Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat vor dem Missbrauch des Christentums gewarnt. Mit großer Sorge sehe er, dass Religion in Russland wie in den USA instrumentalisiert werde, um eigene Interessen und Ideologie mit Gewalt durchzusetzen, sagte der CDU-Politiker am Donnerstagabend in Bonn. „Der Glaube darf nicht als Waffe genutzt werden“, mahnte der 66 Jahre alte Katholik.
„Wer zum Kreuzzug im Nahen Osten aufruft oder zum ‚Heiligen Krieg‘ gegen die Ukraine, kann sich nicht auf die christliche Theologie berufen“, sagte Wulff auf dem Jahresempfang der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland und für Zentraleuropa. Zugleich betonte er, wie stark Europa vom Christentum geprägt sei. Nächstenliebe und Demut als Begrenzung von Macht und Maßlosigkeit seien „zutiefst christliche Ideen, die unsere Gesellschaft so menschlich und lebenswert gemacht haben“.
„Mit dem Tod der Empathie beginnt die Barbarei“
Er habe große Sorge, dass mit dem Zurückdrängen der Kirchen aus dem öffentlichen Leben in Deutschland die Gesellschaft ihre Werte und den inneren Zusammenhalt verliere, sagte Wulff weiter. „Wer das Christentum schwächt, macht zuerst die Armen ärmer.“ Gerade Mitgefühl und der Einsatz für die Schwachen seien zentrale christliche Botschaften. „Mit dem Tod der Empathie beginnt die Barbarei“, warnte Wulff mit Hinweis auf Kriegsrhetorik in den USA.
Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland, Augoustinos, rief die Kirchen dazu auf, sich verstärkt für Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. „Kirche wirkt nicht konfessionell, sondern universell, und da sind wir gerade sehr gefordert“, erklärte der ranghöchste Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche in Zentraleuropa außerhalb von Griechenland vor Vertretern aus Politik und Gesellschaft.