trump sei für gläubige Republikaner das kleinere Übel, weil er, anders als die „woken Linksradikalen“, konsequent gegen Abtreibung kämpfe. Seine sexistischen Äußerungen, seine Gier, seine unflätige Wortwahl müsse man zähneknirschend in Kauf nehmen. Zehn Jahre später zeigt sich ein radikaleres Bild. Trump und seine Leute nutzen Religion stärker als je zuvor. Einflussreiche Mitglieder der Trump-Administration arbeiten für ein Amerika, in dem wahre Christen pro Trump sein müssen. Und in dem echte Amerikaner zum Christentum gehören.

Quasi zum Amtsantritt richtete Trump im Februar 2025 das „White House Faith Office“ ein. Es soll das Thema Religion – de facto ist der christliche Glaube gemeint – ins Zentrum der Macht bringen. Senior Advisor ist die Pastorin Paula White-Cain. Konservative evangelikale Kreise sehen sie als Irrlehrerin, die ein „Wohlstandsevangelium“ verkündet. Demnach segnet Gott diejenigen mit Geld, die ihm treu folgen. Da stört es viele Christen auch nicht, dass Trump selbst sagenhaft reich ist – im Gegenteil.

Dass Reichtum den Weg ins Reich Gottes so eng machen kann, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr passt, fällt da eher unter den Tisch. Sie kaufen die von ihm beworbene „God Bless the USA Bible“ zum Preis von 59,99 Dollar oder sogar die „Presidential Edition“ zum „Gedenken“ an Trumps Präsidentschaft (99,99 Dollar). Laut seiner eigenen Finanzoffenlegung hat er damit mittlerweile mehr als 1,3 Millionen Dollar eingenommen. Stille Zeit mit Trump-Bibel – für viele Amerikaner kein Widerspruch. Im Gegenteil.

Sie sehen in ihm nicht den gierigen Unternehmer, der von Regeln und Freiheitsrechten nur so lange etwas hält, wie sie ihm nützen. Der mit unerbittlicher Gewalt droht, schikaniert, beleidigt, Migranten mit brutaler Härte von den Straßen prügeln lässt, der sich selbst für den Größten in allen Dingen hält, kurz: als Gegenteil dessen, wozu Jesus Christus in der Bergpredigt auffordert. Trumps christliche Nachfolger sehen in ihm stattdessen einen von Gott gesandten Helden, der die Christenheit gegen die Kräfte des Bösen verteidigt, und dessen Gedanken höher sind als ihre Gedanken.

„Wer behauptet, die USA seien als christlicher Staat gegründet worden, verbreitet Mythen.“

Thorsten Dietz

Trump selbst kokettiert offen mit diesem Bild. Als Papst Leo XIV. die religiöse Rechtfertigung des Iran-Krieges kritisierte, reagierte Trump nicht mit Zurückhaltung, sondern mit Eskalation. Er nannte den Papst „schwach“ und verbreitete ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst als Jesus zeigte. Später löschte er das Meme. Doch auch wenn er den Streit mit dem Oberhaupt der Katholiken nicht fortführte, macht Trump klar, dass er auch in religiösen Fragen eine Führungsrolle beansprucht. 2025 rief das Weiße Haus die Initiative „America Prays“ aus. Eine Million Amerikaner sollten in Gruppen jeweils eine Stunde pro Woche miteinander für das Land beten.

„Ihr werdet sehen, wie es besser und besser wird“, sagte Trump im Juli 2025 in Iowa über die Gebetsinitiative – passenderweise zum Jubiläum der USA. „Nun, da wir den Weg für die nächsten 250 Jahre einschlagen, lasst uns selbst erneut dazu bekennen, eine Nation unter Gott zu sein.“ Dafür verwendete er das Wort „rededicate“, was so viel wie „erneut weihen“ bedeutet. Die USA sollten ein Vierteljahrtausend nach ihrer Gründung zu ihren christlichen Wurzeln zurückkehren.

Foto: The White House
2026 im Pentagon: Pete Hegseth (links) betet für seinen Mentor, den Pastor Douglas Wilson

Daraus wurde die Veranstaltung „Rededicate“ auf der „National Mall“, dem offenen Gelände zwischen dem US-Kapitol und dem Lincoln Memorial. Tausende Christen strömten dafür im vergangenen Mai in die Hauptstadt. Überall Amerikafahnen, Männer in T-Shirts, auf denen Sprüche stehen wie „Jesus ist mein Retter, Trump ist mein Präsident“ oder „Pro God, Pro Guns, Pro Life“. Das Ziel: Die USA erneut Gott weihen. So, wie die Gründerväter es 1776 taten. Doch stimmt das überhaupt? Sind die USA als christlicher Staat gegründet worden?

Nein, sagt Thorsten Dietz: „Es ist das Gegenteil.“ Die USA seien zwar in einer stark protestantisch geprägten Gesellschaft entstanden, aber bewusst nicht als christlicher Staat. Religionsfreiheit sei ein zentraler Gründungsgedanke gewesen, so der Theologe im PRO-Podcast „Glaube. Macht. Politik.“. Dietz spricht von einer „säkularen Staatsidee und einer säkularen Staatsordnung“: Die Verfassung schloss religiöse Voraussetzungen für öffentliche Ämter ausdrücklich aus. Manche der Gründerväter seien vom klassischen christlichen Glauben weit entfernt gewesen. Zwar sei die Gesellschaft christlich geprägt gewesen. Wer jedoch behaupte, die USA seien als christlicher Staat gegründet worden, verbreite „Mythen“ und betreibe „Geschichtsklitterung“.

Ein goldenes Kalb mit Trump-Frisur

Wie schon die Trauerfeier des ermordeten christlichen Aktivisten Charlie Kirk geriet auch „Rededicate 250“ zu einer Mischung aus Worship-Gottesdienst und Wahlkampfevent für die republikanische Partei. US-Demokraten, unter denen es natürlich auch evangelikale Christen gibt, traten dort nicht auf. Die Metabotschaft war klar: Christen sind für Trump. Weil Trump für Christen ist. Und weil er sein Volk zu Gott führen will, so wie in 2. Chronik 7,14, dem zentralen Vers des Events. Darin mahnt Gott Salomo nach dem Bau des Tempels: „Wenn mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen.“

Ein falscher Gebrauch der Bibel, kritisierte Russell Moore vom US-evangelikalen Leitmedium „Christianity Today“. Mit dem „Volk“ sei natürlich Israel gemeint, nicht die USA. Dass Gott das Land „heilen“ wolle, beziehe sich auch nicht auf politische oder wirtschaftliche Größe. Zudem ignoriere dieses Evangelium des „christlichen Nationalismus“ das Neue Testament, nach dem sich Gottes Verheißungen in Jesus Christus erfüllt haben. Das sahen auch die „Faithful America“-Demonstranten gegen das „Rededicate“-Event so. Sie gehören zu den vielen Christen – und das geht in der deutschen Berichterstattung oft unter –, die sich gegen den christlichen Nationalismus der Trump-Regierung stellen. „In Jesu Namen: Ich bestehle dich“, steht auf einem Schild, das ein lebensgroßer Pappkarton-Trump hält. Im Hintergrund ein riesiger goldener Ballon in Form eines Kalbs mit Trump-Frisur. Beten christliche Nationalisten den falschen Gott an?

Auch Russell Moore greift in seiner Kritik das Goldene Kalb auf und zitiert dazu 1. Könige, Kapitel 12. Jerobeam, König des Nordreichs, fürchtete, die Menschen könnten weiterhin zum Tempel nach Jerusalem pilgern und dadurch politisch wieder dem südlichen König Rehabeam anhängen. Ein politisches Problem, das er löste, indem er in Bethel und Dan Kultstätten mit goldenen Kälbern errichtete. Moore: „Jerobeam sagte nicht: ‚Lasst uns Baal anbeten.‘ Er sagte: ‚Hier ist der Gott, der euch aus Ägypten geführt hat, praktischerweise ganz in eurer Nähe.‘“ Der König des Nordreichs habe Religion also nicht abgeschafft – sondern sie nützlich gemacht. Moore mahnt, dass christlicher Nationalismus Jesus Christus für eigene politische Ziele benutze. „Und Jesus Christus lässt sich nicht benutzen.“

Kampfjets und Vaterunser

Dass Gott als Begründung für politisches Machtstreben herangezogen wird, ist in der langen Geschichte des Christentums nichts Neues. „Deus lo vult“, „Gott will es“, soll Papst Urban II. am 27. November 1095 in einer Predigt gesagt haben, um damit den Ersten Kreuzzug zu begründen. Bisher galt dies als abschreckendes Beispiel einer unseligen Verbindung von Religion und Politik.

Umso bemerkenswerter ist, dass der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst „Kriegsminister“ nennt, „Deus Vult“ auf dem Oberkörper tätowiert hat – neben einem Jerusalemkreuz. „Bei unserem amerikanischen Kreuzzug geht es nicht um wirkliche Schwerter, und unser Kampf wird nicht mit Schusswaffen geführt. Noch nicht“, schrieb der damalige „Fox News“-Moderator 2020 in einem Buch. Er bezog sich dabei vor allem auf den politischen Kampf. Konservative müssten „unsere linken Gegner verspotten, demütigen, einschüchtern und vernichten“.

Dass diese martialischen Worte kein bloßes Getöse vor Beginn seiner politischen Karriere waren, zeigt er im Amt. Gewalt und Glaube gehören für ihn zusammen. Der Kriegsminister postete ein Video, in dem er zunächst mit gesenktem Haupt vor seinen Soldaten steht und das Vaterunser beginnt, im Hintergrund dramatische Musik. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“, betet Hegseth, während Kriegsschiffe der US Navy, ein F-16-Kampfflugzeug und ein Panzer eingeblendet werden. Das Militär als Werkzeug des Willens Gottes.

„MAGA hat die wahren Prioritäten des weißen Evangelikalismus offengelegt.“

Jemar Tisby

Seit Mai 2025 feiert Hegseth monatliche Gottesdienste direkt im Pentagon. Im März 2026 betete er: „Möge jede Kugel ihr Ziel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation finden“, und weiter: „Gib ihnen Weisheit in jeder Entscheidung, Ausdauer für die bevorstehende Prüfung, unzerbrechliche Einheit und überwältigende Gewalt gegen diejenigen, die keine Gnade verdienen.“ Mit diesen Worten segnete ein Militärgeistlicher das Spezialkommando, das den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführte. Hegseth führte früher ein Leben, das nicht gerade zum christlichen Vorbild taugt. Er hatte Affären, zwei Ehen scheiterten, in seiner heutigen Patchworkfamilie leben sieben Kinder, davon vier von Hegseth aus zwei Ehen.

Vor 2018 spielte das Christentum für Hegseth noch nicht die Rolle wie heute. Bis er mit seiner Familie nach Tennessee zog und einer Gemeinde beitrat, die zur „Congregation of Reformed Evangelical Churches“ gehört, einem Verband, der von Pastor Douglas Wilson gegründet wurde. Wilson bezeichnet sich selbst als „christlichen Nationalisten“. Kritiker werfen ihm vor, die amerikanische Sklaverei als vergleichsweise fürsorgliche und harmonische Ordnung zu relativieren. Seine Ansichten über das Geschlechterverhältnis geht auch konservativen Evangelikalen deutlich zu weit: „Ein Mann penetriert, erobert, kolonisiert, sät. Eine Frau empfängt, ergibt sich, akzeptiert“, schrieb er in seinem Buch „Fidelity“.

Was ist christlicher Nationalismus?

Christliche Nationalisten in den USA glauben, dass ihr Staat bewusst als christlicher Staat gegründet wurde. Ihrer Meinung nach soll das Christentum in der Öffentlichkeit die alles dominierende Rolle spielen. Nicht jeder gläubige Patriot oder konservative Christ ist deshalb christlicher Nationalist. Entscheidend ist der Machtanspruch: Der Glaube soll nicht nur Orientierung geben. Nation und Glaube gehören nach dieser Vorstellung zusammen: Nur wer Christ ist, ist ein echter Amerikaner. Kritiker sehen in der Bewegung auch Ausgrenzung von Menschen, die nicht weiß sind. Theologisch nehmen christliche Nationalisten, von denen sich nur wenige auch selbst so nennen, vor allem Bezug auf das Alte Testament. Verheißungen, die eigentlich dem Volk Israel gelten, übertragen sie direkt auf die Vereinigten Staaten von Amerika.

Gegenüber dem „Wall Street Journal“ machte er klar, dass er einen Staat will, den man als christliche Theokratie verstehen könnte, in der auch biblische Sexualnormen in staatliche Gesetze gegossen werden. Am Ende laufe das sogar darauf hinaus, dass nur noch Christen öffentliche Ämter bekleiden dürften. „Man will, dass alle Amtsträger sich zur Verfassung bekennen. Und wenn die Verfassung christlich ist, dann Ja“, sagte Wilson dazu. Ein direkter Widerspruch zum Verbot „religiöser Voraussetzungen“ der US-Verfassung. Wilson ist heute einer der wichtigsten Mentoren von Pete Hegseth. Im Februar 2026 lud der Kriegsminister ihn ins Pentagon ein, um dort zu predigen. Kritiker fassten das als Provokation auf. Kürzlich eröffnete Wilson einen Ableger seiner Gemeinde in der US-Hauptstadt in der Nähe des Kapitols, des Zentrums der Macht.

Natürlich steht Wilson nicht für die Mehrheit der Christen in den USA. Und selbst die, die sich zu zentralen Aussagen über christlichen Nationalismus bekennen (siehe Grafik auf Seite 8), dürften bei weitem nicht so radikal sein wie der 73-Jährige. Doch warum scheinen so wenige Evangelikale ein Störgefühl bei Menschen wie Trump und Hegseth zu haben? Warum geben Pastoren wie Franklin Graham ihren Segen, statt prophetisch zu mahnen?

Eine „Apokalypse“

Für Jemar Tisby ist das keine Überraschung. Für den Historiker ist der christliche Nationalismus – er nennt ihn den „weißen christlichen Nationalismus“ – eine „Apokalypse“. Aber nicht im Sinne eines Weltgerichts am Ende der Zeiten, sondern im Wortsinne eine Offenbarung. „MAGA hat die wahren Prioritäten des weißen Evangelikalismus offengelegt“, sagt er in einem Videotelefonat mit PRO. „Sie richten sich stärker auf politische Macht als auf die Nachfolge Jesu.“

Tisby weiß, wovon er spricht. Er kam durch einen weißen Freund zum Glauben, der ihn in die Jugendgruppe seiner überwiegend weißen Gemeinde mitgenommen hatte. Tisby las mit großem Gewinn Bücher von John Piper, gewissermaßen dem Inbegriff weißer baptistischer Theologie, er besuchte später ein „sehr konservatives theologisches Seminar“.

An den weißen evangelikalen Christen faszinierte ihn, dass sie auf alle Fragen Antworten hätten. Schon früher habe er trotzdem gewisse Spannungen gefühlt, weil seine weißen Geschwister so gut wie nie Themen besprachen, die Schwarze besonders betrafen, besonders die systemischen Ungerechtigkeiten in den USA. „Ich begann zu fragen: Was hat mein Glaube zu diesen Ungerechtigkeiten zu sagen?“, sagt Tisby. „Seitdem widme ich meine Arbeit – Schreiben, Vorträge, Podcasts und inzwischen auch Filme – dem Aussprechen der Wahrheit an der Schnittstelle von Glaube, Geschichte und Gerechtigkeit, besonders im Blick auf Rasse und Religion.“

Was er vor allem beobachtet: „Oft folgt die Theologie der Politik, statt dass die Politik der Theologie folgt.“ Viele Christen hätten Trump zunächst unterstützt, weil er ihnen kulturelle Bedeutung, politische Durchsetzungskraft und gesellschaftliche Kontrolle verspreche. Anschließend entwickelten sie Deutungen – etwa Trump als neuen „Kyros“ –, die diese Entscheidung religiös rechtfertigten.

Häufig heißt es, die USA drohten, zum autoritären Staat zu verkommen. Bisher habe Freiheit geherrscht. Tisby weist darauf hin, dass das höchstens für Weiße gelte. Für Schwarze seien die USA über lange Zeit ein autoritärer Staat gewesen, von der Sklaverei bis zu den rassistischen „Jim-Crow“-Gesetzen. Die Konzentration von Macht sei in der Geschichte der USA nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall gewesen. Tisby beobachtet beim weißen christlichen Nationalismus, dass Schwarze zwar offiziell akzeptiert werden. Aber eben nicht an der Spitze der Bewegung. „Der Inbegriff des Amerikaners ist für sie Captain America: groß, stark, weiß.“ Einen schwarzen Präsidenten würden die meisten nicht akzeptieren.

Ob christliche Nationalisten ihre Ziele erreichen werden, ist freilich unklar. Zwar ist die Unterstützung für Trump in der gesamten Bevölkerung, auch unter weißen Evangelikalen, rapide gesunken. Doch viele halten ihm immer noch die Treue. Immerhin gibt es Gegenwind, unter anderem aus Rom. Der Papst sagte am Palmsonntag über Gott: „Er hört nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen, sondern weist sie zurück und sagt: ‚Auch wenn ihr viele Gebete sprecht, werde ich nicht hören: Eure Hände sind voller Blut.‘“ Das war leicht als Ansage an Hegseth und Trump zu verstehen, die ihre Kriege mit dem Willen Gottes rechtfertigen.

Und auch aus den Reihen klassischer Evangelikaler erschallt Widerspruch, vom Ex-Vizepräsidenten Mike Pence über das Medium „Christianity Today“ und die „National Association of Evangelicals“ bis zu dem Theologen, den Jemar Tisby als junger Mann schätzen lernte: John Piper. Er twitterte im Februar 2025: „An Donald Trump und Elon Musk und jeden anderen Republikaner, Demokraten und Unabhängigen sowie jeden Menschen auf dem Planeten Erde: ‚Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.‘ Lukas 18,17.“

Manchmal spricht die Bibel eben für sich.

Dieser Artikel ist zuerst in der Ausgabe 4/2026 des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen. Bestellen Sie PRO kostenlos hier.

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