Bayerische Posaunenchöre planen Weltrekord

Drei Tage musizieren ohne Pause: Der Verband evangelischer Posaunenchöre in Bayern hat sich vorgenommen, Ende Juli einen Weltrekord aufzustellen. Dafür braucht es viel Vorbereitung – und standhafte Lippen.
Mit Posaunenchor-Musik wollen Bläser aus Bayern (Symbolbild) am Wochenende einen Weltrekord schaffen

Der bisherige Rekord für das längste Musizieren von Posaunenchören am Stück liegt bei 24 Stunden – aufgestellt kurz vor dem Deutschen Evangelischen Posaunentag in Hamburg 2022. „Das wusste ich vorher nicht. Sonst hätte ich wahrscheinlich einen Weltrekord mit 25 Stunden angemeldet“, sagt Thomas Engelbrecht und lacht.

Stattdessen steht nun die Mammutaufgabe 72 Stunden im Raum. „Aber den nimmt uns dann immerhin so schnell keiner wieder weg“, ist der Vizepräsident des Verbands evangelischer Posaunenchöre (VEP) in Bayern überzeugt. Schon seit fünf Jahren beschäftigt Engelbrecht die Idee mit dem Weltrekord.

Seit einem Jahr ist er Vizepräsident des VEP und kümmert sich auch um das Thema Öffentlichkeitsarbeit. „Da dachte ich mir, das ist der richtige Zeitpunkt.“ Sich Weltrekordhalter nennen zu können, wäre natürlich ein tolles Gefühl, aber dem Musiker geht es bei der Aktion vom 30. Juli bis 2. August in erster Linie um etwas anderes. Er will den Posaunenchören Aufmerksamkeit verschaffen: „Wir sind keine Einzelkämpfer, sondern eine unglaubliche Gemeinschaft, und wir werden oft unterschätzt.“

Mehr als 2.000 Freiwillige

Engelbrecht kennt das Vorurteil, Posaunenchöre spielten nur bei Gottesdiensten und Beerdigungen. Dabei stecke viel mehr dahinter: „Wir sind eine vielfältige Gemeinschaft, offen für alle Menschen. Herkunft, Konfession oder Alter sind ganz egal.“ Rund 15.000 Menschen engagieren sich innerhalb des bayerischen Verbands in etwa 830 Posaunenchören.

Die meisten davon sind in der evangelischen Kirche beheimatet, „doch auch freikirchliche Posaunenchöre, CVJM-Chöre, eingetragene Vereine und sogar ein katholischer Posaunenchor sind Teil unserer lebendigen Gemeinschaft“, heißt es auf der Homepage. Diese Vielfalt soll die Weltrekord-Aktion zeigen.

Ab 9 Uhr am 30. Juli wird in der Nürnberger Kirche St. Jakob drei Tage und Nächte durchmusiziert. Ein organisatorischer Kraftakt, der gut durchgeplant ist. Die 72 Stunden wurden in 48 Zeitfenster zu je 90 Minuten aufgeteilt. In jedem Zeitfenster wechseln sich drei Posaunenchöre ab. Nach 90 Minuten übernehmen die nächsten drei Chöre. „Zwischen den Gruppen darf maximal zehn Sekunden Abstand sein“, sagt Engelbrecht. Mehr als 2.000 Bläserinnen und Bläser aus Bayern, aber auch aus Sachsen, Baden-Württemberg und Hamburg haben sich für die Aktion freiwillig gemeldet.

Nachtschicht für den Schwaiger Posaunenchor

Mit dabei ist auch der Posaunenchor von Thomas Engelbrecht selbst. Dieser probt im Gemeindehaus neben der Thomaskirche in Schwaig. Bettina Loos spielt seit 44 Jahren Trompete und war sofort dabei. „Für verrückte Sachen bin ich immer zu haben“, erzählt sie. „Es ist ein tolles Gemeinschaftsgefühl, mit so vielen Menschen Musik zu machen. Davon werden wir noch viele Jahre erzählen.“ Am Donnerstag um 22.30 Uhr startet der Zeitslot für den Schwaiger Posaunenchor, den Slot danach bis 1.30 Uhr übernehmen sie gleich mit. „Gerade in der Nacht zu spielen, ist schon etwas Besonderes.“

Eine spezielle Vorbereitung, etwa Lippentraining oder Fingerhakeln fürs Durchhaltevermögen, hat sich der Chor nicht auferlegt. „In der letzten Zeit spielen wir so viel auf Hochzeiten, Kirchweihen und Festen, dass wir gut im Training sind“, sagt Klaus Schmoll, der seit 62 Jahren aktiver Musiker ist. Die größere Herausforderung ist aus seiner Sicht, dass alle Musikerinnen und Musiker zur richtigen Zeit da sind, „damit keine Lücke entsteht, die den Weltrekord gefährden könnte“.

Es gibt immer eine Feuerwehr

Für diese Eventualität haben Thomas Engelbrecht und sein Team vorgesorgt. „Wir haben immer eine sogenannte Feuerwehr da. Das sind Ehrenamtliche, die die ganze Zeit über in Nürnberg sind und im Notfall spontan einspringen können.“

Überprüfen, ob die Posaunenchöre wirklich ununterbrochen spielen, können Interessierte rund um die Uhr. Die Jakobskirche ist geöffnet und gleich nebenan in der Nürnberger Innenstadt findet an dem Wochenende parallel das Bardentreffen mit Weltmusik, Global Pop und Singer-Songwriter-Musik statt.

Da passen die Posaunenchöre perfekt rein, findet Engelbrecht. „Jeder Chor hat vorab eine Setlist eingereicht. Es sind Choräle dabei, Ständchen, Volkslieder, aber auch moderne Stücke. Sogar Weihnachtslieder sind dabei.“ Beendet und gefeiert wird die Aktion mit einem Gottesdienst am Sonntag (2. August) um 9.30 Uhr in der Jakobskirche.

epd
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