Gauck fordert von Medien „Beistandspflicht“ gegenüber der Demokratie

Wie lange gibt es noch gedruckte Zeitungen? Und was kommt danach? Darum ging es beim Kongress der Madsack Mediengruppe. Altbundespräsident Gauck ist überzeugt: Die traditionellen Medien werden für die Demokratie gebraucht.
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Altbundespräsident Joachim Gauck hat an die deutschen Medien appelliert, bei ihrer kritischen Analyse der Politik nicht das gesamte demokratische System in Misskredit zu bringen. Wenn bei den Mediennutzern „vor allem die Fragwürdigkeit der Demokratie hängen bleibt, kann doch etwas nicht stimmen“, sagte Gauck am Donnerstag bei dem Kongress „The Future of German Media“ in Hannover. In Zeiten, in denen die Fundamente der Demokratie angegriffen würden, sehe er so etwas wie eine „Beistandspflicht“ der Medien bei ihrer Verteidigung, sagte Gauck.

Gauck betonte, es gehe ihm nicht um den Verzicht auf kritische Berichterstattung. Nichts läge ihm, aufgewachsen in der SED-Diktatur, ferner, sagte er. Viel zu häufig befalle ihn aber der Eindruck, dass die Benennung der Defizite der Demokratie den Medien wichtiger sei als deren Bewahrung. Er verwies auf Internetplattformen, die eine demokratiegefährdende „Nebenwelt alternativer Fakten“ geschaffen hätten. Qualitätsjournalismus habe „die aufklärerische Daueraufgabe“, sich deren „Vernebelung und Verdunkelung von Wirklichkeit“ entgegenzustellen, sagte der evangelische Theologe: „Ich werbe darum, dass der gute Journalismus nicht eine eigene verdunkelnde Wirklichkeit repräsentiert.“

Madsack-Chef: Nächste drei bis fünf Jahre entscheidend

Beim Kongress „The Future of German Media“ der Madsack Mediengruppe ging es am Donnerstag in Hannover um die Zukunft der Medien, speziell der Zeitungsbranche und deren digitale Transformation. Konzerngeschäftsführer Thomas Düffert machte deutlich, dass die Veränderungen nach seiner Einschätzung schnell gehen müssen. „Die nächsten drei bis fünf Jahre werden darüber entscheiden, wie die nächsten drei bis fünf Jahrzehnte aussehen im Journalismus“, sagte Düffert. Rein rechnerisch müsse bis 2033 die digitale Transformation von Medienangeboten erreicht sein.

Ein konkretes Hemmnis auf dem Weg ins Digitale sei die starke Regulierung von Medienunternehmen durch die Politik, erklärte der Madsack-Chef vor mehreren Hundert Besuchern. Exemplarisch dafür nannte Düffert Einschränkungen beim Telefonmarketing für Abonnements. „Wenn wir nach dem Telefonat dazu angehalten sind, noch einen Brief zu schreiben, um das Geschäft abzuschließen, dann können wir es auch ganz lassen.“

Friedrich: Regionalzeitungen machen „sehr, sehr guten Job“

Zur Diskussion eingeladen hatten die Veranstalter auch den Verleger der „Berliner Zeitung“, Holger Friedrich, der kürzlich die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ auf den Markt gebracht hatte. Sein Anspruch sei es, hohe Informationsqualität zu liefern sowie Debatten zu führen, die „ergebnisoffen geführt werden“, mit Mitarbeitenden, „die den Status quo infrage stellen“, sagte er.

In der Diskussion mit Düffert, dessen Konzern mit großen Regionalzeitungen im Osten vertreten ist, relativierte Friedrich den Anspruch, mit der neuen Zeitung „Marktführer“ in Ostdeutschland werden zu wollen. Die regionalen Medien machten einen „sehr, sehr guten Job“, sagte er. Die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ sehe er da „eher als Ergänzung“. Westdeutsche Leitmedien wie die „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Spiegel“ hinterließen im Osten aber eine „Repräsentationslücke“. „Und weil da keiner da ist, ist es auch leicht mit der Marktführerschaft“, sagte Friedrich.

epd
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