Zehntausende beten auf der National Mall für Trump

Zehntausende beteten in Washington, D.C., für die USA und ihren Präsidenten. Das Event „Rededicate 250“ zeigt, wie eng Patriotismus, evangelikale Frömmigkeit und christlicher Nationalismus in den USA inzwischen verschmelzen.
Von Norbert Schäfer
Rededicate 250

Zehntausende haben sich Medienberichten zufolge am Sonntag in Washington, D.C., auf der National Mall zum Massengebet für die Vereinigten Staaten von Amerika und Donald Trump versammelt. Das Mega-Event unter dem Motto „Rededicate 250“ fand als Teil einer Veranstaltungsreihe zum 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der NGO „Freedom 250“ in enger Abstimmung mit dem Weißen Haus.

Das erklärte Ziel: die USA „als eine Nation unter Gott“ neu zu weihen – mit Blick auf den Glauben der Gründerväter und verbunden mit der Bitte an Gott, die Nation zu segnen und zu leiten. Die Veranstaltung war als „einmaliger nationaler Moment“ beworben worden. Sie verband patriotische Erinnerungskultur mit evangelikaler Frömmigkeit.

Christliche Prominenz auf der Bühne

MAGA-Kappen, Jesus-Shirts und US-Flaggen prägten das Bild. Auf der Bühne standen christliche Musik-Stars wie Chris Tomlin, Pastoren und Politiker. Trump selbst, gerade aus China zurückgekehrt, war per Videobotschaft zugeschaltet.

Unter den Rednern waren unter anderem der Autor Eric Metaxas („Bonhoeffer. Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet“), der Schauspieler Jonathan Roumie („The Chosen“), der Evangelist Franklin Graham und auch Trumps langjährige Unterstützerin Paula White-Cain wurden per Video eingespielt. Die Botschaft der Veranstaltung: Amerika ist eine Nation unter Gott – und muss es bleiben.

Annie Laurie Gaylor, Mitpräsidentin der „Freedom From Religion Foundation“, die für eine strikte Trennung von Kirche und Staat eintritt, nannte die Veranstaltung schlicht „empörend“: „Dies ist eine Regierung, die eine christlich-nationalistische Veranstaltung ausrichtet.“ Eine weitere Kritik von Pastor und Publizist Brian Kaylor: Die US-Gründerväter hätten bewusst eine Verfassung entworfen, die Staatsreligion verbietet. Die frühen Präsidenten Jefferson und Madison hätten solche offiziellen Gottesdienste sogar als schädlich für die Religion selbst betrachtet.

Laut aktuellen Umfragen des Pew-Instituts lehnt die Mehrheit der Amerikaner eine Vermischung von Kirche und Staat ab – trotzdem bleibt die Unterstützung vieler MAGA-Christen für Trump eisern.

„Eine vulgäre Gotteslästerung“

Der Journalist und Theologe Andreas Malessa kritisierte, eine Veranstaltung wie diese vereinnahme den christlichen Glauben für eine „Politshow“. Dies einen Gottesdienst zu nennen, sei „eine ebenso vulgäre Gotteslästerung wie Trumps Ich-bin-der-Heiland-Bilder – nur eben nicht nachträglich als Witz entschuldbar“, sagte er gegenüber PRO. „Gottesdienst ist Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit und gelebtes Zeugnis der Liebe Gottes im Alltag.“ Was auf der National Mall zu sehen war, sei für ihn das Gegenteil davon.

Auch in amerikanischen trumptreuen Mega-Kirchen, Gemeinden der Southern Baptist Convention oder einiger Pfingstkirchen sei die „Grenze zwischen Königshuldigung und Gottesdienst ebenso verwischt wie in lutherischen Gemeinden der kriegsbegeisterten wilhelminischen Jahre vor 1914“.

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