Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 18 Jan 2019 07:17:44 +0100 <![CDATA[Abgelehnte Asylbewerber sind Ebenbilder Gottes]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/01/17/abgelehnte-asylbewerber-sind-ebenbilder-gottes/ Kommentar appelliert Norbert Schäfer für mehr Achtsamkeit in der Kommunikation.]]> Das „Unwort des Jahres“ 2018 lautet „Anti-Abschiebe-Industrie“. Das hat die Sprecherin der sprachkritischen Jury, die Linguistik-Professorin Nina Janich, am Dienstag in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Der CSU-Politiker Alexander Dobrindt hatte den Begriff in einem Interview gebraucht und damit in die öffentliche Debatte eingeführt. Er wollte damit auf Klagen gegen die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber zielen, weil er darin eine Sabotage des Rechtsstaats erkannte. In der Sache kann man Dobrindt zustimmen oder nicht. In der Wortwahl jedoch sollte er künftig mehr Feingefühl an den Tag legen.

Zum „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 jährlich ein Begriff gekürt, der gegen das „Prinzip der Menschenwürde“ oder gegen „Prinzipien der Demokratie“ verstößt, indem er Menschen diskriminiert oder euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend ist. 2016 fiel die Wahl auf „Volksverräter“, 2017 war es der Begriff „Alternative Fakten“. Die Jury argumentierte in diesem Jahr, der Ausdruck „Anti-Abschiebe-Industrie“ unterstelle denjenigen, die abgelehnte Asylbewerber rechtlich unterstützen und Abschiebungen auf dem Rechtsweg prüfen, die Absicht, auch kriminell gewordene Flüchtlinge zu schützen und damit Geld zu verdienen.

Als Industrie wird der Teil der Wirtschaft bezeichnet, der sich mit der gewerblichen – also der geschäftsmäßigen – Gewinnung, Bearbeitung und Weiterverarbeitung von Rohstoffen oder Zwischenprodukten zu Sachgütern befasst. Das Unwort „Anti-Abschiebe-Industrie“ ist dazu geeignet, abgelehnte Asylbewerber auf einen irgendwie gearteten Rohstoff zu reduzieren, aus dem dann windige und findige Geschäftemacher ihren Profit ziehen. Zudem legt die Verwendung von „Industrie“ in dem Begriff nahe, dass in einem nebulösen Produktionsprozess aus abgelehnten Asylbewerbern – seien sie kriminell oder nicht – überhaupt erst Asylberechtigte „hergestellt“ würden.

„Menschen nicht wie Kartoffelsäcke behandeln"

Dobrindts (Un)Wortschöpfung hat die zweifelhafte Ehrung verdient. Gerade die Unionsparteien legen Wert darauf, dass sie für ein christliches Menschenbild eintreten. Das bedeutet, jeden Menschen als ein Ebenbild Gottes zu sehen. Jeden Menschen. Dobrindts zwar nicht unflätige, aber sich selbst disqualifizierende Wortwahl hat mich sofort an den ehemaligen CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder erinnert. Mir klingeln seine Worte auf der Bad Blankenburger Allianzkonferenz noch im Ohr: „Wir können Menschen nicht wie Kartoffelsäcke behandeln. Oder über sie sprechen, als wären sie Dinge.“ Wie wahr. Genau das hatte der Christdemokrat – nicht zuletzt von seiner Fraktion – auch bei der Debatte um Asyl und Flüchtlinge gefordert.

Über Menschen reden wie über Rohstoffe, Hilfs- oder Schmierstoffe einer nach Profit gierenden industriellen Produktion beraubt den Menschen seiner Würde – ist daher menschenunwürdig und abzulehnen. Dies gilt ungeachtet der Bewertung des zugrundeliegenden Sachverhaltes. Dobrindt möchte ich wegen seiner Wortwahl nicht verurteilen. Klar müssen Politiker in der Öffentlichkeit zuspitzen, das gehört zum Geschäft. Wünschenswert wäre jedoch eine tiefere innere Achtsamkeit für die Werte und Worte, die auf das christliche Menschenbild und das daraus resultierende Politikverständnis – gerade bei Christdemokraten – Rückschlüsse erlaubt.

Sagen, was ist

Jeder Mensch sollte achtsam sein, wie er über andere spricht. Besonders betrifft das diejenigen, die ohnehin viel mit Worten zu tun haben – neben Politikern etwa auch wir Journalisten. Wir prägen mit unserer Sprache Bilder und Vorstellungen über Menschen und Vorgänge in der Öffentlichkeit. Die Devise muss lauten: Sagen, was ist - dabei die Würde jedes Menschen achten, aber auch jeder Schönfärberei wehren. Der Grat dazwischen ist oft schmal.

Wer die Ebenbildlichkeit anerkennt, sollte doppelt behutsam mit Sprache umgehen. Denn das Reden über einen Menschen steht in direktem Zusammenhang mit dem Schöpfer, der diesem Menschen seine unveräußerliche Würde verliehen hat. Der neutestamentliche Brief des Jakobus offeriert eine wunderbare Handlungsanleitung für achtsame Kommunikation: „Wer sich aber im Wort nicht verfehlt, der ist ein vollkommener Mensch [...]. So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rechnet sich große Dinge zu. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet's an!“

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 17 Jan 2019 16:16:00 +0100
<![CDATA[Junge Erwachsene verlassen Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/01/17/junge-erwachsene-verlassen-kirche/ Eine Studie der baptistischen US-Organisation „Lifeway" hat ergeben: Zwei Drittel der amerikanischen jungen Erwachsenen, die als Teenager regelmäßig eine Kirche besucht haben, kehren Gemeinden im Alter von 18 bis 22 Jahren den Rücken. Offenbar hängen die geringer werdenden Kirchenbesuche direkt mit dem Alter der Christen zusammen. 69 Prozent gaben an, mit 17 Jahren noch regelmäßig in den Gottesdienst gegangen zu sein. Im Alter von 18 waren es nur noch 58 Prozent, mit 19 noch weniger: 40 Prozent. Von den Amerikanern zwischen 20 und 22 Jahren besuchte nur noch ein Drittel den Gottesdienst.

Als Gründe für ihren Austritt gaben fast alle eine Änderung ihrer Lebensumstände an. Drei von vier sagten, der Pastor oder die Kirche seien Schuld. Fast genau so viele begründeten die Distanz zur Gemeinde mit ihren religiösen, ethischen oder politischen Überzeugungen. Am häufigsten nannten die jungen Menschen folgende Gründe: Sie seien weggezogen, andere Kirchenmitglieder erschienen ihnen heuchlerisch oder zu sehr richtend, sie fühlten sich nicht mehr mit den Menschen in der Kirche verbunden, sie stimmten nicht mit den politischen Ansichten ihrer Kirche überein oder sie hätten andere berufliche Verpflichtungen. Die Hälfte der Befragten gab an, ihr Antritt der Collegezeit sei mit dem Verlassen der Kirche verknüpft.

Zwei Drittel bleiben weg

Offenbar entscheiden sich viele junge Menschen in den USA jedoch nicht bewusst dazu, eine Kirchenpause einzulegen. Lediglich ein Drittel gab an, nach der Highschool eine gewisse Zeit nicht in eine Gemeinde habe gehen zu wollen. Die restlichen zwei Drittel sagten, es habe sich so ergeben. Von all jenen, die als junge Erwachsene mindestens für ein Jahr aus der Kirche ausgestiegen sind, besucht heute jeder Dritte wieder eine Gemeinde.

Über die Hälfte derjenigen jungen Erwachsenen, die auch im Alter von 18 bis 22 Jahren in der Kirche blieben, sagten, die Kirche spiele eine wichtige Rolle in ihrer Beziehung zu Gott. Ebenso viele räumten der Gemeinde das Recht ein, sie bei Entscheidungen in ihrem Leben zu begleiten. Etwas weniger erklärten, sie folgten mit dem Kirchenbesuch dem Beispiel eines Verwandten, kirchliche Aktivitäten seien ein wichtiger Teil ihres Lebens, die Kirche helfe ihnen, ein besserer Mensch zu werden oder sie fühlten sich der Kirche und ihrer Arbeit verbunden.

Arbeit mit jungen Erwachsenen stärken

„Auf der einen Seite können wir ermutigt sein, dass manche zur Kirche zurückkehren", zitiert „Lifeway" seinen Leiter für studentische Arbeit, Ben Trueblood. Aber die Kirche müsse auch wahrnehmen, dass mehr als zwei von dreien nicht wiederkämen. Er plädiert deshalb für eine Stärkung der christlichen Arbeit mit jungen Erwachsenen. Der Fokus vieler Kirchen liege in der Arbeit mit Kindern, Schülern und dann jungen Familien. Die jungen Erwachsenenjahre würden oft ausgeklammert. „Das muss sich ändern."

Für die Studie befragte „Lifeway" im Herbst 2017 rund 2.000 Erwachsene zwischen 23 und 30 Jahren. Bereits im Jahr 2007 kam eine Studie zu ähnlichen Ergebnissen.

Von: Anna Lutz

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Thu, 17 Jan 2019 16:16:00 +0100
<![CDATA[Der Protest der Gnade]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/01/17/der-protest-der-gnade/ Eine Rezension von Martin Jockel]]> „Etwas zu kritisieren, was man nicht mag, bedarf keiner besonderen Anstrengung. Sich aber kritisch mit denen zu beschäftigen, die man liebt und schätzt, das bedarf mancher Mühe und Geduld. Ein Balanceakt kritischer Dankbarkeit.“

So gibt Jürgen Mette – Theologe, pro-Kolumnist und evangelikaler Szene-Kenner – die Zielsetzung seines neuen Buches aus. Mühe und Geduld haben sich gelohnt: „Die Evangelikalen“ ist ein beeindruckend ehrliches Brückenbauprojekt jenseits konfessioneller Schubladen-Klischees geworden. Es zeichnet den Weg eines ehrlichen Christen und theologischen Denkers mit einer Bewegung nach, die – wie es der Untertitel sagt – „weder einzig noch artig“, aber dafür einzigartig ist. Die Evangelikalen, so viel macht Mette direkt zu Beginn klar, sind weder die einzig wahren Christen, noch sind sie eine in sich harmonische Bewegung. Im Gegenteil: An Fragen wie der Sexualethik spaltet sich das evangelikale Lager, über sie wird „unartig“ gestritten.

Eine der stärksten Thesen des Buches ist, dass die Meinungsvielfalt im evangelikalen Lager keine Schwäche, sondern eine Chance ist. Mutig begibt sich Mette auf Konfrontationskurs mit selbsternannten „Wächtern des wahren Glaubens“ – und prognostiziert zu Recht in seinem humorvollen und kritisch-schneidenden Stil: „Für dieses Buch werden einige mir Blumen zuwerfen, an denen die Töpfe noch dranhängen.“ Dass der Autor das ahnt, in Kauf nimmt und man ihm die Liebe zu den Werfern trotzdem abspürt, das macht dieses Buch so besonders.

Die Evangelikalen in der Klischee-Krise

Worum geht es also? Um die Evangelikalen: Wer sie sind, was ihnen wichtig ist, wo ihre Stärken liegen und woran sie kranken, um ihre Theologie und ihre Frömmigkeit. Mette macht dabei klar: Er ist selbst einer von ihnen, es geht um – so der zweite Untertitel des Buches – „eine biographisch-theologische Innenansicht“ jenseits von Klischees. Mit denen aufzuräumen, darum geht es auf den ersten rund 50 Seiten. So schreibt Mette etwa: „Wenn […] die Tochter Billy Grahams in Endzeitsorge eine Sonnenfinsternis als Zeichen des Gerichts Gottes deutet, dann schäme ich mich fremd. Aber ich bringe es nicht fertig, mich generell von diesem Frömmigkeitstyp zu distanzieren. Ich bin tatsächlich ein Evangelikaler, ein wertkonservativer engagierter Christ. Wenn das bereits evangelikal ist, dann bin ich gern evangelikal. Alle weiteren Spezifikationen wie konservativ, fundamentalistisch, rechts, links oder traditionell brauche ich nicht, weil ich mich in diesen Klischees nicht wiederfinde.“

Das grundlegende Problem mit der evangelikalen Selbst- und Fremdwahrnehmung bringt Mette auf den Punkt, indem er den Autoren und Journalisten Andreas Malessa zitiert: „Wenn man die Presse verfolgt und auch die eigene evangelikale Presse, dann kommt man leider auf die Faustformel: Evangelikal – das bedeutet ‚Gott schuf die Welt in sechs Tagen‘, ‚Frauen gehören nicht auf die Kanzel‘ und ‚Kinder nicht in die Kita‘ und ‚Schwule nicht in die Kirche‘ und ‚Muslime nicht zu Deutschland‘. Das ist so ein holzschnittartiges Programm geworden, das aber nicht der evangelikalen Gemeindewirklichkeit entspricht.“

Gegen das Schubladendenken

Nach der Grunddiagnose führt Mette eine scharfe und treffende Analyse verschiedener evangelikaler Milieus und ihrer theologischen Schwerpunkte durch. Den Evangelikalen sind demzufolge bestimmte Dinge wichtig: Die eigene Glaubensentscheidung etwa, oder die Autorität der Bibel. Ihr theologisches Profil ist eine Stärke. Doch der größte Feind, so Mette, heißt Lager- und Schubladendenken. Die Evangelikalen sind eine Protestbewegung. Sie protestieren – zu Recht – gegen die Verwässerung des Evangeliums und die Beliebigkeit der Ethik. Doch bei so viel Protest – auch und gerade untereinander – bleibt die Gnade auf der Strecke. Immer kleinere und exklusivere Gruppen meinen, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Daher leidet die Kirche evangelikaler Prägung an „altersbedingtem Gelenkverschleiß“. Aus dieser Diagnose ergibt sich Mettes Programm:

„Bevor die Kirche aus der Gnade lebt und diese Gnade proklamiert und praktiziert, muss sie die Gnadenlosigkeit in den eignen Reihen durch Gnade überwinden und gesund werden. Das ist meine Ambition und Motivation. Die Diagnose des Patienten Kirche ist ernüchternd, aber sie treibt an. Das erklärt die Notwendigkeit (Not abwendende Wendigkeit) dieses Buches: den kardiologischen und orthopädischen Befund einer chronisch hartleibigen Kirche zu erkennen und zur Gesundung des Leibes Christi beizutragen. Das Not-wendende Heilmittel heißt Gnade und Versöhnung. Wo Jesus Christus ist, da ist immer Gnade.“

Für mehr Gnade im Streit

Mit diesem gnädigen Heilungsprozess ist Mette den Rest des Buches über beschäftigt – sowohl er selbst als auch die insgesamt acht Gastautoren. Darunter ist auch eine Autorin: Gisa Bauer ist wissenschaftliche Expertin für den Evangelikalismus und diejenige, die sich am stärksten aus der wissenschaftlich-neutralen Außenperspektive annähert. Die anderen kommen allesamt aus verschiedensten Ecken des evangelikalen Lagers. Jenseits ausgetretener Pfade reflektieren sie gewinnbringend diverse Perspektiven und Aufreger ihrer Bewegung. So votiert etwa der Kasseler praktische Theologe Tobias Faix dafür, die Meinungspluralität im evangelikalen Lager zu begrüßen. Heinrich Derksen, Leiter des Bibelseminars Bonn, denkt nach über das „verborgene Potential Russlanddeutscher Gemeinden“, die auch zum Evangelikalismus zählen.

Der Marburger systematische Theologe Thorsten Dietz erzählt seine (evangelikale) Geschichte mit der historisch-kritischen Bibelauslegung – es ist keine, die nur von Ablehnung geprägt wäre. Erfrischend offen geht Dietz mit dem Thema um, ohne dabei Zugeständnisse an Ideologen auf beiden Seiten zu machen: „Der Ausdruck ,historisch-kritisch' ist teilweise auf beiden Seiten zum Popanz gemacht geworden. Sowohl das empathische Bekenntnis wie die grundsätzliche Ablehnung dieser Wortkombination stehen bisweilen für eine Ideologisierung der Bibeldebatten. […] Wissenschaftliche Bibelauslegung kann befreiend sein, hilfreich und anregend. Und zugleich lebt sie davon, dass Glaubensgemeinschaften die Bibel ernst genug nehmen, um noch wirklich an den Aussagen der Bibel in ihrer Zeit und an ihrer Bedeutung für unsere Zeit interessiert zu sein. Es wäre an der Zeit, dieses Thema jenseits der klassischen Grabenkämpfe noch einmal ganz neu zu diskutieren.“ So artikuliert sich bei Dietz wie bei den anderen Gastautoren die Perspektive der Gnade, die Mette dem evangelikalen Diskurs dankenswerterweise einimpft.

Hoffnungsvolle Zukunftsperspektiven

Bei vielen evangelikalen Aufregerthemen zeichnet Mette die Perspektive der Gnade selbst: Er schreibt über sein Bibelverständnis, über das Verhältnis zum Islam, über Homosexualität. Auch das heiße Eisen der Vereinnahmung der Evangelikalen durch den politischen Rechtspopulismus packt er an – und erteilt ihm trotz aller Gnade eine entschiedene und wichtige Absage. Bei all diesen Themen nimmt er die Aussagen der Bibel ernst, plädiert aber gleichzeitig im Umgang mit den Menschen für Barmherzigkeit und warnt vor vorschnellen absoluten Wahrheitsansprüchen.

Das alles und noch einiges mehr behandelt Mette in seinem Buch. Den Abschluss machen Wünsche und Prognosen für die Zukunft der Kirchen (nicht nur) evangelikaler Prägung. Wenn die Evangelikalen Spaltungen überwinden, stehen die besten Zeiten noch bevor, so Mette. Sofern sie seine Worte ernst nehmen und sich auf ihre Wurzeln als gnädige Protestbewegung besinnen, könnte die Gestaltung der Zukunft gelingen.

Von: Martin Jockel

Jürgen Mette: „Weder einzig noch artig. Eine biografisch-theologische Innenansicht“, Gerth, 256 Seiten, 18 Euro, EAN/ISBN 9783957345486

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Thu, 17 Jan 2019 15:12:00 +0100
<![CDATA[Museum muss gekreuzigten „Ronald McDonald“ entfernen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/17/museum-muss-gekreuzigten-ronald-mcdonald-entfernen/ Die Stadt Haifa hat auf Proteste von Christen reagiert und will das Kunstwerk mit einer gekreuzigten Ronald-McDonalds-Figur abhängen. Es zeigt das Maskottchen der Fast-Food-Kette am Kreuz. Das Werk des finnischen Künstlers Jani Leinonen war seit 4. August 2018 in der Ausstellung „Heilige Güter“ im Kunstmuseum von Haifa zu sehen. Die Proteste hatten sich erst jetzt entwickelt.

Am Donnerstag und Freitag hatten Hunderte Menschen gegen das Kunstwerk demonstriert, darunter vor allem christliche Araber. Die Demonstranten forderten die Museumsleitung auf, „McJesus“ zu entfernen. Bei den Protesten kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. Drei Sicherheitskräfte wurden durch Steinwürfe verletzt. Einige Demonstranten versuchten, in das Museum einzudringen. Ein Molotowcocktail wurde auf das Museum geworfen.

So schnell wie möglich entfernen

Die Bürgermeisterin der Stadt Haifa, Einat Kalisch-Rotem, hat laut der israelischen Zeitung Haaretz angeordnet, die Skulptur „so schnell wie möglich“ zu entfernen. Dieser hatte sich in der vergangenen Woche irritiert gezeigt. Das Werk hätte nie in Israel ausgestellt werden dürfen, da er das Land boykottiere. Kalisch-Rotem verbreitete über Twitter den Leihvertrag mit dem Museum in Helsinki. Dieser läuft im Januar aus. Das Museum sehe die Ausdrucksfreiheit der Kunst als Grundpfeiler der Demokratie, „wir bedauern aber das Leid, das wir der christlichen Gemeinschaft in Haifa angetan haben“.

Die katholischen Bischöfe in Israel hatten nach den Vorfällen die Stadt aufgefordert, die Darstellung aus der Ausstellung zu entfernen. Trotz Meinungsfreiheit sei es nicht hinzunehmen, „das bedeutendste Symbol der christlichen Religion“ zu missbrauchen. Am Montag verstärkte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen um das Museum.

Mit seiner Darstellung möchte er die Konsumgesellschaft kritisieren. Die israelische Kulturministerin Miri Regev hatte ebenfalls gefordert, „McJesus“ zu entfernen: „Religiöse Symbole, die vielen Gläubigen in der Welt heilig sind, aus künstlerischem Protest zu missachten, ist unzulässig und kann nicht als Kunst in einer Kultureinrichtung dienen, die aus staatlichen Mitteln finanziert wird.“

Laut katholisch.de wurden zwei weitere Kunstwerke, die Anstoß erregt hatten, nun getrennt von der übrigen Ausstellung gezeigt. Außerdem weist ein Schild auf die kontroversen Darstellungen von Jesus und Maria und einen möglicherweise verletzenden Charakter hin.

Von: Dana Nowak/Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 17 Jan 2019 14:29:00 +0100
<![CDATA[„Theologie muss Grenzen festlegen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/17/theologie-muss-grenzen-festlegen/ Die alljährlichen „Theologischen Tage“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stehen dieses Mal unter dem Titel „Deus Ex Machina“ – Gott aus der Maschine. In Seminaren, Vorträgen und Diskussionsrunden lädt die Fakultät Theologen, Wissenschaftler, Studenten und Interessierte ein, sich mit den theologischen Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz zu beschäftigen.

Bereits in seinen Eröffnungsworten stellte Daniel Cyranka, Dekan der Theologischen Fakultät fest, dass Künstliche Intelligenz einerseits eine Herausforderung für die Theologie sei. Andererseits sei jeder Mensch, ob Theologe oder nicht, gefordert, sich den Ambivalenzen und Spannungen unserer Gesellschaft zu stellen. Wir lebten in einer Welt, in der „Eindeutigkeiten die Ausnahmen sind, Kompromisse dagegen die Regel“. Umso mehr müsse Theologie dabei als „akademischer Störfaktor“ fungieren. Ihre Aufgabe sei es, Grenzen zu bestimmen und festzulegen. Sie müsse einen Rahmen vorgeben.

Dirk Evers, Professor für Systematische Theologie, pflichtete Cyranka bei. Entscheidend sei, ob Kirche und Theologie dem Zeitgeist hinterher hinke oder selbstbewusst Fragen und Probleme angehe. Als eine dieser Fragen nannte Evers, was die Entwicklung Künstlicher Intelligenz für Martin Luthers Aussage bedeute: „Wir sollen Menschen und nicht Gott sein.“

Maschinen mit Bewusstsein nicht unmöglich

In einem Fachvortrages machte der Informatikprofessor Ulrich Furbach deutlich, dass das Ziel des technischen Fortschritts ein Miteinander von Künstlicher Intelligenz und Menschheit sein müsse, kein Gegeneinander. Eine wichtige Aufgabe der Informatiker sieht Furbach darin, neben der Öffentlichkeit auch die Politik über Künstliche Intelligenz aufzuklären. Denn an Expertise mangele es bei Entscheidungsträgern häufig. So kritisierte er die Forderung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Hinblick auf autonomes Fahren „klare Leitlinien für Algorithmen“ festzulegen.

Denn schließlich wisse man nicht genau, warum ein System manche Entscheidungen so oder so treffe. Weiterhin handele es sich bei Künstlicher Intelligenz nicht einfach nur um Algorithmen. Es sei also nicht möglich solche Richtlinien festzulegen. Auch der zum autonomen Fahren einberufenen Ethikkommission versteht nach Ansicht Furbachs die Fähigkeiten solcher selbst lernenden Systeme nicht ausreichend. Informatikexperten säßen keine in solchen Gremien. Dass Künstliche Intelligenz auch einmal ein Bewusstsein brauche, sei eine große Herausforderung, allerdings nicht unmöglich.

Roboter als wichtige Hilfe in der Pflege

Der Pflegeforscher Patrick Jahn betonte in seinem Vortrag, den er gemeinsam mit dem Roboter Thea hielt, dass Pflegeroboter den Menschen in naher Zukunft nicht ersetzen werden. Roboter wie Thea könnten einzelne pflegerische Funktionen übernehmen, etwa Behandlungsmethoden erklären. Andere Systeme könnten Emotionen erkennen und drauf reagieren. Eine Interaktion mit dem Patienten finde aber immer in einem vorher programmiertem Rahmen statt. Obwohl Roboter heute noch sehr eingeschränkte Fähigkeiten hätten, seien sie als unterstützende Hilfe in Krankenhäusern oder auch zu Hause sehr wichtig.

Im Hinblick auf den demografischen Wandel in Deutschland stelle sich die Frage, wie man weiterhin eine pflegerische Versorgung aufrecht erhalten könne. Roboter würden dabei eine tragende Rolle spielen. Deswegen sei es wichtig, sich neben Entwicklungsfragen auch mit jetzigen und kommenden Herausforderungen zu beschäftigen. So müsse beispielsweise die Würde und Privatsphäre des Patienten gewährleistet sein.

Die Theologischen Tage 2019 werden von den Instituten der Systematische Theologie, Praktischen Theologie und den Religionswissenschaften organisiert. Sie finden jedes Jahr im Januar statt.

Von: Martin Schlorke

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Thu, 17 Jan 2019 12:24:00 +0100
<![CDATA[Facebook verschärft Regeln für Wahlwerbung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/01/17/facebook-verschaerft-regeln-fuer-wahlwerbung/ Der Branchendienst Meedia berichtet, dass Facebook Wahlmanipulationen künftig eindämmen will. In Länden, in denen eine Wahl unmittelbar bevorsteht, darf Wahlwerbung demnach nur noch aus dem Inland betrieben werden. Anzeigen aus dem Ausland dürfen nicht mehr geschaltet werden. Die Regelungen gelten zunächst in Nigeria und der Ukraine, wo in den kommenden Wochen Wahlen stattfinden. Das Unternehmen will sie aber auch zeitnah in Indien und der Europäischen Union einführen.

Laut Meedia plant Facebook in Indien zudem ein Archiv für Wahlwerbung. Die Anzeigen sollen für sieben Jahre gespeichert werden. Das Unternehmen erklärte Medienberichten zufolge, dass es die Maßnahmen zunächst für Länder, in denen Wahlen anstehen, anwenden will. Eine globale Lösung soll folgen.

Von: Anna Lutz

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Thu, 17 Jan 2019 10:56:00 +0100
<![CDATA[Blindes Vertrauen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/01/16/blindes-vertrauen/ Das Grauen lauert im Freien. Wer es sieht, verfällt einem mysteriösen Wahn und kann nicht anders, als sich das Leben zu nehmen. Nur wer seine Augen schließt, überlebt. Deswegen trainiert Malorie ihre Kinder schon früh, sich mit Augenbinde im Freien zurecht zu finden. Ihr Ziel: Irgendwann den sicheren Ort erreichen, von dem die Männerstimme aus dem Funkgerät erzählt.

„Bird Box“ heißt der Horrorfilm, der Netflix aktuell hohe Zugriffszahlen beschert. Laut dem Streamingdienst haben allein in der ersten Woche nach Erscheinen im Dezember 45 Millionen Nutzer den Film abgerufen. Der Hype um „Bird Box“ führte zu einem teils gefährlichen Internetphänomen. Unter dem Hashtag „#BirdBoxChallenge“ proben Nutzer, wie es sich anfühlt, alltägliche Dinge mit verbundenen Augen zu machen. Zu den harmloseren Übungen gehört, den Briefkasten zu leeren, im Supermarkt einzukaufen oder Schafe zu füttern. Andere Nutzer machten die wenig überraschende Erfahrung, dass blindes Tätowieren eine ebenso schlechte Idee ist wie eine Autofahrt mit verbundenen Augen. YouTube hat wegen hochgeladener Videos der Challenge sogar seine Richtlinien verschärft.

Netflix warnt zwar vor Nachahmungen, dürfte aber für die zusätzliche Aufmerksamkeit nicht undankbar sein. Doch woher kommt der große Erfolg von „Bird Box“? Sicher ist die brillante Sandra Bullock in der Rolle der Hauptfigur Malorie ein Grund dafür. Aber auch die Geschichte selbst scheint einen Nerv zu treffen, der Menschen nachhaltig bewegt – und der klar religiöse Züge aufweist.

Von einer „Genesis-Erzählung rückwärts“ schreibt etwa der amerikanische Blog der Gospel Coalition. Eine Reise weg von einer Welt voller Bedrohung und Tod hin zu einem Garten Eden, einem Ort, an dem keine Angst mehr herrscht, sondern Liebe und Freude. Bei Adam und Eva verspricht die Schlange Weisheit und Erkenntnis. Sie will ihnen die Augen öffnen. In „Bird Box“ sind es die „Verrückten“, die immun gegen die todbringende Bedrohung sind und Malorie dazu drängen, die Augenbinde abzunehmen. Einer sagt: „Ich habe die Wahrheit gesehen. Nehmt eure Augenbinden ab. Es ist wunderschön. Es ist wunderschön!“

Rettung ist nahe

Auch viele andere Motive haben religiöse und besonders christliche Bezüge: Der Untergang der Welt, die Hoffnung auf Erlösung, blindes Vertrauen, die friedlichen Vögel, die Versuchungen, das Paradies. Das trifft naturgemäß auf viele Endzeit-Filme zu. Bei „Bird Box“ sind sie aber besonders ausgeprägt.

Natürlich ist „Bird Box“ kein christlicher Film. Schon das Genre „Horror“ wollen sich viele Christen verständlicherweise nicht zumuten. Die Selbsttötungen werden in solcher Deutlichkeit gezeigt, dass Forderungen nach Warnungen für Menschen laut wurden, die mit Suizidgedanken zu tun haben.

Und doch zeigt der Streifen, wie aktuell die Ursehnsüchte und Urängste sind, die in der Bibel beschrieben werden. Und wie viel Halt die gütige Stimme gibt, die Malorie nur selten über das Funkgerät hören kann und der sie blind vertrauen muss. Der freundliche Mann will sie nämlich retten. „Wir haben einen Ort mit Vorräten für viele. Hier ist es sicher.“

Die Hoffnung auf Erlösung, sie ist stärker als die Angst vor den Gefahren, die überall lauern.

Von: Nicolai Franz

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Wed, 16 Jan 2019 17:08:00 +0100
<![CDATA[Gelähmt nur im Körper]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/gelaehmt-nur-im-koerper/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Bei diesem Buchtitel muss man zweimal hinsehen. Erstens weil auf dem Cover die Druckbuchstaben aneinanderkleben und nicht sofort ersichtlich ist, wo die Wörter getrennt sind: Steht da nun „Steh auf Mensch“, oder „StehaufMensch“? Tatsächlich ist es letzteres, was der Autor zum Buchtitel auserkoren hat. Das Wort erinnert sofort an das bekannte „Stehaufmännchen“, eine Figur, deren Schwerpunkt so tief liegt, dass es immer wieder aufsteht, egal wie sehr man es umkippt. Aber selbstverständlich will Samuel Koch den Titel auch als Aufforderung verstanden wissen, schreibt er. Steh auf!

Und dann gibt es noch ein zweites Hinsehen: Ein Buch mit den Worten „Steh auf“ von Samuel Koch? War das nicht der junge Mann, der wegen eines missglückten Stunts bei der Fernsehsendung „Wetten, dass ..?“ im Rollstuhl sitzt? Was will uns der über das Aufstehen sagen?

Einen typischen Ratgeber in Sachen Lebensführung, Durchhaltevermögen und Ermutigung wollte Koch auf keinen Fall schreiben; große Teile seines Buches verwendet er darauf, eben dieses Literatur-Genre zu kritisieren. Gerade einem Mann, der seit acht Jahren durch ein dummes Missgeschickt an den Rollstuhl gefesselt ist, kann man mit einem „Wird schon wieder“ und Selbsttäuschungsparolen nicht kommen.

Denn in der Tat verletzte sich Koch 2010 in der Sendung mit dem Moderator Thomas Gottschalk bei einer Wette so schlimm, dass er seither vom Hals abwärts querschnittgelähmt ist. Nach einem Schauspielstudium in Hannover ist er mittlerweile Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim. Und sein Leben besteht eben nicht hauptsächlich darin, in einem Rollstuhl zu sitzen. Koch trifft viele Menschen, kommt mit den interessantesten Personen der Weltgeschichte zusammen und führte nach eigener Schätzung auf zahlreichen Veranstaltungen über 7.000 Gespräche, in denen er viele Schicksale kennenlernte. „Mal habe ich einfach nur zugehört“, schreibt Koch, „mal Kontakte vermittelt, mal hitzig diskutiert, gelacht und gelitten und gelegentlich mit mir zunächst fremden Menschen gemeinsam geweint, wenn mir ihre Erzählungen und Geschichten an Herz und Nieren gingen.“

Für sein Buch „StehaufMensch“ führte er zusätzlich Gespräche mit Glücksforschern, Hirnforschern, Ärzten, Waisenkindern, Suizidgefährdeten, Topmanagern, Künstlern, Todkranken und Politikern. Immer mit dem einen Ziel, herauszufinden, was Glück bedeutet und wie man Leiden überwinden kann. Herausgekommen ist kein typischer Lebensratgeber. Denn eines hat der tiefsinnige Koch in all den Jahren gelernt: „Es gibt keine universale Betriebsanleitung für den Umgang mit schwierigen Zeiten.“

„Wer sich um sich selbst dreht, kommt nirgendwohin“

Hier schreibt ein junger Mann von gerade einmal 31 Jahren, der tiefgründige Weisheiten vermitteln kann, weil er sie selbst erlebt hat. Da ist zum einen die Erkenntnis, dass jeder, der in Not steckt, seinen eigenen, individuellen Weg finden muss. Da helfen auch nicht Hunderte Ratgeber in Sachen Resilienz (der Fähigkeit, mit schwierigen Situationen fertig zu werden, ein Modewort). Ihm selbst helfe es zwar, sich Erfahrungen anderer Menschen anzuhören und sich von ihren Lösungswegen dazu inspirieren zu lassen, eigene zu suchen. Aber: „Der Ratgeber versucht, Menschen von außen nach innen zu beeinflussen. Und die Inspiration funktioniert genau andersherum: Sie kommt von innen heraus und verändert das Äußere.“

An anderer Stelle schreibt er: „Ich habe im Laufe der letzten Jahre oft zu hören bekommen, was ich alles ‚muss‘ – mein Schicksal akzeptieren, meine Wünsche kompromissloser kommunizieren, und und und. Nichts davon konnte ich ‚müssen‘, sondern ich habe es nur dann umgesetzt, wenn ich es von innen wollte.“ Eine weitere weise Erkenntnis lautet: Viele Resilienz-Ratgeber seien gedacht für die Selbstoptimierung. „Es geht darin immer nur um mich, mich und mich.“ Koch: „Doch nach meiner Wahrnehmung ist es leider so: Wer sich immer nur um sich selbst dreht, kommt nirgendwohin.“

Hoffen auf einen Plan Gottes

Wertvoll ist Kochs Buch vor allem durch seine ganz persönlichen Erlebnisse und Beobachtungen, die er unterhaltsam in Beispiele umwandeln kann. Vielleicht ist es ja eine Binsenweisheit, aber bei Koch klingt es sehr glaubhaft: „Das Leben ist eine Achterbahnfahrt.“ Nur wer unten ist, kann auch wieder hinauf kommen. Oder mit dem Prediger Richard Rohr gesagt: „Der Schmerz lehrt uns etwas, das uns völlig gegen unsere eigene Einsicht geht: dass wir abwärts gehen müssen, bevor wir überhaupt wissen können, was aufwärts ist.“ Kaum eindrücklicher kann man das beschreiben anhand zweier Erlebnisse, die Koch an ein und demselben Tag an der französischen Atlantikküste hatte. Erst war er durch das schönste Glückserlebnis wie euphorisiert (schwerelos in einem Flugzeug der ESA schweben), und wenig später war er im Meer dem Tode nahe (eine halbe Minute schwamm er hilflos kopfunter im Wasser hängend und drohte zu ersticken).

Als gläubiger Mensch hat man wohl einen gewissen „Vorteil“: die Gewissheit, dass man von Gott geliebt ist, auch wenn man nicht richtig „funktionieren“ sollte, keine Leistung bringt oder etwas anderes für diese Liebe getan hat. Schon der Therapeut Viktor Frankl habe bei manchen KZ-Insassen eine positive Fähigkeit zur „Selbsttranszendenz“ beobachtet, also „die Fähigkeit, die Existenz von etwas Größerem als mich selbst anzuerkennen“. Frankl habe seine Patienten dazu angehalten, nicht die Frage zu stellen: „Was will ich vom Leben?“, sondern ihre Umkehrung: „Was will das Leben von mir?“ Im Hinblick auf die Juden fällt Samuel Koch auf: Wenn man sich ihre Jahrtausende alte Geschichte ansieht, scheinen die Juden geradezu die „Resilienz-Experten schlechthin“ zu sein. „Weil sie schon seit jeher ununterbrochen im Krieg leben, durch Wüsten irren, versklavt, zerstreut, verfolgt und angefeindet werden und damit klarkommen müssen ...“.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse für ein Energiebündel wie Samuel Koch, der lange brauchte, um sein Schicksal nach der Querschnittslähmung zu akzeptieren, lautet: „Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Schwierigkeiten und schmerzhaften Erfahrungen, und es hat überhaupt keinen Sinn, ihnen ausweichen zu wollen.“ Wer weiß, ob Koch ohne seinen untrüglichen Glauben an einen liebenden Gott so viel Kraft gefunden hätte. Trotz seines körperlichen Schicksals hat er eine erstaunliche innere Stärke gefunden. Und er hat verstanden, dass Hoffnung nicht bedeuten muss zu hoffen, dass alles wieder so wird wie vor dem Unfall. Aber es kann – anders – gut werden. Koch: „Ich hoffe, dass Gott mit allem, was mir passiert ist, ein langfristiges Ziel verfolgt.“

Samuel Koch: „StehaufMensch“, adeo, 208 Seiten, 20 Euro, ISBN 9783863342111

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 16 Jan 2019 16:13:00 +0100
<![CDATA[Neuer Rekord an Beschwerden über Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/01/16/neuer-rekord-an-beschwerden-ueber-medien/ Das Online-Portal www.programmbeschwerde.de ist ein Angebot der Landesmedienanstalten, auf dem Mediennutzer Beschwerden über Medienangebote abgeben können. 2018 gab es dort die meisten Eingaben seit Bestehen des Portals: Die Mitarbeiter kümmerten sich um 2.122 Fälle und damit um fast doppelt so viele wie im Vorjahr (1.185).

In knapp einem Viertel der Beschwerden (500) ging es um Programminhalte privater Fernseh- und Radiosender. 1.101 Eingaben betrafen die Aufsicht im dualen System sowie Sendungen und Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diese wurden an die Rundfunkanstalten weitergeleitet, da die Medienanstalten nur für den privaten Rundfunk zuständig sind.

Es wurden auch Fragen zum Ordnungsrahmen gestellt oder Informationen zu medienrechtlichen Grundlagen und Zuständigkeiten gewünscht. 196 Anliegen drehten sich um Online-Angebote, insbesondere bei Instagram und YouTube. In Einzelfällen seien Anfragen und Beschwerden auch an die Freiwillige Selbstkontrolle, den Presserat und den Deutschen Werberat verwiesen worden.

Jugendschutz und Werbung oft kritisiert

Laut Pressemitteilung der Landesmedienanstalt lag ein inhaltlicher Schwerpunkt der Zuschriften im Bereich des Jugendschutzes. Mediennutzer kritisierten besonders Erotik-Werbung und für Kinder überbelastende Trailer im Tagesprogramm für Filme, die aus Gründen des Jugendschutzes erst am späteren Abend ausgestrahlt werden dürfen. Für Ärger hätten auch „diverse Nackt-Shows“ gesorgt. Einzelne Magazinbeiträge seien von Einzelpersonen oder bestimmten Gruppen als journalistisch einseitig betrachtet worden.

Fernsehzuschauer hätten sich zudem über zu lange Werbeblöcke beschwert und deren als aufdringlich empfundenen Platzierungen. Im Online-Bereich seien vor allem nicht gekennzeichnete Werbung in Instagram-Profilen und YouTube-Kanälen auf Kritik gestoßen. „Hier ist teilweise ein erheblicher Recherche-Aufwand notwendig, um die Anbieter zu identifizieren, damit in der Folge die zuständige Aufsicht informiert werden kann.“ Uwe Conradt, Direktor der Landesmedienanstalt des Saarlandes, machte deutlich, dass die zuständigen Anstalten in zahlreichen Fällen erfolgreich auf eine rechtskonforme Ausgestaltung der Inhalte hinwirken konnten.

Steigender Bedarf für eine Anlaufstelle

Für Conradt verdeutlicht der Anstieg der Beschwerden „einen steigenden Bedarf des Fernsehpublikums, der Radiohörerschaft aber auch von Nutzern sozialer Medien an einer übergreifend agierenden Anlaufstelle für Beschwerden und Fragen zu Medieninhalten“. Die Entwicklung des Portals spiegele damit, wie das Publikum den Medienwandel wahrnehme.

Die Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Medienanstalten (DLM), Cornelia Holsten, verwies auf eine deutlich höhere Zahl der Beschwerden in Sachen Influencer-Marketing. Sie führte dies auf sensibilisierte Verbraucher und die eigene Informations- und Aufklärungsarbeit zur Werbekennzeichnung im Bereich Sozialer Medien zurück.

Auf der Plattform programmbeschwerde.de können Mediennutzer sich beschweren, wenn Angebote privater und öffentlich-rechtlicher Sender nicht den Programmgrundsätzen und den Regeln der Werbung und des Jugendschutzes entsprechen, etwa bei aggressiven Werbepraktiken im Fernsehen, gewalttätigen Szenen im Nachmittagsprogramm. Das Beschwerdeteam ist bei der Landesmedienanstalt des Saarlandes angesiedelt. Diese betreibt das Portal seit seiner Gründung 2004 für die Gemeinschaft der Medienanstalten in Deutschland. Sie kümmert sich darum, dass die Beschwerden über Medienangebote an die verantwortlichen Gremien der Sender weitergeleitet werden.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 16 Jan 2019 14:48:00 +0100
<![CDATA[„Die Kirche kann nicht aus dem Land vertilgt werden“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/01/16/die-kirche-kann-nicht-aus-dem-land-vertilgt-werden/ Pastor Samuel: „Unsere Kirchen sind von der lokalen hindu-nationalistischen Regierung nicht anerkannt. Die Hindu-Extremisten wollen eine christenfreie Region, sie unterbrechen und verbieten die Gottesdienste. In jüngster Zeit gab es einige solche Vorfälle. Ein lokales Gericht hat geurteilt, dass man eine Genehmigung von der örtlichen Polizei benötigt, um Gottesdienste zu veranstalten. Und gleich darauf sind die Behörden in die Kirchen gekommen und haben gefragt, wo die polizeiliche Genehmigung für den Gottesdienst sei. Auf dieser Grundlage wurden mehrere Kirchen im Norden Indiens geschlossen.

Diese Situation ist in ganz Indien typisch für die Gemeinden auf dem Land. Das gibt es jeden Sonntag, dass die Polizei vorbeikommt und fragt: ‚Wo ist die Genehmigung? Warum feiert ihr hier Gottesdienst? Das ist ein Haus, keine Kirche. Ihr schafft Missstimmung in der Dorfgemeinschaft.' Allerdings gibt es auf dem Land und in den Dörfern keine richtigen Kirchen. Die Polizei verpflichtet Pastoren darauf, den öffentlichen Frieden nicht zu stören. Wenn dann irgendetwas im Dorf passiert, nimmt sie den Pastor fest und behandelt ihn wie einen Kriminellen. Das Amt des Pastors wird also kriminalisiert.

Im vergangenen Jahr gab es eine Zählung von Angriffen auf Kirchen, demnach ist so etwas mehr als 650 Mal passiert. Die meisten Vorfälle gingen von Behörden der Regierung aus, indem sie das Gesetz missbrauchten oder auch das Anti-Konversionsgesetz anwandten, wonach es verboten ist, jemanden zu bekehren. Aber es gibt auch immer wieder Attacken von extremistischen Hindus auf Gottesdienste, Pastoren, Familien; viele Frauen werden vergewaltigt, viele Pastoren haben ihr Leben verloren. Und sogar Kinder werden nicht verschont: Es gab Fälle, wo Hindu-Extremisten christliche Mädchen vergewaltigten, die gerade mal sieben und vier Jahre alt waren. Von solchen Geschichten gibt es viele. Es ist so schwierig, den christlichen Glauben in diesem Land zu leben. Jeder Tag, in dem die Kirche etwas aus dem Glauben heraus tut, ist eine große Herausforderung.“

Pastor Alex: „Ich wurde einmal von der Polizei festgenommen. Sie brachten mich auf die Wache und fragten mich, warum ich Menschen zum Gottesdienst versammle. Ich antwortete, dass mir die indische Verfassung die Freiheit gibt, Gottesdienst zu feiern. Sie sagten: ‚Die Verfassung gibt dir die Freiheit, aber die Regierung nicht.‘ Ich sollte sofort aufhören, bei mir zu Hause eine Kirche zu leiten, sonst würden sie mich nicht schützen können, wenn fanatische Gruppen mich angreifen. Sie erklärten mir, dass jeden Sonntag 80 bis 100 Fanatiker bereit seien, irgendeine Kirche anzugreifen. Sie wussten sehr genau, dass wir Christen immer anfällig sind für solche Überfälle. Ich war sehr verängstigt und wusste nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Vor zwei Wochen hat ein Freund von mir Gottesdienst gehalten und wurde dabei attackiert. Die Polizei hat die Angreifer begleitet. Mein Freund rannte um sein Leben. Insgesamt 25 Familien folgten in seinem Dorf Jesus nach. Sie wurden enorm unter Druck gesetzt und gezwungen, ihren Glauben aufzugeben und zum Hinduismus zu konvertieren.“

Pastor Samuel: „Wir feiern unsere Gottesdienste nicht auf einem christlichen Campus oder in einem Kirchengebäude, wir sind in unseren Wohnungen. Durchschnittlich kommen 100 bis 200 Menschen zum Gottesdienst. Meine Kirche wurde bisher noch nicht angegriffen, aber Kirchen in unserem Netzwerk schon. Wir können jederzeit Ziel eines Angriffs werden oder ins Gefängnis kommen. Auch die registrierten Kirchen wie die katholische oder die evangelische stehen unter Druck. Die Regierung versucht, auch deren Institutionen und Besitztümer zu kontrollieren, und schleust ihre Leute in die Kirche ein, um sie besser überwachen zu können. Wenn die registrierten Kirchen angegriffen werden, gibt es offizielle Proteste. Aber die Hauskirchen in den ländlichen Gebieten haben keine große Stimme in der Öffentlichkeit. Deshalb greifen die Fanatiker auch immer diesen Teil des Leibes Christi an. In den großen Metropolen wie Delhi oder Mumbai geschieht das weniger. Es konzentriert sich vor allem auf einige Provinzen, in Punjab ist es am schlimmsten, dann folgen Jarkhand und andere.“

Pastor Alex: „Das Kastensystem ist der Schlüssel für die Verfolgung. Die Angehörigen der höheren drei Kasten sind die Minderheit in der Gesellschaft, die Mehrheit bilden die Dalit in der vierten, der unteren Kaste. Sie werden seit tausenden von Jahren unterdrückt und nicht als Menschen behandelt. Als die Liebe Jesu Christi sie erreichte, waren sie offen für das Evangelium. Sie hatten zuvor kein Recht auf Bildung, aber die Christen ermöglichten Menschen aller Klassen und Kasten Bildung, auch denen, für die das gesellschaftlich nicht vorgesehen war. Denn Christen glauben, dass jeder Mensch gleichwertig ist. Die Menschen aus niedrigen Klassen sind die Quelle für das Einkommen der Menschen aus höheren Klassen. Als sie Zugang zu Bildung erhielten, verstanden sie, dass sie ausgebeutet wurden. Sie begannen, ihre Stimme dagegen zu erheben. Der Grund für den Zorn auf Christen ist, dass sie für ein anderes Selbstwertgefühl der Menschen in niedrigen Klassen gesorgt haben, und dass viele von denen dann auch selbst Christen geworden sind.“

Pastor Samuel: „Christen in Deutschland sollten für Christen in Indien beten, besonders für die Pastoren, Evangelisten und diejenigen, die Gemeindedienste ausführen. Auch für politische Veränderungen, damit wir mehr Freiheit haben, das Evangelium zu predigen.“

Pastor Alex: „Deutschland ist eine bedeutende Macht in der UN und im Europäischen Parlament: Bringt dorthin unsere Stimme, dass Indien nur auf dem Papier ein säkulares Land ist und dass die Art und Weise, wie mit Minderheiten umgegangen wird, nicht gesund ist für die Nation und auch nicht für die Weltwirtschaft. Wir wollen, dass unsere Regierung unter Druck gesetzt wird, sich an die Verfassung zu halten. Und weil die Verfassung uns Christen gleiche Rechte garantiert, sollte die Regierung aufhören, uns als Nicht-Bürger zu behandeln.“

Pastor Samuel: „Die politische Agenda unserer Regierung ist es, Indien zu einer Hindu-Nation zu machen. Dieses Ziel gibt es nicht erst seit zwei Jahren, sondern schon seit 1925, als die hindu-nationalistische Organisation RSS gegründet wurde, die heute mit der Partei BJP das Parlament und die Regierung kontrolliert. Damals hatte sie noch nicht so einen großen gesellschaftlichen Einfluss und konnte diesen Plan nicht erfolgreich umsetzen. Wenn man heute einen ganz normalen Bürger fragt, ob Indien ein säkulares oder hinduistisches Land ist, würde er sagen: ein hinduistisches. Die Vorstellung der meisten Menschen ist, dass dieses Land den Hindus gehört und alle anderen Religionen gehen sollten.

Einer dieser RSS-Führer sagte 2014, als die BJP die Macht übernahm, dass am 31. Dezember 2021 der letzte Tag der Christen in Indien sein werde. Als er das sagte, erschien das wie ein verrücktes Statement. Wie kann jemand so etwas sagen? Die Regierung unternahm nichts gegen ihn und sagte, das sei seine persönliche Meinung, nicht die Position der Regierung. Aber die Dinge, die heute geschehen, die Art und Weise, wie sie die Kirchen kontrollieren und Christen angreifen – sie versuchen tatsächlich die Kirche auszulöschen. Aber die Kirche, das Christentum kann nicht aus dem Land vertilgt werden. Denn je mehr Verfolgung herrscht, desto stärker wachsen die Gemeinden. Wir wissen, dass am 1. Januar 2022 die Kirche als eine sehr starke Kirche auferstanden sein wird. Amen.“

Aufgezeichnet von Jonathan Steinert

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Wed, 16 Jan 2019 08:49:00 +0100
<![CDATA[Totalitäre Regimes bedrohen Freiheit von Christen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/01/16/totalitaere-regimes-bedrohen-freiheit-von-christen/ In China hat sich die Lage von Christen im Laufe des vergangenen Jahres deutlich zugespitzt. Laut dem aktuellen Weltverfolgungsindex, den das christliche Hilfswerk Open Doors am Mittwoch veröffentlichte, ist es auf der Rangliste der Länder mit der schwersten Christenverfolgung von Rang 43 auf 27 vorgerückt. An China werde deutlich, wie totalitäre Regimes die Freiheit von Christen und religiösen Minderheiten einschränken. Moderne digitale Technik erleichtere es dabei den Behörden, Menschen zu kategorisieren und zu überwachen.

Im Februar vergangenen Jahres seien in China beispielsweise neue Vorschriften für religiöse Angelegenheiten in Kraft getreten. Da religiöse Bildung für Kinder und Jugendliche demnach verboten sei, hätten christliche Kindergärten und Sonntagsschulen schließen müssen, Kirchen seien gewzungen worden, Minderjährige vom Gottesdientsbesuch abzuhalten. Das geht aus dem Bericht von Open Doors zur aktuellen Lage der Christen hervor.

Religion müsse der Kommunistischen Partei dienen und an die chinesischen Traditionen angepasst werden. So seien Gemeinden gezwungen worden, die chinesische Flagge im Gottesdienstraum aufzuhängen, die Nationalhymne vor dem Gottesdienst zu singen oder Bilder von Jesus durch welche von Präsident Xi Jinping zu ersetzen. In der Provinz Zhejiang im Osten des Landes hätten Behörden Vorschriften erlassen, wie Kirchenkreuze auszusehen haben und wo sie angebracht werden dürfen.

Nordkorea bleibt schlimmster Christenverfolger

In Vietnam und Myanmar sind Christen laut Open Doors ebenfalls mit totalitären Regimes konfrontiert, die die Freiheit von Christen einschränken. Nach wie vor sei Nordkorea das Land, das Christen am stärksten unterdrückt. Wenn nicht der oberste Führer des Landes verehrt werde, gelte dies für das autoritäre Regime als Verbrechen. Hinsichtlich des Personenkults und der Kontrolle seiner Bürger sei Nordkorea beispiellos. „Das weltweit vielbeachtete Gipfeltreffen von Kim Jong Un mit US-Präsident Trump hat bislang zu keinen spürbaren Verbesserungen im Land geführt“, erklärt Open Doors.

Auch religiös-nationalistische Tendenzen setzen laut dem Hilfswerk Christen und andere religiöse Minderheiten in den betroffenen Ländern immer stärker unter Druck. In Indien etwa sähen militante Hindus Christen als Bedrohung für die Nation an. Die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP treibe ihre Agenda voran, derzufolge „nur ein Hindu ein wahrer Inder sein kann“. Auch die Zahl gewaltsamer Angriffe auf Gemeinden und Pastoren seitens militanter Mobs sei angestiegen, die Behörden ließen radikale Kräfte oft gewähren. Seit die BJP 2014 die Mehrheit im Parlament errang, habe sich die Situation für Christen stetig verschlechtert.

Die Verbindung zwischen Religion und Nationalismus sei auch in der Türkei weiterhin ein Problem für Christen verschiedener Ethnien, vor allem für Konvertiten. „Es herrscht generell die Meinung, dass ein wahrer Türke ein sunnitischer Muslim sein muss“, heißt es im Bericht von Open Doors. Das spiele vor allem auf lokaler Ebene und in Familien eine wichtige Rolle, wo es oft großen Widerstand gegen Übertritte zum Christentum gebe. Denn eine Konversion bedeute gleichzeitig einen Verrat an der türkischen Identität und der Familie. Problematisch für Christen sei zudem das Bestreben des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die Türkei von einer säkularen Demokratie zu einem sunnitisch-muslimischen Staat umzubauen.

Christen auch in Russland von Muslimen unterdrückt

Nach wie vor gehe von islamistischem Extremismus große Gefahr für Christen aus. Ehemalige Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat breiteten sich zunehmend in Asien wie auch im Afrika südlich der Sahara aus und inspirierten militante islamistische Splittergruppen. In Ägypten, Somalia und im Jemen hätten solche Gruppen an Stärke gewonnen. Libyen sei als gescheiterter Staat vor allem für durchreisende Migranten ein gefährlicher Ort. Die Länder südlich der Sahara stellten „eines der größten Sicherheitsprobleme der Welt dar. In der Region treffen eine schwache Regierungsführung, Armut und der islamische Extremismus zunehmend aufeinander.“ Im islamisch bestimmten Norden Nigerias seien im vergangenen Jahr über 3.700 Christen wegen ihres Glaubens ermordet worden – das sind nach der Zählung von Open Doors mehr als in allen anderen Ländern zusammen.

Erstmals seit 2011 ist Russland wieder auf dem Weltverfolgungsindex gelandet (Rang 41). Christen werden demnach vor allem in muslimischen Regionen in ihrem sozialen Umfeld unterdrückt, etwa im Nordkaukasus. Auch von der Regierung gehe durch einschränkende Gesetze Druck auf Christen aus. Die russisch-orthodoxe Kirche genieße weitgehend die Gunst der Regierung. „Nichtregistrierte Kirchen, die das Evangelium aktiv weitergeben, können mit Hindernissen wie Überwachung und Verhören rechnen.“

Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, resümierte: „Die gegenwärtige Situation der verfolgten Christen und anderer Minderheiten ist katastrophal und alarmierend.“ Er forderte von Politikern wie auch von Christen, „deutlich mehr“ für Religionsfreiheit zu tun als bisher. Für den Weltverfolgungsindex analysiert Open Doors, welche Freiheit Christen in verschiedenen Lebensbereichen haben, ihren Glauben zu leben – im Privaten, in der Familie, im gesellschaftlichen Umfeld. Zudem wird untersucht, wie der Staat Einfluss nimmt auf die Religionsausübung und inwiefern kirchliches Leben möglich ist. Schließlich fließt in die Analyse auch ein, in welchem Ausmaß Christen in den verschiedenen Lebensbereichen physischer Gewalt ausgesetzt sind. Open Doors versteht den Weltverfolgungsindex jedoch nicht als statistische Aussage über den Grad der Christenverfolgung in den jeweiligen Ländern.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 16 Jan 2019 08:46:00 +0100
<![CDATA[Evangelische Medienakademie startet neu]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/01/15/evangelische-medienakademie-startet-neu/ Seit Januar 2019 ist die Evangelische Medienakademie eigenen Angaben zufolge Teil des Amtes für Öffentlichkeitsarbeit der Nordkirche in Hamburg. Am neuen Standort verbindet die Akademie Fortbildungsangebote des bisherigen „Medienbüros Hamburg" mit dem „Studiengang Öffentlichkeitsarbeit" und den Fortbildungsangeboten für kirchliche Öffentlichkeitsarbeit in der Nordkirche.

Die mehr als 100 Angebote der Evangelischen Medienakademie zielen auf die Vermittlung von journalistischen Kompetenzen in der digitalen Kommunikation und die Arbeit mit Sozialen Medien, Suchmaschinen-Recherche und multimediales Storytelling. Auch Kurse zu ethischen Grundsätzen im Journalismus und zum Umgang mit Hass-Botschaften im Netz gehören zum Angebot der Akademie.

„Wir arbeiten unabhängig von Verlagen und politischen Einflüssen", heißt es auf der Webseite der Bildungseinrichtung. Sie sei „offen für alle". Die Evangelische Medienakademie steht als Einrichtung der Evangelischen Kirche eigenen Angaben zufolge für „fundierte Fortbildungen" und die „Vermittlung professioneller Kompetenzen in Journalismus und Kommunikation".

Die kirchliche Einrichtung zur Aus- und Weiterbildung von Journalisten wurde nach Angaben von evangelisch.de 1949 gegründet und war demnach bis 2009 im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt, danach in Berlin angesiedelt. Später wechselte die Trägerschaft zum Evangelischen Medienverband im Rheinland, während die Evangelische Journalistenschule in Berlin unter Federführung des GEP verblieb.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 15 Jan 2019 18:16:00 +0100
<![CDATA[„Spiegel“-Skandal erschüttert Vertrauen in Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/01/14/spiegel-skandal-erschuettert-vertrauen-in-medien/ Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger, Mathias Döpfner, hat die Medienbranche vor dem Verlust der Glaubwürdigkeit durch den Fall Relotius beim Spiegel gewarnt. Der preisgekrönte Spiegel-Redakteur Claas Relotius hatte in den vergangenen Jahren „in großem Umfang“ mehrere seiner Artikel manipuliert. Der „Fälscherfall Relotius" dürfe nicht heruntergespielt werden, erklärte Döpfner in einem Interview mit Journalisten der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Man sitzt auf dem hohen Ross und beschreibt in schöner, fast literarischer Sprache die Welt, wie sie sein soll“, sagte Döpfner in dem Interview vom Montag über den Spiegel. Haltung sei oft wichtiger als Handwerk, Weltanschauung wichtiger als Anschauung.

Aussicht auf Läuterung

Der Fall Relotius hat nach der Auffassung von Döpfner das Potenzial, das „Grundvertrauen“ in die Medien zu erschüttert. Der Fall bestätige zum Teil „berechtigte Kritik an unserer Branche". Der Chef des Axel Springer Medienkonzerns erkennt jedoch einen Anlass zur Läuterung in dem Fall Relotius. „Wenn das jetzt ordentlich aufgeklärt wird, Konsequenzen jenseits der Bauernopfer gezogen werden und die Menschen nicht das Gefühl haben, dass es hier falsche Branchensolidarität gibt, dann birgt das Ganze auch eine große Chance zur Katharsis", sagte Döpfner. Der Fall gehe die gesamte Medienbranche an, nicht nur eine Zeitschrift.

Nicht wegducken

Döpfner stellt bei der Aufklärung über den Fall eine „Beißhemmung“ fest und fordert andere Publikationen auf, mehr Unabhängigkeit und Selbstkritik zu beweisen. Nach Döpfners Einschätzung wiegt der Fall Relotius schlimmer als die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher des „Stern" in den 80er Jahren. Die gefälschten Tagebücher hätten wochenlang die Nachrichten bestimmt, bei den gefälschten Relotius-Artikeln habe es nach wenigen Tagen nur „noch kleine Meldungen" gegeben. Die Medienbranche dürfe sich nicht zu schnell wegducken oder mit zweierlei Maß messen, sonst werde die „Glaubwürdigkeit untergraben“.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 14 Jan 2019 11:47:00 +0100
<![CDATA[Brücken bauen und Beziehungen gestalten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/01/14/bruecken-bauen-und-beziehungen-gestalten/ In dem kleinen Zimmer von Norbert Heide stehen zwei Sessel, dazwischen ein kniehoher Tisch mit Kerzen. Das Büro des Schulseelsorgers hat außerdem noch einen Schreibtisch sowie Regale, in denen zahlreiche Bücher stehen. Auf dem Sideboard liegen Info-Materialien, die über die Arbeit des Seelsorgers informieren. Heide ist Ansprechpartner für Schüler, Lehrer und Bedienstete der Theo-Koch-Schule im mittelhessischen Grünberg.

Der Theologe ist seit eineinhalb Jahren mit 50 Prozent als Schulpfarrer und mit 50 Prozent als Dekan tätig. Die Theo-Koch-Schule ist mit 1.450 Schülern und 150 Lehrern die größte im Landkreis Gießen. Heide unterrichtet dort in den 5. Klassen und in der Oberstufe Religion. Zwei Mal pro Woche ist er in seinem Büro oder in der Mensa für die Nöte und Sorgen der Schüler und Lehrer da. Als Schulseelsorger möchte er junge Menschen neugierig machen auf die „Sache mit Jesus und Gott“.

Der Theologe möchte ihnen in Notsituationen Zeit und Gehör schenken. „Einige Probleme können wir gemeinsam bewältigen“, sagt Heide, der sich als Anwalt und Fürsprecher für die Schwachen und Benachteiligten versteht. „Alle Menschen wurzeln in der Gnade Gottes“, steht in der Info-Broschüre des Schulseelsorgers.

Sternstunden und Auszeiten im Advent

Bei Bedarf können seine Gesprächspartner auch außerplanmäßig Termine mit ihm vereinbaren. Heide wirbt mit dem Motto „Gemeinsam geht es leichter!“ für seine Arbeit. Schüler dürfen auch während des Unterrichts in sein Büro kommen. Zur Bestätigung, dass ein Schüler bei ihm war und nicht geschwänzt hat, füllt Heide einen Zettel aus. Heides Stelle entstand als Kooperation zwischen der Landeskirche und der Schule. Ob eine Schule einen Seelsorger hat, ist nicht von der Schülerzahl abhängig. Dienstvorgesetzter ist das kirchliche Schulamt. Für Schulpfarrer gelten alle Pflichten normaler staatlicher Lehrkräfte.

Heide schafft auch geistliche Angebote im Schulalltag. Er bietet Gottesdienste zu Beginn und am Ende des Schuljahres sowie nach dem Abitur an. Im Advent gibt es „Sternstunden“. Dann lädt Heide gemeinsam mit dem gesamten Religions-Fachbereich vor dem Unterricht zu einer Tasse Tee und Plätzchen in die Schulküche ein. „Das Angebot wird gut angenommen, da die ersten Schüler schon um 7 Uhr in der Schule sind.“

Was die Menschen ihm anvertrauen, fällt unter das Seelsorge-Geheimnis. „In der Schulseelsorge kann die Kirche auch für Kirchen- und Gemeindeferne nah bei den Menschen sein“, ist sich der Theologe sicher. Er begegnet vielen verschiedenen Problemen: Scheidungskinder, Mobbingopfer, familiäre Probleme, verursacht durch Alkoholmissbrauch. Oberstufenschüler kommen mit Beziehungsthemen zu ihm, manche wollen nicht mehr leben. Lehrer sind ausgebrannt. Denjenigen, die sich ihm anvertrauen, will er mit Respekt und der nötigen Distanz begegnen.

Einmal wurde Heide aus einer Konferenz herausgerufen. Er musste einem Schüler die Nachricht überbringen, dass sein Vater schwer verunglückt sei und dessen Leben am seidenen Faden hing. Die Frage, warum Gott schlimme Dinge zulässt, findet Heide schwierig zu klären: „Die Theodizee-Frage kann ich nicht beantworten. Ich sichere den Schülern aber zu, dass ich sie bei ihren Problemen weiter begleite.“

Der Erfolg der Arbeit ist schwer messbar. Heide bekommt aber durchaus positive Rückmeldungen, wenn sich bestimmte Probleme gelöst haben. „Einmal klingelte nachts um 3 Uhr mein Handy. Nach dem, was ich gehört habe, war klar, dass ich gebraucht werde. Ein Paar hatte sich getrennt.“ Der eine Partner rief Heide verzweifelt an. Aus Angst, er könne sich etwas antun, machte sich der Theologe auf den Weg. Jetzt geht es dem Betroffenen wieder besser: „Und trotzdem erinnert er sich an die Zeit, in der es ihm schlecht ging. Das hat er mir neulich schriftlich in einem Dankesbrief mitgeteilt.“

Beim Gang über den Schulhof fällt ein freundliches Wort hier und ein „Hallo“ dort. Einige Schüler kennt er aus der Jugendarbeit. Er schätzt auch die gute Kooperation mit der Schulsozialarbeit. Die Herangehensweisen an die Probleme sind unterschiedlich, aber die Angebote ergänzen sich aus Heides Sicht gut. Beim Mittagessen in der Mensa tauscht er sich mit dem Sozialarbeiter aus.

Gerne macht er auch thematische Angebote und Bildungsreisen für bestimmte Zielgruppen. Mit zwölf Jungs und den Jugendreferenten des Dekanats geht es im Februar für vier Tage nach Berlin. Die Tage gestaltet er zum Thema „Schein oder Sein“. Einen Besuch im Museum der Illusion hat er geplant, aber es stehen auch die Fragen auf dem Programm, die Bestandteil seiner Begegnungen in der Schule sind: „Wer bin ich?“ und „Wer will ich sein?“ Und dann will er mit den Jungs auch über den Theo-logen Dietrich Bonhoeffer reden, der sich ähnliche Fragen gestellt hat. Weil der Religionsunterricht verfassungsmäßig verankert ist, wird Schulseelsorge auch in Zukunft von der Landeskirche finanziell unterstützt, sagt Heide. „Die Kirche merkt, dass das ein wichtiges Arbeitsfeld ist und dass wir den Menschen unsere Botschaft vermitteln können.“ Sein Angebot versteht Heide als überkonfessionell. Auch muslimische Kinder sind schon zu ihm gekommen. Sie fragten ihn an, weil sie unter dem strengen Glauben und Vorschriften ihrer Eltern litten.

Bevor Heide nach Hessen kam, unterrichtete er in einem Chemnitzer Stadtbezirk mit einer Kirchenzugehörigkeit von unter einem Prozent. „Von 32 Schülern waren zwei getauft.“ Ihnen hat er die Grundlagen des christlichen Glaubens von der Pike auf beigebracht. Fünf Schüler sind nach ihrem Abschluss als Lehrer oder Gemeindereferenten in den kirchlichen Dienst gegangen.

Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 6/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 14 Jan 2019 10:21:00 +0100
<![CDATA[Bertelsmann-Magazin stellt christliches Projekt in Hamburg vor]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/12/bertelsmann-magazin-stellt-christliches-projekt-in-hamburg-vor/ „Praytime“ ist ein Gottesdienst für Hamburger Jugendliche. Die Zeitschrift Change der Bertelsmann-Stiftung hat sich das Projekt zehn Jahre nach dem ersten Besuch noch einmal angeschaut. Die Redakteure beschreiben, wie sich in dieser Zeit bei den Jugendlichen der Umgang mit dem Glauben verändert hat.

Die aktuellen Zahlen des Religionsmonitors sagen aus, dass junge Menschen die wenigsten Probleme mit Menschen fremder Religionen zu haben scheinen. In dem Beitrag kommt auch der 16-jährige Hamburger Karl Boldt zu Wort. Seine Generation könne es sich in einer globalisierten Welt gar nicht mehr leisten, intolerant zu sein.

„Gut organisierter Gottesdienst für alle“

Er engagiert sich in der „Praytime“ in der Hamburger Kirche St. Michaelis. Den Gottesdienst für junge Leute gibt es seit zehn Jahren. Verantwortlich für die Durchführung sind die Theologen Britta Osmers und Hartmut Dinse. Die Musik in dem Gottesdienst macht eine Band. Ein Jugendlicher führt durch das Programm.

Seit der Gründung hat sich das Altersspektrum erweitert, schreiben die Change-Redakteure. Es sei ein „gut organisierter Gottesdienst für alle“. Auch spontane „Michel“-Besucher feierten, einmal im Monat um 18 Uhr, mit. Lediglich die geistlichen Impulse gestalteten die Pfarrer.

Konfirmanden und ihre ehrenamltichen Mitarbeiter erzählen, was ihnen die biblischen Texte bedeuten. Vieles davon geschehe mit enormer „Ernsthaftigkeit und Selbstbewusstsein“. Die Toleranz gegenüber Andersgläubigen habe in dieser Gegend von Hamburg, mit einem hohen Migrantenanteil, Tradition. Auch viele Jugendliche in der „Praytime“ hätten ausländische Wurzeln.

„Gott gehörte zu meinem Leben eigentlich schon immer dazu.“

Emilias Vater etwa ist Muslim, sei aber aus Liebe zur Familie mit zur Kirche gegangen. „Gott gehörte zu meinem Leben eigentlich schon immer dazu.“ Sie habe nach der Konfirmation als ehrenamtliche Helferin gerne Verantwortung übernommen, auch „weil man sich als Teamer noch näher bei Gott fühlt“. Die besondere Nähe zu Gott, die Geborgen- und Verbundenheit mit den anderen Teamern, aber vielleicht auch das Gefühl, zu einer verschworenen Gemeinschaft zu gehören, verbinde die meisten Teilnehmer, schreiben die Change-Redakteure.

Greta ist in einem protestantischen Elternhaus aufgewachsen. Bei ihr war „der Glaube in dem Alltag selbstverständlich“. Sie habe sich darüber gefreut, dass sich ihre beste Freundin mit zwölf auf eigenen Wunsch hat taufen lassen. Die Change-Redakteure bilanzieren, dass die Hamburger Jugendlichen heute sehr stolz ihre Zugehörigkeit zum Christentum und ihren Glauben nicht gegenüber anderen verleugneten.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 12 Jan 2019 14:25:00 +0100
<![CDATA[BENE wird zum besten deutschen Kundenmagazin 2018 gekürt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/01/12/bene-wird-zum-besten-deutschen-kundenmagazin-2018-gekuert/ Das Magazin BENE des Erzbistums Essen bietet „journalistisch wertvoll aufbereitete Geschichten von Menschen über Menschen“. Mit dieser Begründung hat die Deutsche Post AG es in der Kategorie „Kundenmagazin und Loyalitätsmarketing“ zum Sieger 2018 gekürt. Bischof Franz-Josef Overbeck und die beiden Bene-Redakteurinnen Sandra Gerke und Kathrin Brüggemann nahmen den Preis am Freitag entgegen.

Vertriebsleiter Dirk Leibner würdigte BENE als positives, vielfältiges Medium mit journalistisch wertvoll aufbereiteten Themen: „Hier werden Kirchen-Klischees aufgebrochen und Geschichten von Menschen über Menschen erzählt.“ Laut Internetseite des Bistums Essen hatte deren Kommunikationsabteilung unter Federführung der Siegburger Journalistin Jutta Laege das kirchliche Kundenmagazin 2013 neu entwickelt. Es erscheint fünf Mal im Jahr und wird in einer Auflage von über 500.000 Exemplaren kostenfrei an alle katholischen Haushalte im Ruhrgebiet versandt. Die Redaktion wolle darin Glaubensthemen leicht verständlich und unterhaltsam aufbereiten.

Bischof Franz-Josef Overbeck freute sich über die Auszeichnung. „Denn wir haben unser Magazin entwickelt, um mit unserer guten, frohen Botschaft Kontakt auch zu jenen Kirchenmitgliedern aufzunehmen, die wir sonst nur selten oder gar nicht erreichen. Auch die Rückmeldungen der Leserinnen und Leser zeigen uns, dass dieses Vorhaben gut gelungen ist“, wird er auf der Bistums-Seite zitiert.

Laut einer Marktanalyse aus dem Jahr 2015 möchten über 90 Prozent der BENE-Leser das Heft gern dauerhaft kostenlos erhalten und fühlen sich über kirchliche Themen angemessen informiert. Weitere Preise wurden in den Kategorien „Crossmediales Marketing oder Sampling“, und „Print und Kreation“ vergeben.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 12 Jan 2019 12:34:00 +0100
<![CDATA[Footballstar Tim Tebow hat sich verlobt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/11/footballstar-tim-tebow-hat-sich-verlobt/ „Danke, dass du JA gesagt hast und mich zum glücklichsten Mann der Welt gemacht hast." Mit diesen Worten teilte der als „Gottes Quarterback“ bekannt gewordene Sportler Tim Tebow seine Verlobung mit Demi-Leigh Nel-Peters, der ehemaligen Miss South Africa und Miss Universe, über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

„Ich war nicht wirklich aufgeregt, aber gespannt“, sagte er dem amerikanischen Magazin People. Beide betonten, die Hochzeit kaum erwarten zu können. Ein genaues Datum nannten sie allerdings nicht.

Bereits 2017 gab Tebow dem Magazin People ein Interview. Darin beschrieb er seine Traumfrau. Sie müsse in erster Linie wirklich Gott lieben. „Mein Glaube ist mir wichtig – er ist das Wichtigste – und ich möchte mit jemandem zusammen sein, der den Glauben teilt." Diese Person habe er nun gefunden. Seine Verlobte sei genau die Frau, nach der er gesucht habe. „Ich bin sehr gesegnet, sie für den Rest meines Lebens an meiner Seite zu haben“, sagte Tebow.

Gebet auf dem Spielfeld

Über die Grenzen Amerikas hinaus wurde Tebow vor einigen Jahren bekannt. Weil er häufig zum Beten ein Knie auf das Spielfeld setzte und mit seinem Glauben auch sonst nicht hinter dem Berg hielt, wurde er zu einem der bekanntesten christlichen Sportler weltweit. Sein „Tebowing“ wurde Kult und mehrfach nachgemacht. Er ist der Sohn eines christlichen Missionars-Ehepaars.

Von: Martin Schlorke

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Fri, 11 Jan 2019 15:55:00 +0100
<![CDATA[Keine „Unglückszahl“ 13 bei neuem Sozialgesetzbuch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/01/11/keine-unglueckszahl-13-bei-neuem-sozialgesetzbuch/ Das neue geplante Sozialgesetzbuch (SGB), das das Soziale Entschädigungsrecht neu regelt, wird statt der Nummer 13 die Nummer 14 erhalten. Der Chronologie folgend, müsste es eigentlich SGB XIII heißen. Doch Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) will diese „Unglückszahl“ vermeiden. Gegenüber Bild erklärte er: „Ich bin kein abergläubischer Mensch und habe auch keine Angst vor Zahlen. Ich bin gläubiger Christ. Aber in diesem Fall geht es um ein Opferentschädigungsgesetz für Opfer von Gewalttaten.“ Einige Opferverbände hätten darauf hingewiesen, dass es Betroffene gebe, die bei dieser Zahl ein ungutes Gefühl hätten. „Ich finde, wir Politiker brechen uns nichts ab, wenn wir auf solche Empfindungen Rücksicht nehmen", sagte Heil.

Für den Politiker ist das kein Aufreger. Auch bei der Bahn oder bei Fluglinien gebe es keine Plätze oder Reihen mit der Nummer 13. Zudem fahre man in Hotels oft von der 12. direkt in die 14. Etage. „Es ist eine Frage von Sensibilität. Bei den durchnummerierten Sozialgesetzbüchern verstehen ja ohnehin nur noch Experten, welches SGB für welche Themen steht.“

In jedem Sozialgesetzbuch finden sich Regeln zu einem anderen Bereich des Sozialrechts. Im neuen SGB wird der Bereich der Opferentschädigung nachzulesen sein. Die Reform sei unter anderem eine Konsequenz aus dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin vor zwei Jahren, berichtet Bild.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 11 Jan 2019 15:07:00 +0100
<![CDATA[„Man kann mit Religion schon viel Unsinn machen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/01/11/man-kann-mit-religion-schon-viel-unsinn-machen/ Ein abgedunkelter Theatersaal, Stuck an der Decke, rote Samtsitze und ein rotes Sofa auf der Bühne. „Glauben!" steht in dicken weißen Lettern hinter dem Sitzmöbel, auf dem zwei Menschen der Öffentlichkeit Platz genommen haben, die unterschiedlicher nicht sein können: Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und damit oberster deutscher Katholik, mit rundem Bauch und rheinischem Gemüt – obwohl er aus Westfalen kommt. Und Michel Friedman, einst stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, dabei betont religionskritisch, Moderator und berüchtigt für seinen harten Interviewstil, Jurist, selten und wenn dann nur sparsam lächelnd, schmal, ernst, energisch.

Am Donnerstagabend trafen diese beiden Männer im Berliner Ensemble aufeinander – man könnte auch sagen, sie traten gegeneinander an. Denn jedes Gespräch mit Friedman ist ein Kampf – für die Interviewten und auch für die Zuschauer, hetzt der Deutsch-Franzose doch durch die Themen, als suche er nur nach dem einen Aspekt, auf den das Gegenüber keine Antwort parat hat. Das macht solcherlei Abende anstrengend – und zugleich kurzweilig.

„An was glauben Sie nicht?“

„An was glauben Sie nicht?", lautet die erste Frage Friedmans, die ohne Einleitung oder Vorworte daher kommt und nur wenige Sekunden, nachdem der Auftrittsapplaus im gut gefüllten Haus verklungen ist. Er glaube nicht daran, dass die Welt oder sein Leben sinnlos seien, lautet die zügige Antwort. Daraus entspinnt sich ein Dialog über den Unterschied zwischen Glaube, Wissen und Gewissheit, den Friedman energisch vorantreibt, zuweilen derart vehement, dass dem Interviewten kaum Raum zur Antwort bleibt. Glaube, der sich nicht der Vernunft stelle, sei Fundamentalismus, sagt Marx. Vernunft aber, die nur auf die Empirie setze, sei ebenfalls zu begrenzt. „Die Bibel ist Aufklärung", führt er mit Verweis auf den Abschied vom Vielgötterglauben fort, und: „Jesus war ein Aufklärer."

Als Friedman dem bayerischen Erzbischof daraufhin vorwirft, sein Gottesbild sei konstruiert, setzt dieser zwei Mal zur Antwort an, wird kurz sogar laut und erhebt die Hände aufgeregt, als Friedman ihn erneut nicht zu Wort kommen lässt. Es wird das einzige Mal an diesem Abend sein, dass Marx sich vom Moderator aus der Fassung bringen lässt und es zeigt auch deutlich, worauf Friedman-Gespräche ausgelegt sind: Das Gegenüber soll aus seiner Ecke herauskommen, emotional werden, laut, vehement, streitbar. Das ist das Ziel dieses Abends, das meint Friedman damit, wenn er immer wieder betont, er wolle „offen“ zuhören und sei „ehrlich interessiert“ an den Ausführungen des Gegenübers. Mit Marx jedenfalls erreicht er sein Ziel nicht. Nach dieser kurzen Szene nimmt sich der 65-Jährige wieder zurück, lässt sich unterbrechen, besteht nicht auf sein Recht, bringt seine Punkte aber vor, wo sein Gegenüber es ihm gewährt.

„War Gott in Auschwitz?“

Dabei werden die Themen ab diesem Punkt erst richtig heikel. Friedman wirft der Kirche vor, nicht genug getan zu haben, um Missbrauch durch Geistliche aufzuklären. Marx seinerseits insistiert, jeder bekannte Fall in Deutschland sei an die Staatsanwälte übergeben worden. Friedman unterstellt, Christen könnten nicht an die Schöpfung und die Evolution zugleich glauben, Marx entgegnet, die Bibel sei an dieser Stelle nicht wörtlich zu verstehen. Es gebe die Evolution „offensichtlich". Als der Moderator dem Erzbischof entgegenwirft: „Nicht naiv werden", lacht das Publikum. Naiv war tatsächlich mehr die Frage denn die Antwort. Und Marx legt nach: Es gehe nicht darum, wie Gott den Menschen geschaffen habe. Heute sei wichtig, „was der Mensch ist". Denn daraus leite sich die Menschenwürde ab.

War Gott in Auschwitz? Diese Frage kann kaum fehlen bei einem Gespräch zwischen einem Juden und einem deutschen Katholiken. Tatsächlich ist sie an diesem Abend eine Zäsur. Das Miteinander auf der Bühne wird ruhiger, nachdenklicher, Marx darf sprechen, das Publikum durchatmen. „Ich habe keine Antwort auf die Frage, warum ist das Leid da", sagt Marx. Aber er glaube an einen Gott, der sich mit dem Leid identifiziert.

„Es gibt keine Judenmission“

„Religion muss politisch sein", ist Marx überzeugt. Doch, glauben alle Monotheisten an denselben Gott? Die Schriften zeigten Unterschiede, antwortet er statt eines klaren Neins, auch wenn das gemeint ist. Ein aggressives Missionsverständnis weist er von sich: „Es gibt keine Judenmission" und auch ansonsten versteht er das Evangelisieren eher als Angebot zum Erfahrungsaustausch.

„Man kann mit Religion schon viel Unsinn machen", gibt er zu und ist sich da plötzlich sichtlich einig mit dem Gastgeber. Für die Zukunft seiner Kirche wünscht er sich eine stärkere Machtkontrolle. Die Instrumentalisierung der Religion, auch für politische Zwecke, sorgt ihn. „Gott kann nicht benutzt werden", sagt Marx. Weder von Nationalisten noch von Fundamentalisten. Da kann selbst Friedman kaum widersprechen. „Er hat ihn nicht gekriegt", sagt eine Zuschauerin während des Schlussapplauses zur anderen und meint damit, dass Friedman Marx nicht vorführen konnte. Das spricht für Marx. Schade aber ist, dass ein Gespräch zum Thema Glauben das überhaupt zum Ziel haben will.

Von: Anna Lutz

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Fri, 11 Jan 2019 11:43:00 +0100
<![CDATA[Amerikanerin verklagt Ärztin wegen versehentlicher Abtreibung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/11/amerikanerin-verklagt-aerztin-wegen-versehentlicher-abtreibung/ Die Amerikanerin Lorena Anderson hat ihr ungeborenes Baby verloren. Grund dafür ist ein Medikament, das ihr ihre Ärztin fälschlicherweise verschrieben hat. Dieses sorgte für eine Abtreibung. Deswegen zieht die Kalifornierin jetzt vor Gericht und verklagt die Medizinerin und die Apotheke. Das meldet das amerikanische Nachrichtenportal Christian Headlines.

Anderson war im März vergangenen Jahres bei der Ärztin Maria Rasul in Behandlung. Die Ärztin verschrieb ihr das Medikament Misoprostol. Die Patientin ahnte nicht, dass dies für eine Abtreibung verursachte und nahm es sorglos ein. Nachdem ihr die Folgen bekannt waren und sie eine Fehlgeburt hatte, verklagte sie die Ärztin und die Apotheke.

Nicht über die Wirkungen des Medikaments aufgeklärt?

Normalerweise wird das Medikament in Kombination mit einem anderen Arzneimittel genommen. Anderson kritisiert, dass Rasul sie nicht über die Wirkungen des Medikaments aufgeklärt habe. Die Ärztin soll den Fehler bemerkt und die Apotheke gebeten haben, die Bestellung zu stornieren. Die Ärztin habe aber nur die Apotheke und nicht die Patientin informiert.

Am 20. März, dem Tag, an dem sie ihre Ärztin besucht und die Pille genommen hatte, hatte Anderson eine Fehlgeburt. Sie fordert Schadenersatz für die „Gräuel, Angstzustände, Enttäuschungen, mentale Leiden und die körperlichen Verletzungen“, die sie erlitten habe. „Sie hat sich sehr gefreut auf ihre Schwangerschaft und das Muttersein“, wird ihr Anwalt, Garrett May, im San Luis Obispo Tribune zitiert. Die erste Anhörung ist für den 13. Mai geplant.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 11 Jan 2019 11:32:00 +0100
<![CDATA[Chinas Xi Jinping streicht das Erste Gebot]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/01/11/chinas-xi-jinping-streicht-das-erste-gebot/ Ein Gastbeitrag von Open Doors Deutschland]]> „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Dies ist das erste der Zehn Gebote. Jeder, der sich zu Jesus Christus bekennt und ihm nachfolgt, weiß, dass Gott der erste Platz in seinem Leben gebührt. Um diesen Umstand wissen auch der chinesische Führer Xi Jinping und sein Regime. Die christliche Organisation Bitter Winter, die Verfolgung von Christen in China beobachtet, berichtete nun über einen Vorfall, der zeigt, wie eben dieses Erste Gebot ein Dorn im Auge der kommunistischen Partei ist und durch die Anordnungen von Xi Jinping in Frage gestellt, ja ausradiert werden soll.

Behörden in Luoning County in der Provinz Henan, wo drei der fünf großen Hauskirchenbewegungen Chinas begannen, haben dem Bericht zufolge einer öffentlichen, registrierten Drei-Selbst-Kirche die Anordnung erteilt, an einer im Gottesdienstraum angebrachten Tafel mit den Zehn Geboten eine Änderung vorzunehmen. Demnach kamen am 1. November etwa 30 Beamte des zentralen „Inspektionsteams für religiöse Überwachung“ während eines Gottesdienstes im Dorf Dongcun in die Kirche, um eine Inspektion durchzuführen. Ein Beamter zeigte auf das erste der zehn Gebote, die dort an der Wand angebracht waren. Dort stand zu lesen: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ „Das muss entfernt werden“, sagte der Beamte. Begleitende Beamte löschten sofort das Gebot.

Der Leiter der Gemeinde und Christen protestierten entschieden. Einer soll erwidert haben: „Das gehört sich nicht! Sie verfälschen das Wort Gottes! Sie widerstehen dem Herrn!“ „Xi Jinping lehnt diese Aussage ab“, sagte ein Beamter. „Wer wagt es, nicht zu kooperieren? Wer nicht zustimmt, kämpft gegen das Land." Der Beamte warnte die Kirche: „Das ist eine nationale Anordnung! Sie sollten die Situation richtig verstehen. Stellen Sie sich nicht gegen die Regierung!" Die Gläubigen hängten daraufhin die Zehn (beziehungsweise neun) Gebote ab. Ein Beamter machte ein Foto.

Ein Kirchenmitglied berichtete: „Bereits im August wurde das Kreuz der Kirche von der Regierung gewaltsam demontiert. Nun wurden die Zehn Gebote in die Neun Gebote umgewandelt. In China ist es schwer, seinen Glauben zu leben." Ein anderer sagte: „Sie versuchen, unseren Glauben zu korrumpieren und uns dazu zu bringen, Gott zu verleugnen.“

Massives Ausmaß an Verfolgung

Die Entfernung von Kreuzen und dieser Vorfall sowie die Verhaftungen von mehr als 100 Gläubigen und die Schließung der „Early Rain Covenant"-Kirche in Chengdu und der „Rongguili" Kirche in der Hafenstadt Guangzhou – beides bekannte Untergrundkirchen in China – signalisieren einen erheblichen Eingriff für Chinas Christen und Kirchen im Jahr 2019.

Seit der Kulturrevolution Chinas unter Mao Tse-tung hat die Kirche in China dieses Ausmaß an Verfolgung nicht mehr erlebt. Im vergangenen Jahr führte der Staat eine neue Version der von der Kommunistischen Partei Chinas überarbeiteten Bibel ein und verlangte, dass „sozialistische Kernwerte“ als Lehre in allen Kirchen gelehrt werden müssen. Bibeln dürfen nur noch in offiziellen Läden verkauft werden.

„Mit der Kulturrevolution unter Mao wurden die Christen unerbittlich verfolgt. Doch dadurch wurde eine der größten Erweckungen der Menschheitsgeschichte ausgelöst“, sagt Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland. „Nach Jahren relativer Freiheit für die Christen Chinas hat Xi Jinping eine neue Verfolgungswelle ins Rollen gebracht. Ich glaube, dass Xi sich täuscht, wenn er meint, er könne Gott Paroli bieten. Ich glaube, dass die Christen Chinas standhaft bleiben und im Glauben sogar noch stärker werden. Wichtig ist, dass wir als Christen jetzt für unsere verfolgten Glaubensgeschwister in China beten.“

Seit seinem Amtsantritt Ende 2012 baut Xi Jinping seine Macht aus. Im Oktober 2017 wurde ihm beim Kongress der Kommunistischen Partei eine weitere Amtszeit bestätigt, und die Partei hat seine neuen Bestimmungen in die chinesische Verfassung eingefügt. Xi hat die gleiche Autorität im Land wie einst Mao Tse-tung. Kaum jemand im Land wird es wagen, sich gegen Xi Jinping zu stellen.

„Jesus kann dir nicht helfen“

Am 14. November 2017 veröffentlichte die Washington Post einen Bericht aus dem Südosten Chinas: Tausenden von Dorfbewohnern war gesagt worden, dass Jesus ihnen bei Krankheit oder Armut nicht helfen könne. Nur Xi Jinping könnte das, also sollten sie religiöse Bilder entfernen und sie durch Bilder von Xi ersetzen. Ein weiterer Bericht in der South China Morning Post zitiert Qi Yan, den Vorsitzenden des Volkskongresses von Huangjinbu: „Viele Landbewohner sind ignorant. Sie denken, dass Gott ihr Retter ist .... Nach getaner Arbeit unserer Kader werden sie ihre Fehler erkennen und denken: Wir sollten uns für Hilfe nicht mehr auf Jesus verlassen, sondern auf die Partei."

Mit zunehmenden Personenkult um Xi – er wird in der Presse als „Großer Führer" bezeichnet, eine seit Mao nicht mehr verwendete Terminologie – und Betonung der Armutsbekämpfung durch die Kommunistische Partei positioniert sich das Regime in China gegen die christliche Gemeinde.

Markus Rode ist Leiter der christlichen Hilfsorganisation Open Doors Deutschland. Das Werk setzt sich für verfolgte Christen weltweit ein, unter anderem auch in China.

Von: Markus Rode – Leiter Open Doors Deutschland

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Fri, 11 Jan 2019 09:31:00 +0100
<![CDATA[Julia Gehringer gewinnt den C.S. Lewis-Preis 2018]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/01/10/julia-gehringer-gewinnt-den-cs-lewis-preis-2018/ Die Jury des C.S. Lewis-Preises verleiht die Auszeichnung dieses Jahr an die 19-jährige Julia Gehringer. Mit ihrem Werk „Die Blutkönigin“ stehe sie in der Tradition des englisches Schriftstellers und Namensgebers Clive Staples Lewis (1898–1963) und seiner Buchreihe „Die Chroniken von Narnia“.

In ihrem Fantasy-Roman erzählt Gehringer von der Jugendlichen Bo. Bo glaubt weder an unsichtbare Königreiche, noch an Drachen oder böse Herrscherinnen. Als sie von ihren Vorgesetzen in eine Geheimgesellschaft eingeführt wird, erkennt sie, dass all das Realität ist und ihr Weltbild völlig auf den Kopf stellt. Ein großes Abenteuer beginnt, bei dem es herauszufinden gilt, woran man glauben soll, um Veränderung zu bewirken.

Die Jury reagierte begeistert auf das Roman-Projekt der jungen Autorin. Fabian Vogt, Theologe und Autor, ist vor allem über ihre Fähigkeit, komplexe Lebensthemen in ihre Geschichte einzubinden, erstaunt. Sie greife mit ihrem Werk die „aktuelle Diskussion um Haltung auf und macht Lust, an etwas zu glauben“. Der C.S. Lewis-Übersetzer Christian Rendel lobte weiterhin den „mitreißenden“ Stil der 19-Jährigen. Sie entwerfe Figuren, „über die man gerne mehr erfahren möchte“. Rendel freue sich daher auf eine Fortsetzung von „Die Blutkönigin“.

Der C.S. Lewis-Preis wird vom Brendow Verlag an Romanprojekte vergeben, die in herausragender Art christliche Perspektiven erkennbar machen. Der Preis erinnert an den britischen Schriftsteller Clive Staples Lewis. Er ist der Autor der bekannten Werke „Die Chroniken von Narnia“ und „Pardon, ich bin Christ“.

Von: Martin Schlorke

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Thu, 10 Jan 2019 16:23:00 +0100
<![CDATA[„Geschenke der Hoffnung“ wird „Samaritan's Purse“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/10/geschenke-der-hoffnung-wird-samaritans-purse/ Die Hilfsorganisation „Geschenke der Hoffnung e.V.“ hat sich zu Beginn dieses Jahres unbenannt. Das Werk ist nun Teil des Samaritan’s Purse-Netzwerks und heißt fortan „Samaritan’s Purse e. V. – Die Barmherzigen Samariter“. Dem Namenswechsel sei ein mehrjähriger Prozess vorausgegangen, heißt es in einer Mitteilung. „Mit dem neuen Namen betonen wir die Verbindung zum internationalen Netzwerk von Samaritan’s Purse stärker“, erklärte Vorstand Sylke Busenbender. Unter anderem durch die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ habe das Werk schon immer eng mit der weltweit tätigen Organisation zusammengearbeitet. Samaritan's Purse hat neben Deutschland Standorte in den USA, in Australien, Großbritannien und Kanada. „An unserem Status als rechtlich eigenständiger Verein in Deutschland ändert sich nichts“, sagte Busenbender. „Auch der Name ‚Weihnachten im Schuhkarton‘ für die Geschenkaktion bleibt erhalten“.

Das Ziel sei, „da zu helfen, wo andere vorbeigehen“ und im Auftrag Christi Not zu lindern. „Wie der barmherzige Samariter bringen wir Menschen die bedingungslose und unbegrenzte Liebe Gottes näher.“ Der Beiname „Die barmherzigen Samariter“ ist eine Verständnishilfe für deutschsprachige Partner.

Neben der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ engagiert sich das Werk auch bei der Bekämpfung der aktuellen Ebola-Epidimie im Kongo und errichtet dort ein Behandlungszentrum. Der erste öffentliche Auftritt von „Samaritan’s Purse“ unter dem neuen Namen findet anlässlich des Kongresses christlicher Führungskräfte am 28. Februar 2019 in Karlsruhe statt. Der Verein beschäftigt im deutschsprachigen Raum rund 40 Mitarbeiter. Sylke Busenbender leitet die Organisation seit dem 1. Januar dieses Jahres.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 10 Jan 2019 15:55:00 +0100
<![CDATA[Allianzgebetswoche beginnt am Sonntag]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/01/10/allianzgebetswoche-beginnt-am-sonntag/ Unter dem Motto „Einheit leben lernen“ organisieren und gestalten in Deutschland örtliche Allianzgruppen die Gebetsveranstaltungen. Am Sonntag, den 13. Januar, startet die weltweite Gebetswoche. In Deutschland beteiligen sich über 1.000 örtliche Allianzgruppen.

Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, betont die Wichtigkeit des gemeinsamen Gebets. Man wolle nicht müde werden, dieses zentrale Thema immer wieder zu beleuchten und zu bedenken. Man versuche, sich wieder ganz bewusst zu sein, dass die Einheit der Jünger Jesu „dem Wollen und Willen von Jesus Christus“ entspringe. Passend dazu soll Epheser 4,1–7 durch die Woche begleiten. Die Gebetswoche sei zum einen ein gemeinsamer Start ins Jahr 2019, aber zugleich auch der „Aufruf zu einer beständig anhaltenden Gebetsbewegung“. Mit Hilfe einer Gebetslosung, welche jeden Tag ein anderes Gebetsanliegen vorstellt, seien Christen im Land miteinander verbunden, sagte Steeb. Ein weiteres Anliegen sei die Situation der verfolgten Christen weltweit.

Evangelische Allianz weltweit und in Bad Blankenburg

Die Evangelische Allianz ist eine weltweite Bewegung mit 128 nationalen Allianzen, in der sich seit über 170 Jahren regelmäßig Christen – unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit – zusammenfinden. Ihre Absicht ist es nach eigener Aussage, „die in Christus gegebene Einheit seiner Gemeinde zu gestalten und die gemeinsame missionarische und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen“. Kern der gemeinsamen Aktivitäten sind Gebet und Evangelisation. Auch diakonische Einrichtungen, humanitäre Aktionen sowie gesellschaftspolitisch relevante Initiativen erwachsen aus der Arbeit der Evangelischen Allianz. Am Sitz der Deutschen Evangelischen Allianz, im thüringischen Bad Blankenburg, unterhält sie auch ein Tagungszentrum.

Die Deutsche Evangelische Allianz stellt auf ihrer Internetseite umfangreiches Vorbereitungsmaterial für die Gebetsveranstaltungen bereit.

Von: Martin Schlorke

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Thu, 10 Jan 2019 14:48:00 +0100
<![CDATA[Die evangelische Katholikin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/01/10/die-evangelische-katholikin/ Sechsmal im Jahr verlässt Lissy Eichert ihre Neuköllner Kirchenwelt und tritt für drei Stunden ins Rampenlicht. In der Maske wird sie gepudert und gefönt, Redakteure nehmen letzte Änderungen an dem Text vor, den sie im Laufe der Woche verfasst hat und den sie nun möglichst fehlerfrei in die Kamera sagen soll. Auf dem kahlen Gang im Gebäude des Rundfunks Berlin Brandenburg (rbb) macht sie Zungenübungen, überprüft den Sitz der Blümchenbluse und wechselt noch rasch die Schuhe – obwohl die später gar nicht im Bild sein werden.

Eichert ist nervös, ihre Hände sind kalt, sie sorgt sich um Schweißflecken und geht immer wieder ihren Text durch, bis sie im Aufnahmestudio schließlich vor zwei Kameras steht, die sie im Wechsel aufnehmen sollen. Hinter ihr ist nur der Bluescreen, rechts und links blickt sie in abgedunkelte Leere, vor und über ihr in der Regie kümmern sich insgesamt 15 Personen darum, dass sie im richtigen Licht steht, dass der Ton stimmt und auch sonst nichts die Aufnahme stört. „Ruhe, bitte!“, ruft die Aufnahmeleitung. Ein Sendungstitel, der zu den ältesten der deutschen TV-Geschichte zählt, flimmert über den Bildschirm, auf dem der anwesende Redakteur die Aufnahme verfolgt. Wenn die ARD samstagabends das „Wort zum Sonntag“ ausstrahlt, weiß jeder Fernsehzuschauer, ob fromm oder nicht, was ihn erwartet. Eichert atmet noch einmal tief ein und beginnt zu sprechen.

Eine Kirche mitten in Neukölln

Sechs Wochen zuvor: Wenige Meter vom Neuköllner Herrmannplatz entfernt ragt ein backsteinroter Kirchturm in die Höhe. An seiner Front ist ein goldenes Kreuz angebracht. Im Park nebenan schiebt ein Mann einen Einkaufswagen, gefüllt mit vermutlich all seinen Habseligkeiten, vor sich her und schimpft in Richtung des christlichen Wahrzeichens, lacht irre, schimpft weiter. Wenige Meter entfernt verkaufen türkische und arabische Marktschreier Brot, Oliven und Gemüse auf einer Insel inmitten mehrspuriger Straßen. Wer möchte, kann im Umfeld des Herrmannplatzes auch Marihuana oder Härteres erstehen.

Wohl nirgendwo wirkt eine katholische Kirche so fehl am Platz wie hier. Und wohl nirgendwo wird St. Christophorus so sehr gebraucht. Inmitten des dicht bebauten Berliner Bezirks Neukölln, der wegen seines hohen Migrantenanteils, seiner Clankriege und Drogenkriminalität einst bekannt wurde, versorgen Christen Bedürftige mit dem Nötigsten. Sie bieten Kirchenasyl oder Hilfe für Menschen mit geistiger Behinderung an, die mit manchen ihrer Bedürfnisse durch das Raster der Krankenkassen fallen. Movimento Pallotti heißt die Bewegung, zu der einige Gemeinde- und Leitungsmitglieder gehören. Gründer der Pallottinischen Gemeinschaft ist der römische Priester Vinzenz Pallotti. Im 18. Jahrhundert betonte er die Wichtigkeit der Laien in der Kirche. Heute gibt es auch pallottinische Klöster. Pallotti selbst hatte das weniger im Sinn. So leben viele Mitglieder in offeneren Gemeinschaften und legen auf den Gottesdienst genau so viel Wert wie auf die soziale Verantwortung. Auch Hauskirchen sind keine Seltenheit bei den Pallottinern.

Eichert kam vor 25 Jahren nach Neukölln. Gemeinsam mit Pfarrer Kalle Lenz trat sie damals an, um als Christin dem Stadtteil zu dienen. Nun steht sie im Kirchenraum vor einem Bild des katholischen Heiligen Christophorus. Es hängt im Seitenschiff und ist im Umfeld der braunen Holzbänke und der guss­eisernen Accessoires kaum zu übersehen. Ein schwarzer Mann im Gewand trägt darauf ein kleines Mädchen mit ebenfalls dunkler Hautfarbe durch eine grüne Landschaft. „So ist diese Gemeinde“, sagt Eichert. „Bunt.“ Angefertigt hat das Kunstwerk ein befreundeter Maler, der einst selbst Teil dieser Kirche war. Über Wochen kam er zum Gottesdienst, ohne je Kontakt zu anderen Menschen zu suchen. Er beobachtete, sah Sonntag für Sonntag Menschen unterschiedlicher Kulturen, Hintergründe und Milieus kommen und gehen. Er blieb und widmete der Kirche schließlich ein Gemälde, das ihren Charakter symbolisieren sollte.

Deshalb ist Christophorus darauf nicht weiß und alt, sondern Afroamerikaner und jung. In dieser katholischen Kirche verschwimmen die Grenzen zwischen Geistlichen und Gemeindemitgliedern, zwischen oben und unten, zwischen Lehrenden und Lernenden. Der Gottesdienst ist hier nicht nur frontal ausgerichtet. Regelmäßig rufen die Leitenden ihre Zuhörer nach vorne. Dort stehen sie dann versammelt im Kreis um den Altar und beten. Alle auf Augenhöhe. „Hierarchien und Männerdominanz haben unsere Kirche in diesen schrecklichen Missbrauchsskandal manövriert“, sagt Eichert.

Sie selbst teilt sich eine Wohnung gleich neben dem Kirchgebäude mit Pfarrer Lenz. Zur pallottinischen Gemeinschaft gehört ebenfalls Pastoralreferentin Stephie Kersten. Sie wohnt ein Stockwerk höher. Mindestens einmal am Tag versuchen alle zu einem gemeinsamen Gebet zusammenzukommen. Eichert glaubt fest an die Überzeugung Vinzenz Pallottis, dass jeder Mensch eine Gabe habe, die er in die Kirche einbringen soll. Nur, was ihre ist, weiß sie nicht genau. Nach längerem Grübeln kommt sie darauf: Sie sei gut darin, Tag für Tag zu schauen, wo der Herr sie brauche – gerne auch spontan. Während des Interviews vibriert ihr Handy im Minutentakt. Eichert ist sich sicher: „Dieser Jesus will mich hier haben.“

Diesen Jesus trifft sie zum ersten Mal als junges Mädchen auf dem Schulweg im heimischen Sauerland. „Ich war ein dickes, weißes, rot-blondes Kind“, sagt Eichert. Die Mitschüler mobbten sie. Deshalb hasste das Mädchen die Zeit auf dem Schulhof, aber liebte die Spaziergänge zur Schule. Denn da hörte sie Gottes Stimme. „Ich gehe mit dir“, sagte Gott. „Ich hatte einen Freund gefunden, das war mein Geheimnis“, erinnert Eichert sich. Ihr inniges Gespräch mit dieser Stimme ist bis heute geblieben. Ausgerechnet bei den freikirchlichen Quäkern versteht sie Jahre später, was es mit dem Schulweggebet von damals auf sich hatte. Mit Mitte zwanzig verbringt sie während des Studiums eine Zeit in einer Kirche der Erweckungsbewegung in England und ist dabei, als die Gemeinschaft sich in einen Kreis setzt und still wird vor Gott – eine ganze Stunde lang. „Als die da so saßen, in sich versunken und konzentriert, kam mir der Gedanke: Hören die diese Stimme vielleicht auch?“ Am Ende schrieb sie ihre Diplomarbeit über die „Methode des kreativen Hörens“, die sie bis heute praktiziert und die ihr Gott ganz nah kommen lässt.

Fröhliche TV-Predigerin

Eicherts Antrieb ist das Streben nach Gerechtigkeit. Schon als Studentin in Vallendar im Raum Koblenz, dem theologischen Zentrum der Pallottiner in Deutschland, interessierte sie sich mehr für den Protest gegen die Atomkraft als für das Klosterleben. Nonne wollte sie nicht werden: „Das erschien mir irgendwie unlustig“, sagt sie. „Weite“ charakterisiere die Pallottiner am besten. „Ich habe dort Menschen getroffen, die die Welt verändern wollten.“ 1986 wurde sie Mitglied. Gemeinsam mit zwei Studenten gründete sie damals die erste pallottinische Kommune. „Der Haustürschlüssel steckte außen“, beschreibt sie das Leben in der ebenso politischen wie frommen WG. Die Betten waren durch Freunde und Besucher immer im Wechsel belegt, wer morgens am Frühstückstisch saß, war zuweilen eine Überraschung. „Es war nicht gleich die große Revolution. Aber es war quirlig“, erinnert sie sich.

Wer Eichert kennenlernt, versteht schnell, warum sie dieses unbemühte und zugleich fromme Leben schätzt. Diese Frau kümmert sich nicht darum, ob die Haare sitzen und das Oberteil zur Hose passt. Für Pressefotos stellt sie sich in ihrem Kapuzenpullover auf, lacht laut, wenn sie aus ihrem Leben erzählt, und wird still und ernst, wenn sie über Männerdominanz und strenge Hierarchien in ihrer Kirche spricht. Dann, ganz unvermittelt, ist sie wieder bei sich. Fröhlich, nie abweisend, immer von sich selbst wegdeutend und das Engagement der anderen betonend.

Ihr Leben als Christin und bei Christophorus hat sie vor allem gelehrt, „dass ich als Mensch so unendlich schwach bin, aber in Gemeinschaft wird es besser“. Ihr kommen die Tränen, als sie sich daran erinnert, wie vor einigen Wochen das Pallotti-Mobil wegen eines Unfalls liegenblieb. Mit dem Transporter liefert der soziale Arm der Gemeinde unter anderem Essen für wohltätige Zwecke aus. Mitten auf dem stark befahrenen Columbiadamm ging nichts mehr und in Eicherts Kopf tickte die Uhr: Nur noch zwei Stunden, bis die Lebensmittel auf dem Tisch stehen mussten. Panik kroch in ihr hoch, der Tag war doch so voll, tausende Dinge zu tun, das Handy klingelte am laufenden Band – da legte ihr eine Mitarbeiterin die Hand auf die Schulter: „Lissy, wir schaffen das“, sagte sie. Ausgerechnet diese eine Helferin, die ansonsten oft so nervös sei, dass sie gar nicht unter Menschen gehen wolle. Eichert beruhigte sich auf der Stelle. Und war daran erinnert worden, dass manchmal die Schwachen die Starken trösten. „Ich kann es nicht machen. Aber Gott kann“, sagt sie und reibt sich die Augen.

„Ich kann es nicht machen“, das denkt sie auch 2013, als die Kirchenredaktion des Erzbistums Berlin bei ihr anfragt. Der rbb sei auf der Suche nach einer katholischen Sprecherin. Da ist die Auswahl übersichtlich. In Berlin, so schätzt Eichert, gebe es in ihrer Position etwa zwei Dutzend Frauen. „Viele, die ich im Laufe meines Lebens getroffen haben, sind an der Struktur ihrer Kirche irre geworden“, sagt sie. Doch obwohl sie die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche stärken will, sieht Eichert sich zunächst nicht in der Position der TV-Predigerin. Sie schlägt andere vor, doch alle sagen ab. Eines Tages sitzt sie am Küchentisch und liest Psalm 40. „Du wirst verkündigen vor großer Gemeinde“, heißt es dort. Sie nimmt es persönlich, geht zum Casting und bekommt den Job. Seitdem legt sie das Thema ihrer Worte zum Sonntag gemeinsam mit der Kirchenredaktion fest. Kurzfristige Änderungen wegen aktueller Anlässe sind möglich und in Eicherts Augen gelegentlich auch notwendig.

So geschehen ist es etwa, als im Spätsommer die katholische Missbrauchsstudie offenbarte, dass Tausende Opfer von Geistlichen geworden sind. An einem Dienstag erscheint die Erhebung, am Freitag spricht sie ihr Wort zum Sonntag dazu ein. Darin wirkt sie nicht wie sonst beseelt vom Glauben, fröhlich und ermutigend. Man sieht ihr den Schock an. Doch wie hätte sie vor einem Millionenpublikum als Katholikin glaubhaft bleiben sollen, ohne über die Opfer zu sprechen? „Ich versuche halt, mit dem lieben Gott unterwegs zu sein“, sagt Eichert, wenn sie wahlweise für zu fromm oder für zu links gehalten wird. Der Sender habe eine Frau, die im sozialen Brennpunkt verwurzelt ist, erfreut willkommen geheißen. Eichert ist eine Verfechterin des Kirchenasyls. Auch in ihrer Gemeinde finden nach Bedarf Abschiebepflichtige Zuflucht. Sie sieht das klerikale Männer­system kritisch, will Hierarchien abbauen und Frauen wie Männer in der Kirche fördern. Was die Wort-zum-Sonntag-Redaktion überrascht haben dürfte, war jene fromme Lissy Eichert, die von sich sagt: „Ich fühle mich zuerst Jesus Christus verpflichtet, nicht einfach nur meinem Bischof.“

Fünf Jahre nach der Anfrage des rbb ist sie angekommen in ihrer neuen Berufung. Nach dem siebten Versuch ist ihr „Wort zum Sonntag“ aufgenommen und sendebereit, es geht um Armut in Berlin und Jesus Christus. „Natürlich ist es ein Skandal, wenn Menschen nicht von ihrer Hände Arbeit leben können“, sagt sie da, und zitiert Gott in der Bibel: „Was ihr für einen meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.“ Das ist ihr Thema. Sie könne nur über das sprechen, was sie persönlich bewege, sagt sie beim Kaffee nach der Aufnahme. Mit jedem Schritt, den sie tut, betont Eichert, wie sehr Christus in jedem Einzelnen lebt, wie wichtig Laien für die Kirche sind und wie unnütz materieller und geistlicher Prunk. Warum ist eine Frau wie sie eigentlich nicht evangelisch? „Es hängt an der Eucharistie“, erklärt Eichert, nachdem sie erst laut lachen und dann kurz nachdenken muss, um eine Antwort auf die Frage zu finden. „Ich lebe daraus, dass Jesus Christus mir im Abendmahl auch physisch begegnet“, sagt sie. Dann zieht sie ihren Mantel an und macht sich auf den Weg zurück nach Neukölln. Es gibt noch so viel zu tun.

Dieser Text ist zuerst in der Ausgabe 6/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen sie pro kostenlos hier.

Von: Anna Lutz

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Thu, 10 Jan 2019 12:18:00 +0100
<![CDATA[Sabrina-Darstellerin findet Frieden bei Jesus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/01/10/sabrina-darstellerin-findet-frieden-bei-jesus/ In einem Podcast des amerikanischen TV-Senders ABC über religiöse Themen erklärte Hart, sie habe lange gebraucht, um mit der Bibel zurecht zu kommen. Mit Jesus zu gehen, habe für sie nicht mit einem Aha-Effekt begonnen, sondern sei eher ein Prozess gewesen, ein „kontinuierliches Wachstum, ihn besser kennenzulernen indem ich die Schrift besser kennenlerne", erklärte Hart. Die Bibel habe ihr die Augen für das geöffnet, was Gott ihr zeigen wolle: „Wozu Jesus hierher gekommen ist, was unsere Bestimmung ist."

In Momenten, in denen sie selbst ängstlich sei, etwa alleine zuhause, proklamiere sie Jesus mit den Worten: „Dies ist ein Jesus-Haus. Satan ist hier nicht willkommen." Heute ist sie überzeugt: „Jesus nicht in deinem Leben zu haben, hinterlässt einfach diese Leere." In manchen Momenten zweifle sie an Gott. Dann aber schließe sie die Augen und lasse den Heiligen Geist zu sich sprechen. „Und du fühlst diese Wärme und du fühlst diese Veränderung", beschrieb sie das. Der Glaube an Gott habe ihr inneren Frieden gebracht.

Melissa Joan Hart wurde durch die Serie „Sabrina – Total verhext!" bekannt. Darin spielte sie eine Hexe. Der Streaming-Dienst Netflix veröffentlichte jüngst eine Neuauflage ohne Hart und nutzte das Datum Halloweens im vergangenen Jahr, um die Zuschauer zu einer Satansmesse einzuladen. An Netflix-Nutzer erging eine Einladungsmail, in der es hieß: „Es wird um Ihre Teilnahme an der satanischen Taufe der jungen Hexe Sabrina Spellman gebeten ... Seien Sie Zeuge, wenn Sabrina ihren Namen in das Buch der Bestie einträgt und ihren Weg auf dem Pfad der Dunkelheit beginnt ...“ Unterzeichnet von Hilda und Zelda Spellman, den Tanten von Sabrina, also Figuren der Serie.

Von: Anna Lutz

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Thu, 10 Jan 2019 12:17:00 +0100
<![CDATA[Liebster Jesu, wir sind vier!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/01/10/liebster-jesu-wir-sind-vier/ Jürgen Mette erinnert an tausende Pastorinnen und Pastoren, die nach dem Hype voller Kirchen nun bis Ostern wieder kleine Oblaten backen müssen.]]> Ein Wellness- und Gesundheitsressort im Fichtelgebirge/Oberfranken. Um sechs Uhr morgens sind die Räumfahrzeuge im Einsatz. Es hat reichlich geschneit. Um kurz nach sieben kommt ein fröhlicher Typ mit einer Gitarre auf dem Buckel ins Foyer des Hotels und grüßt freundlich die Damen an der Rezeption. Er geht zielstrebig zur Hauskapelle, die sinnigerweise an der hochfrequentierten Wellnessallee liegt, auf der die in weiße Bademäntel gehüllten Rekonvaleszenten und Urlauber der großangelegten Sauna- und Badelandschaft entgegen wallen. Kurz vor dem Eintritt in dieses erholsame Feuchtgebiet steht eine mit Kreide beschriebene Tafel, die auf die Morgenandacht um viertel vor acht hinweist. Dazu der Hinweis, dass die Gäste auch im Bademantel willkommen sind.

Als ich die wunderschön gestaltete Kapelle betrat, war der Pfarrer dabei, seine Gitarre zu stimmen. Das Lied „Liebster Jesu, wir sind vier“ wäre angesichts der zwei leibhaftig erschienenen Gäste eine maßlose Übertreibung gewesen. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ hätte besser gepasst. Außer mir war tatsächlich nur eine Dame erschienen. Der Pastor lässt sich von der erbärmlichen Resonanz auf seinen treuen und gehaltvollen Dienst überhaupt nicht beeindrucken. Er betet, liest, predigt und singt, als hätte er ein volles Haus. Er verteilt zwei Karten aus dem Sortiment der Marburger Medien: Lieber Hände falten, als Sorgen falten! Seine schlichten Ausführungen über das Gebet erreichen mein Herz und katapultieren mich aus der Sorge um einen bevorstehenden längeren Klinikaufenthalt. Dieser treue Zeuge des Evangeliums hat auch schon vor einem Gast gepredigt. Nach der Andacht lädt er zum persönlichen Gespräch ein. Er bete für mich und meine gesundheitliche Situation.

Ist das effizient? Nein! Es macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn. Der Gründer des Hauses hat großen Wert auf den Bau der Kapelle gelegt. Er zahlt die Hälfte der halben Pfarrerstelle, die Landeskirche steuert die andere Hälfte bei.

Gottes Gegenwart wird erfahrbar

Wenn ich dann so manches erhabene und zum Teil frivole Urteil frommer Leute über den Zustand der Volkskirchen höre, sie sei eine Kirche ohne Volk, dann denke ich an die flächendeckende christliche Grundversorgung unseres Landes in unterkühlten Dorfkirchen, in Kliniken und Hotels, in Schulen und Universitäten, in Altenheimen und Kindergärten und an die unzähligen treuen haupt- und nebenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ohne beeindruckende Zahlen treu ihren Dienst verrichten, dann schäme ich mich fremd. Selbst der Zusammenschluss aller evangelikaler Freikirchen und Verbände würde diese flächendeckende Dienstleistung nicht vorhalten können.

Dass die Landeskirchen auch Geld für Projekte ausgeben, die unserer Einschätzung nach fehlinvestiert sind, ist hinlänglich bekannt. Aber warum sollten wir über das Fallobst der Kirche lamentieren? In dem hier geschilderten Erlebnis war Gottes Gegenwart erfahrbar, auch wenn sich der Einsatz nicht rechnet. Reden wir mehr von den guten Früchten. Und die gibt es auch in Kirchengemeinden, die sich nächste Woche nicht an der Allianzgebetswoche beteiligen. Das ist nicht das Maß aller Dinge, so sehr ich mich an hoher Beteiligung der evangelischen und katholischen Gemeinden vor Ort freue.

Von: Jürgen Mette

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Thu, 10 Jan 2019 11:08:00 +0100
<![CDATA[Jeder zweite Deutsche beklagt Zunahme von Gewalt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/01/09/jeder-zweite-deutsche-beklagt-zunahme-von-gewalt/ In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap haben 50 Prozent der Deutschen auf die Frage, ob in den vergangenen ein oder zwei Jahren in ihrem Umfeld oder in ihrem Alltag Respektlosigkeit, Hass und Gewalt zugenommen haben, mit „Ja“ geantwortet. Das Institut hat im Auftrag der SWR-Sendung „mal ehrlich ...“ 1.045 Bürger befragt. 49 Prozent antworteten, dass sich ihrer Meinung nach an den Umständen kaum etwas geändert habe. Nur ein Prozent der Befragten verneinte die Frage.

Weiterhin gaben ein Drittel der Umfrageteilnehmer an, schon persönlich von Gewalt oder Respektlosigkeit betroffen gewesen zu sein. Vier Prozent sagten in der Umfrage, dass sie im vergangenen Jahr selbst Opfer von körperlicher Gewalt geworden sind.

Am Mittwochabend befasst sich der SWR in einer Sonderausgabe des Bürgertalks mit Gewalt in Deutschland. Zu Gast sind unter anderem der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf, der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz und Betroffene aus anderen Bereichen der Gesellschaft. Moderator Florian Weber befragt sie nach ihren Erlebnissen mit dem Thema Gewalt, Mobbing, Aggression und Stalking.

„mal ehrlich ... sind Hass und Gewalt auf dem Vormarsch?" ist am Mittwoch, 9. Januar 2019, ab 20:15 Uhr im SWR Fernsehen und auf Abruf in der ARD-Mediethek zu sehen.

Von: Martin Schlorke

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Wed, 09 Jan 2019 16:04:00 +0100
<![CDATA[Sensibel sein für extremistische Tendenzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/01/09/sensibel-sein-fuer-extremistische-tendenzen/ Ein Kommentar von Johannes Blöcher-Weil.]]> Die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann twittert am 1. Januar zwei Wörter: „Nazis raus“. Diekmann reagiert mit Ironie auf die Frage, wen sie für Nazis halte. Sie antwortete: „Alle, die nicht die Grünen wählen.“ Ironie funktioniert in den sozialen Medien nicht immer gut. In der Folge erhält sie Morddrohungen und wird übel beschimpft.

Der Hashtag „#Nazisraus“ entwickelt sich binnen kurzer Zeit zu einem der am meisten genutzten im deutschsprachigen Kurznachrichtendienst Twitter. Nach den „medialen Prügeln“ solidarisieren sich Medien wie Spiegel und Tagesschau mit Diekmann und twittern dasselbe. Die Netzgemeinde tauscht sich auch darüber aus, ob ein solcher Hashtag erlaubt ist und sammelt Argumente dafür und dagegen.

Positionierung „selbstverständlich“

Prominente Befürworter kommen aus allen politischen Fraktionen, zum Beispiel von Außenminister Heiko Maas (SPD) über die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt. Der Sozialdemokrat hält es für „selbstverständlich“, sich so zu positionieren. Außerhalb der Politik bekommt Diekmann im Sportbereich Rückendeckung. Der Fußballverein Schalke 04 schreibt auf Twitter, dass sich das „aus unserer Vereinssatzung, unserem Leitbild, unseren Werten“ ergibt. Andere folgen dem Beispiel. „Nazis raus“ – ein Muss für jeden Demokraten also?

Einen interessanten Debattenbeitrag liefert Kathleen Hildebrand in der Süddeutschen Zeitung. Sie fragt danach, wie polarisierend sich deutsche Medien und ihre Repräsentanten in sozialen Netzwerken äußern sollten. Wer die Formel „Nazis raus“ verwende, lehne Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ab, mache dies nach dem Empfinden Vieler aber mit derselben Härte wie die Gegenseite, die „Ausländer raus“ rufe. Die Journalistin fragt weiter: „Wo zum Beispiel sollen sie denn hin, die Nazis? In anderen Ländern ihr Unwesen treiben, nur bitte nicht hier?“

Frau Diekmann hat ohne Frage Rückgrat bewiesen. Gerade die deutsche Geschichte muss sensibel machen in Bezug auf extreme Tendenzen – natürlich an beiden Rändern. Auf der anderen Seite darf es auch erlaubt sein, nicht dem Hashtag zu folgen und sich trotzdem als Demokrat zu fühlen. Natürlich schließen sich Nazi-Ideologie und Demokratie aus. Doch welcher Wortwahl und Lautstärke man dabei folgt, ist jedem selbst überlassen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 09 Jan 2019 15:39:00 +0100
<![CDATA[Horst Marquardt zieht Bilanz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/01/08/horst-marquardt-zieht-bilanz/ Einer der führenden Köpfe der evangelikalen Publizistik überrascht auch noch im hohen Alter. Horst Marquardt hat einen Blog gestartet. Der 89-jährige Pastor und Publizist veröffentlicht auf „Marquardts Bilanz“ vor allem geistliche Impulse. Die Seite gibt es seit Ende Dezember.

Die Idee mit dem Blog hatte er schon seit einiger Zeit, erklärt Marquardt auf Anfrage von pro. Unterstützung in technischen Fragen hat er von dem jungen Pfarrer Johannes Roeskamp bekommen, der vor seinem Theologiestudium in der Computerbranche gearbeitet hat. „Er war bereit, mir zu helfen und hat alle anfallenden Arbeiten übernommen. Ich liefere nur die Texte und übernehme die Korrespondenz, die sich auf Grund meiner Texte entwickelt“, erklärt Marquardt.

Der Theologe freut sich, dass er in seinem Blog die Erfahrung von 59 Jahren Radioverkündigung einfließen lassen kann: „Die Erlebnisse dieser Jahre, unzählige Gespräche mit alten und jungen Menschen, seelsorgliche Erfahrung, Erlebnisse im In- und Ausland und der Wunsch, die alte Botschaft in der Sprache von heute an Mann und Frau zu bringen sind meine Motivation.“ Als Zielgruppe möchte er alle Menschen erreichen, „die dankbar sind für einen kurzen geistlichen Impuls“. Marquardt ergänzt: „Dabei würde ich mich besonders freuen, Urlauber und Reisende im In- und Ausland zu erreichen.“

Wichtigstes Anliegen: Gottes Wort verbreiten

Marquardt hat eine bewegte Lebensgeschichte: In seiner Jugendzeit vom Kommunismus überzeugt, vollzog er eine Lebenswende. Er studierte Theologie und wurde methodistischer Pastor – zunächst in Berlin und dann in Wien. 1960 wechselte er als Programmdirektor zum damaligen Evangeliums-Rundfunk (ERF). Er wurde später dessen Direktor und baute den Sender maßgeblich mit auf. Im Laufe seines Lebens initiierte er noch die Gründung der Evangelischen Nachrichtenagentur idea 1970 und war bis 2017 deren Vorsitzender.

Maßgeblich beteiligt war er auch an der Gründung des Christlichen Medienverbunds KEP, zu dem das Christliche Medienmagazin pro gehört. Außerdem leitete Marquardt von 1999 bis 2017 den Kongress Christlicher Führungskräfte (KCF). Ferner war er Sprecher beim „Wort zum Sonntag“. Neben der Internetseite betreibt Marquardt mit Unterstützung Röskamps auch eine Seite im sozialen Netzwerk Facebook.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 09 Jan 2019 12:59:00 +0100
<![CDATA[Vertrauensverlust bei Kirchen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/09/vertrauensverlust-bei-kirchen/ Das größte Vertrauen hat die deutsche Bevölkerung in die Polizei, die bei 78 Prozent liegt, aber auch gegenüber dem Vorjahr fünf Prozentpunkte einbüßte. Auf den nächsten Plätzen folgen die Universitäten und Ärzte, denen jeweils 77 Prozent der Befragten vertrauen. Die meisten der 26 erfragten Akteure verbuchen einen Vertrauensverlust. Das ergibt sich aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa im Auftrag von RTL und n-tv.

Ausgeprägt ist der Vertrauensverlust bei den religiösen Akteuren. Vor allem der Papst hat gegenüber dem Vorjahr 20 Prozentpunkte eingebüßt und liegt nur noch bei 34 Prozent. Damit ist er von Rang 9 auf Position 15 abgestürzt. Einen zweistelligen Verlust (10 Prozent) musste auch die evangelische Kirche hinnehmen, die jetzt bei 38 Prozent liegt. Nur etwas weniger schwand das Vertrauen in die Katholische Kirche, das von 27 auf 18 Prozent gesunken ist.

Presse einer der vier „Gewinner“

Weitere deutliche Vertrauensverluste verzeichnen die Schulen (53 Prozent/-10) und die Bundeswehr (40 Prozent/-13). Die vier „Gewinner“ der Vertrauensumfrage sind die Presse (41 Prozent/+1), die Unternehmer (30 Prozent/+3), Versicherungen (18 Prozent/+1) und Manager (9 Prozent/+3). Mit dieser Zahl landeten die Manager auf dem drittletzten Platz und liegen gleichauf mit dem Zentralrat der Muslime. Dahinter liegen nur noch der Islam (7 Prozent) und die Werbeagenturen (4 Prozent).

Forsa-Chef Manfred Güllner hat bezüglich der Ergebnisse von einer „flächendeckenden Vertrauens-Erosion“ gesprochen. Diese macht er auch an der „mühsamen Regierungsbildung“ sowie „vielen Defiziten in staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen für das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des Staates und anderer für das Funktionieren der Gesellschaft wichtiger Institutionen“ fest.

Die Daten wurden vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen dem 19. Dezember 2018 und dem 2. Januar 2019 im Auftrag der Mediengruppe RTL erhoben. Befragt wurden 2.515 Personen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 09 Jan 2019 12:34:00 +0100
<![CDATA[„Religionsunterricht geht jeden etwas an“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2019/01/09/religionsunterricht-geht-jeden-etwas-an/ Viele Pädagogen möchten den Religionsunterricht verbessern, indem sie den inhaltlichen Schwerpunkt auf ethische Fragen oder die Kulturgeschichte von Religionen legen. Jürgen Kaube, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen, bezeichnet diesen Schritt in einem dort erschienenen Essay als falsch. Statt einer neuen Gewichtung sei vielmehr eine neue Fragestellung nach den Problemen der Religionen notwendig. Diese Frage beinhalte weiterhin eine „intellektuelle und philosophische Teilmenge“, gehe aber noch einen Schritt weiter.

Zu diesem Problembestand der Religionen zählt Kaube beispielsweise Fragen nach dem Grund des Schabbats, Speisegesetze oder seit wann Christen eigentlich Weihnachten feiern. Diese müssten im Unterricht gestellt und besprochen werden. Mit einer solchen Herangehensweise, die sich Praktiken und Dogmen genauer anschaut, könne man die „Verbohrtheit“ im Bezug auf Religionen überwinden. Wer gut informiert sei, könne sich auch eine eigene Meinung bilden.

„Der jetzige Religionsunterricht steht irgendwo zwischen Grundgesetz, Biographiebegleitung und Glückskekseweisheiten", meint Kaube. Es sei kein Wunder, dass „in Wertefragen der spezifische Gehalt der Konfessionen untergeht“. Das könnte man als kircheninternes Problem behandeln, es helfe aber keinem. Dass der Religionsunterricht so unterhalb seiner Möglichkeiten bleibe, gehe vielmehr jeden etwas an.

Religiöse Denkweisen verstehen

Religionsunterricht in seiner jetzigen Form versuche, den Schülern als Lebenshilfe zu dienen und instrumentalisiere dazu verschiedene Motive aus religiösen Texten. Ziel sei es, sich selbst kennenzulernen, nicht die Religion. Mit Religion habe das aber wenig zu tun, meint Kaube. Anstatt sich kreativ zu betätigen, Collagen zu basteln oder Rollenspiele zu spielen, die sich um Selbstfindung drehen, plädiert Kaube für eine „unkreative, sinnerfassende Lektüre“. Religionsunterricht solle lehren, religiöse Denkweisen und Motive zu verstehen. Der positive Nebeneffekt eines solchen Unterrichtes sei, dass ein Interesse an Sinn und Ernsthaftigkeit von Religionen geschaffen werde.

Obwohl Religion etwas Altes sei, beschäftige sie uns auch heute noch in hohem Maße. Menschen könnten moderne Gesellschaften ohne Religion und ihren Mythen, Traditionen und Erzählungen nicht verstehen. Es spreche also nichts dagegen, Schüler darüber aufzuklären. Ein Problem bei der Umsetzung sei, dass die Kirchen diese Fragen als zu distanziert betrachten und mehr Erfahrungsspielraum für die jungen Menschen fordern. Eine Änderung der jetzigen Praxis sei also nötig. Die von Gegnern des Religionsunterrichtes geforderten Ethikstunden reichten nicht aus. Ethik, aber auch Philosophie, könne den Gehalt von Religion nicht im Ansatz erschöpfen. Die Folge wäre eine „Verarmung“ des Unterrichtes, denn Religion sei viel mehr als nur eine Sammlung von Texten oder der Lehre vom guten Handeln.

Von: Martin Schlorke

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Wed, 09 Jan 2019 12:00:00 +0100
<![CDATA[Demokraten brauchen Twitter nicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/01/09/demokraten-brauchen-twitter-nicht/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Robert Habeck ist nicht dafür bekannt, sich verbale Ausrutscher zu leisten. Das ist wohl einer der Gründe dafür, dass er von manchen als nächster Kanzler gehandelt wird. Habeck ist verlässlich, gilt als Stimme der Vernunft, und ist noch dazu sympathisch – eine Mischung, die bei den Grünen nicht allzuoft vorkommt. Dennoch hat er sich auf Twitter gleich zweimal in Ton und Wortwahl vergriffen. Am Sonntag erklärte er, Thüringen zu einem demokratischen Land machen zu wollen. Im Oktober bestritt er, dass es unter dem damaligen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Horst Seehofer Demokratie in Bayern gegeben habe.

Habeck bereute seine jüngste Äußerung öffentlich, glaubhaft und umgehend. Er zog eine Konsequenz, die nun von allen Seiten und politischen Richtungen kritisiert wird: Er stieg bei Twitter und Facebook aus. Seine Begründung: Twitter sei ein „sehr hartes Medium, wo spaltend und polarisierend geredet wird“. Das färbe auf ihn ab. Die Kritik an seinem Schritt folgte ebenso schnell: Rückwärtsgewandt nannte etwa der Focus die Entscheidung. Der Sender n-tv verordnete Habeck in einem Kommentar Demokratienachhilfe anstelle des Twitterabschieds. „Ein Schriftsteller und Politiker muss in der Lage sein, mit Worten richtig und verantwortungsvoll umzugehen. Auch bei Twitter und Facebook“, urteilt der Deutschlandfunk. Twitter dürfe nicht Donald Trump und Co überlassen werden.

Doch genau hier liegt das Missverständnis. Wer Twitter zum unverzichtbaren demokratischen Instrument erhebt, schätzt die Macht von Social Media-Blasen und Fake News zu gering ein. Ja, jeder kann in Sozialen Medien fröhlich mitreden und das ist gut so. Doch erfolgreich sind vor allem jene Player, die Inhalte verkürzt wiedergeben und auf die großen Schlagzeilen setzen. Wer komplexe Inhalte vermitteln will, scheitert bei Twitter, wer schnelle News generieren möchte, hat es leicht. Damit ist die Plattform das perfekte Instrument der Populisten und Verkürzer. Nicht umsonst nutzen Politiker der AfD es mit Vorliebe und geraten so immer wieder in die Schlagzeilen.

Robert Habeck muss es nicht machen wie Donald Trump oder Beatrix von Storch. Es gibt andere Kommunikationskanäle. Angela Merkel hat Twitter nie bedient. Das Generieren der schnellen News hat nichts mit politischer Stärke zu tun. Von letzterer zeugt es eher, wenn sich ein Verantwortungsträger Zeit nehmen kann, um das Tagesgeschehen zu reflektieren. Der Twitterschwarm fordert automatisch die schnelle Antwort, den griffigen Kommentar, das eindrückliche Zitat – dazu gehören auch die dort aufmerksam mitlesenden Journalisten. Gute Politik aber wird so nicht gemacht. Nur die schnell- und kurzlebige Nachricht.

Von: Anna Lutz

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Wed, 09 Jan 2019 11:51:00 +0100
<![CDATA[„Großer Sieg“: Bulgarien nimmt umstrittenes Religionsgesetz zurück]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/01/09/grosser-sieg-bulgarien-nimmt-umstrittenes-religionsgesetz-zurueck/ Eine geplante Verschärfung des Religionsgesetzes in Bulgarien kommt nun doch nicht (pro hatte berichtet). Die Gesetzesänderung, die vor allem kleinen Religionsgemeinschaften – das sind im orthodox und muslimisch geprägten Bulgarien vor allem Katholiken und Evangelikale – das religiöse Leben deutlich erschwert hätte und von Experten als menschenrechtswidrig angesehen wurde, stand monatelang in der Kritik. Nach massiven Protesten lenkten die Politiker in Sofia Ende vergangenen Monats ein: Das bulgarische Parlament beschloss am 21. Dezember eine Neufassung des Religionsgesetzes.

In seiner ursprünglichen Fassung hätte es das neue Gesetz nur mehr Religionsgemeinschaften mit einer Mitgliederzahl von mehr als einem Prozent der Bevölkerung erlaubt, konfessionelle Schulen zu führen – ein De-facto-Verbot von katholischen und evangelikalen Schulen. Auch hätten Ausländer nur mehr nach Sondergenehmigung durch die Religionsbehörde und gemeinsam mit einem bulgarischen Geistlichen Gottesdienste halten dürfen. Überhaupt wären Gottesdienste lediglich in eigens dafür registrierten Gebäuden erlaubt gewesen – eine Bestimmung, die der Wiener Religionsrechtler Richard Potz im pro-Interview als „verfassungswidrig“ bezeichnet hatte.

Erfolgreiche Proteste: „Preist den Herrn dafür!“

Dass all diese Einschränkungen nun doch nicht gekommen sind, ist vor allem massiven Protesten unter Bulgariens Christen zu verdanken, die sich gegen Ende vergangenen Jahres zuspitzten: So gingen mehrere hundert Christen im November und Dezember vergangenen Jahres insgesamt achtmal in Sofia auf die Straße. Wie die englischsprachige Onlinezeitung Evangelical Focus berichtet, schenkten die Demonstranten am Abstimmungstag dabei jedem der 240 Abgeordneten eine Bibel mit persönlicher Widmung. Doch auch von weltlichen Institutionen gab es heftige Kritik am Gesetzesentwurf, allen voran vom Europarat. So zitiert der Evangelical Focus Fredrik Sundberg, der im Europarat mit der Vollstreckung der Urteile des EGMR befasst ist: Das neue Religionsgesetz würde es kleinen religiösen Gemeinschaften unmöglich machen, Rechtspersönlichkeit zu erlangen, „was Bulgarien in eine Situation des Widerspruchs zu den Verpflichtungen aus Artikel 9 und 11 (Anm. d. Red.: Art. 9 wahrt die Religionsfreiheit, Art. 11 die Versammlungsfreiheit) der Europäischen Menschenrechtskonvention bringen würde“.

Für das zuständige Parlamentskomitee sei diese Kritik aus den Reihen des Europarats ein Wendepunkt gewesen, der dieses zum Einlenken gebracht habe. „Ob es wegen des immer stärker gewordenen internationalen Drucks war oder wegen der acht Demonstrationen von Evangelikalen oder vielleicht wegen der tausenden Gebete gegen das Gesetz – die Verantwortlichen ließen jede einzelne der restriktiven Bestimmungen aus der ursprünglichen Version fallen“, heißt es im Evangelical Focus. Wobei „fast jede“ genauer wäre, denn eine umstrittene Bestimmung wurde am 21. Dezember doch beschlossen: Die beiden großen Religionsgemeinschaften, also Orthodoxie und Islam, bekommen in Zukunft Geld aus der Staatskasse. „Wir sind als evangelikale Christen der Meinung, dass Staat und Kirche vollkommen getrennt sein sollten und dass die Regierung religiösen Organisationen kein Geld geben sollte“, heißt es dazu von einem führenden Verantwortlichen der Bulgarischen Evangelischen Allianz.

Insgesamt haben die Entwicklungen mit dem Beschluss des abgeänderten Gesetzesentwurfs für Bulgariens Christen aber ein äußerst erfreuliches Ende genommen. Weiter heißt es aus Allianz-Kreisen: „Wir sehen das als großen Sieg. Unsere Bemühungen, die von tausenden Briefen verschiedener internationaler Organisationen unterstützt wurden, haben gefruchtet. Preist den Herrn dafür!“

Von: Raffael Reithofer

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Wed, 09 Jan 2019 09:56:00 +0100
<![CDATA[Brüdergemeine stellt sich gegen Rechts]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/01/08/bruedergemeine-stellt-sich-gegen-rechts/ Die Herrnhuter Brüdergemeine stellt sich mit einer neuen Veröffentlichung „gegen Rechtspopulismus“, wie es in der Erklärung heißt. Die Direktion der Evangelischen Brüder-Unität lehnt darin „Nationalegoismus und Eurozentrismus" ab. Christliche Werte dürften nicht dazu missbraucht werden, Menschen mit anderer religiöser Überzeugung zu diffamieren. Die Christen warnen vor Antisemitismus und mahnen einen friedlichen und respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Kulturen und Überzeugungen in der Kirche an. In dem Schreiben vom Dezember heißt es: „Unsere Kirche ist seit ihrer Entstehung von Migration geprägt. Dieses Erbe und das Wissen um das Gewicht des biblischen Gebotes, Fremde zu unterstützen, sensibilisieren uns für jeden Versuch, Geflüchtete und Migranten zu Sündenböcken zu machen."

Bisher habe die Brüdergemeine das politische Geschehen nicht kommentiert. „Angesichts dessen, dass heute grundlegende Werte in Europa auf dem Spiel stehen, können wir als Leitung der Evangelischen Brüder-Unität nicht schweigen", erklären die Verantwortlichen ihren Schritt. Gegenüber der Sächsischen Zeitung erklärte der Pressesprecher der Brüder-Unität, Erdmann Carstens, es gebe immer wieder konkrete Anlässe im Alltag der Gemeinden, die den Inhalt der Erklärung beträfen. Ganz konkret spricht er von einer deutschen Brüdergemeine, in der ein aktiver AfD-Politiker einigen Mitgliedern sehr nahe stehe und wo die Frage nach dem Umgang mit dessen politischem Engagement aufgekommen sei.

Die Herrnhuter Brüdergemeine ist der Evangelischen Kirche in Deutschland angegliedert und Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Sie steht außerdem der Deutschen Evangelischen Allianz nahe. Ihre Direktion sitzt im sächsischen Herrnhut, in Bad Boll und in Zeist. Vor allem bekannt ist sie, weil sie die Herrnhuter Losungen zur täglichen Andacht herausgibt.

Von: Anna Lutz

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Tue, 08 Jan 2019 15:51:00 +0100
<![CDATA[Jesus als Superheld in US-Comic]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/01/08/jesus-als-superheld-in-us-comic/ „DC Comics", einer der größten amerikanischen Comicverlage, hat für März dieses Jahres eine neue Comic-Serie angekündigt. Dabei ist der Titel „Das zweite Kommen“ (Second Coming) Programm. Jesus Christus kommt erneut auf die Welt. Gott war mit Jesu erstem Auftreten und vor allem mit dem Kreuzestod so unzufrieden, dass er den Messias beim irdischen Superhelden Sun-Man (Sonnenmann) in die Lehre schickt.

Dort soll Jesus herausfinden, wie sich der Erretter der Menschen zu verhalten hat. Auf der Erde muss er sich mit Sun-Man, dem beliebtesten Helden der Menschheit, eine Wohnung teilen. Kaum angekommen zeigt sich Jesus geschockt. Alle seine Lehren sind von den Menschen untergraben worden. Daher ist sein Ziel klar. Er möchte die Welt wieder in Ordnung bringen. Hilfe bekommt er dabei von seinem neuen Freund und Mitbewohner, Sun-Man.

Mark Russell, Autor des Comics, ist in einer christlichen Familie aufgewachsen und besuchte auch christliche Schulen. Er bemängelt in einem Interview der Internetnachrichtenseite „Bleedingcool“, dass Jesus heute oftmals falsch dargestellt werde. „Die christliche Religion stützt sich nicht wirklich auf das, was Jesus gelehrt hat.“ Besonders in evangelikalen Großkirchen sei dies zu beobachten. Dort sei Jesus mehr ein Maskottchen. Der Comic zeige genau dies und stelle die Frage, wie Jesus reagieren würde, wenn er heute wirklich wieder auf die Erde käme.

„Das zweite Kommen“ wird im März in englischer Sprache erscheinen. Zu Beginn sind sechs Ausgaben vorgesehen. Bei positiven Reaktionen planen die Macher eine Fortsetzung.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 08 Jan 2019 15:10:00 +0100
<![CDATA[Netflix-Show mit Bruce Springsteen: Am Ende katholisch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2019/01/08/netflix-show-mit-bruce-springsteen-am-ende-katholisch/ Der kommerziell vielleicht erfolgreichste Rockmusiker unserer Zeit, Bruce Springtsteen, begann bereits als Kind in den 60er Jahren Musik zu machen. Berühmt wurden später vor allem Hits wie „Born in the U.S.A.“, „Dancing in the Dark“ oder „Born to Run“. Immer wieder nahm er in seinen Texten Anleihen aus der Bibel, sang etwa von Kain und Abel, Adam oder auch Maria, und auch Jesus kam immer mal wieder in einer Strophe vor. Aber niemals hätte man wohl ein klares Bekenntnis zum christlichen Glauben heraushören können.

Seit 2017 stand der Künstler über 200 Mal bei einer Show am Broadway in New York auf der großen Bühne. Der 69-Jährige sang vor einem schlichten schwarzen Hintergrund, gekleidet in ein schwarzes T-Shirt, im Walter Kerr Theatre. EIne Aufnahme des Auftritts ging am 16. Dezember bei Netflix unter dem Titel „Springsteen on Broadway“ online, und auch ein entsprechendes Album erschien kurz darauf.

Bei dem Auftritt spricht Springsteen viel über sein Leben, seine Kindheit und seinen Werdegang als Musiker. Er steht dabei allein auf der Bühne, nur mit einer Gitarre und einem Flügel ausgerüstet. Durch diese Schlichtheit gelingt es ihm, eine Intimität herzustellen, so dass teilweise im Publikum atemlose Stille herrscht. „Deutschlandfunk Kultur“ urteilte, die Show reduziere den Rockstar Springsteen bewusst „auf eine Essenz als Mensch, als Suchender, als aufgebrachter liberaler Amerikaner“. Während er seine Geschichte erzähle und seine Songs leise und eindringlich darbiete, bewirke er damit „eine stille Verbindung der Menschen im Publikum untereinander. Bei nicht wenigen fließen Tränen“.

Vaterunser zum Abschied

Dann wird es religiös, und Springsteen sagt: „Die Seele ist eigensinnig. Sie löst sich nicht so schnell auf. Seelen bleiben. Hier in der Luft, im leeren Raum, in den verstaubten Wurzeln, auf den Bürgersteigen, von denen ich jeden Zentimeter kannte als Kind, wie meinen eigenen Körper, und in den Liedern, die wir singen. Deswegen singen wir. Für unsere Blutsbande und unsere Leute, denn das ist alles, was wir am Ende des Tages haben. Wir haben einander … und vielleicht ist es das, wonach dort ich suche, wo ich jetzt hingehe. Ich möchte mit den alten Geistern verkehren, in ihrer Gegenwart sein, ihre Hände noch einmal auf mir spüren.“

In seiner Autobiographie, die 2017 unter dem Titel „Born to Run“ herauskam, schrieb der Musiker: „Ich nehme nicht sehr oft an meiner Religion teil, aber ich weiß, irgendwo tief in meinem Inneren gehöre ich weiter dazu. In dieser Welt finde ich den Anfang meiner Songs. Im Katholizismus ist diese Poesie, die Gefahr und die Dunkelheit, die mein Innerstes widerspiegelt.“

Im letzten Part seiner Live-Show spricht der „Boss“ auch über seinen katholischen Hintergrund. Er sei „im Schatten einer alten Kirche“ aufgewachsen und katholisch erzogen worden, sagt Springsteen. „Ihr wisst ja, was man über Katholiken sagt: Man kommt da nicht raus. Die Bastarde haben dich fest im Griff. Sie haben ihre Arbeit gut gemacht.“ Als Kind habe er die erlernten Gebet oft gebetet. Und so beendet er seinen zweieinhalbstündigen Auftritt mit dem Vaterunser. Und es ist mucksmäuschenstill, als Springsteen mit den Worten schließt: „Und möge Gott euch segnen, eure Familien und all jene, die ihr liebt. Danke, dass ihr da wart.“

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 08 Jan 2019 14:43:00 +0100
<![CDATA[Instagram-Star: „Die Kirche ist ein hammer Ort“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/01/07/instagram-star-die-kirche-ist-ein-hammer-ort/ Die deutschen Instagram-Stars Lisa und Lena haben am Samstag in der ARD-Unterhaltungsshow „Klein gegen Groß“ gegen andere Prominente den Rate-Wettstreit gewonnen. Die 30.000 Euro Preisgeld spendeten sie an die internationale Hilfsorganisation Global Aid Network (GAiN), die mit Campus für Christus aus Gießen zusammenarbeitet. Mit dem Geld soll ein armenischer Kindergarten unterstützt werden, dessen Heizung dadurch ganzjährig funktionieren soll.

Die eineiigen Zwillinge aus Baden-Württemberg wurden mit Videos berühmt, in denen sie ihre Lippen synchron zu bekannten Popsongs bewegen und dazu tanzen. Schnell entwickelten sich die 16-Jährigen zu einem weltweiten Phänomen auch mit vielen Fans in den USA und Asien. Heute folgen ihnen 14 Millionen Menschen im sozialen Netzwerk Instagram. Der berühmteste Deutsche auf Instagram ist der Fußballnationalspieler Toni Kroos mit 20,3 Millionen Menschen. Lisa und Lena befinden sich auf Platz 3.

Sie sagen „Bitte“ und „Danke“ und beten

Ein Porträt von Spiegel Online (SPON), das Ende des vergangenen Jahres erschien, beschreibt die beiden im Alltag als „brav“ und „nett“. Die SPON-Autorin Nike Lorenz sieht in der verkörperten Sorglosigkeit und Freundlichkeit der Zwillinge Sehnsüchte vieler Teenager widergespiegelt. „Sie sagen Bitte und Danke, gehen in christliche Jugendgruppen, beten täglich“, heißt es weiter. Im Porträt bezeichnet Lisa die Kirche als einen „hammer Ort“. Auf Lenas Handy-Aufkleber steht: „Mit Jesus und mit Christus“. Ihren Glauben führen die Zwillinge auf die Erziehung ihrer Eltern zurück.

Mittlerweile stehen die Influencerinnen Lisa und Lena auch bei der New Yorker Modellagentur Next Management unter Vertrag und haben ein eigenes Modelabel. In der Oberhausener Arena moderierten sie am 30. November vor 9.000 Menschen die Musikshow „The Dome“. Ebenfalls im November waren sie Laudatoren beim Bambi. Und in der Komödie „Hot Dog“ mit Til Schweiger und Matthias Schweighofer hatten sie einen Kurzauftritt.

Von: Michael Müller

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Mon, 07 Jan 2019 14:32:00 +0100
<![CDATA[„Das ist Beihilfe zur Aufplusterei“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/01/06/das-ist-beihilfe-zur-aufplusterei/ „Die Lust auf Erregung und Aufblasen, was wir als Medien machen, ist Beihilfe zur Aufplusterei“, sagte der Journalist von der Süddeutschen Zeitung am Samstag dem Deutschlandfunk. Als Folge einer Schlägerei am Amberger Bahnhof habe die NPD erklärt, „Bürgerwehren“ in die oberpfälzische Stadt geschickt zu haben. „Vier Hampel laufen da in Warnwesten für eine halbe Stunde rum und wir machen eine Aufregung daraus, als wäre dort ein Bataillon von Neonazis aufmarschiert.“ Damit würden Medien der NPD zu einer Bedeutung verhelfen, die sie nicht habe. Prantl forderte Medienverantwortliche zur Zurückhaltung und Maßhalten auf.

„Twitterei“ nicht zu ernst nehmen

In der Medienlandschaft verschärfe sich der Kampf um Aufmerksamkeit. Dabei komme die Verhältnismäßigkeit unter die Räder. Journalisten sollten sich „dreimal überlegen“, ob sie zu Skandalisierungen greifen sollten, so Prantl. Oft werde „eine winzige Teilmenge der Wirklichkeit“ so aufgeblasen, dass der Eindruck entstehe, so sei das große Ganze. Ein entscheidender Faktor bei der Erregung um einen Vorfall sei die Ungewissheit darüber, was wirklich geschehen sei. Gerade bei großen Anschlägen werde das deutlich.

Zudem forderte Prantl, die „Twitterei nicht zu ernst zu nehmen“. Diese werde überbewertet, zumal viele Informationen dort unwahr seien. „Eine meinungsstarke Minderheit bekommt darin eine Aufmerksamkeit, die sie in dieser Fülle nicht verdient.“ Andererseits erhielten andere Ereignisse nicht die nötige Aufmerksamkeit. Als Beispiel nannte Prantl den „Jahrhundertskandal“ der Überwachung von Regierungen und Bürgern durch die NSA. Anders als bei Terroranschlägen fehlten dazu nämlich die aussagekräftigen Bilder.

Von: Nicolai Franz

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Sun, 06 Jan 2019 14:19:00 +0100
<![CDATA[Keine Witze über den Islam]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/06/keine-witze-ueber-den-islam/ Eigentlich ist Jürgen von der Lippe vor allem für seinen politisch unkorrekten Humor bekannt. Solche Witze seien für Komödianten nicht nur erlaubt, sondern sogar eine Pflicht, sagte er in einem Interview der Bild am Sonntag. „Political Correctness ist ja eine der großen Geißeln unserer Tage.“ Die Kleinlichkeiten von gegenderter Sprache grenzten „an den Bereich der Kriminalität“, und wer bei „Pippi Langstrumpf“ den „Negerkönig“ streichen wolle, der müsse sich auch die Bibel vornehmen.

Bei einem Bereich macht von der Lippe aber eine Ausnahme. Dann nämlich, wenn es um den Islam geht. Dafür sei er „nicht genug eingelesen“, sagte der Entertainer. „Doch selbst wenn ich das wäre, würde ich mich wohl nicht trauen. Da ist mir mein Leben wichtiger als ein guter Gag.“

Jürgen von der Lippe, der eigentlich Hans-Jürgen Hubert Dohrenkamp heißt, gilt als einer der erfolgreichsten Kabarettisten Deutschlands. Im vergangenen Jahr wurde er 70 Jahre alt. Noch immer tourt er mit einem Comedy-Programm, hält Lesungen und spielt Theater. Kommende Woche veröffentlicht er seinen ersten Roman „Nudel im Wind“.

Von: Nicolai Franz

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Sun, 06 Jan 2019 11:52:00 +0100
<![CDATA[Sicherheit fängt bei jedem persönlich an]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/01/05/sicherheit-faengt-bei-jedem-persoenlich-an/ Ein Kommentar von Michael Voß]]> Ein wenig wundere ich mich über die Aufregung angesichts der Datenveröffentlichungen in Deutschland. Dabei ist es immer das gleiche.

Der Angriff auf den Bundestag 2015: Große Aufregung.

Der Angriff auf die Bundesregierung 2016: Große Aufregung.

Nun der Angriff auf Politiker, Journalisten und Künstler: Klar. Große Aufregung.

Dazwischen, davor und wahrscheinlich auch zwei Wochen danach: Ganz viel Ruhe. Übertreib doch nicht. Wieder eine Sicherheitslücke. Das ist doch langweilig.

Als Redakteur, der sich um digitale Themen kümmert, kenne ich diese Sprüche. Langweilig, das mag sein. Doch nun ist es interessant, weil Privatfotos eines Fernsehmoderators zu sehen sind? Weil die Chats von Peter Altmaier nachlesbar sind? Weil die Privatadressen von Sido und anderen Rappern zu lesen sind? Weil irgendwie alles den Glanz der Schönen und Reichen hat?

Warum gibt es die Aufregung nicht, wenn die eigenen Daten – und auch die von Ihnen, die gerade unser Programm hören – in Gefahr sein könnten? Warum keine Aufregung, wenn man erfährt, dass vernetzte Glühbirnen Dateien vom eigenen Computer verschicken können? Wenn alte Faxtechnik von vorvorgestern moderne Büros von heute angreifbar macht? Alles Themen, die letzte Woche auf dem Tisch waren, als sich 17.000 Hacker in Leipzig trafen, nicht um etwas Böses anzurichten, sondern um vor bösen Sicherheitslücken zu warnen.

Daten können geschützt werden. Haben Sie Ihre Daten irgendwo in der Cloud abgespeichert, damit Sie auf dem Handy, zu Hause und im Büro drankommen? Eigentlich kein Problem. Doch haben Sie auch eine doppelte Sicherheit? Passwort und eine Bestätigung über das Handy? Sie schließen doch auch Ihre Haustür gern ein zweites Mal ab. Oder? Und dann kürzlich: Der Kollege, der per Telefon in seinem Sekretariat nach seiner Kreditkarten-Nummer und dem Sicherheitscode fragte.

Wir sollten im Kleinen anfangen. Wie Sie am EC-Automaten aufpassen, dass keiner Ihren vierstelligen Pincode sieht, sollten Sie auch im Online-Bereich aufpassen. Wenn Sie im Büro den Arbeitsplatz verlassen, sperren Sie Ihren Rechner. Ändern Sie regelmäßig ihr Passworte. Und richten Sie bei Facebook, Twitter, ihrem Mailprogramm und was Sie sonst noch nutzen jeweils ein anderes Passwort ein. Dafür brauchen Sie vielleicht nur einen Buchstaben zu ändern. Wenig Mühe, aber große Wirkung.

Langweilig? Ich weiß. Es sind ja nur Ihre persönlichen Daten … Trotzdem, denken Sie mal darüber nach. Sicherheit fängt bei jedem persönlich an.

Von: Michael Voß

Dieser Text erschien zuerst als Hörfunkkommentar bei MDR Aktuell. Wir danken für die Abdruckgenehmigung.

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Sat, 05 Jan 2019 13:30:00 +0100
<![CDATA[„YouVersion“ verzeichnet eine Million neue Abonnenten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/01/04/youversion-verzeichnet-eine-million-neue-abonnenten/ Ein Bibelleseplan sei einer der besten Wege, um regelmäßig Bibel zu lesen, sagte Bobby Gruenewald, Pastor von „Life.Church“, in einem Interview der amerikanischen Zeitung Christian Post. Schon am 1. Januar dieses Jahres haben sich rund eine Million Nutzer für einen Bibelleseplan angemeldet, das sind 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Er hoffe, dass die Bibel-App „YouVersion“ dazu beitrage, dass mehr Menschen sich täglich mit der Bibel auseinandersetzen und so „die Anwesenheit Gottes in Ihrem täglichen Leben erkennen können“. Der Mitbegründer der App verwies zudem auf das breite Angebot von „YouVersion“: Nutzer können aus über 13.000 verschieden Bibelleseplänen frei wählen.

Mit Hilfe einer Suchfunktion können Nutzer geeignete Lesepläne finden. Diese können nach Themen, wie beispielsweise Angst, Sucht oder Ehe gefiltert werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, Lesepläne von Kirchen, wie dem ICF (International Christian Fellowship), zu nutzen.

Die App wurde 2007 ins Leben gerufen und enthalte mittlerweile über 1.800 Bibelübersetzungen in mehr als 1.200 Sprachen. Sie solle ein Ersatz für die gedruckte Version sein und den „weltweiten Zugang und die Bindung an die Bibel verbessern“, so Gruenewald.

Von: Martin Schlorke

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Fri, 04 Jan 2019 16:33:00 +0100
<![CDATA[Rosen: US-Präsident gewinnt Medienkrieg mit „Trump-Show“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/01/04/rosen-us-praesident-gewinnt-medienkrieg-mit-trump-show/ Jay Rosen, Journalismus-Professor an der University of New York, ist überzeugt, dass US-Präsident Donald Trump den Medienkrieg gegen den Journalismus in vielerlei Hinsicht gewonnen habe. „Für gut ein Drittel der amerikanischen Wähler ist Trump selbst heute die wichtigste Quelle von Informationen über Trump“, sagte Rosen. Dabei sei der Präsident selbst wiederum „zur größten Quelle von Desinformation“ geworden. Seine Wähler akzeptierten nur noch den TV-Sender Fox News, doch der sei „in gewisser Weise Teil des Weißen Hauses“, sagt Rosen.

Trump versuche zudem, „die Medien als Ganzes zu diskreditieren“. In Fällen wie bei der Berichterstattung über die Russland-Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller versuche er, „die Medien als Überbringer der schlechten Nachrichten anzuschwärzen – um sich schon im Voraus vor den Erkenntnissen der Justiz zu schützen“. Rosen: „Wir haben es mit einem Propaganda-Präsidenten zu tun, der versucht, Angst und Zweifel zu säen.“

Trump verhalte sich in gewisser Hinsicht selbst wie ein Medienunternehmen, so Rosen: „Er ist exklusiver Produzent und Anbieter einer erfolgreichen Sendung, der Trump-Show.“ Die Medien seien auf jemanden wie Trump schlicht nicht vorbereitet gewesen. „Er überwältigt das System bewusst: Es gibt schlicht viel zu viele Skandale, Aufreger und Unwahrheiten. Und noch wissen die meisten Redaktionen nicht, wie sie damit umgehen sollen, dass vieles von dem, was sie bisher getan haben, unter einem wie Trump schlicht keinen Sinn mehr ergibt.“

„Storytelling wird in Deutschland überschätzt“

Den vergangenen Sommer verbrachte der Journalistik-Experte in Deutschland, um die Medienlandschaft hier zu beobachten, schreibt die SZ. Er hat dabei unter anderem 53 Publizisten befragt und Redaktionen besucht. Dabei sei ihm der Begriff „Lügenpresse“ öfter begegnet, der inzwischen auch in Amerika Verwendung finde.

Außerdem habe er vom Vorwurf gehört, dass sich in Deutschland mediale und politische Eliten überdeckten und gemeinsame Sache machten. „Mein Eindruck war, dass dieser Vorwurf nicht ganz aus der Luft gegriffen ist“, sagte der Journalistikprofessor. Wenn aber Medien und Politik so miteinander verknüpft seien und bei der einen Seite das Vertrauen in der Öffentlichkeit sinke, sinke es auch auf der anderen Seite, so Rosen.

Angesichts der Betrügereien des Journalisten Claas Relotius kritisierte Rosen, dass die Methode des Storytelling in Deutschland überschätzt werde und oft geradezu mit Journalismus gleichgesetzt werde. „Manche Journalisten sehen sich als gesellschaftliche Erzähler. Das ist verrückt.“ Die „Achtung vor der Wahrheit, die Herstellung einer Faktenbasis für die öffentliche Debatte, die Machtkontrolle“ seien für den Journalismus wichtiger als eine gute Geschichte.

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 04 Jan 2019 16:06:00 +0100
<![CDATA[Hacker legen Daten Prominenter offen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/01/04/hacker-legen-daten-prominenter-offen/ Hacker haben offenbar sensible Daten von Personen des öffentlichen Lebens auf Twitter veröffentlicht. Verschiedenen Medienberichten zufolge sind vor allem Politiker, aber auch Prominente und Parteien betroffen. Die Hacker stellten demnach Dokumente und persönliche Daten wie Kreditkarteninformationen, Adressen und Handynummern der betroffenen Personen ins Internet.

Nach Angaben der stellvertretenden Regierungssprecherin Martina Fietz auf einer Regierungspressekonferenz am Freitag in Berlin seien „persönliche Daten und Dokumente hunderter Politiker und Personen des öffentlichen Lebens" veröffentlicht worden. Politiker „aller Ebenen“ seien betroffen, auch die Bundeskanzlerin. Jedoch seien die Daten, die die Kanzlerin beträfen „überschaubar" und erlaubten die Schlussfolgerung, dass „keine sensiblen Daten abgeflossen sind“.

Nach Angaben des Pressesprechers des Bundesinnenministeriums, Sören Schmidt, handelt es sich um eine „bunte Zusammenstellung von Daten“. Derzeit lasse sich noch nicht feststellen, auf welche Art und Weise die Daten an die Öffentlichkeit gelangt seien. Alle im Bundestag vertretenen Parteien seien betroffen, erklärte Schmidt. Neben dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und dem Bundeskriminalamt ist auch das Bundesamt für Verfassungsschutz in die Ermittlungen mit eingebunden, die vom Nationalen Cyber-Abwehrzentrum koordiniert werden.

Einem Bericht des ARD-Faktenfinders zufolge sind seit mehreren Tagen über einen Twitter-Account neben den Daten von Politikern auch solche von Journalisten und Künstlern in einem „Adventskalender" veröffentlicht worden, unter anderem von den Satirikern Jan Böhmermann und Christian Ehring. Dem ARD-Bericht zufolge sind keine Daten von AfD-Politikern im Deutschen Bundestag veröffentlicht worden. Verschiedenen Medienberichten zufolge ist der schädigende Twitter-Account gesperrt worden, ebenso ein zugehöriger Blog.

Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur lasse die Bundesregierung nun prüfen, ob die Daten durch einen Hackerangriff an die Öffentlichkeit gelangt sind, oder durch einen Mitarbeiter mit Zugang zum Regierungsnetz online gestellt wurden. Justizministerin Katarina Barley (SPD) sprach von einem „schwerwiegenden Angriff“. „Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, erklärte Barley. Vor zwei Jahren war der Server des Deutschen Bundestags Ziel eines Hackerangriffs.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 04 Jan 2019 13:19:00 +0100
<![CDATA[„Missbrauch alles andere als ein katholisches Phänomen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/04/missbrauch-alles-andere-als-ein-katholisches-phaenomen/ „Da benimmt sich die Gesellschaft ziemlich heuchlerisch.“ Mit diesen Worten hat der katholische Kardinal Walter Brandmüller die Debatte um die Missbrauchsfälle innerhalb der Katholischen Kirche gebrandmarkt. Für den Theologen, der in Kürze seinen 90. Geburtstag feiert, ist sexueller Missbrauch „alles andere als ein spezifisch katholisches Phänomen“. Der eigentliche Skandal sei, dass sich die Kirchenvertreter in diesem Punkt nicht von der gesamten Gesellschaft unterschieden.

Brandmüller sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Nicht weniger wirklichkeitsfremd ist es, zu vergessen beziehungsweise zu verschweigen, dass 80 Prozent der Missbrauchsfälle im kirchlichen Umfeld männliche Jugendliche, nicht Kinder, betrafen“. Es sei zudem „statistisch erwiesen“, dass es einen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gebe.

Konservativer Papst-Kritiker

Eine im Vorjahr vorgestellte Studie hatte ergeben, dass in Deutschland zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1.670 katholische Kleriker 3.677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben sollen. Die Wissenschaftler hatten problematische Strukturen in der Katholischen Kirche benannt, die Missbrauch befördern könnten. Dazu gehörten die Verpflichtung zur Ehelosigkeit und die ausgeprägte klerikale Macht einzelner Geistlicher.

Der Papst hat die Bischöfe im Missbrauchsskandal zu Zusammenhalt aufgerufen. „Lasst uns versuchen, den Teufelskreis gegenseitiger Schuldzuweisungen, Delegitimierung und Diskreditierung zu durchbrechen, indem wir Klatsch und Verleumdung (...) vermeiden.“ Mit diesen Zeilen wandte er sich jetzt an die amerikanischen Bischöfe, die in diesen Tagen über die Vorfälle beraten. Das Kirchenoberhaupt betont, dass durch die Vertuschung eine Vertrauenskrise ausgelöst wurde. Anfang Februar hat Franziskus Bischöfe aus aller Welt zu einem Gipfel in den Vatikan eingeladen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 04 Jan 2019 12:30:00 +0100
<![CDATA[„Ich verhalte mich so, als würde Gott existieren“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/01/04/ich-verhalte-mich-so-als-wuerde-gott-existieren/ Jordan Peterson ist Professor für Psychologie an der Universität von Toronto. Er hat über zwanzig Jahre Erfahrung als Dozent und Psychotherapeut. Mittlerweile ist er aber auch ein Internet-Phänomen, ja ein YouTube-Star. Seine Videos werden millionenfach angeklickt. Fast täglich gibt es neue Clips von Vorträgen, Debatten oder Interviews mit ihm. Seine Fans machen Memes aus Petersons medialen Auftritten. Ein DJ hat Petersons Vorträge gar vertont.

Peterson ist eine faszinierende Persönlichkeit, er scheidet die Geister. Für die einen ist er politischer Aktivist, Advokat für Redefreiheit, liberaler Denker, brillanter Redner oder auch eine YouTube-„Vaterfigur“, wie es manchmal unter Kommentaren zu seinen Videos heißt. Hingegen werfen ihm Kritiker vor, patriarchale Ideale zu fördern, reaktionär oder sogar ein Nazi zu sein.

Wie das Leben gelingen kann

Noch vor zwei Jahren war er einem breiten Publikum kaum bekannt. Anfang vergangenen Jahres gab Peterson dem britischen Fernsehsender BBC ein Interview, das in den Sozialen Medien durch die Decke ging. Peterson wurde gefragt zu Themen wie Ermutigung für junge Männer, schwache Männer und starke Frauen in Beziehungen, geschlechtergerechte Bezahlung und die Postmoderne. Aus dem Interview wurde ein Streitgespräch zwischen Peterson und der britischen Journalistin Chaty Newmann. Auf YouTube wurde es mehr als 13 Millionen Mal aufgerufen.

In Deutschland ist Peterson bisher wenig bekannt. In den Niederlanden, in Skandinavien oder England wird er in Talkshows eingeladen. Die amerikanische New York Times bezeichnete ihn als wichtigsten Intellektuellen der Gegenwart. Im vergangenen Jahr war er auf Europatournee und sprach in ausverkauften Theatern und Hörsälen über sein Buch mit zwölf Regeln für das Leben: „12 Rules for Life: Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt – Dieses Buch verändert ihr Leben“, so der deutsche Titel. Das Buch ist im Herbst 2018 in Deutschland erschienen und hielt sich mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste für Sachbücher.

Es ist eine Mischung aus biblischer Auslegung, Erkenntnissen der Psychologie und ethischen Regeln für ein gutes Leben. Die Regeln sind klar formuliert – manchmal auch zum Schmunzeln. So heißt Regel 6: „Räum erstmal dein Zimmer auf, bevor du irgendwas an der Gesellschaft kritisierst.“ Oder Regel 11: „Störe Kinder nicht beim Skateboardfahren.“ Peterson geht es nicht darum, zu unterhalten oder zu provozieren, vielmehr geht es ihm darum, dass Menschen etwas Sinnvolles mit ihrem Leben anfangen.

Peterson benutzt eine Sprache, die man versteht, obgleich die Inhalte seiner Vorträge komplex sein können. Denn er verbindet Erkenntnisse aus mehreren Disziplinen miteinander – Politik, Psychologie, Philosophie und Theologie. Hinzu kommt seine Praxiserfahrung als klinischer Psychologe. Allerdings spricht er nicht so, wie man das vielleicht von einem solchen erwarten würde. Seine Vorträge gleichen einer Predigt, seine Beispiele sind lebensnah. Man spürt ihm die Leidenschaft ab für das, was er sagt.

Die Bibel steckt voller Weisheit

Er spricht mit Begeisterung über die Bibel – manchmal mit jugendlicher Euphorie. „Es ist so cool! Die Bibel ist wohl das zusammenhängendste Buch der Menschheitsgeschichte, obwohl es so viele einzelne Bücher sind. Bücher, die von unterschiedlichen Autoren geschrieben wurden. Anders als die griechische Mythologie ist die Bibel ein Buch mit Happy End – es gibt einen Himmel.“ Die Bibel ist für Peterson die Grundlage der westlichen Gesellschaft.

Auf YouTube hat er eine Videoreihe über die Bibel gestartet: „Die psychologische Bedeutung von biblischen Geschichten“. Peterson legt die Bibel aus, in einfachen, klaren Worten. Manche seiner biblischen Vorträge wurden über drei Millionen Mal aufgerufen. Die Vorträge heißen unter anderem „Einführung in die Idee Gottes“; „Gott und die Hierarchie der Autorität“; „Adam und Eva: Bewusstsein, das Böse und der Tod“. Die biblischen Geschichten stecken für Peterson voller Weisheit. „Leben bedeutet zu leiden. Das ist völlig klar. Es gibt keine grundlegendere und unumstößlichere Wahrheit als diese. Im Grund genommen sagt Gott genau das zu Adam und Eva, kurz bevor er sie aus dem Paradies kickt“, schreibt Peterson in seinem Buch „12 Rules for Life“.

Peterson versucht biblische Weisheit den Menschen aus dem 21. Jahrhundert nahezubringen. Dabei spricht er weder über Kirche noch über Konfessionen. Es geht ihm um den biblischen Text und dessen Relevanz für das Leben hier und heute. „Wir sollten von den biblischen Geschichten lernen. Wir leben überhaupt nicht so lange, dass wir all die Erfahrung sammeln könnten, um weise genug zu sein, unser Leben gut zu gestalten“, sagt Peterson in einem seiner Vorträge zur Bibel.

Die Frage, ob er an Gott glaubt, mag Peterson nicht. „Wenn man mich fragt, ob ich an Gott glaube, dann ist das ein Versuch, mich in eine Schublade zu stecken. Ich möchte nicht in eine Schublade gesteckt werden … Meine Antwort ist dann häufig: Ich verhalte mich so, als würde Gott existieren. Da kann jeder selbst entscheiden, ob man das als Glaube werten kann“, gibt Peterson in einem Interview als Antwort.

Jesus – Ideal eines Menschen

Christus ist für ihn eine historische Figur. „Es ist das einfachste anzunehmen, dass Jesus als Mensch wirklich gelebt hat. Man kann natürlich eine andere Meinung dazu haben. Doch für mich gibt es genügend stichhaltige Beweise, dass es ihn wirklich gegeben hat.“ Auf die Frage hin, ob er an die körperliche Auferstehung Jesu glaubt, wird Peterson für ein paar Momente still. Er senkt seinen Kopf und überlegt – wie er es häufig bei ernsten Fragen tut. „Ich weiß es nicht. Es ist mir nicht ganz klar. Was aber sicher ist, ist, dass der Geist Jesu weiterlebt. In der Menschheitsgeschichte hatte sein Geist eine immense Auswirkung.“

Jesus ist für Peterson der perfekte Mensch, das Ideal eines Menschen. Die Göttlichkeit Jesu erklärt er sich über den griechischen Begriff „logos“, wie er am Anfang des Johannesevangeliums benutzt und im Deutschen mit „Wort“ wiedergegeben wird: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“

„Das ‚logos‘ ist göttlich. Tod und Wiedergeburt sind Teil der Idee des ‚logos‘. Durch das ‚logos‘ kann ein Mensch demontiert, aber auch wieder auferbaut werden. Es ist wie wenn man einen Fehler macht. Die Konsequenz ist, dass man einen Teil von sich gehen lassen muss. Man muss sich verändern. Das nennt man Opfer. Das kann ganz real sein. Ich meine das nicht nur metaphorisch“, erklärt Peterson.

„Mach was aus deinem Leben: Übernimm Verantwortung“

Geschichten der Bibel, in denen es darum geht, Opfer zu bringen, sind bekannt – Abraham und Isaak, die Kreuzigung Jesu. Wenn Peterson darüber spricht, sollen seine Zuhörer verstehen, dass es gut ist, Opfer zu bringen. Seine Botschaft: Die richtigen Opfer, Verlust oder Verzicht in der Gegenwart, können helfen, eine gute, ja bessere Zukunft zu schaffen. „Schmerz und Leiden definieren die Welt. Daran kann es keinen Zweifel geben. Ein Opfer kann Schmerz und Leid mehr oder weniger außer Kraft setzen“, schreibt Peterson in „12 Rules for Life“.

Petersons Grundanliegen ist es, dass Menschen Verantwortung übernehmen, ein integres Leben führen. „Die Integrität des Individuums ist die Heilung für die Gesellschaft“, so Peterson. Verantwortung zu übernehmen ist für Peterson die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Peterson ist nicht der neue C.S. Lewis oder John Lennox. Er ist kein christlicher Apologet im klassischen Sinne. Doch es gelingt ihm, in unverkrampfter und natürlicher Art über die Bibel zu sprechen. Er macht biblische Geschichten aus zum Teil unerwarteten Perspektiven für heute lebendig. Dabei hat er die Aufmerksamkeit von Millionen Zuhörern.

Von: Lukas Reineck

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Fri, 04 Jan 2019 09:05:00 +0100
<![CDATA[„Man muss den Betroffenen zuhören“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/01/03/man-muss-den-betroffenen-zuhoeren/ In einem Interview der Süddeutschen Zeitung (SZ) vom Donnerstag kritisiert der Sozialpsychologe Heiner Keupp die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den Kirchen. Keupp wünscht „die Mitsprache der Betroffenen" und fordert, dass den Opfern mehr zugehört wird. Keupp ist Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie hat zum Ziel, Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend sexuell missbraucht wurden, die Möglichkeit zu schaffen, über das erlebte Unrecht zu sprechen. Die Betroffenen sollen so eine Anerkennung ihres Leids erfahren.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte sich auf ihrer Herbstsynode in Würzburg mit dem Thema Missbrauch befasst und verschiedene Maßnahmen zur Aufarbeitung beschlossen. Keupp bemängelt, dass keiner der Betroffenen vor den Synodalen habe berichten dürfen. Die Kommission fordere von der Evangelischen Kirche eine Austauschplattform für die Betroffenen. Der Sozialpsychologe konstatierte, dass sich in den Kirchen inzwischen etwas bewege in Sachen Aufarbeitung. Dennoch habe er den Eindruck, dass immer noch „viele das Thema aussitzen wollen". Die Kirchenleitungen hätten aber verstanden, dass sie etwas tun müssten.

Kirchen hielten Schweigecontainer dicht

Die Medien hätten lange Zeit nur Missbrauchsvorwürfe in der Katholischen Kirche in den Blick genommen. Dies habe die Protestanten glauben lassen, nicht an die Öffentlichkeit gehen zu müssen. „Man will die schöne Fassade der Kirche nicht beschmutzt haben", sagte Keupp. Die Kirchen hätten sich daran beteiligt, den „Schweigecontainer dicht zu halten“.

Zudem habe sich die Evangelische Kirche „die Welt ein bisschen schön geredet", weil die evangelischen Pfarrer im Gegensatz zu ihren katholischen Amtskollegen nicht dem Zölibat unterliegen, Sex haben und heiraten dürfen. „Ausgeblendet wird das Machtverhältnis, die ‚Pastoralmacht‘, die man als Zugriff auf die ‚Seelen‘ der Menschen verstehen kann", sagte Keupp. Dass die Katholische Kirche bei der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe externen Experten keinen Zugang zu ihren Archiven gewährt hat, wertet Keupp als „großen Fehler".

Medien zwingen Kirchen zur Haltungsänderung

Die Aufarbeitung muss nach Keupps Auffassung „unbedingt von unabhängigen Gremien" durchgeführt werden. Die Kirchen hätten sich „über Jahrhunderte hinweg Sonderbezirke geschaffen, die außerhalb der Zivilgesellschaft und staatlicher Instanzen ihr Eigenrecht" bewahrt hätten. Erst die Skandalisierung der Missbrauchsvorwürfe durch die Medien und „die schwindende Macht der Kirchen" hätten zu einer Änderung der Haltung geführt. Keupp fordert in dem Interview ein Interventionsrecht für die Kommission, um auf Institutionen zugehen zu können, die bislang geschwiegen und gemauert hätten. Dazu rechnet Keupp neben Klöstern auch kirchliche Heime und Einrichtungen, an denen Nonnen und Diakonissen tätig waren. Frauen seien bislang als Täter vernachlässigt worden.

Die Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wurde am 26. Januar 2016 vom Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf Grundlage eines Bundestagsbeschlusses berufen. Die Laufzeit der Kommission war bis zum März 2019 begrenzt. Am 12. Dezember 2018 wurde sie durch das Bundeskabinett um weitere fünf Jahre, bis Ende 2023, verlängert.

Heiner Keupp stammt aus dem fränkischen Kulmbach. Sein Vater war Pfarrer in Oberfranken. Der Sozialpsychologe war als Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig und hat Studien zu Missbrauchsvorfällen im Kloster Ettal, dem Stift Kremsmünster und der Odenwaldschule veröffentlicht. Seit Einberufung der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs 2016 ist er deren Mitglied.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 03 Jan 2019 16:42:00 +0100
<![CDATA[„Technischen Fortschritt in ethische Bahnen lenken“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/01/03/technischen-fortschritt-in-ethische-bahnen-lenken/ Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin braucht Vertrauen und gute Regulierung, meint die Ethik-Professorin Alena Buyx von der Universität München. Im Gespräch mit dem evangelischen Magazin Chrismon machte sie deutlich, dass medizinisch-technischer Fortschritt in einer Spannung zu ethischen Fragen steht.

Um die Welt besser zu machen, müsse man etwas tun und in den Fortschritt investieren, „sonst braust der Zug an uns vorbei“. Trotzdem habe dieses Engagement Grenzen. Es sei ein Spagat, die Fortschritte zu nutzen, aber sich langfristig nicht von der Künstlichen Intelligenz unterjochen zu lassen: „Wir müssen jetzt die Entwicklung in ethisch und sozial akzeptable Bahnen lenken.“

Laut Buyx dienten neue Technologien dazu, Krankheiten besser vorzubeugen und personalisierte Präzisionsmedizin zu betreiben. Es gehe zudem um bessere Diagnostik und Therapie. Im Silicon Valley, dem wohl wichtigsten Entwicklungsstandort für digitale Technologien, gelte das Motto: „Sei schnell und brich die Regeln.“ Das funktioniere in der Medizin nicht. Klinische Studien bräuchten Zeit. Sie müssten Risiken minimieren und prüfen, ab wann Algorithmen klinische Entscheidung übernehmen könnte. Nutzen und Schaden für den Menschen seien abzuwägen.

„Auch einmal ‚Nein‘ sagen“

Spiegel-Korrespondenten und Silicon-Valley-Kenner Thomas Schulz äußerte im Chrismon-Gespräch den Wunsch, dass Fortschritte schneller beim Patienten ankommen. Er hält es für problematisch, dass einerseits eine eigene Ethik für Eingriffe in das Erbgut diskutiert werde, gleichzeitig in China aber Designerbabys nach eigenen Vorstellungen entstünden. Schulz, Autor des Buches „Zukunftsmedizin“, warnt davor, dass Deutschland in diesem technologischen Bereich von anderen Nationen abgehängt werde. „Wie reagieren wir dann, wenn es ans Eingemachte geht?“

Gleichzeitig sieht er es kritisch, dass solche wichtigen ethischen Fragen aufgrund ihrer Komplexität an einem Großteil der Bevölkerung vorbei diskutiert würden. Ihm sei bewusst, dass sich gerade im technischen Bereich viele Menschen von den Entwicklungen abgehängt fühlten. Bei ihnen sei ein diffuses Gefühl entstanden, „dass die Welt plötzlich so anders ist, dass alles Mögliche auf einen einstürmt“.

Die Ethikerin Buyx wünscht sich eine gute und nachhaltige Technologieentwicklung, ohne fragwürdige Schnellschüsse zu befördern: „Und natürlich werden wir auch mal ‚Nein‘ sagen. Man darf eben nicht alles, was man kann.“ Ethik müsse sich der Geschwindigkeit des Fortschritts anpassen: „Wir brauchen bald Ethikempfehlungen für die weitere Forschung.“ Von einer digitalen Datenmedizin müssten immer die Patienten profitieren.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 03 Jan 2019 15:00:00 +0100
<![CDATA[Frieden gibt es nicht umsonst]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/01/03/frieden-gibt-es-nicht-umsonst/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> In vielen Städten Deutschlands verlief der Jahreswechsel friedlicher als im vorigen Jahr. Medien und Öffentlichkeit beschäftigen derzeit jedoch zwei Vorfälle: Prügeleien von jungen Flüchtlingen in Amberg; und der Deutsche, offenbar psychisch Kranke, der sein Auto gezielt in Menschengruppen steuerte – womöglich aus Fremdenhass. In beiden Fällen gab es Verletzte, zum Glück keine Toten.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34,15

Da lässt die Jahreslosung für 2019 aufmerken: Frieden suchen und ihm nachjagen. Wie treffend ist diese Aufforderung in unserer angespannten Zeit. Wo nicht nur zum Jahreswechsel ein unterschwelliges Gefühl von Misstrauen, Angst, Verdacht herrscht. Wo ein kleiner Vorfall genügen kann, um gesellschaftliche Empörungswellen auszulösen.

Der Vers aus Psalm 34 macht deutlich, dass Frieden nicht einfach so zu haben ist. Um Frieden zu haben, müssen wir aktiv werden: ihn suchen und ihm nachjagen – und festhalten. Frieden ist nicht der Normalzustand, er ist vielmehr flüchtig, wir müssen uns um ihn bemühen und ihn erarbeiten. Misstrauen und Angst sind dafür keine geeigneten Mittel. Vertrauen und Vergebung schon, mitunter auch Verzicht. Wenn sich jetzt beispielsweise Bürgerwehren formieren, weil betrunkene ausländische Jugendliche Prügeleien angezettelt haben, dann dient das sicher nicht wirklich dem Frieden, sondern dem Misstrauen gegenüber einer Gruppe von Menschen.

Wahrhaftigkeit ist die Voraussetzung für Frieden

Gerade dann, wenn wir unzufrieden sind, uns ungehört und ungerecht behandelt fühlen, ist Frieden harte Arbeit – in zwischenmenschlichen Beziehungen genauso wie auf gesellschaftlicher Ebene. Es wäre leichter, die Bombe irgendwann platzen zu lassen, mal so richtig dreinzuschlagen, statt auszuhalten, auszuhandeln und Dinge so zu verändern.

Interessant ist auch der Vers, der direkt vor der Jahreslosung steht: „Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden.“ Wahrhaftigkeit ist eine elementare Voraussetzung für Frieden. Gerüchte, Vorurteile und Verschwörungen fördern das Gegenteil.

Lassen Sie uns gemeinsam den Frieden in unseren Beziehungen und in unserem Land suchen. Lassen Sie uns Gerüchten und Falschinformationen die Wahrheit entgegenstellen. Lassen Sie uns in der Sache diskutieren und uns wertschätzend dabei in die Augen sehen. Lassen Sie uns lernen, einander zu verstehen statt zu verurteilen. Lassen Sie uns einander und anderen einen Vertrauensvorschuss gewähren – und Vergebung, wenn wir enttäuscht werden.

In diesem Sinne: Ein friedliches und gesegnetes neues Jahr!

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Thu, 03 Jan 2019 12:50:00 +0100
<![CDATA[„Tagesschau“ weiter top]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/01/02/tagesschau-weiter-top/ Rund 9,63 Millionen Zuschauer (Marktanteil 34,5 Prozent) haben im vergangenen Jahr täglich um 20 Uhr die „Tagesschau“ eingeschaltet. Das hat der NDR am Mittwoch in einer Pressemmitteilung bekanntgegeben. Demnach war die ARD-Hauptnachrichtensendung 2018 erneut der Spitzenreiter unter den Fernsehnachrichten. Ermittelt hat das die Arbeitsgemeinschaft Videoforschung (AGF) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für das lineare Fernsehen.

Gegenüber 2017 büßte die ARD-Hauptnachrichtensendung rund eine halbe Million Zuschauer täglich ein. 2017 schalteten täglich rund 10,18 Millionen Zuschauer (Marktanteil 36,0 Prozent) die Tagesschau ein, 2016 waren es nach ARD-Angaben 9,83 Millionen (Marktanteil 34,6 Prozent) täglich.

Die „heute“-Nachrichten vom ZDF landen für 2018 mit 4,07 Millionen Zuschauern täglich und einem Marktanteil von 18,2 Prozent auf dem zweiten Platz. Damit verbessert sich die ZDF-Nachrichtensendung leicht, aber stetig: 2017 wollten 3,96 Millionen Zuschauer (Marktanteil 17,4 Prozent), im Jahr 2016 3,89 Millionen Zuschauer (Marktanteil 17,1 Prozent) die 19 Uhr Nachrichten des ZDF sehen. „RTL aktuell" sahen im zurückliegenden Jahr durchschnittlich 3,01 Millionen Zuschauer am Tag, das ist der dritte Platz.

Nicht enthalten in der Gesamtzahl sind Abrufe über Mediatheken, die Webseite tagesschau.de und die Tagesschau-App. Die Online-Angebote tagesschau.de und Tagesschau-App wurden 2018 durchschnittlich 2,4 Millionen Mal täglich besucht. Die Tagesschau ist der Erhebung zufolge in allen Altersgruppen die erfolgreichste Fernseh-Nachrichtensendung. In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen sehen täglich 270.000 die Tageschau. RTL aktuell verzeichnet unter den jungen Erwachsenen rund 200.000 Zuschauer.

Kai Gniffke, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, erklärt in der Presseinformation, was die Tagesschau ausmache: „Nachrichten von Relevanz, ausgewählt von einer unabhängigen Redaktion und ohne Schnörkel präsentiert." Nach Auffassung von NDR-Intendant Lutz Marmor schätzen Millionen Zuschauer an der Nachrichtensendung die „Orientierung auch in unübersichtlichen Zeiten". Die „Tagesschau“ wird von ARD-aktuell beim NDR in Hamburg produziert und täglich mehrmals ausgestrahlt. Sie ist die älteste noch bestehende Sendung im deutschen Fernsehen.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 02 Jan 2019 16:22:00 +0100