2025 tödlichstes Jahr für Juden in der Diaspora seit 30 Jahren

20 Tote, mehr als 23.000 antisemitische Vorfälle: 2025 war für die jüdische Diaspora das tödlichste Jahr seit 30 Jahren. Deutschland nimmt einen negativen Spitzenplatz ein.
Von Martin Schlorke
Viele Kommentatoren in deutschen Medien sind entsetzt über die antisemitischen Demonstrationen in Berlin am Freitag

Das Jahr 2025 ist das tödlichste Jahr für Juden in der Diaspora seit mehr als 30 Jahren. Bei antisemitischen Angriffen in Sydney, Manchester, Washington D. C. und Boulder wurden 20 Menschen ermordet. Das geht aus dem Jahresbericht der „J7 Large Communities Task Force Against Antisemitism“ hervor. Letztmals lag die Zahl ermordeter Juden in der Diaspora 1994 höher. Damals kamen allein bei einem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum „Amia“ in Buenos Aires 85 Menschen ums Leben.

J7-Staaten

Die J7-Staaten sind die Länder mit den sieben größten Diaspora-Gemeinschaften. Dazu zählen Argentinien, Australien, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Kanada und die USA. In diesen Ländern leben rund 90 Prozent aller Juden außerhalb Israels.

In ihrem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht dokumentiert die Organisation zudem mehr als 23.000 antisemitische Vorfälle in den untersuchten Ländern. Das ist ein Anstieg von 136 Prozent im Vergleich zum Jahr 2022. Die Zahl gewalttätiger Übergriffe nahm im selben Zeitraum um 97 Prozent zu. Ursächlich für den Anstieg sind der Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der daraus folgende Krieg im Gazastreifen. In Großbritannien und den USA lag israelbezogener Antisemitismus fast bei der Hälfte aller Vorfälle zugrunde – in Deutschland bei 23 Prozent.

Zudem ist für Deutschland zu beobachten, dass die Zahl antisemitischer Vorfälle durch beide politischen Ränder deutlich angestiegen ist. Vorfälle, die durch Rechtsextremismus motiviert waren, stiegen um rund 44 Prozent, von 562 Fällen im Jahr 2024 auf 807 im Jahr 2025. Gleichzeitig stiegen Vorfälle aus dem „linken, antiimperialistischen“ Spektrum ebenfalls um rund 44 Prozent, von 349 auf 501 Vorfälle. Diese im Bericht verwendeten Zahlen stammen von der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS).

Starker Anstieg in Deutschland

Laut dem Bericht nahmen in Deutschland die antisemitischen Vorfälle im Vergleich zu 2021 um 215 Prozent zu. Insgesamt gab es in der Bundesrepublik fast 9.000 antisemitische Vorfälle. Zudem weist Deutschland im Vergleich zu den anderen sechs Ländern die höchste Rate antisemitischer Vorfälle pro jüdischem Einwohner auf. 2025 gab es fast 70 Vorfälle pro 1.000 jüdische Einwohner.

Dazu erklärt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster: „Die Zahlen belegen die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses. Dieser wird von den politischen Rändern von links bis rechts geschürt und dabei zunehmend als Antizionismus maskiert.“ Als Reaktion auf die steigenden Zahlen erwarte Schuster, dass Lücken im Strafrecht geschlossen und Aufrufe zur Zerstörung Israels unter Strafe gestellt werden.  

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