CDU-Landtagsabgeordneter: „Die Debatte kotzt mich an“

Der CDU-Politiker Christian Gehring hat kritisiert, dass Prostitution öffentlich romantisiert würde. In seinem Nachbarort gebe es ein sogenanntes Flatrate-Bordell: „Es kotzt mich an, dass wir so etwas akzeptieren.“
Von Johannes Blöcher-Weil
Auch die politische Sicht des Themas Nordisches Modell wurde in einer Podiumsdiskussion beleuchtet: in der Mitte mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Christian Gehring

Christian Gehring war von seiner Tätigkeit als baden-württembergischer Landtagsabgeordneter Polizist: „Hier wird auf einer Meta-Ebene diskutiert, die mit dem Thema nichts zu tun hat.“ Viele würden die widerwärtigen Realitäten der Branche nicht kennen: „Der Protz-Wagen vor einem Bordell gehört sicher nicht den Frauen, sondern dem Chef. Die Prostituierten würden aus bitterer Armut heraus handeln: „Es macht sich aber keiner vor Ort ein Bild davon.

Die SPD-Politikerin Brigitte Schmid-Hagemeyer merkte an, dass aus medizinischer Sicht klar sei, was Prostitution mit Menschen mache und dass sie zutiefst unsozial sei. „Es ist eine Katastrophe, dass wir noch die aktuelle Gesetzeslage haben.“ Das Ausmaß organisierter Kriminalität werde nicht gesehen: „Die Netzwerke in diesem Gewerbe gehen in alle gesellschaftlichen Schichten und die Gewalt wird nicht gesehen.“ Eine Umsetzung des Nordischen Modells könne nur im Schulterschluss von Union und SPD passieren.

Der Theologe Jakob Drobnik machte den Widerspruch der Selbstbestimmung deutlich: „Warum bitte soll irgendjemand anderes wirtschaftlich davon profitieren, wenn eine Frau ausgenutzt wird? Das ist ein logischer Widerspruch und nicht miteinander vereinbar.“ Drobnik bemängelt auch, dass der Staat seiner Schutzfunktion nicht nachkomme. Der Mensch sei nicht als Ware staatlicher Illusion gedacht.

„Abgründe und Ausmaß des Patriarchats“

Uta Beyer (Die Linke), mahnte an, dass es sich bei der Prostitution um ein gesamtgesellschaftliches Problem handele. In den letzten 30 Jahren habe man zu sehr auf das Individuum und zu wenig auf die Gesellschaft geschaut: „Seit Jahrzehnten wird Leid produziert, die sich auf die ganze Gesellschaft auswirkt.“ Auch das Ausmaß und die Abgründe des Patriarchats würden zu wenig thematisiert: „Wenn wir nicht klar machen, dass 1,2 Millionen Männer täglich Prostitution nutzen, werden wir uns von dem Thema nicht verabschieden.“

Ursula Mayr (Bündnis 90/ Die Grünen), ging auf das Leid ein, das Frauen täglich widerfahre: „Wir brauchen dringend einen moralischen Kompass. Und es wir zu wenig über den Gewaltkontext gesprochen.“ Moderiert wurde die Diskussion von der ehemaligen Betroffenen Huschke Mau.

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