Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Sun, 23 Feb 2020 03:17:44 +0100 <![CDATA[Drei Stunden Philosophieren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/02/22/drei-stunden-philosophieren/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Über die Weihnachtsfeiertage haben sich fünf Adelige in einem Landhaus in Rumänien getroffen, um sich die Zeit mit Essen, Spielen, aber vor allem Diskutieren zu vertreiben. Der Zuschauer wird drei Stunden lang Zeuge scheinbar endloser Diskussionen, in die sich die fünf Protagonisten begeben wie in ein Labyrinth, in dem es keinen Anfang und kein Ende gibt. Der Gutsbesitzer Nikolai hat in sein aristokratisches Herrenhaus geladen: einen Politiker, eine junge Gräfin sowie einen General mit Gattin.

Beginnend mit der uralten Frage, ob es einen gerechten Krieg geben kann, und ob Töten immer eine Sünde ist, oder ob es eventuell Situationen gibt, in denen das Töten sogar Menschenleben retten kann, führt der Gesprächsfaden im Laufe eines Tages weiter zu tiefgründigeren theologischen Fragen. Etwa: Was hat sich Gott, wenn es ihn denn gibt, wohl dabei gedacht, den Menschen zu erschaffen? Hat jeder Mensch einen Auftrag, den es zu erfüllen gilt? Oder lebt jeder nur so für das reine Vergnügen? Und was genau ist eigentlich die Grundaussage der Evangelien? Hat die Botschaft Jesu eine Chance, die Menschheit zu retten? Und worin genau besteht diese Botschaft eigentlich? Nikolai selbst ist zwar nicht gläubig, und doch muss er zugeben, dass die Frohe Botschaft von Jesus nur Sinn ergibt, wenn sie im Zusammenhang mit der Auferstehung gedacht wird. Denn herrscht der Tod, die letzte und größte Trennung von Gott, weiter über den Menschen, dann hat die Idee von einem „Reich Gottes“ keinen Sinn.

Puiu gilt als Initiator der rumänischen Neuen Welle. Sein Spielfilm „The Death of Mr. Lăzărescu“ erhielt 2005 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis der Sektion Un Certain Regard und wurde in zwei Kategorien für den Europäischen Filmpreis nominiert. Der Titel ist ein Ort in der Region Siebenbürgen in Rumänien.

Ein Philosophiebuch – verfilmt

Wer sich die 200 Minuten wirklich antut, wird Zeuge einer sehr sachlichen Diskussion, die niemals auf emotionaler Ebene geführt wird. Nie rutscht einem ein böses Wort gegen den anderen heraus. So konträr die Meinungen in der Runde auch sind, jeder scheint die Ansicht des anderen zu respektieren. Und der Schlagabtausch geht nur mit höflichen, und äußerst sorgfältiger Sprache vonstatten.

Der Film „Malmkrog“ des rumänischen Regisseurs Puiu beruht auf dem Buch „Drei Gespräche über Krieg, Fortschritt und das Ende der Weltgeschichte mit Einschluss einer kurzen Erzählung vom Antichrist“ des russischen Religionsphilosophen und Dichters Wladimir Solowjow. Es geht um den Tod und das Leben, den Teufel, über Fortschritt und moralische Fragen. Und schließlich um die Frage, wer der Antichrist ist.

Ganze 200 Minuten lang ist der Zuschauer Zeuge dieser Diskussionsrunden. Die Kamera steht dabei still im Zimmer. Nur selten sind die Sprecher näher zu sehen. Mal umrunden sie sich im Zimmer, wandern auf und ab, meistens aber sitzen sie um den Tisch herum, essen – und sprechen. Ganze 200 Minuten geht das so, Action gibt es fast gar nicht. Und immer wieder tauchen die Bediensteten des Hauses auf, doch an der Diskussion haben sie keinen Anteil. So bleiben diese 200 Minuten ein Rätsel, der Zuschauer ist Zeuge einer recht seltsam anmutenden Runde, die kaum realistisch ist, weil die Diskutanten eher wie die innere Stimme eines Buchautors klingen als wirklich lebendige Personen. Bleibt die Frage, ob ein Kinofilm wirklich das richtige Medium ist für ein Philosophieren zu Themen wie Tod, Gott und Auferstehung, das am Ende vielleicht doch besser in einem Buch aufgehoben wäre.

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Sat, 22 Feb 2020 17:14:00 +0100
<![CDATA[Nicht nur nach Hanau: Die perfide Masche der Ablenker und Relativierer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/02/22/nicht-nur-nach-hanau-die-perfide-masche-der-ablenker-und-relativierer/ Ein Gastkommentar von Uwe Heimowski]]> Am 20. Februar 2020 ermordet Tobias R. in Hanau zehn Menschen, neun von ihnen haben einen Migrationshintergrund. Ein Einzeltäter. Am 9. Oktober 2019 attackiert Stefan B. die Synagoge in Halle, er erschießt zwei Menschen. Ebenfalls ein Einzeltäter. Am 2. Juni 2019 erschießt Stephan E. Regierungspräsident Walter Lübcke auf dessen Terrasse in Kassel. Auch er ein Einzeltäter.

Und so wiegelte Alexander Gauland (AfD) im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ die Frage nach der politischen Intention des Täters von Hanau ab, vielmehr sei der Mann ein „völlig geistesverwirrter Mensch“.

Tobias R. hat ein Bekennerschreiben hinterlassen. In der Tat: Das Schreiben ist ziemlich wirr. Es wimmelt von Verschwörungstheorien. Doch Tobias R. benennt darin auch eindeutig rassistische und rechtsextreme Motive. Die Täter in Halle und Kassel hatten antisemitische und rechtsextreme Hintergründe.

Der Verfassungsschutz beziffert „das rechtsextremistische Personenpotenzial Ende 2018 (auf) insgesamt 24.100 Personen“. 19.409 rechtsextremistische Straftaten und 1.088 rechtsextremistische Gewalttaten wurden nach Angaben des Verfassungsschutzes aktenkundig. Die einzelnen Taten, das wird mehr als deutlich, sind keine Einzelfälle. Wer die Tat von Hanau nur auf die psychische Verfassung des Täters zurückführt, macht es sich entweder zu leicht. Oder lenkt ab, gezielt und methodisch.

„Nicht mein Bier?“

Einen Tag nach Hanau habe ich in den Sozialen Medien ein Foto gepostet: Ein Bierglas mit dem Spruch „This is not my beer!“ Dazu diesen kurzen Kommentar: „Nicht mein Bier? Nach Hanau und Halle? Nach dem Mord an Walter Lübcke? Es ist unser Bier, unser Land, unsere Demokratie. Nicht nur ‘die da oben‘, wir alle sind gefragt.“

Sofort zucken Reflexe bei einigen Facebook-Nutzern. Jemand schrieb: „Und deshalb dürfen alle Mitglieder und Wähler der AfD, sowie diejenigen, die EU, Migration und Energiewende kritisieren, vom medial-politischen Establishment zu Freiwild erklärt werden? Hauptsache man muss nicht über islamischen und linken Terror reden.“

Mal abgesehen davon, dass ich weder die AfD genannt hatte, noch dass sich mir der inhaltliche Zusammenhang mit der EU oder der Energiewende erschließt, fällt das – sich eindeutig wiederholende – Muster ins Auge: Erneut wird vom eigentlichen Thema abgelenkt. Im Englischen gibt es einen Begriff, der sich leider nicht direkt übersetzen lässt: „Whataboutism“ bedeutet soviel wie „Und-was-ist-mit-den-anderen-Reflex“. Wikipedia definiert: „Es bezeichnet heute allgemein die Ablenkung von unliebsamer Kritik durch Hinweise auf ähnliche oder andere wirkliche oder vermeintliche Missstände auf der Seite des Kritikers“.

„Wer vom Thema ablenkt, macht sich mitschuldig“

Natürlich gibt es linksextreme und islamistische Gewalt. Und ja, nicht nur Hitler, sondern auch Stalin war ein Massenmörder. Das muss man sagen dürfen, richtig. Nur: jedes Thema gehört an seinem Ort verhandelt. Niemals dürfen die Taten der anderen dafür benutzt werden, die eigenen Verbrechen zu relativieren.

Wir dürfen auf diese perfiden Manöver der Ablenker und Relativierer nicht hereinfallen. Nach Hanau, Halle und Kassel kann es nichts anderes geben als klare Kante. Gegen Rassismus. Gegen Rechtsextremismus. Gegen Antisemitismus. Das ist hier das Thema. Wer davon ablenkt, macht sich ebenso mitschuldig, wie diejenigen, die mit Verbalattacken und Hassreden den Boden für die Taten der Rechtsextremisten bereiten.

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Sat, 22 Feb 2020 12:00:00 +0100
<![CDATA[Roland Tichy scheitert mit Klage gegen Claudia Roth]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/02/22/roland-tichy-scheitert-mit-klage-gegen-claudia-roth/ Die Grünen-Politikerin Claudia Roth darf weiter die Meinung äußern, dass das Geschäftsmodell neurechter Plattformen auf Falschbehauptungen beruht. Das hat ein Gericht entschieden. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen über Hass und Hetze im Internet hatte Roth gesagt: „Wir müssen die Stichwortgeber benennen, all diese neurechten Plattformen, deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht - von Roland Tichy über Henryk M. Broder bis hin zu eindeutig rechtsradikalen Blogs.“

Gegen diese Äußerung hatte der genannte Blogger Roland Tichy vor Gericht den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung hatte Tichy der Politikerin eine falsche Tatsachenbehauptung vorgeworfen. Verschiedenen Medienberichten zufolge ist Tichy am Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht mit seiner Klage gescheitert. Das Gericht hat den Antrag zurückgewiesen. Der Blogger sieht in der Äußerung der Politikerin eine „eine falsche und ehrenrührige Tatsachenbehauptung“, schreibt Tichy auf dem von ihm betriebenen Blog und kündigte gegen die Entscheidung Berufung an.

„Urteil mit Ironie“

Nach Angaben der Zeit vom Freitag erkennt das Gericht in Roths Äußerung eine „substanzarme Meinungsäußerung", die im Rahmen des „politischen Meinungskampfes" erfolgt sei. Der Blogger, der sich selbst an der öffentlichen Meinungsbildung durch Veröffentlichungen beteilige, müsse sich auch „überspitzte Äußerungen“ wie der angefochtenen von Roth gefallen lassen, schreibt die Zeitung zu dem Urteil.

Gegenüber der Augsburger Allgemeinen kommentierte Roth das Gerichtsurteil. „Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ausgerechnet diejenigen mit dem Versuch scheitern, eine zulässige Meinungsäußerung gerichtlich verbieten zu lassen, die selbst mehr als einmal in der Kritik standen, die Grenzen der Sagbaren gezielt verschieben zu wollen“, erkärte die Politikerin gegenüber der Zeitung.

Von: Norbert Schäfer

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Sat, 22 Feb 2020 09:52:00 +0100
<![CDATA[Hanau: Die Wut trauert mit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/21/hanau-die-wut-trauert-mit/ Donnerstag, Hanauer Innenstadt, 12.15 Uhr

Am Mittag ist wenig davon zu spüren, dass sich hier vor zwölf Stunden eines der schwerwiegendsten Attentate der Bundesrepublik ereignet hat. Von einer „Stadt in Schockstarre“, wie es sinngemäß in manchen Medien schon zu diesem Zeitpunkt heißt, kann keine Rede sein. Zwar haben die meisten wohl von dem Terroranschlag gehört, bei dem elf Menschen starben, darunter der mutmaßliche Täter. Sie haben den Hubschrauber über die Stadt kreisen gehört, wurden stutzig, weil er für einen Rettungshelikopter viel zu lange unterwegs war, sie informierten sich im Internet und lasen von einer Schießerei. Die wahre Dimension scheinen viele aber noch nicht registriert zu haben. Schülerinnen flanieren scherzend über die Einkaufsmeile. Rentner erledigen ihre Besorgungen in den zahlreichen Geschäften. Mütter schlendern mit ihren Kindern über den Marktplatz, den zentralen Treffpunkt in Hanau, wo auch das Brüder-Grimm-Nationaldenkmal steht. Noch sieht die Doppelstatue aus wie immer. Am Abend wird ihr Sockel mit Kerzen und Kondolenzkarten übersät sein.

Tatort Innenstadt, 12.50 Uhr

Vom Grimm-Denkmal sind es 260 Meter bis zum ersten Tatort, der Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt. Der Bereich ist im Gegensatz zum Hotspot des Marktplatzes migrantisch geprägt. Türkische Restaurants, kleine Elektronikläden und Spielhallen bestimmen das Straßenbild. Polizisten haben den Bereich zwischen Krämerstraße und Römerstraße abgesperrt. Die Ermittler haben die Fundstellen von Beweismitteln mit pinkfarbenem Spray markiert. Etwa 20 Journalisten, überwiegend TV-Teams, beobachten das „Midnight“ aus 15 Metern Entfernung, machen Aufsager für die Nachrichten und filmen Schnittbilder. Ein paar Kerzen und Blumen liegen neben den Absperrbändern. Außer der Presse ist so gut wie niemand hier. Nur wenige Hanauer stehen am Kebap-Imbiss und unterhalten sich. Sie sprechen mit türkischem Akzent. Sie wirken ernst, aber gefasst.

Um etwa 22 Uhr am Vorabend hatte der mutmaßliche Täter Tobias R. in und vor der Shisha-Bar das Feuer eröffnet und dabei vier Menschen erschossen. Die Behörden gehen von einer rassistisch motivierten Tat aus. In einer Art Manifest, das pro vorliegt, berichtete Tobias R. davon, dass er seit seinen ersten Lebenstagen von einer verborgenen Geheimorganisation ausspioniert werde, die seine Gedanken steuern könne. Seine Verbrechen begründete er mit rassistischen Thesen. Er suchte maximale Aufmerksamkeit für seine wirre Gedankenwelt.

Aus der ganzen Welt kommen Beileidsbekundungen nach Deutschland. Die Bundeskanzlerin nimmt in Berlin Stellung: „Rassismus ist ein Gift. Der Hass ist ein Gift. Und dieses Gift existiert in unserer Gesellschaft, und es ist schuld an schon viel zu vielen Verbrechen.“ Um 18 Uhr soll es eine Gedenkveranstaltung geben. Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, soll teilnehmen. Auch der Bundespräsident hat sich angekündigt.

Marienkirche, 13.30 Uhr

Durch den gotischen Bau in der Hanauer Innenstadt hallen getragene Orgeltöne. Normalerweise ist die Kirche die Woche über geschlossen. Das wäre an einem Tag wie heute nicht denkbar. Sabine Kropf-Brandau ist Pröpstin des Sprengels Hanau-Hersfeld. Sie hat mit Helmut Götze, der die Kirche beaufsichtigt, die Türen der Marienkirche geöffnet. Am Morgen um sieben Uhr erhielt sie eine WhatsApp-Nachricht ihrer Tochter: In Hanau habe es einen Anschlag gegeben. Sie setzte sich sofort in den Zug von Hersfeld nach Hanau. Schon seit dem späten Abend leisten sieben Pfarrerinnen und Pfarrer Notfallseelsorge. Die Kirche ist seither im Krisenmodus: Sitzungen fallen aus, ein Fastnachtsgottesdienst wurde abgesagt. In den kommenden Tagen werden sich alle Andachten und Predigten nur mit einem Thema beschäftigen: Dem Anschlag von Hanau.

„Kirchen sind ein guter Ort, wo man seine Fassungslosigkeit und Trauer hintragen kann“, sagt Kropf-Brandau. Sie weiß, dass es nichts hilft, nach Antworten oder Erklärungen zu suchen. Gott ist für sie nicht der, der diese Fassungslosigkeit auflöst. Sondern der, dem man diese Fassungslosigkeit klagen kann. „Wir glauben, das ist bei Gott gut aufgehoben.“ Offene Kirchen außerhalb des Wochenendes sind die Hanauer nicht gewöhnt, sagt die Pröpstin. „Wir stehen bereit, den Schmerz mit den Menschen zu teilen.“ Bis jetzt sind nur wenige Menschen in die Marienkirche gekommen. Es braucht wohl noch Zeit, bis die Menschen realisiert haben, was geschehen ist.

Tatort „Midnight“, 14 Uhr

Mittlerweile drängen sich etwa 100 Journalisten vor den Absperrungen. Die BBC ist vor Ort, Kollegen aus Frankreich, Polen, der Türkei, Italien. Auch immer mehr Anwohner und Menschen, die Opfer kannten, haben sich versammelt, insgesamt etwa 100 Personen. Die meisten von ihnen sind Migranten. Sie wollen ihre Solidarität mit den Ermordeten ausdrücken, sich ein Bild von der Lage machen. Einige fotografieren. Drei Jungs im Alter von etwa zehn Jahren mit Schulranzen auf dem Rücken betrachten die Szene ehrfürchtig. Die Stimmung ist gedrückt, etwas angespannt, aber ruhig.

Unter den Trauernden ist auch Ismail Tipi. Er sitzt für die CDU seit zehn Jahren im hessischen Landtag. Sein Wahlkreis „Offenbach Land“ grenzt an Hanau. Er unterhält sich mit einigen Männern auf Türkisch. „Heute ist ein trauriger Tag“, sagt er. Tipi will Anteil nehmen und Gesicht zeigen. Am Vormittag noch hat er den islamischen Kulturverein „AYDD“ besucht, zu dem eines der Opfer gehörte. Dessen Eltern waren auch dort. Die Familie empfinde große Trauer, gehe aber sehr besonnen mit der Situation um.

Ismail Tipi beschäftigt sich seit langem mit religiösem Extremismus und innerer Sicherheit. Für die CDU in Hessen ist er sehr wichtig, weil er Brücken vor allem in die türkischstämmige Gemeinschaft baut. Tipi will, dass der mutmaßliche Täter nicht als psychisch gestörter Irrer abgetan wird, stattdessen sei er ein Rechtsextremist gewesen. Rechtsextremismus müsse „wie jeder andere Terrorismus, ob linksextrem oder religiös, mit demokratischen Mitteln bekämpft werden“.

Tatort Kesselstadt, 14.45 Uhr

Als Tobias R. nach seinen Morden in der Hanauer Innenstadt floh, suchte er eine zweite Shisha-Bar auf, diesmal im gut zwei Kilometer entfernten „Arena Bar & Café“ in Kesselstadt. Vor der Bar ist ein großer Parkplatz, der zu einem Discounter gehört. Die Polizei sperrt mit vielen Einsatzfahrzeugen den Bereich ab. Mert, 17, und Dennis, 16, beobachten vom Innenhof eines Mehrfamilienhauses aus, wie Ermittler in weißen Schutzanzügen zwischen der Bar und einem blickdichten Feuerwehrzelt hin- und herlaufen. Sie sind noch mit der Spurensicherung beschäftigt.

Mert kannte mehrere der fünf Opfer, die am Vorabend ermordet wurden. „Wir sind schockiert“, sagt Mert. „Ich realisiere das noch nicht“, sagt Dennis. Schüsse haben sie keine gehört, wohl aber den Polizeihubschrauber. Ein Freund hatte Mert ein Bild vom Parkplatz vor der Shisha-Bar geschickt. „Alles voll mit Polizisten.“ Mert erkundigte sich im Netz, von einem Anschlag war die Rede. Die beiden Jungs erzählen von weiteren Zielen, in denen der Täter zugeschlagen haben soll: In Bruchköbel, in Lamboy. Die Gerüchte bewahrheiteten sich nicht. Auch in Kesselstadt leben viele Migranten. Erfahrungen mit Rassismus haben Mert und Dennis bisher nicht gemacht. Alle kämen gut miteinander aus.

Fünf Gehminuten von der Arena-Bar entfernt hat Tobias R. gewohnt. Nach der Tat fand ein Sondereinsatzkommando den 43-Jährigen tot auf, ebenfalls seine Mutter. Lange, schmale Gärten ziehen sich von dem Reihenhaus zur Straße hin. In einem Garten nebenan hängt eine rosa Kinderschaukel. Der gesamte Komplex wird von Polizisten abgeriegelt, da die Spurensicherung noch zu Gange ist. In der Straße, in der R. wohnte, liegt auch das Gemeindezentrum der evangelischen Kirche. Zu dem Backsteinbau gehört das „Juz k.town“, das Jugendzentrum der Gemeinde. Die jungen Menschen, die sich hier treffen, sind erschüttert von der Tat. Menschen starben in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnungen. Auch am Tag nach der Tat treffen sie sich. Es sind nicht nur die Familien der Ermordeten, deren Welt ins Wanken geraten ist. Fast jeder kennt hier jemanden, und wenn auch nur über drei Ecken, der am Mittwoch ermordet oder verwundet worden ist.

Tatort Innenstadt, 17.15 Uhr

Mittlerweile füllt eine große Menschenmenge die Kreuzung vor dem „Midnight“, es sind wohl Hunderte. Ein Junge im Vorschulalter legt eine Rose in das Beet aus Blumen und Kerzen, das über die vergangenen Stunden immer stärker gewachsen ist. Sein Vater fotografiert das Lichtermeer mit dem Handy. Frauen mit und ohne Kopftuch blicken auf den Bauzaun, den die Polizei mittlerweile errichtet und mit einer blauen Plane verhüllt hat. Die meisten unterhalten sich, wenn auch eher gedämpft. Manche werden von TV-Reportern interviewt. Sie berichten, wie sie sich fühlen, wovor sie Angst haben und welche Schlüsse sie aus den Anschlägen ziehen, die sich mehrheitlich gegen Einwanderer gerichtet haben.

Irgendwann platzt einem Besucher mit einer weißen Wollmütze der Kragen. „Die Wahrheit muss ausgesprochen werden, alle schweigen hier!“, ruft der Mann. Sofort ist er umringt von Zuhörern, Mikrofonen, Smartphone- und Fernsehkameras. Der Mann hebt den rechten Zeigefinger. „Seit 20 Jahren wird gegen den Islam gehetzt!“ Er redet über Islam-Hass, den es auch in den Medien gebe, und zeigt dabei auf das „Midnight“. „Das ist das Ergebnis.“ Die Presse solle lernen, angemessen zu berichten und nichts zu verfälschen. „Wie geht es weiter?“ Der Mann mit der weißen Mütze breitet seine Arme fragend aus. „Indem wir differenzieren, und das wünsche ich mir von Ihnen auch“, sagt eine Radiojournalistin. Der Mann gibt sich damit nicht zufrieden. Es seien Menschen gestorben. „Super gemacht“, klatscht er in Richtung der Journalisten. Sie sollten ihre Berichterstattung überdenken, fordert er. „Geben Sie den Rechtsradikalen keine Plattform!“ Applaus. Derweil laufen die ersten Menschen in Richtung Marktplatz, um an der Mahnwache teilzunehmen.

Brüder-Grimm-Denkmal, 17.45 Uhr

Die Verantwortlichen haben hastig eine provisorische Bühne errichtet und eine Lautsprecheranlage installiert. Schon jetzt warten Tausende Hanauer auf dem großen Marktplatz. Viele von ihnen tragen Kerzen. Auch Pastor Daniel Storek wartet darauf, dass es losgeht. Er trägt einen schwarzen Anzug und einen schwarzen Hut. Das Haus seiner Baptistengemeinde ist keine 50 Meter vom Tatort „Midnight“ entfernt. Die Baptisten haben sich bewusst für das Viertel entschieden. Sie wollen den zahlreichen Spielhallen ein Angebot entgegensetzen, das auch Familien und Kinder nutzen können. Unter den Gottesdienstbesuchern stammen einige aus dem arabisch und nordafrikanisch geprägten Stadtteil. Storek arbeitet im Vorstand des Arbeitskreises Christlicher Kirchen (ACK) mit. Für Freitagabend ist ein ökumenischer Gottesdienst in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde geplant. „Wir wollen als gesamte Christenheit Hanaus zusammenstehen, sowohl vom ACK als auch der Evangelischen Allianz.“ Nach der Mahnwache wollen die Baptisten für Hanau beten. „Wir können jetzt nicht viel mehr machen, als den Angehörigen und den Einsatzkräften zur Seite zu stehen.“ Gott sei die richtige Adresse für die Trauer der Menschen. „Jesus geht mit durchs dunkle Tal hindurch.“

Marktplatz, 18.15 Uhr

Die Mahnwache, die für 18 Uhr angesagt war, hat immer noch nicht begonnen. Vor der Bühne drängen sich die Journalisten und andere Besucher. Wenn der Bundespräsident kommt, gilt eigentlich die höchste Sicherheitsstufe. Heute ist das anders: Keine Absperrungen, nicht einmal Sicherheitskräfte stehen zwischen Plattform und der Menschenmenge. Die Polizei spricht von 2.500 bis 3.000 Personen. In Wahrheit sind es wohl deutlich mehr, eher 5.000. Die Stimmung ist seltsam aufgeheizt. Ismail Tipi, der hessische Landtagsabgeordnete, hat sich unter die Zuschauer in den vorderen Reihen gemischt. Mehrere Frauen mit Hijab halten Transparente in die Höhe, auch das Foto eines ermordeten jungen Mannes.

Dann endlich betreten der Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD), Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Bühne, mit ihnen eine große Gefolgschaft aus Repräsentanten des öffentlichen Lebens. Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland steht in der Mitte, Josef Schuster vom Zentralrat der Juden auf der rechten Seite. Die Bühne ist voll. Bouffier wirkt so müde und matt wie selten. Der Mord an seinem Freund Walter Lübcke in Kassel, nun die Morde in Hanau – alles in seinem Bundesland. „Manchmal gibt es Situationen im Leben, da versch… “ – Bouffier muss neu ansetzen – „… da verschlägt es einem die Sprache.“ Er bringt es dann doch noch auf den Punkt. Deutschland dürfe Rassismus „keinen Millimeter“ nachgeben.

Die drei Politiker sind sich einig: Der Hass darf die Gesellschaft nicht spalten, wir gehören zusammen, wir sind mehr als die Rassisten. „Nazis raus!“, rufen einige linke Demonstranten mit Antifa-Fahnen. „Achten wir auf unsere Sprache“, sagt der Bundespräsident. Viel zu oft bereite sie den Nährboden für Gewalttaten. Das konnte man als Angriff auf den Rechtspopulismus verstehen. Zwar hat Steinmeier seine Rede beendet, der Tross auf der Bühne setzt sich schon wieder in Bewegung. Doch das Schlusswort hat die Frau mit dem Foto des getöteten jungen Mannes in der Hand. „Mein Cousin ist tot!“, ruft sie in Richtung Steinmeier. Sie fordert, die AfD zu verbieten, die sie für die Tat verantwortlich macht. „Jeden Tag gibt es Rassismus!“ Die Umstehenden nicken und klatschen. Die Wut trauert mit. Manche skandieren wieder „Nazis raus“, bevor Aktivisten antifaschistische Parolen skandieren.

Religiöse Vertreter kamen nicht zu Wort

Viele Teilnehmer sind dankbar, dass der Bundespräsident und viele andere Gesicht gezeigt haben. Aber nicht alle sind zufrieden. Vor allem einigen Muslimen geht die Verurteilung des Rassismus nicht weit genug. Auf der Bühne gab es nur Statements politischer Verantwortungsträger. Religiöse Vertreter, weder aus den Kirchen noch aus Moscheen, kamen nicht zu Wort. Dabei hätten Bischöfin Hofmann und Mazyek bereit gestanden. Dass sie nicht die Möglichkeit hatten, aus Sicht der Religionen ein Zeichen des Friedens zu setzen, wirkt wie eine vergebene Chance.

„Es gibt noch eine Demo“, ruft ein Aktivist der Antifa um 19.05 Uhr. Ein Zug von etwa 150 Personen beginnt zu marschieren. Ihre Wut richtet sich gegen Rassismus, aber auch gegen die Politik: „Nazis morden, der Staat macht mit! Der NSU war nicht zu dritt!“ Die Polizei scheint überrascht von der Demonstration, hat die Lage aber gut unter Kontrolle.

Um 20 Uhr haben die meisten Menschen den Marktplatz verlassen. Manche bleiben noch stehen vor dem Grimm-Denkmal, auf dem sich Kerzen, Karten und Blumen türmen. Dann machen sie sich auf den Nachhauseweg. Es muss ja weitergehen.

Von: Nicolai Franz

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Fri, 21 Feb 2020 16:18:00 +0100
<![CDATA[Gewalt gegen Journalisten gestiegen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/02/21/gewalt-gegen-journalisten-gestiegen/ Die Zahl der Angriffe auf Journalisten in Deutschland ist 2019 gestiegen. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums (BMI) auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion an die Bundesregierung im Deutschen Bundestag hervor. In der Kleinen Anfrage wollten die Linken-Abgeordnete Doris Achelwilm und andere wissen, wie viele „politisch-rechts“ motivierte Straf- und Gewalttaten gegen Pressevertreter seit 2018 erfasst wurden, und wie viele im Zusammenhang mit rechten Versammlungen standen.

Wie das Bundesinnenministerium (BMI) am 14. Februar mitteilte, wurden für das Jahr 2019 dem Bundeskriminalamt (BKA) insgesamt 104 Straf- und Gewalttaten übermittelt, die seit dem 1. Januar 2019 unter dem Oberangriffsziel „Medien" erfasst wurden. Nach BMI-Angaben haben die Fallzahlen aus 2019 noch vorläufigen Charakter und sind durch Nach- und Änderungsmeldungen noch Veränderungen unterworfen. Zudem erklärte das Ministerium, dass eine Aufschlüsselung nach Bundesländern für das Jahr 2019 noch nicht vorgenommen werden könne.

Forderung nach systematischem Schutz von Journalisten

Nach BMI-Angaben liegen bei insgesamt 15 der 104 aufgeführten Fälle Erkenntnisse darüber vor, wonach sie im Zusammenhang mit rechten Versammlungen begangen wurden. Für das Jahr 2018 wurden dem BKA 93 Straf- und Gewalttaten übermittelt, die in dem Unterthemenfeld „gegen Medien" erfasst wurden. „Diese Entwicklung ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Klimas, das auch die Pressefreiheit aktiv bedroht“, erklärte Achelwilm. Die Politikerin fordert, dass Journalisten systematischer geschützt und Gewalt- und Straftaten gegen Medienvertreter konsequenter geahndet werden.

Auf Anfrage erklärte Sylvie Ahrens-Urbanek, Sprecherin von Reporter ohne Grenzen (ROG): „Wir haben bislang den Eindruck, dass die Zahl der körperlichen Gewalttaten gegen Journalisten in Deutschland zurück gegangen ist.“ Pöbeleien gegen Journalisten seien in Deutschland weiterhin auf einem hohen Niveau zu beobachten. Die Auswertung der vorliegenden Daten ist bei ROG noch nicht abgeschlossen. Reporter ohne Grenzen (ROG) veröffentlicht die Rangliste der Pressefreiheit und die Nahaufnahme Deutschland mit den Zahlen für 2019 im April 2020. ROG betrachtet jeweils die Zeitspanne von Jahresbeginn bis zum 31. Dezember. Viele Journalisten reagierten nach Einschätzung von Ahrens-Urbanek nicht mit Strafanzeigen oder Beschwerden auf Einschüchterungsversuche und Diffamierungen.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 21 Feb 2020 12:23:00 +0100
<![CDATA[Zum Wohle der Kinder]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/21/zum-wohle-der-kinder/ Ein zwölfjähriges Mädchen und sein sechsjähriger Bruder behaupten in der Schule, ihre Eltern würden sie schlagen, wenn sie mit schlechten Noten nach Hause kämen. Die Lehrer informieren das Jugendamt, dieses nimmt die beiden Kinder gleich von der Schule aus in Obhut. Die Eltern verstehen die Welt nicht mehr, beteuern, ihre Kinder nie geschlagen zu haben. Doch das Jugendamt bleibt dabei: Entscheidend sei das Wohl der Kinder, deren Aussagen seien glaubhaft. Vier Wochen absolute Kontaktsperre. In weiteren Gesprächen stellt sich heraus, dass die Eltern offenbar ihren Kindern mal an den Ohren gezogen haben. Das Mädchen korrigiert sich – nur einmal sei sie geschlagen worden. Eigentlich ärgere sie sich darüber, dass ihre Eltern ihr nicht erlaubten, Zeit mit älteren Jugendlichen zu verbringen, und dass sie ihre Handynutzung reglementierten. Nach über einem Monat dürfen die Kinder wieder zu ihren Eltern zurück, da ein Jugendpastor der Gemeinde, die die Eltern besuchten, sich bereit erklärt, die Familie in den nächsten Monaten zu begleiten. So schildert er den Fall.

Szenarien wie dieses sind die große Sorge derer, die eine Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz kritisch sehen. Wenn die Rechte von Kindern Verfassungsrang bekommen, wo bleiben dann die Rechte der Eltern?

Dass Kinderrechte ins Grundgesetz aufgenommen werden sollen, darauf haben sich SPD und Union im Koalitionsvertrag geeinigt. Befürworter verfolgen dieses Ziel schon seit mehreren Jahren. Bereits 2007 startete das „Aktionsbündnis Kinderrechte“ eine Kampagne dazu. Ende Oktober 2019 präsentierte eine Arbeitsgruppe aus Bund und Ländern Formulierungsvorschläge. Im November legte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) dem Kabinett einen Gesetzesentwurf vor.

Der Entwurf des Justizministeriums für die Grundgesetzänderung sieht vor, in Artikel 6 einen Absatz 1a zu ergänzen: „Jedes Kind hat das Recht auf Achtung, Schutz und Förderung seiner Grundrechte einschließlich seines Rechts auf Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit in der sozialen Gemeinschaft. Das Wohl des Kindes ist bei allem staatlichen Handeln, das es unmittelbar in seinen Rechten betrifft, angemessen zu berücksichtigen. Jedes Kind hat bei staatlichen Entscheidungen, die seine Rechte unmittelbar betreffen, einen Anspruch auf rechtliches Gehör.“

Inhaltlicher Ausgangspunkt dafür ist die Kinderrechtskonvention, die die Vereinten Nationen 1989 verabschiedeten. Deutschland hat sie 1992 ratifiziert. Das heißt, die Konvention gilt hierzulande wie ein normales Gesetz. Eine völkerrechtliche Verpflichtung, Kinderrechte in die Verfassung aufzunehmen, gibt es nicht. Aber die Vereinten Nationen empfehlen Deutschland, die wichtigsten Elemente der Konvention in die Verfassung zu schreiben: den Schutz vor Diskriminierung, den Maßstab des Kindeswohles, das Recht auf Leben und Entwicklung, das Recht des Kindes, bei Entscheidungen, die es betreffen, beteiligt zu werden.

Das steht doch schon im Grundgesetz, wenden Kritiker ein: Die Grundrechte, allen voran die Würde des Menschen, gelten für alle, selbstverständlich auch für Kinder. Das mag sein, erwidern Befürworter, aber Kinder werden dabei nicht ausdrücklich genannt. Das führt dazu, dass den Rechten von Kindern im Zweifel weniger Gewicht gegeben wird als denen von Erwachsenen, etwa wenn es um die Frage geht, ob ein Spielplatz oder ein Kaufhaus gebaut wird. Zwar reichen die bisherigen Formulierungen aus, um Kinderrechte zu garantieren, aber sie werden praktisch zu wenig umgesetzt, heißt es in einem Gutachten, das das Deutsche Kinderhilfswerk dazu in Auftrag gegeben hat.

Antje Lüdemann-Dundua vom christlichen Kinderhilfswerk World Vision erklärt es so: „Kinder kommen bisher im Grundgesetz nur als Anhängsel ihrer Eltern vor. Das wird ihrer Lebensrealität nicht gerecht.“ 20 Prozent der Kinder lebten in Armut oder seien davon bedroht. In Fragen der Schulbildung würden Kinder bisher nicht genug beteiligt, es gebe keine Beschwerdemechanismen für Kinder. „Auch Gewalt gegen Kinder ist leider immer wieder ein Thema, sexuelle Gewalt und Gewalt im Netz“, stellt sie fest. Es sei Luft nach oben, um Kinderrechte tatsächlich zu gewährleisten. Deshalb unterstütze die Organisation die Initiative. Nicht zuletzt, heißt es in einem Papier des „Netzwerks Kinderrechte“, zu dem World Vision ebenso gehört wie die Diakonie oder die Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie und andere, könne es auch ein Signal an Länder sein, die es mit diesen Rechten nicht so genau nehmen: Deutschland sind Kinder und ihre Rechte wichtig.

Sorge vor staatlichem Zugriff

Kritisch sieht die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) das Vorhaben, auch wenn es innerhalb ihrer Mitglieder unterschiedliche Positionen dazu gibt. In einer Stellungnahme vom Juli 2018 heißt es: Die DEA erkenne keine Notwendigkeit, Kinderrechte ins Grundgesetz aufzunehmen, „weil Kinder, auch Ungeborene, bereits vollwertige Grundrechteträger sind“. Das evangelikale Netzwerk betont: „Kinder dürfen nicht in eine rechtliche Distanz zu ihren Eltern gebracht werden.“ Der Staat müsse vielmehr die Erziehungskompetenz von Eltern unterstützen und Familien ökonomisch absichern. In Artikel sechs des Grundgesetzes steht: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“ Und: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Nur wenn „die Erziehungsberchtigten versagen“ oder die Kinder verwahrlosen, darf der Staat eingreifen.

Wenn nun Kinderrechte ausdrücklich dazukommen, besteht die Gefahr, dass sie gegen Elternrechte ausgespielt werden, sagt Uwe Heimowski, der Politikbeauftragte der DEA. „Der Staat könnte möglicherweise Dinge wie etwa eine Kita-Pflicht oder Erziehungsziele gegen Eltern durchsetzen“, sagt er, auch mit Blick auf Diskussionen um die Sexualethik. Jugendämter könnten Kinder mit Bezug auf das grundgesetzlich verankerte Kindeswohl schneller aus ihren Familien holen als bisher. Die Befürchtungen teilt der Familienbund der Katholiken. „Gefährdet ist nicht weniger als das wohlaustarierte Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Staat“, erklärt der Verbandsvorsitzende Ulrich Hoffmann gegenüber pro. Gerade zum Wohle der Kinder sollte am Selbstbestimmungsrecht der Familie nicht gerüttelt werden. Er fordert stattdessen Gesetze und Maßnahmen, um die Lebenssituation von Kindern konkret zu verbessern.

Kritik am Entwurf

Die Sorgen um das Verhältnis von Eltern und Kindern weist Claudia Kittel vom Deutschen Institut für Menschenrechte zurück. In der Kinderrechtskonvention gehe es darum, „dass die Meinung des Kindes überhaupt gehört wird. Es soll also ein Nachteil ausgeglichen werden. Übrigens unter vollem Respekt vor den Eltern und deren Verantwortung für die Erziehung ihrer Kinder“. Mit dem Entwurf des Justizministeriums ist sie jedoch nicht zufrieden. Er bleibe „signifikant“ hinter den Vorgaben der Konvention zurück. Zu dem Ergebnis kommt auch der wissenschaftliche Dienst des Bundestages in einem Gutachten.

Der Soziologe Wolfgang Hammer, ein Kämpfer für Kinderrechte und vielfach von politischen Gremien angehörter Experte, stellte in einer Studie im vorigen Jahr fest, dass Jugendämter immer wieder Kinder in Obhut nehmen, ohne dass deren Wohl gefährdet war – teilweise aus Angst vor Vorwürfen, nicht rechtzeitig eingegriffen zu haben. Zahlreiche Medien berichteten darüber. Gegenüber pro sagt er zur aktuellen politischen Entwicklung: „Die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz muss die Rechte von Kindern gegenüber der staatlichen Gemeinschaft auf eine kindgerechte Umwelt stärken. Zur Zeit sieht es so aus, als ob genau dies nicht beabsichtigt ist. Deshalb befürchten die Kritiker zu Recht, dass die Eingriffe in Familien gestärkt werden sollen.“

Ob es dazu tatsächlich kommt, ist freilich Spekulation. Aber: Neue Begriffe und Formulierungen im Grundgesetz werden auch neue Auslegungen mit sich bringen. „Das wären mögliche Einfallstore für staatliche Eingriffe in familiäre Zusammenhänge“, sagt der Jurist Felix Böllmann, Anwalt bei der christlichen Menschenrechtsorganisation ADF International. Er verweist auf Norwegen, dessen Wohlfahrtsbehörde bei Verdachtsfällen sehr schnell Kinder von ihren Eltern trennt, was in den vergangenen Jahren zu mehreren Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte führte. Welchen Effekt eine Grundgesetzänderung haben wird, hängt entscheidend von der Formulierung ab. Noch befindet sich der Entwurf im parlamentarischen Prozess. Am Ende müssen je zwei Drittel der Abgeordneten des Bundestages und des Bundesrates zustimmen.

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Von: Jonathan Steinert

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Fri, 21 Feb 2020 11:00:00 +0100
<![CDATA[Game of Thrones oder: Warum glauben Menschen überhaupt an Gott?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/02/21/game-of-thrones-oder-warum-glauben-menschen-ueberhaupt-an-gott/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Es ist die weltweit erfolgreichste Serie der 2010er-Jahre. Die Fernsehserie „Game of Thrones“, die im Jahr 2019 mit der achten Staffel zu ihrem Abschluss gekommen ist, hat weltweit Millionen Fans. In der Fantasy-Welt des Schriftstellers George R. R. Martin kämpfen verschiedene Herrscherhäuser um einen Eisernen Thron, der die Macht über alle Königslande symbolisiert. Dabei gibt es Bezüge zur realen Weltgeschichte. So kämpfen in der Romanreihe das Haus der Starks gegen die Lennisters, etwa so wie im England des 15. Jahrhunderts die Yorks gegen die Lancasters in den „Rosenkriegen“. Auch sonst macht die Handlung viele Anleihen aus dem Mittelalter.

Das schreibt Thorsten Dietz, Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg. Sein Buch „Gott in Game of Thrones“ soll eine Brücke schlagen zwischen den Religionen dieser Serie und der Gottesfrage unserer Welt, schreibt er. Denn in der Fantasy-Reihe geht es um Götter, Priesterinnen und Glaubensfragen.

Dietz widmet den einzelnen Religionen der GOT-Welt „Westeros“ je eigene Kapitel: den alten und den neuen Göttern, Brans Reise in die Welt der alten Götter, der Reformbewegung der Spatzen in Königsmund und dem Herrn des Lichts. Es erklärt sich fast von selbst, dass sein Buch vor allem etwas für Fans und Experten ist. Wer noch nie in „Westeros“ war – per Buch oder TV-Serie – wird sich schlecht zurechtfinden.

Keine Religion bei Tolkien und Harry Potter

Dabei liegt der Vergleich der Religion in GOT und der realen Welt auf der Hand. Der Fantasy-Epos gibt dem Autoren zahlreiche Anlässe, jene Fragen zu stellen, die auch in der realen Welt gestellt werden. Vor allem: Warum glauben Menschen überhaupt? Und wann wird Religion gefährlich? Offenbar ist hier eine tief verankerte Sehnsucht des Menschen (und der Bewohner von Westeros) nach einer Ganzheit am Werk, nach einer spirituellen Vereinigung entweder mit anderen Menschen oder mit einem göttlichen Wesen.

Bei aller Bewunderung für die Trilogie „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien sei GOT-Schöpfer Martin unzufrieden gewesen, wie in diesem Klassiker Religion vorkommt. Weder in Mittelerde noch bei Harry Potter gebe es Kirchen oder Religionen. George R. R. Martin habe über sich selbst gesagt: „Ich wurde katholisch erzogen, aber glaubte nie wirklich daran.“

Bei „Game of Thrones“ jedenfalls glauben die Menschen an verschiedene Götter, und es gibt viele exotische Glaubensgemeinschaften. Dietz liefert in seinem Buch viele Beispiele dafür, wie die Romanfiguren sogar um ihre Religion ringen und nach dem Sinn ihrer eigenen Existenz fragen. Dietz: „Die Welt von Westeros hält uns einen Spiegel vor.“

Die Fantasy-Reihe bietet mit ihrer „höchst komplexen Religionsgeschichte“ zahlreiche Parallelen zu unserer Welt. Dietz stützt sich bei seiner Analyse immer wieder auf die Schriften des Theologen Charles Taylor und des israelischen Historikers Yuval Noah Harari. Und fragt: „Was zeigt uns der Spiegel von Game of Thrones für die Zukunftsaussichten des Glaubens? Sicher überwiegend eine kritische Sicht auf die Religionsgeschichte: Der Winter naht. Niedergang und Krise alter und neuer Religionsformen werden ausführlich beschrieben. Die Helden beten nicht nur nicht, sie äußern auch offen ihre Kritikgründe an den Religionen.“ Gleichzeitig fänden sich aber auch „neue religiöse Aufbrüche“ in der Trilogie.

Ein Buch für Fans, sicher, denn der Autor geht sehr ins Detail. Aber ebenso für Christen und solche, die es werden wollen. Denn der Autor befasst sich intensiv mit der Frage, warum der Mensch über die Jahrtausende immer wieder der Religion anhing. Und: Kann man Jon Schnee mit Jesus vergleichen?

Thorsten Dietz: „Gott in Game of Thrones. Was rettet uns, wenn der Winter naht? Überraschende Erkenntnisse über die Religionen von Westeros“, Adeo, 224 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86334-248-7

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 21 Feb 2020 09:00:00 +0100
<![CDATA[Diözese und US-Pfadfinder sind zahlungsunfähig]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/20/dioezese-und-us-pfadfinder-sind-zahlungsunfaehig/ Die Diözese Harrisburg hat Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts angemeldet. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Donnerstag. Grund sind demnach Schadensersatzforderungen infolge von Missbrauchsfällen in der Kirche. Dem Bericht zufolge musste die Diözese im US-Bundesstaat Pennsylvania wegen Missbrauchsfällen bereits Zahlungen in Höhe von rund 12 Millionen Dollar an mehr als 100 Opfer zahlen. Weil nun neue Klagen gegen die Diözese geführt würden, drohe die Zahlungsunfähigkeit. Dem Spiegel-Bericht vom Donnerstag zufolge werden in Pennsylvania mehr als 300 katholische Priester aus verschiedenen Diözesen mit Missbrauchsvorwürfen in Zusammenhang gebracht, mehr als 1.000 Kinder, zumeist Jungen, sollen dort Opfer von Missbrauch geworden sein.

Auch die Boy Scouts of America haben wegen Übergriffen Insolvenz angemeldet. Gegen die Organisation werden in den USA Klagen geführt. Die Insolvenz nach Kapitel 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts stoppt alle anhängigen Gerichtsprozesse und verschafft damit den Boy Scouts die Möglichkeit, sich neu aufzustellen und die Klagen später in einem gebündelten Verfahren zu behandeln und alle Opfer zu entschädigen. Nach Angaben der Welt vom Donnerstag droht den Pfadfindern das Aus. Dem Bericht zufolge verfügen die Pfadfinder über eine interne Dokumentation der bekannten Missbrauchsvorwürfe. Darin sind demnach mehr als 12.000 mutmaßliche Opfer und rund 7.800 mutmaßliche Täter aufgeführt.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 20 Feb 2020 15:41:00 +0100
<![CDATA[Jahreslosung für 2023 steht fest]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/20/jahreslosung-fuer-2023-steht-fest/ „Du bist ein Gott, der mich sieht“, lautet die Jahreslosung für 2023. Das haben die Delegierten auf der Jahrestagung der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft (ÖAB) entschieden. Ihre Mitglieder kommen aus evangelischen, katholischen und freikirchlichen Werken und Verbänden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, dem Elsass und Polen.

„Wir hatten selten so eine klare Entscheidung“, wird die stellvertretende ÖAB-Vorsitzende Jutta Henner in einer Pressmitteilung zitiert. Der ÖAB-Vorsitzende Wolfgang Baur geht darin auf den biblischen Zusammenhang der Worte ein, die von Hagar, der Zweitfrau Abrahams stammen. „Zum ersten Mal prägt der Ausspruch einer Frau ein ganzes Jahr. Sie steht für all die nicht wertgeschätzten Frauen in Gesellschaft und Religion bis heute.“

Seit den 1930er Jahren werden Jahreslosungen gewählt. Nach dem Einstieg des Katholischen Bibelwerks 1970 nennt sich das Gremium Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen. Ihm gehören 23 Institutionen an, darunter die deutschsprachigen Bibelgesellschaften, das Katholische Bibelwerk, die AG der Evangelischen Jugend, die Vereinigung Evangelischer Freikirchen und die Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste. Zusätzlich können vier Experten ernannt werden.

Losung soll Lust auf die Bibel machen

Die Gremienmitglieder reichen im Vorfeld auf Basis des aktuellen Bibelleseplans Vorschläge ein. In diesem Jahr waren es 33 Bibeltexte für die Jahreslosung und rund 30 Verse für jeden der zwölf Monatssprüche. Aus diesen 400 Sprüchen werden dann acht Vorschläge für Jahreslosungen und je vier für jeden Monatsspruch ermittelt. Bei der Jahreslosung stimmt das Gremium am Ende zwischen zwei Vorschlägen ab.

Kriterien sind theologische Gesichtspunkte, ob darin Klartext gesprochen wird und ob er auch von jungen Leute verstanden wird. „Wir wollen, dass sich eine breite Öffentlichkeit mit dem Text auseinandersetzt“, betont Wolfgang Baur. „Der Spruch erscheint schließlich auf großformatigen Plakaten oder auf Titelseiten von Gemeindebriefen. Egal, wo Menschen dieser Jahreslosung begegnen – sie soll zum Nachdenken anregen und Lust machen, wieder einmal in die Bibel hineinzuschauen.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 20 Feb 2020 15:17:00 +0100
<![CDATA[Bleib mir weg mit Fasching]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/02/20/bleib-mir-weg-mit-fasching/ pro-Kolumnist Jürgen Mette kann mit der ganzen Narretei nichts anfangen.]]> Ich bin ein notorischer Non-Fasching-Aktivist, ein Ultra-Karneval-Verweigerer, eingefleischter Fastnachts-Veganer und ein Influencer wider diese gottlose und zugleich irgendwie doch katholische Narretei. Schon immer. Von Kindheit an. In unserem nordhessischen Dorf gab es keine Jecken, keine biegsamen Spagat-Mariechen mit strohblonden Perücken. Meine Eltern hatten immer Freude am Leben, und das nicht nur, wenn in den katholischen Nachbarorten Naumburg und Fritzlar Ende Februar die Freude verordnet wurde.

Wie ich heute Ende Februar einen großen Bogen um Mainz und Köln mache, so hielt ich damals immer genügend Abstand zu den Maskierten, die überschwänglich von prächtig dekorierten Fahrzeugen huldreich herunterschauten, lauthals „Hellau“ schrien und billige Bonbons in die Menge schmissen. Mittags um halb eins warnen die meisten bereits so angesoffen, dass am Rande der Umzugsroute Vorgärten und Nischen gelb gesprenkelt waren.

Und die Witze und Späße waren meistens auf unterirdischem Niveau. Und dann immer ein Tusch der Blaskapelle: Dädää, dädää, dädää! Rums!

Da kann es stürmen, schiffen, schnein, einer geht noch immer rein! Prösterchen!

Ich halte mich lieber zu dem Dichter Wilhelm Busch (1832–1908): „Ein jeder Narr tut, was er will. Na, meinetwegen. Ich schweig still!“

Nüchterne Köpfe unter den Narren

Aber es gibt eine Ausnahme. Das bayerische Fernsehen überträgt jedes Jahr die fränkische Fastnacht aus dem unterfränkischen Veichtshöchheim am Main: die einzige Veranstaltung zur Faschingszeit, wo die politische Prominenz des Freistaats so richtig lecker durch den Kakao gezogen wird. Zwei sind immer dabei – der eine in den verrücktesten Kostümen, der andere immer in schlichter Dienstkleidung. Der eine war wohl nach dem Thüringer Thomas Kemmerich der Ministerpräsident mit der kürzesten Verweildauer im Amt, nämlich einem knappen Jahr (2007–2008), der andere ist seit 2011 Bischof der Evangelischen Kirche in Bayern und seit 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der eine ist evangelisch und noch dazu ein Franke, ein Freund des CVJM und der Pietisten, beliebter Referent bei der christlichen Seefahrt. Der andere wurde von der evangelikalen Presse oft geprüft und manchmal gelobt und öfters geschimpft.

Was beide verbindet, ist – neben der evangelischen Kirche – die Treue zur Veichtshöchheimer Fastnacht. Heinrich Bedford-Strohm, immer im schwarzen Bischofsoutfit, minimale Dekoration in Form von ein paar bunten Papierstreifen um den Hals, Günther Beckstein immer in ziemlich verrückten Kostümen, die er mit sichtbaren Unbehagen trägt und darin immer „a weng“ verlegen ausschaut. Der Bischof, von Hause aus ein Geigenvirtuose und Feingeist, lacht herzlich und scheint sich sichtlich wohlzufühlen. Er ist hauptsächlich mit Mineralwasser zugange. Bei der dort vorgetragenen Musik braucht er sicher eine hohe Toleranzschwelle. Und als voriges Jahr die Altneuhäuser Feuerwehrkapelle aus der Oberpfalz mit einem frauenverachtenden Beitrag über Madame Macron ausgepfiffen wurde, da ist auch dem Bischof das sympathische Lächeln vergangen.

Es ist gut, wenn immer einige nüchterne Leute dabei sind, die noch über all die Späße urteilsfähig sind. Vor allem, wenn man bedenkt, was „Narrenfreiheit“ im Mittelalter bedeutete: Narren waren an den Königshöfen diejenigen, die dem Herrscher die ungeschminkte Wahrheit sagen und den Spiegel vorhalten durften. Wenn es dem nicht gefiel, konnte er es als unterhaltsame Narretei abtun.

Damit will ich meine Leser keinesfalls zum Fasching einladen. Aber der Karneval scheint heute auch ein Ventil für Angestautes zu sein. Ich jedenfalls gehe nicht hin – nicht weil ich die Akteure nicht leiden kann, sondern weil es mir schlicht zu laut ist und auch die Musik nicht meiner Vorliebe entspricht.

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Thu, 20 Feb 2020 13:17:00 +0100
<![CDATA[Wir brauchen die mehr denn je!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/02/20/wir-brauchen-die-mehr-denn-je/ Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger]]> „Wir brauchen die nicht mehr.“ Der CDU-Politiker Friedrich Merz hält die Berichterstattung etablierter Medien für überflüssig, wie er bei einer Veranstaltung am 21. Januar in Aachen sagte. Stattdessen empfahl er Politikern, Social-Media-Kanäle zu nutzen, um im eigenen Interesse die Deutungshoheit über die verbreiteten Themen zu behalten.

Merz leitet seine Aussage wohl von zwei Entwicklungen ab: Erstens, dass viele Nutzer immer häufiger auf Social-Media-Kanäle zurückgreifen, um sich zu unterhalten und zu informieren. Zweitens, dass es für etablierte Medien immer schwieriger wird, an ein bestimmtes Publikum „heranzukommen“, weil die Vielfalt an möglichen Informationsquellen groß – wenn auch nicht immer seriös – ist.

Genau das ist das Problem an der Aussage von Merz: In Zeiten von Fake News, Hate Speech, Vertrauensverlust in Institutionen und Pöbeleien im Netz sind seriöse Medien gerade NICHT überflüssig, wie Merz schlussfolgert, sondern wichtiger denn je.

In einer jüngsten Äußerung stellte Merz klar, dass er nicht die „Bedeutung einer freien Presse infrage gestellt“ wissen wollte, sondern dass er lediglich die Verbreitung von Nachrichten über Social-Media-Kanäle gemeint habe. Sollte er tatsächlich nicht meinen, dass der Berufsstand seriöser Journalisten überflüssig ist: Umso besser.

Denn die Medien stellen eine unabhängige Säule des Gemeinwesens dar und sind in einem demokratischen Rechtsstaat deswegen unverzichtbar. So einfach. Journalisten, die sich in ihren Einschätzungen und Methoden auf ein stabiles Wertegerüst stützen, sind unentbehrlich.

Ende der Journalistenausbildung seitens der Evangelischen Kirche ist ein Verlust

Umso bedrückender ist, dass die Evangelische Journalistenschule (EJS) in Berlin keine neuen Volontäre mehr ausbilden will, wie diese Woche bekannt wurde. Dies kommt einer Abwicklung der journalistischen Ausbildung vor Ort gleich. Sparzwänge beim Träger, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, werden als Gründe für die Überlegung genannt. Zur Ausbildung an der EJS gehörten Veranstaltungen zur christlichen Publizistik und immer wieder gemeinsames Nachdenken über ethische Fragen: Wie sollten Berichterstatter mit ihren Protagonisten umgehen? Welche Dinge müssen Journalisten veröffentlichen und welche nicht? Welche Auswirkungen hat das eigene Tun? Welche Konsequenzen ein veröffentlichter Beitrag?

Die EJS hat einen Beitrag dazu geleistet, dass heute Journalisten bei renommierten Medien arbeiten, die im Rahmen ihrer Ausbildung nicht nur ein Handwerk gelernt haben, sondern sich intensiv mit diesen ethischen Fragen auseinandergesetzt haben. Menschen, die eben nicht unhinterfragt alles, was ihnen gerade nützt, in die Welt pusten, sondern die verantwortungsvoll abwägen, um ihrer Rolle als sogenannter vierten Gewalt im demokratischen System gerecht zu werden.

Was es wirklich nicht braucht: im Journalismus tätige Menschen, die den Job nur machen, weil es gerade passte oder er vor der Haustür lag, die ihr Handwerk nicht richtig gelernt haben, kleine Relotiusse, die für den Ruhm alles tun und ethische Standards bedenkenlos über Bord werfen. Aber diejenigen, die ihren Job und die Funktion des Journalismus ernst nehmen, und die darüber hinaus noch ein ethisches Fundament mitbringen, wie die EJS es ihren Schülern vermittelt hat, die brauchen wir mehr denn je!

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Thu, 20 Feb 2020 11:47:00 +0100
<![CDATA[Mit Hochdruck für den Nächsten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2020/02/20/mit-hochdruck-fuer-den-naechsten/ Wer heute seine Hofeinfahrt mit einem Hochdruckreiniger vom Moos befreit, der „kärchert“ seine Pflastersteine – unabhängig davon, welches Fabrikat das Gerät tatsächlich hat. Die Firma Kärcher, ein schwäbisches Familienunternehmen mit Sitz in Winnenden, erwirtschaftete 2018 einen Jahresumsatz vom 2,5 Milliarden Euro und ist nach eigenen Angaben Marktführer – ein echter global player. Wer steckt hinter dem großen Namen?

Der Mann, der an diesem Januarmorgen die Büroräume der Christlichen Medieninitiative pro betritt, wirkt nicht wie ein Jetlag-geplagter Geschäftsmann, wie man vermuten könnte. Äußerlich könnte Kärcher in seinem gestreiften Hemd und seinem lockeren Sakko auch als Studienrat durchgehen. Er stellt sich jedem Mitarbeiter einzeln vor, nimmt sich Zeit für jeden und entschuldigt sich im Voraus, dass er sich nicht alle Namen merken könne.

Der Firmenerbe wurde 1950 geboren. Sein Vater Alfred gründete die Firma, die später wie mehrere schwäbische Unternehmen Weltbekanntheit erlangen sollte. Alfred Kärchers Tod 1959 war für die Familie ein schwerer Schlag. Seine Frau Irene musste sich um die Firma und ihre 150 Mitarbeiter kümmern. Zwar hatte sie die Verantwortung zunächst einem Generalbevollmächtigten übergeben, die Regelung scheiterte aber aufgrund verschiedener Differenzen, wie Kärcher berichtet. Für den achtjährigen Johannes und seine erst zwei Jahre alte Schwester Susanne habe es sich angefühlt, als ob sie Vater und Mutter gleichzeitig verloren hätten. Er zog zur Großmutter, sah seine Mutter nur noch am Wochenende. Doch auch dann musste er sie mit ihrem Freund teilen. Irene Kärcher bewies indes ein glückliches Händchen in der Firma und traf wegweisende Entscheidungen wie die Konzentration ausschließlich auf Hochdruckreiniger. „Sie konnte gut mit Menschen umgehen – und außerdem die Männer von allzu starker Rivalisierung abhalten.“

Als Johannes Kärcher älter wurde, entschied er sich für ein Jurastudium. Er wollte der Firma zwar helfen – doch nie so abhängig von ihr sein wie seine Mutter. Rechtswissenschaften erschienen ihm dafür ideal. Drei Tage vor der mündlichen Assessorprüfung zum Zweiten Staatsexamen tagte die Familie Kärcher. Der fünf Jahre zuvor gegründeten Niederlassung in Brasilien ging es schlecht. Der deutsche Geschäftsführer und sein Kollege in Brasilien hatten Probleme miteinander. Johannes Kärcher erhielt den Auftrag, für zwei Jahre „nach dem Rechten zu sehen“. Für Kärchers eigene junge Familie keine leichte Entscheidung. Seine Frau war mit dem zweiten Kind schwanger, das erste erst ein Jahr alt. Trotzdem wagten die Kärchers den Schritt in eine andere Kultur. Aus den zwei Jahren wurden acht. In dieser Zeit habe er gelernt, ein Unternehmen zu führen, erinnert sich Kärcher heute. Ein Jahr nach seiner Rückkehr nach Deutschland Ende 1988 starb Irene Kärcher. Auch Probleme in der Firma forderten die Familie heraus. Vier Jahre lang leitete der Firmenerbe die technische Geschäftsführung – obwohl er inhaltlich kaum Bescheid wusste. Umso mehr habe er es geschätzt, erinnert er sich, wie seine Mitarbeiter der zweiten Leitungsebene ihn unterstützt hätten.

Brasiliens Kampf gegen Korruption

Vier Jahre später gab es in Brasilien wieder Probleme, die Niederlassung stand vor dem Aus. Also zog es Kärcher erneut nach Südamerika, diesmal jedoch alleine. Seine Ehe war zerbrochen, auch seine drei Kinder blieben in Deutschland. Der Unternehmer hat insgesamt sechs Kinder von drei verschiedenen Frauen, davon zwei Brasilianerinnen. Seit einigen Jahren ist er mit einer Armenierin verheiratet, die ebenfalls ein Kind in die Ehe brachte.

Zwar lebt Kärcher schon seit einigen Jahren in Deutschland, doch unverkennbar hat ihn Brasilien geprägt. Auch die Schwierigkeiten im Land. Die deutsche Medienlandschaft zeichnet ein düsteres Bild der brasilianischen Regierung und des Präsidenten Jair Bolsonaro. Kärcher, der 20 Jahre im Land gelebt hat, kann dem umstrittenen Politiker aber auch Gutes abgewinnen. Nach Jahrzehnten der Korruption gebe es nun eine Regierung, die konservative Anliegen vertrete. „Die sagen: Für uns ist nicht LGBT das wichtigste, sondern die Familie.“ Auf YouTube könne man sehen, wie der jetzige Justizminister Sérgio Moro den Ex-Präsidenten Lula da Silva wegen Korruptionsvorwürfen vernimmt. Dass es im von Korruption durchsetzten System Brasiliens doch Menschen gibt, die sogar Präsidenten ins Gefängnis bringen, beeindruckt den Volljuristen Kärcher. Bolsonaro habe zwar ein loses Mundwerk, gibt er zu. Aber immerhin lasse er sich nicht kaufen. Es gehöre Mut dazu, sich konservativ zu positionieren, „weil die gesamte Richtung in Brasilien in den letzten 30 bis 40 Jahren kulturmarxistisch war“. Zudem sei es problematisch, wenn westliche Menschen andere Kulturen mit ihrer eigenen Wertebrille beurteilten.

Vermögen muss dem Nächsten dienen

Seit Kärcher wieder in Deutschland ist, engagiert er sich in verschiedenen ehrenamtlichen Tätigkeiten. Weil er nicht mehr im Alltagsgeschäft eingebunden ist, hat er viel Zeit zum Lesen. Besonders interessiert er sich für Philosophie. Wenn er über Brasilien, die Wirtschaftsordnung in Deutschland und den christlichen Glauben spricht, gelangt er schnell zu Denkern wie Viktor Frankl, Martin Buber und seinem „dialogischen Prinzip“, zu Simone Weil oder Jean-Jacque Rousseau – dessen allzu optimistisches Menschenbild er ablehnt. Auf Kirchentagen hat er bereits vier Bibelarbeiten gehalten, zum Beispiel über den Mammon oder das Erlassjahr. Aus seinem protestantischen Glauben macht Kärcher keinen Hehl, er trägt ihn aber auch nicht auf der Zunge, wie man es von schwäbischen Unternehmern erwarten würde, die nicht selten pietistisch geprägt sind. Mit solchen Zuschreibungen kann Kärcher wenig anfangen. Im Gespräch mit pro zitiert er frei aus der Johannespassion von Johann Sebastian Bach: „Wir sollen ihm für sein gelehntes Gut die Zinse nicht in die Scheuren bringen.“

Kärcher leitet daraus ab: Unser Körper, unser Geist, all unser Besitz ist nur geliehen. Der Mensch hat die Aufgabe, damit gut hauszuhalten und anderen davon abzugeben. Die Waiblinger Kreiszeitung nannte Kärcher einmal „Prototyp eines von protestantischer Ethik geprägten Kapitalisten“. In der Tat setzt sich der Familienunternehmer für gelebte Werte im Unternehmen ein. Kärcher ist zusammen mit seiner Schwes­ter Susanne Zimmermann von Siefart, deren zwei Kindern und seinen drei erwachsenen Kindern Gesellschafter der Firma Kärcher. Die Unternehmensführung überlässt er größtenteils seinen Managern, die seien doch viel dichter am Markt und sähen die Chancen, auch die Widerstände. Er selbst greife nur ein, wenn er grundsätzliche Bedenken habe – und dann auch nur, wenn alle Gesellschafter, also der Rest der Familie, sich einig seien. Noch nie habe das Unternehmen die Gewinne an die Gesellschafter, also an die Familie Kärcher selbst, ausgeschüttet, sondern immer wieder in das Unternehmen investiert. Diese Einstellung zur Firma würden die Mitarbeiter merken. „Wenn sie sehen, dass ich wie alle in der Kärcher-Kantine zu Mittag esse und mit meiner B-Klasse auf den Hof fahre“, sei das eben auch eine Aussage. Vermögen, davon ist Kärcher überzeugt, solle nicht dem eigenen Wohl dienen, sondern anderen Menschen zugute kommen: „Der Pietist würde sagen: Dann isch Säge druff.“

Von: Nicolai Franz

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Thu, 20 Feb 2020 09:05:00 +0100
<![CDATA[Coverboy Jesus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2020/02/19/coverboy-jesus/ Passen Christliches und Pop-Kultur zusammen? Matthias Tränkle findet schon. In einer Ausstellung möchte er zeigen, wie eng Popmusik und Religion miteinander verknüpft sind. „In der populären Musik spielten Glaube, Religion und Spiritualität schon immer eine zentrale Rolle. Bis heute setzen sich Künstler in ihr mit Jesus Christus und dem christlichen Glauben auseinander“, sagt Tränkle. Dies durchziehe den Blues und Jazz der Vierzigerjahre genauso wie die Gospelmusik und aktuelle Punk-, Heavy-Metal- und HipHop-Produktionen.

Sinnkrise nach dem Tod der Mutter

Tränkle ist 1967 in Karlsruhe geboren. Zum Studium ging er nach Essen, wo er heute noch lebt. Er versuchte nach dem Studium, als Journalist Fuß zu fassen. Später arbeitete er für eine PR-Agentur: „Für die Kommunikationsbranche war ich nicht der richtige Typ“, bekennt er. 2012 begann der Freiberufler, einen Dokumentarfilm für den WDR zu produzieren. Gemeinsam mit dem Filmemacher Hendrik Lietmann begleitete er in „More Jesus“ den Prediger Edmund Sackey-Brown. Der wollte in Deutschland eine riesige Pfingstkirche nach amerikanischem Vorbild aufbauen. Für den Beitrag recherchierte Tränkle nach geeigneter Musik. Er stieß auf Popmusik mit christlichen Inhalten. Das Thema ließ ihn seitdem nicht mehr los.

Als seine Mutter jung starb, stürzte er in eine Sinnkrise. Er beschäftigte sich mit der Spiritualität des Dalai Lama, besuchte Gottesdienste der Landeskirche. Dort vermisste er Menschen in seinem Alter. 2004 traf er auf einem Flohmarkt einen Christen, der ihn zu einem afrikanischen Gottesdienst des evangelischen Jugendhauses „Weigle-Haus“ einlud: „Ich fühlte mich dort angesprochen und habe keinen Sonntag verpasst. Diese Leidenschaft kannte ich bisher in Bezug auf den Glauben noch nicht.“

Kein missionarischer, sondern ein persönlicher Zugang

„Ich hatte den Eindruck, dass sich die Medienwelt für religiöse Themen kaum interessiert. Auf der anderen Seite arbeiten sich viele säkulare Künstler daran ab.“ Das wollte Tränkle dokumentieren. Er begann Schallplatten und CDs zu sammeln. Inzwischen besitzt er in seiner Altbauwohnung im Arbeiterstadtteil Frohnhausen 400 Exponate, die Jesus auf dem Plattencover zeigen.

Dem 53-Jährigen ist klar, dass die Künstler völlig unterschiedliche Motive haben, um Jesus darzustellen. Er erzählt: „Schockrocker Alice Cooper besiegte mit Hilfe seines Glaubens die eigene Alkoholsucht. Bob Dylan hat christliche Alben aufgenommen, auch wenn ihn das viele Fans gekostet hat.“ Der Country-Musiker Johnny Cash habe Lieder zum Thema Glauben geschrieben. Auch ein Atheist wie Nick Cave arbeite sich regelmäßig an biblischen Themen ab: „Die große Mehrheit der Künstler hat keinen missionarischen, sondern einen sehr persönlichen Zugang zum Thema.“

Tränkles Augen glänzen, wenn er darüber spricht. Er zeigt die ganze Bandbreite dessen auf, wie Musiker Jesus zum Thema machen oder ihn aufs Cover setzen. Die englische Band „The Housemartins“ beschäftige sich in ihrem Album „Take Jesus, take Marx, take hope“ mit Glaube, Liebe und Hoffnung. Die Band „Motörhead“ klage in dem gleichnamigen Lied an, dass Gott nie an ihrer Seite war. Die Punk-Band „The Bollock Brothers“ widme der Bibel ein ganzes Album und „Siouxsie & the Banshees“ vertonten das Vaterunser in einer Punk-Version. Rapper Kanye West lasse sich als Jesus Christus für das Musikmagazin Rolling Stone fotografieren, Madonna sich skandalträchtig ans Kreuz nageln.

Jede Subkultur malt ihr eigenes Bild

Die englischen Punk-Band „The Exploited“ erklärte Gott endgültig für tot („Jesus is dead“). Für die Krautrocker „Michael Anton & Amok“ war dieser die neueste Droge („Jesus makes you high“). „Reagan Youth“ deutete Jesus als Kommunisten, die Musiker von „Jesus Dread“ sahen ihn als Reggae-Bruder. Jede Generation und Subkultur zeichnete ihr eigenes Bild.

Wenn er auf Flohmärkten nach Jesus-Covern suche, werde er teils mitleidig angeschaut, sagt Tränkle. Ihm fehlten christliche Autoren mit Strahlkraft, die christliche Themen prominent und über die Subkultur hinaus platzierten. Kirche sei nur noch für Taufe, Hochzeit und Beerdigung da, findet der aktuell „gemeindlich Heimatlose“.

Tränkle ist sich bewusst, dass er mit seinem Thema Grenzgänger ist: „Christen haben oft mit Popkultur nichts am Hut und Popmusiker umgekehrt ganz selten etwas mit dem Glauben.“ Trotzdem verspürt Tränkle den Ehrgeiz, das Thema aus der Nische zu holen: „Jesus und die Popkultur sind kein Thema für den Hinterhof.“ Es sei schwierig, Ausstellungen in Museen zu platzieren. Deswegen will er die Idee nun alleine umsetzen. Tränkle sieht sich als Chronist: „Ich möchte nichts bewerten. Das Cover ist ein Kunstwerk. Jeder bastelt sich mit seinem Hintergrund und seinen Erfahrungen seine eigene Version von Jesus.“ Am intensivsten und „leider oft auch blasphemisch“ geschehe dies im Heavy-Metal-Bereich. Tränkle mag kreative Umsetzungen. Ihm imponiert ein Cover von Freddy Gibbs. Darauf wird der Rapper in den Himmel entrückt. Seine Fans filmen den Vorgang mit dem Smartphone.

Wissenschaftliche Bearbeitung wünschenswert

Tränkle wünscht sich, dass sich die Wissenschaft noch intensiver mit dem Thema „Religion und Popkultur“ beschäftigt. Schließlich bestimme das Thema das kreative Schaffen vieler Künstler. Die „Toten Hosen“ haben beispielsweise im Advent ein Konzert in einer evangelischen Kirche Speyer gegeben. Im Stadion von Union Berlin an der Alten Försterei treffen sich Zehntausende, um Weihnachtslieder zu singen. Und über die „Queen of Soul“, Aretha Franklin, gibt es einen neuen Film, der sie bei Auftritten in Baptisten-Gottesdiensten zeige.

Tränkle möchte auch Entwicklungen in Literatur, Mode, Werbung und Film in seine geplante Ausstellung einfließen lassen. Schließlich gebe es Werbung mit vielen religiösen Zitaten. Es gebe „Jesus High Heels“ von Givenchy und die Marke Holy Ghost habe eindeutig religiöse Konnotationen. Alleine das Online-Auktionshaus ebay biete täglich über 20.000 Jesus-Artikel an.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 19 Feb 2020 12:11:00 +0100
<![CDATA[Urteil: Jägermeister verletzt keine religiösen Gefühle]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2020/02/19/urteil-jaegermeister-verletzt-keine-religioesen-gefuehle/ Vor einem Jahr meldete die Satire-Nachrichtenseite Der Postillon: „Wegen Kreuz im Logo: Strenggläubiger Muslim will keinen Jägermeister mehr trinken“. Die CDU-Politikerin Erika Steinbach nahm das für bare Münze und twitterte daraufhin: „Hoppla, ich dachte Muslime dürfen keinen Alkohol trinken. Also kann Jägermeister diese Drohung gelassen hinnehmen. Aber es ist schon dreist, was hier in Deutschland abgeht.“ Hämisch lachte die deutsche Öffentlichkeit darüber, dass Steinbach auf die Satire hereingefallen war.

Aber so weit weg von der Wirklichkeit ist die Satire gar nicht – nur unter anderen Vorzeichen: Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum hatte dem Spirituosen-Hersteller den Schutz der Bildmarke auf Marketing-Produkten verweigert. Die Darstellung – ein Hirschkopf, zwischen dessen Geweihstangen ein Kreuz im Strahlenkranz schwebt – könnte die religiösen Gefühle von Christen verletzen. Jägermeister hatte dagegen Beschwerde eingelegt.

Das Schweizer Bundesverwaltungsgericht hat nun entschieden: Das Logo ist keine Anfechtung für Gläubige. Die „religiösen Gefühle durchschnittlicher Christen“ würden demnach nicht verletzt, zitierten mehrere Medien das Urteil. Das christliche Symbol werde auch nicht in einer respektlosen Weise gezeigt.

Das Logo des Kräuterlikörs geht laut dem Unternehmen auf die Legende vom Hubertushirsch zurück. Hubertus, der Schutzpatron der Jäger, sichtete demnach einst einen Hirsch, zwischen dessen Geweihstangen ein Kreuz leuchtete. Dieses Erlebnis brachte ihn der Legende zufolge dazu, sich Gott zuzuwenden, und schließlich Bischof zu werden.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 19 Feb 2020 10:15:00 +0100
<![CDATA[Manna, Manna, Manna - und das alles ohne Money]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2020/02/19/manna-manna-manna-und-das-alles-ohne-money/ Lesen Sie mehr über das innovative Projekt in der Ausgabe 1/2020 des Christlichen Medienmagazins pro. Kostenlos und unverbindlich bestellen unter 06441 566 77 00, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 19 Feb 2020 08:31:00 +0100
<![CDATA[Mit Starpower: RTL erzählt am 8. April die Passionsgeschichte live im TV]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/02/18/mit-starpower-rtl-erzaehlt-am-8-april-die-passionsgeschichte-live-im-tv/ TV-Moderator Thomas Gottschalk hat schon vieles erlebt und doch sei „Die Passion“ für ihn etwas völlig Neues und „hochinteressant“. Die Idee von RTL, die Passionsgeschichte als Music-Live-Event aufzuführen, begeistere ihn, sagte er am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Gottschalk, der bei diesem Projekt die letzten Stunden Jesu als Erzähler begleitet, bekommt dafür von RTL weitere prominente Unterstützer an die Seite gestellt.

Die Hauptrolle, Jesus von Nazareth, wird Alexander Klaws spielen. Der ehemalige Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“ konnte bereits Erfahrungen mit der Figur sammeln: Klaws trat in der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ auf. Dennoch sei dies nun eine neue Herausforderung. Ihn begeistere vor allem die „jugendfreundliche Art“ des RTL-Formates.

Genau darin sieht Gottschalk die große Stärke der Show. Es müsse jedem klar sein, dass es niemals gelingen werde, diese Geschichte so zu erzählen, wie sie es verdiente. Außerdem werde es immer Menschen geben, die sich in bestimmten Punkten auf die Füße getreten fühlten. Dennoch sei dieser Versuch, die Passionsgeschichte neu zu vermitteln, wichtig. Viel zu wenige wüssten heute noch, was damals eigentlich genau geschah. Dabei sei diese „alte Geschichte aktueller denn je“.

Gottschalk persönlich mache sich auch keine Gedanken darüber, dass „Die Passion“ die Geschichte zu kitschig erzähle. Alle Beteiligten würden das Projekt sehr ernst nehmen. RTL habe aber nicht die Absicht, Bibelforschung zu betreiben oder die vielen Kirchenaustritte zu stoppen, erklärte Gottschalk. Stattdessen wolle man Menschen unterhalten und zum Besseren bewegen.

Zwölf Jüngerinnen und Jünger

Eine der größten Herausforderungen sei es für den Moderator, sich an Jüngerinnen zu gewöhnen. Neben den Schauspielern und Musikern Samuel Koch, Gil Ofarim, Stefan Mross, Thomas Enns, Prince Damien, Nicolas Höppner, Laith al Deen und Mark Keller treten bei RTL vier weibliche Jünger auf: Sarah Timpe, Sila Sahin, Mareile Höppner und Anna-Carina Woitschack.

Das gesamte Team wird vom Theologen Michael Tilly (Tübingen) unterstützt und beraten. Dieser bezeichnete auf der Pressekonferenz die Ostergeschichte als „Weltliteratur“, die Menschen auch nach 2.000 Jahren noch begeistere. Mit der Nacherzählung der Leidensgeschichte Jesu wolle man aber nicht anecken oder andere Menschen verletzen, sagte Tilly mit Verweis auf Juden und Muslime. Vielmehr sei es das Ziel, dem Hass der Welt die Liebe und Freundschaft, die Ostern vermittelt, zu entgegnen.

In den Nebenrollen kündigte RTL unter anderem den früheren Fußballmanager Reiner Calmund, den Gastronom und Sänger Nelson Müller und den Schauspieler und Komiker Ingolf Lück an. Die Übertragung soll zwei Stunden dauern. Hauptbühne ist der Burgplatz neben dem Essener Dom. Dort werden 4.900 Menschen erwartet. Zusätzlich wird es noch eine Prozession mit einem leuchtenden Kreuz durch die Stadt geben. Moderatorin Nazan Eckes wird während des Kreuzweges Teilnehmer interviewen.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 18 Feb 2020 16:35:00 +0100
<![CDATA[Streit um Graham-Tournee: Regierung äußert Bedenken zur Meinungsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/02/18/streit-um-graham-tournee-regierung-aeussert-bedenken-zur-meinungsfreiheit/ Das Britische Unterhaus hat sich in der vergangenen Woche mit der geplanten Tour des US-amerikanischen Evangelisten Franklin Graham in das Vereinigte Königreich befasst und seine Bedenken zum Stand der Meinungsfreiheit zum Ausdruck gebracht. Der Leader of the House of Commons (dt.: Führer des Unterhauses), der Konservative Jacob Rees-Mogg, beklagte vor dem Parlament die „Intoleranz der Toleranten“ und warnte vor religiös begründeter Diskriminierung. Im britischen Unterhaus des Parlamentes ist der Führer der Kammer Mitglied in der Regierung des Landes.

In einer Unterhaus-Debatte wollte die Abgeordnete der Konservativen Partei für den Wahlbezirk Congleton, Fiona Bruce, von der Regierung wissen, ob sich Großbritannien als eine „tolerante, integrative und vielfältige Gesellschaft“ bezeichnen könne, die die „Redefreiheit unabhängig von der Religion oder dem Glauben“ respektiere, wenn in dem Land der Billy Graham Association die Plattform zur freien Meinungsäußerung verweigert werde.

Warnung: Diskriminierung aufgrund von Religion und Glauben unterlassen

Vor dem Parlament erklärte Rees-Mogg für die Regierung: „Obwohl die Veranstaltungsorte selbst entscheiden dürfen, ob sie Franklin Graham während seines bevorstehenden Besuchs beherbergen wollen oder nicht, müssen sie wie alle Dienstleister darauf achten, dass sie nicht unrechtmäßig aufgrund von Religion und Weltanschauung diskriminieren.“

Das Vereinigte Königreich verfügte über einen „robusten Schutz der Rede- und Religionsfreiheit“, sagte Rees-Mogg. Der Preis für das Leben in einer freien, pluralistischen Gesellschaft sei es, Ansichten und Überzeugungen zu dulden, die den eigenen nicht entsprächen. Nach Auffassung Rees-Moggs sei dies von grundlegender Bedeutung. „Es ist die traurige Wahrheit, dass viele Menschen, die sich selbst als liberal bezeichnen, nur das tolerieren, was ihnen gefällt, und den Ansichten, die sie nicht teilen, sehr intolerant gegenüberstehen", erklärte er vor den Abgeordneten.

Billy Graham Association hält weiter an geplanter Tournee fest

Hintergrund der Frage: Städtische Servicegesellschaften haben Verträge mit der Billy Graham Association über die Anmietung von Festhallen und Arenen für eine geplante Tour des Evangelisten Franklin Graham nach Großbritannien in diesem Frühjahr und Sommer aufgehoben. Die Städte Glasgow, Newcastle, Sheffield, Milton Keynes, Liverpool, Cardiff, Birmingham und London wollen Graham – wegen aus ihrer Sicht abfälliger Äußerungen über Homosexualität und die gleichgeschlechtliche Ehe – keine Konferenzzentren überlassen.

Der Betreiber in Liverpool hatte damit argumentiert, dass „das Gleichgewicht zwischen der Redefreiheit und der spaltenden Wirkung, die diese Veranstaltung in unserer Stadt hat, nicht in Einklang“ gebracht werden und zu „hasserfüllter Mobilisierung" in der Stadt führen könne. Graham wies die Vorwürfe als unbegründet zurück. „Ich bin gekommen, um das Evangelium zu verkünden“, erklärte Graham. Von seiner Überzeugung, dass Gott Homosexualität als Sünde definiert, rückte Graham nicht ab. Nach Angaben von Christian News will die Billy Graham Association trotz der Absagen weiter an der Tournee festhalten und versucht, neue Veranstaltungsorte zu finden. Eine entsprechende Mitteilung ist dem Bericht zufolge an den britischen Premierminister ergangen.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 18 Feb 2020 15:19:00 +0100
<![CDATA[Netzwerk christlicher Sinnfluencer gestartet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/02/18/netzwerk-christlicher-sinnfluencer-gestartet/ Mit dem neuen Netzwerk yeet möchte das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik Influencer verbinden, die ihren Glauben, Sinnfragen und wichtige gesellschaftliche Fragen thematisieren. Eine Pressemitteilung zitiert GEP-Direktor Jörg Bollmann: „Yeet steht dafür, etwas mit Nachdruck und Freude zu tun. Mit dem evangelischen Contentnetzwerk wollen wir jüngere Menschen dort mit dem Evangelium erreichen, wo sie täglich unterwegs sind: in den sozialen Medien!“

Den Aufbau des Netzwerkes hatte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angeregt. Es soll noch weiter wachsen. Deswegen können sich Landeskirchen, christliche Initiativen und Einzelpersonen mit eigenen Ideen und Formaten bewerben. Zu Beginn gehören acht Projekte von Einzelpersonen und Gruppen zum Netzwerk.

Schnittpunkte zwischen Film und Religion

Eine davon ist Theresa Brückner, Pfarrerin für Kirche im digitalen Raum im Berliner Kirchenkreis Tempelhof-Schöneberg. Sie ist erfolgreich auf Instagram, Facebook, Twitter und YouTube als @theresaliebt unterwegs und berichtet mit der Kamera aus ihrem Alltag als Pfarrerin.

Der „evangelische Filmpfarrer“ Christian Engels und Filmjournalistin Kira Brück gestalten die „Filmshow“. In verschiedenen Formaten geht es einerseits um Film und Religion, andererseits um Serien, Kino und Familie. Zusammen und einzeln diskutieren sie Serien und Filme von Hollywood bis Netflix. Die Filmshowformate gibt es auf YouTube und Facebook oder als Podcast.

Die Medizinstudentin Jana Highholder spricht auf ihrem Kanal „Jana glaubt“ auf YouTube, Instagram und Facebook mit Menschen über deren Glauben und Leben, lotet medizinethische Themen aus und erzählt aus ihrem Alltag als Studentin, Poetryslammerin und Autorin. Nils Husmann besucht für seinen Podcast Klimaschutzexperten, mit denen er über Fakten, Strategien und Alltagstipps zum Thema Umweltschutz spricht. Damit begleitet er die chrismon-Serie „Die Bessermacher“.

Der Theologe trifft auf den Technikexperten

Der Pfarrer Jörg Niesner ist unterwegs auf Instagram und tellonym.me, wo er sich als @wasistdermensch Zeit nimmt für die Lebens- und Sinnfragen seiner Follower. Ellen und Steffi Radtke sind miteinander verheiratet und leben im Pfarrhaus im niedersächsischen Eime. Im YouTube-Format „Anders. Amen“ zeigen sie, wie gut die Verbindung „queer und Kirche und Dorf“ funktioniert.

Josephine Teske ist Pfarrerin in Schleswig-Holstein. Unter @seligkeitsdinge_ erzählt sie auf Instagram von ihrem Leben als alleinerziehende Mutter und Pfarrerin, denkt nach über feministische Theologie und lotet die Chancen einer digitalen Kirche aus. Roman und Chris treffen sich vorm Mikrofon als Theologe und Technikexperte. Sie diskutieren in ihrem Podcast „Netztheologen“ den digitalen Wandel aus der Perspektive des christlichen Glaubens.

Das GEP unterstützt das yeet-Team unter anderem durch Vernetzung, Entwicklung der Formate, redaktionelle Begleitung, Technik, Produktionshilfe, Marketing und Werbung. Die Projektleitung liegt bei Lilith Becker und Thomas Dörken-Kucharz. „Yeet soll ein Netzwerk sein, das die Vielfalt des christlichen Glaubens in den sozialen Medien abbildet“, sagt Becker. „Der Start ist ein Auftakt mit einigen Stimmen“, ergänzt Thomas Dörken-Kucharz.

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik in Frankfurt am Main ist mit seinen angeschlossenen Unternehmen die zentrale Medieneinrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland, der evangelischen Landeskirchen, der Diakonie sowie der Vereinigung evangelischer Freikirchen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 18 Feb 2020 14:00:00 +0100
<![CDATA[Die beten doch nicht etwa?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/02/18/die-beten-doch-nicht-etwa/ Eine TV-Kritik von Nicolai Franz]]> Das National Prayer Breakfast (nationales Gebetsfrühstück) gehört zu den USA wie Burger, Cowboys und Hollywood. Eliten aus Politik und Wirtschaft treffen sich dort zum Frühstück, hören kurze Vorträge – natürlich auch vom Präsidenten – und beten gemeinsam. Seit Dwight D. Eisenhower 1953 hat jeder Präsident an dem Gebetstreffen teilgenommen.

Dieses Jahr war es am 5. Februar wieder soweit. Ein sichtlich zufriedener US-Präsident Donald Trump reckte eine Ausgabe der Washington Post in die Höhe, die ein großes Foto von ihm mit der Überschrift „Trump acquitted“ („Trump freigesprochen“) zeigte. Trump hatte kurz zuvor das Amtsenthebungsverfahren gegen ihn überstanden – mit Hilfe der republikanischen Mehrheit, die ihm bis auf Senator Mitt Romney folgte. Der Mormone gab an, aus religiösen Gründen für die Amtsenthebung Trumps wegen Amtsmissbrauchs gestimmt zu haben. Er habe vor Gott geschworen, unparteiisch zu urteilen. Er sei „zutiefst religiös“, der Glaube sei das „Herzstück“ dessen, was ihn ausmache. Deswegen habe er nicht anders gekonnt, als gegen Trump zu votieren.

Durchaus interessante Beziehungen von Glaube und Politik haben sich im und um das Gebetsfrühstück herum also ergeben. Das interessierte die Verantwortlichen des ARD-Magazins Weltspiegel aber kaum. Stattdessen nahmen sie das diesjährige Gebetsfrühstück zum Anlass, um die dahinter stehende Organisation investigativ zu hinterfragen: „The Family“. In einem Actionfilm läge es nahe, hinter dem dubiosen Namen eine Art Mafia-Organisation zu vermuten, und auch der Weltspiegel spielt bewusst mit diesen Klischees. So ist es sicher kein Zufall, dass „The Family“ im siebenminütigen Beitrag durchweg in der Übersetzung „Die Familie“ vorkommt, was für deutsche Ohren reichlich dubios klingen muss.

Amerikanische Frömmigkeit durch deutsche Brille

„The Family“ sei eine kaum sichtbare, aber umso mächtigere Institution, die wie kaum eine andere Einfluss auf die globale Weltelite habe. Dazu kommt der Buchautor Jeff Sharlet zu Wort, für den „The Family“ ein „Geheimbund christlicher Fundamentalisten“ ist, „der die amerikanische Politik beeinflusst“. Ist das National Prayer Breakfast, von dem es zahlreiche Ableger in allen möglichen Ländern der Welt, auch in Deutschland, gibt, also in Wahrheit eine machthungrige Sekte, die einen Politiker nach dem anderen auf ihre verborgene politische Agenda einschwören will?

Sharlet berichtet, dass „The Family“ bewusst auf Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft setze, die sich dann in kleinen Gruppen, „Zellen“, zum Gebet träfen, um „Jesus von Mann zu Mann zu begegnen“. Aus dem Off kommentiert der Sprecher: „Für das, was zunächst klingt wie eine Verschwörungstheorie, hat Sharlet Beweise gesammelt.“ Damit offenbart sich ein Grundproblem des ARD-Beitrags: Er versucht, amerikanische Frömmigkeit durch eine deutsche Brille zu deuten. Dass Christen sich, auch in einflussreichen Kreisen, zum persönlichen Gebet und geistlichen Austausch treffen, ist in den USA nicht einmal sonderlich evangelikal. Dafür braucht es auch keine knallhart investigativ recherchierten „Beweise“, stattdessen ist es für jeden offensichtlich, der die amerikanische Christenheit kennt – und die trägt den Glauben nun mal auf der Zunge (und mit ins Büro). Auch die Katholikin Nancy Pelosi, demokratische Chefin des Repräsentantenhauses, nahm am Gebetsfrühstück teil. Während des Gebetes stand sie Hand in Hand mit den anderen Teilnehmern, mit geschlossenen Augen, und sie beendete das Gebet wie alle anderen mit einem kräftigen „Amen“. In Deutschland wäre das so wohl kaum denkbar, in den USA sind solche öffentlichen Glaubensbezeugungen hingegen völlig normal.

Verfeindete Parteien zusammenbringen

Einen weiteren Vorwurf Sharlets gibt der Weltspiegel wieder: „The Family“ hofiere weltweit Diktatoren und vermittle ihnen Kontakte zu hochrangigen Entscheidungsträgern. In Uganda habe ein Mitglied der Organisation, David Bahati, sogar ein Gesetz vorangebracht, das die Todesstrafe für Homosexuelle vorsah. Das stimmt zwar, und es gibt Hinweise, dass es auch problematische Verbindungen gab, zumindest in der Vergangenheit. Das zu kritisieren, ist wichtig. Was der Zuschauer jedoch nicht erfährt, ist, dass „The Family“ Bahatis Gesetz ablehnt – so zumindest gab es das Organisationsmitglied Bob Hunter an.

Dafür, dass es sich bei „The Family“ um einen fundamentalistischen Geheimbund handle, zeigt sich deren Leiter Doug Burleigh im Interview mit den Weltspiegel-Reportern ziemlich offen. Er streitet nicht ab, dass es früher Kontakte zwischen seiner Organisation und Diktatoren gegeben habe. Als Grund gibt Burleigh an, den Frieden Gottes verbreiten zu wollen. Dazu müssten nun einmal beide Konfliktparteien an einem Tisch sitzen. „Wie soll man Probleme lösen, wenn man nicht miteinander spricht? Wir möchten, dass Palästinenser und Israelis am selben Tisch sitzen, Inder und Pakistani, Russen und Ukrainer.“ Kommunikation sei wichtig, um Barrieren von Hass und Misstrauen einzureißen. Er bitte Politiker, auch die Präsidenten, nicht direkt darum, etwas zu tun. Stattdessen würden deren Meinungen sich aus der Bibel ableiten. Er bete aber für Politiker, das stehe schließlich in der Bibel. Wie ein intriganter Strippenzieher klingt Burleigh dabei nicht.

Im weiteren Gespräch wird allerdings erneut deutlich, wie tief der Graben zwischen Deutschland und den USA ist, was schon alleine die religiöse Sprache angeht: Wenn Burleigh unbekümmert gegenüber seinem deutschen Gesprächspartner formuliert, ein Kongressabgeordneter habe „Jesus getroffen“ („he met Jesus") oder dass Trump ein „Ebenbild Gottes“ sei, gar ein „Sohn des Königs“, zeugt das auch von fehlender kultureller Sensibilität: Die meisten Deutschen dürften solche Aussagen irritieren – die kirchendistanzierten unter ihnen sowieso.

Und so dokumentiert der kurze Beitrag (Titel: „USA: Die geheime religiöse Gemeinschaft“) vor allem die kulturellen Unterschiede zwischen dem freikirchlich geprägten Christentum der USA und dem Amtskirchentum in Deutschland. Hierzulande zieht der Staat Kirchensteuern ein und zahlt „Staatsleistungen“ als Entschädigung für frühere Enteignungen. Für die meisten amerikanischen Christen dürfte das eine schlimme Verquickung zwischen Staat und Kirche sein. Doch weder dies noch das National Prayer Breakfast taugt deswegen zum Skandal.

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Tue, 18 Feb 2020 10:42:00 +0100
<![CDATA[Deutscher Journalisten-Verband droht Friedrich Merz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/02/17/deutscher-journalistenverband-droht-friedrich-merz/ „Wir brauchen sie nicht mehr.“ Mit dieser Aussage über die herkömmliche Medienberichterstattung hat der CDU-Politiker Friedrich Merz den Unmut des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) auf sich gezogen. Am 21. Januar sprach Merz im AKV-Rittertalk, einer Vortragsreihe des Aachener Karnevalsvereins, über die Reichweite in den Sozialen Medien. Über eigene Kanäle wie YouTube könnten Politiker „ihre eigene Deutungshoheit“ behalten und Interessen wahrnehmen, sagte Merz. Das sei die gute Nachricht der Digitalisierung.

Am Montag wandte sich der DJV in einem offenen Brief an Merz und zeigte sich darin über dessen Aussagen „in hohem Maße irritiert“. Der Verband droht dem Politiker einen „erbitterten Widerstand“ an, sollte er Journalisten und Medien „als vierte Säule des Staates aushebeln wollen“ und sie für eine „überflüssig gewordene Berufsgruppe“ halten.

Merz hatte im AKV-Rittertalk weiterhin eine „richtige Machtverschiebung“ ausgemacht – „zwischen denen, die Nachrichten verbreiten, und denen, die Nachrichten erzeugen. Und zwar zugunsten derer, die die Nachrichten erzeugen“. Das „Schöne“ heute sei, dass mit Hilfe eigener Social-Media-Kanäle ein Publikum erreicht werden könne, das „teilweise die öffentlich-rechtlichen, auch die privaten institutionalisierten Medien nicht mehr erreichen“.

Der CDU-Politiker wies die Kritik des DJV in einem Brief an den Vorsitzenden Frank Überall zurück. Darin schreibt Merz, er habe sich mit der Aussage „Wir brauchen sie nicht mehr“ allein auf die Verbreitung von Nachrichten über Soziale Medien bezogen: Jeder könne über diese Kanäle eigenständig Themen setzen. „Mit dieser Feststellung habe ich an keiner Stelle die Bedeutung der freien Presse in Frage gestellt“, betonte Merz. Er halte die Pressefreiheit für „eine der Grundvoraussetzungen einer offenen und freien Gesellschaft“.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 17 Feb 2020 16:54:00 +0100
<![CDATA[Rechtsextreme Gruppe wollte sechs Moscheen angreifen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/17/rechtsextreme-gruppe-wollte-sechs-moscheen-angreifen/ Die Mitglieder der mutmaßlichen rechten Terrorzelle um Werner S. sollen Angriffe auf sechs Moscheen in kleineren Städten geplant haben. In Sicherheitskreisen gelten ihre Planungen als „besonders ernstzunehmender Fall“. Und zwar auch deshalb, weil die Männer, die sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in einer Telegram-Chatgruppe kennengelernt und nur zwei Mal getroffen hatten, schnell handlungsbereit waren. An der Aufklärung der Aktivitäten der Gruppe, die von den Ermittlern „Gruppe S.“ genannt wird und intensiv observiert wurde, war neben der Polizei auch der Verfassungsschutz beteiligt.

Einer der Männer soll den Auftrag erhalten haben, Waffen zu beschaffen. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen zählen zu den Waffen, die bei den Razzien am vergangenen Freitag gefunden wurden, Äxte, Schwerter und Schusswaffen.

Nach den Razzien in sechs Bundesländern hatte der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Haftbefehle gegen zwölf Männer erlassen. Vier mutmaßliche Mitglieder der Gruppe und acht mutmaßliche Unterstützer sind in Untersuchungshaft. Die Gruppe um den 32-jährigen Werner S. aus dem Raum Augsburg soll Anschläge auf Politiker, Asylbewerber und Muslime ins Auge gefasst haben, um „bürgerkriegsähnliche Zustände“ auszulösen und so die Gesellschaftsordnung ins Wanken zu bringen.

Ditib fordert mehr Schutz von Muslimen

Die Festnahmen hätten deutlich die akute Gefahr rechtsmotivierter Anschläge gezeigt, sagte der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser. Deshalb sei es unbedingt nötig, „die Schutzstandards für gefährdete Objekte wie religiöse Einrichtungen deutschlandweit einheitlich zu gestalten“.

Die Türkisch-Islamische Union Ditib hat angesichts der mutmaßlich geplanten Angriffe auf Moscheen einen konsequenten Schutz von Muslimen in Deutschland verlangt. Viele Muslime fühlten sich nicht mehr sicher, die Gefahr sei real. Es sei enttäuschend, dass die Mehrheit schweige, dass Zeichen der Solidarität und ein „gesellschaftlicher Aufschrei“ bisher ausblieben, betonte der Dachverband am Montag in Köln.

Der Verfassungsschutz geht aktuell von rund 12.700 gewaltorientierten Rechtsextremisten aus. Die Polizei stuft bundesweit 53 Rechte als Gefährder ein. Als „Gefährder“ bezeichnet die Polizei im Bereich der politisch motivierten Kriminalität Menschen, denen sie schwere Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zutraut. Die Planungen der „Gruppe S.“ weisen Ähnlichkeiten zu den Plänen der Gruppe „Revolution Chemnitz“ auf. Deren Mitglieder waren im Oktober 2018 festgenommen worden.

Von: dpa

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Mon, 17 Feb 2020 16:44:00 +0100
<![CDATA[Evangelische Journalistenschule streicht Volontärsausbildung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/02/17/evangelische-journalistenschule-streicht-volontaersausbildung/ Die Evangelische Journalistenschule (EJS) in Berlin wird keinen neuen Ausbildungsjahrgang für Journalisten ausschreiben. Grund sind die Finanzen beim Träger der Schule, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), das seinen Sitz in Frankfurt am Main hat. GEP-Direktor Jörg Bollmann bestätigte das am Montag. Das GEP ist das Medienunternehmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und verantwortet unter anderem auch den Evangelischen Pressedienst (epd), die Zeitschrift chrismon und das Portal evangelisch.de.

Auf Anfrage teilte Bollmann mit, dass die Ausschreibung für die Volontärsausbildung, die 2021 beginnen würde, noch nicht feststehe. Einem Bericht der Morgenpost zufolge muss das GEP bis 2024 rund 1,9 Millionen Euro einsparen. Dazu sollen nach Angaben der Zeitung frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Die Aussetzung der Ausschreibung und die erforderlichen Einsparungen bezeichnete Bollmann gegenüber pro als eine „schmerzliche Angelegenheit in einem sehr schmerzlichen Prozess". Er sei „entschlossen, alle notwendigen Einsparungen sozialverträglich zu realisieren“. Das GEP werde jedoch „nicht aus der journalistischen Aus- und Fortbildung aussteigen".

Unverständnis über das drohende Ende

Die Ankündigung des GEP ist bei Medienschaffenden auf Unverständnis gestoßen. Nach Ansicht von Andreas Fauth, Chefredakteur der Medienhaus GmbH der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), leiste die EJS mit einem relativ niedrigen Budget „eine wertvolle Arbeit für den Qualitätsjournalismus“ und sichere so der Evangelischen Kirche ihre publizistische Relevanz für die Zukunft.

Der Journalistik-Professor Volker Lilienthal von der Universität Hamburg hofft, dass zum Fortbestand der EJS noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Auf Twitter teilte Lilienthal mit:

„Wir sehen mit Sorge, dass eine qualifizierte Vorbereitung auf den Journalistenberuf zur Disposition steht, die höchste Ansprüche an die Professionalität mit einer Fundierung auf dem christlichen Menschenbild und der evangelischen Sozialethik verbindet“, erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP), Joachim Frank, in einer Pressemitteilung vom Freitag. Frank regte an, zu prüfen, ob sich über ökumenische Kooperationen zwischen der EJS und dem katholischen Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp) Synergien nutzen und zukunftsträchtige Formen der Journalistenausbildung im Raum der Kirchen entwickeln ließen.

Auf Anfrage teilte Frank am Montag mit, dass das GEP „buchstäblich postwendend" auf das Angebot reagiert habe. Bollmann bestätigte das am Montag und teilte mit, dass noch in dieser Woche erste Gespräche geführt würden. Der GKP hält „eine qualifizierte Ausbildung des Nachwuchses" für essenziell. „Die Kirchen mit ihrer – berechtigten – Sorge um ein hohes Niveau der gesellschaftlichen Kommunikation sollten ebenfalls ein ureigenes Interesse an exzellent ausgebildeten Kommunikatoren – also Journalistinnen und Journalisten – haben“, erklärte Frank auf Anfrage. Eine von den Kirchen getragene Ausbildung sichere die Vermittlung von Wertvorstellungen, Grundhaltungen und den Kenntnissen dessen, was den Kirchen wichtig und für den Zusammenhalt der Gesellschaft von Bedeutung sei.

Initiative will helfen

Gegen die drohende Schließung der EJS hat sich eine Initiative unter dem Namen „EJS retten!“ im Internet formiert. Die Initiatoren sehen „in Zeiten von Fake News, wiedererstarkten Rechten und der sich wandelnden Medienlandschaft eine starke Orientierung an Werten“ für als dringend geboten an. Dafür stehe die EJS in besonderem Maße.

Die EJS hat seit 1995 in 22 Monate dauernden Ausbildungsgängen jeweils 16 Auszubildende zu Print-, Online- und Rundfunkjournalisten ausgebildet. Die Ausbildung bei der EJS ist einem Volontariat gleich. Nach eigenem Bekunden engagiert sich die Evangelische Kirche für eine fundierte Ausbildung junger Journalisten, „um ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung in den Medien gerecht zu werden“.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 17 Feb 2020 15:11:00 +0100
<![CDATA[Woelki: „Es gibt ein klares, abschließendes Nein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/17/woelki-es-gibt-ein-klares-abschliessendes-nein/ Aus Sicht des Kölner Erzbischofs Kardinal Rainer Maria Woelki gibt es ein „klärendes, abschließendes Nein“ der Katholischen Kirche zu Frauen in Weihe-Ämtern. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung verdeutlicht er, warum diese Tatsache für ihn nicht verhandelbar ist: Die Kirche könne über Lebensentwürfe von Priestern, Sexualität und die Förderung von Frauen reden. Es gehe aber nicht, „einfach über Dinge abzustimmen, die weltweit und lehramtlich festgelegt sind“.

Die Maßstäbe der modernen Gesellschaft und der Kirche würden sich an dieser Position schmerzhaft stoßen. Frauen nicht zu Priesterinnen zu weihen, sei keine Abwertung der Frau. Der Kölner Erzbischof wirbt sogar für Frauen in kirchlichen Leitungspositionen, der „Stifterwille Jesu lässt uns aber keine Vollmacht und Handhabe, Frauen zu weihen“.

Gottesfrage statt Regeln fürs Schlafzimmer

Die Kirche müsse übersetzen, „was sie vom Glauben her als wahr und richtig erkannt hat“. Die Lehre dürfe nicht einfach so angepasst werden, dass Menschen davon nicht mehr irritiert sind. Es sei wichtiger, die Gottesfrage relevant zu halten, „als über Regeln für Schlafzimmer zu diskutieren“. Diese Fragen gehörten eher in eine persönliche geistliche Begleitung.

Woelki betont, dass Kirche keine Moralagentur sein sollte, ihre Mitarbeiter „Zeugen des lebendigen Gottes, der selber Liebe ist“. Sie habe den klaren Auftrag, den Gottesglauben und das Evangelium in ihre Zeit zu transportieren. Zu der „menschenfreundlichen Botschaft“ gehöre es, sich „für Gerechtigkeit, den Schutz des Lebens in allen Phasen und die Benachteiligten und Migranten“ einzusetzen. Je überzeugender dies gelinge, desto eher strahle das in die Gesellschaft aus.

Skandal aufarbeiten und Versagen benennen

Absolut kritisch und „zerstörerisch“ sieht Woelki dagegen die Freiheit, „alles ausleben zu müssen“. Stellung bezieht der Theologe auch zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Macht zu missbrauchen sei eine der „großen menschlichen Versuchungen“. Es gehe jetzt darum, den Skandal aufzuarbeiten und das institutionelle Versagen zu benennen. Eine unabhängige Münchener Anwaltskanzlei arbeite die Akten auf und stelle die Ergebnisse am 12. März vor.

Die Juristen sollten auch Verantwortungsträger benennen, die den Missbrauch „strukturell, institutionell und ganz konkret möglich“ gemacht hätten. Schwer tut sich Woelki mit der Höhe der Zahlungen an Betroffene: „Ein Signal wollen wir setzen, aber um Versöhnung können wir nur bitten. Egal, wie viel Geld wir zahlen.“

Laut dem Interview in der Süddeutschen Zeitung hegt der Theologe keine Ambitionen auf das frei werdende Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Auch mit der Einstufung als „konservativer“ Kardinal kann er nicht viel anfangen: „Ich versuche, mich mit meiner Geborgenheit und meinen Widersprüchen am Evangelium auszurichten und das jeden Tag einigermaßen zu leben.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 17 Feb 2020 11:58:00 +0100
<![CDATA[Klimawandel der Kommunikation]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/02/17/klimawandel-der-kommunikation/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Wer sich auch nur ein wenig mit Medienwissenschaft oder Kommunikationspsychologie befasst hat, wird ihre Namen kennen: Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, und Friedemann Schulz von Thun, bis 2009 Professor für Psychologie an der Universität Hamburg, sind ausgewiesene Experten, wenn es um den sprachlichen Umgang zwischen Menschen und den medialen Auftritt geht.

In ihrem Buch „Die Kunst des Miteinander-Redens“ loten sie einen „kommunikativen Klimawandel“ aus. In Form eines Dialogs miteinander referieren die beiden darüber, wie sich die Kommunikation durch das Internet verschärft hat und inwiefern ihre „Ethik des Miteinander-Redens“, die von Empathie und Wertschätzung geprägt ist, Abkühlung schaffen kann. In Zeiten der heftigen öffentlichen Debatten, die in immer engeren Kreisen durch Medien wirbeln, von Shitstorms und Morddrohungen, ein wichtiges und notwendiges Buch.

Pörksen und von Thun, von denen der eine das Vorwort und der andere das Nachwort verfasst hat, machen in der Tat eine „Diskursverwilderung“ aus. Aber sind daran eventuell einzelne Akteure (beispielsweise Donald Trump) schuld, oder gehen mittlerweile alle ein wenig ruppiger miteinander um? „Nicht einmal Trump, die Verkörperung des pöbelnden Populisten, verändert das Kommunikationsklima im Alleingang“, schreibt Pörksen. „Er profitiert vielmehr von einer radikal veränderten Medienwelt und ist der Gewinner eines Dramas, das lange vor seiner Präsidentschaft begonnen hat und das sich in unterschiedlichen, eng miteinander verwobenen Entwicklungen entfaltet.“

Fake News beliebter als Fakten

Die beiden Urgesteine der Kommunikationsforschung bewegen sich zwischen bekannten und bereits vielfach zitierten Erkenntnissen der Medienforschung und ganz neuen Studien. So zitieren sie häufig aus dem bereits 1983 veröffentlichten Standardwerk „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick, was manchmal etwas abgedroschen wirkt; gleichzeitig ist es lehrreich, bei diesem Gespräch zwischen zwei hochkarätigen Medienexperten Mäuschen spielen zu dürfen.

Allgemeinplätze („Heute ist jeder – potenziell – ein Sender“) wechseln sich mit originellen Tipps im Umgang mit den Medien ab. „Das Innovationstempo ist selbst ein Treiber des kommunikativen Klimawandels, weil sich die disruptiven Veränderungen so rasch vollziehen und die neue Medienwelt mit großer Wucht und Geschwindigkeit auf den Menschen prallt, der im Gehäuse von Tradition und Evolution unvermeidlich behäbig reagiert“, schreibt Pörksen. „Mit Twitter, Facebook und YouTube, mit Instagram, Snapchat und WhatsApp ändern sich die Symbole, mit denen wir uns austauschen, die Inhalte, über die wir sprechen.“

Die beiden Experten geben Antworten auf Fragen wie: „Gilt es, mit Trump-Anhängern, Brexit-Befürwortern und Pegida-Freunden zu reden, sich mit FPÖ-Politikern und Orban-Verteidigern zu streiten, die Abgeordneten der AfD und die alten und neuen Rechten in Gespräche zu verwickeln?“ Ihre Antwort: „Es ist in einer liberalen Demokratie unbedingt geboten, mit Andersdenkenden zu sprechen, allerdings nicht immer und unter allen Umständen. Es gilt, auch das wird deutlich, ihre Ideen und Vorstellungen erst einmal zu verstehen und je nach Situation und eigener Rolle das Wagnis des kommunikativen Brückenbaus einzugehen.“

„Du sollst nicht vorschnell generalisieren!“

Sie zitieren aktuelle Studien, denen zufolge sich Fake News sechsmal schneller bei Twitter ausbreiten als faktisch korrekte Nachrichten. Falsche Informationen werden 70 Prozent häufiger geteilt als sachlich korrekte Nachrichten, besagt eine Studie des MIT. Sie raten: „Wer den anderen Menschen als ein Individuum sieht und ihn nicht in einer Klischee-Schublade wegsperrt (weißer alter Mann, krimineller Flüchtling, hysterische Feministin, frustrierter Ostdeutscher et cetera), wer seine eigenen Erzählungen von der Welt mit möglichst verschiedenen Farben und einer Fülle von Nuancen gestaltet, sie komplexer und vielfältiger anlegt, der kann sein Gegenüber nicht hassen. Das Gebot der Stunde lautet daher: ‚Du sollst nicht vorschnell generalisieren!‘ Erst einmal abwarten. Luft holen. Das Gespräch suchen.“

Insofern beinhaltet „Die Kunst des Miteinander-Redens“ zwar vieles bereits Bekanntes; die Autoren greifen Skandale auf, die schon ausführlich analysiert wurden, etwa die um Christian Wulff, Margot Käßmann oder Karl-Theodor zu Guttenberg. Durch die konkreten Antworten auf Fragen zum Medienwandel erhält das Buch jedoch seinen Reiz. Vielleicht tun wir alle etwas gegen den kommunikativen Klimawandel, wenn wir abkühlend reagieren bei der Online-Kommunikation. Tipps der Autoren wie dieser könnten dabei helfen: „Es ist die verbreitete Gleichsetzung von Standpunkt und Person, die es so schwer macht, der Abwertungsspirale zu entkommen. Nach dem Motto: ‚Was du von dir gibst, ist derart idiotisch, dass es nur von einem Idioten kommen kann!‘ Wenn man hingegen zu verstehen gibt: ‚Du bist ein ehrenwerter Kerl, nur diese Meinung, die du da vertrittst, die erscheint mir falsch und verheerend‘“. Ganz nach dem englischen Sprichwort: „Kick the ball and not the player!“

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Mon, 17 Feb 2020 09:00:00 +0100
<![CDATA[Diener tritt aus „geistlichen Beweggründen“ nicht mehr an]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/16/diener-tritt-aus-geistlichen-beweggruenden-nicht-mehr-an/ Ende Dezember letzten Jahres kündigte Michael Diener, Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, in einem internen Brief an, die Bereitschaft zu erneuter Kandidatur „aus persönlichen Gründen, zurückzuziehen“. Auf der Mitgliederversammlung vom 13. bis 15. Februar nannte Diener nun erstmals die Gründe für diese Entscheidung. Gegenüber den Mitgliedern in Elbingerode sagte er, dass er nicht „vertrieben worden sei“. Vielmehr lasse er aus „geistlichen Beweggründen los“.

Seine Berufung habe er an dem Tag zurückgegeben, an dem der Sächsische Gemeinschaftsverband der Kritik an seiner Person zugestimmt habe. Sachsen sei „das Herz und die Mitte Gnadaus“. Umso mehr habe ihn dieses Votum „persönlich beschwert und verletzt“. Eine mögliche Wiederwahl hätte die Zusammenarbeit mit seinen Kritikern nicht einfacher gemacht. Er sei nicht bereit, für seine, von den „Konservativen“ abweichenden Überzeugungen für den Rest seiner Dienstzeit in Frage gestellt zu werden.

In seinem Bericht wehrte sich Diener weiterhin gegen den Vorwurf, sich der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in theologischen und ethischen Fragen zu sehr angenähert zu haben. „Ich bin kein ‚trojanisches Pferd‘ und kein ‚falscher Fuffziger‘, sondern ein ehrlicher Sachverwalter unserer Themen und Anliegen.“ In seiner Amtszeit habe er immer konservative Positionen vertreten.

„Bin Pietist“

Dennoch sieht sich der 57-Jährige eher als Pietist. Auch wenn pietistisch und konservativ gemeinsame Schnittmengen hätten, würde er sich „ungern als konservativ“ bezeichnen. Die dabei „mitschwingenden“ Inhalte seien ihm zu „unbestimmt“. Diener warnte in diesem Zusammenhang, sich über die „durchgängigen Warnungen der Heiligen Schrift vor dem Richten“ hinwegzusetzen. Dies gehöre aber „offensichtlich zu diesem konservativen Profil“. Besonders Konservative wie der Vorsitzende des Mecklenburgischen Gemeinschaftsverbandes, Hartmut Zopf, gebrauchten einen „völlig unreflektierten Umgang mit dem Wortpaar biblisch-unbiblisch“. Demnach werde als biblisch die eigene Meinung dargestellt, als unbiblisch dagegen die abweichende der anderen.

Sein Ziel, Brücken zwischen den Strömungen zu bauen, sei daher genau dort gescheitert, wo Menschen auf der einen Seite kein Interesse daran gehabt hätten, erklärte Diener. „Wo Pluralität an der eigenen Nasenspitze endet, wo alles Fremde immer gleich beurteilt und schubladisiert werden muss, wo man die ganze geistliche Wahrheit schon längst gebunkert hat, wo das Reich Gottes nicht größer ist als die eigene Sichtweise, da braucht es keine Brücken.“ Diener gestand sich ein, in diesem Punkt gescheitert zu sein. Es sei „illusorisch und wirklichkeitsfremd“ gewesen, das „konservative Milieu“ mit anderen verbinden zu wollen.

Michael Diener hatte Ende Dezember in einem internen Schreiben angekündigt, 2021 für keine weitere Amtszeit zu kandidieren. Stattdessen wird er Ende August 2020 aus seinem Amt scheiden und ein einjähriges Sabbatjahr einlegen.

Von: Martin Schlorke

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Sun, 16 Feb 2020 13:49:00 +0100
<![CDATA[Pfarrerinnen reagieren auf Sexismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/16/pfarrerinnen-reagieren-auf-sexismus/ „Wenn jemand zu mir kommt und sagt: ‚Du darfst keinen so kurzen Rock in der Kirche tragen!‘, dann frage ich ‚Warum?‘. Und dann frage ich so lange ‚Warum?‘, bis sich jemand in seiner eigenen Argumentation verrennt.“ Veronika ist 25 Jahre alt und studiert Theologie. Solche und ähnliche Sprüche musste sie sich bereits häufiger im Studium und in der Kirche anhören. Der Jugendkanal „Deutschland3000“ aus dem Onlineangebot des Jugendkanals funk von ARD und ZDF beschäftigt sich in einem Video mit solchen Erfahrungen von fünf jungen Frauen. Darin erzählen sie ihre persönlichen Erlebnisse und lesen die schlimmsten Hasskommentare vor.

Ausgangspunkt des Videos ist eine Studie der Deutschen Bischofskonferenz aus dem letzten Jahr, heißt es in der dazugehörigen Pressemittteilung von „Deutschland3000“. Die Untersuchung hat festgestellt, dass der Anteil von Frauen in Führungspositionen innerhalb der Katholischen Kirche 19 Prozent beträgt. In der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) liegt diese Zahl nach eigenen Angaben bei 15 Prozent. „Deutschland3000“ habe sich daher zur Aufgabe gemacht, die Geschichten hinter diesen Statistiken zu erzählen.

Neben der Studentin Veronika kommt im Video auch Jacqueline Straub zu Wort. Die 29-jährige Theologin will Priesterin werden – in der Katholischen Kirche. Für dieses Unterfangen kämpft sie bereits seit mehreren Jahren und sieht sich mit viel Kritik und Beschimpfungen konfrontiert. Im Video erzählt sie, wie eine ihrer Freundinnen drohte, aus der Kirche auszutreten, sollte sie tatsächlich irgendwann Priesterin werden können.

Weitere Protagonisten sind Theresia (28), Theresa (33) und Josephine (33). Die fünf Frauen eint ihr Einsatz für mehr Gleichberechtigung in den Kirchen.

Von: Martin Schlorke

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Sun, 16 Feb 2020 11:07:00 +0100
<![CDATA[Ein Tiefschlag für die Demokratie]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/02/16/ein-tiefschlag-fuer-die-demokratie/ Ein Kommentar von Johannes Blöcher-Weil]]> Die Meldungen der vergangenen Tage schockieren. Kürzlich kam die Nachricht über den Ticker der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass der Sprecher der konservativen Werteunion, Ralf Höcker, zurückgetreten ist. Im Laufe der Woche hatte der Nachrichtendienst gemeldet, dass die Frau des geschäftsführenden Thüringer Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich bespuckt wurde.

Hier wurde eine rote Linie überschritten. Ralf Höcker und die Mitglieder seiner Werteunion sind sicher keine Kinder von Traurigkeit, was ihre politischen Positionen betrifft. Sie können austeilen, aber auch Gegenwind ertragen. Dem Rechtsanwalt Höcker wurde es nun jedoch zu viel. Er legte alle seine politischen Ämter nieder und ist auch aus der CDU ausgetreten.

Dem öffentlichen Druck gebeugt

Der Politiker begründete diesen Schritt am Donnerstag mit „massiven Anfeindungen, übelsten Falschbehauptungen und Bedrohungen“. Der 48-Jährige schrieb: „Mir wurde vor zwei Stunden auf denkbar krasse Weise klar gemacht, dass ich mein politisches Engagement sofort beenden muss, wenn ich keine ‚Konsequenzen‘ befürchten will.“

Die Aussagen seien glaubhaft und unmissverständlich gewesen. Deswegen habe er sich dem Druck gebeugt. Über die Art der Drohung schweigt der Bedrohte. Höcker sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, er wolle das Thema vollständig hinter sich lassen und seine Ruhe haben. Das ist verständlich.

Der Umstand, dass in seinem Privatleben geschnüffelt wurde (wenn der Vorwurf stimmt), ist ein absolutes „No-Go“. Unabhängig davon, wie diskutabel auch immer politische Positionen sind. Der Anwalt sagt sogar, dass er es gewohnt sei, „im Feuer zu stehen“. Was bei ihm im Verborgenen bleibt, wurde bei Vorfällen in Thüringen konkret.

Einen Menschen zu bespucken, ist verächtlich, respektlos und eine der niederträchtigsten Gesten, die ein Mensch erfahren kann. Hier heißt es, Einhalt zu gebieten. Sicher: Ich bin „nur“ auf kommunaler Ebene politisch tätig. Aber bei Äußerungen und Übergriffen solcher „Dummköpfe“ hört der Spaß auf: egal, ob ich ehrenamtlich tätig bin oder als Hauptamtlicher Gehalt bekomme und das „aushalten können muss“.

Rote Linien nicht überschreiten

Es gilt, die Demokratie zu verteidigen gegen Pöbler und Kindsköpfe, Gewalttäter und Extreme von Links und Rechts. Hass und Hetze, der Androhung von Gewalt und Übergriffen auf Personen müssen wir widersprechen. Bei den geschilderten Ereignissen kann ich nachvollziehen, dass einem die Lust vergeht, sich zu engagieren und mitzugestalten: egal, ob ehren- oder hauptamtlich. Manche Linie muss eine rote Linie sein und darf nicht überschritten werden.

Über die Ereignisse der vergangenen Woche in Thüringen kann diskutiert werden. Aber es sind Menschen, die dort Politik und unsere Gesellschaft gestalten. Statt Menschen ins Kreuzfeuer zu nehmen, sollten wir die Wohlgesinnten dazu ermuntern, unsere Gesellschaft mitzugestalten: im Elternbeirat, im Kirchenvorstand oder in der Politik. Mir persönlich ist die Bibelstelle aus dem Jesaja-Buch ein wichtiger Wegweiser: „Suchet der Stadt Bestes.“ Dazu gehört nicht, Menschen zu verunglimpfen oder ihnen Gewalt anzudrohen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sun, 16 Feb 2020 09:48:00 +0100
<![CDATA[Die neue pro ist da]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/02/15/die-neue-pro-ist-da/ Die Titelgeschichte der neuen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro geht der Frage nach, was „konservativ“ heute bedeutet. Pro-Redakteur Jonathan Steinert zeigt, dass es Konservativen eben nicht darum geht, einen früheren Zustand wieder herzustellen. Vielmehr beobachten Konservative neue Entwicklungen und überlegen, wie sie Gutes und Bewährtes mit nützlichem Neuen verbinden können.

In der Reihe „innovative Kirchenprojekte“ stellen wir zwei Projekte vor, bei denen es um Nahrung geht: Das Mannamobil in Augsburg und die Catech’eria in Hamburg. Beiden Projekten geht es nicht nur um die Herstellung von Speisen. Die engagierten Christen möchten auch geistliche Nahrung weitergeben und den Menschen vermitteln, dass Gottes Liebe kostenlos ist.

Der Sohn des Schauspielers Klaus-Jürgen Wussow, Benjamin, erklärt im Gespräch mit unserem Volontär Martin Schlorke, warum ihm das Gebet so wichtig ist und ihn der christliche Glaube durch die schwierigen Phasen seines Lebens getragen hat. Gastautor Uwe Birnstein hat sich auf die Suche gemacht, was es mit Udo Lindenberg und seinen Berührungspunkten mit dem Glauben auf sich hat.

„Coverboy“ Jesus

Zudem gibt es in der neuen Ausgabe auch zwei Beiträge zur Kunst. Lars Keller überrascht die Menschen mit seinen Kunstwerken nicht nur im vertraut-frommen Umfeld, sondern mitten in der Stadt. Die Erlöse seiner Ausstellungen spendet er an einen guten Zweck. Matthias Tränkle hat sich damit befasst, wie Jesus auf Schallplatten und CD-Covern dargestellt wird. Aus seiner umfangreichen Sammlung soll langfristig eine Ausstellung entstehen.

pro erscheint umweltfreundlich im neuen Gewand

Außerdem wird die pro ab der aktuellen Ausgabe auf einem anderen Papier gedruckt. Das nun verwendete Recyclingpapier spart gegenüber Frischfaserpapieren bis zu 60 Prozent Energie und rund zwei Drittel Wasser ein.

Auch die Verpackung hat sich geändert. Ab dieser Ausgabe verzichten wir auf Kunststoff. In der Produktion werden dadurch künftig jährlich 1,5 Tonnen Verpackungsfolie eingespart. Das jetzt verwendete Druck- und Versandverfahren trägt das Gütesiegel des Blauen Engel – des weltweit ersten Umweltzeichens, in Deutschland bekannter als jedes andere.

All dies und noch mehr gibt es in der neuen Ausgabe von pro. Sie können das Heft kostenlos und unverbindlich online bestellen oder telefonisch unter 06441/5667700.

Von: pro

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Sat, 15 Feb 2020 11:35:00 +0100
<![CDATA[Medizinethiker: „Bedarf an assistiertem Sterben wächst"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/14/medizinethiker-bedarf-an-assistiertem-sterben-waechst/ Am 26. Februar urteilt das Bundesverfassungsgericht über das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe nach Paragraf 217 des Strafgesetzbuches. Gegen das Gesetz haben Ärzte Verfassungsbeschwerde eingelegt, ebenso schwerkranke Menschen, aber auch Sterbehilfevereine.

Die beschwerdeführenden Ärzte stützen sich auf eine Verletzung der im Grundgesetz zugesicherten Gewissens- und Berufsfreiheit und beanstanden die Reichweite des Gesetzes. Der Paragraf stellt nach Ansicht der Ärzte nicht hinreichend sicher, dass die im Einzelfall geleistete ärztliche Suizidhilfe straffrei bleibt. Die Ärzte wollen auch Klarheit in der Frage, ob der Paragraf bislang straffreie Formen der Sterbehilfe wie indirekte Sterbehilfe und Behandlungsabbruch und die Palliativmedizin berührt. Nach Ansicht der Mediziner verhindert die Strafrechtsnorm eine Behandlung, die sich am Wohl des Patienten orientiert.

Zwei von drei Deutschen würden eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe befürworten. Das hat eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov gezeigt. 67 Prozent der Befragten sprachen sich in der repräsentativen Studie für aktiven Sterbehilfe aus, 17 Prozent waren dagegen. Der Rest antwortete mit „weiß nicht“ oder machte keine Angabe. Mit 72 Prozent gab es in Ostdeutschland mehr Befürworter als in Westdeutschland (65 Prozent).

pro: Herr Simon, unser Kulturkreis gewährt einen hohen Freiheitsgrad, wenn es um ungeborenes Leben geht. Etwa beim Abbruch einer Schwangerschaft. Ist damit am Ende des Lebens nicht ein Tor geöffnet, durch das jeder selbstbestimmt aus dem Leben scheiden kann?

Alfred Simon: Ich würde die Analogie anders ziehen. Es gibt hier auch eine zunehmende Zahl der Wunschkaiserschnitte. Immer mehr Kinder kommen so zur Welt. Das ist Ausdruck des Umstandes, dass alles geplant wird. Geplant wird, wann das Kind zur Welt kommt. Und genauso ist es auch am Lebensende. Viele Menschen möchten irgendwann selbst bestimmen, wann das Leben zu Ende geht. Dass ist eine Anspruchshaltung, die immer mehr kommen wird. Darauf müssen wir uns als Gesellschaft gefasst machen. Und diese Anspruchshaltung werden wir auch nicht mit palliativen Angeboten lösen. Darum glaube ich, dass der Bedarf an assistiertem Sterben in den nächsten Jahren wachsen wird.

Worum geht es eigentlich, wenn von Sterbehilfe gesprochen wird?

Mir ist zunächst die Unterscheidung zwischen Sterbebegleitung und Sterbehilfe wichtig. Unter Sterbebegleitung fällt die Begleitung eines Sterbenden einschließlich der notwendigen palliativen, schmerztherapeutischen Maßnahmen. Diese dürfen durchgeführt werden, selbst wenn im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden kann, dass sie auch lebensverkürzend sein können. Das wird als indirekte Sterbehilfe bezeichnet, hat aber in meinen Augen mit Sterbehilfe im eigentlichen Sinne nichts zu tun.

Unter Sterbehilfe fallen die „Tötung auf Verlangen“, der sogenannte „Behandlungsabbruch“ und der „assistierte Suizid“. Eine „Tötung auf Verlangen“ wäre, demjenigen, der sterben möchte, das tödlich wirkende Medikament direkt zu verabreichen. Zum Beispiel durch eine Spritze. „Töten auf Verlagen" wurde früher als aktive Sterbehilfe bezeichnet und ist in Deutschland verboten.

Ein Behandlungsabbruch bedeutet, auf lebenserhaltende Maßnahmen zu verzichten, weil der Patient sie ausdrücklich nicht möchte. Das wurde früher als passive Sterbehilfe bezeichnet. Der Arzt beginnt zum Beispiel eine Beatmung, eine künstliche Ernährung nicht oder beendet diese Maßnahme auf Wunsch des Patienten. Das ist in Deutschland erlaubt.

Ein „Assistierter Suizid" wäre, der Person ein Mittel zur Selbsttötung zur Verfügung zu stellen – dieses jedoch nicht zu verabreichen. Das ist in Deutschland im Einzelfall möglich, stellt aber für Ärzte eine rechtliche Grauzone dar.

Vor welchen Herausforderungen stellt die aktuelle Gesetzeslage die Ärzteschaft?

Wenn der Patient sagt, er möchte eine bestimmte Behandlung nicht, dann darf sie auch nicht gegen seinen Willen durchgeführt werden – vorausgesetzt, wir haben es mit einem einwilligungsfähigen Patienten zu tun. Für den assistierten Suizid haben wir seit Ende 2015 eine gesetzliche Regelung, die zwar die Suizidhilfe im Einzelfall weiter ermöglicht, aber die geschäftsmäßige, das heißt auf Wiederholung hin angelegte, Förderung der Selbsttötung unter Strafe stellt. Das Problem für Ärzte besteht nun darin, dass das Gesetz nicht genau sagt, ab wann eine geschäftsmäßige Suizidhilfe vorliegt: Bleibt der Arzt beim ersten Mal straffrei und wird er erst ab dem zweiten Mal bestraft? Darf er auch mehrmals im Einzelfall Suizidhilfe leisten? Und was, wenn ein solcher wiederholter Einzelfall nicht nach drei Jahren, sondern bereits nach drei Monaten eintritt? Hinzu kommt, dass nicht klar ist, ob auch palliative Maßnahmen, wie zum Beispiel die Begleitung eines Patienten beim sogenannten Sterbefasten (Anmerkung: Der Patient verzichtet bis zum Eintritt des Todes vollkommen auf Nahrung und Flüssigkeit), unter das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidhilfe fallen. Das Gesetz ist also handwerklich schlecht gemacht und schafft mehr Probleme als es löst.

Was bedeutet das Gesetz für schwerkranke Menschen?

Das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidhilfe zielte auf die organisierte Suizidhilfe durch Vereine und einzelne Sterbehelfer. Das Bundesverwaltungsgericht und auch der Bundesgerichtshof haben bestätigt, dass es ein Recht auf Suizid angesichts schwerer Erkrankung gibt. Das Verbot bewirkt, dass Ärzte wegen der rechtlichen Unsicherheit in dieser Grauzone nicht mehr Suizidhilfe leisten möchten, weil sie strafrechtliche Verfolgung fürchten müssen. Damit hat der Bürger gar nicht mehr die Möglichkeit, jemanden zu finden, der ihm bei der Verwirklichung seines Grundrechts auf Suizid dann auch unterstützt.

Wie würde die ideale Rechtsnorm für die Mediziner aussehen?

Die ideale Lösung 2015 wäre gewesen, gar kein Gesetz zu machen. Die Ärzte hatten keine strafrechtlichen Einschränkungen, was die Hilfe bei einem freiverantwortlichen Suizid betraf. Es gab in Deutschland keinerlei Anzeichen, dass das in irgendeine falsche Richtung geht. Bislang waren die Aktivitäten der Sterbehilfevereine, auf die das Gesetz abzielt, kaum von Bedeutung. Es bestand aus meiner Sicht noch kein akuter Handlungsbedarf. Ganz anders sieht das in der Schweiz oder in anderen Ländern aus.

Wenn der Gesetzgeber verhindern möchte, dass durch die Aktivität der Sterbehilfevereine der Eindruck entsteht, Suizidhilfe sei etwas völlig Normales, dann würde ich das Anliegen teilen. Aber das muss man nicht strafrechtlich regeln. Das hätte durch Werbeverbote geregelt werden können oder durch ein flächendeckendes Angebot von Palliativmedizin und Hospizarbeit.

Wie wird nach Ihrer Einschätzung das Verfassungsgericht urteilen?

Schwierig zu sagen. Sicher ist, dass das Bundesverfassungsgericht Kritik am Gesetz üben wird. Ob es aber tatsächlich das Gesetz als Ganzes kippt, vom Gesetzgeber Nachbesserungen einfordert oder selbst eine verfassungskonforme Interpretation des Gesetzes – insbesondere der Frage, was eine geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung darstellt und was nicht – bleibt abzuwarten.

Wie regeln andere Länder die Sterbehilfe?

In Oregon und in sieben weiteren US-Bundesstaaten gibt es Gesetze, die regeln, unter welchen Voraussetzungen ein Arzt Suizidhilfe leisten darf. In den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und seit letztem Jahr auch in Kanada, dürfen Ärzte unter vergleichbaren Voraussetzungen auch eine „Tötung auf Verlangen“ durchführen. Diese Länder haben aber auch eine andere Vergangenheit als Deutschland. Gerade in den Niederlanden hat sich seit den Siebzigerjahren eine gewisse Tendenz entwickelt, dass Fälle der „Tötung auf Verlangen“ auch von Gerichten akzeptiert worden sind. Das entspricht der Grundhaltung der Niederlande. Der Staat möchte sich dort nicht in die Belange der Bürger einmischen, sofern nicht Dritte davon betroffen sind. Sterbehilfe und Tötung auf Verlangen gehören dazu, sind eine Sache, die nur den Arzt und seinen Patienten was angeht. Für Deutschland sehe ich aktuell keinen Bedarf für eine weitere Ausweitung der Gesetze in Richtung der „Tötung auf Verlangen“.

Vielen Dank für das Gespräch!

Alfred Simon ist Medizinethiker und leitet die Akademie für Ethik in der Medizin in Göttingen. Er ist der Vorsitzende des Klinischen Ethikkomitees der Universitätsmedizin Göttingen und Mitglied in diversen Gremien, u.a. im Ausschuss für ethische und medizinisch-juristische Grundsatzfragen der Bundesärztekammer.

Am Dienstag, dem 18. Februar, geht eine Veranstaltung mit Alfred Simon in der Evangelischen Akademie Frankfurt der Frage nach, ob Ärzte einem Patienten helfen dürfen, ihr Leben zu beenden. Zu der Veranstaltung wird ein Livestream angeboten, für den eine Anmeldung erforderlich ist.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 14 Feb 2020 15:58:00 +0100
<![CDATA[Studie: Glaube hilft bei Traumabewältigung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/14/studie-glaube-hilft-bei-traumabewaeltigung/ Eine Studie im Auftrag der christlichen Kinderhilfsorganisation World Vision zeigt, dass der Glaube geflüchteten Kindern dabei hilft, traumatische Erlebnisse zu überwinden und neue Hoffnung für ihr Leben zu schöpfen. Die Forscher haben für die Studie „Flucht, Religion, Resilienz“ insgesamt 29 muslimische, christliche und jesidische Kinder zwischen fünf und 16 Jahren interviewt. Sie stammen aus dem Iran, Irak, Afghanistan und Syrien. Zusätzlich wurden Gespräche mit den Eltern der Kinder geführt.

Viele der befragten Kinder haben lange Zeit unter schlechtesten Bedingungen gelebt, Gewalt und den Tod von Verwandten und Freunden erlebt. Nach Angaben von World Vision verarbeiteten viele der befragten Kinder über ihr freies Gespräch mit Gott ihre negativen Erfahrungen. Der Glaube helfe ihnen, positive Sozialbeziehungen zu Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und Herkunft aufzubauen.

„Gott macht mich mutig“

Dass Gott für ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen ansprechbar ist, gelte unabhängig von Religionszugehörigkeit oder Alter. Das 13-jährige iranische Christin Pegah sagt dazu: „Gott macht mich mutig. Wenn ich Angst habe, dann gibt er mir Mut. […] Dann hilft er mir und zeigt mir den Weg.“ Die befragten Kinder schreiben größtenteils nicht Gott, sondern den Menschen die Verantwortung für das Böse zu.

Viele Kinder formulieren sehr ähnliche Werte, die in ihrer Religion für den Umgang mit Mitmenschen maßgeblich sind. Dazu gehörten als wichtigste Verhaltensweisen die Hilfe für Menschen in einer Notlage und das Tabu, anderen seelischen oder körperlichen Schaden zuzufügen. Für die Kinder spielt es auch keine große Rolle, welche Ethnie und welchen Glauben ihre Freunde haben.

Religionsfreiheit als wertvolles Gut

Die Kinder wollen selbst und unabhängig von ihren Eltern entscheiden, welche Riten sie aus ihrer Religion übernehmen. Durch die religiöse Verfolgung und den Terror in ihrem Herkunftsland erlebten sie Religionsfreiheit in Deutschland als wertvolles Gut einer Demokratie. Viele der Kinder haben der Studie zufolge bereits religiöse oder ethnische Diskriminierung erlebt. Insbesondere fremdenfeindliche und islamophobe Übergriffe verunsicherten geflüchtete Familien und ihre Kinder.

World Vision fordert von der Politik, die medizinische und psychologische Versorgung von geflüchteten Kindern sicherzustellen. Damit posttraumatische Belastungsstörungen erkannt und behandelt werden können, müssen nach dem Willen der Organisation Lehr- und Betreuungskräfte geschult werden. Kinder dürften nicht aufgrund ihrer Religion diskriminiert werden. Es gehe darum, Rassismus in Deutschland konsequent zu bekämpfen. Auch Religionszugehörigkeit dürfe nicht ausgrenzen oder als Begründung für Gewalt und Konflikte angeführt werden.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Dortmunder Religionspädagogin Britta Konz durchgeführt. Für die Erhebung der Interviews kooperierte World Vision mit der „Flüchtlingsambulanz“ im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter der ärztlichen Leitung von Areej Zindler.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 14 Feb 2020 11:16:00 +0100
<![CDATA[„Mich stören die vielen Fake News“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/02/14/mich-stoeren-die-vielen-fake-news/ pro: Am 3. Januar haben Sie sich von Facebook verabschiedet und geschrieben: „Was ich mache, muss mir auch Spaß bringen.“ Wieso macht Facebook keinen Spaß mehr?

Michael Voß: Ich diskutiere gern, aber oft glitten Facebook-Diskussionen auf ein Niveau herab, das mir nicht mehr gefiel. Einer der häufigsten Vorwürfe gegen mich war, ich wisse nicht, wie Journalismus funktioniere. Menschen, die vermutlich wenig Erfahrung im Journalismus haben, erklärten mir dann, wie ich meinen Beruf zu machen habe. Tipps nehme ich gern entgegen. Doch darum ging es selten. Meistens waren es heftige Vorwürfe. Was mich schockierte: Auch Mitchristen waren darunter.

Bei welchen Themen ging es besonders heiß her?

Das war nicht auf bestimmte Themen beschränkt. Ich gebe zu, dass ich eine etwas penetrante Art habe, nachzufragen. Wenn einfach Behauptungen ohne Belege in den Raum gestellt werden, hake ich immer nach. Das bringt die Diskussionspartner dann irgendwann zur Weißglut. Statt darauf einzugehen, läuft es meist auf einen weiteren Vorwurf hinaus: Du bist Journalist, deswegen sagst du eben die Unwahrheit, schließlich ist ja alles vorgegeben, was du zu sagen hast.

Weil „alle Journalisten lügen“ und vom „Merkelsystem“ gesteuert werden?

Ich frage mich immer, von wem ich gesteuert werde. Ich arbeite in einer öffentlich-rechtlichen Anstalt, die drei Bundesländer abdeckt: Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Eines wurde bis vor Kurzem von einem linken Ministerpräsidenten regiert, die anderen beiden von CDU-geführten Koalitionen. Die Bundesregierung ist eine schwarz-rote Koalition. Wer von denen soll meine Kollegen und mich denn steuern? Wenn sich Politiker schon nicht auf eine Linie einigen können, wie wollen sie dann entscheiden, was sie uns vorzugeben haben? Das frage ich dann immer.

Nichts kann das echte Gespräch ersetzen

Und was antworten Ihre Gesprächspartner?

Darauf habe ich noch nie eine Antwort bekommen – wie auch? Ich weise meist darauf hin, dass mir keine Anweisungen bekannt sind. Ich arbeite im MDR teilweise als Chef vom Dienst, stelle also auch Sendungen zusammen. In unserer Redaktion treffen wir uns in der Morgenrunde und diskutierten mitunter kontrovers über die Themenlage. Wir machen sogar regelmäßig Abstimmungen, weil wir meist mehr Nachrichten haben als Kollegen, die sie bearbeiten können. Meistens ist die Chefredakteurin dabei – selbst die wird manchmal überstimmt.

Schriftliche Diskussionen wie auf Facebook schaukeln sich oft hoch. Im echten Leben geht es unaufgeregter zu. Warum?

Im persönlichen Gespräch kann man etwas mit einem Augenzwinkern sagen, ohne dass es das Gegenüber falsch versteht. Man kann viel deutlicher rüberbringen: Ich meine diese Aussage jetzt ernst, aber wir müssen uns deswegen nicht streiten. Bei Facebook gibt es zwar Smileys, aber auch die können das echte Gespräch nicht ersetzen. Ein zweites Problem ist die Anonymität: Manche Menschen kennt man vom Namen her, hat aber im Alltag nichts mit ihnen zu tun. Außerdem sind Facebook-Nutzer ja nicht unter sich, viele Inhalte sind öffentlich sichtbar. Da ist es mir wichtig, Unwahrheiten richtig zu stellen. Mich stören die vielen Fake News auf Facebook.

Angenommen, morgen würde Marc Zuckerberg Facebook von den Servern nehmen. Wäre die Welt dann besser?

Nö. Die Welt ist eben so, wie die Menschen sind, unabhängig davon, ob sie Facebook, Telefon oder Twitter nutzen. Ich habe den Eindruck, dass man es bei Twitter, vorsichtig formuliert, mit etwas kultivierteren Personen zu tun hat, auch wenn das böse klingt. Auf Twitter gibt es auch Diskussionen, aber meist sind sie einigermaßen vernünftig.

Auf Twitter gibt es aber auch Beleidigungen, Shitstorms und Drohungen von Links und Rechts.

Ja, meinen größten Shitstorm habe ich auf Twitter erlebt. Ich habe mich vor Jahren in einem Tweet gegen muslimische Lieder in christlichen Gottesdiensten ausgesprochen. Manche Twitternutzer warfen mir dann vor, ich sei ein „erzkonservativer Christ“, der „Pegida“ und „Legida“ unterstütze. Wer mich kennt, weiß, dass das totaler Quatsch ist. Ich lege mich sowohl mit Links- als auch mit Rechtsextremen an. Ich sehe in beiden eine Gefahr für die Demokratie. Das führt dazu, dass die Linken einen in die rechte Ecke schieben und die Rechten in die linke. Der Anführer des Shitstorms, ein einflussreicher Blogger, wollte sich beim MDR beschweren, damit ich entlassen werde. Die Chefredaktion fand die Vorwürfe gegen mich dermaßen belanglos, dass sie gar nicht näher darauf eingegangen ist. Ich habe dann eine lange Stellungnahme auf meiner Homepage veröffentlicht.

Sie sind bei MDR Aktuell ausgerechnet für Digitalthemen zuständig. Kann man sich da einfach so aus Facebook raushalten?

Im Moment mache ich nur Pause, mein Konto existiert weiterhin. Mit einem zweiten Konto habe ich weiterhin die Möglichkeit, alles Wichtige auf Facebook zu verfolgen. Für mich ist das auch eine Art der Erholung. Im Moment vermisse ich die Kalender-Funktion, die mich an Geburtstage erinnert. Und manche Diskussionen mit Menschen, die es schaffen, sachlich zu bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Michael Voß berichtet für MDR über Digitalthemen. Außerdem ist er Vorstandsvorsitzender der Christlichen Medieninitiative pro, die auch das Christliche Medienmagazin pro herausgibt.

Die Fragen stellte Nicolai Franz

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Fri, 14 Feb 2020 09:51:00 +0100
<![CDATA[Fünf Jahre Haft: Gläubige Eltern ließen Tochter sterben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/02/14/fuenf-jahre-haft-glaeubige-eltern-liessen-tochter-sterben/ Das Landgericht Krems hat ein christliches Ehepaar am Mittwoch zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die gläubigen Eltern hatten 2019 ihre chronisch kranke Tochter nicht zu einer medizinischen Behandlung gebracht, weil das 13-jährige Mädchen dies abgelehnt hatte. Weil keine Behandlung durch einen Arzt erfolgte, fiel das Kind ins Koma und starb. Das Mädchen hätte noch bis zuletzt durch eine ärztliche Behandlung gerettet werden können. Die Eltern des Kindes begründeten vor Gericht ihr Verhalten aus ihrem christlichen Glauben heraus. Die Geschworenen erkannten im Handeln der Erziehungsberechtigten eine grobe Vernachlässigung einer unmündigen Person mit Todesfolge. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Verschiedenen Medienberichten zufolge begann der Leidensweg des Mädchens im Jahr 2017, als den Behörden der desolate Gesundheitszustand des Mädchens bekannt wurde und diese auf einen Krankenhausaufenthalt des Kindes drängten. Dort wurde eine chronische Erkrankung der Bauchspeicheldrüse festgestellt. Allerdings wurde das Mädchen nach dem Krankenhausaufenthalt nicht weiter ärztlich behandelt. Die Krankheit verläuft nach Angaben eines Gutachters „schubweise". Im September 2019 klagte das Mädchen über Bauchschmerzen. Die Eltern hielten dies offenbar für die erste Periode des Mädchens. Als sich deren Gesundheitszustand weiter verschlechterte, ließen die Eltern das Kind entscheiden, ob es ins Krankenhaus will oder nicht. Das Mädchen habe das abgelehnt, erklärten die Eltern. Ihr die Entscheidung zu überlassen, sei falsch gewesen, bekannte der angeklagte Vater im Nachhinein vor Gericht.

Eltern hielten wenig von Medizin

Die Eltern des Mädchens haben die deutsche Staatsangehörigkeit, stammen jedoch aus Usbekistan und Kasachstan. Nach ORF-Angaben gehören die Eheleute zu der Glaubensgemeinschaft „Gemeinde Gottes“, die der angeklagte Vater vor Gericht als „strikt bibeltreu mit konservativen Moralvorstellungen und dem Glauben an Wunderheilungen“ charakterisiert hat. Die sieben Kinder haben verschiedenen Medienberichten zufolge weder Kindergarten noch Schule besucht, sondern wurden von den Eltern daheim unterrichtet. Deswegen sei die Familie vor acht Jahren nach Österreich gezogen, berichtet unter anderem der Tagesspiegel. In Österreich gibt es statt der Schulpflicht lediglich eine Bildungspflicht. Auch von einem Arzt sei keines der Kinder jemals untersucht worden, heißt es in verschiedenen Berichten.

In der Gerichtsverhandlung erklärten die Angeklagten, dass sie auf Gott und nicht auf die Medizin setzten. Die Eheleute sind überzeugt, dass Gott Kranke heilen kann, dazu offenbar aber keine medizinischen Erkenntnisse nutze. Ein Krankenhaus aufzusuchen gilt nach Ansicht der Eltern als ein Zeichen für schwachen Glauben. „Ich hab' geglaubt, dass Gott sie gesund macht“, erklärte die 35-jährige Mutter unter Tränen vor Gericht.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 14 Feb 2020 08:24:00 +0100
<![CDATA[Virtuelle Auferweckung von den Toten geht zu weit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/02/13/virtuelle-auferweckung-von-den-toten-geht-zu-weit/ Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger]]> Virtual Reality (VR) wird völlig normal im Fernsehen – das klingt nach einem sehr realistischen Zukunftsszenario. Gemeint ist damit, dass Menschen in Echtzeit in einer computergenerierten virtuellen Umgebung auch die physikalischen Eigenschaften des Dargestellten erleben, es also fühlen, riechen, mit allen Sinnen wahrnehmen können. Ein Beispiel aus Korea aus dieser Woche zeigt, wo den scheinbar grenzenlosen technischen Möglichkeiten Grenzen gesetzt werden sollten.

In der koreanischen TV-Show „Meeting You“ traf eine Frau ihre vor drei Jahren verstorbene Tochter wieder. Das Kind wurde dazu per 3D-Technik von den VR-Profis „gebaut“, die dafür Videos, Fotos und Tonaufnahmen von dem Mädchen verwendeten. Im TV „traf“ die Mutter dann mithilfe einer VR-Brille auf das 3D-Kind, sprach mit ihm, konnte es anfassen. „Wo warst du, Mami? Hast du an mich gedacht?“, ließen die VR-Experten das Kind sagen. Tränen bei der Mutter. „Mami, du kannst sehen, dass ich keine Schmerzen mehr habe.“ Mutter und virtuelle Tochter halten sich an den Händen. Die Sehnsucht der trauernden Mutter ist geradezu spürbar und zu respektieren.

Was aus technischer Sicht ein Erfolg ist und auch von der Mutter selbst als „wohltuende Erfahrung“ bezeichnet wurde, ist aus medienethischer Perspektive höchst fragwürdig. Warum? Schließlich gibt es massenweise Shows, in denen Menschen emotional zum Äußersten getrieben werden, um das Publikum zu unterhalten. Dennoch hebt sich dieses psychologische Experiment zum Zweck der TV-Unterhaltung ab von bisherigen Formaten: Thorsten Dietz, Professor an der Evangelischen Hochschule Tabor, sagt: „Virtuelle Realität wird da bedenklich, wo sie zur Flucht vor der Realität des leibhaften Lebens wird; und wo sie, wie in diesem Fall, nicht das Abschiednehmen unterstützt, sondern hinauszögert.“

Wer trauernde Menschen professionell begleitet, wird viele Ideen haben, den Prozess sinnvoller zu gestalten. Die technische Möglichkeit könnte das Bewusstsein dafür gefährden, dass der Abschied unwiderruflich ist, bietet womöglich sogar Suchtpotenzial nach der Begegnung mit der toten Person.

Dies wirft weitere kritische Fragen auf: Wer kontrolliert den Avatar? Das Potenzial zur Manipulation scheint nahezu unerschöpflich.

Und letztlich: Wer sorgt sich darum, dass die Rechte der Verstorbenen gewahrt bleiben?

Solange all diese Fragen ungeklärt sind, ist der Hyperrealismus nicht nur unheimlich, sondern auch ethisch höchst fragwürdig. Bei aller Wertschätzung für die Kunst, virtuelle Welten zu erschaffen: Wenn reale Verstorbene auf diese Weise „auferweckt“ werden und dadurch die Grenze von Fakt und Fiktion völlig aufgelöst wird, sollten verantwortliche Medienprofis innehalten und nicht alles, was machbar ist, tun – selbst wenn es eine gute Quote bringt.

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Thu, 13 Feb 2020 15:44:00 +0100
<![CDATA[Kirchentagsradio: Hospitanten gesucht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/radio/2020/02/13/kirchentagsradio-hospitanten-gesucht/ Während des 3. Ökumenische Kirchentags im Mai 2021 in Frankfurt am Main können Nachwuchsjournalisten beim Kirchentagsradio mitarbeiten. Die Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Rundfunk (aer) bietet zusammen mit der Hörfunkschule Frankfurt und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) eine Hospitanz in der Kirchentagsredaktion an.

Das Kirchentagsradio wird über UKW im Rhein-Main-Gebiet sowie als Livestream von „heavenraDIO“ im Internet auf www.heavenradio.net zu hören sein, teilten die Veranstalter mit. „Der Kirchentag bietet den Besuchern aus ganz Deutschland enorm viel – wir wollen helfen, den Überblick zu behalten“, erklärte Chefredakteur Andreas Fauth aus dem Medienhaus in Frankfurt laut einer Mitteilung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Auch über Sprachassistenten wie Alexa soll der Sender zu empfangen sein, zusätzlich entstehen Videos für YouTube und andere Netzwerkplattformen. Junge Journalisten sollen das Programm gestalten und in der Redaktion mitarbeiten, so die Verantwortlichen.

Andreas Odrich, Erster Vorsitzender der aer, sagte: „Wer später sein Volontariat im Radio, Fernsehen oder einer Multimediaredaktion machen möchte, erhält eine solide inhaltliche, technische und multimediale Orientierung.“ Jugendliche und junge Erwachsene könnten über das Angebot lernen, als Reporter, Redakteur oder Moderator zu arbeiten und zudem Kontakte in die Medienwelt knüpfen.

Während der Hospitanz in der Redaktion könnten Beiträge mit Interviews und Reportagen entstehen, sagte Fauth, der auch stellvertretender Vorsitzender der aer ist. Die Nachwuchsreporter erhielten Einblicke in Radio- und Videojournalismus, sie könnten zugleich als „digital Natives“ ihre Ideen und Impulse in das Kirchentagsradio einbringen und so dafür sorgen, dass das Radio nicht nur auf UKW, sondern auch in den sozialen Netzwerken gut vertreten ist. Die Themen der jungen Journalisten sollten auch auf vielen privaten Radiosendern in Deutschland zu hören sein, teilten die Initiatoren des Projektes mit.

Acht bis zehn Stellen frei

Interessenten können sich bis zum 30. April 2020 bei der aer Kirchentagsredaktion bewerben. Es gebe acht bis zehn Stellen für junge Menschen, heißt es weiter. Die aer übernehme die Übernachtung in einem Hotel in Frankfurt am Main, die Akkreditierung für den Kirchentag, sowie die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr in Frankfurt. Die Reisekosten müssten die Teilnehmenden selbst tragen. Die Hospitanz werde nicht durch ein Honorar abgegolten, die jungen Journalisten würden aber durch drei kostenlose Workshop-Wochenenden auf ihren Einsatz vorbereitet. Nach dem Einsatz erhielten die Teilnehmer eine Teilnahmebestätigung.

Das aer-eigene Webradio „heavenraDIO“ ist seit 2007 auf Sendung und informiert in seinem Programm über kirchliche und gesellschaftliche Themen. Während der Kirchentage gibt es regelmäßig das Kirchentagsradio, das „heavenraDIO“, das rund um die Uhr im Internet zu empfangen ist. Das Nachwuchsreporter-Projekt wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) finanziell gefördert. Tobias Glawion, stellvertretender Vorsitzender der aer und Chefredakteur des evangelischen Medienhauses in Stuttgart: „Radio und digitale Medien suchen händeringend nach journalistischem Nachwuchs – wir freuen uns, dass die EKD dieses Projekt unterstützt und wir so zur Erhaltung von qualitativ hochwertigem Journalismus beitragen können.“

Die aer ist ein Zusammenschluss von derzeit 14 evangelischen Redaktionen, die den privaten Rundfunksendern in ihrem jeweiligen Gebiet neben kirchlichen Verkündigungsbeiträgen und -sendungen auch aktuelle Beiträge zu sozialen, gesellschaftlichen und kirchlichen Themen zuliefern. Außerdem gehört das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik zur aer.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 13 Feb 2020 15:03:00 +0100
<![CDATA[Rücktritt – die gute alte Fahrradbremse]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/02/13/ruecktritt-die-gute-alte-fahrradbremse/ Eine Kolumne von Jürgen Mette ]]> Was haben Annegret Kramp-Karrenbauer alias AKK, Reinhard Marx, Jürgen Klinsmann und Thomas Kemmerich gemeinsam? Sie sind mitten im, kurz vor oder nach dem Rücktritt. Die eine war von textiler Seite schlicht unterwegs, fleißig, aber schließlich „ohnmächtig“; der andere war mächtig, liebte prächtige Gewänder, aber hat mitten im Reformstau kapituliert, der nächste will sich lieber im Aufsichtsrat ausruhen, statt eine Horde Männer in kurzen Hosen zu befehligen; und der letzte ist erfolgreicher Friseur-Unternehmer mit 1. Staatsexamen in Rechtwissenschaften und versucht sich in der Geschäftsführung des Freistaats Thüringen, er ist gekommen, um zu gehen.

Rücktritt, so nannte man früher das Bremssystem einer Hinterradnabe des Fahrrads. Die Nabe erfüllt zwei Funktionen: Das Fahrrad kann vorwärts rollen, ohne dass die Pedale vorwärts angetrieben werden. Das ist die Freilauffunktion der Nabe. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Systeme. Die zweite Funktion: Sie funktioniert als Bremse, die betätigt wird, indem man die Pedale rückwärts tritt.

Gebremster Aufprall

Die Rücktrittbremse wurde um die Jahrhundertwende erfunden und ist seitdem weiterhin in manchen Gegenden bis heute beliebt. Der Rücktritt ist eine Bremse, die den Biker auf schneller Tour sicher retardiert und den Aufprall moderiert, was so viel heißt wie besänftigt. Die modernen Felgen- oder Scheibenbremsen wirken auch vorne und lassen Biker bei Vollbremsung über den Lenker absteigen und auf die „Fresse“ fliegen. Apropos: Andrea Nahles wollte in ihrer Amtszeit der CDU eins auf die Fresse (Hochdeutsch: Vorderes Gebiss) geben. Dazu ist sie nicht mehr gekommen, weil sie ihre Fahrt an der Parteispitze der SPD ebenfalls vorfristig durch Rücktritt stoppte.

AKK hat ihre Sache als Vorsitzende der größten Partei gut gemacht. Aber sie hätte früher auf Klärung der Fronten zwischen CDU und AfD achten müssen. Was für ein skurriles Fiasko in Erfurt: Ein Vertreter der Kleinstpartei FDP wird von CDU und AfD zum Ministerpräsidenten gewählt. Björn Höcke gratuliert mit scheinheiligem und scheinbar unterwürfigem Habitus dem frisch gewählten Regierungschef mit extrem kurzer Verweildauer im Amt. In diesem Augenblick war mir klar, dass die CDU ohne Bremsen frontal vor die Wand fährt. Die Kanzlerin stammelt aus der Ferne etwas von „unverzeihlich“. AKK hat ihre politische Ohnmacht erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen.

Reinhard Kardinal Marx fehlt es nicht an Macht, und doch wirkt sein Rücktritt vom Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz wie eine Kapitulation. Die Katholische Kirche sucht den Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise: Zwei Jahre lang diskutieren Bischöfe und Laien über Macht, Missbrauch, Sexualmoral und Frauenämter. Am Ende sollen Reformen stehen. Nun steht Papst Franziskus selbst auf der Bremse.

Es ist Rücktrittszeit. Den einen bereitet das Freude, den anderen Pein.

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Thu, 13 Feb 2020 12:56:00 +0100
<![CDATA[Religion gewinnt weltweit an Bedeutung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/13/religion-gewinnt-weltweit-an-bedeutung/ Für die Kirchen in Deutschland sind die Zahlen bedrückend. Seit der Wiedervereinigung 1990 haben sie 14 Millionen Mitglieder verloren. In der Katholischen Kirche entspricht das einem Rückgang von acht Prozent, in der Evangelischen Kirche sind es seit 1990 elf Prozent Verlust. 31 Millionen Einwohner gehören keiner Konfession an. Dies ist den Mitgliedertatistiken der beiden Kirchen zu entnehmen. Während sich dieser Trend in Deutschland noch verschärfen wird, sieht die Entwicklung im weltweiten Kontext anders aus.

Dort gewinnt Religion an Bedeutung. Welt Online berichtet über die neueste Studie des amerikanischen Pew Research Centers. Demnach sind aktuell rund 2,5 Milliarden Menschen (31,1 Prozent) weltweit Christen. Auf Rang zwei der religiösen Gruppen liegen Muslime mit 24,9 Prozent und erst dann kommt mit 15,6 Prozent die Gruppe der Konfessionslosen.

15,2 Prozent der Weltbevölkerung sind Hindus und 5,6 Prozent Buddhisten. Die Anteil der Juden an der Weltbevölkerung liegt bei unter einem Prozent. Aus Sicht der Forscher wird die Zahl der Christen auch 2050 stabil bei mehr als 31 Prozent liegen. Dann gehen die Forscher von einer Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen aus.

Wachstumsmarkt Südamerika

Der Anteil der Konfessionslosen wird dagegen 2050 bei 13,2 Prozent liegen – also etwas zurückgehen. Großer Gewinner werden die Muslime sein. Ihr globaler Anteil wird bis dahin auf 29,7 Prozent und damit um fast fünf Prozentpunkte wachsen: „Sollte sich dieses Wachstum fortsetzen, gäbe es 2070 mehr Muslime als Christen auf der Welt“, schreibt Welt Online in Bezug auf die Studie.

Die Zahl der Christen nehme vor allem in Lateinamerika in den evangelikalen Kirchen zu. Claudia Zilla von der Forschungsgruppe Amerika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sieht in diesen Ländern auch einen Bedeutungsverlust der Katholischen Kirche. So habe unter anderem der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, ursprünglich Katholik, sich von einem evangelikalen Pastor erneut taufen lassen und einen Religionswechsel vollzogen.

Mehrheitlich konservative Moralagenda

Die evangelikal geprägten Länder zeichne häufig eine Nähe zu Israel aus. Mit dem eigenen Glauben sei die Erwartung verbunden, dass Jesus Christus wiederkomme und ein „tausend Jahre dauerndes Reich mit Israel als politisch und religiös dominierender Weltmacht errichten wird“. Daher setzten sie sich dafür ein, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Laut Zilla verträten die Evangelikalen mehrheitlich eine „konservative Moralagenda“, die in einem Spannungsverhältnis zu Frauenrechten und Homosexualität stehe.

Die amerikanischen Forscher sind sich unschlüssig, wie sich das globale Wachstum des Islam auf die internationale Politik auswirken wird. Der Artikel weist auf die Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran – und damit zwischen Sunniten und Schiiten – hin. Beide verstünden sich als „islamische Staaten“. Es sei schwierig, zwischen religiösen und politischen Gründen für den Konflikt zu unterscheiden: „Religiöse Konflikte befeuerten politische – und umgekehrt“, schreibt die Welt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 13 Feb 2020 12:33:00 +0100
<![CDATA[„Es gibt im realen Leben kein drittes Geschlecht“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/02/12/es-gibt-im-realen-leben-kein-drittes-geschlecht/ Wegen seiner Äußerung „Der liebe Gott hat uns doch als Mann und Frau geschaffen – und nicht mit unzähligen anderen Geschlechtern“ erntet der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß heftigen Widerspruch. Der Politiker betonte, dass es aus seiner Sicht ein drittes oder noch mehr Geschlechter zwar in der „Genderideologie“ gebe, „nicht aber im realen Leben“.

Krauß beruft sich in seiner Pressemitteilung vom 6. Februar auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Demnach seien im Jahr 2018 15 Kinder in Deutschland zur Welt gekommen, die weder in die Kategorie „männlich“ noch „weiblich" eingetragen wurden. Bei insgesamt 787.523 Lebendgeborenen in Deutschland sei das nur jede 50.000. Geburt. 20 Menschen mit dem Geschlecht „divers" starben zwischen 2016 und 2018. Davon waren sieben Säuglinge.

„Inakzeptabel und verletzend“

Diese Zahlen zeigten ihm, „dass um das vermeintliche dritte Geschlecht ein riesiger Popanz aufgebaut wurde“. Die Zahlen legten nahe, dass Kinder dann in die Rubrik „divers“ eingetragen würden, wenn sie mit stärksten Fehlbildungen geboren würden. Nur so seien die hohen Sterbezahlen zu erklären.

Der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) distanzierte sich am Wochenende deutlich von den Aussagen des CDU-Politikers. Es sei nicht der erste Vorfall in dieser Richtung. Diese seien „inakzeptabel, verletzend und zeugen zudem von Unkenntnis“. Der LSU-Vorsitzende Alexander Vogt forderte in einer Pressemitteilung dazu auf, dass der Staat „gerade kleine Gruppen vor Diskriminierung und Ausgrenzung schützen muss“.

Scharfe Kritik übte auch der Grünen-Politiker Sven Lehmann. Der Sprecher für Queerpolitik der grünen Bundestagsfraktion sagte: „Die von ihm zitierten niedrigen Zahlen von Säuglingen mit Geschlechtseintrag ‚divers‘ sind vor allem ein Hinweis auf die fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft, dass es mehr gibt als Mann/Frau.“

Warum eigentlich divers?

Seit Ende 2018 ist es gesetzlich möglich, neben weiblich und männlich als drittes Geschlecht divers anzugeben, wenn keine klare Zuordnung möglich ist. Intersexuelle Menschen sind genetisch, anatomisch oder hormonell nicht klar einem der beiden Geschlechter zuzuordnen. Die Bezeichnung „divers“ soll ihnen ermöglichen, ihre geschlechtliche Identität in einer „positiven Bezeichnung“ eintragen zu lassen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 12 Feb 2020 11:21:00 +0100
<![CDATA[Neuer Ost-Beauftragter Wanderwitz: Evangelischer Christ will Brücken bauen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/02/12/neuer-ost-beauftragter-wanderwitz-evangelischer-christ-will-bruecken-bauen/ Der bisherige Innenstaatssekretär Marco Wanderwitz (CDU) ist am Dienstag zum neuen Ost-Beauftragten der Bundesregierung ernannt worden. Sein Vorgänger Christian Hirte war nach Kritik an einem Tweet von ihm zurückgetretenen. Hirte hatte dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich per Twitter zur Wahl ins Ministerpräsidentenamt in Thüringen gratuliert und den auch von den Stimmen der AfD gewählten Ministerpräsidenten einen „Kandidaten der Mitte“ genannt.

Der 44-jährige Wanderwitz wurde in Chemnitz geboren, ist evangelisch und Vater von vier Kindern. Der Rechtsanwalt wurde erstmals 2002 in den Deutschen Bundestag gewählt, er ist Abgeordneter des Wahlkreises Chemnitzer Umland/Erzgebirgskreis. Wanderwitz war kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, ist Vorsitzender der CDU-Landesgruppe Sachsen im Bundestag und Mitglied im Verein „Christliche Medieninitiative pro“. Zu seinen Hobbys gehört das Fernwandern und auf seiner Webseite erklärt er, mit Leidenschaft auf den christlichen Pilgerwegen durch ganz Europa zu wandern. Im Interview von pro sprach er über sein Christsein und das Verhältnis zwischen Ost und West.

pro: Warum braucht es überhaupt noch einen Ost-Beauftragten in Deutschland?

Marco Wanderwitz: Es gibt nach wie vor politische Herausforderungen und Probleme, die die neuen Länder betreffen. Teilweise stammen die noch aus den Zeiten der ehemaligen DDR, dazu gehört die weitere Aufarbeitung von SED-Unrecht. Andererseits hat die wirtschaftliche Struktur den Charakter einer Kleinteiligkeit. Das betrifft teilweise auch westliche Länder, aber beispielsweise spricht man immer noch von einem „Vorpommern-Staatssekretär“ und so weiter. Wir feiern in diesem Jahr 30 Jahre deutsche Einheit – und ich glaube schon, dass es einen Verantwortlichen geben sollte, der sich des Themas Vollendung der inneren Einheit annimmt. Ich habe mir vorgenommen, den Brückenausbau zwischen Ost und West stärker auf meine Agenda zu nehmen.

Wo wollen Sie in diesem Amt sonstige Schwerpunkte setzen?

Die Schlüsselfrage für weite Teile der neuen Bundesländer sind die gleichwertigen Lebensverhältnisse: Sind strukturschwächere, eher ländlich geprägte Regionen zukunftsfähig oder nicht? Da sind wir in der Politik noch nicht da, wo wir hin wollen. Die Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ hat zwölf Aufgabenfelder benannt, die wir auch schon abbarbeiten. Ein Ziel ist es zum Beispiel, öffentliche Arbeitsplätze in ländliche Regionen des Ostens zu bringen.

Rechtes Gedankengut „riesige Aufgabe“

Wie hoch ist noch die Mauer in den Köpfen von Wessis und Ossis?

Ich fürchte, sie sind in den letzten Jahren eher wieder höher geworden, als sie schon mal waren. Das zeigen ja auch Wahlergebnisse. Es ist aber auch ein Generationenthema: Wenn ich mit jüngeren Menschen spreche, habe ich viel eher das Gefühl, man ist zusammengewachsen, als bei der Generation meiner Eltern. Es geht mir darum, nicht eine ostdeutsche Identität zu betonen, sondern das Einende hervorzuheben und vorhandene Gräben weiter zuzuschütten.

Gibt es ein Gefälle zwischen West und Ost, was rechtes Gedankengut angeht, und sehen Sie darin eine Aufgabe für Ihr Amt?

Ich sehe da definitiv eine Aufgabe, und zwar eine riesige. Wir haben beispielsweise in Sachsen die NPD zwei Wahlperioden lang im Landtag gehabt, teilweise mit zweistelligen Wahlergebnissen. Der Anteil derer, die hartes rechtes Gedankengut teilen, ist definitiv größer. Was aber mindestens genauso schlimm ist, ist, dass der Anteil derer, die sich davon nicht hinreichend abgrenzen, ebenfalls größer ist. Für jeden einzelnen, der heutzutage noch aus Protest oder weil ihm oder ihr politische Dinge nicht passen, AfD wählt, und damit eine Partei wählt, die in ihrer Spitze von Nazis durchdrungen ist, habe ich kein Verständnis mehr. Und diesen Leuten will ich den Spiegel vorhalten. Wir haben auch Probleme mit Linksextremismus, das muss man auch offen sagen. In Leipzig beispielsweise gibt es regelmäßig Gewaltexzesse gegen Polizisten, die sind inakzeptabel.

Sie sind Mitglied bei der „Christlichen Medieninitiative pro“. Wie wichtig ist Ihnen das Christsein?

Ich bin klassischer evangelischer Christ. Ich lebe in einer Region, die früher mal Kernland der Reformation gewesen ist, aber durch Diktaturen des 20. Jahrhunderts, die über drei Generationen gingen, weitestgehend entchristlicht wurde. Und auch das ist ein Stückweit Teil der problematischen Gemengelage in den Neuen Bundesländern. Ich für meinen Teil ziehe für meine politische Arbeit eine ganze Menge an Überzeugungen aus meinem Christsein. Ich bin sehr bewusst in einer Partei Mitglied, die sich das christliche Menschenbild zur Grundlage genommen hat. Und wenn ich mich bei anstehenden schweren Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet habe, dann gibt es mir persönlich eine große innere Ruhe und Freiheit, wenn ich weiß: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, der Herr allein lenkt seinen Schritt.“ Sprich: Mein Tun ist irdisches Tun, und der liebe Gott schaut nochmal drüber.

Gibt es bei Ihnen ansonsten noch weiteres kirchliches Engagement?

Ich gehe leider viel zu selten in den Gottesdienst, weil ich zu viel unterwegs bin. Ich komme eigentlich häufiger auswärts dazu, mal in die Kirche zu gehen, als bei mir zu Hause. Ich bin also kein aktives Gemeindemitglied, aber ich fühle mich gut aufgehoben und besuche natürlich häufig Veranstaltungen der landeskirchlichen Gemeinschaft bei mir in der sächsischen Heimat. Auch das Wissen, dass Menschen für mich und meine Arbeit beten, gibt mir Kraft.

Wieso sind Sie Mitglied in der „Christlichen Medieninitiative pro“?

Ich habe ja in Berlin in den vergangenen Wahlperioden Kultur- und Medienpolitik gemacht, ich war medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und war im Rundfunkrat der Deutschen Welle. Eine meiner damaligen Landtagsabgeordneten, Uta Windisch, die mittlerweile pensioniert ist, fragte mich, ob ich als Christ und Medienpolitiker ihre Position in dem Verein übernehmen könnte. So kam ich zu dem Amt, aber es war natürlich eine bewusste Entscheidung, weil ich das für einen wichtigen Teil unserer pluralistischen Medienlandschaft halte.

Sie gelten als Freund Israels. Was bedeutet Ihnen dieses Engagement, und wird es Schnittmengen zwischen Ihrem neuen Amt und den Themen Israel und Kirche geben?

Ich habe mir vorgenommen, in meinem weiteren politischen Tun immer einen besonderen Blick nach Israel zu bewahren. Ich bin als Staatssekretär im Innenministerium, das ja auch Bau-Ministerium ist, immer wieder in Israel gewesen, etwa im Rahmen des Bauhaus-Jubiläums in Tel Aviv. Wir haben zudem eine historische Verantwortung, was die Juden betrifft. Außerdem ist Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten. Ich bin begeistert von diesem Land und seinen Menschen, die sich dort behaupten, die die Wüste zum Blühen bekommen haben und wie man es dort immer noch schafft, ein jüdischer, demokratischer Staat zu sein und zu bleiben. Deswegen freue ich mich immer, wenn ich Menschen helfen kann, die sich der deutsch-israelischen Freundschaft verschrieben haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jörn Schumacher.

In einer früheren Version des Interviews hieß es in einer Frage, Marco Wanderwitz sei Mitglied der „Sächsischen Israelfreunde". Das stimmt nicht, daher haben wir die Frage geändert.

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Wed, 12 Feb 2020 11:05:00 +0100
<![CDATA[Die Macht der Influencer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/02/11/die-macht-der-influencer/ Eine nicht repräsentative Umfrage der Initiative klicksafe.de hat ergeben, dass 50 Prozent der befragten Jugendlichen auf Kaufempfehlungen von Influencern hören, gut ein Fünftel gab an, dass ihr Meinungsbild von Influencern geprägt wird. Damit ist der Einfluss von bekannten Social-Media-Persönlichkeiten auf Jugendliche fast so hoch, wie der von Lehrern (25 Prozent).

Doch was macht es mit den Jugendlichen, wenn sie zum wiederholten Mal die gleiche Uhr oder das gleiche Kosmetikprodukt von ihrem Vorbild präsentiert bekommen – das mit solchen Produktplatzierungen Geld verdient? Bereits Moderator Jan Böhmermann kritisierte vor vier Jahren die wirtschaftlichen Machenschaften hinter den Influencern. Der diesjährige „Safer Internet Day“ (SID) widmet sich genau dieser Frage und steht unter dem Motto: „Idole im Netz. Influencer & Meinungsmacht“.

Influencer bieten auch Chancen

Nicht bei jedem Influencer geht es ausschließlich um Geld und Produkte. Einige sind sich auch über die Möglichkeit bewusst, über politische Themen auf ihren Kanälen zu informieren. Eine von ihnen ist Diana zur Löwen. Mit mehr als 800.000 Followern auf Instagram gehört sie zu den einflussreichsten deutschen Influencern. Ihre Rolle in den sozialen Netzwerken beschreibt sie in einem Interview des rbb als „eine Art Übersetzerin“. Sie versuche ihrer Zielgruppe das Thema Politik oder andere „komplexere Themen“ nahezubringen. So drehte sie schon gemeinsam mit Philipp Amthor oder macht auf das Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen aufmerksam.

Wie schwierig solche Themen aber zu bearbeiten sind, zeigt das Beispiel von Laura Sophie. Für ihre mehr als zwei Millionen Follower erstellte sie ein Video auf der Plattform TikTok zur Krise zwischen dem Iran und der USA. Sie habe bemerkt, dass „viele meiner Zielgruppe nichts über den Konflikt mitbekommen haben“ – dagegen wollte sie etwas unternehmen. In ihrem Fall ging der Schuss aber nach hinten los. Aufgrund falscher Informationen in ihrem Video wurde sie heftig kritisiert und beschimpft. Gegenüber der Jugend-Plattform von Spiegel Online, Bento.de, sagte sie, dass sie wegen des Shitstorms „alles Politische und Gesellschaftliche“ in Zukunft privat diskutieren wolle.

Europäisches soziales Netzwerk

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, drückt in einem Gespräch mit dem Sonntagsblatt anlässlich des SID seine Sorgen um den gemeinsamen Umgang im Internet aus. „Es kann nicht normal sein, Menschen herabzusetzen. Daran darf man sich nicht gewöhnen. Da haben wir als Kirche eine wichtige Funktion und da ist es mir dann egal, wenn uns jemand Moralismus vorwirft – bestimmte Grundnormen müssen einfach gelten.“ Achtung und Respekt sollten selbstverständlich sein.

Diese könne man mit gewissen Kontrollinstanzen implementieren – auch wenn Medien unabhängig sein sollten und sich „an den Normen der Menschenwürde orientieren“ müssten. Wenn es aber keine Möglichkeit gebe, diese einzuklagen, bestehe Handlungsbedarf. Eine Alternative könne ein europäisches soziales Netzwerk bieten, das konkurrenzfähig und wahrheitsbasiert sei, erklärte Bedford-Strohm.

Deutschlandweite Veranstaltungen

Das Angebot des SID geht auch über das Altersspektrum der Jugendlichen hinaus. Im ganzen Bundesgebiet finden Veranstaltungen statt, die sich mit den Themen der Digitalisierung und des Internets befassen – auch für Erwachsene.

Der „Safer Internet Day“ fällt alljährlich auf den zweiten Tag der zweiten Woche des Februars. Er geht auf eine Initiative der Europäischen Union zurück. Übergeordnetes Ziel des Tages ist es, Menschen für einen sicheren Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren. Weltweit nehmen mehr als 100 Länder daran teil.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 11 Feb 2020 17:35:00 +0100
<![CDATA[Nachrichten für Kinder und Jugendliche kaum von Interesse]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/02/11/nachrichten-fuer-kinder-und-jugendliche-kaum-von-interesse/ Die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist kaum interessiert an Nachrichten im Internet. Das geht aus einer Studie des Hans-Bredow-Instituts hervor. Die Erhebung zeigt, dass zwei Drittel der Neun- bis 17-Jährigen Nachrichten im Netz nie oder nur selten nutzen. Die „EU Kids Online“-Befragung in Deutschland 2019 hat ergeben, dass sich Kinder und Jugendliche wenn, dann vor allem für Nachrichten mit lustigen Inhalten, Stars, Sport oder Lifestyle interessieren.

Für die repräsentative Studie wurden 1.044 Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil befragt. Die Studie zeigt, dass die Jugendlichen in diesem Alter im Durchschnitt täglich 2,4 Stunden online verbringen, meist mit dem Smartphone.

Nachrichten nicht Teil des Medienrepertoires

Das Hans-Bredow-Institut nennt die Bereitschaft, sich über das öffentlich relevante Geschehen in der Welt zu informieren, als einen wesentlichen Aspekt gesellschaftlicher Teilhabe. Die Studie zeigt nun, dass Nachrichten keineswegs zum normalen Medienrepertoire von Kindern und Jugendlichen gehören. 83 Prozent der Neun- bis 17-Jährigen haben der Befragung zufolge schon einmal von „Fridays for Future“ gehört. 46 Prozent davon haben weiterführende Informationen im Internet gesucht. 17 Prozent haben laut der Studie schon einmal an einer „Fridays for Future“-Demonstration teilgenommen.

Das geringe Interesse an Nachrichten im Internet ist bei Kindern im Alter zwischen neun und elf Jahren besonders stark ausgeprägt. Von ihnen haben fast zwei Drittel (63 Prozent) kein Interesse an Nachrichten und nutzen sie im Internet nie. In der Gruppe der 15- bis 17-Jährigen sagte dies immerhin noch fast jeder Fünfte (19 Prozent) der Befragten, aber ab diesem Alter lassen die Jugendlichen ein Interesse an Nachrichten erkennen.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 11 Feb 2020 17:23:00 +0100
<![CDATA[Danke, AKK]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/danke-akk/ Ein Zwischenruf von Uwe Heimowski]]> Was Annegret Kramp-Karrenbauer in den vergangenen Monaten schultern musste, war eigentlich mehr, als ein einzelner Mensch tragen kann. Sie hat als bekennende Katholikin klare, an christlichen Werten orientierte Positionen bezogen, die auch der Evangelischen Allianz in Deutschland am Herzen liegen, etwa beim Thema Lebensschutz oder beim Menschenhandel. Respekt!

Sie hat versucht, was ihre Vorgängerin im Vorsitz der CDU – bei aller persönlichen Wertschätzung für Angela Merkel – nicht geschafft hat: eine gespaltene, massiv an Zustimmung verlierende und mitunter panisch auf die AfD schielende Partei zusammenzuhalten. Das war kaum zu schaffen – und es ist ihr nicht gelungen. Nicht zuletzt, weil sie deutlich zu wenig Rückhalt von den Granden der eigenen Partei bekam.

Die CDU ist nicht zu wenig grün

Die CDU hat Fehler gemacht, jetzt in Thüringen, aber auch schon vorher bei den Analysen der letzten Wahlen. Keiner meiner Nachbarn ist von der CDU abgewandert, weil sie zu wenig grün war. Die tatsächlichen Ursachen für die Unzufriedenheit der Menschen nicht wahrzunehmen, ist ein politischer Fehler, der sich immer irgendwann rächt. Das geht mit der Vorsitzenden nach Hause, that’s the game. Daher kann ich ihren Rückzug nachvollziehen. Dennoch: Ich habe großen Respekt vor dieser fleißigen, uneitlen, menschlich hochanständigen Frau.

Meinen Dank an AKK verbinde ich mit einem Appell an alle, denen die Demokratie am Herzen liegt: Freunde, wir können es uns nicht leisten, einen Verantwortungsträger nach dem anderen zu „verbrennen“.

Wir brauchen dringend eine neue Kultur der Wertschätzung und eine neue Bereitschaft, aus den Sesseln der Bequemlichkeit aufzustehen, Haltung zu zeigen und Verantwortung zu übernehmen. Die Demokratie lebt nicht von starken An-Führern (allein), sondern zuallererst von starken Bürgern. Lassen wir nicht zu, dass die Hasser und Lügner, die gekränkten alten Männer, die Parolenschmetterer und Stammtischhelden, die Verächter und Zyniker, die Verschwörungstheoretiker und Menschenverächter den Ast absägen, auf dem wir alle sitzen. Und ein Aufruf an die Beter im Land: Falten wir die Hände.

Der Autor Uwe Heimowski ist Politikbeauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz. Außerdem ist er Vorstandsmitglied der Christlichen Medieninitiative pro, die das Christliche Medienmagazin pro herausgibt.

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Tue, 11 Feb 2020 10:17:00 +0100
<![CDATA[„Wer kann in normal gewordener Erregungskultur noch bestehen?"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/02/10/wer-kann-in-normal-gewordener-erregungskultur-noch-bestehen/ Nach langer Überlegung, so gab Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) heute in Berlin vor Journalisten bekannt, habe sie sich dazu entschieden, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten. Außerdem kündigte sie für den Lauf des Jahres ihren Rücktritt vom Parteivorsitz an. Sie habe in den vergangenen Wochen festgestellt, dass mit der Trennung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz eine „Führungsfrage“ einhergehe. In den vergangen Tagen war sie in die Kritik geraten, weil sie nicht verhindern konnte, dass die Thüringer CDU-Fraktion zusammen mit AfD und FDP den liberalen Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsident gewählt hatte.

Stunden nach ihrem Rücktritt ist die Suche nach einem Nachfolger in vollem Gange. Während die einen sich den Ex-Fraktionschef Friedrich Merz wünschen, plädieren andere für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet oder den Gesundheitsminister Jens Spahn.

Zwei Rücktritte von Frauen in kurzer Zeit

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schlägt dagegen nachdenkliche Töne an. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm forderte in einem Facebook-Post eine „Kultur der Achtung und des Respekts“. Ihn beschäftige, „warum innerhalb von kurzer Zeit zwei Frauen, die in schwieriger Zeit das Amt der Parteivorsitzenden einer der großen Volksparteien übernommen und damit Bereitschaft zur Verantwortung gezeigt haben, das Handtuch werfen“, schrieb der Ratsvorsitzende in Anspielung auf die geschasste SPD-Vorsitzende Andrea Nahles.

Zwar sei richtig, dass Fehler von Amtsträgern thematisiert würden. „Aber Fehler haben andere in Verantwortung früher auch gemacht, ohne dass das zu Rücktritten geführt hat.“ Stattdessen müsse gefragt werden, welche Bedingungen heute für Spitzenpolitiker gälten. „Wer kann in der jetzt normal gewordenen Erregungskultur eigentlich noch bestehen?“ Er wolle nicht, dass nur noch die „Abgebrühten und Machthungrigen politische Spitzenverantwortung“ übernähmen.

Für den Einsatz von Annegret Kramp-Karrenbauer empfinde er Respekt und Wertschätzung, so der Ratsvorsitzende.

Von: Nicolai Franz

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Mon, 10 Feb 2020 17:01:00 +0100
<![CDATA[Der Fall Asia Bibi: Vom Schluck Wasser bis zum Volksaufstand]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/02/10/der-fall-asia-bibi-vom-schluck-wasser-bis-zum-volksaufstand/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Wer von dem Hass liest, den muslimische Fanatiker gegen eine harmlose Frau aus einem Dorf Pakistans entwickeln können, kann es zunächst kaum glauben. Der deutsche Journalist Joseph Scheppach, der viele Jahre Pressesprecher bei der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ war, hat in seinem Buch „Asia Bibi. Eine Frau glaubt um ihr Leben“ den Fall der 38-jährigen Christin beschrieben, der um die Welt ging. Asia Bibi hatte am 19. Juni 2009, einem normalen Arbeitstag, bei der Feldarbeit Wasser aus einem Becher getrunken. Zwei Muslima beschuldigen die Christin, damit Brunnenwasser „verunreinigt“ zu haben. In dem von den Frauen provozierten Streit verliert Bibi angeblich gotteslästerliche Worte. Das konnte nie bewiesen werden, doch für die Frau begann ein Martyrium, das sie neun Jahre ins Gefängnis, durch Höllenqualen und bis an den Rand ihrer Lebenskraft brachte.

„Neun quälend lange Jahre muss die bitterarme Mutter von fünf Kindern bei jedem Klick des Eisenschlosses ihrer Zelle den Henker fürchten“, schreibt Scheppach. „Lebendig begraben vegetiert sie in einem dunklen Kerker, die Wände schwarz vor Dreck. Der Boden durchtränkt von Schlamm, Kot und Urin.“ Kaum ein Fall krempelte die Wahrnehmung Pakistans in der Welt so um wie dieser, und er zeigte exemplarisch, wie es Christen in dem islamischen Land ergeht. Daher wünscht man dem Buch Scheppachs, dass es dazu beiträgt, den Fall Asia Bibi noch bekannter zu machen.

Krepieren und trotzdem am Leben bleiben

Der Autor beschreibt Bibis Zelle, die drei mal 2,4 Meter groß war; in den für ursprünglich für 500 Häftlinge gebauten Trakten lebten über 2.500 Insassen: Mörder, Drogenabhängige, Diebe, Vergewaltiger, Entführer und andere Kriminelle. „Bei Regen tropft es hinein. Dann muss sie in ihren Plastiksandalen durch den Schlamm waten“, so Scheppach. Gerade Christen hätten es in solchen Gefängnissen besonders schwer. Hinzu kämen wegen der schauerlichen hygienischen Zustände viele Krankheiten. Scheppach beschreibt zudem die in pakistanischen Gefängnissen üblichen Foltermethoden. Bibi selbst erinnert sich später: „Hier habe ich gelernt zu krepieren und trotzdem am Leben zu bleiben.“ In ihrer Verzweiflung schöpfte sie Trost aus dem Gedanken, dass Jesus „Immanuel“ genannt wird – „Gott ist mit uns“. „Das gibt ihr die Gewissheit, nicht allein zu sein.“

Sie erfuhr davon, dass Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom ihren Namen genannt hatte, was ihr neue Hoffnung gab. „Asias Fall hat mittlerweile in Pakistan die Ausmaße einer Staatsaffäre angenommen und in Lahore, Karatschi und Islamabad gehen Zigtausende auf die Straße, um lauthals Asia Bibis Tod zu fordern“, schreibt Scheppach über jene Zeit. „Die Demonstranten recken Fotos von Asia mit einer Schlinge um den Hals in die Höhe.“

Viele der Unterstützer, die Bibi in der Öffentlichkeit findet, werden hingegen ermordet. So etwa der Minister für religiöse Minderheiten und einzige Christ im pakistanischen Kabinett, Shahbaz Bhatti. Unter Bhatti war überhaupt erst das Ministerium geschaffen worden, und er hat viel für die Religionsfreiheit im Land getan. Am 2. März 2011 wird er von drei Fanatikern niedergeschossen. Er hatte Bibi besucht und den pakistanischen Präsidenten gebeten, Bibi zu begnadigen. Hervorzuheben ist auch „der mutigste Anwalt der Welt“, Saif-ul-Malook, der Bibis Verteidigung übernahm. Er war sich der großen Gefahr bewusst, der er sich aussetzte. Gegenüber Spiegel Online sagte er, er selbst sei Muslim. „Aber spielt das eine Rolle? Für einen Arzt ist das doch auch irrelevant.“ Einer anderen Zeitung sagte er: „Überall auf der Welt muss es Menschen geben, die aufstehen, wenn sie gebraucht werden.“ Schließlich veröffentlichten mehrere internationale Zeitungen einen offenen Brief von Asia Bibis Mann, und der sorgte international für Betroffenheit.

Tausende Protest-Mails aus aller Welt gingen bei der pakistanischen Regierung ein, die deutsche Bundesregierung sandte ihren Menschenrechtsbeauftragten nach Pakistan, die Stadt Paris sprach sich für die Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Bibi aus, am Hauptgebäude der Pariser Stadtverwaltung hing ein Foto von ihr. Eine britische Online-Petition für Bibis Freilassung bekam über eine halbe Million Unterschriften. In sozialen Netzwerken posteten viele ein Selfie, auf dem sie ein Glas Wasser trinken – als Symbol der Solidarität mit Asia Bibi. Am 24. Februar 2018 empfing Papst Franziskus Asia Bibis Ehemann und seine Töchter im Vatikan.

Der Druck auf die pakistanische Regierung wuchs, doch gleichzeitig nahmen die Proteste fanatischer Moslems zu. Es gab Anschläge auf Kirchen, bei denen Hunderte Kirchenbesucher starben. Der Mob steckte in vielen Städten Autos und Läden in Brand, in Lahore versuchten sie das Parlament zu stürmen. Die Armee wurde vor dem Parlamentsgebäude und den Gerichten in Islamabad postiert. Nach offiziellen Schätzungen entstanden Schäden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Zehn Millionen Pakistaner waren in jenen Tagen laut Zeitungsberichten bereit, Asia Bibi eigenhändig umzubringen.

Verfilmung erwünscht

Am 31. Oktober 2018, nach einem neun Jahre dauernden, kräftezehrenden juristischen Tauziehen, wurde Asia Bibi freigesprochen. Neun Monate später durfte sie nach Kanada ausreisen. Kaum in Freiheit machte Asia Bibi öffentlich: Trotz des unsagbaren Leids, das sie ertragen musste, vergebe sie ihren Peinigern. Und sie wies sofort auf Leidensgenossen hin: „Es gibt viele andere Beschuldigte, die Jahre im Gefängnis verbringen. Auch hier sollten die Gerichte zu deren Gunsten entscheiden.“

Wichtig ist Scheppachs Buch vor allem, weil er ein Schlaglicht setzt auf die Situation vieler Christen in Pakistan. Er gibt wichtige Hintergrundinformationen, etwa dass seit 1986 mehr als 1.200 Menschen wegen Blasphemie in Pakistan angeklagt wurden; es hockten wahrscheinlich 187 „Asia Bibis“ derzeit wegen Blasphemie in Pakistans Gefängnissen; aus religiösem Hass seien in der islamischen Republik in den letzten Jahren mindestens 28 Christen ermordet worden. Zahlreiche Kirchen und christliche Häuser wurden zerstört. Hunderte Christinnen wurden mit Muslimen zwangsverheiratet und entführt; über 1.400 Christen wurden auf offener Straße oder in ihrem Heim verprügelt.

Viele andere Beispiele, die Scheppach nennt, zeigen: In Pakistan kann es schon gefährlich werden, in einem Schulaufsatz über Mohammed ein einziges Wort falsch zu schreiben. Und wer Papier für das Kochen auf dem Herd anzündet, kann wenige Tage später vom Mob verfolgt werden, weil dazwischen zerrissene Seiten eines Koran steckten. Das eindrucksvolle Buch „Eine Frau glaubt um ihr Leben“ schildert die Umstände zwar oftmals romanhaft, aber der Leser bekommt einen Einruck davon, was Menschen in Pakistan zu erleiden haben, wenn sie auch nur in den Verdacht geraten, etwas gegen Mohammed getan oder gesagt zu haben. Vielleicht wird die Geschichte Asia Bibis ja demnächst auf Basis dieses Buches verfilmt. Es wäre ihm – und allen wegen ihres Glaubens Verfolgten – zu wünschen.

Joseph Scheppach: „Asia Bibi. Eine Frau glaubt um ihr Leben“, Brunnen, 160 Seiten, 15 Euro, ISBN 9783765507380

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Mon, 10 Feb 2020 16:40:00 +0100
<![CDATA[Schweizer wollen mehr Schutz für sexuelle Minderheiten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/10/schweizer-wollen-mehr-schutz-fuer-sexuelle-minderheiten/ Hass und Benachteiligungen gegen sexuelle Minderheiten werden zukünftig in der Schweiz strafrechtlich verfolgt. In einem Referendum stimmten am Wochenende 63 Prozent der Schweizer für eine Verschärfung des Antidiskriminierungsgesetzes. Dieses schützte bisher Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Religion vor Diskriminierung. Das schweizerische Parlament hatte bereits 2018 eine Verschärfung des Gesetzes gefordert. Mit dem jetzigen Volksentscheid sei ein „großartiges Signal“ an die Opfer von Diskriminierung gesendet worden, sagte der sozialdemokratische Abgeordnete Mathias Reynard gegenüber dem Sender RTS 1.

Bei Verstößen drohen Geldstrafen oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren. Konkret bedeutet die neue Gesetzerweiterung, dass Menschen in der Öffentlichkeit nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung in Bild, Text oder Gesten benachteiligt werden dürfen. So dürfte sich beispielsweise ein Bäcker nicht weigern, eine Hochzeitstorte für ein homosexuelles Paar zu backen – auch wenn dieser imaginäre Bäcker gegen gleichgeschlechtliche Ehen ist.

Problemfeld Lebensschutz und „Ehe für alle“

Nach Angaben der Regierung sind grundsätzliche Debatten um gleichgeschlechtliche Ehen aber weiterhin möglich – eingeführt ist sie dort noch nicht. Davon ist Marc Jost, Generalsekretär der Schweizer Evangelischen Allianz jedoch nicht überzeugt. Laut dem neuen Gesetzartikel dürfen „Leistungen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind“, nicht mehr wegen der sexuellen Orientierung vorenthalten werden. Jost befürchtet daher, dass sich aufgrund dieses Paragraphen Kirchen nun „strafbar“ machen könnten, wenn sie homosexuellen Paaren die Trauung verweigern.

Dieser Befürchtung widerspricht Martino Mona, Strafrechtsprofessor der Universität Bern, gegenüber dem SRF. Kirchen seien als Vereine organisiert. Daher könnten sie nach eigenen Kriterien bestimmen, wer als Mitglied aufgenommen werden darf. „Dass bestimmte Kirchen die sexuelle Orientierung als Ausschlusskriterium für Trauungen betrachten, ist nicht strafbar“, erklärt Mona. Kirchen stellten individuelle Angebote zur Verfügung, keine Dienstleistungen für die Allgemeinheit.

In einer Pressemitteilung äußerte sich die Schweizerische Evangelische Allianz zum Volksentscheid. Darin betont sie die Notwendigkeit, Hass „in keinerlei Form und gegen keinen Menschen zu tolerieren“. Gleichzeitig wollen sie sich weiterhin dafür einsetzen, dass „die Meinungs- und Religionsfreiheit auch unter dem verschärften Strafgesetz gewahrt bleibt“. Dennoch befürchte die Allianz, dass der Druck auf Menschen, die „aus Glaubens- oder Gewissensgründen eine kritische Meinung in Bezug auf bestimmte sexuelle Orientierungen äußern“, zunehmen werde. Schon vor der Volksbefragung sei dies zu spüren gewesen. Christen seien wegen bestimmter Werte und Meinungen, beispielsweise zum Lebensschutz, mit „offensichtlicher Intoleranz oder sogar Gewalt“ bekämpft worden.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 10 Feb 2020 15:49:00 +0100
<![CDATA[Sieben Wochen ohne Pessimismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/02/10/sieben-wochen-ohne-pessimismus/ Auch in der diesjährigen Passionszeit lädt die Evangelische Kirche wieder zur Fastenaktion ein. In diesem Jahr geht es um das Motto „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“. Die Aktion hat die Angst und Sorge der Menschen vor der Zukunft im Blick.

Die Initiatoren möchten deutlich machen, wie viel Kraft, Mut und Glaube trotz aller Widrigkeiten in den Menschen steckt. Die Aktion will zur Zuversicht, auch über die Fastenzeit hinaus, aufrufen. Sie dauert von Aschermittwoch bis Ostern. Ziel soll es laut einer Pressemitteilung der Veranstalter sein, die Zeit bewusst zu erleben, spirituell aufzutanken und neue Lebensorientierung zu finden.

Sieben Fotografen illustrieren Wochenthema

Der Eröffnungsgottesdienst der Aktion findet am Sonntag, dem 1. März 2020, um 9:30 Uhr in der Pauluskirche im hessischen Marburg statt. Das ZDF überträgt den Gottesdienst live. Mit dabei sind Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und „7 Wochen Ohne“-Geschäftsführer Arnd Brummer. Sie gestalten den Gottesdienst gemeinsam mit Ortspfarrer Markus Rahn und der Gemeinde.

Jede der sieben Wochen hat ein eigenes Thema, etwa „Sorge dich nicht!“, „Fürchte dich nicht!“ oder „Meine Zuversicht ist bei Gott“, mit entsprechenden biblischen Bezügen. Sieben Fotografen haben sich mit diesen Themen beschäftigt und sie illustriert. Die Auslegungen zu den biblischen Bezügen stammen von dem Theologen und Publizisten Frank Muchlinsky. Ergänzt werden die Wochenthemen durch Zitate, Gedichte und Geschichten von Schriftstellern, Theologen und Journalisten.

Die Aktion „7 Wochen Ohne“ gibt es seit mehr als 30 Jahren. Ein Fastenkalender begleitet die Teilnehmer 47 Tage lang mit Denkanstößen in Wort und Bild. Zudem können sie wöchentliche Mail-Impulse zu den Themen abonnieren. In der Fastengruppen-Suche finden Teilnehmer Veranstaltungen während der Aktion und aktive Gruppen, mit denen sie sich austauschen können. Wer möchte, kann einen Satz, der ihm Mut macht und durch Krisen trägt, auf der Seite von „7 Wochen ohne“ veröffentlichen – und die Geschichte dahinter erzählen.

Auch bei Instagram und Facebook

Interessenten erhalten über die Internetseite außerdem Bildmaterial, Textpassagen und Audio-Dateien zum kostenlosen Herunterladen. In einem der Videos erzählen Passanten einer Umfrage, was ihnen Zuversicht gibt. Zudem gibt es einen Podcast, in dem sich Claudius Grigat, Redakteur bei evangelisch.de und chrismon, und Pfarrer Frank Muchlinsky über die Themen der Fastenaktion austauschen. Außerdem besteht die Möglichkeit zum Austausch über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 10 Feb 2020 14:05:00 +0100
<![CDATA[„Wir müssen die Jugendlichen jede Woche neu gewinnen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/02/10/wir-muessen-die-jugendlichen-jede-woche-neu-gewinnen/

pro: Willkommen zurück: Sie sind zum zweiten Mal EC-Bundespfarrer. Wie kam es dazu?

Klaus Göttler: Ich musste nachsitzen (lacht). Ich war schon einmal beim EC und im Zuge dessen von 2002 bis 2004 kommissarisch in dieser Position. In den 17 Jahren durfte ich den EC-Verband als Referent mit prägen. Das war eine tolle Zeit mit schönen Erfahrungen. 2018 wurde ich gefragt, ob ich zurückkehren wollte. Das hat mich überrascht. In meinem Alter steigt man nicht unbedingt in einen Jugendverband ein. Ich habe das als Berufung erlebt, weil ich ein großes Herz für Jugendarbeit habe.

Mussten Sie lange überlegen?

Ich habe zunächst abgesagt. Ich war mir nicht sicher, ob der Schritt zum EC sinnvoll ist. Die Anfrage hat mir aber keine Ruhe gelassen. Ich wollte mich der Aufgabe stellen. 2019 wurde ich dann berufen. Ich hatte noch Verpflichtungen bei meinem bisherigen Arbeitgeber, als Dozent der Evangelistenschule Johanneum in Wuppertal. Dadurch gab es eine längere Vakanz.

Was macht ein EC-Bundespfarrer den ganzen Tag?

Aus dem Bundespfarrer haben wir mittlerweile einen Generalsekretär gemacht. Die Aufgaben sind gleich geblieben. Der Generalsekretär leitet den EC-Verband mit seinen 17 Landesverbänden inhaltlich und theologisch. Mit den Verantwortungsträgern will ich unterwegs sein und schauen, wie wir die Jugendlichen erreichen, vernetzen und unterstützen können. Außerdem habe ich die Personalverantwortung für unsere Mitarbeiter.

Der EC befindet sich gerade in einem Prozess zur Strategieentwicklung. Wie weit sind Sie da?

Der Prozess „Entschieden Richtung Zukunft“ hat vor drei Jahren begonnen. Wir schauen, wofür der EC inhaltlich steht und wo er hin will. Die Arbeit des EC hat vier Kernmerkmale. Wir sind zuerst auf Jesus Christus ausgerichtet. Zweitens ist es die Verbundenheit zu anderen Gemeindegliedern. Wir verstehen uns als Teil von Gottes großem Netzwerk. Drittens ist der EC eingebunden in eine Gemeinde und will nicht alleine sein Dasein fristen. Die missionarische und diakonische Perspektive ist die vierte Dimension. Alle zusammen sind ein guter Prüfstein für unsere Arbeit.

Der EC hat die junge Generation im Blick. Wie tickt unsere Jugend heute?

Jugendliche sind in unterschiedlichen Beziehungen unterwegs. Ältere Jugendliche fordert es heraus, dass sie viele Optionen haben. Dazu gehört die Berufswahl oder die Arbeit in der Gemeinde. Auch hier legen sich Jugendliche nicht gerne fest. Wir müssen die Jugendlichen jede Woche neu gewinnen. Das fordert heraus. Die junge Generation möchte sich aber auch engagieren und ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Ab wann hat der christliche Glaube in Ihrem Leben eine Rolle gespielt?

In meinem katholischen Elternhaus gab es Berührungspunkte. Mit 18 Jahren war ich in Schottland im Urlaub. Bei einem Straßeneinsatz fragte mich jemand, wie ich zu Jesus stehe. Es hat mich gereizt, darüber nachzudenken. Dabei wurde mir bewusst, dass der Glaube etwas mit meinem Leben zu tun hat. In der Schule habe ich davon erzählt und erfahren, dass einige Mitschüler auch Christen sind. Sie haben mich in eine EC-Jugendgruppe eingeladen. Mich hat fasziniert, dass junge Leute so etwas wirklich glauben. Bisher war das für mich ein traditionelles Konzept, aber nichts Lebensrelevantes.

Wie haben Ihre Eltern reagiert?

Mit einer gesunden Skepsis. Sie wussten ja nicht, in welche Kreise ihr Sohn da jetzt ging. Ihre kritischen Nachfragen waren hilfreich. Ich bin dann später konvertiert. Da waren sie mit im Gottesdienst. Das habe ich ihnen hoch angerechnet. Bis heute diskutieren wir noch viele Fragen kontrovers, aber auf einer gemeinsamen Ebene.

Sie haben dann Theologie studiert …

Eigentlich wollte ich Musiker werden. Ich habe dann meinen Zivildienst mit mehrfach behinderten Kindern geleistet. Das hat mein Menschenbild und die Frage nach dem Wert des Lebens auf den Kopf gestellt. Ich habe den Wert von Kindern entdeckt, die im Prinzip nichts können. Das war ein Meilenstein. Menschen haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, hauptamtlich für Gott zu arbeiten. Nach einem Praktikum im CVJM konnte ich zu dieser Berufung „Ja“ sagen. Ich hatte Evangelisation positiv erlebt und wollte, dass auch andere Menschen Jesus kennenlernen.

Wie einfach war es für Sie, Ihren drei Kindern den christlichen Glauben zu vermitteln?

Wir haben mit unseren Kindern oft und offen darüber geredet. Ab einem bestimmten Alter haben Eltern da aber nur noch ein beschränktes Mitspracherecht. Das ist spannend und man muss manchmal sehr demütig werden. Natürlich ist es schön, wenn die eigenen Kinder ihren Glaubensweg gehen: manchmal ganz anders als ich selbst.

Was ist heute notwendig, um junge Menschen missionarisch zu erreichen?

Es braucht ein Herz und Verständnis für Jugendliche. Ich kann sie nicht von oben herab belehren. Das merken sie sofort. Ich möchte gemeinsam mit ihnen unterwegs sein. Das bedeutet auch, sie kritisch zu begleiten und ihnen Fragen zu stellen. Mentoring ist wichtig: Jugendliche brauchen Menschen mit Lebenserfahrung, bei denen sie sich Dinge abschauen können. Echtheit und Authentizität sind strapazierte Begriffe. Aber Jugendliche haben ein feines Gespür dafür, wenn Leben und Glauben nicht übereinstimmen.

Welche Rolle spielen dabei digitale Medien?

Wir stehen hier am Anfang und haben auch manche Entwicklungen verschlafen. Für viele unserer jungen Menschen sind die Kanäle ganz selbstverständlich Teil ihres Leben und digitale Treffpunkte. Sie haben die Möglichkeit, sich mich mit Leuten zu „treffen“, die in Amerika oder Australien sitzen. Gleichzeitig fordert die Digitalisierung auch heraus. Viele sind nicht mehr irgendwo verortet. In Gemeinde und Jugendarbeit geht es ja auch darum, eine Heimat zu finden. Junge Leute tun sich schwer, anzukommen und zu bleiben. Ich erlebe aber auch 14-, 15-Jährige, die ihren Konsum herunterfahren und auch einmal bewusst offline sind.

Worin sehen Sie da die Aufgabe der Erwachsenen?

Wir sollten den Digital Natives helfen, auch in ihrer Welt sprachfähig unterwegs zu sein – ohne die digitalen Plattformen zu „erobern“. Oft bekommen wir gar nicht mit, wie viele Leute dort schon prägend unterwegs sind. Jeder hat dort eine Plattform, um das zu sagen, was er will.

Wie sind Sie selbst, wie ist der EC da aufgestellt?

Ich bin selbst dort aktiv, aber nicht, weil ich Generalsekretär eines Jugendverbands bin. Das ist im Laufe der Jahre gewachsen. Ich will mich auch nicht verbiegen und bin dort gerne präsent. Beim EC haben wir jemanden angestellt für diesen Bereich. Das ist uns wichtig, aber nur dadurch ist das Thema noch nicht bearbeitet. Es kommen viele Impulse von aktiven Jugendlichen an der Basis, die wir unterstützen können.

Was ist die größte Herausforderung für einen Jugendverband wie den EC?

Es fordert heraus, immer in Bewegung zu bleiben und das Fundament nicht zu verlieren. Wir haben es hier insofern ganz gut, weil uns unser Name provoziert. Traditionelle Jugendverbands-Arbeit ist für viele nicht gerade prickelnd. Es fällt Jugendlichen schwer, sich fest zu engagieren. Hier müssen wir uns investieren, um junge Menschen zu Verantwortungsträgern zu machen.

Zu welchen Themen sollte der EC Stellung beziehen und zu welchen nicht?

Wir müssen uns immer dann äußern, wenn wir Anwalt für Jugendliche sein können. Jugendliche müssen wir als eigenständige Größe wahrnehmen, die eine gesellschaftliche Bedeutung hat. Sie brauchen gute Rahmenbedingungen. Außerdem können wir unser inhaltliches Profil einbringen: Ihr Leben soll auf dem Fundament des Evangeliums stehen. Letztlich ist das für unsere Gesellschaft von entscheidender Bedeutung. Wir wollen uns als missionarische Jugendbewegung einbringen – ohne Scheuklappen und mit klarem Profil.

Was wollen Sie rückblickend in 10 Jahren über Ihre Arbeit beim EC-Verband resümieren?

Ich würde mich freuen, wenn wir es geschafft haben, Jugendliche auf dem Weg zu leidenschaftlichen Jesus-Liebhabern zu unterstützen. Ich möchte ihnen die Liebe zur Bibel näher bringen und sie als Zeugen für das Evangelium stärken.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne einmal über den EC lesen?

Ich bin kein Medienmacher. Das müssten Sie machen. Ich würde mir wünschen, dass die beiden Hände Christi im EC zu finden sind: das Wort und die Mission sowie die Tat und die Diakonie. Wenn der EC dafür bekannt ist, wäre das schön.

Vielen Dank für das Gespräch.

Der Deutsche EC-Verband („Entschieden für Christus“) hat 17 Landesverbände, die nicht deckungsgleich mit den Bundesländern sind. Im gehören 5.000 Mitglieder an. Die Mitgliedschaft ist keine reine Vereinsmitgliedschaft, sondern hat eine inhaltliche Bedeutung: Mitglieder sind selbst bekennende Nachfolger von Jesus Christus. In die wöchentlichen Gruppenangebote gehen nach Angaben des Verbandes über 40.000 Menschen. Er ist größtenteils eine Bewegung von Ehrenamtlichen.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 10 Feb 2020 10:48:00 +0100
<![CDATA[Woche für das Leben thematisiert Sorge um Sterbende]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/09/woche-fuer-das-leben-thematisiert-sorge-um-sterbende/ Die palliative und seelsorgliche Begleitung von Menschen steht im Mittelpunkt der diesjährigen „Woche für das Leben“. Das teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit. Die Initiatoren wollen dazu ermutigen, sich mit dem oft verdrängten Thema „Tod und Sterben“ auseinanderzusetzen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der EKD-Ratsvorsitzende, Heinrich Bedford-Strohm, rufen im Vorwort zum Themenheft der diesjährigen Woche für das Leben dazu auf, eine „Kultur des Lebens“ in der ganzen Gesellschaft zu fördern. „Manchmal kehrt bei Menschen, die sich schon nach dem Tod sehnten, sogar der Lebenswille zurück, sobald sie liebevoll umsorgt und ihre Schmerzen wirksam gelindert werden“, schreiben Marx Bedford-Strohm. „Die palliative Fürsorge nimmt den ganzen Menschen mit Körper und Seele in den Blick. Gerade dann, wenn keine Aussicht auf medizinischen Heilungserfolg mehr besteht, gibt sie die Patientinnen und Patienten nicht auf, sondern nimmt sie umfassend in ihren physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen wahr.“

Menschenwürde nicht von Leistungsfähigkeit abhängig!

Aus dem Glauben heraus könnten Christen angesichts des Todes von Auferstehung sprechen, heißt es weiter. Gott habe den Menschen nach seinem Bild geschaffen und bejahe ihn auch in seiner Schwäche und Gebrechlichkeit. Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm betonten, dass aus dieser Gottebenbildlichkeit des Menschen seine unantastbare Würde folge, „die weder von seiner Leistungsfähigkeit noch von seinem Vernunftgebrauch oder seinem Nutzen für andere abhängt“.

Die beiden Geistlichen zeigten sich dankbar für die Initiativen, die sich für Sterbende einsetzen sowie für jene Menschen, die sich haupt- und ehrenamtlich in der Sterbebegleitung engagieren: „Sie leisten einen unersetzlichen Dienst am Nächsten“. so Marx und Bedford-Strohm.

Das Themenheft ist ab sofort mit weiteren Materialien zur Vorbereitung der Woche für das Leben verfügbar. Darin sind unterschiedliche Ansätze der Palliativversorgung aus medizinischer, ethischer und seelsorglicher Perspektive sowie Anregungen für die Gestaltung ökumenischer Gottesdienste vorgestellt zusammengetragen.

Die Woche für das Leben beginnt am Samstag, den 25. April 2020 mit einem Gottesdienst im Hohen Dom zu Augsburg. Die Woche für das Leben findet zum 26. Mal statt. Seit 1994 ist sie die ökumenische Initiative der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland zur Anerkennung der Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit des menschlichen Lebens in allen Phasen. Die Aktion, die immer zwei Wochen nach Karsamstag beginnt und sieben Tage dauert, will jedes Jahr Menschen in Kirche und Gesellschaft für die Würde des menschlichen Lebens sensibilisieren.

Von: Jörn Schumacher

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Sun, 09 Feb 2020 09:28:00 +0100
<![CDATA[Trauer um Monika Deitenbeck-Goseberg]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/08/trauer-um-monika-deitenbeck-goseberg/ Monika Deitenbeck-Goseberg ist am Freitag gestorben, wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag. Die Pfarrerin aus Lüdenscheid war eine leidenschaftliche Zeugin für Jesus. Bei der jährlichen Allianzkonferenz in Bad Blankenburg hat sie viele Bibelarbeiten gehalten. Auch beim Christival hat sie gepredigt.

Deitenbeck-Goseberg war die Tochter des früheren Mitvorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz Paul Deitenbeck. Den Glauben an Jesus weiterzugeben, war ihr ein Herzensanliegen. „Das, was ich tue, tue ich von ganzem Herzen und mit Leidenschaft. Ich liebe von ganzem Herzen Jesus, will in seiner Nachfolge sein, den Menschen zur Seite stehen und sie lieben“, sagte sie einmal im Gespräch mit pro. In ihrer Stadt baute die Pfarrerin eine Obdachlosenhilfe auf. Mit ihrer Gemeinde engagierte sie sich auch in der Flüchtlingshilfe. Zudem war sie Vorsitzende von „gott.net“, einem Verein, der mit Flyern und Plakaten christliche Botschaften in die Öffentlichkeit bringt. Bekannt sind davon etwa die Plakate an Autobahnen mit Aussagen wie: „Ich halte dich. – Gott.“

Die Kirchengemeinde Oberrahmede bei Lüdenscheid, in der Deitenbeck-Goseberg tätig war, traf sich am Freitagabend in der Kirche und trauerte um ihre Pfarrerin. „Sie wird geliebt, denn sie wollte allen mit Liebe begegnen: Obdachlosen, Ausländern, Kranken, Trauernden, Glaubenden und Suchenden. Jeden umarmte sie, für jeden holte sie aus ihrem unerschöpflichen Vorrat ein kleines Geschenk – immer mit einer Spruchkarte als Einladung zum Gottvertrauen“, erinnert sich Bärbel Wilde, bis 2008 ebenfalls Pfarrerin in Lüdenscheid und enge Wegbegleiterin Deitenbeck-Gosebergs. „Sie hatte ein weites Herz für alle. Ihre eindrücklichen Predigten haben vielen einen Anstoß zum Glauben gegeben.“ Ihre Gemeinde habe geblüht. Dabei habe die Pfarrerin „auf der Überholspur“ gelebt und sich kaum selbst geschont. Ihren Wahlspruch habe sie von ihrem Vater Paul Deitenbeck übernommen: „Dass nur für Jesus und sein Reich etwas herauskommt.“

Ein Gesicht der Allianzkonferenz

Der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, schrieb auf Facebook, die Nachricht vom Tod Monika Deitenbeck-Gosenbergs treffe ihn „ins Herz“. „Mit Dir konnte man lachen, weinen, beten, denken, glauben, lieben, hoffen und das alles zur gleichen Zeit“, schrieb Diener. Deitenbeck-Goseberg habe einen „christuszentrierten und menschenfreundlichen Pietismus gelebt, wie kaum eine andere“. Sie sei immer für „verrückte kreative Ideen“ gewesen, um die Liebe Gottes „nochmal anders“ zeigen zu können. Diener hob ihre Arbeit besonders für Obdachlose hervor. „Und irgendwie war immer auch Dein Vater, Paul Deitenbeck, mit dabei. Als Du zum ersten Mal von ‚unserem Vater‘ sprachst, brauchte ich ein bissel um zu wissen, dass Du nicht unser aller, sondern Deinen Vater meintest. Ein Original Jesu mit originalen Kindern – so wie Du.“

Auch der Vorstandsvorsitzende von ERF Medien, Jörg Dechert, teilte auf Facebook seine Erinnerungen: „Pfarrerin, Mitstreiterin, ERF Verkündigerin... (…) Jetzt darfst du mit eigenen, neuen Augen sehen, was du geglaubt hast. Und dem Jesus begegnen, dessen Zuwendung und Gnade immer schon durch die Ritzen geleuchtet hat, wenn man dir begegnet ist. Was für eine Umarmung muss das sein!“ Ihr zu begegnen, sei „ein Geschenk für viele Menschen“ gewesen. „Ich bin einer davon.“

Auch Ekkehart Vetter, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, schrieb auf Facebook, er habe „selten eine so authentische Christin kennen gelernt“ wie Monika Deitenbeck-Goseberg. Sie habe „mit Herz und Mund und Hand“ ihre Liebe zu Jesus und zu Menschen gelebt. Vetter schrieb weiter: „Du warst und bist für ganz viele Menschen in Bad Blankenburg eine ganz Besondere, Du kleine-Geschenke-Verteilerin!“

Hartmut Steeb, der bis voriges Jahr als Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz viele Jahre die Allianzkonferenz in Bad Blankenburg mitorganisierte, sagte gegenüber pro: „Nachdem es endlich gelungen war, sie einmal zur Bad Blankenburger Allianzkonferenz zu gewinnen, war sie dort gesetzt, eingepflanzt und hat die Allianzgemeinschaft durch ihre Verkündigung und die unnachahmliche liebevolle Wertschätzung für jeden Menschen geprägt. Sie stand für Evangelium in Wort und Tat. Sie hat Gottes Liebe spürbar, auch in Süßigkeiten genießbar, weitergegeben. Eine großartige Christuszeugin, authentisch, einzigartig.“

Von: Jörn Schumacher und Jonathan Steinert

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Sat, 08 Feb 2020 16:01:00 +0100
<![CDATA[„Ein guter Film ändert die eigene Wahrnehmung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/02/08/ein-guter-film-aendert-die-eigene-wahrnehmung/ Von: Norbert Schäfer und Jörn Schumacher

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Sat, 08 Feb 2020 13:28:00 +0100
<![CDATA[Vier Influencer für ein Halleluja]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/02/07/vier-influencer-fuer-ein-halleluja/ Das Bistum Münster möchte mittels vier „Botschaftern“ über die Sozialen Medien zeigen, was die Kirche tut und wie die Arbeit der Angestellten aussieht. Rund 22.000 Menschen arbeiteten für die Katholische Kirche im Bistum, teilt das Bischöfliche Generalvikariat Münster mit.

In den Kirchengemeinden und Einrichtungen, Verbänden und Schulen stellten sich die Frauen und Männer „täglich in den Dienst der guten Sache“, schreibt das Bistum auf seiner Webseite. Und sie würden dabei „eine Menge erleben“, heißt es weiter. „Diese Geschichten wollen wir erzählen. Vom Gewinnen und Scheitern, vom Lachen und Weinen, von der Fröhlichkeit und vom Traurigsein.“

Vier Personen sollen helfen, die Kirche auf modernen Kommunikationswegen darzustellen: eine Redakteurin, eine Auszubildende, ein Priester und eine Pastoralreferentin fungieren als „gute Botschafter“, oder auch: „Sinnfluencer“. In den sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram oder YouTube zeigen sie dem Zuschauer ihren Arbeitsalltag.

Instagram, YouTube, Facebook

Die 38-jährige Jule Geppert etwa arbeitet als Redakteurin in der Kommunikationsabteilung des Bistums. Sie informiert und kommentiert künftig auf ihren Social-Media-Accounts, „was die katholische Kirche zu aktuellen Themen sagt – oder eben nicht“, sagt sie. Nach eigener Aussage möchte sie „mit einem Augenzwinkern einen guten Draht zu Menschen zu finden, die sonst nicht so eng mit der Kirche verbunden sind.“ Die Journalistin möchte dazu beitragen, „dass Kirche wieder als mehr wahrgenommen wird, als nur mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs“. Sie begrüßt Diskussionen zu tiefgründigen Themen wie „Warum lässt Gott Schlimmes zu?“ und „Was passiert mit der Kirchensteuer?“ ebenso wie Tipps zu praktischen Fragen wie „Was schenkt man zur Erstkommunion?“. Ihre Eltern hätten sie christlich geprägt, sagt Geppert. „Ich sehe christliche Werte als allgemeingültig für die Gesellschaft an.“ Das heiße aber nicht, dass sie sich und die Kirche nicht hinterfrage.

Maria Bäumer macht in der Bischöflichen Verwaltung seit einem Jahr eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement. Die 19-Jährige gewährt ab sofort über Instagram und Facebook einen Blick in ihren Arbeitsalltag – „lebensnah und unverstellt“, wie es auf der Webseite des Bistums heißt. Mit ihrer Familie sei sie regelmäßig in den Gottesdienst gegangen und wurde nach der Erstkommunion Messdienerin. Neun junge Menschen hätten insgesamt im vergangenen Jahr die Ausbildung begonnen, sagt Bäumer. „Das Bistum bietet Einführungstage, Tage religiöser Orientierung und andere Ausbildungstreffen für uns an, außerdem gibt es einen Azubi-Raum, das sind tolle Angebote.“

Der 32-jährige Ralf Meyer wird im Mai Burgkaplan auf der Jugendburg Gemen. „Ich bin sehr gerne Priester – mit allen Einschränkungen und Möglichkeiten“, sagt er in der Ankündigung des Projektes „Sinnfluencer“. Meyer sei oft, viel und gerne in den Sozialen Medien unterwegs, sagt er: „Daran knüpfe ich an.“ Gemeinsam mit einem anderen Kaplan aus Damme produziert er monatlich einen Podcast unter dem Namen „Taufbolde“. Als Seelsorger möchte er digital, aber auch analog vor allem für diejenigen da sein, die mit Gott, dem Glauben oder ihrem Leben Schwierigkeiten haben: „Dafür bin ich Priester geworden“, betont Meyer.

Die Pastoralreferentin der Borkener Propsteigemeinde St. Remigius, Sonja Stratmann, nutzt nach eigener Aussage Facebook und Instagram auch, um sich mit anderen über Gott und die Welt auszutauschen. Die 34-Jährige möchte ihren Glauben in eine Sprache bringen, die jeder versteht: „Und ich möchte durch die Posts zeigen, dass wir in der Kirche nicht nur schwere Themen haben, mit denen wir nur schleppend vorankommen, sondern dass wir auch eine junge Kirche sind, die etwas bewegt.“ Stratmann hofft, durch ihre Aktivitäten in den sozialen Netzwerken das Bild der Kirche ein Stück mit verändern zu können: „Wir sind kein Verein von alten Männern, sondern eine Gemeinschaft von Menschen, die etwas dazu beitragen kann, dass diese Welt ein bisschen besser wird.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 07 Feb 2020 16:17:00 +0100