Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Mon, 27 May 2019 00:06:39 +0200 <![CDATA[„Abtreibung ist nie eine Antwort“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/26/abtreibung-ist-nie-eine-antwort/ „Kein Mensch kann als mit dem Leben unvereinbar betrachtet werden, weder wegen seines Alters noch wegen seines Gesundheitszustands“. Dies hat das Oberhaupt der Katholischen Kirche, Papst Franziskus, am Samstag gesagt. Der Vatikan hatte die Tagung „Yes to Life!“, bei der es auch um Pränataldiagnostik ging.

„Abtreibung ist nie die Antwort“, betonte Franziskus in der Audienz mit Teilnehmern der Tagung. Er warnte davor, Pränataldiagnostik für „selektive Zwecke“ zu nutzen. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche ermunterte Ärzte, Lösungen zu finden, „die die Würde eines jeden Menschenlebens respektieren“ und Familien zu unterstützen, die ein krankes Kind auf die Welt bringen wollen. „Oft hinterlassen diese wenigen Stunden, in denen eine Mama ihr Kind wiegen kann, eine Spur im Herzen dieser Frau, die sie nie vergessen wird.“

Der Argentinier verurteilt Abtreibung immer wieder mit klaren Worten. Am Samstag wiederholte er laut der Deutschen Presse-Agentur auch einen Vergleich, mit dem er im vergangenen Jahr für Empörung gesorgt hatte: Er stellte Abtreibung mit dem Anheuern eines Auftragsmörders gleich. Für die Katholische Kirche ist Abtreibung in jedem Fall eine schwere Sünde.

Von: dpa

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Sun, 26 May 2019 11:27:00 +0200
<![CDATA[„Fragen stellen, die das Land weiterbringen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/26/fragen-stellen-die-das-land-weiterbringen/ Christen in der Schweiz wollen die Politik auf Basis christlicher Werte konstruktiv mitgestalten. Deswegen haben etliche Verbände und Organisationen den Verein „Christian Public Affairs“ (CPA) gegründet. pro hat mit Paul Mori, Sonderbotschafter der Heilsarmee, über die Ziele des neuen Vereins gesprochen.

pro: Herr Mori, was war der Anstoß, um die Organisation zu gründen?

Paul Mori: Wir stellen seit Jahren fest, dass viele politische Entscheidungen an den Kirchen vorbei getroffen werden. Als Heilsarmee haben wir in vielen Ländern einen guten Zugang zur Politik und unsere Expertise wird geschätzt. Auch in der Schweiz wollen wir uns nun gemeinsam mit unseren Partnern des CPA vermehrt äußern, um Entscheidungen möglichst in unserem Sinn mitzugestalten.

War es schwierig, Mitstreiter zu finden?

Es gibt schon länger das Bedürfnis, dass Christen in der Schweiz ihre Expertise bündeln, damit wir vermehrt eine konsolidierte Position vertreten können. Das Vorgehen entspricht auch dem Bedürfnis insbesondere christlicher Politiker. Dieser Status hat zu einem breiten Konsens geführt, den Verein zu gründen. Zudem sind wir auch offen für die Zusammenarbeit mit weiteren interessierten Kreisen aus Kirche und Gesellschaft, mit denen wir im Gespräch sind.

Wie soll die Arbeit in der Praxis strukturiert werden?

Wir haben einen Maßnahmenplan mit Prioritäten beschlossen, die wir nun angehen wollen. Die Aktivitäten ergeben sich auch aus den aktuellen Anlässen der politischen Agenda. Die Themen sollten im Einklang mit den Prioritäten des Bundes und den zu erwartenden Entwicklungen stehen: Sozialversicherungsreform, Migration, Gewalt, Arbeit, die eidgenössischen Wahlen und anderes.

Welches sind die wichtigsten Themen der Agenda?

Wir haben aktuell vier bis fünf konkrete Themen, die uns wichtig erscheinen. In der Schweiz wurde heftig über das Thema debattiert, dass Pfarrer oder Kirchgemeinden sich strafbar machen, wenn sie Asylsuchende bei sich aufnehmen. Es ist aus unserer Sicht problematisch, wenn Mitmenschlichkeit und Rechtsstaat sich in die Quere kommen. Hier braucht es Lösungen. Wir schauen anhand der Parteiprogramme, wo es mögliche Anknüpfungspunkte für gemeinsame Interessen gibt. Im Gespräch suchen wir Themen und Partner, mit denen wir Allianzen eingehen können.

Wie kann es gelingen, christlichen Themen in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen?

Das ist eine gute Frage, die wir aber erst in Zukunft beantworten können. Wir sind nun gestartet und dazu angetreten „Farbe zu bekennen“ und lösungsorientiert einen Beitrag zu leisten. Aber ich nehme wahr, dass einzelne Politiker beginnen, sich für unsere Arbeit und Positionen zu interessieren. Wir haben einen breiten Themenkatalog aufgestellt. Jedes Mitglied kann Themen, die ihm wichtig sind, schriftlich und bei unseren monatlichen Videokonferenzen einbringen. Es gibt keine Tabus, aber wir verfügen natürlich in vielen Bereichen nicht über die Expertise, um uns zu äußern. Gemeinsam als Christen an einem Thema zu arbeiten und darüber nachzudenken wird jedoch mit Sicherheit ein Mehrwert für alle. Es ist der Anfang einer Entdeckungsreise, die aus unserer Sicht ein grosses Potential hat.

Was wollen Sie gerne in fünf Jahren erreicht haben?

Sicher ist es ein Ziel, politische Vorstöße zu lancieren und proaktiv Themen auf die politische Agenda zu bringen. Wir wollen als CPA Fragen stellen, deren Beantwortung uns als Volk und Land und auch als Teil der europäischen Gemeinschaft weiterbringt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören die Heilsarmee, die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA), Freikirchen Schweiz VFG, ERF Medien, HMK Hilfe für Mensch und Kirche sowie ethik22 Institut für Sozialethik. Drei weitere Institutionen prüfen einen Beitritt. Der Verein wird geleitet von Christine Volet (Heilsarmee, Präsidentin) und Marc Jost (SEA, Vizepräsident) und hat zwei Mitarbeiter mit Paul Mori (Sonderbotschafter Heilsarmee) und Michael Mutzner (Mediensprecher Réseau évangélique suisse RES) zwei Teilzeitmitarbeiter.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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Sun, 26 May 2019 09:03:00 +0200
<![CDATA[Open Doors: „Indiens Christen vor Eskalation der Gewalt schützen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/05/25/open-doors-indiens-christen-vor-eskalation-der-gewalt-schuetzen/ Indiens Bevölkerung hat gewählt. Die rund 800 Millionen Wahlberechtigten bescherten dem amtierenden Premierminister Narendra Modi von der hindu-nationalistischen Regierungspartei BJP einen klaren Sieg. Das christliche Hilfswerk Open Doors blickt mit Sorge auf den Wahlausgang. Unter der Herrschaft der BJP habe sich Indien auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors von Rang 28 auf 10 verschlechtert. Es gehöre zu den Ländern, „in denen es für Christen besonders gefährlich ist, ihren Glauben zu leben“, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation.

Der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode, fordert im Namen seiner Organisation die neue Regierung auf, „die weitverbreitete Verfolgung von Christen und religiösen Minderheiten sofort [zu] unterbinde[n]“. Die indische Regierung sei gefordert, eine missbräuchliche Anwendung der Antikonversionsgesetze zu stoppen. „Die Vertreibung von Christen aus ihren Dörfern muss aufhören, genauso wie die Unterdrückung der großen Anzahl von Dalits, die sich dem christlichen Glauben zugewendet haben.“

Die Verfolgung von Christen in den 29 Bundesstaaten ist nach Angaben des Hilfswerkes unterschiedlich stark. Acht Bundesstaaten hätten Anti-Bekehrungsgesetze eingeführt, die gegen Nicht-Hindu-Religionen gerichtet seien. Ein Sprecher von Open Doors erklärte: „Seit 2014 haben hinduistische Extremisten ein Klima des Hasses und der Intoleranz gegenüber den religiösen Minderheiten Indiens geschaffen, vor allem im Blick auf die christlichen und muslimischen Gemeinschaften.“

Morddrohungen und physische Gewalt

Im ersten Quartal 2019 verzeichneten lokale Partner des christlichen Hilfswerkes bereits 216 christenfeindliche Vorfälle, darunter zwei Morde, 11 Mordversuche, Angriffe auf 18 Gottesdienste mit mehreren hundert Besuchern sowie 45 Attacken auf Christen mit teils bleibenden Schäden. 2014 wurden im gesamten Jahr 147 Gewalttaten gegen Christen registriert, die an „Open Doors“ gemeldet wurden. Ein Partner vor Ort berichtet laut der Organisation: „Seitdem Polizeikräfte vermehrt unter Einfluss der Extremisten stehen, sind Morddrohungen und physische Gewalt gegen Christen nicht mehr nur in Dörfern verbreitet, wo oft die Regeln der Dorfältesten über dem offiziellen Gesetz stehen, sondern auch in Städten.“

Religiöse Minderheiten würden durch Kampagnen zur Zwangsbekehrung zum hinduistischen Glauben zusätzlich unter Druck gesetzt. Dazu zitiert Open Doors einen indischen Pastor: „Wir hoffen und beten, dass die internationale Gemeinschaft den Schutz religiöser Minderheiten gegenüber der indischen Regierung anspricht. Die könnte die indischen Gesetze und sogar Klauseln in der Verfassung ändern und so weitere Instrumente zur Verfolgung von Minderheiten schaffen.“

Von: Martina Blatt

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Sat, 25 May 2019 12:42:00 +0200
<![CDATA[Bundestagung „Christ und Jurist“: Toleranz ist nicht Akzeptanz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/25/bundestagung-christ-und-jurist-toleranz-ist-nicht-akzeptanz/ Die Bundestagung der Initiative „Christ und Jurist“, die von Freitag bis Sonntag in Wiesbaden stattfindet, steht unter dem Motto „Rede frei! Bekenne frei!“. Im Zentrum der Tagung steht die Frage, wie es um die grundgesetzlich garantierte Rede- und Bekenntnisfreiheit tatsächlich bestellt ist. „Dabei wollen wir den Fokus auf das Eintreten für den Glauben legen“, erklärten die Veranstalter. In bestimmten Bereichen wie zum Beispiel Universitäten oder bei der Auswahl von Kandidaten für politische Mandate gebe es zunehmend Redeverbote. „Müssen wir uns damit abfinden?“, lautete eine der Impuls-Fragen der Tagung.

Thomas Schirrmacher, Stellvertretender Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, sagte, das Gründungsdokument der Evangelischen Allianz von 1864 sei ein „offizielles Schlusserklärung für das Konstantinische Zeitalter“. Es habe sich glücklicherweise die Überzeugung durchgesetzt, dass es eine „Irrweg“ sei, anzunehmen, mit Hilfe des Staates Menschen für Jesus gewinnen zu wollen.

Dabei sei Mission das Ur-Thema von Kirche schlechthin. „Nehmt die Mission aus der Kirche, dann bleibt nichts mehr übrig“, so Schirrmacher. Dabei sei Gott selbst im Grunde „der erste Missionar“, weil er schon Adam und Eva auf das Jüngste Gericht hingewiesen habe. Der erfolgreichste Missionar der Geschichte sei der Heilige Geist, so der Theologe. „Nicht Paulus, nicht Billy Graham, auch nicht Papst Franziskus.“ Zudem sei jeder Christ geradezu dazu verpflichtet, die Botschaft von Jesus weiterzugeben, fügte Schirrmacher hinzu. Für ihn sei eines der schönsten Bilder für Mission: Ein Bettler sagt dem anderen, wo es was zu Essen gibt. Dabei stünden beide Bettler auf derselben Stufe, und keiner greife die Würde des anderen an.

Die Evangelische Allianz habe bei ihrer Gründung zum Ziel gehabt, dass das Evangelium einheitlich verkündet werde. Die Kehrseite sei damals die Akzeptanz der Religionsfreiheit gewesen. Schirrmacher betont, bis heute gelte: „Man muss dem anderen die völlige Freiheit lassen, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.“ Dieses Eintreten für Religionsfreiheit sei 1846 noch kein politisches Konzept gewesen, und für viele noch etwas Unerhörtes. „Die Katholische Kirche war damals auf dem Höhepunkt der Ablehnung der Religionsfreiheit.“ In gewisser Weise schulde Europa der Evangelischen Allianz bis heute Dank.

Apostelgeschichte ein „juristisches Buch“

Paulus sei vor seiner Bekehrung das klassische Beispiel eines religiösen Extremisten gewesen. „Er war davon überzeugt, dass er das Recht hat, im Namen seiner Religion Menschen, die damit nicht übereinstimmen, umzubringen.“ Und das habe zunächst einmal vor allem seine eigenen Leute betroffen, so Schirrmacher. „Extremisten bringen immer zunächst einmal ihre eigenen Leute um.“ Religionsfreiheit hingegen gebe die Möglichkeit, den Streit über den rechten Glauben mit Worten auszufechten, nicht mit Waffen.

Die Apostelgeschichte sei durch und durch ein „juristisches Buch“, so Schirrmacher, ein Lob des Rechtsstaates gegen Christenverfolgung. Als Beispiel nannte er die Situation, in der Paulus verhaftet werden sollte, er aber betonte, dass er römischer Staatsbürger sei und nach dessen Recht behandelt werden müsse. Schirrmacher: „Paulus wusste: Es ist keine Sünde, sich auf den Rechtsstaat zu berufen.“

Schirrmacher: „Je gläubiger wir sind, je besser wir verstanden habe, was in der Bibel steht, umso mehr treten wir für Religionsfreiheit ein. Gott hat die Welt geradezu so erschaffen, dass man ihm widersprechen darf. Er hätte auch eine ganz andere Welt erschaffen können. Aber dann hätte er keine Ebenbilder erschaffen.“

„Autonomie und Authentizität sind der Schlüssel für das Verstehen des Menschen"

Christoph Raedel, Professor für Systematische Theologie und Theologiegeschichte an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, widmete sich in seinem Referat dem Unterschied zwischen Toleranz und Akzeptanz. Aufgewachsen in der DDR, habe er früh gelernt zu unterscheiden zwischen der Meinung, die er öffentlich äußern durfte und jener, die er nur zu Hause sagen konnte. Als die Mauer fiel, war er zunächst davon überzeugt, dass private und öffentliche Meinung identisch sein müssten. „Kommen wir wieder dahin zurück, dass man dazwischen unterscheiden muss?“, fragte Raedel.

In der Aufklärung sei klar geworden, dass Machtfragen und Wahrheitsfragen getrennt werden müssten. „Der Staat muss dafür sorgen, dass die Bürger ihre Überzeugungen gewaltfrei vertreten können, und die anderen ihn in seiner Meinung akzeptieren“, sagte Raedel. „Im Rückblick betrachtet ein großer Segen für Europa, weil er die Ausübung von Religion entschärft hat.“ Bis dies auch Praxis wurde, habe noch eine gewisse Zeit vergehen müssen. Zunehmend sei Religion aber ethisch funktionalisiert worden – gemäß der Ring-Parabel von Lessing. „Dabei wird aber Abschied genommen vom Wahrheitsbegriff“, so Raedel. Der Wahrheitsanspruch von Religion werde immer mehr zurückgenommen, und das passiere bis in unsere Tage immer stärker. Dabei sei der christliche Glaube in der Tat in gewisser Weise „imperial, denn wir glauben, dass jeder Mensch in Gottes Ebenbild erschaffen ist, und wir glauben, dass Jesus Christus für alle Menschen gestorben ist“.

Es komme aber immer mehr zu einer Toleranz aus einer Gleichgültigkeit heraus, so Raedel. „Doch ein Dialog setzt immer voraus, dass man einen Standpunkt hat. Wenn keiner einen Standpunkt hat, kann man sich den Dialog sparen“, sagte Raedel. Heutzutage träten Toleranz und Akzeptanz immer nur noch gemeinsam auf, so der Theologe. Dabei bedeute Akzeptanz die Annahme der anderen Person so wie sie ist, mit den Überzeugungen, die sie vertritt und der Lebensweise, die sie lebt. Und sie bedeutet den Verzicht jeder Form der Kritik. „Was wir hier erleben ist die Unfähigkeit, zwischen dem Dasein und dem Sosein des Menschen zu unterscheiden.“

„Wir werden zu einem Volk von Diskriminierungsopfern“

Im Zuge der Aufklärung sei jedoch auch die Romantik und damit ein Menschenbild entstanden, das die persönliche Empfindung in den Vordergrund stelle. Das Credo der Romantik laute: „Du bist ein Lebenskünstler, nun gestalte dein Leben wie ein Kunstwerk.“ Dadurch werde die Identität bestimmt, sie sei das Resultat der Selbstverwirklichung. Sie sei zur ultimativen Instanz für das Leben geworden, so Raedel. Als Beispiel nannte er die sexuelle Identität von Menschen, die etwa dazu führe, dass jemand seinen Körper seinem inneren Empfinden gemäß anpassen will.

Die Originalität sei seit der Neuzeit wichtiger als Moralität geworden, so der Theologe. „Autonomie und Authentizität sind der Schlüssel für das Verstehen des Menschen in der Gegenwart.“ Somit komme Kritik an einem Lebensstil geradezu einer Kränkung der Identität gleich. Das bringe mit sich, dass der Vorwurf der Diskriminierung mittlerweile überall sei. „Wir werden zu einem Volk der Diskriminierungsopfer“, so Raedel. Die Folge davon sei aber, dass man „echte“ Diskriminierung kaum noch wahrnehme. Raedel stellte dem entgegen: „Identität wird nicht gemacht, sondern sie wird gefunden. Die Identität der Person sei als Heimat zu interpretieren, die man finden könne. „Wer ich bin, darüber kann nur der kompetent entscheiden, dem ich das Leben verdanke: Gott.“

„Christ und Jurist“ ist eine Initiative von Christen verschiedener Konfessionen, die einen juristischen Beruf erlernen, ausüben oder ausgeübt haben, und die ihr Christsein und Juristsein enger miteinander verbinden möchten. Die ehrenamtlich getragene Initiative wurde 1997 gegründet.

Von: Jörn Schumacher

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Sat, 25 May 2019 12:32:00 +0200
<![CDATA[Geschäftsführer von humedica geht in Ruhestand]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/05/25/geschaeftsfuehrer-von-humedica-geht-in-ruhestand/ humedica, Wolfgang Groß, geht dieses Wochenende in den Ruhestand. Im Laufe der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen humedicas in Kaufbeuren wird der Mitbegründer sich aus dem Amt verabschieden. Im Gespräch mit pro erzählt er von seiner Zeit bei der Not- und Katastrophenhilfe - und wie er dabei zum christlichen Glauben gefunden hat.]]> Sie haben humedica 1979 zusammen mit Ihrem Bruder gegründet. Wie kamen Sie damals auf diese Idee?

Ich war immer schon sozial engagiert, habe dann auch einen Beruf im Sozialbereich erlernt und bin Krankenpfleger geworden. Eigentlich hatte ich vor, mich an der Krankenpflegehochschule in Marburg als Lehrer für Krankenpflege weiterzubilden, aber da kam 1979 die Gründung von humedica dazwischen. Der Anlass war eine Reise meines Bruders Dieter mit einigen Freunden nach Marokko. Dabei erlebten sie das erste Mal Leid und Not aus eigener Anschauung. Nach der Rückkehr haben wir uns dann gefragt: Was können wir tun? Und so kam die Idee auf, einen eigenen Verein zu gründen. Wir waren damals noch nicht gläubig, sondern haben das rein aus unserer humanistischen Erziehung heraus gemacht. Mein Bruder Dieter und ich sind zwar in einer Familie aufgewachsen, wo wir lutherisch getauft worden waren, aber nach der Konfirmation war die Sache mit der Kirche für uns eigentlich beendet.

Wie haben Sie dann mit der Arbeit begonnen?

Wir waren damals noch sehr jung; ich 25, mein Bruder 22 und die anderen Mitstreiter noch jünger. Menschen zu überzeugen, dass sie uns Geld spenden, war nicht ganz einfach. Es war dann so: Im Ostallgäu fand im Sommer 1979 der Weltkongress der Zauberkünstler statt. Da sind wir hingefahren und haben die Künstler gefragt, ob sie bereit wären, ohne Gage für uns bei einer Benefizveranstaltung aufzutreten. Das war richtig von Erfolg gekrönt. Der damalige Oberbürgermeister von Kaufbeuren, Rudolf Krause, hat uns den Stadtsaal kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir haben einen Reinerlös von 5000 Mark erwirtschaftet, was für uns ungeheuer viel Geld war. Ein Freund meines Vaters stellte uns schließlich noch eine Doppelhaushälfte mietfrei zur Verfügung, in die wir mit unserem Verein einziehen konnten.

Anfangs hat die Organisation vor allem durch Medikamentenspenden Hilfe geleistet. Wie kam dann die Unterstützung durch die Vor-Ort-Einsätze zustande?

Ja, in der Anfangsphase unterstützten wir soziale Projekte von Partnern mit Sachspenden, wie wir das bis zum heutigen Tag auch noch machen. Wir haben zunächst mit zwei deutschen Organisationen zusammengearbeitet und Hilfsgüter für sie beschafft. Das ging über einige Jahre. Vereinzelt haben wir zwar auch damals schon Ärzte in den Einsatz geschickt, aber richtig begonnen hat es mit den humedica-Ärzteteams erst 1999. Mitte der 90er Jahre hatte ich bei einer Veranstaltung von christlichen Organisationen den Mediziner Georg Müller kennengelernt. Als er erfuhr, was wir bei humedica tun, sagte er, er hätte viele Kollegen, die gerne Kurzeinsätze machen würden, und es gebe kaum die Möglichkeit dafür. Durch seine Initiative, Georg Müller war damals der Vorstandsvorstizende von Operation Mobilisation in Mosbach, kam es dann 1998 das erste Mal dazu, dass wir einige Ärzte und Krankenschwestern nach Hyderabad geschickt haben, um in Zusammenarbeit mit „OM India“ Reihenuntersuchungen auf Tuberkulose durchzuführen. Georg war also sozusagen der Gründer der humedica-Ärzteteams.

Mittlerweile ist humedica dafür bekannt, bei Katastrophen besonders schnell vor Ort zu sein, wie etwa kürzlich bei den Anschlägen in Sri Lanka. Wie gelingt das?

Durch eine gute Organisation und Vorbereitung. Wir haben inzwischen circa 500 Personen in einer Datenbank. Das sind Mediziner, Pflegepersonal, Koordinatoren und Techniker, die ein Training bei uns absolviert haben. Wenn es zu einer Katastrophe kommt, verschicken wir über einen Internet-Provider eine Massen-SMS. Dann kommen innerhalb weniger Minuten schon die ersten Rückmeldungen von Personen, die bereit sind, mitzukommen. Und dann weiß natürlich jeder im Haus, was er zu tun hat. Ich habe tolle Mitarbeiter, die auch bereit sind, am Ostersonntag oder am zweiten Weihnachtsfeiertag sofort aus ihrer warmen Stube rauszukommen, um dafür zu sorgen, dass wir sehr schnell in den Einsatz gehen können.

Humedica versteht sich als ein Werk, „das im Glauben an Gottes freundliche Zuwendung auf seine Führung vertraut“ und sein Handeln und Verhalten an dieser Gottesbeziehung ausrichten will. Wie kam es dazu, dass die anfangs rein humanitäre Organisation so christlich geworden ist?

Die Organisation ist nicht christlich geworden. Wenn Sie unsere Satzung anschauen, finden sie keinen Bezug zum Christentum, weil es ja auch manchmal nicht ganz einfach ist, wenn man als betont christliche Organisation in einen Einsatz geht. Obwohl ich sagen muss, dass wir in dieser Hinsicht bisher noch nie Schwierigkeiten hatten. Wenn man sich die Berichte auf der Webseite anschaut, ist natürlich schon erkennbar, dass wir christliche Werte verfolgen. Wir kommen hier jeden Morgen um acht Uhr zusammen und haben eine Andacht. Daran nehmen nicht alle Mitarbeiter teil, aber einige von denen, die gläubig sind. Wir beten für unsere Einsatzkräfte und ich lasse mich auch von Gott führen. Gerade dann, wenn eine schnelle Entscheidung getroffen werden muss und noch nicht alle Informationen vorliegen, die man vielleicht bräuchte, um den Einsatz zu beginnen. Dann setzen wir uns zusammen und beten für eine richtige Entscheidung.

Sie selbst sind im Laufe ihres Lebens aber zum Glauben gekommen.

Ja. 1984, also fünf Jahre nach unserer Gründung, war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich mich gefragt habe, ob ich weitermachen möchte. Als junge Leute hatten wir anfangs gedacht: Wir werden die Welt verändern! Aber die Situation der Welt hat sich nicht zum Besseren, sondern eher zum Schlechteren verändert. In dieser Zeit war ich dann auch krank und habe ein Magengeschwür bekommen. Mein Bruder hatte sich damals schon unabhängig von mir bekehrt und schenkte mir eines Tages ein Taschenbuch mit dem Titel „Die Ruhe der Rastlosen“ mit Zeugnissen von Menschen, die Gott völlig verändert hat. Und das war natürlich für jemanden wie mich, der mit dem Glauben eigentlich nichts am Hut hatte, unglaublich. Eine Geschichte hat mich besonders beeindruckt. Am Ende der Zeugnisse standen immer der Name und die Adresse. Ich habe dem Mann einen Brief geschrieben und gesagt, ich hätte diese Geschichte gelesen, könne es aber nicht glauben und würde mich gerne mit ihm unterhalten. Er hat mich dann eingeladen und an dem Abend sprach ich gemeinsam dann mit Alfons Böllert ein Übergabegebet. So bin ich dann von einem Tag zum anderen Christ geworden. Danach hat sich natürlich auch bei humedica einiges verändert.

Sind Sie auf Einsätzen von humedica schon mal selbst in Gefahr geraten?

Ja, das hat es schon ein paar Mal gegeben. Ich lehrte 1997 eine Woche lang auf einer Jüngerschaftsschule von „Jugend mit einer Mission“ in Mombasa und fing mir eine Malaria tropicana ein. Auf dem Weg nach Hause bekam ich hohes Fieber und am nächsten Tag stellte mein Hausarzt schließlich eine sehr schwere Malaria-Erkrankung fest. Ich wurde dann behandelt, aber es wurde immer schlimmer. Ich hatte Nierenversagen und es wurde ein Blutaustausch gemacht. Meine Frau war damals mit unserer zweiten Tochter schwanger und durfte nicht in die Infektionsabteilung des Krankenhauses. Durch Gottes Gnade und eine gute medizinische Behandlung bin ich dann doch wieder gesund geworden. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich 1992 einmal ins Bürgerkriegsgebiet in Sri Lanka gereist bin, das von der Rebellenbewegung, den sogenannten Tamil Tigers, besetzt war. Die an der nördlichen Spitze des Landes gelegene Jaffna-Halbinsel konnte auf dem Landweg nicht erreicht werden, sondern nur indem man nachts, bei völliger Dunkelheit, unerlaubter Weise mit Fischerbooten die Jaffna-Lagune überquerte. Bei dieser Überfahrt wurden wir von einer Militärbasis auf dem Elefantenpass aus mit Granaten beschossen. Aus Angst, getroffen zu werden, beteten wir, sangen laut christliche Lieder und dankten Gott dann für eine sichere Ankunft.

Werden Sie sich nach dem Wechsel des Geschäftsführers nun ganz von der Organisation zurückziehen?

Ich bin bereit, mich in den Beirat wählen zu lassen. Das wird eine ehrenamtliche Position. Meine beiden Nachfolger, Johannes Peter und Heinke Rauscher, die ich ja auch selbst ausgewählt habe, haben natürlich auch jederzeit die Möglichkeit, mich zu kontaktieren. Ich werde aber kein Büro mehr in der humedica-Zentrale haben. Ich weiß von anderen Fällen, dass es nicht gut ist, wenn der alte Chef immer noch im Haus ist. Dann haben es die Nachfolger umso schwerer. Humedica hat auch eine Stiftung mit dem Namen „Nächstenliebe in Aktion“ gegründet, einem Slogan von humedica. Diese Stiftung kümmert sich um Bedürftige hier bei uns in Kaufbeuren. Dort werde ich mich künftig verstärkt engagieren.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die zukünftige Arbeit von humedica?

Die humanitäre Hilfe hat sich im Laufe der letzten 40 Jahre stark verändert und professionalisiert. Am Anfang haben wir noch die Ärmel hochgekrempelt und unsere Hilfsgüter in einer Garage gelagert. Heutzutage sind wir zertifizierter Pharmagroßhändler, obwohl wir natürlich keine Arzneimittel verkaufen, und werden daher von der zuständigen Regierungsstelle kontrolliert. Die Medikamente müssen vorschriftsmäßig gelagert und transportiert werden. Darüber hinaus sind wir seit dem letzten Jahr von der Weltgesundheitsorganisation als sogenanntes „Emegency Medical Team“ (EMT) zertifiziert. Die humanitäre Hilfe regionalisiert sich auch zunehmend. Wir haben daher bei unseren Schwesterorganisationen in Brasilien und Indien zwei Trainingszentren gegründet, wo wir lokal medizinische Fachkräfte und Koordinatoren ausbilden, die dann natürlich auch näher an der jeweiligen Katastrophe dran sind.

Vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Henriette Stach.

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Sat, 25 May 2019 11:14:00 +0200
<![CDATA[„Bonifatiusbote“ wird eingestellt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/25/bonifatiusbote-wird-eingestellt/ Die Bistümer Fulda, Limburg und Mainz haben beschlossen, ihre Bistumszeitungen nur noch bis Ende des Jahres 2023 herauszugeben. Das geht aus einer Pressemeldung des Bistums Mainz vom Freitag hervor. Betroffen sind die Titel „Glaube und Leben“ (Mainz), „Der Sonntag“ (Limburg) sowie der „Bonifatiusbote“ aus Fulda mit einer Gesamtauflage von derzeit 21.000 Exemplaren.

Als Hauptgrund führt das Bistum Mainz den kontinuierlichen Rückgang der Auflage an, der zu einem immer höheren Zuschussbedarf durch die Bistümer geführt habe. Zwar habe es viele Bemühungen gegeben, die Kirchenzeitungen attraktiv zu halten, aber man müsse zur Kenntnis nehmen, dass sich der Umgang der Menschen mit Medien massiv verändert habe. Laut Pressemeldung ist das Vorhaben „eine unumgängliche Entscheidung, da die Kirchenzeitungen im bisher bestehenden Modell keine wirtschaftliche Zukunft haben“.

Bis zur Einstellung der Zeitungen wollen die Bistümer „neue Wege und Formate in der Kommunikation“ entwickeln und die Printmedien mit den elektronischen Medien enger verzahnen.

Von der Einstellung der Zeitung sind 22 Mitarbeiter betroffen. Sie seien am Donnerstag in Mainz darüber informiert worden, heißt es in der Pressemeldung des Bistums. Für die MItarbeiter haben die Bistümer eigenen Angaben zufolge „sozialverträgliche kirchennahe Lösungen“ vorgesehen. Herausgegeben werden sie den Angaben zufolge von der gemeinsamen Gesellschaft für kirchliche Publizistik.

Von: Norbert Schäfer

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Sat, 25 May 2019 09:31:00 +0200
<![CDATA[Mehrheit meidet öffentliche Äußerungen zu Tabuthemen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/24/mehrheit-meidet-oeffentliche-aeusserungen-zu-tabuthemen/ Eine Mehrheit der Deutschen schreckt davor zurück, sich zu vermeintlichen Tabuthemen öffentlich ehrlich zu äußern. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Instituts Allensbach. Dabei wurden 14 mögliche Themen abgefragt. Als heikelstes Thema gilt demnach für 71 Prozent der Befragten die Flüchtlingspolitik. Ergebnisse der Studie hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Donnerstag veröffentlicht.

Laut Renate Köcher vom Institut für Demoskopie in Allensbach habe sich die Erregung in der Flüchtlingsfrage weitgehend gelegt. „Geblieben ist der Eindruck, dass die Eliten die Sorgen der Bevölkerung nicht ausreichend ernst nehmen und sogar unter Verdacht stellen“, schreibt sie in der FAZ. Schwer tun sich die Befragten auch mit öffentlichen Meinungsbekundungen zum Islam, zu Juden und zum Rechtsextremismus. Auch die AfD werde ungern in der Öffentlichkeit thematisiert.

Patriotismus und Weltoffenheit im Spannungsverhältnis

Als weiteres Tabu-Gebiet hätten sich Vaterlandsliebe und Patriotismus erwiesen. Vor gut zwei Jahrzehnten empfanden 16 Prozent der Befragten Patriotismus als heikles Thema, aktuell liege die Zahl bei 41 Prozent. Heute stünden Patriotismus und Weltoffenheit in einem Spannungsverhältnis. Dazu hätten vor allem nationalistische und europakritische Gruppierungen beigetragen. Mittlerweile sagt jeder Dritte, dass sich ein Politiker hüten sollte, Nationalstolz zu bekunden.

59 Prozent der Befragten äußern im privaten Bereich frei ihre Meinung. Im öffentlichen Raum sehen diese Freiheit für sich nur 18 Prozent. Im Internet sehen 17 Prozent eine Plattform, auf der man unbedenklich seine Meinung vertreten kann. 36 Prozent der Befragten haben den Eindruck, man solle sich dort mit Meinungsbekundungen zurückhalten.

Zu viel „Political Correctness“?

62 Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass ein Politiker mit harter Kritik rechnen muss, der äußert, der Islam habe zu viel Einfluss in Deutschland. Vier von zehn Befragten kritisieren prinzipiell eine übertriebene „Political Correchtness“. Für Köcher bestärken nicht nur „unausgetragene Kontroversen über wichtige Entscheidungen, sondern auch die Rigorosität, mit der bestimmte Sprachregelungen eingefordert werden“, den Eindruck, dass Freiheitsspielräume im öffentlichen Raum kleiner würden.

Völlig verständnislos reagierten die Bürger auf nachträgliche Korrekturvorschläge von Romanen, wie Astrid Lindgrens „Negerkönig“. 75 Prozent plädieren für die Beibehaltung der Originalversion. 57 Prozent der Bevölkerung „geht es auf die Nerven, dass einem immer vorgeschrieben wird, was man sagen darf und wie man sich zu verhalten hat“. 76 Prozent hielten die Äußerung von Alexander Gauland, dass die Nazis nur ein „Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“ gewesen seien, für völlig inakzeptabel.

Köcher bilanziert: „Viele Bürger vermissen in dem Sinne Respekt, dass sie mit ihren Sorgen und Postionen ernst genommen werden wollen, dass über wesentliche Entwicklungen offen diskutiert wird und sie von erzieherischer Furor verschont bleiben.“ Für die Umfrage wurden laut Allensbach zwischen dem 3. und 16. Mai bundesweit 1.283 Menschen befragt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 24 May 2019 14:31:00 +0200
<![CDATA[Rezo ist auch nur ein Populist]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/05/24/rezo-ist-auch-nur-ein-populist/ Eine Analyse von Anna Lutz]]> Am Freitag, knapp eine Woche nach Erscheinen, hat das Video von Rezo mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ über sieben Millionen Aufrufe. Zum Vergleich: Eine Plattform wie Bento, das Jugendportal des Spiegel, hat monatlich und als Ganzes rund 11 Millionen Besuche. Rezo ist mit seinem politischen Zwischenruf erfolgreicher, als er wohl selbst erwartet hat. Seine Worte werden Einfluss auf die Wahlen am kommenden Wochenende haben. Die CDU wird Stimmen einbüßen, andere werden diese gewinnen. Die Zerstörung der Partei wird ihm nicht gelingen, dafür überschneiden sich seine und die christdemokratische Zielgruppe wohl zu wenig. Dennoch ist es nicht übertrieben, zu schreiben: Rezo hat die öffentliche Wahrnehmung verändert. Er hat Einfluss genommen auf die politische Meinung von Millionen. Sein Ruf, den er am Ende des einstündigen Videos in die Welt schickt, wurde gehört und wird von so manchem befolgt werden: „Wählt bitte nicht die SPD, wählt bitte nicht die CDU, wählt bitte nicht die CSU und schon gar nicht die AfD“, wie er am Ende seines Clips fordert.

Mancher deutet das als Wiederbelebung des politischen Interesses der Generation Z, jener heute bis zu Anfang-20-Jährigen, die vielleicht zum ersten Mal wählen gehen und die die altgedienten Parteien wie Union oder SPD nie gewinnen konnten. Es stimmt, man darf Rezo dafür applaudieren, dass er jungen Menschen dabei hilft, politisches Interesse zu entwickeln und Denkanstöße gibt. Er ist nicht der einzige. Der Journalist und Grimme-Online-Preisträger Tilo Jung versucht mit seinem Kanal „Jung & Naiv“ ähnliches. Rezo zitiert ihn nicht ohne Grund an vielen Stellen seines Clips. Im Gegensatz zu Jung aber bezeichnet sich Rezo nicht als Journalist. Normalerweise produziert er eher halbwitzige Comedy- und Unterhaltungsclips, gelegentlich, aber eher selten, ist ein politisches Thema dabei.

Welchen Werten ist Rezo verpflichtet?

An dieser Stelle beginnt das Problem. Journalist kann sich in Deutschland jeder nennen. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Wer es aber tut, der verpflichtet sich einer Agenda, genannt Pressekodex. Der besteht nicht aus politischen Ansinnen, sondern aus ethischen Maßgaben. Journalisten streben nach der Wahrheit. Sie arbeiten sorgfältig. Sie werben nicht für Unternehmen oder Parteien. Sie achten die Menschenrechte. Sie wenden keine unlauteren Methoden an. Sie berichten fair und hören die andere Seite. Wer ein journalistisches Produkt konsumiert, der weiß, was er bekommt – auch wenn es freilich Qualitätsunterschiede gibt. Missachtet eine Redaktion journalistische Grundsätze, kann sie dafür öffentlich zur Rechenschaft gezogen werden.

Es gab eine Zeit, da waren Journalisten diejenigen mit der Reichweite. Das ist vorbei. Medienexperten wie der Wissenschaftler Bernhard Pörksen sprechen von einem Bedeutungsverlust der sogenannten Gatekeeper: Noch vor zwanzig Jahren bestimmten Redaktionen, welche Themen und Inhalte Öffentlichkeit erfuhren. Heute kann das jeder tun. Auf YouTube, Facebook oder Twitter. Rezo ist ein eindrückliches, aber bei weitem nicht das einzige Beispiel dafür. Sieben Millionen Aufrufe haben nur die Wenigsten, aber das Internet ist voll von allem möglichen und alles mögliche kann geklickt werden: Verschwörungstheorien, politische Meinungen, religiöse Überzeugungen, Schminktipps, Computerspieleanleitungen. Es gibt alles und die Qualität dessen, was es zu sehen gibt, bleibt weitgehend ungeprüft. Die einzige Hoffnung ruht auf dem Schwarm, der Masse der Nutzer, die hoffentlich aufschreit, wenn sie mangelhafte Recherche oder Lügen aufdeckt. Dass das nicht funktioniert, ist offensichtlich. Soziale Netzwerke bedienen sich der Sucht nach dem nächsten Skandal und der größten Emotion. Es zählt, was klickt, die Wahrheit bleibt dabei allzu oft auf der Strecke.

Was der YouTuber verschweigt

Nun ist Rezo im Vergleich zu den Internetpräsenzen von AfD-Politikern oder Schlimmerem sicherlich eines der kleineren Probleme. Dennoch manipuliert er, indem er Wahlempfehlungen ausspricht, Fakten unsauber recherchiert und flach bürstet. Man nennt das Populismus. Das beginnt damit, dass Rezo gleich zu Beginn seiner 55 Minuten zu analysieren versucht, wer von der CDU-Politik der letzten drei Jahrzehnte profitiert hat. Statistiken über die Entwicklung von Bildung und Wirtschaft in Deutschland dienen ihm zum Beleg dafür, dass es nur die Reichen sein sollen. Dass in dieser Zeit nicht nur die CDU regiert hat und vor allem nicht alleine, lässt er großzügig außen vor. Und selbst wenn sie allein an der Macht gewesen wäre, so herrscht in Deutschland doch die parlamentarische Demokratie. Niemand ist hierzulande jemals wirklich alleine an der Macht. Und: Selbst Parteien mit absoluten Mehrheiten wären abhängig von Variablen, die sie nicht in der Hand haben. Wirtschaftskrisen, Flüchtlingsströme, Zuwanderung, Kriege – all das beeinflusst gesellschaftliche Entwicklungen. Schon nach den ersten fünf Minuten möchte man Rezo fragen, ob er wirklich glaubt, die Grünen hätten es besser hinbekommen. Oder gar die Linken. Denn nachdem er Union, SPD und AfD als Alternativen ausgeschlossen hat, bleiben nur diese beiden als ernstzunehmende politische Kräfte mit Erfolgsaussichten als wählbar übrig.

Rezo spricht davon, „wie die CDU unser Leben zerstört“ und macht das fest am Klimawandel und am Irakkrieg, den die Kanzlerin einst befürwortet hätte, so sein Vorwurf. Er nennt Beispiele für politische Inkompetenz: Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler und den Europapolitiker Axel Voss. Und irgendwo zwischen seinen Empörungstiraden über ein Cannabis-Verbot und Kriegsverbrechen der Amerikaner darf sich der Zuschauer fragen, ob Rezo selbst seinem eigenen Aufruf folgt und den Bürger ernst nimmt. Etwa wenn er es verkürzt so darstellt, als sei Annegret Kramp-Karrenbauer gegen die Fridays for Future-Proteste, weil sie erklärt hat, die Demonstrationen fänden besser außerhalb der Schulzeit statt. Als Gegner des Irakkriegs sei ihm gesagt: Man versammelte sich nicht während der Arbeitszeit zu etwa diesem Protest, sondern am Samstag. Undenkbar ist das ausschließlich im Fall von Arbeitsstreiks. Man fragt sich, wie er es verantworten kann, eine ganze Partei anhand zweier personeller Beispiele für inkompetent zu erklären – und ob er das selbst eigentlich als faire Berichterstattung bezeichnen würde. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Spiegel Online haben mittlerweile noch mehr Ungenauigkeiten im Rezo-Video recherchiert.

Zeit für einen YouTube-Kodex

Es stimmt, das Internet ist Neuland. Mit sich bringt es eine neue Debattenkultur, in der sich jeder schnell empören, den politischen Gegner erniedrigen, Unwahrheiten verbreiten, Wahrheiten verzerren und dafür Klicks ernten kann. Rezo ist ein Beispiel dafür. Und er zeigt deutlich: Influencer ersetzen ernsthaften Journalismus mitnichten. Man stelle sich vor, Spiegel Online veröffentlichte morgen einen Aufruf zur Nichtwahl der CDU oder der SPD. Es verbietet sich. Wer den Bürger ernst nimmt, präsentiert gut recherchierte Fakten, die alle Seiten in gleichem Maße hinterfragen. Und überlässt die Entscheidung ihm selbst. Immer wieder rufen Netzaktivisten und Politiker dieser Tage nach einer Regulierung der Sozialen Plattformen. Den dort Publizierenden stünde auch eine Selbstverpflichtung ähnlich des Pressekodexes gut zu Gesicht.

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Fri, 24 May 2019 12:41:00 +0200
<![CDATA[Die Presse „heilig halten“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/05/24/die-presse-heilig-halten/ Ein Kommentar von Norbert Schäfer ]]>

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt." (Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Art. 5)

Vor 70 Jahren trat das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland in Kraft und damit die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Medien und der Meinungsäußerung. Damals wie heute haben die Medien die Freiheit, aber auch den Auftrag, die Meinungsvielfalt und so die demokratische Willensbildung in den gesellschaftsrelevanten Debatten zu befördern.

Die Presse soll zudem den Mächtigen in Politik und Wirtschaft auf die Finger schauen und so Transparenz und Kontrolle in diesen Bereichen gewährleisten. Georg Mascolo, der ehemalige Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, bezeichnet Journalismus als „Reparaturbetrieb der Demokratie“. Wie wichtig diese Funktion ist, und dass sie grenzüberschreitend funktionieren muss in Europa, sehen wir augenblicklich am Beispiel Österreichs.

Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung haben ein heimlich aufgenommenes Video veröffentlicht, das Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) bei dem Versuch überführt, über Mittelsmänner(frauen) zu einer positiveren Berichterstattung über seine Partei und Politik in den österreichischen Medien zu gelangen. Die Medien bringen so ans Licht, dass es einige Regierende mit der Demokratie und dem Rechtsstaat nicht so genau nehmen.

Deutungshoheit der Medien zerfällt

Seit 1949 berichten Journalisten in der Bundesrepublik unter dem Schutz des Pressefreiheit über das Straßenfest der christlichen Kindertagesstätte, den jährlichen Umzug von Lesben und Schwulen in der Hauptstadt, Missbrauch in den Kirchen, Bundestagsdebatten, über Prominente und das Wetter. Dass die unvoreingenommene, alle Facetten ausleuchtende Berichterstattung dann und wann misslingt, zeigt eine aktuelle Studie des Journalistik-Professors Michael Haller.

Die belegt am Beispiel des UN-Migrationspakts, dass Medien mitunter wichtige gesellschaftliche Themen schlicht verschlafen oder der Agenda von Politikern aufsitzen. Haller wünscht eine „partizipatorisch funktionierende Thematisierung auch heikler Aspekte". Das partizipatorische Moment, die Teilhabe an der Meinungsbildung, ist in weiten Teilen übergegangen in die sozialen Medien. Die alleinige Deutungshoheit der Medien erodiert – auch, weil Bürger sich getäuscht fühlen, wenn Medien, wie beschrieben, einseitig berichten.

Kritik an den Medien ist kein Sakrileg, und Journalisten sind keine „heiligen Kühe“. Aber wenn Medienkritik hämisch und boshaft ausfällt, verkennt das die Bedeutung der Presse und lässt auch Regeln des Respekts und des Anstands außen vor. Bei der Gründungsversammlung der Evangelischen Allianz 1846 in London haben Christen die „Heilighaltung der Presse“ beschlossen und formuliert: „Dass die Mitglieder dieses Bundes es einander in Liebe aber ernstlich anempfehlen, in ihrem ganzen Betragen und namentlich in dem Gebrauch, den sie von der Presse machen, alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung samt aller Bosheit sorgsam zu vermeiden und vielmehr in allen Dingen, in welchen sie verschiedener Meinung sein mögen, untereinander freundlich und herzlich zu sein [...] .“

Was uns hier als eine Selbstverständlichkeit vorkommt, dass eben Pressefreiheit herrscht und Journalisten über alles schreiben dürfen, sollten wir wertschätzen und verteidigen. Denn anderenorts ist das nicht so. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ berichtet immer wieder von systematischer Hetze gegen Journalisten. Die Zahl der tätlichen Angriffe gegen Journalisten ist auch in Deutschland gestiegen. Der Blick auf die im Grundgesetzt garantierte Pressefreiheit muss uns Journalisten Ansporn sein, die uns anvertraute Freiheit sorgsam, gewissenhaft und zum Wohl der Demokratie zu gebrauchen. Das Publikum möge weiter kritisch sein, aber bitte auch im Sinne der „Heilighaltung der Presse“.

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Fri, 24 May 2019 12:02:00 +0200
<![CDATA[Und dennoch stehe ich zu Europa]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/05/24/und-dennoch-stehe-ich-zu-europa/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> „Ist das wichtig?“, fragt meine Frau, als ich sie bitte, die Briefwahlunterlagen anzufordern. Ich habe mir das abendfüllende ZDF-Europawahl-Spezial angeschaut, aber das hat bei mir nicht gezündet. Ich war zu müde. Europa ist auch müde, einfach nur müde. Es prickelt nichts mehr. Das Unterwegssein ohne Grenzkontrollen fällt uns kaum noch auf. Aber wenn der Grenzübergang Brenner auf dem Alpenhauptkamm mal eine Stunde schließen würde, dann ginge von Innsbruck bis Bozen nichts mehr.

Aber der einstige Europa-Hype hat sich gelegt. Das ätzende Brexit-Theater hat der Europäischen Union zugesetzt. Die deutschen Abgeordneten beschwören die Lage vor der Europawahl mit Superlativen: „Gewaltige, schwerwiegende, extreme Herausforderung.“ Selbst unsere Kanzlerin Angela Merkel verkörpert nicht mehr die putzmuntere Zuversicht für die EU. Ihre sonst in saftiger Dreifaltigkeit gewechselten Küsse mit Macron oder Juncker fallen immer flüchtiger aus. Rostet die alte Liebe?

Und was die neuen Feldherren Trump und Putin über Europa ausbrüten, weiß keiner so genau. Was die Weltwirtschaftsmacht China über unser putzig kleines Europa denkt, das möchte ich gar nicht wissen.

Die Griechen hätten von Anfang an die EU betrogen, frotzeln die tüchtigen Deutschen, die die Griechen für eine faule Siesta-Truppe halten, die lieber mittags im Schatten liegt, als mal richtig dranzubleiben und was wegzuschaffen. Das griechische Staatsdefizit lag 2017 bei 276 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt. Die Italiener, die aus deutscher Wahrnehmung auch mittags den Schatten suchen, wollen sich schamlos am EU-Topf bedienen (131 Prozent Staatsverschuldung 2017). Auf jeden Fall hat die deutsche Finanzhilfe gegenüber Griechenland viel Geld in unsere Kassen gespült. Die deutsche Staatsverschuldung lag 2017 bei 63,9 Prozent.

Gerechtigkeit statt Selbsterhöhung

Hat Helmut Kohl bei der Vision eines starken Europas übersehen, dass eine Währungsunion ohne eine bewusste Werte-Union nicht gelingen kann? Es gibt keine gemeinsamen Werte (mehr). Was man früher mit einem „Handschlag unter ehrbaren Kaufleuten“ vereinbart hat, das quält sich heute durch endlose Vertragstexte, weil man sich misstraut und von der Sorge getrieben wird, dass die Mafia überall mitmischt.

Das christliche Abendland ist kaum noch christlich. Die Kathedralen stehen noch trotzig im Wind, und wenn mal eine brennt, dann legen diejenigen am meisten Spenden zum Wiederaufbau zusammen, die die Kirche lediglich als Kulturgut betrachten.

Warum ich trotzdem ein überzeugter Europäer bin? Weil ich gerne an einem größeren Ganzen mitarbeite. Weil ich die Egozentrik der mühsam überwundenen Kleinstaaterei fürchte. Jeder hat sein eigenes Ding gedreht und die Selbsterhöhung Einzelner wurde in zwei Weltkriegen zur Katastrophe für alle.

„Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Menschen Verderben.“ (Sprüche 14,34).

Welche Partei, die sich jetzt zur Wahl stellt, „erhöht“ ein Volk, indem sie Gerechtigkeit gelobt und lebt? Nehmen Sie sich eine halbe Stunde Zeit und blättern durch die Programme der für das Europaparlament antretenden Parteien. Bleiben Sie sich und Ihrer Vorzugspartei treu, oder wagen Sie den Sprung aus dem Vertrauten ins Ungewisse einer Partei, die sie noch nie gewählt haben. Aber bleiben Sie nicht zuhause. Gehen Sie wählen. Europa ist es wert. Ich bin gern ein Europäer und gedenke nicht, mich dafür zu schämen.

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Fri, 24 May 2019 09:41:00 +0200
<![CDATA[Was suchen Jugendliche in der Kirche, Herr Faix?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/24/was-suchen-jugendliche-in-der-kirche-herr-faix/ pro: Was suchen Jugendliche, die heute in die Kirche gehen?

Tobias Faix: Die Kirche spielt für Jugendliche mit starker religiöser Affinität – wir nennen sie hochreligiös – eine große Rolle. Sie gehen in Gottesdienste, um dort Gott zu erleben, ihm zu begegnen, ihm die Ehre zu geben und um ihren Glauben zu stärken und Gemeinschaft zu erleben. Sie suchen eher moderne Gottesdienste, in denen ihre Lieder gesungen und ihre Sprache gesprochen wird, bevorzugen zugleich aber Kirchen, in denen sich verschiedene Generationen treffen. Der wichtigste Wert für sie ist Authentizität.

Finden sie das in ihren Kirchen?

Ungefähr fünfzig Prozent besuchen mehrere Gemeinden und verschiedene Gottesdienste auch unterschiedlicher Denominationen. Es geht ihnen im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr darum, ob eine bestimmte Glaubensrichtung die richtige oder falsche ist. Sie sind zum Beispiel nicht in erster Linie überzeugte Frei- oder Landeskirchler. Sondern sie gehen da hin, wo sie sich wohl und angenommen fühlen. Es ist wie beim Schengener Abkommen: So wie die Grenzen zwischen den Ländern wegfallen, fallen auch die konfessionellen Grenzen der Jugendlichen immer mehr weg.

Nennen Sie drei Dinge, die die Kirchen tun sollte, um junge Menschen zu erreichen.

Erstens: Sie müssen ihre Sprache sprechen. Es gibt einen starken Abbruch von Tradition und Theologie, auch in den Freikirchen. Ein Beispiel: Viele Jugendliche begreifen Mission als übergriffig. Wenn man sie aber fragt, wie sie ihren Glauben leben, dann sagen sie, dass sie gerne mit ihren nichtchristlichen Freunden darüber sprechen und sie gerne zu ihren christlichen Veranstaltungen einladen. Mission würden sie es aber nicht nennen. Die Begriffe haben sich verändert, auch weil sich das Gottesbild ebenfalls gewandelt hat: Während die Großeltern der heutigen Jugendlichen noch an einen eher zornigen, strafenden und heiligen Gott glaubten, betont die heutige Generation den liebenden Gott, den Vater, Hirten und Freund. Das ist einerseits schön, andererseits kennen diese Jugendlichen die heilige Seite Gottes kaum noch. Das hat Einfluss auf ihr Verständnis der Bibel und theologischer Begriffe. Zugleich bewerten die Jugendlichen seltener die Glaubenspraxis anderer. Früher gab es zum Beispiel Streit darum, ob es richtig ist, als Kind oder erst als Erwachsener getauft zu werden. Heute sagen die Jugendlichen: Jeder muss selbst wissen, wie er es handhabt.

Kirchen müssen also deutlicher erklären, was sie mit bestimmten theologischen Begriffen meinen. Was noch?

Zweitens: Sie müssen den Jugendlichen etwas zutrauen und ihnen Gestaltungsspielraum geben. Unter den hochreligiösen Jugendlichen machen die sogenannten „aufstrebenden Macher“ die größte Gruppe aus. Sie kennzeichnet, dass sie einerseits bereit sind, sich einzubringen, sie wollen etwas verändern, das ist ihnen sehr wichtig, und andererseits aber auch Spaß daran haben, zu helfen. Diesen Menschen müssen die Kirchen Raum geben. Drittens: Sie müssen die Jugendlichen dabei unterstützen, zu gestalten. Jugendliche in der Kirche haben nichts gegen Ältere. Sie wollen nur nicht bevormundet werden. Kirchen sollten einen Schutzraum für junge Menschen bieten, in dessen Grenzen sie sich ausprobieren können und dabei begleitet werden.

Bezeichnen junge Menschen sich selbst heute noch als evangelikal?

Das haben wir nicht abgefragt. Aber aus den Gesamtergebnissen und vor allem den Interviews können wir herauslesen, dass Jugendliche mit Kategorien wie evangelikal, postevangelikal oder liberal nicht viel anfangen können. Sie fragen nicht zuerst, zu welcher Denomination, Konfession oder Organisation jemand gehört. Wer heute mit Dachverbänden oder Organisationen Kirchenpolitik zu machen versucht, wird die Jugendlichen verlieren. Sie wollen keine Streitgespräche über den rechten Glauben führen. Wer aber mit ihnen inhaltlich an Glaubensthemen arbeitet und ihnen Mitsprachemöglichkeiten bei Themen gibt, die sie selbst betreffen, der wird sie gewinnen.

Die evangelikale Bewegung arbeitet sich am Thema Sexualethik ab, in der jüngeren Vergangenheit hat etwa der Umgang mit Homosexualität Abspaltungsbewegungen hervorgerufen. Bewegt das Thema auch Jugendliche?

Jeder etwa zweite hochreligiöse junge Mensch sagt, dass die Bibel gelebte Homosexualität als Sünde beschreibt. Diese Jugendlichen glauben zugleich aber nicht zwangsläufig, dass das Auswirkungen auf die Akzeptanz oder Mitarbeit Homosexueller in Gemeinden haben sollte. Nur 25 Prozent sind der Meinung, dass dies im Kontext der Gemeinde nicht ausgelebt werden sollte. Sie bringen scheinbar Gegensätzliches zusammen, wir nennen das Wertesynthese. Und dies kennzeichnet die ganze Generation, nicht nur die Christen, sondern fast alle Jugendlichen, wie die letzte Shell Jugendstudie gezeigt hat. In unserer Studie ...

... „Generation Lobpreis und die Zukunft der Kirche", für die Sie 2018 über 3.000 junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren befragt haben ...

... da zitieren wir ein Mädchen namens Jessica: „Die Bibel sagt teilweise ganz klare Aussagen zu Homosexualität. Allerdings ist es auch oft Auslegungssache.“ Dieses Denken ist ganz typisch für diese Generation. Und zugleich herausfordernd für die Kirchen.

Es ist der Abschied von Absolutheitsansprüchen. Kann die Kirche das überleben?

Die Jugendlichen haben schon einen exklusiven Glauben und sind sich dessen auch sicher – aber nur für sich selbst. Sie lassen den Glauben der anderen stehen. Mission und Dialog sind keine Gegensätze mehr wie früher, sondern gehören zusammen. 73 Prozent der hochreligiösen Jugendlichen sagen, nur durch Jesus wird man gerettet. Das ist ein absolut exklusiver Glaubensanspruch. Fromme Christen der früheren Generation hätten hinzugefügt: Und wer nicht an Jesus glaubt, geht in die Hölle. Dieser Teil fällt bei der heutigen jungen Generation weg.

Wie wird die Kirche in 30 Jahren aussehen, wenn diese Jugendlichen die Verantwortung in der Kirche tragen?

Gut! Denn sie sind hochengagiert. 88 Prozent arbeiten ehrenamtlich in der Kirche mit. Sie wollen etwas verändern und finden Jesus toll. Die Frage ist: Werden sie Teil einer Kirche bleiben, die sich einerseits in Glaubensfragen ausdifferenziert und andererseits mit einem massiven Mitgliederschwund kämpft? Es steht fest: Diese Generation ist begeistert und engagiert, will eingreifen und mitmachen. Wer aber Kirche in Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen zu einem Rückzugsort machen und von der Zivilgesellschaft abgrenzen will, der wird diese Jugendlichen verlieren. Wir brauchen eine Kirche, die nah bei den Menschen ist, neue Formate entwickelt, Mut hat, sie auszuprobieren, und die Rahmenbedingungen liefert, damit junge Menschen sich ausprobieren können mit ihrer Sprache, ihren Glaubensformen und ihrer Musik.

Herr Faix, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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Fri, 24 May 2019 09:34:00 +0200
<![CDATA[„Lage für Untergrundchristen spitzt sich zu“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/23/lage-fuer-untergrundchristen-spitzt-sich-zu/ Am heutigen Freitag findet der Weltgebetstag für die Kirche in China statt. Er soll auf die Probleme der Christen vor Ort hinweisen und ihnen Mut machen, zu ihrem Glauben zu stehen. Aus diesem Anlass hat das Erzbistum Köln in Zusammenarbeit mit dem China-Zentrum ein Gebetsheft herausgegeben.

Darin finden sich Beispiele für Gebete und Fürbitten. Das Heft beinhaltet unter anderem ein Gebet von Bischof Michael Yeung Ming-cheung, der von 2017 bis 2019 Bischof von Hongkong war. Er wünscht sich, dass im ganzen Land „die Religionsfreiheit immer mehr respektiert und in immer vollerem Maß aufrechterhalten wird“.

Im Gebet mit der Kirche in China vereinen

Den Weltgebetstag für die Kirche in China hatte Papst Benedikt XVI. 2007 ins Leben gerufen und auf den 24. Mai datiert. Die Katholische Kirche versucht seit einigen Jahren bessere Beziehungen zur chinesischen Regierung aufzubauen. Der Tag biete „Katholiken auf der ganzen Welt Gelegenheit, sich im Gebet mit der Kirche in China zu vereinen“.

Die Steyler Missionare schreiben in einer Pressemitteilung, dass selbst nach einer „vorläufigen Vereinbarung“ zwischen China und dem Vatikan die Spaltung zwischen der sogenannten „Untergrundkirche“ und der regierungstreuen „offiziellen“ Kirche in China bestehen bleiben. Darin heißt es: „Aufgrund verschärfter Vorschriften für Religionsangelegenheiten werden Kirchengebäude zerstört, Gebetsräume geschlossen und Kindern der Besuch von Gotteshäusern verboten. Eine freie Weitergabe des Glaubens ist so kaum noch möglich.“

Einfluss auf Glaubensdoktrinen nehmen

Die kommunistische Zentralregierung versuche gerade mit aller Macht, die Christen der sogenannten Untergrundkirche unter eine enge staatliche Kontrolle zu zwingen, erklärt Pater Martin Welling, Steyler Missionar und Direktor des China-Zentrums in Sankt Augustin. „Die kommunistische Partei will damit nicht nur innerkirchliche Verwaltungs- und Personalangelegenheiten regeln, sondern letztlich auch Einfluss auf die Glaubensdoktrinen nehmen. Ziel ist eine politisch korrekte Kirche mit einer chinesisch-sozialistischen Prägung. Wer sich ohne Registrierung religiös engagiert, muss mit harten Konsequenzen rechnen.“

In manchen Teilen Chinas sei es schon verboten, Minderjährigen den Zugang zu religiösen Stätten zu erlauben. Diese Entwicklung breite sich über ganz China aus. „Das Grundrecht auf Religionsfreiheit wird durch ein dichtes Netz an Vorschriften und Gesetzen faktisch ausgehebelt“, findet Pater Welling. Aufgrund dieser Situation wünsche er sich eine rege Beteiligung am Weltgebetstag, „damit sich Wege auftun, wie die Einheit der Katholiken in China verwirklicht werden kann“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 24 May 2019 08:39:00 +0200
<![CDATA[ARD-Star Gunda Ebert auf Hilfsschiff „Africa Mercy“ aktiv]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/05/23/ard-star-gunda-ebert-auf-hilfsschiff-africa-mercy-aktiv/ Vom Fernsehstar zum Tellerwäscher: Die Schauspielerin Gunda Ebert kennen viele Fans wahrscheinlich von ihrer Rolle als Dr. Franziska Ruhland in der ARD-Serie „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“. Doch vor wenigen Wochen tauschte sie den Arztkittel gegen Schürze und Küchenutensilien, denn sie startete einen Einsatz auf dem Krankenhausschiff „Africa Mercy“ der christlichen Hilfsorganisation „Mercy Ships“. Das liegt derzeit vor der Küste des westafrikanischen Guineas. Auf dem Schiff operieren Ärzte ehrenamtlich bedürftige Menschen. Nach den Operationen sind die Patienten während ihrer Genesungszeit auf dem dem Schiff oder im „Hope Center“, einer externen Krankenstation an Land, untergebracht und werden versorgt. Mit Jesus als Vorbild will die Organisation „Hilfe zu den Ärmsten der Armen“ bringen, erklärte Lydia Schnizer, stellvertretende Geschäftsführerin von „Mercy Ships Deutschland“. Im Gespräch mit pro berichtet die Schauspielerin mit Begeisterung über ihre Zeit und die Erlebnisse auf dem Schiff.

pro: Frau Ebert, was hat Sie zu dem Einsatz auf der „Africa Mercy“ bewogen?

Gunda Ebert: Das kam aus meinem Herzen, nicht aus meinem Kopf. Deswegen ist das schwer zu erklären. Ich habe mich in meinem Leben sehr viel mit Medizin und Ärzten beschäftigt. Meine Mama ist Ärztin, ich selber habe die Krankenschwesterschule angefangen, wollte eigentlich auch Medizin studieren, hatte eine Tierheilpraxis. Als ich anfing, wieder mehr zu schauspielern, habe ich eine Ärztin gespielt. Das Thema ist in meinem Leben sehr präsent. Seit ich nicht mehr zur festen Besetzung bei „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte“ gehöre und nun als Gast weiter tätig bin, habe ich etwas mehr Zeit und wollte mich gern in einem Charity-Projekt engagieren. Als meine Presseagentin mir „Mercy Ships“ vorschlug, hat mein Herz gleich „Ja, mach ich“ gesagt. Die Entscheidung kam wirklich aus dem Bauch und aus dem Herzen heraus.

Welche Erwartungen hatten Sie an den Einsatz?

Als der Flieger Richtung Guinea abgehoben ist, war mein erster Gedanke: Ich freue mich, endlich an einem Ort zu sein, an dem es ums Geben geht. Ich glaube fest, dass wir Menschen alle eine ganz große Sehnsucht danach haben, zu geben. Das steht ja auch schon in der Bibel. Zwar bin ich nicht bibelfest, aber das weiß ich. Ich weiß, dass ich diese Sehnsucht ganz stark habe, und das habe ich in meinem Leben auch viel getan. Aber ich finde mich in einer Gesellschaft, in der ich immer wieder darauf hingewiesen werde: „Pass auf, du gibst zu viel!“ Ich habe versuche, da eine Balance zu finden. Aber ich habe gemerkt, dass mich das überhaupt nicht glücklich macht. Und so habe ich mich schon vor der Landung darauf gefreut, an einen Ort zu kommen, an dem man das einfach tun darf ohne Wenn und Aber.

Und wie haben sich diese Erwartungen erfüllt?

Die Community auf dem Schiff ist absolut einmalig, weil die Menschen nicht nur geben wollen, sondern sogar dafür bezahlen, dass sie geben dürfen, sie finanzieren etwa ihren Flug ins Einsatzgebiet selbst. Das macht eine ganz spezielle Gruppe von Menschen, die für mich etwas ganz Berührendes erschafft – gemeinsam mit den Patienten. Ich habe für eine Spendenaktion einige Mitarbeiter interviewt. Und alle haben auf die Frage nach dem „Warum“ gesagt: „Wir wollten etwas zurückgeben, aber ehrlicherweise kriegen wir hier viel mehr, als wir geben.“ Als ich fünf Tage da war, habe ich es einfach selber erlebt und gefühlt, was damit gemeint ist.

Das ist der nächste Punkt: Das Geben macht uns alle glücklich. Wichtig ist aber dieser Austausch. Der findet dort in Form von Freude und Dankbarkeit statt. Das sind zwei Lebensschätze, an die wir uns in unserer Gesellschaft, in der wir leben, gerne ab und zu erinnern dürfen. Wenn die Dankbarkeit da ist, funktioniert auch das Geben. Ich habe erleben dürfen, wie glücklich das macht. Alle Menschen, die ich auf dem Schiff getroffen habe, sind voll Freude – weil ich glaube, dass diese uns alle umtreibende Frage nach dem Sinn des Lebens auf dem Schiff innerhalb dieser Arbeit, die die Menschen dort machen, komplett beantwortet ist.

Inwieweit ist die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet?

Es fühlt sich einfach sehr sinnhaft an, da zu sein und sich da in diesem Kreislauf auf diese Art von Geben und Nehmen hineinzubegeben.

Haben Sie sich zu diesem Einsatz auch aus Glaubensgründen entschieden?

Ich bin in der DDR großgeworden, habe nicht die Konfession als solche. Ich bin aber ein sehr gläubiger Mensch. Den Weg habe ich mir in meinem Leben selber gesucht. Insofern würde ich schon sagen, dass es Glaube und Sehnsucht waren. Das war keine intellektuelle Entscheidung in dem Sinne: Das ist eine christliche Organisation. Da fahr ich jetzt hin.

Es war für mich sehr bereichernd, zu erleben, wie groß Dankbarkeit geschrieben ist in der christlichen Gesellschaft, die ich vor Ort erlebt habe. Ich würde das nicht verallgemeinern, dafür bin ich da zu wenig zu Hause. Aber einfach zu erleben, dass man jeden Abend einmal Danke sagt im Gebet. Ich habe im Speisesaal und in der Küche mit Kollegen zusammengearbeitet. Das waren alles Afrikaner. Immer abends nach der letzten Schicht und einem Zwölfstundentag haben wir uns alle an den Händen gefasst und einer hat das Gebet gesprochen und Danke gesagt für alles, was wir Schönes hatten an dem Tag.

Wie war Ihr Alltag auf dem Schiff?

Ich habe in einer Sechsmannkabine in einem Doppelstockbett geschlafen. Vorher habe ich mir Sorgen gemacht, dass ich nicht schlafen kann, habe mir Ohropax gekauft. Aber ich habe von der ersten Nacht an geschlafen wie ein Baby. Das war schon verrückt. Ich dachte: Hier ist irgendetwas gut und ich fühle mich offensichtlich sehr beschützt an diesem Ort, dass ich nachts loslasse und gut schlafe, trotz der ungewohnten Umgebung in dieser Kabine.

Ich hatte im Speisesaal eine Schicht von 5.30 bis 19.30 Uhr mit etwa drei Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten. Ich habe die große Kaffeemaschine befüllt, dafür gesorgt, dass im Essenssaal die Schalen gefüllt sind, habe abgewaschen, alles sauber gemacht, die Tische abgewischt. Es war toll, diese natürliche Art von Arbeit zu machen, etwas zu lernen, sich in das Team einzugliedern und irgendwann das Gefühl zu haben: Es ist gut, dass ich hier bin. Ich helfe und stehe nicht nur in der Gegend rum. Ich übernehme eine bestimmte Position, die muss ausgefüllt werden.

Welche Begegnungen haben Sie in der Zeit auf dem Schiff besonders bewegt?

Ich hatte durch meine vor Ort ansässigen afrikanischen Kollegen im Speisesaal Kontakt zum Land. Ich habe mir gewünscht, dass wir einmal zusammen tanzen gehen, weil ich für mein Leben gerne tanze. Zum Abschied haben sie mir ein buntes, afrikanisches Kostüm genäht und geschenkt. Das hat mich sehr berührt, weil ich weiß, dass die Kolleginnen nicht viel Geld haben. Der Austausch mit meinen Kollegen hat mich besonders bewegt.

Die Begegnungen im Hope Center, eine extern vom Schiff an Land eingerichtete Krankenstation, haben mich auch berührt. Als ich das dritte Mal zu Besuch war, kannten mich die Leute schon ein bisschen. Ich habe mir ein Spielzeug genommen und angefangen, mit den Klötzchen zu spielen. Von allen Ecken und Enden kamen Kinder und sprangen auf meinen Schoß oder setzten sich auf die Bank gegenüber und spielten mit. Das war ganz ergreifend. Eine Mama, die ich von den letzten Besuchen schon kannte, drückte mir sofort ihr Baby in die Hand. Das war toll. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun, das mir in dem Moment entgegengebracht wurde. Aber es geht auch automatisch sehr um die Sprache des Herzens – weil ich im Hope Center nicht mit den Menschen reden konnte. Sie sprechen Französisch und circa 40 verschiedene afrikanische Landessprachen, wovon ich leider keine einzige beherrsche. Das heißt, es ging nur um die Sprache des Herzens. Das geht dann schnell ganz tief und kann umso berührender sein. Ich bin dann zum Schiff zurückgelaufen und dachte: Wow, jetzt weiß ich, was alle meinen mit der Aussage „Wir bekommen mehr zurück, als wir geben“.

Sie bitten auf Instagram, für „Mercy Ships“ zu spenden. Warum ist Ihnen dieses Projekt so wichtig geworden, dass Sie diesen Aufruf starten?

Die Organisation tut alles dafür, dass die Arbeit fortgesetzt wird, wenn das Schiff nach zehn Monaten Aufenthalt schon lange weg ist. Das finde ich absolut bemerkenswert. Das fängt damit an, dass jeder Arzt, der operiert, einen afrikanischen Mediziner anlernt. Die Mediziner arbeiten nur mit wiederverwendbaren Instrumenten. Diese werden im Land gelassen. Wegwerfmaterial haben die Menschen nicht zur Verfügung.

Vor einigen Jahren war die „Africa Mercy“ schon einmal in Guinea. Damals hatte man sich schwerpunktmäßig um die Operationen der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte gekümmert. Als das Schiff jetzt kam, hatten die Ärzte auf der „Africa Mercy“ nur noch einen Bruchteil der Fälle von damals, etwa zehn Prozent, zu operieren. Krankenpfleger gehen in Krankenhäuser und machen Weiterbildungen in Sachen Hygiene. Sie haben eine Zahnklinik in der Hauptstadt Conakry aufgebaut und lassen das ganze Equipment vor Ort in der Uniklinik mit den ausgebildeten Medizinern. Sie machen dann die Arbeit weiter.

Sie machen nur Operationen, die sie innerhalb der Zeit, in der das Schiff vor Ort liegt, wirklich beenden können, und lassen niemanden mit Problemen zurück, die dann vor Ort nicht mehr zu lösen sind. Dieses Bewusstsein, vor Ort wirklich etwas zu verändern – und zu erleben, dass es funktioniert, hat mich von dieser Idee am meisten beeindruckt. Ich weiß einfach, wo die Spenden hingehen und dass und was sie bewirken.

Herzlichen Dank für das Gespräch, Frau Ebert.

Die Fragen stellte Martina Blatt.

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Thu, 23 May 2019 17:35:00 +0200
<![CDATA[CDU-Vorsitzende: „Es kann christliche Politiker geben, aber keine christliche Politik“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/23/cdu-vorsitzende-es-kann-christliche-politiker-geben-aber-keine-christliche-politik/ Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer vertritt in einem Gastbeitrag in der Zeit-Beilage Christ und Welt vom Donnerstag die Ansicht, dass die christliche Botschaft keine christliche Politik kennt. Die Unionsvorsitzende distanziert sich in dem Beitrag von christlicher Politik. „Ich bin Christdemokratin mit Leib und Seele“, schreibt Kramp-Karrenbauer und weiter: „Aber ich weise von mir, eine christliche Politik zu machen.“

Sie engagiere sich als Politikerin aus ihrem christlichen Glauben heraus, der ihr Orientierung und Kraft gebe. „Aber die christliche Botschaft diktiert mir nicht politische Forderungen“, schreibt das Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Die christliche Botschaft könne dabei helfen, eine „intensive Güterabwägung“ vorzunehmen und so Entscheidungen eine Richtung geben, „aber sie kann konkrete Entscheidungen nicht ersetzen“.

Freiheit und Verantwortung

Die christliche Botschaft ist aus ihrer Sicht „Zweck und kein Mittel“. Dies müsse auch für die Union gelten. „Auch hier darf das C niemals für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Das C darf für eine C-Partei niemals bloßes Dekor der eigenen Programmatik sein“, schreibt Kramp-Karrenbauer.

Die CDU-Politikerin spricht in dem Beitrag das christliche Menschenbild an, für das die Unionsparteien eintreten. Die Unantastbarkeit der Würde eines Menschen stehe über allem. „Entscheidend dabei ist die Vorstellung von der Freiheit jedes einzelnen Menschen“, schreibt sie. Diese gehöre zusammen mit Freiheit und Verantwortung. „Das Zusammendenken von Freiheit und Verantwortung ist die Grundlage unseres Gemeinwesens.“

Nach Ansicht der Unions-Chefin grenze die christliche Botschaft nicht aus, sondern lade die ein, die „das spezifische Menschenbild im Zusammenspiel von Freiheit und Verantwortung teilen“. Kramp-Karrenbauer warnt in ihrem Beitrag davor, die christliche Botschaft mit dem „erhobenen moralischen Zeigefinger“ zu verbinden. Moralische Überlegenheit dürfe nicht als politisches Argument gelten. Sie schreibt: „Selbst wenn man als Christ davon überzeugt ist, dass der eigene religiöse Kompass der richtige ist, so wäre er falsch kalibriert, wenn dabei die eigene Unvollkommenheit ausgeblendet würde.“

Politik habe nicht den Auftrag, Menschen zu erlösen, sondern „ein Leben in Freiheit und Verantwortung zu ermöglichen“. An „Erlösungsfantasien“ seien „von der Vision der klassenlosen Gesellschaft des Marxismus bis hin zu utopischen Versuchen von Gottesstaaten“ viele politische Konzepte gescheitert. Die christliche Botschaft schütze vor solchen Konzepten und „zerstörerischer Selbstüberschätzung“, statt die Menschen allein zurückzulassen.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 23 May 2019 17:33:00 +0200
<![CDATA[Kreuz mit Reliquie erzielt Rekordpreis bei „Bares für Rares“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/05/23/kreuz-mit-reliquie-erzielt-rekordpreis-bei-bares-fuer-rares/ Ein über 300 Jahre altes Reliquienkreuz hat am Mittwoch in der „XXL“-Ausgabe der ZDF-Fernsehsendung „Bares für Rares“ für einen Rekordpreis den Besitzer gewechselt. Das Kreuz ist mit 40-karätigen Diamanten besetzt, doch viel wertvoller dürften die Holzsplitter sein, die in seinem Inneren verborgen sind: Stücke des Holzkreuzes, an dem Jesus hingerichtet wurde. Jedenfalls bezeugt dies ein Siegel von Papst Clemens IX., der 1669 in Rom starb.

Die XXL-Ausgabe der ZDF-Trödel-Sendung fand am Mittwoch im Schloss Schwerin statt. Als die Krankenschwester Stephanie Huber und ihre Tochter, die Jura-Studentin Cosima Birk, in die Sendung kamen, brachten sie ein Kreuz mit, das Huber von ihrer Tante geerbt hatte. Diese wiederum hatte regelmäßig eine alte Dame in den Gottesdienst begleitet, und dafür hatte sie ihr das Kreuz vermacht. Moderator Lichter war von der Geschichte beeindruckt und schloss im Scherz daraus: „Man sollte viel mehr Leute in die Kirche bringen!“

Die Expertin Heide Rezepa-Zabel zeigte schnell, dass es sich bei dem Gegenstand nicht nur um etwas Historisches handelt, sondern auch um das wohl wertvollste Objekt, das je in der Sendung zu sehen war. Sie erläuterte, es handele sich um eine Pektorale, also um ein Brustkreuz geistlicher Würdenträger aus der Zeit um das Jahr 1700. In der Mitte des Kreuzes ist ein Bergkristall, durch den man die Holzsplitter sehen kann. An der Rückseite des Kreuzes kann man es öffnen, hinter der Klappe verbirgt sich ein päpstliches Siegel. Die Expertin erklärte, bei den Holzsplittern handele es sich, zumindest gemäß dem Siegel, um „Holzstücke aus dem wahren Kreuz Jesu Christi“. „Das ist toll“, fügte sie hinzu. „Das konnten sich nur Bischöfe mit Vermögen leisten. Das entsprach in etwa dem Kauf einer kleinen Kirche.“ Und damit seien nur die versiegelten Splitter gemeint, nicht die Diamanten, betonte sie. Moderator Lichter fügte hinzu: „Das ist ja eine Weltsensation. Ihr erlebt mich das erste Mal relativ ruhig, denn das macht mich gerade sehr ehrfürchtig. Das hier geht in die Geschichte ein.“

Endgebot bei 42.000 Euro

Allein der Materialwert liegt laut Expertenschätzung bei 15.000 bis 17.000 Euro. Die Diamanten hätten jeweils 40 Karat. Insgesamt könne man mit der Pektorale 60.000 bis 80.000 Euro erzielen.

Die Händler zeigten sich entsprechend sprachlos. Händler Walter „Waldi“ Lehnertz wollte seine bekannten „80 Euro“ allein dafür zahlen, dass er die Reliquie einmal in Händen halten durfte. Am Ende kaufte die Händlerin Susanne Steiger aus Bornheim das wertvolle Kreuz. Sie zahlte dafür 42.000 Euro, den höchsten je bei „Bares für Rares“ gezahlten Betrag. Steiger sagte später im Interview des Bonner General-Anzeigers: „Das ist ein Stück, bei dem einem als Händler einfach das Herz aufgeht, nach dem man sein Leben lang sucht. Das ist quasi die Nadel im Heuhaufen. Ich bin wahnsinnig glücklich und mir fehlen einfach nur die Worte.“

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 23 May 2019 15:23:00 +0200
<![CDATA[Grütters: „Einfachen Wahrheiten nicht trauen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/23/gruetters-einfachen-wahrheiten-nicht-trauen/ Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters (CDU), hat in einem Interview der Tageszeitung Die Welt vom Donnerstag eine tiefere Vermittlung von Fähigkeiten im Umgang mit Medien gefordert. In dem Interview sagte Grütters: „Medienkompetenz ist ein wichtiges Querschnittsthema, das an Schulen und Universitäten viel stärker verankert gehört.“

Von ihren Studenten an der Universität Berlin, angehenden Medien- und Kulturwissenschaftlern, habe keiner eine Zeitung gelesen oder ein Abonnement besessen. „Da herrscht erschreckende Ahnungslosigkeit über die Vielfalt des Angebotes, ja sogar über unser Mediensystem.“ Ihrer Meinung nach gelte es, jungen Menschen zu erklären, „warum man weit mehr als nur den richtigen Suchbegriff eingeben muss, um eine wahre Antwort zu bekommen“.

Grütters: „Wir dürfen allzu einfachen Wahrheiten nicht trauen.“ In ihrer Generation habe alles auf dem Prüfstand gestanden. „Wir müssen wieder neu lehren und lernen, kritisch und misstrauisch zu sein.“

In dem Interview erteilte die Staatsministerin dem Modell eines steuerfinanzierten Rundfunks, wie dieser in Skandinavien bereits betrieben wird, eine deutliche Absage. „Das steht bei uns nicht an“, erklärte Grütters, und weiter: „Ein Steuerfinanzierung würde den Rundfunk staatsnäher und kein bisschen besser machen.“ Der Rundfunkbeitrag stelle ihrer Meinung nach eine „direkte Verbindung zu den Bürgern und damit Zuschauern“ her.

Die Unionspolitikerin sieht auch keine Notwendigkeit, in demokratischen Ländern mit Gegenpropaganda auf Desinformation etwa aus Russland zu reagieren. „Nein, wir müssen unserem Prinzip des unabhängigen Journalismus treu bleiben. Wenn man glaubt, die Methoden der anderen übernehmen zu müssen, um bestehen zu können, hat man schon verloren“, erklärte Grütters.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 23 May 2019 15:01:00 +0200
<![CDATA[Katholiken werben für Schmerzlinderung statt Sterbehilfe]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/23/katholiken-werben-fuer-schmerzlinderung-statt-sterbehilfe/ Die Päpstliche Akademie für das Leben fordert in einem „Weißbuch“ einen Ausbau der weltweiten Palliativversorgung. Für die Veröffentlichung haben Katholiken und internationale Experten verschiedener Weltanschauungen strategische Empfehlungen für den Umgang mit Todkranken erarbeitet. Bei der Vorstellung am Donnerstag in Berlin warnte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, Selbsttötung werde von vielen als ein Grundrecht verstanden und Sterbehilfe als Dienstleistung: „Da wird die Unantastbarkeit der Menschenwürde aufgegeben.“ Der Glaube an einen Schöpfergott aber führe zu der Erkenntnis, dass das Leben nicht verfügbar sei. Es mangele an einem Bewusstsein dafür, dass menschenwürdiges Sterben auch für Schwerkranke möglich sei.

Der Palliativmediziner Thomas Sitte sagte, er werde regelmäßig von Angehörigen Sterbender auf Sterbehilfe angesprochen. Dabei könnten Ärzte in 99,9 Prozent der Fälle dafür sorgen, dass Sterbende nicht über ein eträgliches Maß hinaus leiden müssten. Das aber sei nicht bekannt. „Nichtwissen macht Angst“, sagte Sitte, der sich klar „gegen lebensverkürzende Maßnahmen“ positioniert. In der Öffentlichkeit werde diese Angst von Lobbygruppen geschürt, die für eine liberale Sterbehilferegelung eintreten. Sitte nannte Vereine wie „Sterbehilfe Deutschland“ oder „Dignitas“: „Hier wird Lobbyarbeit dafür gemacht, dass Sterbehilfe in Deutschland doch wieder erlaubt werden soll.“

Sterbehilfegesetz vor dem Bundesverfassungsgericht

Das Bundesverfassungsgericht hat jüngst mehrere Klagen gegen das Verbot organisierter Sterbehilfe aus dem Jahr 2015 behandelt. Verfassungsbeschwerde hatten mehrere Ärzte, Sterbehilfevereine sowie schwerkranke Patienten eingelegt. Eine Entscheidung wird noch in diesem Jahr erwartet. Kritiker des derzeit gültigen Sterbehilfegesetzes beklagen unter anderem eine Rechtsunsicherheit von Ärzten. Sitte war nach eigenen Angaben an beiden Verhandlungstagen anwesend. Er ist überzeugt: Das Gesetz schütze Patienten vor voreiligen Schritten und gebe Ärzten Sicherheit für die Behandlung. In seinen Augen sind diejenigen, die darin Defizite sehen, deutlich in der Minderheit.

Ebenso wie die Deutsche Bischofskonferenz hofft er, dass das Bundesverfassungsgericht das Sterbehilfegesetz aufrecht erhält. Er wünscht sich gemeinsam mit den Katholiken mehr Unterstützung für Ärzte, die palliativmedizinisch tätig sind, und eine bessere Wissensvermittlung dazu in ambulanten Diensten. Derzeit würden nur rund zehn Prozent der 800.000 in Deutschland jährlich Sterbenden palliativ versorgt. Dabei bräuchten in seinen Augen 30 Prozent von ihnen die schmerzlindernden Maßnahmen.

Erzbischof Vincenzo Paglia von der Päpstlichen Akademie erklärte, in der Palliativversorgung zeige sich ein zutiefst religiöses und auch überzeugendes Menschenbild. Eine „palliative Kultur“ wirke dem gesellschaftlichen Ruf nach Sterbehilfe entgegen und fördere einen sorgenden Umgang und eine liebevolle Begleitung Sterbender bis zum Tod. „Die Medizin scheitert nicht, wenn sie nicht heilen kann“, sagte Paglia. Stattdessen müsse sie ihre eigenen Grenzen kennen und nicht über „ein vernünftiges Maß“ hinausgehen und etwa lebensverlängernde Maßnahmen ergreifen, die nur das Leid eines Kranken verlängerten. Auch da, wo keine Heilung möglich sei, könnten Schmerz und Leid gelindert werden.

Die Päpstliche Akademie für das Leben ist eine akademische Einrichtung des Vatikans, die sich mit Fragen der biomedizinischen Ethik beschäftigt. Papst Johannes Paul II. gründete sie 1994. Ihre 70 Mitglieder werden vom Papst ernannt. Unter anderem beschäftigt sie sich mit den ethischen Aspekten der Fragen rund um Anfang und Ende des Lebens: Sterbehilfe, Abtreibung oder Reproduktionsmedizin.

Von: Anna Lutz

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Thu, 23 May 2019 14:58:00 +0200
<![CDATA[Verfassung ist Kassenschlager am Kiosk]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/12/21/verfassung-ist-kassenschlager-am-kiosk/ Medienberichten zufolge ist das „Grundgesetz als Magazin“ derzeit die meistverkaufte Zeitschrift und bekommt eine zweite Auflage. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung vom Montag hat Verleger Oliver Wurm 60.000 Hefte nachbestellt. Die sollen demnach Anfang Januar in den Handel kommen. In erster Auflage waren von dem 124-seitigen Heft 100.000 Stück gedruckt worden. Im November war das Magazin zum Preis von 10 Euro in den Handel gekommen. Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland feiert am 23. Mai 2019 seinen 70. Geburtstag. Zu dem Jubiläum hat Wurm die Verfassung der Deutschen mit Grafiken, typografischen Elementen und Erläuterungen angereichert und zusammen mit dem Designer Andreas Volleritsch im Zeitschriftenlayout veröffentlicht.

Der Verfassung ging das Neue Testament voraus

Mit der Herausgabe kulturprägender Texte in Magazinform hat Wurm Erfahrung. Seit 2011 ist das Neue Testament mit allen Mitteln der Typographie als 244-seitiges Magazin zum Preis von 9,20 Euro erhältlich. Das Neue Testament als Magazin setzt zentrale Gedanken der neutestamentlichen Schriften bildhaft und typografisch in Szene. Die typografischen Elemente sollen einen neuen Zugang zur Bibel eröffnen und zum Blättern, Lesen und Nachdenken anregen. Für die Umsetzung des vollständigen Textes der Einheitsübersetzung hat Wurm eigenen Angaben zufolge mehr als 700 Stunden Arbeit investiert. Für seine Bemühung, einen Teil aus dem Buch der Bücher im „NT-Magazin" lesbar zu gestalten, hat Wurm drei internationale Designpreise erhalten.

Texte werden lebendig

Die Mediengestalterin beim Christlichen Medienverbund KEP, Laura Schade, ist angetan vom „Grundgesetz als Magazin". „Auf den ersten Blick erweckt es den Eindruck eines modern aufgemachten Wirtschaftsmagazins", findet sie. Das Spiel mit den Schrifttypen und Schriftgrößen lasse den „sonst toten Gesetzestext lebendig werden", findet die Mediengestalterin. „Besonders charmant ist die Notenzeile. Die Hymne." Die Leimbindung empfindet sie als „schick", das Papier „hochwertig". Die Infografiken im Heft sind in ihren Augen leicht verständlich. „Mit Sicherheit eine Darstellungsform die dazu ermuntert, sich einmal mit dem Grundgesetzt daheim auf der Couch auseinanderzusetzen", sagt Schade.

Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung hat ebenfalls Gefallen an dem Werk gefunden. Das Mitglied der Chefredaktion hat das Magazin als „Haute Couture für die Verfassung“ bezeichnet.

Von: Norbert Schäfer

Dieser Text wurde erstmals am 21.12.2018 veröffentlicht.

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Thu, 23 May 2019 13:29:00 +0200
<![CDATA[Gesetzentwurf will sexuelle Identität im Grundgesetz schützen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/23/gesetzentwurf-will-sexuelle-identitaet-im-grundgesetz-schuetzen/ Menschen in Deutschland sollen künftig verfassungsrechtlich vor Diskriminierungen wegen ihrer sexuellen Orientierung geschützt werden. Das ist das Ziel eines gemeinsamen Gesetzentwurfs der Bundestagsfraktionen von Grünen, Linken und FDP. Vertreter der drei Parteien haben den Entwurf am Mittwoch vorgestellt.

Er sieht eine Ergänzung von Artikel 3 des Grundgesetzes vor. Bisher heißt es dort: „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ In diesen Artikel wollen die drei Fraktionen auch „sexuelle Identität“ aufnehmen.

Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundesrat und Bundestag nötig

„Wir fordern das seit vielen Jahren und danken den Fraktionen, dass sie dieses Anliegen anlässlich des 70. Geburtstages des Grundgesetzes aufgreifen“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) Henny Engels vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD). „Alle, die von Diskriminierung betroffen sind in unserem Land, müssen in Artikel 3 genannt und sichtbar gemacht werden“, sagte die zuständige Fraktionsprecherin der Grünen, Ulle Schauws, bei der Vorlage des Gesetzesentwurfs.

70 Jahre nach Verabschiedung des Grundgesetzes solle auch die letzte von den Nationalsozialisten verfolgte Gruppe ausdrücklich geschützt werden. Unter dem Merkmal der „sexuellen Identität“ versteht der Gesetzentwurf „ein andauerndes Muster emotionaler, romantischer oder sexueller Anziehung zu Menschen eines bestimmten oder verschiedener Geschlechter“. Die geschlechtliche Identität sei in der Aufzählung des Artikels 3 bereits durch das Merkmal Geschlecht aufgenommen.

„Hoffnung auf große Fortschritte“

Inzwischen habe sich die rechtliche Situation von Lesben, Schwulen und Bisexuellen zwar stark verbessert. „Dennoch stößt die Lebensführung etwa von Homosexuellen noch immer auf Vorbehalte, was sich in rechtlicher und sozialer Diskriminierung niederschlägt.“ Jens Brandenburg (FDP) erhofft sich einen „großen Fortschritt für den verfassungsrechtlichen Schutz der Betroffenen“, wird er im Tagesspiegel zitiert. Doris Achelwilm (Linke) äußerte die Erwartung, dass eine Aufnahme in das Grundgesetz der Gruppe „einen anderen Schutz und eine andere Aufmerksamkeit“ verschaffe.

Die Parlamentarier der Opposition hoffen bei ihrem Vorhaben auf die Zustimmung der Regierungs-Koalition. Der Gesetzentwurf solle zwar rasch eingebracht werden, allerdings wolle man sich dann Zeit für Gespräche lassen, um für das Anliegen zu werben. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Thorsten Frei äußerte sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch ablehnend: „Das Grundgesetz darf nicht mit Änderungen oder Ergänzungen überfrachtet werden, für die es gar keine Notwendigkeiten gibt.“

Mahnende Worte Schäubles

Anlässlich des 70. Geburtstags des Grundgesetzes hat auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble gemahnt, das Grundgesetz nicht zu überfrachten und der Politik Spielraum zu lassen. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Donnerstag warnt er vor einer „überbordenden Verrechtlichung“: „Wir sollten nicht zulassen, dass unsere Ordnungen durch unseren Hang zur Perfektion so erstarren, dass wir sie nicht mehr reformieren können“, findet der CDU-Politiker.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 23 May 2019 12:32:00 +0200
<![CDATA[Ausstellung: In bester Verfassung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/23/ausstellung-in-bester-verfassung/ Johannes Blöcher-Weil hat sie sich angeschaut.]]> Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg prägte gesellschaftliche Umwälzungen. Die Menschen fragten, wie es mit ihnen und ihrem Land weitergehen sollte. Vier Jahre nach dem Ende des Kriegs trat 1949 das Grundgesetz in Kraft. Die Wanderausstellung „In bester Verfassung“ nimmt das Vertragswerk unter die Lupe und macht trockene Gesetzestexte erlebbar.

Kurator der Wanderausstellung ist Tim Behrensmeier. Der Pastor aus der Nähe von Heilbronn ist mit 10 Prozent seiner Stelle vom Süddeutschen Gemeinschaftsverband für die Konzeption der Ausstellung beauftragt worden. Darüber hinaus hat er noch die Ausstellung „MinIsrael" entwickelt, in der die Besucher mit allen Sinnen erleben können, was sich zu biblischen Zeiten ereignet hat.

Staat auf drei Hügeln errichten

Ein roter Teppich weist den Besucher in den ersten von mehreren Räumen. Filmausschnitte führen den Besucher auf eine Zeitreise bis ins Jahr 1945. Benjamin Carstens, Pressesprecher des Bibellesebundes führt die Besucher durch die Ausstellung, die gerade bei der Organisation im nordrhein-westfälischen Marienheide zu Gast ist. Er erklärt, dass die Gründerjahre der Bundesrepublik Deutschland von Krieg und Zerstörung gekennzeichnet waren. Das Land hatte zudem mit der organisierten Vernichtung der Juden eine große Schuld auf sich geladen.

Hinter dem samtschwarzen Vorhang enthüllt Carstens Bilder von drei Hügeln. Der spätere Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) habe sich gewünscht, dass sich Deutschland und die deutsche Verfassung auf drei Hügel gründen sollten. Golgatha, der biblische Ort der Kreuzigung von Jesus Christus, die Akropolis, als Sinnbild für die griechischen Wurzeln der Demokratie, und das römische Kapitol, als Zeichen des römischen Rechstssystems.

Die Besucher erfahren, wie weit die Wurzeln der Menschenwürde zurückreichen – nämlich bis zu den Zehn Geboten der Bibel. Für Carstens prägen diese bis heute die freie Gesellschaft: „Die Bibel und die Zehn Gebote vermitteln, dass jeder Mensch wertvoll ist.“ Dieser Satz wird von einem Strahler an die Decke projiziert.

Eine Weltkarte zeigt mit Punkten die großen Demokratien der Welt. Auf einer weiteren Weltkarte sind die Bereiche der Welt zu sehen, in denen das Christentum vorherrscht. Beide Karten sollen zeigen, dass die Schnittmenge zwischen Demokratie und christlich geprägten Ländern groß ist. In einem weiteren Raum können die Besucher aktiv werden. Sie müssen einen an vier Schnüren befestigten Tennisball in eine Eierschale balancieren: Ein interessantes Bild, um die Balance zwischen den Gewalten Exekutive, Legislative und Judikative erfahrbar zu machen.

In die Debatten einmischen

Carstens geht dann auf wichtige Paragraphen des Grundgesetzes ein, die aktuell in der Diskussion sind. Der Schutz der Ehe, die Debatte um Waffenexporte und die Diskussion um die Abtreibung zeigten, wie wichtig es sei, dass ein Staat mit dem Grundgesetz eine solide Grundlage habe. Die Besucher lädt Carstens ein, sich in die gesellschaftlichen Debatten einzumischen. Im letzten Raum verdeutlicht Behrensmeier an einer Installation, wie sensibel die Balance zwischen Mensch, Mitmensch und Gott auf Störungen reagiert. Sobald das Dreieck mit Mensch, Mitmensch und Gott auf einer Seite belastet wird, befindet es sich nicht im Gleichgewicht.

Behrensmeier hat sich für die Ausstellung intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Das Grundgesetz ist ein enormer Schatz, den wir haben. Den vorgegebenen Rahmen dürfen wir nutzen und dankbar gestalten“, sagt er im Gespräch mit pro. Zur Vertiefung erhält jeder Besucher noch ein Grundgesetz. Benjamin Carstens ermuntert die Besucher, sich „fröhlich für die Gesellschaft zu engagieren“ und der „Stadt Bestes" zu suchen.

Tim Behrensmeier hat interessante Ansätze gefunden, die Relevanz der Ausstellung für die heutige Zeit zu verdeutlichen. Dafür hätten noch mehr „aktive" Stationen gut getan. Trotzdem hat sie auch einige Überraschungsmomente: das Dreieck mit dem Gleichgewicht von Mensch, Mitmensch und Gott hat den bleibenden, letzten Eindruck hinterlassen.

Derzeit ist Ausstellung in Berghülen sowie in Lorch in Baden-Württemberg zu sehen. pro sie bereits im November besucht und darüber diesen Bericht geschrieben.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 23 May 2019 12:04:00 +0200
<![CDATA[Pfingstgemeinden wachsen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/23/pfingstgemeinden-wachsen/ „Der BFP hat seit der letzten Statistik um 11,7 Prozent in seiner Mitgliederzahl zugelegt“, teilte Peter Bregy, Generalsekretär des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), in der Sitzung des Bundesvorstandes mit. Der neueste Bericht weise zum 1. Januar 2019 in der Statistik 62.872 Mitglieder mehr gegenüber 56.275 am 1. Januar 2017 aus.

Besonders erfreulich sei das Wachstum in den Regionen Bayern-Süd, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Weser-Ems, wo jeweils hohe zweistellige Wachstumsraten verzeichnet werden konnten. Auch der Ecclesia-Gemeindeverband legte um 12 Prozent zu. Die Mitgliedschaft werde in den Gemeinden unterschiedlich gehandhabt und gezählt, teilte der BFP mit, verbindliche Voraussetzung ist jedoch immer eine „Glaubenstaufe“ auf persönliches Begehren.

Nach seiner Einschätzung zu den Gründen für das Wachstum des BFP befragt, sagte der Generalsekretär: „Wir haben in den letzten sieben Jahren unser Profil als Geistesbewegung geschärft, einen Fokus auf die Unterstützung von Leitern und die Stärkung von Gemeinden gelegt und konsequent neue Gemeinden gegründet.“ Ebenso betone der BFP die missionarische Gesinnung auf allen Ebenen und „das Miteinander der unterschiedlichen Kulturen und Gruppen“. Besonders für die junge Generation scheine der BFP attraktiv geworden zu sein, so Bregy.

Er kommentierte den Zuwachs mit den Worten: „Oberste Priorität unserer Gemeindebewegung ist, dass Menschen in eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus kommen und gesunde, zeitgemäße und wachsende Gemeinden gebaut werden.“

Durchschnittlich 75,2 Gemeindemitglieder statt bisher 68,6

Von den 836 BFP-Gemeinden seien 42 Prozent gewachsen. Dies zeigten die aktuellen höheren Mitgliederzahlen im Vergleich zu denen vor zwei Jahren. „Bei den Gemeinden mit Migrationshintergrund hat sich eine gewisse Konstanz in der zahlenmäßigen Entwicklung eingestellt“, erläutert Bregy. Die durchschnittliche Gemeindegröße habe sich im BFP von 68,6 auf 75,2 Mitglieder erhöht.

Bei der Zahl der Gemeinden ist in der Statistik ein Wachstum von 16 Gemeinden aufgeführt. Dies habe mit Schließungen und Zusammenlegungen von Gemeinden zu tun. Mit 3.202 Taufen im Kalenderjahr 2018 verzeichnet der BFP gegenüber dem Jahr 2016 jedoch einen Rückgang (3.890).

Zum zweiten Mal seien im Berichtszeitraum die Anzahl der Personen abgefragt worden, die wöchentlich durch die Aktivitäten der Gemeinde erreicht werden. Hier weise die Tabelle ein Wachstum von 92.721 auf 95.477 aus. Hierzu zählen nicht nur Gottesdienste, sondern auch sonstige Veranstaltungen der Gemeinde, wobei Doppelzählungen nicht gerechnet werden.

Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden KdöR (BFP) ist die zweitgrößte Freikirche innerhalb der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) in Deutschland.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 23 May 2019 08:39:00 +0200
<![CDATA[Katholische Kirche im Gemeinwohl-Ranking abgeschlagen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/22/katholische-kirche-im-gemeinwohl-ranking-abgeschlagen/ Im sogenannten Gemeinwohlatlas 2019 wurden repräsentativ fast 12.000 Menschen zu 137 Unternehmen und Organisationen und deren Gemeinwohlbeitrag in den Bereichen befragt. Die Befragung führten die Hochschulen in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut Forsa im Frühjahr online durch. Im Zentrum standen dabei diese vier Faktoren: Wie steht die Einrichtung moralisch da? Was tut sie für den Zusammenhalt in der Gesellschaft? Wie trägt sie zur Lebensqualität bei? Wie erledigt sie ihr Kerngeschäft?

Ein Überblick über ausgewählte Platzierungen:

Quelle: www.gemeinwohlatlas.de / Leipziger Graduate School of Management HHL

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 22 May 2019 16:03:00 +0200
<![CDATA[Ex-Papst kritisiert Gottlosigkeit in Kirche und Gesellschaft]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/22/ex-papst-kritisiert-gottlosigkeit-in-kirche-und-gesellschaft/ „Ja, es gibt Sünde in der Kirche. Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche“. So hat der frühere Papst Benedikt XVI. eine Schrift benannt, in der er sich zu den Vorfällen in der Katholischen Kirche äußert. Pädophile Vorfälle und Missbrauch seien Ausdruck der Gottlosigkeit und der Entfremdung vom Glauben. Dies habe für die Theologie, die Priesterausbildung und die Auswahl von Bischöfen fatale Folgen gehabt. Eine Wurzel dafür sieht er auch in der sexuellen Revolution zwischen den Sechziger- und Achtzigerjahren.

Joseph Ratzinger hatte die Schrift wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag am 19. April geschrieben, der FE-Medienverlag veröffentlichte sie Mitte Mai. Der frühere Papst will demnach zu einem neuen Aufbruch beizutragen. Er stellt das Thema zunächst in den historischen Kontext. Von 1960 bis 1980 seien in der Gesellschaft die „bisher geltenden Maßstäbe in Fragen Sexualität vollkommen weggebrochen und eine Normlosigkeit entstanden, die man inzwischen abzufangen sich gemüht hat“.

Völlige sexuelle Freiheit ließ keine Normen mehr zu

Ratzinger verdeutlicht, dass diese Entwicklungen viele angehende Priester in ihrer Ausbildung erschüttert hätten. Aus seiner Sicht habe die damals erkämpfte „völlige sexuelle Freiheit“ kaum noch Normen zugelassen, beklagt Ratzinger. Zudem sei auch Pädophilie als erlaubt und angemessen diagnostiziert worden: „Ich habe mich immer gefragt, wie junge Menschen in dieser Situation auf das Priestertum zugehen und es mit all seinen Konsequenzen annehmen konnten.“

Zudem beobachtet der Autor in dieser Zeit einen Zusammenbruch der katholischen Moraltheologie. Bis dahin sei diese weitgehend naturrechtlich begründet und die Heilige Schrift nur als Hintergrund oder Bekräftigung angeführt worden. Später sei es um eine ganz auf die Bibel gegründete Moraltheologie gegangen. Die neue Methode habe aber keine Antwort auf die Krise der Moral gegeben, die zu einem „Auflösungsprozeß (sic!) der christlichen Auffassung von Moral“ geführt habe.

Glaube hat nicht mehr den Rang eines zu schützenden Guts

Pädophile Vergehen und Missbrauch seien nur dort möglich gewesen, wo der Glaube nicht mehr das Handeln des Menschen bestimmt habe. „Im letzten liegt der Grund in der Abwesenheit Gottes“, schreibt Ratzinger. „Gott wird als Parteiangelegenheit einer kleinen Gruppe angesehen und kann nicht mehr als Maßstab für die Gemeinschaft im ganzen stehen.“ Aufgabe müsse es deswegen sein, „daß wir selbst wieder anfangen, von Gott und auf ihn hin zu leben“.

Es gehe darum, Gott dringend um Vergebung anzuflehen. Er solle die Grundlage des Lebens sein, Christen erneuern und beherrschen. Ratzinger findet bedenklich, dass der Glaube im allgemeinen Rechtsbewusstsein nicht mehr den Rang eines zu schützenden Gutes hat. Auf das Böse der Welt könne man nur mit Liebe reagieren: „Unser Nichterlöstsein beruht auf der Unfähigkeit, Gott zu lieben. Gott lieben zu lernen, ist also der Weg der Erlösung der Menschen.“

Nur mit einem Schöpfergott, „der gut ist und das Gute will – kann auch das Leben des Menschen Sinn haben“, schreibt Ratzinger. Eine Gesellschaft ohne Gott verliere ihre Freiheit, „weil der Sinn stirbt, der Orientierung gibt“. Dass sich Missbrauch auch in der Kirche und unter Priestern ausbreiten konnte, müsse in besonderem Maß erschüttern. Eine von den Menschen selbst gemachte Kirche könne keine Hoffnung sein.

„Ja, es gibt Sünde in der Kirche und Böses. Aber es gibt auch heute die heilige Kirche, die unzerstörbar ist.“ Es gebe auch heute viele demütig glaubende, leidende und liebende Menschen, „in denen der wirkliche Gott, der liebende Gott sich uns zeigt“. Diese Zeugen stünden mit ihrem Leben und Leiden für Gott ein. Das Vorwort des Büchleins hat Albert Christian Sellner geschrieben. Darin bestätigt er aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte, dass die 68er verantwortlich für die „sexuelle Verwilderung des Zeitgeists“ sind.

Papst Benedikt XVI.: „Ja, es gibt Sünde in der Kirche: Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche“, Fe-medienverlag, 48 Seiten, 3,95 Euro, ISBN 978-3-86357-232-7

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 22 May 2019 15:46:00 +0200
<![CDATA[In erstaunlich guter Verfassung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/22/in-erstaunlich-guter-verfassung/ Ein Leitartikel von Christoph Irion]]> Für all die Bären, Schimpansen und Gorillas hatten die Herrschaften und einige Damen, die sich damals im Naturkundemuseum Koenig trafen, keine Zeit. Die ausgestopften Tierpräparate waren ohnehin mit Bettlaken verhängt – selten ist der Auftakt zu einer Staatsgründung vor einer derart skurrilen Kulisse über die Bühne gegangen. Und doch: Diese Szenerie markiert den Beginn einer einmaligen Erfolgsgeschichte.

Die feierliche Verkündung des Grundgesetzes, am 23. Mai 1949 in Bonn, ist die Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland – das bei allen Unzulänglichkeiten beste staatliche Gemeinwesen, das es je in Deutschland gegeben hat.

Verfassung mit liberalem Geist

Über die 61 Gründungsväter und vier Gründungsmütter ist später viel gespottet worden. Drei von ihnen hatten bereits 1919 an der Reichsverfassung von Weimar mitgewirkt, fünf waren in Konzentrationslagern inhaftiert, etliche waren von den Nazis verfolgt worden – aber repräsentativ für die Bevölkerung war das Gremium nicht: Mehr als zwei Drittel waren Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler, mehr als 70 Prozent Beamte.

Mutlos schienen sie. Inmitten von Ruinen hatten sie ihren Auftrag von den drei westlichen Besatzungsmächten erhalten: USA, Großbritannien und Frankreich. Nur wenige glaubten, dass der provisorische westdeutsche Staat, den sie nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Taufe hoben, lange überleben würde. Parlamentarischer Rat nannte sich das verfassungsgebende Gremium, das seit September 1948 am Rheinufer tagte. Zu dessen Präsidenten hatte sich der langjährige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer (1876–1967, CDU) wählen lassen – im Herbst 1949 wurde er der erste Bundeskanzler.

Doch Forscher sind sich heute einig, dass ein anderer die inhaltliche Ausgestaltung und die Atmosphäre des Grundgesetzes maßgeblich prägte: Der im französischen Perpignan geborene und zweisprachig aufgewachsene Tübinger Rechtsprofessor und Sozialdemokrat Carlo Schmid (1896–1979) war es, der unserer Verfassung, die im geteilten Deutschland diesen Namen nicht tragen durfte, gleichsam den Geist der liberalen, rechtsstaatlichen, pluralen und weltoffenen Demokratie eingehaucht hat.

Wer die Protokolle des Parlamentarischen Rates studiert, erkennt nach Überzeugung der früheren Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) „ganz deutlich die Handschrift“ Carlo Schmids. Der prominente Völkerrechtler habe dafür gesorgt, dass das Grundgesetz den neuen Staat in der Mitte Europas in eine positive Richtung steuern würde: „Die Einordnung der Bundesrepublik in das System der zivilisierten Völker war damals keine Selbstverständlichkeit“, sagt Däubler-Gmelin.

So habe „das Verbot eines Angriffskrieges und jeder Form der Unfriedlichkeit nach außen“ ebenso unmissverständlich Eingang in den Verfassungstext gefunden, wie das klare Bekenntnis zu verbindlichen Grund- und universalen Menschenrechten. Das Grundgesetz trete für Völkerverständigung ein und habe die Weichen dafür gestellt, dass die Bundesrepublik auch in „supranationale Systeme“ eingebunden werden konnte, wie sie die EU heute teilweise verkörpert oder der Straßburger Menschenrechtsgerichtshof durch seine Rechtsprechung vorgibt.

Grundrechte basieren auf christlich-jüdischen Werten

Deutschland im Jahre 1949: Das war ein besiegtes Land, von den Siegermächten besetzt und geteilt. Die historische Kulisse war geprägt durch einen völkerrechtlichen Totalschaden, durch die schwere Hypothek der Nazi-Diktatur, durch zertrümmerte Stadtbilder. Die Menschen waren physisch und psychisch erschöpft – den meisten ging es ums Überleben, nicht so sehr um demokratische Regelwerke.

Aber welche Rolle spielte das Christentum? Heute wird in öffentlichen Debatten immer häufiger die Relevanz der Religionen bestritten. Sogar die Bedeutung der christlichen Kirchen für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt wird zuweilen in Frage gestellt.

Siebzig Jahre nach der Staatsgründung ist nur wenigen Deutschen bewusst, dass Kirchen und Christen – zumal im Lande Martin Luthers – mit einiger Berechtigung von den jüdisch-christlichen Wurzeln und Grundwerten unserer Gesellschaft sprechen können. Zum europäischen Erbe zählt die griechisch-humanistische Philosophie, dort kommt die Urform der Demokratie her. Ebenso prägend war die römische Rechtstradition. Doch Menschenwürde, Nächstenliebe, Toleranz, die Gleichheits-, Persönlichkeits- und Freiheitsrechte, die Forderungen nach Verhältnismäßigkeit der Mittel oder Gewaltfreiheit – das sind zutiefst europäische Werte, die ohne Einflüsse von Juden- und Christentum nicht denkbar wären. Vieles davon findet in den Grundrechten seinen Niederschlag. Nicht zuletzt deshalb ist unser Grundgesetz noch immer in erstaunlich guter Verfassung.

Deutschland im Jahr 2019: Hinsichtlich seiner politischen Kultur hat unser Land schon bessere Jahre gesehen. Bei Werten, Überzeugungen und kulturellen Orientierungen gibt es heutzutage nicht nur die in einer pluralen Gesellschaft gewünschte Vielfalt. Sondern die Debatten – zum Beispiel zu Flüchtlingen, zu Familie, Ehe, sexueller Identität oder Prioritätensetzungen in der Bildung – werden schriller, der Ton wird rauer: besonders in den sogenannten sozialen Medien wird asoziale Hetze verbreitet. Offen extrem rechte oder radikal linke Positionen, antidemokratische oder antisemitische Äußerungen und Hass gegen Andersdenkende sind keine Seltenheit. Die Bereitschaft zur Toleranz sowie das Interesse und Verständnis füreinander nehmen ab.

Das ist neu: „Verantwortung vor Gott“ in der Verfassung

Ist Deutschland ein christliches Land? Die Rechtswissenschaftlerin und frühere Justizministerin Däubler-Gmelin hat das Neue Testament und das Grundgesetz einmal ihre Leitsterne genannt: „Das sind unsere religiösen, ethischen und rechtlichen Fundamente.“ Der Protestant Herbert Landau, der zwischen 2005 und Juli 2016 Richter am Bundesverfassungsgericht war, gibt auf diese Frage eine nüchterne und zugleich differenzierte Antwort: „Ganz klar, die Bundesrepublik Deutschland war immer und sie ist heute ein säkularer Staat.“ Diese Spur könne man historisch seit der Reformation vor 500 Jahren eindeutig nachzeichnen.

Nach Überzeugung von Landau und anderer Verfassungsrechtler ist es gerade der säkulare Staat, der auch das friedliche Miteinander der Konfessionen und Religionen ermöglicht: „Aufklärung und Liberalismus haben den Weg zur Religionsfreiheit aller Religionen und Bekenntnisse und zur staatlichen Neutralität in Glaubensangelegenheiten freigemacht.“

„Aber wir haben eine Besonderheit in unserem Grundgesetz“, sagt der Professor: „Den Gottesbezug in unserer Verfassung.“ Gleich im ersten Satz der Präambel des Grundgesetzes heißt es, das deutsche Volk habe sich „Kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben“ – und zwar „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“.

Zwar steht auch das Grundgesetz klar in der liberalen Verfassungstradition des 19. und 20. Jahrhunderts – seit der Aufklärung gilt das Prinzip der Volkssouveränität: „Alle Staatsgewalt“ geht vom Volke aus. Dennoch beschreitet das Grundgesetz aus Sicht von Herbert Landau einen bemerkenswerten Sonderweg: Denn alle Vorbilder wie die Paulskirchenverfassung (1848), Bismarcks Reichsverfassung (1871) oder die von Weimar (1919) haben „eindeutig einen bekenntnis-neutralen Weg beschritten“.

Dass der Gottesbezug 1949 ins Grundgesetz kam, sieht der frühere Verfassungsrichter in einem historischen Zusammenhang: „Das Erschrecken über die Perversion des Rechts im Dritten Reich“ sei „so gewaltig und erschütternd“ gewesen, dass es auch konfessionslosen und kirchenkritischen Mitgliedern des Parlamentarischen Rates „dringlich“ gewesen sei, die Grenzen menschlichen Handelns und staatlicher Rechtsetzung zu betonen und mit einem Bezug auf die menschliche Verantwortung gegenüber Gott in der Verfassung zu dokumentieren.

„Gemeint ist der Gott der Bibel“

Auch für den katholischen Journalisten und Buchautor Josef Bordat ist der Gottesbezug in der feierlichen Einleitung zum Grundgesetz „keine ,Verfassungslyrik‘ ohne Bedeutung, keine unverbindliche Meinungsäußerung, keine bloße kulturelle“ Bezugnahme. In der damaligen Situation sei es auch für Anders- und Nichtgläubige angemessen gewesen, die von Menschen geplante Verfassung Gott unterzuordnen.

Der Rechtsprofessor und Ex-Bundesrichter Landau geht sogar noch weiter. Mit Blick auf das historische Umfeld der Grundgesetz-Entstehungsgeschichte sagt er: „Der Gott, der in der Präambel des Grundgesetzes genannt wird, ist der Gott des Alten und des Neuen Testamentes der Bibel.“ Daraus ergebe sich, ausgehend vom jüdischen Glauben mit der menschlichen Ebenbildlichkeit Gottes, eine direkte Entwicklungslinie zum Schlüsselsatz des gesamten Grundgesetzes (Artikel 1): „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Sie zu achten und zu schützen sei Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Zwar werde in der aktuellen Rechtsdiskussion zunehmend argumentiert, das Grundgesetz spreche nicht von einem konkreten, personalen Gott, sondern meine allgemein eine übergeordnete Instanz. Dem aber hält Landau entgegen: „Wer den Grundgesetz-Begriff der Menschenwürde meint, der versteht darunter genau das, was der jüdisch-christlichen Prägung entspricht, egal ob er einer dieser Religionen angehört oder nicht.“

Jeder Mensch hat Würde

Denn Menschenwürde sei in der jüdisch-christlichen Sichtweise ausschließlich „an die Existenz des Menschen als solche gebunden“. Diese Menschenwürde, die auch das Grundgesetz meint, werde bereits im ersten Kapitel der Bibel klar benannt und als „gut“ charakterisiert: „Diese Würde, die sich nur aus dem Menschsein ableitet, besitzt somit selbstverständlich auch jeder, der krank, unansehnlich, wirtschaftlich erfolglos oder straffällig geworden ist.“ Dieser philosophische Gedanke sei für andere Kultur- oder Rechtstraditionen keinesfalls typisch. So hätten auch die antiken Römer unter starker Mitwirkung des Philosophen und wohl berühmtesten Redner Roms, Cicero, eine „ausgeprägte Würde-Diskussion“ geführt. Aber im römischen Recht hätte sich dieser Begriff nicht auf alle Menschen bezogen – sondern nur auf Eliten.

Auch in der deutschen Sprache kennen wir diesen anderen Würde-Begriff: In Fernsehberichten über wichtige politische oder kulturelle Events heißt es oft, die „Würdenträger“ hätten in den ersten Reihen Platz genommen. Auch im kirchlichen Jargon ist zuweilen die Rede von Personen „in Amt und Würden“. Gemeint sind Menschen, die bestimmte Privilegien genießen – weil sie hierarchisch höher gestellt seien als andere.

Dies ist nicht die Menschenwürde, die das Grundgesetz meint. Dessen grundlegender Artikel 1 geht in jüdisch-christlicher Tradition weit darüber hinaus.

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Wed, 22 May 2019 14:24:00 +0200
<![CDATA[„Biblische Ethik ist zentral für Miteinander“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/22/biblische-ethik-ist-zentral-fuer-miteinander/ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, sieht im Doppelgebot der Liebe das Zentrum des christlichen Glaubens. Gottes- und Nächstenliebe als untrennbar verknüpfte Prinzipien seien von zentraler Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben. Christliche Ethik sei keine „Sonderethik“, sondern für jeden verstehbar. In Richtung von Christen sagte er: Wer glaube, er könne Gottesdienste feiern und in der Kirche beten, ohne den Schwachen zu helfen, der habe das Christentum nicht verstanden.

Bedford-Strohm war Gast bei einer Buchvorstellung des Journalisten Alexander Görlach. In seinem Buch „Homo Empathicus – Von Sündenböcken, Populisten und der Rettung der Demokratie“ analysiert dieser die derzeitige gesellschaftliche Lage. Er sieht eine Krise der Wirtschaft und der Demokratie. Bewältigt werden könne sie durch eine Rückkehr von Moral und der Empathie, schreibt Görlach. Zur Vorstellung seines Buchs kamen neben Bedford-Strohm auch die Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), und der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg.

Soziale Netzwerke verbreiten Hass

Bedford-Strohm erklärte, Soziale Netzwerke unterhöhlten die Demokratie. Hassbotschaften würden im Netz häufiger geklickt als aufwändige Recherche oder positive Geschichten. Große Netzwerke wie Facebook seien kommerziell gesteuert und förderten deshalb diese Entwicklung mit ihren Algorithmen noch. „Wir erleben eine völlige Veränderung des öffentlichen Diskurses“, sagte Bedford-Strohm. Hinsichtlich einer Krise der Wirtschaft, die Görlach ebenfalls in seinem Buch beschreibt, sagte der Ratsvorsitzende: Für ein friedliches Zusammenleben müsse gewährleistet sein, dass nicht die Reichen reicher und die Armen ärmer würden. In der Wirtschaft werde deshalb „Umverteilung“ künftig „eine größere Rolle spielen“.

Staatsministerin Bär sprach sich ebenso wie Bedford-Strohm gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen aus. Es führe dazu, dass die Talente und Gaben des Einzelnen keine Beachtung mehr fänden. Menschen müssten gefördert werden, aber jeder nach seinen eigenen Voraussetzungen und mit der Chance, sich gewinnbringend zu engagieren.

„Populisten sind auf dem Vormarsch“

Der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, warnte: „Die Populisten sind weltweit auf dem Vormarsch.“ Und weiter: „Wenn wir Glück haben, ist es eine Welle, die wieder vorüber geht.“ Journalisten, die auf Fakten statt Emotionen setzten, seien ihnen gegenüber im Nachteil. Durch große Medienplattformen sei die Teilhabe kleinerer journalistischer Häuser zusätzlich gefährdet. Zwar könne die Menschheit von der Digitalisierung profitieren, aber nur, wenn die richtigen Regeln gesetzt würden. Limbourg sprach sich deshalb für eine Regulierung von Facebook und Co aus.

Von: Anna Lutz

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Wed, 22 May 2019 14:23:00 +0200
<![CDATA[Neue Comedy-Serie über Gott überrascht mit Tiefgang]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/05/22/neue-comedy-serie-ueber-gott-ueberrascht-mit-tiefgang/ Eine Rezension von Henriette Stach]]> Am 14. Mai ist die deutsche Ausstrahlung der ersten Staffel von „Miracle Workers“ auf dem Pay-TV-Sender TNT Comedy gestartet. Die Serie basiert auf dem Roman „In Gottes Namen. Amen“ (Originaltitel: „What in God’s Name“) ihres Drehbuchautors Simon Rich. Der Vorlage folgend beschreibt sie das komplexe Gebilde des Himmels und der Erde mitsamt deren Bevölkerungen.

Der Himmel ist eine Firma

Die neue Serie des Medienunternehmens Turner Broadcasting System (TBS) präsentiert einen Einblick in den Himmel, der als eine Art Firma dargestellt wird. Dort ist Gott (Steve Buscemi) der Chef von unzähligen Engeln, die sich als seine Angestellten um die Sorgen der Erde kümmern. Der wenig ernstzunehmende und verlottert aussehende Gott, stets gekleidet in Jogginghose und Schlabberpulli, vertreibt sich die Zeit jedoch eher mit Fernsehen und Biertrinken, während seine Engel den Laden am Laufen halten. Nachdem die übereifrige Engelmitarbeiterin Eliza (Geraldine Viswanathan) aus der Abteilung für Gebetserhörungen ihn mit dem Anliegen konfrontiert, die Nöte der verkommenden Welt zu lindern, reicht es Gott. Er fasst kurzerhand den Entschluss, die Welt in die Luft zu jagen, um ein Restaurant zu eröffnen. Eliza fühlt sich schuldig und beschließt, gemeinsam mit ihrem eigentlich eher ängstlichen Kollegen Craig, genial gespielt von Daniel Radcliffe, die Welt vor dem Untergang zu retten. Daher schließt sie eine Wette mit Gott: Wenn sie und Craig es schaffen sollten, eines der für unmöglich erhörbar erklärten Gebete zu realisieren, soll die Welt weiter bestehen dürfen.

Eliza und Craig durchsuchen daraufhin den Karton mit den unmöglichen Gebeten, die im Himmel in Form von Zetteln eingehen. Dabei stoßen sie auf zwei themengleiche Bitten – und glauben, in ihnen die Möglichkeit zur Rettung der Welt gefunden zu haben. Die beiden Menschen Sam und Laura beteten zeitgleich dafür, dass eine Beziehung mit dem jeweils anderen funktionieren möge. Doch beim Versuch der Erfüllung dieses Liebeswunsches werden die Engel mit unerwarteten, unterhaltsamen Problemen konfrontiert, die dem einen oder anderen Zuschauer durchaus bekannt sein dürften.

„Es geht um Beziehungen“

Einigen Christen dürfte die Darstellung Gottes, dessen Aussehen ein wenig an einen Obdachlosen erinnert, gründlich gegen den Strich gehen. Mit Schlabberlook und langen grauen Haaren entzieht der Erschaffer der Welt sich jeglicher Verantwortung und bringt seiner Schöpfung keinerlei Liebe entgegen. Er verhält sich ausgesprochen kindisch, vernachlässigt die Menschheit, ignoriert Gebete und überlässt die Welt ganz sich selbst – beziehungsweise den mehr oder minder fähigen Händen seiner Helfer –, bevor er schließlich ihre endgültige Vernichtung beschließt. Eine ganz und gar blasphemische Interpretation, könnte man sagen, und damit durchaus Recht haben. Doch wer an der Stelle ein Auge zudrücken kann, wird in den von Simon Rich gut geschriebenen Dialogen mehr als eine Anekdote, und hinter ihrer Ironie ein Stück Wahrheit finden. So regt die Serie auch zum Nachdenken an.

Der Grund, aus dem Gott sich von der Menschheit abwendet, besteht zum Beispiel darin, dass diese ihn kaum noch ehrt. „Hast du eine Ahnung, wie lange mir schon keiner mehr eine verdammte Ziege geopfert hat?“, fragt Gott einen Engel. „Ich dachte, Sie finden das eklig“, erwidert dieser, worauf Gott antwortet: „Ja, schon. Aber irgendwie hat es mir auch immer geschmeichelt. Ich hab mich dann gefühlt, als würde es ganz gut laufen.“

In einem Interview der Website Colliders sagte Steve Buscemi über seine Rolle als Gott: „Er ist ein wenig wie ein gescheiterter Rockstar.“ Außerdem wolle er ihn nicht so verkörpern, als verfilme man die Bibel. Nach der Buchvorlage von Rich jedoch mache es Spaß, Gott zu spielen. Dieser Unterschied ist wichtig für das Verständnis der Intention der Serie. Keineswegs will sie den christlichen Gott diskreditieren oder zynisch deformieren. „Es ist ein wahres Charakterstück und es geht um Beziehungen“, erklärt Buscemi. Letztendlich können Christen anstatt sich über die Serienfigur zu ärgern doch nur froh sein, dass ihr Gott nicht so ist, wie er dort dargestellt wird.

Wahre Worte hinter ironischem Witz

Amüsierende Details mit ernsten Aussagen finden sich häufiger in „Miracle Workers“. So rettet die in Gebetserhörungen unerfahrene Eliza per Regenfall auf Knopfdruck die Ernte eines bittenden Mannes – und löst dadurch anderorts prompt einen Taifun aus, der durch die veränderten Wetterbedingungen zustande kommt und viele Menschen das Leben kostet. Eindeutig erkennbar verbirgt sich dahinter eine mögliche Antwort auf die Frage, warum manche Gebete scheinbar unerhört bleiben.

„Miracle Workers“ überrascht ständig mit unerwarteten, humorvollen Wendungen. Dabei amüsiert es häufig mit Andeutungen. Eine Aufnahme zeigt zum Beispiel den ehemaligen US-Präsidenten Abraham Lincoln, wie er vor dem „Ford’s Theatre“ eine große Ansammlung von offensichtlich symbolschweren Krähen vorfindet. „Oh, was für ein krähenreicher Tag, nicht wahr? Na ja, auf ins Theater. Das wird ein ganz normaler Abend!“, äußert Lincoln sich daraufhin übertriebenerweise. Der Präsident fiel 1865 im „Ford’s Theatre“ einem Attentat zum Opfer. „Scheinbar erkennen Menschen Zeichen so ziemlich nie, egal, wie eindeutig sie sind“, kommentiert Eliza.

Mit den lustigen und absolut ironischen Inszenierungen zeigen die Produzenten von Broadway Video viel Witz und Kreativität. Der Regisseur und Komiker Jorma Taccone ist bereits aus anderen Formaten, wie der Serie „Brooklyn Nine-Nine“ und dem Oscar-prämierten Animationsfilm „Spider-Man: A new Universe“, bekannt. Neben der komischen Komponente besitzt „Miracle Workers“ aber auch Tiefgang.

Jeweils eine Folge der neuen Serie wird ab jetzt jeden Dienstag auf TNT-Comedy zu sehen sein. Anschließend sind die Folgen auf Sky verfügbar und bei Amazon Prime Video erhältlich. Eine zweite Staffel ist bereits geplant. Darin soll das Setting mitsamt Buscani, Radcliffe und Viswanathan ins Mittelalter versetzt werden.

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Wed, 22 May 2019 08:39:00 +0200
<![CDATA[Ibiza und die dunkle Seite der Macht: Österreichs Regierung am Ende]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/21/ibiza-und-die-dunkle-seite-der-macht-oesterreichs-regierung-am-ende/ Raffael Reithofer aus Graz in der Steiermark, denn Rechtspopulisten sind in seinen Augen nur vordergründig attraktive Regierungspartner. Und auch wenn das belastende Video unter dubiosen Umständen entstand: Es sei richtig gewesen, es zu veröffentlichen.]]> „Die Ereignisse überschlagen sich.“ Mit Bezug auf die österreichische Tagespolitik am letzten Wochenende könnte dieser Satz kaum treffender sein: Ein heimlich aufgenommenes Video. Der Rücktritt des Vizekanzlers. Das plötzliche Ende einer Bundesregierung. Und das alles in drei Tagen. Selbst die Polit-Thriller-Serie „House of Cards“ überbietet eine derartige Dramatik höchstens in einem Staffelfinale.

Erinnern wir uns. Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung bekommen ein heimlich aufgenommenes Video zugespielt, das sie prüfen und veröffentlichen. Es zeigt Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache, bis zum vergangenen Wochenende Chef der rechtspopulistischen FPÖ, und seinen politischen Freund Johann Gudenus, damals Vizebürgermeister und FPÖ-Chef von Wien und bis vor kurzem Fraktionsvorsitzender. Sie treffen sich im Sommer 2017 in ausgelassener Atmosphäre in einer Finca auf Ibiza mit der angeblichen Nichte eines russischen Oligarchen. Doch in die Urlaubsstimmung mischen sich bald politische Abmachungen mit Hinterzimmer-Charakter der schlimmsten Sorte.

Die Russin möge doch die reichweitenstärkste und einflussreichste Zeitung des Landes übernehmen, um sie rechtzeitig vor der Parlamentswahl im Herbst 2017 zum De-facto-Parteiorgan der FPÖ zu machen: „Sobald sie die Kronen Zeitung übernimmt (…), müssen wir ganz offen reden (…). Da gibt es bei uns in der Krone (kurz für Kronen Zeitung, Anm.): Zack, zack, zack. Drei, vier Leute, die müssen wir pushen. Drei, vier Leute, die müssen abserviert werden. Und wir holen gleich mal fünf neue herein, die wir aufbauen.“ Im Gegenzug soll die vermeintliche Oligarchen-Nichte für ihr Investment Staatsaufträge im Autobahnbau bekommen, wo bisher ohnehin ein der FPÖ unliebsamer – weil die liberalen NEOS unterstützender Unternehmer – mitmischt. Und als ob dieser Deal nicht schon dubios genug wäre, erhofft sich Strache schließlich noch Parteispenden, die offiziell noch dazu an einen unabhängigen Verein ergehen sollen, um sie vor der gesetzlich vorgeschriebenen Veröffentlichungspflicht zu verschleiern.

Eine entlarvende Haltung

Missachtung der Pressefreiheit. Parteipolitische Einflussnahme in die Vergabe von Staatsaufträgen. Heimliche Parteispenden als Gegenleistung für Staatsgelder. Das ist – auch als bloße Absicht – vom Prinzip der Rechtstaatlichkeit, das Strache in der Öffentlichkeit oft und gerne betont hat, so weit entfernt, wie unser Sonnensystem von Alpha Centauri. Natürlich ist auch Spitzenpolitikern ein Bereich des Privaten zuzugestehen, in dem sie offen reden dürfen und nicht auf die zunehmenden und teilweise fragwürdigen Erfordernisse der politischen Korrektheit Rücksicht nehmen müssen.

Wer auch immer die heimlichen Filmaufnahmen auf Ibiza veranlasst hat – natürlich war die Methode, die FPÖ mit einem falschen Geschichte rund um viel russisches Geld und mit versteckten Videoaufnahmen zu Fall zu bringen, ein Akt aus dem politischen Hinterhalt. Und man kann diskutieren, wie moralisch eine solche Falle ist und ob der Zweck, einen Politiker zu entlarven, dieses Mittel heiligt. Wahrlich unmoralisch und für eine rechtsstaatliche Demokratie nicht tragbar ist aber die Haltung, die Strache und Gudenus an den Tag legten: die unumwundene Bereitschaft, die vermeintlich offene Hand aus Russland zu nutzen, um Machtpolitik von einer Dreistigkeit zu machen, die man ansonsten eher in autokratischen Systemen kennt. Sicherlich sind auch Politiker anderer Parteien nicht alles Saubermänner. Aber mit ihren Aussagen zeigen Strache und Co., dass sie das demokratische System eigentlich unterlaufen wollen. Insofern war hier auch ein öffentliches Interesse dafür gegeben, das Video zu veröffentlichen.

Genau für solche Dilemmata zwischen Recht und Moral hat der Gesetzgeber sowohl in Deutschland als auch in Österreich den Quellenschutz beziehungsweise das Redaktionsgeheimnis vorgesehen. Dieses bedeutet in seiner Essenz: Ein Journalist braucht den staatlichen Behörden oder Gerichten die Identität seiner Informanten auch dann nicht zu verraten, wenn letztere gegen das Gesetz gehandelt haben. Insofern hat Österreichs Bundespräsident Alexander van der Bellen völlig recht, wenn er in seiner Rede an die Nation am Sonntag sagte: „An dieser Stelle möchte ich auch auf die wesentliche Rolle hinweisen, die unabhängiger Journalismus in einer funktionierenden liberalen Demokratie spielt. Die vierte Macht hat in diesem Fall ihre Verantwortung voll wahrgenommen.“

Rücktritt in die Opferrolle

Dass Bundeskanzler Sebastian Kurz nach den Ereignissen der Ibiza-Affäre die Koalition mit der FPÖ mit den Worten „Genug ist genug“ vorzeitig beendet hat, war insofern die einzig richtige Entscheidung. Es ist hier auch zu bemerken, dass Strache zwar schnell zurücktrat, sich dabei aber – wie später auch seine Parteikollegen – nur halbherzig davon distanzierte und sich schnell in die Opferrolle begab, eine Rhetorik, die in dieser Partei ebenso wie in der AfD zum Standardrepertoire gehört. Er sprach in seiner Rücktrittserklärung von einer „b’soffene(n) G’schicht“ auf Ibiza, teilte aber vor allem gegen die Macher des Videos und die veröffentlichenden Medien aus und postete schon am Sonntag auf Facebook: „FPÖ – Jetzt erst recht!“

Auch ist die Causa Ibiza zwar das extremste, aber nicht das erste Mal, dass die FPÖ als Koalitionspartner der Kurz-ÖVP dem Ansehen des offiziellen Österreich im In- und Ausland schadet: Das geschah bisher vor allem durch rechtsextreme „Einzelfälle“ mit teils neonazistischen Anklängen und durch Attacken auf Medien und Journalisten. Das führte wiederum dazu, dass auch konservative Leitartikelschreiber die Regierungsfähigkeit der FPÖ stark anzweifelten (pro berichtete).

Unprofessionalität, Korruption und Nähe zum Rechtsextremismus

Doch was lernen wir daraus für den größeren politischen Kontext? Wer die österreichische Zeitgeschichte kennt, weiß, dass es sich bei der jüngsten Bundesregierung nicht um die erste Koalitionsregierung mit der FPÖ handelt, sondern in 40 Jahren immerhin bereits um die vierte. In den 1980ern wagte zunächst die sozialdemokratische SPÖ eine Koalition mit der FPÖ, in den 2000ern gab es unter Kanzler Wolfgang Schüssel zweimal hintereinander eine ÖVP-FPÖ-Koalition. Bemerkenswert ist, dass auch alle drei vorigen Regierungen mit der FPÖ ein abruptes Ende fanden, was – ohne die Geschichte an dieser Stelle weiter aufzurollen – jedes Mal mit dem rechtspopulistischen Pionier und direkten Strache-Vorgänger Jörg Haider zu tun hatte, der bei einem Autounfall 2008 tragisch zu Tode kam.

Für Beobachter haben sich drei Probleme mit der FPÖ als Regierungspartei herauskristallisiert, die sich geradezu lehrbuchmäßig immerzu wiederholen: Unprofessionalität, Korruption und die nicht ablegbare Nähe zum Rechtsextremismus. Rechte Parteien wie die FPÖ oder die AfD sprechen sich meist für konservative Werte in der Familienpolitik aus, wirtschaftlich verfolgen sie oft eine neoliberal-marktwirtschaftliche Agenda. Diese beiden Aspekte machen sie in der Theorie zu einem attraktiven Koalitionspartner für Christdemokraten wie die ÖVP oder die CDU – aber eben nur in der Theorie. Das sollte spätestens jetzt klar sein. Auch konservative Christen, die etwa der Abtreibung kritisch gegenüberstehen, fühlen sich diesen Parteien zum Teil näher als zum Beispiel den Grünen. Das ist verständlich. Doch was ist vermeintliche Prinzipientreue wert, wenn man dafür eine Partei stark macht, die sich von der dunklen Seite der Geschichte genauso wenig abzugrenzen vermag wie von der dunklen Seite der Macht im Allgemeinen?

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Tue, 21 May 2019 16:02:00 +0200
<![CDATA[Medien haben UN-Migrationspakt verschlafen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/21/medien-haben-un-migrationspakt-verschlafen/ In einer Studie mit dem Titel „Zwischen Flüchlingskrise und und Migrationspakt“ kommt der Journalistik-Professor Michael Haller zu dem Schluss, dass „die untersuchten Tageszeitungen [...] das Konfliktthema ‚UN-Migrationspakt‘ zwar sehr spät, aber dann kraftvoll in den öffentlichen Diskurs eingebracht und aus verschiedenen Blickwinkeln erörtert und bewertet haben.“

In der Studie hat Haller im Auftrag des Otto-Brenner-Instituts analysiert, „ob die tagesaktuellen Medien das Politikthema ‚Migration' heute offener, vielleicht diskursiver behandeln als früher und öffentlich zur Diskussion stellen“. Dazu hat er die Berichterstattung zum „UN-Migrationspakt“ von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), der Süddeutschen Zeitung (SZ), Der Welt, Der Tageszeitung (taz) und Bild sowie der ARD-„Tagesschau“ im zweiten Halbjahr 2018 mittels quantitativer und qualitativer Verfahren untersucht.

Leitmedien sitzen Agenda der Politik auf

2017 hatte Haller einen Forschungsbericht über die Berichterstattung in der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 vorgelegt und war damals zu dem Schluss gekommen, „dass der Informationsjournalismus bei diesem vielschichtigen Thema seiner Aufgabe nicht gerecht“ geworden war und die Medien „einseitig – meist aus Sicht der politischen Eliten, zudem oft meinungsbetont“ berichtet hatten. Er wies den Informationsmedien in der Studie schwerwiegende „Dysfunktionen“ nach. In der aktuellen Studie fällt das Urteil nur geringfügig besser aus.

Die Medien hätten das Konfliktthema „UN-Migrationspakt“ zunächst verschlafen, stellt Haller fest. Diesen Umstand habe „die rechtspopulistische Opposition“ genutzt, um „über zahlreiche Onlinemedien ihre Desinformationskampagne unwidersprochen" auszubreiten. Haller erkennt darin Parallelen zur Berichterstattung über die Flüchtlingswelle. Er wirft den Leitmedien vor, „der von den Regierungsparteien inszenierten Polarität“ gefolgt zu sein: „Hier die liberal eingestellten Vertreter der Koalitionsparteien, dort die rechtsnationalen Schreihälse der AfD.“

Die Ursache dafür sieht der Forscher darin, „dass die Leitmedien weiterhin der Agenda der institutionellen Politik und ihrer Elite folgen und Konfliktstoff erst bearbeiten, wenn er von den Politik-Akteuren öffentlich thematisiert und zur Kontroverse zugespitzt wird.“ Erst später habe die Berichterstattung zu dem Thema unterschiedliche Gesichtspunkte, Kritik und juristische Bewertungen zutage gefördert und die Debatte über den Migrationspakt mit analytischen und informativen Beiträgen befeuert. Haller würdigt in seiner Studie die Berichterstattung von FAZ und Welt. Den beiden Zeitungen sei „eine partizipatorisch funktionierende Thematisierung auch heikler Aspekte“ gelungen.

„Tagesschau“ moralisiert und belehrt

Die Studie lässt erkennen, dass Medien aus der Berichterstattung über die Flüchtlingswelle 2015 gelernt haben. Haller schreibt: „Im Unterschied zur polarisierenden Umsetzung des Großthemas ‚Flüchtlingskrise' im Jahr 2015 folgen jetzt die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt dem Leitbild des diskursiven Journalismus, der verständigungsorientiert thematisiert.“ SZ, taz und Bild beharrten auf ihrem Anspruch, „die jeweils richtige Sicht dem Publikum monodirektional kundzutun“.

Kritik übt Haller an der Berichterstattung von „Tagesschau“, SZ und taz und verortet diese „eher als Propagandisten des Pakt-Projekts“, die „den Gegenargumenten“ kaum Raum gegeben und „sich insoweit dem Diskurs entzogen“ hätten. „Wenn die meinungsprägenden Leitmedien gesellschaftspolitisch brisante Vorgänge thematisieren, sind sie, allen voran die ‚Tagesschau', auf die Machtelite fixiert; sie informieren nach Maßgabe klassischer Nachrichtenfaktoren, die keine kritischen Rückfragen an die Quellen und opponierende Akteure vorsehen.“ Die „Tagesschau“ folge ihrem „tradierten Leitbild des moralisierenden Belehrungsjournalismus“. Dagegen betont Haller in der Studie die Bedeutung des Lokaljournalismus und dessen Nähe zum Publikum. „Wenn der Lokaljournalismus untergeht, wird der öffentliche Diskurs in Echokammern zerfallen und das Feld den Ideologien radikalisierter Gruppen überlassen."

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 21 May 2019 15:28:00 +0200
<![CDATA[Streit um französischen Wachkoma-Patienten Vincent Lambert geht weiter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/05/21/streit-um-franzoesischen-wachkoma-patienten-vincent-lambert-geht-weiter/ Der 42-jährige Franzose Vincent Lambert verunglückte vor zehn Jahren bei einem Verkehrsunfall. Dabei hatte er sich so schwer am Kopf verletzt, dass er seither im Wachkoma liegt. Laut Spiegel Online lebt er in einem Dämmerzustand, seine Augen bewegen sich zwar und reagieren auf Lärm, sie bleiben aber meist ausdruckslos. Zudem sei er in der Lage zu weinen, und sein Körper empfinde offenbar Schmerzen, sich mitteilen könne er aber nicht.

Was mit dem früheren Krankenpfleger passieren soll, darüber streiten seit vielen Jahren seine Angehörigen: Seine Eltern und zwei seiner acht Geschwister sind gegen die Einstellung der Pflege und der künstlichen Ernährung; Lamberts Ehefrau sowie die restlichen sechs Geschwister wollen ihn dagegen „in Würde gehen lassen“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Eine Patientenverfügung von Lambert selbst gibt es nicht.

Vor drei Jahren sorgte ein Video für Aufsehen, in dem Lambert scheinbar auf den Anruf seiner Mutter reagiert, seinem Bruder zublinzelt und den Mund bewegt. Das Video, das im Internet veröffentlicht wurde, soll nach Meinung seiner Eltern zeigen, dass ihr Sohn sehr wohl auf äußere Reize reagiert.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit darum, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen beendet werden dürfen oder nicht, wollten die Ärzte des Universitätsklinikum Reims, in dem Lambert liegt, am Montag die Geräte für den 42-Jährigen abstellen. Dies hatten mehrere französische Medien unter Berufung auf die Familie und das Krankenhaus berichtet. Das würde voraussichtlich zum Tod Lamberts innerhalb einer Woche führen.

Die katholischen Eltern hatten vor Gericht stets gegen eine solche Entscheidung geklagt und wollten den Tod ihres Sohnes mit aller Macht verhindern. Sie klagten sich durch sämtliche Instanzen und scheiterten schließlich vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR).

Wie dpa berichtet, hatte am späten Montagabend dann jedoch ein französisches Berufungsgericht die Wiederaufnahme der lebenserhaltenden Maßnahmen für Lambert angeordnet. Die Ernährung und Flüssigkeitszufuhr müssten vorerst aufrecht erhalten werden, urteilte das Pariser Gericht nach Angaben des Anwalts der Familie.

Nun muss ein UN-Ausschuss zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen entscheiden. Der hatte zuletzt eine Fortsetzung der Behandlung gefordert.

Papst betet für „Menschen mit schweren Gebrechen“

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Stiftung Patientenschutz rund 10.000 Menschen mit dem sogenannten apallischen Syndrom. Dabei sorgen Schädigungen des Gehirns für einen Ausfall der gesamten Großhirnfunktion oder größerer Teile davon, während die Funktionen im Zwischenhirn, Hirnstamm und Rückenmark erhalten bleiben. Dadurch wirken die Betroffenen wach, haben aber aller Wahrscheinlichkeit nach kein Bewusstsein und nur sehr begrenzte Möglichkeiten der Kommunikation. Der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch, sagte gegenüber dpa: „Diese Patienten im Wachkoma sind keine Sterbenden.“ In Deutschland dürften weder Ehepartner noch Verwandte automatisch über eine Behandlungsbegrenzung entscheiden. Deshalb seien Patientenverfügungen so wichtig, so Brysch.

In Deutschland und Frankreich ist die aktive Sterbehilfe, also einem Menschen ein tödlich wirkendes Mittel zu verabreichen, verboten. Passive Sterbehilfe durch das Abschalten von Apparaten und indirekte Sterbehilfe, bei der starke Medikamente Schmerzen lindern und als Nebenwirkung das Sterben beschleunigen, sind zulässig.

Papst Franziskus twitterte am Montag passend zur Thematik, aber ohne den Fall Lambert direkt zu erwähnen: „Wir beten für Menschen, die mit schweren Gebrechen leben. Bewahren wir das Leben, die Gabe Gottes, vom Anfang bis zum natürlichen Ende. Geben wir der Wegwerfkultur keinen Raum.“

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 21 May 2019 14:48:00 +0200
<![CDATA[Fünf DVDs von „An Interview with God“ gewinnen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/05/21/fuenf-dvds-von-an-interview-with-god-gewinnen/ Der Journalist Paul Asher (Brenton Thwaites, bekannt aus „Fluch der Karibik“) war als Kriegsberichterstatter in Afghanistan. Nach seiner Rückkehr kämpft er mit traumatischen Erlebnissen und um seine Ehe. Bei einem Magazin schreibt er für das Ressort Religion. Sein nächster Interviewpartner entpuppt sich als mysteriöser Mann, der von sich selbst behauptet, Gott zu sein.

Asher stürzt sich in den neuen Auftrag und führt ausgiebige Interviews mit dem älteren Herrn, bei denen es um die Kernfragen des christlichen Glaubens geht. Schnell wird klar, dass es Gott nicht so sehr um die Leserschaft der Zeitung geht, für die Paul schreibt, sondern um den Journalisten selbst.

pro verlost insgesamt fünf DVDs des Films. Wenn Sie gewinnen möchten, schreiben Sie bis zum 26. Mai eine E-Mail mit dem Betreff „An Interview with God“ und Ihrer Postadresse an verlosung@pro-medienmagazin.de. Die Gewinner werden anschließend benachrichtigt.

Von: Swanhild Zacharias

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Tue, 21 May 2019 11:26:00 +0200
<![CDATA[Christliche Schauspielerin ist neue Disney-Prinzessin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/05/20/christliche-schauspielerin-ist-neue-disney-prinzessin/ Die 26-jährige britische Musikerin und Schauspielerin Naomi Scott ist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Als Tochter eines Pastors wurde sie schon in ihrer frühen Kindheit von Gottesdiensten und dem Gemeindeleben geprägt. Diese Prägung wird in den verschiedenen Produkten des kreativen Multitalents sichtbar.

„Das Aufwachsen in der Kirche förderte eine innere Spiritualität, die mich auch an das Konzept der Musik mit einem tieferen Sinn heranführte“, sagte sie in einem Interview der Kulturplattform Hypebae. Es hätte schon immer eine Verbindung zwischen ihrem Glauben und dem Bewusstsein gegeben, dass Musik eine Seele und einen Sinn habe. Ihre Gesangskarriere begann sie bereits früh in der Jugendband der elterlichen Gemeinde. Später wurde sie dort zur Lobpreisleiterin.

„Gott ist die ultimative kreative Kraft“, sagt sie. Der Glaube der Sängerin kommt auch bei der Produktion ihrer neueren Lieder zum Vorschein. 2016 veröffentlichte sie etwa den Song „Prayer-lude” (Gebetslied) auf ihrem Album „Promises". Darin geht es um die Hoffnung von Träumern und die Bitte um Hilfe an Gott. Ihr musikalisches Team besteht aus Kirchenmitgliedern. „Wenn du einen Raum voller Kirchenleute hast, fühlen wir die Musik“, sagt sie im Hypebae-Interview.

„Gott hat einen Plan“

Scott wurde als Schauspielerin vor allem durch das Film-Reboot „Power Rangers“ aus dem Jahr 2017 bekannt. Darin verkörpert sie die ikonische Rolle der Kimberly Hart, die hinter dem pinken Power Ranger steht. Nach eigener Aussage verliert sie sich selbst beim Schauspielern nicht in ihren Rollen oder in der öffentlichen Meinung über sie. „Ich bin eine maßvolle Person, und ich wachse mir selbst nicht über den Kopf. Ich bin auch sehr selbstbewusst, sodass Druck mich nicht übermäßig beeinflusst“, erklärt sie Hypebae gegenüber. Zu TV Spielfilm sagte sie, anstatt sich ständig Sorgen um ihre Karriere und Zukunft zu machen, wie viele Kollegen, vertraue sie darauf, dass Gott einen Plan für ihr Leben habe.

In der „Aladdin“-Realverfilmung von Walt Disney, die ab dem 23. Mai in den deutschen Kinos zu sehen sein wird, spielt Naomi nun an der Seite von Mena Massoud (Aladdin) und Will Smith (Dschinni) die orientalische Prinzessin Jasmin. Die gebürtige Londonerin hat selbst indische Wurzeln. Ihre Mutter wurde in Uganda geboren, entstammt jedoch einer gujaratischen Familie. Scott äußert sich glücklich über ihre außergewöhnliche Herkunft: „Ich bin eine wunderbare Mischung, lebe zwischen den Welten und passe in keine Schublade!“

Die Sultanstochter Jasmin ist in dem neuen Film, im Gegensatz zum Vorbild nach dem Zeichentrickfilm von 1992, nahezu feministisch. „Bei uns kämpft Jasmin für die Freiheit ihres Volkes, will die Menschen inspirieren und anführen“, sagt Scott. Dabei entwickelt sich eine Liebe zwischen ihr und dem Straßendieb Aladdin. Privat ist Scott mit dem Fußballprofi Jordan Spence verheiratet, den sie in der Gemeinde ihrer Eltern kennengelernt hat und der ihre Karriere „beflügelt“.

Die Schauspielerin setzt sich außerdem für verfolgte Christen ein. Auf Twitter schrieb sie 2017: „So viele Christen werden in Ägypten und anderen Gebieten unterdrückt. Ich bete für alle meine Brüder und Schwestern auf der Welt, die es mit Verfolgung zu tun haben."

Von: Henriette Stach

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Mon, 20 May 2019 15:19:00 +0200
<![CDATA[Gläubiger australischer Rugby-Star Folau vom Nationalteam ausgeschlossen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/05/20/glaeubiger-australischer-rugby-star-folau-vom-nationalteam-ausgeschlossen/ Israel Folau ist einer der größten Rugby-Stars in Australien. Dreimal wurde er bereits zum besten Spieler der Rugby-Union gewählt, so oft wie kein anderer zuvor. Bei Instagram postet der Sportler regelmäßig christliche Botschaften und Bibelverse. In seiner Selbstbeschreibung heißt es dort nur: „Living for Jesus Christ. #TeamJesus“. Im April 2018 hatte ihn ein Leser gefragt, was seiner Meinung Gott mit Homosexuellen mache. Der Sportler hatte geantwortet: „Sie kommen in die Hölle ... Es sei denn, sie bekennen ihre Sünden und wenden sich Gott zu.“ Folau ist bekannt dafür, gläubig zu sein. Er liest täglich in der Bibel, sagt er, denn sie gebe ihm eine Orientierung und Antworten auf seine Fragen. Der Sohn tongoanischer Eltern war früher Mormone, nun ist er Mitglied der Pfingstgemeinde „Assemblies of God“.

Nach dem Posting entbrannte eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit. Die neuseeländischen Rugby-Spieler Brad Weber und TJ Perenara verurteilten den Kommentar und wiesen darauf hin, dass solche Äußerungen schwere psychische Belastungen unter Homosexuellen hervorrufen und manche sogar in den Selbstmord treiben könnten. Auf der Plattform „PlayersVoice“ verwies Folau unter der Überschrift „Ich bin auch ein Sünder“ auf die Bibelstelle in 1. Korinther 6,9, wo Homosexualität ebenso wie andere Sünden verurteilt werde. Was die Sünde angehe, so seien alle Menschen gleich.

Der nationale Rugby-Verband wollte Folau damals nicht bestrafen, da dieser dem Sport nicht habe schaden wollen. Aber die Diskussion ging weiter. Nun entschied der Verband RA, dass Folaus Vertrag wegen eines besonders schweren Bruchs der Verhaltensregeln gekündigt werde. Eigentlich wäre der Vertrag bis 2022 gültig gewesen. Damit wird der sonst so wichtige Spieler des Nationalteams voraussichtlich nicht bei der Weltmeisterschaft in vier Monaten in Japan für Australien auflaufen. Folau waren 72 Stunden Zeit zur Anfechtung des Urteils geblieben. Er ließ die Frist verstreichen.

„Wir Australier genießen Meinungsfreiheit“

In einer Erklärung teilte der 30-Jährige am Freitag mit, er sei „sehr traurig“ über die Entscheidung. Das berichtet das Internetportal „Sport 1“. Er wolle noch weiter viel Rugby spielen und nun alle Möglichkeiten ausloten, die sich ihm bieten. „Ich muss tun, was für meine Familie, meine Teamkollegen und meine Fans am besten ist.“

Folau stand zu seiner geäußerten Ansicht und zu seinem christlichen Glauben. „Wir Australier werden mit gleichen Rechten geboren, einschließlich dem Recht auf freie Religionsausübung und der Meinungsäußerung“, sagte er und fügte hinzu: „Der christliche Glaube ist seit jeher ein Teil meines Lebens, und ich glaube, es ist meine Verpflichtung als Christ, Gottes Wort mitzuteilen. Dass ich meinen Glauben hochhalte, sollte mich nicht davon abhalten, für meinen Verein oder mein Land zu arbeiten und zu spielen.“

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte Folau am Freitag den Bibelvers aus Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Denjenigen, die nach seiner Bestimmung berufen sind.“

In einem Video auf der Facebook-Seite der Gemeinde „The Truth of Jesus Christ“ in Sydney sagt Folau in der tongaischen Sprache: „Ich könnte jederzeit zurückrudern, wieder spielen und alles zurückbekommen. So arbeitet der Teufel: Er bietet dir Dinge an, die gut aussehen und dich sicher fühlen lassen. So als würden alle Sorgen weichen, wenn man diesen Weg einschlagen würde.“ Er fügte hinzu: „Aber wenn wir zu Christus kommen, geht es nicht mehr länger um unseren Willen. Der Wille Gottes muss immer an erster Stelle stehen.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 20 May 2019 15:07:00 +0200
<![CDATA[„Katholische Kirchenobere sollen Verantwortung übernehmen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/20/katholische-kirchenobere-sollen-verantwortung-uebernehmen/ Harald Dreßing fordert in einem Interview, dass Bischöfe und Führungskräfte Verantwortung für den sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche übernehmen sollen. „Neben einer strafrechtlichen Schuld gibt es die persönliche Verantwortung, die letztlich jeder mit sich selbst ausmachen muss“, sagte Dreßing in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom Montag. Darin zeigte sich der Psychiater erstaunt darüber, dass nach der Veröffentlichung der Studienergebnisse zwar „viel von Scham und Schuld“ gesprochen worden sei, aber nicht von „konkreter und persönlicher“ Verantwortung. „Eine solche persönliche Verantwortung könnte sich wie in Politik und Wirtschaft zum Beispiel in einem Rücktritt äußern“, sagte Dreßing.

Dreßing war als Forensischer Psychiater Leiter der Forschergruppe, die im Herbst 2018 die Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige veröffentlicht hatte. In der sogenannten MHG-Studie legten die Forscher offen, dass mindestens 3.677 in der Regel männliche Minderjährige von katholischen Klerikern missbraucht worden sind. Der Studie zufolge begünstigt die Struktur der Katholischen Kirche den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen.

Betroffene „auf Augenhöhe" einbeziehen

Ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der Studie zeigte sich Dreßing unzufrieden über die Aufarbeitung des Missbrauchs. Seiner Ansicht nach bestünden die Strukturen, die den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen begünstigt haben, „grundsätzlich“ noch immer. Dreßing kann bei den katholischen Bischöfen „keine gemeinsame Strategie erkennen, weitere Forschungsarbeiten in Gang zu setzen“. Die Forscher der MHG-Studie hatten in ihrem Abschlussbericht geschrieben, dass die vorgelegten Ergebnisse „der Auftakt für weitere Studien“ sein sollten.

Dreßing zeigte Verständnis für die Bemühungen einzelner Bischöfe zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Wegen „unterschiedlicher Methodik und Zielsetzungen“ seien diese allerdings „eher nicht hilfreich“. Seiner Meinung nach muss die Aufarbeitung nach „einheitlichen Standards“ und „auf Augenhöhe“ mit den Betroffenen erfolgen. Dreßing empfiehlt dazu eine interdisziplinär besetzte Kommission. Darin sollen Betroffene, Wissenschaftler, Kirchenleute und Vertreter der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

Missbrauch in Institutionen lässt sich nach Angabe Dreßings „nie völlig vermeiden“, jedoch könnten „spezifische Risikokonstellationen“ verändert werden. Etwa durch „die Beschränkung der klerikalen Macht, eine Reform der Sexualmoral, die wissenschaftliche Erkenntnisse ausblendet“, und die „Abschaffung des Pflichtzölibats“.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 20 May 2019 14:59:00 +0200
<![CDATA[Film über christlichen Nazi-Widerständler begeistert Kritiker]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/05/20/film-ueber-christlichen-nazi-widerstaendler-begeistert-kritiker/ Der neue Film von US-Regisseur Terrence Malick, „A Hidden Life“ (Ein verborgenes Leben), erzählt vom Leben und Sterben des österreichischen Kleinbauern Franz Jägerstätter (August Diehl). Wegen seines Glaubens weigerte sich der Katholik, für die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Am Sonntag feierte das Werk seine Weltpremiere auf dem Festival von Cannes. Laut verschiedenen Kritikerstimmen ist es eine Rückkehr zur alten Stärke des Regisseurs und ein Wettbewerbsfilm, der Malick als tiefreligiösen Menschen zeigt.

Jägerstätter lebte im österreichischen Dorf Sankt Radegund mit seiner Frau und seinen drei Töchtern. Im Jahr 1943 wurde der Katholik inhaftiert und letztlich hingerichtet, weil er sich wegen seines religiösen Gewissens weigerte, für die Nationalsozialisten in den Krieg zu ziehen. Seine Seligsprechung erfolgte durch Papst Benedikt im Jahr 2007.

Widerständler bricht mit Kirche

„Als der örtliche Bischof Franz auffordert, sich freiwillig für das Militär einzutragen, trifft er die Entscheidung, mit der Kirche zu brechen“, schreibt der amerikanische Kritiker Justin Chang in der Los Angeles Times über den Film. Aber er breche nicht mit Gott, den er während seiner Inhaftierung im Gebet herausfordere und mit ihm ringe. Der Kritiker gibt zu, selbst noch mit dem gerade erst gesehenen Film zu ringen. Aber er bezeichnet die filmische Schilderung der klaustrophobische Hafterfahrung von Jägerstätter als „körperlich und spirituell“.

Für den US-Kritiker, der den Film als „außergewöhnlich schön und herzzerreißend“ lobt, geht es um ein „intensives Porträt tatsächlicher christlicher Hingabe“ und eine „verdammende Studie, wie sich religiöse Institutionen dem Bösen unterordnen können“. Der Film biete mit seiner Naturschilderung Malicks „erstaunlichste Vision eines irdischen Paradieses“, das der Regisseur den Zuschauern bislang gegeben habe. „Es ist aber schwierig, diesen Film zu sehen und nicht auch an den Aufstieg rechter und nationalistischer Bewegungen in Europa oder an die Trump-Administration zu denken, die das evangelikale Christentum im Würgegriff hält“, schreibt Chang über das Verhältnis der Kirche zum Nationalsozialismus.

„Glaube ist anhaltender Dialog mit Gott“

Der einflussreiche US-Kritiker David Ehrlich, der für die Filmseite indiewire.com schreibt, findet: „Der Film ist ein klares und und herausforderndes Porträt über das Thema Glaubenskrise.“ Es gehe um die riesige Kraftanstrengung und den Mut, den es für Widerstand bedürfe, an den eigenen Werten in einer Glaubenskrise festzuhalten. „Der Glaube ist kein Kampf, den man gewinnt. Er ist ein anhaltender Dialog mit Gott“, schreibt der begeisterte Ehrlich, der dem Film seine zweithöchste mögliche Bewertung gab.

Auch die deutsche Presse besprach Malicks neuen Film. Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt: „Die Natur wird hier zur Kathedrale, in der Gott wohnt, jedes Bild scheint ihn anzurufen.“ Es sei ein Film darüber, was ein Gewissen und ein Glaube vermögen, aber vor allem eine lange Anrufung von Malicks Gott. Die dagegen etwas enttäuschte Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung findet: „Die Geschichte, wie Jägerstätter sich jeder Gruppendynamik verweigert, auf seinem Standpunkt beharrt, ist ganz aktuell und wäre es wert gewesen, vollständig erzählt zu werden.“ Sie bezeichnet Regisseur Malick anhand des Films als „tiefreligiösen Mann“.

Malick: „Was will Christus von uns?“

„A Hidden Life“ ist eine deutsche Co-Produktion, an der das Studio Babelsberg beteiligt ist. Mit Schauspielern wie August Diehl, Franz Rogowski und dem späten Bruno Ganz, der hier seine letzte Rolle spielt, ist der fast dreistündige Film überwiegend auf Deutsch gedreht. Nur die Off-Kommentare von Jägerstätter und seiner Frau sind in Englisch gehalten. Der Pandora Filmverleih bringt den Film in Deutschland heraus. Einen offiziellen Kinostart gibt es aber noch nicht.

Malick, der zurückgezogen lebt und persönliche Auftritte auf Filmfestivals meidet, hat sich öffentlich nie zu seinem Glauben geäußert. Im Zusammenhang mit der Weltpremiere von „A Hidden Life“ wurde aber ein Briefwechsel zwischen ihm und dem katholisch geprägten Filmemacher Martin Scorsese bekannt. Malicks Brief war laut des Filmkritikers Ehrlich überschrieben mit der Frage: „Was will Christus von uns?“

Von: Michael Müller

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Mon, 20 May 2019 14:50:00 +0200
<![CDATA[Viele Tränen und ein Wunder]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/05/20/viele-traenen-und-ein-wunder/ Eine Filmkritik von Jörn Schumacher]]> Im medizinischen Bericht wird später stehen: „Patient tot, Mutter betet, Patient erwacht wieder zum Leben.“ So hat es sich angeblich zugetragen an einem Januar-Wochenende im Jahr 2015 in der Stadt Lake St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Der 14-Jährige John Smith spielt mit zwei Freunden auf einem zugefrorenen See, doch das Eis bricht ein und die drei stürzen ins Wasser. Während es seinen beiden Freunden gelingt, aus dem eiskalten Wasser zu krabbeln, sinkt John bewusstlos immer tiefer, bis auf den Grund. Im Bericht wird es später heißen: 15 Minuten sei John ohne Sauerstoff unter dem Eis gewesen. Eine Chance auf Überleben: Null. Und selbst wenn sein Körper es überleben sollte, würden seine Organe, vor allem sein Gehirn, irreparable Schäden davon tragen.

Doch das Schicksal hat nicht mit Johns Mutter Joyce gerechnet. Sie ist eine Kämpferin vor dem Herrn, ihr Gottvertrauen ist unerschütterlich, und während alle um sie herum nur noch versuchen, den Tod des Jungen hinzunehmen, ist sie felsenfest davon überzeugt, dass Gott heilen kann. Auch ihren als Baby adoptierten Jungen, der im Krankenhaus auf der Intensivstation liegt und keinen Puls mehr hat. Anstatt sich von ihrem Adoptivsohn zu verabschieden, wie es ihr die Ärzte raten, holt sie Gott in das Krankenhauszimmer, sie betet: „Heiliger Geist, bitte bring mir meinen Sohn augenblicklich zurück!” Just in diesem Moment beginnt das EKG wieder, den Herzschlag des Jungen aufzuzeichnen, John kommt zurück ins Reich der Lebenden.

Niemand war bei diesem Vorkommnis dabei, doch Joyce schreibt es später so auf, und die Geschichte kam unter dem Titel „The Impossible“ (Das Unmögliche) als Buch heraus. Nun hat sich mit 20th Century Fox eine große Hollywood-Produktionsfirma dem Stoff gewidmet und einiges aufgefahren, was in Hollywood Rang und Namen hat. Regie führte Roxann Dawson (bekannt als als B’Elanna Torres in „Star Trek: Voyager“, die aber bereits mehrfach Regie führte), das Drehbuch stammt von Grant Nieporte (der das Drehbuch zum Film „Sieben Leben“ mit Will Smith und Woody Harrelson und für Folgen der Serie „Hör mal, wer da hämmert“ schrieb).

Stephen Curry, einer der renommiertesten und beliebtesten Basketball-Spieler aller Zeiten, tritt als ausführender Produzent auf. Zu den ausführenden Produzenten gehört auch der Präsident der National Hispanic Christian Leadership Conference (NHCLC), der größten Hispano-christlichen Organisation weltweit, Samuel Rodriguez. Seine Stimme repräsentiert mehr als 100 Millionen Hispano-Evangelikale. Rodriguez war Berater der US-Präsidenten George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump. In der Rolle der Mutter ist Chrissy Metz zu sehen, die aus der Fernsehsendung „This is Us“ bekannt ist und zweimal für den Golden Globe und den Emmy nominiert wurde. Den jungen Pastor spielt Topher Grace (bekannt aus „Spider-Man 3“, 2007, und aus der Serie „Die wilden 70er“). Die Musik stammt teilweise vom bekannten christlichen Rapper Lecrae.

„Manchmal laufen Dinge schief, damit wir erkennen, dass wir geliebt werden“

John kam nicht nur wieder ins Leben zurück, er zeigte zudem keine der in solchen Fällen eigentlich zwangsläufig auftretenden Schäden. Seine Lunge, eben noch voll Blut, kann wieder atmen, und sein Gehirn zeigt keine Beeinträchtigung. Der leitende Arzt kann nur völlig konsterniert feststellen: John ist ein medizinisches Wunder.

Der gläubige Produzent DeVon Franklin sagte vorab in Interviews, er habe mit seinem Film zeigen wollen, welche Macht hinter Gebet stecke. „Wir erzählen hier die Geschichte einer modernen Wiederauferstehung. Gott vollbringt jeden Tag Wunder, aber wir sind oft nur so auf unseren Alltag fixiert, dass wir diese nicht als solche erkennen.“ Franklin ergänzt: „Wir leben in Zeiten des Zwists, jeder verfolgt seine eigenen politischen Ziele, jeder meint für sich die Wahrheit gepachtet zu haben. Darüber vergisst man schnell, dass wir eigentlich alle Brüder und Schwestern sind.“ Er hoffe „aus tiefster Seele, dass ‚Breakthrough‘ den Zuschauern wieder Hoffnung, Glauben, Liebe und Freude schenkt. Dass sie erkennen, dass eigentlich alles möglich ist“. Für die Statements im offiziellen Presseheft fügt er hinzu: „Manchmal, so glaube ich, laufen die Dinge einfach nur deshalb schief, damit wir erkennen, dass wir mehr geliebt werden, als wir glauben. Ich hoffe und bete, dass alle, die diesen Film sehen, diese Botschaft verstehen und erkennen, dass es für jeden einen Plan im Leben gibt.”

Warum hilft Gott manchmal, und manchmal nicht?

Der Film „Breakthrough“, der in Deutschland leider nur in sehr wenigen Kinos läuft, erzählt nicht einfach nur platt die Geschichte vom Unfall, der Rettung, dem Gebet und der wundersamen Heilung nach. Er beleuchtet auch, wie sie die Menschen im Umfeld verändert. Joyce etwa, die früher etwas herrschsüchtige Mutter von John, merkt im Taumel der Trauer und des Bangens, wie sie ihr Herz neu ausrichten sollte; sie ist dann in der Lage, die Situation ganz Gott zu überlassen. Der Feuerwehrmann Tommy Shine hörte, wie ihm am Unglücksort jemand zurief, wo er John unter dem Eis finden würde. Später stellte sich heraus, dass niemand aus seiner Crew irgendetwas gerufen hatte, offenbar gab es die Stimme nur in Shines Kopf. Der eigentlich ungläbige Mann musste sich danach sagen: Entweder ich bin verrückt, oder es gibt Gott wirklich.

In diesem Film fließen viele Tränen auf der Leinwand, aber auch im Publikum. An manchen Stellen wird es für den durchschnittlichen europäischen Zuschauer vielleicht etwas zu kitschig, das hat aber auch viel mit kulturellen Unterschieden zu tun. Das Pfarrerehepaar wirkt dann doch wie aus einem (amerikanischen) Prospekt für Super-Pastoren, die Pfarrersfrau kann mit ihrer puppenhaften Unnatürlichkeit fast schon ein wenig Angst einflössen.

Einfühlsam stellt der Film die Situation all derer dar, die das Heilungswunder im Film sehen, jedoch selber einen Angehörigen durch Krankheit verloren haben. Eine Lehrerin des geheilten John fragt mit Tränen in den Augen den Jungen: Warum du, warum nicht mein Mann, der vor fünf Jahren sterben musste? Warum müssen so viele kranke Menschen trotz Gebet sterben? War es bei John die schiere Masse an Betern, die in der Gemeinde, in der Schule, ja übers Fernsehen im gesamten Ort und darüber hinaus rekrutiert wurden? Das Fazit, das der Film jedenfalls anklingen lässt, lautet: Gott allein weiß, wann er eingreift und wann nicht. Und am Ende liegt alles an seiner Gnade und nicht allein an unseren Wünschen oder tausendfachen Gebeten.

„Breakthrough – Zurück ins Leben“, 117 Minuten, deutscher Filmstart: 16. Mai

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 20 May 2019 12:09:00 +0200
<![CDATA[„Verfolgung ist oft der Preis für das Jesuszeugnis“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/05/20/verfolgung-ist-oft-der-preis-fuer-das-jesuszeugnis/

pro: Ist der Begriff „Märtyrer“ nicht etwas aus der Zeit gefallen?

Manfred Müller: Das mag sein, dass der Begriff sperrig, anstößig und befremdlich wirkt. Aber er wiegt schwer. Beim Martyrium geht es nicht in erster Linie um Blut, Bedrängnis, Verfolgung, Leid und Tod, sondern vielmehr um das treue Jesuszeugnis. Märtyrer, also Menschen, die wegen dieses Zeugnisses und letztlich ihres christlichen Glaubens umgebracht wurden, fordern uns heraus, uns zu fragen, welchen Preis wir in der Nachfolge Jesu bereit wären zu zahlen. Zeugnis abzulegen vom Kreuzestod Christi ist unser Auftrag als Christen, und dieser Auftrag kann auch heute noch zum Martyrium führen.

Warum erzielt die Verfolgung von Christen weltweit so wenig Aufmerksamkeit?

Weil Christen letztlich ein Fremdkörper in der Welt sind. Jesus selbst hat seiner Gemeinde Verfolgung vorausgesagt: „Die Welt wird euch hassen!“ (Lukas 21,17) Christen haben also nicht wirklich eine Lobbygruppe. Dazu kommt, dass es auch innerhalb von Kirche und Gemeinden zu Abgrenzungen kommt. Wenn etwa Christen für Missionsbemühungen auch innerhalb der Christenheit kritisiert werden. Kommt es dann zum Martyrium, wie im November auf Nord-Sentinel (Auf der zu Indien gehörenden Insel wurde ein amerikanischer Missionar von Einheimischen getötet. Anm. d. Red.), dann heißt es schnell: „Wie kann man auch so leichtsinnig sein.“ Der Missionsauftrag wird in seiner Schwere auch in der Gemeinde an vielen Stellen gar nicht mehr verstanden. Wer deswegen Risiken eingeht, gilt als leichtsinnig oder gar dumm. Dem radikalen Säkularismus im Westen fehlt es natürlich zudem ohnehin an einer Grundsympathie für die Gemeinde Jesu – im Gegenteil sieht er hier eher ein Feindbild.

Wie wollen Sie dem entgegenwirken?

Dem entgegenzuwirken ist gar nicht unser erstes Ziel. Es geht hier nicht zuerst um eine Frage von Menschenrechten und Religionsfreiheit. Denn weltweit wollen Christen ja nicht zuerst Aufmerksamkeit für ihr Verfolgungsleiden, sondern für ihr Jesuszeugnis. Das rettende Evangelium wollen sie einer verlorenen Welt bezeugen. Die Liebe Jesu treibt sie. Verfolgung ist das, was ihnen dabei zustößt. Aber auf die Verfolgung den Fokus zu legen, würde ihre Prioritäten geradezu umkehren. Dem Verfolgungsleiden an sich entgegenwirken zu wollen, wäre aussichtslos, da uns hier ein Erfolg nicht verheißen ist. Es hilft der Förderung des Evangeliums auch nicht, wenn wir uns darüber empören. Es hilft erst recht nicht, wenn wir vergessen, dass die Verlorenheit der Menschen das noch größere Problem ist, dass Verfolgung der Preis der Verkündigung des rettenden Evangeliums sein kann – und bis zur Wiederkunft Jesu auch bleiben wird. So gehen Christen weltweit im klaren Wissen um den antichristlichen Hass hinaus, das Evangelium zu verkündigen.

Rechnen Sie damit, dass Christen auch in absehbarer Zeit hier unter Druck geraten? Welche Anzeichen lassen darauf schließen?

Ja. Alle Anzeichen stehen auf Sturm. Selbst bisher friedliche Koexistenz, wie jetzt in Sri Lanka zwischen Islam und Christentum, kann plötzlich wegbrechen. Und ja, auch im Westen dreht sich der Wind zunehmend. Die Front rückt sozusagen näher. Über sexualethische Fragen und über Fragen im Kontext der sogenannten Antidiskriminierung könnten Christen auch hierzulande schon bald Probleme bekommen. Das wird nicht frontal sein. Aber was wäre, wenn baurechtliche Bestimmungen oder bürokratische Regeln instrumentalisiert würden, um subtilen Druck aufzubauen? Das ist sicher alles noch harmlos, könnte aber noch stärker spürbar werden, wenn Gemeinnützigkeit von der „richtigen“ Haltung zur Frage der „Ehe für alle“ abhängig gemacht würde.

Wie kümmert sich HMK um verfolgte Christen?

Wir unterstützen medizinische Projekte, vermitteln Rechtsanwälte, helfen beim Wiederaufbau von zerstörten Häusern und Kirchen und bieten Hilfen zur Selbsthilfe. Darüber berichten wir auch in Deutschland, weil wir davon überzeugt sind, dass die Kirche hier davon erfahren muss, um für die verfolgten Christen zu beten, aber auch um von ihrem Mut, ihrer Hingabe und Jesus-Treue lernen zu können. Wir sind überzeugt, dass wir das, was die verfolgte Gemeinde uns vorlebt, in Deutschland dringend brauchen – nämlich Vertrauen in die Bibel und Mut zum Gebet und zum Zeugnis.

Wo ist die HMK aktiv?

Heute ist die HMK mit mehr als 130 Projekten in 45 Ländern weltweit aktiv, vorwiegend in muslimisch geprägten. In Deutschland arbeiten zehn Mitarbeiter in der Projektbetreuung und in der Informations- und Bildungsarbeit. Die Arbeit finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Wir investieren vor allem in die Projektarbeit und kaum in Werbung. In den Projektländern arbeiten wir vorwiegend mit einheimischen Partnern zusammen, die vor Ort über die Expertise und die Kontakte verfügen.

Was ist besonders an der HMK?

Es gibt verschiedene christliche Werke, die sich gegen Diskriminierung und Verfolgung von Christen weltweit einsetzen. Die haben auch alle ihre Berechtigung. Aber die HMK ist das einzige Missionswerk, das von der verfolgten Gemeinde selber gegründet wurde. Sie ist aus der erlebten und erlittenen Not der Gemeinde heraus entstanden und hat ihren ganz besonderen Auftrag, Stimme der Märtyrer zu sein.

Wie ist die HMK entstanden?

Vor 60 Jahren hatten sich Häftlinge in rumänischen Gefängnissen untereinander das Versprechen gegeben: Wenn einer von uns frei kommt, muss er auf das Schicksal der übrigen aufmerksam machen und für die Märtyrer seine Stimme erheben. Der lutherische Pfarrer Richard Wurmbrand war damals wegen seines christlichen Glaubens lange inhaftiert. Er kam frei und hat das Versprechen eingelöst. Vor 50 Jahren wurde auf seine Initiative die HMK als Verein gegründet.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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Mon, 20 May 2019 11:43:00 +0200
<![CDATA[Trump: Abtreibungen nicht ausnahmslos verbieten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/19/trump-abtreibungen-nicht-ausnahmslos-verbieten/ „Ich bin sehr stark für das Leben“, twitterte Donald Trump am Sonntag. Bei drei Ausnahmen halte der US-Präsident eine Abtreibung aber für legitim: Nach einer Vergewaltigung, bei Inzest und wenn das Leben der Mutter bedroht ist.

Diese Position habe schon Ronald Reagan vertreten. Reagan war von 1981 bis 1989 Präsident der Vereinigten Staaten und wird bis heute vor allem von konservativen Republikanern verehrt. Die jetzige Regierung habe schon viel erreicht, schrieb Trump weiter. Als Beispiele nannte er neue Richter und die „Mexico City Policy“, durch die Nichtregierungsorganisationen die Mittel gestrichen werden, wenn diese Abtreibungen durchführen oder als Mittel der Familienplanung bewerben. Nach Meinung Trumps habe sich zudem eine „ganz neue und positive Einstellung gegenüber dem Lebensrecht“ gebildet. Er warnte vor der „radikalen Linken“, die Spätabtreibungen wolle. „Wir müssen zusammenhalten und 2020 für das Leben gewinnen.“

Immer mehr Staaten erlassen Sonderregelungen

Trump dürfte mit seiner Äußerung auf einen Senatsbeschluss im US-Bundesstaat Alabama abzielen, der am Mittwoch unterschrieben wurde. Abtreibungen sollen demnach bald fast vollständig verboten werden. Dabei ist es egal, ob die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung oder Inzest hervorgeht. Ärzten in Alabama drohen demnach im Falle einer Abtreibung Gefängnisstrafen zwischen zehn und 99 Jahren. Ausgenommen sind Fälle, in denen Frauen durch eine Schwangerschaft lebensgefährlich bedroht sind.

In den Staaten löste dies heftige Diskussionen aus. Kritiker verlauten, das neue Gesetz stehe im Widerspruch zum Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshof aus dem Jahr 1973. Als der Oberste Gerichtshof der USA 1973 Abtreibungen mit der Grundsatzentscheidung „Roe vs. Wade“ generell legalisierte, galt dies als Meilenstein zur Selbstbestimmung von Frauen. Den einzelnen Staaten wurde es jedoch freigestellt, Zusatzregelungen zu erlassen. Von diesem Recht machten in der letzten Zeit immer mehr Staaten Gebrauch. Während einige Staaten, darunter zum Beispiel New York, sehr liberale Regelungen erließen, verschärften mehr als 20 republikanisch regierte Bundesstaaten das Abtreibungsrecht.

Von: Nicolai Franz/Henriette Stach

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Sun, 19 May 2019 17:52:00 +0200
<![CDATA[Bundestag verurteilt Israel-Boykott]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/17/bundestag-verurteilt-israel-boykott/ Der Bundestag hat am Freitag für einen fraktionsübergreifenden Antrag zur Verurteilung der Israel-Boykottbewegung BDS gestimmt. Darin fordern die Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen, keine Projekte zu unterstützen und zu finanzieren, die zum Boykott Israels aufrufen. Für den Antrag stimmten CDU/CSU, SPD, FDP und „große Teile der Grünen-Fraktion“, wie Bundestagvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) feststellte. Die Abkürzung BDS steht für „Boykott, Desinvestition, Sanktionen“. Die weltweit agierende Bewegung wurde im Jahr 2005 von Palästinensern gegründet. Es ist keine zentral geführte Organisation, sondern eher eine lose koordinierte Kampagne. Sie sieht sich als „gewaltlose Form der Kriegsführung“ gegen Israel.

Die AfD und Teile der Linken enthielten sich bei der Abstimmung; die beiden Fraktionen hatten jeweils eigene Anträge zu dem Thema vorgelegt. Die AfD fordert dabei die Bundesregierung dazu auf, die BDS-Bewegung in Deutschland nicht nur zu verurteilen, sondern zu verbieten. Die Linke spricht sich in ihrem Antrag für eine Verurteilung von Boykottaufrufen aus.

Die AfD ließ über ihren Antrag namentlich abstimmen; er wurde, wie zu erwarten, abgelehnt. Von den Abgeordneten der anderen Fraktionen stimmte einzig Matthias Bartke (SPD) dafür.

Die israelische Regierung begrüßte das Votum des Parlaments. Der Bundestag habe die BDS-Bewegung so eingestuft, wie sie sei, nämlich antisemitisch. „Wir hoffen, dass weitere Länder dem Standard im Kampf gegen die hassversprühende Kampagne folgen, den das deutsche Parlament heute gesetzt hat“, schrieb der Sprecher des Außenministeriums, Juval Rotem, auf Twitter.

Union: BDS zielt auf Zerstörung Israels

Für die CDU/CSU-Fraktion betonte Axel Müller (CDU), dass die BDS-Bewegung Israel das Existenzrecht abspreche. Dies könne nicht gebilligt werden. Die BDS-Kampagne lasse sich von der Propaganda der NS-Diktatur beeinflussen: Wie die Nazis gefordert hätten, nicht bei Juden zu kaufen, so fordere BDS heute, keine israelischen Waren zu kaufen. Sebastian Priem (CSU) betonte, BDS habe nichts mit Kritik an der Regierung zu tun; sie sei vielmehr antisemitisch motiviert. „Die Grenze ist dort überschritten, wenn der Staat Israel delegitimiert und dämonisiert wird.“ Er ergänzte: „Ihre Aktionen zielen auf eine Zerstörung des jüdischen Staates.“ Die Sicherheit des Staates Israel sei nicht verhandelbar.

Christian Lange (SPD) betonte in seinem Redebeitrag, der Staat Israel sei ein „Wunder“. Doch seit Jahren nehme der Israelhass zu. „Wir dürfen nicht zulassen, dass in unserem Land das Existenzrecht des jüdischen Staates in Frage gestellt wird.“ Dazu gehöre auch, Boykottaufrufe nicht zu akzeptieren.

FDP: International für Israel eintreten

Omid Nouripur von den Grünen nannte als ein aktuelles Beispiel für Israel-Boykott den Eurovision Song Contest, der derzeit in Tel Aviv stattfindet. Diese Veranstaltung trage zur Völkerverständigung bei. Dass BDS dies verhindern wolle, spreche Bände. „Wir müssen das mit allem, was wir haben, zurückweisen.“ Der Antrag sei ein Zeichen dieser Haltung. „Diese Art von Polemik richtet sich nicht nur gegen Jüdinnen und Juden, sondern gegen alle Menschen in Israel.“ Kritik an der israelischen Regierung sei hingegen erlaubt, ebenso sei es legitim, palästinensische Anliegen anzusprechen.

Der Vertreter der FDP, Bijan Djir-Sarai, betonte ähnlich wie Nouripur, die BDS-Bewegung treibe einen Keil zwischen Israelis und Palästinensern. Als Beispiel nannte er ebenfalls den ESC. BDS habe Plakate aufgestellt, die das Logo der Musikveranstaltung mit SS-Runen versähen. Dies sei „nicht hinzunehmen“. „Israel hält als einziger Staat im Nahen Osten die Demokratie hoch.“ Zugleich betonte er, über den Antrag hinaus gelte es auch, international für Israel einzutreten. Er kritisierte dabei auch, wie bereits im November, das Abstimmungsverhalten Deutschlands bei den Vereinten Nationen.

AfD: Bundesregierung „stimmt mit den Judenfeinden“

Jürgen Braun von der AfD stellte in seinem Wortbeitrag heraus, dass die anderen Parteien im Gegensatz zur AfD kein BDS-Verbot fordern. Die AfD sei daher „die Partei der Freunde Israels im Bundestag“. Wie der FDP-Vertreter monierte er, dass die Bundesregierung bei den Vereinten Nationen „mit den Judenfeinden stimmt“. Zudem förderten die Parteistiftungen BDS-Projekte und seien damit „verstrickt im Netz der Judenfeinde“. Israel könne sich weder auf die linken noch auf die Koalitionsparteien verlassen.

Bundestagsvizepräsidentin Roth, die die Sitzung leitete, schalt Braun nach dessen Rede für den Begriff „Altparteien“; im Kontext der aktuellen Debatte sie dieser unangemessen. Helge Lindh von der SPD kritisierte am Antrag der AfD, der Partei gehe es gar nicht um Israel. Vielmehr sei der Antrag ein „Mittel für antimuslimischen Rassismus und Araberhetze“. Zudem gehe es der AfD darum, die Arbeit der Parteistiftungen zu zerstören. Die AfD hatte sich in der Vergangenheit dafür ausgesprochen, Parteistiftungen abzuschaffen.

Heike Hänsel (Linke) sagte, ihre Partei lehne BDS ab, gerade auch den „generellen Boykott von Waren aus Israel“. Doch eine pauschale Kriminalisierung von BDS-Anhängern sei „problematisch“. Es gelte, Stimmen aus der israelischen Zivilgesellschaft zu hören, die den Diskurs über palästinensische Rechte zu delegitimieren versuchten. „Es hätte dem Parlament gut angestanden, wenn derartige Meinungen berücksichtigt worden wären.“ Legitime Kritik an der israelischen Regierung dürfe nicht als antisemitisch verurteilt werden. In diese Richtung argumentierte auch Lindh. Beide Seiten müssten Gehör finden, sagte der SPD-Politiker. „Dialog schlägt Boykott.“

Mario Mieruch (fraktionslos) wunderte sich, dass der Bundestag zwar in der BDS-Frage, jedoch nicht beim Abstimmungsverhalten Deutschlands auf internationaler Bühne Einigkeit zeige. Er lobte den AfD-Antrag, der aus seiner Sicht am weitesten gehe; er kritisierte jedoch Äußerungen von AfD-Mitgliedern zur Einschätzung der Nazi-Zeit und zum Holocaust-Gedenken.

Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte die Debatte zu BDS im Vorfeld begrüßt: „Wir müssen jeder Form von Antisemitismus entgegentreten, auch wenn sie vermeintlich harmlos wirkt. Die Umsetzung der Ziele der BDS-Bewegung würde das Existenzrecht Israels in Frage stellen“, sagte er der „Deutschen Presse-Agentur“.

Von: Daniel Frick

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Fri, 17 May 2019 17:55:00 +0200
<![CDATA[„Ich lade ein, mehr Bibel zu lesen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/05/17/ich-lade-ein-mehr-bibel-zu-lesen/ Forscher der Albert-Ludwig-Universität Freiburg haben für die Katholische und Evangelische Kirche in Deutschland errechnet, dass die Mitgliederzahlen bis 2060 einbrechen. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) prognostizieren die Wissenschaftler einen Rückgang von rund 11 Millionen Mitgliedern von derzeit 21,5 Millionen auf 10,5 Millionen im Jahr 2060. pro wollte vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, wissen, was das für die Kirche in Deutschland bedeutet.

pro: Herr Landesbischof, wenn die Projektion 2060 stimmt, dann werden sich die Mitgliederzahlen bis 2060 halbieren.

Heinrich Bedford-Stohm: Die Projektion 2060 beschreibt die Auswirkungen eines Trends, der schon vor Jahren von der Sozialforschung festgestellt worden ist. Manches am Rückgang an Kirchenmitgliedern werden wir nicht ändern können. Anderes aber schon. Die Kirchen wollen die Erkenntnisse der Studie nutzen, um sich langfristig auf Veränderungen einzustellen. Diese Veränderungen werden kommen und es ist gut, in einer heute wirtschaftlich guten Lage die Fragen von morgen in den Blick zu nehmen.

Wie steht es damit, neue Mitglieder zu gewinnen? Welche Maßnahmen werden von der EKD dafür getroffen?

Überall in Deutschland haben sich Christinnen und Christen auf den Weg gemacht, die Ausstrahlungskraft unserer Kirche für die Zukunft so nachhaltig wie möglich zu stärken. In den Zukunftsprozessen, die in den Landeskirchen laufen, steht die Menschennähe im Zentrum. Wie – so wird gefragt – können sich die gewachsenen Strukturen an das anpassen, was die Menschen brauchen, anstatt zu erwarten, dass die Menschen sich an die gewachsenen Strukturen anpassen? Die vielen Millionen Menschen, die sich in unseren Gemeinden und diakonischen Einrichtungen aus Freiheit und nicht aus gesellschaftlicher Konvention engagieren, sind schon heute die besten Botschafter der Kirche von morgen.

Kardinal Marx sprach davon, dass Mission nötig sei – was sagen Sie dazu?

Die Weitergabe des Glaubens von der einen auf die nächste Generation ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Menschen entscheiden heute aus Freiheit, ob sie einer Religionsgemeinschaft angehören wollen. Deshalb müssen wir als Christinnen und Christen natürlich auch Auskunft über unseren Glauben geben. Nichts anderes beschreibt ja der Begriff Mission, als dass wir Zeugnis von den eigenen Quellen geben. In diesem Sinne ist Mission eine unverzichtbare Dimension der Kirche und des Christseins. Das heißt auch, dass wir alle Christinnen und Christen ermutigen, ihren Glauben und ihre Traditionen kennenzulernen und zu leben, vom Glauben zu erzählen und so zum Glauben einzuladen, dass die Freiheit und Würde aller Menschen gewahrt wird.

Reinhard Bingener schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass der Weg in die Zukunft nur an der Basis mit überzeugender Verkündigung beginnen kann. Was tut die Kirche dafür?

Neben guter Ausbildung für die Verkündigung ist das Entscheidende, dass wir selbst unsere eigene Botschaft immer wieder neu entdecken. Denn die Botschaft, die uns als Christen trägt, ist eine richtig starke. Wenn man uns die Begeisterung für diese Botschaft anmerkt, dann verkündigen wir als Kirche authentisch und überzeugend.

Was entgegnen Sie Kritikern, die die Meinung vertreten, Kirche solle sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und das Evangelium verkündigen, statt sich politisch zu äußern?

Weil wir das, was wir verkündigen, auch ernst meinen, lassen sich diese beiden Dimensionen doch gar nicht voneinander trennen. Das Zentrale, was uns Jesus mit auf den Weg gibt, ist das Doppelgebot der Liebe. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Matthäus 22,37.39). Diese untrennbare Verbindung von Gottes- und Nächstenliebe ist ein wesentliches Merkmal unseres Glaubens. Deshalb heißt Gottesdienst und Frömmigkeit immer zugleich auch, alles zu tun, um die Not des Nächsten zu überwinden. Ich kann mir keinen Glauben vorstellen, der die Politik außen vorlässt.

Der Volksmund sagt: „Wo Du nicht bist, Herr Jesu Christ, da läuten keine Glocken!“ Wie wird sich nach Ihrer Einschätzung der Rückgang der Mitgliederzahlen und der daraus resultierenden Folgen auf unsere abendländische, christliche Kultur auswirken?

Wir sind dazu aufgerufen, selbst dazu beizutragen, dass die Kraft des christlichen Glaubens wieder sichtbarer wird. Ich kann nur jeden einladen, sich wieder neu zu interessieren für die Kirchengemeinde, in die Gottesdienste zu gehen, die Bibel wieder mehr zu lesen und das, was man zu verlieren befürchtet, als großes Geschenk wieder neu zu entdecken.

Mit Hilfe der Daten aus der Studie sollen die Kirchenhaushalte an die zu erwartende Entwicklung angepasst werden. Was bedeutet das konkret?

Die Zukunft der Kirche entscheidet sich nicht an Mitgliedschaftszahlen oder Finanzkraft, sondern an ihrer Ausstrahlungskraft. Dennoch sollte niemand unterschätzen, wie viele segensreiche Aktivitäten für Kirche und Gemeinwesen insgesamt durch die Kirchensteuer möglich sind. Viele Menschen wollen mit ihrer Kirchensteuer einen bewussten Beitrag dazu leisten, dass wir in unserer Gesellschaft besser zusammenleben. Dennoch stellen sich die Kirchen mit regionalen Reformprozessen seit Jahren auf rückläufige Einnahmen ein. Meine bayerische Landeskirche befindet sich zum Beispiel mitten in einem großen Reformprozess „Profil und Konzentration“, der 2017 begonnen hat. Unter breiter landesweiter Beteiligung hat die Landessynode jetzt die neue strategische Ausrichtung der Arbeit in der Landeskirche beschlossen. In den kommenden Jahren müssen die laufenden regionalen Reformprozesse noch konsequenter verbunden werden. Das betrifft etwa die Beteiligung junger Menschen oder die Digitalisierung. Da müssen wir noch viel besser werden.

Mit dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) und seinen Produkten ist die EKD auch verlegerisch aktiv. Allerdings muss der Absatz der Produkte sich nicht an marktwirtschaftlichen Gegebenheiten orientieren sie werden von der EKD „alimentiert“. Wie werden sich Ihrer Einschätzung nach sinkende Mitgliederzahlen und klamme Kassen auf diesen Bereich auswirken?

Das GEP macht eine sehr gute Arbeit. Wenn die Hälfte der Mitglieder weg ist, fehlt auch die Hälfte der Gelder. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Finanzierung unserer kirchlichen Arbeit – egal um welche Bereiche es geht. Dass die Kommunikation in die Gesellschaft hinein, für die das GEP steht, ein zentraler Aufgabenbereich bleibt, ist für mich aber auch klar.

Wir erleben gerade die Dematerialisierung unserer Lebenswirklichkeit und der Arbeitswelt. Die Digitalisierung nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Wie kann sich Kirche die Digitalisierung (auch unter dem Eindruck der Projektion 2060) – besser – nutzbar machen?

Die Digitalisierung bietet Chancen, Kirche neu zu beleben und außerhalb der Kirchenmauern ins Gespräch kommen. Um digitale Entwicklung gestalten zu können, braucht es die vernetzten Vielen. Dass alle Ebenen unserer Kirche beim Projekt „Kirche im Digitalen Wandel“ so eng zusammenarbeiten, ist ein deutliches Zeichen, dass die Kirche die Zeichen der Zeit erkannt hat. Als Kirche kann es uns aber nicht nur darum gehen, die Möglichkeiten der Digitalisierung in unserer Kommunikation, der kirchlichen Verwaltung und den Leitungs- und Organisationsstrukturen zu nutzen. Uns geht es dabei immer auch um die theologisch-ethische Reflexion der Digitalisierung in der öffentlichen Debatte.

Vielen Dank!

Heinrich Bedford-Strohm hat die Fragen der pro-Redaktion schriftlich beantwortet.

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Fri, 17 May 2019 16:18:00 +0200
<![CDATA[Open Doors warnt vor Falschmeldungen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/05/17/open-doors-warnt-vor-falschmeldungen/ Die Anschläge auf drei Kirchen und mehrere Hotels in Sri Lanka am Ostersonntag haben ein Nachspiel. Bei den Vorfällen wurden mehr als 250 Menschen getötet, die meisten von ihnen Christen. Im Nachgang dazu gab es in mehreren Städten Ausschreitungen gegen Muslime und dabei auch ein erstes Todesopfer. Einige Übergriffe gegen Muslime wurden in manchen Medien explizit Christen zugeschrieben. Die christliche Menschenrechtsorganisation Open Doors warnt jedoch vor schnellen Bewertungen.

Eigenen Angaben zufolge hat die Organisation selbst Nachforschungen unternommen und ist dabei zu einem anderen Ergebnis gekommen. Ein für die Region verantwortlicher Mitarbeiter schrieb nach Rücksprache mit Christen vor Ort an Open Doors Deutschland: „Die Nachrichten, dass Christen in Sri Lanka Muslime angreifen würden und sogar einen Muslim getötet hätten, sind nicht wahr. Das Land ist in Aufruhr. Bitte betet, dass die Behörden die Situation schnell unter Kontrolle bringen können.“ In der Pressemitteilung geht es der Organisation darum, die Ereignisse zurückhaltend zu bewerten.

Buddhistische Gruppe stachelt auf

Open Doors verweist in seiner Pressemeldung vom 16. Mai auf einen Bericht eines christlichen Leiters in Sri Lanka. Dieser berichtet: „Die jüngsten Angriffe auf Eigentum von Muslimen gingen nicht von Christen aus. Als in den sozialen Netzwerken der hasserfüllte Kommentar eines Muslims auftauchte, stachelte die buddhistische Gruppe ‚Mahason Balakaya' die Menschen vor Ort gegen Teile der muslimischen Bevölkerung auf. Wenig später nahmen Behörden zwei Personen dieser buddhistischen Gruppierung fest. Unter dem Einfluss einiger Politiker haben buddhistische Extremisten diese Attacke gegen Muslime initiiert.“ Auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass die Regierung Sri Lankas Buddhisten für die Gewalt verantwortlich machte. Demnach wurden 78 Randalierer verhaftet, darunter auch drei buddhistische Extremisten, die im vergangenen Jahr ähnliche Aktionen durchgeführt hätten.

Open Doors verweist zudem auf eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur vom 14. Mai. Darin heißt es, dass die Attacken von „Angehörigen der ethnischen Gruppe der Singhalesen“ ausgegangen seien. Der christliche Parlamentsabgeordnete M. Abraham Sumanthiran hatte am 24. April im Parlament betont: „Wir trauern, aber wir werden nicht zulassen, dass Hass und der Wunsch nach Rache uns einnehmen.“

Familien erleiden Unrecht durch Falschmeldungen

Der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode, rief zur Unterstützung der betroffenen Familien in Sri Lanka auf: „Viele Familien haben an Ostern unsagbares Leid erfahren. Durch Falschmeldungen in den Medien und Gerüchte, in denen ihnen zu Unrecht Gewalt gegenüber Muslimen vorgeworfen wird, erleben sie erneut Leid und Anfeindung. Sie brauchen jetzt unsere Solidarität sowie unseren Trost und Beistand.“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte im Rahmen ihrer Berichterstattung in ihrer Online-Ausgabe von „einem Mob“ geschrieben, der den muslimischen Mann attackiert und getötet habe. „Zumeist christliche Randalierer attackierten in mehreren Städten dutzende Geschäfte und Fahrzeuge von Muslimen sowie Moscheen“, heißt es in gleichlautenden Passagen von FAZ und dem Nachrichtenmagazin Focus.

Ein muslimischer Ladenbesitzer hatte im Internet geschrieben: „Hört auf zu lachen, eines Tages werdet ihr weinen.“ Christliche Gruppen hätten darin eine Anschlagsdrohung gesehen. „Sie attackierten daraufhin den Laden des Händlers und weitere Geschäfte. Zudem randalierten sie in einer Moschee“, meldet die FAZ.

Konfessionelle Schulen sollten wieder öffnen

Regierungschef Ranil Wickremesinghe appellierte laut Focus an die Bevölkerung, sich nicht von Falschinformationen beeinflussen zu lassen. Seit der Anschlagsserie gilt in Sri Lanka der Ausnahmezustand. Zudem wurden die Befugnisse der Polizei ausgeweitet.

Sri Lanka hat 21 Millionen Einwohner. Zehn Prozent davon sind Muslime, etwa 7,6 Prozent Christen. Die überwiegende Mehrheit der Bewohner gehört dem buddhistischen Glauben an. Am Sonntag hatten katholische Kirchen in Colombo erstmals seit Ostern wieder die Sonntagsmesse gefeiert. Am Dienstag sollten auch private katholische Schulen wieder öffnen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 17 May 2019 16:14:00 +0200
<![CDATA[Alabama beschließt strengstes Abtreibungsverbot der USA]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/05/17/alabama-beschliesst-strengstes-abtreibungsverbot-der-usa/ Abtreibungen sollen nach einem Senatsbeschluss des US-Bundesstaats Alabama demnächst fast vollständig verboten werden. Dabei ist es egal, ob die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung oder Inzest hervorgeht. Ärzten in Alabama drohen demnach im Falle einer Abtreibung Gefängnisstrafen zwischen zehn und 99 Jahren. Ausgenommen sind Fälle, in denen Frauen durch eine Schwangerschaft lebensgefährlich bedroht sind. Das konservativ eingestellte Abgeordnetenhaus Alabamas billigte den Entwurf für das neue Gesetz bereits im April. Am Mittwoch unterzeichnete die republikanische Gouverneurin Kay Ivey das Gesetz in Montgomery. Alabama stellte sich damit an die Spitze der Abtreibungsgegner in den USA. In den Staaten löste dies heftige Diskussionen aus. Kritiker verlauten, das neue Gesetz stehe im Widerspruch zum Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr 1973.

Die US-Gesetzgebung für Abtreibungen

Als der Oberste Gerichtshof der USA 1973 Abtreibungen mit der Grundsatzentscheidung „Roe vs. Wade“ generell legalisierte, galt dies als Meilenstein zur Selbstbestimmung von Frauen. Den einzelnen Staaten wurde es jedoch freigestellt, Zusatzregelungen zu erlassen. Von diesem Recht machten in der letzten Zeit immer mehr Staaten Gebrauch. Während einige Staaten, darunter zum Beispiel New York, sehr liberale Regelungen erließen, verschärften mehr als 20 republikanisch regierte Bundesstaaten das Abtreibungsrecht. Dies geschah insbesondere, seit unter US-Präsident Donald Trump am Obersten Gerichtshof erstmals nach Jahrzehnten wieder eine Mehrheit konservativer Richter herrscht. In Ohio, Mississippi, Kentucky und Georgia gilt bereits die sogenannte „Herzschlag-Regelung“. Diese verbietet Frauen das Abtreiben, sobald beim Fötus ein Herzschlag festzustellen ist. Ab dem 1. Juli soll das Gesetz auch in Iowa in Kraft treten. Nur bis etwa zur sechsten Schwangerschaftswoche ist eine Abtreibung dann noch erlaubt. Zu diesem Zeitpunkt wissen Frauen allerdings häufig noch nichts von ihrer Schwangerschaft, was einen Abbruch nahezu unmöglich macht.

Die neue Regelung in Alabama geht nochmals einen Schritt weiter und untersagt Abtreibungen komplett. Damit beschloss der Staat das bislang strengste Abtreibungsverbot der USA. Die Gesetzesänderung wurde maßgeblich von der republikanischen Abgeordneten Terri Collins vorangetrieben. „In diesem Gesetz geht es darum, ‚Roe vs. Wade‘ herauszufordern und das Leben von Ungeborenen zu beschützen, denn ein ungeborenes Baby ist eine Person, die Liebe und Schutz verdient“, sagte Collins laut der Zeitung New York Times. Demnach verfolgt die Initiative das Ziel, das Oberste Gericht erneut mit der Abtreibungsfrage zu konfrontieren und die liberale Gesetzgebung bestenfalls zu kippen.

Die größtenteils konservativen Abtreibungsgegner berufen sich meist auf ethische oder religiöse Gründe. Besonders kritisiert wird das neue Gesetz hingegen von Fürsprechern des Abtreibungsrechts.

Wie wahrscheinlich ist die Umsetzung?

Nicht verstehen kann den Gesetzentwurf Mia Raven, Direktorin der Organisation „Power House“, die sich für die Rechte von Frauen einsetzt. Raven arbeitet in der einzig noch verbliebenen Abtreibungsklinik in der Hauptstadt von Alabama. Auf die Unterzeichnung hin sagte sie laut der „Tagesschau“: „Es ist absolut lächerlich, dass eine legale Maßnahme in Alabama jetzt kriminalisiert wird. Abtreibungen sind immer noch legal." Kritisch gegenüber dem Verbot äußerte sich auch der Evangelist und Moderator der amerikanischen CBN-Fernsehshow „The 700 Club“, Pat Robertson. Am Mittwoch sagte er in seiner Sendung über die Initiatoren des Gesetzes: „Gott segne sie, sie versuchen, etwas zu tun.“ Allerdings sei Alabama „zu weit gegangen“. Das Gesetz wolle den „Roe vs. Wade“-Entschluss herausfordern, er glaube jedoch nicht, dass es am Obersten Gerichtshof Bestand haben könnte. Dafür sei es zu extrem. Befürworter des Rechts auf Abtreibung und Bürgerrechtsgruppen kündigten bereits Klage gegen das neue Gesetz in Alabama an. Der Rechtsstreit wird sich vermutlich über viele Monate hinziehen.

Eine Chance gesteht dem Gesetz hingegen die deutsche Lebensschutzexpertin und Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht, Alexandra Maria Linder, zu. Gegenüber pro erklärte sie, es handele sich um ein relativ neuartiges Gesetz, das die abtreibenden Frauen selbst nicht bestraft. Die Menschen in den USA fingen langsam an, für das Recht auf Leben einzustehen. „Die Republikaner lassen es darauf ankommen“, sagte sie.

Die Entscheidung hänge aber auch davon ab, wie sich die Strafen für Vergewaltigungen verändern könnten. In einem Kommentar für die Nachrichtenagentur idea sagte Linder: „Das Übel an der Wurzel zu packen hieße nicht, den Mädchen erst den Missbrauch und dann die Abtreibung zuzumuten, sondern Missbrauch, Vergewaltigung und die dem zugrundeliegende Verachtung von Frauen konsequent zu bekämpfen. Insofern wäre das Alabama-Gesetz ein Fortschritt, wenn entsprechende Maßnahmen vorgesehen wären.“

Linder gibt außerdem zu bedenken, wo Abtreibung legal sei, sinke die Hilfsbereitschaft der Umgebung, der Gesellschaft und des Staates für Frauen im Schwangerschaftskonflikt. Kritiker warnen hingegen davor, dass das Gesetz vor allem sozial schwache Frauen treffen könnte, die es sich nicht leisten könnten, für Abtreibungen in einen anderen Bundesstaat zu reisen. In den USA wird aktuell wieder heftig über das Thema Abtreibung gestritten.

Von: Henriette Stach

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Fri, 17 May 2019 14:33:00 +0200
<![CDATA[Kourtney Kardashian am Morgen: Erst Beten, dann Beauty-Drink]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/05/17/kourtney-kardashian-am-morgen-erst-beten-dann-beauty-drink/ Mit der Reality-Show „Keeping Up With The Kardashians“ ist die Kardashian-Jenner-Familie weltweit bekannt geworden – zumindest bei allen Leuten, die an Klatsch und Tratsch interessiert sind. Die bekannteste aus dem Clan ist Schwester Kim Kardashian, die 2015 ihre Tochter North in Jerusalem von zwei armenischen Priestern taufen ließ. Die Vorfahren der Familie stammen aus dem christlich geprägten Armenien. Aber auch Kims Geschwister haben zig Millionen an Instagram-Followern. Wofür genau die Familie so berühmt geworden ist, kann man nicht benennen, aber mittlerweile ist ein richtiges Imperium um die Sippe entstanden. So hat sich das Küken der Truppe, Kylie Jenner, dank Kosmetiklinie und Instagram laut Forbes zur bislang jüngsten Selfmade-Milliardärin der Welt gemausert.

„Wichtig, Gott für seinen Segen zu danken“

Vor Kurzem ging das Lifestyleportal Poosh von Schwester Kourtney Kardashian online an den Start, auf dem sie sich mit Styling, Wellness, Gesundheit, Interieur und Ernährung auseinander setzt. In einem aktuellen Beitrag lässt die 40-Jährige nun ihre Leser an ihrer morgendlichen Routine teilhaben – und überrascht damit vielleicht den ein oder anderen Besucher der Seite. Denn bevor sich Kardashian ihren Kollagen-Drink gönnt, sie ihre Kinder zur Schule bringt und zum Sport geht, betet sie: „Die erste Sache, die ich jeden Morgen tue, ist, auf die Knie zu gehen und zu beten.“ Das mache sie gerne in ihrem Badezimmer. „Es ist wirklich wichtig, Gott für seinen Segen zu danken und um Gesundheit und Glück für meine Familie zu bitten.“

Die Grundlage eines glücklichen und gesunden Lebensstils beginne für Kardashian mit einer „positiven Morgenroutine“. Wenn sie aufwache, versuche sie, nicht direkt nach ihrem Handy zu greifen, sondern inne zu halten und einen Moment still zu sein.

Andachtsbuch stets geöffnet auf Badezimmertheke

Das Andachtsbuch „Jesus Calling – Enjoying Peace in His Presence“ (sinngemäß: Der Ruf Jesu – Frieden in seiner Gegenwart genießen) der Missionarin Sarah Young liege stets geöffnet auf ihrer Badezimmertheke. Dazu postete sie bereits in der Vergangenheit auf Instagram, dass ihr diese Andachten wichtig seien und auch in herausfordernden privaten Momenten hülfen. In den vergangenen Jahren wurde Kardashian zudem von der Boulevard-Presse wiederholt beim Kirchgang abgelichtet.

Als Kardashian vor etwa zehn Jahren erstmals überraschend schwanger wurde, erklärte sie, dass sie über eine Abtreibung nachgedacht hatte – sich aber dagegen entschied. Sie hätte einen Schwangerschaftsabbruch nicht gekonnt: „Ich fühlte in meinem Körper, dass es so bestimmt ist. Gott tut Dinge aus einem bestimmten Grund und ich hatte das Gefühl, dass es das Richtige war, was in meinem Leben passierte.“

Von: Martina Blatt

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Fri, 17 May 2019 12:18:00 +0200
<![CDATA[Österreich beschließt Kopftuchverbot für Grundschüler]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/05/16/oesterreich-beschliesst-kopftuchverbot-fuer-grundschueler/ Kinder unter elf Jahren dürfen in Österreich künftig auf dem Gelände ihrer Schule kein islamisches Kopftuch mehr tragen. Tun sie es doch, droht ihren Eltern eine Strafe von 440 Euro. Das entschied der österreichische Nationalrat am Mittwochabend mit den Stimmen der Regierungsparteien ÖVP und FPÖ sowie zweier Abgeordneter der Parlamentsfraktion JETZT. Wie das Parlament mitteilte, wollen die Politiker damit die soziale Integration von Kindern fördern. Das Verbot gilt jeweils bis zum Ende jenes Schuljahrs, in dem die Schülerin das 10. Lebensjahr erreicht hat.

Die Abgeordneten der Koalitionsparteien wollen damit ein Symbol gegen den politischen Islam und die Unterdrückung von Frauen und Mädchen setzen. Die jüdische Kippa und die Patka der Sikhs sind deshalb von dem Verbot ausgeschlossen. Die Oppositionsparteien kritisierten eine unzureichende Symbolpolitik der Regierung. Für eine erfolgreiche Integrationspolitik brauche es weitergehende Maßnahmen, forderte etwa die SPÖ.

Auch in Deutschland gibt es Gegner des Kinderkopftuchs

Auch in Deutschland ist ein Verbot des sogenannten Kinderkopftuchs an Schulen immer wieder Thema. Unter dem Titel „Den Kopf frei haben“ wirbt die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes für ein entsprechendes Gesetz für Kinder unter 14 Jahren. Am Donnerstag begrüßte sie auch die Novellierung im Nachbarland und forderte: „Das Gesetz sollte jedoch ausgeweitet werden.“ Öffentliche Bildungseinrichtungen sollen demnach frei von allen religiösen und weltanschaulichen Symbolen sein. Die Gründerin einer liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates, erklärte bereits im Frühjahr: Konservative Mulsime, die schon Fünfjährige durch Kopftücher vor den Blicken der Männer schützen wollen, hielten wohl alle muslimischen Männer für Pädophile und gingen zudem davon aus, dass schon Kinder sexuelle Reize besäßen.

Auch Islamkritikerin Necla Kelek, Schauspielerin Sibel Kekilli, der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, Kaberettistin Lisa Fitz oder Autor Ahmad Mansour unterstützen das Anliegen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner äußerte sich ebenfalls entsprechend, genauso wie FDP-Chef Christian Lindner. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat bereits im Frühjahr angekündigt, ein Kopftuchverbot bei Mädchen unter 14 Jahren zu prüfen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), forderte als Reaktion auf das Gesetz in Österreich, in Deutschland ebenfalls ein Koftuchverbot für Schülerinnen zu prüfen. „Dass kleine Mädchen Kopftuch tragen, ist absurd - das sehen auch die meisten Muslime so. Alle Maßnahmen, die Mädchen davor schützen - vom Elterngespräch bis zum Verbot - sollten geprüft und angegangen werden“, sagte sie der Bild-Zeitung am Freitag.

Doch es gibt auch Gegner eines Kopftuchverbots: Eine Petition mit dem Titel „Deine Stimme gegen das Kopftuchverbot“ hat bis heute über 170.000 Unterstützer gefunden.

Von: Anna Lutz

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Fri, 17 May 2019 11:10:00 +0200
<![CDATA[Deutsche befürworten Religionsfreiheit im Privaten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/05/17/deutsche-befuerworten-religionsfreiheit-im-privaten/ 28 Prozent der Westdeutschen und 42 Prozent der Ostdeutschen meinen, der Staat solle die Religionsfreiheit einschränken, wenn für einen Glauben in der Öffentlichkeit geworben wird. Das geht aus Zahlen des „Religionsmonitors kompakt“ hervor, den die Bertelsmann-Stiftung veröffentlicht hat. Anlass des Religionsmonitors ist der 70. Geburtstag des Grundgesetzes in der kommenden Woche, in dem die Religionsfreiheit geschützt ist. Die Studie wollte herausfinden, inwieweit Religion Privatsache ist. Jeder zweite Ostdeutsche gibt an, keinerlei Bezug zur Religion zu haben.

Aushandlungsräume zu wenig genutzt

Die Autoren der Studie sehen in Deutschland einen Nachholbedarf in Bezug auf religiöse Toleranz. Gerichtsurteile zum Kopftuch oder zum kirchlichen Glockengeläut ließen sich als Hinweis darauf verstehen, dass in Sachen Religion gesellschaftliche Aushandlungsräume zu wenig genutzt oder Diskussionen zu wenig lösungsorientiert geführt würden.

Außerdem wurde erhoben, inwieweit der Staat das öffentliche Tragen von religiösen Symbolen einschränken sollte. In Deutschland plädieren 40 Prozent (Westdeutschland: 36 Prozent; Ostdeutschland: 57 Prozent) der Befragten dafür. Im laizistischen Frankreich sind es sogar 57 Prozent. In der Türkei sprechen sich 38 Prozent dafür aus, das öffentliche Tragen religiöser Symbole einzuschränken.

Was den Wechsel der Religion angeht, sind sich die Menschen in Ost- und Westdeutschland näher: 99 Prozent der Bürger in den alten Bundesländern befürworten, dass jeder die Freiheit haben soll, seinen Glauben zu wechseln. In den neuen Ländern liegt dieser Anteil bei 93 Prozent – auf gleicher Höhe anderer westeuropäischer Länder.

Interreligiöser Ehen stoßen auf Akzeptanz

Zudem wurden noch Aspekte der Interreligiösität abgefragt. Die Hälfte der Muslime empfindet es als unangenehm, wenn jemand aus der Familie einen Atheisten heiratet. Im Vergleich dazu haben bei der Einheirat von Christen in muslimische Familien nur 24 Prozent Vorbehalte. Hingegen lehnt jeder zweite Christ und jeder dritte religiös Ungebundene es ab, dass ein Muslim in die Familie einheiraten könnte. Die Einheirat von Juden wird von 43 Prozent der Muslime, von 22 Prozent der Christen und von 15 Prozent der religiös Ungebundenen als unangenehm bezeichnet. Die Forscher der Studie sehen darin ein Zeichen, dass interreligiöse Ehen zu einem gewissen Maß akzeptiert werden.

Die ursprünglichen Zahlen der Erhebung stammen vom Religionsmonitor 2017. Dazu wurden über 10.000 Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, dem Vereinigten Königreich sowie der Türkei befragt. Anfang 2019 hat das infas Institut im Rahmen des Religionsmonitors eine repräsentative Nachbefragung unter 1.500 zufällig ausgewählten Bundesbürgern vorgenommen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 17 May 2019 08:58:00 +0200
<![CDATA[Döpfner für Solidarität mit Israel geehrt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/05/17/doepfner-fuer-solidaritaet-mit-israel-geehrt/ Für seine „pointierten öffentlichen Stellungnahmen und Beiträge“ zum Thema Israel und dem Judentum hat der Zentralrat der Juden in Deutschland den Chef des Medienhauses Axel Springer, Mathias Döpfner, am Donnerstag mit dem Leo-Baeck-Preis geehrt. Döpfner stelle sich Israel-Feindlichkeit und Geschichtsvergessenheit entgegen, hieß es zur Begründung.

„Der Aufschrei ist leise“

Döpfner ist seit dem Jahr 2002 Vorstandsvorsitzender des Medienhauses Axel Springer. Der gelernte Journalist arbeitete bereits als Korrespondent für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und für den Verlag Gruner und Jahr. Er war vor seinem Wechsel zu Springer im Jahr 1998 Chefredakteur der Hamburger Morgenpost und leitete anschließend die Redaktion der Zeitung Die Welt. Bei der Preisverleihung in Berlin erklärte er, der Preis bedeute ihm sehr viel. In seinen Augen sei der Einsatz gegen Antisemitismus eine Selbstverständlichkeit. „Schlimm“ nannte er die Lage in Deutschland hinsichtlich der zunehmenden Zahl antisemitischer Vorfälle. „Wir haben uns daran gewöhnt, der Aufschrei fällt leise aus“, mahnte er.

Döpfner forderte eine konsequentere Umsetzung deutscher Gesetze. Wenn Juden etwa öffentlich bei Demonstrationen beschimpft würden, erfülle dies den Tatbestand der Volksverhetzung. Dennoch geschehe nichts. Die Betreiber Sozialer Medien müssten ebenfalls konsequenter gegen antisemitische Äußerungen vorgehen. Döpfner forderte, dass bereits Schulen Werte und Maßstäbe zum Thema vermittelten und an den Holocaust erinnerten. Auch Universitäten und nicht zuletzt die Herkunftsfamilien selbst stünden dabei in der Verantwortung.

Journalisten fehlt innerer Kompass

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach in seiner Rede von einem Israelhass in den Sozialen Medien und auch in der Presse: Einigen Medien sei ein „innerer Kompass“ verloren gegangen. „Immer wieder erleben wir Berichterstattung, die einseitig in Israel den Schuldigen sucht“, sagte Schuster. Eine solche „stete Abwertung“ Israels aber führe zu Antisemitismus, der mit einem „Deckmäntelchen namens Israelkritik kaschiert“ werde. „Es ist ein Spiel mit dem Feuer und wir müssen aufpassen, dass daraus kein Flächenbrand wird, der unsere Demokratie insgesamt in Brand setzt“, warnte Schuster.

Für die Juden in Deutschland sei es wichtig, dass die Gesellschaft die Bedeutung erkenne, die Israel für die Gemeinschaft habe. Wer Interesse daran habe, dass das Judentum ein fester Bestandteil Deutschlands bleibe, der müsse seine Worte sorgsamer wählen, „als es momentan häufig der Fall ist“.

Erinnerung an Axel Springer

Vor 250 geladenen Gästen erklärte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, Döpfner stehe heute für jene Unterstützung Israels, die bereits Axel Springer vertreten habe. Insbesondere in einer Zeit, in der Medien und Internet von Israelfeindlichkeit geprägt seien. „Die Zukunft hängt von jenen ab, die uns die Informationen bringen“, sagte er in Richtung der Journalisten. Wie Döpfner und Springer müssten nicht nur sie gegen Totalitarismus aufstehen.

Mit dem Leo-Baeck-Preis ehrt der Zentralrat der Juden seit 1957 Persönlichkeiten, die sich für die jüdische Gemeinschaft engagieren. Vor Döpfner erhielt zuletzt der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert den Preis.

Von: Anna Lutz

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Fri, 17 May 2019 08:54:00 +0200
<![CDATA[Antisemitismus in der deutschen Rapmusik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/05/16/antisemitismus-in-der-deutschen-rapmusik/ Eine Rezension von Lukas Reineck]]> Der Jude Ben Salomo, der eigentlich Jonathan Kalmanovich heißt, hat schon einiges erlebt. Anfang dieses Jahres hat der gebürtige Israeli ein Buch über seine Zeit bei der Veranstaltung „Rap am Mittwoch“ (RAM) veröffentlicht, die er acht Jahre lang erfolgreich moderierte. Diese wurde monatlich bis zu zwei Millionen Mal auf YouTube aufgerufen. Ende 2018 stieg er aus. Der Grund: Antisemitismus in der deutschen Rapmusikszene.

Aufgewachsen im Migrantenmilieu

Das Buch trägt den Titel: „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“. Der Leser erfährt durch das persönliche Erleben Ben Salomos, wie ein Großteil der deutschen Rapszene tickt. Anti-israelische und antisemitische Äußerungen scheinen heute für viele Rapper in Deutschland zum guten Ton zu gehören. Doch ist das Buch mehr als nur ein Blick in die Abgründe der deutschen Rapkultur. Ben Salomo schreibt über seine jüdische Kindheit in Deutschland, seine Liebe zu Israel und die eigene Identitätsfindung in einem multikulturellen Umfeld Berlins in den Neunzigerjahren.

Seine Familie hat rumänische und ukrainische Wurzeln. 1977 kam Jonathan Kalmanovich in der israelischen Stadt Rehovot zur Welt. Wohlgefühlt haben sich seine Eltern in Israel nie. Anfang der Achtzigerjahre wanderten sie zu den Großeltern nach Deutschland aus – genauer gesagt nach Berlin. Aufgewachsen ist er, wie er selbst sagt, im Migrantenmilieu.

In seiner Jugend bewegte sich Ben Salomo in unterschiedlichen Welten. Genau genommen sind es drei Welten – die deutsche Schule, das jüdische Jugendzentrum und die Hinterhöfe Berlins. „Ich spürte keinerlei Unterschiede zu den anderen, zu den Türken, Kurden, Arabern. Wir waren alles dunkle Typen, hatten dunkle Haare und einen nichtdeutschen Hintergrund“, schreibt der Autor über seine Kindheit in Berlin.

Frühe Erfahrungen mit Antisemitismus

Als Teenager erleben Ben Salomo und seine Schwester aufgrund ihres Jüdischseins Anfeindungen. Hakenkreuze, durchgestrichene Davidsterne (auf ihre Schulbänke gekritzelt) und immer wieder pauschalisierende Anschuldigungen des Landraubes an den Palästinensern durch Mitschüler machen ihnen das Leben schwer.

Ein Tiefpunkt ist eine Geburtsparty einer Klassenkameradin. Drei türkische Jungs winken den damals 15-jährigen Jonathan zu sich. Ob er wisse, wie die jüdische Nationalhymne klinge, wird er gefragt. Er kenne nur die israelische Nationalhymne, ist seine Antwort. Daraufhin halten sie ihm ein Gasfeuerzeug ans Ohr und lassen nur das Gas ausströmen. Das sei die jüdische Nationalhymne, bekommt er zu hören. Schallendes Gelächter.

Mit Anfang Zwanzig beginnt Ben Salomo zu rappen. In den Jahren nach der Jahrtausendwende ist Berlin einer der wichtigsten Orte für deutsche Rapmusik. Die Szene blüht. Der Leser erfährt viel über die Dynamiken der damals jungen Szene und die Rivalitäten der Rapper. Die Hoffnungen und Träume, welche die jungen Künstler in ihre Musik hatten, beschreibt der Autor nachvollziehbar. Wer sich in der deutschen Rapszene auskennt, wird staunen, welche Bekannten Ben Salomo hat. Sido und Kool Savas gehören dazu. Beide sind mittlerweile deutsche Rapsuperstars und Millionäre.

Judenhass in Rapkultur alltäglich

Frauenfeindliche und homophobe Wortwahl sind nichts Neues in der deutschen „Raplandschaft“. Leider! Längst hat deutsche Rapmusik an Verspieltheit und Unschuld verloren. Das Musik-Genre Rap, das als lyrische, kreative Ausdrucksform von Jugendlichen – in den USA – entstand, ist zu einem Geschäft geworden. Oft gehen Raptexte auf Kosten anderer.

Doch mittlerweile ist auch Judenhass alltäglich in dieser Jugendkultur, kritisiert der Autor Ben Salomo. Man müsse nur in die Kommentarspalten der sozialen Medien sehen oder sich auf YouTube „Battle-Rap“-Videos anschauen.

Das Publikum scheint sich an politischen Statements von manchen Rappern nicht zu stören. Denis Cuspert alias Deso Dogg holte 2006 bei einem Konzert die Hisbollah-Flagge aus seinem Rucksack. 2.000 Menschen grölten beim Anblick der Fahne. Deso Dogg ging später zum IS und ist seither spurlos verschwunden. Über solche Ereignisse kann der Autor nur den Kopf schütteln.

Typisches Beispiel: Kollegah und Farid Bang

Ein weiterer Gipfel von antisemitischen Äußerungen im deutschen Rap ist die Verleihung des Musikpreises Echo an die Rapper Kollegah und Farid Bang im letzten Jahr. In einer Textzeile der Rapper heiß es: „Mein Körper definierter als von Ausschwitzinsassen“.

Der Echo wird schließlich abgeschafft. Auf Einladung des Internationalen Ausschwitz-Komitees besuchten Farid Bang und Kollega das Konzentrationslager. Ende 2018 ließ Kollegah seinen Echo einschmelzen.

Für Ben Salomo sind viele Texte von Kollegah antisemitisch. So geht er über mehrere Seiten auf die beiden Songs „Apokalypse“ und „Armageddon“ ein. Kollegah beschreibt dort ein verschwörungstheoretisches Weltuntergangsszenario.

Ungeschönter Blick

Ben Salomo schreibt nicht nur für eingefleischte Rapfans. Das Buch ist ein spannender Tatsachenbericht. Es wirft einen ungeschönten Blick auf den grassierenden Antisemitismus in der deutschen Rapmusik. Jeder, der sich für diese Jugendkultur interessiert, erfährt etwas Neues. Es ist kurzweilig geschrieben und der Autor verliert sich nicht im Szene-Jargon.

Heute setzt sich Ben Salomo gegen Rassismus und Antisemitismus ein. Er wird in Talkshows eingeladen und bekam für sein Engagement 2018 das Robert-Goldmann-Stipendium verliehen.

Ben Salomo: „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“, Europa Verlag, 240 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-95890-259-6

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Thu, 16 May 2019 17:40:00 +0200
<![CDATA[Der Holocaust muss uns eine Mahnung bleiben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/05/16/der-holocaust-muss-uns-eine-mahnung-bleiben/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Margot Friedländer hat in dieser Woche eine Ehrung erhalten: als „Glücks- und Hoffnungsbringer für Deutschland“ bekam sie den „Talisman“-Preis der Deutschlandstiftung Integration. Den Preis vergibt die Stiftung an Persönlichkeiten, die sich für den Zusammenhalt der Gesellschaft verdient gemacht haben.

97 Jahre ist Margot Friedländer alt. Die gebürtige Berlinerin hat als Jüdin am eigenen Leib erlebt, was Judenhass bedeutet, hat sich versteckt, wurde gefasst, kam ins KZ, hat überlebt. Sie wanderte in die USA aus und kam 2003 das erste Mal wieder nach Deutschland. Mittlerweile lebt sie wieder hier, in ihrer Heimatstadt, und spricht vor allem vor jungen Menschen über ihre Erfahrungen. Ihr Laudator, Spinger-Chef Mathias Döpfner, äußerte sich bewundernd über ihre Versöhnungsarbeit. Ihr sei es wichtig, „den Menschen entgegenzukommen“, zitierte er sie und ermahnte gleichzeitig die jüngeren Generationen, die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten.

Sie ist eine der letzten Zeitzeugen des Holocausts. Bald wird niemand mehr aus eigenem Erleben berichten können, wohin ideologischer Hass in der deutschen Geschichte geführt hat. Die Auszeichnung kommt daher zu einer Zeit, in der diese Mahnung so dringend ist wie lange nicht mehr. In einer Zeit, da die Partei „Die Rechte“ mit Sprüchen wie „Israel ist unser Unglück“ für sich wirbt und sich nicht einmal bemüht, ihren Antisemitismus zu verstecken, im Gegenteil: Die sich damit direkt auf eine Parole des Nazi-Hetzblattes „Der Stürmer“ bezieht. Eine Zeit, in der ein gewählter Politiker der AfD die Distanz anderer zu seiner Partei mit dem Boykott jüdischer Geschäfte in den Dreißigerjahren vergleicht. „Habt ihr denn gar nichts gelernt?“, fragt er auf einem Flyer. Welch armselige Opfer-Stilisierung! Welch geschichtsvergessene Assoziation! Hat er denn gar nichts gelernt – darüber, wes Geistes Kind der Boykott damals war und wohin er führen sollte? Viel mehr kann man den Holocaust fast nicht verharmlosen.

Die Erinnerung wach halten

In dieser Woche stellten Bundeskriminalamts-Chef Holger Münch und Bundesinnenminister Horst Seehofer die Statistik politisch motivierter Kriminalität vor. Während es insgesamt im vorigen Jahr weniger Taten gab als 2017, stieg die Zahl antisemitischer Straftaten um 20 Prozent, zu 90 Prozent begangen von Rechtsextremisten. Das sollte uns mehr als beunruhigen. Es sollte uns aufrütteln, einer Haltung entgegenzutreten, die sich in undifferenzierten Anschuldigungen, in Verschwörungsfantasien oder Opfermythen ergeht. Denn von dort bis zu unterschwelligem oder offenem Antisemitismus ist es nicht weit. Schnell kanalisiert sich darin eine wahrgenommene Unsicherheit und Unzufriedenheit, ein Misstrauen gegenüber gesellschaftlichen Eliten und Institutionen. Oder, wie Michael Blume, der Beauftragte gegen Antisemitismus von Baden-Württemberg sagt: „Antisemitismus richtet sich immer gegen unsere Grundordnung. Schon allein deswegen, weil ein Antisemit die Vorstellung in Abrede stellt, dass alle Menschen gleich sind.“

Margot Friedländer hat es sich trotz ihrer Vergangenheit zum Ziel gesetzt, auf Menschen zuzugehen. Das sollten wir uns zu eigen machen: Auf Menschen zugehen und mit ihnen sprechen, statt sie fantasiereich als Blitzableiter unseres Unmutes ins eigene Weltbild einzupassen. Denn wie gesagt: Wo das hinführt, hat Margot Fuhrländer erlebt.

Immer wieder werden – auch unter Christen – Stimmen laut, es müsse „auch mal gut sein“ mit der Erinnerung an den Holocaust. Nein! Das darf es nicht! Sie mag anstrengen und belasten. Aber dieses Stück Geschichte ist uns heute anvertraut als Lehre und Mahnung. Deshalb dürfen wir nicht aufhören, daran zu erinnern – auch wenn irgendwann die letzten Zeugen nichts mehr sagen können.

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Thu, 16 May 2019 17:13:00 +0200
<![CDATA[Facebook verschärft Regeln für Livestreams]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/05/16/facebook-verschaerft-regeln-fuer-livestreams/ Kampf gegen Streaming von Anschlägen auf Facebook: Als Reaktion auf den Anschlag von Christchurch verschärft Facebook seine Regeln für Liveübertragungen. Der Konzern gab am Dienstag bekannt, er wolle verhindern, dass durch seine Dienste „Schaden angerichtet und Hass verbreitet" werde. Der Täter übertrug seinen Angriff vor zwei Monaten mit einer Helmkamera über das soziale Medium 17 Minuten live. Bei dem Anschlag wurden 51 Menschen getötet.

Ab sofort könnten Personen, die gegen bestimmte Regeln auf der Plattform verstießen, von der Funktion „Facebook Live“ ausgeschlossen werden. Welche Vergehen zum Ausschluss vom Streaming-Dienst führen, erläuterte Facebook nicht näher. Nach den neuen Vorschriften wäre es dem Christchurch-Täter aber nicht möglich gewesen, seinen Angriff auf zwei Moscheen live zu streamen. Der Konzern werde zudem mehrere Millionen Euro investieren, um seine Videoanalyse weiter zu verbessern, hieß es in der Erklärung.

Maßnahmen gegen „Drama wie in Christchurch“

Facebook machte seine Ankündigungen vor dem „Christchurch-Gipfel“, zu dem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Mittwoch Politiker und Vertreter unterschiedlicher Technologie-Konzerne wie Google, Twitter, Facebook, Alibaba und IBM eingeladen hatte. An dem Treffen in Paris unter dem Namen „Tech for Good“ nahm auch die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern teil. Wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Macrons Umfeld berichtet, wolle er die Konzernlenker „mit ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft konfrontieren".

Ardern erklärte laut der Deutschen Presse-Agentur: „Es ist das erste Mal, dass Regierungen und Technikunternehmen zusammenkommen.“ Gemeinsam mit Macron hatte sie die Initiative angestoßen. „Wir haben konkrete Maßnahmen beschlossen, damit sich ein Drama wie in Christchurch nicht wiederholen kann“, erklärte sie am Mittwoch. In dem „Appell von Christchurch“ werde etwa versichert, dass die Grundsätze eines freien und offenen Internets sowie die Meinungsfreiheit respektiert werden.

Von: Martina Blatt

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Thu, 16 May 2019 12:48:00 +0200
<![CDATA[In der Wirklichkeit ist die Realität ganz anders]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/05/16/in-der-wirklichkeit-ist-die-realitaet-ganz-anders/ Eine Rezension von Norbert Schäfer]]> Ralf Schuler leitet die Parlamentsredaktion von Bild. In seinem Buch „Lasst uns Populisten sein“ bricht der Journalist eine Lanze für die Realpolitik. Also die Politik, die sich an den Wünschen, Ängsten und Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert und das Wohl des eigenen Landes voranstellt. Wie das geht, haben seiner Meinung nach vor allem die Regierungsparteien vergessen. Sie weigern sich, so seine These, sich mit den Problemen der Menschen zu beschäftigen. Das ist in seinen Augen eine Ursache des Phänomens Populismus. Der erwachse „aus dem schleichenden Auseinanderdriften der Lebenswelten von einfachen Menschen und den geltenden Regeln im Gemeinwesen“, schreibt der Bild-Redakteur. Politische Realität und Volkes Wirklichkeit liegen Lichtjahre auseinander. Schuler erkennt im Populismus „Potential, die etablierten konkurrierenden politischen Kräfte anzuspornen“ und sie wieder mit der Lebenswirklichkeit der Menschen zu konfrontieren.

Schuler fordert Populismus. Er möchte, dass über „die Probleme der Zuwanderung aus fremden Kulturen“ wieder öffentlich debattiert werden darf und Migration nicht per se als ein Beitrag zum Wohlstand und eine Bereicherung erscheint. Seiner Meinung nach muss es erlaubt sein, „die Probleme muslimischer Migranten deutlich zu machen“ und „gegen Abtreibungen und für mehr Lebensschutz“ zu demonstrieren. Seiner Ansicht nach muss es erlaubt sein, „die Interessen der eigenen Nation zuerst in den Blick zu nehmen“, ohne dass es sich dabei um die „schlimme Rückkehr“ zum Nationalismus handele. Es müsse erlaubt sein „Gender-Sprech und -Studien in vielen Fällen abwegig zu finden“ und gegen die „Ehe für alle“ zu sein.

Ursache liegt in der Weigerung der Eliten

Schuler geißelt vor allem die Weigerung der Unionsparteien, aber auch der SPD, sich einerseits ernsthaft mit der AfD und andererseits mit den realen Bedürfnissen der Menschen, ihrem Wunsch nach Sicherheit und der Angst vor unkontrollierter Zuwanderung, auseinanderzusetzen. Stattdessen würden diejenigen mit dem politischen Bann – dem Vorwurf, Populisten zu sein – belegt, die eben dies tun.

Im Populismus sieht der Autor einen „erzwungenen gesellschaftlichen Reset gegenüber Eliten, die sich in ihrem Wollen zu weit von den Menschen entfernt haben“. Die Lebenswirklichkeiten der Parteien und ihrer Ideale und des Volkes driften seiner Meinung nach zusehends auseinander. Schuler skizziert das am Beispiel der Sozialdemokraten: „Die AfD, das zeigen Milieustudien und die Erkenntnisse zur Wählerwanderung, ist die neue deutsche Arbeiterpartei. Bei der NRW-Wahl und bei der Bundestagswahl gab es für die SPD die größten Abflüsse in Richtung der Rechtspopulisten. Der Angstgegner der Sozialdemokratie heißt nicht Merkel, sondern Gauland.“

Populismus links wie rechts

Schuler hinterfragt, warum der Populismusvorwurf einzig auf Politiker der AfD gerichtet ist. Er schreibt: „Warum ist es kein Populismus, wenn Bundespolitiker regelmäßig über Dinge reden, die in Wahrheit in der Hoheit der Länder liegen und von ihnen gar nicht beeinflusst werden können? Warum ist es kein Populismus, wenn statistisch wichtige Wählergruppen wie etwa Rentner mit finanziellen Zusagen bedacht werden, die von künftigen Generationen bezahlt werden müssen?“ Linke Strömungen hält Schuler ebenfalls für populistisch. Die würden aber „nicht in annähernd ähnlichem Maße gegeißelt" wie die AfD.

Schuler nimmt bei seiner Analyse der politischen Landschaft und ihrer Akteure kein Blatt vor den Mund. Er schreibt direkt und amüsant. Beispiel: „Das untere Drittel der Einkommenspyramide“, schreibt er, „da, wo früher Dosenbier getrunken, ‚Bild‘ gelesen und SPD gewählt wurde, hat sich nach rechts abgemeldet. Dosenbier und ‚Bild‘ sind geblieben. Die Rest-SPD hat sich im Lehrerzimmer verschanzt.“

Preisgabe von christlichen Kernwerten

Er kritisiert in seinem Buch kenntnisreich, hintergründig und heftig das Bemühen der Unionsparteien, in der Mitte der politischen Landschaft auf Gedeih und Verderb mit allem und jedem anschluss-, mehrheits- und regierungsfähig zu werden. Dadurch würden die C-Parteien Kernwerte preisgeben. Er verdeutlicht dies am Kompromiss zum Paragrafen 219a. Demnach dürfen Ärzte auf ihrer Internetseite darüber informieren, dass sie Abtreibungen durchführen. Der Kompromiss hatte der Koalition von CDU/CSU und SPD erst den Weg geebnet. Kauder habe diesen als „eine Art Zeichen des guten Willens“ mit der SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles vereinbart. „In dieser vermeintlichen Alltagsgeschichte aus dem Beziehungsleben politischer Bündnispartner findet sich das ganze Elend der christlich-demokratischen und christlich-sozialen Volksparteien wie unter einem Brennglas“, schreibt Schuler. Ausgerechnet „der bekennende Christ“ Volker Kauder, der sich weltweit für verfolgte Christen einsetzte, „verdealt einen Lebensschutz-Paragrafen im Dienste des Koalitionsfriedens“.

Ohne Kreuz ist Deutschland nicht denkbar

Schuler ist der Meinung, dass die Union sich auf das C im Namen zurückbesinnen muss, wenn sie an alte Größe und Glaubwürdigkeit wieder anknüpfen möchte. „Denn ohne das C, ohne das christliche Kreuz, ist in Deutschland kein Staat zu machen“, schreibt Schuler und verweist auf die christlichen Wurzeln im Rechts- und Sozialstaat. Er sieht die Aufgabe von Konservativen auch darin, „sich und dem politisch interessierten Publikum klarzumachen, dass die christlichen Prägungen unseres Gemeinwesens nicht allein davon abhängen, wie viele organisierte Christen es [...] noch gibt. Es geht auch und vor allem darum, Atheisten und Nichtchristen die Bedeutung dieses Fundaments mit großer Eindringlichkeit zu erklären.“ Rechts zu sein ist seiner Auffassung nach keine Krankheit. „Die demokratische Rechte hat nicht nur ihre Berechtigung, sondern ist sogar eine wichtige Bereicherung im demokratischen Flügelkampf.“ Der Autor hält diejenigen für verlogen, die „Vielfalt“ nur „vor sich her tragen“, wenn es um die eigene Weltsicht geht. „Wer Inklusion predigt, darf auch ihre Gegner nicht ausschließen“, schreibt er.

Medien haben Mitschuld

Heftige Kritik übt Schuler an der Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und dem UN-Migrationspakt. Seine Kritik zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Schuler bemängelt, dass die städtischen, kosmopolitisch geprägten Eliten in den Ballungszentren offenen Grenzen und unkontrollierter Einwanderung viel positiver gegenüberstehen, als das erhebliche Teile der Bevölkerung tun. Eine „wahrnehmbare Kritik am Migrationskurs der Kanzlerin“ habe dagegen kaum stattgefunden, schreibt er und sieht bei den Medien eine Mitschuld dafür. Die hätten den „Versuch der Beeinflussung durch Beschönigung unternommen". Schuler gibt Einblicke in die Bild-Redaktion des Jahres 2015 – als die Migrantenwelle ihren Höhepunkt erreichte –, und erklärt, warum die Zeitung die Kampagne „Wir helfen“ mit dem Schriftzug „Refugees welcome“ gestartet habe. Verlag und Redaktion seien damals durch „das langjährige Engagement des heutigen Chefredakteurs Julian Reichelt als Kriegsreporter in Syrien“ geprägt gewesen, der bei „den schreienden Kindern in Aleppo“ gestanden und „das ganze Elend“ nach Bombardements miterlebt habe. Jenen, die das durchgemacht hätten, habe man die Tür nicht hartherzig verschließen wollen. Löblich, dass Schuler auch in der Rückschau auf das eigene Blatt klar ist.

Das Buch ist Pflichtlektüre für diejenigen Politikinteressierten im Land, die der zunehmend konturlosen und an Werten verarmenden Regierung und der Parteien darin nicht taten- und wortlos zusehen wollen, sondern die Debatten über Grundlegendes fordern. Schuler richtet sich markig gegen stromlinienförmige, an den Problemen der Menschen vorbeilaufende, auf Regierungsfähigkeit abzielende Politik. Er spricht aus, was viele denken. Das ist zu begrüßen und wünschenswert. Wer sich darüber hinaus nicht nur an Schulers Kritik an der Kanzlerin ergötzt, erkennt zudem die Warnung, welch fatale Folgen die Preisgabe zentraler Werte und Grundüberzeugungen bisweilen nach sich ziehen kann.

Ralf Schuler: „Lasst uns Populisten sein“, Herder, 240 Seiten, 22 Euro, ISBN 9783451383588

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Thu, 16 May 2019 11:17:00 +0200
<![CDATA[„Kirche muss mehr vom Gelingen erzählen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/05/15/kirche-muss-mehr-vom-gelingen-erzaehlen/ Wie steht es um die Demokratie in der Kirche? Diese Frage habe ihn angesichts des wachsenden Populismus umgetrieben, sagte Arnd Henze, TV-Journalist und studierter Theologe, bei der Vorstellung seines Buches „Kann Kirche Demokratie? Wir Protestanten im Stresstest“. Vor einem kleinen Publikum – knapp zwei Dutzend Besucherinnen und Besucher – erklärte er, wie sein Buch entstand. Er sei über die Dörfer gefahren, habe abgehängte Regionen besucht und gelernt, dass Reden hilft. Streiten, Diskutieren, Miteinander-ins-Gespräch-kommen – das Elixier der Demokratie.

Den „Stresstest Demokratie“ empfiehlt er auch anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen, Gewerkschaften, Parteien. Jede Organisation müsse sich fragen: Wo sind wir Teil des Problems, wo Teil der Lösung. Seine Erfahrungen hat Henze in seinem Buch zusammengefasst. Bei der Vorstellung am Dienstag diskutierten Christian Stäblein, ab November Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), und Andreas Nachama von der Stiftung „Topographie des Terrors“ über das Thema.

Dass Henzes Buch ausgerechnet zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes erscheint, war nicht geplant, erzählte der Autor, das Zusammentreffen sei aber ein schöner Zufall. Moderatorin Marion Gardei fragte zunächst nach einer möglichen persönlichen Beziehung zum Grundgesetz. Für Nachama ist wichtig, dass die Verfassung Religionsfreiheit und Menschenrechte garantiert sowie die Unantastbarkeit der Person und unabhängige Gerichte. „Weil genau das in der NS-Zeit nicht gegeben war“, sagte er.

Stäblein, von Gardei als innovativer Theologe eingeführt, der sich für die „Ehe für Alle“ sowie für den christlich-jüdischen Dialog einsetze, war unter anderem Direktor des Predigerseminars in Loccum. Über die Predigtanalysen, die Henze am Ende des Bandes versammelt, freue er sich daher besonders, auch wenn die Kritik manchmal schmerzhaft sei, etwa wenn Henze falsche Gefühle oder die Über-Ästhetisierung in Predigten anprangere. Stäbleins persönliche Grundgesetz-Beziehung ist Artikel 4: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden“. Aus einem westdeutschen Pfarrhaus stammend, das Kriegsdienstverweigerer begleitete, musste sich Stäblein später, während seines einjährigen Studienaufenthaltes in Israel, mit einer völlig neuen Sinnhaftigkeit von Wehrdienst auseinandersetzen. Das habe ihm gut getan, Demokratie sei immer dynamisch, nie statisch.

Demokratisches Vertrauen zerstört

Doch gegenwärtig würden antidemokratische Einstellungen immer populärer, beklagt Henze. Mit großer Sorge sehe er die Bindekraft demokratischer Institutionen schwinden. Seine Analyse der Ursachen für die veränderte politische Grundstimmung der letzten Jahre: Das Schwinden des demokratischen Vertrauens aufgrund der Weltfinanzkrise 2008. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Anfälligkeit für autoritäre Lösungen zwischen 2008 und 2012 am höchsten war. Mit der Flüchtlingskrise 2015 seien die Defizite, die schon vorher bestanden, lediglich sichtbar geworden. Stellenabbau und Haushaltskürzungen etwa in den Bereichen Bildung, innere Sicherheit, Infrastruktur hätten über Jahre Versäumnisse angehäuft.

Erst als die Flüchtlinge kamen, sei das ganze Ausmaß deutlich geworden. Also nicht die Flüchtlingskrise, sondern der Umgang mit ihr habe demokratisches Vertrauen zerstört. Nachama ergänzte die Beobachtungen von Henze um die Berliner Perspektive. In der Hauptstadt sei es vor allem der Senat unter Thilo Sarrazin, damals Finanzsenator, gewesen, der die Stadt kaputtgespart habe. Und eklatante Fehler bei der Wiedervereinigung wirkten bis heute nach. Der designierte Bischof Stäblein gab zu bedenken, dass die Ostdeutschen die Demokratie erst seit 30 Jahren hätten. Und: „Wir sind kein Mutterland der Demokratie.“ Er erinnerte daran, wie abwehrend die Kirchen nach dem Krieg der Demokratisierung gegenüberstanden.

Keine Erinnerungskultur

Die Nachkriegsjahre zwischen 1945 und 1960 seien geprägt gewesen von der Schlussstrich-Debatte. Die Konfrontation mit der NS-Vergangenheit habe in der Kirche so wenig stattgefunden wie in der übrigen Gesellschaft, kritisierte Henze. Wenn heute Angriffe von rechts kämen, könne man nicht adäquat reagieren, weil man sich mit dem Erbe der Nachkriegszeit nicht auseinandergesetzt habe. Weil es keine Erinnerungskultur gebe. „Keiner der heutigen Kirchenführer hat Verwandtschaft mit denen, aber das Erbe ist da. Und das Erbe ist toxisch“, beklagte Henze.

Nachama unterstützte die Argumentation. Die Träger der NS-Zeit hätten bis in die siebziger Jahre gelebt. Als 1987 der Gedenkort „Topographie des Terrors“ gegründet wurde, war die Generation der Täter gestorben. Heute stehe man allerdings an einem anderen Punkt, es gebe eine aktive Auseinandersetzung mit dem historischen Erbe.

Und die Allianz zwischen Populisten und Christen? „Eigentlich sollten wir meinen, dass sich das von unserer Religion her verbietet“, sagte Moderatorin Gardei. Nachama warb jedoch für Gelassenheit im Umgang mit Populisten. Er erinnerte an die Hugenotten, die protestantischen Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Die waren um 1700 so zahlreich, dass jeder fünfte Berliner ein Hugenotte war. Erst allmählich wurde aus der anfänglichen Ablehnung der Migranten eine Erfolgsgeschichte. Migration sei immer schwierig. „Weil wir als Juden und Christen das wissen, sollten wir steuernd eingreifen“, meinte Nachama. Die friedliche Koexistenz zwischen Synagoge und Kirche gebe es erst seit sechzig, siebzig Jahren. Die Aufgabe heute für Synagoge und Kirche sei es, eine „liebevolle Lösung“ für die Herausforderungen zu finden.

Kirche für Andere, nicht mit Anderen

Besonders viele Kirchenmitglieder hätten sich in der Flüchtlingskrise engagiert. Und dennoch bleibe, so Henze, die zentrale Frage: „Warum hat das ganze Engagement für Geflüchtete die Kirchen so wenig verändert?“ Warum sei es nicht gelungen, die Flüchtlinge mit hineinzunehmen in die Gemeinden? Die protestantische Kirche sei – trotz der historischen Chance – Kirche für Andere geblieben. Nicht Kirche mit ihnen. Stäblein widersprach: In Brandenburg habe er die Erfahrung gemacht, dass die Flüchtlinge aufgenommen worden seien in den Gemeinden. Gleichwohl blieb er selbstkritisch: Man sei in der Tat „selbstabschließend“, obwohl man offen sein wolle. Vielleicht weil leidenschaftliche Vorbilder fehlten für ein demokratisches, liberales, offenes Christentum. Ein Christentum mit klarer Position, ohne Angst vor offener Auseinandersetzung und Meinungsstreit. Mit Leidenschaft für den demokratischen Diskurs in der Kirche.

Wertschätzung muss erzählt werden, so Henze. „Die Erzählung des Scheiterns jeden Tag neu zu bedienen – das ist einfach. Aber Europa als Narrativ des Gelingens zu erzählen, die Demokratie – daran müssen wir arbeiten.“ Er mahnte zudem mehr Offenheit für bi-kulturelle und bi-religiöse Partnerschaften an. Er selbst ist mit einer Alevitin verheiratet. Als seine Schwägerin Taufpatin werden wollte, gab man ihr zu verstehen, dass sie keine vollwertige Patin werden könne. Henze empfand das als Ausgrenzung. Er warb für größere Toleranz und Offenheit.

Doch auch wenn er sich als leidenschaftlicher Verfechter für einen demokratischen Diskurs positionierte, wollte er diese Spielregeln für die AfD nicht gelten lassen. Er finde es richtig, sagte er zum Schluss, dass der Evangelische Kirchentag die AfD nicht eingeladen habe. Mit Verächtern der Demokratie müsse man nicht reden.

Von: Marie Wildermann

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Wed, 15 May 2019 17:34:00 +0200