Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 30 Oct 2020 21:03:27 +0100 <![CDATA[Schirrmacher wird neuer Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/30/schirrmacher-wird-neuer-generalsekretaer-der-weltweiten-evangelischen-allianz/ Er war bisher Stellvertretender Generalsekretär und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), nun wird er Generalsekretär der WEA: Thomas Schirrmacher. Der Theologe ist zudem Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit. Er gilt als führender Experte zum Thema Christenverfolgung, mehrfach war er als Sachverständiger für den Bundestag tätig. Er nahm 2015 an der von Papst Franziskus einberufenen katholischen Familiensynode teil. Die Tageszeitung Die Welt nannte ihn „des Papstes liebster Protestant“. Schirrmacher ist außerdem Berater der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Wie der Internationale Rat der WEA mitteilte, bringe Schirrmacher viele Jahre Erfahrung an verschiedenen Stellen der Allianz mit. Der Vorsitzende des Internationalen Rates der WEA, Goodwill Shana, schrieb in einem Brief an die Mitglieder: „Thomas wird den meisten von Euch bekannt sein, denn er ist schon seit Jahren in der WEA aktiv. (...) Er baut Partnerschaften auf und sieht die WEA als Beitrag für die Entwicklung der weltweiten Christenheit.“

Bei der WEA „wie zu Hause"

Der scheidende WEA-Generalsekretär Efraim Tendero erklärte, Schirrmacher sei „von allen am besten vorbereitet“ auf das Amt. Er habe „Charisma, Kompetenz und die Fähigkeit“ dafür. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er die WEA erfüllt vom Heiligen Geist führen wird und die Frohe Botschaft vom Herrn Jesus Christus in alle Nationen zu tragen und persönliche, familiäre und gesellschaftliche Veränderungen zur Ehre Gottes erwirken kann."

Schirrmacher teilte mit, er fühle sich aufgrund der vielen Jahre bei der WEA „wie zu Hause“. „Jenseits meines akademischen und sozio-politischen Engagements stand im Zentrum meiner Überzeugung immer die verändernde Kraft des Evangeliums von Jesus Christus für einzelne Menschen und die ganze Welt.“ Für ihn sei die WEA „der beste Ort, um der Kirche zu dienen“.

Die Weltweite Evangelische Allianz wurde 1846 in London gegründet und vertritt etwa 600 Millionen evangelikale Christen weltweit. Die Bewegung umfasst neun regionale und 134 nationale Evangelische Allianzen und über 150 Mitgliedsorganisationen. Die Evangelischen Allianzen sollen ihrerseits wiederum die Kirchen im jeweiligen Land befähigen, den Glauben an Jesus Christus zu verbreiten.

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 30 Oct 2020 11:50:00 +0100
<![CDATA[John Lennox verteidigt den christlichen Glauben in US-Kinos]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/10/30/john-lennox-verteidigt-den-christlichen-glauben-in-us-kinos/ Am 19. November wird der Dokumentarfilm „Against the Tide – Finding God in an Age of Science“ (Gegen den Trend – Gott im Zeitalter der Wissenschaft finden) mit dem christlichen Apologeten John Lennox in US-amerikanischen Kinos ausgestrahlt.

In „Against the Tide“ nehmen der ehemalige Oxford-Mathematiker Lennox und der Hollywood-Schauspieler, Regisseur und Produzent Kevin Sorbo die Zuschauer mit auf eine Reise von Oxford über Cambridge nach Israel, um das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Glaube zu ergründen. Nach Angaben von Lennox wollen die Produzenten den Film in Europa und anderswo verfügbar machen. Einzelheiten dazu sind allerdings noch nicht bekannt.

„Dieser Film ist ein Meisterstück, um das atheistische Weltbild zu verstehen und zu hinterfragen", erklärte Sorbo in einer Ankündigung zum Kinostart des Films. Sorbo ist davon überzeugt, dass jeder, der sowohl ein tieferes Verständnis für die Bibel als auch der Verteidigung des christlichen Glaubens sucht, den Film anregend finden wird.

Der Mathematiker John Lennox gilt als international anerkannter Redner und Autor an der Schnittstelle von Wissenschaft, Philosophie und Religion. Der Wissenschaftler teilt in Büchern, Vorträgen und Diskussionen mit Atheisten immer wieder die rationalen Grundlagen seines christlichen Glaubens. Der Film zeigt in der Form eines Reiseberichts, woher die Leidenschaft Lennoxs rührt, überzeugende Beweise dafür zu präsentieren, dass Wissenschaft und Geschichte nicht nur mit der Schrift übereinstimmen, sondern die biblische Erzählung stützen.

In dem Film reflektiert Lennox über öffentliche Debatten unter anderem mit den Atheisten Richard Dawkins, Christopher Hitchens, Peter Singer und Michael Shermer und die darin am häufigsten vorgetragenen Argumente. Vom 20. November bis zum 20. Dezember haben zudem christliche Gemeinden in USA die Möglichkeit, den Film auszuleihen und vorzuführen.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 30 Oct 2020 09:28:00 +0100
<![CDATA[Virales Jugendradio (tru:) startet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/radio/2020/10/30/virales-jugendradio-tru-startet/ Das christliche Jugendradio (tru:) startet heute offiziell seinen Sendebetrieb. Nach zwei Jahren Vorbereitung und vier Monaten Testbetrieb wollen die Macher laut Pressemitteilung „Popmusik mit Hits aus den deutschen Charts bieten und auch Sendungen, die Jugendliche selbst produzieren“. Die Rundfunkjournalistin Maren Hoffmann-Rothe hat den Sender gemeinsam mit Medienproduzent Ulli Harraß realisiert.

(tru:) wird von der MediaVision e.V. als gemeinnütziges Projekt unterstützt. Die Verbreitung und der Empfang von (tru:) sind komplett kostenlos, da sich laut.fm über Radiowerbung und die Mixcloud über den Verkauf von Musikdateien finanzieren. Zielgruppe von (tru:) sind aber nicht nur christliche Jugendverbände und Gruppierungen.

Musikwünsche mit Grüßen rund um die Uhr

„Unsere Sendungen orientieren sich zwar an christlichen Werten. Sie sind aber für alle Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren gedacht. Für Kinder in diesem Alter gibt es nur wenig bis keine Inhalte im Radio“, erläutert Harraß das Konzept.

Von Beginn an sind auch Jugendliche selbst mit auf Sendung. Benjamin und Sarah unterhalten sich über Themen und Fragen, die Jugendliche per WhatsApp schicken. Levi präsentiert seine Lieblingsmusik und Informationen dazu. Musikwünsche mit Grüßen werden rund um die Uhr gesendet. Die (tru:)-Macher unterstützen diese Produktionen. Hoffmann-Rothe und Harraß moderieren Talks und Interviews auf (tru:).

In einer Beratungssendung werden professionell und anonymisiert die kniffligen Fragen der Jugendlichen beantwortet. TV-Regisseur Martin Nowak erläutert die Erfolgsprinzipien von YouTube-Influencern. Gesangscoach Naomi van Dooren erzählt, wie die Casting-TV-Show „Voice of Germany“ funktioniert.

Öffentliche Zoom-Party zum Start

Erste Partner des Senders sind der CVJM Deutschland, das Jugendwerk der Evangelischen Gemeinschaft Deutschland und die Initiative „the message“ Deutschland. Der Radiosender verbreitet sich in den Verbänden viral bei den über 350.000 erreichbaren Jugendlichen. Weitere Jugendverbände sind mit (tru:) im Gespräch. Sie erhalten im Rahmen der Partnerschaft eine regelmäßige Radioshow mit ihren News, die auf allen Social-Media-Kanälen eingebunden werden kann.

Zum Sendestart um 16 Uhr veranstaltet (tru:) eine öffentliche Zoom-Party. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 30 Oct 2020 08:06:00 +0100
<![CDATA[Man kann sich über unfaire Medien ärgern, man muss aber nicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/10/29/man-kann-sich-ueber-unfaire-medien-aergern-man-muss-aber-nicht/ Jürgen Mette hat es vor zwei Jahren selbst erlebt.]]> Ein freier Journalist, der für diverse ARD-Landessender Hörfunk-Features produziert, hatte mit mir telefonisch Kontakt aufgenommen. Er verwies auf Empfehlungen Dritter und lobte ein bestimmtes Buch aus meiner Feder und bat mich um ein Radiointerview über die Evangelikalen. Der Journalist war total nett und vertrauenswürdig. Ich wurde in das HR-Studio nach Kassel zur Aufnahme meines Parts gebeten. Bis dahin wusste ich nicht, wer außer mir noch befragt wurde. Bevor der Beitrag gesendet wurde, hatte ich Gelegenheit, meinen Part – als Abschrift – kritisch gegenzulesen. Obwohl sich das Gespräch bald in eine Richtung gedreht hat, zu der ich mich nicht äußern wollte. Aber ich konnte nicht wissen, wer sonst noch als Talkgast mit von der Partie war, auch nicht, dass die Sendung mit Predigtausschnitten von Olaf Latzel aus der Bremer St. Martini-Gemeinde eingeleitet wurde. Da spätestens war mir klar, wohin die Reise gehen soll. Ich sollte mich von Olaf Latzel distanzieren, auch von Hartmut Steeb und von Andreas Malessa. Und das wollte ich nicht.

Ich hatte im Interview beklagt, dass die Evangelikalen in der Öffentlichkeit immer nur mit einem Thema wahrgenommen würden: Ihrem Bibelverständnis und der daraus abgeleiteten Haltung zur Homosexualität. Das Thema Homosexualität sei der Auslöser für eine „schwelende Krise“ und eine Lagerbildung in der evangelikalen Szene. Dabei hätten die Evangelikalen auch etwas zu friedens-, wirtschafts- und sozialethischen Themen zu sagen. Auf die Frage, ob ich den Eindruck habe, dass die Nachrichtenagentur idea der AfD zu viel Raum gebe und zu positiv berichte, habe ich geantwortet: „Der Eindruck drängt sich auf, besonders in den Monaten vor Bundes- und Landtagswahlen.“ Idea habe jedoch gute Gründe, sich im konservativen Klientel weiter zu behaupten. Ich hatte in der ungekürzten Variante einiges Gutes über die Evangelikalen gesagt. Aber das wurde weggelassen.

Viel schlimmer wäre, wenn man bei uns nichts Erwähnenswertes mehr finden würde. Medienschelte hat uns etwas zu sagen. Wer nicht mehr vorkommt, ist schon auf dem Rückzug, zumal ich ja einer von ihnen bin. Eine Woche später wurde ich in zwei bitterbösen Leserbriefen als „Nestbeschmutzer“ attackiert. Und das von zwei Kollegen, die ich bis dahin sehr geschätzt habe. Ich konnte mich damals wegen einer schweren Gehirn-Operation nicht dagegen wehren. Meine Söhne hatten mich für die Zeit in der Klinik auf Medienenthaltsamkeit gesetzt.

Genauso verhält es sich mit den Überschriften. Wenn ein Gesprächspartner eine Nebenbemerkung fallen lässt, kann es ihm passieren, dass diese Bemerkung zur Überschrift avanciert und beim Leser bereits solch eine Empörung befeuert, dass er den an sich guten Artikel gar nicht mehr aufnimmt. So kürzlich geschehen: Ein Theologie-Professor wird nach der Ursache des Pastorenmangels gefragt. Seine Antwort: Der Pastorenberuf hätte keinen „Sexappeal“ mehr! Und wo ist dieser inzwischen zum Jargon gehörende Begriff gelandet? Richtig, in der Überschrift. Jeder unvorbelastete Leser würde das Wort mit „anziehend“ oder „attraktiv“ oder mit „Ausstrahlung“ übersetzen und sich nichts Böses dabei denken. Ich habe mich über den Artikel im Spiegel geärgert. Wem nützt das? Keinem.

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Thu, 29 Oct 2020 14:34:00 +0100
<![CDATA[Lockdown: Für Kirchen steigt die Eigenverantwortung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/29/lockdown-fuer-kirchen-steigt-die-eigenverantwortung/ Ein Kommentar von Nicolai Franz]]> „Freiheit ist nicht, jeder tut, was er will, sondern Freiheit ist gerade jetzt Verantwortung“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag über die neuen Coronaregeln bei ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Sie schien zu ahnen, dass der sogenannte „Lockdown light“ alleine nicht ausreichen würde, um die Pandemie einzudämmen. Und das zu Recht: Der Rückhalt und das Verständnis für die Maßnahmen in der Bevölkerung schwinden. Dass die neuen Regeln auf den ersten Blick diffus wirken, trägt dazu bei: Gerade die Orte, wo sinnvolle Hygieneregeln erarbeitet und peinlichst genau umgesetzt wurden, müssen nun wieder dichtmachen: Restaurants, Kinos, Konzerthäuser.

Die Logik der Kanzlerin war: Die Infektionszahlen sind zu hoch, die Belegung der Krankenhausbetten steigt rasant. Wenn der Trend sich nicht abflacht, sind die Intensivstationen nach drei bis vier Wochen voll – und es sterben Menschen, weil sie nicht behandelt werden können. Daraus folge, dass Kontakte reduziert werden müssten. Nur wie? Die Bund-Länder-Runde priorisierte: Wirtschaft und Bildung dürfen nicht erneut zum Erliegen kommen. Auch Gottesdienste und Demonstrationen bleiben aufgrund des Schutzes der Grundrechte möglich. Also blieb nur noch der Freizeitbereich. Eine Logik, die Härten mit sich bringt, und die in ihrer Wirksamkeit nicht eindeutig belegt ist. Besonders die Kulturschaffenden werden erneut heftig unter den Maßnahmen leiden.

Zur Wahrheit gehört, dass sehr viele Infektionen aus dem Bereich kommen, aus dem der Staat sich herauszuhalten hat: Dem Privaten. Doch wer die Maßnahmen rundherum ablehnt, muss sich fragen, wie es denn anders gehen soll, angesichts dramatisch steigender Zahlen schwerer Verläufe. Zwar stellte die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit den Virologen Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chanasit am Mittwoch Vorschläge zum Schutz von Risikogruppen vor, die einen Lockdown verhindern könnten. Doch sie kamen zu spät – und sind zudem unausgegoren. Streeck selbst erwähnte beiläufig, die Vorschläge seien erst in den vergangenen Tagen entwickelt worden.

Die Politik musste also handeln – und müsste eigentlich eingestehen, dass sie es mit Verboten alleine nicht hinbekommen wird. Sie ist auf jeden Bürger angewiesen. In diesem Zuge ist Merkels Appell an die Eigenverantwortung viel wichtiger als die Schließung der Unterhaltungsbranche. Nur wenn Menschen auch im Privaten ihre Kontakte erheblich reduzieren, werden die Zahlen wieder sinken.

Auch die Kirchen sollten genau hinhören. Sie haben weiterhin die Freiheit, Gottesdienste zu feiern, womöglich auch ihre Gruppenstunden weiterhin anzubieten, während in vielen anderen Bereichen die Räume leer bleiben. Das ist ein großes Privileg, das aber Verantwortung mit sich bringt. Anders als noch vor Wochen müssen sich Gemeinden nun die Frage stellen, ob sie alle Veranstaltungen, die sich mit der Religionsfreiheit begründen lassen und daher erlaubt sind, weiter anbieten sollen. Oder ob es verantwortlicher wäre, an die Mitglieder zu appellieren, lieber zuhause zu bleiben, wenn sie es schaffen. Keine leichte Aufgabe.

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Thu, 29 Oct 2020 14:19:00 +0100
<![CDATA[Franziskus ist „der richtige Papst zum richtigen Zeitpunkt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/29/franziskus-ist-der-richtige-papst-zum-richtigen-zeitpunkt/ Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hat Papst Franziskus im Vatikan besucht. Ihn habe der Besuch „innerlich unglaublich gestärkt und motiviert“, sich für den Glauben und die Belange der Kirche einzusetzen, sagte das frühere Staatsoberhaupt. Dazu gehöre es auch, dass er für den Papst bete.

Er habe dem Papst gesagt, wie viel Unterstützung er in Deutschland tatsächlich hat. Wulff vermutet, dass diesbezüglich im Vatikan Zerrbilder ankämen. Aus Wulffs Sicht sei es dem amtierenden Oberhaupt der Katholischen Kirche gelungen, die Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils zu Ende zu denken. Franziskus nehme eine konsequente Haltung ein, indem er die Menschen als Schöpfung erkenne, „gleich und gleichberechtigt“.

„Franziskus lehnt Kampf der Kulturen ab“

In der aktuellen Enzyklika „Fratelli tutti“ sieht Wulff großes Potenzial. Der Papst lehne darin den Kampf der Kulturen ab und setze sich stattdessen für eine gegenseitige Wertschätzung der Religionen ein. Dazu trügen Sätze bei wie „Gottes Liebe ist für jeden Menschen gleich, unabhängig von seiner Religion.“. Um das Potenzial der Enzyklika auf den Platz zu bringen, brauche es Geschlossenheit und Sendungsbewusstsein. Die genannte Wertschätzung schließe nicht den „Anspruch von Weltreligionen aus, zu missionieren und vom eigenen Glaubensverständnis überzeugt zu sein“.

Wulff verdeutlicht, dass der Papst viele Feinde hat, die „ihn als Häretiker oder als Kommunisten“ abstempelten. Gegen die „Netzwerke rechter Traditionalisten“ brauche es mutige Menschen wie Franziskus: „Er ist der richtige Papst zum richtigen Zeitpunkt.“ Im Kampf gegen die islamistische Gefahr dürfe die Grenze nicht zwischen den Religionen gezogen werden, sondern zwischen denen, die den Frieden wollen, und denen, die ihn gefährden: „Ich halte Franziskus für unglaublich hilfreich. Dieser Papst hat Mut und macht Mut.“

Mitten im Leben und nah bei den Menschen

Im Interview plädiert Wulff dafür, Frauen in der Katholischen Kirche nicht als Lückenfüller zu definieren. Frauen sollten aus seiner Sicht auch auf die Kanzel dürfen, damit er ihren Blick auf die Bibel erfahre. Wulff wünscht sich eine Kirche, die mitten im Leben und nah bei den Menschen steht. Eine Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz wäre diesbezüglich schon ein tolles Signal. Auch eine Päpstin würde der frühere Politiker begrüßen.

Wegen der Aufklärung sexualisierter Gewalt durch Kleriker wünsche er sich vor allem Transparenz, Ehrlichkeit und Dialog: „Die katholische Kirche muss aufklären, auch wenn es wehtut.“ Die Geste von Bischof Heiner Wilmer, der sich vor den Opfern hingeworfen hat, empfand Wulff als wertvoll. Nun gehe es darum, den Schaden wiedergutzumachen und Glaubwürdigkeit und Vertrauen zu gewinnen: „Man darf uns Katholiken nicht für dumm verkaufen.“

Ihm persönlich gebe sein Glaube Halt. Dass in seiner Heimatstadt Osnabrück Protestantismus und Katholizismus in etwa gleich stark gewesen seien, „das macht tolerant“. In Bezug auf die Ökumene habe er Papst Franziskus gebeten, „dem Synodalen Weg von Zentralkomitee und Bischofskonferenz zu vertrauen. Und nicht auf jene zu hören, die Misstrauen säen“. Viele Katholiken wünschten sich „mehr Aufgeschlossenheit, mehr Mut, mehr Debatte“ in ihrer Kirche.

Christsein ist: zu kommen, wenn einer am Boden liegt

Für Wulff selbst ist das Osterereignis prägend geworden. In seiner Amtszeit als Bundespräsident habe er nach dem „Hosianna“ viel Ablehnung und Häme erlebt: „95 Prozent aller Briefe, die mich unterstützt und begleitet haben – jenseits der Muslime –, waren christlich inspiriert. Vom Glauben getragene Menschen wollten sogar im Falle der Verurteilung die Strafzahlung übernehmen. Das ist christlich: zu kommen, wenn einer am Boden liegt, der Nächstenliebe braucht. Deshalb trage ich meinen christlichen Glauben auch nach außen. Auch weil er mir selber so geholfen hat.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 29 Oct 2020 13:56:00 +0100
<![CDATA[Messerattacke in Nizza: Drei Tote und sechs Verletzte]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/10/29/messerattacke-in-nizza-drei-tote-und-sechs-verletzte/ Nach bisherigem Stand der Kenntnis wurden bei dem blutigen Attentat drei Menschen getötet und sechs verletzt. Das bestätigten Polizeikreise der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Paris am Donnerstag auf Anfrage.

Die Behörden gehen von einem islamistischen Anschlag in der Kathedrale von Nizza aus. Wie der Frankreich-Korrespondent der Tageszeitung Die Welt, Peter Heusch, berichtet, soll der mutmaßliche Täter mehrfach „Allahu Akbar“ gerufen haben. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen „Mordes und Mordversuchs im Zusammenhang mit einer terroristischen Tat“ übernommen. Ein Mann wurde festgenommen, er sei bei seiner Festnahme verletzt worden, hieß es von der Polizei. Nach bisherigen Erkenntnissen hat er allein gehandelt.

Offenbar wurden in der Basilika Notre-Dame zwei Menschen in der Kirche getötet, ein drittes Opfer floh, erlag dann aber seinen Verletzungen. Polizeikreisen zufolge wurde eine Frau enthauptet.

Präsident Emmanuel Macron wollte nach Angaben seines Pariser Büros nach Nizza reisen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.

Erst vor zwei Wochen hatte ein mutmaßlicher Islamist einen Geschichtslehrer auf offener Straße enthauptet. Der Lehrer hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen im Unterricht durchgenommen. Zehntausende Menschen gingen danach auf die Straße und zeigten Solidarität mit dem Opfer.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 29 Oct 2020 12:13:00 +0100
<![CDATA[Bedford-Strohm ruft zu Gebet für Frieden in Bergkarabach auf]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/10/29/bedford-strohm-ruft-zu-gebet-fuer-frieden-in-bergkarabach-auf/ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat mehr internationale Anstrengungen für ein Ende des Konflikts in der Berg-Karabach-Region gefordert. „Ausdrücklich verurteile ich alle Versuche, den Konflikt weiter zu schüren und einen Krieg zwischen den Religionen in der Region zu entfachen“, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben an das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche, Katholikos Karekin II. Bedford-Strohm: „Ihr Aufruf zum Gebet um Frieden ist für mich deshalb das einzig richtige Signal in dieser Situation.“

„Auch in Deutschland werden wir jetzt als Vertreter der Kirchen in ökumenischer Verbundenheit zum Gebet für den Frieden und für den unumgänglichen Weg der Verständigung aller in der Region zusammenkommen, um weiteres Blutvergießen, Vertreibung und neues Leid in der Region zu verhindern“, fügte Bedford-Strohm hinzu.

Seit Ende September befinden sich Aserbaidschan und die von Armenien unterstützte Republik Bergkarabach in einer kriegerischen Auseinandersetzung. Die Kaukasusregion hat sich 1991 vom muslimisch geprägten Aserbaidschan unabhängig erklärt, wird aber internatoinal nicht anerkannt. Die Bevölkerung besteht fast ausschließlich aus christlichen Armeniern. Aserbaidschan möchte das Gebiet nun zurückerlangen. Tausende Armenier sind auf der Flucht.

Von: epd/Jonathan Steinert

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Thu, 29 Oct 2020 11:47:00 +0100
<![CDATA[Bedford-Strohm kandidiert 2021 nicht mehr für Ratsvorsitz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/29/bedford-strohm-kandidiert-2021-nicht-mehr-fuer-ratsvorsitz/ Heinrich Bedford-Strohm zieht sich in einem Jahr von der Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurück. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) kündigte der 60-Jährige an, im Herbst 2021 nicht erneut für das Amt des EKD-Ratsvorsitzenden zu kandidieren. Bedford-Strohm repräsentierte seit 2014 die rund 20,7 Millionen Protestanten in Deutschland.

„Ich bin bis zum Jahr 2023 Landesbischof in Bayern. Und es wäre nicht gut, wenn ich dann für zwei Jahre das Amt des Ratsvorsitzenden ausfüllen würde“, sagte Bedford-Strohm dem BR. „Es ist gut, wenn da jemand Neues rankommt, neue Akzente setzt, neue Impulse gibt“, fügte er hinzu. Er freue sich vor allem drauf, „dass ich dann noch zwei Jahre habe, wo ich meine ganze Kraft für die bayerische Landeskirche einsetzen kann“. Es gebe eine bestimmte Zeit, in der einem ein Amt übertragen ist. „Und dann ist es auch gut, wenn der Zeitpunkt kommt, es loszulassen, ist in andere Hände zu geben“, sagte er.

Kirche steht vor tiefgreifenden Reformen

Der oberste Repräsentant der EKD wird für sechs Jahre gewählt. Bedford-Strohm hatte das Amt 2014 übernommen, nachdem sich Nikolaus Schneider vorzeitig zurückgezogen hatte. 2015 war Bedford-Strohm als Ratsvorsitzender bestätigt worden. In seine Amtszeit fiel das 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017. Inzwischen steht die evangelische Kirche angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Steuereinnahmen vor tiefgreifenden Reformen, die auch Thema der diesjährigen Synodentagung sind, die am 8. November beginnt und wegen der Corona-Pandemie digital stattfindet.

Der 15 Mitglieder zählende Rat wird turnusgemäß im Herbst nächsten Jahres neu gewählt. Ein Verbleib an der EKD-Spitze auch nach Ende der Amtszeit als Bischof in Bayern wäre für Bedford-Strohm möglich gewesen.

Die EKD ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Außenbeziehungen. In den vergangenen Jahrzehnten verlagerte sich der Akzent zunehmend auf den Ausbau des einheitlichen Handelns der Landeskirchen.

Bedford-Strohm hatte sich öffentlich in den vergangenen Jahren für eine humanitäre Flüchtlingspolitik und die Seenotrettung im Mittemeer starkgemacht. In dem BR-Interview bestritt er, dass daraus resultierende Anfeindungen seine Entscheidung gegen eine erneute Kandidatur beeinflusst haben. „Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Ich habe das gewusst und bin darauf eingestellt, dass es auch Kritik gibt. Da habe ich schon meine inneren Ressourcen, um damit umzugehen“, sagte er.

Von: epd

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Thu, 29 Oct 2020 09:44:00 +0100
<![CDATA[Keine schärferen Maßnahmen bei Gottesdiensten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/10/28/keine-schaerferen-massnahmen-bei-gottesdiensten/ Wegen der zuletzt schnell ansteigenden Zahl der Corona-Infektionen haben der Bund und die Länder am Mittwoch deutliche Einschränkungen im öffentlichen und privaten Leben zur Eindämmung der Pandemie beschlossen. Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes sind momentan die Ansteckungsumstände im Bundesdurchschnitt in mehr als 75 Prozent der Fälle unklar. „Zur Vermeidung einer akuten nationalen Gesundheitsnotlage ist es deshalb nun erforderlich, durch eine erhebliche Reduzierung der Kontakte in der Bevölkerung insgesamt das Infektionsgeschehen aufzuhalten und die Zahl der Neuinfektionen wieder in die nachverfolgbare Größenordnung von unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche zu senken“, lautet es in dem gemeinsamen Beschluss von Bund und Ländern.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) die Bevölkerung zur Solidarität im Kampf gegen das Virus auf. Der aktuelle Beschluss sieht keine weiteren Einschränkungen oder Maßnahmen für Gottesdienste vor. Auf Rückfrage erklärte Bundeskanzlerin Merkel: „Wir haben bei den Gottesdiensten keine Verschärfungen gemacht, wir weisen aber sehr darauf hin, dass unbedingt die Hygieneregeln eingehalten werden müssen.“ Nachdem der gemeinsame Beschluss von Bund und Ländern weiterhin die Öffnung von Geschäften erlaube, sei es nicht „angemessen“ und „vergleichbar“ erschienen, Gottesdienste zu verbieten. Als einen Hauptgrund gegen das Verbot von Gottesdiensten führte Ministerpräsident Söder an, dass Versammlungen und Demonstrationen wegen verfassungsrechtlicher Gründe anders hätten behandelt werden müssen. „Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit sind hochgeschützte Güter in unserer Verfassung.“ Daher gelte gegenüber diesen Freiheiten ein besonderes Maß der Sensibilität.

Während Schulen und Kindergärten geöffnet bleiben, müssen Gastronomiebetriebe, Bars, Diskotheken, und Kneipen schließen. Betriebe des Groß- und Einzelhandels bleiben unter Hygiene-Auflagen weiter geöffnet. Zum Schutz der Wirtschaft sollen die Einschränkungen vor allem für den Freizeitbereich gelten und ab dem 2. November vier Wochen lang in Kraft treten. Ab Montag sollen dann unter anderem Theater, Opern, Konzerthäuser, Kinos, Freizeitparks, Spielhallen, Schwimm- und Spaßbäder, Saunen, Thermen und Fitnessstudios geschlossen bleiben. Gottesdienste sind von den zusätzlichen Maßnahmen bislang nicht betroffen.

Die Bürger werden in dem Maßnahmenkatalog angehalten, „die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren“. So ist der Aufenthalt in der Öffentlichkeit dann nur mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal mit 10 Personen gestattet. „Die Bürgerinnen und Bürger werden angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren“, lautet es in dem Beschluss. Auf private Reisen sollen die Bürger möglichst verzichten.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 28 Oct 2020 19:53:00 +0100
<![CDATA[Matthew McConaughey: Christen in Hollywood haben Angst um ihre Karriere]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/10/28/matthew-mcconaughey-christen-in-hollywood-haben-angst-um-ihre-karriere/ Der 50-jährige Matthew McConaughey ist bekannt für Filme wie „Interstellar“, „The Wolf of Wall Street“ und die Serie „True Detective“. Er bekam 2014 für seine Rolle im Film „Dallas Buyers Club“ den Oscar als Bester Hauptdarsteller und einen Golden Globe. Bereits mehrfach bekannte er, an Gott zu glauben und täglich zu beten. Bei der Oscar-Preisverleihung sagte McConaughey in seiner Dankesrede: „Als erstes möchte ich Gott danken, denn zu ihm schaue ich hoch. Er hat mein Leben mit Gelegenheiten gesegnet, die nicht im Bereich des Menschenmöglichen lagen. Er hat mir gezeigt, dass es eine wissenschaftliche Tatsache ist, dass Gnade erwidert wird. Wenn man Gott kennt, kennt man einen Freund.“

Im Podcast „PowerfulJRE“ von Joe Rogan sprach der Schauspieler nun anlässlich der Veröffentlichung seiner Autobiografie. In dem Buch „Greenlights“ („Grünes Licht“) schreibt McConaughey über seinen Werdegang als Schauspieler, aber auch über seine persönliche Motivation. Gegenüber Rogan sagte der Hollywoodstar: „Ich will niemanden anklagen, aber als ich meinen Preis bekam und auf der Bühne Gott dankte, saßen im Publikum einige meiner Freunde, Schauspieler in Hollywood, mit denen ich schon öfter vor dem Essen schon ein Dankgebet gesprochen habe. Als ich Gott dankte, wollten sie erst applaudieren, aber dann zögerten sie und ließen ihre Hände doch wieder sinken. ‚Ist schlecht für meinen Lebenslauf‘, haben sie wohl gedacht“, so McConaughey.

Linke, liberale Lobby in Hollywood

Viele Menschen in Hollywood verzichteten eher darauf, ihren christlichen Glauben zu zeigen, wenn sie an ihre Karriere denken. „Ich verurteile niemanden, aber ich denke manchmal, dass das ein doofes Argument ist.“ McConaughey führt diese Angst zurück auf eine starke linke oder liberale Voreingenommenheit in Hollywood und in der Hälfte der Bevölkerung der USA. Manche in der Unterhaltungsindustrie seien mittlerweile „so weit nach links abgedriftet“, dass sich 50 Prozent der Bevölkerung herablassend oder bevormundet behandelt fühlen, wenn sie andere Ansichten vertreten.

Angesprochen auf die so genannte „cancel culture“ sagte McConaughey, es dürfe nicht sein, dass jemand delegitimiert werde, nur weil er seinen Glauben vertrete. „Das ist so arrogant und verlogen“, sagte McConaughey. Er selbst habe keine Nachteile erlebt, wenn er seinen christlichen Glauben offen bezeugt habe, so McConaughey. Er sei wohl „durchs Netz geschlüpft“, und nun sei er an einem Punkt in seiner Karriere, wo er unangreifbar von Vorurteilen sei.

Der Schauspieler sagte weiter: „Hollywood ist kein Ort, an dem man sich selbst finden kann. Dort kann man jede Person sein, die man sein will. In dieser Stadt gibt es nur ganz viele Jas, aber keine Neins. Da gehst du schnell verloren.“ Als er mit 23 Jahren nach Hollywood kam, habe er viele Versuchungen gesehen, aber er habe schnell unterscheiden können zwischen dem, was wirklich zu ihm passe, und dem, was nur eine kurzzeitige Freude bringen, aber ihn langfristig nicht weiterbringen würde.

Als er den Film „Contact“ drehte, in dem er einen Geistlichen spielt, habe er sich mit dem Thema Glaube und Wissenschaft auseinandergesetzt, so McConaughey. „Wissenschaft ist die praktische Suche nach Gott. Die beiden Dinge schließen sich nicht aus, sie tanzen sozusagen miteinander.” Er wolle zudem unterscheiden zwischen „spirituell sein“ und „religiös sein“: „Manche sagen ja: Nein, ich bin nicht religiös, sondern spirituell. Das lateinische Wort Religion kommt von relegere, und das bedeutet so etwas wie ‚wieder etwas zusammenbinden‘. Wenn jeder nur sagt, er sei spirituell, weil er eine Einheit suche, dann geht es bei Religion ja genau darum.“

Auf die Frage, ob er die Bibel wörtlich nehme, sagte der Schauspieler: „In der Bibel steckt viel Wahrheit. Natürlich wird das Buch immer wieder neu interpretiert. Ich persönlich kann in meinem alltäglichen Leben mit der Geschichte vom brennenden Busch nichts anfangen. Mit einem Satz wie ‚Liebe deinen Nächsten wie die dich selbst‘ oder den Sprüchen Salomos kann ich durchaus etwas anfangen, auch mit Matthäus 6,22: ‚Durch die Augen fällt das Licht in deinen Körper.‘“

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 28 Oct 2020 16:22:00 +0100
<![CDATA[Religionsfreiheit weltweit weiter unter Druck – Christen besonders betroffen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/28/religionsfreiheit-weltweit-weiter-unter-druck-christen-besonders-betroffen/ Die Religionsfreiheit wird weltweit zunehmend bedroht. Das ist ein zentraler Befund des Berichtes der Bundesregierung zur weltweiten Religionsfreiheit, den der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat. In dem Bericht heißt es: „Christen sind als Angehörige der zahlenmäßig größten Glaubensgemeinschaft weltweit von der Verletzung der Religionsfreiheit besonders betroffen.“ Grübel zeigte sich besorgt über die Lage religiöser Minderheiten weltweit und forderte eine unabhängige Untersuchung und Berichterstattung über die Situation der Uiguren in China durch die UN.

Der zweite Bericht der Bundesregierung zur Situation der weltweiten Religionsfreiheit war zuvor vom Bundeskabinett gebilligt worden. Der aktuelle Bericht umfasst auf mehr als 200 Seiten den Zeitraum von 2018 bis 2019 und listet systematische staatliche Repressionen in mehr als 30 Ländern auf. Der Bericht wurde gemeinsam vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dem Auswärtigen Amt und dem Beauftragten der Bundesregierung für Religionsfreiheit erstellt. Der erste Bericht zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit war 2016 noch ausschließlich vom Auswärtigen Amt erstellt worden. Seit 2018 ist Grübel durch einen Kabinettsbeschluss der Beauftragte der Bundesregierung für die weltweite Religionsfreiheit.

Religions- und Weltanschauungsfreiheit seien ein fundamentales Menschenrecht, erklärte Grübel bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. „Dieses Menschenrecht wird zunehmend eingeschränkt und infrage gestellt.“ Drei Viertel aller Menschen leben dem Bericht zufolge in einem Land, das ihre Religions- und Weltanschauungsfreiheit einschränkt. „Und in den letzten Jahren beobachten wir, dass diese Einschränkungen weiter zunehmen.“

Minister Müller: „Weltregionen verbinden gemeinsame Werte des Friedens“

„Religionsfreiheit ist ein unverletzliches Menschenrecht, das wir weltweit schützen müssen“, erklärte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller in einer Pressemitteilung zu dem Bericht. Die Weltregionen verbänden gemeinsame Werte des Friedens, der Toleranz, der Achtung der Würde jedes Einzelnen und der Bewahrung der Schöpfung. „Dieses Fundament muss die Grundlage eines gemeinsamen Weltethos sein, um die globalen Herausforderungen miteinander zu lösen“, heißt es aus dem Ministerium. Der Religionsfreiheitsbericht zeige, dass die Religions- und Weltanschauungsfreiheit weltweit in Gefahr sei.

„Deswegen fordern wir [...] stärker als bisher messbare Erfolge bei der guten Regierungsführung und der Einhaltung der Menschenrechte, wie die Religionsfreiheit“, erklärte Müller, und weiter: „Wer dauerhaft keine Fortschritte zeigt, mit dem arbeiten wir von Staat zu Staat nicht einfach weiter, sondern verlagern unser Engagement auf die Stärkung der Zivilgesellschaft und das humanitäre Engagement der Kirchen.“

Bedford-Strohm: „Bundesregierung soll Abschiebungen in den Iran überdenken"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sieht im dem vorgelegten Bericht einen Beleg dafür, dass die Bundesregierung der Religionsfreiheit „große Bedeutung zumisst“. Dass insbesondere Christen weltweit vermehrt unter Einschränkungen der Religionsfreiheit litten, ist nach Worten von Bedford-Strohm „ein erschreckender Befund und nicht hinzunehmen“.

Die Informationen aus den unterschiedlichen Ländern seien „besorgniserregend“. Dies gelte insbesondere für den Iran. Laut dem Bericht droht in dem Land Menschen, die zum Christentum konvertiert sind, eine Anklage wegen Apostasie, und damit Strafen bis hin zur Todesstrafe. Auch alle missionarischen Tätigkeiten seien in dem Land verboten. „Dies entspricht auch unseren Erkenntnissen“, sagt der Ratsvorsitzende, „denn immer wieder berichten konvertierte Christen in Deutschland, dass die Rückkehr in den Iran für sie lebensgefährlich ist. Wir fordern die Bundesregierung daher auf, im Hinblick auf Abschiebungen in den Iran, die nötigen Konsequenzen aus dem Bericht ihres Beauftragten zu ziehen“.

Blasphemiegesetze zielen auf Rechte religiöser Minderheiten

Der Vorsitzende des Stephanuskreises in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Heribert Hirte, betonte die Abschnitte des Berichts zur digitalen Kommunikation und dem Einfluss von Online-Hassrede. „Die Religionsfreiheit ist ein zeitloses wie aktuelles Thema, das die Gesellschaften weltweit betrifft und sich so auch in den digitalen Räumen unserer Zeit abspielt“, erklärte der Unionspolitiker.

Der Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Hermann Gröhe, erklärte zu dem Bericht: „Gesetze, die den Religionswechsel verbieten oder massiv erschweren, stehen im krassen Gegensatz zum Menschenrecht auf Religionsfreiheit.“ Sogenannte Blasphemiegesetze erwiesen sich als Einfallstor für die Einschränkung der Rechte religiöser Minderheiten. Weltweit gebe es in rund 70 Ländern entsprechende Gesetze in unterschiedlicher Ausprägung. Allein in Pakistan habe es in den vergangenen 30 Jahren mehr als 1.500 Verfahren wegen Blasphemie gegeben. „Bekanntester Fall ist die Christin Asia Bibi, die 2018 freigesprochen wurde und das Land – auch dank der Bemühungen westlicher Länder – 2019 verlassen konnte.“

Konstantin von Notz, Beauftragter für Religion und Weltanschauungen der Grünen im Bundestag, hat die Bundesregierung dazu aufgefordert, bei künftigen Berichten neben der weltweiten auch die inländische Lage systematisch zu erfassen. „Denn auch bei uns gibt es bezüglich des Schutzes der Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie dem Recht auf freie Religionsausübung noch viel zu tun.“

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 28 Oct 2020 13:39:00 +0100
<![CDATA[Kleine Kommune votiert gegen Evolutionsweg]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/28/kleine-kommune-votiert-gegen-evolutionsweg/ Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Einwohner der Gemeinde Hellenhahn-Schellenberg gegen den Bau eines Evolutionsweges entschieden. 250 Personen in der Westerwald-Gemeinde votierten für die Errichtung, 339 Wähler lehnten sie ab. Rund 60 Prozent aller Stimmberechtigten des Ortes beteiligten an dem Bürgerentscheid.

Wie der Radiosender SWR2 meldet, sollten die Schilder entlang des Weges die Entstehung der Welt nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen darstellen. Ortsbürgermeisterin Birgit Schmidt hatte die Maßnahme angestoßen. Sie wolle den Bürgern damit etwas Gutes tun und Wissen vermitteln. „Wir leben im Jahr 2020 und wollen nicht zurück ins Mittelalter“, sagte sie dem Radiosender.

Lediglich „marginale Aufwandsentschädigung“

Eine Gruppe von Gläubigen hatte den Bürgerentscheid durchgesetzt. Sie kritisierten, dass die Schilder und der Weg der Schöpfungsgeschichte in der Bibel widersprechen. Einer der Kritiker ist Karl-Heinz Stiller. Er prangerte gegenüber dem Radiosender vor allem die Finanzierung des Projekts an. Die Kommune könne sich private Sponsoren suchen, solle den Weg aber nicht auf Kosten der Steuerzahler finanzieren.

Ricarda Hinz von der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung verdeutlichte in einem separaten SWR2-Beitrag, dass ihre Stiftung für die Errichtung des Weges eine „marginale Aufwandsentschädigung“ verlange. Diese sei längst nicht mit den aus Steuergeldern finanzierten Bischofsgehältern zu vergleichen.

Ihre Stiftung habe nichts gegen Religion, übe aber Religionskritik, um die Gesellschaft von Irrtümern zu befreien: „Wenn man konsequent zweifelt, muss man auch an der Existenz Gottes zweifeln“, sagte sie gegenüber dem Sender. Sie sei gerne bereit, mit den Kritikern zu diskutieren, weil es immer sinnvoll sei, mit anderen Weltanschauungen in den Dialog zu treten.

Ortsbürgermeisterin Birgit Schmidt störte sich im Nachgang des Bürgerbegehrens daran, dass das Thema in fünf Gemeinderatssitzungen öffentlich diskutiert wurde, aber weder sie noch ihre Mitstreiter im Gemeinderat von den Gegnern des Weges angesprochen worden seien. Hinterher habe man ihr vorgeworfen, dass sie nicht zum Dialog bereit sei.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 28 Oct 2020 12:00:00 +0100
<![CDATA[„Ich erlebe Gott im Schauen auf Jesus und in der Größe und Schönheit des Weltalls“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/10/28/ich-erlebe-gott-im-schauen-auf-jesus-und-in-der-groesse-und-schoenheit-des-weltalls/ An fünf Orte auf der Welt wurde diese bedeutende Pressekonferenz übertragen: nach Washington, Tokio, Santiago de Chile, Shanghai und Taipeh sowie übers Internet auf Monitore in vielen Haushalten und Redaktionsstuben. Das passiert so nicht bei jeder gewöhnlichen Entdeckung in der Wissenschaft. Bis zuletzt hatten alle Mitarbeiter im Team um Heino Falcke von der LIGO/Virgo-Kollaboration dicht gehalten. Und so konnte der Rheinländer vor einem Weltpublikum jenen Satz aussprechen, auf den er 20 Jahre hin gearbeitet hatte: „Dies ist das erste Bild eines Schwarzen Lochs.“ Es ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und befindet sich im Zentrum der Galaxie M87. Falcke berichtet in seinem Buch: „Im Saal brandet spontaner Applaus auf. Von mir fällt die ganze Anstrengung der letzten Jahre ab. Ich fühle mich frei – endlich ist das Geheimnis gelüftet!“

Der Professor an der Radboud Universität in Nimwegen erinnert sich: „Weltweit berichten alle führenden Tageszeitungen und Wochenmagazine von diesem einmaligen Ereignis der Wissenschafts- und Menschheitsgeschichte. Hauptnachrichten im Fernsehen zeigen es, die sozialen Medien glühen.“ Das Bild wird zum Internet-Meme, in Katzenbilder montiert, und die Suchmaschine Google setzt es als „Google Doodle“ des Tages auf seine Startseite.

Am Folgetag machten die meisten Tageszeitungen mit eben jenem historischen Foto auf. Ab jetzt kann niemand mehr ernsthaft daran zweifeln, dass es diese in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen Himmelskörper wirklich gibt. Falckes Buch „Licht im Dunkeln“ ist nicht nur für jene interessant, die angesichts dieses beeindruckenden radioastronomischen Bildes viele Fragen zum technischen Know-how haben. Falcke beantwortet sie alle, er nimmt den Leser mit auf die Reisen zu den entlegenen Radioantennen, und auch zu den Aufs und Abs seiner Gefühlswelt während dieser anstrengenden Jahre. Man kann sich danach ungefähr vorstellen, wie sich ein Astronom am Ende dieser Reise fühlt: „Das Bild ist wie eine ferne Geliebte, auf die ich jahrzehntelang gewartet habe und die mir bisher nur durch unsere regen Briefwechsel nahe ist.“

Der Leser ist dabei, wie Falcke nach einem Flug nervös in einem Zugabteil seinen Laptop aufschlägt und mit schwitzigen Händen die Bild-Datei das erste Mal öffnet. Das Buch ist trotz der manchmal komplexen Materie gut verständlich zu lesen, ein Interesse an Astronomie sollte der Leser allerdings mitbringen. Wer sich auf diese Reise Falckes einlässt, für den entpuppt sich das Buch als physikalisch-philosophische Offenbarung mit einem Tiefgang und einer Ehrlichkeit, wie man sie bei ähnlicher Literatur im christlichen Bereich schon etwas länger suchen muss.

Für Astro-Nerds und solche, die es werden wollen

Schon die Entstehung des Bildes selbst sprengt so manche Rekorde: aufgenommen von einem weltumspannenden Netz aus mehreren Radioteleskopen, die zusammenarbeiten. Ein Buch auch für Nerds und solche, die es werden wollen. In tagebuchartigen Kapiteln bekommt man Einblick in das Leben eines Radioastronomen, von Chipstüten, die sich in der hohen Bergluft aufblähen, bis hin zu Filmmusik, die während der langsamen Drehung eines Teleskops automatisch abgespielt wird. „Das Leben auf einer Sternwarte bekommt tatsächlich etwas Klösterliches und Meditatives“, schreibt Falcke. „Diese Zeit auf dem Berg, in der das Leben einfach und man dem Himmel näher ist, genieße ich.“

Der Astronom streut wie selbstverständlich Verse aus der Bibel ein, in denen ebenfalls die Faszination für die unermessliche Natur und für deren Schöpfer zum Ausdruck kommen. „Die Genesis beschreibt eine höchst rationale, entzauberte Welt“, stellt Falcke fest, der als Prädikant der Rheinischen Landeskirche taufen, trauen, predigen und beerdigen darf. „Die Natur hat in der jüdisch-christlichen Wertvorstellung nichts Übersinnliches. Sie geht zurück auf einen einzigen Gott, der Schöpfer und Urgrund aller Dinge ist, der immer war, immer ist und immer sein wird. In dieser Vorstellung entdecken wir schon eine wichtige Grundlage moderner Naturwissenschaft, nämlich die Verlässlichkeit der Prinzipien, die der Natur zugrunde liegen. Erst mit dieser Annahme macht Naturwissenschaft überhaupt Sinn.“ Immer wieder ertappt man sich beim Lesen bei der ketzerischen Frage: Wie kann man eigentlich Astronomie betreiben, ohne religiös zu sein?

Zwar lese man immer wieder, Glaube und Wissenschaft befänden sich in einem ewigen Konflikt, so Falcke, „aber dies ist ein Mythos, den das Zeitalter der Säkularisierung seit dem 19. Jahrhundert nur allzu gern propagiert. Historiker sehen dies heute sehr viel differenzierter.“ Wissen sei im Mittelalter vor allem in den Klöstern betrieben worden, „viele bedeutende Wissenschaftler waren theologisch geschult und tiefgläubig und standen oft im Dienst der Kirche“, schreibt Falcke, der mit dem „Spinozapreis“ die höchste wissenschaftliche Auszeichnung der Niederlande erhielt, und er nennt als Beispiele Isaac Newton, Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Max Planck.

Eigentlich ist es ja eine Ironie: In der Astronomie geht es doch um Licht, das man mit Teleskopen auffängt. Schwarze Löcher hingegen sind da eine besondere Herausforderung, denn sie geben eben nicht sonderlich viel von sich preis. Das Erste, was in der biblischen Schöpfungsgeschichte entstand, war das Licht, und auch in der naturwissenschaftlichen Erklärung stehe am Anfang der Zeit Licht, schreibt der Physiker. Der Buchtitel „Licht ins Dunkel“ spiegelt wider, dass das Thema bei Falcke sowohl naturwissenschaftlich als auch theologisch eine größere Rolle spielt. Falcke, der Mitglied der Königlich Niederländischen Akademie der Wissenschaften ist, stellt fest: „Ein Universum ohne Licht würde insofern gar nicht existieren. Raum und Zeit, Materie und Sinne – sie alle sind im Grunde nichts ohne das Licht.“

Und auf der anderen Seite stellen Schwarze Löcher geradezu den Gegenentwurf zum Licht dar. Falcke bringt sie gar in Zusammenhang mit dem Tod und der Hölle. „Der biologische Tod bedeutet für uns das Überschreiten einer Grenze: Vom Hier und Jetzt treten wir über in ein Jenseits, von dem wir nichts wissen können – nicht einmal, ob es überhaupt existiert.“ Und bei der Präsentation des Bildes im April 2019 schloss Falcke seinen Vortrag mit der Bemerkung: „Es fühlt sich an, als ob wir auf das Tor zur Hölle schauen.“ Und tatsächlich: Wer in ein Schwarzes Loch hineingeraten würde, käme nie wieder heraus. Quantenphysikalisch gesehen gingen in diesem Moment zudem alle Informationen eines Dings verloren. Und die Lebensdauer eines Schwarzen Lochs, rechnet der Astronom vor, kommt dem Begriff „Ewigkeit“ tatsächlich sehr nahe.

„Atheismus ist eine legitime Überzeugung, wissenschaftlich begründen lässt sie sich nicht“

Falcke schlägt den Bogen noch weiter und geht ein Problem der Philosophie an. Im Universum nimmt die Entropie, also die Unordnung, immer weiter zu. Wo aber Materie ist, wo Struktur und Ordnung herrscht, da ist auch Information. „Die Konzepte von Licht und Zeit, Wissen und Unwissen, Zufall und Vorherbestimmtheit hängen eng miteinander zusammen“, schreibt der Physiker. Es scheint fast so, als seien die Schwarzen Löcher die Müllschlucker im Universum, die alles Sein vernichten.

Im vierten und letzten Teil von Falckes Buch („Jenseits der Grenzen“), der philosophisch der interessanteste, aber auch anspruchsvollste ist, wird deutlich: Schwarze Löcher saugen die Information im Universum sozusagen auf. Das „Interessante“ am Universum sind aber gerade die Dinge darin, und die gibt es nur, weil sie sich vom Chaos unterscheiden – sie enthalten Information, sie sind Information. Und so könnte man weiterspinnen: Information ist immer eine Botschaft. Und wenn es eine Botschaft gibt, sollte es doch auch einen Sender geben, oder?

Zum Glück kann man der Entropie mit Energie entgegenwirken. Falcke: „Mit etwas Energie kann ich das Kinderzimmer aufräumen, mit etwas Energie kann ich ein Buch schreiben – zulasten der Gesamtenergie des Universums.“ Die große Frage ist nur: Woher kommt all diese Ursprungsenergie? „Dies bleibt eines der großen Geheimnisse unseres Universums.“ Vielleicht wurden wir ja erschaffen als Menschen mit eigenem Willen, um aus Chaos der Entropie entgegenwirkend etwas (nämlich Ordnung) zu schaffen? Eine Grundvoraussetzung für dieses – von Gott gewollte – kreative Verhalten wäre aber ein Mensch, der einen freien Willen besitzt. Ein Konstrukt, dem viele Wissenschaftler und Philosophen immer noch skeptisch gegenüberstehen. Aber das Gegenkonstrukt, der Determinismus eines riesigen Uhrwerkes, das ohne Wenn und Aber vom Anbeginn der Zeit bis zum Stillstand abläuft, erscheint mindestens ebenso absurd. Die Quantenphysik scheint diesem Gedanken ohnehin Grenzen zu setzen. Falcke stellt klar: „Der Determinismus ist das rosa Einhorn der Physiker: Es ist in ihren Träumen faszinierend, aber in der Wirklichkeit nicht existent.“

Für Falcke ist klar, dass Forscher immer mehr religiöse, philosophische und theologische Fragen aus den Naturwissenschaften ausgeschlossen hätten. Dies ging mit einem Emanzipationsprozess der Wissenschaft vom Diktat der Kirchen und Philosophen einher, schreibt Falcke. „Das heißt aber nicht, dass man diese Frage grundsätzlich ausklammern sollte.“ Der Astronom ist vielmehr der Meinung: „Atheismus ist eine legitime Überzeugung, wissenschaftlich begründen lässt sie sich nicht.“

Glauben und Wissenschaft „wie der Wettlauf zwischen Hase und Igel“

Gerade Schwarze Löcher zeigten Grenzen der Erkenntnis auf, und für Falcke steht fest: „Wer es wagt, über die Grenzen der Physik hinaus zu fragen, kommt an Gott nicht vorbei“, und weiter: „Eine gänzlich gottlose Physik ist nicht möglich, wenn man wirklich bis an die Grenze menschlichen Erkennens fragt – und über diese Grenze dann hinausgeht.“ Jeder Mensch trage die „großen Fragen“ nach dem Woher, Wohin und Warum mit sich herum. „Religion, Philosophie und Wissenschaft spielen bei dieser Suche ihre eigenen Rollen. Schwierig wird es, wenn eine Disziplin die ganze Weltdeutung für sich allein beansprucht.“ Anders ausgedrückt: Wir haben die Spielregeln des Alls besser verstanden, aber woher das Spiel und die Regeln kommen, haben wir nicht beantwortet.

Die Diskussion zwischen Glauben und Wissenschaft komme ihm vor wie der Wettlauf zwischen Hase und Igel, so Falcke: „Der Hase namens Wissenschaft macht sich über die krummen Beine seines Gegners lustig und rennt fleißig seine Wege hin und her, nur um festzustellen, dass Gott wie der gewitzte Igel ist – und immer schon vorher da war.“ Und wenn es um Gott gehe, komme er ohne einen Verweis auf eine Beziehung nicht aus, denn auch die Bibel zeuge von vielen Begegnungen und Geschichten von und mit Gott. „Die Frage, ob ich geliebt werde oder was ich wert bin, erschließt mir die Sprache der Mathematik nicht.“

Warum sollte eigentlich ein hartgesottener atheistischer Naturwissenschaftler davon ausgehen können, dass beim Urknall von selbst aus dem Nichts Materie, Naturgesetze und Menschen mit Bewusstsein entstehen konnten, oder dass es Multiversen geben könnte, oder dass die ganze Welt eine einzige große Computersimulation sein könne – den Gedanken an einen Schöpfer-Gott lehnte er als unvernünftig ab? Falcke: „Der Gedanke, Gott als Person zu beschreiben, dürfte agnostische oder atheistische Physiker an mir zweifeln lassen, aber der Gedanke ist weniger befremdlich, als man vielleicht meint.“

Er selbst bekennt am Schluss des Buches, dass er Gott „allein im Gebet, im Feiern der Gemeinschaft, im Schauen auf Jesus und in der Größe und Schönheit des Weltalls“ sehen könne: „Wenn ich ins All aufschaue, dann schaue ich (...) auf das, was dahinter liegt. Die Physik erschließt mir neue Wunder; sie nimmt mir aber nicht den Glauben, sondern erweitert und vertieft ihn. Schaue ich auf den Menschen Jesus Christus, entdecke ich die menschliche Seite von Schöpfung und Schöpfer. So finde ich für mich einen Gott, der Anfang und Ende umfasst, dem ich nichts mehr beweisen muss und nichts mehr beweisen kann und bei dem ich jetzt schon zu Hause bin.“ Ein wertvolles Buch, das „Licht ins Dunkel“ bringt, sowohl was das Verständnis von Schwarzen Löchern angeht, als auch die Suche nach Gott.

Heino Falcke, Jörg Römer: „Licht im Dunkeln. Schwarze Löcher, das Universum und wir“, Klett-Cotta, 384 Seiten, 24 Euro, ISBN: 9783608983555

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 28 Oct 2020 11:38:00 +0100
<![CDATA[Trump ist „nichtkonfessioneller Christ“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/10/27/trump-ist-nichtkonfessioneller-christ/ US-Präsident Donald Trump hat in einem Interview bekanntgegeben, dass er sich mittlerweile als nichtkonfessionellen Christen bezeichnet. In einem Interview des Religion News Service sagte er: „Obwohl ich als Kind einer presbyterianischen Kirche konfirmiert wurde, betrachte ich mich jetzt als nichtkonfessionellen Christen.“ Noch vor vier Jahren sagte Trump, dass er mit Stolz Presbyterianer sei.

In dem schriftlichen Interview gab Trump auch über seine Corona-Erkrankung Auskunft. Er habe während dieser Zeit „die Gebete der Amerikaner aus dem ganzen Land – und sogar aus der ganzen Welt“ gespürt. Seine schnelle Genesung bezeichnete er als ein „Wunder des Himmels“. Er sei Gott dafür dankbar.

Lobende Worte fand Trump auch für seine evangelikalen Berater. „Diese Menschen lieben die USA und haben den aufrichtigen Wunsch, gemeinsam für eine Verbesserung der Situation aller Amerikaner zu arbeiten. Ich schätze ihre Gebete und werde durch ihren großen Glauben ermutigt.“ Beeindruckt zeigte sich der Präsident von der Bereitschaft evangelikaler Pastoren, die Kirchen trotz der Pandemie wieder zu öffnen: „Glücklicherweise sind viele großen Kirchen jetzt wieder offen und machen persönliche Treffen möglich.“ Auf die Corona-Ausbrüche in mehreren Kirchen ging Trump nicht ein. Während die Kirchen geschlossen waren, habe er, wie Millionen anderer Amerikaner, mehrere virtuelle Gottesdienste besucht.

In dem Interview vom Montag betonte Trump, sich weiter für weltweit verfolgte Christen einzusetzen. Er zählte auf, was er schon alles für Religionsfreiheit getan habe. So seien auf seine Initiative hin Länder wie Kuba oder Venezuela wegen mangelnder Religionsfreiheit sanktioniert worden. Trump versprach außerdem, dass unter seiner Präsidentschaft die USA immer für Religionsfreiheit stehen würden. Auf den Vorwurf, er würde Evangelikale gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften bevorteilen, ging Trump nicht ein. Ebenso ignorierte er die Frage zu Aussagen von 2017. Damals versprach Trump, Christen aus Syrien bevorzugt aufzunehmen.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 27 Oct 2020 14:29:00 +0100
<![CDATA[Neue US-Verfassungsrichterin Barrett vereidigt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/10/27/neue-us-verfassungsrichterin-barrett-vereidigt/ Barrett ersetzt die im September gestorbene Richterin Ruth Bader Ginsburg, eine liberal eingestellte Juristin. 52 der 53 republikanischen Senatorinnen und Senatoren stimmten für Barrett. 47 demokratische Senatorinnen und Senatoren und eine republikanische votierten gegen die Nominierung, auch aus Protest gegen die ihrer Ansicht nach unangebrachte Abstimmung so kurz vor der Präsidentschaftswahl am 3. November und das ungewöhnlich kurze Nominierungsverfahren. Juristische Auseinandersetzungen am Obersten US-Gericht über das Abstimmungsergebnis gelten als wahrscheinlich.

Mit dem Ja habe der Senat „einen wichtigen Beitrag für die Zukunft des Landes“ geleistet, sagte der republikanische Mehrheitsführer Mitch McConnell. Richter werden auf Lebenszeit ernannt. Barrett ist 48 Jahre alt.

Südliche Baptisten begrüßen Entscheidung

Die frühere Professorin an der katholischen Notre-Dame-Universität im Bundesstaat Indiana und Richterin an einem Bundesberufungsgericht gilt als kompetente Juristin. Starken Beifall fand ihre Nominierung bei konservativen Christen in der Hoffnung, sie werde die konservative Mehrheit im Gericht festigen und das Verfassungsurteil von 1973 zur Legalisierung der Abtreibung kippen.

Amy Barrett sei eine tiefgläubige Christin, erklärte der Präsident des Exekutivausschusses des Südlichen Baptistenverbandes, Ronnie Floyd. Sie sei eine treue Ehefrau und Mutter von sieben Kindern. Die Südlichen Baptisten sind die größte protestantische Kirche in den USA.

In naher Zukunft entscheidet das Oberste Gericht über die Verfassungsmäßigkeit der staatlichen Krankenversicherung Obamacare. Barrett hat die Versicherung kritisiert.

Von: epd

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Tue, 27 Oct 2020 13:29:00 +0100
<![CDATA[Dokumentation „A Black Jesus“ – Geflüchtete unter italienischen Katholiken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/10/27/dokumentation-a-black-jesus-gefluechtete-unter-italienischen-katholiken/ Eine Filmkritik von Jörn Schumacher]]> „In dieser Stadt gibt es eine Statue von einem schwarzen Jesus.“ Mit diesen Worten, gesprochen von einem Bewohner des italienischen Ortes Siculiana auf Sizilien, beginnt der Film von Luca Lucchesi. Er sagt weiter: „Und es gibt dort ein Flüchtlingslager. Das Komische ist: Die Menschen dort mögen keine Schwarzen.“ Mit diesen Worten ist der Dokumentarfilm „A Black Jesus“ eigentlich schon ganz gut zusammenfasst. Lucchesi hat mit seiner Frau Hella Wenders als Autorin an seiner Seite den Ort besucht und versucht, die Spannungen einzufangen, die diese Situation auslöst. Als Produzent trat Hella Wenders’ Onkel Wim Wenders auf. Der Film wird auf dem DOK Leipzig Film Festival vom 27. Oktober bis 1. November gezeigt, 2021 soll er regulär in den Kinos anlaufen.

Für die Bewohner des Dorfes ist die schwarze Jesus-Figur, die in der Kirche hängt und einmal jährlich bei einer feierlichen Prozession durch den Ort getragen wird, nicht nur einfach eine bildliche Darstellung Jesu. Sie ist mächtig, Gebete zu erhören, zu heilen und bei Problemen zu helfen. Daher beten die Gläubigen auch nicht zu Jesus, sondern zu eben jener Figur, etwa so wie zu einem Götzen. Demgegenüber stehen die schwarzen Flüchtlinge, die mit Booten auf Sizilien ankamen und nun versuchen, in Europa Fuß zu fassen, einen Pass und eine Arbeitserlaubnis zu bekommen und dem alten Leben zu entfliehen. Vor allem aber wollen sie sich eingemeinden, ankommen in diesem Land und ein Teil der Gemeinschaft werden. So sind sie natürlich fasziniert von diesem ausgerechnet schwarzen Jesus, der in Siculiana verehrt wird.

Versteckter Rassismus

Zwei Jahre habe Lucchesi für den Film recherchiert, heißt es in der Presseankündigung. Siculiana ist das Heimatdorf seines Vaters. Leider merkt man dem Film die Recherche nicht sofort an – für einen Dokumentarfilm enthält dieser erstaunlich wenig Fakten, man erfährt weder etwas über den Kult um die Jesus-Statue noch über die Herkunft der Geflüchteten, keiner der Protagonisten wird mit Namen vorgestellt, nicht einmal im Interview. Das nährt den Verdacht, Lucchesi sei es vor allem darum gegangen, mit schönen Aufnahmen die absurde Geschichte um den schwarzen Jesus in einem italienischen Dorf vor allem auf einer emotionalen Ebene zu platzieren. Dorfbewohner, die in ihrer Verehrung des Kruzifixes gezeigt werden, unterlegt Lucchesi mit Blasmusik im Dreivierteltakt, womit sie leicht ins Lächerliche gezogen werden. Wäre es vielleicht eine bessere Idee gewesen, aus dem Stoff einen ironischen Spielfilm zu machen?

Lucchesi drehte in weitem Cinemascope-Format, das man sonst von monumentalen Spielfilmen kennt. Wim Wenders selbst merkte gegenüber der Presse an, dieses Format verbiete sich ja fast bei Dokumentarfilmen, dennoch sei er von der Kameraführung natürlich begeistert; Lucchesi schaffe es, die Menschen „mit viel Liebe und Sorgfalt zu filmen“.

Der Rassismus, den man von den Dorfbewohnern vielleicht erwarten könnte, hält sich in Grenzen, tritt aber immer wieder in Erscheinung. „Sie sehen aus, wie mit Tinte angemalt“, tuscheln alte sizilianische Frauen. „Wenn sie an mir vorbeigehen, habe ich Angst“, sagen sie, aber sie bleiben damit in der Minderheit. Insgesamt scheint die Integration der schwarzen Fremden in dem italienischen Dorf gar nicht so schlecht zu laufen. Im Schulunterricht bringen die Lehrer sie mit den Jugendlichen ins Gespräch, und die zeigen sich aufgeschlossen gegenüber den Fremden. Ein Lehrer bringt ihnen liebevoll und fürsorglich nicht nur Italienisch bei, sondern freundet sich mit ihnen sogar an – der heimliche Held des Films! Ein anderer Höhepunkt des Films: Die Gemeinde führt ein Laienspiel auf, in dem es um einen fremden, armen Besucher geht, der um einen Unterschlupf bittet, aber von einem Hausbesitzer abgelehnt wird. Nachher stellt sich heraus: Der Fremde war Jesus selbst, und der Hausbesitzer weint bitterlich aus Reue. Ob irgendjemand der Gemeindemitglieder merkt, welche Parallele sich just in diesem Moment in ihrem eigenen Dorf abspielt?

Die Sizilianer mögen ihren schwarzen, gekreuzigten Jesus – aber sie fremdeln mit den Afrikanern, die in ihrem Ort – eher am Rande – leben. Ob sie diesen toten Jesus aus Holz so mögen, weil er ihnen so wenigstens nicht zu nahe kommen kann? Mögen sie auch den auferstandenen Jesus? Und überhaupt, wenn es schon um den Glauben geht: Was hätte Jesus selbst wohl zu den Flüchtlingen gesagt? Der Film bleibt hier nur an der Oberfläche und gefällt sich mit schönen Aufnahmen, häufig, aber manchmal etwas grundlos, aus der Luft gefilmt.

„Bist du das selbst, der da hängt?“

Auch der eine oder andere Flüchtling ist gläubig, einer von ihnen hat eine Bibel auf seinem Bett liegen und betont, dass gerade Jesus ja alle Menschen gleich behandelt hat. Eine rührende Wendung erhält der Film, als vier gläubige Geflüchtete auf den Pfarrer des Ortes zugehen und ebenfalls an der Prozession des schwarzen Jesus teilnehmen wollen. Sie wollen Teil der uralten italienischen Tradition sein und zu den Prozessionsträgern gehören. Immer wieder tritt dieser sehnliche Wunsch der Geflüchteten zutage, sich einzubringen, Sinnvolles zu tun, die Kultur anzunehmen, in die sie als Gäste gekommen sind.

Die Ironie der Geschichte um Siculiana ist im Wesentlichen nach 15 Minuten erzählt. Die Szenen der restlichen 80 Minuten erscheinen manchmal eher zusammenhanglos hintereinander geschnitten. Am Ende spazieren die vier Flüchtlinge (die ebenfalls namenlos bleiben) strahlend durch den Ort und geben stolz kund: „Wir waren die ersten Schwarzen, die den schwarzen Jesus getragen haben!“ Ihr freundlicher Italienischlehrer (ohne Namen und Berufsbezeichnung) hat das Wichtigste erkannt und predigt es geradezu seinem Friseur, der den Schwarzen gegenüber distanziert bleibt. Schon in der Bibel stehe, wie Gott über Migration dachte: das Land gehört mir, ihr alle seid im Grunde nur Gäste, jeder ist in gewissem Sinne ein Migrant. Leider gibt es trotzdem kein Happy End im Film. Das Schlusswort hat einer der Geflüchteten: „Als ich diesen schwarzen Jesus trug, schaute ich immer zu ihm hinauf und fragte mich selbst: Bist du das, der da hängt?“

„A Black Jesus“, 92 Minuten, Produktion: Road Movies in Koproduktion und NDR, Regie: Luca Lucchesi, Weltpremiere auf dem diesjährigen DOK Leipzig Film Festival vom 27. Oktober bis 1. November, ab 2. Quartal 2021 in den deutschen Kinos

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Tue, 27 Oct 2020 10:02:00 +0100
<![CDATA[Kirchenkritiker: „Kirche hat ein Relevanzproblem"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/10/27/kirchenkritiker-kirche-hat-ein-relevanzproblem/ Den beiden großen Kirchen in Deutschland laufen die Mitglieder davon. Das zeigen die Kirchenstatistiken. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will das ändern und wieder attraktiver werden. Dazu hat ein Zukunftsteam elf Leitsätze zur Weiterentwicklung der Kirche formuliert. Weil für Starter ins Berufsleben die Kirchensteuer ein gewichtiger Grund für den Austritt ist, erwägt das Zukunftsteam „Entlastungsmöglichkeiten“ und „Spielräume bei der Kirchensteuerpflicht“ junger Menschen. Auch „über alternative Formen finanzieller Beteiligung von Menschen, die sich ohne formelle Mitgliedschaft der Kirche zugehörig fühlen“, hat das Zukunftsteam nachgedacht.

Bei der Diskussion aus der Reihe „Zweifeln erlaubt“ der Evangelischen Akademie Frankfurt am Montag hat sich die Kirchenrechtlerin und Mitglied des Zukunftsteams der EKD, Susanne Teichmanis, dagegen ausgesprochen, Verwaltungsstrukturen für die Erhebung der Kirchensteuer aufzubauen. Die Landeskirchen sollten – die Ausnahme ist Bayern, dort wird die Steuer von kircheneigenen Steuerämtern erhoben – beim Einzug der Kirchensteuer durch die Finanzämter bleiben. Das Unbehagen mit der Kirchensteuer hat nach Ansicht Teichmanis zwei Gründe: Einmal stellten die Berufseinsteiger plötzlich fest, dass Kirche etwas koste. Dazu komme das Gefühl, nicht zu wissen wofür.

Zugehörigkeitsgefühl der jungen Menschen zur Kirche fördern

„Wenn Menschen nicht mehr wissen, warum sie eigentlich Mitglied der Kirche sind, dann läuft gehörig etwas schief“, erklärte die Oberkirchenrätin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg. Junge Menschen empfänden zudem ein Widerstreben bei der Vorstellung, „dass Kirche und Staat im System der Kirchensteuererhebung so nahe beieinander sind“. Die Kirchen müssten das Zugehörigkeitsgefühl der jungen Menschen zur Kirche fördern und diese mehr beteiligen. Zur finanziellen Entlastung junger Menschen schlägt das Zukunftsteam vor, „Spielräume bei der Kirchensteuerpflicht“ zu nutzen und „Möglichkeiten der Mitbestimmung bei der Verwendung" der Mittel zu schaffen. Eine bessere Kommunikation und engere Bindung könnten dem Papier zufolge durch die Registrierung der jungen Menschen mittels einer sogenannten „Churchcard“ bewirken.

„Das Alte loszuwerden um das Neue zu beginnen ist überhaupt gar keine Idee, die in der Kirche verhandelt wird, wenn es um die Kirchensteuer geht“, erklärte der Politikberater und Kirchenkritiker Erik Flügge. Dies gelte „erst recht nicht, wenn es um junge Menschen geht“. Stattdessen werde in der Kirche die Frage aufgeworfen, wie die jungen Menschen dafür gewonnen werden könnten, die alten Wege mitzugehen. Den Gedanken, junge Menschen durch eine Art Rabatt bei der Kirchensteuer zu entlasten, hielt Flügge für abwegig. Rabatt habe immer mit Risiko und Veränderung zu tun. „Nichts davon trifft auf den Fall der Kirchensteuer zu.“ Zudem schafften Rabatte keine Relevanz für die Kirche.

„Gottesfrage in den öffentlichen Raum transportieren“

„Wir sollen als Kirche große Teile unserer Kirchensteuer auch dafür verwenden, an möglichst vielen Stellen im öffentlichen Raum das Wort ‚Gott‘ zu plakatieren“, forderte Flügge in der Podiumsdiskussion. Aufgabe der Kirchen sei, die „Gottesfrage“ so in den öffentlichen Raum zu transportieren, dass junge Menschen deren Relevanz erkennen könnten. Flügge wünscht „eine Direktansprache jedes Kirchenmitgliedes, das jung ist, bevor es das erste Mal Kirchensteuer bezahlt“, und regelmäßige Mitteilungen darüber, was Kirche alles leistet „und Gutes getan hat".

Neuen Formen der Partizipation, etwa dass Nichtgetaufte Fördermitglieder einer Kirche würden, erteilte Flügge eine Absage. „Wir haben ein Problem, unsere eigenen Mitglieder zu halten und sie von der Relevanz der Institution zu überzeugen“, sagte er. Es sei unrealistisch, dass Nichtmitglieder den Kirchen „die Bude" einrennen würden, um Mitglied einer Institution zu werden, die selbst ihren Mitgliedern die eigene Relevanz nicht plausibel erklären könne. Aufgabe der Kirche müsse daher vornehmlich sein, die eigenen Mitglieder zu involvieren, zu binden und mit Kontakt zu versorgen.

„Der Austrittsgrund ist, wenn man den Menschen nichts anbietet, wenn der Menschen nicht mehr weiß, wozu er in einer Kirche ist“, sagte der Pfarrer der Wallonisch-Niederländischen Kirche in Hanau, Torben Telder. Skeptisch äußerte sich Telder über den Vorschlag Teichmanis, jungen Menschen die Kirchensteuer im Gegenzug für das Einbringen „ihrer Kompetenzen“, etwa in der Form handwerklicher Fähigkeiten, zu mindern. „Wer keine Kirchensteuer bezahlen will, den werde ich nicht damit erreichen, dass er bei mir den Rasen mäht.“

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 27 Oct 2020 08:00:00 +0100
<![CDATA[Staatsanwaltschaft prüft Fall um „gehenkte“ Presse-Puppe]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/26/staatsanwaltschaft-prueft-fall-um-gehenkte-presse-puppe/ Die Staatsanwaltschaft Bielefeld prüft derzeit die strafrechtliche Relevanz der am Wochenende entdeckten aufgeknüpften Schaufensterpuppe mit dem Pappschild „Covid-Presse“. Die Puppe, die in der Nacht zum Samstag im nordrhein-westfälischen Minden an einer Fußgängerbrücke hängend gefunden wurde, sei als Beweismittel sichergestellt worden, teilte eine Sprecherin der Polizei Bielefeld auf Anfrage mit. Die Bundesregierung warnte unterdessen vor einer „Atmosphäre der Verachtung und des persönlichen Angriffs“. Regierungssprecher Steffen Seibert bezeichnete den Vorfall als „widerwärtig“.

Der Vorfall zeige ein Denken, „dem wir uns gemeinsam entgegenstellen müssen“, sagte der Regierungssprecher am Montag in Berlin. Alle müssten aufpassen, dass nicht bestimmte Gruppen - wie Presseleute oder Wissenschaftler - verhöhnt würden. Ein Foto der Schaufensterpuppe, die auch einen Mundschutz mit der Aufschrift „blind“ trug, war am Wochenende über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter verbreitet worden.

Sorge wegen aggressiver Stimmung

Am Samstag hatte die Initiative „Querdenken 571“ in der Mindener Innenstadt gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Ob ein Zusammenhang zwischen der Demonstration und der zuvor angebrachten Schaufensterpuppe besteht, ist bislang unklar. Die Initiative „Minden gegen rechts“, die auf ihrer Facebookseite das Foto der Puppe veröffentlich hatte, erklärte, dass offensichtlich mit dieser Installierung eine Hinrichtung von Medienschaffenden assoziiert werden solle.

Der Chefredakteur des Mindener Tageblatts, Benjamin Piel, sagte dem epd am Montag, er sehe von einer eigenen Anzeige gegen Unbekannt ab, da diese bereits von Bürgern erstattet worden sei. Piel hatte sich am Sonntag besorgt über eine zunehmend „aggressive Stimmung“ geäußert, die Kritiker der Corona-Maßnahmen gegen die Medien und explizit auch gegen seine Zeitung erzeugten. In seinem Tweet schrieb er: „Wenn aus Kritik an Journalisten Hinrichtungsphantasien werden, ist das verabscheuenswert.“

Der Journalisten-Verband DJV hatte die Aktion am Sonntag via Twitter als „widerlich“ verurteilt. „Hoffentlich wird das nicht als ‚freie Meinungsäußerung‘ verharmlost“, schrieb die Gewerkschaft in ihrem Tweet.

Von: epd

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Mon, 26 Oct 2020 18:22:00 +0100
<![CDATA[Kirchliche Hilfswerke werben für Weihnachts-Online-Kollekte]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/26/kirchliche-hilfswerke-werben-fuer-weihnachts-online-kollekte/ Die beiden kirchlichen Hilfswerke Adveniat und Brot für die Welt haben erstmals gemeinsam zu einer Online-Kollekte mit Blick auf Weihnachten aufgerufen. „Volle Kirchen wird es wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen an den Weihnachtsfeiertagen nicht geben - und damit auch keine gefüllten Kollektenkörbchen und Spendentütchen für die Weihnachtsaktionen der katholischen und evangelischen Kirche“, heißt es in dem am Montag verbreiteten Aufruf: „Doch gerade in diesem Jahr ist die Weihnachtskollekte wichtiger als je zuvor.“ Spenden werden unter www.weihnachtskollekten.de gesammelt.

Corona treffe die Armen in Lateinamerika und weltweit besonders hart, „sie brauchen gerade jetzt unsere Solidarität“, betont der Hauptgeschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Pater Michael Heinz. Die Präsidentin von Brot für die Welt, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, fügte hinzu: „Für unsere Kinder war der Schulbesuch in den vergangenen Monaten eingeschränkt. Für Millionen von Kindern in armen Ländern, deren Familien durch die Lockdowns von jetzt auf gleich und ohne Rettungsschirm ihr Einkommen verloren haben, fällt er seit dem Frühjahr vollständig aus.“ Corona habe dazu geführt, dass wieder mehr Kinder arbeiten müssen, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. Noch dazu sei die Schulmahlzeit häufig ihre einzige gesicherte Mahlzeit gewesen.

Seit mehr als 60 Jahren seien die Kollekten der Weihnachtsgottesdienste für Adveniat und Brot für die Welt bestimmt, hieß es weiter. Die beiden Hilfswerke sorgten mit ihren weltweiten Hilfsprojekten dafür, dass die weihnachtliche Solidarität Wirklichkeit werde. Die Spendenaktionen starten am 1. Advent, dem 29. November.

Von: epd

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Mon, 26 Oct 2020 17:02:00 +0100
<![CDATA[Von der Kanzel auf das Börsenparkett]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2020/10/26/von-der-kanzel-auf-das-boersenparkett/ Seit einem halben Jahrhundert verfolgt Uwe Lang das Geschehen an den Wertpapierbörsen der Welt genau. Aktuell werden die Nachrichten bestimmt von Meldungen über milliardenschwere Finanzhilfen infolge der Corona-Pademie, Analysten befürchten abwechselnd Inflation und Deflation, den Zusammenbruch der weltweiten Wirtschaftssysteme oder Kollaps der Banken. Für Lang kein Grund, in Panik zu verfallen. Einen drohenden Crash der Börsen kann der 77-jährige Aktienanalyst derzeit nicht erkennen. „Man soll sich keinen übergroßen Ängsten hingeben“, erklärt Lang. Er widerspricht Analysten, die aufgrund der hohen Schulden eine Geldentwertung befürchten. Lang sieht wegen Corona eher die Gefahr einer drohenden Absatzkrise – und damit Deflation.

Lang stammt aus einer schwäbischen Kaufmannsfamilie der Fugger-Stadt Augs­burg. „Die Frage, wie man wirtschaftlich arbeiten kann, hat mich im Grunde genommen nie losgelassen“, resümiert der Pfarrer. Dabei wollte er zunächst nicht ins Kaufmännische und studierte in Neuendettelsau, Erlangen und München Theologie, Pädagogik und Philosophie. Nach dem Vikariat in Oberfranken und den theologischen Examen unterrichtete Lang zunächst evangelische Religion in Starnberg und wechselte nach wenigen Jahren in den Pfarrerdienst nach Leipheim an der Donau.

Weil der passionierte Schachspieler bereits während des Studiums Parallelen zwischen dem Strategiespiel und dem Handel mit Wertpapieren ausmachte, war er fasziniert vom Treiben an der Börse. „Beim Schach und an der Börse gibt es ein paar Regeln, die man beherzigen sollte und die sich immer wieder bewahrheiten“, sagt Lang in ruhigem und bedachten Ton. Etwa, das Zentrum des Spielfeldes kontrollieren – was bei der Börse bedeutet, Vemögen im Zentrum, den Dax-Werten, zu platzieren. Es reizte ihn, die strategischen Zusammenhänge an den Finanzmärkten zu ergründen und mathematisch zu analysieren. Dazu recherchierte er historische Börsendaten und Kurse in Zeitungsarchiven. Von Digitalisierung war da noch keine Rede. „Ich habe die Kurse abgeschrieben. Es war nicht einfach, an die alten Daten zu kommen.“ Seine Daten über Börsenkurse reichen heute bis ins 19. Jahrhundert zurück. Erst mit Beginn der 90er Jahre konnte er einen Computer mit Tabellenkalkulationsprogamm für seine Analysen einsetzen und unter anderem zeigen: „Ein Anleger, der immer nur in den Sommermonaten Aktien gekauft hätte, der hätte nichts verdient. Einer, der nur in den Wintermonaten gekauft hätte, hätte seit den 60er Jahren seine Anteile um das 20- oder 30-Fache erhöht.“

Vermögen gerettet

Weil es zu der Zeit kaum Bücher dazu gab, begann er 1985, sein Wissen über Aktien und Anleihen, Devisen und Rohstoffe und Anlagestrategien aufzuschreiben. Der Campus-Verlag veröffentlichte 1986 seinen „Aktien Berater“. Weil der in verschiedenen Zeitschriften, etwa im Spiegel, positiv bewertet wurde, folgten 14 weitere Auflagen und über die Jahre mehr als zehn weitere Bücher über die Börse, Finanz- und Vermögensthemen.

„Die Leute haben mich angerufen und gebeten, ich solle etwas Regelmäßiges veröffentlichen.“ So fing Lang 1987 damit an, zunächst für 30 Abonnenten regelmäßig einen Rundbrief, seine „Börsensignale“, mit Aktienanalysen und Anlagestrategien zu verfassen. Weil er das als Gemeindepfarrer nur „nebenbei“ machen konnte, stellte er einen Studenten ein, der ihm einige Arbeiten bei der Recherche der Kurse und Daten abnahm. „Im Lauf des Jahres 1987 habe ich ständig gewarnt vor einem Crash an der Börse“, erinnert sich Lang. Er empfahl seinen Lesern im August 1987, alle Aktien zu veräußern. Als der Crash dann am 19. Oktober 1987, dem „Schwarzen Montag“, eintrat und der Spiegel über Langs Prognose berichtete, interessierten sich plötzlich viele Investoren für seinen Börsenbrief. Lang hatte einigen Menschen ihre Vermögen gerettet.

„Börsenpfarrer“ ohne Pfarramt

Irgendwann war das Hobby neben dem Pfarramt mit zu viel Arbeit verbunden. Lang musste eine Entscheidung fällen und bat seine bayerische Landeskirche um Beurlaubung, um sich fortan der Böse hauptberuflich als Analyst und Wirtschaftsjournalist zu widmen. Mit der Garantie seiner Landeskirche, jederzeit in den Pfarrdienst zurückkehren zu können, wagte Lang den Schritt in die Selbstständigkeit. Er suchte sich einen Kaufmann und Marketingfachmann als Partner. Heute erstellt er den Börsenbrief alle 14 Tage gemeinsam mit einem seiner Schwiegersöhne. Gemeinsam mit der Schweizer Vermögensverwaltung Swissinvest in Luzern vertreibt er seine „Börsensignale“ eigenen Angaben zufolge an rund 1.300 Abonnenten.

Weil seine Landeskirche für eine weitere Beurlaubung damals keine rechtliche Reglung hatte, beendete Lang 1992 die hauptamtliche Tätigkeit als Pfarrer und wurde selbständiger Journalist. Da war er gerade 55 Jahre alt. Seit 1998 arbeitet er als „Pfarrer im Ruhestand“ in der Kirchengemeinde Dinkelscherben ehrenamtlich mit. In dem Ort, wo er ohne jeglichen Pomp lebt, predigt er regelmäßig, hält Taufen, Trauungen und Beerdigungen und leitet den Frauenkreis. „Der christliche Glaube ist für mich das Wesentliche und Entscheidende“, sagt Lang. Als Ehrenamtlicher fühle er sich ohnehin verbunden mit den vielen anderen ehrenamtlichen Mitarbeitern in der Kirche. Als Gemeindepfarrer habe er sich oft ausgemalt, dass die Leute dächten, er müsse ja so reden, weil er dafür bezahlt werde.

Christlicher Glaube und kirchliches Engagement einerseits, wirtschaftliches Handeln und Interesse an der Börse andererseits sind für Lang keine Widersprüche. „Geld ist nicht, so wie es von manchen Christen ausgelegt wird, des Teufels, sondern es ist durchaus etwas, womit sich eigentlich jeder befassen sollte.“ Der Pfarrer und Börsenanalyst sieht aber auch die Gefahr, dass Menschen der Gier nach Geld und Gut, dem „Mammon“, verfallen. „Es gibt viele negative Beispiele dafür, wie sich Menschen von ihrem Vermögen abhängig machen. Und dann auch entsprechend nicht mehr bereit sind, für andere etwas zu tun.“ Die Kritik von Kirchenoberen an überhöhten Managergehältern hält Lang für absolut berechtigt. „Viele Gehälter haben inzwischen ein Maß erreicht, das einfach nicht mehr vertretbar ist. Wenn Topmanager Million Euro im Monat verdienen und meinen, das sei gerecht, dann ist das letztlich eine Unverschämtheit. Und ich ärgere mich immer wieder, dass die Politik hier nichts tut, um das zu unterbinden.“

Von Kirchen wünscht sich der Finanzstratege vernünftigen ökonomischen Umgang mit Vermögen. Er sieht durchaus Defizite „bei einigen Leuten, die viel Geld verwalten und wenig davon verstehen“. Lang empfiehlt ohnehin, sich selber über Anlageformen und -strategien zu informieren. Banker raten seiner Meinung nach häufig nur zu hauseigenen Aktienfonds. „Die Fonds schneiden aber in der Regel schlechter ab als der Dax.“ Wo sie investieren, sollten Anleger auch nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten abwägen, findet Lang. „Ich habe mich entschlossen, nicht in Rüstungsunternehmen einzusteigen“, sagt er. Und weil er Tierversuche ablehnt, bewertet der Pfarrer für eigene Investments Pharmaunternehmen dahingehend kritisch. Damals, als er sein ers­tes Buch veröffentlichte, sei es eine Sensation gewesen, dass ein Pfarrer über die Börse schreibt. Journalisten hätten ihm dann den Titel „Börsenpfarrer“ verpasst. „Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt Lang und fügt nach kurzer Pause an: „Das ist aber nicht richtig, denn an der Börse gibt’s keinen Pfarrer.“

Von: Norbert Schäfer

Dieser Text erschien in der aktuellen gedruckten Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro. Darin lesen Sie außerdem, was Kitesurfen und Bibel miteinander zu tun haben und warum das Handy nicht unbedingt glücklich macht. Das Magazin können Sie kostenlos online bestellen oder telefonisch unter 0 64 41/5 66 77 00.

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Mon, 26 Oct 2020 15:34:00 +0100
<![CDATA[Markenschutz religiös: INRI demnächst als T-Shirt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2020/10/26/markenschutz-religioes-inri-demnaechst-als-t-shirt/ Ende Oktober sollen T-Shirts erscheinen, auf deren Vorderseite die Buchstaben INRI stehen, und auf deren Rückseite das Motiv des Turiner Grabtuches zu sehen ist. Der Geschäftsmann Werner Lustig hat sich den Begriff INRI als EU-weite Marke gesichert. pro hat mit dem 58-Jährigen gesprochen.

pro: Wie kam Ihnen die Idee, T-Shirts mit den Buchstaben INRI zu vertreiben?

Werner Lustig: Das waren Überlegungen, die bereits ein paar Jahre zurückliegen. Schon als junger Mann habe ich diese monumentalen Filme gesehen, die im Römischen Reich spielten. Da begann mein Interesse. Ich habe mittlerweile vier EU-Markenrechte schützen lassen. Das erste war die Buchstabenkombination SPQR („Senatus Populusque Romanus“ – „Senat und Volk von Rom“). Darauf habe ich ein Markenrecht in fünf Nutzerklassen: Getränke, Textil, Kosmetika, Lederwaren und Schmuck. Mit diesen Buchstaben fing es an. In meinem Heimatort bin ich dann regelmäßig mit meinen Kindern auf dem Weg zum Kindergarten an einem „Marterl“ (Wegekreuz) vorbeigekommen. Darauf standen die Buchstaben INRI. Da kam mir die Idee, ob man diese vier Buchstaben auch schützen lassen kann. Das haben wir getan. Zunächst muss man immer das Recht im eigenen Land schützen lassen, dann kann man das beim EU-Recht machen. Bei INRI haben wir das Nutzungsrecht in den selben Nutzerklassen wie bei SPQR bekommen, bis auf Schmuck.

Bedeutet das, dass ich nun also beispielsweise ohne Ihre Erlaubnis keine Lederwaren mehr herausbringen darf mit den vier Buchstaben INRI darauf?

Gewisse Dinge in Leder dürfen Sie herausbringen. Einmal fragte mich beispielsweise eine Biologin aus Berlin, ob sie Leder-Anstecker mit INRI herstellen dürfe. Das gilt nicht als Lederware, sondern als Schmuck, und dort habe ich nicht die Rechte.

Aber eine Stofftasche mit INRI als Textil-Produkt dürfte nicht ohne weiteres auf den Markt gebracht werden?

Richtig. Unter Textil kann ich alles herstellen.

Planen Sie in den anderen Klassen ebenfalls Produkte, beispielsweise Getränke?

Wenn man sich im Markenrecht eine Marke schützen lässt, kostet das Geld. Wenn man drei Klassen einträgt, kostet es das gleiche wie bei nur einer Klasse. Vier Klassen kosten mehr. Wir haben vier Nutzerklassen bekommen. Das heißt nicht, dass wir diese Rechte daran auch ausnutzen, sondern dass wir sie zunächst einmal nur besitzen. Wir wollen mit einem Getränkehersteller sprechen, ob es möglich und sinnvoll ist, ein Getränk unter dem Namen INRI zu verkaufen. Es ginge da nicht darum, einfach nur einen Orangensaft unter diesem Namen abzufüllen; wir überlegen schon, was wir mit diesem Artikel wollen. Welcher Art dieses Getränk werden könnte, wissen wir noch nicht. Eines kann ich aber sagen: Ich denke nicht, dass wir einen Energy-Drink daraus machen.

Wie sehen Ihre T-Shirts genau aus?

Vorne sind auf der Mitte mit goldfarbenem Garn die Buchstaben INRI gestickt; auf der Rückseite ist das Jesus-Bildnis vom Turiner Grabtuch zu sehen, das wir von einer Künstlerin neu haben malen lassen. Es gibt Überlegungen zu weiteren Motiven, das kommt darauf an, wie der Markt das annimmt.

Wann soll es erscheinen?

Wir haben es für Ende Oktober geplant. Man kann es dann über unseren Web-Shop bestellen. Wir werden zudem auf den einen oder anderen Einzelhändler zugehen und sehen, wie es dort ankommt. Auch auf Messen wollen wir es vertreiben.

Stellen Sie die T-Shirts selbst her?

Das Garn wird für uns in Bangladesch gefertigt.

Laut Neuem Testament stand auf dem Kreuz Jesu: „Jesus von Nazareth, König der Juden“ (INRI) Was bedeuten Ihnen der christliche Glaube und diese vier Buchstaben?

Ich bin katholisch erzogen worden. Ich war fünf Jahre lang Messdiener, also Ministrant in der Katholischen Kirche, und ich glaube auch heute noch immer.

Gab es bisher schon Reaktionen auf das T-Shirt?

Die bisherigen Reaktionen waren überwiegend positiv. Einer hat das eher negativ gesehen, mit ihm habe ich darüber gesprochen, und danach sah er die Sache etwas anders. Wir sind der Meinung: Jeder sollte seinen Glauben auf dem Herzen tragen, oder besser gesagt: jeder darf.

Was wird das T-Shirt kosten?

Wir sind immer noch in der Preisfindungsphase. Das ist insofern nicht ganz einfach, weil der Stoff sehr hochwertig ist, und es ist auch hochwertig verarbeitet, der Tragekomfort ist tadellos.

Stimmt es, dass Sie Teile des Erlöses für einen guten Zweck spenden wollen?

Wir wollen eventuell eine Stiftung gründen. Ich habe bereits 15 Jahre Erfahrung in der Stiftungsarbeit. Wir wollen hier der Gesellschaft wieder etwas zurückgeben durch eine Stiftung, die sich für Kinder und Umwelt einsetzt. Mehr können wir dazu derzeit noch nicht sagen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jörn Schumacher

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Mon, 26 Oct 2020 10:00:00 +0100
<![CDATA[Evangelische Allianz: Donald Trump darf kritisiert werden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/23/evangelische-allianz-donald-trump-darf-kritisiert-werden/ Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) hat sich von Äußerungen Gaby Wentlands zur Kritik von Christen an US-Präsident Donald Trump abgrenzt. In einer Stellungnahme vom Donnerstag erklärte die DEA, „keine parteipolitische Bewegung“ zu sein, sondern in ihren politischen Äußerungen „für christliche Werte“ zu stehen.

Wentland leitet das christliche Hilfswerk „Mission Freedom“ und gehört dem Hauptvorstand der DEA an. In dem mittlerweile gelöschten Video auf Facebook hatte sie Christen dazu aufgerufen, Kritik am amtierenden US-Präsident zu unterbinden und nicht negativ über Donald Trump zu sprechen. Stattdessen sollten Christen „über das falsche und harte Urteil über Präsident Trump“ Buße tun.

In der Verlautbarung vom Donnerstag stellt die DEA klar, dass sich Wentland in dem Video nicht als DEA-Hauptvorstandsmitglied geäußert hat. Wentland habe die DEA in dem Video auch nicht erwähnt. Auf Facebook waren die Aussagen Wendlants von Kommentatoren des Videos mit der DEA in Verbindung gebracht worden. Dagegen wehrte sich die DEA nun öffentlich und erklärte, dass in dem Video „ein Mann, den man sachlich kritisieren kann und muss, durch den Anspruch eines ‚Wortes von Gott‘ einer Kritik weitestgehend entzogen“ werde, da Kritikern der US-Präsidenten der Verlust des Segens Gottes vor Augen geführt werde. Das Video vermittle nach DEA-Einschätzung den „Absolutheitsanspruch, ein ‚prophetisches Wort für Deutschland‘“ zu sein. Die DEA teile jedoch „die Art und Weise, wie in dem Video ein prophetisches Wort weitergegeben wurde, sowohl methodisch als auch inhaltlich nicht“.

Die DEA bekundete in der Stellungnahme, „mit ihren politischen Grundüberzeugungen klar auf dem Boden des Grundgesetzes“ zu stehen. Innerhalb dieses Rahmens seien politische Aussagen ihrer Mitglieder „häufig heterogen“. Die DEA lege sich parteipolitisch nicht fest. Eigenen Angaben zufolge hat die DEA „thematische Schnittmengen“ mit den demokratischen Parteien, gleichzeitig stellen sie kritische Anfragen an alle Parteien. „Menschenverachtung, Rassismus, Gewalt und Angriffe auf das Leben von Geborenen und Ungeborenen lehnen wir ab“, erklärten Ekkehart Vetter (1. Vorsitzender) und Siegfried Winkler (2.Vorsitzender) in der gemeinsamen Erklärung mit DEA-Generalsekretär Reinhardt Schink. Die Allianz sieht sich selbst als eine geistliche Bewegung. „Uns eint der Glaube an Jesus Christus, wie er in der Bibel bezeugt wird, und das gemeinsame Gebet“, lautet es in der Stellungnahme.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 23 Oct 2020 13:34:00 +0200
<![CDATA[Neuer Militärbischof der EKD ins Amt eingeführt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/22/neuer-militaerbischof-der-ekd-ins-amt-eingefuehrt/ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat ihren neuen Militärbischof Bernhard Felmberg mit einem Gottesdienst offiziell ins Amt eingeführt. In der Wittenberger Stadtkirche wurde ihm am Donnerstag das Amtskreuz übergeben. Felmberg hatte das Amt zum 1. Oktober angetreten. Er ist der zweite hauptamtliche Militärbischof der EKD und als dieser zuständig für die rund 100 evangelischen Militärpfarrer und -pfarrerinnen bei der Bundeswehr.

In seiner Predigt sagte Felmberg, dass die Kirche bei denen sei, „die uns brauchen“. Soldatinnen und Soldaten gäben der Militärseelsorge Einblicke in die Seele, in der Hoffnung, dass sich seelische Wunden zu schließen beginnen und innere Verletzungen heilen können. Militärseelsorge heiße zudem, durch die Begleitung in Auslandseinsätzen etwa in Mali oder Afghanistan „die pastorale Komfortzone“ zu verlassen.

„Menschen zu helfen, dass sie auch in schwierigen Herausforderungen keinen Schaden an der Seele nehmen, sich richtig ausrichten, Zeit haben, Erfahrungen zu verarbeiten, darin liegen Kernaufgaben der Evangelischen Seelsorge in der Bundeswehr“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Grußworte überbrachten bei der Einführung zudem der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, und der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck. Auch die Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) war unter den Gästen.

Felmberg war bis 2016 Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegenüber der Bundesregierung und der Europäischen Union. Nach Kritik an seiner Lebensführung schied er bei der EKD aus und wechselte ins Bundesentwicklungsministerium, wo er zuletzt als Abteilungsleiter tätig war.

In einem Gespräch mit dem epd sagte der 55-Jährige, Militärseelsorge biete die Chance für ein Best-Practice-Modell evangelischen Handelns. „Wir leben ein sehr intensives Kirche-Sein“, sagte er mit Verweis auf den engen Kontakt von Seelsorgern und Soldaten beispielweise in Auslandseinsätzen. Das sei schon etwas Besonderes.

Er warnte vor dem Hintergrund der Spardiskussionen der evangelischen Kirche vor Einsparungen. Man dürfe nicht mit dem Rasenmäher vorgehen, sagte Felmberg. Gleichzeitig sei die Militärsseelsorge zu Einsparungen „im Rahmen ihrer Möglichkeiten“ bereit.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 22 Oct 2020 16:12:00 +0200
<![CDATA[Chris Pratt im Shitstorm: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/10/22/chris-pratt-im-shitstorm-wer-nicht-fuer-uns-ist-ist-gegen-uns/ Ein Kommentar von Nicolai Franz]]> Ein Gespenst geht um, und es heißt „Cancel Culture“. Immer mehr erboste Internetnutzer wünschen ihren Gegnern das Ende ihrer beruflichen Existenz und ihres gesellschaftlichen Ansehens. Und immer häufiger ziehen sie siegreich aus der digitalen Schlacht gegen die, deren Meinung sie als so schlimm empfinden, dass sie sie verstummen lassen wollen.

Die Opfer der „Cancel Culture“ einte vor allem: Sie hatten etwas Falsches getan oder gesagt. Diese Woche war das anders. Es traf den Schauspieler Chris Pratt, bekannt unter anderem aus „Jurassic World“ und „Avengers“, einen überzeugten Christen und weithin gefeierten Hollywood-Darling. Wenn Pratt öffentlich etwas sagt, ist er vor allem: nett. Er ist kein Chauvinist, frei von Eskapaden, und gleichzeitig irre erfolgreich, so eine Art Schwiegersohn-Ideal. Was kann jemand wie Pratt also verbrochen haben? Nichts. Und genau das warfen ihm erboste Twitterer nun vor.

Pratts angeblicher Fehlgriff bemaß sich darin, dass er sich nicht explizit für den Demokraten Joe Biden als zukünftigen US-Präsidenten ausgesprochen hatte. Im Zuge eines Twitter-Beliebtheitswettbewerbs wurden immer mehr Stimmen laut, die ihm das Unaussprechliche zutrauten: Dass er womöglich sogar Donald Trump wählen könnte! Beweise dafür gab es nicht, doch die bloße Nicht-Unterstützung für Biden genügte dem Chor der Empörten schon, ihre digitalen Mistgabeln in die Höhe zu recken.

„White dude solidarity“

Bei dieser Gelegenheit konnten sie Pratt auch gleich – wieder einmal – vorwerfen, er hasse Schwule und Lesben. Schließlich gehöre er einer Kirche an, die anti-LGBT sei. Dass Pratt diese Vorwürfe zurückwies, konnte das Feindbild einiger besonders Sendungsbewusster schon vor Monaten nicht erschüttern. Doch der Shitstorm in dieser Woche hat schon eine neue, quasi-religiöse Qualität, von einer Forderung zum klaren Bekenntnis für die reine (also die eigene) Lehre: „Wer nicht für Biden ist, ist gegen ihn.“ Hollywoodstars sprangen Pratt zur Seite, unter ihnen „Iron Man“ Robert Downey Jr.: „Was für eine Welt … Die ‚ohne Sünde‘ werfen Steine auf meinen Bruder, Chris Pratt …“, schrieb er auf Instagram. „Ein echter Christ, der nach Prinzipien lebt, er hat nie etwas anderes an den Tag gelegt als Zuversicht und Dankbarkeit.“ Den „Steinewerfern“ empfahl er, ihre Twitterkonten zu löschen, was von den Pratt-Hassern als „white dude solidarity“ (Solidarität unter weißen Kerlen) etikettiert wurde. Dass die aus der Dominikanischen Republik stammende Schauspielerin Zoe Saldana sich ebenfalls hinter Pratt stellte? Egal.

Pratt selbst hat sich bisher nicht dazu geäußert, wen er wählen will. Das muss er auch nicht. Denn damit würde er einer zunehmend illiberalen Kultur Vorschub leisten, die unter dem Deckmantel einer angeblichen moralischen Überlegenheit alles und jeden niedermacht, der sich ihr in den Weg stellt. Und das ist keinen Deut besser als das rüpelhafte Verhalten des noch amtierenden Präsidenten. Pratt bezeichnet sich als apolitisch, doch laut CNN hat er 2012 dennoch einen Präsidentschaftskandidaten mit einer Spende unterstützt: Barack Obama.

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Thu, 22 Oct 2020 15:47:00 +0200
<![CDATA[Mediziner: Mit dem Sterbenden um das Leben ringen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/22/mediziner-mit-dem-sterbenden-um-das-leben-ringen/ Andreas Kruse nahm in seinem Vortrag die medizinisch-psychologische Perspektive ein. Der Heidelberger Wissenschaftler sitzt seit 2016 im Ethikrat. Er gestand dem Menschen das Recht ein, sein Leben selbst zu beenden. Oft seien seelische Erkrankungen oder der körperliche Verfall dafür ausschlaggebend: „Menschen mit dieser Zukunftsperspektive wollen oft nicht mehr leben.“

Kruse plädierte dafür, auch mit schwer kranken Patienten noch einmal zu reflektieren, ob sie nicht doch „Ja“ zum Leben sagen könnten. Man dürfe sie nicht sich selbst überlassen, sondern müsse diese Aspekte mit ihnen besprechen. Oft rufe die Demenz-Diagnose Suizid-Vorstellungen und Phantasien hervor. Er wolle mit Suizid-Willigen lieber besprechen, was getan werden könne, um das Leben zu erhalten.

Gleichzeitig habe er Respekt vor der Selbstbestimmung der Person. Der Suizid-Wunsch sei oft in eine emotionale Diskussion eingebunden: „Suizid hat immer etwas mit Isolation zu tun. Oft haben Menschen Angst, anderen zur Last zu fallen.“ Kruse warb dafür, um das Leben zu ringen und Sterbewilligen „Störfragen“ stellen. Als Beispiel nannte er: „Gibt es besondere Bereiche, die sie an das Leben binden?“ Kein Mensch sei eine Insel, jeder sei in ein Umfeld eingebunden.

Wunsch nach Suizid respektieren und nicht pathologisieren

Carl Friedrich Gethmann fragte in seinem Impulsvortrag, ob Selbsttötung moralisch erlaubt sei. Der Siegener Philosoph warnte vor einer allzu schnellen Pathologisierung des Suizids. Aus seiner Sicht konzentriere sich die Debatte zu sehr auf Sterbehilfe-Vereine: „Grundsätzlich ist aber jeder Mensch in der Lage, Beihilfe zu leisten.“

Verschiedene Richtungen hätten kritisiert, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts die menschliche Endlichkeit zu wenig beachtet habe. „Auch der schwerkranke Patient hat es verdient, dass er bis zu einem bestimmten Grad Handlungsurheberschaft besitzt“, betonte Gethmann. Es gehe ihm darum, dass der einzelne Suizid-Willige nicht im „Meer der Verallgemeinerbarkeit“ untergehe: „Der Wunsch nach Suizid ist zu respektieren und nicht zu pathologisieren.“

Der Tübinger Moraltheologe Franz-Josef Bormann, seit 2016 im Ethikrat, machte deutlich, dass eine Reflexion des Themas auf vielen Ebenen notwendig sei. „Pauschale Reden über den Suizid verbieten sich.“ Zunächst gab er einen historischen Überblick, wie lange sich die Theologie schon mit dem Thema beschäftige. Die Debatte finde immer in der Spannung der Privatheit solcher Entscheidung und der Sichtweise, dass das Leben ein fundamentales Gut und Geschenk Gottes sei, statt.

„Kein gewaltförmiger Abbruch der Biografie“

Bormann warb dafür, klug mit den technischen gegebenen Möglichkeiten umzugehen. Die dem Menschen anvertraute Freiheit sei nicht grenzenlos und es gebe verschiedene Konstellationen zu berücksichtigen, wer aus welchen Gründen einen Suizid begehe. Bormann selbst bezeichnete ihn als „abrupten gewaltförmigen Abbruch der Biografie“.

Der Bayreuther Rechtswissenschaftler Stephan Rixen gab einen Überblick über die Folgen des Karlsruher Urteils, wonach das Verbot von Sterbehilfe aufgehoben wurde. Kriterien seien, dass der Sterbewillige zur freien Selbstbestimmung und zur Eigenverantwortung fähig sei. Der Entschluss brauche eine Dauerhaftigkeit und Festigkeit. Das Gericht forderte zudem ein durch den Gesetzgeber gewährleistetes Schutzkonzept.

Die Beratungs- und Hilfsangebote „dürfen daher als bewusste Ermutigung zu einem nicht-suizidalen Umgang mit der Grenzsituation“ andere Optionen eröffnen. Rixen ging auf die Ausführungen des Mediziners Kruse ein und fragte, was und wie weit Störfragen rechtlich zulässig sind: „Wir sollten die Menschenwürde neu in der Debatte verorten und den Gegensatz von Selbstbestimmung und Menschenwürde abbauen.“

Die Kölner Rechtswissenschaftlerin Frauke Rostalski nahm eine sehr pointierte rechtliche Position ein. Zu einem freien Leben gehöre auch das freie Sterben. Dazu gehöre es auch, sich der Unterstützung anderer Menschen zu bedienen oder durch die Hand des anderen zu sterben. Bei alledem wollte sie den berechtigten Lebensschutz nicht aus den Augen verlieren.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 22 Oct 2020 12:35:00 +0200
<![CDATA[Algorithmen dürfen nicht über Einsatz einer Waffe entscheiden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/10/22/algorithmen-duerfen-nicht-ueber-einsatz-einer-waffe-entscheiden/ In der Debatte um den möglichen Einsatz bewaffneter Drohnen bei Bundeswehreinsätzen dringt der neue Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg, darauf, dass Menschen die letzte Entscheidungsinstanz bleiben. „Für mich ist wichtig, dass am Ende kein Algorithmus und keine Maschine darüber entscheiden darf, ob es zu einem Einsatz von Waffen kommt“, sagte der 55-Jährige dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Gebraucht würden Situationssensibilität und Empathie für eine Entscheidung. „Diese Entscheidung ist dem Menschen vorbehalten“, sagte der Theologe. Von vornherein aus ethischen Beweggründen ablehnen würde Felmberg die Drohnen-Technologie aber nicht: „Haben wir den Eindruck, dass es in den Jahrhunderten, in denen sich Menschen mit Waffen direkt gegenüberstanden, ethisch besser zuging?“, fragte er. Er habe da Zweifel. Die Diskussion müsse wegen der Breite an Argumenten aber international und national noch tiefgreifender geführt werden als bislang, ergänzte Felmberg.

Das Verteidigungsministerium strebt an, in Einsätzen bewaffnete Drohnen zu verwenden. Bislang kommen die unbemannten Flugkörper nur für Aufklärung zum Einsatz.

Felmberg hat am 1. Oktober das Amt des EKD-Militärbischofs angetreten. An diesem Donnerstag soll er mit einem Gottesdienst in Wittenberg offiziell eingeführt werden. Militärseelsorge biete die Chance für ein Best-Practice-Modell evangelischen Handelns, sagte der Theologe, der bis 2013 Bevollmächtigter der EKD in Berlin und danach Abteilungsleiter im Entwicklungsministerium war. Die Militärpfarrerinnen und -pfarrer seien eng zusammen mit Soldatinnen und Soldaten. Das gelte für Auslandseinsätze und besonders auf Schiffen der Marine, erklärte Felmberg.

Angesichts der Fälle von Rechtsextremismus in der Bundeswehr verwies Felmberg auf die Bedeutung des sogenannten lebenskundlichen Unterrichts, den die Militärgeistlichen in der Bundeswehr leisten. „Der Freiraum zur ethischen Diskussion muss genutzt werden, um deutlich zu machen, für welche Werte die Bundesrepublik Deutschland steht“, sagte er. Dort könne man als Kirche einwirken. Gerade wenn es um ethische Fragestellungen und Persönlichkeitsbildung gehe, seien Dienstvorgesetzte im Unterricht oft nicht die geeigneten Gesprächspartner. „Militärseelsorge kann hier einen wichtigen Freiraum außerhalb der militärischen Hierarchie bieten“, sagte Felmberg.

Von: epd

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Thu, 22 Oct 2020 11:36:00 +0200
<![CDATA[Kongress „Jesus im Fokus“ wegen Corona übers Internet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/21/kongress-jesus-im-fokus-wegen-corona-uebers-internet/ Der Kongress, der in diesem Jahr vom 23. bis zum 25. Oktober 2020 stattfindet, steht unter dem Motto „Veränderung von Innen nach Außen“. Er wird aufgrund der Corona-Pandemie live und kostenlos über das Internet gestreamt.

Wolfgang Seit, Gemeindereferent der Freien Brüdergemeinden, referiert über die „Identität als Mitarbeiter“. Am Samstag spricht der Leiter des Videoportals „Bibelprojekt“, Philipp Kruse, über Kommunikation im Team. Harald Nikesch, Pastor der Er-lebt-Gemeinde in Landau, spricht über das Evangelium für Mitarbeiter. Den Abschluss bildet Jugendreferent Achim Jung zu „Gemeindeorientierte Arbeit“. Im Anschluss an den Kongress, am 27.10. und 29.10. sind zudem verschiedene Online-Schulungen für „praxisorientiertes Know-How“ geplant.

Der Kongress „Jesus im Fokus“ findet seit 2006 zweijährlich statt, zuerst in Dillenburg und mittlerweile in Rennerod im Westerwald. Die beteiligten Organisationen gehören zum Netzwerk der Freien Brüdergemeinden in Deutschland. Ziel der Veranstalter ist es nach eigener Aussage, Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit in Gemeinden zu unterstützen. Die Veranstalter empfehlen den örtlichen Gemeinden, sich unter Beachtung der aktuellen Corona-Regelungen zusammenzutun und als Team bei dem Online-Kongress teilzunehmen.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 21 Oct 2020 16:29:00 +0200
<![CDATA[Weiße US-Evangelikale halten weiter zu Trump]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/21/weisse-us-evangelikale-halten-weiter-zu-trump/ Das Meinungsforschungsinstitut Public Religion Research Institute (PRRI) hat am 19. Oktober eine Studie zur US-amerikanischen Gesellschaft veröffentlicht. Es ist klar erkennbar, wie gespalten die USA mittlerweile sind. Gerade die im November anstehenden Präsidentschaftswahlen sind ein heikles Thema. Nur etwa 18 Prozent der Befragten sind sehr zuversichtlich, dass die Wahl fair und korrekt ablaufen wird. Ungefähr 50 Prozent sind mäßig zuversichtlich. Ein Drittel hält den Wahlprozess nicht für vertrauenswürdig.

Auch der amtierende Präsident Donald Trump sorgt für Polarisierung. Zufrieden mit seiner Arbeit sind etwa 40 Prozent der Amerikaner, 59 Prozent sind unzufrieden. Besonders große Unterstützung erfährt Trump von weißen Evangelikalen. Unter ihnen heißen 76 Prozent seine Arbeit gut. Mehr als 60 Prozent aller Befragten sind jedoch auch der Meinung, Trump habe die Würde des Präsidentenamtes beschädigt. Das Corona-Management des Präsidenten wird ebenfalls unterschiedlich bewertet. Zufrieden sind lediglich 35 Prozent. Die Mehrheit (65 Prozent) ist unzufrieden.

Frage nach Abtreibung spaltet

Die Frage der Religion und ihr Einfluss auf die Gesellschaft spielen traditionsgemäß eine wichtige Rolle in den USA. Auf die Frage, ob Religion mehr Probleme schaffe, als sie löse, antworten 61 Prozent mit „Nein“. Etwa 40 Prozent gaben jedoch an, die USA hätten ihren Status als christliche Nation mittlerweile verloren. Nichtsdestotrotz sind 40 Prozent der Auffassung, Gott habe dem Land eine besondere Rolle in der Geschichte der Menschheit zugedacht. Auch die immer wieder diskutierte Frage der Abtreibung spaltet die Amerikaner in zwei Lager. Eine Mehrheit von 60 Prozent ist der Meinung, Abtreibung solle in allen oder fast allen Fällen legal sein. Die restlichen 40 Prozent vertreten die Gegenposition, Abtreibung solle in allen oder fast allen Fällen illegal sein.

Groß im Gespräch ist auch das Thema Diskriminierung. Rund drei Viertel der Befragten gaben an, es herrsche viel Diskriminierung gegenüber Afroamerikanern. Eine Mehrheit von 56 Prozent vertritt außerdem den Standpunkt, die tödlichen Polizeiaktionen gegen Schwarze hätten System. Eine verbreitete Diskriminierung der Christen wollen 37 Prozent erkannt haben.

Insgesamt zeigt sich eine deutliche Unzufriedenheit mit dem eigenen Land. Nur 32 Prozent der Befragten sehen die USA auf einem guten Weg. Etwa 67 Prozent sind der Meinung, das Land entwickle sich in eine falsche Richtung. Für die repräsentative Studie wurden ungefähr 2.530 Erwachsene befragt.

Von: Valerie Wolf

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Wed, 21 Oct 2020 16:02:00 +0200
<![CDATA[Deutscher Lehrerverband befürchtet „Klima der Einschüchterung"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2020/10/21/deutscher-lehrerverband-befuerchtet-klima-der-einschuechterung/ Nach dem Attentat auf einen französischen Lehrer hat sich der Chef des Deutschen Lehrerverbandes zu Wort gemeldet. Gegenüber der Passauer Neuen Presse äußerte er, auch in Deutschland stünden Lehrer wegen ihrer Unterrichtsinhalte unter Druck.

Es gebe beispielsweise Aufforderungen, „Themen wie den Nahostkonflikt oder Israel nicht im Unterricht“ zu behandeln. Auch das Zeigen von Filmen wie „Schindlers Liste“ sei an manchen Schulen zunehmend schwierig geworden. „Sie (die Lehrer) bekommen Druck von Eltern, aber auch von Schülern. Da entsteht bei manch einem schon eine Schere im Kopf“, erklärte Meidinger.

Dies sei vor allem in „Brennpunktschulen mit hohem Anteil von Schülern mit einem entsprechenden Migrationshintergrund“ der Fall, erklärte der Verbandschef. Aber auch von anderen Seiten gäbe es „immer mehr Versuche, Lehrer bei ihrer Aufgabe, Werte und Demokratie zu vermitteln, zu beeinflussen“. Als Beispiel hierfür nannte Meidinger die Meldeportale der AfD. In den vergangenen drei Jahren hatte die AfD Onlineportale eingerichtet, bei denen angebliche Verstöße der Lehrer gegen das Neutralitätsgebot gemeldet werden können.

Von: Valerie Wolf

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Wed, 21 Oct 2020 15:25:00 +0200
<![CDATA[Die neue pro ist da]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/10/21/die-neue-pro-ist-da/ Die deutsche Wiedervereinigung jährte sich vor drei Wochen zum 30. Mal, der 9. November erinnert uns in Kürze an den Mauerfall im Jahr zuvor. Das Jubiläum ist ein Anlass, zurückzublicken auf das, was war, was seitdem geschehen ist und wie der Blick in die Zukunft aussehen kann. Das tut auch die aktuelle Ausgabe des Christliche Medienmagazins pro und greift dafür persönliche Perspektiven auf.

Unter anderem die von Markus Meckel, der in der DDR als Pfarrer tätig war, 1989 die Sozialdemokratische Partei in der DDR mitinitiierte und -gründete und 1990 als letzter Außenminister seines Landes die Einheit mitverhandelte. Im Interview berichtet er davon, wie es war, plötzlich Weltpolitik mitzugestalten, und erklärt, warum die Ostdeutschen stolzer auf die Einheit sein können.

Was einige der pro-Redakteure mit der Wiedervereinigung verbinden, haben sie auf Instagram erzählt:

Ein weiterer Artikel blickt nach Rumänien: Dort lief das Ende des kommunistischen Regimes nicht friedlich ab. Heute gehört das südosteuropäische Land zu den ärmsten der EU. Allerdings ist der christliche Glaube – anders als in den östlichen Ländern der Bundesrepublik – bis heute sehr präsent in der Gesellschaft.

Das echte Leben der „Real Life Guys“ und das Glück ohne Handy

Im neuen Heft gibt es darüber hinaus mehrere Berichte über Menschen, die erlebt haben, wie der Glaube an Jesus ihr Leben und das anderer verändern kann. Sophie Hoppenstedt etwa erlebte seit ihrer frühen Jugend Gewalt und sexuellen Missbrauch. Sie wurde drogenabhängig, arbeitete als Prostituierte. Ihr Kontakt mit Christen, deren Gebete und ihre Flucht zu Jesus halfen ihr, ein neues Leben zu beginnen.

Auch Philipp Mickenbecker, der mit seinem Zwillingsbruder Johannes den millionenfach abonnierten YouTube-Kanal „The Real Life Guys“ betreibt, hat den Glauben als existenziell für sein Leben entdeckt: Nach einer Krebsdiagnose warf er Gott seine Zweifel und Lebensfragen vor die Füße. Heute hat er vor dem Tod keine Angst mehr, weil er sich bei Jesus geborgen weiß – obwohl der Krebs vor Kurzem zurückgekommen ist.

Der Evangelist und Aktionskünstler Arno Backhaus hat ebenfalls erfahren, wie Jesus sein damals jugendliches Leben umkrempelte. Deshalb kann er nicht anders, als anderen von der Botschaft des Glaubens zu erzählen. Im November wird er 70 Jahre – pro wirft einen Rückblick auf sein Leben.

Im Heft lesen Sie außerdem, was Kitesurfen und Bibel miteinander zu tun haben und warum das Handy nicht unbedingt glücklich macht. Das Magazin können Sie kostenlos online bestellen oder telefonisch unter 0 64 41/5 66 77 00.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 21 Oct 2020 15:24:00 +0200
<![CDATA[Kitesurfen mit Jesus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/21/kitesurfen-mit-jesus/ Lesen Sie mehr über die Kitesurfer im Christlichen Medienmagazin pro, Ausgabe 5/2020. Kostenlos online bestellen oder telefonisch unter 0 64 41/5 66 77 00

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 21 Oct 2020 14:34:00 +0200
<![CDATA[Debatte des Ethikrates live im Netz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/21/debatte-des-ethikrates-live-im-netz/ Der Deutsche Ethikrat hat sich schon mehrfach mit dem Thema der Suizidbeihilfe befasst. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Februar nimmt er zum Anlass, um im Rahmen einer öffentlichen Plenarsitzung die Debatte aus mehreren Perspektiven zu beleuchten. Die Veranstaltung wird am morgigen Donnerstag ab 9.30 Uhr via Livestream auf der Website des Deutsches Ethikrates übertragen.

Ausgehend von den unterschiedlichen Deutungen zentraler Begriffe wie Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung möchten die Mitglieder diskutieren, unter welchen Voraussetzungen ein Suizid als freiverantwortlich anzusehen ist und wie dies operationalisiert werden kann. Laut Internetseite des Ethikrates stehen die Frage nach der Entscheidungsfähigkeit sowie der Einfluss sozialer Faktoren im Fokus.

Publikum darf mit diskutieren

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates Alena Buyx geht es zunächst um den medizinisch-psychologischer Sachstand. Anschließend werden philosophische, ethische und theologische Perspektiven erläutert. Um 11:30 Uhr geht es im zweiten Debattenteil um verfassungs- und strafrechtliche Aspekte. Ab 12:25 Uhr ist das Publikum eingeladen, mitzudiskutieren.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das Publikum ist eingeladen, den Debatten im Online-Chat aus der Internetseite und unter #Suizidbeihilfe auf Twitter zu folgen. Eine weitere Veranstaltung zum Thema „Sterbewünsche und suizidales Begehren“ ist für den 17. Dezember 2020 geplant.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 21 Oct 2020 12:03:00 +0200
<![CDATA[Nürnberger Pfarrer provoziert mit Aussagen zu Flüchtlingen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/21/nuernberger-pfarrer-provoziert-mit-aussagen-zu-fluechtlingen/ Diese These ruft sogar den bayerischen Landesbischof und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, auf den Plan. Der Nürnberger Pfarrer Matthias Dreher beschäftigt sich in einem Aufsatz für das Korrespondenzblatt des Pfarrer- und Pfarrinnenvereins mit der Seenotrettung. Dreher kommt zu dem Ergebnis: Christen können Flüchtlinge ertrinken lassen.

Dreher begründet seine These damit, dass sich Flüchtlinge bewusst in Lebensgefahr bringen würden, wenn sie in seeuntüchtige Boote mit Sprit für wenige Seemeilen stiegen, um ein besseres Leben in Europa zu führen. Seenotrettung von Flüchtlingen würde den Schleusern und Schleppern in die Hände spielen, Rettungseinsätze und Schleuserpläne seien sogar aufeinander abgestimmt.

Akademisch hochgebildete Ethiker auch in der Kirchenleitung meinten dieses Problem damit zu lösen, „indem sie die oben geschilderte Szene aus dem Kontext der Notsituation einfach herausschneiden“.

„Eingebunden in dieselbe Migrations- und Transportstruktur“

Dreher argumentiert weiter: „Die systemische Betrachtungsweise des Ratsvorsitzenden der EKD dazu aber lautet: Die Schlepper seien menschenverachtende Verbrecher, während die Seenotretter Ausbund christlicher Verantwortung seien. Dass beide in ein und dieselbe Migrations- und Transport-Struktur eingespannt sind, soll offenbar niemandem bewusst werden.“

Aus Drehers Sicht handele es sich bei den Flüchtlingen auch nicht um minderbemittelte und quasi unmündige Individuen. Der Wunsch nach einem besseren Leben gebe ihnen weder das Recht, diesen Wunsch erfüllt zu bekommen, noch verpflichte es „ethisch zu entsprechender Erfüllungshilfe“ – erst recht nicht jenseits deutscher Hoheitsgebiete zu Wasser und zu Land. Es sei aber sehr wohl die christliche Aufgabe, auf „das Ertrinken im Mittelmeer mahnend und dezimierend einzuwirken“.

Der Theologe fordert die Flüchtlinge auf, auf dem Weg nach Europa ein legales Asylverfahren anzustrengen, „statt euer Leben und das eurer Familie aufs Spiel zu setzen“. Dreher weiter: „Im Zuge der Zwei-Reiche-Lehre, die operative Struktur-Politik dem Staat überlässt, kann ein Christenmensch, soweit er nicht wie der Samariter einen Sterbenden vor sich sieht, Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen. Das ist nicht zynisch, sondern traurig und ärgerlich und kontinuierlich systemisch zu verringern, aber es ist eben auch ein Kennzeichen der gefallenen Welt. Nur wer den Bau des Reiches Gottes nicht Gott überlassen kann, sondern es selbst bewerkstelligen muss, wird weiter unverantwortlich mit Rettungsschiffen mehr Migranten aufs Wasser ziehen.“

Die Kirchenleitung wolle Dreher nun zu einem Gespräch treffen, sagte ein Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern am Dienstag. Landesbischof Bedford-Strohm widerspricht Drehers Aussagen vehement. „Sein Argument fußt auf der Behauptung, die Seenotretter seien der Grund dafür, dass Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer riskierten. Diese Behauptung ist widerlegt“, betonte er. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen, sei unverantwortlich.

Stadtdekan: Aus christlicher Sicht bedingungslose Forderung

Der Nürnberger Stadtdekan Jürgen Körnlein bezog sich in seiner Stellungnahme auf den Satz aus der Abschlusspredigt des Evangelischen Kirchentags in Dortmund 2019: „Flüchtlinge ertrinken lassen geht gar nicht. Punkt!“ Man könne darüber diskutieren, ob die Kirche ein Rettungsschiff mit Spenden unterstütze, wie sie mit Geflüchteten umgehe, nachdem sie Europa erreicht haben oder was Entwicklungshilfe dazu beitragen könne, um Fluchtursachen zu bekämpfen. Der Minimalkonsens müsse lauten: „Unter gar keinen Umständen darf man Menschen ertrinken lassen! Aus christlicher Sicht ist diese Forderung bedingungslos.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 21 Oct 2020 11:13:00 +0200
<![CDATA[Bedford-Strohm äußert in Rom Hoffnung auf gemeinsames Abendmahl]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/21/bedford-strohm-aeussert-in-rom-hoffnung-auf-gemeinsames-abendmahl/ Papst Franziskus hat am Dienstag gemeinsam mit Vertretern anderer Kirchen auf dem römischen Kapitol ein ökumenisches Friedensgebet abgehalten. Zu der im Zeichen der Corona-Abstandsregeln stehenden Andacht in der Kirche Santa Maria in Aracoeli reisten auch das Ehrenoberhaupt der orthodoxen Christen, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I., und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nach Rom. Anschließend trafen sie mit Juden, Muslimen und Buddhisten zu einem interreligiösen Friedenstreffen zusammen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm äußerte nach Angabe des Evangelischen Pressedienstes (epd) bei dem ökumenischen Friedensgebet die Hoffnung auf gemeinsame Abendmahlsfeiern. Das Streben nach Einheit der Christen sei keine „Sentimentalität bestimmter Interessengruppen“, sondern „Teil der DNA jeder Kirche“, sagte er bei der Andacht auf dem römischen Kapitol. Auf dem Hügel oberhalb des Forum Romanum entstand im 19. Jahrhundert in der damaligen Gesandtschaftskapelle der diplomatischen Vertretung Preußens beim Heiligen Stuhl die erste evangelische Kirche in Rom.

Bedford-Strohm: „Gemeinsames Abendmahl ist persönlicher Traum“

Es sei sein „persönlicher Traum“, gemeinsame Abendmahlsfeiern selbst zu erleben, erklärte der EKD-Ratsvorsitzende. „Der Wille, in der Ökumene weiterzukommen, ist verbreiteter, als wir manchmal denken“, sagte Bedford-Strohm dem epd angesichts der Vorbehalte des Vatikans gegenüber der Teilnahme von Christen anderer Konfessionen an katholischen Messen.

Bei der Zusammenkunft in Rom brächten Christen und Angehörige anderer Religionen aus unterschiedlichen Traditionen heraus gemeinsam ihre Fragen und Hoffnungen zum Ausdruck, um Zeichen von Frieden und Geschwisterlichkeit zu setzen, unterstrich der Ratsvorsitzende. Mit Blick auf die wegen der Corona-Pandemie geltenden Abstandsregeln beklagte Bedford-Strohm indes den Verzicht auf physische Zeichen der Verbundenheit wie das Händeschütteln und Umarmungen bei Begrüßungen.

Gemeinsame Treffen wie ökumenische Friedensgebete sind dem EKD-Ratsvorsitzenden zufolge vor allem in dieser Zeit nötig, in der Gesellschaften durch die Corona-Pandemie verletzt seien. Er rief gleichzeitig zum Dialog mit Menschen auf, die die Bedeutung der Pandemie leugnen. „Trotzdem muss man klar Position beziehen.“

Unter Hinweis auf das Bibelzitat „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ beklagte der EKD-Ratsvorsitzende mangelnde Hilfe der EU für Flüchtlinge, die auf griechischen Inseln stranden und im Mittelmeer ertrinken. Bedford-Strohm begrüßte die Aufhebung der Sicherheitsdekrete in Italien. Infolge der Dekrete waren Rettungsorganisationen kriminalisiert und Versorgungsansprüche von Flüchtlingen ausgehebelt worden. Gleichzeitig mahnte Bedford-Strohm, Italien mit der Aufnahme von Bootsflüchtlingen nicht allein zu lassen. Die EU müsse sich endlich auf einen Verteilmechanismus einigen, sagte er dem epd.

Das von der katholischen Gemeinschaft Sant Egidio organisierte Friedenstreffen findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Dieses Mal stand es unter dem Motto „Niemand rettet sich allein. Frieden und Geschwisterlichkeit“.

Von: epd

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Wed, 21 Oct 2020 11:08:00 +0200
<![CDATA[„Jesus ist der Respektvorleber par excellence“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/21/jesus-ist-der-respektvorleber-par-excellence/ pro: Herr Niedernolte, Sie haben sich in Ihrem neuen Buch mit dem Thema Respekt in unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Wenn Sie es in einen Satz packen müssten, was heißt Respekt für Sie?

Tim Niedernolte: Respekt heißt für mich, nicht nur für sich alleine zu leben, sondern den oder die Nächste in seinem Alltag zu sehen und dafür zu sorgen, dass wir alle gut, wertschätzend und gemeinsam durchs Leben kommen.

In einer Talkshow haben Sie geäußert, es gebe Situationen in Ihrem Alltag, da seien Sie „verliebt in den Respekt“. War das Thema bei Ihnen Liebe auf den ersten Blick?

Das ist vor allen Dingen eine Liebe in Alltagsbegegnungen, die ich erlebe, in denen der Respekt eine Hauptrolle spielt und wo ich ein positives Gefühl bekomme. Zum Beispiel wenn ich sehe, wie andere Menschen glücklicher dadurch sind, dass ich respektvoll gehandelt habe. Oder auch wenn andere mir Respekt entgegenbringen. Stichwort „Verliebt sein“: Es geht um Situationen, in denen plötzlich der Respekt seine Kraft entfaltet und ich wahrnehme, was dadurch möglich ist.

Haben Sie heute schon einen solchen Moment erlebt?

Das Interview gerade ist zum Beispiel eine große Form von Respekt. Sie haben mir spontan zugestanden, unseren Termin um ein paar Minuten zu verschieben. da ich wegen der Vorbereitung einer wichtigen Moderation heute Abend etwas unter Zeitdruck bin und schnell noch mal zum Bäcker musste. Und ich habe heute Morgen eine E-Mail bekommen, in der mir jemand etwas sehr Schönes geschrieben hat als Rückmeldung zu meinem Buch. Die war sehr respektvoll. Das hat mir viel Rückenwind gegeben und auch große Dankbarkeit erzeugt.

Sie haben 2018 Ihr erstes Buch, „Wunderwaffe Wertschätzung“, geschrieben. Was ist für Sie der Unterschied zwischen Wertschätzung und Respekt?

Die Gemeinsamkeiten sind größer als die Unterschiede. Die Begriffe hängen zusammen wie Bruder und Schwester. Der Respekt ist wahrscheinlich der Ältere der beiden, der Tiefergehende. Wertschätzung wird oft als „nice to have“ bezeichnet und kommt leichter daher. Beim Respekt geht es mehr in die Vollen. Da kann man sich nicht rausreden. Respekt hat mehr Schlagkraft und ist gleichzeitig öfter gefährdet. Daher ist es umso wichtiger, dass wir ihn wieder ganz neu entdecken und ihn mehr leben.

Wenn der Respekt für Sie noch mal auf einer höheren Stufe steht, wo ging Ihnen dann Ihr erstes Buch nicht weit genug?

Vielleicht in dem Effekt und den erhofften Veränderungen (lacht). Die Welt ist seitdem zumindest nicht besser geworden, eher das Gegenteil. Also wollte ich noch mal nachlegen. Nicht, weil ich mir anmaße, dass dadurch alles anders wird. Aber die vielen positiven Rückmeldungen zum ersten Buch, die ich bis heute erhalte, haben mir Mut gemacht, weiterzugehen. Ohne all diese Feedbacks hätte ich gewiss kein zweites geschrieben. Ich hatte das Gefühl, wir brauchen noch mehr Respektgeschichten, Inspirationen und Anstöße, die die Menschen herausfordern. Das soll das zweite Buch tun: Es soll die Menschen herausfordern, etwas zu bewirken und zu verändern. Jeder da, wo er gerade steht.

Gibt es für Sie auch Grenzen im Ausleben von Respekt?

Ich finde, jeder Mensch soll respektvoll behandelt werden, das ist eine Grundbedingung, egal, ob man ihn nun mag oder nicht mag, solange er nicht gegen das Gesetz verstößt. Man kann natürlich zu jemandem, der ein schweres Verbrechen begangen hat, nicht sagen: „Alles fein, Hauptsache Respekt.“ So sieht es im Übrigen auch Jesus, der ja der Respektvorleber par excellence war und ist. Er hat sich auch mit Menschen umgeben, die vielleicht sozial weniger gut gestellt waren, die sich auch nicht immer so verhalten haben, wie es den Erwartungen entsprach. Aber er hat trotzdem immer den Menschen dahinter gesehen und konnte das trennen.

Bezogen auf das gesellschaftliche Verhalten während der Corona-Pandemie in Deutschland nennen Sie positive Tendenzen, wie das Nachfragen bei älteren Menschen, ob sie Hilfe beim Einkaufen benötigen, aber auch negative, wie den Kampf um die letzte Rolle Toilettenpapier im Supermarkt. Nun im Herbst 2020 steigen die Infektionszahlen wieder an. Was sollten die Menschen bei einer zweiten Corona-Welle besser hinbekommen?

Vielleicht die praktische Umsetzung: das Abstandhalten, Maske tragen und die Regeln befolgen, die nachweislich dafür sorgen, dass sich das Virus nicht so leicht überträgt. Die zweite Welle kommt ja nicht, weil die Jahreszeit einfach so ist oder weil es Pech ist, sondern weil zu wenig auf die Vorgaben geachtet wurde. Es gehört aber auch dazu, dass man – um beim Wort zu bleiben – respektiert, dass jeder Einzelne eine andere Meinung haben kann. Ich hoffe, wir haben es gelernt, auch einmal etwas so stehen zu lassen und mehr auf Augenhöhe zu diskutieren. So wie es aktuell aussieht, kommen harte Wochen und Monate auf uns zu. Auch mir fällt das nicht leicht. Ich wünsche mir aber, dass die Art und Weise, wie wir damit umgehen, eindeutig respektvoller ist als beim ersten Mal.

Sie setzen sich für gegenseitiges Zuhören ein, dafür, die Meinung des anderen einfach mal stehenzulassen, beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern Tieren Respekt zugutekommen sollte, schreiben, Sie seien ein großer Fan der Genderdebatte. Wird unsere Gesellschaft bei all diesen vermeintlich neuen Fragen nicht sogar etwas zu sensibel? Fehlt sogar eine gesunde Härte im Umgang miteinander?

Nein, gar nicht. Die Härte schließt das alles ja nicht aus. Ich bin von Haus aus Fußballer und war auf dem Platz auch nicht immer der „Unhärteste“, aber solange es im Rahmen einer Fairness passiert, kann ich neunzig Minuten lang die Grätsche auspacken und den Gegner attackieren. Solange es respektvoll bleibt, kann man alles diskutieren, alles hinterfragen und zur Debatte stellen, weil jedem Einzelnen grundsätzlich klar sein müsste, dass es nur um die Sache geht.

Welche Rolle spielt für Sie der christliche Glaube beim Thema Respekt? Sie haben vorhin schon kurz die Rolle von Jesus angesprochen.

Jesus ist für mich eine große Inspiration, weil er den Respekt sehr hochgehalten hat. Ich glaube, bei Respekt, Wertschätzung und anderen Faktoren dieser Art geht es in erster Linie ums Vorleben. Wenn ich das nicht selber lebe und dadurch dem Respekt zur Umsetzung verhelfe, dann bringt alles Schreiben und Reden darüber nichts. Jesus hat genau das gemacht. Die Bibel ist voll von solchen Geschichten.

Haben Sie dazu eine bestimmte Stelle in der Bibel, auf die Sie sich beziehen?

Spontan fällt mir Zachäus ein. Der saß auf einem Baum und wurde von den Menschen, die auf Jesus warteten, nicht wahrgenommen. Aber Jesus sah ihn erst recht. Wahrscheinlich war Zachäus sogar noch peinlich berührt, sicher wollte er einfach nur besser sehen können, der kleine Mann. Jesus bittet ihn, herunterzusteigen, und kommt zu ihm zu Besuch. Das ist ein Beispiel dafür, wie Respekt im Alltag funktioniert: dass man mal rechts und links vom Mainstream schaut und Menschen wahrnimmt, die sonst durch das Raster fallen. Und die Geschichte geht ja noch weiter. Nämlich indem Zachäus seine Lebensweise verändert; indem er Dinge zurückgibt, um die er andere betrogen hatte, indem er ein neuer Mensch wird. Das ist für mich eine Stelle, die das wunderbar rüberbringt und zeigt, was gelebter Respekt auslösen kann. Davon gibt es ganz viele Beispiele, sei es in der Bibel, sei es in der Geschichte der Christenheit oder auch in anderen Religionen. Auch Menschen, die gar nicht gläubig sind, können wunderbar Respekt leben. Diese Geschichten inspirieren mich, um zu sagen: Mensch, Leute, guckt doch mal, wir können es doch! Warum kriegen wir es nicht viel öfter hin?

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Manjit Kohler

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Wed, 21 Oct 2020 09:54:00 +0200
<![CDATA[Licht als Zeichen gegen Antisemitismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/10/21/licht-als-zeichen-gegen-antisemitismus/ Als Mahnung gegen Antisemitismus, Rassismus, Hass und Intoleranz sollen in diesem Jahr in der Nacht des 9. November weltweit Einzelpersonen, Institutionen und Gotteshäuser das Licht in ihren Räumen brennen lassen. Ausrichter der weltweiten Initiative ist „International March of the Living“, ein internationales Holocaust-Bildungsprogramm. Die weltweite Kampagne gegen Judenfeindlichlichkeit, Rassismus, Hass und Intoleranz steht unter dem Motto „Es werde Licht“. Im Internet und in Sozialen Medien wird die Kampagne mit dem Hashtag #LetThereBeLight begleitet.

Am 9. November 1938 brannten die Nationalsozialisten jüdische Geschäfte und Synagogen auf dem Gebiet des Deutschen Reichs nieder. Die Reichspogromnacht, zynisch von den Nationalsozialisten „Kristallnacht“ genannt, gilt als ein trauriger Meilenstein des Antisemitismus auf dem Weg zum organisierten Massenmord der europäischen Juden durch das Nazi-Regime. Bei den Ausschreitungen wurden 1938 innerhalb von zwei Tagen mehr als 1.400 Synagogen zerstört und Hunderte Juden ermordet, mehrere Tausend in Konzentrationslager verschleppt.

„Bewusstsein gegen Diskriminierung und Intoleranz schärfen“

„Antisemitismus und Rassismus bedrohen unsere Gesellschaft als Ganzes, sie gefährden unsere Werte und unsere Demokratie“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, Salomon Korn, am Dienstag in einer Pressemitteilung der Initiatoren. „Gemeinsam wollen wir ein Zeichen gegen die Zunahme von Antisemitismus und Hassreden in der ganzen Welt setzen.“ Nach den Worten Korns soll die interreligiöse Initiative „das Bewusstsein gegen wachsende Diskriminierung und Intoleranz schärfen und das Licht der Menschlichkeit in diesen schwierigen Zeiten zum Vorschein bringen.“ Die Hauptsynagoge in Frankfurt war 1938 eines der wenigen jüdischen Gotteshäuser, die in der Pogromnacht nicht zerstört wurden. Am 9. November wird die Westend-Synagoge beleuchtet, wie andere Orte von religiöser und spiritueller Bedeutung in der ganzen Welt beleuchtet werden.

Weltweit können sich Menschen virtuell an der Aktion gegen Judenfeindlichkeit und Rassismus beteiligen. Persönliche Botschaften und Gebete der virtuellen Kampagne sollen am 9. November auf die Mauern der Altstadt von Jerusalem projiziert werden.

March of The Living ist eigenen Angaben zufolge das weltweit größte jährliche internationale Holocaust-Bildungsprogramm und hat bislang mit mehr als 300.000 Teilnehmern aus 52 Ländern die Route des Marsches, entlang der 3,2 Kilometer langen Eisenbahnschienen von Auschwitz nach Birkenau, zurückgelegt. Wegen der COVID-19-Pandemie fand in diesem Jahr der jährliche Marsch erstmals nicht statt.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 21 Oct 2020 08:44:00 +0200
<![CDATA[Studie: Viele Muslime lehnen Leben nach strengen Regeln ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/20/studie-viele-muslime-lehnen-leben-nach-strengen-regeln-ab/ Viele der in Deutschland lebenden Muslime wollen einer Studie zufolge nicht nach strengen religiösen Regeln leben. Ein Drittel der Muslime bezeichne sich zwar als sehr religiös, allerdings lehnen 44 Prozent der Muslime eine Lebensweise nach strengen islamischen Regeln ab. Zu dem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, die am Samstag in Berlin veröffentlicht wurde.

Die Studie hat mit repräsentativen Telefon-Befragungen zwischen Oktober 2018 und Februar 2019 Gemeinsamkeiten von Christen und Muslimen in Deutschland untersucht. Knapp die Hälfte der muslimischen Befragten fastet demnach regelmäßig in der Fastenzeit. Zusätzliche 24 Prozent tun dies immerhin gelegentlich. Von den Katholiken fasten 13 Prozent regelmäßig und 21 Prozent gelegentlich. Noch deutlich seltener fasten die Protestanten mit nur drei Prozent. Neun Prozent von ihnen fasten gelegentlich.

Der Studienautor Dominik Hirndorf erklärt die Diskrepanz zwischen der eigenen Religiosität und der kritischen Einstellung zu den islamischen Regeln bei einem großen Teil der Muslime mit soziokulturellen Faktoren. Denkbar sei, dass die Einstufung als religiöser Muslim zwar Teil der eigenen Identität sei, aber nicht direkt an die Befolgung religiöser Regeln gekoppelt sei. Außerdem könne das Ergebnis auch eine Abgrenzung von islamistischen Gruppierungen sein.

Muslime seien besonders offen, wenn es um die Akzeptanz anderer Religionen auf gesellschaftlicher Ebene gehe. Zum Beispiel würden 81 Prozent in eine Kirche gehen, wenn dort ein Fest stattfindet. Doch im privaten Bereich ist die Akzeptanz anderer Religionen weniger ausgeprägt. So fänden es 43 Prozent der Muslime nicht gut, wenn ein Familienmitglied zum Christentum konvertiert, 44 Prozent hätten Schwierigkeiten, wenn ein Familienmitglied zum Judentum übertreten würde.

Interreligiöse Hochzeiten werden unterschiedlich bewertet

Die Konversion eines Familienmitglieds zum Islam sähen im Vergleich 31 Prozent der Katholiken, 27 Prozent der Protestanten und 23 Prozent der Orthodoxen kritisch. Mit dem Übertritt zum Judentum hätten Christen deutlich geringere Schwierigkeiten. 26 Prozent der Orthodoxen, 20 Prozent der Katholiken und 17 Prozent der Protestanten fänden dies nicht gut.

Orthodoxe Christen und Muslimen haben ähnlich große Schwierigkeiten mit einer interkonfessionellen Hochzeit. 36 Prozent der Muslime und 34 Prozent der Orthodoxen fänden es nicht gut, wenn die eigene Tochter einen Christen beziehungsweise einen Muslim heiraten würde. 42 Prozent der Muslime wären bei einer Hochzeit mit einem Mann jüdischen Glaubens abgeneigt, während dies nur bei 12 Prozent der Katholiken und Protestanten und 27 Prozent der Orthodoxen auf Kritik stoßen würde.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Religion in Deutschland immer noch eine wichtige Rolle spielt. Zwar machten die Konfessionslosen mittlerweile mit einem Anteil von 34 Prozent die größte gesellschaftliche Gruppe aus, doch immer noch gehöre die Hälfte der Menschen dem Christentum oder dem Islam an.

Je rund ein Viertel der Menschen sind römisch-katholisch oder evangelisch. Orthodoxe Christen machen fünf Prozent aus. Sechs Prozent der in Deutschland lebenden Menschen bezeichnen sich als Muslime.

Muslime und Christen hätten viele Ähnlichkeiten. Sie glaubten an Gott und an ein Leben nach dem Tod. Zudem würden religiöse Traditionen wie die kirchliche Taufe, die Trauung und die Beerdigung nach religiösem Ritus und das Fasten mehrheitlich praktiziert.

Von: epd

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Tue, 20 Oct 2020 18:10:00 +0200
<![CDATA[Buchmesse im Netz: So fällt das Fazit christlicher Buchverlage aus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/10/20/buchmesse-im-netz-so-faellt-das-fazit-christlicher-buchverlage-aus/ Fast 150.000 Menschen aus 183 Ländern haben die digitalen Angebote der Buchmesse genutzt. Insgesamt gab es 422 digitale Aussteller aus 103 Ländern, die sich auf der Plattform „buchmesse.de“ registriert haben. Die christlichen Verlage ziehen ein gemischtes Fazit des alternativen Formates.

Ralf Tibusek vom Brunnen-Verlag betont, dass die Messe für den Verlag immer vier Standbeine gehabt hat. Einerseits diente sie der Präsentation und dem Verkauf des Programms. In diesem Segment habe Frankfurt seit Jahren bereits an Bedeutung verloren. Darüber hinaus habe der Verlag die Messe zum Einkauf von internationalen Lizenzen genutzt. Weil in diesem Jahr keine der internationalen Buchmessen stattgefunden habe, habe sich dieses Geschäft auf den elektronischen Weg verlagert. Dies sei für einen gewissen Zeitraum möglich, aber keine langfristige Lösung.

Messeausfall durch Ersatzkontakte ausgleichen

Der Verkauf von Lizenzen an internationale Partner ist das dritte Standbein. In dieser Hinsicht sei Frankfurt wichtig, „aber es gibt bestehende andere Kontaktmöglichkeiten“, sagt Tibusek. An den Publikumstagen gehe es vor allem um den Kontakt mit den Lesern. Hier gebe es aber auch, nicht nur mit den Veranstaltungen im Jubiläumsjahr, zahlreiche andere Formate und Kanäle, um die Leser zu erreichen. Der Verlag hat in diesem Jahr auch nicht das digitale Angebot in Frankfurt genutzt.

In den vergangenen Jahren seien die internationalen geschäftlichen Absprachen, die in Frankfurt angebahnt wurden, immer auch ein wirtschaftlicher Faktor gewesen. Tibusek ist „guter Dinge“, dass der Messeausfall durch „unsere Ersatzkontakte“ ausgeglichen werden konnte. Weil der Verlag die meisten Bücher über den Handel vor Ort verkaufe, sei in Zeiten von Corona der Umsatz eingebrochen: „Den einzelnen Händler vor Ort hat es noch stärker getroffen. Unser Verlag konnte einfacher auf andere Vertriebskanäle ausweichen, ist aber wie alle Verlage deutlich gebeutelt worden. Bestimmte Umsätze sind nicht nachzuholen, sondern einfach ‚verloren‘.“

Für den Marketing-Chef des Marburger Francke-Verlags, Christian Heinritz, hat sich die Buchmesse schon vor Jahren von einer Verkaufsveranstaltung zu einer Kontakt-Börse gewandelt. Von daher könne er den „wirtschaftlichen Faktor“ nur sehr ungenau berechnen. Durch den Siegeszug der elektronischen Medien habe die Buchmesse an Bedeutung eingebüßt: „Trotzdem sind Termine, die das Lektorat mit amerikanischen lizenzgebenden Verlagen macht, wichtig. Gespräche mit den Buchhändlern finden dagegen immer seltener statt.“

„Für den Umsatz ist die Messe kein relevanter Faktor“

Dennoch spiele die Messe immer noch eine Rolle als Netzwerk-Plattform, auch weil das Knüpfen von Kontakten direkt vor Ort einfach besser funktioniere: „Die diesjährige Art der Durchführung stellt für uns keine praktikable Lösung dar.“ Für den Verlag selbst stelle sich auch unter den verschärften Corona-Bedingungen die Situation erstaunlicherweise positiv dar: „Zu denken gibt uns allerdings die Geschwindigkeit, mit der sich der Buchverkauf in den letzten Monaten vom stationären Buchhandel zu den Netzanbietern verlagert hat. Es wäre bedauerlich, wenn christliche Buchhandlungen und die christliche Botschaft bald vollkommen aus unserem Städtebild verschwunden wären.“

Jürgen Asshoff, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des SCM-Verlags, teilte auf pro-Anfrage mit, dass sein Verlag in diesem Jahr coronabedingt gar nicht an der Buchmesse teilgenommen hat. Auch er teilt die Ansichten, dass die Buchmesse „tatsächlich eher als Ort zum Netzwerken und für Treffen mit Geschäftspartnern wichtig ist“. Umsatzmäßig sei die Messe kein relevanter Faktor. Eher im Gegenteil.

Programmtitel in Ein-Minuten-Clips

Für Dominik Klenk, Geschäftsführer des Schweizer fontis-Verlages, ist eine digitale Messe in Zukunft keine Alternative. Er beobachtet, dass sich die Veranstaltung bereits in den vergangenen Jahren verändert hat: von der Verkaufs- zur Kontaktmesse: „Die Kontaktmöglichkeiten der persönlichen Begegnung  waren in diesem Jahr nicht gegeben. Als digitalen Kontaktraum braucht man die Buchmesse nicht. Das geht inzwischen unterjährig genauso.“

Der wirtschaftliche Faktor der Messe werde zunehmend unbedeutend im Sinne der Verkäufe oder von Geschäften vor Ort: „Die Messe als öffentlicher und medialer Aufmerksamkeitsknotenpunkt war sicher wichtig, um das Buch medial nach vorne zu schieben.“ Für den fontis-Verlag sei der Lockdown hart gewesen und hätte einschneidende Folgen für die acht eigenen Buchhandlungen gehabt: „Gleichzeitig hat es uns gezwungen, uns in kurzer Zeit neu zu erfinden. Wir haben unser Privatkundengeschäft in wenigen Tagen mächtig entwickeln müssen und staunen über die neue Zugkraft. Auch im Verlag haben wir neue Formate entwickelt: so würden etliche Programmtitel in Ein-Minuten-Video-Clips als Poetry-Slam vorgestellt.

„Wir gehen nicht davon aus, dass die digitale Buchmesse die Aufmerksamkeit erreicht hat, die die Frankfurter Buchmesse normalerweise erlangt", erklärt Johannes Popp von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig, edition chrismon. Bislang sei die Buchmesse ein wichtiger Ort für den Verlag gewesen, um die Herbstnovitäten auch in Veranstaltungen vorzustellen, beispielsweise am chrismon-Stand oder im Lesezelt. Insofern sei die Messe auch ein wirtschaftlicher Faktor und die aktuelle digitale Präsentation leider kein Ersatz. „Die angespannte Situation im Handel und der Wegfall zahlreicher Buchpräsentationen und Lesungen sind auch für uns spürbar. Die Online-Verkäufe konnten etwas zulegen“, bilanziert Popp die Lage des eigenen Verlags.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 20 Oct 2020 14:14:00 +0200
<![CDATA[Vereinigung Evangelischer Freikirchen kritisiert Spiegel-Artikel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/20/vereinigung-evangelischer-freikirchen-kritisiert-spiegel-artikel/ Der Spiegel hat in seiner aktuellen Ausgabe einen dreiseitigen Artikel über die Verbindungen zwischen evangelikalen Christen und Corona-Leugnern veröffentlicht. „Evangelikale Prediger verbreiten Verschwörungsmythen über das Virus“, schreibt der Journalist Felix Bohr im Beitrag „Die Bibel und die Maske“. Nicht zufällig breite sich das Virus in freikirchlichen Gemeinden mehr aus als im Durchschnitt.

Der Politikbeauftragte der Evangelischen Allianz, Uwe Heimowski, hatte den Artikel dafür kritisiert, dass dieser unter anderem nicht genug differenziere zwischen Corona-kritischen Gruppen wie „Christen im Widerstand“ und der restlichen evangelikalen Bewegung. Der Spiegel-Autor habe mit ihm ein neunzigminütiges Gespräch geführt, in dem Heimowski gesagt habe, dass die „Christen im Widerstand“ nicht zur Evangelischen Allianz gehörten und auch den Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden verlassen hätten. Daher könne man sie „nicht als repräsentativ für Evangelikale bezeichnen“. Von dem Gespräch sei ein einziger Satz übrig geblieben, sagte Heimowski gegenüber pro am Samstag.

Corona-Leugnung „falsch und gefährlich“

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) kritisiert nun ebenfalls, der Spiegel-Artikel spreche „sehr pauschal“ von Freikirchen. Die Gemeinde des Gründers der Gruppe „Christen im Widerstand“, Christian Stockmann, gehöre keiner der Mitgliedskirchen der VEF an, heißt es in einem Statement der Vereinigung vom Montag. Dessen Thesen seien falsch und „in hohem Maße gefährlich“, betont der Pressesprecher der VEF, Michael Gruber, darin.

Es sei „journalistisch unredlich, dass der Spiegel-Artikel mit Stockmanns Thesen ein extremes Beispiel von Unvernunft verallgemeinert und zu Unrecht auf alle Freikirchen überträgt“. Die VEF sei dem Anliegen verpflichtet, die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. So habe sie etwa gleich zu Beginn der Pandemie für ihre Mitgliedskirchen Schutzkonzepte für Gottesdienste und Veranstaltungen erstellt. Zudem seien die Mitgliedskirchen angehalten, die in ihren Bundesländern und Kommunen jeweils geltenden Verordnungen umzusetzen. Die Stellungnahme betont: „Keine der Masseninfektionen, auf die der Artikel sich bezieht, ist in einer Freikirche der VEF gewesen.“

Außerdem kritisiert Gruber, dass der Spiegel-Autor die Begriffe „evangelikal“ und „freikirchlich“ als Synonyme verwende. Das sei falsch. „Dass der Artikel die von Freikirchen propagierte Trennung von Kirche und Staat auslegt, als sei Widerstand gegen staatliche Vorgaben die natürliche Folge dieses Grundsatzes, ist geradezu eine Verkehrung dieses Prinzips. Freikirchen stehen für ein konstruktives, aber unabhängiges Miteinander von Staat und Kirche.“

Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen wurde 1926 gegründet. Ihr gehören zwölf Mitglieds- und drei Gastkirchen mit insgesamt rund 280.000 Mitgliedern an. Zu den Mitgliedskirchen gehören unter anderem die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, die Evangelisch-methodistische Kirche, der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, der Bund Freier evangelischer Gemeinden, die Heilsarmee sowie der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 20 Oct 2020 12:46:00 +0200
<![CDATA[Fitnessstudio wird zur Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/20/fitnessstudio-wird-zur-kirche/ Nachdem ein Fitnessstudio in Polen wegen der Corona-Krise geschlossen werden sollte, hat es sich kurzerhand selbst als Kirche bezeichnet. Auf seiner Facebook-Seite verkündete der Atlantic Sports Club seinen Mitgliedern, dass er statt (verbotener) Fitnesskurse „ab heute religiöse Versammlungen für Angehörige der Kirche des gesunden Körpers anbiete“.

Die 38 Millionen Polen dürfen weiter Gottesdienste feiern, solange die Gläubigen Masken tragen und sich an eine Teilnehmergrenze halten. Mit der Umbenennung zur „Kirche des gesunden Körpers“ umgehe es die vorübergehende Schließung, wie mehrere deutsche Medien melden.

Fitnesskurse werden zu „religiösen Versammlungen“

Wie das Nachrichtenportal Focus online meldet, darf in der „Kirche des gesunden Körpers“ künftig für eine „kleine Spende“ jedes Gerät ausgiebig getestet werden. Zudem seien Fitnesskurse nun als „religiöse Versammlungen“ zu bezeichnen.

Die aktuelle Situation lasse ihr keine Wahl, betonte Studiobesitzerin Marta Jamróz, auch wenn sie legale Schlupflöcher nicht möge. Die Umwandlung zur Kirche sei mit dem Gesetz im Einklang. Für sie sei es nicht nachvollziehbar, warum Fitnessstudios geschlossen, aber Kirchen und Einkaufszentren geöffnet blieben. In Fitnessstudios sei es bisher noch nicht zu einem Ausbruch des Virus gekommen, auch weil strikte Hygieneregeln beachtet würden.

Polnische Bürger haben eine Petition gestartet, die mittlerweile mehr als 150.000 Unterstützer gefunden hat. Die Petition wirbt für den Stellenwert, den Fitnessstudios für die körperliche und geistige Gesundheit hätten. Scharfe Kritik am Vorgehen übte das polnische Gesundheitsministerium. Die Institution wird mit den Worten zitiert: „Ihr gefährdet nicht nur euch selbst, sondern auch andere – besonders die Risikogruppen.“ Dennoch hat die Regierung zugegeben, bezüglich Corona „nicht alles unter Kontrolle zu haben“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 20 Oct 2020 09:49:00 +0200
<![CDATA[Peter Tauber beendet seine politische Karriere]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/10/19/peter-tauber-beendet-seine-politische-karriere/ Peter Tauber war von 2013 bis 2018 Generalsekretär der CDU. Seit März 2018 ist er Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin der Verteidigung. In einem Schreiben an die Mitglieder seines hessischen Wahlkreises Main-Kinzig – Wetterau II – Schotten teilte der gebürtige Frankfurter mit, er sehe seine Zukunft nicht mehr in der Politik und werde zur Bundestagswahl 2021 nicht mehr kandidieren.

Laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gab Tauber „persönliche und familiäre Gründe“ für diese Entscheidung an. „Dabei spielen nicht nur meine gesundheitliche Situation, sondern auch die Vorstellung, noch einmal neue berufliche Herausforderungen zu suchen und anzunehmen, eine Rolle“, schreibt Tauber weiter. Die Familie bedeute ihm viel, und seinen Lebensmittelpunkt sehe er eher im hessischen Gelnhausen als in Berlin. Der CDU bleibe er weiter verbunden, und er wolle sich auch bei der bevorstehenden hessischen Kommunalwahl einbringen, so Tauber.

Im Jahr 2017 zwang ihn eine schwere Darmerkrankung dazu, seine Arbeit in der Politik ruhen zu lassen. In dem Buch „Du musst kein Held sein“ schreibt der Politiker über diese Zeit. Dabei wird deutlich, dass sich seine Beziehung zu Gott wie ein roter Faden durch sein Leben zieht. An vielen Stellen im Buch greift er das Christliche seiner Partei auf. Dieses sei die „entscheidende Koordinate in der Union“. In einem Kapitel widmet er sich beispielsweise dem Thema Abtreibung. Als Christ könnten ihn 100.000 Abtreibungen pro Jahr in Deutschland nicht kalt lassen. Auch wenn die CDU an der geltenden gesetzlichen Regelung bisher keine Änderungen vorgenommen habe, sei bereits eine Diskussion über Lebensschutz gut für die Gesellschaft.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur“

Als Tauber durch die Erkrankung im Herbst 2017 schließlich an seine Grenzen stieß und mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen musste, erlebte er nach eigener Aussage den Glauben auf eine neue Art. „In Krisenzeiten wird einem der Glaube nochmals anders wichtig“, schreibt er. „Auch vorher habe ich einigermaßen regelmäßig gebetet, meistens aus Dankbarkeit. Ich kannte dieses Gefühl der Verzweiflung gar nicht.“

Im Interview von pro sagte Tauber im Mai, er habe die Situation Gott anbefohlen. „Das war in dem Moment ein sehr gutes Gefühl. Ich habe natürlich weitergebetet – aber nicht mehr oder anders als sonst. Besonders sind mir in dieser Zeit ein Morgen- und ein Abendgebet Luthers oder Lieder von Paul Gerhardt wichtig geworden.“ Weiter sagte Tauber, für ihn sei Gott wie ein Vater, dem er alles anvertrauen könne, dem er aber dennoch auch mit Respekt begegne. „Beten ist nicht einfach wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Vielmehr wende ich mich respektvoll und mit einem gewissen Abstand an den Höchsten. Das kommt in der Sprache Luthers zum Ausdruck. Ich will aufschauen zu Gott.“

Als Bibelvers, der ihm besonders wichtig ist, nannte Tauber im Interview 2. Korinther 5,17: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ Tauber: „Ich finde diesen Satz sehr hoffnungsmachend. Ich mache jeden Tag viele Dinge falsch, aber ich kann jeden Tag wieder neu anfangen. Morgen kann ich es vielleicht richtig oder besser machen. Das finde ich sehr befreiend.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 19 Oct 2020 14:04:00 +0200
<![CDATA[Tuvia Grossman trifft Polizist, der ihn rettete]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/10/19/tuvia-grossman-trifft-polizist-der-ihn-rettete/ Vor 20 Jahren ging ein Bild durch die Welt, das eine Szene der „Al-Aqsa-Intifada“ zeigte: einen israelischen Polizisten mit einem Gummiknüppel und einen blutüberströmten jungen Mann. Das Besondere an diesem Foto war, dass die Nachrichtenagentur „Associated Press“ (AP) eine falsche Bildunterschrift mitgeliefert hatte. Und so erschien es in mehreren Zeitungen mit unrichtigen Angaben.

Die Bildunterschrift lautete: „Ein israelischer Polizist und ein Palästinenser auf dem Tempelberg“. Doch der angebliche „Palästinenser“ war ein jüdischer Student aus den USA, den der Polizist vor einem palästinensischen Mob gerettet hatte. Nachdem das Bild am 30. September 2000 in der „New York Times“ erschienen war, meldet sich dessen Vater Aaron Grossman in einem Leserbrief an die AP zu Wort: „Der Palästinenser ist in Wahrheit mein Sohn, Tuvia Grossman, ein jüdischer Student aus Chicago. Er, sowie zwei seiner Freunde, wurden während einer Fahrt durch Jerusalem durch eine Horde palästinensischer Araber aus ihrem Taxi gezerrt und unerbittlich geschlagen und schwer verwundet.“

Doch auch die Ortsangabe war falsch, wie der Vater weiter ausführte: „Das Bild kann nicht auf dem Tempelberg aufgenommen worden sein, weil es auf dem Tempelberg keine Tankstelle gibt und schon gar keine mit hebräischen Buchstaben, wie die Zapfsäule, die deutlich hinter dem israelischen Soldaten zu sehen ist, der gerade versucht, meinen Sohn vor dem Mob zu schützen.“

Student wollte an der Klagemauer beten

In der vergangenen Woche haben sich Tuvia Grossman und sein Lebensretter, der Polizist Gideon Zefadi, erneut getroffen. Arrangiert war die Begegnung von der israelischen Zeitung „Yediot Aharonot“. Die beiden tauschten Erinnerungen an den 28. September 2000 aus. Der damals 20-jährige Talmudstudent wollte mit einem Taxi zur Klagemauer fahren, um an seinem Geburtstag dort zu beten. Doch der Angriff machte dieses Vorhaben zunichte. Viele Araber waren in Aufruhr, weil der damalige Oppositionsführer Ariel Scharon den Tempelberg besuchte – in Absprache mit den muslimischen Behörden.

Bei dem Treffen erinnerte sich Grossman laut „Yediot Aharonot“: „Ich dachte, dass ich sterben werde. Ich rief ‚Schma Jisrael‘ (Höre, Israel) und begann mit letzter Kraft, nach oben zu laufen. Eines der letzten Dinge, an die ich mich erinnere, sind die Uniformen von Gideon und seinen Leuten. Da verstand ich, dass es mir gut gehen würde. Dass das der Mann ist, der mich retten wird. Der Held meines Lebens. Sie waren nur fünf, und sie schafften es, die Menge zurückzudrängen.“ Der Jude wurde ohnmächtig, aber die Polizisten brachte ihn in Sicherheit.

„Der erste Fall von BDS“

Der Grenzpolizist Zefadi erzählte 20 Jahre später: „Ich sagte meinen Leuten, dass wir die Kontrolle über die Rockefellerkreuzung übernehmen müssen. Als ich dorthin kam, stieß ich auf den Lynchversuch. Ich wusste nicht einmal, ob es ein Araber oder ein Jude war. Ich hob ihn in das Fahrzeug, vergewisserte mich, dass er in Ordnung war, und er kam ins Krankenhaus. Tausende strömten zum Tempelberg, aber wir bekamen die Sache in den Griff.“

Über die falsche Bildunterschrift hat sich der Druse geärgert: „Man hat mich als israelischen Polizisten dargestellt, der kaltblütig auf dem Tempelberg einen jungen Palästinenser umbringt. Dieses Bild wurde in Frankreich auf einem zwölfstöckigen Gebäude veröffentlicht, gegen den Staat Israel. Der erste Fall von BDS.“ Damit bezog sich Zefadi auf die anti-israelische Boykottbewegung, deren Abkürzung für „Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen“ steht.

„New York Times“: Richtigstellung in zwei Schritten

Infolge des Leserbriefes indes veröffentlichte die „New York Times“ am 4. Oktober 2000 eine Richtigstellung. Doch auch sie enthielt noch nicht die ganze Wahrheit. Tuvia Grossman war darin als „amerikanischer Student in Israel" dargestellt, aber nicht als ein Jude, der von Arabern geschlagen wurde. Die Ortsangabe stimmte noch nicht, der Vorfall wurde weiterhin in die Altstadt verlegt.

In der Entschuldigung hieß es: „Eine Bildunterschrift am Samstag über Kämpfe zwischen Israelis und Palästinensern in Jerusalem enthielt eine fehlerhafte Identifizierung von ‚The Associated Press‘ für einen verwundeten Mann, der mit einem israelischen Polizisten abgebildet ist. Er war Tuvia Grossman aus Chicago, ein amerikanischer Student in Israel, und kein nicht identifizierter Palästinenser. In manchen Ausgaben identifizierte die Bildunterschrift auch die Stätte, an der Herr Grossman verwundet wurde, falsch. Es war in der Jerusalemer Altstadt, aber nicht auf dem Tempelberg.“

Drei Tage später veröffentlichte die amerikanische Tageszeitung eine weitere Richtigstellung, diesmal mit einem längeren Artikel. Nun war Grossman „ein Amerikaner, der an einem jüdischen Seminar in Jerusalem studiert“. Weiter schrieb die Zeitung: „Der Vorfall ereignete sich in einem arabischen Viertel von Jerusalem, nicht auf dem Tempelberg oder anderswo in der Altstadt. Eine Korrektur am Mittwoch hat die Irrtümer unvollständig zitiert und eine Erklärung der Szene versäumt. Der Beamte schwenkte einen Gummiknüppel gegen Palästinenser und forderte sie auf, sich von Herrn Grossman fernzuhalten. Er schlug Herrn Grossman nicht.“

Im April 2002 verurteilte ein Bezirksgericht in Paris die französische Tageszeitung „Libération“ und die Nachrichtenagentur AP wegen der Falschdarstellung. Sie mussten 4.500 Euro an Grossman zahlen. Das Bild wurde zudem bei pro-palästinensischen Demonstrationen eingesetzt – unter anderem in Brasilien –, um angebliche „israelische Brutalität“ gegenüber Palästinensern zu „dokumentieren“.

„Der Schaden war bereits entstanden“

Bereits vor zehn Jahren gab es ein Treffen zwischen dem ehemaligen Talmudschüler und seinem Retter. Grossman äußerte sich damals gegenüber der Zeitung „Jerusalem Post“ zu der falschen Darstellung in den Medien und der Richtigstellung: „Es war schon zu spät, der Schaden war bereits entstanden.“ Auf die Frage, wie er sich angesichts des Fotos fühle, antwortete er: „Ärgerlich und wütend sind nicht die Worte, mit denen ich es beschreiben würde. Es ist eher Frustration darüber, dass, obwohl man im Zentrum eines Bildes steht, über das jeder spricht, das Foto eindeutig falsch ist. Aber niemand kümmert sich darum und man kann es nicht ändern.“

Tuvia Grossman ist vor 15 Jahren nach Israel eingewandert. Der Vater von zwei Kindern lebt in Modi'in und arbeitet als Rechtsberater. Gideon Tzefardi wohnt in Kfar Sumei in Nordgaliläa. Er leitet in seinem Bezirk das Dezernat für den Kampf gegen Drogen und Alkohol und hat fünf Kinder.

Von: Elisabeth Hausen

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Mon, 19 Oct 2020 13:17:00 +0200
<![CDATA[Weihnachten gibt es trotzdem]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/19/weihnachten-gibt-es-trotzdem/ Ohne Weihnachtsmärkte und -konzerte wird es in diesem Jahr vor allem an den Kirchen hängen, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten und Zuversicht zu wecken, schrieb kürzlich die Pastorin Hanna Jacobs (32) in ihrer Kolumne in der Zeit-Beilage Christ und Welt. Darum müssten die Kirchen besonders dick auftragen: Weihnachtskarten der Kirchengemeinden an alle Anwohner, beleuchtete Kirchtürme und Weihnachtsgottesdienste im Rundfunk.

Wie das Weihnachtsfest in diesem Jahr in den Kirchen gefeiert werden kann, ist noch offen. Die jüngsten Beschlüsse des Bundes und der Länder sehen vor, dass in Regionen mit einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche maximal 100 Personen zu Veranstaltungen kommen dürfen. Seit Anfang Mai sind Gottesdienste grundsätzlich wieder möglich, allerdings nur mit strikten Hygieneregeln: Begrenzung der Besucherzahl, kein Gemeindegesang, Abstand, Mund-Nasenschutz und der Verzicht auf direkten Körperkontakt beim Austeilen des Abendmahls oder beim Segen.

„Die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln ist für uns selbstverständlich“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mit Blick auf das Weihnachtsfest. Tausende von Haupt- und Ehrenamtlichen hätten in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie verantwortungsvoll mit den Spielräumen umgingen. „Neben den Gottesdiensten in den Kirchen wollen wir, wo immer möglich, auch Freiluftgottesdienste anbieten, so dass viele Menschen an Gottesdiensten teilnehmen können“, sagte er.

Einen Umzug nach draußen planen zum Beispiel die evangelischen Gemeinden in Bremen. Sie feiern in diesem Jahr „Weihnachten auf der Straße“. Das Singen ist im normalen Gottesdienst nicht erlaubt, zu groß ist die Gefahr einer Ansteckung. Als Alternative könnte es in der Hansestadt Open-Air-Veranstaltungen mit Bläsern oder ein Weihnachtsliedersingen auf einem Industriegelände geben, ähnlich wie ein Autokino.

Krippenspiel in der ganzen Stadt

Im Rheinland plant eine Gemeinde einen ökumenischen Gottesdienst auf einem Parkdeck, eine andere überlegt, Weihnachten auf einem Friedhof zu feiern. Die Organisatoren müssten „in alle Richtungen denken, um niemanden abweisen zu müssen“, sagte der Präses der Evangelische Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski.

In Hamburg-Hoheluft ist in der Gemeinde St. Markus die Idee eines Krippenspiels quer durch den Stadtteil entstanden. Auf zehn Balkonen sollen Konfirmandinnen und Konfirmanden stehen, die dem Publikum kurze Teile des Krippenspiels präsentieren. An der zehnten Station sind Geschenke für die Besucherinnen und Besucher geplant. Ein Engel soll die Schaulustigen anführen und mit einem Stern den richtigen Weg zum nächsten Balkon weisen. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat derweil eine Ideenbörse eingerichtet, auf der sich Gemeinden gegenseitig inspirieren können.

Neben Outdoor-Gottesdiensten könnten auch mehrere kleine Andachten über den Tag verteilt eine Lösung sein, wie der katholische Liturgie-Experte Marius Linnenborn jüngst empfahl. Der Grundsatz bei der Planung müsse der gleiche wie auch sonst in der Corona-Pandemie sein: „Abstand halten. Sowohl zeitlich als auch räumlich“. Der Pfarrer hält kurze Gottesdienstformen für sinnvoll, die nicht länger als 15 oder 20 Minuten dauern und eine Bibel-Lesung und ein kurzes Krippenspiel enthalten.

Die Corona-Pandemie treibt die Kirchen zudem weiter in die digitale Welt – von der Online-Platzreservierung bis zum Livestream der Andacht. Wie schon an Ostern sollen vielerorts Predigten gestreamt und online zur Verfügung gestellt werden. Es sei eine Herausforderung, den Spagat zwischen den Corona-Vorgaben und der Sehnsucht nach einem feierlichen Weihnachten in Gemeinschaft zu meistern, sagte Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs. „Deshalb brauchen die Menschen jenseits von Punsch und Geschenken gerade jetzt Licht und Zuversicht.“

Von: epd

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Mon, 19 Oct 2020 11:59:00 +0200
<![CDATA[Nach Hochzeit in Baptistengemeinde in Altenkirchen Corona-Alarmstufe auf „rot“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/18/nach-hochzeit-in-baptistengemeinde-in-altenkirchen-corona-alarmstufe-auf-rot/ Nach einer Hochzeit bei der evangelischen Baptistengemeinde in Altenkirchen wurden am Freitagnachmittag zunächst 50 Gäste der Hochzeit positiv auf eine Corona-Infektion getestet. Das meldete das Kreisgesundheitsamt in Altenkirchen. Viele weitere Testergebnisse würden erst am Montag erwartet. Insgesamt seien am Donnerstag und Freitag rund 150 Personen aus dem Kreis Altenkirchen im Zusammenhang mit der Hochzeit getestet. Sie stehen unter Quarantäne.

Der Corona-Warn- und Aktionsplan Rheinland-Pfalz sieht vor, dass eine Task-Force-Gruppe, der seitens des Landes der Präsident des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung, Detlef Placzek, vorsteht, zusammentritt. Landrat Peter Enders will laut der Kreisverwaltung am Sonntagnachmittag in einer Telefonkonferenz mit Placzek über das weitere Vorgehen und geeignete Maßnahmen besprechen, um das regionale Infektionsgeschehen einzudämmen.

Enders erklärte zudem: „Wir alle waren uns bewusst, dass die Infektionszahlen mit dem Herbst steigen würden. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, wenn vergleichsweise wenige Unvernünftige die Situation noch verschlimmern. Verstöße gegen Quarantäneauflagen werden konsequent geahndet.“ Er mahnte: „Jede und jeder einzelne hat es in der Hand, etwas gegen die weitere Virus-Ausbreitung zu tun, indem man Abstand hält und die Hygieneregeln einhält. (...) Wir alle können Abstand halten: ob auf dem Fußballplatz, im Gottesdienst, im Restaurant oder bei einer Bücherlesung. Jeder kann auch eine Maske nutzen, wo dies – noch – nicht vorgeschrieben ist.“

Von: Jörn Schumacher

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Sun, 18 Oct 2020 13:47:00 +0200
<![CDATA[Spiegel: Schnittmenge zwischen Evangelikalen und Corona-Wutbürgern ist groß]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/17/spiegel-schnittmenge-zwischen-evangelikalen-und-corona-wutbuergern-ist-gross/ Das Magazin Der Spiegel berichtet in der aktuellen Ausgabe über freikirchliche Christen, die zu den Verschwörungstheoretikern in Sachen Corona-Virus gehören. Wöchentlich stehen solche Christen in Berlin. „Sie singen sich in Trance“, heißt es im Artikel. „Sie schließen die Augen und strecken die Arme in die Luft. Manche schwenken bunte Banner, sogenannte Lobpreisfahnen.“ Sie rufen sowohl „Halleluja!“, als auch „Keine Masken, keine Impfungen!“. Das Magazin stellt fest: „Die Schnittmengen vor allem der Pfingstbewegung zu Verschwörungstheoretikern und Corona-Wutbürgern sind groß. Bei der ‚Querdenken'-Demo Ende August in Berlin liefen 200 ‚Christen im Widerstand' mit.“

Spiegel-Autor Felix Bohr hat den Pastor Christian Stockmann getroffen, der die Gruppe „Christen im Widerstand“ gegründet hat, ein Netzwerk evangelikaler Gegner der Corona-Politik. Im Internet hätten sich rund 680 Unterstützer registriert, so der Spiegel. „In zigtausendfach angeklickten Predigten im Netz fabuliert der Berliner Pastor von ‚Knechtschaft' durch Corona." Die Christen um Stockmann wehrten sich gegen Abstandsregeln und Maskenpflicht. Das Magazin schreibt weiter: „Das Milieu der evangelikalen Freikirchen, darunter bibeltreue Christen und sogenannte Pfingstler mit Erweckungserlebnissen, scheint anfällig für Verschwörungsmythen.“

Und tatsächlich gab es immer wieder auch in christlichen Gemeinden Fälle von Corona-Hotspots. In Euskirchen mussten im Juli 500 Mitglieder einer freikirchlichen Mennoniten-Gemeinde in Quarantäne. Und im evangelikalen Glaubenszentrum in Bad Gandersheim wurden diese Woche über 100 Fälle bekannt. Martin Fritz von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin erklärte, dass die oftmals kleinen Bethäuser sowie der Gesang und die körperliche Nähe die Ausbreitung von Corona begünstigen.

„Etwa 1 bis 1,5 Millionen Evangelikale gibt es schätzungsweise in der Bundesrepublik. Das wären bis zu vier Prozent der kirchlich organisierten Christen“, schreibt Bohr. Die Bewegung gewinne an Bedeutung, während die beiden großen christlichen Kirchen im vergangenen Jahr über eine halbe Million Mitglieder verloren. Zum Glauben der Evangelikalen gehöre, dass Kranke wie in der Bibel durch Handauflegen geheilt und der Teufel ausgetrieben werden könne.

Das größte Netzwerk der Evangelikalen sei die Deutsche Evangelische Allianz, die mehr als eine Million Gläubige vertritt. „In Berlin beschäftigt sie einen eigenen Cheflobbyisten, der Bundestagsabgeordnete bearbeiten soll.“

Allianzbeauftragter reagiert

Damit ist Uwe Heimowski gemeint, der Politikbeauftragte der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD). In dem Spiegel-Artikel würden „alle gängigen Klischees über Evangelikale bedient, als Beispiele müssen singuläre Gruppen oder Personen herhalten, von denen dann – zu Unrecht! – auf eine ganze Bewegung geschlossen wird“, sagte Heimowski gegenüber pro am Samstag. Mit dem Spiegel-Autor Felix Bohr habe er ein neunzigminütiges Gespräch geführt, in dem Heimowski gesagt habe, dass die „Christen im Widerstand“ nicht zur Evangelischen Allianz gehörten und auch den Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden verlassen hätten. Daher könne man sie „nicht als repräsentativ für Evangelikale bezeichnen“. Auch über weitere Themen sei es gegangen. Von dem Gespräch sei ein einziger Satz übrig geblieben.

„Wer das im Zusammenhang des Artikels liest, für den entsteht der Eindruck, die EAD sei ein Netzwerk, dem die angeführten Christen im Widerstand oder der AfD-Abgeordnete Volker Münz angehören. Dass das nicht so ist, hatte ich Herrn Bohr, wie gesagt, ausführlich erklärt“, so Heimowski weiter. Die Positionen der EAD seien öffentlich. „Die Tragik an Artikeln wie diesem ist, dass sie genau das Gegenteil von dem bewirken, was sie – vorgeblich – bewirken wollen.“ Wer statt einer soliden Recherche und einer objektiven Beschreibung „reißerisch altbekannte Vorurteile“ bediene und „konstruktive und differenzierte Gespräche auf eine Zeile zusammendampfe“, treibe Menschen dazu, „der öffentlichen Berichterstattung zu misstrauen und sie als ‚Mainstream- oder Lügenpresse‘ abzutun.“ Damit treibe man Menschen zu unseriösen Informationsquellen „oder tatsächlich in die Hände von Verschwörungstheoretikern“, so Heimowski. „Und genau das will die Evangelische Allianz in Deutschland nicht.“ Heimowski ist auch Vorstandsmitglied der Christlichen Medieninitiative pro, die das Christliche Medienmagazin pro herausgibt.

Hygieneregeln in Korntal

Der Spiegel-Autor sprach auch mit Jochen Hägele, dem Geistlichen Vorsteher der „Evangelischen Brüdergemeinde“ in Korntal. „Bis zum Beginn der Corona-Pandemie besuchten insgesamt 600 Gläubige die beiden Sonntagsgottesdienste. Von solchen Zahlen können Katholiken und klassische Protestanten nur träumen“, heißt es im Bericht. Von extremen Glaubenshaltungen wie denen der „Christen im Widerstand“ distanziert sich Hägele. Es sei gefährlich und irrational, die Gefahr des Coronavirus zu leugnen, sagt er. Die Hygieneregeln in Korntal entsprechen den staatlichen Vorgaben, schreibt der Spiegel.

Von: Jörn Schumacher und Nicolai Franz

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Sat, 17 Oct 2020 13:17:00 +0200
<![CDATA[Menschenhandel: „Wir haben als Christen zu wenig gemeinsame Stimme“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/10/16/menschenhandel-wir-haben-als-christen-zu-wenig-gemeinsame-stimme/ Pro: Wie ist die aktuelle Lage beim Thema Menschenhandel derzeit in Europa?

Frank Heinrich: Die Gesetzgebung ist in Bewegung, denn in mehreren Ländern steht sie gerade auf dem Prüfstand. Bei allen Schwierigkeiten, die uns die Corona-Pandemie eingebracht hat, im Bereich des Menschenhandels hatte sie zur Folge, dass bestimmte Fakten ans Licht kamen, die vorher nicht sichtbar waren. Dazu ein Beispiel: An dem Tag, an dem in Berlin das Prostitutionsverbot ausgesprochen wurde, waren schlagartig alle in der Prostitution Tätigen mit einem bestimmten nationalen Hintergrund wie vom Erdboden verschwunden. Daran erkenne ich, wieviel Macht die Hintermänner haben: Wenn sie mit dem Finger schnipsen, verschwinden Hunderte von Personen von einem Tag auf den anderen in ihr Heimatland. Jetzt dagegen, nach entsprechenden Lockerungen, sind sie übrigens wieder da. Daraus schließen wir, dass die Gesetzgebung verändert werden muss, um die Situation der Betroffenen zu verbessern.

Wie ist die Lage in Deutschland? Wer ist besonders betroffen?

Es gibt drei Bereiche, in denen immer von Menschenhandel auszugehen ist. Der eine ist die Organausbeutung. Deutschland ist hier nur indirekt betroffen, indem sich Menschen in Ländern wie China oder Nepal beispielsweise Haut von Jugendlichen oder andere Organe übertragen lassen. Dieser Bereich deckt weltweit jedoch nur etwa ein Prozent oder noch weniger ab. Dann gibt es die Ausbeutung der Arbeitskraft, weit unter dem Mindestlohn und in einem extremen Abhängigkeitsverhältnis. Die ausbeuterische Beschäftigung von Erntearbeitern oder in Teilen der Fleischverarbeitung steht unter einem solchen Verdacht. Auch hier hat Corona manches ans Licht gebracht. Und dann wäre der Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutungen zu nennen, der mit Abstand größte Bereich. Hier ist die Gesetzgebung bisher viel zu vage, als dass die Justiz genügend Ansatzpunkte für konkrete Verfolgungsmaßnahmen hätte. Wir hören oft von der Kriminalpolizei und vor allem von Beratungsstellen, dass nur wenige Verfahren eingeleitet werden und der Ausgang aus Mangel an Beweisen völlig offen ist.

Junge Männer und Frauen im Bereich des Menschenhandels zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft und hauptsächlich junge Frauen im Bereich der Prostitution aus den südosteuropäischen Ländern Rumänien, Bulgarien und Ungarn müssen als die Hauptbetroffenen angesehen werden.

Wie hat sich der Menschenhandel in den vergangenen Jahren gewandelt? Welche Rolle spielen digitale Medien?

Wir merken, dass das Internet eine wesentliche Rolle einnimmt. Es trägt sicherlich auch zu einer generellen Sexualisierung der Gesellschaft durch die Verfügbarkeit von pornografischem Material intensiv bei. Im Netz ist fast alles einfach und für so gut wie jeden erreichbar. Aber deutlich mehr Einfluss auf den Menschenhandel hatte sicherlich die EU-Osterweiterung. Dadurch hat sich der „Markt“ – wenn man das so sagen darf – noch einmal massiv verändert, indem die Preise für bestimmte Angebote in den letzten Jahren extrem nach unten gegangen sind. Das deutet stark auf Ausbeutung hin.

Wie steht es in Deutschland mit der Strafverfolgung beziehungsweise der Gesetzgebung beim Thema Menschenhandel?

In dieser Legislaturperiode ist Gott sei Dank eine intensive Diskussion in Gang gekommen, ob die von uns verabschiedeten Gesetze, wie zum Beispiel das Prostituiertenschutzgesetz, ausreichend sind. Aus meiner Perspektive ging das Gesetz in die richtige Richtung, indem konkrete Regelungen (wieder) eingeführt wurden. Doch ich sehe weiterhin zwei grundlegende Schwächen: Die Gesetze gehen nicht weit genug und jedes Bundesland setzt bestehendes Recht unterschiedlich um, bis dahin, dass manche Länder in der Durchführung fast das Gegenteil dessen erreichen, was in den Gesetzen gedacht war. Aus meiner Sicht brauchen wir unbedingt eine breite gesellschaftliche Debatte, ob wir weiterhin als „Bordell Europas“ gelten wollen. Dazu gehört für mich auch die Diskussion, ob wir ein Sexkaufverbot einführen wollen. Zumindest in bestimmten Bereichen, beispielsweise bei Schwangeren soll die Strafbarkeit nun eingeführt werden, so wie es bei Opfern von Menschenhandel jetzt schon der Fall ist. Ich persönlich würde mittlerweile ein generelles Sexkaufverbot befürworten.

Welche Rolle spielen in Deutschland Kirchen und Gemeinden, um die Lage zu verbessern?

Es gibt breit gefächerte Aktivitäten, vor allem in den Freikirchen. In der katholischen Kirche und vor allem ihren Einrichtungen wie der Caritas oder Solwodi („SOlidarity with WOmen in DIstress“, d. Red.) gibt es eine deutliche Positionierung in Richtung des sogenannten Nordischen Modells, also eines generellen Sexkaufverbots. Andere christliche Akteure wie einige diakonische Werke sind eher dagegen, da sie befürchten, dass durch Verbote die Aktivitäten illegal trotzdem stattfinden und die Betroffenen noch weniger geschützt sind. Wir haben als Christen und Kirchen zu wenig gemeinsame Stimme. Trotzdem können sich Kirchen und Gemeinden vor Ort mehr einmischen, indem sie sich in den örtlichen Arbeitskreisen engagieren.

Wie kann man sich als Einzelner ganz praktisch engagieren?

Zuerst einmal sollte sich jeder Einzelne sehr gut informieren. Andernfalls richtet er möglicherweise mehr Schaden als Nutzen an, indem er mit leichtfertigen Argumenten kommt. Auf dieser Grundlage können Briefe an Abgeordnete in Bund, Land oder Stadtrat aus den unterschiedlichen Fraktionen versendet werden. Die Adressen findet jeder ganz leicht im Internet. Der Fokus sollte in dem Fall auf den Verantwortlichen im Sozial- und Gesundheitsbereich liegen. Hilfreich sind in erster Linie Fragen wie: „Wie schätzen Sie die Situation in unserer Stadt und die gesetzlichen Regelungen ein?“ oder „Wie setzen Sie die gesetzlichen Regelungen hier vor Ort um?“ Dadurch bekommen die Verantwortungsträger mit, dass ein Interesse an einer konkreten Verbesserung der Situation in der Bevölkerung besteht. Die Wirkung sollte nicht unterschätzt werden: Wenn ich beispielsweise einen meiner Kollegen anspreche, ob er sich bei dem Thema engagiert, dann kann ich ihn ohne Frage leichter gewinnen, wenn er entsprechende Zuschriften aus seinem Wahlkreis erhalten hat.

Die Fragen stellte Swanhild Zacharias

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Fri, 16 Oct 2020 16:48:00 +0200
<![CDATA[EKD-Synode findet ausschließlich digital statt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/16/ekd-synode-findet-ausschliesslich-digital-statt/ Das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) tagt in diesem Jahr ausschließlich digital. Bisher war eine Präsenztagung am 8. und 9. November in Berlin geplant, die sich an den aktuellen Corona-Verordnungen orientiert. Die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, begründete die Absage der Präsenztagung mit den gestiegenen Infektionszahlen.

„Wir bedauern diesen Schritt sehr, aber ein Zusammentreffen in Berlin erscheint uns aufgrund der weiter steigenden Infektionszahlen nicht möglich“, sagte Schwaetzer am Freitag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Von der Absage sind auch die mit der EKD-Synode im Verbund stattfindenden Tagungen der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) und der Generalsynode der Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) betroffen.

Die Synode werde als Livestream übertragen. Themen seien angesichts sinkender Mitgliedszahlen und geringerer finanzieller Ressourcen die Zukunft der Kirche und die Neuordnung der Finanzstrategie. In der vergangenen Woche hatte die Kirche bekanntgegeben, dass die Tagung der Synode, des höchsten Gremiums der EKD, auf drei Tage (7. Bis 9. November) verkürzt wird.

Von: epd

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Fri, 16 Oct 2020 16:00:00 +0200
<![CDATA[Proteste in der Schweiz: Religiöses Radioprogramm gestrichen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/radio/2020/10/16/proteste-in-der-schweiz-religioeses-radioprogramm-gestrichen/ Drei Radiosendungen im SRF sind ab Sommer 2021 gestrichen sowie die Kirchenglocken, die seit 1920 am Samstagabend den Sonntag im Radio einläuten. Betroffen sind die drei Religionssendungen „Zwischenhalt“, „Blickpunkt Religion“ und „Morgengeschichte“. Das berichtet das Internetportal kath.ch.

Die Direktorin des SRF, Nathalie Wappler, teilte gegenüber kath.ch mit, ihr sei die Entscheidung zur Kürzung nicht leichtgefallen. Aktuelle Themen zu Religion würden weiterhin im Tagesprogramm behandelt. Der Sparmaßnahme fielen auch andere Formate wie beispielsweise Literatursendungen zum Opfer. „Ich hoffe, die Kirchen mit der Streichung dieser Religionssendungen nicht zu vergraulen“, so Wappler. In Zukunft solle es ein neues Angebot im Bereich Religion vor allem für ein jüngeres Publikum geben.

Der Verein SRG SSR betreibt nach eigener Aussage das größte Medienunternehmen der Schweiz mit öffentlichem Auftrag und gewährleistet so ein wirtschaftlich und politisch unabhängiges Medienangebot. Die SRG betreibt unter anderem das „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF). Grund für die Sparmaßnahmen sei die aktuelle finanzielle Situation des SRF. Die Gesellschaft will bis 2024 etwa 66 Millionen Franken (etwa 62 Millionen Euro) einsparen. Schuld seien auch rückläufige Werbeeinnahmen.

Proteste in Videos

Laut einem Bericht von Vaticannews fordern die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und die Schweizer Bischöfe einen Ersatz für gestrichene Religionssendungen des SRF. Die Präsidentin der RKZ, Renata Asal-Steger, sagte, es gehöre zum Auftrag des SRF, über den Beitrag der Kirchen und Religionsgemeinschaften zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu berichten. „Denn Glaubens- und Sinnfragen sind für viele Menschen wichtig“, so Asal-Steger.

Der Präsident der Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz, Mariano Tschuor, zeigte sich verärgert: Von Sparmaßnahmen seien „immer die Falschen betroffen“. Das religiöse Angebot im SRF sei ohnehin schon „ein kleines Nischenprodukt“. Der Präsident des Vereins Katholisches Medienzentrum, Odilo Noti, sagte laut Vaticannews: Das SRF habe „die Axt an jene Sendungen angelegt, die Religion journalistisch und reflexiv begleiten“, und das in Zeiten gestiegener Unübersichtlichkeit und Ungewissheit, was äußerst fragwürdig sei. Die Streichung leiste „religiösem Irrationalismus und einem reflektionsfreien Bekenntnis Vorschub“, so Noti.

Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt protestierte. Mit den Sendungen „Blickpunkt Religion“ und „Zwischenhalt“ schaffe der SRF zwei Formate ab, „die sich auf hohem Niveau mit Religion und Religionen beschäftigen“.

Der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze schrieb in einem offenen Brief an die Geschäftsleitung des Medienhauses SRG: „Die grosse gesellschaftspolitische Bedeutung des Themas ‚Religion' für die Öffentlichkeit ist kaum zu unterschätzen.“ Es sei eine ausgewogene Informationsarbeit zu diesem Thema von Nöten, „um soziale und politische Konflikte in unserer Gesellschaft zu verhindern“, auch um eine Radikalisierung zu verhindern. Der Verlust der öffentlich-rechtlichen Informationsarbeit habe „einschneidende Konsequenzen“, auch bei Konflikten beim Thema Islam. Schulze war bis zu seiner Emeritierung 2015 zuletzt Professor für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie an der Universität Bern.

„Kahlschlag bei der Religion verhindern“

Auch im Internet melden sich zahlreiche Bürger zu Wort, die gegen die Streichung protestieren. Bei einer Online-Petition des Katholischen Medienzentrums unterzeichneten innerhalb weniger Tage mehr als 2.000 Menschen den Aufruf „Kahlschlag bei der Religion verhindern – SRF verletzt Konzessionsauftrag“. In Videos nennen Aktivisten auf der www.pro-srf-religion.ch ihre Gründe für den Protest. Einer der Erstunterzeichner, Amir Dziri, Co-Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft, sagt in einem Video, durch die Arbeit der SRF-Religionssendungen hätten muslimische Stimmen Zugang zum öffentlichen Diskurs gefunden.

Zu den Erstunterzeichnern gehört auch der Rabbiner Tovia Ben Chorin aus St. Gallen. „Die SRF-Religionssendungen sind eine Stimme gegen Antisemitismus“, sagt Ben Chorin. „Sie schaffen Verständnis zwischen Juden, Christen und anderen Menschen. Religionen müssen sich von Klischees befreien. Deswegen braucht es Radioprogramme, die das zum Thema machen.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 16 Oct 2020 10:23:00 +0200
<![CDATA[Carsten Rentzing wird Beauftragter der VELKD]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/10/16/carsten-rentzing-wird-beauftragter-der-velkd/ Der ehemalige Bischof der evangelischen Kirche in Sachsen (EVLKS), Carsten Rentzing, wird Beauftragter der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Rentzing soll sich um die Stärkung des Kontaktes zu den lutherischen Kirchen in Mittel- und Ost-Europa kümmern. Das hat die VELDK am Mittwoch mitgeteilt.

Rentzing war vor gut einem Jahr als Landesbischof der EVLKS zum 31. Oktober 2019 auf eigenen Wunsch hin aus dem Amt ausgeschieden. Der Theologe war wegen einer Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung und Texten aus seiner Studienzeit öffentlich in die Kritik geraten. Rentzing wird die neue Stelle am 1. November antreten und für die Dauer der Tätigkeit Pfarrer der EVLKS bleiben. Die Landeskirche will Renzing im Wege einer Abordnung für den Dienst in der VELKD freistellen. Die Stelle ist nach VELDK-Angaben auf sechs Jahre befristet.

Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes vorbereiten

Rentzing soll sich laut der Presseinformation insbesondere um die Vorbereitung der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes kümmern, die 2023 im polnischen Krakau stattfinden soll. Dazu soll er in seiner neuen Funktion in der VELKD eng mit dem Martin-Luther-Bund und dem Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes zusammenarbeiten. Als Dienstort ist der Sitz des Martin-Luther-Bundes im fränkischen Erlangen festgelegt worden.

Rentzing war von September 2015 bis zum 31. Oktober 2019 Landesbischof der EVLKS. Am 11. Oktober 2019 hatte er aufgrund der damaligen Diskussion um seine Person erklärt, das Bischofsamt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen. Diesem Wunsch war die sächsische Kirchenleitung gefolgt.

Die VELKD ist ein Zusammenschluss von sieben lutherisch geprägten Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mit insgesamt rund 8,4 Millionen Mitgliedern. Leitender Bischof der VELDK ist der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 16 Oct 2020 08:02:00 +0200