Alte Gebäude, Ausgrabungsstellen, ein Teil eines Palisadenzauns: Außerhalb von Winston-Salem verraten kleine Tafeln überall Baujahre und frühere Funktionen von Gebäuden. Hier im Bethabara-Park, einer Art Freilichtmuseum, finden sich die ältesten Spuren der Stadt Winston-Salem in North Carolina.
In dieser Stadt hat die deutsche Herren-Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft ihr Quartier aufgeschlagen. Deutsche Bezüge hat Winston-Salem jedoch nicht erst, seit der Deutsche Fußball-Bund den Ort als Standort auserkoren hat, sondern bereits seit seiner Gründung.
Wurzeln im 18. Jahrhundert
Die Wurzeln Winston-Salems reichen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Im Januar 1753 kam der aus Klettenberg im heutigen Thüringen stammende evangelische Missionar und Herrnhuter Bischof August Gottlieb Spangenberg in die Gegend. Er wählte das Gebiet für eine neue Siedlung aus und nannte es Wachovia. Rund 400 Quadratkilometer umfasste das Areal.
Die Herrnhuter Brüdergemeine zählt zu den ältesten evangelischen Freikirchen in Deutschland. Sie geht vor allem zurück auf Graf Ludwig Nikolaus von Zinzendorf (1700–1760) zurück, der protestantische Glaubensflüchtlinge aus Mähren aufnahm und sie auf seinem Land ansiedelte. Schon früh wurden die Herrnhuter durch ihre Missionstätigkeit bekannt.
Am 17. November 1753 trafen die ersten Moravianer, wie die Herrnhuter im Englischen heißen, in Wachovia ein und gründeten die Siedlung Bethabara. Sie war die erste von mehreren Ansiedlungen auf dem Land, das die Herrnhuter erworben hatten. Eigentlich war sie nur als Übergangssiedlung gedacht, doch der Ort wuchs schnell. Aus einer Hütte wurden mehrere, innerhalb von nur drei Jahren war Bethbara Zuhause für 65 Moravianer.
Religiöser und gesellschaftlicher Mittelpunkt
Seinen Höhepunkt erreichte Bethabara 1766, und zu dieser Zeit begannen auch die Arbeiten an dem Ort, der zum geistigen und wirtschaftlichen Zentrum werden sollte: Salem. 1771 zog die Verwaltung dorthin um. Salem entwickelte sich fortan zum religiösen und geschäftlichen Mittelpunkt der Herrnhuter.
Zwar hörte die Siedlung selbst auf zu wachsen. Sie entwickelte sich aber zunehmend zu einem landwirtschaftlichen Versorgungszentrum, zur Farm für Salem. Das 1788 errichtete Gemeinhaus ist nach Angaben des Museums das letzte heute noch erhaltene Beispiel einer deutsch-amerikanischen Kirche aus dem 18. Jahrhundert mit angeschlossenen Gemeinschaftsunterkünften in den USA.
Abgesperrtes Areal um das Quartier
Vom grünen Bethabara dauert es mit dem Auto etwa 20 Minuten bis nach Old Salem, dem zweiten historischen Zentrum der Stadt. Etwa auf halber Strecke befindet sich das Graylyn-Anwesen, derzeit das Quartier des deutschen Fußballteams. Das Gelände ist derzeit weiträumig abgesperrt. Hinter dem Eingangstor sorgen Sicherheitskräfte dafür, dass niemand einen Blick auf das herrschaftliche Gebäude werfen kann, das sonst ein Hotel ist.
Über die Unterkunft wurde viel diskutiert. Von einer Nobelherberge und einem märchenhaften Anwesen war die Rede, manche fühlten sich an Hogwarts aus Harry Potter erinnert. Einer Erzählung nach soll es dort sogar spuken. Kritiker bemängelten die abgeschiedene Lage. Doch Bundestrainer Julian Nagelsmann lobte die Unterkunft und die Trainingsbedingungen. Tatsächlich liegt das Anwesen ruhig im Grünen zwischen Wald, Wiesen und Parks.
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Von dort aus sind es nur wenige Minuten bis in die Innenstadt Winston-Salems. Winston wurde 1849 gegründet und entwickelte sich zu einer Industriestadt, bekannt für Tabakproduktion: Hier befand sich einst die größte Zigarettenfabrik der Welt. Salem hingegen blieb kleiner. Bis zum Ende des Bürgerkriegs 1865 wurden dort nur Herrnhuter als Bewohner aufgenommen.
Prägendes Erbe
Im Laufe der Jahrzehnte rückten die beiden Orte immer näher zusammen, offiziell zur Stadt Winston-Salem wurden sie 1913 vereinigt. Im Zentrum der Stadt befinden sich heute Hotels, Restaurants, Bürogebäude. Auch wenn die Herrnhuter heute nur noch ein kleiner Teil der christlichen Bevölkerung von Winston-Salem sind, prägt ihr Erbe die Stadt.