Christ – auch am Montag

Christliche Missionare verbreiten durch Wort und Tat das Evangelium im Ausland. Doch auch alle anderen Christen sind zur Nachfolge Jesu berufen. Wie kann das im Alltag aussehen? Wie bleibt Glaube lebendig?
Naemi Frick

Lea ist 23 Jahre alt und studiert Humanmedizin. Durch Studium und ehrenamtliche Verantwortungen ist ihr Leben komplett durchgetaktet – eine Herausforderung für ihre persönliche Zeit mit Gott. Wichtig erscheint ihr, so erzählt sie im Gespräch, auch mal „Nein“ zu sagen. Prioritäten zu setzen. Gleichzeitig sieht sie den stressigen Alltag auch als Chance: Sie selbst erlebte schon oft, wie Gott sie durch diesen Stress und Druck getragen hat und erhofft sich, damit auch für andere Mitstudenten eine Ermutigung sein zu können. Oft komme sie an den Rand ihrer Grenzen und genau da erlebe sie: „Gott ist nichts unmöglich“. 

Hobbies, Arbeit, Schule, Hausaufgaben, Familienfeste, aufräumen, kochen, hoffentlich noch schlafen: Der Alltag der meisten Menschen ist bis an den Rand gefüllt. Jeder Tag bringt seine Routinen und neue Herausforderungen mit sich. Für den persönlichen Glauben kann das ein ganz schönes Hindernis sein. Man würde ihn doch gerne aktiver leben, doch hat das Gefühl: Der Alltag frisst mich auf. Wie schafft man es also, die täglichen Pflichten mit dem Glauben an Jesus zu verbinden?

„Erfüllt und überfließend“

Diese Frage stellt sich eine Gruppe junger gläubiger Medizinstudenten. Die „Arbeitsgemeinschaft Christlicher Studenten“ (ACM) lud zu einem Wochenende im Mai ein, um sich genau darüber auszutauschen: Wie können Christen im Alltag erfüllt Glaube leben und teilen? Rufina Kaehler, Regionalreferentin der Hochschul-SMD, leitete dazu ein Seminar. Der Titel: „Erfüllt und überfließend“.

Rufina Kaehler beginnt mit einem Wortspiel. „Erfüllt“ wird zu „Er füllt“. Das sei zunächst einmal die Grundlage: Gott ist die Quelle, die uns versorgt. Leben und weitergeben könnten wir nur, was wir auch selbst empfangen würden. Das Überfließen geschehe automatisch. Man stelle sich ein Glas vor, das man mehr und mehr mit Wasser füllt. Ab einer bestimmten Füllmenge fließt es ganz von selbst über. Daher gehe es darum, an dieser Quelle zu bleiben. Nah an Gott zu bleiben. Wie schaffen wir das in einem Alltag, der von allem anderen überzuquellen scheint? 

„Was machen wir eh schon in unserem Alltag?“, fragt Kaehler: Sport, kochen, Wäsche waschen – egal was, wir könnten es mit Gott tun. Anstatt uns noch mehr zusätzliche Dinge in den Zeitplan zu stopfen, kann man schon bestehende Dinge als Zeit mit Gott erleben. Dabei sei jeder anders und kann diese Zeit ganz individuell gestalten. Natürlich brauche man aber auch die ganz bewusste Zeit mit Gott: Stille Zeit, Gebet und Bibellesen. Dafür brauche es auch „klare Grenzen“: Wann ist Lernen dran und wann lege ich die Lernhefte zur Seite und widme mich aktiv meiner Bibel? „Mini-Zeiten mit Gott sind besser als gar keine“, betont Kaehler. In allem sei es wichtig, realistisch zu bleiben und anstelle von Druck, Ehrlichkeit einzuüben. Überfließen ist auch schon im Kleinen möglich: Dem Kollegen aktiv zuhören, anstatt Gespräche halbhörig zu verfolgen, nicht mitlästern oder einem Freund in der Not helfen. Dabei ist es ganz klar das Göttliche, was „überfließt“, nicht das Menschliche. 

Deshalb sei es wichtig, Gott mit einzubeziehen und ihn für Gelegenheiten zu bitten, in denen man seine Liebe teilen kann. Kaehler zitiert auch aus dem Bestseller „Das Ende der Rastlosigkeit“ von John Mark Comer. In seinem Buch erwähnt er vier Wege gegen Rastlosigkeit: Stille und Einsamkeit, Sabbat, einfach leben und Entschleunigung. 

Es wird klar: Unser heutiger Lebensstil ist oft eher das Gegenteil. Schnell, effizient, überfüllt. Dabei spielt auch die Handyzeit eine große Rolle. Ein kurzer Blick wird dann doch zu einer halben Stunde oder mehr, in der man sich mit allem möglichen füllt. Ein erster guter Schritt, mehr Zeit zu schaffen ist, die Handyzeit einzuschränken. Ob das bedeutet, automatische Begrenzungen einzuführen oder das Handy beim Spazierengehen daheim zu lassen ist jedem selbst überlassen. Eins ist sicher: Wir vergeuden mehr Zeit am Handy als uns oft bewusst ist.

„Wir sind keine Einzelkämpfer“ 

Wie Lea studiert auch Maike Medizin. Für sie ist es essenziell geworden, sich gute Gewohnheiten anzueignen: Raum zu schaffen, ihren Morgen mit Gott zu gestalten, in den Hauskreis zu gehen, einen Ruhetag einzuführen. All das helfe, den Fokus auf Jesus zu bewahren. Ihren Glauben zu teilen, falle über Beziehungen am einfachsten: Freunde einfach mal einladen und ehrlich erzählen, wenn man am Wochenende den Lobpreis geleitet hat.

Alle sind sich einig: Gemeinschaft mit anderen Christen ist enorm wichtig. Glaubenszeugnisse zu hören, zu teilen, gemeinsam zu wachsen. „Man ist kein Einzelkämpfer“, sagt Thomas, der auch auf diesem Seminar ist. 

All das sind keine neuen Erkenntnisse. Sie umzusetzen, fällt im Alltagstrubel dann aber doch oft schwer. Umso wertvoller sind Wochenenden wie dieses, an dem sich junge Menschen neu auf Gott ausrichten wollen.

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