Erste „Margot-Käßmann-Schule“

Erstmals ist eine Schule nach der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, benannt worden. Die Theologin ist Schirmherrin der Pflegeschule.
Von Jörn Schumacher
Margot Käßmann- Schule

Die Berufsschulen der Diakonie Rotenburg heißen nun Margot-Käßmann-Schule. Das teilte das Evangelisch-lutherische Diakonissen-Mutterhaus in Rotenburg als Trägerin der Schule mit. Am Standort Rotenburg/Wümme bildet die Diakonie seit über 100 Jahren Pflege- und andere Fachkräfte in heilerzieherischen Berufen aus. Das neue Logo der Schule verbindet die Initialen der Namensgeberin, das Kronenkreuz der Diakonie mit drei Farben für die drei Trägereinrichtungen.

Käßmann selbst enthüllte das neue Namensschild der „Margot-Käßmann-Schule“. Sie werde als Schirmherrin künftig das Schulleben mitgestalten, heißt es laut einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd). Die evangelische Theologin, die von Oktober 2009 bis Februar 2010 EKD-Ratsvorsitzende war, sagte: „Die Förderung von sozialem Engagement und protestantischem Profil war und ist mir ein Anliegen. Deshalb werde ich die Schule, vor allem die jungen Leute, die sich hier auf ihr Berufsleben vorbereiten, in Zukunft gern begleiten und unterstützen.“

Der Entscheidung für den neuen Namen sei ein intensiver Beratungs- und Abstimmungsprozess unter Beteiligung der Schülerschaft und des Kollegiums vorausgegangen, hieß es in der Mitteilung. Die in Marburg geborene Käßmann war Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags (DEK), Präsidentin der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen, Landesbischöfin für die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers und EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017.

Laut einer Pressemitteilung des „Agaplesion Rehazentrums“ sagte Käßmann beim Festakt: „Bildung ist nicht nur Intellekt – es geht auch immer um Herzensbildung.“ Am Ende sei „das soziale Gewebe in unserem Land“ entscheidend. „Auch wenn ich fürchte, dass uns noch stürmische Zeiten im Gemeinwesen bevorstehen, mache ich mir angesichts vieler gut ausgebildeter junger Menschen keine Sorgen.“ Die Förderung von sozialem Engagement und protestantischem Profil sei ihr immer ein Anliegen gewesen.

„Eine der prägenden Stimmen für den sozialen Zusammenhalt“

Die Rotenburger Werke der Inneren Mission in Rotenburg (Wümme) ist eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in Rotenburg (Wümme), Niedersachsen, im Bereich der evangelisch-lutherischen Sozialarbeit. Neben Pflegeeinrichtungen, Wohnungen und Handwerksbetrieben gehören Ausbildungsstätten zum Angebot. 1972 wurde eine Fachschule für Heilerziehungspflege/Berufsfachschule für Heilerziehungshilfe eingerichtet. Die „Margot-Käßmann-Schule“ ist 2024 aus den berufsbildenden Schulen des Rotenburger Diakonissen-Mutterhauses, der Rotenburger Werke und des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg hervorgegangen, teilte das Werk mit. Fast 600 Schülerinnen und Schüler absolvieren dort eine Ausbildung in sozialpädagogischen, heilerzieherischen und Pflegeberufen.

Einer der beiden Geschäftsführer der Rotenburger Werke, Thorsten Tillner, nannte Käßmann „eine der prägenden Stimmen in Deutschland für den sozialen Zusammenhalt und die Stärkung der sozialen Berufe.“ Tillner weiter: „Margot Käßmann zeigt sich als Mensch, als Christin, als Bürgerin, als Funktionsträgerin. Und sie hat einen wertschätzenden Blick auf die Welt. Darin ist sie vorbildlich für unsere Schule.“

Daniel Müller (Schulleiter und Geschäftsführer) und Astrid Wallbaum (kaufmännische Geschäftsführerin) leiten die Schule. Die Trägerschaft teilen sich die Rotenburger Werke der Inneren Mission gGmbH, das Evangelisch-lutherische Diakonissen-Mutterhaus Rotenburg (Wümme) e.V. und die Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg gGmbH.

Erstmals Schule nach EKD-Ratsvorsitzender benannt

Bislang sind keine Schulen nach EKD-Ratsvorsitzenden benannt. Martin Niemöller (1892-1984), der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Präsident im Ökumenischen Rat der Kirchen war, ist Namensträger mehrerer Schulen, darunter sind eine Gesamtschule in Bielefeld, eine Grundschule in Berlin, und ein Gymnasium in Wiesbaden.

Otto Dibelius war von 1949 bis 1961 EKD-Ratsvorsitzender, nach ihm sind Straßen benannt, oft mit Bezug zu sozialen Einrichtungen oder Berufskollegs. Nach dem stellvertretenden EKD-Ratsvorsitzenden Hanns Lilje (1899-1977) sind ein Platz in Hannover, verschiedene Sozialeinrichtungen sowie der Preis der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen benannt. Das Kurt-Huber-Gymnasium in Gräfelfing ist nach dem Vater des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber benannt. Kurt Huber war Widerstandskämpfer gegen das nationalsozialistische Regime.

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