Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 25 Sep 2018 19:46:09 +0200 <![CDATA[Studie: Strukturen der Katholischen Kirche fördern Missbrauch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/25/studie-strukturen-der-katholischen-kirche-foerdern-missbrauch/ Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker ist offenbar nicht nur auf das Fehlverhalten Einzelner zurückzuführen. Auch spezifische Strukturen innerhalb der Katholischen Kirche begünstigen sexuellen Missbrauch und erschweren dessen Prävention. Das ist das Ergebnis eine Studie unter dem Titel „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“, die die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Dienstag im Rahmen ihrer Vollversammlung in Fulda offiziell vorgestellt hat. Die Studie legt offen, dass 3.677 in der Regel männliche Minderjährige von katholischen Klerikern missbraucht worden sein sollen. Teile der Studie waren bereits vor der offiziellen Vorstellung bekannt geworden und hatten zu heftiger Kritik an der Kirche geführt.

„Spitze des Eisbergs“

Für die Studie hatten sieben Forscher von den Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen insgesamt 38.156 Hand- und Personalakten aus 27 Diözesen im Zeitraum zwischen 1946 und 2014 gesichtet und ausgewertet. Allerdings hatten die Wissenschaftler keinen Zugang zu den Originalakten. Dies hatten Kritiker der Studie im Vorfeld der Veröffentlichung bemängelt. Alle Archive und Dateien der Diözesen wurden nach Vorgabe der Forscher von Personal aus den Diözesen oder von diesen beauftragten Rechtsanwaltskanzleien durchgesehen. „Die ermittelten Zahlen und Quoten, das ist die Spitze des Eisbergs, dessen tatsächliche Größe wir nicht kennen", sagte Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, dem die Leitung der Forschungsgruppe oblag. „Bei 1.670 Klerikern fanden sich Hinweise auf Beschuldigung des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger", erklärte Dreßing im Rahmen einer Pressekonferenz. Dies entspreche 4,4 Prozent aller Kleriker, von denen Akten ausgewertet werden konnten.

Der forensische Psychiater erklärte, dass jedoch „eine nicht bekannte Anzahl von Akten" zu Beginn der Studie nicht mehr vorhanden oder nicht mehr vollständig gewesen sei. Aus zwei Diözesen lägen Hinweise vor, dass Akten teilweise vernichtet worden seien, die Mehrzahl der übrigen Diözesen habe dies zumindest nicht ausschließen wollen. „In einigen Fällen fanden die Rechercheteams in den Diözesen auch eindeutige Hinweise auf eine Manipulation der Personalakten", erklärte Dreßing, der bei den vorgestellten Zahlen von einer „unteren Schätzgröße" sprach. „Weniger war es sicher nicht." Der tatsächliche Wert liege aufgrund der Erkenntnisse aus der „Dunkelfeldforschung" höher, „vermutlich in einem nicht unbeträchtlichen Maße".

Risiken bestehen weiter

Das Risiko sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen innerhalb der Strukturen der katholischen Kirche besteht nach Ansicht der Forschungsgruppe „grundsätzlich fort" und verlange konkrete Handlungen, um riskante Konstellationen entgegenzuwirken. Für eine wirksame Prävention sexuellen Missbrauchs müsse sich die Katholische Kirche mit dem Missbrauch durch klerikale Macht, dem problematischen Umgang mit Sexualität, insbesondere mit der Homosexualität, dem Zölibat und dem Sakrament der Beichte „mit dem Mut zur Veränderung" auseinandersetzen.

Die Studie sei „keine Aufarbeitung", betonte Dreßing. Die Aufarbeitung müsse in der Katholische Kirche selbst in Zusammenarbeit mit den Betroffenen „auf Augenhöhe" erfolgen, erklärte er. Mit den Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch und der Rahmenordnung zur Prävention habe die Katholische Kirche erste richtige und wichtige Schritte eingeleitet. „Aber unsere Studienergebnisse legen auch nahe, es gab und gibt Strukturen, die sexuellen Missbrauch grundsätzlich ermöglichen."

Kardinal Marx von Scham erfüllt

„Um der Institution willen haben wir weggeschaut, und um des Schutzes von Bischöfen und Priestern willen. Wir lassen Machtstrukturen zu und haben einen Klerikalismus gefördert, [...] der Gewalt und Missbrauch begünstigt hat", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx, im Rahmen der Pressekonferenz. „Sexueller Missbrauch ist ein Verbrechen. Wer schuldig ist, muss bestraft werden", sagte Marx und bezeichnete die Veröffentlichung der Studie als „einen wichtigen Tag in der Geschichte der Kirche in Deutschland, vielleicht auch ein Wendepunkt für vieles, das wir in der Zukunft beachten und tun wollen."

All zu lange habe „die Kirche weggeschaut, vertuscht, geleugnet". An die Opfer gerichtet erklärte Marx: „Für alles Versagen und für allen Schmerz muss ich, auch als Vorsitzender der Bischofskonferenz, um Entschuldigung bitten." Er schäme sich, auch „im Anbetracht der Wucht dessen, was in aller Nüchternheit vorgelegt" worden sei. Die Katholische Kirche habe den Opfern zu wenig zugehört. Die Betroffenen hätten Anspruch auf Gerechtigkeit. Dieser Verantwortung könne die Kirche nicht ausweichen. Marx konstatierte: „Viele Menschen glauben uns nicht mehr." Dafür zeigte der Vorsitzende der DBK Verständnis. „Als Kirche wollen wir neues Vertrauen aufbauen", erklärte er.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 25 Sep 2018 19:27:00 +0200
<![CDATA[Bibel an Bord: Indonesischer Teenager überlebt 49 Tage in Seenot]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2018/09/25/bibel-an-bord-indonesischer-teenager-ueberlebt-49-tage-in-seenot/ Eine Geschichte wie aus einem Abenteuerroman: Ein indonesischer Teenager trieb sieben Wochen lang auf einem Floß mit Fischerhütte allein über den Ozean. Erst dann rettete ihn ein vorbeifahrendes Schiff unter panamaischer Flagge. Der Jugendliche, Aldi Novel Adilang, war spärlich ausgestattet, hatte aber eine Bibel dabei – und betete jeden Tag. Das habe ihn am Leben gehalten, erklärte der Jugendliche Reportern. Das berichtet die Nachrichtenseite The Daily Beast unter Berufung auf die Jakarta Post und die indonesische Tribun Manado. Er soll je nach Quelle 18 oder 19 Jahre alt sein.

Doch wie war Adilang in die lebensbedrohliche Situation gekommen? Der junge Mann mit wohl einem der einsamsten Jobs der Welt arbeitete auf einer schwimmenden Fischfalle 125 Kilometer draußen auf dem Meer, beschreibt die Jakarta Post seine Aufgabe. Dort war er Lampenwärter. Die Fischfalle wird „Rumpon“ genannt und ist eine Art Fischsammelapparatur. Auf dem Floß findet sich eine kleine Hütte. Unterstützt von Bojen schwimmt das Rumpon mitten auf dem Ozean und ist am Meeresboden durch ein langes Seil befestigt.

Vom Betreiber der Fischfalle hatte der Jugendliche den Auftrag, sechs Monate lang jede Nacht die Lampen an der Apparatur mit einem Stromgenerator anzumachen, um Fische anzulocken. Jede Woche schickte der Besitzer jemanden, um die Fische aus der Falle zu lesen. Dieser gab dem jungen Indonesier wieder Vorrat für eine Woche: Nahrung, Gas zum Kochen, sauberes Wasser und Treibstoff für den Generator. Auch hatte er ein Walkie-Talkie an Bord.

Kampf ums Überleben

Nachdem Adilang sich mehrere Monate um die Fischfalle gekümmert hatte, riss ein starker Wind sie am 14. Juli von der Fixierung los und trieb ihn von der Nordküste der indonesischen Insel Sulawesi in Richtung Guam, mitten im Pazifik. Nun musste er um sein Überleben kämpfen, da sein Vorrat knapp war.

Um seinen Hunger und Durst zu stillen, habe Adilang Fische gefangen, versucht, sich seinen Wasservorrat lange einzuteilen und schließlich Regen- und Meereswasser getrunken, berichtet der indonesische Generalkonsul in Osaka, Mirza Nurhidayat, der Jakarta Post nach der Rettung vom Leben auf dem offenen Meer. Das Meereswasser trank der Jugendliche von seiner durch Meereswasser benässten Kleidung. So wollte er versuchen, möglichst wenig Salz zu sich zu nehmen. Nachdem ihm das Kochgas ausgegangen war, nutzte er die Holzzäune des Rumpons als Brennstoff, um sich die Fische zuzubereiten.

Der lokalen Zeitung Tribun Manado sagte Adilan, dass er während seiner Zeit auf See stets in der Bibel gelesen habe. Dies habe ihm geholfen, geistliche Stärke zu erlangen. Sein Vater habe ihm gesagt, dass er die Bibel lesen und morgens und abends beten solle.

Geistliche Lieder gegen Selbstmordgedanken

In der dritten Woche seiner Odyssee war er besonders in Gefahr. Er dachte, er würde „da draußen sterben“. Einen ganzen Tag lang schwamm ein Hai um sein Floß herum. Die Flosse des Tiers sei die ganze Zeit zu sehen gewesen. Er habe gedacht, das einzige, was er tun könne, sei, dafür zu beten, dass der Hai verschwindet.

Auch kämpfte der Teenager einmal mit Selbstmordgedanken, überlegte, sich einfach ins Meer zu stürzen. Doch dann erinnerte er sich an die Bibel und betete. Durch das Singen geistlicher Lieder wurden seine Suizidgedanken vertrieben, schildert Adilang sein Erlebnis der Tribun Manado.

Vereint mit der Familie

Bei jedem Schiff, das vorbeisegelte, hoffte er auf eine Rettung und versuchte, mit dem Wedeln seiner Kleidung auf sich aufmerksam zu machen. Doch mehr als zehn Schiffe hielten nicht an oder sahen ihn nicht. Auch der Frachter „Arpeggio“, der ihn letztendlich rettete, fuhr zuerst an ihm vorbei. Da das Schiff aber nah war, machte er mit einem Funksignal über sein Walkie-Talkie auf sich aufmerksam. Da die Wellen am 31. August hoch gewesen sind, war seine Rettung schwierig – doch die Crew und er schafften es. Er hatte rund 2.000 Kilometer auf dem Floß zurückgelegt.

Nach ein paar Tagen auf dem Schiff und in Quarantäne traf er wieder mit seiner Familie zusammen, bei der er jetzt in Wori, Manado, ist. Laut der Jakarta Post ist Adilang in guter gesundheitlicher Verfassung. Reportern der Tribun Manado sagte er, dass ihn sein Glaube und seine Bibel am Leben gehalten hätten.

Von: Martina Blatt

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Tue, 25 Sep 2018 16:23:00 +0200
<![CDATA[Apple verbannt Sex, Gewalt und Religion aus eigenen Filmen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/09/25/apple-verbannt-sex-gewalt-und-religion-aus-eigenen-filmen/ Bereits mehrere Video-Streamingdienste bringen Programm nicht nur ins Netz, sondern produzieren Inhalte auch selbst. So hatte Netflix mit einer seiner ersten selbst produzierten Serie „House of Cards“ mit Kevin Spacey in der Hauptrolle und David Fincher als Produzenten einen durchschlagenden Erfolg. Es folgte „Orange Is the New Black“, das allerdings viel Sex und Kraftausdrücke enthielt, die nicht für Kinderohren geeignet sind.

Nun will auch das IT-Unternehmen Apple in den Markt der Eigenproduktionen einsteigen, mit einem Budget von rund einer Milliarde Dollar. Vor einem Jahr begann Apple mit der Produktion der ersten Serie namens „Vital Signs“. Die halb-biographische Serie handelt vom Hip-Hop-Musiker Dr. Dre. Doch schon bald meldete sich Apple-Chef Tim Cook zu Wort, ihm sei das Drehbuch zu düster, es kämen Drogen wie Kokain vor, zudem gebe es Orgien und viele Waffen.

Wie das Wall Street Journal berichtet, sicherte sich der Konzern zudem bereits 2017 die Rechte an einer Serie mit den Stars Reese Witherspoon und Jennifer Aniston. Darin soll es um die Welt des Frühstücksfernsehens gehen, die Serie wirft einen Blick hinter die Kulissen. Apple gab zwei Staffeln mit jeweils zehn Episoden in Auftrag. Außerdem bestätigte Apple Pläne für eine Wiederbelebung der Fantasy-Serie „Unglaubliche Geschichten“ von Steven Spielberg aus den Achtzigerjahren. Spielberg soll dabei als ausführender Produzent auftreten; jede Episode inszeniert ein anderer, namhafter Regisseur. Doch auch diese Produktion sei den Apple-Verantwortlichen im geplanten Drehbuch zu düster, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Insider.

Keine Kreuze in Familienserie

Apple gab auch eine Serie beim erfolgreichen Regisseur M. Night Shyamalan in Auftrag. Darin soll es um ein Paar gehen, das sein Kind verloren hat. Insider berichten: Die Apple-Verantwortlichen erklärten, sie wünschten von Anfang an, dass religiöse Symbole wie etwa Kreuze aus dem Hause des Paares verschwinden sollten. Apple wolle nicht, dass in den Serien irgendwelche Verweise auf Religion auftauchten, hieß es.

Dabei schreckten mittlerweile die großen Studios nicht mehr vor Nacktheit, Politik oder kraftvollen Ausdrücken zurück, merkt das Wall Street Journal an. Dies könne man an Produktionen von TNT, HBO, Netflix und Amazon Prime sehen. „Sogar Disney, das sein Geschäft auf Animationsfilmen für Kinder aufbaute, bringt Inhalte, die eigentlich für Kinder ungeeignet sind wie zum Beispiel ‚Deadpool‘“, schreibt das Blatt. Laut einem Insider sind Cooks eigene Lieblingsserien eher zahm, es handele sich etwa um „Friday Night Lights“ über das Footballteam einer Kleinstadt sowie „Madame Secretary“ über eine amerikanische Außenministerin.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 25 Sep 2018 15:24:00 +0200
<![CDATA[Reichster Mann Singapurs bekennt sich zu Jesus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/25/reichster-mann-singapurs-bekennt-sich-zu-jesus/ Philip Ng Chee Tat ist der reichste Mann Singapurs. Doch der Reichtum ist nicht alles in seinem Leben. Den Sinn seines Lebens hat er in Gott gefunden: „Was ich entdeckt habe, ist, dass wir alle gebrochen sind. Wir alle haben ein fehlendes Teil. Und für mich habe ich entdeckt, dass das fehlende Teil Gott durch Jesus Christus ist.“

In einem Interview des Jungunternehmers Matthew Yao erzählte er kürzlich von seinen Erfahrungen. Seiner Meinung nach ist es wichtig, tiefer zu schauen als auf Reichtum und materiellen Wohlstand. Er habe darin keine Erfüllung gefunden, sagte Ng Chee Tat. Der Unternehmer Yao verkauft über das Internet Anleitungen, um erfolgreich zu werden und sich erfolgreiche Mentoren zu suchen. Sein eigener Mentor ist Ng Chee Tat.

Glauben auch im Geschäftsleben

Ng Chee Tat sei immer auf der Suche nach einem Lebenssinn gewesen und danach, sich selbst und sein Leben zu verbessern. Er habe aber lange auf die falschen Dinge gesetzt. Doch dann habe er gemerkt, dass er ohne Jesus nie zu einem besseren Lebenssinn finden kann. Diese Erkenntnis und den daraus resultierenden Frieden und die Freude wünscht er jedem: „Das schlägt eine Menge Geld und Besitz“, sagte er in dem Interview.

Der fromme Unternehmer ist Geschäftsführer der in Singapur ansässigen Far East Organization, die sich im Immobilien- und Hotelgewerbe betätigt. Er legt Wert darauf, seinen Glauben auch in die Geschäftswelt zu tragen. Regelmäßig werden in der Unternehmenszeitschrift Landmarks Reden und Andachten abgedruckt, die er vor Geschäftspartnern und Mitarbeitern gehalten hat. Auf der Homepage seiner Firma ist zu lesen: „Als ein christliches Unternehmen haben wir uns die ewigen Wahrheiten aus Gottes Wort zu eigen gemacht. Wir wenden diese Worte in unserem Geschäft an, weil sie Worte des Lebens sind und unser Geschäft, alles in allem, ein Teil des Lebens ist.“

Laut dem Statistikportal Statista teilt sich Ng Chee Tat mit seinem Bruder das Familienvermögen von 10,8 Milliarden US-Dollar.

Die Mehrheit der Bevölkerung in Singapur (33 Prozent) hängt dem Buddhismus an. Daneben gibt es 14 Prozent Muslime und zehn Prozent Daoisten. Der Anteil der christlichen Bevölkerung liegt bei 19 Prozent. Außerdem fühlen sich 18,5 Prozent der Bevölkerung gar keiner Religion zugehörig. Damit ist nur jeder fünfte Mensch in Singapur Christ.

Von: Tobias Schneider

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Tue, 25 Sep 2018 14:52:00 +0200
<![CDATA[„Vergib uns, dass wir deine Schöpfung zerstören“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/25/vergib-uns-dass-wir-deine-schoepfung-zerstoeren/ Verzweiflung und Hoffnung liegen oft dicht beieinander. Bei Tony Rinaudo überwog die Verzweiflung, als der damals 24-jährige Agrarökonom in den frühen Neunzigerjahren in den Niger reiste, um ein Wiederaufforstungsprojekt zu übernehmen. Denn der junge Australier pflanzte einen Baum nach dem anderen. Rund 6.000 junge Bäumchen grub er in einem Jahr in den sandigen Boden des Niger. Doch eine Pflanze nach der anderen ging ein. Die allerwenigsten schafften es, ihre Wurzeln tief genug in dem ausgetrockneten Boden zu verankern, und Rinaudo fragte sich, warum er seine Zeit und anderer Leute Geld für ein Projekt verschwendete, das aussichtslos war.

Dabei war der Agrarwissenschaftler mit hehren Zielen und göttlicher Berufung in den Niger gekommen: Er wollte den Hunger der Menschen bekämpfen und war sich sicher, dass Gott sein Vorhaben leiten würde. Und nun das: Um ihn herum keine Bäume, nur ein paar Büsche und unendlich viel Sand. Er legte seine Hand an die Augen und schaute nach Norden, Süden, Osten, Westen – und fühlte sich verzweifelt wie nie zuvor. „Gott, vergib uns, dass wir das Geschenk deiner Schöpfung kaputt machen“, rief er laut. „Deswegen müssen die Menschen hier hungern. Aber du liebst uns doch, wir sind doch deine Kinder. Du hast Jesus geschickt, um uns zu retten. Bitte hilf uns. Öffne unsere Augen für das, was wir tun sollen!“

Nach diesem Gebet kniete sich Rinaudo auf den Boden: Um durch den weichen Sand vorwärts zu kommen, musste er den Luftdruck seiner Autoreifen reduzieren. Während er an den Ventilen herumfingerte, blieb sein Blick an einem der kargen Büsche hängen, an denen er täglich vorbeifuhr. Rinaudo stutzte und warf einen genauen Blick auf die Triebe, die aus der Erde schauten, und traute seinen Augen nicht! An den vereinzelten Blättern erkannte er: Das waren nicht einfach Stümpfe, auch keine Büsche, das waren die vorsichtigen Triebe verkrüppelter Bäume! So verschnitten und verbrannt, dass er sie all die Zeit nicht als Bäume erkannt hatte. Dadurch, dass die notleidenden Menschen frische Triebe sofort stutzten, schließlich brauchten sie Feuerholz und Viehfutter, war dies all die Zeit unbemerkt geblieben.

Für Rinaudo änderte das die Sachlage und der Verzweifelte war plötzlich voller Hoffnung: „Ich musste nicht mehr gegen die Wüste ankämpfen und dabei große Budgets und viele Mitarbeiter verwalten. Alles, was ich tun musste, war, die Menschen davon zu überzeugen, diese ‚Büsche‘ nachhaltig zu pflegen.“ Die Wiederaufforstungstechnik FMNR (Farmer Managed Natural Resources) war geboren. Für diese neue Methode erhält Rinaudo in diesem Jahr den alternativen Nobelpreis.

Erfolge aus dem Weltraum sichtbar

Dabei werden Stümpfe, die bereits im Boden stecken, Wurzeln und Samen reaktiviert und neu zum Sprießen gebracht. Vorhandene Pflanzen beuten die Bauern nicht aus, sondern ziehen sie groß und beschneiden sie gezielt so, dass sich die stärksten Äste entwickeln können. Zwischen diesen Bäumen werden Räume gelassen, die für den Getreideanbau genutzt werden können. Die umliegenden Bäume spenden, wenn sie groß werden, den nötigen Schatten dafür und ihre Wurzeln speichern Wasser im Boden, sodass Gemüse und Getreidepflänzchen gedeihen können.

Seine Entdeckung betrachtet Rinaudo als Gebetserhörung. Und bescheiden, wie er ist, wird er nicht müde zu erwähnen, dass FMNR genau genommen eine „Wiederentdeckung“ traditioneller Praktiken sei und keine neue Erfindung. Fakt ist, dass diese Methode der Wiederbegrünung in Vergessenheit geraten war. Viele einheimische Bauern erklärten Rinaudo für verrückt, als er sie von seinen Ideen zu überzeugen versuchte. Anfangs stieß sein Projekt auf starken Widerstand: Andere machten sich über die handvoll Farmer, die FMNR ausprobierten, lustig und bedrohten Rinaudo und sein Team sogar. Bäume wurden gestohlen. Und staatliche Stellen waren nicht leicht dazu zu bewegen, das Projekt zu unterstützen. Man glaubte einfach nicht, dass eine Methode, die so wenig kostet, effektiv sein könnte.

Die Zweifler wurden eines Besseren belehrt: Heute sind Rinaudos Erfolge selbst aus dem Weltraum gut erkennbar. Eine großangelegte Satellitenstudie der amerikanischen Geologischen Gesellschaft zeigte im vergangenen Jahr, dass allein im Niger sieben Millionen Hektar Land durch FMNR aufgeforstet worden sind. „Als wir 1984 angefangen haben, FMNR offiziell zu verbreiten, wuchsen im Niger durchschnittlich vier Bäume pro Hektar“, erzählt Rinaudo. „Heute liegt der Durchschnitt bei 45 Bäumen pro Hektar.“ Für Chris Reij, einen leitenden Wissenschaftler des Weltressourceninstituts mit Sitz in Washington D.C., ist dies die bedeutendste positive Veränderung des Sahel und „vielleicht ganz Afrikas“ seit Jahrzehnten.

Eine unveröffentlichte Studie will herausgefunden haben, dass Konflikte durch FMNR im Niger um 70 Prozent zurückgegangen sind. Der Grund: Durch die Wiederbegrünung sinkt die Nahrungsmittelknappheit, Ressourcen wie Wasser und Feuerholz werden verfügbar. Konflikte um diese grundlegenden Ressourcen gehen zurück.

Rinaudo hat sein Engagement aber längst nicht auf den Niger beschränkt. Seit fast 20 Jahren arbeitet er für die Hilfsorganisation World Vision. FMNR-Projekte gibt es mittlerweile in 24 Ländern, in denen World Vision aktiv ist, darunter Senegal, Ghana, Mali, Uganda, Burundi, Malawi und Äthiopien.

Umweltschutz bedeutet Nächstenliebe

In Humbo, im Süden Äthiopiens, waren die Menschen drei Jahrzehnte lang auf externe Hilfe angewiesen, um nicht zu verhungern. Sechs Jahre nachdem Rinaudo FMNR eingeführt hatte, erzielten die Bauern in Humbo einen Überschuss von 106 Tonnen Getreide, den sie ans Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen verkaufen konnten. Als im vergangenen Jahr das Wetterphänomen El Niño die Region hart traf und die Hungersnot immer größer wurde, konnten die Bauern von Humbo immer noch einen kleinen Überschuss erwirtschaften. Auch Migrationsströme können in der Folge von FMNR eingedämmt werden, berichtet Rinaudo, und nennt exemplarisch das äthiopische Abreha Weatsbha, wo junge Menschen dank nachhaltiger Landnutzung genug Geld verdienen können, um in ihrer Heimat zu bleiben.

Für Rinaudo ist FMNR nicht nur eine Wiederaufforstungstechnik, sondern ein Weg, um Gottes in Genesis 2,15 formulierten Auftrag, das Land zu bebauen und zu bewahren, nachzukommen: „Alles, was ich tue, geschieht aus meiner christlichen Überzeugung heraus, dass wir unsere Mitmenschen lieben und dass wir Gottes Schöpfung bewahren sollen. Menschen beizubringen, was sie tun können, um auf Gottes Schöpfung aufzupassen, ist eine wunderbare Art, Nächstenliebe zu zeigen.“ Rinaudo glaubt: „Ich bin mir sicher, dass es Menschen gibt, die Gott näher kommen, wenn sie sich um seine Schöpfung kümmern.“

Konservative stehlen sich aus der Verantwortung

Die Begeisterung ist Rinaudo anzumerken, wenn er über Gottes Freude an dessen eigener Schöpfung spricht. Und er fragt: „Wenn diese Welt Gott so wichtig ist und er sich so sehr daran erfreut, wie sollte dann wohl unsere Haltung gegenüber unserer Umwelt sein?“ Die Kehrseite: Wenn Gott so begeistert von der Erde ist, wie kann ein Christ dann guten Gewissens und ohne Protest die Zerstörung von Umwelt geschehen lassen oder diese sogar aktiv unterstützen? Dies fängt für den Australier schon bei Alltagsfragen an, beispielsweise der Frage, welche Produkte wir kaufen: Saisonale, regionale Produkte oder solche, die erst tausende von Flugmeilen hinter sich gebracht haben? Kaufen wir Thunfisch, bei dem der Beifang durch eine nachhaltige Fangmethode minimal war, oder solchen, der in Schleppnetzen gefangen wurde? Kaufen wir recycelbare Verpackungen oder ist uns die Hülle der Produkte egal? Rinaudo hat beobachtet: „Viele Christen interessieren sich herzlich wenig für ihre Umwelt. Generell tun ausgerechnet Gläubige erschreckend wenig, um die Natur zu schützen. Für einige von uns ist dies bestenfalls zweitranging, wenn wir überhaupt darüber nachdenken.“ Viele Atheisten, meint der Australier, nehmen es mit dem Umweltschutz sehr viel genauer als Christen.

Als US-Präsident Donald Trump den Ausstieg der Vereinigten Staaten von Amerika aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verkündete, waren es gerade seine christlich-konservativen Anhänger, die kein Problem mit dem Schritt hatten. Während Naturwissenschaftler die Konsequenzen des Ausstiegs als „katas­trophal für den Planeten“ bezeichneten, sahen evangelikale Trump-Anhänger keinen Grund, sich Sorgen zu machen.

„Als Christ glaube ich, dass es einen Schöpfergott gibt, der viel größer ist als wir“, sagte der Republikaner Tim Walberg Ende Mai bei einer öffentlichen Veranstaltung in Coldwater im Bundesstaat Michigan. „Und ich vertraue darauf, dass sich Gott, falls es wirklich ein Problem gibt, darum kümmert.“ Walberg steht nicht allein mit seiner These. Das Forschungsinstitut Pew Research Center hat ermittelt, dass nur 28 Prozent evangelikaler Amerikaner glauben, dass menschliches Handeln für den Klimawandel verantwortlich ist. Die Washington Post analysierte daher im Juni: „Die feste Überzeugung, dass Gott eingreifen wird, um zu verhindern, dass die Menschen die Welt zerstören, ist eins der größten Hindernisse, um die Unterstützung konservativer Christen für Umweltschutzabkommen wie den Pariser Klimaschutzvertrag zu bekommen.“

Ganz anders dagegen das Oberhaupt der Katholiken, Papst Franziskus. Er prangert immer wieder öffentlich den Raubbau an der Umwelt an und hat Klimaschutzforderungen in seiner Enzyklika „Laudato si“ gestellt. Eine englischsprachige Ausgabe der Enzyklika überreichte er auch dem US-Präsidenten, als dieser den Vatikan besuchte.

(K)ein Thema für die Kirche?

Die Evangelische Kirche in Deutschland ist im Bezug auf Umweltfragen sehr aktiv, sieht sich aber immer wieder der Kritik ausgesetzt, dass das Engagement übertrieben sei. Kritiker wünschen sich einen stärkeren Fokus auf – vermeintlich – zentralere Glaubensthemen. Im Debattenmagazin „The European“ waren jüngst die Sätze zu lesen: „Die Themen des Kirchentages und das Wahlprogramm der Grünen sind identisch.“ Und weiter: „Es passt kein Blatt Papier zwischen die Grünen und die kleinen Minibundespräsidenten an der sonntäglichen Kanzel.“

Die Deutsche Evangelische Allianz hat zwar klar Stellung zum Thema Umweltschutz bezogen, aber „bisher kaum Aktivitäten angeleiert“, wie der Generalsekretär des Netzwerks, Hartmut Steeb, mitteilte. Auf weltweiter Allianzebene gibt es Arbeitsgruppen, die sich mit dem Thema befassen. Für Agrarökonom Rinaudo braucht es keine weitschweifige Erklärung, warum Christen die Umwelt schützen sollten: „Christen sollten sich deswegen um ihre Umwelt kümmern, weil es Gott kümmert.“

Deswegen setzt er sich ein und lehrt Menschen, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Zuletzt hat das Projekt des Australiers in Ghana für Veränderung gesorgt: Der Boden im östlichen Teil Ghanas war ausgelaugt. Die Einwohnerinnen mussten täglich bis zu vier Stunden Fußmarsch zurücklegen, um Feuerholz zu sammeln. Das Land zu bewirtschaften war so anstrengend, dass Eltern auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen waren, die dadurch keine Schule besuchen konnten. Und trotz aller Bemühungen blieben Erträge oft aus und Eltern konnten das Nötigste nicht bezahlen, geschweige denn für die Schulgebühren ihrer Kinder aufkommen. Familien und Vieh hungerten, das Land litt unter Trockenheit oder Überschwemmungen. Der Wind pfiff so stark über die offene Landschaft, dass nicht selten Hausdächer davonflogen.

Nur zwei Jahre nachdem einige Bauern begannen FMNR umzusetzen, änderte sich die Situation zusehends und die Lebensbedingungen verbesserten sich langsam. Verzweiflung und Hoffnung liegen oft dicht beeinander. Im östlichen Teil Ghanas überwiegt die Hoffnung.

Von: Stefanie Ramsperger

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Tue, 25 Sep 2018 13:57:00 +0200
<![CDATA[Kritische Medien sollen abserviert werden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/09/25/kritische-medien-sollen-abserviert-werden/ Eine E-Mail aus dem österreichischen Innenministerium hat Medien scharf für ihre „einseitige und negative“ Berichterstattung über das Ministerium und die Polizei kritisiert. Sie wurde an Pressestellen der Landespolizeidirektionen verschickt, war aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Im Fokus der Kritik stehen die Zeitungen Standard und Falter.

Die beiden österreichischen Blätter Standard sowie Kurier meldeten in ihrer aktuellen Berichterstattung (gestern und vorgestern), dass die Authentizität der Zuschrift von mehreren Beamten bestätigt worden sei. Die Pressestellen sollen demnach die Kommunikation mit „kritischen Medien“ auf „das nötigste (rechtlich vorgesehene) Maß zu beschränken“ und „Exklusivbegleitungen“ vermeiden. Die Zusammenarbeit solle mit den Medien erfolgen, die sich „kooperationsbereit“ zeigen.

Minister weder Auftraggeber noch Empfänger

Als Beispiel für dieses Vorgehen wird der österreichische Fernsehsender ATV genannt. Dort soll bald eine Serie mit dem Arbeitstitel „Live PD“ laufen, die den Zuschauern den Polizeialltag näher bringt. Dabei werde jede Folge erst nach positiver Abnahme der Sendung seitens der Polizei auch ausgestrahlt. Dabei handele es sich um eine imagefördernde Öffentlichkeitsarbeit, heißt es in der E-Mail.

Die vierseitige Mail wurde von Ministeriumssprecher Christoph Pölzl abgesendet. Der Minister Herbert Kickl (FPÖ) selbst sei „weder Auftraggeber noch Empfänger dieser Mitteilung“. Die angesprochenen Themen seien Anregungen ohne jeden Verbindlichkeits- oder gar Weisungscharakter“. Aktuell kritisiert der Verfasser der Zeilen die Wortwahl der aktuellen Berichterstattung.

Manche Medien berichten schon länger von derartigen Vorstößen, die die Pressefreiheit einschränken könnten. Dabei sei der Eindruck entstanden, heißt es nun in der E-Mail, die Empfehlungen kämen vom Minister oder seien in seinem Auftrag geschrieben worden. Es gehe aber darum, der Polizei und dem Innenministerium in bestimmten Bereichen der Medienarbeit zu einem einheitlicheren Auftritt zu verhelfen.

Empfehlung basiert auf jahrelangen Erfahrungen

Die Polizei wird in dem Schreiben zudem gebeten, künftig die Staatsbürgerschaft und den Aufenthaltsstatus von Verdächtigen in Pressemitteilungen zu nennen. Auch Sexualdelikte solle sie verstärkt kommunizieren, um gegenüber dem Bürger größtmögliche Transparenz zu schaffen.

Das Ministerium verteidigte die Mail in einer Stellungnahme. Die Empfehlung basiere auf teils jahrelangen Erfahrungen vieler Kommunikationsmitarbeiter im Ministerium. Natürlich hätten die Medien die Pflicht, die Arbeit und den Minister kritisch zu beleuchten: „Doch es ist ebenso das Recht von Kommunikationsmitarbeitern, sich angesichts der von ihnen gegebenen Informationen und der daraus resultierenden Berichterstattung ein Bild zu machen und daraus qualitative Schlüsse zu ziehen.“

Heftige Kritik daran kam von Kanzler Sebastian Kurz: „Für einen freien und unabhängigen Journalismus im Land tragen besonders Parteien und Regierungsinstitutionen sowie öffentliche Einrichtungen eine hohe Verantwortung“, sagte er laut tagesschau.de in New York. „Jede Einschränkung von Pressefreiheit ist nicht akzeptabel."

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 25 Sep 2018 13:08:00 +0200
<![CDATA[Film über Lobpreis-Hit: rührend, fromm, weltfremd]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/09/24/film-ueber-lobpreis-hit-ruehrend-fromm-weltfremd/ Eine Filmbesprechung von Anna Lutz]]> Es war ausgerechnet US-Präsident Donald Trump, vor dem Bart Millard im vergangenen Jahr seinen Hit „I can only imagine" performte. Der Sänger der christlichen Band MercyMe trat beim traditionellen National Prayer Breakfast in Washington auf, bei dem in der Regel auch das Staatsoberhaupt zugegen ist. Millard sang vor dem unter frommen Christen wohl umstrittendsten zeitgenössischen Politiker über den Himmel und wie es sich wohl anfühlen werde, eines Tages vor Gott zu stehen. Ob Trump den Song mag, wissen wir nicht, zumindest hörte er aufmerksam zu. Und vielleicht ist das ein schönes Bild dafür, was Millards Hit tatsächlich bewirkt hat: Er hat Fromme und Nichtfromme, Konservative und Progressive, Alte und Junge zugleich begeistert. Bis heute hat die Aufnahme dreifachen Platinstatus erreicht und gilt als der erfolgreichste christliche Song aller Zeiten.

Doch Millard sang nicht nur. In einer kurzen Anekdote erzählte er auch die Geschichte seines Vaters. Eines gewalttätigen Manns, der eines Tages Gott fand und sich von einem Monster in einen besten Freund verwandelte. Bekanntlich verkaufen sich Geschichten über Leid, das sich am Ende in Erfolg und Glück wandelt, besonders gut. Das hat nicht nur Hollywood, sondern auch die christliche Filmindustrie verstanden. An diesem Donnerstag läuft die Lebensgeschichte Millards, benannt nach seinem größten Hit „I can only imagine" im Kino an.

Prügel, Hass und Musik

Darin erzählen die Regisseur-Brüder Andrew und Jon Erwin die Geschichte des jungen Millard, der als Kind immer wieder von seinem Vater verprügelt wird. Als der Junge eines Tages mit einem selbstgebastelten Kampfpilotenhelm nach Hause kommt, verbrennt der Vater die Bastelarbeit und ermahnt seinen Sohn, keine Kraft für Träume zu vergeuden. Stattdessen solle er sich in Dinge investieren, die realistisch sind, Geld einbringen und der Familie helfen, zu überleben. Die Mutter verlässt die Familie kurz darauf, Millard ist gezwungen, zu bleiben.

Als er heranwächst, beginnt er eine Baseball-Karriere, wird aber schon auf der Highschool jäh ausgebremst. Er bricht sich beide Fußgelenke. Den Sport muss er aufgeben und enttäuscht damit seinen tief verbitterten Vater, der selbst einst erfolgreich spielte. In der Highschool muss der Teenager sich nun zudem eine neue Beschäftigung suchen - er entdeckt ausgerechnet das Singen für sich. Auch wenn Mitschüler und Vater dafür vor allem Spott übrig haben, bekommt er schließlich die Hauptrolle in einem Schulmusical. So beginnt Millards Musikkarriere. Dank seiner Jugendliebe und Highschoolfreundin Shannon besucht der Teenager die sonntäglichen Gottesdienste der nahegelegenen Kirche - und wird der Star des dortigen Chors.

Millard muss sich seinen Ängsten stellen

Als er seinen Vater eines Sonntags zu einem seiner Auftritte einlädt und dieser sich verweigert, eskaliert die Situation zwischen den beiden Männern erneut. Der Vater schlägt mit einem Porzellanteller auf den Sohn ein, dieser verlässt wütend das Haus - und kehrt jahrelang nicht zurück. Gleich nach dem Auftritt in der Kirche reißt er aus und sucht sein Glück in der großen Stadt, findet eine Band und tingelt mit ihr durch die Vereinigten Staaten. Der Erfolg lässt auf sich warten - bis sich die Gruppe mit dem Namen MercyMe auf christliche Lobpreismusik spezialisiert. Die jungen Männer erkennen ihre eigentliche Stärke. Wäre da nicht das Trauma Millards, der die Gewalt, die ihm als Kind wiederfahren ist, verdrängt. Das hemmt ihn auf der Bühne, aber auch beim Songschreiben.

Er beschließt, sich seinen Ängsten zu stellen und kehrt nach Hause zurück. Dort findet er seinen Vater - glücklich aber totkrank. Wie sich herausstellt, hat dieser den letzten Chorauftritt seines Sohnes sehr wohl mitverfolgt. Und zwar im lokalen Radio. Die Predigt des Pfarrers im Anschluss hat ihn tief bewegt. Trauer über den baldigen Verlust des Vaters und Glück über dessen Lebenswandel kommen zusammen - und Millard ist schließlich bereit dazu, das Lied seines Lebens zu schreiben.

Ein toller Darsteller, eine platte Geschichte

Das Gute zuerst: J. Michael Finley spielt Bart Millard solide und beweist einige Sangesqualitäten. Wirklich beeindruckend aber ist der einstige Hollywood-Star Dennis Quaid in der Rolle des Vaters. Seine Wut ist ebenso glaubhaft wie seine Freundlichkeit, sein aus Hass verzerrtes Gesicht ebenso wie sein wohlwollendes Lächeln. Wer hätte gedacht, dass dieser ehemalige Superstar, der zuletzt eine kitschige Hundekomödie drehte, sich derart um Leib und Leben spielen kann? Quaid sorgt für große Kinomomente. Es liegt vor allem an ihm, dass die Vater-Sohn-Begegnung am Ende des Films wirklich bewegen kann. Hier holt die christliche Produktion die Zuschauer ab, hier können Christen wie Nichtchristen mitempfinden.

Das war es dann aber leider auch schon. Denn der Rest des Films ist nicht nur sehr vorhersehbar und folgt der klassischen Heldenerzählung Hollywoods. Er ist auch wenig glaubhaft. Warum zum Beispiel sieht der Manager der Band MercyMe, der ihnen dazu rät, Lobpreis-Musik zu machen, aus wie ein alternder Rockstar? Wieso geraten Jugendliche während eines ganz normalen Konzerts plötzlich in fromme Verzückung, wenn ein christliches Lied gespielt wird? Eine Szene zeigt MercyMe, damals noch als Rockband, bei einem kleinen Gig. Als alle Lieder gespielt sind, singt Millard ein christliches Lied. Plötzlich heben die Besucher ihre Hände zur Gebetshaltung, schließen entrückt die Augen und wenden ihr Gesicht dem Himmel zu. Das ist sogar für Kenner der christlichen Szene etwas zu viel. Nichtchristliche Kinobesucher dürfte es verstören.

Außerdem wirken die wichtigeren Nebencharaktere schattenhaft. Was wird aus der Mutter? Warum verliebt sich Shannon in Bart? Was hat es mit der Großmutter auf sich, die drei Mal kurz auf der Bildfläche erscheint, die der Zuschauer aber nie wirklich kennenlernt?

„I can only imagine" ist ein Film für Hauskreis-Abende und Gemeindecamps. Nicht aber für die große Leinwand. Da mag das Lied noch so schön sein.

I can only imagine, USA 2017, 110 Minuten, Filmstart: 27. September

Von: Anna Lutz

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Mon, 24 Sep 2018 13:53:00 +0200
<![CDATA[Google geht auf Zensurvorgaben Chinas ein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/24/google-geht-auf-zensurvorgaben-chinas-ein/ Das amerikanische Unternehmen Google LLC passt seine Suchmaschine für den chinesischen Markt an. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Montag berichtet, ist Google schon sehr weit in der Vorbereitung des Systems, das dann staatlichen Vorgaben gehorchen wird.

Unter dem Codenamen „Dragonfly“ haben mehr als 200 Google-Mitarbeiter demnach eine Suchmaschine entwickelt, die Begriffe wie „Menschenrechte“, „Friedensnobelpreis“ und „Demokratie“ blockiert. Auch müssen sich Chinesen für die Nutzung mit Telefonnummer, Standort und IP-Adresse anmelden.

Verfolgungsgefahr für Fragesteller

Diesen Daten sollen dann bei einem bislang noch unbekannten chinesischen Firmenpartner von Google landen. Dadurch seien die Informationen für die Zensur- und Sicherheitsbehörden einfach zugänglich. Die Befürchtung der FAZ lautet: „Übergäbe Google seine Daten an Chinas Sicherheitsbehörden, wovon auszugehen ist, würde es diesen ermöglichen, nicht nur Inhalte zu blockieren. Stattdessen könnten die Staatsgewalt so leicht wie nie auch jene Chinesen verfolgen, die es überhaupt gewagt haben, Fragen zu stellen.“

Google startete auf dem chinesischen Markt im Jahr 2006 durch und hatte zwischenzeitlich einen Marktanteil von bis zu 40 Prozent. Das Unternehmen zog sich aber 2010 wegen der zu hohen Zensurauflagen der Behörden wieder zurück. Das „Dragonfly“-Projekt ist jetzt Googles Antwort auf die Zensursituation in China. In der Volksrepublik nutzen 800 Millionen Menschen das Internet. Vor zehn Jahren waren es erst 300 Millionen Chinesen. Bislang wird Google noch von einer staatlichen Firewall geblockt.

Von: Michael Müller

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Mon, 24 Sep 2018 13:11:00 +0200
<![CDATA[Zeichensetzen für Schutz des Sonntags]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/23/zeichensetzen-fuer-schutz-des-sonntags/ Immer mehr Menschen müssen am eigentlich arbeitsfreien Sonntag ins Büro oder Geschäft. Mit der „So ist Sonntag!“-Aktion macht die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) jetzt auf die grundlegende Bedeutung des Sonntags aufmerksam. Seit Donnerstag läuft die Impulspost-Aktion mit Briefen an über 1,5 Millionen Kirchenmitglieder im EKHN-Einzugsgebiet. 500 Gemeinden sind vor Ort beteiligt.

Ziel der EKHN ist es zu zeigen, „wie wertvoll gemeinsame Zeiten für alle sind – in einer Gesellschaft, die immer mehr von einer Rund-um-die-Uhr-Mentalität geprägt“ sei. „Das leuchtend himmelblaue Hauptmotiv der Initiative mit der Aufschrift ‚So ist Sonntag' will darauf aufmerksam machen, welch göttliche Idee hinter einem gemeinsamen arbeitsfreien Tag für alle steckt“, schreibt die EKHN.

Bei der Aktion steht der an die Mitglieder verschickte Brief im Mittelpunkt. Es ist eine bunte Broschüre, die Auskunft über Probleme der Sonntagsarbeit, kirchliche Hintergründe des Feiertags und Tipps für die Gestaltung gibt. In den Gemeinden hängen Großbanner und Flaggen mit dem Aktionsmotiv. Der Hashtag in den Sozialen Medien lautet #SoistSonntag.

Sonntag erinnert an „Geschenk Gottes“

Laut des hessen-nassauischen Kirchenpräsidenten Volker Jung erinnert der Sonntag jede Woche daran, „dass das Leben mehr ist als Arbeit und das, was wir leisten“. Das Leben sei ein „Geschenk Gottes“. Gott mache es in der biblischen Überlieferung dem Menschen vor: „Nach sechs Werktagen kommt ein Ruhetag. Modern gesagt nimmt sich Gott eine kreative Pause.“ Jung ist sich der Situation um Notdienste sowie Aufgaben der Polizei und in der Pflege bewusst. „Aber ich denke auch: Der Sonntag soll nicht so werden wie alle anderen Tage. Er soll für möglichst viele frei bleiben als besondere Zeit für uns Menschen.“

Von: Michael Müller

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Sun, 23 Sep 2018 08:56:00 +0200
<![CDATA[Lebensschützer demonstrieren in Berlin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/lebensschuetzer-demonstrieren-in-berlin/ Am Samstag stand in Berlin Grün gegen Bunt, Leise gegen Laut und Fromm gegen Links. Der jährliche „Marsch für das Leben“ zog nicht nur tausende Christen in die Hauptstadt, um gegen Schwangerschaftsabbrüche zu demonstrieren. Vor dem Berliner Hauptbahnhof warben sie mit grünen Luftballons und Plakaten mit Slogans wie „Verantwortung statt Abtreibung“ oder „Willkommenskultur auch für Ungeborene“ für ihr Anliegen.

„Rauchbombe gezündet“

Auch zahlreiche Gegendemonstranten hatten sich auf den Weg gemacht, um die Veranstaltung zu stören. Mit bunten Perücken, lauter Musik und Trillerpfeifen machten sie rund um den Bahnhofsvorplatz auf sich aufmerksam. Auf mitgebrachten Plakaten zeigten sie Sprüche wie „Die Deutschen sterben aus, wir klatschen Applaus“ oder warben für mehr Feminismus. Immer wieder skandierten sie „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ oder hielten Kleiderbügel in die Höhe, um an Frauen zu erinnern, die selbige nutzen, um Schwangerschaften selbst zu beenden, wenn die Gesetzeslage anderes verbietet – und dabei nicht nur ihr Kind, sondern auch sich selbst gefährden. Sie mischten sich auch unter die Lebensschützer und zündeten inmitten der Demonstranten eine Rauchbombe.

Bevor die Lebensschützer zu einem mehrere Kilometer langen Schweigemarsch durch die Innenstadt aufbrachen, lobte die Vorsitzende des Veranstalters Bundesverband Lebensrecht, Alexandra Lindner, bei einer Kundgebung die Demonstranten: „Gerade in diesem Jahr ist es sehr wichtig, dass ihr hier seid.“ Damit spielte sie auf die neu aufgekommene Debatte zum Werbeverbot für Abtreibungen an. Über den entsprechenden Paragrafen 219a diskutieren derzeit die Bundespolitiker. Union und AfD setzen sich für den Erhalt ein, SPD, FDP, Linke und Grüne werben für eine Abschaffung oder Neuregelung.

Der aktuelle Konflikt war auch Thema des „Marschs für das Leben“, zu dem in diesem Jahr laut Veranstaltern 5.500 Teilnehmer gekommen waren. Luftballons trugen die Aufschrift „Ja zum 219a“, die Gegenseite trug Plakate mit dem Aufruf „Weg mit 219a“ und forderte zugleich eine gänzliche Abschaffung des Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen. Denn in Deutschland wird Abtreibung nur geduldet und ist laut Gesetz nur unter bestimmten Bedingungen straffrei, etwa, wenn zuvor eine Schwangerschaftskonfliktberatung stattgefunden hat.

„Wir sind Frauenrechtler“

Gegenüber Journalisten sagte Lebensschützerin Lindner: „Wir sind Frauenrechtler.“ Denn auch Frauen litten unter Abtreibungen. Schwangerschaftsabbrüche zuzulassen, bedeute „Kapitulation“. Stattdessen müssten Frauen in schwierigen Lagen unterstützt und ermutigt werden.

Während sich die Evangelische Kirche in Berlin erneut nicht am „Marsch für das Leben“ beteiligte, sendete Reinhard Kardinal Marx ein Grußwort für die Deutsche Bischofskonferenz, in dem er den Lebensschützern Gottes Segen wünschte. Neben Volker Kauder (CDU) übermittelte auch Johannes Singhammer (CSU) Grüße. Schriftlich ließ er mitteilen, die Abschaffung des Paragrafen 219a sei ein „falscher Weg“, und weiter: „Deutschland braucht keine Werbung für Abtreibungen sondern Werbung für das Leben.“

Neben Vertretern der Deutschen Evangelischen Allianz wie dem Vorsitzenden Ekkehart Vetter und Generalsekretär Hartmut Steeb nahmen auch die Journalistin Birgit Kelle und ihr Kollege Martin Lohmann an der Demonstration teil. Der evangelische Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit predigte beim Ökumenischen Abschlussgottesdienst. Grüße ließen auch der sächsische Landesbischof Carsten Rentzing sowie sein Württemberger Kollege Frank Ottfried July übermitteln.

Von: Anna Lutz

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Sat, 22 Sep 2018 17:28:00 +0200
<![CDATA[Spiegel-Titel über katholische Missbrauchsskandale]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/09/22/spiegel-titel-ueber-katholische-missbrauchsskandale/ Unter der Titelüberschrift „Du sollst nicht lügen“ analysiert das Wochenmagazin Der Spiegel den Umgang der Katholischen Kirche mit Missbrauchsfällen durch seine Seelsorger. Anlass ist die baldige Veröffentlichung einer Studie von der Deutschen Bischofskonferenz zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen in der Katholischen Kirche in Deutschland. Kritik erfährt im Artikel vor allem Papst Franziskus, der „häufig zur Unzeit spricht, in wichtigen Momenten hingegen schweigt“. Der Spiegel beschwört im Umgang mit der in Auszügen selbst vorab veröffentlichten Studie einen „Bürgerkrieg der Gläubigen“. Das Magazin will einen Graben zwischen „konservativen Franziskus-Gegnern und progressiven Befürwortern“ ausgemacht haben.

Es werden in der Titelgeschichte Bischöfe zitiert, die namentlich nicht genannt werden wollen und den Papst anfeinden. Bei der Reise zu Missbrauchsopfern besuchten Spiegel-Reporter Pennsylvania, Argentinien und das Erzbistum von München und Freising. Im Heimatland von Papst Franziskus sprachen sie mit dem Opferanwalt Juan Pablo Gallego, der dem Papst vorwirft, früher Sexualstraftäter in der Kirche geschützt zu haben.

„Drohende Gottesfinsternis“

Der Spiegel kritisiert den Papst dafür, gerade Männer um sich zu versammeln, die für das stehen, was er in seinen Predigten als verwerflich anklagt. Genauer schildert die Titelgeschichte auch die Vergehen von Priestern in sechs amerikanischen Diözesen. Erzbischof Georg Gänswein, der Präfekt des päpstlichen Haushaltes ist, wird am Ende der Titelgeschichte zum Ist-Zustand der Katholischen Kirche zitiert: Er sehe eine „wahrhaft endzeitliche Krise“ heraufziehen, „eine große Flut, die das christliche Abendland überschwemmt“. Er spricht von einer „drohenden Gottesfinsternis, vor der wir weltweit erschrecken“.

Als ergänzende Geschichte schreibt das Wochenmagazin über einen Missbrauchsskandal im katholischen Aloisiuskolleg in Bad Godesberg, der vor acht Jahren aufgedeckt wurde. Es habe dort seit den 1950er-Jahren sexuelle Handlungen von Geistlichen und Mitarbeitern gegenüber den Schülern gegeben. Das von Jesuiten geführte Internat musste demnach zu diesem Schuljahr den Betrieb einstellen. Auf der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vom 24. bis 27. September in Fulda wird die Studie zu sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland vorgestellt. Ihr Titel lautet: „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“.

Von: Michael Müller

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Sat, 22 Sep 2018 11:07:00 +0200
<![CDATA[EKD will Anlaufstelle für Missbrauchsopfer einrichten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/21/ekd-will-anlaufstelle-fuer-missbrauchsopfer-einrichten/ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will eine zentrale Anlaufstelle für Opfer von sexuellem Missbrauch innerhalb der Landeskirchen einrichten. Nach Angaben der Zeitung Die Welt hat das die Kirchenkonferenz der EKD in Hannover beschlossen. Demnach soll die Anlaufstelle dem Wunsch von Opfervertretern gemäß unabhängig von kirchlichen Strukturen sein. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Freitag zufolge plant die EKD derzeit keine Studie über sexuellen Missbrauch, wie dies die Deutsche Bischofskonferenz getan hat.

Nach Einschätzung des Ratsvorsitzenden der EKD, des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm, müsse „jede Institution, auch Sportvereine und andere nicht-religiöse Vereinigungen, in ihrer eigenen Organisation die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um Kinder, Jugendliche und andere Schutzbedürftige vor sexueller Gewalt zu schützen“. Das berichtet Domradio am Donnerstag unter Berufung auf die Katholische Nachrichten-Agentur. Dem zufolge nimmt Bedford-Strohm derzeit keine schädlichen Auswirkungen des Missbrauchsskandals in der Katholischen auf die Evangelische Kirche wahr. „Das Entsetzen darüber, dass in einer Institution, die sich auf Jesus Christus beruft, der die personifizierte Liebe Gottes ist“, derlei Dinge geschehen konnten, teile man mit der Katholischen Kirche.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 21 Sep 2018 17:34:00 +0200
<![CDATA[Angriffe auf Journalisten gestiegen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/09/21/angriffe-auf-journalisten-gestiegen/ Gewalt gegen Medienvertreter: 22 Angriffe auf Journalisten gab es bis Mitte August dieses Jahres in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des „European Centre for Press and Media Freedom“ (ECPMF) in Leipzig. Damit ist seit 2015 ein neuer Höchststand erreicht.

Einen Negativrekord stellte eine Demonstration in Chemnitz am 1. September auf. An diesem Tag wurden neun Angriffe auf Journalisten registriert. Die Angreifer spuckten, schlugen und griffen die Medienvertreter teils mit Waffen an.

Weniger Konfrontationen – weniger Angriffe

Mehr Übergriffe gab es nur 2015. Damals wurden 43 Angriffe auf Journalisten gezählt. 2016 gab es laut der Statistik 19 Angriffe und 2017 nur fünf. Das 2015 gegründete ECPMF beobachtet die Einhaltung der europäischen Pressefreiheit-Charta. Seit seiner Gründung führt es auch eine Statistik über Angriffe auf Journalisten.

Dass es in den vergangenen Jahren weniger Angriffe gab, führen die Autoren der Studie nicht auf ein geringeres Gewaltpotential zurück, sondern auf weniger Konfrontationen. Die Übergriffe ständen größtenteils im Zusammenhang mit rechtspopulistischen und rechtsradikalen Versammlungen, von denen es in diesen Jahren weniger gegeben habe.

„Lügenpresse“ ist schuld

Den unrühmlichen Spitzenplatz in der Statistik nimmt Sachsen ein. Von den 22 gezählten Angriffen in diesem Jahr passierten allein 13 im Freistaat. An zweiter Stelle steht Sachsen-Anhalt mit vier Übergriffen. Insgesamt zählte das ECPMF in den vergangenen vier Jahren 89 Fälle.

Die Ursache für die vermehrten Angriffe sehen die Autoren zum Beispiel in den „Lügenpresse“-Rufen, die auf rechtsgerichteten Demonstrationen vorkommen. Diese Rufe senkten die Hemmschwelle der Demonstranten, so dass sich mehr Personen zu Gewalttaten hinreißen ließen.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, beschäftigt sich auch der Deutsche Presserat mit der Situation. Er schaltete sich zusammen mit Holger Stahlknecht, dem Vorsitzenden der Bundesinnenministerkonferenz, in die Debatte ein: „Die Pressefreiheit gilt immer und überall. Die Polizei sollte Journalisten, wenn es die Lage erforderlich macht, bei Ausübung ihres Berufs schützen, denn ihre Arbeit ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie.“

Von: Tobias Schneider

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Fri, 21 Sep 2018 16:08:00 +0200
<![CDATA[Spahn: Für keinen Skandal zu schade]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/09/21/spahn-fuer-keinen-skandal-zu-schade/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Man muss Jens Spahn und vor allem seine politische Linie nicht mögen. Der CDU-Politiker hat lange Zeit seiner Karriere darauf verwendet, sich an der Grenze zum Unsagbaren zu bewegen, hat Muslime, Linke und Hartz IV-Empfänger abgewatscht, selten an Kanzlerinnenkritik gespart und sich zum letzten echten Konservativen in den ersten Reihen der Union hochstilisiert. Soweit das politische Geschäft. Erlaubt ist in der Regel, was Quote bringt und am Ende hat es Spahn, der nebenbei auch noch überaus fleißig sein soll, einen Ministerposten eingebracht.

Doch es brachte ihm darüber hinaus eine Menge Feinde. Solche, die T-Shirts tragen, auf denen steht: „Lebe so, dass Jens Spahn etwas dagegen hätte“. Solche, die in den obersten Sphären der Politik und der Redaktionsstuben sitzen. Und solche, die gerne im Netz Stimmung machen. So ist zu erklären, was sich derzeit rund um den Gesundheitsminister in sozialen Netzwerken abspielt. Es entbehrt jeglicher journalistischen Ethik, jeglichem guten Geschmack und jeglicher Fairness.

Mit Absicht falsch verstanden

Was war geschehen? In einem Interview der Augsburger Allgemeinen sagte Spahn zum derzeit heiß diskutierten Thema Pflege und Fachkräftemangel: „Obwohl wir mit über 120.000 Auszubildenden in der Pflege eine neue Rekordzahl erreicht haben, finden sie auf dem Arbeitsmarkt kaum Personal. Außerdem haben viele Beschäftigte in Heimen und ambulanten Diensten ihre Stundenzahl reduziert, sodass wir auch ein Auge auf die Arbeitsbedingungen werfen müssen. Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen.“

Daran gibt es kaum etwas falsch zu verstehen. Der Gesundheitsminister will die Arbeitsbedingungen für Pflegepersonal verbessert sehen, und zwar mit dem Ziel, dass selbige wieder dazu bereit sind, Vollzeit zu arbeiten. Das passt im Übrigen auch zu seinem bisherigen politischen Vorgehen in Sachen Pflege. Mit einem Aktionsplan kündigte der Minister bereits vor einigen Monaten an, neue Stellen schaffen und mehr Geld zur Verfügung stellen zu wollen. Zwar kritisierten politische Gegner die Maßnahmen als zu klein gedacht. Insgesamt aber blieb zumindest der Eindruck, dass Spahn den Pflegekräften in Deutschland nicht gerade an den Kragen will.

Am Donnerstag aber waren Facebook und Co. geflutet mit Memes und Kommentaren, die Spahn für einen kleinen Teil seiner Aussage – völlig aus dem Zusammenhang gerissen und Sinn verfälschend – zur Rechenschaft zogen. Zitiert wurde plötzlich nur noch der Satz: „Wenn von einer Million Pflegekräften 100.000 nur drei, vier Stunden mehr pro Woche arbeiten würden, wäre schon viel gewonnen.“ Die Satiresendung Heute-Show des ZDF schickte ein Foto des Ministers mit dem verkürzten Zitat ins Rennen, dazu den Satz „Wenn Jens Spahn nur drei bis vier Stunden pro Woche weniger nachdenken würde, blieben uns viele beschissene Ideen erspart".

Das Portal Bento, das sich durchaus als journalistische Plattform versteht, ließ sich dazu hinreißen, neben einem unvorteilhaften Bild des Politikers zu titeln: „Jens Spahn will, dass Pflegerinnen und Pfleger mehr arbeiten – so reagieren sie“. Und das, obwohl sogar im Text selbst erklärt wird, was Spahn im ganzen Zusammenhang sagte. Hier ist also nicht einmal Affekt oder Unwissenheit zu unterstellen. Manche Medienmacher in Deutschland sind sich offenbar für keine Effekthascherei zu schade - und da kommt ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz eines ohnehin umstrittenen Politikers gerade recht. Auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) oder Spiegel Online verbreiteten die Nachricht um Spahn mit dem fragwürdigen Dreh. Dpa korrigierte immerhin später. Die Wirkung blieb nicht aus, seit Donnerstag tobt ein Shitstorm, der sogar Spahn selbst dazu gebracht hat, seine Aussage mehrmals klarzustellen. Ohne großen Erfolg, versteht sich.

Dieser Tage wird zu Recht viel über Politikverdrossenheit diskutiert. Viele Journalisten kommentierten die Geschehnisse um Verfassungsschutz, Chemnitz, Maaßen, Merkel, Nahles und Seehofer vernichtend, und das zu Recht. Doch wie können Journalisten der Politik vorwerfen, sie fördere Politikverdruss, und es selbst für ihre Branche kein bisschen besser machen? Ein Teil des Landes schreit (meist zu Unrecht) „Lügenpresse“ und Medienmacher verbreiten eine Überschrift, die die Wahrheit verfälscht. Der 20. September war ein Tag, der all jenen Recht gab, die den Medien vorwerfen, sie bögen die Wahrheit immer in ihre Richtung. Das untergräbt nicht nur die Profession an sich, es behindert den demokratischen Prozess, zu dem die Meinungsbildung via Medien gehört. Das können weder Spahn-Fans noch Spahn-Kritiker wollen.

Von: Anna Lutz

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Fri, 21 Sep 2018 15:27:00 +0200
<![CDATA[Sänger von „Twenty One Pilots“: „Gott ist mir wichtig"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2018/09/21/saenger-von-twenty-one-pilots-gott-ist-mir-wichtig/ Das Duo „Twenty One Pilots“ besteht aus Tyler Robert Joseph und Joshua William Dun. Es wurde im Jahr 2009 gegründet, und für seinen bekanntesten Hit „Stressed Out“ bekam es 2017 einen Grammy. Im Oktober soll das neue Album „Trench“ herauskommen, nachdem man ein Jahr lang kaum etwas von den Musikern hörte. Die neuen Songs „Jumpsuit“ und „Nico And The Niners“ kündigen das Album an, das am 5. Oktober erscheint.

In einem Interview mit dem Radiosender Beats 1, der zum Apple-Konzern gehört, sagte Joseph, dass er dank Gott zu sich selbst gefunden habe. Für Joseph sei die einjährige Pause notwenig gewesen, um wieder zu sich selbst zu finden und für seine Fans auf der Bühne sowie im Studio alles geben zu können. „Mein Glaube spielt bei jedem Prozess des Schreibens eine Rolle“, sagte der Musiker.

Seine Eltern hätten zunächst beide nicht viel mit Religion zu tun gehabt, aber als Studenten seien sie Christen geworden. „Als sie heirateten und eine Familie gründeten, wollten sie ihre Kinder im Glauben erziehen.“ Joseph fügt hinzu: „Was ich selbst glaube, unterscheidet sich sehr von dem, was sie glauben. Aber mein Glaube unterscheidet sich ohnehin von dem anderer Menschen. Aber das macht meinen Glauben nur stärker.“ In seiner Musik drücke er die Fragen aus, die er habe. „Und das finden meine Eltern richtig gut. Mein Glaube spielt immer eine wichtige Rolle in meiner Musik.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 21 Sep 2018 15:18:00 +0200
<![CDATA[Bündnis fordert Anti-Mobbing-Gesetz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/09/21/buendnis-fordert-anti-mobbing-gesetz/ Ein Drittel aller Deutschen, Österreicher und Schweizer wurde schon einmal gemobbt. Knapp jeder Zehnte war bereits Opfer von Cybermobbing. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Vereins „Bündnis gegen Cybermobbing", die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach hat sich die Zahl der Opfer im Vergleich zu einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2014 leicht erhöht.

Das „Bündnis gegen Cybermobbing“ fordert deshalb ein Präventionsangebot in Schulen und Informationsstellen in Unternehmen. Außerdem wünscht sich der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Uwe Leest, ein Anti-Mobbing-Gesetz. Zwar seien die Straftatbestände bereits durch andere Gesetze abgedeckt. Es brauche aber ein eigenes Regelpaket zum Thema, „um ein Zeichen zu setzen“.

Cybermobbing löst analoges Mobbing ab

Laut Leest verlagert sich das Mobbing zunehmend vom analogen in den digitalen Bereich. Es sei leichter, jemanden via Smartphone anzugreifen, als direkt, sagte er. 60 Prozent der Befragten gaben an, am Arbeitsplatz gemobbt worden zu sein, das sind 15 Prozent weniger als vier Jahre zuvor. Die Zahl der Cybermobbingvorfälle mit Bezug zur Arbeit haben hingegen um 12 Prozent zugenommen. Knapp über die Hälfte der Befragten gab an, so etwas schon erlebt zu haben.

Für die Erhebung haben Forscher im Juli mehr als 4.000 Erwachsene in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab 18 Jahren online befragt. Daraus ergab sich auch, dass Frauen besonders häufig angaben, Opfer von Mobbing geworden zu sein, anderthalb mal so häufig wie Männer. Besonders betroffen sind außerdem 18- bis 30-Jährige, ein Ergebnis, das Leest auf die zunehmende Nutzung sozialer Medien und digitaler Geräte in dieser Gruppe zurückführt.

Beschimpfungen, Hänseln, Lügen

Die häufigsten Formen des Mobbings seien Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt vom Hänseln oder Lügen verbreiten. Viele Opfer macht das traurig und ängstlich. Knapp die Hälfte gab an, depressiv zu sein, betrachtet man die Cybermobbing-Fälle gesondert, bezeichnete sich rund ein Drittel der Opfer als depressiv. 12 beziehungsweise 13 Prozent sagten, sie seien selbstmordgefährdet.

Der Psychologe und Vereinsmitglied beim Bündnis, Daniel Süß, sagte, wenn es um Cybermobbing gehe, seien die Effekte auf das Leben der Betroffenen oft noch stärker. Die Opfer fühlten sich hilfloser und könnten sich dem Mobbing nur schwer entziehen.

Von: Anna Lutz

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Fri, 21 Sep 2018 14:17:00 +0200
<![CDATA[Antisemitismusbeauftragter fordert Absage kirchlicher Nahostkonferenz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/09/21/antisemitismusbeauftragter-fordert-absage-kirchlicher-nahostkonferenz/ In der Evangelischen Akademie Bad Boll wollen die Besucher auf einer Konferenz über den „Aufbruch zu einem konstruktiven Miteinander“ von Israel und Palästinensern diskutieren. Ein Großteil der Diskutanten steht der ideologisch oder organisatorisch als antisemitisch geltenden Israel-Boykott-Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) nahe. Das erhitzt die Gemüter.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, appelliert laut Tageszeitung Die Welt an die Leitung der Evangelischen Landeskirche Württemberg, „auf eine Absage oder die Erstellung einer Neukonzeption der Tagung hinzuwirken“. Eine kritische Auseinandersetzung mit der israelischen Politik dürfe sein. „Aber wenn dabei antisemitische Narrative verwendet werden, sollte das unseren Widerstand hervorrufen“, zitiert ihn die Zeitung.

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, erklärt am Freitag: „Die Situation in Israel und den palästinensischen Autonomie-Gebieten erfordert kontinuierliche Arbeit an einer guten Lösung, dazu gehört, auf beiden Seiten diejenigen zu stärken, die auf geduldige Dialoge und gewaltfreie Lösungen setzen. Das Ansinnen und Vorgehen der BDS-Bewegung lehnt die Evangelische Landeskirche in Württemberg ab.“

„Rote Linie überschritten“

Auch der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete und heutige Dozent am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Ruhr-Universität Bochum, Volker Beck, ist empört. Diese Veranstaltung mache den BDS hoffähig. Die christliche Einrichtung dürfe sich nicht vor den Karren anderer spannen lassen. „In Bad Boll wurde eine rote Linie überschritten“, sagt Beck in der Jüdischen Allgemeinen.

Die Leitungsorgane der Kirche müssten Klarheit schaffen und ihre Linie dann durchsetzen. Die BDS-Bewegung bezeichnet Beck als „politisches Chamäleon“. Während die Organisation Menschen verfolge und bedränge, habe sie kein Problem damit, „in Putins Diktatur aufzuspielen“.

Verzerrung der historischen Wirklichkeit

Auf der Tagung soll auch die umstrittene „Nakba-Ausstellung“ gezeigt werden. Die Wanderausstellung thematisiert die Flucht und Vertreibung von Arabern während der Staatsgründung Israels. Kritiker sehen in dem Wort „Nakba“ („Katastrophe“) einen Kampfbegriff, der Israel dämonisiere und die historische Wirklichkeit der Ereignisse verzerre.

Kritik gibt es unter anderem an der eingeladenen Rednerin und Linken-Politikerin Annette Groth. Sie war 2010 als Passagierin auf der Gaza-Flottille mit der „Mavi Marmara“. Die Schiffe wollten die israelische Seeblockade zum Gazastreifen durchbrechen. Ebenfalls mitdiskutieren wird ihre Parteifreundin Christine Buchholz. Sie hatte sich 2010 geweigert, sich im Bundestag für den damaligen israelischen Präsidenten Schimon Peres zu erheben.

Zu den Referenten gehört auch der Psychologe Rolf Verleger. Er hatte den Angriff auf einen Kippa-Träger in Berlin mit den Worten kommentiert: „Wenn man mit diesem nationalistischen Symbol vor Opfern des israelischen Nationalismus und ihren Freunden herumläuft, dann ist das leider ein Risiko.“ Laut der Zeitung Die Welt fehlen Menschen, die eine dezidiert pro-israelische Position einnehmen. Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume hat den Auftrag der Landesregierung, auf der Tagung BDS zurückzuweisen. Eine klare Position gegen die Boykottbewegung wünsche er sich auch von Kirchen und Akademien.

DIG weiß von nichts

Die Jüdische Allgemeine zitiert den Akademieleiter Jörg Hübner, der „alles versucht habe“, Vertreter der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) für den Diskurs zu gewinnen. Allerdings sind dem Bundesgeschäftsführer Hellmut Königshaus der DIG solche Anfragen nicht bekannt. Die Evangelische Akademie ist Teil der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Bereits 2010 hatte die Tagung für Empörung gesorgt, als ein Minister der palästinensischen Terrororganisation Hamas eingeladen war. Nach heftigen Protesten wurde die Einladung zurückgezogen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 21 Sep 2018 12:38:00 +0200
<![CDATA[Dänische Regierung will mehr Christliches in den Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/20/daenische-regierung-will-mehr-christliches-in-den-medien/ Bereits im Frühjahr hatte die dänische Regierung bekanntgegeben, dass sie die Rundfunkgebühren abschaffen wolle. „Danmarks Radio“, das dänische öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen, solle in Zukunft aus dem Staatshaushalt bezahlt werden. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel im März meldete, sollen dafür Steuerfreibeträge gesenkt werden.

Nun gab „Danmarks Radio“ bekannt, wie der damit zusammenhängende Sparplan umgesetzt werden soll. Das Budget des Senders wird in den nächsten fünf Jahren um 20 Prozent gekürzt. Die Tageszeitung taz meldete, dass jährlich umgerechnet 56 Millionen Euro eingespart werden sollen. Dafür werden 400 Stellen, sowie jeweils drei Fernseh- und Radiokanäle wegfallen.

Fokus auf christliches Erbe

„Statt mit dem Rasenmäher das gesamte Budget gleichmäßig zu kappen, haben wir versucht zu priorisieren“, betonte Generaldirektorin Maria Rørbye Rønn. Gekürzt wurde vor allem beim Sport und der Unterhaltung. Außerdem sollen weniger ausländische Filme und Serien eingekauft werden. Auch beim Internetangebot wird gekürzt. Der Sender muss nun darauf verzichten, Themen im Internet zu vertiefen.

Das dänische Kultusministerium gab gleichzeitig auch die neuen Programmrichtlinien bekannt. Die verbleibenden fünf Radiokanäle sollen in Zukunft zu 48 Prozent dänische Musik spielen. Das Kulturangebot des Senders soll sich mehr auf das dänische und christliche Erbe fokussieren.

Scharfe Kritik von Opposition und Journalisten

Die Einsparungen sind im neuen Medienabkommen, dem dänischen Rundfunkstaatsvertrag, festgeschrieben. Das Abkommen wird alle vier Jahre ausgehandelt und wurde diesmal nur von der Regierungspartei und der Dänischen Volkspartei getragen.

Die Opposition nannte die Änderungen laut Deutschlandfunk „beunruhigend und ausgrenzend“. Der Vorsitzende des dänischen Journalistenverbandes Lars Werge sagte: „Es mag dramatisch klingen, aber das ist der erste kleine Schritt auf dem Weg in eine Gesellschaft, in der die Politik verschärfte Forderungen an die Medien stellt. Dieses Abkommen beschützt die Pressefreiheit in Dänemark nicht.“

Für die dänische Tageszeitung Der Nordschleswiger geht das neue Medienabkommen zu nah an die Redaktionsarbeit. Sie zitiert Morten Ostergaard von der sozialliberalen Oppostionspartei Radikale Venstre: „Das ist ein beunruhigender Schritt, der am Vertrauen der Dänen in unabhängige und freie Medien rüttelt.“

Von: Tobias Schneider

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Thu, 20 Sep 2018 17:47:00 +0200
<![CDATA[„Journalisten sind Anarchisten“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/09/20/journalisten-sind-anarchisten/ Hannes Stein verteidigt den Berufsstand der Journalisten. In einem Essay unter dem Titel „Ein nobler Beruf" trat Stein am Donnerstag zur Ehrenrettung des Journalismus an. Das Ansehen der Presse und deren Mitarbeiter sei immer schon gering gewesen, schreibt er in der Tageszeitung Die Welt. „Auf die besseren Partys werden wir nicht eingeladen", stellt der Autor fest.

Stein führt ein Zitat des kambodschanischen Diktators Hun ins Feld, der im Hinblick auf unabhängige Journalisten gesagt hat: „Donald Trump hat verstanden, dass es sich hier um eine anarchistische Gruppierung handelt." Das sei wahr, erkennt Stein an und schreibt: „Journalisten sind wirklich Anarchisten: Sie lehnen jede Herrschaft von Menschen über Menschen ab, die sich der demokratischen Kontrolle entzieht." Stein stellt jedoch klar: „Journalismus ist ein nobler Beruf." Der Berufsstand sei seit 200 Jahren damit beschäftigt, „die Wahrheit über Tyrannen und Päpste jeder Couleur und Größenordnung herauszufinden und zu verbreiten".

Journalisten bezeichnet Stein als „Enkel der Aufklärung", die gefeuert würden, wenn sie Fake News ausstreuten und somit bewusst die Unwahrheit verbreiteten. „Glaubt jemand allen Ernstes, eine Zeitung, die sich auf dem freien Markt der Waren und Ideen behaupten will, könnte sich erlauben, ständig Lügengeschichten zu drucken?", fragt Stein. Der Autor bekennt, dass Journalisten irren und Fehler machen. Allerdings würde Journalisten von Kritikern jeder Fehler „ungnädig unter die Nase gerieben, als ob sich eine böse Absicht dahinter verberge", schreibt der Welt-Autor. Dabei verübelten die Kritiker den Journalisten, dass sie keine Hellseher seien.

Stein schreibt, dass Journalisten zu einer besseren Welt beitragen. Etwa indem sie bei Kriegshandlungen „mit ihren Kameras, ihren Mikrofonen, ihren Schreibblöcken jede Schandtat sofort dokumentieren" und damit öffentlich machten. All jene die Journalisten verachten, müssten sich die Frage gefallen lassen: „Möchten sie ernsthaft in einer Welt ohne Journalismus leben?"

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 20 Sep 2018 16:37:00 +0200
<![CDATA[Diese TV- und Radiobeiträge gefallen der Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/20/diese-tv-und-radiobeitraege-gefallen-der-kirche/ Was haben ein TV-Drama zur tödlichen Love-Parade-Tragödie, ein Hörspiel über „Umsiedler“ und eine Story über Jugendliche, die im Doppeldeckerbus erkunden wollen, was typisch deutsch ist, gemeinsam? Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeichnet die Beiträge mit ihrem Medienpreis „Robert Geisendörfer Preis für Hörfunk- und Fernsehproduktionen“ aus. Die Auszeichnung ehrt dieses Jahr zum 35. Mal Medienschaffende und ist insgesamt mit 30.000 Euro dotiert.

Die EKD zeichnet mit dem „Robert Geisendörfer Preis“ Sendungen aus allen Programmsparten aus, „die das persönliche und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken, zum guten Miteinander von Einzelnen, Gruppen, Völkern und zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beitragen“. Am 16. Oktober verleiht die Evangelische Kirche ihn in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk in München.

Schöpfung bewahren durch Aufdeckung organisierten Verbrechens

In der Kategorie „Allgemeine Programme“ prämiert die Jury unter der Leitung des Vorsitzenden, Kirchenpräsident Volker Jung, unter anderem die TV-Produktion „Das Leben danach“ des WDR von Eva und Volker A. Zahn (Autoren) und Nicole Weegmann (Regie). Dier Spielfilm erzählt eine fiktive Geschichte der realen Tragödie der Duisburger Love Parade. Laut Jury vermittelt er: „Genauso könnte es gewesen sein. Der Film ist ein hochkomplexes Trauerdrama, das sich konsequent mit den Folgen von Schuldgefühlen und der Frage von Schuld auseinandersetzt, ganz nebenbei die institutionalisierten Bewältigungsversuche aufs Korn nimmt und am Ende des Tunnels vielleicht sogar die Möglichkeit des Verzeihens andeutet.“

Autor und Regisseur Christian Gramstadt erhält für sein Fernsehstück „Das Gift der Mafia. Und das europäische Gesetz des Schweigens“ einen Preis. Die Dokumentation sei „spannend wie ein Wirtschaftskrimi“. Es geht um ein Netzwerk der illegalen Giftmüllentsorgung, das sich quer durch Europa ziehe. „Bewahrung der Schöpfung geschieht hier durch die Aufdeckung und Bekämpfung organisierten Verbrechens“, erklären die Juroren.

„Lauter liebe Worte“ des Autoren Karlheinz Koinegg und des Regisseurs Martin Zylka wird als Hörfunkbeitrag ausgezeichnet. Das Hörspiel handelt von einem Mann, dessen Vater sich umbrachte, als er neun Jahre alt war. Es ist die Geschichte des Autoren selbst. Für das Stück reist er zurück in seine Kindheit ins Duisburger Stahlarbeitermilieu. Er spricht mit Angehörigen und Fachleuten, sucht Arztbriefe, findet Ratlosigkeit und überall „lauter liebe Worte“ für seinen Vater. „Dass Koinegg trotz der persönlichen Betroffenheit eine versöhnliche Sicht auf das Vergangene gelingt, macht das Hörstück besonders wertvoll“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Jugendliche erforschen, was typisch deutsch ist

In derselben Kategorie ehrt die Kirche „Die Umsiedler“ nach dem gleichnamigen Kurzroman des deutschen Schriftstellers Arno Schmidt. Autorin Anna Pein und Regisseur Oliver Sturm hätten „ein sehr beeindruckendes Hörspiel gemacht, das durch einen überzeugenden Kunstgriff, die Einarbeitung von Tondokumenten aus den frühen 50er Jahren, eine ungeahnte Aktualität erhält“. Historisch habe die damalige Situation nicht viel gemein mit der heutigen Flüchtlingsthematik, aber der Grundkonflikt der Integration des „Fremden“ in die vertraute „heimatliche Kultur“ lade laut Jury „zur Analogiebildung“ ein.

Einer der beiden Kinderfernsehpreise geht an die Sendung „Planet Willi – Die Sendung mit dem Elefanten“, den der WDR für den Kinderkanal gemacht hat. Der Film beschreibt das Leben einer Familie mit einem Jungen, der das Down-Syndrom hat. „Planet Willi“ sei das perfekte Beispiel für „die Kunst, ein anspruchsvolles Thema in schlüssige Bilder zu übersetzen“. Die ZDF-Produktion „Stadt, Land, Bus – Der Goldene Tabaluga“ erhält den anderen Preis aus der Kategorie „Kinderprogramme“. Pfarrer Bernd Merz leitet die entsprechende Jury. In der Produktion sollen fünf Jugendliche herausfinden, was typisch deutsch ist, und reisen dafür in einem zum Wohnmobil umgerüsteten Doppeldeckerbus durch ihre Heimat. „Ihre gegenseitige Wertschätzung trägt enorm zu dem positiven Lebensgefühl bei, das ,Stadt, Land, Bus‘ vermittelt“, lobt die Jury.

Der Sonderpreis der Jury 2018 für „exemplarische publizistische oder künstlerische Leistungen“ geht an Bettina Rühl. Sie ist freie Hörfunkkorrespondentin und wird für ihre „herausragende, unermüdliche und jahrelange Berichterstattung aus und über Afrika“ geehrt. Die Jury erläutert, Rühl gebe sich nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden, sondern forsche unvoreingenommen nach den Gründen von Gewalt. Sie analysiere scharf und zeichne „differenzierte Bilder, die frei von Pathos und Klischees das Leben in Afrika darstellen“. Die Korrespondentin erinnere im Radio „unermüdlich an den ,vergessenen Kontinent‘ und hilft, das meist ziemlich vage Bild von Afrika zu konturieren und zu korrigieren“.

Von: Martina Blatt

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Thu, 20 Sep 2018 14:39:00 +0200
<![CDATA[Unabhängige Kommission prüft Vorwürfe gegen Bill Hybels]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/20/unabhaengige-kommission-prueft-vorwuerfe-gegen-bill-hybels/ Im März hatten erstmals mehrere Frauen berichtet, dass sie Bill Hybels, der Gründungspastor der evangelikalen Gemeinde Willow Creek mit Sitz in South Barrington bei Chicago, sexuell belästigt habe. Im April legte Bill Hybels sein Amt als leitender Pastor der Megachurch nieder. Im August traten dann sowohl der Ältestenkreis der Gemeinde als auch deren leitende Pastorin Heather Larson zurück. Sie erklärten, die Vorwürfe gegenüber Hybels nicht ernst genug genommen zu haben. Insgesamt haben zehn Frauen Anschuldigungen sexuellen Fehlverhaltens gegen Hybels erhoben.

Wie der amerikanische Nachrichtenanbieter Religion News Service berichtet, soll nun eine von Willow Creek unabhängige Untersuchungskommission die Anschuldigungen gegen Hybels prüfen. Geleitet wird die Gruppe von der Vizepräsidentin der theologischen Hochschule Wesley Seminary in Marion, Indiana, Jo Anne Lyon, und Leith Anderson, Präsident der Nationalen Vereinigung der Evangelikalen. Des weiteren werden Margaret Diddams, Pröpstin des Wheaton College in Wheaton (Illinois), sowie Gary Walter, ehemaliger Präsident der Evangelical Covenant Church, in der Kommission tätig sein.

Die Gruppe soll aufklären, was an den Anschuldigungen gegenüber Hybels dran ist, und zudem die organisatorische Kultur der Kirche untersuchen und mögliche Empfehlungen für die Zukunft abgeben. Die Mitglieder der Kommission wurden von evangelikalen Geistlichen außerhalb der Willow-Creek-Gemeinde gewählt. Ihre Ergebnisse werden für Anfang des kommenden Jahres erwartet.

Die Leitung von Willow Creek veröffentlichte eine E-Mail mit der Bitte um Gebete für die unabhängige Untersuchungsgruppe.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 20 Sep 2018 14:24:00 +0200
<![CDATA[Kinokarten für „I Can Only Imagine“ gewinnen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/09/20/kinokarten-fuer-i-can-only-imagine-gewinnen/ Der Song „I Can Only Imagine“ (Ich kann es mir nur vorstellen) gehört zu den erfolgreichsten christlichen Pop-Liedern überhaupt. Um die Erfahrung einer Gottesbegegnung geht es in dem Text. Der Sänger der christlichen Band „MercyMe“, Bart Millard, hat das Lied nach dem Krebstod seines Vaters geschrieben. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn war stets schwierig.

Der Film „I Can Only Imagine“ greift die Geschichte hinter dem Lied auf. Mit dabei unter anderem Hollywood-Schauspieler Dennis Quaid in der Rolle von Millards Vater. Auch Oscar-Preisträgerin Cloris Leachman und der Countrysänger Trace Adkins sind dabei.

In Deutschland startet der Film am 27. September in allen großen Kinos. pro verlost drei Fanpakete, bestehend aus dem Buch zum Film und je zwei Kinokarten. Wenn Sie gewinnen wollen, dann schreiben Sie uns bis Sonntag, den 25. September, eine E-Mail an verlosung@pro-medienmagazin.de mit dem Betreff „I Can Only Imagine“ und Ihrer Postadresse. Die Gewinne versenden wir Anfang der kommenden Woche.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 20 Sep 2018 10:58:00 +0200
<![CDATA[Israelische Armee lobt christlichen Einsatz in Syrien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/19/israelische-armee-lobt-christlichen-einsatz-in-syrien/ Muslime in Syrien lernen seit Jahrzehnten, Christen und Juden zu hassen. Umso ungewöhnlicher ist die Zusammenarbeit zwischen einer evangelikalen Organisation und der israelischen Armee, die nur ein Ziel hatte: möglichst viele Menschenleben im syrischen Teil der Golanhöhen zu retten. Fast anderthalb Jahre lang behandelten Christen dort schwerverletzte Kriegsopfer, lebten unter primitiven Umständen – und versetzten die Israelis ins Staunen.

„Am Anfang schien es uns seltsam, dass vernünftige Menschen aus Florida an den gefährlichsten Ort der Welt fahren wollten“, erinnerte sich der Major Marco Moreno im Gespräch mit der israelischen Tageszeitung Yediot Aharonot. „Wir alle dienen in der Armee und bringen uns für den Staat in Gefahr. Aber wenige von uns werden ans Ende der Welt gehen, um jemandem zu helfen, zu dem wir keine Beziehung haben. Wie kommen amerikanische Christen dazu, Muslimen in Syrien zu helfen?“ Doch dann sei den Israelis klar geworden, aus welchem Geist die Christen handelten – und dass sie eine Liebe zu Israel hätten.

Die freiwilligen Helfer gehören zur evangelikalen Organisation „Frontier Alliance International“ (FAI). Bei ihrem Einsatz in Syrien behandelten sie zeitweise täglich bis zu 35 teils schwer verwundete Patienten. Untergebracht waren sie in Blechbaracken. Die Christen unterhielten eine Geburtenstation, kümmerten sich um chronisch Kranke und um Traumapatienten. Die Helfer kamen aus Peru, Brasilien, El Salvador, den USA, Kanada, Australien und Neuseeland.

Zusammenarbeit mit der israelischen Armee als Vorrecht

Die israelische Armee half den Christen, über die Grenze nach Syrien zu gelangen. Die Helfer brachten schwer Verwundete zum Militär, damit die Syrer in israelischen Krankenhäusern behandelt werden konnten. Der Leiter der mittlerweile eingestellten Operation „Gute Nachbarschaft“, Major Sergej Kotikow, lobte die Christen: „Sie haben vor Ort operiert und Leben gerettet. Es war eine interessante und besondere Zusammenarbeit – ein christliches Team, das über eine jüdische Grenze in einen muslimischen Staat kommt.“

Die 44-jährige Neuseeländerin Nicola Walsh leitete das Team der Geburtenstation. Sie hatte durch Freunde von dem Projekt gehört. „Es war beängstigend, aber es fühlte sich an wie das größte Vorrecht in der Welt, eine Gelegenheit, die wenige Menschen haben“, sagte sie der israelischen Zeitung. „Das Ziel war, Kindern und Frauen zu helfen. Es war ein Vorrecht, mit der israelischen Armee zusammenzuarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen.“

FAI-Gründer Dalton Thomas erzählte: „Die Mehrheit unserer Patienten waren Kinder, die schwere Verletzungen erlitten hatten. Ich habe so viele tote und schwer verwundete Kinder gesehen.“ Die Anfänge der Aktion beschrieb er so: „Wir überquerten die israelische Grenze im Golan zum ersten Mal. Keiner wusste, wie es aufgenommen würde, dass eine christliche Organisation über eine jüdische Grenze in ein muslimisches Gebiet kommt.“ Die Syrer in dem Gebiet hätten keine Ärzte gehabt, keine grundlegende medizinische Ausstattung, Strom oder fließendes Wasser. „Israel war ihre grundlegende Lebensader. Es versorgte sie mit Generatoren, Energie, Essen, Medikamenten, mit allen grundlegenden Bedarfsgegenständen. Ohne Israel wäre ihre Lage viel schlimmer.“

Thomas fasste zusammen: „Wir haben Dinge erlebt, die uns für immer verändern werden.“ Persönlich sei es für ihn ein Vorrecht, Teil dieses Projekts zu sein. „Ich danke Israel dafür, dass es mit uns zusammengearbeitet und uns die Grenze geöffnet hat. Die israelischen Soldaten konnten nicht (nach Syrien) hineingehen, aber wir konnten es. Das war eine wunderbare Zusammenarbeit.“ 40 Freiwillige hätten sich bei dem Projekt engagiert, und keiner sei in den Kampfhandlungen verletzt worden.

Internationale Christliche Botschaft beteiligt

In dem Yediot-Aharonot-Artikel heißt es: „Der wichtigen und bewegenden Operation, Leben in Syrien zu retten, schloss sich auch die Internationale Christliche Botschaft in Jerusalem (ICEJ) an, die größte christlich-zionistische Organisation der Welt. Sie finanzierte den Erwerb von medizinischer Ausrüstung und rekrutierte Freiwillige aus ihren Leuten. Eine Krankenschwester, die an der Operation teilnahm, war Debbie Denison, die Frau des stellvertretenden Präsidenten der ICEJ, Barry Denison.“

In der kommenden Woche veranstaltet die ICEJ ihre jährliche Konferenz anlässlich des Laubhüttenfestes Sukkot. „Es handelt sich um die größte christliche Unterstützungsveranstaltung, die im Land abgehalten wird, und es wird erwartet, dass daran 6.000 Christen aus aller Welt teilnehmen werden“, schreibt die israelische Zeitung. Während der Konferenz werden Projektleiter Thomas und der Israeli Moreno von ihren Erfahrungen berichten. ICEJ-Leiter Jürgen Bühler wird im Artikel mit den Worten zitiert: „Wir erklären schon seit Jahren, dass Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten ist, und wir sind stolz darauf, dass es das ein ums andere Mal aller Welt beweist.“

Nach Amputation: Auf dem Esel nach Israel

Ein Syrer im Golan war so schwer am Fuß verletzt, dass er gestorben wäre, wenn ihn eine christliche Ärztin nicht amputiert hätte. Nach der Operation ritt er vier Stunden lang auf einem Esel nach Israel. In der Küstenstadt Naharia nahe der libanesischen Grenze behandelten ihn israelische Ärzte. Er konnte anschließend nach Syrien zurückkehren.

Mittlerweile hat die Armee die Abteilung „Gute Nachbarschaft“, die so viele Hilfsgüter nach Syrien gebracht hatte, geschlossen. Denn in dem Gebiet haben wieder die Truppen von Präsident Baschar al-Assad die Kontrolle. Kokitow merkte an: „Wir haben unsere Hilfe angeboten, aber derzeit gibt es keine Bereitschaft von der anderen Seite, Hilfe zu bekommen. Wir sind bereit, der anderen Seite Hilfe zu gewähren.“

FAI-Gründer Thomas indes ist zuversichtlich, dass der gemeinsame Einsatz nachhaltige Auswirkungen haben wird: „Viele der Menschen, die wir behandelten, hatten noch nie Christen oder Juden getroffen. Sie waren dazu erzogen worden, sie zu hassen, aber Juden und Christen haben sie gerettet.“ Die Organisation wiederum setzt ihren Dienst im Irak fort.

Von: Elisabeth Hausen

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Wed, 19 Sep 2018 18:05:00 +0200
<![CDATA[Aktivisten provozieren mit „Abtreiben macht frei“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/19/aktivisten-provozieren-mit-abtreiben-macht-frei/ In Köln sorgt derzeit ein Plakat von Abtreibungsgegnern für Aufruhr. In der Marienbuchhandlung in der Pipinstraße hängt in einem Schaufenster ein Bild mit der Aufschrift: „Kindermord.org – Abtreiben macht frei“. Die Formulierung stammt von Abtreibungsgegnern und ist eine Anspielung auf das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Über dessen Eingang stand der Satz „Arbeit macht frei“.

Die Gruppe „Rheinisches antifaschistisches Bündnis gegen Antisemitismus“ prangert die Verwendung des Schriftzugs „Abtreiben macht frei“ auf Facebook an. Sie spricht von einer Relativierung des Holocausts.

Die Internetseite Kindermord.org ist auf dem Plakat angegeben. Hinter ihr stehen Abtreibungsgegner der „Mahn- und Gedenkstätte für die im Mutterleib ermordeten Kinder Deutschlands“, wie sie sich auf der Seite nennen.

Derzeit prüft die Kölner Staatsanwaltschaft und die Polizei, inwieweit eine Straftat vorliegt. Die Polizei hatte den Hinweis auf das Plakat auch über den Kurznachrichtendienst Twitter erhalten. Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn erklärte laut Kölner Stadt-Anzeiger einen möglichen Straftatbestand: „Infrage käme zum Beispiel der Straftatbestand der Volksverhetzung in Form einer Verharmlosung des Holocaust.“

Im Hintergrund des Plakates ist der Wiesbadener Südfriedhof zu sehen. Auf dem besagten Friedhof bestattet ein Verein namens Sternengarten gemeinsam mit den trauernden Eltern totgeborene Kinder. In diesem Zuge setzt er auch die Überreste abgetriebener Embryonen bei.

Dass dieser Schriftzug von Abtreibungsgegnern eingesetzt wird, passiert nicht zum ersten Mal. Anfang Juli erhielten Bundestagsabgeordnete eine Einladung für eine „Trauerfeier für im Mutterleib ermordete Kinder“. Wie unter anderem die Frankfurter Rundschau berichtete, war der Absender damals der Vorsitzende der katholisch geprägten Deutschen Zentrumspartei, Gerhard Woitzik. Die Partei setzt sich unter anderem für den Lebensschutz ein. Das Schreiben enthielt auch eine Fotomontage, die den Eingang des Wiesbadener Südfriedhofs zeigt – versehen er mit der Aufschrift „Abtreiben macht frei“.

Die bayerische Grünen-Bundestagsabgeordnete Margarete Bause erstattete daraufhin Anzeige wegen „Volksverhetzung und allen anderen in Betracht kommenden Delikten“. Und auch die Zentrumspartei selbst nahm Abstand zu dem Vergleich: „Das ist eine Geschmacklosigkeit, die wir nicht billigen, von der wir auch keine Kenntnis hatten“, sagte Generalsekretär Christian Otte gegenüber der Rundschau. Zwar stehe seine Partei für den Lebensschutz. „Aber hier sind Grenzen überschritten.“

Von: Martina Blatt

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Wed, 19 Sep 2018 16:42:00 +0200
<![CDATA[Katholischer Dekan fordert freiwilliges Zölibat]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/19/katholischer-dekan-fordert-freiwilliges-zoelibat/ Frankfurts katholischer Stadtdekan Johannes zu Eltz fordert ein freiwilliges Zölibat. „Wir brauchen eine Fakultativstellung des Zölibats für Diözesanpriester“, sagte der Geistliche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Dies schlug er mit Blick auf das Ausmaß sexueller Gewalt in der Katholischen Kirche vor.

Priesterweihe von Frauen „ergebnisoffen“ prüfen

Zudem erklärte zu Eltz der FAZ, dass Frauen sofort „mindestens zum Diakonat zugelassen werden“ sollten. Der Geistliche fügt an, auch eine Priesterweihe für Frauen sei „ergebnisoffen“ zu prüfen.

Am kommenden Dienstag werden Wissenschaftler die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ in Fulda bei der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorstellen. Das Gremium hatte die Erhebung in Auftrag gegeben. Erste Zahlen daraus sind bereits bekannt. Laut Berichten, unter anderem vom Spiegel, haben sich im Zeitraum von 1946 bis 2014 insgesamt 1.670 Geistliche an 3.677 überwiegend männlichen Minderjährigen sexuell vergangen.

„Homophobie der Kirche könnte zu sexuellem Missbrauch beigetragen haben“

Die Studie hinterfragt auch das Zölibat als einen „möglichen Risikofaktor“. „In allen Teilbereichen der Studie ist der Anteil der Beschuldigten unter den Diakonen deutlich niedriger als unter den Priestern – die meisten Diakone leben verheiratet“, schreibt die Süddeutsche Zeitung, der die Erhebung ebenfalls bereits jetzt vorliegt. Jedoch sehen die Wissenschaftler weniger als ein Drittel (14 von 50) der befragten mutmaßlichen Täter als „fixiert pädophil“ an, schreibt die SZ.

Die Mehrheit der Befragten (29 von 50) ordnen die Wissenschaftler einem „regressiven Muster“ zu, das „sich vor allem durch eine fehlende Integration, Verleugnung oder Verdrängung sexueller Bedürfnisse, fehlende sexuelle Reife und soziale Gehemmtheit charakterisieren lässt“, zitiert die SZ aus dem Bericht. Bei 25 dieser 29 Befragten dieses Musters sahen die Autoren Hinweise auf Homosexualität. Sie erläutern, „dass gesellschaftliche Tabuisierung und Ablehnung gleichgeschlechtlicher Beziehungen, individuelle Probleme im Ausdruck von Nähe und Distanz [...] sowie eine für Teile der römisch-katholischen Kirche charakteristische Homophobie zu sexuellen Missbrauch von Minderjährigen beigetragen haben könnten“.

Von: Martina Blatt

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Wed, 19 Sep 2018 13:58:00 +0200
<![CDATA[Martin Knispel verlässt „Wertestarter“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/19/martin-knispel-verlaesst-wertestarter/ Martin Knispel verlässt die „Wertestarter" und ist ab Oktober als Vorstandsvorsitzender für die international aufgestellte Hilfsorganisation „World Relief Deutschland“ tätig. Knispel war seit der Gründung 2014 als Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft tätig. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Die Organisation begleitet und fördert Projekte in den Bereichen Kita, Schule, Jugendbildung und Mitarbeiterqualifizierung. Initiator der Arbeit ist der hessische Unternehmer Friedhelm Loh.

„Wir wollen helfen, dass Gaben und Talente zur Entfaltung kommen“, beschrieb der Vorstandsvorsitzende Hartmut Hühnerbein die Aufgaben der „Wertestarter" im Jahr 2014. Basis dafür sei der Glaube: „Da, wo christliche Werte gelebt werden, da verändern sie auch unsere Gesellschaft.“ Bei der Verabschiedung Knispels am Dienstagabend lobte er dessen Fähigkeiten als Netzwerker. Knispel habe wichtige Aufbauarbeit für die „Wertestarter" geleistet und sei der „Innenarchitekt unserer Arbeit in Berlin" gewesen.

Knispel lebte vor seiner aktuellen Tätigkeit unter anderem insgesamt acht Jahre lang in Ghana und war dort ökumenischer Mitarbeiter des Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland und Auslandspfarrer der Evangelischen Kirche in Deutschland. Von 2006 bis 2014 war er Direktor des Theologisch-pädagogischen Seminars Malche in Porta Westfalica. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.

Von: Anna Lutz

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Wed, 19 Sep 2018 13:50:00 +0200
<![CDATA[Heribert Prantl: „Kreuz ist Symbol für Erlösung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/19/heribert-prantl-kreuz-ist-symbol-fuer-erloesung/ Der Journalist Heribert Prantl forderte die Geistlichen beim Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag auf, sich gegen politische Vereinnahmung zu wehren. Während in der Gesellschaft die „ausgeübte Religiosität“ zurückgehe, nehme zugleich die „Politisierung von Religion“ zu, sagte Prantl laut einem Bericht des Evangelischen Pressedienstes (epd). Als Beispiel nannte er die von der bayerischen Staatsregierung im Juni 2018 eingeführte Regelung, im Eingangsbereich aller Behörden Kreuze aufzuhängen. „Dies ist keine Respektsbezeugung, das ist ein Missbrauch. Das ist die politische Instrumentalisierung einer religiösen Kernbotschaft“, sagte Prantl, der seit 2011 Mitglied der SZ-Chefredaktion ist und seit Anfang 2018 das Meinungsressort der Zeitung leitet.

Das Kreuz sei „nicht Folklore, es ist kein religiöses Hirschgeweih“, sagte der Journalist. Es sei das „Symbol für Erlösung, Sinnbild des Leidens und der Herrschaft Christi“. Die CSU habe daraus eine „Mia san mia“-Botschaft gemacht. „Das ist nicht christlich, das ist Ketzerei – weil es das Kreuz verstaatlicht und säkularisiert.“ Die Kirchen müssten sich „gegen die blasphemische Vereindeutigung des Kreuzes“ wehren. Die CSU dürfe das Kreuz nicht als Dominanzsymbol ihrer Politik und als „Akt der Ausgrenzung gegen den Islam“ einsetzen.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur idea sagte Prantl angesichts der sich häufenden Berichte über sexuelle Gewalt gegen Kinder in der Katholischen Kirche, Geistliche seien als Gewalttäter und Angstmacher aufgetreten. Zwar sei dieses Problem in den evangelischen Kirchen nicht so grassierend. Dennoch verbreite sich die ausgeübte Gewalt wie ein „stinkendes Gas“. Sie vergifte alles und liege auch vor der Tür der anderen Konfessionen. Die Kirchen hätten Vertrauen und Respekt eingebüßt. Ein Generalverdacht infiziere alles Kirchliche.

„Beim Thema Kirchenasyl nicht einschüchtern lassen!"

Beim Thema Kirchenasyl ermutigte der Journalist die anwesenden Pfarrerinnen und Pfarrer, sich „nicht einschüchtern zu lassen, auch wenn es welche gibt, die schimpfen, den Flüchtlingen würde alles nachgeschmissen“.

Er mahnte zugleich an, Benachteiligte in der Gesellschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Die Kirche habe Gesten und Rituale, die Menschen groß machen: „Lassen Sie diese Worte und Gesten die Menschen spüren.“ Kirchen müssten der Ort sein, „an dem der Himmel offen ist“, sagte Prantl und fügte hinzu: „Nicht nur für die, die sich in der angeblich richtigen und wahren Kirche wähnen, sondern für alle, die an Gott glauben.“

Heribert Prantl erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter den Hildegard Hamm-Brücher Preis für Demokratie, den Theodor-Wolff-Preis und einen Ehrendoktor des Fachbereichs Theologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Prantl ist Autor mehrerer Bücher, darunter „Der Zorn Gottes – Denkanstöße zu den Feiertagen“ und „Gebrauchsanweisung für Populisten. Wie man dem neuen Extremismus das Wasser abgräbt“. Vor einem Jahr erschien sein Buch „Die Kraft der Hoffnung. Denkanstöße in schwierigen Zeiten“.

Von: Jörn Schumacher/epd

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Wed, 19 Sep 2018 13:43:00 +0200
<![CDATA[Hirten gesucht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/09/19/hirten-gesucht/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Die Gnadauer Gemeinschaftsbewegung will bessere Arbeitsbedingungen für ihr pastorales Personal schaffen. Gute Idee. Die Landeskirchen wollen ihre Emeriti wieder auf die Kanzel holen. Die Freikirchen können längst nicht alle freien Pastorenstellen besetzen. Wo bleibt der pastorale Nachwuchs?

„Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit, AMEN.“ So könnte man die Aussichten auf Besoldung und Karriere im Dienst der Freikirchen und der Gemeinschaftsverbände beschreiben. Dafür darf man sich ohne Stresszulage in Krisen bewähren, die Gemeinden von der Sonntagsschule bis zum Seniorenkreis unterhalten, es allen recht machen und durch evangelistisches und seelsorgerliches Talent eifrig Wachstum generieren. Die an unseren Hochschulen erworbene theologische Fachkompetenz wird kaum abgerufen. Viele Gemeinden suchen Versorger, Pfleger und Betreuer, keine Schriftgelehrten. Warum sollte man dafür acht Semester Theologie studieren?

Predigerkinder freuen sich

Die Hauptamtlichen der Freikirchen und Gemeinschaften trugen früher den Titel „Prediger“. Aber diese Berufsbezeichnung ist in den vergangenen 20 Jahren in Verruf geraten: Hassprediger, Sektenprediger, amerikanische Wohlstandsprediger haben das Image dieses vormals seriösen Titels so verunstaltet, dass sich inzwischen nicht nur in den Freikirchen, sondern auch in den Gemeinschaftsverbänden der „Pastor“ (Hirte) mit deutlicher Akzeptanz durchgesetzt hat. Auch zur Freude der Predigerkinder, die in der Schule immer erklären musste, was der Papa beruflich macht. „Der hält Predigten! Nein, keine Gardinenpredigten und auch keine Hasspredigten.“

Nun ist die Berufsbezeichnung kein Ärgernis mehr, die meisten absolvieren inzwischen die evangelikalen Ausbildungsstätten mit Hochschulabschluss, aber die Gemeindebünde bekommen das zu spüren, was den Landeskirchen und Bistümern schon länger Sorgen bereitet. Es fehlt am pastoralen Personal. Die Gemeinden schicken weniger Kandidaten in die Hochschulen und Seminare und diese können den Pastorenmarkt nicht ausreichend bedienen. Dabei ist die stagnierende Zahl der Studienanfänger nur ein Teil des Problems. Es zieht längst nicht alle Absolventen in den Gemeindedienst, besonders nicht aufs Land. Manche streben eine wissenschaftliche Karriere an, andere emigrieren in soziale Betätigungsfelder, in therapeutische Berufe oder sie gehen zurück in ihre früheren Jobs.

Der Personalverantwortliche einer großen Kirche in den USA hat mir vor Jahren in Chicago folgendes verraten: Die ersten drei Jahre Gemeindepraxis entscheiden über den Dienst eines Pastors. „Ihr müsst eure Absolventen in Gemeinden geben, die sich gerade im Aufbruch befinden. Die werden auf Wachstum programmiert und bleiben dauerhaft gute Hirten. Diejenigen, die ihr Praktikum in stagnierenden oder schrumpfenden Gemeinden absolvieren, neigen zum baldigen Ausstieg!“

Die vier B: bekehrt-begabt-bewährt-berufen

Ich gehöre zu der Generation, die sich von Gott „in den Dienst“ berufen fühlte, frei nach den bekannten vier B: bekehrt-begabt-bewährt-berufen! Das war eine Berufung auf Lebenszeit. Heute scheint das Studium der Theologie und der anschließende pastorale Dienst eine Option zu sein, eine Alternative, eine Lebensabschnittsvariante. Die erste Praktikumsstelle (Vikariat) entscheidet oft darüber, ob die Berufsanfänger im geistlichen Dienst Erfüllung und eine herausfordernde Lebensaufgabe finden oder ob sie sich angesichts der bescheidenen Besoldung und dem nicht gerade vergnügungssteuerpflichtigen und konfliktriskanten Job nach beruflichen Alternativen umschauen.

Für mich ist es jedenfalls der schönste Beruf – und das in einer lebenslangen Berufung. Ich wünschte, das würde Schule machen. Wir brauchen Hirten, Evangelisten und Lehrer, die das Feuer schüren, statt die kalte Asche rauszutragen.

Von: Jürgen Mette

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Wed, 19 Sep 2018 11:53:00 +0200
<![CDATA[Kinder von digitaler Sucht besonders gefährdet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/09/18/kinder-von-digitaler-sucht-besonders-gefaehrdet/ Seit Montag tagen rund 600 Suchtexperten beim Deutschen Suchtkongress 2018. Schwerpunkte der Tagung, die noch bis zum Mittwoch am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg stattfindet, ist die Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen von Internet, Social-Media und Computerspielen sowie durch Alkohol und Drogen. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, warnen die Suchtforscher vor zunehmender Abhängigkeit Jugendlicher von Computerspielen und den Sozialen Medien. Seit 2011 habe sich die Zahl der Abhängigen verdoppelt. Dem Bericht zufolge hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, zum Beginn des Kongresses eine „strengere Altersfreigabe bei Computerspielen" gefordert. Dabei soll das Suchtpotenzial stärker berücksichtigt werden als bisher. Dem Bericht zufolge, der sich auf eine Studie der Krankenkasse DAK vom März stützt, gelten rund 100.000 der 12- bis 17-Jährigen (das sind rund 2,6 Prozent) als abhängig von Facebook oder Instagram. Bei jungen Männern im Alter zwischen 12 und 25 Jahren sind etwa 8,4 Prozent süchtig nach Computerspielen.

Gemeinsam Regeln erarbeiten

In einem Interview des NDR nannte Hans-Jürgen Rumpf, Privatdozent an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Lübeck, drei Punkte, an denen eine Sucht erkennbar ist. Ein Indikator sei Kontrollverlust. „Das bedeutet, dass ich nicht mehr die freie Wahl habe, wie lange ich spiele und wie oft ich mich mit Instagram beschäftige, sondern es ist eine Art innerer Zwang, dass ich immer wieder online bin und diese Dinge betreibe", erklärte Rumpf in dem Interview. Zweitens würden Sport, Hobbys, Familie und Freunde so weit in den Hintergrund geraten, dass es zu negativen Folgeerscheinungen, dem dritten Indikator, kommen könne: die Person sei in der Schule oder im Beruf nicht mehr leistungsfähig, ernähre sich falsch und habe keine Fitness mehr.

Der Wissenschaftler empfiehlt jedoch nicht, Kindern etwa das Smartphone wegzunehmen. Stattdessen sollten die Eltern gemeinsam mit dem Kind Regeln für die Nutzung erarbeiten. „Regeln sind immer dann besser durchführbar, wenn man sie gemeinsam entwickelt hat und eine Lösung findet", sagte Rumpf. Junge Menschen seien generell für alle Suchterkrankungen anfälliger, erklärte Rumpf. Der präfrontale Cortex, ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde, sei beim Menschen erst mit 21 Jahren voll ausgebildet. „Das heißt, alles, was die Verhaltenssteuerung anbelangt, ist dort noch nicht so wie bei einem Erwachsenen", erklärte Rumpf.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 18 Sep 2018 17:15:00 +0200
<![CDATA[Wer Hass löscht, fördert die Meinungsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/09/18/wer-hass-loescht-foerdert-die-meinungsfreiheit/ Ein Kommentar von Martina Blatt]]> Das soziale Netzwerk Facebook darf das Profil eines Nutzers für 30 Tage sperren, wenn der einen Hasskommentar verfasst. Dies kann im Einzelfall auch dann gelten, wenn der Kommentar noch von dem Recht auf Meinungsäußerung gedeckt ist. Das hat das Landgericht Frankfurt am Main vergangene Woche entschieden. War es das mit der freien Meinungsäußerung? Nein. Im Gegenteil.

Der Fall, der zu der Entscheidung des Landgerichts führte, lief folgendermaßen ab: Ein Facebook-User hatte als Reaktion auf einen Online-Artikel der Zeitung Die Welt unter der Überschrift „Eskalation in Dresden – 50 Asylbewerber attackieren Polizisten – Beamte werden getreten und geschlagen“ diesen Kommentar geschrieben: „Wasser marsch, Knüppel frei und dann eine Einheit Militärpolizisten! Dann ist schnell Ruhe! Und jeden ermittelten Gast Merkels ab in die Heimat schicken.“ Daraufhin sperrte Facebook das Konto für 30 Tage, weil nach den Nutzungsbedingungen der Plattform der Kommentar eine „Hassrede“ darstelle. Im Eilverfahren forderte der Nutzer vor dem Landgericht Frankfurt am Main, Facebook die Sperrung und Löschung zu untersagen. Das Gericht wies den Eilantrag jedoch zurück.

Grundrechte gelten im Verhältnis von Bürger und Staat

Der Fall hat zwei Seiten: Der Kommentar erfülle die Merkmale einer Hassrede im Sinne der Nutzungsbedingungen von Facebook, erklärte das Gericht. Die Äußerung sei aber zugleich eine zulässige Meinungsäußerung im Sinne des Artikels 5 des Grundgesetzes. Wie soll also hier verfahren werden? Eine Äußerung, die dem im Grundgesetz festgeschriebenen Schutz der Meinungsfreiheit unterliege, könne von staatlichen Organen oder Institutionen nicht ohne weiteres gesperrt oder untersagt werden, hieß es vom Gericht. Das gelte für den Betreiber eines sozialen Netzwerkes aber nicht in gleichem Maße. Facebook könne sich nämlich auf den Schutz der Berufsfreiheit aus Artikel 12 des Grundgesetzes berufen. Dieser schützt das Interesse am Betrieb der Plattform. Das Gericht musste also zwei Grundrechte gegeneinander abwägen.

Auch wenn Facebook kein staatlicher Akteur ist, hatten sich etwa das Landgericht Frankfurt im Mai und das Oberlandesgericht München im September noch dafür ausgesprochen, Facebook ebenso streng in die Pflicht zu nehmen wie den Staat. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Im aktuellen Fall gibt es eine andere Entscheidung. Das zeigt, wie vielschichtig das Thema ist. Ein Beigeschmack und auch Fragen bleiben nach dem aktuellen Urteil: Werden demnächst noch mehr Kommentare gelöscht? Wo sind die Grenzen? Wie agiert Facebook als Inhaber des „Hausrechts“ auf seiner Plattform zukünftig?

Gift für konstruktive Diskussionen

Wir beim Christlichen Medienmagazin pro erhalten auf unserer Facebook-Seite viele Kommentare, leider sind auch dort Hasskommentare darunter. Diese verhindern mitunter eine zielgerichtete Diskussion. Deswegen haben wir unsere Kommentar-Richtlinien entsprechend angepasst. Darin heißt es: „Beiträge, die andere Menschen oder Gruppen pauschal beleidigen, hasserfüllt sind [...] löschen wir. Wir sperren außerdem Personen, die ausschließlich destruktiv kommentieren und sich nicht auf eine vernünftige, inhaltliche Diskussion mit anderen Nutzern einlassen.“ pro macht das, damit eine Gesprächsplattform bestehen kann, auf der sich jedermann traut, seine Meinung sachlich zu äußern – und damit nicht hinterm Berg zu halten, weil ihm ein verbaler Angriff als Antwort gewiss ist. Hasskommentare können Gift sein für konstruktive Diskussionen.

Auch der Kammer des Gerichts sei bekannt, dass sich einzelne Nutzer wegen der (Hass-)Kommentare anderer Teilnehmer an Diskussionen nur eingeschränkt beteiligten und ihre Meinung deswegen nicht mitteilten. Dieser Aspekt sei auch in die Entscheidungsfindung eingeflossen, teilte das Gericht mit. Und dieses Abwägen untersützt in gewisser Weise die Meinungsfreiheit: Finden sich keine oder weniger Hasskommentare auf einer Facebook-Seite, so fühlen sich auch Menschen ermutigt, sich einzubringen, die konstruktiv und zur Sache diskutieren wollen. Das wiederum begünstigt die freie Äußerung der Meinung – ohne Hass, sondern mit Verstand.

Von: Martina Blatt

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Tue, 18 Sep 2018 14:47:00 +0200
<![CDATA[EKD fordert Stopp der Rodungsmaßnahmen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/18/ekd-fordert-stopp-der-rodungsmassnahmen/ Der Energiekonzern RWE möchte weitere Flächen des Hambacher Waldes in der Nähe des nordrhein-westfälischen Stadt Düren roden, um dort weiter Braunkohle abzubauen. Darin sieht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein fatales Zeichen, weil damit auch die Ziele des Klimaschutzes infrage gestellt würden. Das äußerten der Beauftragte des Rates der EKD für Umweltfragen, Hans Diefenbacher, und die Referentin für Nachhaltigkeit im Kirchenamt der EKD, Ruth Gütter, in einer Pressemitteilung.

Die Bundesregierung habe sich Ziele für den Klimaschutz gesetzt. Diese seien nur mit einem möglichst schnellen Ausstieg aus der Kohleförderung zu erreichen. Bevor weiter Wälder gerodet würden, sollten die Ergebnisse der „Kohlekommission“ am 11. Dezember 2018 abgewartet werden. Die Kommission hatte die Bundesregierung eingesetzt. Sie soll Maßnahmen zur sozialen und strukturpolitischen Entwicklung der Braunkohleregionen sowie zu ihrer finanziellen Absicherung entwickeln und vorlegen. Oberstes Ziel aus Sicht der Kirchen sei es, die deutschen Klimaziele bis 2030 zu gewährleisten. Je nach Kommissionsergebnis könne das Braunkohle-Abbaugebiet vielleicht nicht nötig sein.

Wenn sich ein weiterer Kohleabbau als unumgänglich für die Versorgungssicherheit erweise, hätte man nur wenige Monate in Hambach verloren. „Wenn ein Kohleausstieg jedoch auch anders geplant werden kann, wäre die Rodung des Waldes – eine unumkehrbare Zerstörung von über Jahrhunderte gewachsener Natur – überflüssig gewesen“, heißt es in der Stellungnahme der EKD. Die Deutsche Evangelische Allianz wollte sich auf Anfrage von pro nicht zu dem Thema äußern.

Deutliche Einsparungen erreicht

Die EKD-Synode habe sich bereits 2016 klar für eine konsequente Dekarbonisierung der Energiewirtschaft in Deutschland ausgesprochen. Sie appellierte an die Bundesregierung, den sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohleförderung möglichst bald in die Wege zu leiten und dazu alle Betroffenen einzubinden. Die EKD habe auch die CO2-Einsparziele der Bundesregierung ausdrücklich begrüßt und selbst durch verschiedene Maßnahmen in den Landeskirchen CO2 einsparen können, heißt es in der Mitteilung.

Es gehe darum, die Erde als Gottes gute Schöpfung für nachfolgende Generationen zu erhalten, betonten die EKD-Beauftragten. Genau wie die Evangelische Kirche im Rheinland und der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen fordert die EKD einen sofortigen Stopp weiterer Maßnahmen zur Rodung des Hambacher Waldes, bis das Ergebnis der Kohlekommission vorliegt. Bei der aktuellen Debatte gehe es um die „Glaubwürdigkeit Deutschlands als Vorreiter im Klimaschutz und um die Verantwortung für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für kommende Generationen“.

Aktuell versuchen Umweltaktivisten die Rodung des Waldes zu verhindern. Die Polizei geht gegen die teilweise in Baumhäusern verschanzten Aktivisten vor. Dafür war laut Tagesschau ein Großaufgebot von zwischenzeitlich bis zu 4.000 Polizisten im Einsatz, um das Protestcamp zu räumen. Während der Staat auf die Durchsetzung von Recht und Gesetz pocht, bemängeln die Aktivisten, dass sich die Politik zum Handlanger eines Energiekonzerns macht, auf Kosten des Klimas und der Natur.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 18 Sep 2018 12:16:00 +0200
<![CDATA[„Wir sollten die Chancen Künstlicher Intelligenz sehen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/18/wir-sollten-die-chancen-kuenstlicher-intelligenz-sehen/

pro: Im vergangenen Jahr haben Sie das Silicon Valley in Kalifornien besucht, den wohl einflussreichsten Standort für die Entwicklung digitaler Technologien. Inspiriert davon: Wo würden Sie gern in der Diakonie Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik anwenden?

Ulrich Lilie: Es kann durchaus Aspekte geben, die uns das Leben in ungeahnter Weise einfacher machen. Vielleicht ist uns ein kleiner freundlicher Roboter bei der Körperpflege irgendwann ganz angenehm, weil er uns hilft, bestimmte Schamgrenzen zu senken, die wir immer zu überwinden haben, wenn ein anderer, ein fremder Mensch solche intimen Verrichtungen mit uns macht. Ich habe im Silicon Valley Assistenzsysteme gesehen, die neben einem herumfahren und auf Dinge aufmerksam machen, die man vergisst, etwa dass man zu wenig trinkt; oder die aufheben, was man liegengelassen hat. Ich habe Systeme gesehen für Menschen, die alleine leben, aber aufgrund von Krankheit oder Einschränkung einen besonderen Sicherheits- und Überwachungsbedarf haben. Die ersetzen den Hausnotruf, indem sie zum Beispiel mit einem Radarsystem bestimmte Körperfunktionen wie die Atmung überwachen. Wir müssen solche Entwicklungen immer unter dem Aspekt der Folgen diskutieren – für den Einzelnen, aber auch für das Zusammenleben der Menschen und für die Menschen, die nach uns kommen.

Glauben Sie, dass der Fachkräftemangel in Pflegeberufen durch künstliche Assistenten gelöst werden könnte?

Agaplesion, ein großer evangelischer Krankenhausträger, hat im vergangenen Jahr zum Beispiel automatisierte Bettensysteme getestet. Die Betten melden sich selbstständig und sagen: Ich bin frei, ich kann abgeholt werden. Das macht die Abläufe einfacher, das macht die Steuerung viel effizienter. Das werden wir noch bei einigen Hol- und Bringdiensten erleben. Wir sollten das sehr chancenorientiert ansehen. Es geht darum, die Digitalisierung zu gestalten und nicht von vornherein als Teufel an die Wand zu malen. Gleichzeitig müssen wir selbstverständlich auch darüber öffentlich diskutieren, was wir nicht wollen. Man muss auch über die Grenzen der Optionen und des Handelns sprechen.

Wo würden Sie Grenzen ziehen?

Zum Beispiel dort, wo es unmittelbar an die Keimbahn des Menschen geht. Bei Dingen, die den manipulativen Umgang mit dem Erbgut und mit Zellen betreffen und die Folgen haben, die wir noch nicht kennen. Das sollten Tabubereiche bleiben. Auch bei Formen der Überwachung und Auswertung von Daten. Ich möchte keine Entwicklung wie zum Beispiel in China, wo mit Hilfe von Überwachung, KI und persönlichen Daten ein Punktekonto für gutes oder weniger gutes Verhalten über jeden Menschen erstellt werden soll.

Wie bewerten Sie es, wenn Roboter eingesetzt werden, wo soziale Beziehungen eine Rolle spielen, wenn zum Beispiel Roboter zu Spielgefährten oder Gesprächspartnern werden?

Wenn ich sehe, was die Schülerinnen und Schüler heute schon alles mit ihren Smartphones machen, stellt sich auch da die Frage, mit wem und mit welchen Folgen sie da reden oder spielen. Wenn ein Roboter interaktiv mit einem spielt, ist das ja eher eine technische Veränderung, aber noch keine qualitative. Man muss schauen, was von Maschinen mit menschlichem Nutzen ersetzbar ist und wo die Grenze liegt, wo es an unser Verständnis von Mitmenschlichkeit und menschlicher Interaktion geht. Selbstverständlich können Maschinen Menschen niemals vollumfänglich ersetzen. Aber auch diese Grenzen sind kulturell vermittelt, es wird Verschiebungen im Verhältnis Mensch-Maschine geben, die wir uns heute noch nicht vorstellen können.

Was heißt es für den Glauben an Gott, wenn wir als Menschen die Möglichkeit haben, immer „intelligentere“ Wesen zu schaffen?

Ich habe die Aussagen des Schöpfungsberichtes nie als naturwissenschaftliche Aussagen verstanden. Insofern glaube ich nicht, dass ein naturwissenschaftlich-technischer Fortschritt den Glauben an Gott ernsthaft in Frage stellt. Im Gegenteil: Je mehr wir wissen, desto mehr merken wir, wie viele Geheimnisse es gibt, wie groß die Komplexität ist und wie groß das Wunder des menschlichen Lebens und Zusammenlebens auf diesem unbegreiflich erwählten Planeten ist. Gleichzeitig steigen natürlich die Gefährdungen. Die Möglichkeit, dass die Menschheit sich selbst abschaffen kann, wird mit den steigenden Handlungsoptionen natürlich auch größer. Aber das gehört auch zur Freiheit der Christen, dass sie ihre Freiheit verfehlen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

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Tue, 18 Sep 2018 11:27:00 +0200
<![CDATA[Mehrheit will weiter Flüchtlinge aufnehmen – in Grenzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/17/mehrheit-will-weiter-fluechtlinge-aufnehmen-in-grenzen/ Das Integrationsbarometer des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen (SRV) zeigt: Das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft wird überwiegend positiv wahrgenommen, und das sowohl unter Menschen mit, als auch ohne Migrationshintergrund der Fall. Eingetrübt habe sich das Integrationsklima in den Jahren 2016 und 2017 dort, wo der Integrationsalltag nicht persönlich erlebt wird, teilten die Initiatoren der Studie mit.

Der SVR für Integration und Migration hat die repräsentative Umfrage zum Integrationsklima in Deutschland durchgeführt. Dabei wurden rund 9.300 Personen mit und ohne Migrationshintergrund bundesweit befragt. Über 70 Prozent der Befragten haben einen Migrationshintergrund.

„Flüchtlinge bereichern das Land“

In allen Herkunftsgruppen geht die Mehrheit davon aus, dass Flüchtlinge Deutschland kulturell wie wirtschaftlich bereichern, geht aus der Umfrage hervor. Nur ein kleiner Teil der Befragten findet, dass Flüchtlinge den Wohlstand in Deutschland bedrohen. Von den Spät-/Ausgesiedelten sehen 45 Prozent die Flüchtlinge am häufigsten als Bedrohung für den Wohlstand an. Am zuversichtlichsten ist die deutsche Mehrheitsbevölkerung: Nur etwa 28 Prozent dieser Gruppe sehen aktuell den Wohlstand bedroht.

Die Befragten ohne Migrationshintergrund sind zu 60 Prozent dafür, weiterhin Flüchtlinge aufzunehmen, auch wenn Deutschland das einzige Aufnahmeland in der EU wäre. Bei den Zuwanderergruppen schwanken die Werte: Am höchsten ist die Zustimmung bei den Türkeistämmigen, hier liegt sie noch etwas höher als bei der Mehrheitsbevölkerung. Deutlich zurückhaltender sind die Spät-/Aussiedler: Hier ist die Mehrheit dagegen. Beim Thema Kriminalität sind die Meinungen gespalten: Fast die Hälfte der Befragten ohne Migrationshintergrund glaubt, dass Flüchtlinge die Kriminalität erhöhen. Von den Spät-/Ausgesiedelten meinen das dagegen über zwei Drittel.

Die Mehrheit der Befragten ist dafür, den Flüchtlingszuzug im Umfang zu begrenzen. Von den Teilnehmern ohne Migrationshintergrund stimmten 29,7 Prozent dem „voll und ganz“, und 27,7 Prozent „eher“ zu. Von den Spät-/Aussiedlern waren sogar 43,4 Prozent „voll und ganz“ und 23,2 Prozent „eher“ für eine Obergrenze für den Zuzug von Flüchtlingen. Nur von den Türkeistämmigen möchte eine knappe Mehrheit keine solche Beschränkung.

Skepsis bei Kopftuch

Die Frage, ob es Muslimas in Schulen und Behörden erlaubt sein soll, ein Kopftuch zu tragen, ist weiterhin umstritten: Von den muslimischen Befragten – unabhängig von der Herkunft – sind rund acht von zehn dafür. Christliche Befragte mit Migrationshintergrund sind hier skeptischer: Nur rund 41 Prozent finden, dass das Kopftuch erlaubt sein sollte. Wenn das Kopftuch in einer Behörde getragen werden soll, würden dies rund 52 Prozent der Mehrheitsbevölkerung gestatten, bei den der Spät-/Ausgesiedelten 47 Prozent, 79 Prozent der Türkeistämmigen, 51 Prozent der EU-Zuwanderer und etwa 61 Prozent derer aus der „übrigen Welt“.

Außerdem sei es angesichts der Umfrageergebnisse „kaum zulässig, allgemein von einem ostdeutschen Integrationspessimismus zu sprechen“, teilten die Experten mit. Eingetrübt habe sich das Integrationsklima hauptsächlich dort, wo Menschen keine persönlichen Erfahrungen mit kultureller Vielfalt haben. Dieser Befund gelte für Ost und West gleichermaßen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), die Studie zeige, dass das Zusammenleben vor allem da als harmonisch empfunden werde, wo es direkte Kontakte gebe. Deshalb sei es wichtig, mehr Gelegenheiten und Orte für Begegnung zu schaffen. „Schulen sind ja geradezu Kompetenzzentren für Integration“, sagte die Staatsministerin. Interkulturelle Kompetenz müsse in der Lehrerausbildung daher mehr Gewicht bekommen. Die Vielfalt der Gesellschaft müsse sich auch im Lehrerkollegium widerspiegeln.

Der Sachverständigenrat geht auf eine Initiative der Stiftung Mercator und der VolkswagenStiftung zurück. Der Initiative gehören sieben Stiftungen an, darunter die VolkswagenStiftung, Bertelsmann Stiftung und die Robert Bosch Stiftung. Für das Integrationsbarometer werden alle zwei Jahre über 5.000 Personen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und telefonisch befragt.

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 17 Sep 2018 16:46:00 +0200
<![CDATA[Der Weg zur perfekten Welle]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2018/09/17/der-weg-zur-perfekten-welle/ Salome Meier, Elias Gafafer, Simone Stäheli und Silas Rupp sind zwischen 21 und 27 Jahre alt und Hotelbesitzer. Rupp ist der Älteste der Jungunternehmer und der Geldgeber. Er hat einen Masterabschluss in International Affairs der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität St. Gallen in der Tasche. Doch statt eine Karriere in einem schweizerischen Bankhaus mit weltweit bestehenden Aufstiegschancen anzustreben, baut der junge Christ aus dem Kanton Appenzell lieber ein Hotel mit Freunden im Senegal auf.

Die Geschäftspartner legen nicht sonderlich viel Wert auf das große Geld oder eine brillante Karriere. Authentisch wollen sie sein und glaubwürdig. Ihre Leidenschaft ist der christliche Glaube. Aus diesem erwächst auch die Liebe der jungen Leute zu anderen Menschen. „Niokobokk“ heißt deshalb ihre Herberge im Senegal. Das bedeutet „Wir teilen es“ in Wolof – der gleichnamigen Sprache der Volksgruppe Wolof, die praktisch von allen Senegalesen gesprochen wird.

Die Hotelgäste sollen, wenn im Januar 2019 der eigentliche Hotelbetrieb startet, am Leben der Einheimischen im Viertel teilhaben und die örtliche Nachfrage fördern, indem sie die umliegenden Restaurants entdecken, das lokale Taxiunternehmen nutzen, Getränke bei den Ladenbesitzern und den Straßenverkäufern im Quartier einkaufen. „Wir bieten auch die Möglichkeit, an freiwilligen Einsätzen im Quartier teilzunehmen. Etwa am geplanten Programm für Straßenkinder oder dem gemeinsamen Plastikmüllsammeln am Strand.“

Viele ausländische Hotelbesitzer vermieden den Kontakt zur lokalen Bevölkerung, das wollen die Schweizer auf keinen Fall. „Zudem essen wir mit unseren Angestellten zusammen.“ Rupp sagt: „‚Niokobokk‘ soll kein von Mauern eingefasstes Ferienressort werden wie beispielsweise in Kenia, wo man abgeschottet seinen Strandurlaub verbringt.“ Im Gegenteil, der Kontakt mit den Einheimischen soll gefördert werden. Dahinter verbirgt sich ein christliches Motiv. „Die Gäste sollen Teil der Nächstenliebe werden, die uns in den Senegal geführt hat“, wünschen sich die Freunde. „Es ist unsere Hoffnung, dass die Volksgruppe der Wolof von Jesus hört, indem wir unseren Glauben in Tat und Wort leben.“

„Es ist unsere Hoffnung, dass die Volksgruppe der Wolof von Jesus hört, indem wir unseren Glauben in Tat und Wort leben.“

Die Immobilie am Strand „Ngor Tefes“ hat Rupp 2016 erworben. Zu der Zeit war das ehemals erste Surfcamp der Region zu einer Spelunke mit Prostitution und kleinkriminellem Drogenhandel verkommen. Dennoch musste er 86.000 Euro für die Immobilie zahlen. Davon gingen mehr als 15.000 Euro für Verwaltungsgebühren drauf. Das Geld für das Hotelinvestment hat Rupp von seinen Eltern, die es geerbt und an den Sohn weitergegeben haben. Der Vater wollte vor der Schenkung einen Businessplan sehen. Den hat der Sohn vorgelegt und konnte damit den Vater überzeugen. „Zum Glück ist das Land nicht mega-korrupt“, sagt Rupp. Der französische Einfluss aus der Kolonialzeit sei noch deutlich zu spüren. Allerdings gibt es im Senegal kein Grundbuch. Deutsche Bürokratie ist in weiten Teilen des Landes ein Fremdwort. „Du kaufst Immobilien über wichtige Leute im Quartier“, erklärt Rupp. Alle wichtigen Dokumente behält er in der Schweiz. Sicher ist sicher.

Nach dem Kauf stand die Renovierung an. Dabei haben Freunde aus der Schweiz und Handwerker aus dem Viertel geholfen. Entrümpeln, mauern, streichen, reparieren. Mittlerweile sind die Zimmer des Hostels renoviert, mit Doppelbetten ausgestattet und werden an Touristen, meist sind es noch Freunde und Bekannte, vermietet.

„Zur Zeit ist unsere Herberge vom Standard her noch ein Hostel für Individualisten“, sagt Rupp. Nun soll daraus ein vollwertiges Hotel entstehen. Eine Wellness-Oase wollen sie nicht aufbauen, das passe nicht zum Surfer-Image. Üppiger Komfort und aufwendiger Lebensstil seien für Surfer nicht angebracht. „Wir arbeiten mit Nachdruck am ersten Zacken des ersten Sterns“, erklären die Schweizer schmunzelnd.

„Ein bisschen Abenteuerlust muss ein Surfer für seinen Sport schon mitbringen“, sagt Rupp. Damit alles fertig wird und zur Eröffnung des Hotels tipptopp für die Gäste ist, wollen die Jungunternehmer noch rund 40.000 Euro in das Herrichten des Viererzimmers, der sieben Doppelzimmer, der drei Wohnungen und Aufenthaltsräume, der Küche und der Materiallager investieren. Etwa die Hälfte der Summe hat das Team durch Crowdfunding bereits aufgebracht. Vor der Hoteleröffnung 2019 sollen noch eine Köchin, ein Hausmeister und Zimmermädchen eingestellt werden. Bislang kümmern sich ein Zimmermädchen, ein Hausmeister und eine weitere Fachkraft um den Betrieb.

Mit der Mission fing alles an

Das Land an der Westküste des afrikanischen Kontinentes hat mit rund 15,4 Millionen Menschen fast doppelt so viele Einwohner wie die Schweiz. Die Fläche Senegals ist mehr als 4,5 mal so groß, aber im Gegensatz zum Land der Eidgenossen touristisch bislang noch wenig erschlossen. Doch die Branche wächst. Gründe sind der schier endlose Sommer – die Temperaturen liegen zwischen 22 und 27 Grad im Winter an der Küste und über 40 Grad Celsius am Ende der Trockenzeit im Landesinneren – und die malerische Küste. Ngor, ein Stadtteil der Hauptstadt Dakar, hat sich zu einem Magneten für Wellenreiter entwickelt, der Wassersportbegeisterte mit etwas Abenteuerlust aus aller Welt anzieht. „Hier können neben den Könnern auch die Anfänger surfen, weil die Küste längst nicht so überlaufen ist wie die bekannten Strände Hawaiis, Kaliforniens oder Australiens“, sagt Rupp.

2010 war er zum ersten Mal im Rahmen eines Missionseinsatzes mit dem Hilfswerk Serving in Mission (SIM) im Senegal. Prompt verliebte er sich in das Land, dessen Menschen und den Surfsport. Allerdings fiel ihm auf, dass es trotz der hervorragenden Bedingungen für Surfer bis dato kaum touristische Angebote gab. Die Wassersportler waren gezwungen, selber Unterkunft, Essen, Ausrüstung und Transporte zu organisieren. Da war die Idee für das Surferhotel geboren. Nach seiner Rückkehr absolvierte Rupp seinen Militärdienst in der Schweiz und begann 2012 mit dem Studium in St. Gallen. „Mich hat interessiert, wie man ein Unternehmen aufbaut“, sagt der Jungunternehmer. Zuerst sei jedoch im Studium alles theoretisch gewesen, damit habe er Schwierigkeiten gehabt. Er musste ein Semester wiederholen. „Mit ‚Niokobokk‘ wurde dann schlagartig alles ganz praktisch.“ Von da an lief es mit dem Studium an der Elite-Uni.

Wenn der Hotelbetrieb erstmal in Schwung gekommen ist, wollen die jungen Christen Arbeitsplätze rund um das Hotel schaffen und zudem nachhaltige Entwicklungsprojekte im Viertel angehen. Eine Kindertagesstätte für Straßenkinder und eine Kompostieranlage im Kampf gegen die Abfallprobleme der Stadt sind bereits angedacht. Nachhaltigkeit ist den jungen Unternehmern wichtig. „Die krasse, brutale und wunderschöne Schöpfung mit Wiesen, Feldern und Meeren müssen wir bewahren“, sagen sie. Und weiter: „Gott freut sich, wenn wir für dieses Mega-Geschenk Verantwortung übernehmen und mithelfen, dass es so schön bleibt.“

Vier junge Schweizer lieben das Meer und die senegalesische Kultur. Mit einem Surfhotel wollen sie Arbeitsplätze in dem Land schaffen. Die Einnahmen des Hotels sollen eine Kindertagesstätte und kleinere lokale Projekte finanzieren. Die Motivation für das Projekt schöpfen die Unternehmer aus dem christlichen Glauben.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 17 Sep 2018 15:06:00 +0200
<![CDATA[Jens Spahn: Gehört, aber nicht geliebt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/09/17/jens-spahn-gehoert-aber-nicht-geliebt/ Am Montag gibt sich Jens Spahn in Berlin zahm. Kein kritisches Wort zur Kanzlerin oder zum bald zur Wahl stehenden Fraktionschef Volker Kauder kommen ihm über die Lippen, er prescht nicht in Sachen des gerade heiß diskutierten Verfassungsschutzchefs Hans-Georg Maaßen voran und will sich auch nicht dazu äußern, ob er in vier Jahren die Nachfolge Angela Merkels anzutreten gedenkt. Vor einigen Monaten klang das noch anders.

Da machte der frisch ernannte Bundesgesundheitsminister Schlagzeilen, weil er Sätze sagte wie: „Hartz IV bedeutet nicht Armut.“ Er gerierte sich in der Flüchtlingspolitik als Gegner Merkels, wunderte sich, dass manchen der Tierschutz wichtiger sei als das ungeborene Leben und schloss öffentlich aus, seine Eltern einmal selbst zu pflegen. Flüchtlinge, Lebensschutz, Arbeitslosengeld – wer solche Themen setzt, wird gehört, aber nicht unbedingt geliebt. Das bekam auch Spahn zu spüren. Witzbolde verkauften online T-Shirts mit dem Aufdruck „Lebe so, dass Jens Spahn etwas dagegen hätte“.

Davon erzählt auch die nun erschienene Biografie über Spahn, verfasst vom Chefredakteur der Rheinischen Post, Michael Bröcker. Sie zeichnet den Weg eines jungen Katholiken aus dem Münsterland nach, der schon früh merkt, dass er „anders ist als die Anderen“, nämlich homosexuell. Eines zutiefst überzeugten Konservativen, der die Debatte braucht wie Sauerstoff und sie für seine Zwecke zu nutzen weiß. Eines engagierten Bundestagsabgeordneten, der es nach einigen Rückschlägen schafft, Minister zu werden. Und dessen Weg hier noch nicht endet.

„Geborenes Feindbild der Linken"

„Das geborene Feindbild für einen Linken“, nennt Dietmar Bartsch Spahn bei der Buchvorstellung in Berlin. So zeigt ihn auch das Buch, angefangen bei seinem katholischen Glauben. Weil das städtische Gymnasium den Eltern zu links ist, schicken sie ihren zehnjährigen Sohn auf eine Nonnenschule. Spahn begehrt auf, fügt sich aber schließlich und nennt die Entscheidung später ein „großes Glück“. Es bleibt nicht bei diesem Berührungspunkt zur Katholischen Kirche. Spahn wird Messdiener, seine ersten öffentlichen Reden sind Fürbitten und Lesungen im Gottesdienst. „Die katholische Kirche ist immer auch ein bisschen großes Kino. Deshalb mag ich die ja“, zitiert der Autor den Politiker. In den Sommerferien fährt Spahn mit der Jungen Katholischen Gemeinde ins Ferienlager, betreut bald selbst eine Gruppe. Bis heute ziert ein lilafarbenes Neonkreuz seine Berliner Wohnung, die er gemeinsam mit Ehemann Daniel Funke bewohnt.

Der Glaube seiner Jugend habe ihn geprägt, sagt Spahn am Montag auf Anfrage von pro. Vieles von dem, was er heute sei, habe damit zu tun, dass er katholisch engagiert gewesen sei. Als Politiker ziehe er aus seinem Glauben Gelassenheit: „Das Paradies macht jemand anderes“, sagt Spahn. Für die letzten Dinge sei Gott zuständig. Dieser Gedanke dürfte ihn auch bei aktuellen Debatten im Gesundheitsressort begleiten. Denn dort geht es tatsächlich um Leben und Tod. Seinen Vorstoß in Sachen Organspende will er nicht als Organspendepflicht verstanden wissen. „Es geht um eine Pflicht, sich damit zu befassen“, sagt er. Als Christ habe er in dieser Frage stark mit sich gerungen, glaube aber, dass eine breite Debatte Sorgen und Ängste ausräumen könne. Evangelische wie katholische Organisationen lehnten seine Idee einer sogenannten Widerspruchsregelung jüngst öffentlich ab. Danach wäre jeder Deutsche automatisch Organspender, es sei denn, er oder seine Angehörigen sprechen sich dagegen aus.

Für Lebensschutz und 219a

In anderen Fragen stimmen kirchliche Organisationen ihm zu: Spahn ist erklärter Gegner einer freien Suizidbeihilfe. „Wenn es um Lebensschutz geht, bin ich gerne grundsätzlich. Im Zweifel bin ich immer für das Leben, sofern es um staatliches Handeln geht", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Spahn ist auch gegen eine Streichung des umstrittenen Paragrafen 219a, der die Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Dennoch will er das Informationsangebot für Frauen, die einen solchen Eingriff in Erwägung ziehen, erweitern. 2017 setzt sich der homosexuelle Spahn für die Öffnung der Ehe ein und heiratet kurz danach selbst.

Lebensschutz, katholischer Glaube und konservative Werte gehen bei Spahn einher mit einer Unterstützung der schwul-lesbischen Community. Dass das Leben durch solcherlei gefühlte Widersprüche nicht leichter wird, haben auch schon andere erlebt, der Grünen-Politiker Volker Beck etwa. Im Buch heißt es, Spahn habe zum einen Ablehnung wegen seiner Orientierung erfahren, sei aufgrund seines Konservatismus aber auch in der Szene umstritten. Spahns eigener Kommentar zu seinem Schwulsein fällt knapp aus: „Ist halt so.“ Er sehe keinen Widerspruch darin, Politik für klassische Familien zu machen, selbst aber einen anderen Lebensstil zu pflegen. Er nimmt sogar die Gegner der sogenannten Ehe für alle in Schutz: „Wer die Ehe Mann und Frau vorbehalten möchte, ist nicht gleich ein Homo-Hasser.“ Zugleich fühlt er sich wegen seiner Orientierung nicht als schlechterer Christ: „Ich bin so gemacht. Wenn Gott das so gewollt hat, dann möchte er auch, dass man mich so nimmt, wie ich bin“, sagte er im Mai der Zeit.

Minister mit 38

Tatsächlich speist sich aus eigenen Diskriminierungserfahrungen sogar ein Teil seiner Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik: Zuwanderung aus islamischen Ländern verändere das Klima in Deutschland, man importiere Antisemitismus und Schwulenhass, sagte er bereits 2015. Er selbst habe erlebt, wie ihn Männer mit Migrationshintergrund beleidigt hätten. Der konservative Islam müsse bekämpft werden, ist er überzeugt. Manch einer wirft ihm nach solchen Äußerungen vor, als Schwuler, der selbst Diskriminierung erlebt habe, doch mehr Mitgefühl mit anderen Minderheiten haben zu müssen. Etwa den Muslimen in Deutschland. Oder den Zuwanderern. Es bleibt dabei: Spahn passt in keine der vorgesehenen Schubladen. Das macht einen Teil seines bisherigen Erfolges aus.

Doch auch die Kanzlerin fühlt sich von ihm immer wieder auf die Füße getreten. Spahn gilt als größter Merkelkritiker in der Führungsriege seiner Partei. Dennoch ließ Merkel ihn bei der Regierungsbildung 2018 die Formel „So wahr mir Gott helfe“ sprechen und überließ ihm das Gesundheitsressort. Als Zeichen dafür, dass auch die jungen Wilden etwas werden können, in ihrer Regierung.

38 Jahre ist Spahn alt. Das mit der Biografie fühle sich schon komisch an, räumt er am Montag in Berlin ein. Aber die Anfragen seien da gewesen, dem habe er nicht aus dem Weg gehen wollen. In der Tat ist Spahn wohl eine der spannendsten Politikerpersönlichkeiten der Republik. Weil er bislang kaum einem Streit aus dem Weg ging. Beliebt hat ihn das nicht gemacht. „Bundeskanzler, was sonst!?“, schrieb er einst in seiner Abizeitung in die Kategorie Berufswunsch. Wenn es wirklich so kommen soll, muss er die Herzen der Deutschen noch erobern. Das weiß er selbst. Seinem Biografen sagte er: „Bekannt bin ich jetzt, beliebt muss ich noch werden.“

Michael Bröcker: „Jens Spahn – Die Biografie“, Verlag Herder, 304 Seiten, 24 Euro, ISBN 9783451383366

Von: Anna Lutz

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Mon, 17 Sep 2018 14:59:00 +0200
<![CDATA[„Marsch fürs Läbe“ macht Abtreibungsfolgen öffentlich]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/16/marsch-fuers-laebe-macht-abtreibungsfolgen-oeffentlich/ In der Schweiz haben sich am Samstag rund 1.500 Lebensrechtler beim „Marsch fürs Läbe“ auf dem Bundesplatz in Bern versammelt. Die Kundgebung gegen Abtreibung und Sterbehilfe stand in diesem Jahr unter dem Motto „Abtreibung – der Schmerz danach!". Zwei betroffene Frauen, eine davon per Video, berichteten von ihren Leiden nach der Abtreibung. Erika Wick berichtete, dass sie nach der Abtreibung ihres Kindes gedacht habe, sie könne sich für den Rest ihres Lebens nie mehr freuen. Sechs Jahre lang sei ihr Leben grauenvoll verlaufen, Depressionen bis hin zu Todessehnsüchten hätten sie geplagt. Schließlich habe sie in einem zweijährigen Prozess Heilung und Freiheit gefunden durch „Gottes Liebe und Annahme". Wick ermutigt seitdem Frauen und Männer, mit ihrem Leiden nicht alleine zu bleiben, sondern einen Weg der "Beratung und Vergebung" zu gehen.

Polizei muss Kundgebung schützen

Die Veranstaltung konnte nach Angaben der Veranstalter „dank massivem Polizeischutz wie geplant durchgeführt werden". Die Lebensrechtler durften aus Sicherheitsgründen allerdings nicht durch die Stadt ziehen. Deshalb fand die Veranstaltung wie bereits vor zwei Jahren als Kundgebung auf dem Bundesplatz statt, dem zentralen politischen Ort vor dem Bundeshaus. „Einerseits bedauern wir, dass wir wieder nicht marschieren konnten, andererseits freuen wir uns aber, dass die Stadt Bern die Platzkundgebung auf diesem zentralen Platz unseres Landes bewilligt hat und wir damit ein wichtiges Zeichen für den Lebensschutz setzen konnten", erklärte Beatrice Gall, die Medienverantwortliche beim „Marsch fürs Läbe", auf Anfrage. Vor zwei Jahren hatten an gleicher Stelle rund 1.700 Menschen an der Kundgebung teilgenommen.

Der Verein und auch Teilnehmer waren nach Angaben von Gall „oft bedroht und unter Druck gesetzt" worden. Die Veranstaltung sollte so verhindert oder die Teilnahme unterbunden werden. „Dies ging anscheinend auch diversen Medien nun zu weit, sodass verschiedene Artikel erschienen, welche für ein Recht auf Meinungsfreiheit plädierten", erklärte Gall. Dies habe im Vorfeld der Kundgebung letztlich zu mehr Medienaufmerksamkeit als in den Jahren zuvor geführt. Nun sei das „gesellschaftliche und politische Schweigen", das oft über das Thema Abtreibung verhängt werde, wieder gebrochen.

Verantwortlicher Umgang mit Sexualität

„Es kann nicht sein, dass in der heutigen aufgeklärten Zeit tausende von Babys abgetrieben werden", erklärte Nationalrätin Andrea Geissbühler auf der Kundgebung und sprach sich für den verantwortlichen Umgang mit Sexualität und für „vertrauensvolle Beziehungen" aus.

„Die Sinnleere in unserer Gesellschaft, die lebenslangen Depressionen und seelischen Schäden der Betroffenen nach erfolgten Abtreibungen, aber auch die Verluste an wertvollen Menschenleben könnten damit minimiert werden“, sagte Geissbühler.

Petition an den Bundesrat

Eine Petition der Lebensschützer bittet den Bundesrat, sich ein umfassendes, wissenschaftlich gestütztes Bild über die gesundheitlichen Folgen von Abtreibungen zu verschaffen. Zudem wünschen die Lebensrechtler, dass sich der Bundesrat bei den kantonalen Behörden dafür einsetzt, dass in Schulen und Universitäten sowie in Beratungsstellen, Arztpraxen und Spitälern angemessen über die Folgen von Abtreibungen informiert wird.

Der Verein „Marsch fürs Läbe" ist eigenen Angaben zufolge international mit Lebensrechtsbewegungen vernetzt und setzt sich mit demokratischen und gewaltfreien Mitteln für das Lebensrecht ungeborener Kinder, auch mit einer Behinderung, ein. Unterstützt wird der jährliche Marsch von einer Trägerschaft aus verschiedenen christlichen Organisationen. In Deutschland wollen sich Lebensrechtler am 22. September vor dem Reichstag in Berlin versammeln, um auf Einladung des Bundesverbandes Lebensrecht e.V. für das Recht auf Leben als oberstes Menschenrecht und elementare Grundlage der rechtsstaatlichen Ordnung zu demonstrieren.

Von: Norbert Schäfer

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Sun, 16 Sep 2018 18:54:00 +0200
<![CDATA[Museum in Jerusalem porträtiert christliche Israelfreunde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/09/16/museum-in-jerusalem-portraetiert-christliche-israelfreunde/ Viele Einrichtungen in Israel und im Ausland informieren über die mitunter sehr schwierigen Beziehungen zwischen Christen und Juden – und das ist auch nötig. Einen wohltuend anderen Schwerpunkt setzt indes das „Museum der Freunde von Zion“. Es wurde vor drei Jahren in einem Haus in Jerusalem eröffnet, das einst der Familie von Staatspräsident Reuven Rivlin gehörte. Die Ausstellung porträtiert Nichtjuden, die sich für Juden und Israel eingesetzt haben – in Vergangenheit und Gegenwart.

„Ich glaube nicht, dass der jüdische Staat und der moderne Zionismus ohne den christlichen Zionismus möglich gewesen wären“, sagte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu 2012 bei der Wiedereinweihung der restaurierten historischen Windmühle in Jerusalem. Diese und ähnliche Aussagen prägen das Museum.

Christliche „Träumer“

In der „Halle der Träumer“ lernt der Besucher Christen kennen, die sich im 19. Jahrhundert für die Rückkehr der Juden nach Zion und für Jerusalem einsetzten. Zu ihnen gehört der Gründer des Roten Kreuzes und Mitbegründer des weltweiten CVJM, Jean Henry Dunant. Der Schweizer träumte von einer jüdischen Kolonie im damals osmanisch beherrschten Palästina. Theodor Herzl würdigte ihn seinerzeit als „christlichen Zionisten“.

Auch der amerikanische Professor für die hebräische Sprache George Bush befürwortete seinerzeit die Rückkehr der Juden ins verheißene Land. Er veröffentlichte 1844 einen Bestseller mit dem Titel „The Valley of Vision; or, The Dry Bones of Israel Revived“ („Das Tal der Vision, oder: Die trockenen Gebeine Israels wiederbelebt“). Dabei orientierte er sich an einer Vision des Propheten Hesekiel, den Gott aufforderte, Verstorbene wieder zum Leben zu erwecken. Unter den Nachfahren des Visionärs sind unter anderen zwei ehemalige US-Präsidenten.

Ein weiterer Christ aus den USA, William Blackstone, kam durch das Bibelstudium zu dem Schluss, dass das jüdische Volk ein angestammtes Recht auf seine biblische Heimstätte habe. In einer als „Blackstone Memorial“ bekannt gewordenen Petition forderte er die Amerikaner 1891 auf, sich aktiv an der Rückführung der Juden in Heilige Land zu beteiligen. Die antisemitischen Pogrome in Russland bestärkten ihn in seinem Bestreben, weil dadurch Juden akut in Lebensgefahr gerieten.

Ebenfalls in der Halle der Träumer hören die Besucher von der niederländischen Familie ten Boom. Auf der Webseite des Museums heißt es: „Die Geschichte von Willem und Elisabeth ten Boom und ihren Nachkommen ist eine bemerkenswerte, jahrhundertelange Erzählung von christlichem Gebet und Handeln, erfüllt von selbstloser und aufopferungsvoller Liebe zum jüdischen Volk und dem jüdischen Heimatland.“ Ab 1844 lud die Familie jede Woche Christen zum Gebet für Jerusalem, seine Bewohner und die Juden in der Diaspora ein – dies währte drei Generationen.

Judenretter als „Lichter in der Finsternis“

Auch bei der Würdigung von Menschen, die während der Scho'ah Juden retteten, spielt die niederländische Familie eine Rolle. Das Geheimversteck in Corrie ten Booms Schlafzimmer wird ebenso thematisiert wie die Deportation ins Konzentrationslager Ravensbrück. Mit der Verhaftung endete das wöchentliche Gebet für Israel. Weitere „Gerechte unter den Völkern“, die das Museum vorstellt, sind Oscar Schindler, die Polin Irena Sendler oder auch zwei Diplomaten: Chiune Sugihara aus Japan und Raoul Wallenberg aus Schweden. Eine anschauliche Präsentation stellt sie als „Lichter in der Finsternis“ dar. Juden, die durch ihre Hilfe überlebten, sind ebenfalls zu sehen.

In einem interaktiven Raum, der „Halle der Visionäre“, können Besucher auf einem Sensorbildschirm historische Persönlichkeiten dazu bringen, ihre Geschichte kundzutun: Wer die Wand berührt, begegnet unter anderen der englischen Königin Victoria, dem britischen Außenminister James Balfour oder US-Präsident Woodrow Wilson.

Präsidenten für Botschaftsverlegung gewürdigt

Mit einer animierten Weltkarte dankt das Museum den Ländern, die am 29. November 1947 für den Teilungsplan der Vereinten Nationen und damit für den jüdischen Staat stimmten. Doch die Organisatoren widmen sich nicht nur der Vergangenheit. Und so verleiht das Museum den „Friends of Zion Award“ an Nichtjuden, die sich heute für Israel einsetzen. Berühmte Preisträger sind US-Präsident Donald Trump, der Präsident von Guatemala Jimmy Morales und das paraguayische Staatsoberhaupt Horacio Cartes. Diese drei Politiker hatten im Mai die Botschaften ihrer Länder nach Jerusalem verlegt.

Als sie das Museum einrichteten, rechneten Gründer Mike Evans und seine Mitstreiter damit, vor allem christliche Besucher zu empfangen. Doch zu ihrem Erstaunen sind etwa 50 Prozent der Gäste jüdisch. Mitglieder der Bewegung sind Tausende Nichtjuden in aller Welt, die Israel unterstützen. Dazu gehört nach Angaben der „Freunde von Zion“ eine „Armee von Bloggern“, die bereitstehe, wenn Israel Hilfe braucht.

Eine Schau zeigt die biblischen Wurzeln der Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land Israel. Sie beginnt mit Gottes Verheißung an Abraham und den beiden anderen Erzvätern, Isaak und Jakob. Moses Berufung am brennenden Dornbusch kommt ebenso vor wie die genannte Vision des Propheten Hesekiel. Da sagt Gott: „Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.“ (Hesekiel 37,12–13)

Die verschiedenen biblischen Persönlichkeiten haben auf ihre Berufung geantwortet: „Hier bin ich“. Besucher werden aufgefordert, sich darüber Gedanken zu machen, ob und wie auch sie Israel unterstützen wollen. Wer möchte, kann sich fotografieren lassen. Sein Bild wird dann Teil der Ausstellung – und er selbst damit ein Freund von Zion.

Von: Elisabeth Hausen

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Sun, 16 Sep 2018 10:03:00 +0200
<![CDATA[„Gott setzt Digitaltechnik ein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/09/16/gott-setzt-digitaltechnik-ein/ Kirchen konkurrierten nicht nur mit anderen Kirchen, sondern mit allem, was Aufmerksamkeit auf sich ziehe, sagte der amerikanische Digitalisierungsexperte Chris Lim am Samstag auf der Konferenz „Gott@Digital“ in Darmstadt. Das liege auch daran, dass Kirchen ihre „Gatekeeper“-Funktion (deutsch: Torwächter) verlören. „Früher musste man ins Predigerseminar gehen, um Pastor zu werden und in einer Kirche zu unterrichten“, sagte der IT-Experte. Das Internet jedoch ermögliche heutzutage jedem Nutzer, eine Predigt auf YouTube zu veröffentlichen und damit ein weltweites Publikum zu erreichen.

Lim zeigte jedoch auch auf, wie Gott die Digitaltechnik einsetze, um Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen. Bestimmte Programme und Apps ermöglichten es, die Bibel über digitale Angebote auf einfache Weise in viele Teile der Welt zu bringen – vor allem in Regionen, wo der Zugang zur Bibel politisch erschwert ist.

Gemeindearbeit mit digitalen Angeboten

Für Gemeinden gab es auf der Innovationskonferenz zahlreiche Impulse, wie die bereits vorhandenen Programme eingesetzt werden können. Gründer und Medienexperten stellten den rund 170 Teilnehmern aus Gemeinden, der IT- und Medienbranche digitale Projekte aus dem deutschsprachigen Raum vor – etwa die App „b-next“, die Gemeinden nutzen können, um die Gottesdienstinhalte um zusätzliche Texte, Videoclips oder Chats zu ergänzen. Darunter auch „Das Bibel-Projekt“, das kurze Videoclips zu biblischen Büchern veröffentlicht oder „ChurchTools“, ein Programm zur Verwaltung von Gemeindearbeit.

Dass nicht alle Gründer mit ihren Projekten erfolgreich sind, erklärte der Vorstandsvorsitzende von ERF Medien, Jörg Dechert. Denn viele digitale Projekte würden aus der Produzentensicht heraus angegangen und scheiterten schließlich daran, dass die Entwickler ihren potenziellen Kunden nicht kennen. „Viele christliche Angebote kopieren, was es im säkularen Bereich längst gibt und dort längst funktioniert. Warum müssen Dinge für die christliche Subkultur nachgebaut werden?“, sagte Dechert. Er ermutigte die Konferenzteilnehmer dazu, bei digitalen Projekten umzudenken: simple Ideen aufgreifen, unternehmerisch denken, von erfolgreichen Projekten lernen, sich vernetzen, um vorhandenes Potenzial zu nutzen, und darüber hinaus mehr Experimentierfreude zeigen. „Man kann gute Ideen nur gebären, wenn man bereit ist, die schlechten zu beerdigen“, betonte er.

Technik und christliches Menschenbild

„Die größte Chance der Digitalisierung liegt für Gemeinden und christliche Organisationen darin, wie mittels Digitalisierung Menschen erreicht werden können", sagte Guido Falkenberg gegenüber pro. Der Informatiker ist Mitinitiator von „Gott@Digital“. Gerade die junge Generation, die digitale Medien sehr stark nutze, könne mit verständlichen und attraktiven Angeboten erreicht werden. Aber auch ältere Menschen, die beispielsweise nicht mehr in die Gottesdienste kommen können, könnten mit Mitteln der Digitalisierung mit geistlichen Angeboten erreicht und versorgt werden.

Eine Gefahr sieht Falkenberg allerdings darin, die Digitalisierung als Selbstzweck zu sehen. Sie könne unbegrenzt und unkontrolliert auch zu Suchtverhalten führen. Auch, dass Digitalisierung zur Kontrolle und zur Überwachung verwendet wird, sieht der Informatiker kritisch. Es gelte, sich darüber bewusst zu werden, welche Werte mit der Technik vermittelt werden. Daher sollte Digitalisierungsprojekten das christliche Menschenbild zugrunde zu legen. „Als Christen sollen wir Menschen dienen, nicht kontrollieren. Das ist eine klare biblische Botschaft. Daran müssen sich digitale christliche Projekte messen lassen.“

Zweite Konferenz geplant

Auf der Konferenz wollten die Veranstalter auch einen Raum zur Vernetzung schaffen. „Mir ist aufgefallen, dass Menschen, die im digitalen Bereich aktiv sind, keine Fläche haben zum Austausch und zur Vernetzung", erklärte Guido Falkenberg gegenüber pro. Um das zu gewährleisten, wollen die Veranstalter die Konferenz, die von ERF Medien, dem Christlichen Medienverbund KEP und dem Bibellesebund unterstützt wurde, weiter ausbauen und im nächsten Jahr erneut anbieten. Bis dahin soll die finanzielle und technische Förderung sowie die Vernetzung in Entwickler-Communities vorangetrieben werden.

Von: Anne Klotz/Norbert Schäfer

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Sun, 16 Sep 2018 06:57:00 +0200
<![CDATA[Traue deinen Augen nicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/09/15/traue-deinen-augen-nicht/ Das ist eine unangenehme Überraschung, wenn plötzlich im Internet ein Sexvideo kursiert, in dem man selbst zu sehen ist. Aber was, wenn man in der gefilmten Situation auf keinen Fall dabei gewesen sein kann – und trotzdem im Video vorkommt? Dann wird es unheimlich. So ging es unter anderem den Schauspielerinnen Gal Gadot und Taylor Swift. Gefälschte Pornos mit den Gesichtern von Promis, statt denen der tatsächlichen Darsteller, tauchten Ende vergangenen Jahres zuerst auf der Plattform Reddit auf.

Fotos auf diese Weise zu manipulieren, Personen hinein- oder herauszuschneiden oder auf andere Weise zu verändern, ist längst kein Kunststück mehr. Aber auch Videos lassen sich mittlerweile so bearbeiten. Software, um fremde Gesichter in vorhandene Videos zu übertragen, ist im Internet frei verfügbar, auch Anleitungen dazu, wie sie zu bedienen ist. „Deepfakes“ nennen sich solche Videos, die mit Künstlicher Intelligenz aus zahlreichen Bildern – von denen das Internet voll ist – eine digitale Version des Gesichts errechnen, das sämtliche Ausdrücke beherrscht. Das wird dann auf ein Vorlage-Video übertragen. So ist es auch möglich, Angela Merkel das Gesicht Donald Trumps zu geben oder jenem das von Vladimir Putin.

Forscher der Universität Washington stellten im vergangenen Jahr einen Algorithmus vor, mit dem sie den früheren US-Präsidenten Barack Obama in einem Video sogar beliebige Dinge sagen lassen konnten. Anhand einer Reihe von Videos seiner wöchentlichen Ansprachen lernte die Software, bei welchem sprachlichen Laut sich Obamas Lippen, Mund und Kinn wie bewegen. Aus diesen Informationen bauten die Forscher die Mundpartie digital nach, sodass diese sich auch zu anderen Worten auf die richtige Weise bewegte. Diesen digitalen Gesichtsausschnitt legten die Wissenschaftler auf das Gesicht Obamas in einem anderen Video.

So ließen sie Obama im Weißen Haus Dinge sagen, die eigentlich aus einem Interview stammen, das er als Student gegeben hatte. Oder Sätze, die jemand anderes sagte, kamen im Video plötzlich über Obamas Lippen – gesteuert von Algorithmen. Wissenschaftler der Universität München haben eine Technik entwickelt, mit der sich die Gesichtsausdrücke einer Person im Video manipulieren und steuern lassen. Gewissermaßen wird das Gesicht im Video mit einer digitalen Maske überlagert. Die gibt das Lächeln, Zwinkern, Gähnen, Naserümpfen einer anderen Person wieder. In einem Video, das den früheren US-Präsidenten George W. Bush zeigt, bewegt der das Gesicht genau so, wie ein Mitarbeiter des Forscherteams es mit seinem Gesicht vormacht.

Menschen glauben, was sie sehen

Bislang galten Videos als eine zuverlässige Quelle, weil sie Personen beim Handeln und Sprechen zeigen, sodass der Zuschauer den Eindruck bekommt, Augenzeuge davon zu werden. Aber angesichts der technischen Möglichkeiten ist nun auch hier eine gesunde Skepsis geboten. Computer können Fälschungen leicht entlarven. Aber für den Zuschauer sind solche Manipulationen kaum zu erkennen. Der Digital-Experte Aviv Ovadya warnt deshalb vor einer „Infokalypse“.

Er ist sicher, dass Menschen glauben, was sie sehen, sofern es in ihr Weltbild passt. „Ich glaube nicht, dass sich die Wahrheit durchsetzt, zumindest nicht im momentanen System. Momentan haben wir es mit vielen Akteuren zu tun, für die der Faktor Wahrheit keinerlei Bedeutung zum Erreichen ihrer Ziele hat“, sagte der frühere Google-Berater im Interview der Nachrichtenplattform jetzt.de von der Süddeutschen Zeitung. Für ihn ist der Kampf um Informationen und Deutungshoheiten eine Schlacht, die „auf einem Spielfeld stattfindet, auf dem die Anti-Wahrheits-Fraktion einen systematischen Vorteil hat“.

Gefälschte Videos könnten internationale Krisen auslösen, wenn irgendjemand ein Video veröffentlicht, in dem er etwa dem US-Präsidenten eine Kriegsdrohung in den Mund legt. Oder der Bundeskanzlerin eine Beleidigung gegen den chinesischen Präsidenten. „Es ist heute bereits möglich, so etwas künstlich herzustellen, bald kann das absolut jeder. Woher soll der Bürger, die Öffentlichkeit, dann noch wissen, was wahr ist?“

Ovadya, der jetzt als Cheftechnologe für das Social Media Responsibility Center an der Universität Michigan tätig ist, fürchtet zwei Folgen: Sogenannte Echokammern, in denen sich Menschen mit festgefügten Weltbildern gegenseitig bestätigen, werden zu in sich abgeschlossenen Öffentlichkeiten, „die ganz und gar in ihrer eigenen, zurechtmanipulierten Wahrheit leben“. Die andere Gefahr sei, dass Menschen gar nichts mehr glauben.

Aber er ist sicher: Man kann viel dagegen tun. Deshalb appelliert er an Unternehmen, Entwickler und Politiker, solche Technologien verantwortungsvoll anzuwenden. Der Münchener Informatiker Matthias Nießner sieht das Ganze etwas entspannter als sein amerikanischer Kollege und warnt im Nachrichtenmagazin Der Spiegel vor Panikmache. Er arbeitet derzeit an einem Plugin für Internetbrowser, das automatisch erkennt, ob ein Video echt oder gefälscht ist. Den Medien empfiehlt er, die Echtheit ihrer Online-­Beiträge mit fälschungssicheren digitalen Wasserzeichen zu bestätigen.

Auch die Nutzer sind verantwortlich

Nicht nur Fotos und Videos, auch ganze Webseiten lassen sich mit einer einfachen, kostenlosen App fälschen: Man braucht nur die Adresse einer Webseite, etwa der eines Nachrichtenportals, in die App einzugeben. Die erstellt ein Duplikat der Seite und der Nutzer kann dann nach Lust und Laune neue Texte und Bilder dort einfügen und austauschen. Die Adresse der neuen Seite ist dem Original so ähnlich, dass der Betrug beim flüchtigen Lesen nicht auffällt. So lassen sich Falschinformationen einer vermeintlich zuverlässigen Quelle zuschreiben. Webseiten mit einem Sicherheitszertifikat sind allerdings davor geschützt.

Kommt angesichts der neuen Techniken und der allgemeinen Lust an Fake News die große Verunsicherung? Das kann passieren. Aber nicht zuletzt ist jeder Internetnutzer selbst gefragt, verantwortungsvoll mit Techniken und Informationen umzugehen. Nur weil es kos­tenlose Fälschungs-Apps gibt, muss man sie nicht auch nutzen und andere damit hereinlegen. Wer bei der Wahrheit bleibt, der schafft Vertrauen. Und wem eine Information im Internet fragwürdig vorkommt, hat verschiedene Möglichkeiten, nachzurecherchieren und ihre Herkunft zu überprüfen. Wenn es nicht mindes­tens eine weitere unabhängige Quelle dafür gibt, darf sie getrost angezweifelt werden.

Von: Jonathan Steinert

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Sat, 15 Sep 2018 09:29:00 +0200
<![CDATA[EKD-Fonds für innovative Medienprojekte startet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/14/ekd-fonds-fuer-innovative-medienprojekte-startet/ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will evangelikale Medienprojekte finanziell fördern. Dazu hat sie einen Innovationsfonds eingerichtet, der die Vielfalt der evangelischen Publizistik unterstützen soll. Das geht aus einer Pressemeldung des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik (GEP) vom Freitag hervor.

Demnach stellt die EKD noch in diesem Jahr 42.000 Euro zur Verfügung. Kirchliche Stellen, Verbände, Medieninitiativen und andere Einrichtungen evangelikaler Prägung mit entsprechenden Projekten können sich nun um eine Förderung bewerben. Für das Jahr 2019 will die EKD weitere 72.000 Euro zur Verfügung stellen. Ab 2020 soll es dann jährlich einen Betrag von insgesamt 132.000 Euro für neue, digitale Medienprojekte sowie zur Unterstützung bereits etablierter evangelisch-evangelikaler Medienprodukte geben. Mit der Verwaltung des Fonds wurde das GEP betraut. Über die Bewilligung der Projekte entscheidet ein Fachausschuss, der vom GEP-Aufsichtsrat eingesetzt wird. Dem Vergabeausschuss gehören unter anderem Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Friedrich Schneider, Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, sowie Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der EKD, an.

Arbeit der KEP seit 40 Jahren durch Spenden finanziert

„Der evangelikale Medienfonds ist eine große Ermutigung für viele Medienverantwortliche evangelikaler Prägung, die mit ihren Produkten zwar Kirchenmitglieder in den evangelischen Landeskirchen erreichen, ihre Medienarbeit aber sehr häufig ohne kirchliche Unterstützung allein aus Spendenmitteln betreiben müssen", erklärte Michael Diener, Mitglied im Rat der EKD. Der Fonds werde dazu beitragen, dass „auch in der eher evangelikalen Publizistik neue Wege" gegangen werden könnten.

Christoph Irion, Geschäftsführer beim Christlichen Medienverbund KEP, begrüßte die Einrichtung des EKD-Innovationsfonds für Medienprojekte: „Ich freue mich, dass die EKD bei ihrer neuen Medienförderung für kleinere Anbieter den rasanten Wandel der digitalen Kommunikation, die Weiterbildung der Mitarbeitenden und die Kooperation der verschiedenen Kirchen und Medienwerke im Blick hat.“ Irion wies darauf hin, dass die Arbeit des Christlichen Medienverbundes, der das Christliche Medienmagazin pro und das Israelnetz Magazin herausgibt, fast ausschließlich aus Spenden finanziert werde: „Wir haben diese neue Förderung nie gefordert. Nach Prüfung der Vergaberichtlinien planen wir dennoch, einen Antrag zu stellen, ebenso wie dies andere freie Anbieter auf dem christlichen Medienmarkt tun können.“ Mehr als 50 Prozent der Nutzer der Angebote des Christlichen Medienverbundes seien Mitglieder der evangelischen Landeskirchen: „Da finde ich es angemessen, wenn künftig auch ein kleiner Teil der Finanzierung dieser attraktiven Medienprodukte aus dem sehr großen Topf der EKD kommt."

Nach Irions Angaben hat es schon einmal einen vergleichbaren Medienfonds gegeben, der bis 2013 allerdings ein Volumen von zuletzt rund 200.000 Euro pro Jahr gehabt habe. Zudem flossen vier Jahrzehnte lang jährliche Zuschüsse an die Evangelische Nachrichtenagentur idea in Höhe von zuletzt 132.000 Euro, die die EKD-Synode 2017 gestrichen hat: „Insofern ist der neue Innovationsfonds der EKD mit einem Umfang von ebenfalls 132.000 Euro ab 2020 hinsichtlich seiner inhaltlichen Förderziele zwar eine sinnvolle Einrichtung, aber in der Summe bleibt er deutlich hinter den früheren Fördermitteln für alle zurück. Die bisherigen idea-Mittel werden quasi umgeschichtet für alle“, sagte Irion. Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik in Frankfurt, unter dessen Dach vielfältige Medienaktivitäten der EKD gebündelt werden, wird aus dem Haushalt der EKD mit derzeit jährlich rund 12 Millionen Euro bezuschusst.

GEP-Direktor Jörg Bollmann zeigte sich erfreut darüber, „dass die EKD weiterhin die evangelische Publizistik in all ihren Ausprägungen unterstützt".

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 14 Sep 2018 16:15:00 +0200
<![CDATA[WDR-Moderatorin schreibt über ihren Glauben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/09/14/wdr-moderatorin-schreibt-ueber-ihren-glauben/ Eine Rezension von Tobias Schneider]]> Im August erschien ein neues Buch von WDR-Moderatorin Yvonne Willicks, in dem sie über ihren Glauben berichtet. Selbstkritisch meint die Moderatorin der Sendungen „Haushaltscheck“ und „Servicezeit“: „Bislang spielte sich mein Portfolio zwischen Backpulver und Mogelpackung ab.“ Doch in ihrem neuen Buch beschäftigt sie sich mit dem Glauben und ihrer Religion. Sie stellt klar: „Der Glaube gehörte schon immer zu mir, er ist Teil meines Lebens. Aber öffentlich darüber gesprochen hab ich tatsächlich selten.“

Umso schöner sei es für sie, sich mit dem Leser auf die Reise zumachen, dem Glauben ein Stück näher zu kommen. Das Buch heißt „Glaube ganz einfach. Eine persönliche Spurensuche. Wie Gott uns überall begegnet.“ Es ist im Adeo-Verlag erschienen.

Mutmacher für den Glauben

Willicks möchte mit dem Buch Menschen zum Glauben anregen und dabei anleiten. Sie möchte diejenigen ansprechen, für die nach der Konfirmation oder Firmung der Glaube irgendwann die Bedeutung verloren hat. Mit Erzählungen aus ihrer Kindheit und wie sie als kleines Mädchen durch Schulgottesdienste zum Glauben fand, stellt sie den Glauben als etwas Schönes und Unkompliziertes dar. Es war ein katholischer Pfarrer, der sie mit seiner frohen Ausstrahlung und seinem Elan begeisterte. Man solle sich nicht vom schlechten „Bodenpersonal Gottes“ die Lust am Glauben verderben lassen, sondern auf die guten Vorbilder schauen. Als Beispiele nennt sie Mutter Theresa und Dietrich Bonhoeffer.

Auch erzählt sie von lustigen Fehltritten, die sie im Laufe ihres Lebens in der Kirche erlebt hat. Zum Beispiel der Junge, der im Osteranspiel, „Es ist prachtvoll“, statt „Es ist vollbracht“, sagte . Mit solchen Geschichten möchte sie Menschen, die lange nicht in der Kirche waren, die Angst davor nehmen, beim Kirchenbesuch etwas falsch zu machen. Die Zeiten, in denen über einen Fehler wochenlang gelästert wurde, seien zum Glück vorbei. Außerdem erklärt sie, wie man betet oder wo man sich Tipps zum Verhalten beim Besuch der nächsten Christmette holen kann.

Mit dem Kapitel „Spürbar Gutes“ geht Willicks auf den Heiligen Geist ein. Sie lässt durchblicken, dass der Heilige Geist für sie nicht bloß eine christliche Floskel ist, sondern ein tatsächlich existentes Wesen. „Immer da, wo mein Herz bewegt wird, wo ich meinen Glauben deutlich spüren kann, wo sich andere begeistern lassen, da glaube ich an das Werk des Heiligen Geistes.“ Sie erklärt, wie der Heilige Geist als Teil der Dreieinigkeit wirkt, indem er sie zum Beispiel in schwierigen Situationen ermutigt. Das Kapitel soll Mut machen, auf Gottes Handeln zu vertrauen.

Willicks spricht außerdem davon, welchen guten Einfluss die Bibel auf das Leben haben kann. Sie ermutigt dazu, die Bibel zu lesen und gibt auch gleich eine Anleitung dafür. Darin verrät sie, welche Bibelübersetzung für wen geeignet ist und wo man am besten mit dem Lesen anfängt. Zum Schluss des Kapitels steht die biblische Geschichte von Zachäus. Das ist Yvonne Willicks’ Lieblingsgeschichte, weil sie davon handelt, wie Gott Menschen begegnen will. In dieser Geschichte steigt Zachäus auf einen Baum, denn er war zu klein, um Jesus über eine Menschenmenge hinweg sehen zu können. Als Jesus an dem Baum vorüber geht, bittet er Zachäus herunter zu steigen, denn er müsse bei ihm einkehren.

In zwei Kapiteln schreibt Willicks darüber, welchen Einfluss der christliche Glaube auf unseren Alltag und unsere Kultur hat. Sie erklärt zum Beispiel, dass eine Kirmes ursprünglich an den Einweihungsgottesdienst einer Kirche erinnern sollte. Außerdem erklärt sie verschiedene Feiertage und, dass das Fischsymbol, das viele Christen auf ihrem Auto haben, ein Wortspiel aus dem Griechischen ist.

„Glaube will ausprobiert werden“ ist der Untertitel des fünften Kapitels und könnte auch als Zusammenfassung der beiden letzten Kapitel stehen. Sie schreibt: „Glaube ist wie eine abenteuerliche Reise. Gott verlangt kein riesiges Vertrauen. Nur so viel, dass Sie bereit sind, auch wirklich den ersten Schritt zu machen.“

Gelungene Einladung

Gerade in Zeiten, in denen der Glaube immer häufiger kritisiert wird, gibt Willicks ein positives Statement für den Glauben ab. Dem gilt Respekt, denn das kann für eine Fernsehmoderatorin eine Menge Kritik bedeuten. Ihr Buch ist eine gelungene Aufforderung, einen Neustart im Glauben zu machen und sich auf Gott zu verlassen. Die Berichte aus ihrem Leben wirken authentisch. Sie zeigen, wie Gott ihr in verschiedenen Situationen Mut gegeben und ihr geholfen hat, sich auf neue Situationen einzustellen. Um ihre Argumente zu erklären, benutzt sie keine frommen Floskeln, sondern eine allgemeinverständliche Sprache.

Es fehlt allerdings ein Hinweis darauf, dass Glauben auch ein Ziel hat: nämlich die Ewigkeit bei Gott. Auch um Jesus und die Bedeutung seines Todes und der Auferstehung geht es nicht.

Von: Tobias Schneider

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Fri, 14 Sep 2018 13:19:00 +0200
<![CDATA[Kinderkanal will Orientierung im Internet bieten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/09/14/kinderkanal-will-orientierung-im-internet-bieten/ „Respekt für meine Rechte! – Abenteuer digital“, so heißt der diesjährige Themenschwerpunkt im KiKA. Vom 10. bis 28. September will der Sender Kindern den richtigen Umgang mit dem Internet beibringen.

Geplant sind 20 Dokumentationen, Shows, Wissensmagazine und Filme, mit denen Kindern Orientierung in der digitalen Welt geboten werden soll. Dabei übernimmt das Medienmagazin „Timster“ eine besondere Rolle. Im geplanten Zeitraum wird es von Montag bis Donnerstag ab 19.25 Uhr eine 30-minütige Livesendung geben. Darin sollen Themen aus anderen öffentlich-rechtlichen Kinderformaten wie „logo!“ oder „Wissen macht Ah!“ vertieft werden.

Meinung der Kinder gefragt

Auch Formate von ZDF und WDR wie „PUR+“, „stark! “ oder „Die Sendung mit dem Elefanten“ beteiligen sich an der Aktion. Im „Kummerkasten“ bekommen Kinder die Möglichkeit, von ihren Erfahrungen mit den digitalen Medien zu berichten.

Außerdem wird es eine Mitmachaktion geben, in der Kinder und Jugendliche an einer Befragung teilnehmen können. Die Macher der Befragung wollen wissen, welchen Regelungsbedarf Kinder selbst sehen und wie sicher sie sich im Internet fühlen.

Von: Tobias Schneider

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Fri, 14 Sep 2018 12:31:00 +0200
<![CDATA[„Hinter jeder Zahl steckt ein Schicksal“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/14/hinter-jeder-zahl-steckt-ein-schicksal/ 3.677 Minderjährige sind laut Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz in der katholischen Kirche Opfer sexueller Vergehen geworden. Die Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Lisi Maier, möchte die Zahlen vor allem nutzen, um einen Strukturwandel in der Kirche herbeizuführen.

Die Strukturen der katholischen Kirche begünstigten sexualisierte Gewalt gegen Kinder und verhinderten Aufklärung, sagte die 33-Jährige gegenüber der Tageszeitung Die Welt. Außerdem sei das Thema Sexualität tabuisiert und totgeschwiegen worden. Hinter jeder der Zahlen stehe ein Schicksal: „Diese Menschen waren Strukturen hilflos ausgeliefert, die solchen Machtmissbrauch möglich gemacht haben.“

Transparenz, Demokratie und Prävention

Sie beobachte in der katholischen Kirche eine „totale Schere“ zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Es verwundere sie nicht, wenn Eltern, Kinder und Jugendliche das Vertrauen in die Kirche verlieren. Der BDKJ versuche mit Transparenz, demokratischen Strukturen und guter Prävention genau dieses Vertrauen zu schaffen.

Scharfe Kritik äußert Maier an den „Männerbünden innerhalb der Kirche“. Diese Karrierenetzwerke verhinderten Aufklärung. Maier möchte deswegen die Macht der Laien innerhalb der Kirche stärken. Zudem brauche es dauerhafte Strukturen, wann Geld für Prävention bereitgestellt werde. Dass Papst Franziskus die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche eingeladen habe, hält sie für einen wichtigen Schritt.

„Jugendliche müssen wissen, wo sie Hilfe finden“

Nach der Veröffentlichung des Berichts müssten nun diejenigen die Verantwortung übernehmen, die für diese Fälle Verantwortung tragen. Hier könne auch die Politik darauf dringen, dass eine unabhängige Aufarbeitung geschieht. Kirchenintern müsse das Thema Sexualität auch in den Priesterseminaren eine größere Rolle spielen. Ihr Verband thematisiere das Ganze in der Fortbildung, damit „Jugendliche auch wissen, wo Grenzen überschritten werden, wie sie sich selbstbewusst wehren können und bei wem sie Hilfe finden“.

Aktuell gehe es darum, den Opfern zuzuhören und sich der Einzelfälle anzunehmen. Dies bedeutet für Maier auch eine finanzielle Unterstützung. Außerdem sollten die Betroffenen an der Veränderung der Strukturen beteiligt werden. Der Bund der Katholischen Jugend ist der Dachverband von 17 katholischen Jugendverbänden. Er vertritt die Interessen der katholischen Jugend, unter anderem im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), und begleitet die Entwicklungen und innerkirchlichen Diskussionen kritisch.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 14 Sep 2018 11:28:00 +0200
<![CDATA[Film: Seenotrettung auf eigene Faust]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/09/14/film-seenotrettung-auf-eigene-faust/ Eine Filmkritik von Anna Lutz]]> Regisseur Wolfgang Fischer nimmt sich in dem fast komplett auf dem Meer spielenden Film „Styx“ der Flüchtlingskrise an und trägt der Tatsache Rechnung, dass wohl jeder seiner Zuschauer Bilder aus Auffanglagern oder überfüllten Flüchtlingsheimen zur Genüge kennt. Fischer mag sich die Frage gestellt haben, welche Perspektive der humanitären Katastrophe, die sich vor unser aller Augen abspielt, Unbeteiligte noch zu berühren vermag – und nimmt sein Publikum deshalb mit auf See.

Hilfe entspricht nicht der Firmenpolitik

Der Plot dreht sich um die Notärztin Rike, mitreißend und über lange Zeit als One-Woman-Show gespielt von Susanne Wolff, die plant, mit einem Segelboot alleine von Gibraltar zu einer tropischen Insel im Atlantischen Ozean zu fahren. Die erfahrene Skipperin sichtet auf offener See ein Flüchtlingsboot in Not. Als sie sich nähert, springen einige der Afrikaner ins Wasser. Nur einen etwa 14-jährigen Jungen (Gedion Oduor Wekesa) kann Rike an Bord ziehen und medizinisch versorgen, die anderen muss sie vorerst ihrem Schicksal überlassen, um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Zwar kontaktiert Rike die Küstenwache, die ihr zusichert, sich um die in Not Geratenen zu kümmern. Doch als auch nach Stunden kein Helfer in Sicht ist, sucht sie Hilfe bei in der Nähe schippernden Tankern. Ein Kapitän antwortet ihr, es widerspreche der Firmenpolitik, Geflüchteten auf See zu helfen. So macht sich die Ärztin letztlich doch selbst auf den Weg zurück zum sinkenden Boot.

„Styx" stellt die Frage, wie jeder Einzelne mit der Flüchtlingskatastrophe umgehen würde, wenn sie sich unmittelbar vor seinen Augen abspielte. Zu Beginn des Segelturns zeigt der Regisseur eine hochprofessionalisierte Skipperin, die mithilfe von Computern, digitalen Uhren und sensiblem Navigationsgerät ihren Weg übers Meer findet. Im Sturm trägt sie wasserdichte Schutzkleidung, ihr Boot ist gefüllt mit mehr Proviant, als sie auf ihrem Weg verzehren kann. Im Gegensatz dazu geht den Geflüchteten auf dem sinkenden Boot sogar das Wasser aus. Fischer kreiert so ein Sinnbild für den europäischen Wohlstand im Vergleich zu der Not der Fliehenden aus Afrika.

Gefühl statt Nachrichtenmeldungen

Fischers Verdienst ist es, all jenen, die ihren Alltag fernab der katastrophalen Zustände an den Rändern Europas bestreiten, in Erinnerung zu rufen, dass sich hinter dem Wort Flüchtlingskatastrophe einzelne menschliche Schicksale, Leben und Tod, Eltern und Kinder verbergen. So wie der Flüchtlingsjunge Kingsley Rike im Film daran erinnert, dass er auf dem Boot seine Schwester zurückgelassen hat. Als Rike ihm erklärt, dass sie ihr nicht helfen kann, betet der Junge in seiner Sprache. Zu verstehen ist nur das unter Tränen hervorgebrachte Amen am Schluss.

„Styx" lässt den Zuschauer die Verzweiflung in Not Geratener spüren, als Kingsley Getränkeflaschen ins Wasser wirft, in der Hoffnung, sie würden vom Meer irgendwie in Richtung seiner Familie getrieben. Er fügt dem Elend, das uns Europäer mit jeder abendlichen Nachrichtensendung alltäglicher erscheint, wieder ein Gefühl hinzu und stellt die Frage: Was würden Sie tun?

Von: Anna Lutz

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Fri, 14 Sep 2018 11:10:00 +0200
<![CDATA[Mein Freund, der Roboter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/13/mein-freund-der-roboter/ Frau Hagen hat heute noch nichts getrunken. Das hat sich ihr Roboter gemerkt. „Möchten Sie etwas trinken?“, fragt er sie mit blecherner Stimme und rollt gleich darauf in die Küche, um mit seinen Greifarmen ein Glas Wasser zu holen. In dem Moment leuchtet auf dem Display an seinem rechten Arm eine Anzeige auf: Zeit für Frau Hagen, die Tabletten zu nehmen. Die bringt der Roboter gleich mit. Besuch hat die alte Dame diese Woche noch keinen gehabt. Aber ihr Roboter unterhält sie prächtig, singt ihr Volkslieder vor und funktioniert seinen kleinen Monitor zu einem digitalen Schachbrett um. Laufen kann Frau Hagen nicht mehr gut. Wenn sie auf Toilette muss, rollt ihr technischer Begleiter ganz nah an sie heran, legt seinen Kunststoffarm um ihre Schultern, hebt sie sanft aus dem Sessel und stützt sie auf dem Weg durch die Wohnung.

Ein fantastisches Szenario einer fernen Zukunft? Mitnichten! Die Forschung an Robotern, die dem Menschen als Assistenten zur Hand gehen, die sich selbstständig bewegen und dazulernen, läuft auf Hochtouren. Zum Beispiel an der Frankfurt University of Applied Sciences. Im Labor versucht ein junger Wissenschaftler einem fahrbaren Gerät beizubringen, sich im Raum zu orientieren. Ein viereckiges Metallkonstrukt auf Rädern mit diversen Kabeln und einem oben darauf befestigten Laptop rollt leise summend durch den Flur. Das Gefährt soll den kürzesten Weg zu einem bestimmten Punkt finden.

Mit einem Laser scannt es die Umgebung, das bekannte Terrain verzeichnet es auf einer digitalen Karte. Stehen ihm Menschen und Papierkörbe im Weg, umkurvt es sie. Dieses System soll einmal selbst den Weg durch eine Wohnung finden, ohne gegen Hindernisse zu stoßen.

Im Nachbarraum steht ein Roboterskelett, zwei Metallarme mit Schrauben, Kabeln und Gelenken, an jedem Arm ein Greifer. Auf dem Tisch davor stehen eine blaue Tasse und eine grüne Flasche. Der Roboter hebt seinen linken Arm und langt nach der Flasche, seine Rechte fasst die Tasse. Die Greifer bewegen sich aufeinander zu. Als sie direkt übereinander stehen, kippt der linke Greifer nach vorn, sodass die Flasche ihren Inhalt in die Tasse entleeren könnte. Danach stellt der Roboter alles wieder auf den Tisch.

Die Entwickler arbeiten daran, dass der Roboter auch aus einer Vielzahl von Flaschen und Tassen die gewünschten findet und auf sprachliche Anweisungen reagiert. Kombiniert mit dem rollenden Gefährt, wird daraus in zwei bis drei Jahren ein Assistenzroboter, der alte und kranke Menschen unterstützen soll, die zu Hause wohnen bleiben möchten.

Ein neuer Mitbewohner, stets zu Diensten

Noch sind viele Tests und Entwicklungsschritte nötig. Sensoren müssen noch empfindlicher und präziser werden, etwa wenn sie steuern sollen, wie viel Kraft der Greifer aufwendet. So fein, wie ein Mensch fühlen und sich bewegen kann, sei es Maschinen noch lange nicht möglich, erklärt Peter Nauth, der an der Frankfurter Hochschule Professor für Technische Informatik ist und das Labor „Autonome Systeme und Intelligente Sensoren“ leitet. „Die Konstruktion des Menschen ist sehr effizient.“

Aber Maschinen, in denen Künstliche Intelligenz (KI) steckt, können schon ziemlich viel. Selbstfahrende Autos werden nicht mehr lang auf sich warten lassen, auch wenn es bei Tests immer noch teilweise tödliche Unfälle gibt. Sprechen und verstehen – solche Technologien sind bei den elektronischen Sprachassistenten Alexa, Siri oder Cortana längst im Einsatz. Am Berliner Bahnhof Südkreuz testet die Polizei seit August 2017 die automatische Gesichtserkennung in Überwachungsvideos. KI kann anhand der Mimik eines Menschen auch erkennen, ob er fröhlich oder traurig ist – und entsprechend reagieren. Es gibt Roboter, die mit ihrer Silikonhaut aussehen wie Menschen, mit ihren „Augen“ Blicke erwidern und als Sexpuppen so tun, als würden sie selbst Lust empfinden, vibrieren und stöhnen.

Bereits seit einigen Jahren arbeiten Pflegeeinrichtungen bei der Betreuung von Wachkomapatienten oder Demenzkranken mit der Roboter-Robbe Paro. Das technische Kuscheltier reagiert mit Kopfbewegungen, Augenaufschlag und Geräuschen darauf, wenn ein Patient mit ihm spricht oder es streichelt. Paro kann Gefühle dieser Menschen anregen und Therapeuten dabei helfen, sie aus ihrer Verschlossenheit herauszuholen. Manchen Patienten kommen im Gespräch mit der Robbe mehr Sätze über die Lippen, als es ihnen sonst möglich ist, berichten Einrichtungen, die Paro einsetzen.

Besser als der Mensch

Wirklich intelligent seien Maschinen mit Künstlicher Intelligenz nicht, erklärt der Informatiker Nauth. „Sie wirken intelligent, aber alles, was sie tun, basiert auf festen Regeln.“ Wenn eine Maschine etwa lernen soll, verschiedene Dinge voneinander zu unterscheiden, merkt sie sich typische Maße und Formen dieser Objekte an Hand von Beispielen, die der Maschine präsentiert werden. Andere Lern-Ansätze funktionieren ähnlich wie das menschliche Gehirn und verknüpfen Informationen netzwerkartig. Dann kann die Software berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein bestimmtes Objekt eine Vase oder eine Flasche ist, ein Fußgänger oder ein Fahrradfahrer.

KI ist in der Lage, auch neue Formen und abweichende Maße mit einzuberechnen. Deshalb „lernen“ diese Systeme dazu. Obwohl das nach bestimmten Algorithmen, also einer programmierten Abfolge von Rechnerbefehlen, geschieht, lässt sich nicht immer vorhersagen, wie sich das KI-System dann verhält. Denn unter anderem die Lernbeispiele selbst beeinflussen, wie die Maschine lernt. Je mehr Beispiele die Software kennt, desto breiter ist die Basis, auf der sie entscheiden kann. Das gilt beispielsweise auch für die Diagnose von Krankheiten anhand von Ultraschallbildern.

Aber: „Wir bestimmen, was ein System erkennen und was es wie lernen soll“, betont Nauth. „Der Unterschied zum Menschen ist nach wie vor, dass ein Mensch in unbekannten Situationen kreativ neue Lösungswege finden kann. Eine Maschine entscheidet anhand bestimmter Muster.“ Darin sind Maschinen aber zum Teil besser als Menschen. Roboter, die bei Operationen das Skalpell führen, können das viel präziser und ruhiger als eine menschliche Hand. Mit selbstfahrenden Autos wird es weniger Verkehrstote geben, ist Professor Nauth überzeugt.

Dass Roboter einmal den Menschen dominieren, unabhängige oder klügere Entscheidungen treffen, ist in Nauths Augen in naher Zukunft nicht absehbar. In ferner allerdings schon. Es wird bereits an Robotern geforscht, die Entscheidungen nicht nur durch den Vergleich von Mustern oder statistische Regeln treffen, sondern nutzenbasiert. Auch Werte sollen Maschinen mit KI erlernen.

Manche Wissenschaftler wollen den Menschen mithilfe von KI unsterblich machen, indem sie die Daten des menschlichen Gehirns technisch auf einen Chip speichern; so könnte der Verstorbene in einem Roboter weiterleben. Einer der Vordenker dieser „Transhumanismus“-Bewegung ist der Chefentwickler von Google, Ray Kurzweil. Die Verbindung von Gentechnik, Robotik und KI bietet kaum vorstellbare Möglichkeiten, den Menschen technisch zu optimieren. Und sie wecken die Sehnsucht, Krankheit und Tod zu überwinden.

Roboter übernehmen keine Verantwortung

Der technische Fortschritt auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz und Robotik geht so schnell voran, dass es dringend notwendig ist, sich dabei auf ethische Leitlinien zu verständigen. Das hat die Politik erkannt. Bis Ende des Jahres soll eine Expertengruppe der Europäischen Union ethische Leitlinien für die Entwicklung von KI erarbeiten. Auch der Bundestag hat im Juni dazu eine Enquete-Kommission eingesetzt.

Es stellen sich zum Beispiel Fragen der Haftung, wenn ein Roboter Schaden anrichtet – wer ist dann dafür verantwortlich? Wie können private Daten geschützt werden? Welche ethischen Standards in der Beziehung zwischen Mensch und Maschine müssen erfüllt sein? Wie ist dem Risiko zu begegnen, dass Roboter gehackt und manipuliert werden können – auch wenn sie sich etwa als medizinische Geräte im Inneren des Körpers befinden?

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Maschine – sei sie noch so intelligent – ist bei diesen Fragen entscheidend: Maschinen können nicht für ihr Handeln einstehen, verantwortlich gemacht oder gar schuldig gesprochen werden, wenn sie zum Beispiel jemanden verletzen oder Entscheidungen treffen, die andere beeinträchtigen. Der Theologe und Ethiker Lukas Ohly ist deshalb zum Beispiel dafür, dass selbstfahrende Autos nicht völlig autonom unterwegs sind, sondern als Fahrassistenten dienen.

Begegnung zwischen Menschen ist einzigartig

Klug eingesetzt könnten künstlich intelligente Maschinen und Roboter aber sehr hilfreich sein, etwa zu therapeutischen Zwecken mit psychisch Erkrankten. In den Chancen stecke aber auch eine Gefahr. „Das Künstliche erleichtert die Kommunikation“, sagt Ohly und nennt ein Beispiel: „Selbst wenn man den Pfarrer kennt, ist die Hemmschwelle hoch, mit ihm seine Probleme zu besprechen.“ Mit einem technischen Gerät falle das oft leichter.

Das liegt daran, dass in jeder zwischenmenschlichen Begegnung eine Spannung liegt, erklärt der Theologe. Deshalb fühlt man sich wohl oder unwohl in der Gegenwart eines anderen Menschen, sucht oder meidet den Blickkontakt oder setzt sich in der Bahn einem anderen eher gegenüber als neben ihn – oder noch weiter weg. Die Hemmschwellen zwischenmenschlicher Kommunikation prägen aber auch den Menschen als moralisches Wesen, erklärt Ohly. Das erreiche ein Roboter nicht.

Im Gespräch mit einem Roboter gibt es keine sozialen „Zumutungen“, denn sie sind Objekte. Allerdings solche, die so tun, als wären sie richtige Gegenüber. Darin liegt aus Ohlys Sicht auch die besondere Faszination, mit Robotern zu kommunizieren. Auch auf Sexroboter ließe sich das übertragen: Wer auf die eigene schnelle Befriedigung aus ist, entzieht sich beim Sex mit einer solchen Puppe der menschlichen Begegnung und ihrer Spannung. „Wenn wir das nur noch machen würden und keine Begegnungen mehr in der analogen Welt hätten, würde das unsere Gesellschaft nachhaltig verändern. Eine solche Gesellschaft würde alles nur noch auf Informationen reduzieren, die sich als Daten verarbeiten lassen.“ Soziale Normen, menschliches Verhalten – das könnten Algorithmen vorgeben. „Was sich dagegen nicht errechnen lässt, nämlich die Spannung einer Begegnung, würde unterdrückt werden“, fürchtet Ohly.

Wenn der Roboter segnet

Auf der Weltausstellung zum Reformationsjubiläum präsentierte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau einen Segensroboter. Kunststoffkopf, Kameraaugen, Lippen aus LED-Lämpchen, Metallbauch mit Monitor. Auf dem Display konnte der Besucher sich einen Segen und das Geschlecht der Roboterstimme auswählen. Dann bewegte die Maschine ihre Arme in die Höhe, klappte die Plastikfinger aus und aus einem eingebauten Lautsprecher tönte blechern ein Segenswort.

Der Roboter „BlessU-2“ war als Experiment gedacht, das zu Diskussionen anregen sollte. In Gottesdiensten oder zur Seelsorge werden Roboter bislang nicht eingesetzt. Aber wäre es vorstellbar und theologisch vertretbar, dass einst Roboter die Liturgie singen, aus der Bibel vorlesen oder predigen?

Ohly, nebenberuflich Professor an der Universität Frankfurt und im Hauptberuf Gemeindepfarrer, ist skeptisch. „Ein Segensroboter mag – wie auch andere Roboter, die zur Erleichterung des Lebens eingesetzt werden – ein Segen sein, aber er kann nicht segnen: Er kann den Segen nicht als Handlung ausführen, weil er ihn nicht verantworten kann.“ Außerdem fehle einem Pfarr-Roboter das, was die zwischenmenschliche Beziehung zwischen dem Geistlichen und der Gemeinde ausmache.

Keine Liebe ohne Persönlichkeit

Es gibt Wissenschaftler, die vor dem Einsatz von Robotern als Ersatz für ein menschliches Gegenüber warnen, vor allem wenn es um intime und emotionale Bereiche wie Sex geht. „Liebe und Sex sind für lebende Wesen reserviert“, sagt die britische Ethikerin Kathleen Richardson. Sie ist Mitgründerin einer Kampagne gegen menschenähnliche Sexroboter. In ihren Augen sind solche „mechanischen Puppen“ oder „Porn-Bots“, wie sie sagt, keine harmlose Alternative zu Prostitution. Im Gegenteil: Sie förderten die Vorstellung, Sex außerhalb einer Person haben zu können.

Der Körper werde so zu einem verfügbaren Objekt und nicht als Teil der Person gesehen. Diese Haltung rechtfertige die Ausbeutung von Menschen. Richardson sagt: „Man kann Liebe ohne Sex und Sex ohne Liebe haben. Aber es gibt Liebe und Sex nie unabhängig von der Persönlichkeit.“ Auch fürchtet sie, dass solche Roboter die menschliche Empathiefähigkeit schwächen. Denn Mitgefühl entwickle sich in gegenseitigen Begegnungen.

Ebenbild Gottes ist nur der Mensch

Beziehungen von Mensch zu Mensch werden immer eine andere Qualität haben als die zu einem Roboter. Das hat nach Ansicht von Ohly damit zu tun, dass der Mensch ein Ebenbild Gottes ist. „Für mich hängt die Ebenbildlichkeit nicht an der Person und ihren Eigenschaften, sondern am Wesen: an der zwischenmenschlichen Beziehung.“

Ohly ist überzeugt, dass Gott in jeder menschlichen Begegnung anwesend ist, weil Gott den Menschen auf die Beziehung zu ihm hin geschaffen hat und in Jesus schließlich selbst Mensch geworden ist. Die Kirche sollte seiner Meinung nach KI und Robotik nicht verteufeln und auch die Chancen dieser Technologien sehen. Gleichzeitig sollte sie auch dafür einstehen und erklären, was den Menschen als Menschen auszeichnet, seine Autonomie, die besondere Kraft der zwischenmenschlichen Begegnung, das Menschenbild des christlichen Glaubens: Denn Ebenbild Gottes zu sein – das wird selbst den intelligentesten Robotern niemals vergönnt sein.

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 13 Sep 2018 18:47:00 +0200
<![CDATA[Katholische Kirche muss Missbrauch konsequent bekämpfen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/09/13/katholische-kirche-muss-missbrauch-konsequent-bekaempfen/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> 3.677 Minderjährige wurden zwischen 1946 und 2014 von katholischen Priestern und Ordensleuten sexuell missbraucht, vorwiegend Jungen, mehr als die Hälfte von ihnen waren zu der Zeit jünger als dreizehn Jahre. Beschuldigt werden 1.670 Geistliche. Das ist das Ergebnis einer Forschungsgruppe, die im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche in Deutschland untersuchte. Darüber berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel am Mittwoch.

Die Forscher von den Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen gehen von einer deutlich größeren Zahl aus, für viele Fälle gibt es keine dokumentierten Belege, teilweise wurden Personalakten manipuliert oder vernichtet. Nach Ansicht der Forscher ist der Spuk noch nicht vorbei: Sexueller Missbrauch durch Kleriker der Katholischen Kirche sei keine „in der Vergangenheit abgeschlossene und mittlerweile überwundene Thematik“.

Der 11. September der Katholischen Kirche

Als moralische Autorität in der Gesellschaft ist die Katholische Kirche damit leider kaum glaubwürdig. Es ist geradezu frappierend, wie systematisch und weitreichend – Deutschland, Chile, USA, Irland, Australien und andere Länder sind betroffen – sexueller Missbrauch seit Jahren grassiert – und trotzdem nur scheibchenweise aufgedeckt wird. Das dürfte das Vertrauen in die Katholische Kirche massiv erschüttert haben. Laut einer Forsa-Studie vom Anfang des Jahres vertrauen nur 27 Prozent der Deutschen der Katholischen Kirche, der evangelischen 48 Prozent. Wer will es den Menschen verdenken? Was kann verheerender sein, als wenn Eltern ihre Kinder einer vermeintlichen Vertrauens- und Schutzperson anbefehlen und diese sich hemmungslos an den Minderjährigen vergeht?

Immerhin: Der Papst hat kürzlich die Schuld seiner Kirche eingestanden und um Vergebung gebeten. Sein Sekretär Georg Gänswein sagte diese Woche, die Kirche durchlebe mit dem Missbrauchsskandal ihren „eigenen 11. September“. Nur dass hier der Angriff nicht von außen kommt, sondern wie ein Geschwür im Inneren der Kirche sitzt.

Bei aller notwendigen und berechtigten Kritik und Empörung über diese Skandale sollte aber eine Zahl nicht übersehen werden: Laut der Studie über die Situation in Deutschland handelt es sich bei den Beschuldigten um etwa vier Prozent der aktiven Kleriker. Demnach sind die allermeisten katholischen Geistlichen keine Kinderschänder.

Entschlossene Schritte gegen Missbrauch sind nötig

Dennoch ist das Problem selbst in seiner Tragweite nicht zu relativieren und muss bekämpft werden. Missbrauch lässt sich nicht wieder gut machen. Aber er kann vermieden werden. Als Mitarbeiter der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit ist es eine der ersten Regeln, die man lernt: Wenn irgendwo eine Gefahrenquelle liegt – Glassplitter etwa –, muss sie nach Möglichkeit entfernt werden. Wenn es die Katholische Kirche wirklich ernst meint mit der Aufarbeitung, muss sie entschlossen handeln und Strukturen verändern, die Missbrauch begünstigen. Das kann auch bedeuten, den Zölibat zu lockern oder Frauen zur Priesterweihe zuzulassen. Und natürlich darf ein Geistlicher, der nachweislich übergriffig wurde, nicht im Amt bleiben, geschweige denn weiterhin mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Dass er sich strafrechtlich verantworten muss, sollte außer Frage stehen.

Am 25. September wird Kardinal Reinhard Marx, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, die Studie offiziell vorstellen. Dann sollte er konkrete Maßnahmen im Gepäck haben, mit denen sich seine Kirche gegen den Missbrauch stellt. Von bloßen Schuldeingeständnissen wird die Katholische Kirche kein Vertrauen zurückgewinnen.

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Thu, 13 Sep 2018 16:49:00 +0200
<![CDATA[„Deutsche Journalisten verteidigen Demokratie“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/09/13/deutsche-journalisten-verteidigen-demokratie/ Mit dem beruflichen Selbstverständnis deutscher Journalisten hat sich der Amerikaner Jay Rosen befasst. Der Journalist hat dazu im Rahmen eines Forschungsprojekts der Robert-Bosch-Stiftung 53 deutsche Publizisten befragt, Redakteure und freie Mitarbeiter, aber auch Wissenschaftler sowie Mitglieder des Presserats. Dabei interessierten ihn auch Unterschiede zum amerikanischen Journalismus.

Sein Resümee versteht er nicht als wissenschaftliche Studie. Er hat es als offenen Brief zusammengefasst, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte. Fünf Säulen macht Rosen für das Selbstverständnis deutscher Journalisten aus. An erster Stelle nennt er die Pressefreiheit: „Der Staat soll sich aus ihrer Arbeit heraushalten.“ Deutlich mehr Gewicht als in seiner Heimat habe die zweite Säule. Für deutsche Journalisten stünden Persönlichkeitsrecht oder Opferschutz häufig über dem Recht auf ungehinderte Berichterstattung.

Gegenüber Rechtspopulismus bleiben Jornalisten nicht cool

Auch dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk komme in Deutschland nach Rosens Einschätzung eine wichtige Bedeutung zu. Es gehe darum, die Bürger im Sinne der Meinungsbildung zu informieren. Dies werde weder allein dem Markt noch allein dem Staat überlassen. Rosen stellte zudem fest, dass deutsche Journalisten mit ihrer Arbeit Demokratie und Menschenwürde verteidigen. Dies sei vielen Befragten gar nicht bewusst gewesen: „Für mich ist das die große Stärke des deutschen Journalismus. Aber er steht zunehmend unter Druck und sieht sich heftigen Kontroversen ausgesetzt.“

Schließlich sei den Journalisten hierzulande Objektivität wichtig: der Anspruch, bei der Berichterstattung nicht in persönliche Betroffenheit zu verfallen, sondern Distanz zu wahren.

Deutschen Journalisten falle es jedoch nicht sehr leicht, seit dem Aufstieg des Rechtspopulismus in den vergangenen drei Jahren cool zu bleiben. Auch die Presse habe sich für eine „Willkommenskultur“ während der Flüchtlingskrise ausgesprochen. Aber allzu oft, so Rosens Gesprächspartner, hätten Journalisten nicht kritisch gefragt, wie die Flüchtlingspolitik denn funktionieren werde. Auch die Ereignisse der Kölner Silvesternacht und ihre schleppende Aufarbeitung hätten die Medien in Verruf gebracht. Dies habe jedoch dazu geführt, dass die deutschen Journalisten sich und ihre Arbeit stärker hinterfragen – bis heute.

Genauer zuhören

Rosen geht in seinem Text auch darauf ein, wie die AfD die öffentliche Kommunikation veränderte. Die Partei habe nach ihrem Einzug in den Bundestag immer wieder proklamiert, dass die Mainstream-Presse von den Sorgen der „abgehängten Bevölkerung“ keine Ahnung habe. Die AfD überschreite kalkuliert Grenzen und stilisiere sich später als Opfer. Außerdem sorge sie im Internet für eine Gegenöffentlichkeit der eigenen Sympathisanten.

Wenn Kritiker von System- oder sogar Lügenpresse sprächen, sei es wichtig, dass Journalisten die Demokratie verteidigen. Denn diese drohe zunehmend angegriffen zu werden. Journalisten müssten sich „radikalere und zugleich kreativere Formen ausdenken“, um dem gerecht zu werden. Jedoch werde es schwieriger, die Öffentlichkeit zu informieren, weil Journalisten heute nur noch eine Quelle unter vielen seien. Am Ende könne der Austausch von Informationen durch die zahlreichen Social-Media-Kanäle unter Ausschluss der Presse funktionieren.

Er empfiehlt den Journalisten, das Spannungsverhältnis produktiv zu nutzen, die Demokratie verteidigen zu wollen und andererseits cool, distanziert und objektiv über eine Sache zu berichten: „Menschen, die sich übergangen fühlen, sind unempfänglich für komplexe und unbequeme Wahrheiten.“ Rosen wünscht sich, dass Journalisten genau zuhören und ein gutes politisches Urteil zu beweisen. Dies habe in der Flüchtlingsfrage nicht gut funktioniert.

Auf Themen aufmerksam machen, nicht belehren

Rosen betonte, auch mit Blick auf das pressefeindliche Auftreten von US-Präsident Donald Trump, Journalisten sollten nicht Parteien oder charismatische Politiker bekämpfen, sondern einen politischen Stil, der Demokratie untergräbt und ihre Institutionen aushöhlt. Aufgabe der Medien sei es nicht, „den Leuten zu sagen, was sie denken sollen“, sondern lediglich auf wichtige Dinge aufmerksam zu machen, über die sie nachdenken sollten. Rosen nennt dies „Agenda-Setting“. Diese Agenda dürfe sich nicht am Unterhaltungs- und Sensationswert orientieren.

Rosen wünscht sich Transparenz in der Themenwahl: „Ich werde derjenigen deutschen Redaktion eine Goldmedaille verleihen, die als erste ihre Schwerpunkte in der Berichterstattung öffentlich macht.“ Außerdem beobachtet er, dass die Nutzer immer mächtiger würden. Das Mediensystem sei keine Einbahnstraße mehr. Nutzer könnten eine Auswahl treffen: „Wenn in einer Beziehung eine Seite mächtiger wird, verändert das die Beziehung. Der deutsche Journalismus muss das zur Kenntnis nehmen und sich entsprechend weiterentwickeln“, schließt Rosen seine Analyse.

Jay Rosen ist amerikanischer Forscher und Journalist. Er ist Professor für Journalismus an der New York University und beschäftigt sich dort insbesondere mit Fragen des Bürgerjournalismus. Rosen schreibt unter anderem in der New York Times und dem Harper’s Magazine.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 13 Sep 2018 13:37:00 +0200
<![CDATA[Gefahren im Netz: Sex, Missbrauch, Extremismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2018/09/13/gefahren-im-netz-sex-missbrauch-extremismus/ Im Jahr 2017 sind bei Jugendschutz.net zehnmal so viele Meldungen über Darstellungen sexueller Ausbeutung von Kindern im Internet eingegangen als im Vorjahr. Das erklärte der Leiter der Organisation, Friedemann Schindler, am Donnerstag in Berlin vor Journalisten. Auch islamistische und sonstige extremistische Angebote gefährdeten Kinder und Jugendliche im Internet.

Laut dem Jahresbericht von Jugendschutz.net, einem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern, hat die Stelle im vergangenen Jahr über 100.000 Angebote im Netz überprüft und rund 7.500 Verstöße gegen den Jugendmedienschutz festgestellt. In 80 Prozent aller Fälle wurden sie schnell gelöscht. Ein Fortschritt, wie Schindler betonte. Die Gründe dafür, dass große Player wie Google oder Facebook heute schneller auf Meldungen problematischer Inhalte reagieren, sieht er einerseits im durchaus umstrittenen Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das Betreiber dazu verpflichtet, fragliche Inhalte zu prüfen und innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zu löschen. Andererseits habe eine intensivere öffentliche Debatte über Hassbotschaften dazu geführt, dass Soziale Netzwerke heute sensibler mit problematischen Inhalten umgehen.

„Cybermobbing Tür und Tor geöffnet"

Dennoch äußerte er klare Kritik an den Betreibern von Plattformen wie etwa Instagram: 17 Prozent der 10- bis 13-Jährigen nutzten den Dienst, dabei sei er offiziell erst ab zwölf Jahren verfügbar. Die Sicherheit gerade junger Nutzer sei nicht gewährleistet, denn alle Profile seien zunächst automatisch öffentlich und damit für jeden Nutzer zugänglich. „Cybermobbing ist damit Tür und Tor geöffnet“, sagte Schindler. Ähnliches gelte für die Videoplattform TikTok. Dort können vor allem junge Nutzer Videos posten, häufig ahmen sie dabei ihre Stars nach. Sexualisierte Kommentare unter Tanz- und Turnvideos seien gängig, häufig komme es auch zum sogenannten Grooming, sagte Schindler. Dabei nehmen Pädophile ersten Kontakt zu Kindern und Jugendlichen über die Plattform auf.

Schindler sieht für die Probleme, die durch mangelnde Sicherheitseinstellungen entstehen, allein die Betreiber verantwortlich. Es sei technisch kein Problem, etwa eine WhatsApp-Variante für jüngere Nutzer mit strengeren Sicherheitseinstellungen herauszugeben. Es fehle lediglich der Wille dazu. Stattdessen umgingen große Dienste rechtliche Weisungen, indem sie eine Altersgrenze für ihre Apps einführten - offenbar wohl wissentlich, dass sie von jüngeren Nutzern ignoriert wird. Denn oft sei einfach nur ein Häkchen zu setzen, um zu bestätigen, dass der Nutzer ein bestimmtes Alter bereits erreicht habe - kein wirkliches Hindernis für Kinder.

Fake-News und Stimmungsmache zu Chemnitz

Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesjugendministerium, warnte im Bezug auf die jüngsten Geschehnisse von Chemnitz vor politischer Propaganda im Netz. YouTube-Videos mit Falschmeldungen und Stimmungsmache würden zehntausendfach geklickt - auch von jungen Menschen. Rechtsextremismus sei eine der größten Herausforderungen für die Demokratie heute, erklärte sie. Da Eltern das Smartphone ihrer Kinder nicht ständig überwachen könnten, seien die Anbieter in der Pflicht, die Angebote auf ihren Plattformen von vornherein stärker zu kontrollieren.

Christiane Rohleder, Staatssekretärin im Jugendministerium von Rheinland-Pfalz, forderte „endlich zeitgemäße Neuregelungen im Jugendmedienschutz“. So seien Filme in Streamingdiensten wie Netflix oft nicht mit derselben Altersfreigabe gekennzeichnet wie im Geschäft. Eltern und Kinder müssten zusätzlich bei der Auswahl angemessener Internetangebote unterstützt werden. Problematisch schätzt sie auch den Umgang mit persönlichen Daten in vielen Apps ein. Oft würden Adressen und Handynummern der Nutzer abgefragt. Oder es werde unverhohlen zum Kauf anderer Artikel animiert - teilweise im Wert von bis zu 350 Euro. Eine Gefahr, gerade für junge Nutzer, findet Rohleder.

Sie forderte, dass die Betreiber von Apps Werbung kenntlich machen und verantwortungsvoll mit persönichen Daten umgehen. Nicht zuletzt sei es aber auch wichtig, dass Eltern ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Kindern pflegten. Nur dann seien diese auch bereit, mit Mutter oder Vater über unangenehme Erfahrungen im Netz zu sprechen.

Von: Anna Lutz

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Thu, 13 Sep 2018 12:26:00 +0200
<![CDATA[Kirchen: Eigene Botschaft gegen Angst und Populismus setzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/09/12/kirchen-eigene-botschaft-gegen-angst-und-populismus-setzen/ Matthias Blöser, Referent beim Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, hat bei der Tagung „Religion und Populismus“ die Kirchen dazu aufgefordert, an konkreten Lösungen zu populistischen Phänomenen zu arbeiten und diese politisch einzufordern. Die Kirchengemeinden vor Ort müssten konfliktfähig sein. Es gelte, Netzwerke zu stärken und tragfähige sozialpolitische Bündnisse zu gestalten.

Die Kirche sollte sich fragen, was sie tun könne und wo ihre Stärken seien. „Die eigene Botschaft ist tragfähig“, sagte Blöser. Für Besuchsdienste habe seine Landeskirche etwa die Schrift „Paroli den Parolen“ herausgegeben. Neben Pfarrern würden noch viel häufiger Ehrenamtliche mit Parolen konfrontiert, denen man entgegentreten müsse. Die Evangelische Jugend habe beispielsweise einen Koffer entwickelt, der sich für öffentliche Aktionen eigne. Bei Ereignissen wie jüngst in Köthen oder Chemnitz könnten Kirchen einen Ort für die Trauerarbeit anbieten und dort Angebote machen.

Blöser warb dafür, Heimat inklusiv zu gestalten statt Menschen auszugrenzen. „Als Kirchen haben wir den Blick zum Himmel und können auch auf die bleibende Hoffnung schauen.“ Er wünsche sich eine menschenfreundliche Kirche. Deren Mitglieder müssten Haltung einüben, zeigen und gut reflektieren. „Die Kirche muss die Wahrheit und die Demokratie verteidigen. Sie muss eigene Themen setzen, statt Angstmacher nachzuahmen“, mahnte er.

Christliche Botschaft bleibt eine Frohe Botschaft

Als Beispiele für Populismus nannte der Politikwissenschaftler die frühere CDU-Politikerin Erika Steinbach, die im Internet schon häufig mit manipulierten Bildern Ängste geschürt habe. Kirche müsse hier deutlich machen, dass Gott alle Menschen liebt und die Kirche in jedem Menschen Gottes Wirken sieht. Er warb dafür, beim Dialog auch die Grenzen zu erkennen. Wenn Personen wie der Aktivist Götz Kubitschek salonfähig gemacht würden und er auf der Buchmesse aufträte, sei dies sehr bedenklich.

Wenn AfD-Politiker wie Hans-Thomas Tilschneider sagten, dass sich die Kirche mit der Masseneinwanderung gegen den Willen Gottes stelle, werde das Christentum von den Füßen auf den Kopf gestellt. Die NPD habe sogar Luther für Wahlwerbung instrumentalisiert. Rechtspopulisten würden das Christsein und die christliche Botschaft umdeuten. „Die christliche Botschaft ist aber eine Frohe Botschaft und soll das Kernanliegen bleiben.“

Parteien wie die AfD schüfen Opfermythen. Mit dem Motto „Die Evangelische Kirche grenzt wieder mal die Kirche aus“ habe die AfD den Fall einer hessischen Kirchenvorsteherin genutzt. Diese war von der FDP in die AfD gewechselt ist. Mit der Karfreitagssymbolik und dem biblischen Spruch „Vergib ihnen ihre Sünden, denn sie wissen nicht, was sie tun“ habe sie hier eine klare Strategie verfolgt und die Schuld den Kirchen in die Schuhe geschoben.

Auf der Tagung „Die Kirchen und der Populismus“ wurden von Montag bis Mittwoch das Verhältnis der Kirchen zu populistischen Tendenzen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven erörtert. Veranstaltet hat sie die Schader Stiftung in Darmstadt zusammen mit der Konferenz der deutschsprachigen Pastoraltheologen & Pastoraltheologinnen sowie der Fachgruppe Praktische Theologie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 12 Sep 2018 17:19:00 +0200
<![CDATA[Deutsche stehen Künstlicher Intelligenz kritisch gegenüber]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/09/12/deutsche-stehen-kuenstlicher-intelligenz-kritisch-gegenueber/ Die Deutschen haben kein Vertrauen in Künstliche Intelligenz (KI). Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die vom Meinungsforschungsinstitut YouGov gemacht wurde. In der repräsentativen Umfrage wurden Ende August dieses Jahres 2.000 Menschen über 18-Jahre befragt, wie sie zu dem Thema stehen.

Jüngst hatte sich zum Beispiel Tesla-Gründer Elon Musk kritisch über die Technik geäußert. „KI ist viel gefährlicher als Atomwaffen“, sagte er und forderte staatliche Aufsichtsbehörden, die die Forschung zu KI überwachen. Auch Experten sind uneinig über das Nutzen-Risiko-Verhältnis. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, dass selbst große Unternehmen KI bis jetzt nur sehr zögerlich einsetzten.

45 Prozent der Deutschen sehen das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko bei KI als ausgeglichen an. Für 26 Prozent überwiegen jedoch die Risiken, wohingegen nur 15 Prozent glauben, dass die Vorteile überwiegen. Während jüngere Menschen tendenziell die Vorteile sehen, stehen für die älteren Menschen die Risiken im Vordergrund.

Selbstfahrende Autos finden mehr Zustimmung

Vor allem bei Einsatzbereichen, bei denen es um gerechte Entscheidungen geht, ist die Ablehnung von KI besonders hoch. Die Auswahl eines Bewerbers für einen Arbeitsplatz durch eine KI lehnen 73 Prozent der Befragten ab. Obwohl die Auswahl durch Menschen viel Raum für Ungerechtigkeit lässt, befürworten nur 17 Prozent eine Auswahl durch Maschinen. Auch die Steuerung von Waffensystemen durch KI halten 71 Prozent der Deutschen für falsch und nur 18 Prozent würden einer Nutzung von KI im Krieg zustimmen.

Anders sieht die Meinung bei selbstfahrenden Autos aus. Dieses Thema wurde in der deutschen Öffentlichkeit bereits diskutiert. Obwohl es in der Vergangenheit bereits schwere Unfälle mit selbstfahrenden Autos gab, gibt es eine Zustimmung von 37 Prozent und nur 52 Prozent Ablehnung.

Ein Drittel der Deutschen befürwortet eine maschinelle Service-Hotline. Die meiste Zustimmung bekommt KI beim Erstellen von Berichten. 45 Prozent der Menschen trauen einer KI zu, einen Bericht über ein Fußballspiel zu verfassen und 49 Prozent befürworten sogar Berichte über Aktienkurse.

Von: Tobias Schneider

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Wed, 12 Sep 2018 16:01:00 +0200