Prostitution: In Frankreich hat sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen

Ist Frankreich ein Vorbild für Deutschland im Umgang mit Prostitution? Héma Sibi hat für eine Umsetzung des Nordischen Modells geworben. In ihrem Land hat sich dadurch ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen mit einer ungewöhnlichen Zustimmung.
Von Johannes Blöcher-Weil
Prostitution

Die Juristin und Direktorin der „Coalition for the Abolition of Prostitution“ (CAP) Héma Sibi hat beim Freiheits-Kongress in Schwäbisch Gmünd für eine flächendeckende Einführung des Nordischen Modells geworben. Die Französin berichtete von einem langwierigen Prozess in Frankreich bis zur Umsetzung. Das Nordische Modell bezeichnet eine Gesetzgebung, bei der der Kauf sexueller Dienstleistungen strafbar ist, nicht aber deren Verkauf, mit dem Ziel, Prostitution einzudämmen und die betroffenen Personen zu schützen.

Mit Hilfe der umfassenden Präventionsstrategie habe sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzogen. Ehemalige Prostituierte würden psychosozial begleitet und dürfen eine Ausbildung machen. Seit Einführung seien 11.000 Sexkäufer verurteilt worden und ins Gefängnis gekommen. Jeder Zweite sei ein verheirateter Familienvater. In Frankreich habe sich seit Einführung 2016 ein massiver Wandel vollzogen: „Das Gesetz genießt 92 Prozent Unterstützung.“

Stieneke van der Graaf nahm im Blick auf die Bekämpfung der Prostitution die niederländische Perspektive ein. Sie war lange Jahre Mitglied des niederländischen Parlaments und ist heute Bürgermeisterin einer kleinen Gemeinde. Sie warb dafür, aus einer moralischen Diskussion eine über Menschenrechte zu machen, um politische Mehrheiten zu erreichen.

„Finden Sie Verbündete für das Thema“

„Nutzen Sie die Medien für ihre Anliegen und versuchen sie einen nationalen Berichterstatter für das Thema einzusetzen.“ Es gehe darum, Verbündete für dieses Thema zu gewinnen und sie mit in den Veränderungsprozess zu nehmen.“ Viele Menschen hätten nämlich keine Ahnung davon, was in der Prostitution passiere: „Deswegen braucht es eure Stimme.“

Kerstin Neuhaus berichtete von ihren Erfahrungen aus Schweden. Seit der Einführung des Nordischen Modells machten sich die Prostituierten dort nicht mehr strafbar: „Hier werden die Freier wirklich zur Verantwortung gezogen. Schweden hat das beste Werkzeug, um das Gewerbe zu bekämpfen.“ Bei Einsätzen kooperierten Polizei und soziale Arbeit regelmäßig.

Cathrin Schauer-Kelpin aus Plauen warf einen Blick über die deutsche Grenze nach Tschechien: „Die wenigsten von ihnen habe sich freiwillig entschieden. Sie wurden getäuscht, belogen und betrogen.“ Viele Frauen kämen aus den ärmsten Regionen Osteuropa und der gesamten Welt.

„Wer das beschönigt, stabilisiert das System“

Wer das alles beschönige, stabilisiere den Status. Mittlerweile sei es immer schwieriger aus der Prostitution auszusteigen: „Die Frauen werden durch ganz Deutschland gereicht: von Woche zu Woche oder teils sogar tageweise. Dadurch hätten sie keine Chance, Beziehungen oder Vertrauen aufzubauen und geraten in immer größere Abhängigkeit: „Armut, Gewalt und Missbrauch werden mit schönen Worten überdeckt und als Missbrauch normalisiert.“

Die online zugeschaltete Monique Beadle berichtete, wie gut das Modell in Israel funktioniere. Sie wolle dazu ermutigen, das Erfolgsmodell auch in andere Länder zu transportieren: „Ich kann ihnen aus eigenem Erleben sagen, dass sich Einstellungen verändern. Haben Sie Mut, das Nordische Modell umzusetzen.“

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