Kommentar

Was die Epstein-Affäre (nicht) lehrt

Dieser Tage könnten wir Zeugen des Endes einer der größten Verschwörungserzählungen der vergangenen Jahre werden: „QAnon“. Grund dafür ist die Veröffentlichung der so genannten Epstein-Files.
Von Nicolai Franz
Demonstranten fordern, die Epstein-Files freizugeben

Die Anhänger der „QAnon-Bewegung“ finden sich vor allem in den USA, auch unter zahlreichen konservativen Christen. Vor allem in Trumps „MAGA“-Bewegung. Sie glauben vor allem an diese Punkte:

Eine globale satanistische Elite aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kultur betreibt Kinderhandel und rituellen sowie sexuellen Missbrauch. Den „Deep State“, ein geheimer Staat im Staate, der die wahre Macht innehat und gegen Demokratie und das Volk kämpft.

Die Erlöserfigur Donald Trump, der dieses Netzwerk zerschlagen, die Opfer befreien und die Schuldigen bestrafen wird.

Immer wieder brachten „QAnon“-Anhänger die Verbrechen von Jeffrey Epstein damit in Verbindung. Der Sexualstraftäter soll einen Ring für sexuellen Missbrauch unterhalten und unter anderem Prominente auf seine Privatinsel eingeladen haben, mit denen er Sex-Orgien mit Minderjährigen gefeiert haben soll.

Ein globales elitäres Netzwerk?

Außer ihm selbst, der sich vor Jahren bereits selbst getötet hat, und seiner Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell ist aber im Zuge dieser Anschuldigungen noch niemand verurteilt worden. Dabei ist die Liste derer, mit denen Epstein verkehrte, lang: Bill Clinton, Bill Gates, Prince Andrew und viele andere Namen sind bekannt.

Kein Wunder, dass für „QAnon“ dies der Beleg für die Theorie des globalen elitären Netzwerks war. Abgeordnete, die der Bewegung nahe standen, plädierten immer für die Veröffentlichung der „Epstein Files“, also der Dokumente, die das Justizministerium über Epstein gesammelt hatte. Ziel: für Gerechtigkeit sorgen.

Nun sind zwar Millionen von Dokumenten veröffentlicht – doch gleichzeitig beginnen die Fundamente der „QAnon“-Theorie heftig zu wanken. Denn bisher weist nichts darauf hin, dass es so etwas wie rituellen Missbrauch gab, also etwa satanistisch motivierte Gewalt, okkulte Praktiken und so weiter. Zudem haben die beiden Kammern des US-Kongresses über die Parteigrenzen hinweg mit fast einstimmiger Mehrheit für die Veröffentlichung der „Epstein Files“ gestimmt. Wo ist da der Deep State, der angeblich so mächtig ist, dass er dies nicht verhindern konnte?

Ist Trump noch die Retterfigur?

Und, am wichtigsten: Der einzige, der sich lange gegen die Veröffentlichung der „Epstein Files“ gestemmt hat, war niemand geringeres als Donald Trump selbst. Der angebliche Erlöser tat alles, um Epstein aus den Schlagzeilen zu bekommen und persönliche Verbindungen, ja gar eine Freundschaft mit ihm, zu leugnen. Dabei zeigen die Dokumente eindeutig: Epstein und Trump standen sich nahe.

Dass Trump sich so lange wehrte, hatte schon länger für Rumoren innerhalb der „QAnon“-Szene gesorgt, in der MAGA-Bewegung sowieso. Die vielen weißen evangelikalen Christen unter den Trump-Anhängern dürften sich zudem zunehmend fragen, ob Trump noch ihr Mann ist, wenn er sich am Ende eben doch nicht als die Retterfigur von Opfern sexualisierter Gewalt entpuppt, sondern als Blockierer.

Dazu kommt, dass auch das Justizministerium bereits erklärt hat, keine weiteren Anklagen zu erheben, die aktuelle Beweislage sei zu dünn. Stand jetzt wird es also die große Aufklärung und Rettung nicht geben.

Trotz dieser Misere wäre es begrüßenswert, wenn gerade Christen in den USA daraus lernen: Eine weitere Erlöserfigur braucht es nicht, denn die gibt es schon: Jesus.

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