Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Sun, 30 Apr 2017 08:50:02 +0200 <![CDATA[Gefahren durch die Verbindung von Konsumkultur mit Biotechnologie]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/29/gefahren-durch-die-verbindung-von-konsumkultur-mit-biotechnologie/ „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.“ (1. Korinther 6,12) Das Paulus-Wort diente dem ökumenischen Gottesdienst in der Kasseler Martinskirche am Samstag als Leitfaden, in der die Evangelische und die Katholische Kirche in Deutschland die „Woche für das Leben“ einläuteten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, setzten sich dabei kritisch mit dem Jahresthema „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“ auseinander.

Bedford-Strohm wies in seiner Predigt mit Bezug auf das Paulus-Wort darauf hin, dass christliche Freiheit nicht nach dem Lustprinzip oder der Willkür agieren könne. Die Gesellschaft müsse sich ernsthaft und kritisch mit den neuen Reproduktionsmethoden auseinandersetzen: „Je mehr Möglichkeiten wir haben, um so mehr Verantwortung haben wir auch.“ In einigen Fällen von Krankheiten könne man der Medizin nur dankbar sein. Aber gerade in seiner Unverfügbarkeit sei der Mensch kostbar.

Schleichende Verfügbarmachung des Lebens

Mit den modernen medizintechnischen Entwicklungen sei eine tiefe Ambivalenz verbunden. „Möglicherweise stecken die größten Gefahren der Nutzung der neuen Biotechnologien nicht in der bewussten Konstruktion von neuen Menschen, die manche als Frankenstein-Horrorvisionen an die Wand malen. Möglicherweise ist das viel Gefährlichere die schleichende Verfügbarmachung des Lebens, die Verbindung von Biotechnologie mit der modernen Konsumkultur.“

Es bestehe heute etwa die Möglichkeit, auf Internetseiten internationaler Fortpflanzungskliniken anhand der Persönlichkeitsprofile der Spenderinnen die gewünschten Eizellen für eine künstliche Befruchtung auszuwählen und zu erwerben. Die meisten Menschen, die diese Angebote nutzten, hätten eine Leidensgeschichte ersehnter Elternschaft hinter sich. Trotzdem müssten hier Grenzen geachtet werden. Ein Umgang mit menschlichem Leben als Ware widerspräche einer Sozialkultur, in deren Zentrum die Würde des Menschen steht. Der Kern des Würdebegriffs schließe jede Instrumentalisierung und Ökonomisierung aus, unterstrich der Ratsvorsitzende. „Es hat seine guten Gründe, dass das deutsche Embryonenschutzgesetz gegenüber der Verzweckung menschlichen Lebens eine klare Sperre einbaut.“

Marx: Klaren Blick für die drohenden Verhängnisse bewahren

Kardinal Reinhard Marx sprach im Gottesdienst davon, dass Kinder „kleine Wunder“ und deshalb für viele Menschen aus einer gelungenen Lebensplanung kaum wegzudenken seien. Wenn der Kindersegen jedoch ausbleibe oder die Sorge um das ungeborene Kind übermächtig werde, dann „hat niemand das Recht, über die Paare in solchen Zerreißproben selbstgerecht zu urteilen“, so Kardinal Marx.

Die heutige Medizin biete eine ganze Reihe von Handlungs- und Behandlungsmöglichkeiten an, „die auch Fragen aufwerfen und Bedenken auslösen. Sei es, weil sie eine erhebliche Belastung für die Behandelten mit sich bringen, sei es, weil sie unter ethischer Perspektive Grenzen überschreiten, oder sei es, weil sie für die Betroffenen und nicht zuletzt für die weitere Entwicklung der Kinder unabsehbare Konsequenzen nach sich ziehen.“ Im Ringen um einen wirklichen Fortschritt gelte es, „den klaren Blick für die drohenden Verhängnisse zu bewahren, die sich aus der Anwendung von Technik ergeben können.“

Technischer Machbarkeit nicht blind vertrauen

Oft genug seien Menschen zu Opfern einer rücksichtslosen und gewalttätigen Technisierung von Lebensbereichen geworden. Diese Erfahrung dränge zu besonderer Vorsicht, zumal, wenn es um die Entwicklung und Entfaltung menschlichen Lebens gehe, sagte Marx. Auch jenseits von Präimplantationsdiagnostiken, in deren Folge Embryonen aussortiert, wissenschaftlich verzweckt und schließlich vernichtet werden und die sich verbieten, gelte es, „der technischen Machbarkeit nicht blind zu vertrauen. Letztlich ist immer daran zu erinnern, dass Kinder ein Geschenk und das menschliche Leben auch Geschick ist.“

Am ökumenischen Eröffnungsgottesdienst in Kassel mit zahlreichen Teilnehmenden aus Gesellschaft, Politik, Bildung, Medizin und Religionsgemeinschaften wirkten außerdem Bischof Martin Hein (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) und Bischof Heinz Josef Algermissen (Bistum Fulda) mit. Die damit eingeleitete „Woche für das Leben“ findet bundesweit vom 29. April bis 6. Mai statt. Unter dem Jahresthema: „Kinderwunsch – Wunschkind – Designerbaby“ setzt sich die diesjährige Woche mit den Wünschen nach einer sorgenfreien Schwangerschaft, einer glücklichen Geburt, einem gesunden Kind und einem guten Heranwachsen des Kindes auseinander.

Von: mm

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Sat, 29 Apr 2017 20:01:00 +0200
<![CDATA[„Es gibt zu wenige Christen in der Politik“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/04/29/es-gibt-zu-wenige-christen-in-der-politik/ Der CDU-Politiker Armin Laschet appellierte bei einer Diskussionsveranstaltung in der Evangelischen Freikirche Köln-Ostheim am Freitag an die Zuhörer, sich politisch einzubringen – entweder aktiv Verantwortung zu übernehmen oder zumindest wählen zu gehen. „In der Politik gibt es zu wenige Christen. Es tut dem gesamten politischen Spektrum gut, dass sich Christen engagieren.“

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende und Landeschef der Union in Nordrhein-Westfalen verwies darauf, dass vor allem Christen der Katholischen wie der Evangelischen Kirche wesentlich zur friedlichen Revolution in Deutschland wie auch in Polen beigetragen hätten. Christen sollten daher auch heute selbstbewusster auftreten: „Christen sollten viel öfter sagen: Wir haben eine Überzeugung, die sogar Mauern zum Einstürzen bringen kann, wenn wir den Mut dazu haben.“ Die christliche Botschaft sei „das Beste, was wir der Welt anbieten können. Wenn sich daran alle hielten, hätten wir weniger Krieg und anderes auf dieser Erde“.

In der Bibel gibt es keinen Stau

Sein eigenes parteipolitisches Engagement sei die Fortsetzung seines kirchlichen Engagements in der Jugendzeit gewesen, sagte der Katholik. Als Kind besuchte er einen kirchlichen Kindergarten und eine kirchliche Schule, später einen Jugendgruppe. „Die Motivation war, die Welt besser zu machen aus christlicher Überzeugung heraus, so sind Politik und Glaube bei mir zusammengekommen.“

Laschet, der auch Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag in Düsseldorf und als Spitzenkandidat seiner Partei Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten ist, stellte aber auch klar, dass die Bibel nicht zur allgemeinen Lebensregel aller Deutschen gemacht werden könne: „Das Zusammenleben ist geregelt durch das Grundgesetz, nicht durch religiöse Regeln.“ Zudem sei die Bibel kein Handbuch, das Ratschläge für die Tagespolitik gebe. „Die Bibel sagt nichts zum Stau auf der Leverkusener Brücke oder wie genau ein Gesetz gemacht werden soll. Aber das Menschenbild hat man im Kopf, im Herzen, im Glauben – das kann man übertragen.“

Wie das dann bei konkreten Entscheidungen aussieht, darüber müsse gestritten werden. Auch aus christlichen Überzeugungen ließen sich gegensätzliche Meinungen ableiten. Etwa wenn es um den Einsatz des Militärs gehe oder auch um die Aufnahme von Flüchtlingen.

Werte in Politik übersetzen

Laschet machte deutlich, was das christliche Menschenbild bedeutet, auf das sich die CDU bezieht. Er betonte, jeder Mensch sei ein Geschöpf Gottes. Deshalb habe jeder unveräußerliche Rechte, etwa dass er nicht gefoltert werden dürfe. Christliches Menschenbild bedeute zudem, dass jeder als Individuum Verantwortung für sein Leben trage und Freiheitsrechte habe. Dennoch sei ein Mensch immer auf die Gemeinschaft bezogen und benötige ihre solidarische Unterstützung. Gerade am Anfang und Ende seines Lebens sei ein Mensch auf Hilfe angewiesen, auch wenn er in Notlagen gerate. Auf diesem Grundgedanken beruhe die soziale Marktwirtschaft. Konkrete zeige sich dieses Prinzip etwa in der Pflegeversicherung.

Vor dem Hintergrund dieses Menschenbildes habe zudem die Familie eine besondere Bedeutung: „Jeder kann leben wie er will, da schreibt der Staat nichts vor. Aber der Staat stützt Ehe und Familie. Dahinter steht christliches Menschenbild.“

Die Werte, die sich aus dieser Vorstellung heraus ableiten, in die tägliche Politik zu übersetzen, das sei Aufgabe der Christen. Das unterstrich auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Heinrich Zertik, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm.

„Ethische Katastrophe“

Stephan Holthaus, Rektor der Freien Theologischen Hochschule in Gießen und Professor für Christliche Ethik und Apologetik, beobachtete jedoch eine gesellschaftliche Tendenz der Verdrossenheit gegenüber dem politischen System und anderen Institutionen. Allerdings sei Politikverdrossenheit gerade in Deutschland „völlig fehl am Platz“. Er sei „dankbar für die deutschen Politiker. Das sind Menschen mit einem hohen Verantwortungsgefühl für unsere Gesellschaft.“ Außerdem gehe es kaum einem anderen Land so gut wie Deutschland. „Wir sollten Gott dafür preisen.“ Gleichzeitig mahnte Holthaus nachdrücklich, für Politiker und deren konkrete Anliegen zu beten.

Beim Thema Abtreibung warf der Ethiker der Politik und insbesondere der CDU eine „Kapitulation vor dem Zeitgeist“ vor. Zwar sei Abtreibung strafbar, aber die tatsächliche Handhabe führe in der Bevölkerung zu dem Eindruck, sie sei legal. „100.000 Abtreibungen im Jahr sind eine ethische Katastrophe. Ich kann von einem politischen System, das sich ein christliches Menschenbild auf die Fahne schreibt, erwarten, dass Leben geschützt wird.“

Bei diesem Thema sei es für ihn „nicht nachvollziehbar, dass die CDU nichts dazu zu sagen hat“. Politiker sollten offener darüber sprechen, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Abtreibungen wegen problematischer Schwangerschaften durchgeführt werde. Zudem sollte die Politik Initiativen unterstützen, die Frauen bei Konflikten in der Schwangerschaft begleiten. Laschet konterte, dass sein Bundesland genau das tue – und kritisierte seinerseits, dass die Evangelische Kirche hier selbst keine klare Position beziehe.

Entscheidungen können falsch sein

Politik als etwas Demütiges zu betrachten, dafür plädierte Lothar Theodor Lemper, Honorarprofessor für Verfassungstheorie an der Rheinischen Fachhochschule in Köln. „Es geht darum, zu erkennen, dass politische Verantwortung immer in der Begrenztheit unserer Weisheit steht, immer in dem Bezug, dass es einen Höheren gibt – das nenne ich persönlich Gott –, der die Weisheit besitzt, die wir nicht besitzen.“

Deshalb befürworte er auch, dass die Verfassung sich auf Gott bezieht. Auch religiöse Symbole wie das Kreuz in öffentlichen Gebäuden wie Gerichtssälen findet er gut: „Ich bin dafür, dass die Symbole dieses Gottes an den Orten sichtbar werden, wo Verantwortung getragen und Entscheidungen getroffen werden, weil wir immer dem Risiko ausgeliefert sind, einem Irrtum zu unterliegen.“

Die Veranstaltung in der Evangelischen Freikirche Köln-Ostheim am vergangenen Freitagabend stand unter dem Thema „Christ & Demokratie – meine Verantwortung für Politik und Gesellschaft“. (pro)

Von: jst

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Sat, 29 Apr 2017 12:06:00 +0200
<![CDATA[„Downton Abbey“-Schauspieler dreht Jesus-Dokumentation]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/04/29/downton-abbey-schauspieler-dreht-jesus-dokumentation/ Der Schauspieler Hugh Bonneville, bekannt aus der britischen Serie „Downton Abbey“, dreht eine Dokumentation über die letzten Tage des Lebens Jesu. Zwei Wochen lang wird Bonneville in Israel bleiben, um die einstündige Dokumentation zu drehen. „Countdown to Calvary“ (dt. Countdown bis Golgatha) heißt die Produktion, die sich mit den letzten Tagen vor der Kreuzigung Jesu beschäftigt. Mit der biblischen Geschichte ist Bonneville vertraut: Er studierte an der Cambridge Universität Theologie.

Die Dokumentation werde ein politischer Thriller, sagte Ray Bruce, der die Produktion des Films übernimmt. Die Dokumentation fokussiere sich auf die ereignisreiche Zeit zwischen Palmsonntag und der Kreuzigung. „Jesus kam am Sonntag an und starb am Freitag“, erklärt der britische Produzent laut der israelischen Onlinezeitung Times of Israel. „Wir schauen uns die Zeit dazwischen an, mit dem Hauptaugenmerk auf die politischen Machenschaften und Intrigen zwischen den römischen Besatzern, den jüdischen Kollaborateuren und den einfachen Menschen.“

Biblischen Ereignissen näher kommen

Neben der Arbeit und den Gesprächen mit Theologen, Historikern, Schriftstellern und Archäologen wollen die beiden Filmemacher während ihres Aufenthaltes durch Besuche des Ölbergs oder des Garten Gethsemanes den damaligen Ereignissen näher kommen.

Die Dokumentation ist eine Co-Produktion der irischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt RTÉ, des deutsch-französischen Senders ARTE und des amerikanischen Senders PBS. In der Osterwoche kommenden Jahres soll die Produktion im irischen Fernsehen erstausgestrahlt werden. (pro)

Von: lms

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Sat, 29 Apr 2017 11:51:00 +0200
<![CDATA[Putins Maulkorb]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/29/putins-maulkorb/ Ein Kommentar von Nicolai Franz]]> Dass der Weltfußballverband FIFA nicht gerade eine Trutzburg von Rechtschaffenheit und Transparenz ist, ist keine Neuigkeit. Mit seinen internationalen Korruptionsaffären und mafiösen Strukturen erinnerte die Organisation eher an einen James-Bond-Bösewicht als an einen harmlosen Fußballclub. Daran hat sich auch nach dem unfreiwilligen Weggang Sepp Blatters wenig geändert. Sein Nachfolger Gianni Infantino fiel jüngst deswegen auf, weil er unliebsame Mitglieder der eigens eingerichteten „Ethikkommission“ absetzen wollte.

Der jüngste Skandal betrifft die Pressefreiheit. Beim Confed-Cup 2017 in Russland, einer Art Mini-WM mit mäßigem Prestigefaktor, dürfen die akkreditierten Journalisten „ausschließlich über den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten“, so heißt es in der Akkreditierungsbestätigung der FIFA. Was bedeutet: Kritisches abseits des grünen Rasens ist unerwünscht. Keine Kritik an der Menschenrechtslage in Russland, nichts über den Ukraine-Konflikt und schon gar nicht über den russischen Präsidenten. Die Bild-Zeitung titelte folgerichtig: „Fifa kuscht vor Putin!“ Die Zeitung werde keinen Reporter nach Russland schicken, sollte die Pressefreiheit nicht gewährleistet sein.

FIFA rudert zurück

Dabei wäre es eigentlich die größere Überraschung gewesen, hätte Russland den Journalisten vor Ort Pressefreiheit nach westlichen Standards gewährt. Nicht umsonst liegt das Land auf der Rangliste der Pressefreiheit von „Reporter ohne Grenzen“ auf Platz 148 von 180. Noch hinter Staaten wie Bangladesch, dem kriegsgeschüttelten Südsudan oder Gambia.

Nach massiver Kritik von Fußball-Funktionären, Politikern und Journalistenverbänden verschickte die FIFA eine Erklärung, die auch pro erhielt. Es handle sich um ein Missverständnis. Die Akkreditierung für den Confed-Cup gelte schließlich auch als Medienvisum, das die Einreise erleichtere: Akkreditierte Journalisten könnten „an den Spielorten und in den umliegenden Gebieten ohne jede Einschränkung frei arbeiten“. Wer auch woanders und über andere Themen berichten will, könne „jederzeit mithilfe des Standardverfahrens beim russischen Außenministerium ein Medienvisum beantragen“. Die FIFA ruderte also in einem Punkt zurück: Journalisten dürfen vor Ort auch über andere Themen als Fußball berichten. Es bleibt die Einschränkung, dass freie Berichterstattung nur an den jeweiligen Spielorten erlaubt ist.

Alles ein Missverständnis also? Nein. Die Formulierung der FIFA war eindeutig: „Ausschließlich“ über den Confed-Cup und damit verbundene Ereignisse solle berichtet werden – auch wenn der Verband nun, vermutlich nach Verhandlungen mit der russischen Regierung, zurückgerudert ist. Einmal mehr zeigt es sich, dass es ein Fehler ist, Sportveranstaltungen in autoritär geführten Ländern zu veranstalten. Der Vorgeschmack auf die WM 2018 – ebenfalls in Russland – und auf die WM 2022 im islamischen Land Katar, in der die Scharia die Gesetzgebung dominiert, könnte bitterer kaum sein. (pro)

von: nf

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Sat, 29 Apr 2017 11:13:00 +0200
<![CDATA[„Wir zweifeln Glaubenswechsel nicht an“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/04/28/wir-zweifeln-glaubenswechsel-nicht-an/ Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wehrt sich gegen den Vorwurf, es zweifle die Überzeugung von Asylbewerbern, die zum christlichen Glauben übertraten, an. „Jeder Asylantrag stelle stets einen Einzelfall dar, der individuell zu prüfen sei, erklärte Andrea Brinkmann, Pressesprecherin des Amtes gegenüber pro. „Begriffe wie Generalverdacht und Volksverhetzung sind in diesem Zusammenhang daher gleichermaßen unrichtig wie sachlich unangemessen.“

Damit reagiert die BAMF-Sprecherin auf Kritik des religionspolitischen Sprechers der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Beck. Er hatte der Behörde vorgeworfen, sie schüre einen „Generalverdacht gegen sämtliche in Deutschland aufhältige iranische Staatsbürger“, der „möglicherweise die Tatbestandsvoraussetzungen der Volksverhetzung erfüllt“. Spiegel Online zitierte aus einem Brief, den der Politiker an das Bundesamt geschrieben hatte. Das Amt habe immer wieder getaufte und regelmäßig eine Gemeinde besuchende Asylsuchende abgelehnt.

BAMF: Wie lebt Antragsteller Glaube nach Rückkehr ins Heimatland?

Brinkmann erklärt gegenüber pro: „Die Taufbescheinigung bestätigt, dass ein Glaubensübertritt stattgefunden hat, sie sagt aber nichts darüber aus, wie der Antragsteller seinen neuen Glauben bei Rückkehr in sein Heimatland voraussichtlich leben wird und welche Gefahren sich hieraus ergeben.“ Die Klärung dieser Frage sei Bestandteil der persönlichen Anhörung.

„Für Befragungen in der Anhörung zur Konversion gilt, dass sie nicht auf ein reines Glaubensexamen hinauslaufen dürfen.“ Vielmehr gehe es um die Person, „warum hat sie ihren Glauben gewechselt, wie wichtig ist ihr der Glaube, wie hat ihr Umfeld reagiert, wie hat sie ihren bisherigen Glauben praktiziert, was gefällt ihr an ihrem neuen Glauben, was weiß sie über ihn“. In diesem Zusammenhang werde vom Konvertit erwartet, dass er ausführlich schildern könne, welche Beweggründe er für die Konversion hatte und welche Bedeutung die neue Religion für ihn persönlich hat. Aus der Gesamtschau heraus sei schlussendlich eine Entscheidung über die Ernsthaftigkeit des Engagements für die neue Religion zu treffen.

Die BAMF-Pressesprecherin erklärte weiter, bei einer Konversion gehe es im Wesentlichen darum, dass der Antragsteller glaubhaft machen müsse, dass er seine Konversionsreligion bei Rückkehr in sein Heimatland ausüben wird und dass ihm deswegen dort eine asylrelevante Verfolgung drohe. „Das Bundesamt zweifelt aber den durch Taufbescheinigung nachgewiesenen Glaubenswechsel an sich nicht an. Es wird generell unterstellt, dass eine sorgfältige Taufbegleitung von Seiten der christlichen Gemeinden erfolgt ist.“

Ernster Umgang mit Kritik

Brinkmann versicherte, ihre Behörde nehme jede geäußerte Kritik „sehr ernst“, auch die des Grünen-Politikers Beck. Das Amt prüfe die ihm genannten Fälle im Rahmen seiner Qualitätssicherung. Das BAMF werde Beck über die Ergebnisse informieren.

Spiegel Online hatte über der Redaktion verliegende Ablehnungsbescheide aus den vergangenen neun Monaten berichtet. Die Asylbewerber wurden trotz Taufschein und Briefen der Pfarrer zur Beglaubigung der christlichen Konversion abgelehnt. Eine regelmäßige Teilnahme am Gemeindeleben oder pfarramtliche Bescheinigungen ließe nicht „auf eine ernsthafte innere Glaubensüberzeugung schließen“, begründete das Amt laut der Nachrichtenseite. Die Behörde habe bei Abelehnungen des Asylantrags argumentiert, dass die Asylsuchenden in ihrer Heimat keine Verfolgung befürchten müssten, da es iranischen Behörden bekannt sei, dass Iraner ihre Konversion nur vorgäben. Weiter habe das Amt erklärt, „dass sich iranische Staatsangehörige hier in der Bundesrepublik Deutschland ,im Feindesland‘ befinden, und dort ist es durchaus erlaubt, durch Täuschungshandlungen den Feind zu überlisten“. (pro)

Von: mab

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Fri, 28 Apr 2017 16:50:00 +0200
<![CDATA[Generalverdacht gegen Konvertiten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/04/28/generalverdacht-gegen-konvertiten/ Wie Spiegel Online am Donnerstag berichtete, haben es Flüchtlinge, die beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) als Asylgrund ihre Glaubensüberzeugung und das Risiko der Verfolgung in ihrem Heimatland angeben, immer schwerer. So lägen der Redaktion Ablehnungsbescheide aus den vergangenen neun Monaten vor, die trotz Taufschein und Briefen der Pfarrer zur Beglaubigung der christlichen Konversion abgelehnt wurden. Das Bundesamt begründet die Ablehnung laut Spiegel Online damit, dass eine regelmäßige Teilnahme am Gemeindeleben oder pfarramtliche Bescheinigungen nicht „auf eine ernsthafte innere Glaubensüberzeugung schließen“ ließen.

Den Feind durch Täuschung überlisten?

Das Amt argumentiert weiter, „dass sich iranische Staatsangehörige hier in der Bundesrepublik Deutschland ,im Feindesland‘ befinden, und dort ist es durchaus erlaubt, durch Täuschungshandlungen den Feind zu überlisten“. Das BAMF argumentiert weiter, dass die Asylsuchenden in ihrer Heimat keine Verfolgung befürchten müssten, da es iranischen Behörden bekannt sei, dass Iraner ihre Konversion nur vorgäben.

Vorangegangen waren Hausdurchsuchungen und Verhaftungen in verschiedenen Bundesländern. Iraner sollen gezielt nach Deutschland geschleust und für das Asylverfahren geschult worden sein. Dabei sei ihnen geraten worden, sich als konvertierte Christen auszugeben, weil das ihre Chancen auf Asyl verbessere. Ganz gezielt sollen sie etwa biblische Gleichnisse auswendig gelernt haben. Es ist bekannt, dass das Bundesamt die Redlichkeit der christlichen Konversion unter anderem durch Fragen zum Glauben prüft.

Beck: „haarsträubende Begründung des BAMF“

Der religionspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker Beck, hat das Bundesamt für Migration nun scharf kritisiert. Er twitterte am Donnerstag: „Die Begründung der ablehnenden BAMF-Bescheide ist haarsträubend.“ Spiegel Online zitiert aus einem Brief, den er jüngst an das Bundesamt geschrieben hat: Die Behörde schüre einen „Generalverdacht gegen sämtliche in Deutschland aufhältige iranische Staatsbürger“, der „möglicherweise die Tatbestandsvoraussetzungen der Volksverhetzung erfüllt“. Weiter heißt es: „Jedenfalls ist es nicht zulässig, aus der Staatsangehörigkeit von Asylsuchenden darauf zu schließen, dass sie wahrheitswidrige Angaben in Täuschungsabsicht machen.“

Das BAMF wies die Vorwürfe am Donnerstagnachmittag gegenüber pro zurück. Andrea Brinkmann, Pressesprecherin des Amtes, sagte: Das Bundesamt zweifle „den durch Taufbescheinigung nachgewiesenen Glaubenswechsel an sich nicht an. Es wird generell unterstellt, dass eine sorgfältige Taufbegleitung von Seiten der christlichen Gemeinden erfolgt ist“.

Der Umgang des BAMF mit asylsuchenden christlichen Konvertiten steht schon länger in der Kritik. Neben Beck hat auch Reformationsbotschafterin Margot Käßmann die Behörde bereits dafür gerügt, den Glauben von Geflüchteten durch die Abfrage von Religionswissen zu testen. „Über die Ernsthaftigkeit eines Taufbegehrens entscheidet die Kirche, nicht der Staat“, sagte sie im März gegenüber pro, und weiter: „Mein Beruf ist Pfarrerin. Fast elf Jahre lang war ich Landesbischöfin einer Landeskirche mit rund 2.000 Pastorinnen und Pastoren. Niemand von uns tauft einfach mal so oder um einem Täufling einen Aufenthaltstatus zu sichern.“

Leidtragende sind die Christen

pro hatte zuvor darüber berichtet, wie das BAMF den Glauben Asylsuchender prüft. Dazu werden in Anhörungen Fragen zum Religionswissen gestellt, etwa „Wie starb Martin Luther?“ oder „Wie lautet ihr Taufspruch und warum haben Sie sich diesen ausgesucht?“ Auf Basis solcher Gespräche bewertet die Behörde den Antrag auf Aufenthalt - und schiebt nun offenbar immer häufiger ab.

Der Berliner Pfarrer Gottfried Martens, in dessen Gemeinde sich in den vergangenen Monaten hunderte iranische Konvertiten taufen ließen, schrieb dazu am Mittwoch auf Facebook und in Richtung des BAMF: „Man unterhält sich mit den Kirchen - und bleibt doch fest davon überzeugt, dass man besser als die Seelsorger erkennen kann, wer sich ernsthaft dem christlichen Glauben zugewandt hat und wer nicht. [...] Die vielen ernsthaften Christen, denen das BAMF zu Unrecht unterstellt hat, sie hätten sich nur aus asyltaktischen Gründen dem christlichen Glauben zugewandt (allein in unserer Gemeinde mittlerweile 200!!), bleiben dabei die Leidtragenden.“ (pro)

Von: al

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Fri, 28 Apr 2017 13:34:00 +0200
<![CDATA[„Söhne Mannheims“: Soundtrack zu Pegida?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/28/soehne-mannheims-soundtrack-zu-pegida/ Ein Kommentar von Moritz Breckner]]> „Mein großes Vorbild ist Jesus“, bekannte der Sänger Xavier Naidoo noch 2014 in der ARD, wo er im Nachtmagazin als „bekannt als überzeugter Christ“ vorgestellt wurde. Der Sänger der „Söhne Mannheims“, einer multikulturellen Pop-Gruppe („Und wenn ein Lied“) hatte damals Ärger, weil er in Berlin bei einer Kundgebung der „Reichsbürger“ auftrat und Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 und der Souveränität Deutschlands verkündete.

Sänger und Band haben vergangene Woche das Album „MannHeim“ veröffentlicht, und es enthält Texte, die für Empörung sorgen müssen. Im Lied „Marionetten“ heißt es offensichtlich in Richtung Politiker: „Alles nur peinlich und sowas nennt sich dann Volksvertreter. Teile Eures Volks nennen Euch schon Hoch- beziehungsweise Volksverräter.“ Dass es hier um mehr als eine kritische Zustandsbeschreibung geht, lässt sich klar heraushören: „Eure Parlamente erinnern mich stark an Puppentheater“, heißt es im Lied, „ihr wandelt an den Fäden wie Marionetten, bis wir euch mit scharfer Schere von der Nabelschnur Babylons trennen“.

Im Lied wird plötzlich der Slogan des ZDF, „Mit dem Zweiten sieht man besser“ zitiert, im musikalischen Umfeld dazu droht Naidoo: „Alles wird vergeben, wenn ihr einsichtig seid, sonst sorgt der wütende Bauer mit der Forke dafür, dass ihr einsichtig seid“. Der wütende Bauer mit der Mistgabel – da war doch mal was. Der Deutsche Journalisten-Verband erstattete 2016 Anzeige gegen die Pegida-Aktivistin Tatjana Festerling: Sie hatte gefordert, die „volksverhetzenden Eliten mit Mistgabeln aus den Parlamenten, den Gerichten, den Kirchen und den Pressehäusern zu prügeln“.

Der deutsche Michel und Muslime als neue Juden

Ist es Paranoia oder böse Absicht, hier mehr als Zufall zu vermuten? Natürlich ist überspitzte und künstlerische Kritik an Politik und Medien erlaubt, sogar notwendig. Es lässt sich aber nicht schönreden: Die „Söhne Mannheims“ bedienen mit ihren neuen Texten die Sprache von Pegida-Demonstranten, jede andere Interpretation fällt schwer. Würde die als rechts verschriene Band „Frei.Wild“ derartige Texte zum Besten geben, wäre der Aufschrei groß.

Im Lied „Der deutsche Michel“ geht es um ebendiesen, der sich in falscher Sicherheit wiegt, in Wahrheit aber auf einem Altar geopfert wird, Medienkritik inklusive: „Was wenn das nicht stimmt? – Wenn was nicht stimmt? Du glaubst doch nicht wirklich, dass unsere Nachrichten nicht nachgerichtet sind.“ Das rechts-außen-Magazin Compact dankte Naidoo für seinen „Mut“ im Kampf für die Freiheit und Souveränität Deutschlands.

Ebenfalls auf dem Album enthalten ist das Lied „Nie wieder Krieg“, das bereits 2015 auf der Facebook-Seite des islamophilen Aktivisten Jürgen Todenhöfer veröffentlicht wurde und für einen Sturm der Entrüstung sorgte. „Muslime tragen den neuen Judenstern, alles Terroristen, wir haben sie nicht mehr gern, es ist einfach nur traurig, die alten Probleme im Dritten Jahrtausend nach Christus“ – Medien wie die Süddeutsche Zeitung werteten diese Textzeile als Verharmlosung des Leides der Juden während der Nazidiktatur. Solidarität mit Muslimen passt zunächst nicht ins Bild einer CD mit Pegida-freundlichen Texten. Ein Schuh wird dennoch daraus: Bei Kritik an Juden, Israelis, Amerikanern und dem Westen überschneiden sich die Weltbilder mancher Pegida-Teilnehmer und mancher Muslime. Naidoo puzzelt sich seine Perspektive irgendwie zusammen.

„MannHeim“ ist ein Album, das diskutiert und kritisiert werden muss. Es ist zwar völlig legitim, die Politik der Bundesregierung zu kritisieren. Hier aber werden darüber hinaus Vokabular und Ideologien in den musikalischen Mainstream getragen, die sich bislang weitestgehend am Rand tummelten. Das muss auch all denen zu denken geben, die in Xavier Naidoo einen prominenten „Vorzeigechristen“ sehen. (pro)

Von: mb

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Fri, 28 Apr 2017 11:31:00 +0200
<![CDATA[Christen marschieren gegen Antisemitismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/04/28/christen-marschieren-gegen-antisemitismus/ Der „Marsch des Lebens“ ist für gewöhnlich nicht der Ort für aktuelle politische Statements. Christen und Juden kommen dabei seit zehn Jahren in verschiedenen Städten weltweit zusammen, um gegen Antisemitismus, Rassismus und Israelfeindlichkeit zu demonstrieren. Zentral ist immer die Erinnerung an den Holocaust, begleitet von Schuldbekenntnissen junger Menschen, deren Vorfahren an der Verfolgung von Juden im Dritten Reich beteiligt waren. So war es auch am Donnerstagabend in Berlin. Mehrere hundert Demonstranten schwenkten vor dem Brandenburger Tor Israelflaggen, lauschten den Erinnerungen Überlebender der nationalsozialistischen Schreckenstaten und marschierten anschließend gemeinsam zum Holocaustmahnmal.

„Gott liebt Israel“

Geladener Sprecher war dieses Mal allerdings neben dem israelischen Botschafter Yakov Hadas-Handelsman auch der israelische Minister im Büro des Premierministers, Ayoob Kara. Der Druse nutzte seinen kurzen Auftritt, um die aktuellen diplomatischen Verwerfungen zwischen seinem Chef Benjamin Netanjahu und dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel zu thematisieren. Erster hatte ein Treffen mit Gabriel in dieser Woche abgesagt, weil dieser sich bei seinem Staatsbesuch mit israelkritischen Menschenrechtsorganisationen traf.

Dazu erklärte Kara, das Handeln des deutschen Ministers habe bei ihm Verstimmungen ausgelöst. „Wie kann Deutschland über Israel sagen, dass es ein Demokratiedefizit gibt?“, fragte er und reagierte damit auf die breite öffentliche Kritik an der Absage Netanjahus. „Unsere Feinde sind auch die Feinde Deutschlands“, sagte er. Nicht Israel sei das Problem im Nahen Osten, sondern der Extremismus. „Gott liebt Israel und stellt sich zu Israel“, erklärte er vor teils prominenten Zuhörern wie den Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) oder Steffen Bilger (CDU).

Botschafter Hadas-Handelsman ließ die aktuellen Nachrichten außen vor. Dass es heute noch Antisemitismus gebe, sei eine Schande. „Wer weiß schon, welche Minderheit es als nächstes trifft“, warnte er. Organisator Jobst Bittner, der auch Leiter der freikirchlich-charismatischen Bewegung „Tübinger Offensive Stadtmission“ (TOS) ist, stellte fest: „Schweigen tötet, damals wie heute.“ Judenfeindlichkeit sei wieder fest in der Gesellschaft verankert und äußere sich häufig in Israelkritik. Ziel der Märsche des Lebens sei es deshalb, zu erinnern, zu versöhnen und ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

Die Veranstalter geben an, seit 2007 350 Märsche in 14 Ländern organisiert zu haben. Diese orientieren sich oft an den Strecken tatsächlicher Todesmärsche während des Naziregimes. Die Initiative arbeitet mit Christen verschiedener Kirchen und jüdischen Gemeinschaften zusammen. Doch die Bewegung ist nicht unumstritten. Landeskirchenvertreter kritisierten in der Vergangenheit unter anderem, die Veranstalter verbreiteten einen Glauben an Geister und Dämonen sowie ein fragwürdiges Konzept von Buße und Versöhnung. Andererseits wurde der „Marsch des Lebens“ 2011 bereits durch die israelische Knesset gewürdigt. (pro)

Von: al

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Fri, 28 Apr 2017 09:19:00 +0200
<![CDATA[Der Versuch eines Dialogs]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/04/27/der-versuch-eines-dialogs/ Inmitten aufgeregter Zeiten besucht Papst Franziskus die bedeutendste Lehreinrichtung des sunnitischen Islam in Ägypten, die Al-Azhar-Universität in Kairo. Das Oberhaupt des Vatikans will auf diese Weise den Dialog zwischen Christen und Muslimen beleben. Doch diese Herangehensweise hat in den vergangenen Jahren bereits für Unmut gesorgt. „Es ist in Teilen der ägyptischen Gesellschaft, aber auch innerhalb der Universität sehr umstritten, sich mit westlichen Christen, den sogenannten Lateinern, zu beschäftigen“, erklärt der Publizist Alexander Görlach in Christ & Welt, einer Beilage der Wochenzeitung Die Zeit. Er war einst selbst als Student an der Al-Azhar eingeschrieben. Die Ägypter trennten zwischen Kopten, die zum eigenen Land gehörten, und den westlichen Christen, denen sie eine Nähe zu Amerika, dem Kapitalismus und der Dekadenz unterstellten.

Darüber hinaus gebe es im Islam den Leitgedanken, dass alles, was nicht islamisch ist, einen zweiten Rang einnehmen müsse. „Nach islamischer Vorstellung dürfen sie keine neue Kirchen bauen, sofern keine Moschee daneben errichtet wird“, sagt der katholische Theologe Görlach. „Das Christentum und der Islam, die Kulturen, die aus diesen Religionen erwachsen sind, schließen sich an etlichen Stellen gegenseitig aus.“ Die gegenseitigen Werturteile seien tief verankert. „Für die Zukunft braucht es einen neuen Dialog“, meint er.

„Der Dialog mit Al-Azhar ist wichtig“

Görlach empfindet die Al-Azhar-Universität vielmehr als Missionsschule denn als Universität. Junge Ägypter lernten dort keine kritische Wissenschaft, sondern wie man Christen in Europa zum Islam bekehrt. So sei sein Studienaufenthalt als „erster Schritt zu einer Bekehrung“ verstanden worden. „Das ist absurd, was Dialog bedeutet, ist nicht einstudiert und gelernt gewesen. Auch deshalb fand man mit dem Heiligen Stuhl keine Wellenlänge. Doch der Dialog mit der Al-Azhar ist wichtig. Deshalb will der Papst ihn wiederbeleben.“

Alexander Görlach arbeitet seit 2015 an der Harvard-Universität am Center für European Studies und der Divinity School. Der promovierte Linguist und Theologe forscht dort im Bereich Politik und Religion. Darüber hinaus schreibt er für Die Zeit, den Focus und die Wirtschaftswoche. (pro)

Von: ak

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Thu, 27 Apr 2017 17:27:00 +0200
<![CDATA[Joe Johnston verfilmt Bestseller]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/04/27/joe-johnston-verfilmt-bestseller/ Es gibt Neuigkeiten um die Verfilmung des sechsten Bandes „Der silberne Sessel“ der Narnia-Chroniken des irischen Schriftstellers C.S. Lewis. Im vergangenen Herbst wurde bekannt, dass die Finanzierung des vierten Filmes „Der silberne Sessel“ gesichert sei und dieser unter einer neuen Produktionsfirma eine Neuauflage des Narniaabenteuers werden soll.

Nach der Finanzierung steht nun neben dem Namen des Drehbuchautors David Magee, der unter anderem für das Drehbuch von „Life of Pi“ verantwortlich war, auch der Name des Regisseurs fest. Joe Johnston, bekannt durch Filme wie „Jurassic Park 3“ oder „Captain America: The First Avenger“, soll für die Verfilmung des sechsten Bandes Regie führen.

Pevensie-Geschwister stehen nicht mehr im Mittelpunkt

Die ersten drei Filme „Der König von Narnia“, „Prinz Kaspian von Narnia“ und „Die Reise auf der Morgenröte“ spielten zwar weltweit insgesamt 1,4 Milliarden Euro ein, die Einnahmen waren mit jedem weiteren Teil jedoch rückläufig. Das soll das neue Konzept nun ändern. Neben wechselnden Produktionsbedingungen werden voraussichtlich sowohl andere Figuren aus der Feder des Schriftstellers als auch andere Darsteller als in den vorausgegangenen Filmen zu sehen sein. Drehte sich die fantastische Geschichte in den ersten drei Verfilmungen von 2005, 2008 und 2010 noch um die vier Pevensie-Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy, stehen in der neuen Produktion deren Cousin Eustachius Knilch, der in „Die Reise auf der Morgenröte“ zu sehen war, und seine Freundin Jill Pole im Mittelpunkt der Geschehnisse.

Eine Fortführung der ursprünglichen Geschichte mit den Pevensie-Geschwistern wäre auch allein deshalb schwierig, da die Hauptcharaktere der drei Filme nur in den drei schon verfilmten Büchern und noch einmal im letzten Band der Reihe des christlichen Autors vorkommen und die Handlung des neuen Teils einige Jahrzehnte nach der bekannten Geschichte einsetzt. Wann der Film allerdings in die Kinos kommt, ist ebenso wenig bekannt wie der Drehbeginn. (pro)

Von: lms

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Thu, 27 Apr 2017 16:40:00 +0200
<![CDATA[Papst-Reise nach Ägypten „richtige Antwort nach Mordanschlägen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/04/27/papst-reise-nach-aegypten-richtige-antwort-nach-mordanschlaegen/ Papst Franziskus reist nach Ägypten. Der Pontifex muss es während seines Besuchs einerseits schaffen, die verfolgten Christen in der Region zu ermutigen. Andererseits sollten er und der Vatikan nicht noch mehr antichristliche Ressentiment im Land am Nil schüren. Dies schreibt der Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer in einem Beitrag der Zeit-Beilage Christ & Welt. Am Freitag reist Franziskus als zweiter Papst der Neuzeit nach Johannes Paul II. nach Ägypten, um ein Zeichen für den Frieden zu setzen.

Singhammer rechnet dem Besuch des katholischen Kirchenoberhauptes große Bedeutung zu: „Das Zusammenleben der großen Weltreligionen von Christentum und Islam wird nicht unmaßgeblich geprägt von den Zukunftschancen der zahlenmäßig größten verbliebenen christlichen Religionsgemeinschaft in Nordafrika: der Kopten.“ Der CSU-Bundestagsabgeordnete sieht es als „eine kaum wiedergutzumachende Katastrophe für das Verhältnis beider abrahamitischen Weltreligionen“, wenn eine Mehrheit der Kopten in dem muslimisch geprägten Ägypten keine Perspektive für die Ausübung ihres Glaubens sehen und das Land verließen.

Brutalste Gewaltwelle seit Jahrhunderten

Der koptische Papst Tawadros II. und viele Christen unterstützten Präsident Abdel Fattah Al-Sissi, schreibt Singhammer, den der Bundestagsvize vor kurzer Zeit persönlich traf. Kaum ein anderer Staatspräsident in der Region habe „sein eigenes Schicksal mit Fortschritten bei der Religionsfreiheit verknüpft wie Al-Sissi“. Der Ägypter habe Singhammer versichert, den gegenseitigen Respekt der Religionen weiter zu verfolgen. In der geplanten neuen Verwaltungshauptstadt Ägyptens mit 2,5 Millionen Einwohnern wolle Al-Sissi demonstrativ durchsetzen, dass dort die größte Moschee und die größte Kirche neu entstünden.

Die Anschläge auf zwei Kirchen vor knapp drei Wochen in Tanta und Alexandria sendeten eine Botschaft des sogeannten Islamischen Staates: „Für euch Kopten gibt es in Ägypten keinen Platz und keine Zukunft!", heißt es im Text. Singhammer zitiert den ägyptischen Menschenrechtsforscher Samuel Tadros und verweist darauf, dass „die Kopten jetzt [...] die brutalste Gewaltwelle seit dem 14. Jahrhundert [erleiden]“.

Der Papst müsse bei seinem Besuch die Not der Kopten thematisieren und Trost spenden wie auch den Dialog mit dem Islam festigen und möglichst vertiefen. Es sei eine bedeutsame Gratwanderung: „Gerade in Ägypten ist das friedliche interreligiöse Miteinander von existenzieller Bedeutung.“ Der Papst-Besuch komme zur richtigen Zeit. Die Reise sei „strategisch klug, mutig, nicht ohne Risiko, aber die richtige Antwort nach den Mordanschlägen“, schreibt Singhammer. (pro)

Von: mab

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Thu, 27 Apr 2017 16:31:00 +0200
<![CDATA[Luther: Vorbild der Nazis]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/27/luther-vorbild-der-nazis/ Vier Jahrhunderte liegen zwischen Luthers antijudaistischen Schriften und den Novemberprogromen der Nazis. Und doch ist es vermutlich kein Zufall, dass deutsche Synagogen ausgerechnet in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten, an Luthers Geburtstag also. Denn es war der Reformator selbst, der in seiner Schrift aus dem Jahr 1543 mit dem Titel „Von den Juden und ihren Lügen" das Niederbrennen jüdischer Gemeindehäuser forderte. Die Nazis, so vermuten die Macher der Ausstellung „Überall Luthers Worte ..." in der Berliner „Topographie des Terrors", verwiesen mit den Gewalttaten bewusst auf den Reformator, der ihnen als Prototyp des starken Deutschen galt. Ab Freitag können Besucher im NS-Dokumentationszentrum lesen, hören und sehen, wie die Nationalsozialisten sich den Schriften des besonders im Jahr des Reformationsjubiläums so umjubelten Kirchenerneuerers bedienten.

So begingen die Nationalsozialisten etwa 1933 mit viel Tamtam den 450. Geburtstag Luthers. Das Titelblatt der offiziellen Publikation zum „Deutschen Luthertag" zeigt den Reformator als deutschen Herkules, eine dornenbesetzte Keule schwingend und durch seine am Boden liegenden getöteten Feinde watend. Der „Bildbericht für das deutsche Christenvolk" aus demselben Jahr zeigt den „Stamm Luthers", eine Bilderserie, die Luthers Vater und seine mutmaßlichen späteren deutschen Vorfahren porträtiert – ein Verweis auf die Rassenlehre der Nazis. „Luther ist unser!", heißt es in einer Schrift von Kurt Melcher, dem Oberpräsident der Provinz Sachsen von 1933. „Denn er ist aus deutschem Blut und Boden gewachsen", schreibt er weiter, und: „Aus diesem seinem deutschen Geist, der auch der Geist Adolf Hitlers ist, fühlen wir Deutschen des Dritten Reichs uns ihm verbunden."

Größter Antisemit der deutschen Geschichte

„Zum größten Antisemiten der deutschen Geschichte" sei Luther stilisiert worden, erklärte Kurator Ulrich Prehn am Donnerstag bei der Vorstellung der Ausstellung in Berlin. Das Regime habe sich viele Freiheiten genommen, um Luther so zu deuten, wie es Hitler gepasst habe. Und dennoch sei Luther auch schlicht gut geeignet gewesen als deutsche Führerfigur. Aber nicht nur die Nationalsozialisten bedienten sich des ehemaligen Mönchs. Den Beginn der Ausstellung markiert ein Zitat Dietrich Bonhoeffers: „Man fragt sich, warum aus Luthers Tat Folgen entstehen mussten, die genau das Gegenteil von dem waren, was er wollte." Und auch der Titel der Ausstellung ist ein Hinweis auf Bonhoeffer und seine Bekennende Kirche, die den nationalsozialistisch gesinnten Deutschen Christen und Hitler Widerstand leistete: „Überall Luthers Worte und doch aus der Wahrheit in Selbstbetrug verkehrt."

Das gibt einen zarten Hinweis darauf, was die Ausstellung dem Besucher eigentlich mitgeben möchte. Zwar hielten sich die Veranwortlichen bei Nachfragen dazu zurück. Man wolle es dem Besucher überlassen, sich eine Meinung dazu zu bilden, ob Luther sich in seinen Schriften anders ausgedrückt hätte, wären ihm die Konsequenzen bewusst gewesen, erklärte der Direktor der Stiftung „Topographie des Terrors", Andreas Nachama, auf Nachfrage. Dennoch sei er eine Gallionsfigur beider Seiten gewesen. Den Nazis dienten seine späten Schriften, die sie in sogenannten „Volksausgaben" verfielfältigten, als Beleg für die Redlichkeit ihrer Ideologie. Bonhoeffer aber bezog sich ebenso auf Luther, etwa in seinem Werk „Nachfolge" aus dem Jahr 1937, in dem er die Missdeutung des Reformators durch die Deutschen Christen analysierte.

1939 schufen die Nationalsozialisten ausgerechnet auf der Wartburg ein Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben. Ergebnis waren unter anderem ein Neues Testament ohne Bezüge zum Alten und ein „judenreiner" Katechismus für die Schule. Außerdem bemühten sich die involvierten Theologen, Jesus als größten arischen Führer zu stilisieren. Der Jude, ein Arier, der Mönch, ein Nationalsozialist. „Überall Luthers Worte ..." zeigt: Dem, der sich der Sprache zu bedienen weiß, ist nahezu alles möglich. (pro)

Von: al

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Thu, 27 Apr 2017 15:53:00 +0200
<![CDATA[Schleuser-Netzwerk zerschlagen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/04/27/schleuser-netzwerk-zerschlagen/ Der Polizei ist am Dienstag ein Schlag gegen einen Schleuserring gelungen. Die Razzia richtete sich gegen Schleuserkriminalität und Asylmissbrauch. Der Einsatzleiter der Bundespolizei Helgo Martens kritisierte das System als „perfiden Versuch, das Asylgrundrecht zu unterlaufen“. Im Fokus der Ermittlungen stehen der 37-jährige Iraner Hadi K., 54-jähriger Deutscher und ein Anwalt aus der Nähe von Hannover. Sie hatten dem BAMF falsche Bekehrungsgeschichten erzählt, um die Aufenthaltschance der Flüchtlinge zu erhöhen.

Die Ermittler durchsuchten eine Kanzlei in der Landeshauptstadt sowie bundesweit weitere 22 Wohnungen und Arbeitsplätze von möglichen Mittätern. Im vergangenen Jahr hatten sie eine hohe zweistellige Zahl an Taten dokumentiert und Haftbefehle erwirkt. Laut Bundespolizei sollen sich mindestens 700 Asylsuchende mit Hilfe der Beschuldigten einen Aufenthaltstitel erschlichen haben.

Zentrale Bibelstellen gelernt

Bei Hadi K. fanden die Ermittler laut Tageszeitung „Die Welt“ eine Schreckschusswaffe und gefälschte Dokumente. Er soll von der Ausreise bis zum erfolgreichen Antrag alles für Flüchtlinge organisiert haben. Viele seien nur zum Schein zum Christentum konvertiert und hätten dafür zentrale biblische Geschichten auswendig gelernt und Gottesdienste besucht.

„Die Schleuser sollen den Menschen auch geraten haben, sich am besten schon in ihrem Heimatland mit einem Kreuz fotografieren zu lassen“, schreibt die Zeitung. Neben der Vorbereitung auf die Asylverfahren erhielten sie auch geschönte Identitäten. Mit einem christlichen Lebenslauf hätte Flüchtlinge „subjektive Nachfluchtgründe“ erhalten.

Für diesen Vorgang sollen die Beschuldigten von den Flüchtlingen zwischen 7.000 und 12.000 Euro kassiert haben. Für ihre Dienste haben sie laut Polizei mit einer Facebook-Seite geworben. Laut der Tageszeitung rieten sie den Flüchtlingen vor allem kleine, dörfliche Gemeinden aufzusuchen, um sich dort taufen zu lassen.

Neubearbeitung der Fälle durch das BAMF

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover. Die juristischen Vorwürfe lauten „Einschleusen von Ausländern“ und gewerbsmäßige „Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragstellung“. Schleusern drohen Freiheitsstrafen zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Für den Asylbetrug kann es bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe geben. Für das Bundesamt für Migration bedeutet das, dass sie etliche Fälle nochmals überprüfen muss. (pro)

Von: jw

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Thu, 27 Apr 2017 14:27:00 +0200
<![CDATA[Papst gibt TED-Talk: „Macht ist wie Gin auf leeren Magen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/27/papst-gibt-ted-talk-macht-ist-wie-gin-auf-leeren-magen/ „Je mächtiger man ist, desto mehr werden sich die eigenen Handlungen auf andere auswirken, desto mehr ist man verpflichtet, demütig zu handeln. Ansonsten wird Ihre Macht Sie und andere ruinieren“, sagte der Argentinier in der Videobotschaft, die im Vatikan aufgenommen und am Dienstagabend (Ortszeit Vancouver) übertragen wurde.

„Es gibt ein Sprichwort in Argentinien: Macht ist wie Gin auf leeren Magen zu trinken. Man fühlt sich schwindlig, betrinkt sich, verliert seine Balance und schadet schließlich sich selbst und allen um einen herum, wenn man seine Macht nicht mit Demut und Zärtlichkeit verbindet.“ Zugleich appellierte der 80-Jährige an Wissenschaft und Technologie, niemanden zurückzulassen. „Wie wunderbar wäre es, wenn das Wachstum der Wissenschaft und technologische Innovation mit mehr Gleichheit und sozialer Integration einhergehen würden.“

Die TED-Konferenzen gehören zu den bedeutendsten Plattformen für den Austausch innovativer und kreativer Ideen. Zu den Rednern gehören Spitzenleute der Wissenschaft, Technologie, Wirtschaft aber auch aus Politik und Kultur. Für die TED-Talks werden Videos ins Netz gestellt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. (pro)

von: js/dpa

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Thu, 27 Apr 2017 11:09:00 +0200
<![CDATA[Der Verunglimpfung abgesagt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/26/der-verunglimpfung-abgesagt/ Eine Analyse von Daniel Frick]]> Er hat es tatsächlich getan. Der israelische Regierungschef beschwört diplomatisches Gewitter herauf, indem er den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel brüskiert. Kurz vor einem geplanten Treffen erteilte Benjamin Netanjahu dem SPD-Politiker eine Absage. Netanjahu machte damit das wahr, was er zuvor angekündigt hatte: Wenn sich Gabriel mit israelkritischen Organisationen trifft, platzt das Treffen. Brüskiert hatte im Übrigen auch Gabriel den israelischen Premier: Als Netanjahu Gabriel via Telefon seine Maßnahme erklären wollte, nahm dieser einfach nicht ab.

Für die berichtenden deutschen Journalisten tat sich nun eine einfache Rechnung auf: Organisationen wie „Das Schweigen brechen“, die angebliche Kriegsverbrechen oder sonstige Untaten der Armee aufdecken möchte, oder die siedlungskritische „B’Tselem“ werden unkritisch zu „Menschenrechtlern“ erklärt. Netanjahu, der etwas gegen ein Treffen mit ihnen hat, steht damit unweigerlich auf der Seite derjenigen, die Menschenrechte brechen. Putin und Erdogan lassen grüßen.

Aufklärung tut not

Kaum ein Medium in Deutschland bemühte sich jedoch, die Organisationen näher zu beleuchten. Auf diese Weise erfuhr das Publikum nicht, mit welchen Mitteln etwa „Das Schweigen brechen“ arbeitet. Einer der Mitbegründer der Organisation, Jehuda Schaul, hatte das Gerücht in die Welt gesetzt, wonach Siedler das Wasser von Palästinensern vergiften. Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas griff dieses antisemitische Klischee bereitwillig in seiner Rede vor dem EU-Parlament Ende Juni 2016 in Brüssel auf. Applaus erhielt er vom damaligen EU-Parlamentspräsidenten und heutigen SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz.

Auch sonst wird in Deutschland niemand darüber aufgeklärt, dass „Das Schweigen brechen“ mit gänzlich oder teilweise falschen „Zeugnissen“ hantiert. Das haben israelische Journalisten von der Sendung „HaMakor“ (Die Quelle) herausgefunden, die nach eigener Aussage mit der Bewegung sympathisieren. Schwierig ist zudem, dass die Aussagen anonymisiert und damit nicht nachweisbar sind. Die Organisation gibt vor, dies sei zum Zeugenschutz nötig.

Der feine Unterschied

Mit anderen Worten: „Das Schweigen brechen“ ist beileibe keine Organisation, der es schlicht darum geht, Menschenrechtsverletzungen anzusprechen. Die Methoden scheinen vielmehr das zu rechtfertigen, was Bildungsminister Naftali Bennett aus aktuellem Anlass über die Organisation sagt: „Es ist keine gegen Netanjahu gerichtete Organisation, es ist eine gegen die Armee gerichtete.“ Netanjahus Büro lieferte nach der Absage eine Erklärung nach, die in diese Richtung geht: „Die Politik von Premierminister Netanjahu ist, sich nicht mit ausländischen Besuchern zu treffen, die auf diplomatischen Trips in Israel wiederum Gruppen treffen, die israelische Soldaten als Kriegsverbrecher verleumden.“

Eben weil es offenkundig nicht um bloße Kritik, sondern um Verunglimpfung geht, ist auch der Vergleich schräg, den Gabriel am Morgen im ZDF bemühte. „Man muss sich mal vorstellen, der israelische Premier, der ja auch Außenminister ist, würde nach Deutschland kommen, würde sich mit Kritikern der Regierung treffen wollen und wir würden sagen: Du, das geht nicht. Das wäre ja undenkbar.“

Winden um die Fakten

Zudem wird Netanjahu nun nicht vermutet haben, dass Gabriel seinerseits den Aktivisten diese Verunglimpfung von Staat und Armee vorhält. In der Vergangenheit ist es im Gegenteil mehrmals vorgekommen, dass Politiker der SPD, die die Nähe zur Abbas-geführten Fatah sucht, allzu gerne das glauben, was ihnen erzählt wird. Im Jahr 2014 präsentierte Martin Schulz in seiner Funktion als EU-Parlamentspräsident das als Faktum, was ihm ein Palästinenser über die Wasserversorgung vorgaukelte.

Eine Hingabe an Fakten ließ auch der heutige Bundespräsident und damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier vermissen. Im September 2016 weigerte er sich zunächst, mögliche Terrorfinanzierung durch deutsche Steuergelder auch nur in Betracht zu ziehen. Nur wenige Wochen später gestand er zumindest die Möglichkeit zu. Der Grünen-Politiker und Vorsitzende der Israel-Gruppe im Bundestag Volker Beck kommentierte diese Haltung als „unbegreiflich“.

Unkritische Haltung gegenüber Palästinensern

Ob das alles Faktoren waren, die Netanjahu letztlich zu der Absage bewegt haben, sei dahingestellt. Fest steht, dass eine laxe Haltung, wie Steinmeier sie an den Tag gelegt hatte, für Israel nichts anderes als Fortsetzung von Terrorismus bedeutet. Das allerdings interessiert in Deutschland kaum jemanden. Israelis werden auch registrieren, dass Abbas in aller Welt hofiert wird, obwohl er Palästinenser, die Juden töten, gerne mal als „Märtyrer“ bezeichnet. In Deutschland durfte er zuletzt sogar einen Preis in Empfang nehmen wegen seiner angeblichen „Geradlinigkeit, Offenheit, Menschlichkeit und Toleranz“.

Auch das war in Deutschland keine Empörung wert. Diese unkritische Haltung ist nicht nachvollziehbar, nicht für neutrale Beobachter, schon gar nicht für die Israelis. Dafür richtet sich die „Kritik“ allzugerne gegen die israelische Regierung oder gar den Staat Israel.

Vor diesem Hintergrund bildet ein Außenminister, der sich nun mit Aktivisten trifft, die mehr für Verunglimpfung denn für Kritik stehen, die Spitze des Eisberges. Dass Netanjahu es als unnötig empfindet, das hinzunehmen, ist nachvollziehbar.

Es ist nicht so, dass deutsche Politiker im Umgang mit Israel nichts dazulernen könnten; dazu gehört die Unterscheidung zwischen Verunglimpfung und Kritik. Oder, wie Staatspräsident Reuven Rivlin es formulierte: Kritik, die auf dem Boden der Realität stattfindet. Mit Rivlin traf sich Gabriel übrigens auf seiner Nahostreise. Je nach Anstieg der Lernkurve werden auch andere Treffen mit hochrangigen Politikern in Zukunft wieder möglich sein. (pro)

Von: Daniel Frick

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Wed, 26 Apr 2017 14:37:00 +0200
<![CDATA[Pressefreiheit bleibt weltweit eingeschränkt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/04/26/pressefreiheit-bleibt-weltweit-eingeschraenkt/ Weltweit sind Journalisten bei ihrer Arbeit eingeschränkt, berichtet die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG). Zu der Verschlechterung der Lage für Journalisten weltweit beigetragen hätten medienfeindliche Rhetorik führender Politiker, restriktive Gesetze und politische Einflussnahme in Demokratien, heißt es in dem Bericht von ROG. In Ländern wie den USA, Polen oder Großbritannien trügen Spitzenpolitiker ihre Geringschätzung gegenüber Journalisten offen zur Schau. Auch das rücksichtslose Vorgehen der Regierungen in Ländern wie Ägypten oder Burundi habe zur weltweiten Verschlechterung beigetragen.

ROG-Vorstandssprecher Michael Rediske warnte: „Demokratische Regierungen dürfen den Autokraten der Welt durch Überwachungsgesetze oder demonstrative Geringschätzung unabhängiger Medien keinen Vorwand für ihre Repression gegen Journalisten liefern.“ Immer wieder hätten im vergangenen Jahr Politiker Journalisten verbal angegriffen und Regierungen Gesetze verabschiedet, die Überwachungsbefugnisse der Geheimdienste ausbauen und Whistleblower bedrohen.

Türkei um vier Plätze verschlechtert

Die Rangliste der Pressefreiheit 2017 vergleicht die Situation für Journalisten in 180 Staaten. Grundlagen der Rangliste sind ein Fragebogen zur journalistischen Arbeit sowie die von ROG ermittelten Zahlen von Übergriffen, Gewalttaten und Haftstrafen gegen Journalisten.

Das Land Eritrea hat sich auf der Rangliste um einen Rang verbessert (Platz 179) und steht damit erstmals seit zehn Jahren nicht mehr auf dem letzten Platz. Im Jahr 2016 durften laut RoG einige wenige ausländische Journalisten in das Land reisen und berichten, wenn auch unter strenger Aufsicht. Auf den letzten Platz (180) ist Nordkorea gerückt. Wie Turkmenistan sei dieses Land „eine Diktatur, die die Medien praktisch vollständig kontrolliert“.

Die Türkei hat sich auf der ROG-Liste um vier Plätze verschlechtert und steht nun auf Platz 155. ROG teilt dazu mit: „Seit dem Putschversuch im Juli 2016 hat die Repression gegen unabhängige Journalisten und Medien ein nie gekanntes Ausmaß erreicht. Rund 150 Journalisten sitzen im Gefängnis, etwa 150 Medien wurden geschlossen und Hunderte Presseausweise annulliert.“ Die wenigen noch verbliebenen unabhängigen Medien arbeiteten in ständiger Angst. In den vergangenen zwölf Jahren habe sich die Türkei um insgesamt 57 Plätze auf der Rangliste verschlechtert.

Kroatien um 11 Plätze abgestürzt

Auch in Russland (weiterhin Platz 148) sei die Regierung hart gegen kritische Medien vorgegangen, stellen die Experten fest. „Die Staatsführung ersetzte im größten unabhängigen Medienhaus RBK kritische Journalisten durch kremltreue. Mehrere neue Strafgesetze setzen Internetnutzer verstärkt unter Druck und haben die Massenüberwachung ausgebaut.“

Unter den EU-Mitgliedstaaten hat Kroatien seine Platzierung am meisten verschlechtert. Das Land fiel um 11 Plätze auf Platz 74. Die Regierung des Landes entließ im März 2016 den Generaldirektor des öffentlichen Rundfunks HRT, und ersetzte ihn durch einen regierungstreuen Direktor. Ungarn verschlechtert seinen Platz zum vierten Mal in Folge und landete nun auf Platz 71. Im Oktober 2016 kaufte ein regierungsnaher Oligarch den Verlag Mediaworks, zu dem unter anderem die zwei Wochen zuvor eingestellte Oppositionszeitung Nepszabadsag gehörte.

Wie ROG berichtet, bleiben der Nahe Osten und Nordafrika die gefährlichste Region für Journalisten. So säßen in Ägypten (Platz 161) über 20 Journalisten wegen ihrer Arbeit in Haft – zum Teil seit Jahren ohne Urteil. Weiter heißt es im Bericht, ein vom Präsidenten ernannter Medienrat solle unter anderem die Finanzierung von Medienunternehmen untersuchen, Verstöße gegen die „nationale Sicherheit“ ahnden und das Recht der Bürger auf „freie und wahrhaftige“ Berichterstattung schützen. Im Jemen laufen laut ROG Journalisten Gefahr, durch die Huthi-Rebellen oder Al-Kaida entführt zu werden oder durch Luftangriffe der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition getötet zu werden.

In Syrien habe der jahrelange Krieg das Land zum gefährlichsten Land für Journalisten weltweit gemacht. Das Land steht auf Platz 177 der Rangliste. Anhänger der Taliban und des „Islamischen Staates“ gehen Reporter ohne Grenzen zufolge in Afghanistan (Platz 120) gegen Medienschaffende vor. Im Jahr 2016 wurden mindestens zehn von ihnen wegen ihrer Arbeit getötet.

USA: Verfolgung von Whistleblowern „besorgniserregend“

In China säßen rund 100 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit in Haft. Die Regierung unter Staats- und Parteichef Xi Jinping schrecke vor Entführungen und physischer Gewalt gegen ihre Kritiker nicht zurück, heißt es im Bericht. China steht wie im Jahr zuvor auf Platz 176 der Liste.

Die USA setzten die Medienexperten auf Platz 43 der Rangliste der Pressefreiheit. Sie fielen um zwei Ränge im Vergleich zum Vorjahr. ROG erklärte, die juristische Verfolgung von Investigativjournalisten und Whistleblowern habe „besorgniserregende Ausmaße“ in den USA angenommen. „Immer wieder werden Journalisten wegen ihrer Berichterstattung über Demonstrationen vor Gericht gestellt. Präsident Donald Trump distanziert sich mit seinen systematischen Verunglimpfungen kritischer Medien von der langen Tradition der USA als Hüterin der Pressefreiheit.“

Den ersten und damit besten Platz auf der ROG-Liste musste erstmals seit sechs Jahren Finnland räumen. Das Land fiel auf den 3. Platz. Auf dem ersten Platz der Liste steht nun Norwegen. Deutschland hält sich unverändert auf Platz 16. Reporter ohne Grenzen stellt zur Situation in Deutschland fest: „Im vergangenen Jahr waren Journalisten erneut erschreckend vielen tätlichen Angriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Immer wieder geraten Medienschaffende ins Visier von Strafverfolgungsbehörden oder Geheimdiensten. Bedenklich sind auch gesetzliche Regelungen wie die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung, der neu geschaffene Anti-Whistleblower-Paragraf gegen 'Datenhehlerei' und die neue BND-Gesetzgebung.“

Der globale Indikator, der einen Indikator der Pressefreiheit weltweit darstellen soll, erreichte nach Ansicht von ROG im vergangenen Jahr ein Rekordhoch. Die Experten sehen einen eindeutigen Rückgang der Pressefreiheit weltweit. In den vergangenen fünf Jahren sei der Indikator um 14 Prozent gestiegen.

Die internationale Organisation „Reporters sans frontières“ wurde 1985 gegründet und hat ihren Hauptsitz in Paris. Ein globales Netz entsteht durch über 150 Korrespondenten in vielen Ländern der Erde. (pro)

Von: js

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Wed, 26 Apr 2017 14:34:00 +0200
<![CDATA[Aus Solidarität Kopftuch tragen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/04/26/aus-solidaritaet-kopftuch-tragen/ „Es ist das Recht der Frau sich zu kleiden wie auch immer sie möchte, das ist meine Meinung dazu. Im übrigen nicht nur die muslimische Frau, jede Frau kann ein Kopftuch tragen", sagte Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen in einem Beitrag des TV-Senders ORF vom Dienstagabend anlässlich seiner ersten 100 Tage im Amt. Anschließend erklärte er vor Jugendlichen in Wien: „Und wenn das so weitergeht, bei dieser tatsächlich um sich greifenden Islamophobie, wird noch der Tag kommen, wo wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. Alle, als Solidarität gegenüber jenen, die es aus religiösen Gründen tun."

Mit diesen bereits Ende März aufgezeichneten Sätzen hat das Staatsoberhaupt nun für Schlagzeilen und allerhand Protest gesorgt. Im Internet sorgt sein Zitat für Spott.

Die rechtskonservative Partei FPÖ bezeichnet Van der Bellens Aussage unterdessen als „integrationspolitischen Amoklauf". Die ehemalige deutsche Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder erklärte via Twitter:

Van der Bellen selbst ließ am Mittwoch über seine Facebookseite verlauten, es sei ihm darum gegangen, der Stigmatisierung von Kopftuch tragenden Frauen entgegenzuwirken. Zugleich wünsche er sich von islamischen Glaubensgemeinschaften eine stärkere Distanzierung von Gewalt im Namen der Religion und warnte vor islamisch motiviertem Antisemitismus.

Doch auch auf Van der Bellens Facebookseite protesieren die User. „Ich bin Österreicher und werde niemals auch nicht aus Solitarität (sic!) ein Kopftuch tragen.... Unsere Einwanderer sollten aus Solitarität (sic!) das Kopftuch abnehmen.... Das ist eine Frechheit sowas zu sagen....", kommentiert ein Nutzer. Ein weiterer Kommentator macht den Vorschlag: „Im Hinblick auf die aktuellen Anschläge in Ägypten und die weltweite Verfolgung von Christen wäre es zur Zeit wohl eher angebracht, dass alle Menschen ein Kreuz als Bekundung der Solidarität tragen und zwar JETZT." (pro)

Von: al

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Wed, 26 Apr 2017 14:20:00 +0200
<![CDATA[Saudi-Arabien wird Mitglied in UN-Kommission für Frauenrechte]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/04/25/saudi-arabien-wird-mitglied-in-un-kommission-fuer-frauenrechte/ Saudi-Arabien wurde in die UN-Frauenrechtskommission gewählt. Gleichzeitig ist das islamische Land weltweit dafür bekannt, Frauen zahlreiche grundlegende Rechte vorzuenthalten. Von 2018 bis 2022 soll Saudi-Arabien dennoch dem Gremium für Frauenrechten bei den Vereinten Nationen angehören.

Wie das US-Magazin Newsweek berichtet, soll Saudi-Arabien laut UN „eine dienliche Rolle in der Förderung von Frauenrechten spielen“ und dabei unter anderem die weltweiten Standards für die Gleichheit der Geschlechter und die Bemächtigung der Frau anheben.

„Brandstifter zum Feuerwehrmann gemacht“

In Saudi-Arabien dürfen Frauen fast alle wichtigen Entscheidungen nicht alleine treffen, sondern brauchen die Erlaubnis eines männlichen Vormunds. Darüber hinaus gilt in dem Land die Pflicht zur Vollverschleierung. Für die Einhaltung dieser Regeln sorgte bis 2016 die Scharia-Polizei. In dem arabischen Land dürfen Frauen zudem kein Auto fahren. Die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien ist insgesamt schwierig, etwa auch für Christen: Auf dem Weltverfolgungsindex des Hilfswerks Open Doors liegt das Land auf Platz 14: „Insgesamt befindet sich der Druck auf Christen auf einem extrem hohen Niveau“, schreibt die Organisation in ihrem Bericht.

„Saudi Arabien für den Schutz der Frauenrechte zu wählen ist, als würde man einen Brandstifter zum Hauptfeuerwehrmann in der Stadt machen. Das ist absurd“, twitterte Hillel Neuer, Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation „UN Watch“.

Die UNO-Kommission setzt sich eigentlich für die Beendigung von Diskriminierung gegenüber Frauen sowie die gleichberechtigte Beteiligung von Frauen in Politik und öffentlichen Angelegenheiten ein. Dass nun Saudi-Arabien Mitglied werden soll, liegt an einem komplizierten Wahl- und Rotationsverfahren, das allen Regionen gerecht werden will. (pro)

In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, Saudi-Arabien werde die Kommission auch leiten. Das war nicht zutreffend. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Von: jw

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Tue, 25 Apr 2017 14:09:00 +0200
<![CDATA[Schulz und AfD streiten über Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/04/25/schulz-und-afd-streiten-ueber-kirche/ Beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) vergangenen Samstag in Köln hat das Bundesvorstandsmitglied und der niedersächsische Parteichef Armin Paul Hampel zur Abschaffung der Kirchensteuer und zum Austritt aus der Kirche aufgerufen. Mit dem Satz „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein“ fand Hampel viel Zustimmung unter den Deligierten. Bereits am Freitag machte der baden-württembergische AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen auf Facebook öffentlich, über einen Kirchenaustritt nachzudenken. Wenige Tage zuvor war AfD-Mitbegründer Konrad Adam aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ausgetreten.

Grund für den Unmut: Im Vorfeld des Parteitages hatten sich die Kirchen widerholt kritisch über die Politik der AfD geäußert und sich unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“ an den Protesten von schätzungsweise insgesamt 30.000 Demonstranten gegen den Parteitag beteiligt.

Die Forderung Hampels nahm SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz zum Anlass, sich in Briefen an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zu wenden.

Schulz nannte die Aussagen auf dem AfD-Parteitag einen „ungeheuerlichen Angriff auf die Kirche“, die Vorwürfe der Partei seien „unfassbar und abscheulich“. Die AfD habe auf dem Parteitag in Köln gezeigt, dass es ihr um Spaltung, Provokation und rechten Populismus gehe. Schulz dankte den Kirchen für ihre „klare Haltung“ gegen Ausgrenzung und Hass.

AfD weist Schulz-Kritik zurück

Die AfD reagierte am Dienstag auf Schulz' Äußerungen. Hampel teilte über einen Sprecher mit: „Meine Forderung, die Kirchensteuer nicht mehr durch den Staat einziehen zu lassen, scheint in den Finanzabteilung der beiden Amtskirchen und sogar bei den Sozis eingeschlagen zu haben. Selbst Sozialistenchef Martin Schulz, der bisher durch christliche Tugenden eher wenig in Erscheinung trat, fühlt sich bemüßigt, den Führern der Amtskirchen, die genauso abgehoben sind wie er, im Wahlkampf beizuspringen.“

Der „Euro-Diätenmillionär“ Schulz verkenne hier Ursache und Wirkung. „Wenn ein Bischof Marx und der EKDler Bedford-Strohm einer demokratisch legitimierten Partei ihre Rechte und auch ihre Würde absprechen, dann geht das am christlichen Verständnis des Anderen völlig vorbei.“ Genau wie „unsere Blockparteien“ hätten beide Kirchenführungen den Kontakt zu ihren Schäfchen längst verloren. (pro)

Von: Lms

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Tue, 25 Apr 2017 13:37:00 +0200
<![CDATA[Auf dem linken Auge blind]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/25/auf-dem-linken-auge-blind/ Ein Kommentar von Moritz Breckner]]> Die Zahl von politisch motivierten Gewalttaten Rechtsradikaler ist 2016 um über 14 Prozent gestiegen – auf 1.698 Fälle. Die linksradikalen Gewalttaten sind zwar um 24 Prozent gesunken, aber trotzdem noch leicht höher als die rechtsextremen: Es gab 1.702 Fälle. So steht es in der polizeilichen Kriminalstatistik, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Dass in Deutschland nicht nur rechtsextreme, sondern im ebensogroßen Maße auch linksextreme Gewalt ein Problem darstellt, spiegelt sich in Politik und Öffentlichkeit nur unzureichend wider. 2010 begann die damalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), neben den üblichen Projekten gegen Rechtsextremismus auch die Bekämpfung von Linksextremismus zu fördern. Schröders Nachfolgerin Manuela Schwesig (SPD) strich diese Mittel 2014 und sprach im Zusammenhang mit Linksextremismus gar von einem „aufgebauschten Problem“.

In der öffentlichen Debatte wird rechts- und linksradikale Gewalt mit zweierlei Maß bemessen. Wird ein Politiker von Rechtsextremen per Brief bedroht, wie etwa 2015 der Bürgermeister der sächsischen Stadt Heidenau, Jürgen Opitz, kann er sich – zum Glück – einer Welle der Solidarität aus Politik und Gesellschaft sicher sein. Werden hingegen Anschläge auf Politiker der AfD verübt, regt sich nur verhaltene Kritik. Dabei eskaliert gerade hier die Gewalt: Die Autos der führenden Politikerinnen der Partei, Frauke Petry und Beatrix von Storch, wurden abgebrannt, immer wieder werden lokale Büros der Partei verwüstet, zuweilen werden auch die Privathäuser von AfD-Mitgliedern mit Farbe besprüht oder Scheiben eingeworfen, selbst dann, wenn die Kinder der Politiker zu Hause sind.

Massive Drohungen gegen AfD-Parteitag

Einzelne Politiker anderer Parteien verurteilen auch die Gewalt gegen die AfD, Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) nannte beispielsweise eine geplante Demonstration Linksradikaler vor dem Wohnhaus des AfD-Abgeordneten Björn Höcke eine „Nazi-Methode“. Man stelle sich aber vor, Rechtsradikale würden in einem Maß linke Politiker ins Visier nehmen, wie dies Linksradikale mit der AfD tun – Bürger würden sich zu Lichterketten verabreden, und Manuela Schwesig neue Programme gegen Rechts ins Leben rufen.

Klar ist: Rechtsextremismus ist ein Problem, das bekämpft werden muss. Linksextremismus aber auch. Gezeigt hat sich das jüngst beim Parteitag der AfD in Köln, über den Spiegel-Autor Jan Fleischhauer kommentierte: „Bin ich der Einzige, der es verstörend findet, wenn eine Partei in Deutschland nur noch unter Polizeischutz ihr Programm debattieren kann, und niemand in der politischen Elite des Landes daran etwas auszusetzen hat?“

Bereits vor dem Parteitag hatten Linksextremisten versucht, das Konferenzhotel durch massive Drohungen zu einer Absage zu nötigen. Auf Videos ist zu sehen, wie einzelne AfD-Delegierte von Vermummten umzingelt, angeschrien und geschubst werden. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz twitterte zu den Ereignissen: „Danke unserer Polizei, die an diesem Wochenende in Köln für unsere Sicherheit gesorgt hat!“ Schulz bezieht sich wahrscheinlich auf ein SPD-Konzert „gegen Rechts“, vermittelt aber den Eindruck, als sei die Polizei nicht zum Schutz der Parteitagsbesucher, sondern der Demonstranten vor Ort gewesen.

In einer Demokratie ist politische Gewalt zu verurteilen und zu bekämpfen – auch dann, wenn man für die Opfer ansonsten keine Sympathien hegt. Gewalt von Links ist nicht weniger schlimm als Gewalt von Rechts. (pro)

Von: mb

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Tue, 25 Apr 2017 11:36:00 +0200
<![CDATA[Tröster sein mit Luther]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/04/24/troester-sein-mit-luther/ Martin Luther wuchs in armen Verhältnissen auf, er wurde von Eltern und Lehrern geschlagen. Seine Kindheit war nicht gerade paradiesisch, ebensowenig wie seine Jahre im Kloster. Und auch der Kampf als Einzelner gegen das gesamte Papsttum muss energiezehrend gewesen sein. Ralf Lengen präsentiert in seinem Buch „Luthers Trostkiste “eine Kiste voll mit Ratschlägen, die er bei Luther gelernt hat.

Anlass für das Buch ist zwar auch – wie bei so vielen Büchern in diesem Jahr – das Reformationsjubiläum; Lengen kann aber persönlich davon berichten, wie ihn Luther Trost gespendet hat. Der Autor studierte Griechisch, Latein, Deutsch und Geschichte; er arbeitete als Redakteur für das Radio und Zeitungen.

„Luther war oft krank“, schreibt Lengen. Er hatte Todesangst und manchmal auch -sehnsucht; zwei seiner Töchter starben früh. Lengen stellt fest: „Am überzeugendsten wirkt Trost von jemandem, der das Gleiche erlitten hat und getröstet wurde. Luther hatte daher in vielfacher Hinsicht ideale Voraussetzungen, ein guter Tröster zu sein.“ Und dass Luther ein fleißiger Tröster war, zeigt der Autor anhand vieler Textstellen, bevor es zum eigentliche Trost-Teil kommt.

Das Buch, das in Lengens eigenem Verlag Meistertricks erschienen ist, gliedert sich in drei Abschnitte: Innerer Trost, Äußerer Trost und Göttlicher Trost. Es will sowohl ein Buch sein für Menschen, die Trost suchen, als auch für solche, die gern Trost spenden. Für Letztere hat Lengen drei Tipps extra aufgestellt.

Göttlicher Trost

Lengen braucht für jeden Trost-Tipp – der Autor nennt sie „Tricks“ – jeweils nur eine Seite. Begleitet wird dieser Trick von einem Originalzitat des bekannten Reformators. Es geht um Traurigkeit und wie man sie bekämpft und wann man sie zulassen sollte, wie man das Gute im Schlechten findet, und warum man sich selbst manchmal etwas Gutes tun sollte.

Zum dritten Teil („Göttlicher Trost“) schreibt Lengen: „Das Beste finden wir in Luthers Trostkiste ganz unten: Seiner Erfahrung nach sind die göttlichen Tricks besonders wirksam.“ Es ist vielleicht dieser dritte Teil, der Lengens Buch von anderen, normalen Lebensratgebern, wie sie zigfach in den Buchläden stehen, unterscheidet. Schließlich sind Christen wie auch Luther davon überzeugt, dass, wie Lengen schreibt, „der größte und nachhaltigste“ Trost letzendlich in Gott liegt. „Es gibt nur einen, zu dem sie immer kommen können: Jesus Christus. Er wird da sein, wenn Sie ihn brauchen. Das ist die erste Voraussetzung für den perfekten Tröster.“ Seltsamerweise kommt Lengen auf den in der Bibel genannten „Tröster“ selbst nicht zu sprechen: Jesus kündigte vor Karfreitag an, dass der Heilige Geist als Tröster kommen wird, was ja dann auch zu Pfiingsten passierte. Bei Lengen wird er nicht erwähnt.

Das Buch liest sich gut, die Tipps könnten manchem wirklich helfen, und auch wenn der geistliche Aspekt eher Randthema ist, eignet es sich gut als Geschenk für Menschen, die Trost brauchen oder Tröster werden wollen.

„Leute begeistern, die keine Christen sind“

Er habe einen Ratgeber schreiben wollen und kein theologisches Werk, betont Lengen gegenüber pro. Ihm sei aufgefallen, dass Luther sehr viel über Trost geschrieben habe. „Es gibt immer wieder sehr fromme Autoren, aber wenn es einem richtig dreckig geht, nützten einem fromme Wünsche nicht unbedingt so viel. Luther hat sehr viele praktische Ratschläge gegeben, die auch den äußeren Trost betreffen, also zum Beispiel dass man das Tageslicht sucht, wenn es einem schlecht geht, oder etwas Schönes mit Freunden unternimmt.“

Dass er in seinem Buch nicht auf den heiligen Geist als „Tröster“ einging, bergründet Lengen damit, dass sich sein Buch auch an ein nichtchristliches Publikum richtet. „Ich will Leute dafür begeistern, die keine Christen sind. Deswegen darf das Buch nicht zu fromm daherkommen.“ (pro)

Ralf Lengen: „Luthers Trostkiste: Leichter Krisen überwinden mit dem Reformator“, Meistertricks Verlag, 154 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 9783945788073

Von: js

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Mon, 24 Apr 2017 14:36:00 +0200
<![CDATA[Lebendige Steine statt Glas und Stahl]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2017/04/24/lebendige-steine-statt-glas-und-stahl/ Der amerikanische Fernsehprediger Bobby Schuller entspricht so gar nicht dem Klischee des amerikanischen Fernsehpredigers, das viele Europäer vor ihrem inneren Auge haben. Weder klagt der 35-Jährige über den unmoralischen Zeitgeist, noch verspricht er das Blaue vom Himmel, wenn man ihm nur genug Geld spendet. Stattdessen spricht er davon, wie die lokale Gemeinde ein Segen für ihren Stadtteil werden kann, und auf welche Bedürfnisse der Menschen die Kirchen heute eingehen müssen. Das tut Schuller Woche für Woche in der Fernsehsendung „Hour of Power“, die weltweit über zwei Millionen Zuschauer haben soll. Sie beinhaltet fast den ganzen Gottesdienst seiner Gemeinde, neben Schullers Predigt gibt es traditionelle Kirchenmusik und kurze Interviews mit teils prominenten Christen, die aus ihrem Leben berichten. Schuller ist Pastor der „Shepherd‘s Grove“-Gemeinde in Los Angeles. Zuschauer, die neu hinzukommen, werden kaum um die bewegte Geschichte der TV-Sendung mit dem kraftvollen Namen wissen, die 1955 mit Bobbys Großvater, Robert H. Schuller, begann.

Robert H. Schuller gründete damals eine Gemeinde der Reformierten Kirche Amerikas in einem Autokino in Garden Grove im kalifornischen Orange County, dem Landkreis der Reichen und Schönen südlich von Los Angeles. Mit der Gemeinde wuchsen die benötigten Gebäude, bis 1980 schließlich eine eindrucksvolle Glaskathedrale fertiggestellt wurde. Rund 20 Millionen Dollar kostete der Palast, inklusive Springbrunnen, 30 Meter hohen Flügeltüren und einer Orgel mit 16.000 Pfeifen. Die perfekte Kulisse also, um mit Schullers bereits seit zehn Jahren im Fernsehen übertragener „Hour of Power“ ein noch größeres Publikum zu erreichen. 1989 lief sie als erste christliche Sendung im Fernsehprogramm der Sowjetunion, nach und nach war sie in rund 160 Ländern zu sehen. Bobby Schuller, Jahrgang 1981, beobachtete seinen berühmten Großvater genau. „Er war zu Hause genau der gleiche wie im Fernsehen“, erinnert er sich. „Er sprach lauter als nötig, war euphorisch und liebte es, Leute zu umarmen.“ Dass er selbst eines Tages die Gemeinde leiten würde, ahnte Bobby damals nicht.

Gemeindegründer Robert H. Schuller leitete die Kirche bis 2006, als er seinen Sohn Robert A. Schuller – Schuller junior, Bobbys Vater – zu seinem Nachfolger berief. Damit begann der Wendepunkt für die Crystal Cathedral. „Meine vier Tanten waren mit der Entscheidung nicht einverstanden und fragten sich, ob mein Vater die Kirche in die richtige Richtung führen würde“, beschreibt Bobby Schuller die Situation. Der Streit führte schließlich dazu, dass Schuller junior 2008 von seinem Amt als Hauptpastor zurücktrat und seine Schwester Sheila Coleman Schuller das Ruder der Kirche übernahm. Zur gleichen Zeit wurde bei Schuller senior Alzheimer festgestellt. Durch Familiendrama und Wirtschaftskrise war die Gemeinde längst in Schieflage geraten. 2010 musste sie Insolvenz anmelden. Auch ein eindringlicher Spendenaufruf hatte nicht den entscheidenden Aufschwung gebracht. Der Fami­lienstreit und der Niedergang der Gemeinde samt ihrer pompösen Glaskathedrale wurden zum Gespött der Öffentlichkeit.

Zehn Millionen Zuschauer sind das Ziel

Was klingt wie eine Seifenoper unter der Sonne Kaliforniens, sollte sich als Katharsis für die Gemeinde herausstellen. Und hier kommt Bobby Schuller ins Spiel, der von Kindheit an eine enge Freundschaft mit seinem Großvater hatte, den er als Mentor bezeichnet. Bobby Schuller hat inzwischen geheiratet und Theologie studiert. Mit seiner Frau Hannah gründet er eine eigene kleine Gemeinde, die Schuller 2015 mit dem, was unter Führung seiner Tante Sheila von „Crystal Cathedral Ministries“ übrig ist, fusioniert. Er wird damit Hauptpastor der unter dem Namen „Shepherd‘s Grove“ bekannten Gemeinde. Die ist mittlerweile in ein weniger spektakuläres Gebäude umgezogenen. Die Kirche stabilisiert sich, und Schuller wird als neues Gesicht der „Hour of Power“ den Fernsehzuschauern weltweit bekannt. In den TV-Gottesdiensten erinnert immer noch vieles an die bekannten Gottesdienste in der Glaskathedrale: Die Sänger im Chor tragen ein festliches Gewand, bei einem festen Programmpunkt schütteln sich die Besucher die Hand und sagen: „Gott liebt dich, und ich auch!“ Unterstützt von sieben Auslandsbüros mit 75 Angestellten will Schuller die Welt mit der frohen Botschaft erreichen, von Augsburg aus werden die internationalen Missionsaktivitäten koordiniert. Sein Traum ist es, mit seinen Predigten zehn Millionen Menschen zu erreichen, gerade auch in China.

Gottes Liebe und Gnade in modernen Worten zu beschreiben, ist für Schuller das wichtigste Anliegen. Zu erfahren, dass sie Wert und Würde haben, identifiziert er als die größte geistliche Sehnsucht der Menschen rund um die Welt. „Jesus forderte nicht die religiösen Leute zur Nachfolge auf, sondern ganz normale Arbeiter wie Fischer und Handwerker“, sagt Schuller. „Jesus wurde kritisiert, weil er mit den ‚falschen‘ Leuten zusammen aß, mit Prostituierten und Zöllnern. Von diesem Ausgangspunkt helfen wir Menschen, Christen zu werden: Jesus machte deswegen einen Unterschied, weil er der größte Freund der Sünder war.“

Was Christen in Europa anders machen

Regelmäßig hält Schuller auch Gottesdienste in Kirchen oder Veranstaltungshallen im Ausland ab, um Freunde und Spender der TV-Mission zu treffen. Fünf Städte besuchte er im November in Deutschland. Hierzulande sollen seinen Angaben zufolge bei Bibel TV und Tele 5 etwa 100.000 Zuschauer die „Hour of Power“ sehen. Bei YouTube liegen die durchschnittlichen Klickzahlen für die ins Deutsche übersetzten Predigten im unteren vierstelligen Bereich. Der Kontakt mit den Menschen ist Schuller wichtig, und er genießt auch einen gewissen Star-Rummel: Er gibt Autogramme, posiert herzlich und mit scheinbar endloser Geduld für Fotos und freut sich, dass nicht nur Fans seines Großvaters, sondern auch viele neue Zuschauer hinzukommen. An den Christen in Europa beobachtet er, dass sie politisch breiter aufgestellt sind als die in den USA: „Die Christen in Europa achten mehr auf die Armen und auf die Umwelt, das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt er. Überhaupt hält Schuller sich mit politischen Aussagen zurück. Ein Angebot im Sommer 2016, einer der geistlichen Berater des damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu werden, lehnte er ab – trotz der Chance, dem Republikaner dadurch christliche Werte näherzubringen. „Ich bin von ihm nicht sehr angetan“, begründet Schuller seine Entscheidung vorsichtig, „vor allem aber glaube ich, dass dieser Schritt dem Missionswerk nicht dienlich gewesen wäre. Und das hat für mich Priorität.“

Wenn der Glaube keine Berge versetzt

Die berühmten Predigten von Schuller senior standen ab und an in der Kritik, zu seicht, gar naiv seien seine ständig wiederholten Aussagen vom Glauben, der Berge versetzen kann. Eines seiner Bücher trägt den Titel „Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch tun“. Wunschdenken mit frommem Anstrich, könnte man einwerfen, doch davon will Bobby Schuller nichts wissen. Er will die Lehren seines Großvaters ergänzen, nicht widerrufen. Das gelingt zu weiten Teilen: Seine Predigten beinhalten im direkten Vergleich mit denen seines Großvaters deutlich mehr Bibelauslegung, er hat eine einladende und optimistische Ausstrahlung, ohne dabei aufgesetzt oder naiv zu wirken. „Zu Jesu größter Kritik an seinen Jüngern gehörte, dass sie zu wenig Glauben haben“, begründet er seinen unerschütterlichen Optimismus. „Glaube gefällt Gott. Christ zu sein, heißt zu lernen, aus einer Position des Mutes heraus zu leben.“ Anders als Wunschdenken entstehe Glaube aus dem Wissen heraus, dass man selbst nichts erreichen könne, aber dem Gott des Universums diene, für den nichts unmöglich sei.

Was würde Schuller beispielsweise Menschen raten, die eine tödliche Diagnose von ihrem Arzt erhalten? „Ich will nicht, dass Menschen in dieser Lage aufgeben“, sagt er und verweist auf Fälle, bei denen Betroffene zehn, zwanzig Jahre länger lebten, als zunächst angenommen. Auch auf dem Sterbebett wolle er Menschen „anfeuern, bis zum Schluss zu kämpfen“. Es ist ein schwieriges Thema, aber wer wollte Schuller widersprechen, wenn er erklärt: „Niemand hat ein Recht auf Heilung, aber als Pastor ist es meine Aufgabe, die Hoffnung lebendig zu halten. Und der ganz große Trost ist für mich die Aussicht auf den Himmel.“

Dass der Glaube eben nicht immer Berge versetzt, hat Familie Schuller durch die schmerzliche Insolvenz der Kirche erfahren. Die prachtvolle Kathedrale, das Lebenswerk von Robert H. Schuller, wurde 2012 ans katholische Bistum von Orange County verkauft, 2017 soll der Umbau zu einem katholischen Gotteshaus vollzogen sein. „Es war hart für uns, das Gebäude loszulassen“, berichtet Schuller, aber das habe der Gemeinde gutgetan. „Wir hatten zu viel von unserer Identität an dem Gebäude festgemacht statt an der Lehre. Wir haben die Lehre wiederentdeckt, die sagt, dass wir uns auf die Menschen ausrichten und sie kennenlernen sollen. Die lokale Gemeinde ist aus lebendigen Steinen gebaut, nicht aus Glas und Stahl“, sagt er. In den letzten Jahren der Kathedrale habe das Augenmerk so sehr auf dem Gebäude gelegen, dass man zu wenig gefragt habe, wie den Menschen in der Stadt und der Arbeit des Missionswerkes am besten gedient sei. „Die Gemeinde war mehr Kurator in einem Museum als darauf aus, die Menschen um uns herum zu segnen und auf die Kultur unserer Umgebung einzugehen“, gesteht er ein. Die erste Gemeinde, die Bobby Schuller gründete, hatte für amerikanische Verhältnisse bescheidene 120 Mitglieder und kümmerte sich um Obdachlose und Notleidende in ihrem Viertel. „Wenn wir demütig sind, seinen Willen suchen und ihm gehorchen, dann erreichen wir das meiste für Gott“, sagt er.

Ein Lebenswerk geht weiter

Schuller ist bei Twitter und Instagram aktiv, postet Fotos von seiner Frau und den beiden Kindern, die er auch im persönlichen Gespräch begeistert vorzeigt. Nachrichten von Fans und Unterstützern beantwortet er gerne und häufig, sagt Schuller. Für das Missionswerk bewertet er das Fernsehen weiterhin als wichtiger als das Internet: „Es ist teuer, aber für die Masse an Leuten, die man erreicht, ist es eigentlich recht billig. Fünf Cent investieren wir pro Zuschauer“, erklärt er. Anders als das Internet, wo man aktiv nach Inhalten suche, stießen die Menschen im Fernsehen zufällig auf seine Predigten. „Das ist das Tolle: Die Leute schalten zum Frühstück nebenbei ihren Fernseher an, und dann läuft da ‚Hour of Power‘. Vielleicht werden sie für 30 Sekunden angesprochen, und dann bleiben sie dran. Wir hören viele solcher Geschichten.“ In Bobby Schullers Gemeinde hat übrigens auch sein Vater, Robert A. Schuller, ein geistliches Zuhause gefunden. Er leitet einen Dienst für ehemalige Drogenabhängige und ist bei einer Friedensinitiative engagiert. Die Familie verstehe sich wieder gut.

Bobby Schuller predigt in der dritten Generation unter einem Markennamen, der untrennbar mit seinem Großvater verbunden ist. Während der Senior eine Robe trug und auf einem erhöhten Platz am Altar stand, ist die Bühne in Bobby Schullers Gemeinde der am tiefsten gelegene Punkt des Gebäudes. Bisher trug Bobby bei seinen Auftritten einen schnittigen Anzug. Das seien im Vergleich zu seinem Großvater „einfach kulturelle Unterschiede“, sagte er noch im Herbst. Doch Mitte Januar steht er plötzlich nicht mehr im Anzug, sondern im Ornat vor seiner Gemeinde. „Das ist die Robe, die mein Großvater getragen hat“, sagt er mit tränenerstickter Stimme. „Er gab sie mir, damit ich sie trage, da ist es falsch, sie nur im Schrank hängen zu lassen.“ Die Insolvenz seiner Gemeinde, den Streit und den Verkauf der Kathedrale mitzuerleben, blieb Gemeindegründer Robert H. Schuller wegen seiner Demenzerkrankung erspart. Er starb 2015 im Alter von 88 Jahren. Doch sein Lebenswerk geht weiter. (pro)

Von: Moritz Breckner

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Mon, 24 Apr 2017 11:58:00 +0200
<![CDATA[Mutmaßlicher BVB-Attentäter: Verbindung zu Freikirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/23/mutmasslicher-bvb-attentaeter-verbindung-zu-freikirche/ „Kirchgänger, Elektrotechniker, Außenseiter“, mit diesen Worten beschreibt Spiegel Online Sergej W. Der 28-Jährige steht unter Verdacht, das Bombenattentat auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund durchgeführt zu haben. Drei mit Metallteilen versehene Sprengsätze hatte er offenbar über eine Strecke von zwölf Metern verteilt, an denen der Bus vorbeifuhr. Sergej W. hatte die Bomben offenbar über Funk ausgelöst.

Die Ermittler der Bundesanwaltschaft werfen dem Deutschrussen vor, auf einen Gewinn an der Börse spekuliert zu haben. Er soll sich 40.000 Euro geliehen haben und damit auf einen Kursrutsch der BVB-Aktie gesetzt haben. Am Tatort fand die Polizei drei Bekennerschreiben mit fingiertem islamistischem Hintergrund. Nur durch Glück blieben die meisten Spieler unverletzt.

Die Polizei nahm am Freitagmorgen Sergej W. auf dem Weg zur Arbeit fest. Er arbeitet in einem Heizwerk des Mannheimer Energieversorgers MVV, welches die Uni-Klinik Tübingen versorgt.

Der Spiegel schreibt: „In der Volksmission, einer evangelischen Freikirche in der Nähe der Elternwohnung, besuchte W. gelegentlich den Gottesdienst. Das bestätigt Christoph Fischer, der Pastor der Gemeinde. Der junge Russlanddeutsche habe aber keine Funktionen in der Gemeinde bekleidet.“ Fotos im Internet zeigten W. im Kreis anderer junger Leute beim Weihnachtsbacken in der Freikirche. In einer Mitteilung der Freikirche heißt es: „Wir beten für die Opfer und Betroffenen“.

Die Volksmission Freudenstadt teilte mit, man wolle sich an „Spekulationen über die Tat, den möglichen Täter oder dessen eventuelle Motive“ nicht beteiligen. In einer Erklärung heißt es: „Öffentlich einsehbare Bilder im Internet zeigen, dass Sergej W. in der Vergangenheit wiederholt Gottesdienste und Jugendveranstaltungen der Volksmission Freudenstadt besuchte. Sergej W. war zu keinem Zeitpunkt Mitglied der Volksmission oder in irgendeiner Funktion dort engagiert.“ Die Gemeinde wolle grundsätzlich keine weiteren Angaben zu den Besuchern ihrer Veranstaltungen oder zu seelsorgerlichen Tätigkeiten der Mitarbeiter machen. (pro)

von: js

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Sun, 23 Apr 2017 13:43:00 +0200
<![CDATA[Sonderbeilage zum Reformationsjubiläum in Tageszeitungen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/22/sonderbeilage-zum-reformationsjubilaeum-in-tageszeitungen/ Gott – was heißt das heute? Glauben – wie geht das heute? Kirche – was kann sie heute? Im 500. Jahr der Reformation haben sich die Autoren des Darmstädter Echo, der Allgemeinen Zeitung und des Wiesbadener Kurier auf Entdeckungsreise durch das Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau begeben. Die Beilage zeigt, wem sie auf dem Lutherweg zwischen Alsfeld und Worms begegnet sind, was es an den vielen anderen Reformationsstätten in Hessen und Rheinland-Pfalz im Jubiläumsjahr zu erleben gibt, und was Pfarrerinnen und Pfarrer, Theologiestudierende und Menschen auf der Straße über Luther 2017 denken.

Auf 32 Seiten hat die EKHN eine Sonderbeilage für Samstag, den 22. April, zusammengestellt. In den kommenden Wochen erscheinen die Beiträge auch in anderen Zeitungen der Verlagsgruppe Rhein Main wie etwa dem Gießener Anzeiger, teilte die Kirche mit. Mit den insgesamt aktuell 29 Ausgaben werden so nach Verlagsangaben knapp eine Million Leserinnen und Leser erreicht.

Daneben nimmt in der Beilage auch der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung Stellung zur Zukunft der reformatorischen Gedanken. Der hessen-nassauische Präses Ulrich Oelschläger beleuchtet die Schattenseiten Martin Luthers. Und Reformationsbotschafterin Margot Käßmann fragt nach Sinn und Zweck des Kommerzes rund um das runde Jubiläum. Außerdem gibt es bunte Einblicke in die lebendige Vielfalt des Protestantismus heute und einen Ausblick auf die bevorstehende Weltausstellung der Reformation in Wittenberg. (pro)

von: js

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Sat, 22 Apr 2017 11:30:00 +0200
<![CDATA[Kleine Minderheit reicht, um die Gesellschaft zu destabilisieren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/04/21/kleine-minderheit-reicht-um-die-gesellschaft-zu-destabilisieren/ Der Autor Hamed Abdel-Samad hat bei einem Vortrag in Mittelhessen das Wahlverhalten der Türken beim Referendum scharf kritisiert. Viele gläubige Muslime träumten davon, das Kalifat wiederherzustellen: „Sie wählen einen Kalifen mit Krawatte, der den Traum von einer großen Nation wiederherstellen möchte.“ Dieser „Kalif“ beleidige Deutschland auf übelste Art und Weise und spiele mit den Gefühlen der Menschen.

Vor allem Wähler aus Diktaturen hätten mehrheitlich gegen Erdogan gestimmt. Die Wähler aus den anderen Ländern hätten dem Diktator zu einer Mehrheit verholfen. Abdel-Samad berichtete, dass er viel in Schulen unterwegs sei. Dort gebe es häufig sehr deutliche Präferenzen für den Islamischen Staat und Salafismus: „Eine kleine radikale indoktrinierte Minderheit reicht, um die Gesellschaft zu destabilisieren“, meinte der Autor.

Krawatten-Islam der Hochschüler

Abdel-Samad sieht die Integration der Türken in Deutschland gescheitert, die für Erdogan gestimmt haben: „Integration bedeutet, sich bewusst für diese Gesellschaft zu entscheiden.“ Viele Muslime liefen hinter einer fiktiven Identität her. Eltern müssten Kinder auf die Gesellschaft vorbereiten und keine Mauern aufbauen.

„Ich sehe, wie Kinder mit Skepsis vergiftet werden. Ich glaube, jeder Mensch in diesem Land kann es schaffen, sich zu integrieren, wenn er gut darauf vorbereitet wird. Auch wenn es schwer wird“, betonte Abdel-Samad. Für ihn sei die Islamkritik nicht nur ein Recht, sondern eine Menschenpflicht. Aktuell habe die Religion Grenzen im Namen einer Partei überschritten.

Koran als von Menschen gemacht lesen

Den Koran verglich der Autor mit einem Supermarkt: „Ich finde alle Waren im Koran, aber sie sind nicht richtig sortiert und es gibt kein Verfallsdatum.“ Fundamentalisten läsen den Koran als Manifest. Er selbst lese das Buch als von Menschen gemacht.

Er glaube nicht, dass Allah vor über 1.000 Jahren zu Menschen gesprochen habe – und seitdem nicht mehr: „Erst wenn wir begreifen, dass der Koran von Menschen gemacht wurde, kann man die Widersprüche verstehen.“ Wenn sich der muslimische Glaube zu einem Machtinstrument entwickele, dann beginne der Missbrauch: „Leider war das im Islam schon sehr früh der Fall.“ Es werde problematisch, wenn Religion aus dem Hass eine Tugend mache. „Wenn Religion dem Versager die Option eröffnet, Weltretter zu werden, ist das problematisch.“

Krampfhafter Zwang Muslime zu schützen

Abdel-Samad bilanzierte, dass radikale Ideologen sich oft als Auserwählte fühlten und Verschwörungen schürten. Extremisten seien nicht in der Lage, über den eigenen Schatten zu springen und den Menschen als Menschen zu sehen. Bei vielen Intellektuellen sah er einen krampfhaften Zwang, sich vor Muslime zu stellen. „Viele Muslime reagieren emotional und fühlen sich schnell angegriffen. Wenn Menschen Schwächen des Islams ehrlich benennen und kritisieren, reagieren sie emotional.“

Abdel-Samad sagte weiter: „Der Islam hat Probleme mit sich selbst, mit der Auslegung seines politischen Auftrags und seinen Haltungen zu Gesetzen. Erst wenn er diese Probleme gelöst hat, erübrigt sich Religionskritik.“ Zu dem Vortrag eingeladen hatte die Gesellschaft für Sicherheitspolitik. (pro)

Von: jw

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Fri, 21 Apr 2017 12:44:00 +0200
<![CDATA[„Kritische Journalisten in der Türkei stehen unter Generalverdacht“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/04/21/kritische-journalisten-in-der-tuerkei-stehen-unter-generalverdacht/ pro: Wie wird sich das Referendum in der Türkei auf die Pressefreiheit und die Medienlandschaft in dem Land auswirken?

Anne Renzenbrink: Generell glauben wir, dass der Druck auf die unabhängigen Medien in der Türkei noch weiter zunehmen wird. Es gibt noch ganz wenige „Inseln der Pressefreiheit“. Aber wir sehen schon, dass Erdogan versuchen wird, noch stärkeren Druck auszuüben, um diese letzten kritischen Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Sie sprechen von „Inseln der Pressefreiheit“ – wo sind sie zu finden?

Es gibt noch ein paar, sehr wenige unabhängige Medien und unabhängige Journalisten. Die Zeitungen Cumhuriyet und Birgün sind Beispiele, aber auch das Onlineportal Diken, die noch unabhängig berichten können. Sie arbeiten jedoch momentan unter ständiger Angst und unter ständigem Druck. Erst Donnerstagmorgen wurde bei einer Razzia in Istanbul der Chefredakteur des oppositionellen Onlinemediums Sendika.org festgenommen.

Wenn die wenigen unabhängigen Berichterstatter unter so starker Repression arbeiten, besteht die Gefahr, dass es auf lange Sicht hin keine unabhängige Presse mehr geben wird?

Wie schnell Erdogan nach dem Referendum vorgehen wird, das wissen wir noch nicht. Das hängt alles auch ein bisschen mit dem Ausnahmezustand zusammen, der jetzt nochmal verlängert wurde. Seitdem der Ausnahmezustand nach dem Putschversuch im vergangenen Juli ausgerufen wurde, wurden ungefähr 150 Medien per Federstrich geschlossen. Es ist wichtig, dass wir an die noch bestehenden unabhängigen Medien und die mutigen Kollegen, die kritisch schreiben, erinnern und immer ihre Namen nennen.

Die das aber unter Bedrohung tun.

Absolut. Die Türkei war für uns schon immer ein Land, mit dem wir uns viel beschäftigt haben. Seit dem Putschversuch im vergangenen Jahr hat das extrem zugenommen. Die wenigen noch verbliebenen Medien arbeiten unter ständiger Angst.

Ihre Organisation „Reporter ohne Grenzen“ hat im Vorfeld des Referendums Zweifel an dessen Gültigkeit geäußert. Warum?

Wir hatten gesagt, dass es ein Verfassungsreferendum ohne Medienvielfalt ist. Das Referendum hat im Ausnahmezustand stattgefunden. Der beschäftigt uns seit vergangenem Juli. Um das in Zahlen auszudrücken: Allein in den ersten sechs Monaten seit Verkündung des Ausnahmezustands wurden 150 Medien geschlossen, knapp 800 Presseausweise annulliert, mehr als 100 Journalisten ohne Prozess inhaftiert. Wie soll das Referendum öffentlich diskutiert werden, wenn so viele kritische Medien geschlossen wurden und kritische Stimmen inhaftiert wurden? Es gibt kaum Freiräume für demokratische Auseinandersetzungen, die aber essentiell sind aufgrund der Bedeutung des Referendums.

Was wirft die türkische Justiz den inhaftierten Journalisten vor?

Bei vielen der Journalisten, mit denen wir zu tun haben oder für die wir uns einsetzen, lautet der Vorwurf Terror-Propaganda. Das ist ein völlig absurder Vorwurf. Die Journalisten haben einfach ihren Job gemacht. Sie haben allgemein kritisch berichtet, kritisch über Erdogan, über den Kurdenkonflikt berichtet. Als Konsequenz sehen sie sich dem Vorwurf der angeblichen Terror-Propaganda ausgesetzt.

Ein Beispiel ist der prominente Fall Deniz Yüzel, dem auch Terror-Propaganda vorgeworfen wird. Wir haben gesehen, dass Erdogan ihn schon im Vorfeld als PKK-Vertreter, als deutschen Agenten bezeichnet hat. Das ist eine Vorverurteilung von höchster Stelle gewesen und hat jeden noch so kleinen Rest Hoffnung auf eine rechtsstaatliche Behandlung von Deniz Yücel zunichte gemacht. Das Beispiel zeigt, dass sie in Haft sitzen, weil sie kritisch berichtet haben. Kritische Journalisten in der Türkei stehen unter Generalverdacht. Es ist wichtig, dass wir an alle Journalisten denken, auch die Bundesregierung, und ihre Namen in den Mund nehmen. Wir fanden es gut, dass die Bundesregierung in dem Fall Deniz Yücel so deutlich war und seinen Namen öffentlich genannt hat. Es geht uns auch darum, die Namen aller weiteren inhaftierten Journalisten in den Mund zu nehmen, die nicht so eine internationale Öffentlichkeit oder eine große Redaktion im Rücken haben.

„Obwohl so viele kritische und oppositionelle Medien geschlossen wurden, konnte man sehen, dass sich die Bevölkerung ihren Reim auf die Dinge gemacht hat. Das zeigt auch etwas Positives.“

Das Referendum ist zwar zu Gunsten Erdogans ausgegangen, aber weniger deutlich als manche Beobachter erwarteten. Die Ja- und Nein-Stimmen in der Türkei verteilen sich regional sehr unterschiedlich. Vor allem an den Küstenregionen im Westen und Südwesten sowie in der Hauptstadtprovinz stimmten die Menschen mehrheitlich gegen die Machtzentralisierung. Ist das auch auf die oppositionellen Medien zurückzuführen?

Ja, durchaus. Die Ergebnisse in den großen Städten und in den Küstenregionen, da, wo oppositionelle Medien sitzen, zeigen, dass mehrheitlich gegen das Referendum gestimmt wurde. Es gab keine klare Mehrheit. Obwohl so viele kritische und oppositionelle Medien geschlossen wurden, konnte man sehen, dass sich die Bevölkerung ihren eigenen Reim auf die Dinge gemacht hat. Das zeigt auch etwas Positives. Das knappe Ergebnis und wo für Ja und Nein gestimmt wurde, das hat auch etwas mit den oppositionellen Medien zu tun. Aus diesem Grund vermuten wir, dass Erdogan versuchen wird, noch stärker Druck auszuüben.

Was kann der Leser für die Journalisten tun?

Es ist wichtig, dass möglichst viele Leute Bescheid wissen über die Situation, dass die Namen genannt werden – nicht nur von Deniz Yücel, sondern von vielen anderen Journalisten auch. Wir müssen darüber sprechen und berichten. Es darf sich nicht eine Art „Gewöhnungseffekt“ in Bezug auf die Türkei einstellen, weil in den vergangenen Wochen und Monaten so viel passiert ist. Ein weiterer Punkt, der sich nicht auf den Leser bezieht: Wenn deutsche Redaktionen einen türkischen Kollegen als Gastredakteur aufnehmen würden, sendet das ein Zeichen der Solidarität.

Welche Rolle spielen Online-Medien, Blogs und soziale Netzwerke für die Meinungsbildung in der Türkei?

Wir haben unter den angesprochenen „Inseln der Pressefreiheit“ einige Webseiten, die auch noch kritisch berichten können wie Diken und Bianet. Zweite ist unsere Partnerorganisation in der Türkei. Sie haben es aber schwer, sich finanziell über Wasser zu halten. Das ist auch ein großes Problem für die Medien. Es sind noch einige kritische Portale online, die noch nicht geschlossen wurden und gelesen werden.

Der libanesische Publizist Hazem Saghieh sagte kürzlich in einem Interview mit Blick auf den Journalismus in der arabischen Welt, der Journalismus dort würde eher dazu dienen, den politischen Status quo zu erhalten, für politischen Wandel tauge er nicht. Wie schätzen Sie das für die Türkei ein?

In der Türkei sind politische Einflussnahme, Selbstzensur und die Entlassung kritischer Journalisten alltäglich geworden. So haben etwa die Recherchen des weltweiten ROG-Projekts Media Ownership Monitor (MOM) gezeigt, dass sieben der zehn Besitzer der meistgesehenen landesweiten Fernsehsender direkte Verbindungen zu Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Regierung haben. Doch auf der anderen Seite zeigt etwa die Berichterstattung der oppositionellen Tageszeitung Cumhuriyet über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an Islamisten in Syrien oder über die Panama Papers, dass Journalismus in der Türkei nicht einfach nur dazu dient, den politischen Status quo zu erhalten.

Wir haben im Wahlkampf gesehen, dass ein Klima der Einschüchterung herrschte gegen Unterstützer eines „Nein“ zu den Verfassungsänderungen, das auch Journalisten und Medien zu spüren bekamen. Ein Beispiel war das Interview mit dem Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk. Die Zeitung Hürriyet hatte sich geweigert, ein Interview mit ihm abzudrucken, in dem er ankündigte, dass er gegen die Verfassungsreform stimmen möchte. Das zeigt das Klima der Einschüchterung.

Darüber hinaus hat ein Vertreter der pro-kurdischen Partei HDP bei der Rundfunkaufsicht RTÜK darüber Beschwerde eingelegt, wie ein staatlicher Fernsehsender nur einseitig berichtet habe. Zwischen dem 1. und dem 22. März habe der Sender 1.390 Minuten über Präsident Erdogan und 2723 Minuten über die Regierungspartei AKP berichtet, aber nur 216 Minuten über die größte Oppositionspartei CHP und 48 Minuten über die nationalistische MHP.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Martina Blatt.

Von: mab

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Fri, 21 Apr 2017 10:56:00 +0200
<![CDATA[Luther-Ausstellung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/04/21/luther-ausstellung/ Auf der Karte können Sie nachverfolgen, welche Ausstellungen für Sie interessant sein könnten. Klicken Sie dazu auf die orangen Pfeile.

Von: jw

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Fri, 21 Apr 2017 09:19:00 +0200
<![CDATA[„Woran glaubst Du?“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/04/21/woran-glaubst-du/ Vom 11. bis 17. Juni findet in diesem Jahr die ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ statt. Mit einem breit gefächerten Programmangebot in Fernsehen, Radio und Internet möchte der Sender die Zuschauer für Glaubensfragen sensibilisieren.

Die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille betont in einer Pressemitteilung des Senders: „Wir wollen uns dem Thema auf verschiedenen Ebenen nähern - auf der persönlichen Ebene; die Glaubensvielfalt 2017 in Deutschland aufzeigen, den Blick für unterschiedliche Spielarten des Glaubens öffnen und wir wollen die Rolle der Religion in der Gesellschaft beleuchten.“

Dokumentation: Was glaubt Deutschland?

Im Ersten vertiefen Dokumentationen und Reportagen das Thema. „Die Story im Ersten“ befasst sich in einer MDR-Produktion mit dem Thema „Land ohne Glauben“. Der Südwestdeutsche Rundfunk fragt „Was glaubt Deutschland?“. „Plusminus“ (BR) beleuchtet „Das Geschäft mit der Angst“.

Zu den fiktionalen Höhepunkten der Themenwoche im Ersten gehören der Tatort aus Dresden „Level X“ (MDR), der Mittwochsfilm „Atempause“ (MDR/SWR) und „Die Konfirmation“ (ARD Degeto). Auch die dritten Programme setzen mit einem breiten TV-Angebot weitere Akzente. Zudem beteiligen sich alle Radioprogramme entsprechend ihren Formaten an der Themenwoche. Das ARD-ZDF-Jugendangebot funk will ebenso einige thematisch passende Beiträge senden.

Emotionaler Zugang zum Thema

Ab dem 24. April ist die Webseite themenwoche.ard.de online, auf der alle Aktionen und Schwerpunkte vor und vor allem während der Themenwoche gebündelt sind: Für das ARD-weite Multimedia-Projekt „Woran glaubt Deutschland?“ erklären Menschen aus der ganzen Republik ihre persönliche Einstellung zu Glaubensfragen. Daraus entsteht eine Deutschland-Karte, die ergänzt mit Videos, Fotos und Audios, einen emotionalen Zugang zum Thema verschafft und ab dem 11. Juni verfügbar ist. Darüber hinaus können sich die Nutzer über die sozialen Netzwerke an der Diskussion beteiligen.

Die ARD-Themenwoche findet seit 2006 statt. Sie soll gesellschaftlich relevante Themen vielfältig behandeln und einen breiten Diskurs befördern. Ein ARD-weites Multimedia-Projekt stellt dar, woran die Menschen in Deutschland glauben. (pro)

Autor

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Fri, 21 Apr 2017 08:51:00 +0200
<![CDATA[Machtfrage]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/machtfrage/ Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger]]> Der russische Journalist Nikolai Andruschtschenko ist am Mittwoch gestorben. Er war verprügelt worden, weil er kritisch über Korruption in Sankt Petersburg berichtet hatte. Er musste sterben, weil er seiner Arbeit gründlich nachging.

Nicht nur Russland, sondern vor allem die Türkei fällt seit Monaten negativ auf, weil dort Journalisten bedroht sind, die ihren Beruf ausüben. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 hat das Regime unter Recep Tayyip Erdogan hart durchgegriffen und rund 775 Presseausweise annulliert und mehr als 100 Journalisten verhaftet; darunter den Welt-Korrespondenten Deniz Yücel. Seit dem Ausgang des Referendums, das am Ostersonntag Erdogan den Weg zu einem Präsidialsystem geebnet und ihm damit nahezu uneingeschränkte Macht gegeben hat, verschärft sich die Situation der Journalisten vor Ort weiter.

Eine unabhängige Presse, die sich gegen Korruption und Alleinherrschaft wendet und die Regierenden kontrolliert, ist unverzichtbar für die Demokratie. Eine Regierung, die dominieren will, duldet solche „Angriffe“ auf ihre autoritäre Herrschaft nicht.

Angriffe auf die Pressefreiheit müssen gerade auch Christen alarmieren, denn Menschenrechte, und damit auch Religionsfreiheit, gibt es nur im Paket: Herrschende nehmen unabhängige Journalisten deswegen als Bedrohung wahr, weil diese regierungskritische Sichtweisen verbreiten. Auch Christen, die Jesu Auftrag ernst nehmen und ausführen, passen autoritär Herrschenden nicht ins Konzept. Jesus sagte einst: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker (...).“ Jesu Selbstauskunft, dass nur ihm alle Macht gegeben sei, muss autoritären Regimen bedrohlich erscheinen, schließlich beanspruchen sie die alleinige Macht. Erst recht, wenn Christen den darauf folgenden Handlungsauftrag, diese Botschaft zu verbreiten, ernst nehmen.

Christen in der Türkei geben für das Regime ein doppelt gutes Feindbild ab. Max Klingberg von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) spricht von „Nationalislamismus“: Die meisten Christen im Land sind keine ethnischen Türken und außerdem noch „Feinde“ aus Sicht der vermeintlich „Rechtgläubigen“. Klingberg sagt: „Den Missionsauftrag haben die alteingesessenen Kirchen in der Türkei genauso abgeschrieben wie nahezu alle anderen orientalischen Kirchen.“ Aus Angst. Es ist eine Sache, zu wissen, dass es richtig ist, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen. Es ist eine andere Sache, täglich zu erleben, wie es Regimekritikern, etwa engagierten Journalisten, ergeht.

Darum ist es wichtig, Gott darum zu bitten, dass Journalisten und Christen ihre Nachrichten weiter geben können, ohne Repressionen befürchten zu müssen. Auch wenn dieses mit Blick auf Länder wie die Türkei sehr weit entfernt zu sein scheint. (pro)

von: str

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Thu, 20 Apr 2017 16:19:00 +0200
<![CDATA[Wie fromme Elternhäuser prägen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/04/20/wie-fromme-elternhaeuser-praegen/ Die Mischung ist spannend und vielfältig: acht Biographien von Menschen, die in einem frommen Elternhaus aufgewachsen sind. Der Autor Matthias Hilbert porträtiert unter anderem die RAF-Terroristin Gudrun Ensslin, der Unternehmer Heinz-Horst Deichmann und Friedrich Engels. Genauso verschieden wie sie mit ihrem Elternhaus umgehen, ist auch ihre spätere Einstellung zum Glauben.

Den wohl positivsten Einfluss auf seinen Glauben hatte das Elternhaus bei dem Unternehmer Heinz-Horst Deichmann. Der „Schuhverkäufer mit dem mildtätigen Herzen“ wuchs im Essener Stadtteil Borbeck auf. Deichmann wird früh Christ. Er möchte seinen Glauben authentisch und überzeugend vorleben. Reden und Tun sollen übereinstimmen.

Firma soll Teil des Glaubens sein

Der junge Mann studiert Medizin, steigt dann aber in die Firma der Eltern ein – und bringt sie zu Weltruhm. Ein Tiefpunkt für Deichmann ist, als die Firma wegen skandalöser Zustände in Billiglohnländern kritisiert wird. Trotzdem bemüht sich der Unternehmer seiner Verantwortung gerecht zu werden und von seinem Reichtum abzugeben, getreu dem Motto: „Wer mehr hat, muss auch mehr geben.“ Die eigene Firma und die eigene Philosophie sollen Teil seines Glaubens sein.

Deutlich rebellischer gegen sein Elternhaus war der Autor Friedrich Dürrenmatt. Für den Pfarrer-Sohn wird die Religion im Laufe des Lebens peinlich. Er fühlt sich gefangen und orientierungslos. Weil vieles für ihn nebulös bleibt, lehnt er sich gegen den elterlichen Glauben auf. Seine Werke haben anfangs christliche Bezüge. Im Laufe seines Lebens bekennt er sich offen zum Atheismus und sieht für sich keinen Grund mehr, die "Fiktion Gott" aufrechtzuerhalten.

Elternhaus konfessionell großzügig

Wer in die Anfangsjahre von Friedrich Engels schaut, der entdeckt einen jungen Mann, der fromme Gedichte schreibt. Die Vorfahren sind fest verwurzelt in der Pietisten-Bewegung im Bergischen Land. Das Elternhaus ist aber „konfessionell großzügig“. Ihn stört als Erwachsener aber, dass unter den Fabrikanten die Pietisten am schlechtesten mit ihren Arbeitern umgehen. Er distanziert sich von seiner Herkunft. Glaubensinhalte will er nur für sich in Anspruch nehmen, wenn sie der menschlichen Vernunft nicht widersprechen. Er wird zum Missionar für die Sache von Karl Marx. Sein Ziel, findet Autor Matthias Hilbert, bleibt ein Paradies auf immanenter, weltlicher Grundlage.

Als sympathische Pfarrerstochter, die christliche Jugendliche in ihren Bann zieht, beschreibt der Autor Gudrun Ensslin. Geprägt von der christlichen Mädchenarbeit radikalisiert sie sich zunehmend. Stimmt sie zunächst mit dem Lebens- und Glaubensweg ihrer Eltern überein, verneint sie später die Gesellschaft total. Sie vollzieht einen existenziellen Bruch zu ihrem vorherigen Leben.

Der Leser erfährt im Lebensbild des Malers Vincent van Gogh, dass dieser Laienprediger und Katechismuslehrer war. Im Glauben ist ihm der Geist des Evangeliums wichtig, den er in allen Kirchen sieht. Er lehnt sich gegen die Eltern auf und stellt sich als schwarzes Schaf der Familie vor. Er erleidet Schiffbruch in seinem Glauben, schreibt Hilbert. Diese Tragik passe zu seinem Lebensbild – genau wie die Tatsache - dass sein künstlerisches Talent erst nach seinem Tod entdeckt wurde.

Superstar des Justiz-Thrillers

Zum Superstar des Justiz-Thrillers avanciert John Grisham. Der frühe Tod eines Freundes führt dazu, dass er sich mit existentiellen Fragen auseinandersetzt. Grisham setzt sich nicht nur für soziale Gerechtigkeit ein, sondern bekennt sich auch dazu, ein „überzeugter Gläubiger“ zu sein. Viele Romane weisen deutliche christliche Bezüge auf. Er äußerte sich einmal: „Ich will als Christ schreiben, aber ich schreibe keine christliche Literatur.“

Von seinem Elternhaus und der Welt seiner Kindheit spricht der Schriftsteller Hermann Hesse im Rückblick als „heilig“ und von einem „Paradies“. Dennoch opponierte und polemisierte er während seiner Pubertät gegen den Glauben der Eltern. Trotz Hesses zunehmender Aggressivität reagiert sein Vater mit unveränderter Liebe. Aufgrund von unterschiedlichen Religionen und Glaubensweisen entwickelte Hesse ein eigenes religiöses Verständnis. Die authentisch gelebte Frömmigkeit seiner Eltern hat ihn beeindruckt, für sich übernehmen wollte er sie aber nicht.

Das Buch bietet einen guten Überblick mit spannenden Lebensgeschichten. Dazu gibt es auch einen interessanten Überblick über die Geschichte der jeweiligen Zeit. Zugleich macht das Buch deutlich, wie unterschiedlich Kinder ihre Elternhäuser wahrnehmen und wie sie darauf reagieren. Sie alle hatten an dem „geistigen Gepäck“, das ihnen ihre Eltern mitgegeben haben, zu tragen – aber zugleich ein hohes Maß an Liebe und Zuwendung, das sie in ihrem Elternhaus erfahren haben. (pro)

Von: jw

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Thu, 20 Apr 2017 13:54:00 +0200
<![CDATA[Scheiden tut weh]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/04/19/scheiden-tut-weh/ „Ist eine gescheiterte Ehe Sünde?“ „Natürlich!“, antwortet Reiner Knieling, als er bei einer Lesung seines Buchs „Mit dem Scheitern leben lernen“ aus dem Publikum dazu gefragt wird. „Die Frage ist nur, was die größte Sünde ist: Eine Beziehung zu beenden oder in einer nicht funktionierenden Beziehung zugrunde zu gehen.“ Knieling ist Professor für praktische Theologie an der Evangelistenschule Johanneum und selbst geschieden. Sünde sei das, was das Leben einschränke.

„In dieser unvollendeten Welt kann ich das nicht immer vermeiden. Ich kann mich manchmal nur zwischen zwei Wegen entscheiden, die beide sichtbar nicht die besten sind und bei denen ich eine menschliche Einschätzung brauche – Was ist der dem Leben dienlichere Weg? Für mich und für andere.“

Diese Position Knielings schildert Daniel Schneider in seinem Buch „Tabu Trennung“, in dem er sich mit Fragen zum Thema Trennung und Scheidung aus christlicher Perspektive beschäftigt. Nach wie vor ist das Thema eines, mit dem die christliche Welt sich schwer tut oder es gar tabuisiert.

Kein Blankoscheck für eine gelingende Ehe

Das steht fest: Auch wenn eine Ehe unter Gottes Segen geschlossen wird und sich beide Partner in die Ehe einbringen, ist dies doch kein Blankoscheck dafür, dass in der Beziehung automatisch alles glatt läuft. Das hat auch Schneider bei seinen Recherchen festgestellt. Für sein Buch sprach er, selbst Theologe, mit zahlreichen Betroffenen – gläubigen Christen, die in einer Beziehung gescheitert sind. In den Gesprächen wird klar: Scheiden tut weh. Und sind gemeinsame Kinder im Spiel, ist die Situation nochmals dramatischer.

„Christen denken oft, dass in Sachen Beziehung alles vom Himmel fällt.“ Silke Bolduan

Eine von denen, die in dem Buch zu Wort kommen, ist Silke Bolduan, Mutter von zwei Kindern. Sie leitet als Sozialpädagogin eine Praxis für Einzel-, Paar- und Familienberatung und ist frisch geschieden. Sie erläutert ein Missverständnis, das bei sehr gläubigen Menschen oft vorherrsche: „Besonders Christen denken oft, dass in Sachen Beziehung alles vom Himmel fällt, wenn sie nur genug dafür beten. Das ist ein großer Irrtum.“

Bedenklich findet sie auch, dass die Psychologie in manchen christlichen Kreisen verteufelt werde. Die Psychologie erforsche, wie Menschen ticken. Das gelte es in der Therapie einzusetzen. Es sei „geradezu töricht, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen“, sagt Bolduan. Aber Psychologie selber könne einen Menschen nicht verändern, noch eine Beziehungskrise lösen, sondern nur erklären und mögliche Ursachen dafür auftun. „Zur Veränderung muss ich als selbst aktiv werden.“ Jeder habe eine Eigenverantwortung. „Und dabei wiederum hilft mir Gottes Kraft und Wirken.“

Ehe wie „im Gefängnis“

Auch Hanna Seidels (Name von der Redaktion geändert) Ehe wurde mit kirchlichem Segen geschlossen. Sie heiratete vor rund 25 Jahren ihren Mann, der aus dem Mittleren Osten stammte. Er habe ihr gesagt, er sei Christ geworden. Nach der Hochzeit wandelte sich sein Verhalten, erzählt sie im Gespräch mit pro. Am Gemeindeleben sei er nicht interessiert gewesen, in den folgenden Jahren habe er sie und die Kinder nach und nach komplett isoliert, sie durften nur auf die Arbeit und in die Schule.

Der Mann übte permanent Druck auf sie aus, schrie sie an, redete teils mehrere Stunden auf sie ein, engte sie räumlich ein, machte sie klein. „Ich fühlte mich wie im Gefängnis. Ich lebte die ganze Zeit unter Anspannung. Ich dachte: ‚Das musst du jetzt ein Leben lang ertragen‘“, schildert Seidel. Acht Jahre lang betete sie dafür, dass es besser wird. „Es wurde aber eher schlimmer.“ Für sie war es eine Qual, ihre Kinder in Angst und Zerrissenheit zu sehen. An einem Samstag, als ihr Mann ausnahmsweise nicht zu Hause war, floh sie mit ihren Kindern in ein Frauenhaus. Es kam zur Trennung und schließlich zur Scheidung.

Laut einer Studie des christlichen Studienzentrums „Barna Group“ ist die Scheidungsrate bei Gläubigen in den USA etwas höher als die von Agnostikern und Atheisten. Andere Erhebungen differenzieren jedoch zwischen aktiven und nicht-aktiven Christen. Diese Studien zeigen, dass Gläubige, die regelmäßig am Gemeindeleben teilnehmen, die Bibel und geistliche Lektüre lesen, privat beten – auch gemeinsam mit dem Partner –, sich seltener scheiden lassen. Für Deutschland gibt es keine solche Erhebungen.

Kampf mit Selbstzweifeln

In jedem Fall sind Gemeinden bei diesem Thema herausgefordert und gehen sehr unterschiedlich damit um. Autor Schneider sagte im Gespräch mit pro: „Gemeinden sollten das etwas entspannter angehen. Da herrscht ganz viel Angst und Unsicherheit.“ Grundsätzlich finde er es wichtig, „Liebe walten zu lassen, und die Angst und die Unsicherheit zu überwinden, sich dem Thema offen zu nähern“.

Gemeindemitglieder sollten die individuelle Person, die eine solche Erfahrung durchmacht, sehen und wertschätzen. „Bei den meisten braucht man keine moralische oder ethische Keule mehr zu schwingen.“ Denn Menschen, deren Beziehung oder Ehe auseinander gebrochen ist, verurteilten sich selbst schon genug und seien mit vielen Selbstzweifeln belastet. „Da sollte die Gemeinde eher Aufbau leisten.“

Schneider plädiert für Annahme statt Verurteilung. Herausfinden, was braucht die Person jetzt, wie kann man als Gemeinde dem Menschen helfen – Ruhe, Entlastung oder doch ein Gespräch, durch das ein Vertrauter in das Leben hineinsprechen darf? „Es ist nicht die allerschlimmste Untat unter der Sonne, wenn man sich scheiden lässt. Es wird manchmal gespiegelt, dass man dadurch eine Persona non grata wird. Da ist das Verhältnis schief.“

Seidel, die vor ihrem Mann floh, fand sich mit der Frage nach Trennen oder Bleiben gedanklich in einem Zwiespalt und rang mit sich selbst. Wegen ihres Glaubens dachte sie: Die Ehe hat einen hohen Stellenwert. Man darf sie nicht scheiden. Andererseits war ihr klar: Es geht nicht anders. Über die Beziehung sagt sie: „Es war keine Ehe. Es war Quälerei. Ich habe keine Liebe, keine Anerkennung, keine Zuneigung von ihm bekommen.“

Luther erklärt Ehe zum „weltlich Ding“

Die Kirchen gehen unterschiedlich mit Ehe und Scheidung um. In der Katholischen Kirche ist die Ehe ein Sakrament. Bislang war es Wiederverheirateten auch nicht erlaubt, die Kommunion zu empfangen. Jedoch geht die Kirche heute auf zivilrechtlich Geschiedene und Wiederverheiratete zu. In Einzelfällen können sie nach seelsorglicher Begleitung mittlerweile das Abendmahl empfangen. Das geht aus der Anfang Februar von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Handreichung „,Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche‘ – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris Laetitia“ hervor.

In den evangelischen Landeskirchen gilt die Ehe nicht wie die Taufe und das Abendmahl als Sakrament. Martin Luther erklärte die Ehe zum „weltlich Ding“. In ihrem Glaubens-ABC schreibt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD): „Beide Kirchen sehen die Ehe als prinzipiell unauflösbar an. Daraus ist jedoch keine generelle Unmöglichkeit der Ehescheidung zu schließen.“ In der evangelischen Kirche ist die Wiederheirat Geschiedener prinzipiell möglich.

Gemeinsames Abendmahl für Geschiedene

Die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, selbst geschieden, sagte: „Eine Scheidung ist eine Erschütterung.“ Sie sprach sich in einem Interview der Online-Plattform evangelisch.de für ein gemeinsames Abendmahl der Getrennten aus: „Es ist ein Zeichen, durch das Menschen sagen: Wir trennen uns. Aber das, was wir geteilt haben, bleibt wertvoll, da gibt es auch Frieden.“ Kirchen verschiedener Konfessionen bieten Gottesdienste für Geschiedene an. So erklärte etwa die Diözese Rottenburg-Stuttgart ihren ökumenischen Gottesdienst für Geschiedene als einen, „der Räume bietet für Trauer, Wut und Schmerz, aber auch für Hoffnung und Neubeginn“.

Auch Freikirchen handhaben das Thema Trennung und Scheidung unterschiedlich. In einer 2007 veröffentlichten Erklärung erläutert etwa der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) seine Haltung: Ehescheidungen und Wiederheirat Geschiedener widersprechen dem Willen Gottes. Jedoch benenne das Neue Testament die Unzucht des Ehepartners (Matthäus 5,32; 19,9) und den Widerwillen eines Ungläubigen, mit seinem gläubigen Ehepartner verheiratet zu bleiben (1. Korinther 7,15), als Scheidungsgründe. Trotzdem: „In jedem Fall hat eine Ehescheidung mit Sünde zu tun, da sie dem ursprünglichen Willen Gottes entgegensteht.“

Pfingstkirchen: emotionale Zerrüttung und Auseinanderleben kein Scheidungsgrund

Eine Wiederheirat lehne das Neue Testament grundsätzlich ab, eine dem Evangelium entsprechende Ehe-Ethik könne aber „unter besonderen Bedingungen eine Wiederheirat Geschiedener akzeptieren“. Lassen sich Älteste und verantwortlichen Mitarbeitern sowie Pastoren in einer FeG scheiden, schade dies „der Glaubwürdigkeit des Dienstes und dem Ansehen der Gemeinde“. Deshalb soll die Gemeindeleitung oder die des Gemeindebundes prüfen, ob der Dienst fortgesetzt werden kann. Nötig sei in jedem Fall „eine gründliche seelsorgerische Aufarbeitung“.

Baptisten und Evangelisch-methodistische Kirche handhaben dies ähnlich. Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden schließt in einer Verlautbarung Scheidung wegen „emotionaler Zerrüttung, Auseinanderleben, Krankheit, geschwundener Liebe“ aus. Aus diesen Gründen eröffne sich „keine Option zur legitimen Wiederheirat“.

Getrennte brauchen Trost, keine Verurteilung

Schneider spricht sich im Gespräch mit pro dafür aus, Geschiedene weiterhin in der Gemeinde mitarbeiten zu lassen: „Wenn man die Bibel im ganz Großen nimmt, ist sie ein Buch der Liebe von Gott zu den Menschen. Dazu gehört auch, dass man Missstände anspricht.“ Wenn Menschen aber nicht mehr Teil einer Gemeinde sein oder mitarbeiten dürfen, weil sie persönlich in einer Beziehung gescheitert sind, hat Schneider dafür kein Verständnis. „Das ist auf jeden Fall nicht das, was Jesus und Gott möchten“, meint er. Beim Blick in die Bibel findet sich im ersten Brief von Paulus an Timotheus eine Liste der Voraussetzungen für das Amt des Gemeindeleiters und der Diakone. Darin heißt es auch, sie sollen „Mann einer einzigen Frau sein“.

Aber auch unabhängig von der geistlichen Bewertung sollte jeder die eigene Haltung gegenüber Betroffenen überprüfen. Nur allzu schnell gehen die gedanklichen Schubladen auf, wenn man von einer Trennung erfährt: „Da muss irgendwas schief gelaufen sein, die hätten sich mehr anstrengen können“, beschreibt Schneider Gedankengänge, bei denen er sich selber schon erwischt hat. Er wünscht sich und anderen, aus diesem Reflexdenken herauszukommen: „Als ich das nochmal reflektierte, dachte ich: Was maße ich mir an? Ich urteile, ohne die Hintergründe zu kennen. So werde ich weder der Bibel noch den Menschen gerecht.“

Nach ihrer Flucht ins Frauenhaus und ihrer Scheidung erlebte auch Seidel in ihrer neuen Gemeinde, dass vereinzelt Menschen, die nicht ihre ganze Geschichte kannten, darüber urteilten, warum sie die Ehe beendet hatte. Es könne doch nicht so schwierig sein, sagten manche. „Das macht die eigene Situation noch schlimmer. Das hat mich getroffen.“ Denn sie hatte selbst schon mit Zweifeln zu kämpfen: „Ich habe gedacht, ich bin bei Gott unten durch, er hat keine Gnade mehr für mich übrig.“ Unter diesem Makel litten viele Getrennte, sagt Seidel.

Gott ist auch im Scheitern da

Diese Reaktionen waren bei ihr jedoch die Ausnahme. Generell war die Gemeinde eine große Unterstützung für sie und ihre Kinder: durch Gespräche, gemeinsame Zeit, Kinderbetreuung, praktische Tipps für Reparaturen in der Wohnung. Die Gemeinde vermittelte ihr, „anerkannt zu sein und dazu zu gehören“, es fühlte sich „wie Familie“ an. Seidel fasst rückblickend zusammen: „Es ist eine große Hilfe, wenn Leute in der Gemeinde nicht in die Kerbe schlagen und dich verurteilen, sondern dich auffangen, dir sagen, du bist ein Kind Gottes, er geht mit dir.“

Christen, die in Trennung leben oder sich scheiden lassen, hilft keine Verurteilung. Sie benötigen Trost, ein offenes Ohr, Gebet, Zuspruch. Das Thema Trennung und Scheidung fordert Gemeinden, gleichzeitig können sie auch daran wachsen. Schneider lässt in seinem Buch Reiner Knieling, den Professor für praktische Theologie am Johanneum, erklären, wie dieser Scheitern sieht: „Das ist für mich immer regelrecht komisch, wenn ich höre, dass da, wo etwas gelingt, Gott mehr präsent sein sollte als da, wo etwas nicht gelingt.“ Natürlich wünsche sich Knieling Gelingen. „Aber das Geniale der biblischen Botschaft steckt für mich darin, dass genau da, wo etwas schief geht, Gott präsent ist. Also, dass er mitten in dem Schmerz gegenwärtig ist.“ Gott entfalte mitten im menschlichen Scheitern seine Kraft. (pro)

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 2/2017 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie es kostenlos und unverbindlich unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: Martina Blatt

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Wed, 19 Apr 2017 19:17:00 +0200
<![CDATA[Keine Angst vor Muslimen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/04/19/keine-angst-vor-muslimen/ Persönliche Begegnungen mit Muslimen helfen, keine Angst vor ihnen zu entwickeln. Das betonte Yassir Eric beim evangelikalen GemeindeFerienFestival Spring. Der gebürtige Sudanese Eric war selbst extremistischer Muslim, bevor er zum Glauben an Jesus Christus kam. In einem Seminar bei Spring gab er den anwesenden Christen Tipps, wie sie mit Muslimen in Deutschland ins Gespräch kommen können. Grundlegend sei dafür, zwischen dem Islam als Religion und Muslimen, den Anhängern der Religion, zu unterscheiden. Dann sei es möglich, auch bei unterschiedlichen Ansichten guten Kontakt zu pflegen.

„Es gibt nicht den Islam“, erklärte Eric. Es gebe Sunniten, Schiiten, Salafisten, Dschihadisten und weitere Gruppierungen des Islam. Gemeinsam hätten diese, dass sie an Allah als einzigen Gott und Mohammed, dessen Propheten, glaubten. Wie dieser Glaube gelebt werde, unterscheide sich in den verschiedenen Gruppen. Wer die Praxis des islamischen Glaubens kennenlernen möchte, „sollte am besten seinen muslimischen Nachbarn fragen“, sagte Eric, der das Europäische Institut für Migration, Integration und Islamthemen an der Akademie für Weltmission in Korntal leitet.

Es sei egal, ob Muslime aus Afrika oder dem Nahen Osten nach Deutschland gekommen sind: Sie alle hätten Religion als Lebensgrundlage kennengelernt, sagte Eric. Darum könne man mit ihnen über theologische und religiöse Fragen leicht ins Gespräch kommen.

Muslime kennen- und verstehen lernen

Auch Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, warb bei Spring für eine „Mission mit Respekt“ und gute Beziehungen zwischen Christen und Muslimen. „Auf Facebook lese ich zum Beispiel ganz oft den Satz: ‚Der Islam ist vom Teufel.’ Wenn ich eine andere Religion von vornherein als satanisch verurteile, wo kann dann die Grundlage für ein Gespräch sein?“, kritisierte Diener.

Derartige Pauschalisierungen seien auch immer wieder von Evangelikalen zu lesen. Es sei gut, wenn Kirchen und Gemeinden auch Kontakte zu Muslimen aufbauten. „Wenn ich die Menschen gewinnen will, muss ich sie erstmal kennen- und verstehen lernen“, sagte er und betonte, dass Dialog und Bekenntnis untrennbar miteinander zusammenhängen. „Ich lasse mir das Bekenntnis meines Glaubens nicht durch den Dialog diskreditieren, und den Dialog nicht durch das Bekenntnis verhindern“, sagte Diener.

Zum Missionsbegriff arbeitete der Theologe, der bis Ende 2016 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz war, den Auftrag Gottes heraus: „Nicht wir haben eine Mission, sondern Gott hat eine Mission. Nicht die Kirche ist hier das Subjekt, sondern Gott, und die Kirche ist sein Werkzeug.“

Nicht in der Moschee beten

Wichtig sei es aber, auch anderen Religionen Freiheit einzuräumen. „Religionsfreiheit ist nicht nur die eigene Freiheit, sondern auch die Freiheit der anderen“, sagte er und nannte als Beispiel die Schweizer Volksabstimmung über den Bau von Minaretten. Die Evangelische Allianz in der Schweiz habe sich damals für den Bau von Minaretten ausgesprochen. „Die Freiheit hier kann doch nicht von der Freiheit in den islamischen Ländern abhängig gemacht werden“, sagte Diener. „Wir setzen uns dafür ein, dass Christen in der islamischen Welt mehr Freiheiten bekommen, da schränken wir doch hier keine Freiheiten ein!“ Diese Liberalität stehe aber nicht im Widerspruch dazu, sich von ganzem Herzen dafür einsetzen, dass alle Menschen Jesus Christus kennenlernen.

Auf die Frage, ob Christen und Muslime gemeinsam beten könnten, erklärte Diener, dass es in einem christlichen Gottesdienst keinen Platz für ein muslimisches Gebet gäbe. Er würde als Christ auch nicht öffentlich in einer Moschee beten oder eine Moschee einweihen – „da ist die Grenze erreicht“. Bei einer öffentlichen Veranstaltung wie etwa einer Trauerfeier könnten aber Vertreter von Christen und Muslimen nacheinander beten.

Das GemeindeFerienFestival Spring ist eine Veranstaltung der Deutschen Evangelischen Allianz. Das Festival geht noch bis Samstag. (pro)

Von: pro

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Wed, 19 Apr 2017 17:53:00 +0200
<![CDATA[„Christen sind in der Türkei bedeutungslos geworden – außer als Feindbild“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/04/19/christen-sind-in-der-tuerkei-bedeutungslos-geworden-ausser-als-feindbild/ Beim Referendum stimmten 51 Prozent der Türken für die Verfassungsreform. Erdogan wird künftig unter anderem die Justiz stärker kontrollieren können. Nach den Wahlen, die für November 2019 geplant sind, wird er sowohl Staats- als auch Regierungschef. Nach seinem Sieg kündigte Erdogan an, die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei auf die Tagesordnung zu setzen.

Max Klingberg ist seit 2000 Mitarbeiter der IGFM mit den Schwerpunkten Ägypten und Iran sowie islamisches Recht, Frauenrechte und Religionsfreiheit. pro hat ihn nach seiner Einschätzung nach dem Sieg Erdogans befragt.

pro: Was bedeutet das Referendum für die Pressefreiheit im Land?

Max Klingberg: Was die Pressefreiheit angeht, war die Türkei auch vor dem Referendum de facto völlig gleichgeschaltet. Es gibt noch Reste einer freien Presse in Form von einzelnen mutigen Journalisten, die sich für die Pressefreiheit einsetzen, aber die Masse der Medien ist entweder geschlossen oder so unter Druck, etwa durch Verhaftungen oder Erpressungen, dass sie nicht mehr unabhängig berichten können. Nach dem Referendum wird es vermutlich nicht schlechter werden, denn Pressefreiheit existiert ohnehin nicht mehr.

Und was bedeutet das Referendum für die christlichen Minderheiten?

Die Prognose der IGFM fällt düster aus. Die Minderheit an Christen ist marginalisiert. Sie wird in vielen Bereichen hochgradig diskriminiert. Die Versprechungen, die Erdogan gemacht hatte, sind alle enttäuscht worden. Hätte er den Wunsch gehabt, den Minderheiten entgegenzukommen, hätte er das jederzeit tun können, denn er hat ja im Parlament eine stattliche Mehrheit. Er hat es aber nicht gewollt. Warum sollte er jetzt auf die Minderheiten zugehen, wo er auf niemanden mehr Rücksicht nehmen muss und de facto Alleinherrscher ist? Letztendlich wird es den anderen Minderheiten noch schlechter ergehen als den Christen. Denn die Christen sind längst in die Bedeutungslosigkeit abgedrängt worden. Wer noch nicht bedeutungslos ist, das sind die Kurden.

Was hatte Erdogan denn versprochen?

Im Südosten der Türkei gibt es das Kloster Mor Gabriel, das unter heftigem politischen Druck steht. Dem Kloster soll weiteres Land weggenommen werden. Das Kloster darf noch immer keinen Unterricht in der Sprache Jesu, Aramäisch, erteilen. Die Ausbildungsstätten für Priester sind weiterhin geschlossen. Da ist in den vergangenen Jahren nichts passiert. Erdogan hatte Erleichterungen für die Kirchen versprochen, auch das ist nicht geschehen.

Wissen Sie von Stellungnahmen kirchlicher Vertreter in der Türkei nach dem Referendum?

Ich kenne noch keine Stellungnahmen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass viele Kirchenvertreter den Ball flach halten möchten. Sie haben genug Probleme. Der stärkste Fürsprecher für die christlichen Minderheiten war in der Vergangenheit die HDP, die Demokratische Partei der Völker. Das war auch die einzige Partei, die Christen zu Bürgermeistern gemacht hat und die Christen in verantwortliche Positionen bringen konnte. Die erste christliche Bürgermeisterin überhaupt gehört der HDP an. Aber die Partei ist durch rechtliche Willkür im Grunde ausgeschaltet. Die Parteispitze sitzt im Gefängnis, und die Partei steht unter dem Druck der von Erdogan kontrollierten Justiz. Erdogan hat sich die Machtfülle, die er vor dem Referendum de facto bereits hatte, im Nachhinein noch legalisieren lassen.

Vielen Dank für das Gespräch!

von: js

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Wed, 19 Apr 2017 13:41:00 +0200
<![CDATA[Die neue pro ist da]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/die-neue-pro-ist-da/ Kinder, bei denen schon vor der Geburt das Risiko festgestellt wird, das Down-Syndrom zu haben, haben kaum eine Chance, auf die Welt zukommen. Schätzungen zufolge werden in Deutschland neun von zehn Ungeborene mit dieser Diagnose abgetrieben. Mittels eines Bluttests können werdende Eltern noch leichter und ohne einen riskanten Eingriff überprüfen lassen, wie es um die Gesundheit ihres werdendes Kindes steht – und ob es womöglich eine Behinderung hat. Der Gemeinsame Bundes-Ausschuss prüft derzeit, ob diesen Test grundsätzlich die Krankenkassen finanzieren sollten. Kritiker befürchten, dass in dem Fall noch mehr Kinder mit Behinderung nicht zur Welt gebracht werden.

In der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro beleuchten wir dieses Thema von verschiedenen Seiten und diskutieren ethische Fragen, die damit verbunden sind. Außerdem stellen wir Michi vor: einen aufgeweckten Dreizehnjährigen, der das Down-Syndrom hat – und mit seiner besonderen Art womöglich einer jungen Frau einmal das Leben rettete.

Singen für das Leben

Im Magazin finden Sie auch eine ausführliche Rezension zur Verfilmung des Bestsellers „Die Hütte“ sowie ein Interview mit dem Autoren William Paul Young. Vom Unternehmer Wolfgang Grupp erfahren Sie im Interview, wie seine katholische Erziehung auch seine unternehmerischen Werte geprägt hat. Auch widmen wir uns dem Thema Trennung und Scheidung, das in christlichen Kreisen mitunter tabuisiert wird und beantworten die Frage: Wie können Gemeinden Menschen helfen, deren Beziehung zerbrochen ist? Lesen Sie außerdem einen Bericht von der Bildungsmesse didacta: Darin geht es darum, wie sinnvoll digitale Medien in der Kita und frühkindlichen Erziehung sind.

Ein Herz für Kinder hat der Sänger und Liedermacher Gerhard Schöne. In der DDR wurde der gläubige Musiker und Pfarrerssohn vor allem mit seinen Kinderliedern, aber auch versteckter Systemkritik bekannt. Auch jetzt noch, mit 65 Jahren, begeistert er junges und älteres Publikum mit Liedern, die gegen alles ansingen sollen, was Leben verhindert oder einschränkt – l(i)ebenswertes Leben eben.

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Von: pro

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Wed, 19 Apr 2017 10:38:00 +0200
<![CDATA[„Missionsbefehl gilt noch heute“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/04/18/missionsbefehl-gilt-noch-heute/ Dass immer weniger Menschen in Deutschland sich zu einer Kirche halten oder in Gottesdienste gehen, sollten Christen nicht einfach so hinnehmen: Der Missionsbefehl Jesu – „Gehet hin und macht zu Jüngern alle Völker“ – gelte auch heute jedem einzelnen Christen. Das hat der Gründer der Jugendbewegung JesusFreaks, Martin Dreyer, auf dem GemeindeFerienFestival Spring in Willingen in einem Vortrag erklärt. Es sei wichtig, Kontakt zu Menschen zu pflegen, die keinen Bezug zum christlichen Glauben zu haben. „Man soll ein Freund der Sünder sein, so wie Jesus es war“, sagte Dreyer.

Dazu sei es notwendig, die Sprache der Menschen „auf der Straße“ zu sprechen und für sie zu beten. Kirchen und Gemeinden sollten sich selbst immer wieder hinterfragen, ob Menschen außerhalb ihrer Gebäude wichtig für sie seien. Denn Mission sei das zentrale und zurzeit wichtigste Thema, mit dem sich Christen in Deutschland auseinandersetzen müssten. „Kirche kann nur stattfinden, wenn Menschen zum Glauben kommen“, schlussfolgert Dreyer.

Einheit der Christen ist zentrales Anliegen

Das diesjährige Gemeindeferienfestival Spring steht unter dem Motto „Sola.la” – angelehnt an die vier „Soli”, die Grundprinzipien der reformatorischen Lehre. Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz und 1. Vorsitzender des Arbeitskreises Spring, erklärte, dass es bei dem Festival vor allem um den Kern des Glaubens gehe: „Wenn wir darum an die Reformation von vor 500 Jahren denken und uns damit beschäftigen, dann geht es uns nicht um ein besonderes protestantisches Profil, sondern um die grundlegenden Inhalte des christlichen Glaubens.“ Dabei sei bei Spring die Einheit der Christen ein zentrales Anliegen: „Das Miteinander der Christen aus den verschiedenen ,Lagern’, ,Kirchenabteilungen’, Konfessionen und Denominationen ist uns Programm“, sagte Steeb bei der Eröffnung der Veranstaltung am Montag. Rund 3.400 Christen aus unterschiedlichen Landes- und Freikirchen nehmen am GemeindeFerienFestival Spring teil.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, fasste in einem schriftlichen Grußwort die Gedanken der Reformation zusammen, und beschrieb den christlichen Glauben als „Ausgerichtet allein auf Christus, weil er uns immer wieder aufrichtet“. Christen lebten allein aus Gnade, weil sie darauf vertrauten, dass Gott anders mit ihnen umgehe, als sie es verdient haben. Außerdem lebten sie „allein aufgrund der Schrift, weil wir in ihr die Befreiungsgeschichten finden und die Worte, die uns Kraft geben. Und allein durch den Glauben, weil es auf der Seite des Menschen etwas braucht, das dem Handeln Gottes entspricht: unser Ja zu Gottes Liebe.“

Spring findet 2017 zum achten Mal in Willingen im Upland statt, insgesamt ist es das neunzehnte GemeindeFerienFestival. Träger von Spring ist die Deutsche Evangelische Allianz. Das Festival geht noch bis Samstag. (pro)

Von: pro

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Tue, 18 Apr 2017 16:55:00 +0200
<![CDATA[„Am Ende kommt die Wahrheit auf den Tisch“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/18/am-ende-kommt-die-wahrheit-auf-den-tisch/ „Am Ende kommt die Wahrheit über unser Leben auf den Tisch, und zwar mit ihren hellen und dunklen Seiten“, sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm im Interview des Wochenmagazins Der Spiegel. Das Magazin interviewte den Theologen im Zusammenhang der aktuellen Spiegel-Titelgeschichte „Ewiges Leben – Demnächst für alle!“ zum Leben nach dem Tod, dem Glauben an den richtigen Gott und zur Frage, warum ewiges Leben auf der Erde nicht erstrebenswert ist.

Nach dem Tod müsse der Mensch Rechenschaft ablegen, erklärte Bedford-Strohm. „Ich werde dann einsehen, wo ich, vielleicht ohne es zu merken, Unrecht getan habe“, sagte Bedford-Strohm. Es werde dann ein Gefühl ungeheurer Scham geben. Durch diese Erkenntnis der Wahrheit müsse der Mensch aber hindurch, bevor er bei Gott geborgen sein könne.

Wie bei einem Samenkorn

Auf die Frage, was genau nach dem Tod geschehe, antwortete Bedford-Strohm: „Niemand war tot, ist zurückgekommen und kann uns sagen, wie es eigentlich ist. Wir können uns davon nur Bilder machen.“ In diesem Zusammenhang zitiert er die Offenbarung des Johannes: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein.“

Das ewige Leben stellt sich Bedford-Strohm wie folgt vor: „Wir werden verwandelt werden. Wir können uns jetzt nicht genau vorstellen, wie wir aussehen.“ Es sei wie beim Samenkorn: Das Alte sterbe, und etwas Neues wachse. So habe es Paulus geschrieben. „Das finde ich ein sehr schönes Bild.“

Christentum einmalig unter den Weltreligionen

Bedford-Strohm ist sich sicher, an den richtigen Gott zu glauben: „Ich glaube an den Gott, der sich in einem Menschen gezeigt hat, der am Kreuz mit einem Schrei der Verzweiflung gestorben ist. Das ist für mich einmalig und nicht in anderen Religionen zu finden.“ Deshalb sei er von Herzen überzeugt von der Wahrheit der christlichen Tradition. Dieser Gott habe das Leid und die Verzweiflung am eigenen Leib erfahren. Daran erinnere der Karfreitag.

Auf die Frage nach der Ewigkeitsformel, die Wissenschaftler und Multimilliardäre mit Gentechnik und Anti-Aging-Pillen jagen, erinnerte Bedford-Strohm an die Schöpfungsgeschichte. „Am Ende werden Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben und die Cherubim vors Paradies gestellt – sie sollen den Eingang bewachen. Warum? Weil im Paradies nicht nur der Baum der Erkenntnis steht, sondern auch der Baum des Lebens“, sagte Bedford-Strohm.

Die Cherubim hätten Adam und Eva davor geschützt, auch noch von diesem Baum zu essen und so unsterblich zu werden. Das sei ein Akt der Liebe Gottes gewesen. „Unsterblich zu sein, ist für mich keine gute Vorstellung“, erklärte Bedford-Strohm. Die Perfektion des Menschen anzustreben, habe Auswirkungen darauf, wie die Gesellschaft mit Menschen umgehe, die schwach seien. In seinen Augen wäre der Verlust von Barmherzigkeit die Folge. (pro)

Von: mm

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Tue, 18 Apr 2017 15:25:00 +0200
<![CDATA[„Ich habe vielleicht nicht das schwierigste Leben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/04/18/ich-habe-vielleicht-nicht-das-schwierigste-leben/ Lesen Sie das Interview mit Wolfgang Grupp im Christlichen Medienmagazin pro 2/2017. Kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online

von: js

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Tue, 18 Apr 2017 11:04:00 +0200
<![CDATA[Revolutionär: Zwei Frauen sind die ersten Zeugen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/16/revolutionaer-zwei-frauen-sind-die-ersten-zeugen/ Von Christoph Irion]]> Vor knapp 2.000 Jahren verbreitet sich von Jerusalem aus diese Nachricht: „Der Herr ist auferstanden“ – Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes, wurde zu Unrecht verurteilt. Am Kreuz von Golgatha starb er einen qualvollen Tod. Doch am dritten Tag ist dieser Jesus von den Toten auferstanden.

In dieser „Breaking News“, quasi einer Eilmeldung aus der orientalischen Antike, geht es um neues Leben, um Erlösung, Heilung und Hoffnung für die Menschen und um die Versöhnung mit Gott. Der Tod, die Trennung des Menschen von Gott – sie sind überwunden. Und Jesus, der Sohn Gottes, er lebt. So lautet die zentrale Nachricht des Ostermorgens. Und zu denen, die ihm nachfolgen, sagt Jesus: Ihr sollt auch leben! (Joh. 14,19).

Ungeheuerliche Nachricht, die viele nicht glauben konnten

Der Sohn Gottes ist von den Toten auferstanden: Dies ist wohl die überraschendste Nachricht der Weltgeschichte. Und nach Überzeugung der Christen: Es ist auch die wichtigste Nachricht, die je verkündet wurde. Und sie bleibt aktuell. Allerdings, zugegeben: Diese Nachricht, sie ist so ungeheuerlich, so unglaublich, dass viele sie einfach nicht glauben können.

Theologen haben diese Geschichte vielfach durchleuchtet, kritisch hinterfragt, durchdrungen und gedeutet. Journalisten jedoch suchen immer auch nach der Geschichte hinter der Geschichte. Und die kann man tatsächlich im Ostergeschehen entdecken. Die kurze Schilderung im Matthäusevangelium (Kap. 28, 1-10) enthält eine bemerkenswerte, eine fast zeitlose, eine brisante gesellschaftspolitische Botschaft.

Erste Zeugen sind zwei Frauen

Die gibt es in keiner anderen Religion, nur im Christentum: Wem eigentlich wird diese „Breaking News“, diese Nachricht, die in der Weltgeschichte beispiellos ist, anvertraut? Wer sind die ersten Zeugen? Wer sind die ersten – quasi von Gott selbst – autorisierten Berichterstatter?

Es sind nicht die von der staatlichen Besatzungsmacht offiziell abgeordneten Soldaten. Es sind auch nicht die Jünger, die besten Freunde und vertrautesten Vertrauten von Jesus. Oder die religiösen Würdenträger, die an hohen, offiziellen Feiertagen gern in der ersten Reihe sitzen - und auch von Amts wegen immer eine wichtige Rolle spielen. Die Überbringer dieser „Breaking News“ von Ostern sind auch keine Profi-Reporter, die für so einen Job ausgebildet wären.

Sondern es sind – man könnte abfällig sagen – zwei dahergelaufene Frauen. Es sind zwei Frauen, die Jesus lieb hatten und ihm über den Tod hinaus treu geblieben waren. Maria Magdalena und eine weitere Maria aus dem Freundeskreis Jesu sind die Erst-Überbringer der aus Sicht des Christentums wichtigsten Nachricht für die Menschheit.

Stellung der Frau im alten Rom

Aus Sicht der Zeitgenossen war das ein Skandal! Der Bericht des Evangelisten, der diese Aussagen trifft, muss für Leser in der Antike brisant geklungen haben. Nicht nur wegen der unerhörten Botschaft: Jesus ist auferstanden. Sondern auch wegen der Rolle, die hier die Frauen spielen.

Die Stellung einer Frau im alten Rom war stark abhängig vom sozialen Rang ihrer Familie. Frauen aus angesehenen Patrizierfamilien genossen durchaus öffentliches Ansehen. Sie konnten sich als Person recht frei entfalten. Sklavinnen und Unfreie waren völlig rechtlos. Aber nach römischem Recht durften selbst höhergestellte Frauen niemals Vormund sein, noch Bürge, noch politische oder öffentliche Ämter ausüben.

Maria aus Magdala und die andere Maria sind keine höhergestellten Frauen. Sie stammen nicht nur aus der Provinz, sondern auch noch aus einem unterdrückten Volk, aus dem besetzten Landstrich Galiläa. Aber nach dem Bericht des Matthäus kommen sie völlig unverhofft in den Genuss eines beispiellosen, göttlichen Privilegs.

Warum hat Gott die wichtigste Botschaft Frauen anvertraut?

Erstens: Gott hat es gefallen, dass Maria und Maria die allererste menschliche Begegnung mit dem auferstandenen Jesus erleben. Sie berühren ihn sogar. Zweitens: Gottes Bote, der strahlende Engel am geöffneten Grab, bestätigt sie als Zeugen. Und drittens: Er beauftragt sie, diese wichtige Nachricht schnell weiterzusagen.

Für alle Zeit wird ihr Name genannt werden, wenn die Botschaft des auferstandenen Jesus weitererzählt wird. Warum hat Gott diese wichtigste Oster-Botschaft Frauen anvertraut? Man darf spekulieren: Spielt es eine Rolle, dass Frauen empathischer sind als Männer?

Sind sie zuverlässiger und treuer, gerade dann, wenn es ernst wird? Und: Machen starke Männer gerade dann schlapp, sind sie feige und laufen weg, wenn Pläne scheitern? Resignieren Männer eher, wenn sich ihr Machtanspruch nicht durchsetzen lässt? Das sind Klischees. Aber an vielen Klischees klebt auch Wahrheit.

Gott interessiert nicht die Herkunft

Fest steht jedenfalls: Maria und Maria hatten Jesus lieb, sie waren fürsorglich und treu – auch als Jesus in den Augen aller als gescheitert gelten musste. Und noch etwas steht fest: Wenn Gott einen sehr wichtigen Auftrag hat, wenn er Menschen Vertrauen entgegenbringt, dann macht Gott dies nicht abhängig von Ämtern, Bildung, Herkunft, Beziehungen, Rechtsstatus, Geschlecht, Macht, Mehrheit oder Einfluss.

Maria Magdalena und die andere Maria als Kronzeuginnen des Auferstehungs-Geschehens – das ist eine geradezu revolutionäre Botschaft des Christentums. Und sie ist wirklich modern. (pro)

Der Artikel ist der Osterpredigt vom 16. April 2017 in der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Wetzlar entnommen.

Von: iri

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Sun, 16 Apr 2017 14:23:00 +0200
<![CDATA[Mehrheit der Deutschen sieht im Glauben Sinnstiftung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/04/16/mehrheit-der-deutschen-sieht-im-glauben-sinnstiftung/ Die Bild am Sonntag hat zu Ostern die Deutschen zum Thema Glauben befragt. Über die Hälfte aller Deutschen (53 Prozent) findet demnach, dass der Glaube dem Leben einen Sinn gibt. Durch den weltweiten Terror und die Gewalt werden Religionen aber auch zunehmend als Teil des Problems angesehen.

Fast 70 Prozent der Deutschen denken, dass der Glaube die Gesellschaft spalten kann. 46 Prozent sehen den Glauben als Ausgangspunkt für Terror an. Für noch 40 Prozent bewirkt der Glaube Intoleranz. Nur 29 Prozent sind der Überzeugung, dass die Welt durch den Glauben insgesamt friedlicher wird.

Für 67 Prozent der Befragten ist der Glaube aber auch Trostspender in schwierigen Lebenslagen. Dass Glaube Berge versetzen kann, denken 36 Prozent der Deutschen. Wenn es darum geht, ob der eigene Glaube durch Terrorangriffe erschüttert wird, verneinen das 50 Prozent der Katholiken. Bei den Protestanten sind es 37 Prozent. Laut der Umfrage gaben 25 Prozent an, keinen Glauben zu haben, 17 Prozent enthielten sich einer eindeutigen Aussage. (pro)

Von: mm

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Sun, 16 Apr 2017 13:14:00 +0200
<![CDATA[Er ist wahrhaftig auferstanden!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/15/er-ist-wahrhaftig-auferstanden/ Gerrit Hohage im Gastbeitrag.]]> Dunkel und schwer die Schritte. Drei Frauen sind auf dem Weg. Dunkel ist es auch in ihrer Seele an diesem frühen Morgen wie manchmal in unserer; sie wollen einen letzten Abschied nehmen. Abschied von Jesus, an den sie geglaubt hatten, dessen Tod am Kreuz sie getroffen hatte wie eine Bombe, die all ihre Hoffnung zerplatzen ließ. Die Salben und Öle, mit denen man damals einen Leichnam einbalsamierte, haben sie dabei. Sie ahnen noch nicht, in welchen Morgen sie hineingehen. Es ist der Morgen aller Morgen, der Anfang der Neuschöpfung, der Manifestation des neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen.

Der Engel und das Ladekabel

Vor dem Grab sehen sie nicht den Stein, den sie erwarteten, sondern den Engel Gottes, der zu ihnen redet. „Ich weiß, Ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier, er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stelle, wo er gelegen hat.“ (Matthäus 28,5-6). Die Botschaft, in der die Kraft Gottes liegt, kommt durch das Ohr ins Herz. Das Auge sieht ein leeres Grab. Dafür kann es viele Erklärungen geben.

Es ist das Wort des Engels, das eindeutig ist, das zum Verbindungselement mit der neuen Wirklichkeit Gottes wird. Es ist wie das Handy-Ladekabel, das du irgendwo einsteckst und durch das der Strom fließt. Nur: Ohne Strom fließt kein Strom. Wenn die Steckdose tot ist, lädt das Handy nicht. Manche Menschen in Kirche und Theologie haben gesagt: Die Worte selbst sind die Wirklichkeit. Das ist wie ein Handy-Kabel ohne Steckdose. Da fehlt das Entscheidende! Das ereignet sich nämlich, als die Frauen den Worten des Engels folgen: „Geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden“. Das machen die Frauen so, sie nehmen diese Worte, vertrauen ihnen und tun, was sie sagen – pling, Ladekabel in die Steckdose! – und zack, kommt die Wirklichkeit der Auferstehung mit der vollen Power zu ihnen durch, und sie begegnen Jesus selbst.

Jetzt können sie ihn sehen und selbst erfahren: Was der Engel gesagt hat, ist echt, das ist wirklich passiert. Und als sie dann zu den Jüngern kommen, rufen sie ihnen die Botschaft zu, die Forscher als den ältesten erreichbaren Wortfitzel des Neuen Testamentes ausgemacht haben: „Gott hat Jesus auferweckt von den Toten!“ Sie meinen das nicht einfach als neutrale Information, sondern: „Er ist für uns auferstanden, wir haben ihn wieder, er ist hier und jetzt unser Herr, der lebt und mit dem wir verbunden sind“. „Realpräsenz“ nennt man das mit einem theologischen Begriff: Er ist wirklich da.

Der Kontakt besteht – auch heute

Das haben auch die Jünger erfahren und nach ihnen unzählige Christen, und zwar auf genau demselben Weg: Erst die Botschaft, dann das Vertrauen, dann die Power der göttlichen Wirklichkeit. Ihn mit den Augen zu sehen war dabei den ersten Christen während 40 Tagen vorbehalten – der Apostel Paulus schreibt von über fünfhundert Menschen – aber ihm auf die göttliche Weise begegnen können wir heute noch immer, vor allem wenn wir beten. In dieser wahrhaftigen Begegnung mit dem lebendigen, gegenwärtigen Jesus Christus besteht das Geheimnis und die Kraftquelle des christlichen Glaubens. An sie erinnern wir uns gegenseitig, wenn in vielen tausend Kirchen am Ostersonntag der traditionelle Ostergruß erklingt: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ (pro)

Von: Gerrit Hohage

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Sat, 15 Apr 2017 10:12:00 +0200
<![CDATA[Eine wirklich gute Botschaft!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/04/13/eine-wirklich-gute-botschaft/ Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger]]> Das Magazin Der Spiegel, die Wochenzeitung Die Zeit, die Tagesschau – alle großen Medien berichteten diese Woche darüber, dass der Ex-Präsident der USA, Barack Obama, zum Evangelischen Kirchentag nach Berlin reist. Dem Kirchentag ist es gelungen, mit der spektakulären Personalie Aufmerksamkeit für das Glaubensfest am Himmelfahrtswochenende zu schaffen.

Wichtiger noch: positive Aufmerksamkeit, denn Obama ist in Deutschland nach wie vor beliebt wie kaum ein Politiker. Zum Ende seiner Amtszeit 2016 bescheinigten ihm 84 Prozent der Deutschen, ein guter Präsident gewesen zu sein, ergab eine N24-Emnid-Umfrage. Obamas Popularität dürfte seither nicht gesunken sein.

Für den Kirchentag ist Obamas Name in der Liste der prominenten Redner daher ein Glanzpunkt. Zu Recht können die Organisatoren stolz auf dieses Highlight sein.

Umso ärgerlicher sind die Stimmen der Mahner und Kritiker, die sich nicht über die zusätzliche Aufmerksamkeit für das bunte Glaubensfest freuen können. Der Theologe und Bestseller-Autor Peter Hahne warf der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vor, sich im Licht Prominenter zu sonnen und beleidigte den ehemaligen US-Präsidenten als „abgehalfterten Messias“, sprach gar von einer „parasitären Publizität“, derer sich die Kirche bediene.

Tatsächlich versteht sich der Kirchentag als „gesellschaftliches Forum der Diskussion und Gemeinschaft“ und ist durch seine Vielfalt eine durchaus liberale Veranstaltung innerhalb des christlichen Spektrums in Deutschland. Der liberale Ex-Präsident Obama passt da gut ins Programm – schon im Vorfeld zu unterstellen, dass in seiner Rede Glaubensinhalte zu kurz kämen, ist dennoch schwarzseherisch. Obama hat sich mehrfach zu seinem Glauben bekannt. Bei Entscheidungen, die er als Präsident und Familienvater getroffen habe, habe er sich mehrfach an der Bibel orientiert. Vielleicht überrascht er die Zuhörer mit einem echten Glaubenszeugnis. Das wäre wunderbar. Vielleicht werden überzeugte Christen aber auch enttäuscht sein, sollte es seiner Rede am Ende doch an Tiefe fehlen. Kritik kann dann natürlich geübt werden – aber bitte erst hinterher.

Obamas Besuch hat auf jeden Fall sein Gutes: Der ehemals mächtigste Mann der Welt wird Menschen anlocken, die sonst nicht zum Kirchentag gekommen wären. Menschen, die nur deswegen kommen, um Obama einmal live zu erleben. Sollten sie tatsächlich in dessen Rede nicht die erhoffte geistliche Tiefe finden, so stoßen sie vielleicht anderswo in der fröhlichen Kirchentagsvielfalt darauf. Denn in dem bunten Treiben wird mit Sicherheit auch das von Hahne – zu Recht – gewünschte „pure Evangelium in der kompromisslosen Sprache Luthers“ zu finden sein. Was für eine Chance für den Glauben! (pro)

Von: str

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Thu, 13 Apr 2017 16:02:00 +0200
<![CDATA[Erst Wittenberg, dann die ganze Welt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/04/13/erst-wittenberg-dann-die-ganze-welt/ Eine aufgesprengte DNA-Doppelhelix ist das erste, das Besucher der Ausstellung „Der Luthereffekt" im Berliner Martin-Gropius-Bau sehen. Waagerechte und senkrechte Streben aus Metall füllen den abgedunkelten Innenraum des Museums. Wer will, kann sie durchwandern, die verschiedenen durch die Gerüste vorgegebenen Pfade führen zu unterschiedlichen Ecken der in dieser Woche eröffneten Lutherschau.

Geschaffen hat die Installation der Künstler Hans-Peter Kuhn. Sie ist das Herz dieser einen von insgesamt drei nationalen und durch die Bunderegierung mit mehreren Millionen Euro geförderten Sonderausstellungen. Die Doppelhelix soll an die Genesis erinnern, die verschiedenen Pfade an die unterschiedlichen Wege, die der Protestantismus genommen hat. Denn was in Wittenberg begann, hat nicht nur die Kirche des 16. Jahrhunderts und nicht nur Europa verändert.

Teufelsaustreibungen, Megakirchen und Luther

Exemplarisch zeigt die Ausstellung das an vier Ländern: Tansania, Schweden, den USA und Südkorea. Gemeinsam ist ihnen, dass sie bis heute eine starke evangelische Prägung haben, zurückzuführen vor allem auf Migrationsbewegungen, Kolonialismus und evangelische Mission.

Tansania ist das Land mit der zweitgrößten Lutherischen Kirche der Welt, Südkorea hat den stärksten protestantischen Bevölkerungsanteil in Ostasien. Megakirchen sind dort eine Normalität. In Tansania gibt es heute charismatische Gottesdienste, in denen Menschen sich auf dem Boden winden und Teufelsaustreibungen durchgeführt werden, wie eine beeindruckende Fotoreportage zeigt. Ebenso treffen sich Gläubige in traditionellen Kirchgebäuden zu lutherischen Glaubensveranstaltungen.

Dass diese Vielfalt ihren Ursprung in der Ideenwelt der Reformation hat, zeigt ein Gemälde der Ausstellung exemplarisch. Zu sehen ist Martin Luther im Kreise seiner Mitstreiter, die er freilich nur zum Teil persönlich kannte, ja, die nicht einmal alle in seiner Zeit lebten: Ulrich Zwingli, Johannes Calvin, John Wyclif oder Philipp Melanchthon. Sie alle einte die Idee einer erneuerten Kirche, auch wenn sich diese in den aus ihrem Bestreben hervorgehenden Lehren stark unterschieden. Lutheraner und Reformierte trennt die Abendmahlslehre, Calvin wiederum betonte die Sitte stärker als es sein Mitstreiter Zwingli tat. Die Täufer lehnten die Kindstaufe ab, die Katholiken hingegen die Idee des unmittelbaren Zugangs zu Gott.

So macht „Der Luthereffekt" schnell klar: Die Reformation war kein Kampf der Protestanten gegen die Katholiken. Er wurde schnell auch zu einem innerevangelischen, in dem Minderheiten unterdrückt und verfolgt wurden und der zu massiven Migrationsbewegungen unter anderem in die USA führte.

Auf der Suche nach Glaubensfreiheit

So waren es letztlich auch die Verstimmungen zwischen den Denominationen, die historische und glaubensgeleitete Persönlichkeiten wie den Missionar Billy Graham oder den Bürgerrechtler Martin Luther King erst möglich machten. Die schwarze Kirche als Antwort auf die Sklaverei, das Verbot der Staatskirche und damit die Möglichkeit der freikirchlichen Vielfalt – das alles ist letztenendes Konsequenz einer europäischen Fluchtbewegung, die Luther sicher nicht gewollt, dennoch aber mitausgelöst hat. Quäker, Amische, Mennoniten oder Herrnhuter: Sie alle suchten die Glaubensfreiheit, die ihnen in ihren Heimatländern nicht garantiert war. Damit haben sie die Basis für die bunte Kirchenwelt gelegt, die in den Vereinigten Staaten bis heute zu beobachten ist.

Es ist die größte Stärke dieser Ausstellung, dass sie die protestantische Vielfalt betont, die Glaubensrichtungen zugleich aber nüchtern nebeneinander stehen lässt. Egal ob Freikirche oder Lutheraner – im Gropius-Bau werden die Denominationen sauber eingeordnet, nicht aber bewertet. Ähnlich ist der Blick der Kuratoren auf den Reformator selbst. Luthers Judenfeindlichkeit ist Thema der Ausstellung, ebenso aber seine zumindest teilweise Aufwertung der Rolle der Frau und der Ehe selbst.

Wer diese Ausstellung gesehen hat, weiß: Luther und seine reformatorischen Zeitgenossen haben die Welt wahrlich verändert. Nicht nur zum Guten sicherlich. Glaubenskriege, Unterdrückung von Minderheiten oder Judenhass gehören ebenso zu ihrem Erbe wie die Freiheit eines Christenmenschen. Doch wer nach Ansicht des „Luthereffekts" noch der Meinung ist, Religion habe keinen Platz im Schulunterricht oder generell im öffentlichen Raum, der ist entlarvt als jemand, der einen Teil globaler Geschichte negieren will. (pro)

Von: al

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Thu, 13 Apr 2017 14:05:00 +0200
<![CDATA[EKD und Linke uneins beim Tanzverbot]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/04/13/ekd-und-linke-uneins-beim-tanzverbot/ An Karfreitag gedenken Christen weltweit an das Leiden und Sterben Jesu. In Deutschland wurde Karfreitag von den meisten Bundesländern als sogenannter stiller Feiertag geregelt: Da an den „stillen Tagen“ neben Sportveranstaltungen in vielen Bundesländern auch öffentliche Tanzveranstaltungen verboten sind, spricht man geläufig vom „Tanzverbot“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bredford-Strohm, hat die Wichtigkeit dieses stillen Feiertages betont: „Ein stiller Freitag lehrt uns, gegenüber dem Leiden der Menschen in der Welt nicht abzustumpfen“, teilte er am Mittwoch mit. Vielmehr sei es eine Gelegenheit, dem Horror von Sterben und Gewalt auf dieser Erde ins Gesicht zu schauen. Der Karfreitag sei ein „besonderer Ort“, um das Leid von Menschen, die in Armut leben und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen sind, zu sehen.

Die Versuchung sei groß, einfach über das Leiden durch billigen Optimismus hinwegzugehen. Diese Aussage untermauert Bredford-Strohm mit einem Zitat Martin Luthers aus dessen Heidelberger Disputation 1518: „Der Theologe des Kreuzes nennt die Dinge, wie sie wirklich sind.“ Manchmal sei es schwer, Leiden selbst auszuhalten oder mitzutragen – ob im persönlichen Lebensumfeld oder in anderen Ländern der Welt. „Deswegen ist der Karfreitag als stiller Feiertag für unser ganzes Land so wichtig“, so der EKD-CHef. „Daran können auch Provokationen, die diesen Tag zum Partytag machen wollen, nichts ändern.“

Linke: Relikt aus dem letzten Jahrhundert

Ganz anders sieht das die Partei der Linken. In einer Pressemitteilung erklärte die Partei, stille Feiertage seien ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert. Dazu zählt Ralf Michalowsky, Kandidat der NRW-Linken zur bevorstehenden NRW-Landtagswahl, auch das Tanzverbot an Karfreitag. Dieses Verbot „gehört endgültig abgeschafft“.

Michalowsky kritisiert: „Obwohl sich immer mehr Menschen bewusst der mittelalterlich anmutenden Ideologie von Kirchen und Religionsgemeinschaften entziehen, ist deren Einfluss noch immer ungebrochen.“

Weitere Einschränkungen wie das Verbot von Wohnungsumzügen, Schachturnieren, Filmvorführungen und gewerblichen Ausstellungen am Karfreitag sollten ebenso abgeschafft werden, fordert Michalowsky. Der Linke-Politiker kündigt an, sich in Nordrhein-Westfahlen für eine radikale Änderung der Feiertagsgesetzgebung einzusetzen.

Laut einer aktuellen Umfrage gibt eine knappe Mehrheit der Deutschen im Streit um stille Feiertage der Kirche recht – und spricht sich dafür aus, das Tanzverbot beizubehalten.(pro)

Von: csc

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Thu, 13 Apr 2017 13:51:00 +0200
<![CDATA[Einer von ihnen!? – Luther und die Katholiken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/04/13/einer-von-ihnen-luther-und-die-katholiken/ Martin Luther sei der „Gemeinste aller Zweifüßler“, „ein großer Unflat“, der „das Maul voller Dreck“ habe – so die verbreitete katholische Meinung in den Jahren nach 1517 und darüber hinaus. Seitdem hat sich viel getan. Heute heißt es von dieser Seite: Er sei ein „Lehrer im Glauben“, ein „beeindruckender Gottessucher“. Eine deutschlandweit einmalige Ausstellung zum Reformationsjubiläum dokumentiert nun das katholische Lutherbild in den vergangen 500 Jahren und zeigt, ab wann und wie es sich veränderte.

Dazu wurde eine innovative Schau konzipiert. Die rot-blauen Brillen, die am Eingang verteilt werden, sorgen dafür, dass entweder die katholische oder die evangelische Sicht auf Luther betrachtet werden kann. Ein und dasselbe Bild sieht dann ganz unterschiedlich aus. Zu finden sind die Inhalte nicht in Büchern oder auf Schautafeln. Die Exponate sind bedruckte Kisten, die den Besucher durch fünf Stationen der katholischen Luthersicht führen.

„Kulturkampf“ um Luther

Die Ausstellung beginnt mit den gemeinsamen Wurzeln und Luthers Absicht die Missstände zu beseitigen und nicht die Kirche zu spalten. Das zweite Kapitel beleuchtet die Zuspitzung des Konflikts mit den unüberwindbaren Gegensätzen. Auf katholischer Seite entstand in dieser Zeit ein polemisch verzerrtes Lutherbild, das über nahezu vier Jahrhunderte relativ konstant blieb. Selbst unter Protestanten verbreitete Annahmen, Luther hätte viel gegessen und getrunken, gehen auf diese ursprünglich katholische Polemik zurück.

Der dritte Schwerpunkt liegt auf der Zeit des preußischen Kulturkampfes zwischen 1871 und 1887, in der Luther von katholischer Seite eine weitere Abwertung erfuhr. Dabei wurde er „zunehmend pathologisiert und als psychisch degeneriert dargestellt“, fasst der Kurator des Lutherhauses Jochen Birkenmeier zusammen. "Dabei lässt sich eine Parallelität feststellen: Je mehr die Protestanten Luther zum Heiligen stilisierten, umso harscher hielten die Katholiken dagegen", so Birkenmeier weiter. Erst nach der Beilegung dieses politischen Konflikts setzte eine langsame Versachlichung in der Debatte um die Person Luthers ein, wie der vierte Abschnitt der Ausstellung zeigt. Das letzte, bis in die Gegenwart reichende Kapitel beginnt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dokumentiert, wie sich die katholische und evangelische Kirche in den vergangenen 70 Jahren schrittweise annäherten.

Luther-Ausstellung als ökumenisches Kunstwerk

Die Sonderausstellung des Lutherhauses versteht sich als Ergänzung zur nationalen Ausstellung auf der nahegelegenen Wartburg, die Anfang Mai eröffnet wird. Sie biete jedoch eine andere Ästhetik, einen anderen Zugang als eine klassische Ausstellung, sagt Jochen Birkenmeier. Sie sei in einen Annäherungsprozess einzuordnen, der, zumindest in Mitteldeutschland, zu einem inzwischen „partnerschaftlichen, fast freundschaftlichen Verhältnis“ beider Konfessionen führte, so der Kurator. „Natürlich gibt es noch offene Fragen, aber in theologischen Grundfragen ist man sich sehr nahe gekommen“, stellt Birkenmeier fest.

„Die Ausstellung ist ein gemeinsames, ökumenisches Werk“, betonte auch Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, bei der Eröffnung der Ausstellung am Mittwochabend. Und darin liegt tatsächlich der Wert der Ausstellung: Die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Perspektiven auf Martin Luther ermöglicht einem Gewinn für beide Seiten. Die Ausstellung ist durchgängig zweisprachig (deutsch/englisch), barrierefrei und ab 13. April täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Das Eisenacher Lutherhaus gehört zu den europäischen Kulturerbestätten und ist eines der bedeutendsten Reformationsmuseen in Mitteldeutschland. (pro)

Von: Mirjam Petermann

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Thu, 13 Apr 2017 12:38:00 +0200
<![CDATA[Terra X ist dem Reformator auf der Spur]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/04/13/terra-x-ist-dem-reformator-auf-der-spur/ Johannes Weil rezensiert die ZDF-Produktion.]]> Die Suche nach Wahrheit und Wissen ist zu Beginn des 16. Jahrhunderts in vollem Gange. Wie der Theologe Martin Luther damit umgeht und welche Schlüsse er für sich zieht, untersucht Harald Lesch in drei Teilen der Sendung Terra X „Der große Anfang – 500 Jahre Reformation“. Der Physiker betont, dass sich Luther von dem Anspruch der Zeit habe anstecken lassen, Dingen genau auf den Grund zu gehen.

Im ersten der drei Teile verdeutlicht Lesch, wie wenig Kritik die Kirche damals duldete. Deswegen seien Luthers Glaubensfragen alles andere als harmlos gewesen, findet Lesch. Im Römerbrief habe er den gnädigen Gott entdeckt. Dessen Gnade sei nicht vom Geld im Opferkasten abhängig. Luther habe von der damaligen Alphabetisierung und der Medienrevolution immens profitiert. Die Verbreitung seiner Schriften habe eine Lawine der Worte losgetreten.

Held gegen eine Welt voll Schurken

Der Papst habe den Druck auf Luther bis hin zum Kirchenbann erhöht. Lesch zeigt anschaulich die Strukturen des damaligen Reichstags. Er stellt Luther als „Helden gegen eine Welt voll Schurken“ dar. Der Buchdruck habe dafür gesorgt, dass seine Ideen nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind und die Geschichte der Reformation starten konnte. Die Zweifel an seiner Kirche wachsen.

Im zweiten Teil der Sendung wird deutlich, welche Konsequenzen der Aufruhr und die Reformation für die Bevölkerung damals hatten. Die Bauern begehrten gegen die Klöster und Landesherren auf. Luthers Schriften hatten daran einen erheblichen Anteil. Thomas Müntzer ruft zum Kampf für das gemeine Volk auf. Der soziale Zündstoff der Zeit vermischt sich mit den Ideen der Reformation. Luther kann die Bauern aus Glaubensgründen nicht unterstützten. Müntzer verliert den ungleichen Kampf. Die Reformation wird zur Gewaltorgie, und Luther wird vorgeworfen, dass er auf der Seite der Gewaltherrscher steht.

Merchandising der frühen Neuzeit

Lesch stellt mit Lucas Cranach einen überzeugten Anhänger der Reformation vor. Er versammelte die neuen Medientechniken der Zeit und etablierte das „Merchandising“ der Reformation. Ebenso arbeitet Lesch heraus, wie Luther mit der Heirat Katharina von Boras die Altgläubigen provozierte und wie stark die Reformation den Kontinent ins Wanken brachte.

Teil drei der Dokumentation „Das Feuer“ zeigt ebenfalls die blutigen Seiten der Reformation. Weil das Fundament der Kirche unter der Kritik Luthers zusammenbrach, wollten viele Prediger dieses Vakuum nutzen. Lesch beschäftigt sich intensiv mit der Täufer-Bewegung in Münster, die in der Stadt mit Gewalt ein „neues Jerusalem“ begründen möchten. Zudem gehen unter den Anhängern der Reformation die Ansichten immer deutlicher auseinander: Ulrich Zwingli und Johannes Calvin werden zu Gegenspielern Luthers.

Für die Reformatoren stellt sich die Frage: Was darf geduldet werden und was nicht? Hinzu kommt die Angst vor der Ausbreitung des osmanischen Reichs und die Doppelehe von Landgraf Philipp, die deutliche Positionierungen fordern. Die Reformation wurde 20 Mal zum Gegenstand von Reichstagen. Mit dem Vertragsschluss 1555 wurde die Einheit der Kirche aufgegeben.

Die Dokumentation wirft einen Blick über diese Zeit hinaus, deren Tiefpunkt der Dreißigjährige Krieg war. Dessen Friedensschlüsse schufen die Grundlagen des föderalen Deutschlands. Zugleich mussten in England und Frankreich viele Gläubige fliehen und die Gegenreformation setzte ein. Während Karl V. seinen Traum vom Weltreich begraben musste, sei es Luther nicht gelungen, seine Kirche wieder zu einen.

Bewundert, gefürchtet, verhasst

Die Dokumentation zeichnet aus, dass der Moderator viele wichtige Orte der Reformation besucht. Seine unaufgeregte Art und seine große Neugier machen die Sendung sehr sehenswert. Durch die vielen Spielszenen wird die Reformationsgeschichte anschaulich dargestellt und Lesch erklärt viele Zusammenhänge verständlich. Das Format schlägt einen Bogen von der Renaissance bis heute. Sie zeigt einen Luther, der bewundert, gefürchtet und verhasst war und dem die Reformation zum Ende hin entglitten ist, was sich auch in seinen Schriften gegen die Juden zeigte.

Die drei Teile werden an Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag jeweils um 19:30 Uhr im ZDF gezeigt. Das Buch für die Doku stammt von Ingo Helm, Regie führt Andreas Sawall. (pro)

Von: jw

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Thu, 13 Apr 2017 12:00:00 +0200
<![CDATA[Emeritierter Papst Benedikt XVI. wird 90]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2017/04/13/emeritierter-papst-benedikt-xvi-wird-90/ Seine Wahl zum Papst 2005 galt als große Überraschung. In seinem achtjährigen Pontifikat sorgte Benedikt XVI. für weitere Überraschungen. Unvergessen sind seine Auftritte bei den Weltjugendtagen und im Deutschen Bundestag. Am 16. April feiert der frühere Papst seinen 90. Geburtstag. Mit ihm schied zum ersten Mal seit fast 600 Jahren ein Papst nicht durch seinen Tod aus dem Amt aus.

1927 geboren in Marktl am Inn galt Ratzinger in seiner Amtszeit als Traditionalist. Er forderte seine Kirche immer wieder dazu auf, gegen die Beliebigkeit der Gesellschaft anzukämpfen und stark im Glauben zu bleiben. Für die einen war er zu konservativ, die anderen sahen gerade in scharfsinniger Theologie seine Stärke.

Ratzinger wuchs mit seinen beiden Geschwistern Maria und Georg, der auch Priester wurde, auf. Mit 14 Jahren wurde er zwangsweise in die Hitlerjugend aufgenommen. Im Zweiten Weltkrieg musste er als Luftwaffenhelfer und später in der Wehrmacht dienen. Priester wollte er schon früh werden. Nach dem Abitur studierte Ratzinger Theologie und Philosophie in Freising und München.

Früh Chef der Glaubenskongregation

Zunächst war Ratzinger Kaplan in München, schlug dann aber eine wissenschaftliche Karriere ein. Mit 31 Jahren trat er seine erste Professur an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising an. Später lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 wurde er zum Erzbischof von München und Freising ernannt. Papst Johannes Paul II. berief ihn fünf Jahre später zum Präfekten der Glaubenskongregation. Als solcher hatte er die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen Katholischen Kirche zu fördern.

Die Homosexuellenverbände kritisierten ihn scharf dafür, dass er die rechtliche Anerkennung der Lebensgemeinschaften Homosexueller ablehnte. In Deutschland forcierte er den Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung. Nach dem Tod Johannes Paul II. wurde Ratzinger im vierten Wahlgang des Konklaves 2005 zum neuen Papst gewählt. Er bezeichnete sich selbst als „einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Der 78-Jährige besuchte zu Beginn seiner Amtszeit den Weltjugendtag in Köln. Ansonsten legte Ratzinger Wert auf eine bescheidenere und weniger zentralistische Art der Amtsführung.

Regensburger Rede erzürnt die Muslime

2006 erzürnte er die islamische Welt durch seine „Regensburger Rede“. Darin benutzte er das Zitat eines byzantinischen Kaisers: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten.“ Muslimische Vertreter interpretierten das als Hasspredigt. Bei seiner Türkei-Reise setzte Benedikt dann aber den Dialog mit den Muslimen fort. Als die Katholische Kirche 2007 ein Dokument veröffentlichte, das die Einzigartigkeit der römisch-katholischen Kirche betonte, sprach der damalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber von einem „Rückschlag für die Ökumene“.

„Es gibt Fragen, die nur durch den gekreuzigten Christus zu beantworten sind, durch den Menschen, in dem unser Leid an das Herz Gottes, an die ewige Liebe rührt.“

2009 hob Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier Piusbrüdern auf, unter ihnen auch der Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson. Benedikt XVI. gab an, zu diesem Zeitpunkt nichts von dessen Leugnung gewusst haben. Dagegen steht die Aussage des Stockholmer Bischof Anders Arborelius, den Vatikan bereits im Herbst 2008 davon unterrichtet zu haben. Benedikt XVI. erklärte 2010, dass er im Wissen um die Leugnung den Fall Williamson anders gehandelt hätte.

Ebenfalls in die Amtszeit Ratzingers fiel der Missbrauchsskandal und seine Aufarbeitung. Ratzinger suchte in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils den Dialog der Religionen und Kulturen. Er erinnerte an die „komplexen und oft schmerzlichen Beziehungen“ zwischen Christen und Juden, wies aber auch auf die gemeinsamen Wurzeln hin. Als er 2008 für die Bekehrung der Juden zu Jesus Christus betete, waren Vertreter des jüdischen Glaubens empört.

Politik der vorbeugenden Konfliktlösung

2011 rief Papst Benedikt XVI. ein Jahr des Glaubens aus. Den Vereinten Nationen schrieb er bei einer Rede dort eine „Politik der vorbeugenden Konfliktlösung“ ins Stammbuch. Dabei müssten alle diplomatischen Mittel und „selbst die geringfügigsten Zeichen“ von Dialogbereitschaft genutzt werden. Zugleich schloss er aber „kollektive Aktionen der internationalen Gemeinschaft“ nicht aus.

Benedikt XVI. besuchte in seiner Amtszeit das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Etliche Gläubige sahen dies als positives Zeichen. Seine Kritiker warfen ihm vor, sich nicht zum Thema Antisemitismus in Polen geäußert zu haben. Bei Fragen der Abtreibung und der Sterbehilfe blieb er der ablehnenden Linie seines Vorgängers treu. Vor allem die Gentechnik kritisierte Ratzinger scharf, weil sie im Widerspruch zur göttlichen Schöpfung stehe. Er warnte eindringlich vor der Embryonenforschung und den Möglichkeiten des Klonens.

Boykott im Deutschen Bundestag

Am 22. September 2011 hielt Papst Benedikt XVI. im Rahmen seiner Deutschland-Reise eine vielbeachtete Rede im Deutschen Bundestag. Er unterbreitete darin Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats. Etwa 100 Parlamentarier, vor allem der Linken, der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen boykottierten den Auftritt, weil sie ihn für unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates hielten.

Nach seinem Rücktritt 2013 nahm Joseph Kardinal Ratzinger nur noch selten an öffentlichen Anlässen teil. In fünf Einrichtungen wird sein geistiges Erbe erforscht und bewahrt beziehungsweise sein Leben und Werk dargestellt. Deutschland verlieh ihm 1994 das Großkreuz des Verdienstordens.

Das Online-Magazin The European würdigte Ratzinger dafür, dass der Glaube der Kirche an Jesus Christus durch ihn schärfer konturiert sei und „der Kern des Katholischen sichtbarer“ geworden sei. Ratzinger, der mehrere Sprachen fließend spricht, stand im Dezember 2012 auf der Forbes-Liste der 70 mächtigsten Menschen der Welt als Papst auf Platz 5. (pro)

Von: jw

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Thu, 13 Apr 2017 11:10:00 +0200
<![CDATA[Neuer Lesestoff für Menschen mit Verantwortung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/04/13/neuer-lesestoff-fuer-menschen-mit-verantwortung/ Anna Müller hat sie sich angeschaut.]]> „Mord“ ist das Thema der ersten Ausgabe des gomagazins. Das mag überraschen, richtet sich das Heft doch an Menschen, die in wirtschaftlichen Verantwortungspositionen stehen und Entscheidungen treffen – nicht an Krimifans. Doch die Herangehensweise an das Thema lebt von intellektuellen Anspielungen. Auf der ersten Seite zeigt ein Bild ein rohes Stück Fleisch mit der Überschrift „Leben“. Danach folgt als Erklärung: „Mit Gewalt wurden die Besten beseitigt“: etwa Mahatma Ghandi, Martin Luther King und Jesus. Die Auferstehung Jesu von den Toten sei aus Gottes Liebe zu den Menschen geschehen.

So möchte das gomagazin, inspiriert von der Osterbotschaft, Impulse geben für eine verantwortungsvolle Lebensgestaltung. Herausgeber ist die Internationale Vereinigung Christlicher Geschäftsleute und Führungskräfte (IVCG). Sie hat das Ziel, christliche Werte in der Gesellschaft zu fördern und ihre Bedeutung für Menschen mit Verantwortung weiterzugeben. Das gomagazin soll dabei helfen. Simon Jahn und Stephan Lehmann-Moldonado planen das Heft als Chefredakteure. Ein Teil der Texte wird von einem Team freier Autoren beigesteuert, zu denen Journalisten renommierter Medien gehören, wie etwa Markus Städeli, Redakteur der Neuen Zürcher Zeitung.

Ziel der Zeitschrift ist es, Menschen zu ermutigen, die selbst Verantwortung tragen oder wichtige Entscheidungen treffen müssen. „Das gomagazin bringt Führung und christliche Werte auf besondere Weise zusammen, ohne eine fromme Sprache oder gängige Klischees zu bedienen“, beschreibt Simon Jahn die Ausrichtung des Heftes. „Zudem bieten wir mit langen, tiefgründigen Lesestücken und einer hochwertigen Gestaltung in unserer schnelllebigen Zeit Gelegenheit zum Entschleunigen.“

Ermutigende Lebenszeugnisse

Die Ostergeschichte ist nur eine von vielen Perspektiven auf das Titelthema der ersten Ausgabe. Die Beiträge geben Einblicke in das Leben unterschiedlicher Menschen, die in verschiedenen Lebensbereichen Verantwortung übernommen haben und auf die eine oder andere, direkte oder indirekte Weise mit dem Thema „Mord“, mit Leben und Tod, zu tun haben. Ein Beitrag etwa schildert die Lebensgeschichte von Lilia Allemann, die die Brieffreundin zahlreicher, zum Tode verurteilter Schwerverbrecher ist. Durch ihre Liebe für die Täter, bringt sie Licht in die dunklen Tiefen der Gefängnisse.

Der Schweizer Unternehmer Samih Sawiris berichtet im Interview, wie er Gefängnisse in Wohn- oder Hotelanlagen verwandeln möchte; Profiler Axel Petermann, der täglich von Gewalt und Verbrechen umgeben ist, gewährt einen Blick in seinen Berufsalltag. Intersport-Chef Klaus Jost lässt die Leser daran teilhaben, wie er mit Schwierigkeiten im persönlichen Leben und im Beruf umgeht und was Gott mit den Höhen und Tiefen seines Lebens zu tun hat.

Weitere Beiträge handeln von Menschen, deren Glaube an Gott ihnen neue Perspektiven aufzeigt. Der indische Ökonom Prabhu Guptara etwa war Hindu, entschied sich aber, Jesus Christus nachzufolgen, dem „berühmtesten Mordopfer aller Zeiten“, wie es im gomagazin heißt. Im Ratgeber „Kille die leeren Floskeln“, geht es darum, warum Jesus vor inhaltslosem Gerede warnt.

Tiefsinnige Texte mit christlicher Wertorientierung, intellektuelle Gedankenspiele und hochwertige Fotografien auf 116 Seiten kennzeichnen das gomagazin. Laut Jahn kommt die erste Ausgabe des Magazins gut bei den Lesern an: „Uns erreichen sehr positive Rückmeldungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Sie zeigen, dass das gomagazin bei unserer Zielgruppe einen Nerv trifft.“ Das gomagazin wird in 4- und 5-Sterne-Hotels ausgelegt, ist am Bahnhofskiosk sowie im Abonnement erhältlich. Es erscheint viermal im Jahr. (pro)

Von: amu

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Thu, 13 Apr 2017 11:01:00 +0200
<![CDATA[Die Reformatorin, die nicht schweigen wollte]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/04/13/die-reformatorin-die-nicht-schweigen-wollte/ Als Tochter eines Schreinermeisters kam Katharina Schütz-Zell 1497 in Straßburg zur Welt. Sie war das fünfte von neun Kindern. Schon früh war sie theologisch gebildet und hörte viele Predigten. In einer Zeit, in der Frauen nicht öffentlich reden durften, hielt sie die Grabpredigt für eine verstorbene Freundin, kritisierte den Klerus und stellte die Gnade Gottes über die Macht der Kirche. Der Stadtrat und die Kirche wollten sie dafür bestrafen.

Wie Katharina aussah, weiß man nicht, da es keine Bilder von ihr gibt. Für die Dokumentation „Das Weib soll schweigen - Die Reformatorin Katharina Schütz-Zell“ spielt eine Schauspielerin Katharina. Ihr Mann Matthäus Zell predigte Luthers Botschaft. Er hatte in Straßburg bis zu 3.000 Zuhörer und war sehr populär – aber auch angefeindet. Katharina zählte auch zu seinen Zuhörern, sie lernen sich kennen und heiraten.

Die Historikerin Susanne Schenk erklärt im Film, dass es für jene Zeit aufsehenerregend war, dass ein Stadtgeistlicher heiratete. Wenn ein Geistlicher mit einer Frau zusammenlebte, dann heimlich; er zahlte der Kirche dann dafür ein Bußgeld. Katharina schreibt dem Bischof und argumentiert, dass die Ehe biblisch gesehen besser sei als das heimliche Zusammenleben.

Ihr Mann Matthäus begann schließlich damit, auf Deutsch zu predigen. Daraufhin wurde das Paar zunehmend von der katholischen Kirche diffarmiert. Katharina verfasste Briefe, die öffentlich wurden und damit die Gedanken der Reformation verbreiteten und andere Frauen ermutigten. Der Stadtrat verbot die Briefe.

Ihre Briefe verbreiten die Ideen der Reformation

Katharina Schütz-Zell war die erste Bürgerin, die einen Priester heiratete, sich mit Theologie befasste und mit Gelehrten stritt, 400 Jahre bevor es Frauen erlaubt wurde, zu studieren. Um die Reformation in der Bevölkerung zu verankern, veröffentlicht Katharina ein Gesangbuch, „dass die Lieder der Handwerksgesell bei der Arbeit, die Dienstmagd beim Schüsselwaschen, der Rebmann auf dem Acker und die Mutter dem weinenden Kind in der Wiege singe“.

Nachdem die Klöster in der Stadt aufgegeben werden und damit auch die Armenpflege, half sie mit, eine neue soziale Versorgung in der Stadt aufzubauen. Sie nahm Mittellose auf und warb bei anderen Bürgern für Unterkünfte und Spenden. Als 1524 im Bauernkrieg vor der Stadt 3.000 Bauern massakriert werden, beherbergt Katharina um die 100 Flüchtlinge im Pfarrhaus, teils monatelang. Katharina Schütz-Zell starb 1562. (pro)

„Das Weib soll schweigen - Die Reformatorin Katharina Schütz Zell“, 45 Minuten, Karfreitag, 14. April 2017, 12:45 Uhr, SWR Fernsehen

Von: js

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Thu, 13 Apr 2017 10:00:00 +0200
<![CDATA[Christliches im Osterprogramm]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/04/13/christliches-im-osterprogramm/ Das ausführlichste Format mit christlichem Bezug im diesjährigen Osterprogramm ist der „Terra X“-Dreiteiler „Der große Anfang – 500 Jahre Reformation“. Jeweils um 19.30 Uhr an Karfreitag, Ostersonntag und Ostermontag im ZDF ordnet Moderator Harald Lesch die Reformation historisch ein. Er fragt – unter anderem in aufwändigen Spielszenen – nach ihren Auswirkungen bis heute.

Das Zweite Deutsche Fernsehen zeigt zudem an Karfreitag um 15.15 Uhr die Sendung „Leben ist mehr!“. Darin begegnet der Arzt und Christ Dietrich Grönemeyer Menschen, die vor Kurzem die Diagnose Leukämie erhielten. Dietrich Grönemeyer spricht mit ihnen und denjenigen, die einen Knochenmarkspender gefunden haben. Am Sonntag überträgt der Sender um 9.30 Uhr den Ostergottesdienst aus der evangelischen Gemeinden in Wilhelmshaven-Bant.

Geburtstagskind Papst Benedikt

Ebenfalls an Ostersonntag, um 0.35 Uhr, widmet das ZDF Benedikt XVI. eine Dokumentation. Der ehemalige Papst feiert an diesem Tag seinen 90. Geburtstag. Der Film „Mitarbeiter der Wahrheit“ wirft einen Blick auf das Leben und Wirken Joseph Ratzingers und zeichnet seine wichtigsten Stationen als Papst nach. Dazu passt thematisch der Beitrag des Bayerischen Rundfunks am Ostersonntag um 16.15 Uhr. Dort gibt es Glückwünsche und Gedanken zum Geburtstag des ehemaligen Papstes.

Auch die großen christlichen Werke der Musik werden im Fernsehen ausgestrahlt. An Karfreitag zeigt 3sat um 09:05 Johann Sebastian Bachs Matthäus-Passion aus der Münchner Residenz. Am Ostermontag gibt es zur selben Zeit das Osterkonzert 2017 aus Stift Klosterneuburg. Bibel TV zeigt Brahms „Ein deutsches Requiem“.

Kurze Beiträge über die Tatorte der Reformation

An Karfreitag um 14.30 Uhr zeigt 3sat „Gottes mächtige Dienerin“. Der zweiteilige Fernsehfilm handelt von Pascalina Lehnert. Sie war die Haushälterin von Papst Pius XII. Der Film beruht auf der gleichnamigen Biografie von Martha Schad. Eine spannende Reihe verspricht auch der SWR. Er begibt sich auf die Suche nach den Tatorten der Reformation. Die 15-minütigen Beiträge heißen „Entführt auf die Wartburg“, „Verdächtigt in Erfurt“, „Ausgehungert in Münster“, „Gefangen in Köln“, „Verbrannt in Konstanz“ und „Erschlagen bei Zürich“.

Ein religiöses Thema auf komödiantische Art und Weise zeigt die ARD am Samstag um 14 Uhr mit dem Film „Ein Gauner Gottes“. Die Komödie handelt von einem Verbrecher, der um das Ansehen eines protestantischen Geistlichen kämpft. In der Hauptrolle ist Fritz Wepper zu sehen. Bibel TV bringt im Rahmen des Osterwochenendes diverse Teile der Reihe „Jesus und die Geschichte von …“. Die Folgen des Osterwochenendes beschäftigten sich mit Jesu Geschichte mit Maria Magdalena, Judas und Thomas.

Das Bayerische Fernsehen überträgt ab 22:00 Uhr die Katholische Osternacht aus dem Würzburger Dom. Die Feier der Osternacht gehört zu den feierlichsten Liturgien im Kirchenjahr, die die Zeit der Trauer und der Dunkelheit beendet. Musikalisch gestaltet die Osternacht die Mädchenkantorei des Würzburger Doms unter Leitung von Alexander Rüth. Am Ostersonntag überträgt die ARD „Ostern in Rom“ - mit dem Ostersegen des Papstes. Im ZDF ist der evangelische Gottesdienst zu sehen, der unter dem Thema „Freudenboten sind unterwegs“ steht.

Auf den Spuren der Bibelrätsel

Einen Bezug zur Reformation hat auch die Dokumentation „Das Weib soll schweigen“, die an Karfreitag um 12:45 Uhr im SWR übertragen wird. Sie beleuchtet das Leben der Straßburger Reformatorin Katharina Schütz Zell. An Ostersonntag ab 12.20 Uhr begibt sich der Sender 3sat auf die Spuren einiger Bibelrätsel. Dabei geht es in der ersten Ausgabe um die Karriere Gottes und seine Geschichte und in der zweiten Ausgabe um die 10 Gebote.

Am Ostersonntag überträgt Bibel TV um 10 Uhr den Gottesdienst live aus dem Kölner Dom. Um 16 Uhr kommt der Film „The Savior“, der das Leben Jesu zeigt. Produziert und gespielt wurde sie von den Menschen, die dort leben, wo auch Jesus zu Hause war. So ermöglicht der Film einen neuen, sehr realistischen Blick auf das Leben des Messias. Am Ostermontag überträgt die ARD um 10.00 Uhr den evangelischen Gottesdienst aus der Zionskirche Bethel.

Bibel TV kümmert sich auch um die jüngeren Zuschauer. „Logodor entdeckt Ostern“ handelt von einem Außerirdischen, der einen Reiseführer über die Erde schreibt. Dafür erforscht er auch Sitten, Rituale, Bedeutung und Wurzel von christlichen Feiertagen.

Bei Tele5 ist an Karfreitag um 22.00 Uhr „Die Passion Christi“ zu sehen. (pro)

Von: jw

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Thu, 13 Apr 2017 07:20:00 +0200
<![CDATA[„Deutschland ist eine Hochburg der Muslimbruderschaft“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/04/12/deutschland-ist-eine-hochburg-der-muslimbruderschaft/ Die Bombenanschläge auf koptische Kirchen in Ägypten haben die Welt erschüttert. Die koptischen Christen gelten als Urbewohner Ägyptens. Mittlerweile liegt deren Anteil bei rund zehn Prozent der Bevölkerung. „Das überhaupt noch Christen in Ägypten leben ist nach all der Verfolgung schon ein achtes Weltwunder“, meint der Bischof der Kopten in Deutschland, Anba Damian, im Interview mit der Tageszeitung Die Welt.

Von den Attacken der vergangenen Woche sei er wenig überrascht: „Mit uns greift man eine Wurzel des Christentums an.“ Ihn stört, dass die Al-Azhar-Universität Imame zur Friedfertigkeit aufrufe, sich aber sehr oft nicht ausreichend von der Muslimbruderschaft distanziere und Gegenmaßnahmen treffe. Der Muslimbruderschaft seien die Christen ein Dorn im Auge: „Wir wurden und werden in unserem Land wie Insekten behandelt, wie Bürger zweiter oder dritter Klasse.“

„In der Not ist Volker Kauder immer dabei“

Der jetzige Präsident Abdel al-Sisi meine es gut mit den Christen, findet Damian. Aktuell habe sich am Status noch nicht viel verbessert, er hoffe aber weiter darauf. „Wir raten den Geschwistern, ihr Leben dort so gut wie möglich zu führen und ihre Rechte zu verbessern, dass sie ihr Leben in Ägypten aushalten können.“ In Ägypten befänden sich die Heiligtümer, Klöster, Kirchen und Denkmäler der eigenen Religion.

Die Kopten in Deutschland könnten, abgesehen von Einzelfällen, sicher leben. Dies habe damit zu tun, dass es mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem CDU-Politiker Volker Kauder einflussreiche Fürsprecher gebe: „In der Not ist Volker Kauder immer dabei.“ In Deutschland gebe es viele lebendige christliche Gemeinden und standhafte Priester: „Christus hat auch in Deutschland viele Zeugen.“ Das Osterfest könne er trotz der Vorkommnisse gegen die Kopten feien – immerhin sei es das Fest des Sieges über den Tod. „In seinem Leiden verschwinden alle Leiden der Menschheit.“ Darüber hinaus gebe er die Hoffnung, mit ihm in alle Ewigkeit leben zu dürfen.

Allerdings: „Deutschland ist eine Hochburg der Muslimbruderschaft und der Salafisten“, so der Bischof. In Städten wie Düsseldorf, Köln oder Berlin seien radikale Muslime „sehr mächtig“.

Der Bischof der Kopten in Deutschland, Anba Damian, wuchs in Kairo auf. Er studierte Medizin und arbeitet als Arzt. Dann beschloss er, sein Leben Gott zu widmen. 1993 wurde er in Ägypten zum Priester geweiht und als Seelsorger nach Deutschland entsandt. Die Zahl der koptischen Christen in Ägypten schwankt zwischen sieben und zehn Millionen. Etwa eine halbe Million lebt in anderen Ländern, circa 12.000 davon in Deutschland. Ihre Anfänge gehen auf den Evangelisten Markus zurück. (pro)

Von: jw

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Wed, 12 Apr 2017 16:52:00 +0200