Kirche auf „Kleinanzeigen“ zum Verkauf angeboten

Eine katholische Gemeinde in Erfurt hat eine ihrer Kirchen bei „Kleinanzeigen“ zum Verkauf angeboten. Damit sind sie nicht die ersten.
Von Naemi Frick

Die Erfurter Innenstadtpfarrei St. Laurentius hat ihre Cruciskirche zum Verkauf auf Kleinanzeigen eingestellt. Die historische Barockkirche ist eine von sieben Kirchen der Pfarrei. Von sieben Kirchen der Pfarrei werden künftig nur noch drei übrig bleiben. Denn seit einiger Zeit ist der Gemeinde klar: Sieben Kirchen weiterhin zu unterhalten, ist zu teuer, wie die Kirche auf ihrer Homepage schreibt. Das liegt nicht nur an der schrumpfenden Mitgliederzahl, sondern auch an den hohen Instandhaltungskosten der größtenteils mittelalterlichen Kirchen. Besonders die pompös geschmückte Barockkirche mit ihrer historischen Orgel belastet den Haushalt erheblich.

Als klar wurde, dass eine Transformation nötig ist, kam der Prozess „7minusX“ zustande. Laut der Pfarrei beschreibe dieser keine kleine Reform, sondern eine grundlegende Neuausrichtung des kirchlichen Lebens. Dabei steht die „7“ für die bestehenden Kirchen. Das „minus“ kennzeichnet die Realität, nicht alle Kirchen weiterhin unterhalten zu können und das „X“ als Variable die Anzahl der Kirchen. Dieser Wert wurde Anfang 2025 fest beschlossen: „X“ = 4. Das bedeutet: Vier Kirchengebäude werden aufgegeben. 

Von „7minusX“ zu „3plusWir“

Nach diesem Entscheidungsschritt tat sich auch etwas in dem Transformationsprozess. Es musste nach vorne geschaut werden. So wurde „7minusX“ als „3plusWir“ weitergeführt. Der Fokus ist nun auf der Gestaltung von Gemeinde in den drei übriggebliebenen Kirchen: St. Lorenz, St. Severi und St. Wigbert. Das „Wir“ steht dabei für den Zusammenschluss von Gläubigen, Hauptberuflichen und Ehrenamtlichen.

Neben der Cruciskirche werden auch die St. Martini, die Schottenkirche und die St. Georg Kirche nicht weiter betrieben. Ihre Nutzung wird mit Christkönig 2026, also Ende November, enden. Wie die Pfarrei informiert, sollen schon Gespräche geführt und Konzepte geplant werden. Sebastian Ulbrich, Mitglied des Kirchenvorstands, erzählt im Interview des „Spiegel“, dass es konkrete Ideen gibt, wie eine Nachnutzung als Urnenfriedhof oder ökumenische Jugendkirche. 

Für Aufmerksamkeit sorgte nun die Entscheidung der Verantwortlichen, die Cruciskirche auf „Kleinanzeigen“ zu inserieren. Dass Kirchen im Internet annonciert werden, ist nichts Neues. Die katholische Gemeinde in Lispenhausen, einem Stadtteil von Rotenburg an der Fulda, hat beispielsweise 2024 ihre Filialkirche zum Verkauf eingestellt. Mitsamt Pfarrhaus, Kloster und Glockenturm wurde die Kirche für 395.000 € angeboten. Auch hier war der Grund die Unwirtschaftlichkeit: zu hohe Kosten, zu wenige Mitglieder. Dieses Problem wird mit Blick auf die abnehmenden Mitgliederzahlen größer werden. Viele Gemeinden wenden sich daher innovativen Projekten zu. 

Kein Einzelfall

Der Hessische Rundfunk berichtete in einer Dokumentation über Gemeinden mit verschiedenen Ideen, ihre Kirchengebäude neu zu nutzen. In Bad Nauheim soll etwa die evangelische Johanneskirche zu einem Wohnheim für behinderte Jugendliche werden, mit der Kirche als Begegnungszentrum. In Bad Orb gibt es schon ein umgesetztes Projekt: Die ehemalige Kirche wird nun als Kletterhalle verwendet. Ein Teil der Kirche ist noch geweiht und es finden sogar Gottesdienste statt. Viele Gemeinden ziehen bei der Nutzung der Kirchengebäude aber auch Grenzen: okkulte Stätten, Spielhallen und Bordelle dürfen nicht entstehen, so Ines Hoffmann, Verwaltungsleiterin der Kirchengemeinde in Bad Nauheim.

Für einen verantwortlichen Umgang appelliert auch die katholische Innenstadtpfarrei St. Laurentius im Falle ihrer Kirche. Der besondere Charakter des Ortes solle respektiert werden, schreiben sie in ihrer Anzeige. Eine Profanierung sei aber denkbar. Angeboten wird die Kirche für „98.765 € VB“ – kein ernstzunehmender Preis, wie Ulbrich im „Spiegel“-Interview klarstellt. Es gehe ihnen nicht ums Geld. Was dem Käufer aber bewusst sein muss, ist der Sanierungsbedarf des Gebäudes. Dieser stelle zwar eine Herausforderung dar, sei jedoch auch ein gewisser Spielraum für neue Ideen. All das macht die Innenstadtpfarrei in ihrer Kleinanzeige deutlich. Genauso wie die Offenheit gegenüber Anfragen aus dem europäischen Ausland.

Die Steuerungsgruppe „3plusWir“ gibt an, schon einige Anfragen unterschiedlicher Natur bekommen zu haben: ernsthafte Konzeptentwürfe, Ideen, Fragen oder Gesprächsangebote. Auch aus dem europäischen Ausland komme Interesse. Dies müsse nun alles erstmal gesichtet werden. Eins sei jedoch klar: Die Aufmerksamkeit durch die Kleinanzeige legt eine gute Grundlage für alles weitere. 

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