Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Wed, 11 Dec 2019 05:00:02 +0100 <![CDATA[Bonnke: Ein „riesiges Vorbild“, das Kontroversen auslöste]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/12/10/bonnke-ein-riesiges-vorbild-das-kontroversen-ausloeste/ Der am Samstag verstorbene Evangelist Reinhard Bonnke hat 60 Jahre lang die Botschaft der Bibel verkündet. Damit hat er vor allem in Afrika viel bewegt. Mit seinen Methoden eckte er auch heftig an. So bekam er den Spitznamen „Mähdrescher Gottes“ zugeschrieben.

Bonnke kam am 19. April 1940 in Königsberg in Ostpreußen zur Welt. Auf seiner eigenen Internetseite spricht der Sohn eines Pastors davon, dass er als Neunjähriger eine göttliche Berufung hatte, als Missionar nach Afrika zu gehen. Der Kontinent war später immer wieder in seinem Fokus, weil dieser „gerettet und durch das Blut Jesu Christi rein gewaschen“ werden sollte.

Bonnke machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung, studierte an einer Bibelschule in Wales und gründete dann eine Gemeinde in Flensburg, die zur Pfingstbewegung gehörte. 1967 begann er seine Missionstätigkeit in Südafrika und kümmerte sich ab 1968 um ein eigenständiges Gebiet, den unabhängigen Bergstaat Lesotho. Seitdem war Afrika im Fokus des nun Verstorbenen.

„Danach war Bonnke für mich gestorben“

Jesus-Freaks-Gründer Martin Dreyer schrieb auf Facebook von zwei Begegnungen mit Bonnke. Er habe ihn bei einer Missionsveranstaltung auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg erlebt. Die vollmundige Ankündigung seines Auftretens („Nichts wäre danach wie vorher“) habe mit dem Erlebten wenig zu tun gehabt. Entsetzt sei er über die spätere Darstellung im Rundbrief der Missionsgesellschaft gewesen, die von einer „großen Ernte“ gesprochen habe: „Danach war Bonnke für mich gestorben.“

Positiv sei dagegen die persönliche Begegnung mit Bonnke bei einem deutschlandweiten Treffen der evangelischen Allianz von christlichen Leitern gewesen. Das Gespräch mit dem Tischnachbarn Bonnke habe er als „sau erfrischend“ erlebt: „So eine tolle, geistliche, bestärkende Begegnung hatte ich lange Jahre nicht wieder. Seit dem sehe ich Reinhard aus einem ganz anderen Blickwinkel.“ Bonnke sei immer treu in seiner Berufung gewesen: „Darin ist er mir ein riesiges Vorbild.“

Bonnke war in Nigeria teils unerwünschte Person

Bonnke gründete 1974 die internationale überkonfessionelle Missionsgemeinde „Christus für alle Nationen“. Lokale christliche Gemeinden nahezu aller Denominationen unterstützten seine Veranstaltungen. Mit ihnen erreichte er mehrere hunderttausend Menschen. Bonnke wünschte sich eine formale Zustimmung zum christlichen Glauben, unabhängig von Taufe oder Kirchenmitgliedschaft. Die „Bekehrten“ wurden aufgefordert, sich den Gemeinden und Kirchen vor Ort anzuschließen, in denen die Nacharbeit stattfinden sollte.

Seine Veranstaltungen endeten regelmäßig mit einem öffentlichen Bekehrungsaufruf und Heilungsgebeten sowie Befreiung von dämonischen Geistern und Flüchen. Die Besucher konnten dann persönlich von ihren Heilungen berichten. 2001 soll dabei der nigerianische Pastor Daniel Ekechukwu von den Toten auferweckt worden sein.

In seinem Buch „Evangelium by Fire“ stellt Bonnke klar, dass er das Fundament evangelistischen Wirkens in Gottes Berufung und nicht in seiner theologischen Ausbildung sah. Seine Anhänger verehrten ihn als „Propheten“, die Gegner kritisierten nicht nur die Methoden, sondern auch, dass er damit Konflikte zwischen Christen und Muslimen schüre.

Im Vorfeld einer Evangelisation Bonnkes im muslimisch geprägten Kano gab es beispielsweise Aufstände mit mehreren Toten. Das führte dazu, dass Bonnke in Nigeria bis 1999 zur unerwünschten Person erklärt wurde. Bonnke reagierte und predigte nicht mehr in Regionen mit überwiegend muslimischem Bevölkerungsanteil.

„Gefährlich, abgehoben und verblendet“

Der Theologe war nicht überall in Europa willkommen. Als er in Zürich mit dem „International Christian Fellowship“ (ICF) eine Heilungskonferenz durchführen wollte, kritisieren Sektenexperten Bonnkes Besuch. Sie warfen ihm vor, religiöse Ausschreitungen zu schüren und Geld des dortigen Diktators angenommen zu haben. Der Religionsexperte Georg Schmid kritisierte in den Schweizer Medien, dass es keine wirklichen Wunderheilungen Bonnkes gegeben habe. Der Sektenexperte Hugo Stamm bezeichnete Bonnke als „gefährlich, abgehoben und verblendet“.

Bonnke schaffte es sogar in das „Guiness-Buch der Rekorde“. Im größten transportablen Zelt, in dem er evangelisierte, fanden mehr als 34.000 Menschen Platz. Bald predigte Bonnke unter freiem Himmel. In der Spitze sollen bis zu 1,6 Millionen Menschen seine Veranstaltungen besucht haben. Die Süddeutsche Zeitung zitiert den evangelisch-lutherische Pastor Isaiah Obare: „In einem armen Land wie Kenia klammern sich die Menschen an alles, was Hoffnung verheißt“, erklärt er den Zuspruch ganz nüchtern.

Arbeit hat Afrika nachhaltig verändert

Sein Nachfolger bei „Christus für alle Nationen“, Daniel Kolenda, betonte, dass Bonnkes Arbeit Afrika nachhaltig verändert habe. Die Evangelistin Paula White bezeichnete Bonnke auf Twitter „einen der größten Evangelisten unserer Zeit”. Der Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden, Johannes Justus, fühlte sich von Bonnke „persönlich in meinem Leben inspiriert und herausgefordert, im Glauben zu leben“.

1995 führte Bonnke in mehreren europäischen Ländern die Aktion „Vom Minus zum Plus“ durch. Dabei wurden 93 Millionen evangelistische Broschüren in die Haushalte verteilt. In Deutschland und der Schweiz sahen die Landeskirchen sowie die Deutsche Evangelische Allianz dieses Projekt als „kirchenspaltend und unwirksam“. an

2017 beendete er seinen Dienst mit einer großen Evangelisation in Nigeria. Daran nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Er veröffentlichte mehr als 40 Bücher, die in über 140 Sprachen übersetzt wurden. Bonnke hinterlässt seine Frau Anni, mit der seit 1964 verheiratet war, drei erwachsene Kinder und acht Enkel.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 10 Dec 2019 17:29:00 +0100
<![CDATA[EKD-Schrift zu Digitalisierung und Menschenrechten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/12/10/ekd-schrift-zu-digitalisierung-und-menschenrechten/ Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte und gilt als Gedenktag an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die die Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) am 10. Dezember 1948 verabschiedete. In einem Materialheft zum Tag der Menschenrechte beleuchtet die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in diesem Jahr, welche positiven und negativen Folgen die Digitalisierung weltweit für die Menschenrechte mit sich bringt.

Im Vorwort zu der Materialsammlung schreibt Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber: „Durch digitale Möglichkeiten können Menschenrechtsverletzungen am Computer rekonstruiert werden, um vor Gericht als Beweismittel verwendet zu werden.“ Zudem könnten Freiheits- und Protestbewegungen davon profitieren, wenn sie sich über das Internet und mit Smartphones organisierten.

Das Materialheft geht der Frage nach, welche Rolle der Mensch mit wachsender Bedeutung autonomer Apparate und entscheidungsfähiger Algorithmen einnimmt, was ihn von Maschinen unterscheidet und welche Bedeutung Menschenwürde und Menschenrechte im digitalen Zeitalter zukommt. Das 75-seitige Materialheft unter dem Titel „Schöne neue Welt? - Menschenrechte und Digitalisierung" steht unter einem Bibelwort: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt.“ (Psalm 8, 5-6).

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 10 Dec 2019 16:54:00 +0100
<![CDATA[Neuer Podcast auf Zeit Online erklärt die Bibel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/12/10/neuer-podcast-auf-zeit-online-erklaert-die-bibel/ Wie leer war die Erde, bevor Gott sie füllte? Was hat die Sintflut mit dem Klimawandel zu tun? Diesen Fragen, geht die die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit, Sabine Rückert, gemeinsam mit ihrer Schwester, der Theologieprofessorin Johanna Habererauf den Grund. In dem am Freitag gestarteten Podcast dreht sich alles um das „Weltkulturerbe“ Bibel. „Wir unterhalten uns über unsere Kindheit und machen uns in guter lutherischer Weise als Protestantinnen unsere Gedanken über die Bibel heute“, sagte Rückert dem Evangelischen Pressedienst.

Aufgewachsen sind beide in einer Pfarrersfamilie. Mit den Geschichten aus der Bibel sind sie seit ihrer Kindheit vertraut. In ihrem Podcast wollen die Schwestern nun mit Klischees über die Heilige Schrift aufräumen und nach der Relevanz der biblischen Geschichten für die heutige Zeit suchen. Dabei gehe es nicht darum, die Hörer zu bekehren oder von irgendetwas zu überzeugen. Vielmehr wollen die Schwestern informieren und zum Nachdenken anregen – schließlich sei die Bibel Weltliteratur, die seit Jahrtausenden die Weltgeschichte präge.

Jan Böhmermann als Inspiration

Die Idee zum Podcast kam Rückert, als sie im Mai in der Satire-Sendung „Neo Magazin Royale“ zu Gast war. Wegen der scheinbaren Lücken im Bibelwissen des Moderators Jan Böhmermann, habe sie in der Sendung „spaßeshalber“ einen Bibel-Podcast angekündigt. Anschließend habe sie viele positive Rückmeldungen erhalten – vor allem von Menschen ohne kirchlichen Hintergrund.

Trotz der Freude über das Interesse bemängelte sie gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, dass diese Unwissenheit „für eine Nation, die sich dem christlichen Abendland zurechnet, ein ernüchterndes Ergebnis ist“. Anstatt die Bibel so „langweilig“ wie die Kirche zu verkünden, wolle sie mit ihrer Schwester einen anderen Weg gehen, um über die Bibel zu reden.

In der ersten Folge sprechen beide über die Schöpfungsgeschichte. Dabei geht es um die Bedeutung des „Ebenbildes Gottes“, Donald Trump und eine Gefahr, wenn man die Bibel wörtlich nimmt.

Der Podcast „Unter Pfarrerstöchtern“ erscheint im zweiwöchigen Rhythmus immer freitags. Abrufbar ist er auf Zeit Online, Spotify und iTunes.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 10 Dec 2019 16:36:00 +0100
<![CDATA[Jesus hinter Gittern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/12/10/jesus-hinter-gittern/ Auf dem Außengrundstück der Claremont United Methodist Kirche in Kalifornien sind Maria und Josef von ihrem neugeborenen Kind Jesus getrennt und hinter Maschen- und Stacheldraht eingesperrt. So zeigt es eine lebensgroße Krippenszene derzeit. Sie soll Kritik an der aktuellen US-Einwanderungspolitik üben, wie das christliche Magazin Relevant berichtet.

Die Pastorin der Gemeinde, Karen Clark Ristine, erklärt den Hintergrund in einer Stellungnahme: „In einer Zeit unseres Landes, in der Flüchtlingsfamilien an unseren Grenzen Asyl suchen und unfreiwillig voneinander getrennt werden, denken wir an die wohl bekannteste Flüchtlingsfamilie der Welt, Jesus, Maria und Josef, die Heilige Familie.“ Weiter erklärt sie: „Stellen Sie sich vor, Josef und Maria würden an der Grenze separiert und Jesus, nicht älter als zwei Jahre, würde von seiner Mutter getrennt und hinter den Zaun eines Gefangenenlagers des Grenzschutzes gebracht - so wie es mehr als 5.500 Kindern in den vergangenen drei Jahren ergangen ist.“

Die US-Regierung unter Donald Trump steht seit zwei Jahren in der Kritik, geflüchtete und illegal eingereiste Familien an der mexikanischen Grenze auseinanderzureißen. Dabei werden die Eltern inhaftiert und die Kinder in staatliche Unterkünfte gebracht. Offiziellen Berichten zufolge sollen tausende Kinder von ihren Eltern getrennt worden sein. Im Juni 2018 unterzeichnete Präsident Trump ein Dekret, dass die Praxis beenden sollte. Doch auch 2019 berichteten Menschenrechtler von hunderten Fällen dieser Art.

Im Innern der Kirche von Claremont findet sich übrigens eine weitere Krippenszene: Die Heilige Familie wiedervereint im Beisein der Engel.

Von: Anna Lutz

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Tue, 10 Dec 2019 15:16:00 +0100
<![CDATA[Immer mehr religiöse Gruppen werden verfolgt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/12/10/immer-mehr-religioese-gruppen-werden-verfolgt/ Weltweit hat die Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen zugenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Amnesty International (AI). Besonders sei diese Entwicklung bei religiösen Gruppen zu beobachten, erklärte der Generalsekretär von AI Deutschland, Markus N. Beeko. Sowohl Christen als auch Muslime seien betroffen. Beispielhaft stünden dafür die muslimischen Uiguren in China. Dieser „gefährliche Trend“ könne nur gestoppt werden, wenn Glaubensgemeinschaften gemeinsam aufträten und mit der Unterstützung von Regierungen rechnen könnten.

Eine besondere Verantwortung schreibt Beeko Deutschland zu: Es könne im kommenden Jahr eine gewichtige Rolle spielen. Durch die Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat, den Sitz im UN-Menschenrechtsrat und die EU-Ratspräsidentschaft trage die Bundesregierung mehr Verantwortung und könne sich so „robuster“ für Menschenrechte einsetzen. Es müsse der Anspruch Deutschlands sein, auf „multilateraler Ebene für Menschenrechtsstandards“ zu kämpfen.

Aber auch innerhalb Europas bestehe Handlungsbedarf, sagte Beeko am Montag auf einer Pressekonferenz anlässlich des Tages der Menschenrechte. So fordert er, dass sich die Bundesregierung für eine staatliche Seenotrettung einsetzt. Weiterhin sei es notwendig, Mechanismen in der Wirtschaft zu etablieren um beispielsweise die Privatsphäre der Bürger vor Digital-Konzernen zu schützen, sagte Beeko.

2019 – Jahr der Proteste

Das aktuelle Jahr sei ein „bemerkenswertes“ gewesen: „2019 war ein Jahr der aktiven Verteidigung der Menschenrechte“, erklärte Beeko. Nicht nur in Hongkong, sondern weltweit seien Menschen auf die Straßen gegangen, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Menschenrechte seien also keinesfalls „wehrlos“. Auch in Deutschland hätten Fragen nach Umwelt- und Klimaschutz die Bürger animiert, für eine gute Zukunft einzustehen. Aber auch die Themen Antisemitismus und Rassismus habe die Deutschen bewegt.

Innenpolitisch müssten die Landesregierungen konsequenter gegen Diskriminierung vorgehen. Beeko forderte die Verantwortlichen auf, den Nationalen Aktionsplan gegen Rassismus „endlich" umzusetzen.

International gebe es weiterhin viele Angriffe auf die Idee der Menschenrechte, zu viele Regierungen würden diese durch exzessive Gewalt und Massenverhaftungen einschränken. Negativbeispiele seien beispielsweise der Iran, China, Indien aber auch die USA. Dort seien über 60.000 Kinder wegen ihres Migrationshintergrundes interniert.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 10 Dec 2019 08:52:00 +0100
<![CDATA[Indonesien will Kirchen zu Weihnachten besser schützen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/12/09/indonesien-will-kirchen-zu-weihnachten-besser-schuetzen/ Der Geheimdienstexperte Stanislaus Rijanta von der Universitas Indonesia hat vor der Gefahr islamistischer Anschläge besonders zu Weihnachten gewarnt. Ein Bombenanschlag auf das Polizeihauptquartier in Nord-Sumatra im November und ein Messerattentat auf den Sicherheitsminister Wiranto im Oktober seien ein Beleg für erhöhte Terroraktivitäten. „Weihnachts-und Neujahrsfeiern sind bevorzugte Ziele“, sagte Rijanta laut der Katholischen Nachrichtenagentur KNA. Die Anschläge im Herbst werden der Organisation Dschama’a Anscharut Daulah zur Last gelegt. Sie soll Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat haben.

Für den Schutz der Kirchen an Weihnachten sollen Polizei-, Militär- und Behördenmitarbeiter zum Einsatz kommen. Aber auch Jungmitglieder der muslimischen Massenorganisation Nahdat al-Ulama sollen dabei helfen, Kirchen zu schützen. Die Organisation hat etwa vierzig Millionen Mitglieder, davon etwa sieben Millionen Jungmitglieder, und definiert sich als religiöse, erzieherische und soziale Organisation. Einer Mitteilung der KNA zufolge teilte der Vorsitzende der Jugendabteilung dieser Organisation, Jakut Cholil Koumas, mit: „Die Anhänger anderer Religionen zu schützen, einschließlich der Christen, ist gleichbedeutend mit dem Schutz Indonesiens.“ Auch Touristenattraktionen sollen bewacht werden. Dies seien die Ziele, auf die sie sich fokussieren müssten, betonte der Leiter des Nationalen Polizei-Verkehrskorps, Istiono. „Wir wollen sichergehen, dass alles friedlich abläuft“, sagte er.

Verstärkte Maßnahmen gegen Terror

Kirchen, die bereits in den vergangenen Jahren Ziele von Anschlägen waren, sollen besonders geschützt werden. Zu diesen zählt zum Beispiel die Marienkirche in der Stadt Surabaya, der zweitgrößten Stadt Indonesiens. Seit 2016 haben Islamisten und islamistische Terrorgruppen ihre Aktivitäten gegen die christliche Minderheit, moderate Muslime und die islamische Minderheit der Schiiten und Ahmadi erhöht. Doch auch die indonesischen Sicherheitskräfte erhöhten den Druck gegen Terroristen. Seit Beginn des Jahres wurden laut KNA bereits mehr als 100 mutmaßliche Terroristen festgenommen.

Im Jahr 2016 hatte Indonesien infolge eines Selbstmordattentates auf Christen ein Antiterrorgesetz verabschiedet. Es sollte weitere Anschläge auf die Christen und Kirchen im Land verhindern. Seitdem versuchen die Sicherheitsorgane des Landes verstärkt den Terror zu unterbinden. Das Programm soll auch eine tolerante Kultur gegenüber anderen Religionen fördern. Dennoch kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Anschlägen. Menschenrechtler kritisierten das Gesetz, da es die Befugnisse des Militärs und der Polizei erhöht.

Christen sind in Indonesien eine Minderheit. Etwa zehn Prozent der rund 264 Millionen Einwohner des Landes sind Christen. Indonesien ist das Land mit der weltweit größten Anzahl an Muslimen.

Von: Stephan Mannl

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Mon, 09 Dec 2019 17:39:00 +0100
<![CDATA[Pfarrer von Syke muss hoch hinaus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/12/09/pfarrer-von-syke-muss-hoch-hinaus/ Neun Minuten dauerte es, bis der Syker Pfarrer Christian Kopp den Turm „seiner“ Christuskirche erklommen hatte. Am zweiten Adventssonntag löste er den Einsatz für eine verlorene Wette ein. Für den guten Zweck kletterte er den 40 Meter hohen Turm der Kirche nach oben. 500 Zuschauer jubelten dem Pfarrer laut Medienberichten begeistert zu und zollten ihm Respekt.

Kopp hatte im März - nicht ohne Kalkül - gewettet, dass der Förderverein für Gospel- und Kirchenmusik es nicht schaffen werde, innerhalb eines Jahres 120 Personen dazu zu motivieren, jeweils 120 Euro zu spenden. Bereits Ende Oktober hatte der Verein das erreicht und die Spendensumme sogar um mehr als 4.000 Euro übertroffen. Damit finanziert die Gemeinde ihre Chöre und Musikensembles.

„Ich bin eigentlich eher unsportlich“

Mit etlichen Pausen schafft der Theologe den steilen Weg bis in den Glockenstuhl. Gesichert haben ihn Industriekletterer. „Ich bin eigentlich eher unsportlich“, räumte der Theologe gegenüber der Kreiszeitung Syke ein. Er sei zuvor noch nie geklettert und habe für den Termin auch nicht trainiert. Um 13.53 Uhr hatte er es geschafft. Er setzte sich auf den Sims, winkte und rief: „Halleluja!“

Der Gospelchor stimmte bei der Aktion unter anderem „Ain’t No Mountain High Enough“ an. Als Kopp die Treppe vom Kirchturm herab stieg, intonierte ein Bläser-Duo „Probiers mal mit Gemütlichkeit“.

Sowohl vor als auch nach der Aktion war Kopp bei den Medien ein gefragter Mann. „Zwischendurch hab ich ein paarmal gedacht, ich schaff es nicht. Aber der Applaus von unten und der Zuspruch von Steady Climbing haben mir geholfen“, zitiert ihn die Kreiszeitung Syke. Die erfolgreiche Aktion spornt seinen Wettgegner Ulrich Ellinghausen an, es Kopp gleich zu tun und ebenfalls den Turm zu besteigen.

Zu den Augenzeugen gehörte auch die Ehefrau des Theologen Katja Hedel und die einjährige Tochter Ida. Zahlreiche Kamerateams begleiteten das Kletter-Spektakel am Rande der weihnachtlichen Kulturtage in Syke.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 09 Dec 2019 17:09:00 +0100
<![CDATA[Merkel: „Ich verneige mich vor den Opfern“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/12/09/merkel-ich-verneige-mich-vor-den-opfern/ Jürgen Sterzenbach hat die Delegation begleitet und schildert seine Eindrücke.]]> Die Sonne scheint hell, aber sie wärmt nicht, als Angela Merkel am vergangenen Freitag zum ersten Mal Auschwitz besucht, den dunkelsten Ort der Menschheitsgeschichte. Die Bundeskanzlerin würdigt die einzigartige Bedeutung der Gedenkstätte in einer einfühlsamen Rede, in der sie an die Opfer der Scho'ah erinnert und anmahnt, keinen Antisemitismus zu dulden.

Der Besuch Merkels in Auschwitz hat große Aufmerksamkeit hervorgerufen. Vor ihr waren als Bundeskanzler Helmut Schmidt (1977) und zweimal Helmut Kohl (1989 und 1995) hierher gereist. Nun war fast ein Vierteljahrhundert lang kein Regierungschef aus Deutschland mehr an diesem ehemaligen Konzentrations- und Massenvernichtungslager, das zu einem Synonym für den Holocaust geworden ist.

Gestiftetes Gedenken

Offizieller Anlass für die Reise der Bundeskanzlerin war das zehnjährige Bestehen der Stiftung Auschwitz-Birkenau. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gebäude, Baracken, Ruinen und Zäune vor dem Verfall zu schützen. Auch will sie die vielen Dokumente und Habseligkeiten aus dem Besitz der Häftlinge restaurieren und konservieren, die auf dem riesigen Areal gefunden wurden und gefunden werden. Bei den Restaurierungsarbeiten kommen immer wieder neue Gegenstände zutage.

Die Stiftung war 2009 auf Initiative des inzwischen verstorbenen polnischen Außenministers Władysław Bartoszewski gegründet worden, der selbst politischer Häftling in Auschwitz war. Sie wird von zahlreichen Ländern unterstützt, die in einen Stiftungsfonds einzahlen, aus dem die notwendigen Arbeiten für den Erhalt der Gedenkstätte finanziert wird. Deutschland hat bei der Gründung 60 Millionen Euro dazu beigetragen und stellt nun nochmals den gleichen Beitrag zur Verfügung.

Wie sinnvoll und wertvoll die Arbeit der Stiftung ist, machen der gute Zustand des rund 80 Jahre alten Areals und die hohen, kontinuierlich steigenden Besucherzahlen deutlich. Mehr als zwei Millionen Menschen aus aller Welt besuchen jährlich die Gedenkstätte. Am Ende dieses Jahres werden es knapp 2,3 Millionen Besucher sein, im Durchschnitt täglich rund 6.300, davon viele junge Menschen.

Zeugnisse des Grauens

Auch an diesem bitterkalten Dezembertag bilden sich Schlangen vor dem Eingang zu Auschwitz I, dem ältesten Teil und sogenannten Stammlager. Gruppe um Gruppe zieht durch das Gelände. Führungen in allen Sprachen finden statt, es herrscht ein lebhaftes Treiben. Dann, am späteren Vormittag, wird es stiller, der Einlass wegen des Staatsgastes vorübergehend geschlossen. Schließlich befinden sich nur noch Sicherheitsmitarbeiter, Journalisten, Fotografen und Kameraleute auf dem Gelände. Mehr als 100 Journalisten aus aller Welt haben sich akkreditiert, um über den Besuch zu berichten. Sie warten hinter dem Tor mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“, wo die ersten offiziellen Fotos und Filmaufnahmen von den Besuchern gemacht werden.

An der Seite Merkels gehen der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki und der Direktor der Gedenkstätte und Stiftungspräsident Piotr Cywiński durch das Tor. Ihnen folgen der Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein sowie Repräsentanten jüdischer Organisationen.

Am Eingang passieren sie eine Schautafel, die an das Lagerorchester erinnert, das laut Aussagen von Überlebenden wunderschön gespielt hat, wenn die zur Zwangsarbeit bestimmten Häftlinge morgens und abends durch das Tor gingen. Jetzt hört man das mechanische Surren und Klicken Dutzender Kameras, die den Moment festhalten.

Die Bundeskanzlerin besichtigt mehrere Blöcke des Stammlagers, in denen die Dauerausstellung untergebracht ist. Die original erhaltenen Einrichtungen sowie die zahlreichen Dokumente und Gegenstände belegen, was hier in den Jahren 1940 bis 1945 geschehen ist. Hinter Glas aufgetürmte Berge von Brillen, Koffern, Kleidung, Schuhen, Blechgeschirr, Rasierpinseln, Haarbürsten und zwei Tonnen Haare, die ermordeten Frauen abgeschnitten wurden, um sie industriell weiterzuverwerten – allesamt Zeugnisse des unbeschreiblichen Grauens, das hier stattgefunden hat.

Am Ende des Rundgangs durch Auschwitz I findet eine Zeremonie zu Ehren der Opfer statt. Merkel und Morawiecki legen an der berüchtigten Schwarzen Wand in einem Innenhof des Todesblocks, an der Tausende KZ-Häftlinge erschossen wurden, sichtlich bewegt Kränze nieder und verneigen sich vor den Toten.

Appell wider das Vergessen

Anschließend fährt der Konvoi mit den Besuchern in den drei Kilometer entfernten Lagerkomplex Auschwitz II-Birkenau. Hier haben die Massenvernichtungen stattgefunden, hier wurden die Juden aus den Viehwaggons, in denen sie zusammengepfercht oft Tausende von Kilometern zurückgelegt hatten, selektiert und die meisten von ihnen direkt in die Gaskammern geschleust. Das riesige Gelände veranschaulicht die ungeheuren Dimensionen des nationalsozialistischen Verbrechens. Insgesamt wurden damals 1,3 Millionen Menschen aus ganz Europa nach Auschwitz deportiert, nur 200.000 haben überlebt. Einige wenige von ihnen sind heute noch am Leben und können als Zeitzeugen von den Nazi-Gräueln berichten.

Einer dieser Zeitzeugen ist der 87-jährige Bogdan Bartnikowski, mit dem Angela Merkel an diesem Tag in der sogenannten Sauna zusammentrifft, wo eine Gedenkfeier anlässlich des Stiftungsjubiläums stattfindet. Bartnikowski war zwölf Jahre alt, als er mit seiner Mutter im August 1944 von Warschau nach Auschwitz gebracht wurde. Er war nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstands gegen die Deutschen festgenommen worden, weil er als Laufbursche für die Widerstandskämpfer tätig war. In der „Sauna“ wurden damals die angekommenen Häftlinge desinfiziert und registriert.

Bartnikowski bekam die Nummer 1192731 auf den Arm tätowiert. Er berichtet, wie er sich geschämt hat, als er sich vor allen Leuten ausziehen musste, wie er sich im Lager danach sehnte, seine Mutter wiederzusehen, die von ihm getrennt in einer weit entfernten Baracke untergebracht worden war, und wie ihm die SS-Aufseher sagten, der einzige Weg aus dem Lager in die Freiheit führe durch den Schornstein.

Seine Schilderungen und seine Anwesenheit bei dieser Feierstunde machen eindringlich bewusst, wie wichtig das Erinnern ist und welche besondere Bedeutung die Gedenkstätte Auschwitz hat. Dies betont der polnische Regierungschef in seiner Ansprache, denn „wenn die Erinnerung geht, ist es, als hätten wir zum zweiten Mal die Menschen verletzt, die hier die Hölle erlebt haben“, sagt Morawiecki.

Merkel: Kein Schlussstrich, keine Relativierung

Als dann Merkel spricht, gehen ihre ersten Worte in den Geräuschen der Fotokameras fast unter. „Heute hier zu stehen und als deutsche Bundeskanzlerin zu Ihnen zu sprechen, fällt mir alles andere als leicht“, beginnt die Bundeskanzlerin ihre Rede, in der sie die richtigen Worte und den richtigen Ton findet, um über etwas zu sprechen, worüber man kaum sprechen kann.

„Ich empfinde tiefe Scham angesichts der barbarischen Verbrechen, die hier von Deutschen verübt wurden – Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschreiten. Vor Entsetzen über das, was Frauen, Männern und Kindern an diesem Ort angetan wurde, muss man eigentlich verstummen“, sagt sie, und dann: „Schweigen darf nicht unsere einzige Antwort sein. Dieser Ort verpflichtet uns, die Erinnerung wachzuhalten. Wir müssen uns an die Verbrechen erinnern, die hier begangen wurden, und sie klar benennen.“ Genau dies hat sie getan, auch indem sie klar benennt, dass Auschwitz 1939 als Teil des Deutschen Reichs annektiert worden war: „Auschwitz war ein deutsches, von Deutschen betriebenes Vernichtungslager. Es ist mir wichtig, diese Tatsache zu betonen. Das sind wir Deutschen den Opfern schuldig und uns selbst.“

Merkel bekennt sich klar zur Verantwortung Deutschlands, den Opfern ein würdiges Andenken zu bewahren. Und sie richtet den Blick auf heute, spricht von dem „blühenden jüdischen Leben in Deutschland“ und den „vielfältigen und freundschaftlichen Beziehungen“ zu Israel, die sie „alles andere als eine Selbstverständlichkeit“, sondern als „ein großes Geschenk“ sieht, das „gar einem Wunder gleicht“. Die Bundeskanzlerin sieht dies jedoch aktuell bedroht durch „besorgniserregenden Rassismus, eine zunehmende Intoleranz, eine Welle von Hassdelikten“. Sie sorgt sich um „einen gefährlichen Geschichtsrevisionismus“ und „den Antisemitismus, der jüdisches Leben in Deutschland, in Europa und darüber hinaus bedroht“.

Dann zitiert sie den italienischen Autor Primo Levi, der Auschwitz überlebt hat: „Es ist geschehen. Folglich kann es wieder geschehen.“ Und appelliert: „Daher dürfen wir unsere Augen und Ohren nicht verschließen, wenn Menschen angepöbelt, erniedrigt oder ausgegrenzt werden ... Wir alle tragen Verantwortung. Und zu dieser Verantwortung gehört auch das Gedenken. Wir dürfen niemals vergessen. Einen Schlussstrich kann es nicht geben – und auch keine Relativierung.“

Nach der Feierstunde besucht die Delegation weitere Stätten des Birkenau-Geländes. Am Mahnmal bei den Ruinen der Krematorien gedenken Merkel und Morawiecki gemeinsam mit Bartnikowski und zwei weiteren Zeitzeuginnen der Opfer der Massenvernichtung. Anschließend gehen sie durch die eisige Kälte bis zur Rampe, an der ein einziger Waggon an die Züge erinnert, in denen die Menschen nach Auschwitz transportiert wurden, zu dem einzigen Zweck, sie zu vernichten. „Ich verneige mich vor den Opfern der Scho'ah, ich verneige mich vor ihren Familien“, schloss Angela Merkel ihre Rede.

Der Besuch war ein würdiges Ereignis. Und die Botschaft, die er an uns alle aussenden sollte ist die, Auschwitz zu besuchen, die Erinnerung wach zu halten und für die heute lebenden Jüdinnen und Juden einzutreten, überall auf der Welt.

Jürgen Sterzenbach ist Mitglied im Vorstand der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Düsseldorf.

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Mon, 09 Dec 2019 15:51:00 +0100
<![CDATA[Kubicki: „Jeder junge Mensch sollte die Bibel kennen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/12/09/kubicki-jeder-junge-mensch-sollte-die-bibel-kennen/ Die Fragen stellte Anna Lutz]]> pro: Herr Kubicki, Ihr liebster Bibelvers ist Johannes 1, Vers 1: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“

Wolfgang Kubicki: Ich war ja mal als Bibellehrer beim Christlichen Verein Junger Männer (CVJM, heute: Junger Menschen; Anm. d. Red.). Mir war die Übersetzung der Bruns-Bibel wichtig. Da steht: „Am Anfang war die Liebe und die Liebe war bei Gott und die Liebe war Gott.“ Das hat mich beeindruckt. Das ganze Johannesevangelium ist geprägt von diesem Gedanken.

Johannes verweist damit auf Jesus Christus. So gesehen ist das ein ziemlich frommer Lieblingsbibelvers für einen, der wie Sie von sich selbst sagt, er sei „nicht besonders fromm“.

Was bedeutet denn fromm? Ich habe auf jeden Fall ein Problem mit dem Frömmeln. Ich sage immer wieder: Gott muss ein lustiges Kerlchen sein, weil er den Menschen so geschaffen hat, wie er ist. Manchmal amüsiert er sich wahrscheinlich über uns. Er gibt uns dennoch jede Freiheit, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich lese die Bibelstelle so: Das, was man aus Liebe tut, ist immer gerecht. Wenn das fromm ist, kann ich damit sehr gut leben.

Wie viel Liberalismus steckt im Christentum?

Sehr viel. Gott gibt uns absolute Handlungs- und Entscheidungsfreiheit. Das gesamte Neue Testament ist von der Idee durchzogen, dass der Mensch seine Entscheidungen trifft und für sie auch einstehen muss. Er ist verantwortlich für das, was er denkt, und kann das nicht abschieben auf Gottes Willen oder die Vorsehung. Unsere Gesellschaft entwickelt sich gerade gegenläufig. Die Menschen suchen Orientierung – und zwar nicht bei sich selbst, sondern bei anderen. Viele fühlen sich aufgehoben bei rechts- oder linkspopulistischen Bewegungen, die ihnen Verantwortung abnehmen. Für beide Richtungen gilt: Wer sich im Besitz letzter Wahrheiten glaubt, wird unduldsam und intolerant. Das ist das Gegenteil dessen, was das Christentum einfordert.

Zum christlichen Menschenbild gehört auch die Idee, dass der Mensch auf Hilfe angewiesen ist und sein Leben eben nicht alleine in den Griff bekommt. Am Anfang der Geschichte des Menschen steht die Sünde.

Ich glaube, dass das Menschenbild des Christentums ein völlig anderes ist. Der Mensch ist Gottes Ebenbild. Wäre er an sich schlecht, dann wäre Gott es auch. Wir selbst bestimmen darüber, wie nah oder fern wir Gott sind, ob wir uns an seine Regeln halten, oder nicht.

Sollte jeder junge Mensch die Bibel kennen?

Ja. Die Bibel ist Teil des Wertefundaments, auf dem unser Rechtssystem aufgebaut ist. Sie bestimmt also auch heute noch unser Leben in vielfältiger Weise. Auch der Grundsatz, dass wir Verantwortung für unsere Mitmenschen übernehmen, durchzieht das Neue Testament und ist für uns heute ein wichtiger Grundsatz. Dass wir uns ebenfalls nicht über andere erheben sollen: Jesus hatte keine Scheu, etwa mit Prostituierten gesehen zu werden. Wir müssen einander in Demut begegnen. Das alles sind tragende Grundsätze unseres Gemeinwesens.

Hat das Studium der Bibel Ihr politisches Handeln geprägt?

In gewisser Weise war Jesus Anarchist und insofern revolutionär, würde ich sagen. Er hat mit den Regeln seiner Zeit gebrochen, hat versucht, zu dokumentieren, wie die Menschen ihr Leben besser und in Nähe zu Gott gestalten können. Das hat für mich Vorbildcharakter. Ich bin über diesen Umweg zum Liberalismus abgebogen, weil ich glaube, dass ich selbst verantwortlich für mein Leben bin und niemand anderes. Ich höre die Leute immer beten, dass Gott ihnen hilft. Ich glaube, sie müssen zunächst sich selbst helfen. Wenn das nicht mehr funktioniert, sollen sie wiederkommen. Sie können nicht von Gott erwarten, dass er ihnen ihre Aufgaben abnimmt.

Sie haben mit dem CVJM gebrochen ...

Das war, als ich meine erste Frau kennenlernte, die katholisch war. Die Älteren im CVJM hießen das nicht gut. Und sie wollten mich davon abhalten, meiner Liebe zu folgen und nach Kiel zu gehen. Ich hingegen sagte mir: Alles, was ich aus Liebe tue, ist richtig – und folgte meiner Frau. Den CVJM habe ich hinter mir gelassen – offensichtlich hatte er zentrale Punkte der Bibel nicht verinnerlicht.

Das sollte nicht Ihre letzte kritische Auseinandersetzung mit der Kirche bleiben. Sie waren Kirchenvorstand einer evangelischen Gemeinde ...

Vier Jahre lang. Ich erinnere mich an Kirchenvorstandssitzungen, bei denen es nur darum ging, Grundstücke zu behalten, zu tauschen, das Vermögen zu mehren und so weiter. Ein Schlüsselerlebnis für mich war, als eine Vikarin weggemobbt worden ist, weil sie eine Obdachlosenhilfe etablieren wollte. Die Kirche sorgte sich um ihr Vermögen, nach der Devise: Wenn jetzt alle kommen und versorgt werden wollen, dann gibt es ein Problem. Das hat bei mir einen Knacks hinterlassen.

„Mit symbolhaften Akten wie dem Kauf eines Rettungsschiffes gibt sich die Kirche der Lächerlichkeit preis.“

Sie sind letztendlich aus der Kirche ausgetreten. In Ihrem Buch schreiben Sie: „Am Ende habe ich denen klipp und klar gesagt, dass ich nicht länger bereit sei, mit meinen Steuermitteln dazu beizutragen, dass sie andauernd Politik machen, statt den Glauben zu verbreiten.“ Darf die Kirche nicht politisch sein?

Sie soll sich politisch engagieren und einsetzen, aber dass die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland beschließt, Tempo 130 auf Autobahnen haben zu wollen, finde ich schon ziemlich heftig.

Sollte die Kirche ein Seenotrettungsschiff ins Mittelmeer schicken?

Die Kirche sollte sich dafür einsetzen, dass die Seenotrettung staatlicherseits im Mittelmeer organisiert wird. Aber sie sollte keine symbolhaften Akte vollziehen in Diskussionen, die sehr antagonistisch geführt werden. Sie macht sich damit zum Gegenstand politischer Erörterung, und ich weiß nicht, ob das der Kirche dauerhaft hilft. Dass sie sich für Menschenleben einsetzt, ist selbstverständlich. Aber Menschenrettung ist auch staatliche Aufgabe. Mit symbolhaften Akten wie dem Kauf eines Rettungsschiffes gibt sich die Kirche der Lächerlichkeit preis. Für mich ist das auch ein Feigenblatt: Bischöfe der Evangelischen Kirche fliegen erster Klasse nach Indien, um das Leid der Welt zu begutachten, katholische Bischöfe bauen sich goldene Badewannen, aber welche Vermögenswerte investieren die Amtskirchen denn, um wirklich zu helfen?

Sie sind auch gegen die Praxis des Kirchenasyls.

Es ist rechtswidrig, wenn ich erlaube, dass die Kirchen in einem demokratischen Rechtsstaat das Recht selbst in die Hand nehmen. Es gibt keinen Grund für ein Kirchenasyl, wir haben rechtsstaatliche Abläufe für Migration. Und ich sehe auch nicht, warum eine solche Praxis ausgerechnet den Kirchen zugestanden wird, anderen Organisationen aber nicht.

Braucht der Staat kein moralisches Korrektiv? Was ist, wenn er sich irrt? Etwa wenn er – wie von den Kirchen ja hinlänglich kritisiert – humanitäre Härten nicht anerkennt oder das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fragwürdige Ausweisungsentscheidungen trifft?

Das würde bedeuten, dass die Kirche die letzte Instanz der Moral ist. Was machen wir dann mit Organisationen, die das auch für sich in Anspruch nehmen? Es gibt hier in Berlin Menschen, die glauben, sie hätten das Recht im Zeichen der sozialen Verantwortung andere zu attackieren. Es ist eine Anmaßung, wenn die Kirche denkt, sie stünde über dem Gesetz. Wer entscheidet letztlich darüber, welche Moralvorstellungen die richtigen sind? Was ist mit anderen religiösen Gruppen? Wir haben bei uns viele Muslime, die eine völlig andere Vorstellung des menschlichen Zusammenlebens haben als etwa ich aufgrund meiner christlichen Erziehung. Wir würden nicht akzeptieren, dass ein Mann seiner Frau sagt, sie darf nicht auf die Straße gehen. Dabei argumentieren diese Menschen doch ebenfalls auf der Grundlage moralischer Kategorien.

Der Staat existiert aber nicht losgelöst von moralischen Überlegungen. Deshalb gibt es Instanzen wie den Deutschen Ethikrat. Ebenso bringen sich die Kirchen ein. Nehmen wir das Thema Sterbehilfe ...

Ja, der Staat muss diese Überlegungen wahrnehmen, um abwägen zu können. Insofern sollen und müssen sich die unterschiedlichen Gruppen einbringen. Dennoch darf die Kirche nicht den Anspruch erheben, dass alle ihr folgen müssen. Ich persönlich habe meine Haltung zur Sterbehilfe komplett geändert, nachdem ich meinen Bruder an einer neurologischen Erkrankung habe sterben sehen. Ich war zuvor strikt gegen Sterbehilfe, auch aus juristischen Gründen. Ich war überzeugt: Niemand ist berechtigt, das Leben zu verkürzen, außer mir selbst. Aber als ich damals vor seinem Bett stand, dachte ich: Wärst du ein Hund, ich würde dich erlösen. Deshalb denke ich heute: Es muss eine Möglichkeit dazu geben, wenn jemand seinen Willen entsprechend geäußert hat.

Die Kirche argumentiert: Jedes Leben ist lebenswert.

Ja, das stimmt. Aber wenn jemand für sich selbst feststellt, dass er es nicht mehr als solches empfindet, dann ist das zu respektieren. Zur Würde des Menschen gehört auch ein würdiges Sterben. Und darüber entscheidet jeder selbst. Bei der Frage der Abtreibung sehe ich es übrigens ähnlich. Das Bundesverfassungsgericht hat hier eine sehr differenzierte Abwägung getroffen. Niemand hat etwas davon, wenn eine werdende Mutter so verzweifelt ist, dass sie sich das Leben nimmt, und damit sich und das Kind tötet, weil sie keinen anderen Ausweg sieht. Aber es gilt auch: Je älter der Fötus wird, desto stärker weicht das Recht der Frau, darüber zu entscheiden, und desto stärker wird das Recht des Fötus auf eigenes Leben. Wenn die Katholische Kirche sagt, ich gehe jetzt ins Fegefeuer, weil ich dafür bin, dass Frauen abtreiben dürfen, dann nehme ich das gern auf mich.

Sie sagen heute von sich: „Gläubig bin ich immer noch ... die naive kindliche Vorstellung eines personalisierten Gottes teile ich natürlich nicht.“ Was ist naiv daran, an einen persönlichen Gott zu glauben?

Ist Gott weiblich oder männlich? Ist er alt oder jung? Behindert oder nicht behindert? Gott hat die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen. Das heißt aber nicht, dass Gott so aussieht wie ich oder Sie. Deshalb mache ich mir keine physische Vorstellung von Gott. Für mich ist er die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. Ich stelle mir Gott nicht vor, wie er in Kirchenfenstern dargestellt ist. Er hat keine Körperlichkeit.

Und Jesus?

Gott brauchte Jesus als Demonstration seiner Liebe zu den Menschen. Die Grundlage unseres christlichen Glaubens liegt darin, dass wir akzeptieren, dass Christus Gottes Sohn war. Ich glaube, dass es ihn gab und dass sich seine Geschichte so abgespielt hat. Ich glaube auch, dass Gott so dokumentiert hat, wie weit er bereit ist zu gehen, um die Beziehung zwischen ihm und den Menschen aufrecht zu erhalten. Die Idee aber, dass nach unserem Tode Gott, Jesus und der Heilige Geist nebeneinander sitzen und uns empfangen, halte ich für der Zeit geschuldet.

Herr Kubicki, vielen Dank für das Gespräch!

Wolfgang Kubicki, Jahrgang 1952, war von 1990 bis 1992 Mitglied des Deutschen Bundestages und anschließend bis 2017 Abgeordneter im Landtag Schleswig-Holstein, bevor er wieder in den Bundestag einzog. Er ist stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP, seit 2017 Bundestagsvizepräsident.

Dieses Interview ist zuerst in der Ausgabe 6/2019 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

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Mon, 09 Dec 2019 10:52:00 +0100
<![CDATA[Alte Luther-Texte in Pfefferkuchenmuseum wiederentdeckt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/12/06/alte-luther-texte-in-pfefferkuchenmuseum-wiederentdeckt/ Bei der Inspektion des Museums „Alte Pfefferküchlerei“ in Weißenberg bei Bautzen machte der neue Museumsdirektor Sebastian Walther im Sommer vergangenen Jahres einen bedeutenden Fund. Auf dem Dachboden entdeckte er zum Teil fast 500 Jahre alte reformatorische Schriften. Zu diesen zählt unter anderem eine Bibelauslegung Luthers. Die Fundstücke gehörten ursprünglich dem Bestand der Sächsischen Landesbibliothek an, und kehrten vergangenen Mittwoch dorthin zurück.

Seit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit vermisst die Sächsische Landesbibliothek etwa die Hälfte ihres damaligen Bestandes von rund einer Million Bücher. Circa 200.000 davon wurden verbrannt und etwa genauso viele sollen in die Sowjetunion gebracht worden sein. Vor Kriegsende hatte die Bibliothek einen Teil der Bücher teilweise unkontrolliert in umliegende Landschlösser, Forsthäuser und Banken ausgelagert, um sie zu sichern. Jedoch ging der Überblick über die ausgelagerten Bestände verloren. 268 Bücherkisten wurden in das Schloss Gröditz verlegt, das nahe des jetzigen Fundortes der reformatorischen Bücher liegt. Bei der Bergung des Landsitzes 1946 fehlten jedoch 38 der Kisten.

Sechs Jahre nach Luthers Tod gedruckt

Anders als gedacht, sind manche Exemplare gar nicht nach Russland gelangt, äußerte der Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) Achim Bonte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie seien wahrscheinlich Plünderern und Vagabunden zum Opfer gefallen und stünden nun unbemerkt im ganzen Land verstreut auf Dachböden und Bücherregalen. Womöglich sei das auch der Fall bei den Büchern gewesen, die Walther in der „Alten Pfefferküchlerei“ gefunden hatte. Zumindest standen die Fundstücke alle auf der digital einsehbaren Kriegsverlustliste der SLUB.

Vergangenen Mittwoch konnte die SLUB die Verlustmeldungen jedoch aus der Liste streichen. In der Bibliothek fand eine offizielle Übergabe und Ausstellung der Bücher statt. Bonte sagte dort bei einem Interview des MDR, er habe die „Auslegung der Episteln und Evangelien von Ostern bis auff das Advent“ von Martin Luther gelesen. Das passe genau zur Jahreszeit und er fühle sich dadurch reich beschenkt. Bei Walther ist die Emotionslage anders. Es mache ihn ein wenig traurig, diesen wunderbaren Fund aus der Hand zu geben. Aber es sei auch eine Frage des Anstands, die Bücher an den rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.

Insgesamt wurden neun Bücher wiedergefunden. Die Auslegung der Episteln und Evangelien von Luther trägt eine Inschrift im Einband. Diese weist darauf hin, dass das Buch 1552, nur sechs Jahre nach Luthers Tod, von Hans Lufft in Wittenberg gedruckt wurde. Es ist zwischen zwei Holzdeckeln in kunstvoll verziertes Leder eingebunden, ist sauber gedruckt und beinhaltet zum Teil handkolorierte Holzschnitte auf gut erhaltenem, handgeschöpftem Papier. Eines der Bücher enthält sogar eine eigenhändige Widmung von Johannes Bugenhagen, einem der wichtigsten Wegbegleiter Martin Luthers. Bei den Fundstücken handelt es sich um neun sogenannte Predigt- oder Erbauungsschriften aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert.

Die Werke sollen nun digitalisiert und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Von: Stephan Mannl

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Sun, 08 Dec 2019 12:46:00 +0100
<![CDATA[Evangelist Reinhard Bonnke gestorben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/12/08/evangelist-reinhard-bonnke-gestorben/ Der weltweit bekannte Evangelist Reinhard Bonnke ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Das teilte die Familie des Pfingstlerpredigers auf dessen offizieller Facebookseite mit: „Er ist am 7. Dezember 2019 friedlich entschlafen, umgeben von seiner Familie.“

Bonnke wurde vor allem durch seine intensive Evangelisationstätigkeit in Afrika bekannt. Der „Mähdrescher Gottes“, wie er sich selbst bezeichnete, gründete 1974 das Missionswerk „Christus für alle Nationen“. Nach Angaben der Organisation hatte Bonnke mehrere Visionen, „in denen er das Bild eines im Blut Jesu rein gewaschenen Afrikas vor sich sah“. Bonnkes offensiver Predigtstil und seine Haltung bezüglich Wunderheilungen und Dämonenaustreibung führten bisweilen zu Kontroversen.

Johannes Justus, Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), nannte Bonnke einen „Mann Gottes und Glaubensheld“. „Unermüdlich hat er sein Leben investiert und sich nicht geschont, damit Menschen Jesus Christus kennenlernen können. Für Tausende von Leitern weltweit wurde er zu einem Vorbild, das Werk Jesu Christi zur Passion des eigenen Lebens zu machen.“

Laut Christus für alle Nationen haben mehr als 78 Millionen Menschen die sogenannten „Entscheidungskarten“ ausgefüllt, mit denen sie ihre Entscheidung für Jesus Christus dokumentieren. 2007 übernahm der Prediger Daniel Colenda die Leitung des Evangelisationswerks. Colenda teilte anlässlich des Todes von Bonnke mit: „Diejenigen, die ihn außerhalb der Bühne kannten, können seine persönliche Integrität, seine echte Freundlichkeit und seine überfließende Liebe zum Herrn bezeugen. Sein Dienst wurde inspiriert und unterstützt durch sein reiches Gebetsleben, sein tiefes Verständnis des Wortes Gottes und seine nie aufhörende Vertrautheit mit dem Heiligen Geist.“

Am 18. Mai predigte Reinhard Bonnke in Hamburg auf der „Fire19“-Konferenz. „Ich möchte euch mit meiner Frau zusammen ‚Auf Wiedersehen‘ sagen. Wir sehen uns im Himmel wieder“, sagte er. „Ich werde da auf euren A380 warten. Überwunden durch das Blut!“

Reinhard Bonnke hinterlässt seine Frau Anni, drei erwachsene Kinder und acht Enkel.

Von: Nicolai Franz

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Sun, 08 Dec 2019 11:25:00 +0100
<![CDATA[Sender ist Österreichs Freikirchen auf der Spur]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/12/06/sender-ist-oesterreichs-freikirchen-auf-der-spur/ Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil]]> „Halleluja“ heißt die Reportage, für die ORF-Autorin Tiba Marchetti verschiedene Gläubige, Gemeinden und Gottesdienste von Freikirchen besucht hat. Dabei gelingt es ihr, die wichtigsten Themen darzustellen, mit denen Freikirchen in der österreichischen Gesellschaft anecken. Die Freikirchen sind dort seit sechs Jahren staatlich anerkannt.

Zunächst besucht die Journalistin eine Freikirche der Pfingstbewegung. Sie ist die größte der fünf anerkannten Freikirchen in Österreich. Marchetti ist bei einer Erwachsenentaufe mit dabei und fragt die Getauften, warum dieser Schritt für sie so wichtig war. Gemeinsam mit Pastor Gerhard Kisslinger geht es dann in das Christliche Zentrum Wien. Zwischen den Gottesdiensten der der afrikanischen und der philippinischen Gemeinde gewährt der Theologe einen Einblick in das Gotteshaus. Er erklärt dem Zuschauer, was es mit dem „Zehnten“ auf sich hat und warum Spenden für die Gemeinden so wichtig sind.

Bibel enthält viele gute Ratschläge

Danach geht es in einen evangelikalen Hauskreis. Marchetti kündigt den Zuschauern an, dass es sich dort um Gläubige „mit sehr konservativen Werten und einer rigiden Sexualmoral“ handelt. Mit Pastor Tom Gangl diskutierten sie das Thema Homosexualität. Für die Anwesenden ist das eine Sünde: „Aber wir sind auch Sünder“, sagt ein Gast. Auch das Rollenbild mit einem starken Mann und einer Frau, die in ihm einen starken Halt findet, ist an diesem Abend Thema.

Der Wiener Religionswissenschaftler Hans Hödl benennt sachlich, dass moralische Anweisungen aus der biblischen Zeit aus seiner Sicht nicht in die heutige säkulare Welt passen. Dazu gehörten das Verbot von vorehelichem Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung und die Ablehnung homosexueller Lebensformen. Pastor Gangl erzählt, warum er seiner Frau zu 100 Prozent vertrauen kann: „Es macht viel aus, sich nach einem Konflikt vergeben zu können und einen Neuanfang zu starten.“ Die Regeln der Bibel empfindet er nicht als Einschränkungen, sondern als gute Ratschläge.

Zu Wort kommt auch die Tochter von Pastor Kisslinger, die bald die Gemeinde ihres Vaters leiten soll. Im Film wird sie als „Aushängeschild der Bewegung“ bezeichnet. Sie hat sich schon als Jugendliche im Fernsehen dazu bekannt, mit dem Sex bis zur Ehe zu warten. Ihr und ihrem Mann Martin ist es wichtig, dass der Mensch die Krone der Schöpfung ist und dass „Gott schon immer da war“ - egal ob bei einem Urknall oder einer Schöpfung in sieben Tagen.

Besuch bei monatlichen Heilungsgebeten

Kritik äußert der Beitrag an einer Familie der „Church of God“. Ihre Tochter musste sterben, weil die Familie einen Arztbesuch ablehnte und stattdessen für Heilung betete. Auch Menschen, die in sogenannte Boot Camps fahren, um dort zu lernen Andere zu missionieren, werden kritisiert. Sehr sachlich berichtet Marchetti über die monatlichen Heilungsgebete in Wien. Dort müssen die Besucher einen Zettel unterschreiben, dass dies nicht den Arztbesuch ersetzt. Auch Menschen, die ergriffen vom Heiligen Geist, umfallen, kommen zu Wort - und die Doku ohne kritische Kommentare aus.

Die Redakteurin stellt fest, dass die Gemeinden vor allem junge Menschen anziehen. Die befragten Jugendlichen bezeichne ihre Gemeinde als „große Familie“, „keine Religion, sondern ein Lifestyle“, mit „einem Gott, der das Beste will“. Der Generalsekretär der österreichischen Baptisten Walter Klimt sieht seine Freikirche als Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Ausprägungen.

„Es besteht eine Sucht nach Wundern“

Die Dokumentation zeigt Menschen, die mit Gott Wunder erlebt haben und dafür auf die Straße gehen, um anderen davon zu erzählen und für ihre Heilung zu beten. Die Geheilten sind davon überzeugt, dass Jesus Wunder tut, wenn man ihn darum bittet. Die Frau eines geheilten Krebspatienten versteht es, wenn Ärzte auf solche Heilungen skeptisch reagieren. „Es hört sich wie ein Märchen an, ist aber wahr.“ Die Mitarbeiterin der Sektenstelle sieht das kritisch. Ein Wunder werde als Beweis dafür gewertet, dass der Glaube stimmt. Sie bezeichnet es als „Wunder-Sucht“.

Der Beitrag verdeutlicht, wie wichtig es den Gläubigen ist, jeden Tag für verfolgte Christen oder die Regierung zu beten. Den einen oder anderen spitzen Kommentar, etwa dass Kisslinger beim ersten Rendezvous mit ihrem Mann Bibel gelesen hat oder in der sehr wertenden Anmoderation von Peter Resetarits, der davon spricht, dass die eigene Redakteurin „Bekehrungs- und Heilungsversuchen konsequent widerstanden“ hat. Aber das ist auszuhalten. Gezeichnet wird ein Bild von Menschen, die ihren Glauben weitertragen möchten.

Natürlich bohrt die Dokumentation bei Fragen nach, die gesellschaftliche Reizthemen sind. Aber sie erlaubt den Gesprächspartnern auch zu erklären, wie für sie Glaube und Gemeinde ist. Die Gemeinden werden als Ort dargestellt, die Zugehörigkeit vermitteln. Von daher sind die 45 Minuten „Am Schauplatz“ eine gute Begegnung mit Menschen, die den Glauben auf unterschiedliche Weise erlebbar machen möchten.

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Fri, 06 Dec 2019 15:23:00 +0100
<![CDATA[Presserat: Halle-Video nicht veröffentlichen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/12/06/presserat-halle-video-nicht-veroeffentlichen/ Der Deutsche Presserat rügte in seiner jüngsten Sitzung die Redaktion von Bild.de für ihren Umgang mit dem Attentat von Halle. Die Journalisten hatten Ausschnitte aus dem Video veröffentlicht, das der Attentäter während seines Anschlags auf die Synagoge live ins Internet übertrug. Der Presserat teilte am Freitag mit, die Bild habe damit gegen den Pressekodex verstoßen, weil sie sich zum Werkzeug eines Verbrechers habe machen lassen.

In dem Video unter dem Titel „35 Minuten Vernichtungswahn“ habe ein Reporter die gezeigten Sequenzen zwar eingeordnet, die Redaktion habe aber die „Dramaturgie des Täters“ übernommen, indem sie seine Vorgehensweise chronologisch zeigte. „Bei beiden Szenen konnten die Zuschauer aus der Perspektive des Täters quasi live dabei sein. Diese Darstellung geht über das öffentliche Interesse hinaus und bedient überwiegend Sensationsinteressen“, urteilt der Presserat.

Nicht beanstanden wollte das Gremium die Veröffentlichung des Fotos und des Namens des Attentäters von Halle durch Bild.de. Es habe ein „berechtigtes öffentliches Interesse“ daran bestanden. Ein Beschwerdeführer hatte kritisiert, durch die Namensnennung sei dem Täter eine Bühne geboten worden.

Opferschutz missachtet

Bild und Bild.de erhielten zudem Rügen für Verstöße gegen den Opferschutz. Die Zeitung hatte das Foto einer bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Familie gedruckt. Bild.de zeigte zudem das Facebook-Foto einer Frau, die im nordrhein-westfälischen Voerde vor einen Zug gestoßen worden war, sowie ein Bild des Täters. Ersteres verstoße gegen den Opferschutz, das zweite sei vom öffentlichen Interesse gedeckt, urteilte der Presserat. Obwohl der Ehemann des Opfers auf Facebook offen mit dem Verlust seiner Frau umgegangen war, hätte es laut Medienwächtern einer aktiven Einwilligung zur Nutzung der Bilder bedurft.

Insgesamt sprach der Presserat in seiner diesmaligen Sitzung vier öffentliche Rügen, acht Missbilligungen und zehn Hinweise aus. Der Presserat bewertete drei Beschwerden als begründet, verzichtete jedoch auf eine Maßnahme. 48 Beschwerden sah er als unbegründet. Das Gremium tagt mehrmals im Jahr.

Von: Anna Lutz

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Fri, 06 Dec 2019 13:43:00 +0100
<![CDATA[„Sorgt euch um nichts“ ist beliebtester Bibelvers 2019]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/12/06/sorgt-euch-um-nichts-ist-beliebtester-bibelvers-2019/ „Sorgt euch um nichts, sondern lasst in allen Lagen eure Bitten durch Gebet und Fürbitte mit Danksagung vor Gott laut werden.“ (Philipper 4,6; Zürcher Bibelübersetzung). Dieser Bibelvers wurde 2019 von den Nutzern der Bibel-App „YouVersion“ weltweit am häufigsten gelesen, geteilt oder markiert.

Die Leser-Gemeinschaft der App hat 2019 mehr in der digitalen Bibel gelesen als je zuvor. Das hat der Betreiber und Mitbegründer der App, die US-amerikanischen Kirche „Life.Church“, am Mittwoch in Oklahoma City mitgeteilt. Den Angaben zufolge hätten die Nutzer der App im Jahr 2019 rund 30 Prozent mehr gelesen und gehört als 2018. Demnach sind 2019 rund 5,6 Milliarden Kapitel in der App angehört und 35,6 Milliarden Kapitel gelesen worden. Der Bibelvers, mit dem man sich das ganze Jahr über am meisten beschäftigt hat, steht demzufolge in Philipper 4,6.

„Unser Wunsch ist es, Menschen zu helfen, in ihrer Beziehung zu Gott zu wachsen, indem wir sie ermutigen, jeden Tag die Bibel zu lesen und Ihn zu suchen", erklärte der Gründer von „YouVersion“, Bobby Gruenewald, in der Pressemitteilung. „Wir werden dadurch ermutigt, so viele Menschen zu sehen, die sich als Antwort auf ihre Sorgen an die Bibel wenden, sich daran erinnern, was Gott in ihrem Leben getan hat, und sich entscheiden, auf seine Treue zu vertrauen."

Ziel: Ganze Menschheit soll Zugang zur Bibel haben

Die Bibel-App sei 2019 weltweit etwa 50 Millionen Mal neu installiert worden. Insgesamt spricht „YouVersion“ von rund 400 Millionen Installationen der App weltweit. Die Mehrheit der Neuinstallationen kam nach Betreiberangaben von außerhalb der USA.

Derzeit bietet die App eigenen Angaben zufolge mehr als 2.000 Bibelversionen in mehr als 1.350 Sprachen in digitaler Form an. Dennoch haben nach Schätzungen von „YouVersion“ mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt noch keinen Zugang zu einer vollständigen Bibel in ihrer Muttersprache. Deshalb arbeite der Betreiber mit Partner daran, mehr Menschen die Bibel in ihrer Muttersprache zugänglich zu machen. Bis 2033 sollen 95 Prozent der Weltbevölkerung eine vollständige Bibel in ihrer Muttersprache haben, 99,9 Prozent ein Neues Testament haben und 100 Prozent mindestens einen Teil der Schrift.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Leser vor allem für einen Vers aus dem Propheten Jesaja interessiert: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir! Hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ja, ich stehe bei dir! Ja, ich halte dich mit der rechten Hand meiner Gerechtigkeit!“ (Jesaja 41,10; Zürcher Bibelübersetzung).

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 06 Dec 2019 12:27:00 +0100
<![CDATA[Der Traum von der dynamischen Gemeinde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2019/12/06/der-traum-von-der-dynamischen-gemeinde/ Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil]]> Mit Spannung packen wir am Samstagabend das Brettspiel „Dynamis“ aus. Dessen Ziel ist es, durch verschiedene gute Ideen ein blühendes Gemeindeleben zu fördern und die Stärken der Gemeinde auszubauen. Wem das am besten gelingt, der hat am Ende die Nase vorne. In unserer Runde sitzen drei Viel- und eine Gelegenheitsspielerin. Jeder von uns entscheidet sich für eine von vier Gemeinden, mit der er erfolgreich sein muss. Neben der evangelischen Landeskirche, der Jugendkirche und der Freikirche wird auch die Katholische Kirche „bespielt“.

Es können auch mehrere Spieler gemeinsam spielen. Sie lenken, je nach Schwierigkeitsgrad, in den kommenden ein bis drei Stunden eine dieser Gemeinden. Zu Beginn des Spiels haben alle Mitspieler einen identischen Grundstock an Besuchern, Mitarbeitern und Qualitäten. Bei den acht Qualitätsmerkmalen, wie Leitung oder Struktur, haben sie unterschiedliche Stärken und Schwächen, aber im Schnitt sind sie bei allen vier Teams gleich.

Qualität der Gemeinde ausgewogen entwickeln

Ziel des Spiels ist es, entweder die Zahl der Gottesdienstbesucher von 75 auf 150 zu verdoppeln oder die acht Qualitäten zu steigern. Zudem gibt es noch einen „dritten Weg“, um zu gewinnen. Aber dafür müssen die Spieler erst einmal in das Spiel eintauchen, um ihn zu entdecken.

Auf diesem Spielplan gilt es möglichst viele grüne und gelbe Felder mit Personen zu besetzen, um für ein blühendes Gemeindeleben zu sorgen. Sinnvoll ist auch, die lila Steine, die die Qualitäten der Gemeinde darstellen, am Fuß des Spielplans gleichmäßig weiterzuentwickeln

Das Spiel ist mit Liebe zum Detail gestaltet. Dies betrifft vor allem die Personenchips, die schon bald die Plätze im Gottesdienst bevölkern, aber auch die einzelnen „Kirchen“, die jeder Spieler vor sich liegen hat. Sehr charmant ist, dass wir bei einer Einsteiger-Version die wichtigsten Mechanismen des Spiels kennenlernen können.

Vor jedem Spieler liegt sein persönliches Spielfeld. Der Gottesdienstsaal der Katholischen Kirche ist anders gestaltet als die Freikirche. Jedes Tableau hat noch ein Feld „Platz für Traditionen“. Im Gottesdienstraum können Gäste, Kleingruppen, Mitarbeiter, Mitarbeiterteams, ehrenamtliche Leitungsmitglieder und der Pastor Platz finden.

Traditionen weise einsetzen

Anfangs sind es 75 Menschen: Dieses Repertoire gilt es im Laufe des Spiels zu pflegen und zu fördern. Dynamik in das Spiel bringen die Aktionskarten. Sie enthalten mögliche Ideen, die Spieler in der eigenen Gemeinde umsetzen können: der Aufbau von Kleingruppen oder ein missionarisches Projekt in der Stadt.

Die 250 Aktionskarten werden auf vier Stapel verteilt. Dann beginnen die drei Phasen Besinnung, Einsatz und Tradition. Jeder Spieler zieht fünf (im Basisspiel eine) dieser Karten. Auf der Rückseite ist erkennbar, auf welche Qualität sich die Idee bezieht. Je höher die Qualität der Gemeinde in diesem Bereich ist, desto realistischer sind die Ideen umsetzbar. Natürlich ist der Würfel hier ein Glücksfaktor. Es ist sinnvoll, seine eigenen Stärken auszuspielen, aber auch die Schwächen dürfen die Spieler nicht vernachlässigen.

Wer eine Aktion ausspielt und sie umsetzen möchte, muss die Voraussetzung dafür erfüllen. Der Würfel entscheidet darüber. Je höher also der Grundwert der Qualität ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Probe gelingt. Davon profitiert die Gemeinde. So gewinnt sie etwa durch eine gelungene Aktion neue Mitarbeiter hinzu. Der Spieler kann dann entscheiden, ob er eine gelungene Aktion in seiner Gemeinde zur Tradition machen will. Hier ist Vorsicht geboten. Traditionen wird man so schnell nicht los und sie können die eigene Entwicklung hemmen.

Aus taktischen Erwägungen Sabbat machen

Jeder Spieler darf so viele Traditionen besitzen, wie er ehrenamtliche Leiter hat. Eingeführte Traditionen abzuschaffen ist nur schwer möglich. Wenn jeder Spieler maximal drei Aktionskarten gespielt hat, endet die Runde. Einige Aktionskarten sind verpflichtend. Die Spieler dürfen aber auch schon vorher „Sabbat“ machen. Wer als erstes diese Pause einlegt, darf – im Gegensatz zu allen anderen – übrige Aktionskarten, die er auf der Hand hält, abgeben.

Sind alle Ereigniskarten und Traditionen gespielt, wechselt der Startspieler und es geht von vorne los. Die Traditionen machen das Spiel dynamischer. Wer sich weiterentwickeln möchte, aber dafür in den eigenen Räumen keinen Platz findet, muss oder viel besser will die Gemeinde wechseln. Das darf natürlich nicht zu häufig passieren, sonst ist der Gottesdienstraum bald leerer. Dass der Spieler der abwandernden Gemeinde selbst entscheiden kann, wohin er seine Gottesdienstbesucher ziehen lässt, ist unrealistisch, hält das Spiel aber länger spannend. Er wird dazu gezwungen, sie abwandern zu lassen, weil sie ihre Ideen in der ursprünglichen Gemeinde nicht umsetzen konnten. Am Ende jeder Spielrunde kann jedes Mitarbeiterteam eine Qualität der eigenen Gemeinde erhöhen.

Autor Johannes Fähndrich hat sogar noch weitere Optionen geschaffen, um das Spiel zu erweitern. Es gibt Regeln, um den Glücksfaktor zu steigern, aber auch für noch mehr Strategie. Diese Bandbreite macht das Spiel stark. Die Pastoren-Karten erhöhen die Möglichkeiten und verbessern die Gemeindeentwicklung gezielt. Darüber hinaus gibt es noch die Chance, das Spiel um „externe Berater“ zu erweitern.

Spielziel kooperativ lösen ist auch möglich

Um das Spiel kooperativer zu machen, können auch Aktionskarten unter den Mitspielern getauscht werden. Und wer die ganz kuschelige Variante haben möchte, sollte den „Kooperationsmodus“ spielen. Hier geht es darum, das Spielziel mit allen gemeinsam zu erreichen. Je mehr Leute in einem Team spielen, desto kommunikativer wird das Spiel. Wer alleine seine Strategie entwickeln möchte, sollte mehrköpfige Teams vermeiden.

Die Aktionskarten sind realistisch und vielfältig. Wer nicht „nur“ spielen möchte, kann sich auch über die dort genannten Aspekte unterhalten. Am Anfang fehlte etwas der Überblick über Stärken und Schwächen der 250 Aktionskarten. Von daher war es schwer, eine Taktik zu entwickeln. Keiner wusste, wie mächtig seine Traditionen sein können. Dies wurde hinterher noch ausführlich analysiert.

Die Aktionskarten bringen Dynamik ins Spiel: Mit ihnen kann man Ideen für die eigene Gemeinde umsetzen, aber auch böse Überraschungen erleben

Der Spielmechanismus an sich ist leicht verständlich. Das erste Spiel hat gezeigt, wie viele Variationen möglich sind. Die Anleitung ist überschaubar und verständlich. Ein paar kleine Regellücken müssten noch geschlossen werden. Das „Prinzip Gnade“, das der Autor bei Regellücken vorschlägt, ist für Vielspieler wohl eher eine Anfechtung. Auch hier möchte Fähndrich dynamisch sein.

Natürlich sind die 50 Euro, die das Spiel bei Erscheinen im Laufe des Jahres kosten soll, eine Hausnummer. Aber Vielspieler mit Bezug zum Thema bezahlen auch diese Summen. Und für die Gemeinden und Pastoren könnte das eine sinnvolle Investition zur Mitarbeiterbildung oder zum Gemeindeaufbau sein.

Es ist facettenreich und eignet sich für „Einfach nur so“-Spieler, ist aber auch gut einsetzbar bei Gemeindeabenden oder in Konfirmandengruppen. Die Aktionskarten sind mitten aus dem ganz normalen Alltag einer Gemeinde. „Hier ist vieles eingeflossen, was ich in über zwanzig Jahren Pastorenleben erlebt habe oder gerne erlebt hätte“, schreibt Autor Fähndrich auf der Internetseite, auf der er auch die Spielregeln noch einmal mit Videos erklärt.

Fähndrich ist Vater von fünf Kindern, Pastor im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden und Mitarbeiter in der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung. Man spürt ihm die Begeisterung für Gemeinde und Spiel ab. Viele Aktionskarten können die Gemeinden nur gemeinsam bewältigen. Von daher ist es auch ein Spiel auf „Allianz“-Ebene. Es ist kein billiger Abklatsch anderer Ideen, wie wenn etwa die „Siedler von Catan“ auf fromm in „Siedler von Kanaan“ getrimmt werden. Bei „Dynamis“ hat sich jemand Gedanken gemacht – und uns beim ersten Eintauchen über zwei Stunden Spielspaß beschert. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

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Fri, 06 Dec 2019 11:16:00 +0100
<![CDATA[Wie aus Benedikt Franziskus wurde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/12/05/wie-aus-benedikt-franziskus-wurde/ Als Papst Benedikt XVI. 2013 von seinem Amt zurücktrat, war das eine Zäsur in der Katholischen Kirche. Sein Nachfolger wurde Jorge Mario Bergoglio, der seitdem als Papst Franziskus Chef im Vatikan ist. Wie es dazu kam, will jetzt ein neuer Netflix-Film erzählen – und der beruft sich auf „wahre Begebenheiten“, auch wenn wohl keine historisch vollkommen akkurate Wiedergabe der Geschehnisse zu erwarten ist.

Im Fokus des Films steht die Beziehung zwischen altem und neuem Papst, die sich im Film schon vor Benedikts Rückzug heftige Diskussionen über die Zukunft der Kirche liefern. Nach Interpretation von „Die zwei Päpste“ waren es nicht die schwindenden Kräfte von Joseph Ratzinger, sondern dessen Verlangen nach einem dringend nötigen Kirchenreformer, das ihn zum Rücktritt bewegte. Belegt ist das freilich nicht. Dafür ist die Netflix-Produktion aber eben auch keine Dokumentation, sondern eher ein „Buddy-Movie“, wie die Tageszeitung Die Welt schreibt.

Der Netflix-Film „Die zwei Päpste“ feierte am Donnerstag in ausgewählten Kinos Premiere. Ab 20. Dezember wird er auch auf der Streamingplattform zu sehen sein. Die Hauptrollen spielen der Oscar-Preisträger Anthony Hopkins (Benedikt XVI.), der vor allem als Psychopath Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer bekannt ist“, und Jonathan Pryce, der Franziskus mimt. Pryce wirkte unter anderem in mehreren Teilen der Reihe „Fluch der Karibik“ und „Game of Thrones“ mit.

Von: Nicolai Franz

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Thu, 05 Dec 2019 17:30:00 +0100
<![CDATA[Ministerpräsidenten stimmen Entwurf des Medienstaatsvertrags zu]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/12/05/ministerpraesidenten-stimmen-entwurf-des-medienstaatsvertrags-zu/ Die Ministerpräsidenten haben für den neuen Entwurf des Medien-Staatsvertrag gestimmt. Er soll den Rundfunkstaatsvertrag von 1991 ablösen. Weil Mediengesetze Ländersache sind, müssen jetzt die Landtage unterrichtet und der Text der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Die Unterzeichnung ist für das Frühjahr, die Umsetzung für September 2020 vorgesehen. Bis dahin sind die Standards über audiovisuelle Mediendienste in den europäischen Ländern anzugleichen.

Der bisherige Vertrag gibt die grundsätzlichen Richtlinien des Rundfunksystems in Deutschland vor. Er definiert die Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Sender und legt fest, in welchen Grenzen Werbung möglich ist. Für private Radio- und TV-Sender ist geregelt, dass sie eine Zulassung brauchen. Es gibt zudem Vorschriften, um Meinungsvielfalt zu sichern.

Die Digitalisierung der Medien führte dazu, dass die klassischen Mediengattungen verschwimmen. Das berücksichtigt der neue Vertrag. Er soll die geltenden Regeln zeitgemäß anpassen und definiert, wer künftig ohne Rundfunklizenz senden darf. Außerdem soll er Medienthemen regeln, die durch Smart-TV oder Sprachassistenten relevant geworden sind.

Nutzerfreundlich und nicht diskriminierend

Smart-TVs dürfen künftig bestimmte Programme nicht willkürlich weiter hinten auf ihren Sendersuchlisten platzieren. Angebote, die für Meinungs- und Angebotsvielfalt wichtig sind, müssen leicht auffindbar sein. Zudem gilt der Vertrag dann auch für „Medienintermediäre“. Das sind Onlinedienste, die der Medienwelt zuzuordnen sind, selbst aber keine klassischen Medieninhalte produzieren, wie Google, Facebook, YouTube oder App-Stores.

Inhalte, die von diesen Plattformen und Suchmaschinen gefunden werden, müssen nutzerfreundlich und diskriminierungsfrei sein. Die Intermediären müssen bestimmte Informationspflichten erfüllen. So sollen Social Bots markiert werden, die für die Beeinflussung von Wählern verantwortlich gemacht werden oder in sozialen Medien einen Gesprächsverlauf steuern. Google müsse erklären, wie Such-Algorithmen funktionieren, oder Facebook, warum manche Einträge prominenter platziert sind als andere.

Geändert wurden auch die Zulassungsverfahren, um Rundfunk betreiben zu können. Die Hürden dafür sollen sinken, um Kreative zu fördern und Bürokratie abzubauen. Kleine Live-Streamer, die durchschnittlich weniger als 20.000 Nutzer erreichen, müssen in Zukunft keine Lizenz mehr beantragen. Medieninhalte mit einem gesellschaftlichen Mehrwert sollen leicht zu finden sein. Kriterien dafür können journalistischer Nachrichtengehalt, ein gewisser Anteil von regionaler Berichterstattung und Barrierefreiheit sein.

Werbezeiten leichter zu verteilen

Die erlaubten Werbezeiten für Privatsender sind nach wie vor begrenzt. Die Sender sollen sie aber freier im Programm verteilen dürfen. Dies gilt auch für Kindersendungen. Smart-TVs hingegen sollen das Signal der Sender nicht mit eigenen Anzeigen überblenden dürfen, was technisch möglich ist. Ausdrücklich festgelegt ist, dass eine Produktplatzierung, die stets kennzeichnungspflichtig ist, bezahlt sein muss.

Die Verbraucherschützer sehen in dem Werk einen „durchaus hoffnungsvollen Versuch“, den Spagat zwischen Meinungsfreiheit und Regulierung zu bewältigen. Journalistisch editierte Angebote müssen auffindbar sein. Der Branchenverband Bitkom ist dabei kritischer: „Eine privilegierte Auffindbarkeit wird gerade nicht die Meinungsvielfalt schützen“, sagte Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung. Sie befürchtet, dass es Probleme bei der Umsetzung der Regeln geben wird. Die Einhaltung sollen die Landesmedienanstalten überwachen.

An dem Verfahren konnten sich Bürger, Sender, Verbände und Institutionen beteiligen. Es gab über 500 Eingaben zum Thema Streaming, angemessene Nutzerzahlen und Auffindbarkeit. Die Medienbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz, Heike Raab verwies gegenüber pro darauf, dass Themen eingebracht wurden, „die wir gar nicht zur Diskussion gestellt haben, wie zu Auftrag und Struktur der öffentlich-rechtlichen Sender“.

Andere Staatsverträge im Medienbereich bleiben bestehen. Dazu zählt der Staatsvertrag zur Rundfunkfinanzierung, in dem die Beitragshöhe je Haushalt festgelegt ist. Oder der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, der regelt, um wie viel Uhr welche Filme gezeigt werden dürfen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 05 Dec 2019 16:54:00 +0100
<![CDATA[Kritik an Säule mit Asche von Holocaustopfern vorm Reichstag]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/12/05/kritik-an-saeule-mit-asche-von-holocaustopfern-vorm-reichstag/ Die Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ hat am Montag eine temporäre Gedenkstätte an die Nazi-Diktatur vorm Deutschen Reichstag errichtet. In dieser 2,5 Meter hohe Stele befindet sich ein Bohrkern aus dem Umfeld einer der vielen nationalsozialistischen Vernichtungslager – darin sollen sich menschliche Überreste von Opfern des Holocaust befinden. Mit der Gedenksäule wolle man vor Konservatismus warnen. Dieser sei es gewesen, der den Weg in den Nationalsozialismus geebnet habe. Die Künstler befürchteten, dass die CDU heute den gleichen Fehler begehen könnte, wenn sie mit der AfD zusammenarbeite.

Die Kunstaktion stieß in den vergangenen Tagen auf breite Kritik. So betonte eine Regierungssprecherin, dass die Bundesregierung die Kunstfreiheit achte. Sollte es sich aber bewahrheiten, dass sich in der am Reichstagsgebäude aufgestellten Gedenksäule Asche von Holocaustopfern aus Auschwitz befinde, wäre das „pietätlos und geschichtsvergessen“. Unverständnis zeigte ebenfalls der Antisemitismusbeauftragte des Bundes, Felix Klein. Er bezeichnete es als „erschütternd“, dass Künstler zu „solch drastischen Mitteln“ greifen müssen. Sie würden so religiöse Gesetze von Minderheiten verletzen und trügen zu einer „Verrohung der Gesellschaft bei“.

Im Judentum müssen die sterblichen Überreste vollständig begraben und respektvoll behandelt werden. Jüdische Gräber sind für die Ewigkeit. Sie dürfen weder verlegt, noch eingeebnet oder neu vergeben werden. Diese Störung dieser Totenruhe kritisierte ebenfalls der Zentralrat der Juden in einem Tweet.

Aktion verstoße gegen Gesetz

Volker Beck, ehemaliges Mitglied des Bundestages und Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien an der Ruhr-Uni-Bochum, hat daher nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen das „Zentrum für politische Schönheit“ gestellt. Gemäß §168 des Strafgesetzbuchs sei die Aktion eine strafbare Verletzung der Totenruhe.

Etwas zurückhaltender äußerte sich die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. In einer Stellungnahme hieß es, dass „eine respektvolle künstlerische Darstellung des Themas legitim sein kann“. Allerdings dürfe in keiner Weise das Andenken des Holocaust „beleidigt, herabgesetzt oder entweiht werden“. Daher rufe man die Künstler auf, die Erinnerung an Opfer und Überlebende zu respektieren.

Schuldeingeständnis: „Haben einen Fehler gemacht“

Nach der großen Welle der Kritik hat das „Zentrum für politische Schönheit“ eingeräumt, einen Fehler gemacht zu haben. In einer Stellungnahme heißt es, dass den Künstlern nichts ferner liege, als „die religiösen und ethischen Gefühle von Überlebenden und Nachkommen der Getöteten zu verletzen“. Man bedauere, den „zentralen Wirkungsaspekt“ der Arbeit im Vorfeld nicht erkannt zu haben.

Das Künstlerkollektiv hat daraufhin das Kernstück der Gedenksäule verhüllt. Weiterhin wurde die Internetseite für die Aktion „Sucht nach uns!“ abgeschaltet. Eine für Samstag geplante Kundgebung findet nun nicht statt.

Beim weiteren Vorgehen mit der in der Stele befindlichen Asche bietet nun die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland ihre Hilfe an. In einem Schreiben zeigt sich die Konferenz „bestürzt“, mahnte aber auch zu schnellem Handeln. Um die ewige Ruhe wiederherzustellen, müsse man die Asche mit den menschlichen Überresten schnellstmöglich wieder bestatten. Dies solle am besten noch vor Beginn des Schabbats am Freitagabend geschehen.

Aktion ist „großartig“

Zustimmung bekamen die Künstler von Lea Rosh. Die Vorsitzende des Fördervereins „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ bezeichnete die Aktion als „großartig“. Erinnerungskultur sei kompliziert. Deswegen gebe es keine einfachen Antworten.

Ähnlich äußerte sich der Historiker Götz Aly. Gegenüber dem MDR erklärte er, dass der bisherige Umgang mit Massengräbern und Kriegsverbrechen „würdelos“ sei. Im Nationalsozialismus sollten die Opfer entpersonifiziert werden. Dies geschehe durch den schlechten Umgang mit den Überresten der Ermordeten bis heute. Die meisten Massengräber seien nicht gekennzeichnet. Auf diesen Missstand habe das „Zentrum für politische Schönheit“ aufmerksam gemacht – das finde er gut.

Von Martin Schlorke

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Thu, 05 Dec 2019 15:02:00 +0100
<![CDATA[Selfie mit Jesus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/12/05/selfie-mit-jesus/ Lesen Sie mehr über das den Film in der Ausgabe 6/2019 des Christlichen Medienmagazins pro. Kostenlos und unverbindlich bestellen unter 06441 566 77 00, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 05 Dec 2019 14:13:00 +0100
<![CDATA[TikTok diskriminierte Menschen mit Behinderung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/12/05/tiktok-diskriminierte-menschen-mit-behinderung/ Die App TikTok steht in Kinderzimmern hoch im Kurs. Wer keine dieser kleinen Videoclips dreht, gilt auf dem Schulhof schon fast als Außenseiter. Jetzt steht das wachsende soziale Netzwerk wegen diskriminierender Moderationsregeln in der Kritik. Offenbar um Mobbing vorzubeugen begrenzte die Plattform die Reichweite bestimmter Personen. Das meldet die Deutsche Presse-Agentur und beruft sich dabei auf eine Meldung des amerikanischen Portals The Verge.

„Als Reaktion auf eine Zunahme von Mobbing in der App haben wir frühzeitig eine unbeholfene und zeitlich befristete Regelung umgesetzt“, sagte ein Firmensprecher dem US-Portal. „Unsere Absicht war gut, wir haben aber einen falschen Ansatz gewählt.“ Die frühere Regelung sei inzwischen längst „zugunsten nuancierterer Anti-Mobbing-Verfahrensweisen und Schutzmaßnahmen innerhalb der App geändert“ worden.

Nach dem Bericht von Netzpolitik.org landeten auch homosexuelle und dicke Menschen auf einer Liste von „Besonderen Nutzern“, deren Videos grundsätzlich als Mobbing-Risiko betrachtet und in der Reichweite gedeckelt wurden. Der eigentliche Inhalt der Videos habe dabei keine Rolle gespielt. Als Beispiele für die betroffenen Nutzer nennen die zitierten Richtlinien „entstelltes Gesicht“, „Autismus“ und „Down-Syndrom“.

Unklar wie lange die Regeln gültig waren

Die Moderatoren sollten selbst im Bewertungsprozess darüber urteilen, ob jemand diese Merkmale aufweist, und das Video entsprechend markieren. Dazu hatten sie im Schnitt etwa eine halbe Minute Zeit. Unklar bleibt, wie lange die diskriminierenden Moderationsregeln gültig waren. TikTok erklärte, die Vorschriften hätten nur in einer „frühen Phase“ gegolten.

Netzpolitik.org dagegen beruft sich auf eine anonyme Quelle, die gesagt habe, dass die Regeln noch im vergangenen September gegolten hätten. TikTok gehört zum chinesischen Technologieunternehmen ByteDance. Immer wieder wurden Bedenken laut, dass politische Inhalte gefiltert werden. Zuletzt war die App kritisiert worden, weil dort kaum Aufnahmen der Proteste in Hongkong zu sehen gewesen seien. Die Firma wies den Vorwurf einer Zensur indes zurück.

Das Christliche Medienmagazin pro hat sich in seiner Ausgabe 05/2019 mit der unter Jugendlichen besonders beliebten App befasst. Darin wird deutlich, dass vor allem Daten- und Jugendschützer Bauchschmerzen haben, was die Nutzung betrifft. Junge Nutzer veröffentlichten ihre Videos oft unüberlegt, ohne zu wissen, wer die Aufnahmen eigentlich sieht. Die Organisation jugendschutz.net kritisiert in dem Artikel die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen für Kinder und Jugendliche. Den Artikel finden Sie hier. Das Magazin können Sie hier kostenlos bestellen.

Von: dpa/Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 05 Dec 2019 13:50:00 +0100
<![CDATA[Die neue pro ist da]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/12/05/die-neue-pro-ist-da/ Ein Jesus mit Dornenkrone auf dem Titelbild – so kurz vor Weihnachten? Ja! Denn im Oktober hat der Regisseur Milo Rau im italienischen Matera, der europäischen Kulturhauptstadt 2019, einen Jesusfilm gedreht – „Das Neue Evangelium“. pro war vor Ort am Set und hat mit Schauspielern und Regisseur gesprochen. In der neuen Ausgabe des Heftes und im Video bekommen Sie einen Blick hinter die Kulissen des Drehs und erfahren, welche Botschaft der Film vermitteln will. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier:

pro war noch am „Set" einer weiteren Produktion: Aus Pirmasens hat das ZDF im Herbst einen seiner Fernsehgottesdienste übertragen. Die Predigt hielt Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes. Weil so ein Gottesdienst live gesendet wird, müssen alle Abläufe auf die Minute genau passen. Das erfordert viel und präzise Vorbereitung. Spannend wird es dann, wenn etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt – wie in diesem Fall. Mehr dazu im aktuellen Heft.

Wie Kirche generell besser in die Öffentlichkeit kommt, das verrät der PR-Berater Markus Baumgartner im Interview. Er hat in diesem Jahr ein Praxisbuch zu diesem Thema herausgegeben: „So machen Kirchen Schlagzeilen“. So viel sei hier schon gesagt: Jeder Einzelne kann etwas für die Außenwirkung seiner Gemeinde tun.

Kubicki: „Christus war Gottes Sohn“

Außerdem haben wir mit der CSU-Politikerin Dorothee Bär gesprochen. Sie ist im Kanzleramt als Staatsministerin für Digitalisierung zuständig. Im Interview erklärt sie, was sie an dieser Technologie fasziniert und wie sie mit Hetze und Beleidigungen in sozialen Netzwerken umgeht. Und sie verrät, warum sie als Schülerin aus einer Bibel-AG geworfen wurde.

Wolfgang Kubicki, der FDP-Bundesvize und Vizepräsident des Deutschen Bundestages, hatte ebenfalls seine Konflikte mit christlichen Gruppen: Er war einmal Bibellehrer beim CVJM. Doch in einigen Punkten lag er mit dem Verein über Kreuz und hat ihm später den Rücken gekehrt. Für vier Jahre war er auch im Kirchenvorstand einer Gemeinde, trat dann aber aus der Kirche aus. Warum, und was er vom politischen Engagement der Kirche hält – etwa ihrem Einsatz für Seenotrettung und Kirchenasyl –, das erklärt er im pro-Interview. Trotz seiner Kritik an der Amtskirche betont Kubicki, er sei immer noch gläubig: „Die Grundlage unseres christlichen Glaubens liegt darin, dass wir akzeptieren, dass Christus Gottes Sohn war.“

Dass Jesus die Verbindung zwischen Gott und Menschen ist, davon ist auch Marco Rose überzeugt. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, derzeit auf Platz eins der Tabelle, bekennt im pro-Interview: „Die Kraft, die Jesus selbst bei seiner Kreuzigung noch ausstrahlte, und seine Stärke zu verzeihen, das ist für mich etwas Großartiges und daran glaube ich.“ Weihnachten, Jesu Geburt, sei für ihn daher etwas „ganz Elementares“. Und weil das Sterben Jesu nicht davon zu trennen ist, dass er in die Welt kam, passt auch in der Adventszeit ein Jesus mit Dornenkrone auf das Cover.

All dies und noch mehr gibt es in der neuen Ausgabe von pro. Sie können das Heft kostenlos und unverbindlich online bestellen oder telefonisch unter 06441/5667700.

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 05 Dec 2019 13:23:00 +0100
<![CDATA[Konkurrenz im adventlichen Wartesaal]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/12/05/konkurrenz-im-adventlichen-wartesaal/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Herzlich Willkommen im Wartestand. Advent ist die Zeit des Wartens! Vor 20 Jahren haben wir im Advent auf den Computercrash zur Jahrtausendwende gewartet. Es war dann gar nicht so schlimm.

Vor 16 Jahren haben wir sehnsüchtig oder wehmütig auf den Euro gewartet und das Schlimmste befürchtet. So schlimm war dann auch das nicht. Ich kenne ein paar Frauen, die die Preise heute immer noch in D-Mark umrechnen. Meine Frau gehörte auch mal zu dieser Sorte Mensch, die immer noch jede Preisangabe reflexartig verdoppelt haben, um sich dann zu wundern, wie teuer alles ist, und die Schuhe trotzdem zu kaufen.

Jetzt warten wir darauf, dass die GroKo ihre gute Regierungsarbeit fortsetzt. Die zu einer Kleinpartei zusammengeschrumpfte SPD – circa 13 Prozent würden sie heute wählen – hat eigentlich keine Legitimation, eine Revision der Agenda zu fordern. Die mit 27 Prozent Zustimmung doppelt so schwere CDU/CSU ist zum Regieren verdonnert.

Ihr Spenderlein, kommet!

Es ist noch immer gut gegangen, heißt die Devise, aber wir verdrängen hartnäckig, dass unsere Altersversorgung nie mehr so spendabel funktionieren wird wie bisher, und dass wir in Zukunft ganz viel selbst für unsere Gesundheit bezahlen müssen. Wir warten und hoffen, dass es noch mal gut geht. Wir warten. Auf die Diagnose, auf die Therapie, auf die Bewilligung einer Pflegestufe. Wir warten.

Leiter von Non-profit-Werken warten auf den letzten Tag des Jahres und hoffen, dass das drohende Minus in den nächsten vier Wochen noch einmal von treuen Spendern abgewendet wird. Ich kann die Aufrufe gar nicht mehr alle lesen, die in diesen Tagen die Postboten schwitzen lassen. Die Bittbriefe mir gänzlich unbekannter Spendenwerke landen in „Ablage P“. Die haben zwar ein professionelles Spendenmarketing und ein Fundraising vom Feinsten, die wissen genau, in welcher Tonlage sie welche Altersgruppe ansprechen müssen. Aber es berührt mich nicht. Bei manchen habe ich ohnehin den Eindruck, das Geschreib ist einfach nicht ehrlich und es wird versucht, die eigentlich hausgemachten Fehler anderen anzuhängen, der bösen Welt zum Beispiel oder den Mitbewerbern oder dem Markt.

Ich habe als Leiter eines spendenbasierten Medienwerkes nahezu 20 Jahre lang zur Weihnachtszeit solche Briefe geschrieben. Das war immer ein äußerst sensibles Geschäft.

Und dann sitzt Jesus wirklich mit am Tisch

Und wenn wir jedes Jahr in der Adventszeit das große Warten und Erwarten mit einer Kerzenfolge von eins bis vier ritualisieren und zelebrieren, dann liegt doch die Frage nahe, ob wir denn durchs Warten wirklich auf Jesus und sein letztes Kommen eingestimmt werden. Wer auf den Zug wartet oder auf einen Anschlussflug, der wird nervös, der reagiert hektisch. Wer auf den Befund einer ärztlichen Untersuchung wartet, der rechnet mit dem Schlimmsten oder hofft das Beste.

Was löst das Warten auf Jesus aus? Zeigen sich da nicht irgendwann Abnutzungserscheinungen bei dieser alljährlichen Warterei? Lohnt es sich eigentlich, auf die Ewigkeit zu warten? Wird das zweite Kommen Jesu Christi wirklich die Welt verändern? Kommt da wirklich noch das große Finale?

Ja! Es kommt ganz gewiss – besser: Er kommt. Freue dich Welt, dein König kommt! Er kommt anders, Er kommt unerwartet. Er kommt und Er ist bereits da. In seiner Kirche, in den verfolgten Gemeinden weltweit, die es mit dem Gebet „Komm, Herr Jesus“ ernst meinen. Wenn wir das Tischgebet runterbeten, rechnen wir ja nicht mit ihm als Gast, im Gegenteil, wir sind hinterher froh, dass er nicht mit am Tisch saß.

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Thu, 05 Dec 2019 12:08:00 +0100
<![CDATA[Jesus bei Netflix: Trailer veröffentlicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/12/05/jesus-bei-netflix-trailer-veroeffentlicht/ Die Netflix-Serie „Messiah“ soll eine moderne Jesus-Geschichte erzählen. Das berichtet das Branchenmagazin Quotenmeter. Es geht um einen jungen Mann, der im Nahen Osten auftaucht und behauptet, der Messias zu sein. Tatsächlich übt der Mann offenbar eine große Faszination auf andere Menschen aus, und immer mehr Menschen folgen ihm. „Dies ruft religiöse Führer und die Politik auf den Plan“, heißt es im Magazin. Wie das amerikanische Magazin Relevant berichtet, startet die Serie im amerikanischen Netflix am 1. Januar 2020.

Zunächst ist die Serie auf zehn Episoden angelegt. Erzählt wird sie aus der Sicht eines Agenten des israelischen Geheimdienstes Schin-Bet, eines CIA-Agenten, eines lateinamerikanischen Predigers sowie seiner Tochter und eines palästinensischen Flüchtlings. Auch die Sicht von Medienmachern wird dargestellt.

Ideengeber soll der australische Regisseur und Drehbuchautor Michael Petroni sein, der auch die Drehbücher für „Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte“ (2010) und „Die Bücherdiebin“ (2013) schrieb. Als Produzent tritt Mark Burnett auf, der unter anderem die Serien „Die Bibel“ und „Shark Tank“ produzierte. Als Regisseur soll der Australier James McTeigue verpflichtet werden, der mit „V wie Vendetta“ Jahr 2006 sein Regiedebüt gab.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 05 Dec 2019 11:19:00 +0100
<![CDATA[Künast vor Gericht wegen Internet-Beschimpfung teilweise erfolgreich]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/12/04/kuenast-vor-gericht-wegen-internet-beschimpfung-teilweise-erfolgreich/ Im Streit um wüste Beschimpfungen gegen sie auf Twitter hat die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast einen Teilerfolg vor Gericht errungen. Der Kurznachrichtendienst darf demnach Auskunft über einen Nutzer geben, der der Politikerin in einem Tweet ein unwahres Zitat zugeschrieben hatte. Wie das Landgericht Berlin am Mittwoch nach einer Beschwerde von Künast weiter mitteilte, habe die Abgeordnete für andere vier beanstandete Tweets kein Recht auf Auskunft, meldete die Deutsche Presse-Agentur.

In dem Tweet hatte ein Nutzer hinter dem Namen der Politikerin und einem Doppelpunkt in Anführungszeichen geschrieben: „Ja zu Sex mit Kindern.“ Diesen Satz habe Künast so nicht gesagt. Der unbefangene Durchschnittsleser könne aber davon ausgehen, dass es sich um ein wörtliches Zitat der Politikerin handelt.

Meinungsäußerungen unter der Schwelle der Beleidigung

Mit dem Falschzitat werde angedeutet, dass die Politikerin den sexuellen Kontakt mit Kindern befürworte. Diese unwahre Tatsachenbehauptung sei geeignet, sie verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen, erklärten die Richter. Für weitere Schritte von Künast gegen den Autoren des beanstandeten Tweets könne der Kurznachrichtendienst Namen des Nutzers, dessen E-Mail-Adresse sowie die IP-Adresse, die für das Hochladen des Tweets verwendet wurde und auch den Upload-Zeitpunkt nennen.

In den weiteren Tweets geht es nach Auffassung der Richter der 27. Zivilkammer um Meinungsäußerungen unter der Schwelle der Beleidigung und Schmähkritik. So müssten sich Formulierungen wie „Abartige“ und „perverses Pack“ für den unvoreingenommenen Durchschnittsrezipienten nicht zwingend auf Künast beziehen. Gemeint sein könnten auch Parteimitglieder Künasts.

Wie ein Gerichtssprecher erklärte, ist das Verfahren nicht mit dem Fall von Anfang September identisch. Damals war Künast mit dem Versuch gescheitert, gegen Beschimpfungen wie „Geisteskranke“ auf Facebook gegen sie vorzugehen. Solche Kommentare stellten „keine Diffamierung der Person der Antragstellerin und damit keine Beleidigungen“ dar. Unbekannte hatten Künast unter anderem als „Stück Scheisse“ und "altes grünes Dreckschwein“ bezeichnet und noch drastischere und auch sexistische Posts geschrieben.

Von: dpa

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Wed, 04 Dec 2019 14:35:00 +0100
<![CDATA[Mehr Spenden an Protestanten als an Katholiken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/12/04/mehr-spenden-an-protestanten-als-an-katholiken/ Etwa 15,7 Millionen Menschen haben im Zeitraum von Januar bis September 2019 rund 3,3 Milliarden Euro an Kirchen oder gemeinnützige Organisationen gespendet. Diese Ergebnisse lieferte die Studie „Trends und Prognosen“, die die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchführt. Das sind so wenige Spender wie noch nie seit 2005, als es die Studie erstmals gab. Doch die gespendete Summe ist das drittbeste Ergebnis. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Gesamtspendenvolumen um 1,3 Prozent gesunken. Der größte Spendenposten ging mit 75,3 Prozent in die humanitäre Hilfe.

Evangelische überholt Katholische Kirche

Der Abwärtstrend bei den Spenden an konfessionelle Organisationen, der sich im Rahmen der Studie in den vergangenen Jahren zeigte, konnte unterbrochen werden. Ihren Anteil an den gesamten Spendeneinnahmen konnten die Konfessionellen von 23,2 Prozent auf 23,7 Prozent steigern. Die Zugewinne entfallen jedoch allein auf evangelische Organisationen wie die Evangelische Kirche, Christoffel Blindenmission, Brot für die Welt, Johanniter, Liebenzeller Mission, ERF Medien und weitere. Sie konnten ihren Anteil am Gesamtspendenvolumen von 11,3 Prozent auf 12,6 Prozent ausbauen. Die katholischen Organisationen mussten hingegen einen Rückgang ihres Anteils von 11,9 Prozent auf 11,1 Prozent hinnehmen. In die Statistik zählen unter anderem die Katholische Kirche, Caritas, Misereor, Kirche in Not, Malteser und Missio.

Der Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Kirche in Not, Florian Ripka, betonte laut einer Pressemitteilung: „Trotz der Herausforderungen für den konfessionellen Bereich ist die Loyalität unserer Spenderinnen und Spender ungebrochen und krisenfest.“ Aufgrund der Hilfen für den Nahen Osten habe die Organisation viele neue Spender dazugewinnen können. Die Herausforderung sei es jetzt, die Menschen weiterhin für kirchliche Hilfsprojekte zu begeistern.

Konfessionelle Spender in der Mehrheit

Der GfK-Studie zufolge nimmt die Konfessionszugehörigkeit in Deutschland seit mehreren Jahren ab. Der Anteil der konfessionell gebundenen Personen an der Gesamtbevölkerung als auch an den Spendern sank im gleichen Maße. Dennoch stellen sie unter den Spendern nach wie vor die Mehrheit. Im Jahr 2013 gaben noch 57 Prozent der deutschen Bevölkerung und 68 Prozent der Spender an, einer Konfession anzugehören. 2018 bekannten sich noch 51 Prozent der Bevölkerung zu einer Konfession und 62 Prozent der Spender.

Laut der GfK-Prognose wird 2019 insgesamt ein erfolgreiches Spendenjahr werden. Das Institut erwartet, dass das Spendenvolumen, wie auch im vorigen Jahr, wieder deutlich über 5 Milliarden Euro liegen wird. Selbst bei leichten Verlusten wird es in etwa auf gleichem Niveau bleiben.

Die Studie ist ein Teilergebnis des GfK-CharityPanels. Sie wird jährlich durchgeführt. Für die Erhebung befragte die GfK 10.000 Deutsche repräsentativ ab ab zehn Jahren.

Von: Stephan Mannl

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Wed, 04 Dec 2019 12:54:00 +0100
<![CDATA[Zum 60. Geburtstag: Musikproduzent Dieter Falk von A bis Z]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/12/04/zum-60-geburtstag-musikproduzent-dieter-falk-von-a-bis-z/ Lesen Sie das Interview auch in der Printversion in der neuen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich hier oder telefonisch unter 06441/5667700.

Von: Martina Blatt/Jörn Schumacher

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Wed, 04 Dec 2019 11:47:00 +0100
<![CDATA[Sterbehilfe-Streit zwingt Rechtsstaat zum Spagat]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/12/04/sterbehilfe-streit-zwingt-rechtsstaat-zum-spagat/ Eine TV-Kritik von Johannes Blöcher-Weil]]> Die medizinischen Diagnosen für die drei Patienten sind ernüchternd: zwei von ihnen leiden an Multipler Sklerose (MS), einer hat Krebs. Alle möchten selbstbestimmt sterben und benötigen dafür das Medikament Natrium-Pentobarbital. Die zuständigen Behörden verweigern auf Hinweis des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn die Herausgabe. Die ARD-Dokumentation „Die Story im Ersten: Sterbehilfe – Politiker blockieren, Patienten verzweifeln“ befasst sich anhand dessen mit den Fragen, wie lange ein Leben lebenswert ist, und was die Politik tun kann – und was nicht.

Durch die Krankheit MS ist der 48-jährige Harald Mayer mittlerweile bewegungsunfähig. Er gilt als austherapiert und benötigt rund um die Uhr Hilfe. Für Mayer ist das kein erträgliches Leben mehr. Er möchte mit Hilfe des Medikaments Natrium-Pentobarbital schnell sterben. Er fragt nicht nach einem Leben nach dem Tod, sondern nach einem, das ihm hier auf der Erde Qualität gibt.

„Leben in Würde beenden und keine Zeit verschenken“

Im März 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geurteilt, dass das Betäubungsmittel Natrium-Pentobarbital unter bestimmten Voraussetzungen herausgegeben werden muss. Die zuständige Behörde fordert daraufhin von Mayer und allen anderen Antragstellern zahlreiche Unterlagen und Gutachten. Auch MS-Patientin Ulrike Franke möchte am Lebensende „keine Zeit verschenken“ und ihre Würde behalten. Die frühere Ärztin weiß, was ihr mit dieser Diagnose bevorstehen kann. Sie möchte selbst entscheiden, wann sie stirbt. Sie investiert Zeit und Geld, um die Gutachten erstellen zu lassen.

Ein Jahr nach dem Leipziger Urteil hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jedoch angewiesen, alle Anträge abzulehnen, und damit das höchstrichterliche Urteil ignoriert. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die Herausgabe von Medikamenten zur Selbsttötung deshalb verweigert. Der Berliner Tagesspiegel hatte aus internen Mails zitiert, wonach das Bundesgesundheitsministerium, dem das Institut untersteht, schon frühzeitig beschlossen habe, das Leipziger Urteil zu umgehen.

Die Patienten, zu denen auch Hans-Jürgen Brennecke gehört, macht dies fassungslos und zornig. Robert Rossbruch, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Verein humanes Sterben, wirft dem Ministerium Verzögerungstaktik und rechtswidriges Handeln vor. Sterbebegleitung müsse in den Händen von Profis liegen, damit dürften nicht Angehörige belastet werden.

„Kein Handlanger für Selbsttötung“

Das Fernsehteam spricht auch mit Kritikern der Sterbehilfe. Elke Jahn, ebenfalls MS-Patientin, hat Angst vor einer Liberalisierung der Sterbehilfe. Diese könne die gesellschaftliche Solidarität mit schwerkranken Menschen untergraben. Jahn hat Angst davor, als zu teuer eingestuft zu werden und der Gesellschaft zur Last zu fallen. Sie fürchtet, dass die Gesellschaft bald wieder von „lebensunwertem Leben“ spreche.

In der Reportage kommen auch Politiker zu Wort. Der CDU-Abgeordnete Michael Brand findet es schwer, extremes Leid zu definieren. Er verweist auf die Chancen der Palliativmedizin. Es sei gefährlich, die Debatten nur auf die Option Suizid zu verengen. Die SPD-Politikerin Eva Högl wünscht sich keine Gesellschaft, „in der der Tod, als Lösung für Ängste, Einsamkeit, Schmerzen oder Leiden gesehen wird.

Auch der frühere Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will nicht, dass „eine staatliche Behörde zum Handlanger von Selbsttötung“ wird. Er habe Zweifel an den „Risiken und Nebenwirkungen“ des Leipziger Urteils. Ein Ministerium könne keine Selbsttötungsabsichten und Therapieaussichten bewerten. Dass er das Urteil durch das Gutachten eines Verfassungsrechtlers für 95.000 Euro habe prüfen lassen, erbost die Opposition. FDP-Bundestagsabgeordnete Katrin Helling-Plahr hält den Vorgang für ein „unfassbares Showverfahren“: Ein Minister könne sich nicht über ein höchstrichterliches Urteil hinwegsetzen.

Angebotene Alternativen sind keine

Der Krebspatient Brennecke hofft auf das Bundesverfassungsgericht. Dieses verhandelt gerade, ob Paragraf 217 zur geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung verfassungsgemäß ist und ein selbstbestimmtes Ende verboten werden kann. Aus Sicht von MS-Patient Mayer hat jeder Mensch das Recht, sein Leben abzukürzen: „Da hat der Staat nichts reinzureden.“ Hospize sind für ihn keine Alternative.

Zu Wort kommt in dem Beitrag auch die Schweizer Ärztin Eva Preisig. Sie hat etwa 500 Menschen in den Tod begleitet. Mediziner hätten nicht nur die Aufgabe, den Tod zu verhindern, sondern sollten ihn in gewissen Fällen auch herbeiführen dürfen. Kritiker befürchten, dass dann die Anzahl der Suizide deutlich ansteigt. Mayer bereut, dass er sich nicht umgebracht hat, als er es noch konnte. Jetzt wäre er auf Hilfe angewiesen. Sein Neffe würde das tun. Ihm zuliebe.

Der Film begleitet Mayer zu einer Verhandlung des Verwaltungsgericht Köln. Es urteilte, dass ein generelles Verbot von Betäubungsmitteln zur Selbsttötung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Eine Herausgabe wiederum verstoße gegen das Betäubungsmitttelgesetz. Diesen Widerspruch könne nur das Bundesverfassungsgericht auflösen.

Am Ende der 45 Minuten erfährt der Zuschauer, dass von 131 Antragstellern auf Herausgabe des Medikaments inzwischen 24 verstorben sind. Für Brennecke ist das ein Skandal: „Wir haben keine Zeit, die spielen auf Zeit.“ Das sei schäbig, verlogen und zynisch. Die Dokumentation liefert ein breites Spektrum an Stimmen und Einschätzungen. Die Fälle der drei Patienten verdeutlichen, wie emotional und ethisch schwierig das Thema in Grenzsituationen ist. Auch der Rechtsstaat hat einen schwierigen Spagat zu bewältigen. Einziges Manko des Beitrags: statt sich so intensiv auf den Versäumnisse des Ministeriums zu fokussieren, hätten die Patienten, Ärzte und Politiker noch etwas ausführlicher zu Wort kommen können. Auch wenn die Zahl der Sterbehilfebefürworter in dem Film ein Übergewicht hat, bekommt der Zuschauer ein gutes Bild der Lage vermittelt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 04 Dec 2019 11:23:00 +0100
<![CDATA[„Leidtragende des Klimawandels brauchen Hilfe“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/12/03/leidtragende-des-klimawandels-brauchen-hilfe/ Seit Montag wird im spanischen Madrid im Rahmen der UN-Klimakonferenz (United Nations Framework Convention on Climate Change, 25th Conference of the Parties, abgekürzt: COP25) darüber beraten, wie die nächsten entscheidenden Schritte zur Rettung des Klimas eingeleitet werden können. Ein Ziel von COP25 ist, die Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens weiter voranzubringen. Mit dem Abkommen von Paris will die Staatengemeinschaft erreichen, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf „deutlich unter" zwei Grad Celsius zu begrenzen – das 1,5 Grad-Ziel – und Treibhausgase, die sich schädlich auf das Klima auswirken, zu minimieren. In Madrid soll auch darüber beraten werden, wie Länder mit klimabedingten Schäden unterstützt werden können.

Johannes Grün, Leiter des Referats Wirtschaft und Umwelt bei der evangelischen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“, liegen für COP25 vor allem zwei Dinge am Herzen. Auf Anfrage erklärte Grün: „Erstens, dass die Beiträge der einzelnen Staaten zur Vermeidung von klimaschädlichen Gasen nachgeschärft werden und die Reduktionsziele schärfer formuliert werden, und zwar jetzt.“ Zweitens müsse mehr für die getan werden, die am stärksten unter dem Klimawandel und seinen Folgen litten, aber am wenigsten zur Klimakrise beigetragen hätten. „Die Menschen in den Ländern des globalen Südens leiden schon heute unter klimabedingten Schäden und Verlusten. Dafür müssen die Verursacher, also wir in den Industrieländern, endlich Verantwortung übernehmen, und das auch finanziell.“

„Nicht leben, als hätten wir drei Planeten zur Verfügung“

Grün sieht „Brot für die Welt“ als einen „Teil der weltweiten Bewegung für die Bewahrung der Schöpfung". Aktuell sei die Organisation mit Vertretern von Partnerorganisationen in Madrid auf der UN-Klimakonferenz, damit „politische Entscheidungsträger aus erster Hand erfahren, was notwendig ist, um gegen die Folgen des Klimawandels vorzugehen, und um ambitionierten Klimaschutz in Einklang mit der 1,5 Grad-Grenze einzufordern“. Gegenüber pro erkärte Grün: „Die Menschen in Bangladesch, auf den Fiji-Inseln, in Äthiopien brauchen jetzt Unterstützung, um die Folgen der Klimakrise zu bewältigen.“

Nach Grüns Ansicht können „wir in Deutschland nicht weiter so leben, als hätten wir drei Planeten zur Verfügung“. Auf die Frage, was jeder Deutsche hier und jetzt dafür tun könne, damit nachfolgende Generationen noch eine Chance auf eine halbwegs intakte Umwelt haben, antwortete Grün: „Einerseits können wir unser persönliches Konsumverhalten ändern: Plastikmüll vermeiden, auf Flugreisen verzichten und wenn gar nicht vermeidbar anschließend kompensieren, Strom aus Erneuerbaren Energien beziehen, wenig bis gar kein Fleisch essen und unsere Ersparnisse in nachhaltige Geldanlagen investieren.“

Um jedoch die Klimakrise in den Griff zu bekommen, brauche es strukturelle Veränderungen auf politischer Ebene. „Diese Verantwortung kann nicht bei den Verbrauchern abgeladen werden.“ Dass die EU den „Klimanotstand“ ausgerufen hat, bewertet Grün als ein „richtiges und starkes Signal“. Noch wichtiger sei nun, dass Taten folgen.

Nach Angaben von „Brot für die Welt“ verursacht der Klimawandel bereits jetzt Schäden in Höhe von rund drei Milliarden Dollar jährlich – mit steigender Tendenz. Arme Länder und Menschen im Süden könnten demnach ohne Reserven nicht aus eigener Kraft fertigwerden mit den Schäden. Die Organisation fodert deshalb zusätzliche internationale Finanzzusagen für diese Länder. Die Folgen des Klimawandels entzögen immer mehr Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika die Lebensgrundlage. Nach Angaben der Weltbank treibe der Klimawandel jährlich rund 26 Millionen Menschen in Armut und vernichte Entwicklungsfortschritte von Jahrzehnten.

EU-Klimanotstand ist „Weckruf"

Das Ausrufen des Klimanotstands durch die EU versteht Stefanie Linner, Geschäftsführerin der „Micha Initiative Deutschland“, als einen „Weckruf“. Christen sollten nun endlich auch „in den eigenen Gemeinden, Unternehmen und Haushalten“ umkehren und Verhaltensweisen ändern. Diese beginnen nach Linners Ansicht „am eigenen Frühstückstisch“. Jeder Schritt hin zu einem bewussteren und nachhaltigen Konsum sei hilfreich und zu begrüßen. Die Leitfrage dabei solle lauten: Wo kommen die Sachen her, die ich kaufe, esse, mir in die Wohnung stelle, und wie werden diese produziert? Linner: „Für neue Gesetze und Regelungen sind Wahlen und politisches Engagement zentral, aber auch die zur Zeit laufenden Proteste der Fridays4Future-Bewegung sind eine Möglichkeit, sich zu beteiligen.“

Die „Micha Initiative Deutschland“ will Christen aus christlicher Überzeugung und Schöpfungsverantwortung heraus für Themen globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sensibilisieren. Auf Anfrage erkärte Linner, dass ihre Organisation mit anderen Gruppen hinter den Forderungen steht, die im Pariser Klima-Abkommen festgehalten sind. Linner: „Das bedeutet, dass eine massive Reduktion der CO2-Emissionen hin zur Emissionsneutralität notwendig ist, um das Klima- und andere Erdsysteme vor sogenannten ‚tipping points‘ (Kipppunkte; Anm. d. Red.) zu bewahren – und somit eine riesige Katastrophe zu vermeiden.“ Linner wünscht ein beherztes Handeln von Politik, Wirtschaft und der Öffentlichkeit, um dieses Ziel zu erreichen. „Alles andere bedeutet, den biblischen Auftrag der Bewahrung der Schöpfung zu missachten.“

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 03 Dec 2019 17:33:00 +0100
<![CDATA[Kirche gründet Bündnis zur Seenotrettung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/12/03/kirche-gruendet-buendnis-zur-seenotrettung/ Mit einem Bündnis unter dem Titel „United4Rescue“ will unter anderem die Evangelischen Kirche in Deutschland künftig Ertrinkenden im Mittelmeer helfen. Das erklärte der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Dienstag in Hamburg. Gemeinsam mit weiteren zivilen Bündnispartnern sei es das Ziel der Kirche, zivile Seenotrettung zu unterstützen und selbst ein Rettungsschiff ins Mittelmeer zu entsenden. Bedford-Strohm betonte die „Notwendigkeit“ des Bündnisses. Man setze so ein Bekenntnis zur „Mitmenschlichkeit, Solidarität und Barmherzigkeit“.

Das Bündnis soll neben der direkten Hilfe auch politisch Druck ausüben und auf einen europäischen Verteilmechanismus für Geflüchtete hinwirken. Bedford-Strohm betonte, die Kirche werde sich auch weiterhin zusätzlich auf dem afrikanischen Kontinent einsetzen, damit weniger Menschen die Flucht über das Mittelmeer auf sich nehmen.

Schiffskauf noch nicht in Sicht

Mehr als 50 Bündnispartner seien bereits für „United4Rescue“ gewonnen worden, erklärte Michael Schwickart vom Trägerverein „Gemeinsam Retten“. Der Verein setzt sich für ein Recht auf Seenotrettung, faire Asylverfahren, sichere Häfen und gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung ein. Es sei eines seiner primären Ziele, ein eigenes Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Dieser Plan aber sei noch nicht weit vorangeschritten. Vor allem der Kauf eines Schiffes sei kompliziert. Er selbst rechne mit Kosten von etwa einer Million Euro. Nach erfolgreichem Erwerb, werde die Organisation „Seawatch“ das Schiff übernehmen. Es soll im Frühjahr in See stechen. Bisher gehören dem Bündnis unter anderem einzelne Landeskirchen und freikirchliche Bünde an, aber auch nichtkonfessionelle Organisationen wie „Pro Asyl“, die „Seebrücke“ und die „Akademie Alte Musik Berlin“.

Den Entstehungsprozess des Bündnisses und die Debatte dazu innerhalb der EKD bezeichnete Bedford-Strohm als „gute protestantische Diskussionskultur“. Es gehe der Kirche nicht darum, in Moralismus zu verfallen, sondern Menschlichkeit zu zeigen. Wer, wenn nicht die Kirche, stehe für diese Werte, fragte der Ratsvorsitzende. Kirchenaustritte von Kritikern wolle er dafür in Kauf nehmen: Er sehe sich ausschließlich der „Wahrheit Jesu Christi verpflichtet“. Gott habe in Christus die Welt mit sich versöhnt. Damit seien nicht nur Christen gemeint, sondern alle Menschen.

Kritik an Innenministerium

Leoluca Orlando, Bürgermeister von Palermo, dankte der Evangelischen Kirche für ihren Einsatz. Man könne so eine klare Botschaft an die Europäische Union schicken. Palermo ist die erste Kommune, die dem Aktionsbündnis beigetreten ist. Orlando bemängelte eine mangelnde Kooperationsbereitschaft des deutschen Innenministeriums. Trotz der Bereitschaft verschiedener deutscher Kommunen, Flüchtlinge aufzunehmen, stelle die Behörde sich quer. Von ähnlichen Schwierigkeiten berichtete Katharina Fegesack, Zweite Bürgermeisterin der Stadt Hamburg.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 03 Dec 2019 17:13:00 +0100
<![CDATA[Publikum von ARD und ZDF doch nicht so links]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/12/03/publikum-von-ard-und-zdf-doch-nicht-so-links/ Haben die Nachrichtensendungen von ARD und ZDF vor allem ein politisch linkes Publikum? So war es im September in mehreren Medien zu lesen. Sie bezogen sich dabei auf eine gesonderte Auswertung von Daten des Digital News Reports der Universität Oxford und des Reuters Institute for the Study of Journalism. Auch pro berichtete darüber und titelte: „Publikum der öffentlich-rechtlichen Nachrichten: Alt und eher links“. In der Studie steht: Die meisten untersuchten öffentlich-rechtlichen Medien von acht ausgewählten Ländern erreichten ein Publikum quer durch das politische Spektrum. „Wir sehen eine leichte Abweichung nach links in Frankreich und eine etwas stärkere in Deutschland.“ Dazu die folgende Grafik:

Doch ganz so eindeutig ist die Sache offenbar nicht. Die Wissenschaftler Sascha Hölig und Uwe Hasebrink vom Leibniz-Institut für Medienforschung, die Autoren des deutschen Teils des Digital News Reports, veröffentlichten im Oktober detailliertere Daten und nahmen zu der Debatte Stellung. Der Medienblog Übermedien berichtete nun darüber.

Um die politische Orientierung zu messen, sollten die Befragten auf einer Skala von 1 – „links außen“ – bis 7 – „rechts außen“ – angeben, wo sie stehen. Ziffer 4 war „Mitte“. Diese Angaben wurden mit denen zur Nutzung der Nachrichten von ARD, ZDF, RTL und n-tv in Verbindung gebracht. Die Befragten, die sich zum Publikum der „Tagesschau“ zählten, verorteten sich demnach im Schnitt bei 3,73, die Zuschauer der „heute“-Sendung des ZDF bei 3,66. Die durchschnittliche Abweichung des öffentlich-rechtlichen Publikums nach links ist also kleiner als ein halber Schritt auf der Skala. Die Gesamtbevölkerung liegt mit ihrer politischen Orientierung durchschnittlich bei 3,79 – also ebenfalls leicht links der Mitte.

Keine klare Links-Orientierung

Die „Tagesschau“ erreiche vor allem die Personen „etwas links der Mitte“ überproportional häufig, erklären Hölig und Hasebrink. Diese Erkenntnis, schreiben die Forscher, habe zu der oben genannten missverständlichen Darstellung geführt. Sie weisen aber mit Blick auf die differenzierten Daten darauf hin, dass gerade die „Tagesschau“ bei den Befragten aus fast allen politischen Lagern die am häufigsten genutzte Nachrichtensendung ist – nämlich mit Ausnahme derjenigen, die rechts oder links außen stehen. Der Anteil der „etwas links der Mitte“ Stehenden ist bei „tagesschau“- und „heute“-Nutzern höher als im Schnitt der Gesamtbevölkerung. Aber auch diejenigen, die ihre Position als „etwas rechts der Mitte“ angeben, sind im ARD-Publikum etwas häufiger vertreten als im Bevölkerungsdurchschnitt – wenngleich deren Anteil unter den n-tv-Nutzern noch höher ist. Personen der „Mitte“ sind bei den Zuschauern der ARD etwas weniger, bei denen des ZDF etwas häufiger vertreten als in der Gesamtbevölkerung, während sie vor allem im Publikum von RTL überrepräsentiert sind.

Hölig und Hasebrink stellen zusammenfassend klar: „Der wichtigste Befund besteht darin, dass alle hier berücksichtigten Nachrichtenformate Menschen im gesamten Spektrum politischer Orientierungen erreichen. Hauptbotschaft, gerade im Hinblick auf internationale Vergleiche, ist also, dass es wenig Anzeichen für eine starke Polarisierung der Nachrichtenpublika in Deutschland gibt.“ Eine „klare Links-Orientierung der öffentlich-rechtlichen Nachrichten“, wie es manche Medien betont hatten, sei nicht gegeben.

Für die Studie waren in Deutschland 2.022 Personen ab 18 Jahren zwischen Ende Januar und Anfang Februar dieses Jahres repräsentativ online befragt worden. Durchgeführt hat die Erhebung das Meinungsgforschungsinstitut YouGov.

Von: Jonathan Steinert

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Tue, 03 Dec 2019 15:45:00 +0100
<![CDATA[Religionsunterricht von allen für alle]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2019/12/03/religionsunterricht-von-allen-fuer-alle/ Der Stadtstaat Hamburg geht einen bundesweit einzigartigen Weg. Wie der Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD) mitteilte, sollen künftig auch Vertreter nicht-christlicher Religionsgemeinschaften Religionsunterricht für alle Schüler geben. Der Politiker sprach bei der Vorstellung des Konzepts von einer „wunderbaren Idee für unsere religiös und kulturell vielfältige Stadt“.

In Hamburg ist der Religionsunterricht nicht nach Konfessionen getrennt. Dort gibt es an staatlichen Schulen einen Unterricht für alle Religionen und Konfessionen, der bislang von der evangelischen Kirche auf Grundlage eines gemeinschaftlichen Lehrplans erteilt wurde. Ein Modellversuch unter anderem an einer Schule im Stadtteil Altona, bei dem auch jüdische, alevitische und muslimische Lehrer Religion für alle unterrichteten, sei sehr positiv verlaufen und werde jetzt auf alle Schulen übertragen, sagte Rabe laut der Deutschen Presse-Agentur.

Authentische Wissensvermittlung als Basis für respektvolles Miteinander

An der Universität Hamburg seien entsprechende Studiengänge für angehende Religionslehrer geschaffen worden. In den nächsten Jahren könnten so verstärkt Lehrer mit einer anderen als der christlichen Religionszugehörigkeit eingestellt werden. Ziel sei, dass das Verhältnis der Lehrer in ihren unterschiedlichen Glaubenszugehörigkeiten einmal dem der Schüler entspreche, sagte der Fachreferent für Religionsunterricht in der Schulbehörde, Jochen Bauer.

Die Tageszeitung Die Welt zitiert Bischöfin Kirsten Fehrs mit den Worten: „Kinder lernen auf diese Weise ihre eigene Religion kennen, aber auch den Glauben der anderen.“ Dies fördere das friedliche Zusammenleben. Der Vertreter der muslimischen Verbände Fatih Yildiz wünschte sich, dass diese „authentische Wissensvermittlung“ Schüler stärke und den Grundstein „für ein respektvolles und gleichberechtigtes Miteinander“ lege. Stefanie Szczupak, Vorstand der jüdischen Gemeinde erklärte: „Der Religionsunterricht für alle hilft den Schülern, das Judentum als aktuellen, jetzt und heute relevanten Teil der Vielfalt Hamburgs zu begreifen.“

„Unterricht wird sich inhaltlich nicht stark ändern“

Laut jesus.de hat die religiöse Vielfalt der historisch gewachsenen protestantischen Hochburg zugenommen. Inzwischen habe jeder zweite Schüler in Hamburg einen Migrationshintergrund. Bereits seit den Achtzigerjahren seien andere Religionsgemeinschaften informell in die Gestaltung des Schulfaches Religion eingebunden worden, sagte die Theologin Kirsten Fehrs. Die Inhalte des Religionsunterrichts lägen jetzt gleichberechtigt in der Verantwortung verschiedener Glaubensgemeinschaften. Der Unterricht werde sich inhaltlich nicht stark ändern, erklärte der SPD-Senator Rabe, der selbst studierter evangelischer Religionslehrer ist.

Von: dpa/Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 03 Dec 2019 11:26:00 +0100
<![CDATA[So tickt die neue SPD-Spitze]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/12/02/so-tickt-die-neue-spd-spitze/ Der 67-jährige Norbert Walter-Borjans ist der erfahrenere Part des designierten SPD-Führungsduos. Bis zur Abwahl der rot-grünen nordrhein-westfälischen Landesregierung 2017 unter Hannelore Kraft war „Nowabo“ Finanzminister. In diesem Amt brachte es Walter-Borjans als „Robin Hood der Steuerzahler" zu bundesweiter Bekanntheit, da er CDs mit gestohlenen Daten von Steuersündern kaufte. Im Bundesrat blockierte er ein vom damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bereits unterschriebenes Steuerabkommen mit der Schweiz, das Käufe weiterer Steuersünder-CDs verhindert hätte. Infolge seiner radikalen Bekämpfung der Steuerhinterziehung hatten sich zudem viele Steuerhinterzieher aus Hoffnung auf Strafmilderung selbst angezeigt. Mehr als sieben Milliarden Euro seien so zusammen gekommen, so die Rheinische Post.

Was seine Haushaltspolitik angeht, war Walter-Borjans weniger erfolgreich. Mehrmals hatte der Verfassungsgerichtshof seine vorgelegten Haushalte für verfassungswidrig erklärt. In seiner Amtszeit von 2010 bis 2017 stiegen die Schulden Nordrhein-Westfalens um fast 30 Prozent auf 174 Milliarden Euro. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel verspottete Walter-Borjans Anfang November daher als „Nowabofakis vom Rhein“, in Anlehnung an den ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis.

Walter-Borjans ist „wohlwollend konfessionslos“

Der neue SPD-Chef ist katholisch getauft und diente als Ministrant in der Kirche. Als Student sei er in der katholischen Jugendarbeit engagiert gewesen, sagte Walter-Borjans 2014 in einem Interview. Doch vor etwa drei Jahrzehnten trat Walter-Borjans aus der Katholischen Kirche aus. Ihn störten die von der Kanzel verlesenen Hirtenbriefe, die nach seiner Erinnerung eine klare Wahlempfehlung abgegeben hatten. Als Sozialdemokrat habe er nicht das Gefühl gehabt, willkommen zu sein. In einem Brief an den Kölner Kardinal erklärte er seinen Austritt. „Die Antwort war dermaßen unsensibel, dass ich mich in meiner Entscheidung bestätigt sah.“

Obwohl er der Kirche den Rücken zuwandte, habe sich an seiner „christlichen Grundhaltung“ nichts geändert. Seine vier Kinder, die alle nach seinem Austritt geboren seien, habe er bewusst taufen lassen. „Ich würde sagen: Ich bin wohlwollend konfessionslos.“

Saskia Esken zählt zur Parteilinken und hat damit bereits kurz nach ihrer Wahl für einige empörte Kommentare gesorgt. „Unter diesem Führungsduo scheint mir eine wirtschaftsfreundlichere Aufstellung der SPD eher unwahrscheinlich“, zitierte etwa die Tageszeitung Die Welt den Präsidenten des Verbandes Die Familienunternehmer, Reinhold von Eben-Worlée. Carsten Linnemann, Chef der Mittelstandsunion, sagte gegenüber der Bild-Zeitung: „Wir dürfen der SPD nicht entgegenkommen.“ Das würde seiner Partei schaden.

Gegen laizistische Trennung von Staat und Kirche

Tatsächlich setzt sich die Digitalpolitikerin Esken für Investitionen in die digitale Infrastruktur und Schulen ein, im Zweifel auch auf Kosten der schwarzen Null, die für die Große Koalition bisher als Common Sense galt. Im Interview mit dem Sender n-tv im Vorfeld der Wahlen zum Parteivorstand sagte Esken, die Große Koalition müsse eine andere Politik anstreben oder enden. Als Beispiel nannte sie die Anhebung des Mindestlohns. Esken ist auch für Nachbesserungen beim Klimapaket. Ein alternatives Bündnis von Rot-Rot-Grün hält sie zumindest für möglich.

Neben ihrer GroKo-kritischen und linken Haltung werfen Kritiker Esken auch vor, nie ein wichtiges Partei- oder Ministeramt inne gehabt zu haben. Die Baden-Württembergerin ist verheiratet, Mutter von drei Kindern, gelernte Informatikerin und seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Calw. Sie ist Mitglied beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace, den Naturfreunden, Ver.di und Campact.

Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Norbert Walter-Borjans antwortete sie jüngst auf Fragen der Gruppe Säkulare Sozialdemokrat_innen, bekannte sich dort zum Säkularismus, stellte sich aber auch gegen eine strenge laizistische Trennung von Staat und Kirche. Esken ist für die Ablösung der Staatsleistungen an die Kirchen, wie es im Grundgesetz vorgesehen ist, und sieht das kirchliche Arbeitsrecht kritisch. Arbeitnehmer ohne sakrale Funktion sollen ihrer Meinung nach auch in kirchlichen Einrichtungen unter das gängige Arbeitsrecht fallen.

Auf abgeordnetenwatch.de erklärte Esken ihre Haltung zu Schwangerschaftsabbrüchen. Sie sei froh über die Neuregelung des Paragrafen 219a, einem Kompromiss, der nach langem Ringen zwischen SPD und Union im Februar verabschiedet wurde. Demnach dürfen Ärzte auf ihrer Internetseite nun darüber informieren, dass sie Abbrüche durchführen, sie dürfen aber weiterhin keine Informationen über Methoden, Risiken oder Vorgehen veröffentlichen. „Persönlich halte ich es nicht für notwendig, an der Frist für Schwangerschaftsabbrüche etwas zu ändern“, erklärte Esken weiter anlässlich einer entsprechenden Forderung der Jusos.

Von: Anna Lutz und Nicolai Franz

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Mon, 02 Dec 2019 17:48:00 +0100
<![CDATA[Dem Zweifel Raum geben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/11/30/dem-zweifel-raum-geben/ Auf der Tagung „Jetzt mal ehrlich! Was Journalismus aus den Täuschungsfällen lernen muss“ bei der Akademie für Politische Bildung in Tutzing warnte die Leiterin der Deutschen Journalistenschule in München, Henriette Löwisch: „Mit noch mehr Seminaren zu Medienethik ist das Problem nicht gelöst.“ Sie gebe dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier Recht und plädierte dafür, dass sich die Kultur im Journalismus ändern müsse. „Relotius hat dazu geführt, dass Journalisten ehrlich miteinander sprechen.“ Im amerikanischen Raum gebe es Faktenchecker, die nichts anderes tun, als den Text auf die Inhalte hin zu prüfen, so Löwisch. So sei es dort etwa nicht erlaubt, mehrere Interviewpartner im Text zu einer Quelle zu machen. „Man sollte sich dann lieber die eine Person aussuchen, die am aussagekräftigsten ist.“

Gianna Niewel, Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung (SZ), forderte mehr Ethik im Journalismus und nannte ein Beispiel für fragliche Methoden im Journalismus: Reporter hatten vor dem Haus der Eltern des Piloten Andreas Lubitz Kameras ausgebaut. Lubitz hatte 2015 als Kopilot einen Airbus A320 von Germanwings in den französischen Alpen bewusst zum Absturz gebracht und den Tod von 149 weiteren Menschen verursacht. Niewel plädierte dafür, in den Redaktionen mehr Diskussionen darüber zu führen, was ethisch vertretbar ist. Redakteure sollten mehr Mut haben zu sagen, wenn sie Aufträge aus ethischen Gründen ablehnten. Auch Niewel stellte klar: „Seit Relotius hat sich etwas geändert. Wir haben in unserer Redaktion danach den Faktencheck intensiviert.“

Isolde Fugunt, Studienleiterin am Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München, sagte, Medienethik sei Teil jedes Journalistenausbildungsgangs. „Wir versuchen dem Zweifel Raum zu geben. Das versuchen wir an der Journalistenschule zu vermitteln.“ Sie betonte, dass bei der Recherche die Leit-These eines Journalisten immer mehr an Substanz verlieren könne, bis sie eventuell am Ende nicht mehr tragbar sei. Sie plädierte dafür, dass beim Redigieren eines Textes nicht nur auf den Stil geachtet werde, sondern auch auf die Wahrheit der Fakten.

Von: Jörn Schumacher

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Sat, 30 Nov 2019 14:16:00 +0100
<![CDATA[Der hörbare Adventskalender]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/11/30/der-hoerbare-adventskalender/ Ab dem ersten Adventssonntag bis zum 24. Dezember hat die Deutsche Bibelgesellschaft einen hörbaren Adventskalender auf ihrer Internetseite. Eingelesen wurden die Texte für die Aktion von Schauspieler und Hörbuch-Sprecher Rufus Beck.

Die 24 Texte gehen den Spuren der biblischen Geschichte nach, die auf Weihnachten hinweisen. Die Geburt Jesu (Lukas 2) und die Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2) sind dabei ebenso zu hören wie der Text „Der kommende Herrscher aus Bethlehem“ des Propheten Micha oder Psalm 2 („Die Herrschaft des Sohnes Gottes“). Los geht es am Sonntag mit Psalm 24: „Machet die Tore weit“.

Die Texte werden von Hörbuchsprecher und Schauspieler Rufus Beck aus der Lutherbibel gelesen. Beck gehört zu den bekanntesten Stimmen für Hörbuchproduktionen. 2001 und 2008 erhielt er den Publikumspreis des Buchhandels, „Hörkules“ beziehungsweise „Hörkulino“ für das Lesen der Harry-Potter-Romane. Der 62-Jährige erhielt bisher eine Goldene und sechs Platin-Schallplatten für die von ihm gelesenen Hörbücher.

Martin Luther wollte mit seiner Übersetzung damals, dass die Texte im Deutschen besser verstanden werden können. 2017 wurde sie noch einmal revidiert. Den hörbaren Adventskalender finden Interessierte auf der Internetseite www.die-bibel.de und auf der Facebook-Seite der Deutschen Bibelgesellschaft.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 30 Nov 2019 10:46:00 +0100
<![CDATA[Was sich nach dem Fall Relotius ändern muss]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/11/29/was-sich-nach-dem-fall-relotius-aendern-muss/ Auf der Fachkonferenz „Jetzt mal ehrlich! Was Journalismus aus den Täuschungsfällen lernen muss” in der Akademie für Politische Bildung in Tutzing solle es nicht um eine Aufarbeitung des Falls Relotius gehen. Das stellte Michael Schröder, Dozent für Medien und Kommunikationspolitik und Referent für Öffentlichkeitsarbeit an der Akademie für Politische Bildung, zu Beginn der Tagung am Freitag klar. Dennoch war der Fall um den ehemaligen Spiegel-Journalisten Claas Relotius ständig mit im Fokus der Konferenz.

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier betonte, es gebe einen Unterschied zwischen Fälschen und Verfälschen. Während zum Fälschen das Erfinden von Inhalten gehöre sowie das Manipulieren, bestehe Verfälschen im Verkürzen und Vereinfachen; im Journalisten-Jargon sei da oft von „rund machen“ die Rede. „Fälschen ist verboten“, stellte Niggemeier klar. Doch andererseits seien Journalisten geradezu gezwungen, in ihren Berichten zu verkürzen und auszuwählen. Es sei jedoch zweifelhaft, ob eine Geschichte „dramaturgisch verdichtet“ werden müsse, damit sie besser wird. Niggemeier war fünf Jahre verantwortlicher Medienredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Im Jahr 2004 gründete er den Bildblog und ist sei 2016 verantwortlich für das medienkritische Onlinemagazin Übermedien.

Der Medienjournalist stellte drei Forderungen dazu auf, was sich nach dem Fall Relotius ändern müsse. „Erstens, Genauigkeit ist wichtiger als Schönheit. Ein Autor sollte manchmal lieber einen Schlenker machen, wenn die Inhalte dadurch exakter werden.“ Als zweiten Punkt nannte Niggemeier „Transparenz statt Perfektion – Lieber deutlich machen, wo man als Reporter selbst nicht dabei war oder etwas nicht gefilmt hat.“ Als drittes forderte der Medienexperte, dass es Journalisten zulassen sollten, wenn Dinge komplizierter, aber damit wahrheitsgemäßer werden. „Ich glaube, dass das Publikum es zu schätzen weiß.“ Als vorbildliche Beispiele nannte er die britische Wochenzeitung The Economist sowie den Podcast „Serial“. Hier könne es vorkommen, dass Geschichten am Ende auch keine klare „Lösung“ eines Problems hätten. „Der Podcast ‚Serial‘ lässt es zu, dass eine Reporterin am Ende vielleicht nichts findet. Auch das kann attraktiv und spannend sein für den Zuhörer“, so Niggemeier.

Mottto „‚Sagen, was ist‘ reicht eigentlich aus“

Stefan Willeke, Chefreporter und Mitglied der Chefredaktion bei der Wochenzeitung Die Zeit, betonte, es gebe drei Kategorien von falschen Artikeln. In den meisten Fällen gehe es um Fehler, die nun einmal passierten, wenn Menschen irgendwo arbeiten. Andererseits könne einer Reporter bewusst verfälschen. In der dritten Kategorie sieht Willeke eine Fälschung mit bewusster Betrugsabsicht – wie beim Fall Relotius. Diesbezüglich sei die Lage bei seiner Zeitung „nicht beunruhigend“. Auch für die Rubrik Zeit Wissen des Onlineangebotes der Zeitung hat Relotius zwischen 2010 und 2012 als freier Autor insgesamt sechs Beiträge verfasst.

Stefan Weigel, Nachrichtenchef und Mitglied der Aufklärungskommission des Spiegels, sagte, das Motto des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein „Sagen, was ist“ reiche eigentlich aus. Der Spiegel habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die über Standards diskutiere. „Wir werden die demnächst veröffentlichen“, so Weigel. „Da geht es nicht nur um den Wahrheitsgehalt von Texten, sondern auch um Dinge wie Nebentätigkeiten von Journalisten, eine Form der Bestechung, oder Parteizugehörigkeit.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 29 Nov 2019 19:41:00 +0100
<![CDATA[John Lennox: „Wir werden zu einer selbstanbetenden Gesellschaft“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/29/john-lennox-wir-werden-zu-einer-selbstanbetenden-gesellschaft/ pro: Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten nicht nur mit Mathematik, sondern auch mit der Frage, ob das Christentum vereinbar mit der Wissenschaft ist. Ist es klug, an Gott zu glauben?

John Lennox: Schon seit meiner Kindheit, ich komme aus einem christlichen Hintergrund, war die Wahrheitsfrage äußerst wichtig. Ich konnte zwar sehen, dass das Christentum funktioniert, zum Beispiel bei meinen Eltern. Aber als ich nach Cambridge kam, eröffnete sich mir eine neue Welt. Ich las sehr viel und sprach mit vielen Menschen. Meine Grundfrage war: Ist das Christentum die Wahrheit? Oder der Atheismus? Der Pantheismus? Ich verstehe den Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes als eine Reaktion auf Indizien. Glaube an und für sich ist immer nur so stark wie sein Fundament. Ob es klug ist, an die Wahrheit zu glauben? Immer.

Oft sind es nicht rationale Argumente, die Menschen an Gott zweifeln lassen, sondern Gefühle. Allen voran die Frage der Theodizee: Warum lässt Gott Leid zu?

Dazu habe ich vor allem in meinem Buch „Gott im Fadenkreuz“ viel geschrieben. Leid gibt es in zwei Formen: Erstens das Leid, das sich Menschen gegenseitig zufügen: Krieg, Terror, Hass. Und zweitens der Schmerz, der offensichtlich nicht von Menschen verursacht wird: Katastrophen, Tsunamis, Erdbeben, Krebs. Zum ersten: Wenn Gott uns keine Willensfreiheit gegeben hätte, wären wir bloß Automaten, keine Menschen. Wir hätten nicht mehr die Wahl, Ja oder Nein zu sagen. Gott hat bei der Erschaffung des Menschen also ein Risiko auf sich genommen. Ein ähnliches Wagnis gehen Eltern ein: Sie zeugen ein Kind, obwohl sie genau wissen, dass dieses Kind seine Eltern ablehnen könnte. Warum tun sie es trotzdem? Natürlich ist die Antwort: Weil es so bereichernd und wunderbar ist, wenn Kinder aufwachsen und uns lieben.

Und was ist mit dem Leid, für das Menschen nichts können?

Der Standardvorwurf gegen das Christentum lautet: Wenn ein guter, allmächtiger Gott das Leiden Unschuldiger zulässt, ist er entweder nicht gut oder nicht allmächtig. Niemand hat eine Lösung dafür. Wenn wir Mathematiker jahrhundertelang erfolglos versuchen, eine Frage zu lösen, dann wenden wir manchmal ein: Gibt es nicht eine bessere, berechtigtere Frage? Ich würde die Frage anders stellen: Gibt es Hinweise für einen Gott, dem wir trotz dieses unlösbaren Problems vertrauen können? Hier hat das Christentum eine eigentümliche Antwort. Der Kern des christlichen Glaubens ist, dass Gott Fleisch geworden und am Kreuz gestorben ist. Wenn Jesus wirklich Gott war, müssen wir fragen: Was macht Gott an einem Kreuz? Dann wird es offensichtlich: Gott ist nicht fern vom menschlichen Leiden, sondern im Gegenteil: Er kennt es.

Für ein Interview ist dieses Thema natürlich zu komplex. Aber es ist wichtig. Im Februar 2011 war ich in Christchurch, kurz nach dem verheerenden Erdbeben, bei dem 185 Menschen starben. Ich predigte in einem der ersten Gottesdienste nach dieser Katastrophe. Eine Frau hinterließ eine kleine Notiz für mich: „Ich habe meinen Mann verloren. Aber was Sie gesagt haben, hat mir Hoffnung gegeben.“ Das habe ich oft erfahren. Wenn Menschen diese Gedanken des Leids mitdenken, spüren sie: Das ist nicht nur intellektuelles Gerede, sondern Gott kommt ihnen in Jesus Christus nahe. Weil er nicht nur für sie gelitten hat, sondern auch auferstanden ist, bekommen sie eine Hoffnung, mit der sie sich durch die Theodizee-Frage kämpfen können.

Der Theologe Tobias Faix spricht bei jungen Christen von der „Generation Lobpreis“. Manche Beobachter sagen, dass die Lobpreis- und Wohlfühlkultur die ernsthafte Beschäftigung mit dem Glauben ersetzt habe. Stimmt das?

Das ist völlig klar, denke ich. Ich bin sehr für Lobpreis. Aber die oberflächlichen Inhalte vieler Songs betrüben mich sehr. Manchmal kommen sie mir vor wie Mantren. Die Leute wiederholen dieselben Zeilen wieder und wieder, bis sie fast inhaltslos werden. Meine Nichte Kristyn Getty und ihr Mann Keith schreiben wunderbare neue biblisch fundierte Songs. „In Christ Alone“, auf Deutsch „In Christus ist mein ganzer Halt“, ist zum Beispiel von ihnen. Vor einem Monat war ich auf einer Konferenz in Nashville, die hieß „Sing!“, mit 10.000 Teilnehmern. Kristyn und Keith mit ihrem Team sagten dort: Wir wollen biblische Songs mit echtem Inhalt. Die heutige Lobpreiskultur ist ja wunderbar – bis die Theodizee­Frage auftaucht, bis man also leidet, bis Verhältnisse in sich zusammenstürzen. Dann bleibt wenig Substanz.

Der Inhalt einiger Lieder ist Selbstlob nach dem Motto „Herr, ich wünsche mir, dass ich dich jetzt loben“ kann. Es gibt sogar ein Lied, das „I really want to worship you“ heißt. Das ist kein Lobpreis, sondern Narzissmus. Es lohnt sich, diese Lieder zu analysieren. Denn ihr Hauptinhalt bin „ich“ und wie ich mich fühle, wie ich reagiere. Ich möchte junge Leute in dieser Hinsicht nicht kritisieren. Trotzdem ist dieser Narzissmus sehr gefährlich. Man sollte zuerst Gottes Wort hören und ihn dann auf der Basis des Gehörten loben. Stattdessen gibt es in vielen Gottesdiensten 40 Minuten lang Lobpreis, gefolgt von einem kurzen Wort.

„Der Inhalt einiger Lieder ist Selbstlob“

Ein Lobpreisleiter würde jetzt sagen: Aber ich will Gott doch von ganzem Herzen loben, und das mache ich mit meinen Liedern!

Dann lesen wir mal diese Songs und beantworten die Frage: Ist das wirklich Lob Gottes oder Lob unserer Gefühle? Der Trend, uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen, ist gefährlich. Wir werden zu einer selbstanbetenden Gesellschaft. Das ist extrem formuliert, aber trotzdem müssen wir vorsichtig sein. Ich sorge mich um die Jugend. Ich selbst bin alt. Deswegen bin ich sehr froh, dass es auch jüngere Leute gibt, die dieses Problem erkennen.

Es wird schwieriger, jüngere Menschen für den Glauben zu begeistern. Untersuchungen zeigen: Wenn Menschen die Kirche verlassen, tun sie das oft, weil sie konservative Wertvorstellungen ablehnen.

Zumindest bei uns in England kommt laut einer Studie noch ein weiterer Austrittsgrund hinzu. Der am häufigsten genannte Grund war: Die Kirche beantwortet unsere Fragen nicht. Umso erfolgreicher ist der europäische Atheismus. 1.500 Jahre lang hat der Glaube an Gott die Geschichte Europas bestimmt. In der Verfassung der EU kommt er hingegen nicht vor. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Leute wie Richard Dawkins oder Christopher Hitchens haben den Wind gesät, jetzt ernten wir die Auswirkungen. Der BBC-Reporter Michael Buerk sagt: Zum ersten Mal in der europäischen Geschichte haben wir keine gemeinsamen Normen mehr.

Was können Christen tun, damit der Sturm abflaut?

Ich kann die Menschen beeinflussen, mit denen ich in Kontakt stehe. Junge Menschen interessieren sich sehr für ethische Fragen, vor allem die großen: den Klimawandel zum Beispiel. Ich bin froh, dass die jungen Leute wie bei „Fridays for Future“ sich dafür interessieren, dass unser Benehmen Konsequenzen für unsere Welt hat. Und das ist biblisch: Wir haben eine Verantwortung, die Schöpfung gut zu verwalten. Ich finde es aber schade, wenn Menschen sich für die Schöpfung interessieren, aber nicht für den Schöpfer.

Wenn Jugendliche sich wieder für Ethik interessieren, ist das nicht auch ein Anknüpfungspunkt für Christen?

Ja, denn sie interessieren sich eben doch für die großen Fragen. Und gleichzeitig geben die Kirchen zu wenig Antworten. Sie müssen zeigen, dass das Christentum ein rational sinnvolles System ist, das gute Antworten gibt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Beitrag ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5667751, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Die Fragen stellte Nicolai Franz

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Fri, 29 Nov 2019 12:09:00 +0100
<![CDATA[„Gier hat einen Anfang, aber kennt kein Ende“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/11/29/gier-hat-einen-anfang-aber-kennt-kein-ende/ Welchen Stellenwert hat die Gier in der Bibel, der Theologie und der Ökonomie? Mit dieser Frage hat sich der Erlanger Wirtschaftswissenschaftler Werner Lachmann zu Beginn der Tagung „Geld, Gier und Gott“ in Münster beschäftigt. Der Mensch habe häufig das Bedürfnis, das größte Stück des Kuchens abzubekommen: „Keiner möchte zu kurz kommen und sucht nach seinen Vorteilen.“

Aus Lachmanns Sicht helfe Dankbarkeit dabei, Gier zu bekämpfen. Der Wissenschaftler verdeutlichte, dass sich das rücksichtslose Streben nach Besitz von Gütern durch alle Gesellschaften ziehe. Unabhängig vom eigenen Nutzen hätten Menschen das Bedürfnis, Dinge haben zu wollen. Dies habe häufig Suchtcharakter. Für viele Menschen sei es der Versuch, eine innere Leere auszufüllen.

Black-Friday befeuert die Gier

„Die Gier hat einen Anfang, aber kennt kein Ende. Sie sättigt nicht und verfälscht das Menschsein“, sagte Lachmann. Der amerikanische Industrielle Rockefeller habe auf die Frage geantwortet, wie viel Geld ein Mensch benötigt, um zufrieden zu sein: „Immer noch ein bisschen mehr.“ Der Werbespruch „Geiz ist geil“ und ein „Black Friday“ mit vermeintlich höchster Qualität zum niedrigsten Preis befeuerten diese Gier.

In der Bibel komme die Gier bereits in der Schöpfungsgeschichte vor, als Eva gierig nach dem Apfel schaut. Das dort verwendete hebräische Wort bedeute, es auf etwas abgesehen zu haben und nach etwas zu trachten. Aus Sicht des Referenten habe Gott in den Zehn Geboten das Eigentum der Menschen bewusst geschützt. Schon das Verlangen, etwas von jemandem zu begehren, sei schuldhaft. Viele Bibelstellen warnten deshalb davor.

Im Neuen Testament gebe es für das Wort Gier verschiedene griechische Wörter. Eines davon werde mit Habgier, Geiz und moralischem Streben nach Macht übersetzt. Wer nicht mehr das Ziel seines Lebens bei Gott suche, sei von der Gier getrieben. Das Streben nach Reichtum bezeichnete Lachmann als Keimzelle der Gottesentfremdung. In den zwei anderen Zusammenhängen könne man die Wörter mit „Mehr haben wollen“ sowie „Begehren und Verlangen“ übersetzen.

Im Katholizismus sogar eine Todsünde

Jesus habe die Menschen damals deutlich vor materieller Gier gewarnt. Auch zu Beginn der Missionsgeschichte habe es das Problem der Geldgier gegeben. Sie wird als so schlimm bezeichnet, dass sie zur Trennung von Gott führt. „Sie zerstört die Gemeinschaft, zerbricht die geschwisterliche Verbundenheit und beschwört den Zorn Gottes in der Ewigkeit“, nannte Lachmann weitere Beispiele.

Gier gehe immer zu Lasten der Mitbürger und stelle einige besser. Der Katholizismus habe sie sogar zur Todsünde für den Einzelnen erhoben, „obwohl im Gegenzug viele Kirchenobere durch die eigene Gier ein gutes Leben führen konnten“. In der Ökonomie habe sich die Definition der Gier gewandelt. Seit dem 19. Jahrhundert werde sie als wirtschaftlicher Anreiz und Motor der Gesellschaft durch Wettbewerb gedeutet. Nicht beachtete Interessen und zu große Gier hätten aber auch Wirtschaftskrisen verursacht.

In vielen Köpfen habe sich der Grundtenor durchgesetzt: „Die Habgierigen bestimmen die Regeln.“ Trotzdem mahnte Lachmann, nicht nur auf die Manager zu schimpfen, sondern auch den „Balken im eigenen Auge“ zu sehen. „Gier ist das Ergebnis eigener innerer Leere. Sie wird dann geheilt, wenn sie in Sehnsucht verwandelt wird. Wer sich selbst beschränkt und für die Dinge dankt, die er hat, kann seine Gier zügeln.“

„Ohne Gott geht die Welt aus dem Leim“

Lachmann schloss sein Referat mit Gedanken des Theologen Theo Lehmann. Jeder, der Gott kenne, solle ihm gehorchen. In einem nächsten Schritt solle er die anderen mit Gott bekanntmachen. Ohne Gott, zitierte er Lehmann, gehe die Welt aus dem Leim. Deswegen sei es die Pflicht der Gläubigen, auf Gott hinzuweisen und das auszuleben. Auch Paulus habe die Menschen ermahnt, darauf zu schauen, was dem anderen dient: „Dieses Handeln würde auch die Habgier besser in den Griff bekommen.“

Die Tagung „Geld, Gier und Gott“ findet bis zum Samstag in Münster in Kooperation der Gesellschaft für Wirtschaft und Ethik mit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen statt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 29 Nov 2019 10:35:00 +0100
<![CDATA[„Kein Asylanspruch – Wozu bringen wir die Flüchtlinge dann hierher?“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/28/kein-asylanspruch-wozu-bringen-wir-die-fluechtlinge-dann-hierher/ Über das Schiff der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Seenotrettung diskutieren in einem moderierten Streitgespräch der Wochenzeitung Die Zeit der evangelische Militärbischof, Sigurd Rink, und der Wiener Theologe Ulrich Körtner. Rink verteidigt die Linie des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und sagt: „Solange es keinen besseren Weg aus der Hölle Libyen gibt, müssen wir verhindern, dass Menschen ertrinken.“ Der Militärbischof sei stolz auf den Ratvorsitzenden, „der gegen massive Widerstände innerhalb wie außerhalb der Kirche geradesteht“.

Körtner, der bis 2018 Kuratoriumschef der EKD-Zentralstelle für Weltanschauungsfragen war, widerspricht und kritisiert, dass die EKD ein Bündnis mit Sea-Watch schmiede, deren Kapitänin Carola Rackete eine „politisch zweifelhaft(e) (...) Haltung in der Flüchtlingspolitik“ vertrete: Er sei „gegen das Schiff – und sei es nur als moralisches Zeichen. Wenn die Kirche schon für sich in Anspruch nimmt, die politische Dimension des Evangeliums so stark herauszustreichen, dann soll sie es auch politisch zu Ende denken“.

„Kirche begibt sich in ein ganz bestimmtes ideologisches Milieu“

Weiter erklärt der Wiener Theologe, dass „wir als Kirche uns mit dem Schiff in ein ganz bestimmtes ideologisches Milieu begeben. Das ist für eine Kirche keine gute Position“. Was von der EKD zum Thema Flucht und Migration in den vergangenen Jahren kam, findet Körtner „theologisch dürftig“.

Rink betont wiederum das Thema Barmherzigkeit. Er habe auf Booten der Bundeswehr im Mittelmeer die Rettung von entkräfteten und teilweise kranken Flüchtlingen miterlebt. Dazu habe er eine „sehr schlichte theologische Auffassung: Sie folgt dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter“. Der Moment für ein Kirchenschiff sei jetzt genau richtig, „weil zum Leidwesen der Bundesrepublik und ihrer Bundeswehr die Mission Sophia beendet wurde“. Nun sorge die Kirche dafür, dass die Europäer als „Wertegemeinschaft“ trotzdem tätig werden.

Körtner warnt wiederum vor einer „Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit“. „Nach Ansicht des UNHCR gibt es in Libyen sehr viele Flüchtlinge, die in Europa höchstwahrscheinlich keinen Anspruch auf Asyl haben. Wozu bringen wir sie dann hierher?“ Er bekomme immer wieder Briefe von Christen, die keine Meinungsvielfalt kirchenintern zum Thema Flüchtlinge sehen „und deshalb aus der Kirche austreten“. Weiter bleibe für Körtner „das Problem, dass ein Kirchenschiff den Schleusern in die Hände spielt“. Rink appelliert an die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Er fordert, „schnellstens wieder ein funktionierendes Seenotrettungssystem im Mittelmeer zu installieren“. Es könne nicht sein, dass ein System, „das über Jahre gut funktioniert hat, plötzlich ausgesetzt wurde“.

Von: Martina Blatt

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Thu, 28 Nov 2019 16:49:00 +0100
<![CDATA[Alpha Deutschland will mit Serie Jugendliche erreichen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/11/28/alpha-deutschland-will-mit-serie-jugendliche-erreichen/ Die Alpha Youth Series (AYS) wurde in Zusammenarbeit mit jungen Akteuren und Experten an verschiedenen Orten auf dem ganzen Globus verfilmt. Sie beinhaltet die bereits erprobten Alpha-Themen wie: „Jesus: Wer ist das?“, „Glaube: Wie kann ich glauben?“, und „Leben 2.0: Wie mache ich das Beste daraus?“. Jede der Episoden ist interaktiv gestaltet und kann im Anschluss anhand vorgegebener Fragen direkt diskutiert werden.

Die AYS wurde bisher in der Firmvorbereitung und im Schulunterricht eingesetzt. Der Pastor Florian Käppeler bezeugte in einer Mitteilung von Alpha, dass die Serie bei den jungen Leuten sehr gut angekommen sei. Der Stil entspreche dem Geschmack der Jugendlichen und auch der interaktive Teil sei sehr gut angenommen worden. Die AYS ist kostenlos als Download oder auf USB-Stick auch auf deutscher Sprache erhältlich. Für Jugend-, Studierenden- oder Freundesgruppen ist ein Team Guide oder ein Gäste Booklet verfügbar. Diese Tools sollen es ermöglichen, in Kleingruppen ins Gespräch zu kommen und Resonanzräume schaffen, um Gottes Wirken zu erleben.

Schon die Vorgängerversion von 2015 mit dem Titel „Alpha Jugend Filmserie“ sei sehr gut bei Jugendlichen und Mitarbeitern angekommen. Dennoch gab es eine Steigerung, so der Geschäftsführer Armin Beck von Alpha Deutschland. Er bestätigt in einer Pressemitteilung: „Mich begeistert der Qualitätssprung von der ersten zur zweiten Serie. Es steckt so viel Liebe zum Detail und Professionalität drin.“

Von: Stephan Mannl

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Thu, 28 Nov 2019 16:31:00 +0100
<![CDATA[Gebetsaktion für die buddhistische Welt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/11/28/gebetsaktion-fuer-die-buddhistische-welt/ Es gibt zwischen 250 und 500 Millionen Buddhisten weltweit. Damit zählt der Buddhismus zu den großen Religionen, obwohl er keine höchste Gottheit kennt und eher auf logisch-philosophische Denkansätze und Meditation baut. Das Missions- und Hilfswerk DMG und die Schweizer Arbeitsgemeinschaft Evangelischer Missionen (AEM) knüpfen an die Gebetsaktionen für die islamische und die hinduistische Welt an und geben gemeinsam mit anderen Werken für 2020 erstmals ein Gebetsheft für die Welt des Buddhismus heraus. Der AEM-Geschäftsführer Alain Haudenschild, der viele Jahre in Taiwan lebte, erstellte unter anderem das Material. „Weil wir miteinander der Überzeugung sind, dass im Gebet Kraft liegt“, gebe es diese neue Aktion, erklärt Theo Volland, Pressesprecher der DMG.

Volland sagt weiter: „Wir ermutigen Christen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, gemeinsam mit ihren Glaubensgeschwistern aus der ganzen Welt vom 27. Januar bis 10. Februar anhand des neuen 28-seitigen Gebetsleitfadens zu beten.“ Etwa zu dieser Zeit feiern Buddhisten weltweit das „Losar“-Fest. Das Neujahrsfest gilt als der wichtigste Feiertag in Tibet.

„Gebete zeigen drastische Wirkung: Menschen kommen zum Glauben“

Das Heft, das Interessierte bei der DMG bestellen können, stellt Menschen in mehrheitlich buddhistischen Ländern vor und nimmt die Leser mitten hinein in deren Alltag, ihre Freuden und Nöte, „um die Herzen auf die Liebe Gottes für die Millionen Menschen mit buddhistischem Hintergrund auszurichten, die noch so weit von ihm entfernt sind“, macht Volland deutlich.

Der DMG-Pressesprecher erklärt im Gespräch mit pro: „Die Gebete für die muslimische und hinduistische Welt haben in der Vergangenheit drastische Wirkung gezeigt und einen Umbruch ausgelöst. In arabischen und muslimischen Ländern kommen beispielsweise an vielen Ecken Menschen zum Glauben. Im gesamten Nahen Osten – vom Libanon über die Emirate und Iran bis hin nach Marokko – beginnen Muslime, sich für Jesus zu interessieren. Viele kommen zum Glauben. Im Iran und in Algerien kann man schon von einer Erweckung sprechen. Das passiert etwa zeitgleich, seitdem es die Gebetshefte und -aktionen gibt.“ Für die buddhistische Welt „erwarten wir, dass, wenn Christen bewusst für Erweckung beten, etwas passiert – etwa in Thailand und Japan, wo die Zahlen der Christen weniger werden“.

Der Ansatz des Heftes sei der Lazarus-Geschichte aus der Bibel nachempfunden, den Jesus von den Toten auferweckte. „Jesus kann auch die geistlich trockene Welt des Buddhismus zum Leben erwecken“, sagt Volland.

„15 Tage Gebet für die Welt des Buddhismus“ ist eine gemeinsame Initiative mehrerer Organisationen sowie der Evangelischen Allianzen und der Missionsdachverbände AEM in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Von: Martina Blatt

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Thu, 28 Nov 2019 15:31:00 +0100
<![CDATA[Missionale Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/11/28/missionale-kirche/ Beate Hofmann wünscht sich eine „missionale“ (nicht eine „missionarische“?) Kirche. Es gehe nicht um „Bekehrung“, es gehe um „Zuwendung, um einladende Verkündigung der Gnade, die allen gilt.“ AMEN dazu! Aber warum geht dieses wunderbare Motiv von der einladenden Bezeugung der Gnade Gottes mit einer Absage an Bekehrung (Umkehr) einher? Warum gleich diese Abgrenzung in der Antrittsrede der Bischöfin? Soll mit dieser Distanzierung den „Bekehrten“ das Gefühl eines Dackels vor dem Fleischerladen geben werden: „Wir müssen draußen bleiben!“

Der Völkermissionar und Theologe Paulus aus Tharsus hat es im ersten Brief an die Gemeinde in Thessaloniki so geschrieben: „… wie ihr euch … bekehrt habt, um dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten.“ (1.Thess1, 9.10). Denkt Frau Bischöfin beim Thema Bekehrung an „drängelnde“ oder vehemente Überredung von Menschen oder denkt sie an Bekehrungspredigt im schlichten Stil des „Bekehre dich und alles wird gut“, was es ja auch gibt. Oder waren es schlechte Erfahrungen mit Bekehrten? Auch das gibt es im kurhessischen Revier – und anderswo!

Oder soll das haupt- und nebenamtliche personelle Potenzial mit evangelistisch-missionarischem Engagement gleich wissen, wo es dran ist? Jesus Christus in Tat und Wort zu bezeugen, das ist doch die Kernkompetenz der Kirche, das kann keine andere Institution bieten. Und weil die Begriffe Mission, Missionar und missionarisch inzwischen zu belasteten Containerbegriffen mutiert sind, lasse ich mich auf den Wunsch unserer neuen Landesbischöfin ein.

Unter „missionarisch“ verstanden wir früher:

  • Geh los, um zu urteilen und zu überzeugen.

Was wir heute mit „missional“ meinen:

  • Mache dich auf und werde licht! (Jesaja 60,1).

  • Mache dich auf, um zuzuhören und um zu lernen.

  • Mache dich auf, um von Gott zu empfangen, damit du etwas zu geben hast.

  • Mache dich auf, um gerettet und selbst zum Retter zu werden.

  • Mache dich auf, mit der offenen und barmherzigen Haltung Christi.

  • Mache dich auf, um Kirche zu sein.

In diesem Sinne zum Ende des Kirchenjahres und zum Beginn des neuen:

Wir schämen uns nicht unserer Bekehrung zu Jesus Christus und wissen uns berufen, dem lebendigen Gott zu dienen und seine Wiederkunft zu erwarten.

Insofern wünsche ich der neuen Bischöfin eine inspirierende Entdeckungsreise durch Kurhessen und Waldeck, wo es viele missionale kreative Keimzellen geistlichen Wachstums und auch „missionierte“ „Bekehrte“ gibt, die als Salz und Licht treu an der Arbeit sind.

Von: Jürgen Mette

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Thu, 28 Nov 2019 12:04:00 +0100
<![CDATA[Pastor aus dem Kongo: Hunderttausende fliehen vor „Mörderbanden“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/11/27/pastor-aus-dem-kongo-hunderttausende-fliehen-vor-moerderbanden/ Hunderttausende Kongolesen sind in der Provinz Ituri auf der Flucht. Bewaffnete Gruppen, wahrscheinlich angestachelt von Ölkonzernen – auch aus Europa –, wollten die Bodenschätze und Güter des Landes plündern, erklärt Pastor Jean-Pierre Kokole aus Bunia. Bunia ist die Hauptstadt der Provinz Ituri im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo. „Mörderbanden“ betrieben ein „tödliches Geschäft“ und destabilisierten die Provinz bewusst von Ruanda und Uganda aus, berichtet Kokole weiter. Kokole ist der scheidende Kirchenpräsident der in der Region ansässigen CECA20-Kirche (Evangelische Gemeinschaft im Zentrum Afrikas). Sie zählt laut eigenen Angaben mehr als zwei Millionen Gottesdienstbesucher. Kokole schildert im Gespräch mit pro die Situation in der Provinz Ituri und erklärt, wie die Kirche vor Ort den Flüchtlingen hilft und wie auch Europäer das Leid lindern können.

pro: Herr Kokole, wie ist die aktuelle Situation vor Ort in der Provinz Ituri und Umgebung?

Jean-Pierre Kokole: Derzeit sind 800.000 Menschen auf der Flucht. Viele von ihnen sind in der Umgebung der Hauptstadt der Provinz, Bunia, die anderen sind außerhalb. Diese Menschen leben im totalen Elend. Es gibt nichts zu essen, es gibt kein Wasser. Sie finden nirgends Schutz.

Was ist der Grund für den Konflikt?

Der Kongo besitzt Bodenschätze, die die rivalisierenden Gruppen, die von außerhalb unterstützt werden, anziehen. Das sind Mörderbanden. Es geht letztlich um die Bereicherung durch das, was der Kongo bietet – viele Bodenschätze und andere Güter, gutes Holz, viel Nahrung.

Wie sind die Kirchen der CECA20 von den Gewalttaten betroffen?

Die Kirchen der CECA20 sind sehr betroffen. Angreifer bringen überall Pastoren und überzeugte Christen um. Von der Infrastruktur der Kirche – viele Schulen und medizinische Einrichtungen – ist ganz viel zerstört worden. Die Kirche hat sehr große Verluste gemacht. Bewaffnete Gruppen töten Menschen und zerstören Gebäude. Sie nehmen alles mit, was an Reichtümern da ist, Vieh oder anderes.

Was tut die Kirche im Rahmen des Konfliktes?

Zum einen macht die Kirche den Konflikt öffentlich und den Staat darauf aufmerksam. Zum anderen versucht sie das Ihre zu tun, um den Flüchtlingen zu helfen. Die Kirche geht dorthin, wo die Flüchtlingslager und die Vertriebenen sind. Sie macht zudem Aufrufe und sammelt Nahrungsmittel, Kleidung, Kochutensilien und verteilt sie an die Leute. Christen nehmen Flüchtlinge in ihre Häuser auf und versorgen sie mit Essen.

Welche Auswirkungen hat der Konflikt im Land auf die Kirchen?

Es ist im Kongo nicht verboten, zu evangelisieren. Das kann man überall ganz frei machen. Die Mehrheit derjenigen, die aus der Provinz Djugu vertrieben wurden und nach Bunia gekommen sind, sind Christen. Sie kommen also in die lokalen Kirchen in Bunia. Es kommen dementsprechend mehr Menschen in die Kirchen, aber es sind Christen aus anderen Regionen.

Man sieht ein Wachstum der Gemeinden, aber in der Mehrheit nicht deswegen, weil sich Menschen neu für Jesus entscheiden. Es sind zwar auch Leute darunter, die Jesus noch nicht als ihren Heiland anerkannt haben und die nun ihr Leben Jesus geben. Das ist aber eine Minderheit. Die Kirche nutzt aber natürlich trotzdem jede Gelegenheit, von Jesus weiterzusagen, um auch die zu gewinnen, die ihn noch nicht kennen.

Inwieweit greift die Regierung in den Konflikt ein?

Sie versuchen immer wieder, den Feind zu verjagen, außer Landes zu bringen. Aber das geht seit Jahren und es tut sich nichts. Tatsache ist auch, dass immer wieder viele Soldaten des kongolesischen Militärs getötet werden. Der Staat diskutiert derzeit sehr viel über dieses Thema, wie er das Problem bekämpfen kann.

Auch Frauen werden in dem Konflikt immer wieder misshandelt, geschändet und vergewaltigt. Sie wagen es meist nicht, ihren Männern von Vergewaltigungen zu erzählen und bleiben allein mit dem Schmerz. Warum sprechen sie nicht mit ihren Partnern darüber?

Vergewaltigungen in dieser Form hat es vor einigen Jahren noch nicht gegeben. Auch die Art und Weise, wie Menschen heute im Kongo umgebracht werden, gab es vorher nicht. Sie werden mit Macheten bei lebendigem Leib zerstückelt. Das ist eine neue Form der Gewalt.

Wenn eine Frau vergewaltigt wird, schämt sie sich furchtbar dafür. Wegen dieser Scham traut sie sich nicht, etwas zu sagen. Zudem hat sie Angst, dass ihr Mann sie ablehnen wird, wenn er das erfährt. Wenn sie abgelehnt wird, wohin geht sie dann? Im Kongo hängt eine Frau nach der Heirat von ihrem Mann ab. Es ist die Mischung aus Scham und Angst, wegen der die Frauen nicht von der Schändung berichten. Für unverheiratete Mädchen ist es das gleiche: Wenn eine junge Frau es öffentlich macht, wird sie niemand mehr heiraten. Die anderen werden sagen: Sie ist vergewaltigt worden. Und sie werden sich von ihr abwenden. Auch sie sagen es aus Angst nicht.

Ist eine Veränderung – auch der Rechte der Frauen – in Sicht, dass sie anders angesehen werden?

Die Hilfsorganisationen und die Kirchen fangen an, davon zu sprechen. Sie sehen es nicht mehr als Tabu an und machen es öffentlich. Aber das geht sehr langsam vorwärts. Im städtischen Bereich kommt es schneller an, aber in ländlichen Gegenden ist es sehr schwierig, überhaupt über solche Themen zu reden. Dort sieht man es bislang noch als Tabu an.

In den Städten ist das auch deshalb einfacher, weil sich dort verschiedene Kulturen vermischen, Menschen aus den Nichtregierungsorganisationen sind vor Ort, der Zugang zu Medien wird stärker. Durch das, was die Menschen durch die Medien sehen, haben sie weniger Scham, darüber zu sprechen.

Auch Kinder sind schwer getroffen von Gewalt und Hunger. Wie ist die Situation für die Jüngsten auf der Flucht?

Die ersten Opfer sind neben den Frauen die Kinder. Es gibt mehr Frauen als Männer im Kongo – und viel mehr Kinder als Erwachsene. Die jungen Menschen werden eher getötet als die Erwachsenen. Die Gegner sagen: Wenn wir die Kinder töten, töten wir langsam, aber sicher den ganzen Stamm, weil es keinen Nachwuchs geben wird. Andere Kinder schaffen es, zu entkommen. Es gibt aber auch solche Fälle: Die Kinder entkommen, aber die Eltern werden ermordet. So bleiben die Mädchen und Jungen als Waisenkinder zurück. Aus manchen von ihnen werden Straßenkinder. Diese bleiben oft mit dem Geist und Denken zurück, andere zu töten.

Ich habe ein Kind getroffen, das mit dem Vorhaben zu den Straßenkindern gekommen ist, seine Eltern zu rächen. Ich habe ihm gesagt, dass das keine Lösung ist. Es ist viel besser, sich in die Hände Gottes zu geben. Aber das Kind antwortete mir: „Ich werde zuerst die Mörder meiner Eltern töten und sie rächen, damit die Kinder von den Mördern wissen, dass das Leben als Waisenkind schwierig ist. Danach kann ich mein Leben Gott geben.“

Ich habe viel Zeit mit diesem Kind verbracht. Am Ende war es wirklich so, dass das Kind einen Frieden im Herzen gefunden hat. Das erzähle ich, um zu zeigen: Wenn ein Kind so etwas erlebt, bleibt es wirklich in seinem Herzen verankert. Diesen Rachegedanken wieder herauszunehmen, ist schwer. Deswegen sind die ersten Opfer die Kinder.

Ihnen ist wichtig, dass Kinder auf der Flucht weiterhin Zugang zu Bildung und Schrift haben. Warum?

Ich interessiere mich prinzipiell für Kinder und Jugendliche, seitdem ich jung war. Ich war das zweite Kind in meiner Familie, nach mir kamen noch viele weitere Kinder. Meine Mutter hat 14 Kinder geboren. Vier sind gestorben, als ich klein war. Jetzt sind wir noch zehn. Meine kleinen Geschwister habe ich sehr geliebt und sie vor anderen verteidigt. Mein besonderes Interesse an Kindern, auch als Pastor, geht auf meine Vergangenheit zurück. Die Kinder sind die Zukunft. Die Jugend gibt der Kirche die Stärke. Deswegen habe ich meinen Fokus darauf.

Welches Handeln wünschen Sie sich von Christen in Europa, wie sollen sie den Kongo und die Christen im Land unterstützen?

Das Wichtigste ist das Gebet. Damit geben wir es an Gott ab, und er kennt und weiß alles – auch das, was wir nicht sehen und wissen. Er kennt die ganzen Geschehnisse, die sich in der Welt abspielen. Mich hat getröstet, auch während meines Aufenthalts in Deutschland, zu sehen, wie Menschen in der Kirche tatsächlich für den Kongo beten. Das berührt mich sehr, dass die Menschen den Kongo lieben. Es ist Gott, der diese Liebe in die Menschen hineingegeben hat. Das Gebet ist das einfachste Mittel, was Gott allen Menschen gegeben hat. Und es kostet nichts, außer Zeit.

Die zweite Sache, die man tun kann: für den Kongo zu sprechen und das Land und die Situation, aber nicht nur den Konflikt, bekannt zu machen. Es geht um ein Plädoyer für den Kongo. Christen, die in der hohen Politik sind, könnten sagen, wie man den Menschen vor Ort helfen kann. Ein weiterer Punkt ist, Geld für den Kongo zu sammeln. Das hat die Kirche auch schon gemacht. Und ich bin der Kirche in Deutschland sehr dankbar, die bereits in der Vergangenheit über die DMG in den Kongo gespendet hat. Mit dem Geld, was uns schon zur Verfügung gestellt wurde, helfen wir den Vertriebenen. Das sagen wir den Vertriebenen auch ganz klar: Das, was ihr bekommt, kommt von euren Brüdern und Schwestern, Christen aus anderen Ländern.

Apropos Plädoyer für den Kongo: Hat sich die Aufmerksamkeit der Welt auf den Kongo durch das Interesse am Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege, der auch aus dem Land stammt, verändert?

Der Akt selbst, den Preis einem Kongolesen zu geben, war hilfreich. Natürlich ist das Land groß und reich. Der Kongo ist in der Welt aber eigentlich für Schlechtes bekannt, für die schlimmen Taten, die die Kongolesen begehen, und das Schlimme, was im Land passiert. Es war gut, zu erleben, wie die Welt Mukwege behandelt hat – auch für ihn persönlich. Bevor er den Friedensnobelpreis erhalten hat, wurde er immer bedroht. Es gab stets eine Unsicherheit. Mehrmals haben Leute versucht, ihn umzubringen. Seit der Zeremonie fühlt er sich sicherer. Er hatte den Eindruck, man kann ihn nicht mehr einfach so töten. Als der aktuelle kongolesische Präsident, Félix Tshisekedi, seine Regierung zusammengestellt hat, wollte er Mukwege sogar als Premierminister haben. Aber der hat abgelehnt. Er sagte, er sei kein Politiker, sondern Arzt. Mukwege ist Christ. Wir kennen uns auch persönlich.

Seit der Verleihung hat die Welt einen Blick auf den Kongo. Aber das ist ein Schritt. Jetzt braucht es einen zweiten. Zum Beispiel, indem man das Coltan, was man im Kongo gewinnt, nicht aus dem Land befördert, sondern vor Ort verarbeitet. Warum kann man nicht mit dem Erdöl, was es im Land gibt, etwas vor Ort machen, damit sich die Kongolesen fühlen wie andere Menschen, deren Land nicht ausgebeutet wird?

Eine letzte Frage: Was macht das Erleben dieser Gräueltaten mit Ihrem Glauben?

Mein Glaube ist solide. Alles, was jetzt passiert, hat das Wort Gottes schon vorausgesagt. Jesus hat das schon selbst gesagt: „In den letzten Tagen werdet ihr dieses und jenes sehen.“ Und das ist das, was gerade passiert und was wir jetzt sehen. Es ermutigt mich, immer wieder zu den jungen Menschen und Jugendlichen zu sprechen, dass sie bereit sein sollen. Sie müssen in dem leben, was das Wort Gottes sagt. Das Wort Gottes ist die Wahrheit – es ist ganz einfach.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wir danken den Missionarinnen Kerstin Weiß und Toni Stenger für die freundliche Übersetzung während des Interviews. pro traf Pastor Kokole während eines Deutschlandaufenthalts im November in Wetzlar.

Die Fragen stellte Martina Blatt.

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Wed, 27 Nov 2019 16:28:00 +0100
<![CDATA[Kommen drei Christusse zum Psychiater]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/11/27/kommen-drei-christusse-zum-psychiater/ Der amerikanische Psychiater Milton Rokeach hatte eine Idee: Wenn jemand fest davon überzeugt ist, eine bestimmte Person der Weltgeschichte zu sein, und der trifft eine andere Person, die exakt die selbe Person zu sein beansprucht, würde der eine den anderen für einen Schwindler halten. Oder für verrückt. Und vielleicht würde der Patient so auch auf den Gedanken kommen, dass er selbst verrückt sein könnte.

Rokeach wurde inspiriert von einer Geschichte, die etwas ähnliches aus Paris im Jahr 1663 erzählt. Damals lebte ein Mann namens Simon Morin in der französischen Hauptstadt, der sich für Jesus Christus hielt. Er wurde ins Irrenhaus gesteckt, wo er auf einen Mann traf, der sich für Gott hielt. Der französische Philosoph Voltaire schrieb: „Simon Morin war so erschüttert vom Wahnsinn des Anderen, dass er seinen eigenen anerkannte.“

Der Mediziner Rokeach fragte sich, ob man mit dieser Methode eine Wahnvorstellung heilen könne. Und startete ein Experiment. Im Krankenhaus der Stadt Ypsilanti in Michigan lebten gleich zwei Menschen, die sich für Jesus hielten. Rokeach holte einen dritten Jesus hinzu, damit jeder in der Gruppe sehen konnte, wie der jeweils andere auf die Anwesenheit anderer Christusse reagiert.

Am 1. Juli 1959 trafen die drei Männer erstmals aufeinander. Der erste war ein 58-jähriger Mann, der von sich sagte: „Ich heiße Joseph Cassel, und ich bin Gott.“ Der zweite, ein 70-Jähriger, war überzeugt: „Ich heiße Clyde Benson. Ich wurde Gott.“ Und der dritte war ein 38-Jähriger Mann namens Leon Gabor, der behauptete: „Auf meiner Geburtsurkunde steht, dass ich der wiedergeborene Jesus Christus von Nazareth bin.“ Rokeach sorgte zwei Jahre lang dafür, dass die drei im gleichen Zimmer schliefen, die Mahlzeiten gemeinsam einnahmen und an den gleichen Therapiesitzungen teilnahmen.

Ein vierter Gott?

Es zeigte sich, dass jeder der schizophrenen Patienten eine eigene Begründung dafür fand, warum die beiden anderen Gottheiten nicht echt sein konnten. So sagte Cassel etwa, die beiden anderen Patienten seien durch Maschinen ersetzt worden. Benson verdächtigte die beiden anderen, sich aus Prestige-Gründen aufspielen zu wollen. Der dritte, Gabor, brachte ein schlüssiges Argument vor: Die beiden anderen seien ja Insassen einer psychiatrischen Anstalt, daher müssten sie verrückt sein. Er selbst verteilte eine Visitenkarte, auf der stand: „Dr. Domino dominorum et Rex rexarum, Simplis Christianus Puer Mentalis Doktor, Reinkarnation von Jesus Christus aus Nazareth“.

Es kam während des umstrittenen Experiments immer wieder zu Handgreiflichkeiten unter den drei Jesussen sowie zu theologischen Auseinandersetzungen. Doch insgesamt stellte Rokeach fest: Je weniger die drei über das Christussein sprachen, desto besser verstanden sie sich. Wenn doch einmal jemand darauf beharrte, Gott zu sein, wechselten sie lieber das Thema. Offenbar war der Wunsch, friedlich miteinander umzugehen, größer als das Beharren darauf, Jesus zu sein.

Zwei Jahre nach dem Start, am 15. August 1961, brach Rokeach das Experiment ab. Der Psychiater fasste den Fall in dem Buch „The Three Christs of Ypsilanti“ („Die 3 Christusse von Ypsilanti“) zusammen, das 1964 erschien. Zwanzig Jahre später schrieb der Arzt selbstkritisch über das Experiment: „Ich hatte kein Recht, auch nicht im Namen der Wissenschaft, Gott zu spielen und rund um die Uhr ihren Alltag zu stören.“ Der Arzt war unversehens selbst zum vierten „Gott“ in der Runde geworden.

Peter Dinklage als falscher Christus

Nun hat der Regisseur Jon Avnet (der Produzent von „Grüne Tomaten“ und „Black Swan“) die Geschichte auf die Leinwand gebracht. Der Film „Three Christs“ feierte auf dem Toronto Film Festival 2017 Premiere. In die amerikanischen Kinos kommt er im Januar 2020. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest.

Im Film wird der Psychiater, der hier Dr. Alan Stone heißt, von Golden Globe-Gewinner Richard Gere gespielt. Die drei Christusse werden verkörpert von den Schauspielern Peter Dinklage („Game of Thrones“), Walton Goggins und Bradley Whitford.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 27 Nov 2019 16:18:00 +0100
<![CDATA[Christen im Tschad fürchten „schleichende Islamisierung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/11/27/christen-im-tschad-fuerchten-schleichende-islamisierung/ „Der Tschad ist ein Land, das oftmals vergessen wird“, begann Erzbischof Edmond Djitangar einen Bericht aus seiner Heimat. Am Mittwoch war er Gast der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin anlässlich der Vorstellung einer Arbeitshilfe zum Thema Verfolgung und Bedrängung von Christen in der Sahel-Zone. Demnach ist die Lage für Christen im einst weitgehend friedlichen afrikanischen Land am Kippen. Christen im Tschad könnten sich zwar zu ihrem Glauben bekennen und ihn auch frei praktizieren, denn der Staat sei traditionell von einem offenen Islam geprägt. Besorgniserregend seien aber neuere radikale Bewegungen, die vom Norden aus in das Land drängten, etwa Boko Haram, sagte der Bischof. Wer dieser Tage politisch erfolgreich sein wolle, spreche nicht über seine Religion. „Es machen sich Veränderungen bemerkbar, man muss mutiger sein, um sich zum christlichen Glauben zu bekennen“, sagte Djitangar.

Sahel-Zone aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden

Der Tschad und die umliegenden Länder der Sahel-Zone sind Schwerpunkt der neuesten Arbeitshilfe der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema Christenverfolgung und -bedrängung. Die Katholiken veröffentlichen regelmäßig Informationshefte, die sich mit der Lage der Christen in bestimmten Ländern der Welt beschäftigen. Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte: „Es sollte keine bedrängten Christinnen und Christen mehr geben.“ Dennoch sei deren Situation weltweit „nicht einfacher geworden“.

Die Sahel-Zone sei aus dem Blick der Öffentlichkeit gerückt, leide aber unter vielen Schwierigkeiten. Hunger und Armut seien weit verbreitet, dadurch bedingt gebe es eine starke Binnenmigration, die wiederum religiöse Spannungen zwischen Christen und Muslimen zur Folge habe. Und das, obwohl die beiden Gruppen in der Region lange friedlich miteinander gelebt hätten. Die Terrorgruppe Boko Haram etwa „verlangt Unterwerfung von allen“. Wer nicht folge, werde bedrängt oder getötet. Kirchen würden zerstört. Im Tschad litten Christen unter Ausgrenzung: Oft dürften sie keine höheren Schulen besuchen, hätten keine Karrieremöglichkeiten und litten unter „gravierenden Konsequenzen“, wenn sie ihren Glauben bekannten.

Kirche engagiert sich allen Widerständen zum Trotz

Dennoch engagierten sich viele Gläubige, etwa indem sie das Evangelium verkündigten, aber auch die christliche Soziallehre predigten und lebten. Die Kirche betreibe auch Schulen und wirke damit gegen religiöse Unterdrückung. Denn wer gebildet sei, akzeptiere eher den Glauben anderer. So gab sich Schick auch optimistisch: „Der christlich-islamische Dialog ist möglich“, sagte er, schränkte aber ein: Jedoch nicht mit jeder islamischen Gruppe. Die Katholische Kirche strebe jetzt und künftig an, gemäßigte Gruppen zusammenzubringen und so Radikale zu schwächen.

„Wir setzen uns für unsere Glaubensgeschwister exemplarisch ein – aber nicht exklusiv“, betonte der Bischof. Denn wo Christen bedrängt würden, stünden auch andere unter Druck. Religionsfreiheit ist für ihn „das zentralste Menschenrecht“. Es betreffe das Innerste eines Menschen und beeinflusse die Beziehung zum Nächsten. Außerdem sei die Religionsfreiheit mit vielen anderen Menschenrechten eng verbunden, etwa der Meinungs-, Versammlungsfreiheit oder der freien Kommunikation. Die Bundesregierung forderte er deshalb auf, das Thema immer wieder anzusprechen und auch bei Entscheidungen über Entwicklungshilfen einfließen zu lassen. Leider geschehe das noch nicht ausreichend.

Dialog gegen Islamisierung

Pfarrer Dirk Bingener, Präsident des Hilfswerks Missio, sagte, im Tschad herrsche ein „unterschwelliges Misstrauen“ zwischen religiösen Gruppen. Die Christen dort fürchteten eine „schleichende Islamisierung des Landes“. Als Gegenmittel empfahl er die Pflege interkultureller Kompetenz, Investitionen in die Entwicklung einer eigenen religiösen Identität der Christen und Bemühungen im interreligiösen Dialog.

Von: Anna Lutz

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Wed, 27 Nov 2019 14:33:00 +0100
<![CDATA[Bayern-Profi: „Gott gebührt alle Ehre“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/11/27/bayern-profi-gott-gebuehrt-alle-ehre/ Der brasilianische Fußballer Philippe Coutinho hat über das soziale Netzwerk Instagram seine Taufe publik gemacht. Die Bilder zeigen ihn in seiner Münchener Villa. Er liegt mit weißem T-Shirt in einer mit Wasser gefüllten Badewanne.

Auf Instagram schrieb der Sportler dazu: „Vielen Dank Pastor @tiagobrunet und @jeaninebrunet. Es waren zwei mehr als besondere Tage in unserem Leben. Lasst uns eine neue Zeit leben.“

Coutinho folgen auf Instagram mehr als 21 Millionen Menschen. In den Hashtags hebt er den hohen Stellenwert Gottes hervor und wie sehr die Entscheidung sein Leben beeinflusst. Der Bayern-Profi betont, er wolle „ein Werkzeug des Himmels werden, das das Leben derer verbessert und verändert, die hier auf Erden leben“. Beruflich und privat wolle er Gott an die erste Stelle setzen.

„Heißt unsere neuen Freunde willkommen“

Die Taufe hatte Pastor Tiago Brunet durchgeführt. Er predigt in Coutinhos Heimatland Brasilien für die dort bekannte Destiny-Kirche. Brunet taufte auch die Frau des Sportlers und die Putzfrau, die für die Familie arbeitet. Der Geistliche schrieb auf Instagram: „Heißt unsere neuen Geschwister und Freunde willkommen.“ Er habe in Deutschland unglaubliche Tage erlebt.

Bereits bei seinem Wechsel zum FC Bayern München hatte Coutinho seinen Glauben an Gott bezeugt. Damals schloss er eine Nachricht bei Instagram mit den Worten: „Auf dass Gott diese neue Kapitel segne.“ Der Offensivspieler gilt als großer Familienmensch.

Der Brasilianer wurde in Rio de Janeiro geboren. 2010 wechselte er als 18-Jähriger zu Inter Mailand. Weitere Stationen waren Espanyol Barcelona, der FC Liverpool und der FC Barcelona. Von dort wurde er Mitte August 2019 an den FC Bayern München ausgeliehen, der anschließend die Option hatte, die Transferrechte an ihm zu erwerben.

Erster Treffer mit Fingerzeig in den Himmel

2010 spielte Coutinho erstmals für die brasilianische A-Nationalmannschaft, nachdem er bereits Jugend-Nationalspieler war. 2018 erzielte er bei der Weltmeisterschaft zwei Tore in den Gruppenspielen. Sowohl im Verein als auch in der Nationalmannschaft feierte er zahlreiche Erfolge. 2019 gewann er mit Brasilien die Copa América. Als Nationalspieler traf er in 59 Spielen 16 Mal ins Tor.

Das erste Bundesligator erzielte er mit Bayern am 5. Spieltag gegen den 1. FC Köln. Auch dafür dankte er Gott auf Instagram. Das Bild zeigt ihn von hinten, wie er die Zeigefinger zum Himmel erhebt und deutlich macht, wer für ihn über allem steht.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 27 Nov 2019 13:15:00 +0100
<![CDATA[Kinderrechte ins Grundgesetz: Entwurf liegt vor]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/11/27/kinderrechte-ins-grundgesetz-entwurf-liegt-vor/ Kinderrechte sollen ins Grundgesetz. So haben es die Regierungsfraktionen im Bundestag im Koalitionsvertrag beschlossen. Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat am Dienstag einen Entwurf dafür vorgelegt und dem Kabinett zur Ressortabstimmung überwiesen. Demnach soll Artikel 6 des Grundgesetzes um einen Absatz ergänzt werden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung, ihr liegt der 14-seitige Entwurf vor. Der Artikel stellt Ehe und Familie unter den „besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“ und weist den Eltern das Recht und die Pflicht zu, für die Pflege und die Erziehung ihrer Kinder zu sorgen.

Der neue Absatz 1a soll wie folgt lauten: „Jedes Kind hat das Recht auf Achtung, Schutz und Förderung seiner Grundrechte einschließlich seines Rechts auf Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit in der sozialen Gemeinschaft. Das Wohl des Kindes ist bei allem staatlichen Handeln, das es unmittelbar in seinen Rechten betrifft, angemessen zu berücksichtigen. Jedes Kind hat bei staatlichen Entscheidungen, die seine Rechte unmittelbar betreffen, einen Anspruch auf rechtliches Gehör.“

Der Entwurf orientiert sich an den Ergebnissen, die eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Bund und Ländern Ende Oktober präsentierte. Das Gremium hatte verschiedene Aspekte der Rechtsprechung und der gesetzlichen Regelungen diskutiert und mögliche Varianten dafür entwickelt, wie Kinderrechte im Grundgesetz formuliert werden könnten. Dazu machte die Arbeitsgruppe drei alternative Vorschläge. Im ersten Satz neben dem Schutz und der Achtung der Grundrechte von Kindern auch deren „Förderung“ aufzunehmen, wie es nun im Entwurf der Ministerin der Fall ist, war in der Arbeitsgruppe umstritten. Einige Teilnehmer waren der Ansicht, dass dies über die bisherige Rechtsprechung hinausgehe, heißt es im Bericht des Gremiums.

Kritiker würden lieber Position von Eltern stärken

Strittig war auch die Frage, ob der Staat in seinem Handeln das Wohl des Kindes „wesentlich“, „vorrangig“ oder lediglich „angemessen“ zu berücksichtigen habe. Lambrechts Entwurf sieht die letztgenannte, schwächste Formulierung vor. Das Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Staat solle nicht angetastet werden, wie es laut Süddeutscher Zeitung in dem Entwurf heißt.

Denn genau an dem Punkt setzen Kritiker des Vorhabens an: Sie befürchten, der Staat könnte sich mit dieser Regelung in die elterliche Erziehung einmischen. Ziel der Grundgesetzänderung sei eigentlich nicht, Kinder in Deutschland besser zu schützen, schreibt etwa die katholische Publizistin Birgit Kelle im Sommer. „Es geht vielmehr um das Reißen einer Kompetenzgrenze, die Eltern derzeit halten – und zwar gegen den Staat.“ Die Neuregelung „würde mit der Selbstverständlichkeit brechen, dass Eltern selbst entscheiden, was gut und richtig ist für ihre Kinder, dass sie entscheiden, wie sie ihre Kinder erziehen, welche Werte sie weiterreichen, was sie ihren Kindern erlauben oder verbieten“. Kinder seien rechtlich durch die ohnehin geltenden Grundrechte ausreichend geschützt.

Der Familienbund der Katholiken ist ebenfalls gegen Kinderrechte im Grundgesetz und sähe lieber die Position von Eltern und Kindern in der Gesellschaft gestärkt. Ähnlich äußerte sich auch die Deutsche Evangelische Allianz: „Um Kindern wirklich zu helfen, müsse die wirtschaftliche Situation von Familien verbessert werden“, heißt es in einer Stellungnahme.

Der Entwurf des Justizministeriums liegt den Kabinettsmitgliedern nun vor. Eine finale Entscheidung trifft die Regierung, wenn Verbände und Länder Stellungnahmen dazu abgegeben haben. Nach dem Kabinettsbeschluss geht der Entwurf ins Parlament. Für die Grundgesetzänderung braucht es sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 27 Nov 2019 07:31:00 +0100
<![CDATA[Evangelische Allianz befürchtet Einschränkung der Religionsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/11/26/evangelische-allianz-befuerchtet-einschraenkung-der-religionsfreiheit/ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will ein Verbot sogenannter Konversionstherapien für Homosexuelle per Gesetz erwirken. Dazu hat Spahn einen Gesetzesentwurf vorgelegt. Der sieht unter anderem ein Behandlungsverbot bei Minderjährigen vor sowie ein generelles Werbeverbot. Bei einer Anhörung mit Verbänden im Gesundheitsministerium hat die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) Bedenken an dem Vorhaben angemeldet. Sie befürchtet, dass in Zukunft christliche Gemeinden keine moralischen Aussagen mehr tätigen dürfen.

Nach Angaben einer Pressemeldung begrüßt die DEA grundsätzlich das Anliegen des Gesundheitsministers, Menschen vor Übergriffen im Bereich ihrer sexuellen Orientierung zu schützen. Eigenen Angaben zufolge setzt sich die DEA „für das Selbstbestimmungsrecht beim Umgang mit der sexuellen Orientierung ein". Zu dem geplanten Verbot von Konversionstherapien erklärte der DEA-Vorsitzende Ekkehart Vetter: „Die Realisierung der sexuellen Orientierung muss die persönliche Entscheidung einer Person bleiben.“

Homosexualität soll moralisch Sünde bleiben dürfen

Uwe Heimowski, DEA-Beauftragter am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung, nahm an der Anhörung teil. Er befürchtet, dass das Gesetz zu weit geht, wenn es das Recht der Religionsgemeinschaften einschränkt, auch moralische Bewertungen vorzunehmen. Etwa wenn ein Pastor darin eingeschränkt würde, Homosexualität als Sünde zu bezeichnen. „Eine moralische Bewertung muss durch die Religionsfreiheit gedeckt bleiben", erklärte Heimowski auf Anfrage von pro. „Würde er Homosexualität als Krankheit bezeichnen und behandeln wollen, wäre das allerdings eine Überschreitung seiner Kompetenz."

Ohne Verbesserungen sieht die DEA durch den Gesetzesentwurf die Freiheit der Religionsausübung gefährdet. „Es ist dann zu befürchten, dass die Gemeinden künftig nicht mehr im vollen Umfang für die ethischen Maßstäbe ihrer Religion eintreten dürfen“, erklärte Heimowski. Der Gesetzgeber dürfe aber weder die Entscheidung, ob und wie eine Person ihre sexuelle Orientierung ausleben wolle, vorschreiben, noch dürften die Grundrechte auf Religions- und Meinungsfreiheit beschnitten werden.

Die vorgelegten Formulierungen des Gesetzesentwurfs führten nach Ansicht der DEA zu erheblichen rechtlichen Unsicherheiten. „Ein Gesetz, dessen Ziel der Schutz der Freiheit ist, darf nicht seinerseits in die Persönlichkeitsrechte und die Grundrechte der Religions- und Meinungsfreiheit eingreifen“, erklärte der DEA-Generalsekretär, Reinhardt Schink, in der Pressemitteilung. Insbesondere müsse klar definiert sein, wie Information über und Werbung für die Veränderung der sexuellen Orientierung unterschieden werden sollen.

„Druck, Verunsicherungen und Angst bei Eltern, Seelsorgern und Pädagogen“

Der Prior der Offensive junger Christen (OjC), Mitglied im Hauptvorstand und des Arbeitskreises Politik der DEA, Konstantin Mascher kritisierte „nicht haltbare Grundannahmen“ des Gesetzesentwurfs und warnte, dass der Text in seiner jetzigen Fassung wegen vieler unbestimmter Rechtsbegriffe – die Pressemeldung nennt hier „Behandlungen“, „Maßnahmen“, „Werbung“ – und inhaltlicher Widersprüche zu Problemen führen werde. So sei derzeit nicht klar erkennbar, was genau unter welchen Umständen zu einer Straftat werden könne. Das geforderte „Verbot für jedermann“ ist nach DEA-Ansicht dazu geeignet, „in irgendeiner Weise Druck auszuüben“, und werde „Verunsicherungen und Angst bei Eltern, Seelsorgern und Pädagogen auslösen“. Für die verwendeten Begriffe forderte Mascher „dringend Klärung, damit das Gesetz seine gewünschte Wirkung zum Schutz von Betroffenen auch wirklich entfalten kann und ungewollte negative Konsequenzen vermieden werden“.

Heimowski erachtet es zudem als widersprüchlich, dass Therapien für Einwilligungsfähige über 18 Jahren weiter erlaubt bleiben sollen, die Werbung dafür jedoch verboten werden soll. Auch die im Gesetz formulierte Grundnahme, dass Sexualität nicht „unterdrückt“ werden darf, hält die DEA für bedenklich. „Das würde gegen jede Form der sexuellen Enthaltsamkeit sprechen", erklärte Heimowski auf Anfrage von pro. Auch die Annahme, dass die sexuelle Orientierung bereits bei jedem Jugendlichen unumkehrbar festgelegt sein soll, hält die DEA für fragwürdig und führt häufige Schwankungen in der Pubertät dahingehend ins Feld.

Der Politikbeauftragte habe zudem festgestellt, dass „während der Zeit der Erstellung des Gesetzesentwurfes durch verschiedene Gruppen ein Klima von Verdächtigungen, Vorverurteilungen und Verleumdungen gegen Kirchengemeinden und Werke“ entstanden sei. Er bat demnach die Verantwortlichen, solchen Versuchen entschieden entgegenzutreten und einen offenen sowie neutralen und sachlichen Diskurs zu fördern. Entgegen der medialen Angriffe im Vorfeld sei die Anhörung von Seiten des Gesundheitsministeriums sehr sachlich und konstruktiv geführt worden, erklärte Heimwoski gegenüber pro. Zur Anhörung erklärte der Politikbeauftragte bei Facebook:

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 26 Nov 2019 16:49:00 +0100
<![CDATA[DSDS-Siegerin Marie Wegener: „Glaube gibt mir Halt im Leben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/11/26/dsds-siegerin-marie-wegener-glaube-gibt-mir-halt-im-leben/ Marie Wegener ist die bislang jüngste Gewinnerin der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“. Im Mai vergangenen Jahres siegte die damals 16-Jährige mit 64 Prozent der Zuschauerstimmen in der Fernsehsendung. Sie erhielt einen Plattenvertrag und 100.000 Euro Preisgeld. Im Casting machte Chef-Juror Dieter Bohlen der jungen Sängerin den Auftritt etwas mies, weil er erwartete, dass das Lied „I Have Nothing“ von Whitney Houston für sie zu schwer sei. Wegener überraschte ihn und kam eine Runde weiter. Sie bewies Kampfgeist.

Nun hat die heute 18-Jährige in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost über ihren Glauben gesprochen. Reporter Horst Stellmacher spricht sie auf ihre Kreuzkette am Hals an und will wissen, ob diese nur Schmuck oder Bekenntnis sei. Wegener antwortet: „Ich bin gläubig. Ich bete jeden Abend.“ Doch nicht nur das, sie erklärt auch: „Ich bete vor jedem Auftritt. Der Glaube gibt mir Halt im Leben.“

Juror Bohlen schrieb ihr 2018 den Siegersong „Königlich“, wie dann auch das gleichnamige Album hieß. Der Titelsong ist ein Liebeslied. Manche Zeilen könnten aber auch aus einem modernen christlichen Lied stammen. Hier ein Auszug: „Wenn das Leben grad zu allem schweigt und mir alles nimmt und nichts mehr bleibt, bist du da und stehst mir bei. Du bist da, stark für zwei, du bist da, mir so nah!“ Und weiter: „Du bist einfach königlich, heller als das Sonnenlicht. Spür wie mir das Herz zerbricht ohne dich.“

Bohlen: „Möchten Nächstenliebe und Dankbarkeit den Kindern vermitteln“

Pop-Titan Bohlen antwortete im selben Jahren im Interview der Zeitschrift Bunte auf die Frage „Glauben Sie an Gott?“ in Bezug auf sich, seine Partnerin und seine Familie: „Wir beten alle zusammen ein-, zweimal am Tag und auch noch jeder für sich. Nicht alles sollte selbstverständlich sein. Demut, Nächstenliebe und Dankbarkeit sind Werte, die wir den Kindern vermitteln möchten.“

Im September 2019 veröffentlichte Wegener ihr zweites Studioalbum „Countdown“ und landete damit auf Platz 20 der Charts. Sie macht Schlagermusik mit Pop-Elementen. Im Sommer war sie mit dem österreichischen Künstler Andreas Gabalier auf Stadiontour. Kurz zuvor absolvierte die Sängerin ihr Abitur.

Von: Martina Blatt

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Tue, 26 Nov 2019 16:24:00 +0100
<![CDATA[Webseite informiert über Religiöses in der ARD]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/11/26/webseite-informiert-ueber-religioeses-in-der-ard/ Wer sich künftig über Gottesdienste und religiöse Themen in der ARD informieren will, für den haben die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ein neues Angebot: Auf der Internetseite Gottesdienste.ard.de informieren sie gemeinsam mit evangelischer und katholischer Kirche über Sendungen mit Glaubensinhalt.

Das Programm ist nach vier Kategorien sortiert: Fernsehgottesdienste, Hörfunkgottesdienste, Religionen und Das Wort zum Sonntag. Der Bereich Religionen bietet Infos über aktuelle journalistischen Angebote aus dem Bereich Religion, die im Ersten, auf 3sat, ARD-Alpha, Arte und in den neun Landesrundfunkanstalten erscheinen. Die anderen drei Bereiche beschäftigen sich mit den Verkündigungssendungen in den Öffentlich-Rechtlichen. Das Angebot ist mit der ARD Mediathek verlinkt, wo einige der Sendungen abrufbar sind.

Von: Anna Lutz

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Tue, 26 Nov 2019 13:33:00 +0100
<![CDATA[Teuerste Bibel Deutschlands versteigert]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2019/11/26/teuerste-bibel-deutschlands-versteigert/ Die Bibel, die am Montag beim Auktionshaus Ketterer Kunst in Hamburg den Besitzer wechselte, wurde 1462 in der berühmten Gutenberg-Presse gedruckt. Die wertvolle Bibel befand sich in Familienbesitz, die Eigentümer wollten anonym bleiben. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet, handelt es sich bei dem neuen Eigentümer um einen privaten Schweizer Sammler.

Johannes Gutenberg (1400–1468) revolutionierte die Methode der Buchproduktion mit beweglichen Metalllettern. Sieben Jahre nach der weltberühmten Gutenbergbibel schuf sein Schüler Peter Schöffer mit seinen eigenen Lettern eine neue Bibel, teilte das Auktionshaus mit. Nach einem Rechtsstreit wegen unterlassener Zinszahlungen war die Druckerwerkstatt Gutenbergs an den Mainzer Anwalt Johann Fust übergegangen. Der führte gemeinsam mit Gutenbergs fähigstem Schüler Peter Schöffer das Unternehmen ab 1455 weiter. Fust starb 1466, Schöffer übernahm die Leitung des Unternehmens.

Insgesamt 1.050.000 Euro bezahlte der Sammler für die Bibel aus dieser Werkstatt, dabei beträgt der reine Verkaufspreis 840.000 Euro, dazu kommt eine Provision von 25 Prozent. Die Gebote wurden per Telefon abgegeben. Wie eine Sprecherin von Ketterer Kunst mitteilte, sei dies die teuerste Bibel, die jemals in Deutschland ersteigert wurde.

Insgesamt umfasst die Bibel, die aus zwei Büchern besteht, 481 Blätter aus Pergament, die in Mainz von Hand bedruckt wurden. Die Bücher sind jeweils 42 mal 31 Zentimeter groß und wiegen zusammen etwa 20 Kilogramm. Die Schriftart der Bibel, die Gotica-Antiqua, wurde damals extra für dieses Buch geschaffen. „Schöffers neuartiges Schrift-Design war von epochaler Bedeutung und prägte die Druckschrift aller nachfolgenden deutschen Buchdrucker“, teilte das Auktionshaus mit.

Die Bibel wurde nach dem Druck nach Italien gebracht und dort kunstvoll mit bunten Farben und Gold illustriert. Insgesamt schufen Fust und Schöffer vermutlich 200 bis 250 Exemplare, von denen heute noch etwa 90 existieren – der Großteil jedoch nur in Fragmenten. Drei davon befinden sich in privater Hand.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 26 Nov 2019 13:18:00 +0100