Militärbischof warnt vor „falschem Frieden“

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht ins fünfte Jahr. Immer wieder werden Rufe laut, Frieden durch Zugeständnisse zu erreichen. Der evangelische Militärbischof der Bundeswehr widerspricht.
Am Donnerstag ins Amt eigeführt: der neue Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland: Bernhard Felmberg

Zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine hat der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg dazu aufgerufen, Gerechtigkeit und Sicherheit als Friedensgrundlage nicht aus dem Blick zu verlieren. Ein Diktatfrieden, der auf Unterdrückung und Angst basiere, sei „die Friedhofsruhe der Tyrannei“, sagte er laut Manuskript am Dienstagabend in einer Predigt in Potsdam. Wer mit einem solchen vermeintlichen Frieden Unrecht zementiere, schaffe keinen Frieden, sondern vertage nur den nächsten Krieg.

Felmberg betonte, Müdigkeit und Erschöpfung angesichts der anhaltenden Gewalt seien groß. Die Sehnsucht, dass es einfach vorbei sein möge, sei übermächtig geworden. „Wir sehnen uns nach Ruhe“, erklärte er: „Wir sehnen uns nach Normalität.“ Damit drohe jedoch ein „falscher Friede“. Dies wäre ein „Zustand, den wir Frieden nennen, nur weil die Waffen schweigen, während das Unrecht zum Himmel schreit“.

„Christlicher Realismus“

Denjenigen müsse der Rücken gestärkt werden, die das Recht verteidigen, politisch, humanitär und auch militärisch, betonte der Theologe: „Wir dürfen das Feld nicht denen überlassen, die herrschen wollen durch Gewalt und Unterdrückung.“ Es müsse der Versuchung widerstanden werden, „wegzuschauen, nur weil das Hinschauen schmerzt und müde macht“.

Felmberg betonte, militärische Gewalt könne das Schlimmste verhindern, jedoch keine paradiesischen Zustände schaffen. Notwendig sei ein „christlicher Realismus“, der vor naiver Utopie ebenso bewahre wie vor zynischer Resignation. Zugleich dürfe nicht vergessen werden, dass auch in einem gerechten Kampf der Feind ein Mensch bleibe.

epd
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