Mitte April hat das Jugendamt Oberallgäu sechs Kinder aus dem „Haus Seenest“ im Allgäu in Obhut genommen. Das „Seenest“ ist eigenen Angaben zufolge eine vollstationäre Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung. Träger der Einrichtung ist die „Himmelsstürmer Deutschland gGmbH“, die wiederum eine Tochtergesellschaft des Hamburger Vereins „Mission Freedom“ ist, der von Gaby Wentland gegründet wurde. Über den Vorgang habe verschiedene Medien berichtet.
Auf PRO Anfrage teilte die Regierung von Schwaben am Montag mit, dass der Grund für die Inobhutnahme „kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden der Einrichtung“ gewesen seien. Die Entscheidung zur Inobhutnahme sei durch das zuständige Jugendamt Oberallgäu erfolgt.
Die Behörden hätten aufgrund der Vorkommnisse in der Einrichtung gemäß den gesetzlichen Vorgaben im Vorfeld bereits eine sofort vollziehbare Tätigkeitsuntersagung hinsichtlich der dort eingesetzten pädagogischen Leitung sowie weitere nachträgliche Auflagen gegenüber der Einrichtung erlassen. Wie die Pressestelle weiter mitteilte, habe das Verwaltungsgericht Augsburg den Antrag des Einrichtungsträgers auf einstweiligen Rechtsschutz gegen das erlassene sofort vollziehbare Tätigkeitsverbot abgelehnt.
Hinweise kamen von ehemaligen Mitarbeitern
Am Montag nahm der Vorstand von „Mission Freedom“ zu dem Vorgang Stellung gegenüber PRO. Dessen Vorsitzende Gaby Wentland teilte mit, dass ehemalige Mitarbeitende Anfang Februar angebliche Missstände direkt bei der Aufsichtsbehörde angezeigt hatten – ohne zuvor das interne Gespräch zu suchen. Die Regierung von Schwaben habe daraufhin am 5. März 2026 der pädagogischen Leiterin sofort die weitere Tätigkeit untersagt; sie wurde der Mitteilung zufolge umgehend freigestellt.
Eine im März vom Träger selbst beauftragte externe Kinderschutzfachkraft kam den Angaben von „Mission Freedom“ zufolge nach Prüfung zu dem Ergebnis, dass zum Zeitpunkt der Untersuchung keine aktuelle Kindeswohlgefährdung vorlag. „Die Vorwürfe konnten nicht eindeutig bestätigt werden, während die Maßnahme zu erheblicher Verunsicherung bei Kindern und Mitarbeitenden führte“, teilte Wentland schriftlich mit.
Am 17. April 2026 wurden laut der Mitteilung die sechs Kinder ohne Vorankündigung durch das Kreisjugendamt aus der Einrichtung und aus der Schule herausgeholt. Der Träger wertet dieses Vorgehen als retraumatisierend für die betroffenen Kinder. „Zu den Vorwürfen äußern sich die Behörden wegen eines laufenden Rechtsstreits nicht. Ein Zusammenhang mit der christlichen Ausrichtung des Trägers wurde von den Behörden bisher nicht erwähnt“, teilt Wentland mit. „Mission Freedom“ und die „Himmelsstürmer Deutschland gGmbH“ erklärten, die Entwicklungen sehr zu bedauern. Derzeit würden weitere Schritte geprüft.