PRO: Herr Krebs, willkommen zurück in der Kirche. Wie verlief Ihre bisherige Glaubensreise?
Wolfgang Krebs: Der Glaube hat in unserer Familie schon immer eine große Rolle gespielt. Mein Vater war Ministrant und ich bin in seine Fußstapfen getreten. Dadurch hatte ich früh eine Bindung zur Kirche. Auch das Kloster hier in Kaufbeuren mit seinem Klosterleben hat meinen Glauben stark geprägt. Mit meiner damaligen Freundin war ich oft im Gottesdienst.
Aber warum sind Sie dann ausgetreten?
Meine erste Ehe ist bereits nach einem Jahr gescheitert. Ich habe mich damals intensiv mit dem Thema Scheidung beschäftigt und wollte wissen, ob und wie eine Trennung möglich ist. Der damalige Domkapitular hat mir gesagt, dass ich ab jetzt in Sünde leben müsse, weil die Ehe in der Katholischen Kirche ja ein Sakrament ist, das sich nicht auflösen lässt. Ihm war nicht klar, was er mit diesen Worten angerichtet hat, aber sie haben den Bruch besiegelt.
Haben Sie in dieser Zeit etwas vermisst?
Ich fühlte mich ausgegrenzt, weil ich nicht an der Eucharistie teilnehmen durfte. Das ging mir selbst an Orten so, an denen mich keiner kannte. Irgendwann hat mir Prinz Ludwig von Bayern erzählt, dass er wieder in die Kirche eingetreten sei und ihm die starke Gemeinschaft Kraft gebe. Damit hatte er recht. Ich habe weniger die Institution als die Gemeinschaft mit den Menschen vermisst.
Ab welchem Zeitpunkt war Ihnen klar, dass Sie wieder eintreten wollen?
Auslöser war eine Begegnung auf dem Münchner Oktoberfest. Ich war bei den Steinbergs im Hofbräu-Zelt eingeladen. Sie sind Christen. Wir saßen dort fernab von allem Trubel und hatten Zeit zum Reden. Dort habe ich Josef Fegg getroffen, einen sehr volkstümlichen Pfarrer. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und ich habe ihm meine Sorgen und Nöte geschildert.
Wie ging es weiter?
Josef hat mich ermutigt, meine Ehe durch das Bistum annullieren zu lassen. Außerdem hat er mir ermöglicht, den aufgebahrten Leichnam von Papst Benedikt zu sehen. Das war ein erhebender Moment. Benedikt war ein großer Theologe. Ich hatte an seinem Sarg das Gefühl, dass die Kirche wieder einen Platz für mich hatte. Diesen Gedanken habe ich Josef anvertraut und dann wurde ich bald wieder feierlich in die Kirche aufgenommen.
Zur Person
Wolfgang Krebs ist 1966 in Seefeld im Landkreis Starnberg geboren. Er stand schon als Schüler beim Theater auf der Bühne. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Postbeamten und arbeitete später in der Werbeindustrie. Ende der 1990er Jahre wurde er als Imitator des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) bekannt. Nach dessen Rücktritt parodierte er auch die Nachfolger Günther Beckstein, Horst Seehofer und Markus Söder. Darüber hinaus imitiert er zahlreiche andere prominente Persönlichkeiten wie Robert Habeck oder Hubert Aiwanger. Krebs ist römisch-katholisch, war Mitte der 1990er-Jahre aus der Kirche ausgetreten und ist seit September 2023 wieder Kirchenmitglied.
Wie können Glaube und Kirche wieder relevanter für die Gesellschaft werden?
Als Texter in der Werbeindustrie weiß ich, wie wichtig der Markenkern ist. Darauf sollte die Kirche achten und sich nicht zu sehr dem Zeitgeist anbiedern. Sie sollte auch nicht versuchen, eine zweite evangelische Kirche zu werden. Natürlich hat die Kirche Fehler im Zuge der Missbrauchsskandale gemacht und muss diese aufarbeiten. Aber sie hat als ihren Markenkern die wichtigste Botschaft der Welt. Dabei helfen viele Seelsorger, die ihrem Namen alle Ehre machen.
Wie würde aus Ihrer Sicht eine Gesellschaft ohne Gott aussehen?
Da reicht ein Blick in die Präambel der Bayerischen Verfassung, die kurz nach Kriegsende formuliert wurde. Ihre Verfasser waren sich dessen bewusst, wohin eine Gesellschaft ohne Gott führt. Der Text liest sich zwar holprig, aber er basiert auf Erfahrungen. Eine gottlose Gesellschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle auf Erden und von allen guten Geistern verlassen.
Welches Bild haben Sie von Gott?
Ich glaube an einen Gott, der mich liebt und mir verzeiht, der mich aber auch ermahnt, Spielregeln einzuhalten. Gerade für mein Leben ist die Vergebung von Schuld ein wichtiges Thema. Diese darf ich in Bußgottesdiensten oder in der Beichte erfahren. Gott ist am Kreuz für mich gestorben. Es entlastet mich, wenn er mir anbietet, nach Fehlern immer wieder neu anzufangen.
„Ich fände es fatal, in der Angst leben zu müssen, dass nach dem Tod alles aus ist.“
Haben Sie einen Bibelvers, der Sie durch Ihr Leben begleitet?
Als Nummernschild meines Motorrads habe ich die Zahlen von Psalm 91,4 gewählt. Dort verspricht Gott, dass ich unter seinen Flügeln Zuflucht habe.
Haben Sie Angst vor dem Tod?
Nein. Bei mir überwiegt die Zuversicht. Die Menschen suchen nach Heilsbringern, aber das kann nur Gott geben. Es ist fantastisch, dass er mich behütet. Ich fände es fatal, in der Angst leben zu müssen, dass nach dem Tod alles aus ist. Viele meiner Kollegen belastet das enorm. Ich weiß, was mich erwartet.
Wer oder was hat bei Ihnen eigentlich die Liebe zur Bühne entfacht?
Als Ministrant habe ich die Angst verloren, vor Menschen auf der Bühne zu stehen. Außerdem habe ich gerne Theater gespielt und gerne Politiker imitiert. Dann hat mich ein Freund beim Bayerischen Rundfunk empfohlen. Begonnen hat alles mit Edmund Stoiber. Es folgten Günther Beckstein, Horst Seehofer und Markus Söder.
Was reizt Sie an Ihrem Beruf?
Ich kann die aktuelle politische Situation aufs Korn nehmen und gleichzeitig meine christlichen Werte im Programm unterbringen.
Wie das?
Ich möchte verdeutlichen, dass die Liebe wichtiger als der Hass ist. Auch wenn sich die politische Situation gerade anders anfühlt. Christliche Werte helfen uns dabei, das Miteinander zu stärken. Unsere Parteien sollten sich wieder mehr auf das C fokussieren, weil sie dann die Schwachen in den Blick nehmen und barmherziger miteinander umgehen. Das ist der Gegenentwurf zum AfD-Wahlprogramm. Deren Politiker stellen die Inklusion infrage, vergessen aber darüber nachzudenken, dass sie selbst einmal auf Hilfe angewiesen sein können. Sich zum Hüter über lebenswertes Leben zu machen, finde ich noch schlimmer als über Remigration zu sprechen. Dieser Politik sollten wir Menschlichkeit entgegensetzen.
Machen Sie Witze über Gott und den Glauben?
Ich habe meines Wissens nach noch nie eine Grenze überschritten. In einem meiner Programme sprechen eine evangelische Pfarrerin und der katholische Priester in bierseliger Laune über Gott und den Glauben. Aber das verletzt keine religiösen Gefühle oder lästert Gott. Ich respektiere alle Religionen und mache keine Witze darüber.
Im aktuellen Programm thematisieren Sie die sozialen Medien. Wie fällt das Ergebnis aus?
Ich beleuchte die sozialen Medien sehr kritisch. Die Menschen verbringen dort täglich eine lange Zeit und erleben dort viel Hass und Hetze. Ich möchte den Menschen mitgeben, dass sie sich von diesen Dingen nicht blenden lassen. Soziale Medien ersetzen auch keine gut recherchierten Artikel in Zeitungen oder Zeitschriften. Die sozialen Medien werden von Algorithmen gesteuert, die nicht gut für die Demokratie sind. Mich beeindruckt, wie sehr die Künstliche Intelligenz mittlerweile alles dominiert. Wir müssen sehr genau aufpassen, mit welchem Wissen wir sie füttern.
Macht Ihnen das Angst?
Angst nicht unbedingt, weil ich Menschen habe, mit denen ich meine Sorgen und Nöte teile. Selbst wenn die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, kann am Ende nur einer Politiker wie Putin oder Trump stoppen. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Welt auch wieder positiv entwickelt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Der Artikel ist erstmals in der Ausgabe 3/2026 des Christlichen Medienmagazins PRO erschienen. Das Heft können Sie hier kostenlos bestellen.