Mehr als 500 Millionen Christen weltweit haben keinen ausreichenden Zugang zu einer Bibel – obwohl sie gern eine besitzen und darin lesen würden. Das geht aus dem aktuellen Forschungsbericht der „Bible Access Initiative“ hervor. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von verschiedenen Organisationen, darunter Bible League International, Digital Bible Society, Frontlines International, The Voice of the Martyrs und YouVersion.
Der Bericht für das Jahr 2026 stellt die Bibelsituation in 106 Ländern dar. Dabei gehe es nicht nur um Länder, in denen der Bibelbesitz verboten ist, berichtet die „Christian Post“. Der Bericht widme sich auch Ländern, in denen es an entsprechenden Infrastrukturen mangelt. Darunter zählt zum Beispiel auch fehlender Internetzugang zu digitalen Bibelexemplaren.
Die stärksten Einschränkungen beim Bibelbesitz gebe es in Afghanistan. Danach folgten laut dem Bericht Jemen, Somalia, Nordkorea, Eritrea und Mauretanien. In diesen Ländern würden „maximale Restriktionen“ gelten, auch von staatlicher Seite. In Turkmenistan, Libyen, im Sudan und im Iran hätten es Christen ebenfalls am schwersten von allen untersuchten Ländern, eine Bibel zu besitzen.
Auch in Mosambik, Bangladesch, Jordanien, den Palästinensischen Gebieten oder in Vietnam kommen Christen nur schwer an Bibeln. Die Beschränkungen sind dort aber nicht so stark wie in den erstgenannten zehn Ländern.
Einschränkungen beim Bibelbesitz müssen Christen zudem auch in Nicaragua, Russland, der Elfenbeinküste, der Ukraine, Ruanda oder Kolumbien hinnehmen. In der Ukraine gelten die Einschränkungen laut dem Bericht nur für die von Russland besetzten Gebiete. Dort wird ausschließlich die russisch-orthodoxe Kirche anerkannt. Deren Bibel entspricht nicht der christlichen Bibel. Diese gelte dort als Objekt der Einflussnahme oder sogar als extremistischer Inhalt und sei offiziell nicht erhältlich.
In all diesen Ländern seien Christen entweder Verfolgung durch staatliche Kontrolle, extremistischer Gewalt oder Druck auf Familienangehörige und Freunde ausgesetzt. Oder es spielten sozioökonomische Probleme eine Rolle, wie zum Beispiel Armut, Analphabetismus, fehlende Elektrizität oder begrenzter Internetzugang. Allein 400 Millionen Christen in 42 Ländern lebten ohne Internet.
Millionen von Bibeln fehlen
In einigen Ländern würden deutlich mehr Bibeln benötigt, als vorhanden seien. Zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, Äthiopien, Nigeria oder in Indien. In jedem dieser Länder fehlten mindestens zehn Millionen Bibeln.
Bibelknappheit sei auch in Uganda, Tansania oder China ein Problem. Dort fehlten zwischen fünf und zehn Millionen Exemplare. Ähnlich sei die Lage in Indonesien, Angola und Mosambik. Auch in vielen weiteren der untersuchten Länder fehle es an Millionen von Bibeln im Vergleich zur Nachfrage.
„Wir hören oft, dass die Bibel heute zugänglicher ist als je zuvor. Doch wir dürfen Verfügbarkeit nicht mit tatsächlichem Zugang verwechseln“, sagte einer der Co-Autoren der Studie, Wybo Nicolai, in einem Statement. „Zugangsbeschränkungen zur Bibel aufgrund von Verfolgung können den Zugang zur Heiligen Schrift erschweren oder gefährlich machen, während sozioökonomische Hürden dazu führen können, dass sich Menschen eine Bibel nicht leisten können“, sagte Nicolai.
Selbst dort, wo die Heilige Schrift digital verfügbar sei, könnten eine eingeschränkte Internetversorgung oder unsichere Online-Umgebungen Menschen daran hindern, darauf zuzugreifen.