Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 25 May 2018 20:35:21 +0200 <![CDATA[Elon Musk will Portal für Journalisten-Bewertung gründen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/elon-musk-will-portal-fuer-journalisten-bewertung-gruenden/ In den vergangenen Monaten war die Kritik an Musks Autofirma Tesla, die Elektroautos herstellt, größer geworden. Anleger wollten kürzlich Zahlen und Informationen darüber, wann mit der Lieferung des neuen Modells 3 von Tesla gerechnet werden kann. Der erfolgreiche Unternehmer wischte die Fragen brüsk beiseite mit dem Kommentar, solche Fragen finde er „langweilig“. Einen Tag später gab er zu, dass er wohl falsch reagiert habe.

Hinzu kam der Bericht von einem erneuten Unfall mit einem drei Jahre alten Tesla Model S. Anfang Mai war das Auto in Florida nach einem Crash in eine Wand in Flammen aufgegangen; zwei Teenager starben, ein dritter wurde schwer verletzt. Die US-Behörde für Verkehrssicherheit teilte mit, offenbar sei eine hohe Geschwindigkeit mit ein Grund für den Unfall gewesen. „Über 500 Autos mit Verbrennungsmotor gehen in Flammen auf, und etwa 100 Menschen sterben auf den Straßen der USA – an einem Tag“, kommentierte das Fach-Blog Electrek die Aufregung um den Unfall. Doch brenne ein einziger Tesla, werde nicht nur landesweit lange darüber debattiert, sondern die Zukunft des Unternehmens Tesla stehe zur Diskussion.

Der Autopilot der Tesla-Wagen ist immer wieder Thema von Kritikern. Viele glauben, der Autopilot sei ein Hauptgrund für die Unfälle von Tesla. Das Unternehmen kämpft außerdem mit Problemen bei der Serienfertigung seines neuen Models 3, dessen Produktionsziele mehrfach verschoben wurden.

Unternehmer Elon Musk störten die Negativ-Schlagzeilen über seine Elektroauto-Firma in den vergangenen Monaten. Wie er am Mittwoch über Twitter mitteilte, spiele er mit dem Gedanken, ein Internetportal zu gründen, auf dem die User Journalisten bewerten können. Er schrieb weiter: „Die Verlogenheit der großen Medien-Unternehmen, die sich angeblich der Wahrheit gegenüber verpflichtet fühlen, aber immer nur so viel Wahrheit veröffentlichen, dass ein Zuckermantel ihre Lügen bedeckt, ist der Grund dafür, dass die Öffentlichkeit sie nicht mehr respektiert.“

Musk kündigte an: „Ich werde eine Webseite erstellen, auf der die Öffentlichkeit den Wahrheitsgehalt von Artikeln bewerten und die Glaubwürdigkeit von einzelnen Journalisten, Chefredakteuren und Publikationen bewerten kann. Ich könnte mir als Namen Prawda vorstellen ...“ Dies ist das russische Wort für „Wahrheit“ und der Name der Zeitung in Russland, die ideologisch der Kommunistischen Partei nahestand. Die Seite soll so ähnlich funktionieren wie „Rate my Professor“, wo Studenten Noten für ihre Professoren abgeben können.

Wie so oft scheint Musk nicht zu scherzen, sondern seine Ankündigung wahrzumachen. Bereits im vergangenen Jahr haben Mitarbeiter Musks den Namen „Pravda“ amtlich sichern lassen. Auch der Name “You’re Right!” käme in Frage. Musk besitze bereits die Internet-Adresse youreright.com, teilte er mit. Musk startete zudem eine Twitter-Umfrage, in der er die Frage stellt, wie die Idee bei seinen Followern ankommt. Von über 450.000 Stimmen votierten 87 Prozent für eine Bewertungsseite für Journalisten, 13 Prozent zeigten sich zufrieden mit deren derzeitiger Qualität.

„Organisationen müssen damit leben, Kritik ausgesetzt zu werden“

Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler Bernd Blöbaum von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster sieht den Nutzen eines Bewertungsportals nach den Vorstellungen Musks skeptisch: „Medien berichten in der Regel faktisch richtig. Ich kann nicht erkennen, dass eine Webseite mit Bewertungen einzelner Beiträge geeignet ist, journalistische Qualität zu verbessern.“ Generell hätten die Medien die Aufgabe, auf Missstände hinzuweisen, über die Verletzung von Normen und Wertvorstellungen zu berichten.

Weiter sagte Blöbaum gegenüber pro: „Öffentliche und private Institutionen und Organisationen müssen damit leben, öffentlicher Kritik ausgesetzt zu werden, wenn es Anlass dazu gibt. Wer von Journalisten ausschließlich positive Berichterstattung erwartet, hat die gesellschaftliche Rolle von Journalismus nicht verstanden.“ Im Online-Bereich seien explizite und implizite Bewertungen journalistischer Beiträge bereits häufig zu finden. „Bewertungen geben oft Stimmungen wieder. An professionellen Qualitätsmaßstäben dürften sich die wenigsten Bewerter orientieren.“ Kritisch merkt er zu den Plänen Musks weiter an: „Von außen sieht es so aus, als habe sich ein Unternehmer über die Berichterstattung zu seinen Produkten geärgert. Ich bezweifele, ob ein Bewertungsportal für Journalismus ein ernst zu nehmender Standard werden kann.“

Siva Vaidhyanathan, Professor für Medienwissenschaft an der Universität von Virginia, sagte dem amerikanischen Nachrichtensender CNN, ein solcher Dienst könne sinnvoll sein, wenn die Methoden sorgfältig ausgearbeitet und von einer unabhängigen Expertengruppe beobachtet würden. „Das ist keine schlechte Idee. Die Frage ist, warum Elon Musk derjenige sein soll, der so etwas betreibt und wie vertrauenswürdig das dann wäre.“

Timothy Karr von der Organisation „Free Press“ sagte gegenüber CNN: „Das Letzte, was wir brauchen, ist ein weiterer reicher und mächtiger Typ, der damit droht, Journalisten mundtot zu machen, wenn sie die Dinge nicht so sehen wie er.“ Musks Kritik an den Medien erwecke den Eindruck, als seien alle Journalisten unglaubwürdig. „Das ist eine beschämende Aussage, die er da verbreitet.“

Von: Jörn Schumacher

]]>
Fri, 25 May 2018 15:48:00 +0200
<![CDATA[Organisationen klagen gegen Zehn-Gebote-Denkmal]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/05/25/organisationen-klagen-gegen-zehn-gebote-denkmal/ Zwei atheistische Organisationen und eine religionsübergreifende Bürgergruppe haben am Mittwoch Klage gegen das Zehn-Gebote-Denkmal in Arkansas eingereicht. Laut der Nachrichtenseite Christian Post argumentieren der amerikanische Humanistenverband und die Stiftung für Religionsfreiheit, dass das Denkmal gegen den Ersten Zusatzartikel der amerikanischen Verfassung verstoße.

Der genaue Wortlaut der Klage ist: „Bürgerrechtsorganisationen und säkulare Organisationen sowie ortsansässige Bürger stellen dieses Symbol in Frage, weil es gegen die Rechte des Ersten Zusatzartikels verstößt.“ Der Bundesstaat Arkansas solle seinen Bürgern nicht auftragen können, welchen Gott sie anbeten. Im Ersten Zusatzartikel steht: „Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion zum Gegenstand hat, die freie Religionsausübung verbietet, die Rede- oder Pressefreiheit oder das Recht des Volkes einschränkt, sich friedlich zu versammeln und die Regierung durch Petition um Abstellung von Missständen zu ersuchen.“

Neben den genannten Organisationen beteiligen sich an der Klage auch ein Rabbiner und ein Pfarrer der Vereinten Methodistenkirche. Eine ähnlich formulierte Klage hat auch die amerikanische Bürgerrechtsvereinigung von Arkansas eingereicht.

Senator nennt Organisationen „anti-amerikanisch“

Im Jahr 2015 trat das Gesetz in Arkansas in Kraft, das den Bau des Denkmals auf dem Gelände des Kapitols in der Hauptstadt Little Rock erlaubte. Senator Jason Rapert, der das Gesetz damals unterstützte, nannte die Kläger „anti-amerikanische Organisationen“. „Ich gehe davon aus, dass die Generalbundesanwältin Leslie Rutledge und ihr Büro darauf vorbereitet sind, die Menschen aus Arkansas und das Zehn-Gebote-Denkmal, welches das historische und moralische Stiftungsrecht ehrt, zu verteidigen“, sagte er. Wenn die Zehn Gebote gut genug seien, um in der Kammer des Verfassungsgerichts gezeigt zu werden, seien sie es auch in Arkansas.

Das Zehn-Gebote-Denkmal wurde im Jahr 2017 durch private Finanzierung errichtet. Innerhalb weniger Stunden zerstörte es ein 32-jähriger Mann, indem er mit seinem Auto in das Gebilde fuhr und dabei „Freiheit“ rief. Mittlerweile wird das Denkmal, das vergangenen Monat wieder neu installiert wurde, mit Schutzbarrieren abgeschirmt.

Von: Michael Müller

]]>
Fri, 25 May 2018 14:50:00 +0200
<![CDATA[Türkei gibt christliche Besitztümer zurück]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/05/25/tuerkei-gibt-christliche-besitztuemer-zurueck/ Rund 100 historische Güter der aramäisch-sprachigen Kirchen in der Südosttürkei hat die türkische Regierung innerhalb der vergangenen fünf Jahre konfisziert. Zu den beschlagnahmten Kirchengütern gehören einerseits verlassene Kirchengebäude, Klöster, Monumente, Ländereien, aber auch Dorffriedhöfe, die noch in Gebrauch sind, und zwei aktive Klöster. „Die Objekte wurden erst der Staatskasse einverleibt. Dann überschrieben die türkischen Behörden die Ländereien an Kommunen und die Gotteshäuser an das staatliche Religionsamt Diyanet“, erklärte Christof Sauer, seit Kurzem Professor für Religionsfreiheit und Erforschung der Christenverfolgung an der Freien Theologischen Hochschule Gießen, im vergangenen Jahr gegenüber pro.

Wie der WCA mitteilte, wurden nun 55 Häuser den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben. 50 davon gingen in den Besitz der Stiftung des Klosters Mor Gabriel über. Der Präsident des WCA, Johny Messo, betonte die Bedeutung dieses Schritts und sagte: „Wir sind dem türkischen Parlament für die Rückgabe der aramäischen Besitztümer dankbar. Wir hoffen, dass die restlichen aramäischen Immobilien und Grundstücke bald folgen.“

Die Enteignung der Besitztümer geht zurück bis auf das Jahr 2008, als ein Gericht das Kloster von Mor Gabriel, das im Jahr 397 gegründet wurde, enteignete, ebenso wie viele andere Klöster, Kirchen und Privathäuser. „Weniger als 2.000 Aramäer leben immer noch in Tur-Abdin, was auf Aramäisch ‚Berg der Diener Gottes‘ bedeutet“, erklärte der WCA. In dem Gebiet im Südosten der Türkei leben Aramäer, die noch immer die Sprache Jesu sprechen.

Lesen Sie mehr über die Enteignung christlicher Eigentümer in der Türkei im Christlichen Medienmagazin pro, Ausgabe 5/2017.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Fri, 25 May 2018 14:49:00 +0200
<![CDATA[„Germany's Next Topmodel“-Gewinnerin: „Habe Gott alles zu verdanken“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2018/05/25/germanys-next-topmodel-gewinnerin-habe-gott-alles-zu-verdanken/ „Himmlisch schön“ ist nur eine von vielen Schlagzeilen: Toni Loba – privat Oluwatoniloba Dreher-Adenuga – ist die strahlende Siegerin von „Germany's Next Topmodel“ (GNTM). In der mittlerweile 13. Staffel der Castingshow setzte sich die Stuttgarterin im Finale am Donnerstagabend gegen drei andere Kandidatinnen durch. „Ich weiß, dass ich alles Gott zu verdanken habe“, erklärte sie nach der Sendung auf der Bühne.

Mit Freunden und Familie, die auf die Bühne gestürmt waren, sang sie den christlichen Gospel: „We Give You Glory, Lord, As We Honor You" – „Wir geben Dir die Ehre, Herr, indem wir Dich ehren“. Von einer ProSieben-Redakteurin gefragt, inwiefern Gott sie bis zu diesem Punkt gebracht habt, sagte die 18-Jährige: „Gott war von Anfang an an meiner Seite.“ Schon als sie sich für die Sendung anmeldete und auch am Castingtag habe sie gewusst, „dass der Herr bei mir ist“.

Die GNTM-Gewinnerin erklärte, wie Gott sie auf ihrem Weg begleitet habe: „Er hat mich nie enttäuscht, er hat mich nie liegen gelassen. Er hat mich immer bestärkt und immer beschützt, und soweit gebracht, wie ich heute gekommen bin.“

„Ihr könnt alles schaffen mit Gottes Kraft“

Weiter ermutigte sie die Zuschauer und sprach direkt in die Kamera: „Wenn Leute nicht an euch glauben, wenn ihr nicht an euch glaubt oder wenn irgendwelche Leute sagen, dass ihr etwas seid, was ihr nicht seid, glaubt an euch, habt Vertrauen in euch, denn ihr könnt alles schaffen mit Gottes Kraft und mit eurer Kraft – in Jesu Namen. Amen.“

Vor ihrem Einzug ins Finale war sie vergangene Woche in der Sendung zu sehen, wie sie vor einem Fotoshooting ihre Konkurrentinnen zu einem gemeinsamen Gebet versammelte. Darin bat sie Gott um Gesundheit, Freude und Selbstbewusstsein im Wettkampf. „Es ist sehr wichtig für mich mit den Mädchen zu beten, weil ich dadurch das, was mir Kraft gibt, auch ihnen mitgeben kann, auch wenn sie nicht so glauben, wie ich glaube“, sagte die Christin.

Im Interview von pro erklärte Loba im April: „Gott ist für mich alles, weil er mich erschaffen hat und mir mein Leben lang treu geblieben ist. In allem habe ich Zuflucht und Kraft in ihm gefunden, als ich sie brauchte.“ Sie habe seit Jahren gemerkt, dass sie „nichts ohne die Hand Gottes, die mich leitet, machen kann“. Er beschütze, unterstütze und segne sie jeden Tag.

Von: Martina Blatt

]]>
Fri, 25 May 2018 12:07:00 +0200
<![CDATA[Selbstfahrendes Auto wegen fahrlässiger Tötung angeklagt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/25/selbstfahrendes-auto-wegen-fahrlaessiger-toetung-angeklagt/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Ein selbstfahrendes Roboterauto der Firma Uber hat im März eine Fußgängerin angefahren und tödlich verletzt. Die Frau wollte eine mehrspurige Straße überqueren und hatte ihr Fahrrad geschoben. Im Unfallbericht der amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde heißt es, die Sensoren des Wagens hätten die Frau sechs Sekunden vor dem Zusammenstoß bemerkt. Allerdings habe die Software sie erst als unbekanntes Objekt eingestuft, dann dachte sie, die Person sei ein Fahrzeug, um es schließlich als Fahrrad einzuordnen.

In welche Richtung sich die Frau bewegte, konnte die Software nicht genau ausmachen. Das System wollte zwar eine Notbremsung veranlassen, diese Funktion sei aber abgeschaltet gewesen. Um unberechenbares Verhalten des Fahrzeugs zu vermeiden, sei sie nach Angaben der Behörde bei Uber-Autos nicht aktiv, wenn ein Computer das Steuer übernehme. Die Sicherheitsfahrerin am Steuer konnte das Auto ebenfalls nicht mehr rechtzeitig stoppen. Nun steht das Auto wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

Nein, das tut es nicht. Und das ist das Problem.

Künstliche Intelligenz kann Fehleinschätzungen treffen

Damit sich ein Roboterwagen autonom im Straßenverkehr bewegen kann, muss er vieles lernen. Er muss sich orientieren, mit Sensoren Abstände, Geschwindigkeiten, Hindernisse wahrnehmen und entsprechend darauf reagieren. Um einen Menschen von einem Fahrrad zu unterscheiden, muss die Software des Autos zuvor viele Daten schlucken, Bilder und Bewegungsmuster von Menschen und Fahrrädern. Anhand dieser Daten kann sie im entscheidenden Moment berechnen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein vor dem Wagen auftauchendes Objekt dieses oder jenes ist. Fällt das Bewegungsmuster des unbekannten Objektes aus dem gelernten Raster, kann das die Software irritieren – sie weiß nicht, wie sie entscheiden soll, kommt möglicherweise zu einer Fehleinschätzung.

Denn Künstliche Intelligenz kann immer nur anhand bestimmter programmierter Regeln entscheiden. Sie ist nicht in der Lage, wirklich autonom, willentlich und reflektiert zu handeln, eine bestimmte Absicht zu verfolgen oder kreativ neue Lösungen in unbekannten Situationen zu finden. Deshalb können Geräte mit Künstlicher Intelligenz auch keine Verantwortung tragen. Niemand kann einen Roboter dafür zur Rechenschaft ziehen, wenn der einen Menschen verletzt oder tötet. Der Unfallwagen trägt keine Schuld, denn die ist an Verantwortung gebunden.

Verantwortung hat der Mensch

Noch sind autonome Fahrzeuge in der Testphase. Unfälle wie der jüngste – der nicht der erste ist – zeigen, dass hier noch einiger Entwicklungsbedarf besteht. Forscher und Entwickler sind davon überzeugt: Wenn die Technik ausgereift ist, wird es mit selbstfahrenden Autos weniger tödliche Unfälle im Straßenverkehr geben, als wenn Menschen die Fahrzeuge steuern. Denn die sind noch viel anfälliger für Fehler.

Allerdings wird die Frage der Verantwortung nicht gelöst werden. Die können nur Menschen übernehmen. Deshalb sollten autonome Fahrzeuge im normalen Straßenverkehr nicht völlig allein und ohne menschliche Kontrolle unterwegs sein. Denn im Zweifel muss jemand die Verantwortung übernehmen. Das können und dürfen Menschen nicht technischen Systemen übertragen. Uber hat im Übrigen seine Testfahrten mit autonomen Autos vorübergehend ausgesetzt.

Von: Jonathan Steinert

]]>
Fri, 25 May 2018 09:35:00 +0200
<![CDATA[Neue Funktion: „Alexa, wer ist Jesus Christus?"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/05/25/neue-funktion-alexa-wer-ist-jesus-christus/ „Alexa, frage die Kirche von England, wie man Christ wird!“ oder „Alexa, frage die Kirche von England nach der nächstgelegenen Gemeinde!" – das sind nur zwei Anfragen, die nun Nutzer über die Sprachassistentin von Amazon, Alexa, mit Hilfe einer neuen Funktion der Church of England stellen können.

Der Dienst soll für Nutzer die Anlaufstelle werden, um ein „Gebet des Tages" zu erfragen, sowie Morgen-, Mittags- und Abendgebete. Unterschiedliche Segen vor dem Essen seien speziell dafür aufgenommen worden.

Die Funktion ist verbunden mit dem britischen Kirchenfinder „A Church Near You", um die Kirchen in der nahen Umgebung und christliche Veranstaltungen zu finden.

„Was ist ein Christ?“

Auch soll das neue Werkzeug helfen, Wissen zum christlichen Glauben stärker als bisher zu verbreiten, indem Fragen beantwortet werden wie: „Was ist die Bibel?“, „Wer ist Gott?“, „Was ist ein Christ?“ oder „Wer ist Jesus Christus?“ Auf der Internetseite der Church of England finden sich weitere Fragen, die die Institution gerne beantworten will.

Die Funktion kann mit dem Satz aktiviert werden: „Alexa, open the Church of England“ – „Alexa, öffne die Kirche von England“. In einem Demovideo fragt der Erzbischof von York, John Sentamu, etwa nach dem Vaterunser.

Von: Martina Blatt

]]>
Fri, 25 May 2018 08:21:00 +0200
<![CDATA[Instagram: Gegen Zeitverschwendung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/05/24/instagram-gegen-zeitverschwendung/ „Du bist auf dem neuesten Stand.“ Dieser Hinweis erscheint zukünftig bei Instagram, wenn Nutzer alle neuen Bilder gesehen haben, die ihre Abonnements in den letzten 48 Stunden gepostet haben. Die Änderung soll Nutzer davor schützen, aus Angst, etwas zu verpassen, übermäßig viel Zeit in der App zu verbringen. Momentan befindet sich die Funktion noch in der Testphase, berichtete das Technologie-Nachrichtenportal TechCrunch am Dienstag.

In der vergangenen Woche hatte TechCrunch bereits ein bislang noch nicht aktiviertes Instagram-Feature entdeckt, über das Nutzer in Zukunft die Zeit einsehen können, die sie in der App verbringen. Daraufhin erklärte Instagram-CEO Kevin Systrom auf Twitter: „Es stimmt. Wir entwickeln Werkzeuge, die der Community helfen, mehr über die Zeit, die sie auf Instagram verbringen, zu wissen“. Zeit solle positiv und bewusst genutzt werden. Es sei wichtig zu verstehen, welchen Einfluss die im Netz verbrachte Zeit auf Menschen habe und die Verantwortung aller Unternehmen, ehrlich damit umzugehen. „Ich nehme diese Verantwortung ernst.“

Instagram reagiert damit auf die Diskussion um die Suchtgefahr von Sozialen Medien. Eine amerikanische Kritiker-Bewegung mit dem Motto „Time well spent“ wirft diesen vor, ihre Nutzer ganz bewusst in die Abhängigkeit zu führen. „Statt dagegen zu protestieren, wollen die Tech-Unternehmen die Diskussion für sich nutzen“, schrieb die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag, und weiter: Auch Riesen wie Google und Facebook schienen mehr und mehr den Verbraucherschutz in den Blick zu nehmen. Wie ernst es ihnen damit sei, bleibe aber fraglich.

Von: Deborah Müller

]]>
Thu, 24 May 2018 17:00:00 +0200
<![CDATA[AfD-Wähler sind pessimistischer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/24/afd-waehler-sind-pessimistischer/ Welche Gefühle verbinden die Wähler mit den unterschiedlichen Parteien? Dieser Frage ist die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung nachgegangen und hat gleich drei Erhebungen dazu in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: AfD-Wähler sind pessimistischer als etwa Wähler von Union oder FDP.

So stimmten 83 Prozent der AfD-Wähler der Aussage zu: „Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für Deutschland." Im Durchschnitt aller Befragten waren es 33 Prozent, bei der Union 14. Vertrauen darauf, dass Deutschland künftige Herausforderungen bewältigt, bringen entsprechend nur 17 Prozent der AfD-Wähler auf, dafür aber etwa 85 Prozent der Unionswähler. Insgesamt blicken 63 Prozent der Befragten optimistisch in die Zukunft.

Angst vor der Zukunft äußerten 59 Prozent der AfD-Wähler. Dass alles gut wird, glauben unter ihnen 37 Prozent. Am positivsten gestimmt sind hier und auch insgesamt laut Erhebung die Anhänder der Union, gefolgt von der FDP, den Grünen, der SPD und der Linken.

SPD zwischen Zuversicht und Resignation

Während AfD-Wähler überwiegend positive Gefühle mit ihrer Partei verbinden, assoziieren andere Wut, Angst, Ungehagen, Empörung oder Aufregung mit den Rechtskonservativen. Die Studie nennt das ein „Alleinstellungsmerkmal". Tatsächlich ist die AfD die einzige im Bundestag vertretene Partei, der Nichtanhänger nahezu einhellig mit massivem Unwohlsein begegnen.

Mit CDU und SPD verbinden die meisten Gefühle wie Zuversicht, Zufriedenheit, Stabilität, Sicherheit, Vertrauen und Hoffnung, mit den Sozialdemokraten aber auch Verzweiflung, Empörung, Resignation und Aufregung. Laut der Studie haben seit Ende 2017 die positiven Gefühle im Zusammenhang mit den Grünen abgenommen, während der FDP zunehmend mit Gleichgültigkeit begegnet wird.

Der Bundesvorsitzende der AfD, Jörg Meuthen, zeigte sich nach Erscheinen der Erhebung unzufrieden mit den Ergebnissen. Am Donnerstag teilte er mit: „Wenn die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in ihrer Studie festgestellt haben will, dass AfD-Anhänger und Wähler besonders pessimistisch seien, kann ich dazu nur sagen: Das ist schlicht Unfug. AfD-Wähler sind keine Pessimisten, sie sind Realisten."

Von: Anna Lutz

]]>
Thu, 24 May 2018 14:24:00 +0200
<![CDATA[Lammert: Politiker sollen mehr streiten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/24/lammert-politiker-sollen-mehr-streiten/ „Es wird zu wenig debattiert und zu viel geredet", sagte der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Mittwochabend in Berlin über das Parlament. Er warb für eine lebendigere Streitkultur im Plenum. Häufig verläsen die Abgeordneten einfach ihre vorbereiteten Reden, übten sich aber nicht im Diskurs. Im Rahmen einer Veranstaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland übte der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung auch Kritik an den Medien: Äußere ein Politiker plausible Argumente, komme er kaum vor. Wer aber Unfug rede oder Beleidigungen äußere, dem sei ein Platz in der Berichterstattung sicher. „Dann darf man sich nicht wundern", sagte er mit Bezug auf den harschen Ton in Sozialen Medien. Auch zur AfD äußerte er sich: „Gelegentlich muss man auch mal daran erinnern dürfen, dass 87 Prozent sie nicht gewählt haben."

Lammert erklärte, ein Großteil der Deutschen sei einer Erhebung zufolge zufrieden mit der Wirkungsweise und den Mechanismen der Demokratie in Deutschland. Dass sich ein Teil besonders in Fragen der Flüchtlingspolitik ungehört gefühlt habe, sei auf die damalige Besetzung des Bundestages zurückzuführen. Mit der Union als konservativster Kraft neben SPD, Grünen und Linken habe es so gut wie keine kritischen Gegenstimmen zu Merkels Flüchtlingspolitik im Parlament gegeben. Das habe zu einem „Fehlen von Andockmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger" geführt, die Kritik an der Flüchtlingspolitik hatten, so Lammert.

AfD bekommt zu viel Aufmerksamkeit

Linda Teuteberg, Bundestagsabgeordnete der FDP, beobachtet „tiefliegende Entfremdungen" der Bürger von der Politik. Das zeige sich unter anderem in Hasskommentaren im Internet. Zur AfD sagte sie: „Sie repräsentiert Bürger, die sie gewählt haben." Das sei demokratisch gut. Sie ist aber auch davon überzeugt, dass der AfD in der Öffentlichkeit eine zu große Bedeutung beigemessen wird: „Wir dürfen uns von ihnen nicht die Agenda diktieren lassen", warnte sie. Stattdessen sollten Parteien Populisten begegnen, indem sie „mit Sorgfalt und Leidenschaft“ ihre Positionen klar machten.

Zu der Veranstaltung hatte der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU, Martin Dutzmann, in die Französische Friedrichstadtkirche in Berlin eingeladen. Anlass war das Inkrafttreten des Grundgesetzes vor 69 Jahren. Die Evangelische Kirche hatte im vergangenen Jahr unter dem Titel „Konsens und Konflikt: Politik braucht Auseinandersetzung“ zehn Impulse zu aktuellen Herausforderungen der Demokratie in Deutschland veröffentlicht. Darin fordert sie die Politik dazu auf, eine lebendige Streitkultur zu pflegen und neu um das Vertrauen der Bürger zu werben. Explizit fordert sie auch, die Auseinandersetzung mit Populisten zu suchen anstatt sie zu ächten. Nur so könnten deren Wähler zurückgewonnen und ein Klima der Ausgrenzung verhindert werden. Gewalt und Rassismus aber dürften keinen Raum im demokratischen Wettstreit haben.

Von: Anna Lutz

]]>
Thu, 24 May 2018 11:29:00 +0200
<![CDATA[Heckler & Koch: Kauder muss sich distanzieren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/23/heckler-amp-koch-kauder-muss-sich-distanzieren/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Volker Kauder unterstützt den Waffenhersteller Heckler & Koch seit vielen Jahren und steht dafür immer wieder in der Kritik. Noch 2013 sagte der Unionsfraktionschef im Bundestag im pro-Interview: „Die Firma Heckler & Koch ist in meinem Wahlkreis und sie produziert Gewehre und Pistolen für die Polizei. Ist es nicht besser, wenn wir Soldaten und Polizisten mit Waffen aus unserer Region ausrüsten, anstatt sie aus dem Ausland einzukaufen?" Und weiter: „Ich habe mich aber nie dafür eingesetzt, dass Waffen in Krisengebiete gelangen. Dies wäre mit meinen Grundüberzeugungen unvereinbar. Das weiß auch die Firma.“

Nun, offenbar weiß die Firma genau das nicht. Wie ein Bericht der Sendung Report Mainz zeigt, hat das Unternehmen schon vor Jahren versucht, hochrangige Politiker, darunter Kauder, zu bestechen, um Waffendeals nach Mexiko zu ermöglichen. Derzeit stehen damals Verantwortliche des Unternehmens vor Gericht, weil sie bereits in den Jahren zuvor illegal Sturmgewehre in die Unruheregion gebracht haben sollen.

Volker Kauder muss sich wegen einer Spende des Unternehmens in Höhe von 10.000 Euro an seinen Kreisverband in Rottweil nun mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart auseinandersetzen, auch wenn er selbst nicht verdächtigt wird, auf die Wünsche von Heckler & Koch eingegangen zu sein, wie die Staatsanwaltschaft Medienberichten zufolge erklärt hat. Doch der Unionspolitiker muss sich nun von der Öffentlichkeit fragen lassen, wie er seine Unterstützung des Konzerns rechtfertigt – auch vor dem Hintergrund seines langjährigen Engagements für verfolgte Christen weltweit.

Insider haben immer wieder auf die engen Verbindungen des Waffenherstellers mit Kauder hingewiesen. Auch Kauder selbst rechtfertigte seine Unterstützung des Konzerns nicht nur im pro-Interview. Schließlich ist Heckler & Koch einer der großen Arbeitgeber seines Wahlkreises.

Waffen, die Christen töten

Freilich gehört es zum politischen Geschäft, dass Bundestagsabgeordnete wirtschaftliche Player in ihrem Wahlkreis unterstützen. Und wäre Heckler & Koch eine Schokoladenmanufaktur, würde sich niemand dafür interessieren, wie nah Kauder dem Konzern steht. Doch statt Süßigkeiten zu verteilen, ist das Unternehmen dafür verantwortlich, dass Sturmgewehre auch in die Hände radikaler Kräfte gelangen – ebensolcher Extremisten, vor denen Kauder geradezu gebetsmühlenartig im Bundestag warnt, weil sie unter anderem die Rechte religiöser Minderheiten beschneiden oder Andersgläubige sogar töten.

Natürlich weiß niemand genau, in wessen Hände die Waffen landen. In den falschen aber mit hoher Wahrscheinlichkeit schon. Denn der Weltverfolgungsindex der Hilfsorganisation Open Doors, den Kauder immer wieder zitiert, listet Mexiko auf Platz 39 der größten Christenverfolgerstaaten weltweit. Waffen von Heckler & Koch sind ebenfalls in Libyen aufgetaucht – das Land liegt im Index sogar auf Platz sieben.

Gegenüber pro wollte Kauder nichts zu den Vorwürfen gegen Heckler & Koch sagen. Auch machte er keine Angaben dazu, ob er sich nun von dem Konzern distanzieren wird. Das aber ist notwendig, damit sein Engagement für verfolgte Christen weltweit glaubhaft bleibt. Nicht nur Christen dürfen und müssen von ihm erwarten, dass er klar Stellung bezieht. Sie dürfen ihn an seinen Worten von 2013 messen: Dass Waffen in Krisengebiete gelangen, so sagte er es selbst, ist mit seinen Grundüberzeugungen unvereinbar. Herr Kauder, stehen Sie dazu! Waffen von Heckler & Koch sollen weder Christen noch andere Minderheiten in Unruheregionen töten.

Von: Anna Lutz

]]>
Wed, 23 May 2018 17:14:00 +0200
<![CDATA[Alan Posener: Christlicher Antisemitismus in der Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/05/23/alan-posener-christlicher-antisemitismus-in-der-kirche/ Unter der Überschrift „Mit der Bibel gegen Israel“ protestiert Posener in der Tageszeitung Die Welt gegen einen Text des Theologen Ulrich Duchrow, der früher Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg war. Duchrow hatte bereits vor zwei Jahren seinen Text „Unterdrückung: über Ausbeutung hinaus“ veröffentlicht, und zwar in einer vom Diakonischen Werk Hessen und Nassau herausgegebenen Festschrift für seinen scheidenden Vorsitzenden Wolfgang Gern. Mitautoren der Festschrift waren damals unter anderem der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, seine Amtsvorgänger Margot Käßmann und Wolfgang Huber, sowie Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland. Posener kritisiert, der Text sei ein lupenreines Beispiel für „israelbezogenen Antisemitismus“.

Schon damals habe es keiner der Kirchenvertreter für notwendig befunden, „sich auch nur kritisch zu äußern zu diesem skandalösen Text, geschweige denn, sich von ihm zu distanzieren“, schreibt Posener. Kürzlich erschien der Text erneut im siebten Band der Schriftenreihe „Die Reformation radikalisieren“. Sie wird von Duchrow und dem Theologieprofessor Hans G. Ulrich, von der EKD, diversen Landeskirchen, „Brot für die Welt“ und dem ÖRK finanziert.

Duchrow ist Mitbegründer des kirchlichen Netzwerks „Kairos Europa“, das in den deutschen Kirchen zahlreiche Sympathisanten und Kooperationspartner hat, Konferenzen organisiert, bei Kirchentagen auftritt und auch mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) zusammenarbeitet.

„Israel ist ein Unrechtsstaat“

„Ausgerechnet mit Stellen aus der Hebräischen Bibel, dem Alten Testament“ spreche hier ein Theologe dem jüdischen Staat das Existenzrecht ab, und er werde dabei von der Evangelischen Kirche sogar noch finanziert, protestiert Posener. Angesichts dieses „christlichen Antisemitismus“ stellt der Journalist fest: „Im Hass auf den jüdischen Staat kommen sich manche Muslime und manche Christen durchaus nahe.“

Gott habe den Juden in der Bibel aufgetragen, „gerecht“ zu sein. Das bedeute nach Duchrow, „Imperien zu zerschlagen und Gerechtigkeit überall zu verwirklichen“. Israel aber folge „der tiefsten Logik der Moderne“ und sei als „Teil des westlichen Imperiums“ sogar ein „Extremfall“. „Wenn aber das Volk notorisch den Bund der Gerechtigkeit bricht, dann verliert es das Land.“ So hätten es die jüdischen Propheten ja selbst verkündet.

Posener fasst die Argumentation Duchrows so zusammen: „Die Juden haben den Bund mit Gott gebrochen, Israel ist ein Unrechtsstaat, und Israels Juden haben kein Recht auf ihre Heimat“, und fügt hinzu: „Die Hamas könnte es nicht besser sagen.“ Posener fährt fort: „Ausgerechnet ein Deutscher, der 1935 geboren wurde und damit im Dritten Reich aufgewachsen ist, wirft den Juden vor, sie hätten das Recht auf das Land verwirkt, in das sie wegen des mörderischen europäischen Antisemitismus flüchteten.“

"Das Land von den Palästinensern reinigen..."

Duchrow stelle die Behauptung auf, die „ursprüngliche zionistische Logik“ laute, „das Land von den Palästinensern zu reinigen – durch Zwangsumsiedlungen, Krieg und Mord“. Damit sei Israel viel schlimmer als der Apartheidstaat Südafrika, denn der sei nur „ausbeuterisch und unterdrückerisch“ gewesen. Israel aber wolle „die Menschen minderen Rechts komplett loswerden und die Übrigbleibenden gettoisieren wie in Gaza“. Israel sei „das Extrem der westlichen, kolonialistischen, kapitalistischen, imperialen, wissenschaftlich-technischen, gewalttätigen Eroberungskultur der letzten 500 Jahre“. Dabei weist Posener insbesondere auf die Wortwahl „reinigen“ hin, „in Anlehnung an den Nazi-Begriff ‚judenrein‘“. Dies solle auch „Begriffsstutzigen“ klarmachen: die Israelis seien die Nazis von heute.

Duchrow zeige in seinem Beitrag die „3 D“: Dämonisierung und Delegitimierung Israels sowie eine Doppelmoral, die an den jüdischen Staat schärfere Maßstäbe anlegt als an andere Länder. Diese drei D seien bekannte Kriterien für „israelbezogenen Antisemitismus“, so Posener. Duchrows Beitrag „Unterdrückung: über Ausbeutung hinaus“ sei ein zutreffendes Beispiel dafür.

Auf Nachfrage des Welt-Journalisten an Bedford-Strohm teilte ein Sprecher der EKD mit: „Von dem Text von Herrn Duchrow distanziert sich die EKD inhaltlich ausdrücklich.“ Für den Rat der EKD sei „Antisemitismus Gotteslästerung“.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Wed, 23 May 2018 16:39:00 +0200
<![CDATA[Katholiken gegen Protestanten: Ein Krieg ohne Sieger]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/04/23/katholiken-gegen-protestanten-ein-krieg-ohne-sieger/ pro: Herr Münkler, wie konnte es zum Dreißigjährigen Krieg kommen?

Herfried Münkler: Das Schwierige besteht darin, dass man sich entscheiden muss, ob man wie Ricarda Huch (deutsche Schriftstellerin und Historikerin, Anm. d. Red.) eine Aneinanderreihung von Episoden sieht – und plötzlich ist Krieg! Dann kann man eigentlich nicht genau sagen, warum und ab wann Krieg ist.

Oder ob man der anderen Erzählung folgt, die Friedrich Schiller vorgenommen hat: Die fängt 1517 mit Beginn der Reformation an. Dann kann man den Krieg wesentlich als Konflikt der Konfessionen darstellen, was allerdings in vielerlei Hinsicht nicht zutreffend ist, denn die Protestanten sind geteilt in die moderaten und lange Zeit reichstreuen Lutheraner, geschart um den sächsischen Kurfürsten einerseits, und die sehr auf Konflikt ausgerichteten Calvinisten um den Heidelberger Kurfürsten von der Pfalz andererseits.

Und auf katholischer Seite?

Da gibt es Gruppierungen wie etwa den Wiener Bischof Melchior Klesl, der unter Kaiser Matthias die Politik macht und einer der Kirchenführer im österreichischen Raum und eher auf Ausgleich aus ist. Das, was auf protestantischer Seite die Calvinisten sind, sind auf katholischer Seite die Jesuiten, die diesen Konflikt voran treiben. Bei der Frage, wann der Krieg begann, würde ich sagen: In dem Augenblick, wo bei den Protestanten die Heidelberger und bei den Katholiken die Calvinisten das Sagen haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass es zum Krieg kommen wird.

War ein Auslöser nicht schlicht der Umstand, dass die Katholiken nicht gemäß dem Augsburger Religionsfrieden den Protestanten die gleichen Rechte im Reich einräumen wollen, woraufhin die Proteste in Böhmen erst losgingen?

Ja, aber warum wollen sie das nicht? Weil es keine Reichsinstitutionen gibt, die funktionieren, denen sowohl die protestantische als auch die katholische Seite Vertrauen entgegenbringen. Etwa dass sie sie als eine neutrale und faire Entscheidungsinstanz akzeptieren, um bestimmte Fragen etwa zur Errichtung neuer Gotteshäuser und des Überwechselns in eine andere Konfession zu klären. Und dann kam gewissermaßen aus dem Gestus der Gegenreformation heraus, bei dem sich die Katholiken immer mehr von den Protestanten zurück gedrängt fühlten, der Wunsch auf, sich zu wehren.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

In Donauwörth kam es zu einem interessanten Vorgang: Die ganze Zeit funktionierte protestantische Toleranz gegenüber den wenigen Katholiken, weil sie ihre Prozessionen zu einer Wallfahrtskirche über ein Feld durchgeführt haben. Aber in dem Augenblick, wo sie unter den Einfluss der Jesuiten kamen, begannen sie, durch die Stadt quasi zu „demonstrieren“, mit Musik, Gesang und entrollten Fahnen. Das war so etwas wie die akustische und symbolische Raumnahme. Es kam zu Schlägereien, Protestanten bewarfen die Prozession mit allerlei Unrat, und dann eskalierte dieser Konflikt. In mancher Hinsicht hat mich das erinnert an die Auseinandersetzungen in Nordirland (in den 70er und 80er Jahren, Anm. d. Red.), wo der protestantische Oranier-Orden mit seiner akustischen und symbolischen Raumnahme durch katholische Viertel zog. Ab einem bestimmten Punkt sind es nicht mehr die Moderaten, die das Sagen haben, sondern die Scharfmacher, die sagen: Das können wir uns nicht gefallen lassen! Das verbindet die Anfänge des Dreißigjährigen Krieges mit vielen Kriegen.

„Luther hätte vermutlich Frieden gepredigt“

Wie sehr ging es beim Dreißigjährigen Krieg um Religion, und wie sehr um Machtfragen?

Wenn wir uns die Vorgänge in Böhmen anschauen, dann kann man sagen, eigentlich beginnt der Krieg wesentlich mit einer Verfassungsfrage und der Machtlagerung, nämlich: Hat das Haus Habsburg allein das Sagen, oder sind die Stände, also der Adel und die Städte, mit dabei? Und auch der Prager Fenstersturz drehte sich unmittelbar um diese Frage, wer in Böhmen das Sagen hat. Aber dann kommt gleich die Konfessionalität hinzu. Das Haus Habsburg wollte das mit der Gegenreformation verbinden und es war auf eine bestimmte Weise katholisch. Und beim böhmischen Adel hatten eine kurze Zeit die Calvinisten das Sagen, und nicht die Lutheraner. Sie verbanden die konfessionelle Identität des Landes mit der Verfassungsfrage. Und die Verfassungsfrage eskalierte. Es kommt noch hinzu: Der Kaiser wäre allein gar nicht fähig zur Kriegsführung gewesen, wenn Spanien nicht mit Geld und Soldaten zur Seite gesprungen wäre.

Was hätte wohl Martin Luther zu diesem Krieg gesagt?

Die Sichtweise der Sachsen, die sich ja als Lutheraner verstanden, wäre der Auffassung Martin Luthers sehr nahe gekommen, so wie es in der Bibel in Römer 13,1 steht: „Seid Untertan der Obrigkeit, denn alle Obrigkeit ist von Gott“. Das heißt, man muss vieles hinnehmen. Und da Luther ja ein distanziertes Verhältnis zu politisch Aufständischen hatte, etwa in der Frage des Bauernkrieges, hätte er sich vermutlich auch nicht mit den rebellierenden böhmischen Adeligen anfreunden können, sondern darauf bestanden, dass des Christen Widerstand die Hinnahme von Leid und Strafe zu sein hat. Luther, der ja in diesen Fragen ein politikkundiger aber nicht an die Politik gebundener Intellektueller gewesen ist, hätte vermutlich zum Frieden gepredigt. Das einzige Mal, wo er geglaubt hat, dass man Krieg führen dürfe, war gegen den „Großtyrann“, also gegen „den Türken“. Der spielte in diesem Krieg ja keine Rolle.

Eine klar christliche Position wäre ja: Schlägt Dich jemand auf die eine Wange, halte ihm auch die andere hin. Was wäre passiert, wenn eine der Seiten diesem Prinzip gefolgt und aufgegeben hätte?

Ich fürchte, das Problem ist, dass über relativ lange Zeit dieser Krieg von den Kriegführenden gar nicht als Krieg begriffen wurde. Denn der Kaiser sagte: Ich sorge nur für Recht und Ordnung, indem ich die verfassungsmäßigen Strukturen durchsetze. Und die Aufständischen sagten: Wir leisten nur legitimen Widerstand gegen eine ungerechte Obrigkeit. So dass wir es mit einem Krieg zu tun haben, an dem ungeheuer viele Mächte beteiligt sind, aber wir kaum Kriegserklärungen gegeneinander haben. Sie wussten eigentlich gar nicht, dass sie den politischen Aggregatzustand vom Frieden zum Krieg gewechselt haben.

Bei der Lektüre Ihres Buchs bekommt man den Eindruck, die protestantische Seite kommt im Dreißigjährigen Krieg moralisch etwas besser weg. Stimmt dieser Eindruck?

Dadurch, dass relativ bald der Katholizismus notorisch in der Offensive war und die Protestanten in der Defensive, liegt vielleicht gewissermaßen die Verantwortlichkeit für das Weitertreiben der Kriegshandlungen, jedenfalls bist zum Eingreifen Schwedens 1630, bei den Katholiken, und sie sind eher die Eskalierer des Konfliktes. Das hat auch damit zu tun, dass sich der bayerische Herzog Maximilian für seine Waffenhilfe gegen die Böhmen entsprechend alimentieren ließ durch einen tiefen Eingriff in die Reichsverfassung, nämlich die Übertragung der Kurwürde von Heidelberg nach München. Dieser Austausch führte dazu, dass der Krieg nicht auf Böhmen begrenzt werden konnte, sondern dann auch auf die Oberpfalz und dann auf die Rheinpfalz übergriff. Ich habe mir aber sonst durchaus Mühe gegeben, als hessischer Lutheraner eine gelassen-neutrale Haltung zu haben.

Wer hat am Ende beim Westfälischen Frieden mehr gewonnen, und wer hat mehr verloren?

Es gibt einen großen Verlierer, das ist das Haus Habsburg, also Spanien, das über weite Strecken aus Kerneuropa herausgedrängt wird, und das ist auch das Kaiserhaus, das viele Konzessionen machen muss. Seine Ziele, die Durchsetzung der Gegenreformation und die Stärkung des Kaisers gegenüber den Reichsständen, hat es nicht erreicht. Die Gewinner sind eindeutig Frankreich und natürlich Schweden, ein bisschen die Niederlande und letzten Endes die Reichsstände, die im Gefolge des Friedensschlusses von Münster und Osnabrück dann zu Souveränen werden. Was die beiden Konfessionen angeht, glaube ich nicht, dass man sagen kann, die Protestanten oder die Katholiken seien in irgendeiner Weise Gewinner; eher könnte man sagen, sie sind beide Verlierer. Die calvinistischen Intellektuellen waren auch eher gegen diesen Friedensschluss, und der Papst verurteilte ihn sogar in einer entsprechenden Bulle. Also man kann sagen: Diejenigen, die aus konfessionell-religiösen Gründen in diesen Krieg involviert waren, stehen beide am Schluss als die Düpierten da.

Aber bedeutete das „cuis regio, eius religio“ nach dem Westfälischen Frieden nicht immerhin, dass ab sofort bei einem Konfessionswechsel eines Landesherrn nicht auch die Bewohner ebenfalls ihre Konfession wechseln mussten?

Richtig. Aber das betrifft natürlich Katholiken ebenso wie Protestanten gleichermaßen. Die Regelung des Augsburger Konfessionsfriedens, die beim Prinzip „cuius regio, eius religio“ auf eine Privilegierung des herrschaftlichen Gewissens hinausgelaufen ist – denn die anderen mussten das dann mitmachen –, wird relativiert.

Welche Folgen hatte der Westfälische Frieden sonst noch in Bezug auf die Kirchen?

In mancher Hinsicht begründet er einen „deutschen Sonderweg“, der in diesem Falle kein Weg ins Verhängnis ist, wie normalerweise der deutsche Sonderweg apostrophiert wird. Das Reich ist in mancher Hinsicht nicht nur herrschaftlich bunt gesprenkelt, sondern auch konfessionell. Und es entwickelt sich hier eine Art von Toleranz, die keine offene, freundliche Toleranz ist. Man kam nicht so wirklich miteinander ins Geschäft, man misstraute einander oder wollte miteinander nichts zu tun haben. Nach einem solchen Krieg ist das ein ungeheurer Fortschritt. Vielleicht können wir uns das in unseren Tagen ein bisschen vergegenwärtigen, wenn wir Bürgerkriege im subsaharischen Afrika danebenhalten, wo es um die Frage geht: Wie können jemals wieder Hutu und Tutsi miteinander leben? Oder wenn wir nach Jugoslawien schauen und uns die Frage stellen: Wie können Serben und Bosniaken und Kroaten in diesem Gebiet, in dem sie zusammenleben müssen und man das Ganze nicht durch eine große ethnische Flurbereinigung auflösen kann, wie können die je wieder miteinander leben?

Kriege vom Typ Dreißigjähriger Krieg auch heute

Was können wir heute aus dem Kriegsausgang lernen?

Der Friedensprozess von Münster und Osnabrück beginnt mit der schwierigen Frage: Wer hat den Vorsitz, wie ist die Rangfolge? Das muss sich erst langsam etablieren. Da hat man, wenn man in den Nahen Osten guckt, Parallelen: Wer wird überhaupt angehört, wer wird zugelassen, wer ist eine Partei, die man gar nicht zu den Gesprächen reinlässt, wie ist die Rangfolge? Da ist Münster und Osnabrück nicht uninteressant, um daraus zu lernen.

Welche Parallelen zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und Kriegen heute sehen Sie noch?

Es gibt Kriege vom Typ des Dreißigjährigen Krieges. Der Krieg im Vorderen Orient und der Zerfall der Ordnung, die in den Pariser Verträgen von 1919 hergestellt worden ist, ist ein solcher Krieg. Der Arabische Frühling ist der Verfassungskonflikt, der Kampf zwischen Sunniten und Schiiten, aber natürlich auch der Konflikt zwischen Dschihadisten und christlichen koptischen Gemeinden, das ist die konfessionell-religiöse Dimension dieses Krieges. Die Hegemonialität kommt rein, wenn man auf Russland und USA schaut, oder auf Iran, Saudi-Arabien und Türkei als die Akteure, die die Hegemonie in diesem Raum haben wollen. Schauen wir in den Nahen Osten, könnte man sagen, im Augenblick ist es noch ein Krieg in Syrien, der möglicherweise demnächst endet, und ein Krieg im Jemen, und ein nach wie vor diffuser Krieg in der libyschen Wüste. Noch sind das voneinander aparte Plätze, wenn es aber nicht bald gelingt, diese Konflikte zu beenden und sie sich miteinander verbinden, woran natürlich bestimmte dschihadistische Organisationen, namentlich der IS, ein Interesse haben, dann könnte es gut sein, dass es in der Retrospektive ein Krieg wird vom Typ Dreißigjähriger Krieg. Man muss ein fundamentales Interesse daran haben zu verhindern, dass das tatsächlich ein Krieg vom Typ Dreißigjähriger Krieg wird. Aber alle Voraussetzungen dafür, dass er es werden kann, sind dort gegeben.

Gab es nach dem Krieg irgendwelche Zeichen der Buße vonseiten der Kirchen?

Nein. Die katholische Kirche findet diesen Frieden nicht besonders gut. Die Lutheraner atmen auf, dass endlich diese Gewalt zu Ende ist. Die Reformierten atmen vielleicht auch auf, aber sie sehen das auch mit einem weinenden Auge, denn sie hätten gerne größere Erfolge gehabt, und letzten Endes sind sie nicht diejenigen, die von diesem Krieg besonders profitiert haben. Aber das ist auch eher etwas, was ins Zwanzigste oder Einundzwanzigste Jahrhundert gehören würde, wo sich die Kirchen für so mancherlei, was sie mal gut fanden und mit entsprechenden Predigten unterstützt und gefördert haben, im Nachhinein entschuldigen. Nun könnte man ja mal darüber nachdenken, ob die Verurteilung des Friedens von Münster und Osnabrück in einer Bulle nicht auch etwas ist, was man vielleicht zurücknehmen könnte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jörn Schumacher

Von: Jörn Schumacher

]]>
Wed, 23 May 2018 10:11:00 +0200
<![CDATA[Evangelische Kirche gegen „teuflische Kommentare“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/05/23/evangelische-kirche-gegen-teuflische-kommentare/ Die Initiatoren des Projektes „Netzteufel“ wollten nach eigener Aussage in den Sozialen Medien „die Verbreitung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Namen des christlichen Glaubens“ untersuchen. Sie analysierten dabei zunächst „Hassmails an zwei evangelische Bischöf*innen“, wie sie gegenüber pro mitteilten. Dadurch identifizierten sie Organisationen und Nachrichtenportale, auf die darin wiederholt Bezug genommen wurde.

Gemäß den beiden Auswahlkriterien Relevanz und Repräsentativität waren dies idea.de, weil es „in Deutschland ansässig evangelisch/evangelikal geprägt“ sei, kath.net („In Österreich ansässig katholisch geprägt“) und die Bundesvereinigung der „Christen in der AfD“ („überkonfessionell, parteinah“). Die Autoren analysierten daraufhin in allen Monaten des Jahres 2017 die Posts auf den Facebook-Seiten dieser Organisationen sowie die dazu getätigten Leser-Kommentare. Die Autoren von „Netzteufel“ erklärten: „Wichtig ist, dass die herausgearbeiteten Narrative sich insbesondere auf die Kommentare beziehen, die wir untersucht haben. Außerdem sind die Kommentarspalten der Seiten immer wieder auch konstruktive Diskussionsräume.“

Das Projekt mit dem Namen „Netzteufel“ wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) finanziell unterstützt. Förderung bekam es zudem durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der Projektname stehe als Sinnbild für eine Mahnung vor Dämonisierung, teilten die Initiatoren mit. Auf die Frage, ob auch eine entsprechende Analyse von Kommentaren auf anderen Seiten, etwa evangelisch.de oder katholisch.de denkbar seien, antworteten die Initiatoren, dies könne „spannend“ sein, und weiter: „Wir haben auf Social-Media-Plattformen die Möglichkeit, einen gewissen Ausschnitt von Alltagskommunikation zu betrachten, den man früher in Interviews, etc. extra erheben musste. Heute gibt es so viele öffentliche Kommentare, dass man sich beschränken muss, weil man gar nicht alles analysieren kann.“

„Wir werden bedroht – Die Endzeit naht“

Den Autoren sei es vor allem um Kommentare gegangen, die „menschen- und demokratiefeindliche" Positionen wiedergäben, „die mit christlichen Bezügen formuliert oder durch den christlichen Glauben legitimiert werden“. Die Forscher sprechen von „toxischen Narrativen“. Ihnen offenbarte sich nach eigener Aussage ein „Masternarrativ“, der lautet: „Wir werden bedroht – Die Endzeit naht“. Dies sei „ein zentrales Bild, das alle Erzählungen verbindet“ und es sei „die Grundlage für Feindseligkeiten, Ausgrenzungen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und schließlich auch für Hassrede“.

Zu den fünf identifizierten Hauptnarrativen bei den Themenbereichen Islam, Homosexualität, Flucht, Gender und Demokratie haben die Forscher folgende sich wiederholende Aussagen herausgestellt: „Der Islam bedroht uns“, „Homosexualität bedroht Gottes Ordnung“, „Flüchtlinge unterwandern das Sozialsystem“, „Der Genderwahnsinn ist reine Ideologie“ und „Wir leben in einer Meinungsdiktatur“. Dem gegenüber stellen die Autoren ihre Kritik an den genannten „Narrativen“. So werde in den untersuchten Kommentaren vielfach der Islam als einheitlicher und gewaltbereiter Feind dargestellt; es würden keine konkreten Probleme genannt; zudem würden die religiösen Unterschiede zum christlichen Glauben betont.

Der von Christen aufgestellten Behauptung „Homosexualität ist Sünde“ stellen die Autoren von „Netzteufel“ entgegen, es handele sich dabei um eine Verachtung von Homosexuellen; außerdem stellen sie die Fragen: „Wird die Abwertung von Sexualität, die sich nicht auf Fortpflanzung beschränkt, im gleichen Maß Heterosexuellen entgegengebracht? (…) Gab es in der Zeit der biblischen Schriften überhaupt zwangsfreie gleichgeschlechtliche Sexualität? Oder beziehen sich die biblischen Stellen auf etwas anderes? Finden sich andere Verbote, wie das Zinsverbot, nicht viel häufiger in der Bibel, wird die Kritik daran mit der gleichen Lautstärke vorgetragen?“

Nicht repräsentative Studie

Der geäußerten („toxischen“) Aussage „Flüchtlinge unterwandern das Sozialsystem“ stellt „Netzteufel“ entgegen: „Wird die Schutzbedürftigkeit nicht ausreichend vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geprüft? Geht es armen Menschen in Deutschland wirklich wegen der Geflüchteten schlecht? Sollten wir nicht für ein menschenwürdiges Leben Aller eintreten? (…) Waren nicht zentrale biblische Figuren aus wirtschaftlicher Not auf Wanderschaft?“ Zur Angst vor dem „Genderwahnsinn“ schreiben die Autoren: „Wenn Gott Mann und Frau, wie Tag und Nacht geschaffen hat, haben dann Menschen auch Angst vor der Morgendämmerung, in der beides zusammenkommt?“

Auch die Sorge, wir könnten in einer „Meinungsdiktatur“ leben, lehnen die Autoren ab mit den Worten: „Wie können wir uns in einer Meinungsdiktatur befinden, wenn diese These einen öffentlichen Raum finden kann? Besteht der Witz in Matthäus 7 nicht darin, sich zu fragen, welche Balken im eigenen Auge stecken, statt wieder nur auf die anderen zu zeigen? Muss die Kirche sich nicht, gerade weil sie Hitler nicht geschlossener widersprochen hat, heute dem Geist der Ungleichheit entgegenstellen?“

Allerdings liefern die Forscher keine Zahlen, anhand derer sie ihre Analyse festmachen. Sie stellen fest: „Unsere Ergebnisse basieren auf einer qualitativen und explorativen Fallanalyse und zielen nicht darauf ab, quantitativ messbare Aussagen zu machen.“ Zudem seien die Ergebnisse nicht im wissenschaftlichen Sinne repräsentativ.

Alexander Kissler, Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero, sieht das Projekt kritisch. Er sieht darin eher einen „knallharten theologischen Verdrängungswettbewerb", wie er in einem Kommentar schreibt. „Das Netz soll mit dem Segen der Evangelischen Kirche und dank evangelischer Kirchensteuermittel auf links gescheitelt werden“, schreibt Kissler. Die Losung „Gegen den Hass“ werde bei „Netzteufel“ verstanden als „Gegen rechts“. Weiter schreibt der Autor: „Ein Platzhirsch namens EKD will konkurrierende Anbieter auf dem Glaubens- und Meinungsmarkt vom Diskursfeld drängen."

Von #hateSpeech zu #hopeSpeech

Mit ihrer Analyse wollten die Macher von Netzteufel „den Leuten aufs Maul“ schauen, schreiben die Initiatoren. Doch zudem wollen sie aufbauend auf der Analyse herausfinden, „welche Bilder und Erzählungen wir aus christlicher Perspektive entgegnen wollen“. Dazu verweisen sie auf zwei Seminare der Evangelischen Akademie, zum einen das Seminar „Von Einhörnern, #hopeSpeech & Memes“ im Mai, zum anderen „#whatthehope“ im September. Darin solle jeweils ein Bogen gespannt werden von „#hateSpeech“ zu „#hopeSpeech“.

Die Evangelische Akademie wurde 1999 gegründet und ging hervor aus einer westdeutschen und einer ostdeutschen Akademie, die jeweils rund 50 Jahre früher ins Leben gerufen worden waren. Sie wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) gemeinsam getragen. Ihr Präsident ist Paul Nolte, Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Wed, 23 May 2018 08:27:00 +0200
<![CDATA[ERF Medien nimmt Kündigung zurück]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/05/22/erf-medien-nimmt-kuendigung-zurueck/ In der arbeitsgerichtlichen Auseinandersetzung zwischen einer 49-jährigen Redakteurin und ERF Medien (ERF) ist es zu einer Einigung gekommen. Beide Parteien haben einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichtes Gießen zugestimmt. Der Vergleich sieht vor, dass die Kündigung der Mitarbeiterin vom 1. Februar 2018 zurückgenommen wird, ebenso die vorausgegangene Abmahnung. Die Klägerin erklärt im Gegenzug, sie werde zukünftig bei jedem Anfangsverdacht gegen einen Kollegen sofort den Vorstand umfassend informieren und dass in keiner Weise beabsichtigt gewesen sei, ERF Medien durch ihre Äußerung über ihren ehemaligen Kollegen in Misskredit zu bringen. Die Mitarbeiterin kann nach Angaben einer ERF-Pressemitteilung vom 18. Mai „in Kürze" wieder ihre Tätigkeit aufnehmen. „Wir haben uns entschieden, die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiterin insbesondere als Zeichen christlicher Versöhnung und als Auftakt für eine interne Aufarbeitung zu sehen, damit wieder Ruhe in den Betrieb einkehrt, wir aus den Ereignissen gemeinsam lernen und künftig konstruktiver mit Konflikten umgehen können“, teilte der ERF-Vorstandsvorsitzende Jörg Dechert mit.

Mitarbeiter wollten Schaden vom ERF abwenden

Der ERF hatte der Redakteurin, die seit mehr als 27 Jahren bei dem christlichen Medienwerk in Wetzlar beschäftigt ist, zusammen mit zwei weiteren Kollegen vorgeworfen, am Vorstand vorbei Recherchen gegen einen mittlerweile ausgeschiedenen Mitarbeiter geführt und dadurch den Betriebsfrieden gestört zu haben. Die ERF Mitarbeiter hatten von Vorwürfen strafrechtlicher Vergehen, darunter Unterschlagung und sexuellem Missbrauch, im Rahmen eines früheren Beschäftigungsverhältnisses gegen einen ERF-Bereichsleiter erfahren. Sie waren diesen eigenmächtig nachgegangen. Die Mitarbeiter hatten nach eigenen Angaben drohenden Schaden von ihrem Arbeitgeber abwenden wollen. Allerdings erkannte der ERF „eine schwerwiegende Verletzung ihrer arbeitsvertraglichen Dienstpflichten und eine massive Störung des Betriebsfriedens" in den Recherchen und kündigte den Mitarbeitern. Gegen die ausgesprochenen Kündigungen seien auch von der Mitarbeitervertretung im Rahmen der Mitbestimmung keine Einwände erhoben worden.

„Null-Toleranz-Strategie"

In der Folge kam es zu einer Serie von Verhandlungen zwischen den drei gekündigten Mitarbeitern und ERF-Medien. In den Verfahren war es immer wieder darum gegangen, zu welchem Zeitpunkt der Vorstand von Vorwürfen gegen den ehemaligen leitenden Mitarbeiter erfahren hatte. In der Erklärung vom 18. Mai teilte der ERF mit, dass der Vorstand „umgehend einen Klärungsprozess unter juristischer Fachberatung in Gang gesetzt" habe, um „die strafrechtliche Relevanz und Belastbarkeit der Anschuldigungen zu erheben". Der Mitteilung zufolge war der ERF im Januar 2017 von einer außenstehenden Person mit der Behauptung konfrontiert worden. Für den ERF-Vorstand sei dann in dem Klärungsprozess eine „klare Null-Toleranz-Strategie gegenüber Straftaten sowie die Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter" handlungsleitend gewesen, heißt es in der ERF-Mitteilung. Aus Sicht der drei Mitarbeiter hatte der Vorstand, nachdem er von der Informantin in Kenntnis gesetzt wurde, darauf nicht angemessen reagiert und für sie erkennbar nichts unternommen. In der ERF-Mitteilung heißt es, die drei Mitarbeiter hätten sich zu keinem Zeitpunkt mit ihren Behauptungen an den Vorstand gewandt und sich trotz Aufforderung zunächst geweigert, dem Vorstand Belege für ihre Behauptungen vorzulegen. Nach Angaben des ERF hat der Vorstand im Juni 2017 erfahren, dass Mitarbeiter schon seit Ende 2016 Recherchen über den beschuldigten Kollegen angestellt hätten.

Bei den angestrengten Verfahren hatte einer der klagenden Mitarbeiter beim Gütetermin vor Gericht die ordentliche Kündigung mit einer Abfindung in Höhe von 45.000 Euro akzeptiert. Die Klage einer Kollegin, der nach einer ordentlichen Kündigung auch noch außerordentlich gekündigt worden war, wurde vom Gericht in Gießen abgewiesen. Die ERF-Redakteurin hatte sich nach dem Erhalt der ordentlichen Kündigung auf Facebook abfällig über ihren Arbeitgeber geäußert. Darin hatte das Gericht in seinem Urteil von Anfang Mai eine „grobe Beleidigung“ gesehen und sah die außerordentliche Kündigung in dem Fall durch den Arbeitgeber als gerechtfertigt an. Mit der Annahme des Vergleiches ist die dritte arbeitsrechtliche Auseinandersetzung beigelegt.

Von: Norbert Schäfer

]]>
Tue, 22 May 2018 20:00:00 +0200
<![CDATA[Der Bischof war der wahre Held der royalen Hochzeit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/22/der-bischof-war-der-wahre-held-der-royalen-hochzeit/ Ein Kommentar von Martina Blatt]]> Wow, es war eine flammende Predigt, die Bischof Michael Curry am Samstag in Windsor bei der königlichen Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle gehalten hat – nicht nur wegen des Predigttextes! Ganz klar sprach er über die bedingungslose Liebe Gottes zu uns Menschen und die Erlösung durch Jesus. Dieses geballte Evangelium fehlt in gar so manchen sonntäglichen Gottesdiensten. Weil Curry nicht weichgespült, sondern voller Leidenschaft und mit Mut zur starken Botschaft des Herrn sprach, ist er am vergangenen Wochenende nicht nur zum Helden für viele Christen geworden – sondern auch für zahlreiche Säkulare. Das machte sich in den sozialen Netzwerken und in den Medien bemerkbar.

„Wir müssen die Macht der Liebe entdecken, die heilende Kraft der Liebe. Und wenn wir das entdecken, dann werden wir aus dieser alten Welt eine neue machen können. Liebe ist der einzige Weg“, zitierte der afroamerikanische Geistliche in seiner Predigt den vor 50 Jahren ermordeten schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King. Curry predigte über Worte aus dem Hohelied Salomos: „Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine gewaltige Flamme. Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen noch die Ströme sie ertränken.“

Die Macht der Liebe sei nicht zu unterschätzen und man solle die Liebe auch nicht „übersentimentalisieren“. Denn dabei gehe es nicht nur um ein junges verliebtes Paar. Mit der Kraft der Liebe, so sie die Menschen einsetzten, könne man „die Welt verändern“ – in den Familien, der Nachbarschaft, in Städten, Regierungen und Nationen, im Geschäftsleben und in der Wirtschaft. Denn: „Wenn Liebe der Weg ist, behandeln wir uns, als seien wir tatsächlich Familien.“

Evangelium weltweit gepredigt

Der Geistliche, den das Brautpaar für den geistlichen Input ausgewählt hatte, sagte: „Die Quelle der Liebe ist Gott selbst.“ Deswegen sei sie so stark. Und weiter: „Diejenigen, die nicht lieben, kennen Gott nicht, weil Gott die Liebe ist.“ Sie heile, stärke und befreie einen, wenn es keinen anderen Weg gebe. Die Liebe zeige uns, wie wir leben sollen. So einfach die Botschaft ist, die Curry rüberbrachte, so sehr fordert sie einen persönlich heraus.

„Jesus gab sein Leben nicht für sich selbst hin, […] sondern für uns“, machte der Vorsitzende Bischof der amerikanischen Episkopalkirche deutlich – und überraschte sicherlich viele Zuschauer damit. Natürlich erwartet man von einem Geistlichen, dass er das Evangelium predigt. Doch immer wieder hört man von Pfarrern, die nicht mehr an Jesus glauben und dessen ganze Botschaft an die Gottesdienstbesucher weitergeben. Umso wertvoller war Currys Dienst, der dafür gesorgt hat, dass weltweit die Menschen vor den Fernsehern, die sich auf ein romantisches Event eingestellt hatten, von Gottes Botschaft hörten. In Deutschland zeigten das ZDF und RTL die Trauung, zu einer Zeit, in der sonst „Der Landarzt“ und „Der Blaulicht Report“ auf dem Programm stehen.

Kraft der Liebe neu entdecken

Curry hat es geschafft, glaubhaft und gewinnend von Gottes Liebe zu sprechen. Er gibt ein wunderschönes Beispiel des lebendigen Glaubens an Jesus – ohne damit verblendet zu wirken für die schlimmen Dinge, die auf der Welt geschehen. Es braucht mehr solcher Christen, die – nicht nur bei der königlichen Hochzeit – im Alltag lebendig und voller Freude von ihrem Glauben berichten – und ihn leben.

Vielleicht wird Curry für den ein oder anderen Pfarrer und einzelnen Christen auch eine Ermutigung oder Inspiration sein, mit neuer Leidenschaft und Liebe auf die Kanzel oder Bühne seiner Gemeinde zu treten und die Gottesdienstbesucher herauszufordern oder schlicht im Alltag davon zu sprechen. Curry schloss mit den Worten: „Dr. King hatte recht, wir müssen Liebe entdecken. Die erlösende Kraft der Liebe. Und wenn wir das tun, werden wir aus dieser alten Welt eine neue Welt machen.“ Dafür können wir Christen beten, dass die Worte Currys viele Zuschauer in ihrem Herzen bewegen und sie beginnen, nach dieser Macht der Liebe zu suchen – am besten in ihrer Kirche in der Nachbarschaft – und Nächstenliebe in ihrem Umfeld ganz praktisch zu leben. Wozu eine royale Hochzeit doch alles gut ist.

Von: Martina Blatt

]]>
Tue, 22 May 2018 16:28:00 +0200
<![CDATA[Fast 40 Millionen Bibeln weltweit verbreitet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/05/22/fast-40-millionen-bibeln-weltweit-verbreitet/ Wie die Deutsche Bibelgesellschaft am Dienstag mitteilte, hat ihr Weltverband im Jahr 2017 38,6 Millionen gedruckte und digitale Bibeln verbreitet. Das sind 4,3 Millionen Bibeln mehr als im Jahr davor. Eine Rolle gespielt hat dabei wohl auch das Reformationsjubiläum. In Deutschland erschien dazu die Lutherbibel 2017 und eine kostenlose Bibel-App, die inzwischen rund 250.000 Mal heruntergeladen worden sei. Auch in Brasilien und Südafrika veröffentlichten die Bibelgesellschaften Sonderausgaben zum Jubiläum. Inklusive Neuen Testamenten, Evangelien und Auswahlschriften verteilten die Bibelgesellschaften 354,9 Millionen biblische Schriften. Hier waren es im Vorjahr mehr: 401,4 Millionen.

Brasilien, China, Indien

Laut Bibelgesellschaft kamen die meisten gedruckten Bibeln in Brasilien in Umlauf. Dort waren es 2017 allein rund fünf Millionen. Darauf folgen China mit knapp vier Millionen Bibeln und Indien mit zwei Millionen. Rund 70 Prozent aller Bibeln weltweit kommen nach Schätzungen des Weltverbandes von den Bibelgesellschaften. Jede fünfte Bibel ist inzwischen ein digitaler Download.

„Dass die Bibelgesellschaften wieder mehr Bibeln als im Vorjahr verbreiten konnten, ist großartig“, teilte der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Christoph Rösel, mit. Gerade für viele Menschen in ärmeren Ländern erfülle sich mit der eigenen Bibel ein großer Wunsch. „Die Bibel ist ein zuverlässiger Lebensbegleiter und gibt vielen Menschen besonders in schweren Zeiten Hoffnung und Trost“, so Rösel.

Der Weltverband der Bibelgesellschaften ist der internationale Zusammenschluss von 148 nationalen Bibelgesellschaften, zu denen auch die Deutsche Bibelgesellschaft gehört. Die Bibelgesellschaften sind in rund 200 Ländern aktiv.

Von: Anna Lutz

]]>
Tue, 22 May 2018 14:11:00 +0200
<![CDATA[Wer Berichterstattung einschränkt, schadet der Demokratie]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/22/wer-berichterstattung-einschraenkt-schadet-der-demokratie/ Ein Kommentar von Raffael Reithofer]]> Der neue Stiftungsratsvorsitzende des ORF, Norbert Steger, hat mit einem fragwürdigen Medienverständnis aufhorchen lassen. Angesichts der ihm nicht genehmen Berichterstattung des österreichischen öffentlich-rechtlichen Senders, vergleichbar der deutschen ARD, zur Parlamentswahl in Ungarn hatte er im April in einem Interview angekündigt: „Auch von den Auslandskorrespondenten werden wir ein Drittel streichen, wenn diese sich nicht korrekt verhalten“. Stegers Aussage ist aus medienethischer Sicht höchst problematisch. Untergräbt es doch die redaktionelle Unabhängigkeit eines Mediums, wenn ein im Aufsichtsrat sitzender Politiker ankündigt, Journalisten entlassen zu wollen.

Der 74-Jährige war einst Chef der rechtspopulistischen FPÖ. Kennern der österreichischen Politik ist er noch als Vorgänger Jörg Haiders in Erinnerung, der der Partei ein liberaleres Gesicht ähnlich der deutschen FDP geben wollte, bis er 1986 von letzterem gestürzt wurde. Das ist lange her. Und während Haider schon seit bald zehn Jahren tot ist, scheint von Stegers liberaler Gesinnung nicht mehr viel übrig zu sein, zumindest was sein Medienverständnis anbelangt.

Populisten haben Öffentlich-Rechtliche auf dem Kieker

Es ist nichts Neues, dass sich Populisten auf Medien einschießen. Man denke nur an die „Lügenpresse!“-Rufe der Pegida oder an Donald Trump, der den Sender CNN als „Fake News“ beschimpft, gleichzeitig aber selbst ebensolche verbreitet. Auch die FPÖ hat den ORF stets heftig kritisiert, manchmal zu Recht, vielfach zu Unrecht. Völlig daneben war es jedenfalls, als der FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache dem ORF und seinem Moderator Armin Wolf in einem als „Satire ☺“ gekennzeichneten Facebook-Posting Lügen vorgeworfen hat. Eine Aktion, die sogar zu einem Protestbrief deutscher Journalisten wie Claus Kleber und Anne Will an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) geführt hat.

Auch, dass Ex-Bundespräsidentschaftskandidat und Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) gegen die Rundfunkgebühren gewettert hat, nachdem er in einem Fernsehbericht zu einem Verkehrsgipfel in München nicht vorkam, zeugt von einem fragwürdigen Medienverständnis Hofers. Einmal mehr bewahrheitet sich da: „Die Politiker interessiert nicht, wie es dem ORF geht, sondern nur, wie es ihnen im ORF geht.“ Das hatte der langjährige ORF-Chef Gerd Bacher einmal gesagt, ein parteiunabhängiger Konservativer, der sich in Österreich wie kaum ein anderer für die Unabhängigkeit des Rundfunks einsetzte.

Linksdrall und mangelnde Fehlerkultur

Und doch ist es kein Geheimnis, dass der ORF grundsätzlich eher links geprägt ist. Schon bei der Gründung der Fernsehsparte in den Fünfzigerjahren hatte der konservative Bundeskanzler Julius Raab diese der sozialdemokratischen SPÖ überlassen, da aus diesem „Bilderradio“ ohnehin nichts werde. Auch wenn seither viel Wasser die Donau hinuntergeflossen ist, kann man als Fernsehkonsument immer noch den Eindruck haben, dass in der grundsätzlich sehr gut gemachten Berichterstattung des ORF manche Berichte – insbesondere solche zu gesellschaftspolitischen Themen – einen gewissen Linksdrall aufweisen. Allgemein zeigen Studien, dass Journalisten in Österreich ähnlich wie in Deutschland politisch am ehesten zu den Grünen tendieren. Und wie es der Autor dieser Zeilen aus eigener Erfahrung nachvollziehen kann, sind Objektivität und die Trennung von Fakten und Meinung im Journalismus zwar ein hehres Ideal, praktisch aber selbst für den bemühtesten Redakteur nie zur Gänze umsetzbar. Da kann es schon einmal passieren, dass die eigene politische Meinung in einem Bericht mehr oder weniger unterschwellig mitschwingt.

Manchmal passieren in der Berichterstattung sogar handfeste Fehler, im Falle des ORF zuletzt etwa bei einem Bericht im Vorfeld der Landtagswahl in Tirol im vergangenen Februar: In einem Fernsehbeitrag sah es so aus, als ob FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger einem alten Nazi im Straßenwahlkampf nicht widersprochen hätte. Dabei hat er genau das getan hat, wie sich später zeigte. Dazu kommt, dass der ORF diesen Fehler daraufhin nur halbherzig eingestanden hat. Fehler einzugestehen, scheint dem ORF grundsätzlich schwerzufallen, sei es laut Informationen des Journalisten Christoph Schattleitner doch üblich, dass „RedakteurInnen in hohen Positionen Fehler verschweigen, weil das Zugeben beim Publikum als Zeichen der Schwäche gedeutet werden könnte“.

Journalismus soll Politik kontrollieren – nicht umgekehrt

So weit, so gut, all das darf und soll man kritisieren. Und dennoch hat die Berichterstattung der Medien frei von der Kontrolle durch die Regierung zu bleiben. Alles andere wäre der Beginn einer Zensur. Denn das öffentlich-rechtliche Konstrukt macht einen im Dienste der Allgemeinheit stehenden Rundfunk gerade deshalb möglich, weil es ihn auf Distanz zur Regierung hält. „Message-Control“ – also eine einheitliche Kommunikationsstrategie der Bundesregierung – ist in letzter Zeit in Österreich ein beliebtes Schlagwort geworden.

Doch eine effektive Kontrolle der politischen Arbeit ist nur dann möglich, wenn Journalisten unabhängig vom Agenda-Setting der staatlichen Pressearbeit berichten können – und an den offiziellen Institutionen notfalls vorbei recherchieren dürfen, wenn das im Dienste der Demokratie nötig ist. Dafür braucht es einen starken Journalismus, der weder von den politischen Interessen der Regierung noch von den wirtschaftlichen Interessen privater Verlage ans Gängelband genommen wird, also einen starken öffentlich-rechtlichen Journalismus. Machen wir ihn kaputt, schaden wir unserer Demokratie.

Von: Raffael Reithofer

]]>
Tue, 22 May 2018 12:26:00 +0200
<![CDATA[Der Löwe aus Mitternacht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/05/22/der-loewe-aus-mitternacht/ Auf diesem Landstück stürmten im Jahr 1632 rund 40.000 Männer aufeinander zu, richteten Hellebarden, meterlange Stichwaffen, und Dolche aufeinander. Diese prallten auf Metallrüstungen oder Helme, Piken wurden in Menschenleiber gerammt, Lederwesten versuchten das Schlimmste abzuhalten. Ständig knallten und rauchten Musketen, in regelmäßigen Abständen ging ein Mann wie vom Blitz getroffen auf die Knie, man hörte Kanonendonner und kurz danach rissen handballgroße Eisenkugeln Löcher in die Reihen aus Soldaten. „Gott mit uns!“, riefen die Protestanten, auf der Seite der Katholiken lautete der Schlachtruf „Jesu Maria!“

Nach sechs Stunden lagen 6.500 Tote auf den Feldern von Lützen, sie wurden überrannt von Pferden und Menschen. Wenig später, im Morgengrauen, machten sich die Bauern der Gegend über die Gefallenen her und plünderten sie, wie es üblich war, bis auf die Unterkleidung aus. Unter ihnen war auch Gustav Adolf, nur 37 Jahre alt, der König von Schweden. Wir schreiben den 16. November 1632. In einem der verlustreichsten Gefechte des Dreißigjährigen Krieges war Gustav Adolf wie immer an vorderster Front auf seinem Pferd mitten in die Schlacht geritten. Obwohl stark kurzsichtig, weigerte er sich, im Kampf eine Brille zu tragen, sodass er dem tödlichen Hieb nicht ausweichen konnte. Seine Leiche fand man erst am nächsten Tag, fast nackt, und kaum zu unterscheiden von den anderen Toten.

In dieser Schlacht trafen die zwei gewaltigen Heere aufeinander, die beide für eine christliche Sache zu kämpfen meinten. Im Dreißigjährigen Krieg ging es vornehmlich um Reformation und Gegenreformation, also um die Frage, inwieweit der neue Glaube Luthers und Calvins in Deutschland frei gelebt werden darf. Doch spielten auch viele politische Ränke- und Machtspiele eine große Rolle. Der wichtigste Heerführer der Katholischen Liga, Graf Albrecht von Wallenstein, hatte in wenigen Jahren die Protestantische Union vom Süden vor sich her bis an die Ostsee getrieben. Der Krieg schien fast schon entschieden. Doch die Protestanten hofften auf ein Wunder von Gott, um die Reformation noch zu retten. Das vermeintliche Wunder kam in Gestalt des Schwedenkönigs.

Ein Stückchen Schweden in Sachsen-Anhalt

Gustav Adolf, der „Löwe aus Mitternacht“, wie ihn Protes­tanten in Europa bewundernd und hoffnungsvoll nannten, war tief gläubig und fest entschlossen, Deutschland vom Katholizismus und der „Abgötterei des Papsttums“ zu befreien. Gleichzeitig bemerkte er aber, dass Wallenstein so erfolgreich die deutschen Protestanten bekämpfte, dass dieser vom Kaiser zum Herzog von Mecklenburg ernannt wurde. Wallenstein hatte große Pläne, er wollte etwa eine Flotte bauen, um die Ostsee und den Handel zu kontrollieren. Auch das passte dem schwedischen König nicht.

So sammelte Gustav Adolf eine moderne, leistungsstarke Armee von 13.000 Mann und setzte mit ihr zur deutschen Insel Usedom über, um den Krieg zu wenden. Als er am 6. Juli 1630 von seinem Schiff an Land sprang, fiel er hin. In einer Zeit, als Begebenheiten wie diese mit großer Bedeutung aufgeladen wurden, galt das als schlechtes Omen. Der schwedische König machte flugs aus dem Hinfallen eine Geste des knienden Gebets. Mit seiner Armee, die bald auf über 40.000 Soldaten und Söldner anwuchs, gelang ihm das Wunder tatsächlich, und er drängte Wallenstein und die Katholische Liga zurück. Der Held aus dem Norden hielt, was die Hoffnungen der Protestanten versprachen.

Als Gustav Adolf in der Schlacht von Lützen starb, war der Krieg noch lange nicht beendet. Weitere 16 Jahre sollten der religiöse Hass, das systematische Töten auf den Schlachtfeldern und das Plündern der Städte noch dauern. An der Stelle, wo Gustav Adolf starb, stellte man kurz danach einen großen Felsbrocken zum Gedenken an jenen König auf, der aus der Sicht der Protestanten mutig und selbstlos einen Krieg für die Reformation kämpfte. Sein Körper wurde einbalsamiert und erst ein Jahr später in Schweden beigesetzt. Auf dem Acker von Lützen im heutigen Sachsen-Anhalt, kaum zehn Kilometer von Leipzig entfernt, wurde 200 Jahre nach der denkwürdigen Schlacht über dem Gedenkstein ein Baldachin errichtet, entworfen vom bekanntesten preußischen Architekten, Karl Friedrich Schinkel. Im Jahre 1906 begann der Bau einer Gedächtniskapelle.

Da besonders in Schweden das Andenken an Gustav Adolf wachgehalten wird, kommen bis heute besonders viele Schweden zum Acker von Lützen – das Gästebuch zeugt davon. Sogar eine große finnische Flagge hängt im Innenraum der kleinen Kirche, die stolze Finnen – damals noch zu Schweden gehörend – stifteten. Zwei ochsenblutrote Holzhäuser wurden später bei der Gedenkstätte errichtet, sodass, wer heute nach Lützen kommt, ein kleines Stückchen Schweden vor sich hat. In einer der Hütten ist ein kleines Museum eingerichtet, ein Audio-Guide ruft die Erinnerung wach an den protestantischen König, die Schlacht der vielen Tausend Soldaten und einen Krieg, in dem Christen gegen Christen kämpften, vermeintlich um „den rechten Glauben“.

Steckbrief

Wer gegen wen?

Im Dreißigjährigen Krieg standen sich Protestanten und Katholiken gegenüber und führten einen der blutigsten Religionskriege der Geschichte.

Wann?

Mai 1618 bis Oktober 1648

Auslöser:

Der Krieg begann mit dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618, bei dem protestantische Aufständische die Statthalter des katholischen Kaisers in Prag aus dem Fens­ter der Burg warfen. Die böhmischen Stände protestierten damit dagegen, dass der Kaiser nicht willens war, die freie Religionsausübung den Protestanten voll zuzugestehen.

Einschätzung:

Herfried Münkler, Politikwissenschaftler: „Luther, der ja ein distanziertes Verhältnis zu politisch Aufständischen hatte, hätte sich vermutlich nicht mit den rebellierenden böhmischen Adeligen anfreunden können, sondern darauf bestanden, dass des Christen Widerstand die Hinnahme von Leid und Strafe zu sein hat. Luther hat zum Frieden gepredigt. Am Ende waren beide Konfessionen Verlierer.“

Weitere Infos: Ein ausführliches Interview mit Herfried Münkler zum Thema lesen Sie hier.

Dieser Text erschien in der gedruckten Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro, Ausgabe 2/2018.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Tue, 22 May 2018 08:48:00 +0200
<![CDATA[Tausende Jugendliche feiern an Pfingsten Jesus in Zelten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/05/21/tausende-jugendliche-feiern-an-pfingsten-jesus-in-zelten/ Das Pfingstjugendtreffen in Aidlingen riecht nach frischem Gras. Es schmeckt nach Apfelzuckerwatte und Kartoffelsalat mit Würstchen. Etwas nass und matschig hat es sich am vergangenen Wochenende angefühlt, weil das Wetter durchwachsen war, bis am Pfingstmontag die Sonne herauskam. Noch mehr fühlte es sich aber wie ein großes Familientreffen und Gemeinschaftserlebnis mit Ferienlageratmosphäre an. Tausende junge Menschen sind auf das Gelände des Diakonissenhauses der württembergischen Kleinstadt gepilgert, haben Zelte aufgeschlagen oder in benachbarten Schulen genächtigt, um gemeinsam Pfingsten zu feiern. Das Motto des Treffens vom 19. bis 21. Mai lautete: „Im Auftrag Seiner Majestät“.

Seit mehr als 70 Jahren veranstaltet das Diakonissenmutterhaus Aidlingen dieses Treffen. In ihrer einheitlichen Tracht mit den weißen Hauben sehen die evangelischen Schwestern oberflächlich betrachtet nicht so aus, als wäre ihr Haus die erste Adresse, wo junge Menschen ihre Wochenenden verbringen würden. Tatsächlich aber haben sie an diesen drei Tagen ein hochattraktives Programm für Jugendliche zusammengestellt.

Unterbringung von 3.500 Jesus-Fans

Das beginnt mit dem abenteuerlichen Übernachtungsangebot. Das Gelände beim Diakonissenmutterhaus wird kurzerhand zur Zeltstadt umfunktioniert. Während die Jungen und Männer – eingeladen sind Teilnehmer von 14 bis 30 Jahren – in den Zelten übernachten, haben Mädchen und Frauen Schlafmöglichkeiten in Schulen und Hallen in der Umgebung. Ungefähr 3.500 Teilnehmer sind so untergebracht. Hinzu kommen noch die Tagesgäste. Es ist ein Schauspiel, wenn die Schwestern auf der Essenswiese selbstgebackene Hefezöpfe oder Kartoffelsalat mit Würstchen an die Tausenden Jugendlichen verteilen und alles ganz entspannt und rücksichtsvoll abläuft.

Birgit und Rebekka kommen beide aus der Gemeinde Zaberfeld bei Heilbronn. Birgit besuchte das Pfingstjugendtreffen vor 26 Jahren das erste Mal. Sie schwärmt davon, wie sich ihr Gemeindechor früher privat auf einem Hof einmietete. Das seien die intensivsten und schönsten Erfahrungen gewesen, weil diese Wochenenden die innere Gemeinschaft der Gruppe ungemein gestärkt hätten. Rebekka hat einen Tagespass: „Wenn man das ganze Wochenende da ist, ist es eine völlig andere Erfahrung.“ Es sei wie ein großes Familientreffen, bei dem man die Gelegenheit hat, auch mit geliebten Menschen zu sprechen, die man das ganze Jahr nicht gesehen habe. Obwohl sie sich Essen für den Tag eingepackt hat, plant sie, der Essenswiese einen Besuch abzustatten und mit den anderen in der Reihe zu stehen: „Das gehört einfach dazu.“ Sie bewundert die Seelenruhe, mit der die Schwestern das Essen ausgeben. Noch beeindruckender sei die Logistik, mit der die Hefezöpfe im Vorfeld gebacken werden.

Ansteckende, rauschhafte Zelt-Atmosphäre

Im Hauptzelt finden rund um die Uhr die spannendsten Veranstaltungen statt: Neben den Gottesdiensten, Anbetungskonzerten und Seminaren, die auch alle live im Internet übertragen werden, gibt es sogar einen Zauberer. Mr. Joy wirkt erst etwas unbeholfen. Glaubt er wirklich, 15-jährige Teenager mit Kartenspieltricks begeistern zu können? Umso länger seine Zaubershow aber geht, umso spektakulärer werden seine Tricks. Der Satz „Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand“ findet hier eine feurige Entsprechung, als er für seine wagemutige Einrad-Nummer ein kleines Mädchen und zwei junge Männer auf die Bühne bittet und dazu drei Fackeln entzündet. Es ist aber vor allem die positiv aufgeregte Atmosphäre selbst, welche die jungen Zuschauer untereinander generieren, die im Zelt ansteckend ist. Abwechselnd stehen Jungen- und Mädchengruppen auf und tauschen Halleluja-Sprechchöre aus. Wird jemand auf der Bühne als einer der ihren erkannt – und das ist natürlich regelmäßig der Fall –, gibt es freudiges Geschrei oder spontanen Beifall.

Deswegen gilt es für das Hauptzelt, frühzeitig zu den Veranstaltungen da zu sein. Es gibt eine eigene Kartographie für besetzte Plätze: Hochoffiziell werden Bänke mit Zetteln beklebt, auf denen Gruppennamen stehen; es gibt Menschen, die sehr früh kommen und Plätze stundenlang für ihre Freunde freihalten; beliebt ist auch die sehr deutsche Tradition des Reservierens durch einen Gegenstand. In Aidlingen werden dafür nicht Handtücher, sondern Wolldecken verwendet. „Irgendwo dazwischen quetschen kann man sich aber immer“, lautet der Tipp eines freundlichen Teilnehmers. Es gibt eine kleine Tribüne außerhalb des Zeltes auf der einen Seite. Auf der gegenüberliegenden Seite wird auf einer größeren Leinwand Public Viewing gemacht. Das Live-Signal wird auch in ein weiteres kleineres Zelt und den Saal des Diakonissenhauses übertragen. Aber das ist irgendwie nicht dasselbe.

Wie Aidlingen dem Regen trotzt

Am Pfingstsonntag regnet es unentwegt. Der Boden ist mittlerweile mehr Matsch als Erde. In der Apostelgeschichte heißt es zwar bekanntlich, dass ein Brausen wie ein heftiger Sturm über die Jünger hernieder ging. In der Praxis bedeutet der Regen aber nasse Sachen und Schuhwerk, das sich in Erdklumpen verwandelt. Die Menschen suchen verstärkt die Zelte und Säle des Pfingstjugendtreffens auf. Schnell sind die Kapazitäten erschöpft. Aber als der Referent Lukas Herbst im Saal des Mutterhauses darüber zu reden beginnt, wie die Teilnehmer ihre persönliche Berufung von Gott entdecken und leben können, geben sie nicht einfach auf.

Sie machen es sich vor den Türen bequem, schaffen Sitzgelegenheiten herbei oder setzen sich auf den Boden. Über den Lautsprecher hören sie Herbst von seiner zweijährigen Tochter erzählen und schmunzeln darüber, dass bei ihr die Worte „Rucksack“ und „Kuchen“ noch ziemlich ähnlich klingen. „Ich finde meine Tochter perfekt“, sagt Herbst. „Gott findet dich perfekt. Aber du sollst noch einen Weg gehen und mit ihm eine Entwicklung durchmachen.“ Was den Menschen vom Tier unterscheide, sei, dass er über sein Zukunft nachdenken und planen könne.

Erfahrene Teilnehmerinnen wie Schwester Christa Weik wissen für Aidlingen das Regenwetter richtig einzuschätzen. Es sei kein Vergleich zur Schlammschlacht 1983, erzählt sie. Durch das Wetter seien die Zelte und Seminare damals rappelvoll gewesen. Den vielen Rückmeldungen der Besucher konnten die Diakonissen entnehmen, wie reich Jesus die Teilnehmer auch in diesem Regenwetter segnete. „Es gibt kein schlechtes Wetter für das Pfingstjugendtreffen“, stellt Weik lächelnd fest. Sonntagabend, nach der letzten Veranstaltung des Tages, haben sie auf der Essenswiese ein großes Leuchtkreuz angemacht. Sie steht als Seelsorgerin mit einer LED-Laterne dabei. Tagsüber ist sie bei den sogenannten T-Punkten zu finden, die auf dem gesamten Gelände verteilt sind. Das T steht für „Time to Talk“ (Zeit zum Reden). Wenn sie jetzt ihre Laterne hinstellt, wissen die Menschen, dass sie gerade Seelsorge betreibt.

Gott ist das Geheimrezept

Weik erzählt auch, dass einige der Erwachsenen, die auf dem Pfingstjugendtreffen heute mit ihren Kindern unterwegs sind, sich hier in Aidlingen kennengelernt haben. Es gibt also eine große Tradition sowie ein allgemeines Zusammengehörigkeitsgefühl – auch unter den zahlreichen Besuchern, die zum ersten Mal dabei sind. Dass es dazu vegetarisches Essen, eine Handyladestation, wieder auffüllbare Plastikflaschen für die Getränke und ein engagiertes Social-Media-Team gibt, das das Pfingstjugendtreffen zeitgemäß ins Internet bringt, sind nur Bausteine des gesamten Projekts. So sieht es jedenfalls Schwester Caroline Hornberger, welche die Presseabteilung des Diakonissenmutterhauses leitet.

Am Sonntag seien es trotz des Regenwetters rund 6.700 Teilnehmer beim Pfingstjugendtreffen gewesen. Hornberger fand es tapfer, wie die Jugendlichen unter ihren Regenschirmen ausgehalten haben: „Wir sind immer wieder beeindruckt, wie interessiert sie den Predigten und Seminaren zuhören.“ Es gebe auch ein reges Interesse, die Predigten nach den Veranstaltungen nochmal als Audiodatei von der Webseite herunterzuladen.

Auf ein Geheimrezept für die generell gute Resonanz für das Treffen angesprochen, sagt sie, dass die Schwestern und die Freunde des Diakonissenmutterhauses sehr viel beten: „Es gibt keine bestimmte Methode, sondern nur Gottes Wirken.“ Trotz der großen Anzahl der Besucher versuchen die Schwestern, die Veranstaltung persönlich zu gestalten. Da wird auch schon mal mit einer Zahnbürste ausgeholfen, wenn die vergessen wurde. „Manche Jugendliche sagen, das Treffen ist, wie nach Hause zu kommen“, erzählt Hornberger. Besonders wertvoll findet sie bei der Organisation die Einbindung der ehrenamtlichen Mitarbeiter: „So bekommen die Begabungen, die Gott schenkt, ihren Raum.“

Von: Michael Müller

]]>
Mon, 21 May 2018 20:30:00 +0200
<![CDATA[Wie das Evangelium in die „Schwarze Szene“ kommt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/05/19/wie-das-evangelium-in-die-schwarze-szene-kommt/ Frauen in edlen, dunklen Roben mit wallenden Röcken, in Netzstrumpfhosen und knappen Hot Pants, Männer mit Zylinder und elegantem Gehstock, in schwarzem Ledermantel, in Uniformen – oder auch im Lackkorsett: Am Pfingstwochenende reisen Fans der Schwarzen und Alternativen Szene zum 27. Wave-Gotik-Treffen (WGT) nach Leipzig. Viel läuft hier nach dem Motto: „Sehen und gesehen werden“. Die Organisatoren erwarten noch bis Montag rund 20.000 Besucher.

Das Festival lockt mit „allen Arten von dunkler Musik“, erklären die Veranstalter – das geht von Gothic, Electronic Body Music, Apocalyptic Folk bis hin zu Postpunk und Synthpop. An 50 Orten, über die ganze Stadt verteilt, treten 200 Bands und Künstler auf. Das viertägige Festival erweckt ein bisschen den Eindruck eines riesigen Familientreffens. Unter den tausenden Besuchern ist auch Milan Klein mit seinem Projekt „Grace and Truth“ (Gnade und Wahrheit). Er will den Menschen vom Evangelium berichten. Der Christ war früher selbst in der Szene unterwegs, hörte viel Metal- und Gothic-Musik. „Die Musik war alles für mich, sie war meine Identität.“

Klein war auf der Suche nach Annahme und Liebe – und suchte dies in der Musik und den Texten, in denen es auch immer wieder um den Tod geht. Er setzte sich mit der Frage auseinander, was passieren würde, wenn er stirbt. Um seinen innerlichen Schmerz zu betäuben, verletzte er sich selbst.

„Als Christ habe ich Einfluss auf die Gesellschaft, wenn ich meine Geschichte erzähle.“ Milan Klein

Irgendwann landete er in einem Gottesdienst und fand in der Gemeinde eine Frau mit Kindern, die sich „wie eine Mutti“ um ihn kümmerte. Sie respektierte ihn, so wie er war. Irgendwann sagte sie zu ihm, was wäre, wenn Gott ihn fragt, alles Schwarze, die Musik und die Kleidung, wegzuschmeißen, weil er das bei Gott nicht brauche. Klein, der Sohn eines Pastors ist, war davon berührt, machte einen Schnitt und warf CDs und Klamotten weg. Er richtete sein Leben neu an Jesus aus, nahm an Missionseinsätzen teil und machte eine Jüngerschaftsschule. Bei den Einsätzen wurde er mit seiner Schüchternheit und Introvertiertheit konfrontiert und herausgefordert.

Er merkte aber auch: „Als Christ habe ich Einfluss auf die Gesellschaft, wenn ich meine Geschichte erzähle.“ Er könne Menschen berühren, indem er berichtet, wie liebend er Gott erlebt habe. Er erfuhr, dass bei Metal-Festivals Bibeln verteilt werden und organisierte sich spezielle „Metal Bibeln“ für Einsätze vor Berliner Clubs.

2016 war Klein mit der christlichen Organisation „European Initiative“ auf dem WGT in Leipzig unterwegs. Gründer Jeff Serio und sein Team sprechen mit den Festivalbesuchern über ihre Weltsicht und ihren Glauben, reden auch über Jesus. Serio erklärte am Freitag beim WGT gegenüber pro: „Es gibt eine extreme Offenheit von den Besuchern da, ins Gespräch zu kommen.“ Vergangenes Jahr hätten sich bei dem Einsatz vier Personen zum Glauben an Jesus bekehrt.

Dieses Engagement begeisterte Klein und er beschloss, 2017 mit einem eigenen Stand auf dem Festival in Leipzig präsent zu sein. Auch dieses Jahr ist er mit seinem kleinen Team wieder in Leipzig in der Agra-Halle, in der viele wichtige Händler aus der Gothic-Szene ihre Stände haben. Die Gebühren finanziert er durch Geldgeschenke. An dem Stand verteilt das Team eigens für das Festival gedruckte „Gothic Bibeln“. In dem Buch mit schwarzem Cover finden sich das Neue Testament und eine kurze Erklärung des Evangeliums. „Grace and Truth“ kommt mit den Besuchern ins Gespräch über den Glauben und betet auf Wunsch mit ihnen. Auch verschenken sie Bücher von Angelo Nero, einem Autor, der Satanist war und sich zum Glauben an Jesus bekehrt hat. Nero hat auch einen Stand auf dem WGT.

Klein erklärte pro am Freitag in Leipzig: „Uns ist es nicht wichtig, wie viele Bücher wir weggeben. Uns geht es darum, mit den Menschen in Kontakt zu kommen.“ Schmissen die Standbesucher die Bücher im Anschluss weg, hätten sie zumindest Kontakt mit dem Evangelium und Christen gehabt, sagt der Gründer von „Grace and Truth“.

Er wünscht sich mehr Festivals wie das WGT, denn es sei normalerweise schwer, an einem Sonntagmorgen 20.000 Menschen zu versammeln. Klein wisse aber auch, dass es viele Christen gebe, die dafür beteten, dass dieses Festival kaputt gehe. Er wolle aber trotzdem die Möglichkeit nutzen, auf Festivals wie diesem mit den Besuchern in Kontakt zu kommen.

Hunger nach Spirituellem

Dieses Jahr macht er mit seiner kleinen Organisation eine Festivaltour und ist noch auf weiteren Events in Deutschland und Österreich unterwegs. Er wünscht sich zukünftig Projekte für ganz Europa und Interessierte, die sich in sein Team einbringen. Kleins Ziel mit dem Stand sei es, dass Menschen zum christlichen Glauben kommen, aber auch Christen die Angst vor dieser Szene zu nehmen und sie zum Evangelisieren – auch auf solchen Festivals – zu bewegen.

„Jesus hat uns berufen, seine Botschaft zu verkünden, egal in welchem Umfeld wir uns befinden“, erklärt Klein. „In der Szene spürst du den Hunger nach Spirituellem.“ Hinter dem Namen „Grace and Truth“ stehe, „Menschen unabhängig von ihrer Einstellung und ihrem Aussehen in Gnade zu begegnen“. Das habe bereits Jesus getan, der sich mit Zöllnern und Prostituierten traf, und damit Aufsehen in der jüdischen Gesellschaft erregte. „Truth“ stehe für Folgendes: „Wir glauben an die ganze Wahrheit der Bibel. Nur diese Wahrheit bringt Menschen zu Gott.“ Klein bezieht Position: „So gnädig wie wir sind, so klar wollen wir sein.“ Er ist noch bis Montagabend 22 Uhr in der Agra-Halle auf dem Festivalgelände vor Ort.

Gemeinsamkeiten zwischen Gothics und Christen

Zudem organisieren dieses Jahr wieder Christen aufwendig gestaltete Gottesdienste im Rahmen des Wave-Gotik-Festivals zu Pfingstsonntag. Das Projekt unter dem Namen „Gothic Christ“ öffnet die Peterskirche um 15.30 Uhr die Türen. „Entflammt“ heißt das diesjährige Motto. Die Organisatoren sagen: „Der Name ,Gothic Christ‘ – gotischer Christus – soll verdeutlichen, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt zwischen dem, was Jesus Christus gesagt hat, und dem Lebensgefühl von Gothics.“ Beide Gruppen, Christen und Gothics, glaubten nicht daran, „dass es gut ist, den Tod so weit wie möglich aus dem alltäglichen Bewusstsein zu verdrängen“. Und weiter: „Beide sehnen sich nach der Liebe und Annahme, die bleibt, auch wenn Menschen uns verlassen“, betonen sie die Gemeinsamkeiten und laden zu den Gottesdiensten 16 Uhr und 18 Uhr ein.

Lesen Sie mehr über den Einsatz von „Grace and Truth“ und anderen Organisationen auf dem Wave-Gotik-Festival in der nächsten Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro (3/2018), die im Juni erscheint. Bestellen Sie es schon jetzt kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Von: Martina Blatt

]]>
Sat, 19 May 2018 16:43:00 +0200
<![CDATA[Zuwendung auf Rechnung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/05/19/zuwendung-auf-rechnung/ Seit zwei Jahren arbeitet Ute Scheuren in ihrem Traumjob: Sie ist Lebenshelferin. Zuvor war sie als Heilerziehungspflegerin tätig, fest angestellt mit eng getakteten Arbeitszeiten. „Durch private Einschnitte habe ich 2016 eine neue Herausforderung gesucht“, erzählt sie.

Fündig geworden ist sie beim Berliner Unternehmen „SeniorenLebenshilfe“. In Bochum und Umgebung besucht sie seither ältere Menschen und verbringt Zeit mit ihnen. Bei einigen Klienten kümmert sie sich auch um deren Haushalt und macht Einkäufe oder spielt mit ihnen. Für viele ihrer Klienten ist sie die einzige Bezugsperson im Leben, weil diese einsam sind. Sie bezahlen Geld dafür, dass sich jemand um sie kümmert. Scheuren lebt von der Einsamkeit und Hilfsbedürftigkeit der Senioren.

Sie arbeitet sechs Tage in der Woche – einen davon nur vormittags. „Wenn ich samstags mit meiner Kundin frühstücke, ist das für mich auch schön und nicht nur Arbeit.“ Ihre Firma unterstützt Scheuren bei der Verwaltung und lässt ihr im Tagesgeschäft zugleich große Spielräume bei ihrem Tun.

Als Freundin ist sie ihm alles wert

Heute kümmert sie sich im Essener Stadtteil Unterruhr um den 86-jährigen Johannes Neuhaus. „Frau Scheuren war ein absoluter Glücksgriff“, sagt der Senior mit rheinischem Dialekt. Neuhaus ist eine Ausnahme unter Scheurens Klientel, denn eigentlich ist er kein einsamer Mensch. Der frühere Besitzer eines Möbelhauses ist noch gut im Stadtteil vernetzt. Der Witwer hat Kinder und auch im Alter nochmal eine neue Lebensgefährtin gefunden, die nicht weit von ihm entfernt wohnt. Die ist dankbar für Ute Scheuren, sei sie doch für ihren Freund „alles wert“. Neuhaus’ Lebensgefährtin kümmert sich gelegentlich selbst ehrenamtlich um alte Menschen im Heim. Beim Abschied höre sie oft die Worte: „Bleib doch noch ein Stündchen.“ Solche Sätze sprächen Bände.

Neuhaus weiß sich bei Scheuren in guten Händen, „weil sie Dinge erledigt. Oft muss ich sie gar nicht darum bitten.“ Als die Lebenshelferin die Gardinen gewaschen hatte, „brauchte ich keine Lampe mehr. Es war auch so hell genug“, schmunzelt er.

Der Rentner hat eine Krebserkrankung überstanden und vor vier Jahren eine neue Herzklappe bekommen. Nach einer Entzündung musste er erneut operiert werden. 2017 stürzte er dann nachts im Badezimmer. Eine Vollzeit-Betreuung lehnte der Witwer aber ab. Er wollte für einen Platz im Pflegeheim nicht sein Eigenheim verlassen. Menschen aus seinem Umfeld haben ihn auf das Angebot der „SeniorenLebenshilfe“ aufmerksam gemacht.

Warteliste mit zehn Personen

Das Interesse an den Diensten der Lebenshelferin ist groß: Mittlerweile stehen zehn Personen auf ihrer Warteliste, erzählt sie, bevor sie in der Küche verschwindet und für Neuhaus Frikadellen zubereitet. „Ich könnte natürlich alles enger takten und mehr Geld verdienen“, sagt sie. Aber sie möchte sich auch Zeit für den Einzelnen nehmen und nicht von einem Kunden zum nächsten hetzen.

Neuhaus’ Frau ist vor zwölf Jahren verstorben. Wirklich einsam fühlt er sich nicht, aber er braucht Gesellschaft. An guten Tagen besucht er das Möbelgeschäft an der Hauptstraße. „Ich prüfe die Kontoauszüge und schaue, ob die alles richtig machen“, lächelt er verschmitzt.

Gesellschaftliche Veränderungen bewertet er kritisch: „Früher in den Großfamilien war immer jemand für einen da“, sagt er. Heute lebe jede Familie für sich. Die eigenen Kinder hätten oft keine Zeit mehr für ihre Eltern. „Mein Sohn bringt mir Sachen vom Einkaufen mit, anstatt mich mitzunehmen. Er sagt immer, dass ich so lange brauche.“ Neuhaus findet, dass die Alten durch das gesellschaftliche Raster fallen. „Der Mensch ist nicht dafür geschaffen, einsam zu sein. Er leidet kolossal darunter.“ Häufig habe er erlebt, dass Menschen nur auf ihre Karriere bedacht seien: „Im Alter sind dann Freunde und soziale Kontakte, die sie hätten haben können, gar nicht vorhanden.“ Den heimatlichen Gottesdienst besucht Neuhaus nicht mehr, weil er akustisch kaum etwas versteht. Deswegen schaut er sich den ZDF-Fernsehgottesdienst an.

Auch für den zweiten Kunden des Tages ist Ute Scheuren eine wertvolle Begleiterin. Mit seinen 95 Jahren ist Ludwig Werner der zweitälteste Kunde. Er kocht noch selbst und lebt nach dem Tod seiner Frau 2006 alleine in einem Mietshaus im Bochumer Stadtteil Wattenscheid. Trotzdem ist auch er kein klassisch Einsamer. Seine Nachbarn kennt er fast alle, was „heutzutage ja nicht mehr selbstverständlich ist“, sagt er.

Auf die „SeniorenLebenshilfe“ wurde sein Sohn durch eine Zeitungsanzeige aufmerksam. Scheuren beginnt ihren Dienst mit einem kleinen gemeinsamen Ritual. Sie trinken zusammen Tee und essen Kekse. Werner ist noch mobil: Er begleitet seine Kinder in den Urlaub, besitzt ein Handy und trifft beim Einkaufen im Supermarkt immer Menschen, die er kennt. Lediglich die Augen bereiten ihm Probleme.

Werner erzählt von seinem Leben, über den Krieg, seine Zeit als Soldat und über die täglichen Nachrichten aus aller Welt. Er redet auch übers Sterben. Scheuren hört ihm zu.

Ministerin für die Einsamkeit

„Herr Werner und Herr Neuhaus sind Ausnahmen“, erzählt Scheuren. Viele ihrer anderen Klienten sitzen nur zu Hause, haben keine Bezugsperson außer ihr. Diese Kunden bezahlen vor allem dafür, dass Scheuren ihnen Gesellschaft leistet. „Da überlege ich schon, wie es einmal bei mir wird“, sagt sie. Deswegen versucht die kinderlose Frau, eigene Freundschaften und soziale Netzwerke zu pflegen und zu erhalten.

Mittlerweile wird die Einsamkeit auch zum politischen Thema. Großbritanniens Regierungschefin Theresa May hat ihre Ministerin Tracey Crouch damit betraut, sich für die Belange der Einsamen einzusetzen. May begründete diesen Schritt mit der „traurigen Realität des modernen Lebens“. Viele Menschen hätten niemanden, „mit dem sie reden oder ihre Gedanken und Erfahrungen teilen können“. Auch die deutsche Politik möchte das Thema enttabuisieren. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach betont den medizinischen Aspekt. „Einsamkeit in der Lebensphase über 60 erhöht die Sterblichkeit so sehr wie starkes Rauchen“, sagte der Gesundheitsexperte kürzlich in einem Interview der Bild-Zeitung. Zudem erkrankten diese Menschen viel häufiger an Demenz, meint Lauterbach.

Aktuelle Zahlen des Marktforschungsinstituts Splendid Research belegen, dass sich 11,7 Prozent der deutschen Bevölkerung ständig oder häufig einsam fühlen, bei weiteren 32 Prozent ist dies zumindest manchmal der Fall. Maike Luhmann, Pschyologie-Professorin an der Universität Bochum, hat erhoben, dass sich jeder fünfte Deutsche über 85 einsam fühlt. Bei den 45- bis 65-Jährigen ist es jeder Siebte. Ausgenommen ist keine Altersgruppe.

Menschliches Leid tut weh

Ute Scheuren spricht mit ihren Kunden über die Politik, über Gott und die Welt. Vieles, was sie hört, ist hart, und das menschliche Leid tut ihr weh. Viele erzählen ihr, dass sie keine Energie mehr für das Leben haben. „Jeder Tag läuft bei ihnen gleich ab. Oft wissen sie gar nicht genau, welcher Tag heute ist“, erzählt sie von Kunden, die – anders als Werner und Neuhaus – ständig alleine sind.

In solchen Situationen ist die Lebensbegleiterin als Zuhörerin und Ratgeberin gefragt. Dabei trifft sie zufriedene Menschen, aber noch mehr Verzweiflung. Gegenüber den Kunden rechnet Ute Scheuren ihre Leistung stundenweise ab. Wenn es bei ihnen finanziell eng wird, bezahlt das Sozialamt. Für viele ihrer Kunden ist ihr Dienst unbezahlbar – und das gleich im doppelten Sinn.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 2/2018 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Von: Johannes Weil/Sandro Serafin

]]>
Sat, 19 May 2018 09:00:00 +0200
<![CDATA[Pfingsten: Frischer Wind]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/18/pfingsten-frischer-wind/ Menschengewühl auf dem Flughafen. Lange Rolltreppen, verwinkelte Gänge und hunderte Abfertigungsschalter. Dazwischen Ansagen über Lautsprecher: deutsch, englisch, spanisch. Menschen vieler Völker drängen mit Koffern und Kindern. Hier geht es hoch her und das in allen Sprachen.

Der Volksmund hat dafür einen Begriff: „Babylonische Sprachverwirrung“. Nicht nur, dass alle laut durcheinander reden. Es redet auch jeder und jede in anderer Sprache. Verwirrung total. So beschreibt es die Bibel. Mit einem Turm, dessen Spitze in den Himmel ragen sollte, wollten die Leute Gott übertrumpfen. Eine vermessene Idee. Gott muss sich am Ende weit von oben herab beugen, um das große Werk überhaupt zu sehen. In seinen Augen eher winzig. Und das Ergebnis für die Menschen: Babylonische Sprachverwirrung. Die so hoch steigen wollten sind tief zerstritten. Manchmal passiert das auch in unserem Alltag, obwohl wir eigentlich die gleiche Sprache sprechen. Missverständnis und Streit, einer redet am anderen vorbei.

Die Bibel schildert uns das erste Pfingstfest vor fast 2.000 Jahren. Damals feierten tausende Pilger aus dem ganzen Orient in Jerusalem eigentlich „Schavuot“, das traditionsreiche jüdische „Wochen-Fest“. Petrus sprach zu der Menge. Vielen gingen die Augen auf und sie glaubten. Die erste christliche Gemeinde war entstanden. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Die Bibel schildert, dass es nicht schöne Worte waren, sondern die Kraft Gottes, die Menschen zu Christen machte.

Unterschiede trennen nicht mehr

„Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte 2).

Das hatte die Welt noch nicht erlebt! Leute aus aller Herren Länder verstehen den Fischer Petrus und hören Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache. Gott selber überwindet die babylonische Sprachverwirrung. Frischer Wind weht über unsere Sprachgrenzen und Denkbarrieren. Ein neuer Geist verbindet Menschen, die sich vorher nicht kannten und nicht verstanden. Eine weltumspannende Gemeinde der Christen entsteht. Herkunft und Hautfarbe, Sprache und Sparbuch, Beruf und Behinderung spielen keine Rolle. Die Unterschiede werden nicht aufgehoben, aber sie trennen nicht mehr. So sitzt im Gottesdienst der Unternehmer neben dem Arbeiter, die Büroleiterin neben der Frau vom Reinigungsdienst. Alle Schranken sind überwunden.

Freilich: So ganz ohne Probleme geht es immer noch nicht. Es gibt auch Stress unter Christen, Streit und Neid. Kirchen betonen Trennendes und finden nicht zusammen. Und doch: Jesus Christus will allen Menschen helfen. Er will, dass wir zueinander finden: in den Familien und Häusern, in den Büros und Altenheimen, in den Dörfern und Städten. Lassen wir den frischen Wind von Pfingsten in unsere Beziehungen. Öffnen wir die Fenster und unser Leben für einen neuen Geist und neue Gedanken. Bitten wir um Kraft, damit unsere Konflikte gelöst werden. Gehen wir mit Gottes Hilfe auf die Anderen, die Fremden und selbst auf Feinde zu. Feiern wir gemeinsam Pfingsten. Es wird interessante Entdeckungen und Begegnungen geben.

Frohe Feiertage!

Von: Egmond Prill

]]>
Fri, 18 May 2018 15:12:00 +0200
<![CDATA[GNTM-Finalistin Toni Loba betet mit Konkurrentinnen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/05/18/gntm-finalistin-toni-loba-betet-mit-konkurrentinnen/ Im Halbfinale der diesjährigen „Germany's Next Topmodel“-Staffel konnte Toni Loba die Jury um Heidi Klum von sich überzeugen. Zusammen mit drei weiteren Mädchen zieht die 18-jährige Stuttgarterin ins Finale der Castingshow ein. Vor einem Fotoshooting in der Sendung am Donnerstag versammelte sie ihre Konkurrentinnen zu einem gemeinsamen Gebet. Darin bat sie Gott um Gesundheit, Freude und Selbstbewusstsein im Wettkampf.

„Es ist sehr wichtig für mich mit den Mädchen zu beten, weil ich dadurch das, was mir Kraft gibt, auch ihnen mitgeben kann, auch wenn sie nicht so glauben, wie ich glaube“, sagt die Christin. Im Gespräch mit pro erzählte Loba, dass der Glaube in der Show schon oft Gesprächsthema mit den anderen Kandidatinnen gewesen ist. In ihrem Alltag verbringt sie viel Zeit in ihrer afrikanisch-deutsch-internationalen Kirche. Aber auch auf dem Laufsteg spüre sie Gottes Nähe: „Wenn er weiß, dass ich gerade einen unvergesslichen Moment erlebe, stärkt er mir den Rücken, sodass alles gut abläuft.“ Wenn sie für den Sieg bete, bitte sie allerdings vor allem darum, dass Gottes Wille geschehe.

Das Staffelfinale findet am 24. Mai in Düsseldorf statt und wird von ProSieben übertragen.

Von: Deborah Müller

]]>
Fri, 18 May 2018 14:44:00 +0200
<![CDATA[SZ trennt sich von Zeichner Hanitzsch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/05/18/sz-trennt-sich-von-zeichner-hanitzsch/ Die Süddeutsche Zeitung (SZ) hat sich nach der Antisemitismus-Kritik an einer Karikatur von Dieter Hanitzsch von ihrem langjährigen Zeichner getrennt. „Grund hierfür sind unüberbrückbare Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind“, teilte die SZ-Chefredaktion am Donnerstag mit. „Dies hat sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Herrn Hanitzsch gezeigt.“ Auch pro hatte die Karikatur kritisiert.

Die SZ werde ihre redaktionsinternen Abläufe bei der Veröffentlichung von Karikaturen überprüfen und gegebenenfalls verändern. Zuerst hat die Neuen Zürcher Zeitung darüber berichtet. Hanitzsch wollte sich am Donnerstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur nicht äußern.

Die SZ hatte in der Dienstagsausgabe eine Karikatur gedruckt, die Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Gestalt der israelischen Eurovision-Song-Contest-Siegerin Netta mit einer Sprechblase „Nächstes Jahr in Jerusalem!“ und einer Rakete in der Hand zeigt. Auf der Rakete ist ein Davidstern abgebildet, im Schriftzug „Eurovision Song Contest“ ersetzt ein Davidstern das „v“. Der Davidstern steht als Symbol für das Volk Israel und das Judentum. Die Darstellung war vielfach als antisemitisch kritisiert worden. SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach hatte sich daraufhin am Dienstag in einer öffentlichen Stellungnahme für die Zeichnung entschuldigt.

Von: dpa/Deborah Müller

]]>
Fri, 18 May 2018 10:11:00 +0200
<![CDATA[„Süddeutsche Zeitung“ fördert antisemitische Vorstellungen zutage]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/17/sueddeutsche-zeitung-foerdert-antisemitische-vorstellungen-zutage/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Abstehende Ohren, eine lange, krumme Nase, dicke Lippen – so stellte der Karikaturist Dieter Hanitzsch den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu dar. In der Hand hält dieser Netanjahu eine Rakete mit Davidsstern. Ansonsten sieht er aus wie die Sängerin Netta Barzilai, die am Wochenende den Eurovision Song Contest gewonnen und für die nächste Runde nach Israel geholt hat. Entsprechend wiederholt der Regierungschef in der Karikatur ihre spontane Reaktion auf den Sieg: „Nächstes Jahr in Jerusalem“; im Hintergrund ist der Schriftzug der Veranstaltung zu sehen, der Buchstabe „v“ durch einen Davidsstern ersetzt.

Veröffentlicht hat diese Zeichnung am Dienstag die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) – die sich offenbar nicht scheut, eindeutig antisemitische, judenfeindliche Stereotype zu verbreiten. Beim Presserat sind mehrere Beschwerden deswegen eingegangen, in den Sozialen Medien gab es Proteste. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sprach gegenüber der Bild-Zeitung von einer „geschmacklosen Zeichnung“. Auch in der SZ-Redaktion wurde die Karikatur nach Angaben des Chefredakteurs Wolfgang Krach kontrovers diskutiert. Auf der Webseite der Zeitung ist sie nicht mehr zu sehen; Krach hat sich mittlerweile dafür entschuldigt.

Nicht so der Zeichner selbst. Gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“ sagte er, die Kritik treffe ihn nicht, er wolle die Politik Netanjahus auch als Deutscher kritisieren dürfen. Das darf er. Aber er tut es nicht. Er verbindet das klischeehafte Aussehen der Juden, ihre Spiritualität („Nächstes Jahr in Jerusalem“) und die angeblich kriegslüsterne Politik Israels. Mit anderen Worten: Juden können gar nicht anders, als kriegslüstern zu sein, es liegt in ihrem Blut, in ihrer Kultur, sie waren es also schon immer, und heute tun sie es eben mit ihrer Politik.

Öffentliche Debatte offenbar wirkungslos

Dass den verantwortlichen Redakteuren der SZ das alles nicht aufgefallen ist, ist kaum vorstellbar. Immerhin hat der Chefredakteur einen Fehler eingestanden. Aber ein solcher Fehler darf einem so einflussreichen, meinungsbildenden Blatt mit dem Anspruch, Qualitätsjournalismus zu liefern, nicht passieren. Es zeigt jedoch, dass antisemitische Bilder und Vorstellungen weit in der Gesellschaft, unter Intellektuellen, in der bürgerlichen Mitte – getarnt als „Israel-Kritik“ – verbreitet sind. Dafür braucht es keine Skandal-Rapper und Skandal-Preisverleihungen wie die des „Echo“ vor wenigen Wochen. Umso frappierender ist es, dass die massive öffentliche Debatte über selbige anscheinend nicht dazu geführt hat, sensibler und empfindlicher zu werden für offen antisemitische Äußerungen.

Gerade der Zeitpunkt, an dem die Karikatur erschien, sollte zu denken geben. Die Israelis feiern das 70-jährige Jubiläum ihres Staates, die Palästinenser gedenken desselben Ereignisses als der „Nakba“, der „Katastrophe“. Die USA haben ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt, an der Grenze zum Gazastreifen gibt es die gewalttätigsten Auseinandersetzungen seit Langem, zwischen Iran und Israel gibt es offene Feindseligkeiten. In dieser komplexen und eskalierenden Situation brauchen gerade Journalisten die Fähigkeit, genau hinzuschauen, sachlich und analytisch zu beobachten – und zu kritisieren. In diesem Kontext antisemitische Bilder zu verbreiten ist das genaue Gegenteil davon. Es trägt nur dazu bei, Israel- und Judenfeindschaft zu rechtfertigen und salonfähig zu machen.

Hinweis: Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat die „Süddeutsche Zeitung“ bereits am Mittwoch die Zusammenarbeit mit Dieter Hanitzsch beendet. Das berichtet die „taz“. „Grund hierfür sind unüberbrückbare Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind“, sagte SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach.

Von: Jonathan Steinert

]]>
Thu, 17 May 2018 16:58:00 +0200
<![CDATA[Ehemaliger Verfassungsrichter: „Das Kreuz ist nun einmal Glaubenssymbol“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/17/ehemaliger-verfassungsrichter-das-kreuz-ist-nun-einmal-glaubenssymbol/ Grimm, der von 1987 bis 1999 als Verfassungsrichter tätig war, war am Karlsruher Kruzifix-Beschluss von 1995 beteiligt. Der 81-Jährige ist überzeugt: die neue bayerische Kreuz-Pflicht, die vom 1. Juni an gelten soll, ist verfassungswidrig.

Das folge aus dem Kruzifix-Urteil von 1995. „So verstehe ich das Grundgesetz“, sagt Grimm gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Artikel 4 garantiert jedermann Religionsfreiheit. Gemeint ist damit nicht die Freiheit einer bestimmten Religion, sondern Freiheit für alle Religionen. Daraus folgt, dass der Staat in Glaubensfragen nicht Partei ergreifen darf.“ Er müsse sich stattdessen neutral verhalten. „Gegen diese Neutralitätspflicht verstößt er, wenn er Kreuze in Amtsräumen anordnet.“ Weiter sagt Grimm: „Religionsfreiheit bedeutet, dass es jedem freisteht, wie er sich zur Religion einstellt.“ Es bedeute aber auch, dass man Religion ablehnen dürfe.

„Das Kreuz steht für den Opfertod Christi“

Die Argumentation der bayerischen Regierung, bei dem Kreuz handele es sich nicht um ein religiöses Symbol, sondern um ein kulturelles, will Grimm nicht gelten lassen. „Das Kreuz ist nun einmal für den Christen und die christlichen Kirchen das zentrale Glaubenssymbol. Es steht für den Opfertod Christi und die dadurch vollbrachte Erlösung der Menschheit aus dem Sündenfall, die Öffnung des Himmels für die Gläubigen nach dem irdischen Tod.“ Damit sei das Kreuz „etwas anderes als die Gemälde mit religiöser Thematik“.

Anders als etwa die Einteilung unserer Zeit nach Sonn- und Feiertagen oder kirchliche Musik in einem säkularen Kontext in Konzertsälen, sei im Kreuz der christliche Glaube zusammengefasst, „und das lässt sich nicht wegdenken, wenn der Staat es jedem , der seine Amtsräume betritt, vor Augen hält“, schreibt Grimm.

Bereits in den Neunzigerjahren seien sogar Kirchenvertreter bereit, die eigentliche Bedeutung des Kreuzes verharmlosen, um es in den Schulen zu retten. Inzwischen scheinen die Kirchen besser verstanden zu haben, was auf dem Spiel steht“, erklärt Grimm.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Thu, 17 May 2018 15:40:00 +0200
<![CDATA[Klöckner: „Mein Glaube hilft mir“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/17/kloeckner-mein-glaube-hilft-mir/ Die Katholikin Julia Klöckner berichtet in der aktuellen Ausgabe der Zeit von ihrer Kindheit: „Mir wurde der Glaube in die Wiege gelegt“, schreibt sie, und weiter: „Glauben kann man nicht lernen. Aber der Glaube hilft mir, meine Begrenztheit zu akzeptieren.“ Mit Bezug auf das Aufhängen von Kreuzen in Amtszimmern erklärt sie: „Wir sollten nicht den christlichen Glauben wiederentdecken aus Angst vor einer angeblichen Islamisierung.“ Sie müsse sich nicht an christlichen Symbolen festhalten, weil andere etwas anderes glaubten. „Glauben muss aus einem selbst heraus kommen und nicht in der Funktion der Abgrenzung“, erklärt Klöckner. Ihre Aussage kann als Kritik am jüngsten Kreuzvorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) gewertet werden.

Zu viel Tagespolitik, zu wenig Seelsorge

Klar sei für sie, dass die Religion in einer Demokratie niemals über dem Gesetz stehen könne. Sie wundere sich über die Zurückhaltung linker Kirchenkritiker gegenüber dem fundamentalistischen Islam. „Die Katholische Kirche wurde als konservative Institution immer von progressiven Feministinnen kritisiert, sicher nicht zu Unrecht. Aber für patriarchale Strukturen im fundamentalistischen Islam haben sie volles Verständnis. Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, schreibt Klöckner.

Dabei übt sie selbst Kritik an ihrer Kirche: Bei manchen Kirchenvertretern verwundere sie, dass sie sich mehr mit Tagespolitik beschäftigen als mit der klassischen Seelsorge und der Frage, warum die Kirchen so leer seien. Außerdem habe sie als Kirchensteuerzahlerin einige Fragen: „Wann dürfen gemischtkonfessionelle Paare nun endlich gemeinsam zum Tisch des Herrn, oder wiederverheiratet Geschiedene? Wann werden Frauen zu Diakoninnen geweiht?“

Grübel für mehr Ökumene

Für ihre aktuelle Ausgabe hat die Zeit-Redaktion Prominente zum Thema Zweifeln befragt. Neben Klöckner äußern sich etwa der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, der Ordensmann Anselm Grün oder der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU). Khorchide berichtet davon, wie er bedroht wurde, weil er den Islam liberal deutet. Früher hätten ihm andere Muslime erzählt, wer nicht wie sie an Gott glaube, sei verdammungswürdig. Er habe gegen das Gottesbild seiner Jugend rebelliert und einen Gott der Liebe gefunden: „Gott begegnete mir als Barmherziger. Das war die Erlösung.“

Anselm Grün erklärt, der Zweifel gehöre für ihn elementar zum Glauben dazu. Er zwinge ihn dazu, sich seines Glauben zu vergewissern. „Er zeigt mir: Der Glaube muss errungen werden.“ Grübel, ebenfalls Katholik, schreibt, er habe sich seinen Kindheitsglauben an einen gütigen Gott bewahrt. Kein Verständnis habe er für die sieben deutschen Bischöfe, die sich jüngst gegen das gemeinsame Abendmahl gemischtkonfessioneller Ehepaare gestellt hätten. Im Februar hatte die Deutsche Bischofskonferenz entschieden, dass Protestanten und Katholiken in Einzelfällen gemeinsam die Kommunion empfangen dürfen. Zum Islam schreibt er: „Ein Muslim, der unsere Werte teilt, ist mir lieber als ein Mensch, der Gott leugnet und sich selber absolut setzt.“

Von: Anna Lutz

]]>
Thu, 17 May 2018 15:35:00 +0200
<![CDATA[Parlamentarier setzen Zeichen gegen Hassrede]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/17/parlamentarier-setzen-zeichen-gegen-hassrede/ Der Bundestag hat in seiner Sitzung am Donnerstag den Einspruch der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel gegen einen Ordnungsruf abgelehnt und sich hinter seinen Präsidenten gestellt. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte die AfD-Abgeordnete am Vortag während einer Debatte zur Ordnung gerufen.

Weidel hatte in der Generalaussprache zum Bundeshaushalt die Einwanderungs- und Asylpolitik der Bundesregierung kritisiert und gesagt: „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern." Die Bemerkung hatte im Parlament zu tumultartigen Szenen geführt.

Bundestagspräsident Schäuble erteilte einen Ordnungsruf mit der Begründung, Weidel diskriminiere damit alle Frauen, die ein Kopftuch tragen. Gegen die Zurechtweisung hatte Weidel Einspruch eingelegt. In namentlicher Abstimmung wurde der Antrag der AfD-Politikerin am Donnerstag jedoch mit 549 Stimmen bei 85 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.

Kauder hatte Weidel die Leviten gelesen

Bereits in der Sitzung am Mittwoch hatte Weidel massive Kritik für ihre Aussage einstecken müssen. Der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU), hatte der AfD-Politikerin das christliche Menschenbild abgesprochen. „Zur christlichen Tradition gehört die Erkenntnis, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und deshalb eine unverwechselbare Würde hat", erklärte Kauder am Mittwoch in seiner Rede an die Adresse von Weidel.

Die Geschäftsordnung des Parlaments sieht vor, dass der Bundestagspräsident Abgeordnete mit Nennung des Namens zur Ordnung rufen kann, wenn sie die Ordnung oder die Würde des Bundestages verletzen. Dagegen kann das betroffene Mitglied des Bundestages bis zum nächsten Plenarsitzungstag schriftlich begründet Einspruch einlegen, der dann auf die Tagesordnung der Sitzung gesetzt werden muss. Der Bundestag entscheidet dann nach seiner Geschäftsordnung ohne Aussprache über den Einspruch.

Von: Norbert Schäfer

]]>
Thu, 17 May 2018 14:54:00 +0200
<![CDATA[Löwen auf der Rossmann-Arche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2018/05/17/loewen-auf-der-rossmann-arche/ Die Drogeriemarktkette Rossmann verkauft eine Holz-Arche für Kinder mit einem Löwenpärchen, bei dem der Gestalt nach beide Tiere männlich sind. Bei der Rossmann-Variante des biblischen Transportgefährts haben beide Löwen eine Mähne. Die haben in der Natur in der Regel nur ausgewachsene, männliche Löwen. Den weiblichen Raubtieren fehlt das wallende Haarkleid. Das Holzspielzeug, das der biblischen Arche-Noah mit den paarweise auftretenden Tieren nachempfunden ist, weckt nun auch das Interesse Erwachsener. Fündig wurde zunächst der Twitter-Nutzer @aixposition und erntete für seine Beobachtung Tausende Likes.

Mittlerweile kursieren auf Twitter viele humorvolle, aber auch nachdenklich stimmende Beiträge zu dem Spielzeug, die unter anderem Bezug nehmen zu Gendergerechtigkeit oder Homosexualität.

Die „taz" hat die Rossmann-Arche zum Anlass genommen für ein Gespräch mit Pfarrer Björn Borrmann aus Berlin und wollte wissen, ob er die Twitter-Debatte für „nötig oder nervig" hält. „Über diese Arche konnte ich sehr lachen – aber ich sehe hier den Aufreger nicht so recht", anwortet der Pfarrer. Jedoch hält er es nicht für nötig, „regelmäßig eine Debatte vom Zaun zu brechen, die allen Bibellesenden unterschwellig Fundamentalismus unterstellt".

Von: Norbert Schäfer

]]>
Thu, 17 May 2018 14:12:00 +0200
<![CDATA[Sterbebegleitung: Buch, das nicht traurig macht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/05/17/sterbebegleitung-buch-das-nicht-traurig-macht/ Die Preisträgerin des Evangelischen Buchpreises 2018 heißt Susann Pásztor. Der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, überreichte ihr am Mittwoch die Auszeichnung. Die Jury begründete die Vergabe damit, dass Pásztor einen Roman über Sterbebegleitung geschrieben hat, „der nicht traurig macht, sondern mit viel Humor Lust aufs Leben weckt“.

Sabine Horn, stellvertretende Vorsitzende des Hospiz- und Palliativverbandes Baden-Württemberg, erklärte in ihrer Laudatio, die Preisträgerin habe „ein Fenster geöffnet, um den Lesern und Leserinnen, um der Gesellschaft einen Einblick in das Sterben von Menschen, in die verschiedensten und ganz individuellen Auseinandersetzungen mit dem Leben und Sterben zu geben“. Auch habe Pásztor ein „Fenster geöffnet in die Hospizbewegung hinein“.

„Anders auf Leben und Tod schauen“

Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, sagte, er schaue nach der Lektüre des Buches „anders auf Leben und Tod“. Er dankte besonders jenen, die sich in den evangelischen Büchereien engagieren und „der Freude am Lesen ein begeistertes Gesicht geben“. Diese seien „Orte der Begegnung“ und prägten eine „lebendige Kultur des Austauschs“.

Die Autorin ist selbst in der Hospizbewegung ehrenamtlich aktiv

In dem Roman trifft der frisch ausgebildete Hospizbegleiter Fred auf die schwerkranke Karla, die ganz andere Vorstellungen von ihren letzten Lebenswochen hat als er. Pásztor, die selbst eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin abgeschlossen hat und seit mehreren Jahren ehrenamtlich tätig ist, gibt dabei einen intensiven Einblick in die Hospizarbeit und die unterschiedlichen Wege, mit dem bevorstehenden Tod umzugehen.

Die Autorin ist 1957 in Soltau geboren. Sie studierte Kunst und Pädagogik und lebt heute als freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr Debütroman „Ein fabelhafter Lügner“ erschien 2010, wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 vom Dachverband evangelischer öffentlicher Büchereien, dem Evangelischen Literaturportal, verliehen.Ausgezeichnet werden Bücher, die anregen, über sich selbst, das Miteinander und das Leben mit Gott neu nachzudenken. Neben dem Sieger wurden zwölf weitere Romane, Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher empfohlen. Zur Jury gehören vier Mitarbeitende evangelischer Bibliotheken, zwei Jugendliche, zwei Theologen und die Geschäftsführung des Evangelischen Literaturportals an. Der Evangelische Buchpreis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Von: Johannes Weil

]]>
Thu, 17 May 2018 11:41:00 +0200
<![CDATA[Kauder spricht Weidel christliches Menschenbild ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/16/kauder-spricht-weidel-christliches-menschenbild-ab/ Mit diffamierenden Äußerung über Zuwanderer hat die AfD-Bundestagsabgeordnete und Fraktionschefin Alice Weidel am Mittwoch den Unmut vieler Parlamentarier auf sich gezogen. Die 39-jährige Oppositionsführerin der AfD hatte in der Generalaussprache zum Bundeshaushalt im deutschen Bundestag die Einwanderungs- und Asylpolitik der Bundesregierung kritisiert und gesagt: „Burkas, Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand, das Wirtschaftswachstum und vor allem den Sozialstaat nicht sichern." Das Land werde von „Idioten regiert", sagte Weidel mit Worten des tschechischen Präsidenten Miloš Zeman in ihrer Rede und erntete dafür Buh-Rufe.

Wegen der Äußerung „Kopftuchmädchen und sonstige Taugenichtse" erhielt die Politikerin einen Ordnungsruf von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Der erkannte darin eine Diskriminierung aller Frauen, die Kopftuch tragen.

Kauder an Weidel: „Schämen Sie sich"

Deutlicher wurde der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU). „Zur christlichen Tradition gehört die Erkenntnis, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist und deshalb eine unverwechselbare Würde hat", erklärte er in seiner Rede an die Adresse von Weidel. Wenn es im Parlament Kolleginnen und Kollegen gebe, „die das christliche Abendland" retten wollten und sich dann über andere Menschen so äußerten wie die AfD-Frau, habe „dies mit christlichem Menschenbild" nichts, „null" zu tun, stellte der Christdemokrat fest.

„Sie brauchen mir nicht mehr kommen mit dem christlichen Menschenbild. Was Sie heute gemacht haben", sagte Kauder an Weidel gerichtet, „ist das glatte Gegenteil davon und dafür sollten Sie sich schämen." Kauder nannte die AfD „großmaulig im Austeilen und schwach im Einstecken".

Von: Norbert Schäfer

]]>
Wed, 16 May 2018 17:27:00 +0200
<![CDATA[Netflix-Serie: Evolutionsskeptiker sind dumm]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/05/16/netflix-serie-evolutionsskeptiker-sind-dumm/ Bill Nye ist einer der bekannten Fernsehmoderatoren auf dem Gebiet Wissenschaft. Er moderierte von 1993 bis 1998 die Wissenschaftssendung „Bill Nye the Science Guy“. Seit April 2017 moderiert er die Sendung „Bill Nye Saves the World“ auf Netflix.

Von der auch in Deutschland abrufbaren Dokumentationsserie startete in der vergangenen Woche die dritte Staffel. Wie schon bei früheren Gelegenheiten macht er darin keinen Hehl daraus, dass er wenig von der Kritik an der Evolutionstheorie hält, die manche Christen vorbringen. In Episode fünf behandelt Nye mit seinen Gästen das Thema „Evolution: Wo kommen wir her?“. Er spricht unter anderem mit einem ehemaligen Dominikaner-Priester namens Francisco Ayala, der seinen Wunsch, Priester zu werden, aufgab und Evolutionsbiologe wurde.

„Ich bin Bill Nye, und ich bin hier, um die Welt zu retten“, mit diesen Worten beginnt Nye jede Folge seiner Netflix-Serie. „Für viele von uns erzählt die Religion die Ursprungsgeschichte“, sagt er in Folge fünf. „Das ist okay. Bei mir war das auch so“, fügt er hinzu und er zeigt ein Foto von sich aus seiner Zeit als Jugendlicher, in der er Messdiener war. Er habe die Religion damals ernstgenommen. „Aber ich hatte immer noch Fragen. Und die Wissenschaft hat mir geholfen, Antworten zu finden.“ So habe ihm etwa die Evolutionstheorie die Frage beantwortet: Wo kommen wir her?

Ungeachtet der Frage, dass die Naturwissenschaft nicht den Grund für unsere Existenz erklärt und sich genau darin vom Glauben unterscheidet, zeigt er sich gegenüber seinen Gästen verwundert: „Warum nur lehnen so viele Menschen die Evolutionstheorie ab?“ Sein Gesprächspartner Ayala gibt als Antwort: „Dummheit“.

„Es gibt Menschen, für die steht die Evolution im Widerspruch zur Religion“

Nye befragt den ehemaligen Priesteranwärter nach dem Spannungsfeld zwischen Glaube und Evolution. Ayala antwortet: „Es gibt Menschen, für die steht die Evolution im Widerspruch zur Religion. Dann gibt es welche, die betrachten beides unabhängig voneinander. Für mich sind es zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt, die sich eher ergänzen als widersprechen.“ Die Katholische Kirche habe kein Problem mit der Evolution. Schon Papst Pius XII. habe im Jahr 1950 bekräftigt, „dass die Evolution mit den Grundsätzen des christlichen Glaubens vereinbar ist“, sagt Ayala.

Nye ist bekannt dafür, ein vehementer Kritiker von Weltanschauungen wie Intelligent Design und Kreationismus zu sein. Einmal debattierte er öffentlichkeitswirksam mit Ken Ham, dem Begründer von „Answers in Genesis“ und des „Schöpfungsmuseums" in Petersburg, Kentucky.

Auch in einer früheren Folge seiner Serie der aktuellen Staffel, in der „Sucht-Folge“ (Folge 3), gibt es Seitenhiebe gegen Christen. Nye spricht mit der Komikerin Maria Bamford, die früher Essstörungen hatte und sogar Selbstmord begehen wollte. In Gruppentherapien fand sie Hilfe. Sie kritisiert das „Zwölf-Schritte-Programm“, ein spirituelles Programm der Anonymen Alkoholiker (AA). Einige christliche Ableger bringen bewusst Gott und den Glauben in die Therapie mit ein. Im Hinblick auf diese Gruppen sagt Bamford in der Sendung: „Ich bin Atheistin. Manche Leute haben ein Problem mit den Zwölf Schritten, weil dort häufig das Wort ‚Gott‘ gebraucht wird. ‚Höhere Macht‘ hört man auch öfter. Ich habe diese Wörter durch ‚Neil deGrasse Tyson‘ ersetzt.“ Dabei handelt es sich um einen anderen bekannten Moderator von Wissenschaftssendungen und Astronomen.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Wed, 16 May 2018 16:02:00 +0200
<![CDATA[Minister will vertriebene Christen zurück in den Irak bringen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/16/minister-will-vertriebene-christen-zurueck-in-den-irak-bringen/ Entwicklungsminister Gerd Müller erklärte am Mittwoch in Berlin, die Bundesregierung stehe besonders an der Seite der Christen und Jesiden sowie anderer verfolgter Minderheiten im Irak. Heute lebten noch 200.000 von einst 1,2 Millionen Christen im Land. „Das Signal muss sein: Christen haben Zukunft im Irak und wir stehen an eurer Seite", sagte Müller.

„Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht für alle Religionen", betonte der Minister. Der überwiegende Anteil der Weltbevölkerung glaube an einen Gott. Die Religionen verbänden Werte wie Frieden oder Toleranz. Er selbst sei Christ. Aus diesem Bekenntnis erwachse Verantwortung, etwa für verfolgte Minderheiten. Von der irakischen Regierung erwarte er die Umsetzung der Religionsfreiheit.

Religionsfreiheit ist „Herzensthema“

Unions-Fraktionschef Volker Kauder, ebenfalls bekennender Christ, erklärte, Religionsfreiheit sei sein „Herzensthema". Noch vor zehn Jahren sei es als randständig betrachtet worden. Heute wisse jeder um dessen „Sprengkraft". Obwohl „wir nur kleine Schritte machen können" und immer wieder neue Herausforderungen anstünden, sei es ermutigend, dass sich immer mehr Menschen dafür interessierten. „An der Dringlichkeit hat sich leider nichts verändert", sagte Kauder.

Stefan Meining vom Bayerischen Rundfunk hat lange in den christlichen Regionen des Iraks recherchiert. Er sagte beim Kongress der Union: „Wenn es keine garantierte Sicherheit geben wird, werden auch die letzten Christen, die es dort noch gibt, mit dem Gedanken spielen, zu uns zu kommen."

Archimandrit Emanuel Youkhana, Gründer des irakisch-christlichen Hilfswerks CAPNI, sagte, seit 2002 sinke die Zahl irakischer Christen. Unter der Herrschaft der Terrororganisation Islamischer Staat sei etwa die komplette Infrastruktur in der kurdischen Stadt Erbil im Norden des Irak zerstört worden. „Die Hauptaufgabe ist es nun, das öffentliche Leben in der Region wieder zu ermöglichen", sagte Youkhana. „Ich appelliere an Berlin", sagte er. Die Lage der Religionsfreiheit müsse ein Kriterium für die wirtschaftliche Zusammenarbeit Deutschlands mit anderen Staaten sein. „Wir leben dort seit 2.000 Jahren", sagte er. „Es ist das Mutterland unseres Christentums." Das dürfe nicht veroren gehen.

Von: Anna Lutz

]]>
Wed, 16 May 2018 15:54:00 +0200
<![CDATA[Heiligs Blechle]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/16/heiligs-blechle/ Jürgen Mette veranlasst, den Umgang mit dem Ehepartner zu hinterfragen. Seine Erkenntnis könnte Ehen retten.]]> Samstagnachmittag an der Tankstelle. Beim Tanken habe ich die Ausfahrt der Waschstraße im Blick. Ein älterer Herr steuert den noch nicht ganz trockenen aber schon strahlenden Golf aus der Anlage und parkt seinen kleinen vierrädrigen Lebenstraum behutsam auf dem Platz, wo die Staubsauger und Luftpumpen stehen. Sie trägt einen roten Pulli zum braunen Rock, er trägt eine Batschkapp, wie wir sie von Heinz Becker kennen, und über dem karierten Hemd eine gemusterte Strickweste.

Das Klischee des am Samstag autowaschenden Rentners ist perfekt inszeniert. Nur dass alles wirklich live ist, das fesselt mein ganzes Interesse. Er holt aus dem Kofferraum eine Plastikflasche, sie fingert aus dem Handtäschchen weiße Wattepads, genau die, die meine Frau immer bei der Kosmetik verwendet. Und dann nimmt das Ritual der Anbetung seinen Lauf. Er gießt das kostbare Pflegemittel vorsichtig auf die Kosmetikwatte, beugt tatsächlich die Knie vor seinem fahrbaren Blechgehäuse und lässt sich auf eine Fußmatte direkt vor den Felgen nieder, um die Insignien seines bescheidenen Wohlstandes liebevoll zu pflegen.

„Hast du etwas Zeit für mich?“

Der ältere Herr hat sichtlich Mühe, die Knie noch krumm zu kriegen, aber er ist mit Andacht und Hingabe bei der Sache. Überall wo die Maschinenbürsten nicht hingekommen sind, wo der Abrieb der Bremsbeläge wie Zahnstein auf dem Gebiss klebt, da fingert er sich mit Inbrunst Millimeter für Millimeter durch die Felgenöffnungen. Frau Gemahlin steht aufmerksam daneben und reicht immer wieder artig das Pflegemittel und hält frische Wattebäusche bereit. Als ich vom Bezahlen zurückkomme, hat er die erste Felge nahezu sauber. Fast zärtlich trocknet er mit einem feinen Wolltuch das Objekt seiner Anbetung ab.

Ich kann nicht anders, als den gebeugten Herrn mit einem schelmischen Augenzwinkern zu fragen, ob er denn seine Gattin auch so liebevoll pflegen würde. Die verdreht die Augen und zwinkert mir mit einem vielsagenden Blick zu, als hätte ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Er, sichtlich verlegen und irritiert, stammelt etwas von Wiederverkaufswert und vom schlechten Zustand der Waschanlage.

Ich habe dann mit irgendeiner Nettigkeit die peinliche Spannung aufgelöst und er konnte am Ende auch wieder lächeln. Ob er die Lektion verstanden hat?

Wenn alle Männer so viel Zeit für ihre Frau investieren würden, wie sie sich für das Auto nehmen, dann wäre schon viel erreicht.

Von: Jürgen Mette

]]>
Wed, 16 May 2018 13:15:00 +0200
<![CDATA[Vergleich mit Hintertürchen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/05/15/vergleich-mit-hintertuerchen/ Das Arbeitsgericht Gießen hat in einem Arbeitsrechtsstreit zwischen ERF Medien (ERF) und einer Mitarbeiterin am Dienstag einen Vergleichsvorschlag unterbreitet. Der ERF hatte der Redakteurin, die seit mehr als 27 Jahren bei dem christlichen Medienwerk in Wetzlar beschäftigt ist, vorgeworfen, am Vorstand vorbei Recherchen gegen einen ehemaligen Mitarbeiter geführt und dadurch den Betriebsfrieden gestört zu haben.

„Ich wollte Schaden vom ERF abwenden", erklärte die Klägerin. Sie erhielt im November 2017 eine Abmahnung, danach eine Freistellung und schließlich im Februar 2018 die Kündigung. Dagegen hatte sie geklagt. Bis zum 29. Mai können die Parteien dem Vergleichsvorschlag zustimmen.

Der Kammertermin vom Dienstag ist Teil einer Reihe von Prozessen, in der insgesamt drei Mitarbeiter von ERF Medien gegen ihre Kündigungen geklagt haben. Anlass für die Verfahren war ein mittlerweile nicht mehr bei ERF Medien beschäftigter, ehemaliger leitender Angestellter. Gegen ihn waren schwere Verdachtsvorwürfe des sexuellen Missbrauchs im Zusammenhang mit einer früheren Tätigkeit aufgetaucht. Denen waren die drei Mitarbeiter von ERF Medien nachgegangen.

Richterin mahnt zu Frieden

Gegen die Abmahnung der 49-jährigen Klägerin äußerte Richterin Claudia Rieger in der Verhandlung formale und rechtliche Bedenken. Die Abmahnung lasse nicht erkennen, welche Pflicht der Arbeitnehmer verletzt habe. Zudem gebe die Abmahnung keinen Hinweis auf arbeitsrechtliche Konsequenzen im Wiederholungsfall. Mehrfach wies die Richterin auf die fehlende Warnfunktion der Abmahnung hin und mahnte beide Parteien zu einer gütlichen Einigung. Der Verursacher des Unfriedens bei ERF Medien (Anmerkung der Red.: der ehemalige Bereichsleiter) sei unterdessen nicht mehr im Betrieb, stellte die Richterin fest. Beim vorangegangenen Gütetermin konnte keine gütliche Einigung erzielt werden.

In einem „christlichen Verein" solle es möglich sein, „Frieden" zu halten, erklärte die Richterin und schlug nach einer Sitzungsunterbrechung einen Vergleich vor. Dem Vorschlag der Richterin auf Weiterbeschäftigung in Verbindung mit einer schriftlichen Erklärung stimmte die Klägerin zu.

Dazu war ERF-Anwalt Hirschmüller zunächst nicht bereit. Nach einer Beratungspause mit seinem Mandanten bat der Rechtsanwalt von ERF Medien um zwei Wochen Bedenkzeit. Der Vorschlag des Gerichts sieht nun vor, dass die Kündigung zurückgezogen wird, ebenso die Abmahnung. Zudem soll die Klägerin schriftlich bekunden, dass sie ihren Vorstand nicht in Misskredit bringen wollte und sich in Zukunft bei einem Anfangsverdacht sofort an den Vorstand wenden wird. Beide Parteien haben nun bis zum 29. Mai Zeit, dem Vergleichsangebot des Gerichts zuzustimmen.

Der Hintergrund

Bei der Verhandlungs-Serie war es immer wieder darum gegangen, zu welchem Zeitpunkt der Vorstand von den Vorwürfen gegen den ehemaligen Mitarbeiter erfahren hatte. Richterin Rieger zitierte in der Verhandlung am Dienstag eine Stellungnahme vom Januar 2017, in der der ehemalige Bereichsleiter die mutmaßlichen Straftaten gegenüber dem Vorstand dementiert hatte. „Spätestens seit diesem Zeitpunkt hatte der Vorstand Kenntnis", stellte die Richterin fest.

Einer der klagenden Mitarbeiter hatte beim Gütetermin vor Gericht die ordentliche Kündigung mit einer Abfindung in Höhe von 45.000 Euro akzeptiert. Die Klage einer Kollegin, der nach einer ordentlichen Kündigung auch noch außerordentlich gekündigt worden war, war vom Gericht in Gießen abgewiesen worden. Die ERF-Redakteurin hatte sich nach dem Erhalt der ordentlichen Kündigung auf Facebook abfällig über ihren Arbeitgeber geäußert. Darin hatte das Gericht in seinem Urteil von Anfang Mai eine „grobe Beleidigung“ gesehen und sah die außerordentliche Kündigung in dem Fall durch den Arbeitgeber als gerechtfertigt an.

(Aktenzeichen beim Arbeitsgericht Gießen: 8Ca62/18)

Von: Norbert Schäfer

]]>
Tue, 15 May 2018 18:37:00 +0200
<![CDATA[Deutscher Schulpreis für zwei christliche Schulen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2018/05/15/deutscher-schulpreis-fuer-zwei-christliche-schulen/ Hauptpreisträger ist das Evangelische Schulzentrum Martinschule in Greifswald. Die Jury lobte: „Unter diesem Dach sind alle Kinder und Jugendlichen willkommen – ganz gleich ob mit oder ohne Handicap, Förderbedarf, Religionszugehörigkeit oder besonderer Begabung.“ In der Schule lernen jeweils maximal zwölf Kinder bis zur siebten Klasse in einer Stammgruppe, egal ob sie hochbegabt, gehandicapt oder Regelschüler sind.

Die Jury des Schulpreises lobte die „professionell reflektierten Alltagsroutinen“ in der Martinschule und ganz besonders den unbedingten Willen, „das ‚Anderssein‘ der Kinder und Jugendlichen radikal zu akzeptieren und wertzuschätzen“. Fast die Hälfte der 550 Schülerinnen und Schüler an der Martinschule hat sonderpädagogischen Förderbedarf – ein Wert, der weit über dem mecklenburgvorpommerischen Landesdurchschnitt von 10,8 Prozent für das Schuljahr 2015/16 liegt.

Während der DDR-Zeit galten geistig behinderte Kinder als „schulbildungsunfähig“, klären die Experten auf. Staatliche Schulen, die auf ihre Bedürfnisse abgestimmt waren, gab es nicht. Deshalb übernahm in Greifswald diese Aufgabe die Johanna-Odebrecht-Stiftung und eröffnete 1976 eine Fördertagesstätte für Kinder mit Beeinträchtigungen in der geistigen Entwicklung. Mit der Wende bekamen diese Kinder und Jugendlichen ein gesetzlich verankertes Recht auf Bildung – und die Odebrecht-Stiftung erhielt 1992 die Genehmigung, eine „Schule zur individuellen Lebensbewältigung“, eine Schule für geistig Behinderte, zu gründen. In der Laudatio lobt die Jury: „Während manche Bildungspolitiker die Inklusion für gescheitert halten, beweist die Martinschule, dass ihr außergewöhnliches Inklusionsmodell funktioniert.“

„Matthias-Claudius-Schule macht christliches Ethos anschaulich“

Unter den weiteren fünf ausgezeichneten Schulen ist die Matthias-Claudius-Schule aus Bochum. Sie überzeugte die Jury durch ihre „auffallend achtsame, wertschätzende und anerkennende Kommunikationskultur“. Dieser mache „ihr zutiefst christliches Ethos anschaulich, und zwar unaufdringlich und glaubwürdig“.

Der Didaktische Leiter der Schule, Stefan Osthoff, sagt zur Motivation: „Jeder Mensch ist ein von Gott geliebtes Geschöpf und gleich wertvoll.“ Dies sei die Haltung, mit der sie Unterricht machten. „Wir erwarten diese Einstellung von allen Lehrern, aber auch von den Schülern und den Eltern.“

Die Matthias-Claudius-Schule ist eine inklusive und christliche Schule in freier Trägerschaft. Im Jahr 1990 wurde sie von Eltern gegründet. Eltern, die es sich leisten können, müssen etwa 150 Euro Schulgeld im Monat bezahlen. Für viele andere ist der Besuch der Matthias-Claudius-Schule aber kostenfrei.

In der Laudatio heißt es: „Die auffallend achtsame, wertschätzende und anerkennende Kommunikationskultur dieser Schule beeindruckt und macht ihr zutiefst christliches Ethos anschaulich, und zwar unaufdringlich und glaubwürdig.“

Von: Jörn Schumacher

]]>
Tue, 15 May 2018 15:46:00 +0200
<![CDATA[„Religion war bei den Grünen immer wieder Konfliktthema“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/15/religion-war-bei-den-gruenen-immer-wieder-konfliktthema/ pro: Herr von Notz, in dieser Legislaturperiode beerben Sie Volker Beck im Amt des Religionsbeauftragten in der Grünen-Fraktion. Es mangelt Ihnen nicht an anderen Ämtern, warum übernehmen Sie ausgerechnet dieses wenig prestigeträchtige Ressort?

Konstantin von Notz: Ich habe seit langem eine hohe Affinität zu diesem Thema. Ich komme aus einem nichtkirchlich geprägten Haus, wurde als kleines Kind nicht getauft. Meine liberalen Eltern haben mich aber dennoch in den Konfirmandenunterricht geschickt und da habe ich mich wohlgefühlt und mich aus eigener Überzeugung taufen und konfirmieren lassen. Ich habe Zivildienst in der Bahnhofsmission in Frankfurt gemacht und interessiere mich seitdem – auch juristisch – für die politische Seite von Religion und deren Einfluss auf Politik.

Warum haben Ihre nichtkirchlichen Eltern Sie zu den Konfirmanden geschickt und was hat Sie dort gehalten?

Meine Eltern waren beide sehr liberal und fanden, man solle Kinder nicht in eine Form pressen, erst recht nicht bei so essentiellen Fragen wie dem Glauben. Ich hatte das große Glück, in Frankfurt-Sachsenhausen eine Gemeinde mit einer sehr guten Jugendarbeit zu finden, und habe dann selbst lange Konfirmandenfreizeiten begleitet. Der Glaube und das Bedürfnis, mit jungen Menschen über Glaubensfragen zu sprechen, hat mich dort gehalten. Auch die Freizeiten, das gemeinsame Liedersingen, haben einen Nerv bei mir getroffen.

Sie sind Vater von zwei Kindern. Geben Sie ihnen Glaubensinhalte weiter?

Meine Frau und ich haben das sehr intensiv diskutiert und uns letztendlich dazu entschieden, unsere Kinder taufen zu lassen. Aber wir wollen sie sehr liberal und offen erziehen. Sie sollen irgendwann selbst entscheiden, ob sie einer Kirche angehören wollen oder nicht. Wir nehmen sie manchmal mit in den Gottesdienst, aber wollen ihnen auch nichts vorschreiben. Eigenbestimmtheit ist in religiösen Fragen eine sehr wichtige Sache, finde ich.

Sie haben sich bereits als Netzpolitiker einen Namen gemacht. Gibt es Schnittstellen zwischen Religions- und Internetpolitik?

Ja. Die Digitalisierung durchwirkt unsere Gesellschaft bis in die letzten Verästelungen und damit natürlich auch die Religion. Ich glaube, dass die beiden großen Kirchen in diesem Prozess der Digitalisierung eine große Rolle spielen müssten. Immerhin haben wir es hier mit fundamentalen gesellschaftlichen Umbrüchen zu tun, die dramatischer sind als die der Industrialisierung.

„Den Kirchen fehlt eine umfassende Digitalisierungsstrategie."

In einem Essay in der Zeit bezeichnet der Autor Hannes Leitlein die Digitalisierung als einen zutiefst protes­tantischen Prozess, weil er „keine Trennung zwischen Sendern und Empfängern, keine Hierarchien, keine Orthodoxie“ zulasse. Der Evangelischen Kirche in Deutschland wirft er zugleich vor: „Anstatt die neuen Möglichkeiten in ihren Dienst zu stellen, herrschen Berührungsängste, Unverständnis und Desinteresse.“ Teilen Sie diese Kritik an der Kirche?

Ich würde es nicht so sehr als Kritik formulieren. Stattdessen möchte ich der Kirche Mut machen, sich endlich sehr viel stärker in diese Prozesse hineinzubegeben. Sie sollte versuchen, zu verstehen, was für Transformationsgewalten da am Werk sind: bei der Art, wie wir arbeiten, produzieren, kommunizieren, zusammenleben, interagieren, Informationen rezipieren. Die Kirchen haben eine so relevante Rolle in unserer Gesellschaft als große Institutionen, dass sie sich dem zwingend stellen müssen. Zumal nicht gesagt ist, dass die Veränderungen durch die Digitalisierung nur positiv sind. Schauen Sie sich die Kämpfe um Demokratien westlichen Typs an, die wir gerade erleben. Die Frage „Was ist Wahrheit?“ ist allgegenwärtig. Der Rechtsstaat ist nicht mehr selbstverständlich. Das haben viele nicht verstanden und diskutieren lieber darüber, ob die Kinder in der Schule ein iPad brauchen. Das ist zweifelsohne auch wichtig, aber das Thema Digitalisierung ist sehr viel mehr.

Anders gesagt: Die Digitalisierung ist schuld daran, dass es heute mehr Politikverdrossenheit in Deutschland gibt?

Nicht nur. Aber wir wissen doch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte, welchen Einfluss Medien auf politische Entwicklungen haben. Nicht umsonst haben wir in der Bundesrepublik einen Regulierungsrahmen für Medien, der seinesgleichen sucht. Das ist geschehen, um die Abgründigkeit dieser Macht­instrumente einzuengen. Für das Internet gibt es einen solchen Regulierungsrahmen noch nicht. Zugleich löst die Digitalisierung bei Teilen der Bevölkerung Veränderungsdruck und Angst aus. Auch dadurch werden Populismus und Extremismus befeuert – nicht nur in Deutschland.

Was ist die Aufgabe der Kirchen in diesem Prozess?

Zu fragen, inwieweit Christinnen und Christen Digitalisierung mitgestalten können, anstatt immer hinter der Entwicklung herzulaufen und sich darauf zu beschränken, W-Lan in Kirchengemeinden zu installieren. Der Kirche fehlt eine umfassende Digitalisierungsstrategie. Es gibt einzelne Landeskirchen, die durchaus einen Blick auf das Thema haben. Ich will da auch nicht schwarzmalen. Aber insgesamt fehlt es der Kirche an einer Gesamtstrategie und einem Gesamtverständnis für das Thema. Aber damit stehen sie wirklich nicht alleine. Auch die Bundesregierung verfolgt bisher eher ein unterkomplexes Verständnis von den Dingen.

Bei den Grünen gab es bis vor kurzem eine eigene Kommission zum Thema „Weltanschauungen, Religionsgemeinschaften und Staat“, der Sie angehörten. Warum ist das Thema Glaube Ihrer Partei so wichtig?

Bei den Grünen gibt es viele, die starke kirchliche Bezüge haben, aber genauso Menschen mit einer säkularen Prägung. Eine Reihe von Grünen haben Kirche als etwas Repressives erlebt und sich im Laufe ihrer politischen Entwicklung von ihr emanzipiert. Aber es gibt auch das Gegenteil bei uns: Menschen, für die Religiosität ein ganz wichtiger Teil ihres Lebens und politischen Wirkens ist. Auf unseren Parteitagen ist seit langem zu beobachten, dass das Thema Religion immer wieder Grund für starke Konflikte war. Es gibt bei uns starke Kritiker des Kooperationsprinzips von Kirche und Staat mit guten Argumenten. Ich selbst aber bin der festen Überzeugung, dass der harte Laizismus wie etwa in Frankreich überhaupt nicht weiterhilft. Religionsgemeinschaften sollen eine Stimme im demokratischen Meinungsbildungsprozess mit zum Ausdruck bringen können. Weil das Thema Religion also bei den Grünen so kontrovers diskutiert wird, haben wir eine Kommission gegründet, die sich speziell dieses Punktes, aber auch vieler anderer Fragen angenommen hat. Dadurch haben die Grünen eine gemeinsame Linie in sehr vielen religiös-politischen Fragen gefunden.

„Satire darf alles“

Und wie sieht die aus?

Wir schätzen das Recht auf Religionsfreiheit – und zwar die positive und negative – sehr hoch und sehen es als Gradmesser für gesellschaftliche Freiheit. Niemand soll sich mit seinen Überzeugungen verstecken müssen, das ist der Grundsatz einer Gesellschaft, wie wir sie uns wünschen.

Sie fordern mit Ihrer Kommission unter anderem die Streichung des Blasphemieverbots ...

Ich halte das Strafrecht nicht für ein effektives Mittel der Korrektur in diesem Bereich. Ich stehe zu dem Grundsatz: Satire darf alles. Und eben nicht nur fast alles. Im Zweifel müssen wir für die Freiheit einstehen, auch wenn das allen viel abverlangt. Schauen Sie sich an, was für Abgründe sich im Falle der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo aufgetan haben ...

... Islamisten hatten 2015 das Verlagsgebäude in Paris überfallen und zwölf Menschen erschossen ...

Wer den Anspruch hat, mit seinem Weltbild, in dem er lebt, Hegemon zu sein, der wird sich schwer tun mit Kritik an selbigem.

Verletzt solche Satire nicht auch Ihre eigenen religiösen Gefühle als Christ?

Das kann schon sein, aber in einer freien Gesellschaft müssen und können wir so etwas aushalten. Aber ich habe durchaus Verständnis dafür, dass andere sich verletzt fühlen, wenn zum Beispiel der Papst lächerlich gemacht wird oder der muslimische Prophet Mohammed. Aber das Strafrecht ist eben immer das schwächste Mittel, um solche Konflikte zu lösen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 1/2018 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Die Fragen stellte Anna Lutz

]]>
Tue, 15 May 2018 11:55:00 +0200
<![CDATA[Israels Staatsgründung am 14. Mai 1948]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/05/14/israels-staatsgruendung-am-14-mai-1948/ Viele Menschen eilen Tag für Tag an dem milchigweißen, fast fensterlosen Flachdachbau am Rothschild-Boulevard 16 in Tel Aviv vorbei. Doch kaum einer schenkt dem unscheinbaren Gebäude, um das ein paar Palmen herumstehen, Beachtung. Und die Millionen Touristen zieht es sowieso in der Regel eher nach Jerusalem, an den See Genezareth, den Jordan oder zum Toten Meer und in die Wüste im Süden – dort, wo Mose, Abraham, König David und Jesus ihre historischen Spuren hinterließen. Dabei wurde hier im Herzen Tel Avivs vor genau siebzig Jahren buchstäblich Geschichte geschrieben: Am 14. Mai 1948 setzten die 24 anwesenden der insgesamt 37 Mitglieder des provisorischen Staatsrates im Erdgeschoss ihre Unterschriften unter die Unabhängigkeitserklärung. Es war der offizielle Start der bewegten Geschichte des Staates Israel.

Alles geschieht in großer Hektik und Eile an diesem Maitag vor 70 Jahren. Es ist bereits 16 Uhr. Und den Staatsgründern bleiben nur wenige Stunden, um erstmals seit Jahrtausenden wieder ein offizielles jüdisches Gemeinwesen zu proklamieren: Um Mitternacht soll unwiderruflich das britische Völkerbund-Mandat für Palästina erlöschen. Es geht darum, neue politische Fakten zu schaffen, wie es die Vereinten Nationen gefordert hatten. Eigentlich soll auch ein Staat für die in Palästina lebenden Araber entstehen – aber alle arabischen Nachbarstaaten haben kategorisch abgelehnt, weil sie den Judenstaat verhindern wollen.

Doch etliche Probleme, mit denen sich die jüdischen Staatsgründer an diesem Tag herumschlagen, sind viel profaner: Nur mit Mühe gelingt es ihnen, dem Versammlungsort einen würdigen Anstrich zu verpassen. An den Wänden des damaligen Museums für Moderne Kunst hängen freizügige Aktgemälde europäischer Meister – die müssen schnell weg. Und kurz bevor die historischen Fotos mit den zwei Davidstern-Flaggen und dem Portrait des Zionismus-Begründers Theodor Herzl im Hintergrund geschossen werden, legen die Sitzungsteilnehmer auf dem Podium schnell noch ihre staubigen Arbeits- und Freizeitklamotten ab und schlüpften in ihre Festgarderobe.

Streit um den Gottesbezug

Kurz vor der Unterschriftszeremonie verliest David Ben-Gurion, live vom Radio übertragen, die 979 Wörter der Unabhängigkeitserklärung. Er muss alles von Notizzetteln ablesen, weil die Urkunde noch nicht fertig ist. Nach 33 Minuten erklärt er lapidar: „Der Staat Israel ist gegründet!“ Ein einfacher, klarer Satz, um den bis zur letzten Minute gerungen wurde. Denn die aus aller Welt angereisten Parteienvertreter, Repräsentanten jüdischer Organisationen, Künstler, Journalisten, Schriftsteller und Rabbiner hatten zuvor gestritten wie die Kesselflicker. Vor allem über den Namen. „Judäa“, „Judenstaat“ oder „Ivri“ hießen die Kandidaten. Ben-Gurion macht kurzen Prozess und sagt: Israel soll der Staat heißen. Ganz am Schluss droht totales Scheitern. Denn die sozialistisch-säkularen Vertreter lehnen den von den Religiösen verlangten Bezug auf den „Gott Israels“ ab.

Mosche Schapira, ein gläubiger Realpolitiker, findet die Lösung: Alle unterschreiben die Staatsgründungsurkunde in der ausdrücklichen „Zuversicht auf den Fels Israels“ (hebräisch: Zur Israel), der in der Tora als Synonym für Gott verwendet wird (1. Mose 49,24). Einig sind sich die Unterzeichner auch darin, dass das jüdische Volk nicht nur „im Lande Israel“ entstanden ist, sondern dass es schon in der orientalischen Antike an diesem Ort „eine nationale und universelle Kultur“ ausprägte und „der Welt das Ewige Buch der Bücher“ schenkte.

„Wir reichen allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft.“

Geradezu innovativ sind auch nach heutigen Maßstäben die politischen Botschaften, die die israelischen Staatsgründer vor sieben Jahrzehnten an alle Menschen in der Region, die Völker und Staaten in der Nachbarschaft und in alle Welt aussandten: Der neue Staat will sich auf „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Visionen der Propheten Israels“ stützen. Und er will „seinen Bürgern ohne Unterschied von Religion, Rasse und Geschlecht, soziale und politische Gleichberechtigung verbürgen“. Inmitten „mörderischer Angriffe“ bietet der jüdische Staat allen Arabern im Land „volle bürgerliche Gleichberechtigung“ und entsprechende politische Vertretung in den Organen des Staates an. Und nicht zuletzt: „Wir reichen allen unseren Nachbarstaaten und ihren Völkern die Hand zum Frieden und guter Nachbarschaft.“ Gemeinsam wolle man den Fortschritt des gesamten Nahen Ostens fördern.

Unmittelbar nach der Zeremonie eilt Ben-Gurion ins militärische Hauptquartier. Die Lage hat sich zugespitzt: Kaum ist das britische Mandat nach Mitternacht abgelaufen, da erklären Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak dem neu gegründeten israelischen Staat den Krieg.

Von: Christoph Irion

]]>
Mon, 14 May 2018 18:51:00 +0200
<![CDATA[Allianzkonferenz fragt nach der Berufung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/05/14/allianzkonferenz-fragt-nach-der-berufung/ „Berufung“ ist das zentrale Thema der diesjährigen Allianzkonferenz in Bad Blankenburg in der ersten Augustwoche. Grundlage sind die Samuel-Bücher und das Buch der Psalmen aus dem Alten Testament, die die Lebensgeschichte von König David beleuchten. „David hat mitten im Alltag eine außergewöhnliche Berufung Gottes für ein außergewöhnliches Amt erfahren und war bereit, dieser Berufung zu folgen. Darin ist er uns ein besonderes Vorbild", erklärte Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. „Wir laden dazu ein, mitten im Alltag Gottes Ruf in unser Leben hinein zu hören.“

Die Allianzbewegung sei eine Bibelbewegung, betonte Steeb. Deshalb stünden bei der jährlichen Konferenz in Ostthüringen Bibeltexte im Fokus. In insgesamt 16 Bibelauslegungen können die Konferenzteilnehmer das Thema „Berufung“ vom 1. bis 5. August vertiefen. Redner sind unter anderem die Theologieprofessoren Matthias Clausen und Roland Werner sowie der Gründungsvorsitzende und langjährige Evangelist von proChrist Ulrich Parzany.

Mit dabei ist auch die Musikgruppe „Andtheskywalker“, die Filmemacherin Janina Hüttenrauch aus Berlin und die deutsch-äthiopische Schauspielerin und Sprecherin Benita Bailey. Auch Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wird wie in früheren Jahren wieder mit dabei sein.

Im Vorfeld der Konferenz finden auf dem Gelände des Evangelischen Allianzhauses ein internationales Jugendcamp, eine Gebetsfreizeit sowie eine Chorfreizeit statt. Die Allianzkonferenz gibt es mit wenigen Ausnahmen seit 1886 jährlich – dieses Jahr die 123. Auflage. Die Gemeinde erhalten Prospekte und Werbematerialien im Evangelische Allianzhaus in Bad Blankenburg. Anmeldungen sind auch auf der dortigen Seite möglich.

Von: Johannes Weil

]]>
Mon, 14 May 2018 16:40:00 +0200
<![CDATA[ZDF-Fernsehgottesdienst: Von Fake News und guten Lügen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/05/14/zdf-fernsehgottesdienst-von-fake-news-und-guten-luegen/ Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung, betonte in seiner Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst die zentrale Bedeutung von Wahrheit in der journalistischen Berichterstattung. „Wir müssen darauf vertrauen können, dass uns keine falschen Tatsachen aufgetischt werden. Keine ‚Fake News‘“, sagte Jung in seiner Predigt. Der Gottesdienst, der aus der Saalkirche in Ingelheim am Rhein übertragen wurde, stand unter dem Titel „Nichts als die Wahrheit“. Der Kirchenpräsident sprach eine Journalistin direkt an, die ebenfalls am Gottesdienst teilnahm: „Sie sind als Journalistin der Wahrheit verpflichtet. Sie recherchieren gründlich und überprüfen Aussagen. Sie decken falsche Behauptungen auf.“

Die Journalistin Julia Krentosch von der Allgemeinen Zeitung in Rheinland-Pfalz war eine von vier Personen, die aus ihrem jeweiligen Beruf heraus über das Thema Wahrheit ein kurzes Statement abgaben. Neben ihr sprachen ein Anwalt, eine Mitarbeiterin eines Hospizdienstes und eine Kindergartenleiterin. „Als Journalistin bin ich der Wahrheit verpflichtet“, sagte Krentosch und fuhr fort: „Wir veröffentlichen nur, was von mindestens zwei unabhängigen Quellen bestätigt wurde.“

Ihr sei allerdings bewusst, dass ihre Gesprächspartner ihr das erzählten, was sie persönlich für die Wahrheit hielten. „Stimmt die? Und ist es überhaupt meine Aufgabe, die Wahrheit zu finden? Ich glaube, ich bin dazu da, dem Leser eine objektive und neutrale Einordnung zu bieten, damit er aufgrund aller vorhandenen Informationen seine Wahrheit finden kann.“

„Wo Menschen zerstört werden sollen, kann es nicht die Wahrheit sein“

Kirchenpräsident Jung sprach über Lügen und darüber, dass sie nicht grundsätzlich schlecht sein müssten. So gebe es Lügen aus Höflichkeit, etwa wenn man auf die Frage, ob der Kuchen schmecke, mit Ja antworte, auch wenn man ihn nicht lecker gefunden habe. Es gebe aber auch Lügen, die einem Rufmord gleichkämen, etwa wenn man im Internet ohne jeden Anhaltspunkt über eine Firma schreibe, sie arbeite nicht seriös. Das erste nennt Jung „weiße“ Lügen, das andere „schwarze“ Lügen.

Ihm selbst falle es manchmal schwer, zwischen wahr und falsch zu entscheiden. Er behelfe sich dann mit der Frage: Wem nützt eine Behauptung, und wem schadet sie? Das halte er gerade bei den politischen Nachrichten für hilfreich. „Und gute Journalistinnen und Journalisten helfen auch dabei, genau diese Frage zu stellen. Und ich bin mir eigentlich ziemlich sicher: Wo Dinge so dargestellt werden, dass sie darauf zielen, Menschen zu zerstören, da kann es nicht die Wahrheit sein.“

Außerdem sei König Salomo für ihn darin ein Vorbild, denn der habe Gott um ein Herz gebeten, „das hinhört“, sagte Jung. Denn das erkenne, dass es „nicht immer nur wahr oder falsch, gut oder böse, schwarz oder weiß gibt“. Es nehme auch Grautöne oder andere Farben wahr.

Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm von der Evangelischen Saalkirchengemeinde sagte in ihrem Gebet: „Wahrheit tut gut. Wahrheit zeigt, dass wir uns ernstnehmen, einander vertrauen. Aber Wahrheit ist nicht selbstverständlich.“ Sie erinnerte daran: „Mutige Menschen, die die Wahrheit ans Licht bringen wollen, werden verfolgt, sitzen im Gefängnis oder müssen sich verstecken. Wir sind entsetzt, wie Menschen versuchen, die Wahrheit mundtot zu machen.“

Von: Jörn Schumacher

]]>
Mon, 14 May 2018 16:33:00 +0200
<![CDATA[Freikirchlicher Bund sagt „Nein" zu Waffenexporten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/05/14/freikirchlicher-bund-sagt-nein-zu-waffenexporten/ Der Bundesrat des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) hat am Samstag mit 494 von 526 möglichen Stimmen eine Resolution gegen Waffenexporte in Krisengebiete verabschiedet. Der Bundesrat ist das Kirchenparlament von rund 800 Baptisten- und Brüdergemeinden und hat vergangene Woche in Kassel getagt.

Die Initiative für den Beschluss war nach eigenen Angaben von den Delegierten ausgegangen. Sie treten damit für zivile Konfliktlösungen und die Bekämpfung von Fluchtursachen ein und dafür, Waffenexporte in Krisengebiete zu unterbinden. In der Resolution heißt es: „Als Christinnen und Christen sehen wir den Menschen als Ebenbild Gottes an und setzen uns ein für die Würde aller Menschen. Darum sagen wir Nein zu Krieg und Gewalt. Wir sagen Nein zu Rüstungsexporten in Krisengebiete."

Auf Anfrage von pro erklärte Michael Gruber, Leiter Kommunikation des BEFG, am Montag: „Der Beauftragte der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) am Sitz der Bundesregierung, Baptistenpastor Peter Jörgensen, bringt Anliegen aus den Mitgliedskirchen der VEF in das politische Berlin ein. Die Resolution des BEFG steht in einer Linie mit der Theologischen Orientierungshilfe der VEF zur Friedensethik." So könne der Beauftragte die Resolution des BEFG politischen Verantwortungsträgern offiziell nahebringen.

Resolution erinnert an Martin Luther King

Der Bundesrat fordert, „Konflikte gewaltfrei zu lösen". 50 Jahre nach dem gewaltsamen Tod des Baptistenpastors und US-Menschenrechtlers Martin Luther King erinnert die Resolution aus diesem Anlass auch an die Bürgerrechtlerin Rosa Parks, „die im entscheidenden Moment Nein gesagt hat". Die Afroamerikanerin hatte sich 1955 geweigert, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen und war deshalb verurteilt worden.

Die daraus resulierenden öffentlichen, aber gewaltlosen Proteste wegen der Rassentrennung in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt Montgomery organisierte dann der damals noch weitgehend unbekannte King. „Wir sind der Überzeugung, dass es wieder an der Zeit ist aufzustehen", heißt es entsprechend in der BEFG-Resolution vom Wochenende.

Der BEFG will nach Angaben Grubers die Botschaft Kings durch zahlreiche Aktionen ins Bewusstsein der Menschen bringen. Der BEFG sei beispielsweise offizieller Partner des Martin Luther King Musicals. „Beim Gedenken an King geht es uns, um es mit den Worten von Thomas Morus zu sagen, nicht um das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme", erklärte Gruber gegenüber pro. Dies bedeute, „den ungebrochen zeitgemäßen Aussagen Kings Nachdruck" zu verleihen und damit für ein friedvolles Miteinander der Menschen, für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung und gegen Rassismus und Diskriminierung einzustehen.

In der Resolution nimmt der BEFG auch Bezug auf das Engagement seiner Gemeinden in der Flüchtlingshilfe. Dabei begegneten den Gemeinden Menschen, „die am eigenen Leib Krieg, Angst und Terror erfahren haben". Die Resolution bekennt: „Wir leiden mit ihnen." Der Gemeindebund aus Baptisten und Brüdergemeinden hält es für dringend erforderlich, verstärkt Fluchtursachen zu bekämpfen, damit nicht noch mehr Menschen Leid erfahren. Anlass zur Sorge erkennt die Resolution auch in der „aktuellen Eskalation der Gewalt im Nahen Osten".

Von: Norbert Schäfer

]]>
Mon, 14 May 2018 16:30:00 +0200
<![CDATA[„Wer von mir erfährt, soll auch von Jesus erfahren“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2018/05/14/wer-von-mir-erfaehrt-soll-auch-von-jesus-erfahren/ Der Fußball-Profi Enrico Valentini möchte seine Popularität nutzen, um seine Werte zu teilen – auch in den Sozialen Medien. Dies betonte der Spieler des 1. FC Nürnberg im Interview des katholischen Magazins „Leben im Erzbistum Bamberg“. „Wer sich mit mir auseinandersetzt, mein Profil likt, soll auch von Christus erfahren“, bekennt er offen.

In den Sozialen Medien benutzt Valentini den Hashtag #thankyoujesus. Die Tatsache, dass viele Sportler solche Hashtags benutzten, zeige aus seiner Sicht, „dass so ein Grundbedürfnis nach Gott allgegenwärtig ist“. Valentini befand sich nach eigenen Angaben in seinem Leben auf Sinnsuche. Er habe eine innere Leere verspürt, bis er 2012 begriffen habe, dass da etwas Größeres sein müsse, „das nicht abstrakt ist, sondern mir deutlich beschrieben wird im Wort Gottes, der Bibel“.

Seit sechs Jahren sei der Glaube an Jesus sein „Anker, und ich fühle mich geliebt, auch wenn ich ein Spiel verliere oder es privat mal nicht gut läuft“. Als Beispiel nennt er den knapp verpassten Aufstieg mit dem Karlsruher SC 2015, als er in ein Tief gefallen sei. „Mein Glaube, dass das eben nicht alles ist, hat mir aus dem Tief geholfen.“

Auch Alaba bekennt: „Meine Kraft liegt in Jesus“

Valentini wurde als Kind italienischer Eltern in Nürnberg geboren. Er spielte in sämtlichen Jugendmannschaften des 1. FC Nürnberg. 2008 schaffte er den Sprung in dessen Regionalliga-Mannschaft. Für Valentini folgten Stationen beim Drittligisten VfR Aalen und beim Karlsruher SC, mit dem er in der Relegation für den Aufstieg in die Erste Bundesliga knapp am Hamburger SV scheiterte. In der Saison 2016/17 wechselte Valentini zurück zu seinem Ausbildungsverein, dem 1. FC Nürnberg.

I‘m not lucky. I‘m BLESSED.

Ein Beitrag geteilt von David Alaba (@da_27) am

Für Aufsehen sorgte vor drei Tagen auch der Profi des FC Bayern München David Alaba. Der Österreicher sendete über sein Instagram-Profil ein Bild von Jesus, der seine schützende Hand über den Sportler hält. Dazu kommentierte er: „I'm not lucky. I'm blessed." (Ich bin nicht glücklich. Ich bin gesegnet). Unter dem Bild steht die Zeile: „Meine Kraft liegt in Jesus.“

Von: Johannes Weil

]]>
Mon, 14 May 2018 14:07:00 +0200
<![CDATA[Merkel erhält Friedenspreis der Franziskaner]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/05/14/merkel-erhaelt-friedenspreis-der-franziskaner/ Angela Merkel ist nun „Weltfriedensbotschafterin“. Am Samstag hat der katholische Orden der Franziskaner in der italienischen Stadt Assisi die deutsche Bundeskanzlerin mit der „Lampe des Friedens“ gewürdigt: für ihr Bemühen, „das friedliche Miteinander der Völker zu fördern“, wie Pater Mauro Gambetti laut tageschau.de sagte. „Indem wir Ihnen die Lampe verleihen, wollen wir Ihnen auch einen Segen und eine Aufgabe mitgeben. Die Bundeskanzlerin soll sich nach dem Willen der Franziskaner zusammen mit den anderen europäischen Regierungschefs für ein einiges Europa einsetzen und für den Frieden in der Welt“, zitiert ihn die Nachrichtenseite.

In ihrer Dankesrede betonte Merkel, welche Bedeutung die Europäische Union für den Frieden habe. „Der Weg zu Frieden und Versöhnung ist zumeist nur mit großer Anstrengung und mit viel Ausdauer begehbar“, sagte sie nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur.

Das Friedenslicht ist eine Nachbildung der gläsernen Öllampe, die am Grab des Franz von Asissi dauerhaft brennt. Wie der Franziskanermönch Thomas Freidel im Interview des Domradios erklärte, sei es „auch Erinnerung, an das, was uns trägt und hält hier in Europa“, die christliche Tradition und das Fundament des Glaubens.

Zuletzt hatte der kolumbianische Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos den Preis 2016 bekommen. Frühere Preisträger waren unter anderen Mutter Teresa, der Dalai Lama und der frühere israelische Präsident Schimon Peres.

Von: Jonathan Steinert

]]>
Mon, 14 May 2018 14:05:00 +0200
<![CDATA[Empört euch, aber mit Anstand!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/05/14/empoert-euch-aber-mit-anstand/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Trillerpfeifen, „Kein Frieden mit der AfD“-Rufe und Plakate mit „Kirche ohne Rassismus“-Aufschrift waren am vergangenen Sonntag vor dem Kongresszentrum in Münster fast genauso häufig vertreten wie die für den 101. Katholikentag typischen blauen Schals. Rund tausend Demonstranten marschierten mit lautstarkem Protestgeschrei und noch lauterer antifaschistischer Musik am Veranstaltungsort vorbei, wo kurze Zeit später AfD-Politiker Volker Münz und Kollegen aus den anderen im Bundestag vertretenen Parteien über Glaube und Politik sprechen sollten.

Aufgerufen hatte dazu ein antifaschistisches Bündnis, das mit Kirche wohl wenig zu tun hat. Doch auch viele Christen zeigten ihre Meinung zu den rechten Positionen der AfD. Bereits im Vorfeld hatte sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend gegen den Auftritt von Volker Münz ausgesprochen, in einer Erklärung stellten sich auch diverse Theologen dagegen. Die Veranstaltung selbst wurde gleich zu Beginn von einigen Störern unterbrochen, die laut rufend zur Bühne marschierten, kurze Zeit später aber aus dem Saal geleitet wurden.

Politik ist Aufgabe der Kirche

Münz, der auch religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag ist, erklärte kurze Zeit später auf dem Podium, die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen. Damit hat er selbstverständlich Unrecht. Schon Martin Luther zeigte seinerzeit, dass es die Aufgabe von Christen ist, gegen gesellschaftliche Missstände vorzugehen. Denn immer haben diese für die Gläubigen auch eine theologische Dimension. Das weiß jeder, der die Bergpredigt gelesen hat.

Es ist nichts falsch daran, wenn sich die Kirche oder einzelne Mitglieder gegen rechte Tendenzen in der Gesellschaft stellen. Der Kölner Dom darf bei einem Pegida-Marsch dunkel bleiben, der Berliner Bischof Markus Dröge darf frei und offen äußern, dass er das Engagement bei der AfD für nicht mit christlichen Werten vereinbar hält.

Was aber nicht geschehen darf, ist, dass der Respekt vor dem Gegenüber verlorengeht. Auch ein AfD-Mann muss sich nicht als „Arschloch" beschimpfen lassen, wie in Münster geschehen. „Alternative für Dumme"-Schilder sind kein begründeter politischer Protest, sondern ein populistisches Nicht-Argument. Und es entspricht auch nicht der Würde eines Gottesdienstes, wenn eine Fürbitterin ein Armband mit der Aufschrift „Fuck AfD" trägt.

Sie selbst wird wissen, ob das in der Video-Übertragung des Katholikentags-Abschlussgottesdienstes mit dreißigtausend Teilnehmern sichtbare Statement absichtlich während der Veranstaltung an ihrem Arm verblieb. Vielleicht hat sie schlicht vergessen, es abzunehmen. So oder so: Hier und da wird sie dafür nun in Sozialen Netzwerken gelobt. Zur Einordnung der Aktion hilft aber ein Blick auf andere Armbänder, die Christen gelegentlich tragen. Darauf stehen die Buchstaben WWJD – What would Jesus do, also übersetzt die Frage: Was würde Jesus tun?

Nicht auf AfD-Spiel einlassen

Sie ermahnt seine Nachfolger, sich bei allen Aktionen am Vorbild des Gottessohnes zu orientieren. Also: Würde Jesus ein „Fuck AfD"-Bändchen tragen? Oder einen Politiker der Partei wüst beschimpfen? Wohl kaum. Er würde die direkte Auseinandersetzung suchen, Kritik üben, wie er es bei den Pharisäern tat, und ohne Zweifel auch harte Worte finden. Er würde mit den Geflüchteten und Andersgläubigen trauern, deren Rechte die AfD in teils verfassungsrechtlich fraglicher Weise beschneiden will. Aber stumpf verunglimpfen würde er wohl kaum.

Es ist eine Aufgabe der Kirche, politisch zu sein. Es ist nicht ihre Aufgabe, auszugrenzen. Selbst den politischen Gegner nicht. Denn jeder Mensch trägt eine gottgegebene Würde in sich, das glauben Christen. Das gilt für AfD-Politiker ebenso wie für Linke, für konservative Lebensschützer ebenso wie für linksalternative Tierschützer, für Muslime ebenso wie für Christen. Ausgrenzung ist ein Geschäft, das bisher bestimmte AfD-Politiker betrieben haben: Björn Höcke, Beatrix von Storch, Alexander Gauland. Es steht der Kirche gut an, sich nicht auf deren Spiel einzulassen oder es ihnen gleichzutun. Es gilt auch hier das Argument, mit dem der Katholikentag bereits die Einladung des AfD-Mannes Münz rechtfertigte: Wer die AfD unfair behandelt, bestärkt sie in ihrer Opferrolle, in der sie sich gerne der Öffentlichkeit präsentiert.

Von: Anna Lutz

]]>
Mon, 14 May 2018 13:10:00 +0200
<![CDATA[Katholikentag: „Wir wollen Instrumente des Friedens sein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/05/13/katholikentag-wir-wollen-instrumente-des-friedens-sein/ Der Abschlussgottesdienst des Katholikentags in Münster stand unter dem Motto „...hinaus in alle Welt". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, rief die Besucher dazu auf, in der Welt Zeugnis von Jesus Christus abzulegen. „Wir wollen Instrument des Friedens sein", sagte er. Marx betonte außerdem, dass sich die katholische Kirche weiter um Ökumene bemühen werde, denn es gehe darum, zu zeigen, „dass wir eins sind“.

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), sagte, Christen sollten „offen und fair miteinander Frieden suchen“. Die Gesellschaft brauche Menschen, die Rücksicht aufeinander nähmen und nicht sich selbst zuerst sähen. In diesem Zusammenhang betonte er auch den Dialog mit anderen Religionen. Wenn Religion richtig gelebt werde, sei sie nicht die Ursache von Krieg, sondern ein „Motor des Friedens“.

Sternberg erklärte außerdem, dass die Frauen in der katholischen Kirche bislang noch nicht ausreichend zur Geltung kämen. Es sei gut, dass die Kirche sich wandle. Konfessionsverbindende Ehen bezeichnete er zudem als Keimzellen der Ökumene: „Im Anliegen, die christlichen Familien auch offiziell in der Eucharistiegemeinschaft zu verbinden, sehen wir uns in Übereinstimmung mit der übergroßen Mehrheit der Priester und Bischöfe in Deutschland."

Politische Diskussionen auf Katholikentag

Seit Mittwoch hatten mehr als 50.000 Dauergäste und 25.000 Tagesgäste am Katholikentag in Münster teilgenommen. Er war der bestbesuchte Katholikentag seit 1990. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Suche Frieden“. Damit sei sie „so aktuell wie selten“, sagte Sternberg am Samstag vor Journalisten.

Themen in vielen Diskussionsrunden auf dem Katholikentag waren der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und dessen Bedeutung für die Friedensbemühungen in der Region und die Kontroverse zum bayerischen Kreuzerlass.

Der Münsteraner Bischof Felix Genn sagte, der Katholikentag sei keine „Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltung“ gewesen. Die Diskussionen seien „offen, konstruktiv, differenziert, manchmal auch zugespitzt und konfliktiv in der Sache, aber immer respektvoll“ gewesen. Besonders umstritten war am Samstag der Aufritt des AfD-Politikers Volker Münz in einer Diskussionsrunde mit Vertretern der politischen Bundestagsparteien zum Verhältnis von Kirche und Staat. ZdK-Präsident Sternberg bezeichnete den Katholikentag insgesamt als „hochpolitisch“.

Kardinal Marx nannte das Treffen der Gläubigen ein „Zeugnis für draußen“. Angesichts einer zunehmenden Säkularisierung in der Gesellschaft, eines aufkommendem Fundamentalismus von Religionen und der Gefahr, Religion für politische Zwecke zu instrumentalisieren, sei es wichtig, einen „klaren Kopf“ zu behalten. Dabei helfe der Katholikentag.

Von: Swanhild Zacharias

]]>
Sun, 13 May 2018 12:20:00 +0200
<![CDATA[Kinder, Kirche, Kreatives auf dem Katholikentag]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/05/13/kinder-kirche-kreatives-auf-dem-katholikentag/ pro zeigt eine Bilderauswahl.]]> Auf dem Katholikentag in Münster war nicht nur Platz für große politische und kirchliche Debatten. Auch Besucher, die an Kultur, Kunst und buntem Programm interessiert waren, kamen auf ihre Kosten.

Von: Martina Blatt/Swanhild Zacharias

]]>
Sun, 13 May 2018 10:30:00 +0200
<![CDATA[Wie sexuelle Gewalt in der Bibel auf Popkultur wirkt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/05/13/wie-sexuelle-gewalt-in-der-bibel-auf-popkultur-wirkt/ Frau Stiebert, wozu forschen Sie?

Johanna Stiebert: Mich interessiert das Umfeld, in dem die Texte der Bibel entstanden sind. Die Texte sagen uns viel über die Werte und Wünsche der Menschen dieser Zeit. Aber diese sehr alten Texte leben in der Gegenwart weiter und prägen auch unsere heutige Zeit. Damit verbunden ist die Popkultur. In Reklame beispielsweise sieht man sehr viele biblische Symbole, auch in Musikvideos, etwa bei Lady Gagas „Judas“, oder Kanye West mit seiner Dornenkrone.

Welche Verbindung sehen Sie zum Heute?

Mit zwei Kolleginnen beginne ich bald ein Projekt in Yorkshire, in dem ich mit Studenten erforsche, wie sexualisierte Gewalt und Begriffe wie Jungfräulichkeit, Reinheit und dergleichen mit biblischen Symbolen in Verbindung gebracht werden. Wir hoffen, dass wir über diese Bilder und Musikvideos Themen wie sexuelle Gewalt ansprechen können. Wir sind davon überzeugt, dass Popkultur sich diese Themen aussucht, weil sie so schnell erkennbar sind und auch weil sich die Leute dafür interessieren. Deswegen wird diese Symbolik so gerne verwendet. Gerade durch #MeToo glauben wir, dass das Thema gerade jetzt sehr wichtig ist.

Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Ich habe mit Kolleginnen das Shiloh-Projekt gegründet. Darin geht es um die Frage, wie die Religion und die Bibel mit „Rape Culture“ zusammenzubringen sind. Der Name geht zurück auf eine Geschichte am Ende des Buches der Richter. Dort wird von der Vergewaltigung der Frau eines Leviten berichtet. Später entführen die Männer die Mädchen von Shilo. Obwohl es nicht deutlich so da steht, deutet diese Geschichte auf eine Massenvergewaltigung.

Wie kamen Sie dann auf das Thema Popkultur?

Weil es zum Beispiel auffällig ist, wie oft insbesondere Eva in der Werbung erscheint. Und zwar weil Eva so eine Art Symbol für Verführung ist, das die Leute sofort mit bestimmten Vorstellungen verbinden. Im biblischen Text selbst findet keine Verführung statt. Dennoch wird die Geschichte mit sexuellen Reizen in Verbindung gebracht. Mit der Jungfrau Maria ist das manchmal ähnlich. Und es löst gewisse Reaktionen aus, wenn ein schwarzer Mann wie Kanye West als Jesus dargestellt wird. Und das wissen die Macher in der Popkultur zu nutzen.

Welche Rolle spielt da die Forschung an der Popkultur?

Bei jungen Leuten, die damit sehr vertraut sind, kann das ein Weg sein, um die Themen sexuelle Gewalt in den alten Texten und in der Gegenwart anzusprechen. Oftmals ist es für die Leute sehr schwierig, über diese Dinge zu reden.

Die biblischen Texte, die Sie meinen, sind ja nicht sehr positiv ...

Nein. Aber es ist wichtig, sie zu verstehen. Und es sind ja Texte, die die Leute weiterhin lesen, etwa wenn sie irgendeinen Rat suchen oder weil ihnen gesagt wird, es sei Gottes Wort. Die Geschichte von David und Bathseba beispielsweise wird oft als große Romanze dargestellt, etwa in Hollywoodfilmen. Wenn man aber mal die Geschichte liest, ist da nichts mehr von Romantik. Es geht einfach um einen mächtigen Mann, der sich jede Frau nehmen kann; der eine Frau sieht, die er haben will, und dabei weiß, dass sie verheiratet ist. Es ist viel wahrscheinlicher, dass es eine Vergewaltigung ist, als dass es eine große Romanze ist. Es ist nicht unwichtig, sich diese Sachen bewusst zu machen.

Und Sie sagen dann den Menschen: Obwohl so etwas in der Bibel steht, ist es nicht richtig, sich so zu verhalten?

Ja. Es geht darum, gegen diese Mythen anzugehen, dass Frauen die Schönen sind und etwas dafür können, vergewaltigt zu werden. Es ist auch ein Weg, um über Vergewaltigung von Männern zu reden. Josef ist auch schön und wird belästigt von der Frau des Potifar. Die Vergewaltigung von Männern wird hier und da im Alten Testament angeschnitten, und auch das ist ein Thema, das sehr schwierig zu besprechen ist. Da können diese Texte manchmal einen Weg weisen.

Geht es Ihnen nur um das Alte Testament, oder auch um das Neue?

Katie Edwards und und Caroline Blyth, mit denen ich zusammen am Shiloh-Projekt beteiligt bin, sind weitaus vertrauter mit dem Neuen Testament als ich. Ich befasse mich nur mit dem Alten Testament.

Können Sie noch mehr Beispiele nennen für Texte aus der Bibel, die aktuell wieder Thema sein können?

Die Geschichte der Tochter Davids, die Vergewaltigung von Tamar. Auch die damaligen Gesetze sind da sehr interessant, gerade bei der Frage, wie gewisse Zeiten Texte prägen, die aber in unsere heutige Zeit nicht mehr passen und uns nicht mehr viel zu sagen haben. Im 5. Buch Mose im 22. Kapitel wird die Vergewaltigung einer Jungfrau beschrieben, die nicht verlobt ist. Die Lösung für dieses Problem ist eine Heirat, die nicht auflösbar ist. Das ist ein Beispiel dafür, dass die Bibel nicht immer ein Text ist, der uns heutzutage weiterhilft. Die Stärke der Bibel ist, dass sie sehr vielseitig ist, so dass man fast alles irgendwie begründen oder beweisen kann. Es gibt natürlich auch viele friedvolle, wunderschöne Texte, auf die man hinweisen kann. Aber um noch ein negatives Beispiel zu nennnen: Bei den Propheten spricht Gott oft selbst von seinem Volk als einer sündigen Frau, die er zurechtweist. Mehrere feministische Autoren haben beim Thema häusliche Gewalt darauf hingewiesen. Im Buch Hesekiel wird Jerusalem beispielsweise metaphorisch als Frau brutal zusammengeschlagen, um sie zur Reue zu bringen. Dem Propheten Hosea wird vorgeschrieben, eine ehebrüchige Frau zu heiraten, und sie wird grausam behandelt, was als nötige Zucht dargestellt wird. Wenn man solche Texte gemeinsam hinterfragt, können richtig gute Gespräche dabei herauskommen.

Welche Zusammenhänge sehen Sie zur heutigen Popkultur?

Es ist interessant, dass auch in einer sogenannten säkularen Gesellschaft die Bibel trotzdem immer noch sehr oft erscheint. Es gibt immer noch sehr viele Hollywoodfilme über biblische Themen, etwa „Exodus: Götter und Könige“ oder „Noah“. In der Reklame wird mitunter sehr oft Bathseba sehr verführerisch dargestellt, um Kosmetik zu verkaufen. Es ist interessant, das zu hinterfragen und mit der wahren Geschichte zu vergleichen. Wir sprechen gerne über drei verschiedene Filme über die David-Geschichte: Es gibt einen mit Richard Gere, einen mit Gregory Peck und einen mit Nathaniel Parker. Das ist vor allem interessant, weil sie aus drei verschiedenen Epochen stammen. Das gab Aufschluss darüber, wie Männlichkeit in den unterschiedlichen Zeitabschnitten verstanden wurde. Man kann sich sehr gut über diese Medien zu Wertvorstellungen und Ideologien unterhalten, während eine Geschichte in der Bibel manchmal sehr fremd wirkt.

Glauben Sie, dass unser Frauenbild durch solche Geschichten eventuell auch negativ beeinflusst wurde?

Ja, aber interessanterweise ist es oft nicht der biblische Text selbst, sondern was wir über den Text zu glauben wissen. Wie gesagt, gibt es etwa die verführerische, sexuell provozierende Eva im Text gar nicht, aber in der Wahrnehmung unserer Zeit ist sie sehr gut vertreten. Mit Delilah ist es genauso: Sie ist überhaupt nicht hinterhältig, wenn man sich die Geschichte mit Samson durchliest.

Wann kann man mit den Ergebnissen Ihrer Studie rechnen?

Das Projekt mit den Studenten fängt im April an, die Interviews werden aber wohl erst im November stattfinden. Im Oktober fahren wir nach Ghana, und nach Botswana wahrscheinlich erst im kommenden Jahr.

Was Sie machen, ist ja thematisch sehr nah an der Theologie ...

… aber ich bin keine Theologin! Ich beschäftige mich mit den Texten der Bibel, aber mein Interesse gilt der Politik und den Menschenrechten. Für einen Theologen hat die Bibel noch einen anderen Wert als für mich. Für mich ist sie hauptsächlich anthropologisch interessant: Wer sind die Menschen hinter den Texten und was können die Texte über menschliche Wertvorstellungen und Handlungen aussagen?

Wie sind Sie persönlich zum Glauben eingestellt?

Ich komme aus einer nichtreligiösen Familie. Ich habe viel Respekt vor Menschen, von denen ich glaube, dass ihr Glaube sie zu besseren Taten führt. Aber ich habe selbst einfach kein Gefühl dafür. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich selber gläubig bin. Als ich in Tennessee gelebt habe, hat mich der Typ von Christen, die es dort gab, gelegentlich geradezu angewidert.

Die Bibelwissenschaftlerin mit deutschen und neuseeländischen Wurzeln verbrachte ihre frühe Kindheit in Hamburg. Sie studierte zunächst Hebräisch und Englisch an der neuseeländischen University of Otago, bevor es sie für ihren Master in Alttestamentlichen Wissenschaften nach Cambridge in England zog. Sie promovierte 1998 in Hebräischer Bibelwissenschaft an der University of Glasgow in Schottland und hat seitdem in England, Botswana, Indien, Wales und den USA gelehrt und geforscht.

Die Fragen stellte Jörn Schumacher

]]>
Sun, 13 May 2018 10:00:00 +0200
<![CDATA[AfD provoziert auf Katholikentag]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/05/12/afd-provoziert-auf-katholikentag/ Auf dem Katholikentag debattierten am Samstag Vertreter der Bundestagsparteien zu der Frage, welche Rolle Kirche und Religion in Zukunft in Staat und Gesellschaft spielen könnten. Bereits vor der eigentlichen Debatte erhielt die Veranstaltung viel Aufmerksamkeit. Als bekannt wurde, dass an der Podiumsdiskussion auch die AfD teilnehmen soll, gab es Gegenwind. Unter anderem rief das Bündnis „Keinen Meter“ aus Münster im Vorfeld zum Protest auf. Kurz vor der eigentlichen Veranstaltung demonstrierten am Samstagmittag zudem rund tausend Menschen in der Stadt gegen den Aufritt der AfD. Unter hohem Polizeiaufgebot zogen sie an der Münsterlandhalle, dem Veranstaltungsort der politischen Debatte, vorbei.

Auch zu Beginn der Debatte störten einige Demonstranten die Veranstaltung. Als der kirchenpolitische Sprecher der AfD, Volker Münz, sein Bekenntnis zum christlichen Glauben erklären wollte, stürmten einige Besucher mit einem Plakat nach vorne und riefen: „Sucht Frieden, nicht die AfD!" Der Slogan „Suche Frieden“ ist das Motto des 101. Deutschen Katholikentags. Münz war zudem der einzige der teilnehmenden Politiker, dem auch auf der Bühne Personenschützer zur Seite standen.

Auch danach gab es immer wieder Zwischenrufe und Buh-Rufe, aber auch einige Sympathiebekundungen aus dem Publikum, wenn sich Münz in der Diskussion zu Wort meldete. Neben ihm debattierten die religionspolitische Sprecherin der Linken, Christine Buchholz, die Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD, Kerstin Griese, der CDU-Politiker Christian Hirte, die religionspolitische Sprecherin der Grünen, Bettina Jarasch, und Karlheinz Busen von der FDP.

AfD-Politiker: Islam gehört nicht zu Deutschland

Die Haltung der AfD zum Thema Religion in Staat und Gesellschaft entwickelte sich zum zentralen Streitpunkt der Debatte. Münz bekannte sich zu seinem christlichen Glauben, der Glaube an Gott gebe ihm Halt und Zuversicht. Seine Partei mache Politik aufgrund des christlichen Menschenbildes, sagte er. Nach Parteikollege Björn Höcke gefragt, sagte er: „Ich halte nicht für alle Menschen in meiner Partei den Kopf hin." Seine Partei wolle „das christliche Menschenbild in Deutschland bewahren“. Dieses dürfe „nicht einem Experiment zum Opfer fallen, das hier auf dem Rücken der Menschen ausgetragen wird", sagte er mit Bezug auf die Flüchtlingspolitik.

Die Grünen-Politikerin Jarasch fragte Münz im weiteren Verlauf der Debatte, wie er es mit dem christlichen Menschenbild vereinbaren könne, dass seine Partei Muslimen in Deutschland nicht die gleichen Rechte gewähren wolle wie anderen Menschen. Münz betonte, er unterscheide zwischen Muslimen, die ihren Glauben leben dürften, und dem Islam, der als Institution nicht zu Deutschland gehöre. „Der Islam hat ein anderes Gottesbild, akzeptiert nicht die allgemeine Erklärung der Menschenrechte", sagte er.

Um die Diskussion zu entschärfen, rief Griese dazu auf, sich mehr der Lösung der Probleme, als deren Diskussion zu widmen. Sie erklärte, das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland sei im Vergleich zu dem in anderen Ländern „das beste, was es gibt“. Außerdem müsse das Staatskirchenrecht offen sein für alle Religionen, „die sich im Rahmen der Verfassung bewegen". Griese betonte, wie wichtig interreligiöser Dialog sei. „Wir wissen viel zu wenig voneinander."

Die SPD-Politikerin bezeichnete den christlichen Glauben zudem als „politischer als die Alltagspolitik". Jesus habe nie gesagt, seine Botschaft gelte nur für bestimmte Gruppen und er habe nie bestimmte Gruppen ausgegrenzt. „Gelebter Glaube ist Engagement gegen Ausgrenzung und soziale Ungerechtigkeit", sagte sie. Ihr werde es „außerdem schwummrig“, wenn die Religion dazu benutzt werde, bestimmte Ziele zu erreichen. Wenn zum Beispiel argumentiert werde, man müsse wegen seines Glaubens eine bestimmte Position vertreten.

Politiker verteidigen Rolle der Kirchen im politischen Diskurs

Auch Grünen-Politikerin Jarasch versteht das Christentum „als Liebe Gottes zu allen Menschen. Ausgrenzung ist damit nicht zu vereinbaren". Mit Blick auf Münz erklärte sie, die multikulturelle Gesellschaft sei „eine Tatsache und es ist eine Frage, wie wir sie gestalten".

Zur Rolle der Kirchen im politischen Diskurs sagte Münz, es sei nicht deren Aufgabe, sich einzumischen. „Kirchen haben andere Aufgaben, als Politik zu machen." Wenn sich „die Amtskirchen als politische Vorfeldkirchen generieren, ist das nicht in Ordnung. Wenn es darum geht, dass aktuelle politische Dinge vorangetrieben werden, überschreitet die Kirche ihre Aufgaben", sagte der AfD-Politiker. Griese widersprach Münz heftig und sagte: „Kirchen hätten ihre Aufgabe nicht getan, wenn sie sich nicht im Sinne der Nachfolge Jesu für die Menschen einsetzen, die Unterstützung brauchen." Kirchen seien zwar keine politischen Parteien, ständen aber auf der Seite der Armen und Schwachen. Unions-Mann Hirte sagte: „Aufgabe der Kirchen ist es, Stachel im Fleisch der Politik zu sein.“ Es sei richtig und wichtig, dass Kirchenvertreter ihre Meinung gegenüber Politikern zum Ausdruck brächten.

Etwas Erstaunen erntete FDP-Politiker Busen für die Äußerung, seine Partei sei „mit der Kirche komplett im Reinen. Auch beim Einzug der Kirchensteuern.“ Es sei wichtig, im Dialog zu bleiben.

Auch über die Frage, wie einer Radikalisierung des Islam entgegen gewirkt werden könne, diskutierten die Politiker. Linken-Politikerin Buchholz forderte, „mit Kriegen und Terror aufzuhören, die selbst Kriege und Terror hervorbringen". Sie forderte weniger militärische als politische Lösungen. Griese hielt dagegen: „Ursachen mit allen Mitteln des Rechtsstaats bekämpfen. Was denn sonst, bitte?“ Auch Jarasch sagte, die Terrormiliz Islamischer Staat könne nicht politisch bekämpft werden.

Münz provozierte mit der Aussage, dass „alle hier auf dem Podium Verantwortung für die Probleme tragen, die wir in Deutschland erleben“. Er ergänzte: „Sie laden Schuld auf sich.“ Buh-Rufe, aber auch Applaus erklangen aus dem Publikum. Moderator Thomas Arnold ermahnte, nicht zu verallgemeinern. Münz sagte, „der Rechtsstaat muss zur Anwendung gebracht werden“. Schon bei der Grenzöffnung im Rahmen der Ankunft zahlreicher Flüchtlinge habe Deutschland versagt. Erneut ermahnte der Moderator, „nicht alles in einen Topf" zu werfen.

Auch Hirte erklärte, man dürfe nicht pauschalisieren. Zu Münz sagte er: „Sie haben beim Christentum nicht verstanden, dass jeder Einzelne wertgeschätzt ist. Wenn Sie alle anderen pauschal abwerten, ist das völlig unchristlich.“ Jarasch ergänzte, sie verstehe Münz' Äußerung so, dass die Schuld Deutschlands darin bestehe, Flüchtlinge aus einer Situation des Bürgerkriegs aufzunehmen.

Griese sagte abschließend, sie sei zwar „nicht blauäugig“, aber es sei „eine große Leistung unserer Gesellschaft und der Kirchen, dass die Flüchtlinge bei uns gut aufgenommen worden sind“. Man könne dankbar dafür sein, „dass das im Großen und Ganzen in unserem Land funktioniert hat".

Von: Swanhild Zacharias

]]>
Sat, 12 May 2018 21:41:00 +0200
<![CDATA[Fake News entfremden Bürger von Unionsparteien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/05/12/fake-news-entfremden-buerger-von-unionsparteien/ Ab 2018 wird Bargeld in Deutschland grundsätzlich verboten – solche und andere Falschmeldungen kursierten vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr in sozialen Netzwerken. Einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatten sie offenbar nicht, zumindest nicht so, dass sie sich auf die konkrete Wahlentscheidung ausgewirkt hätten. Das zeigt eine Studie der Kommunikationswissenschaftler Fabian Zimmermann und Matthias Kohring von der Universität Mannheim. Mit dem Begriff Fake News meinen sie in ihrer Studie gezielte Tatsachenbehauptungen über aktuelle Ereignisse, die einen Wahrheitsanspruch haben, die also vorgeben, eine echte Nachricht zu sein.

„Politische Desinformationskampagnen versuchen zu untergraben, dass Wähler auf der Basis von korrekten Informationen eine Entscheidung treffen können. Deshalb sind Fake News eine potenzielle Gefahr für demokratische Prozesse und die kollektive Selbstbestimmung“, erklärte Zimmermann, der die Studie bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft am Freitag in Mannheim vorstellte. Fake News transportierten vor der Bundestagswahl vor allem negativ gefärbte rechtspopulistische Botschaften. Dadurch lösten sie eher eine Verdrossenheit gegenüber der etablierten Politik aus.

Merkel für Probleme verantwortlich gemacht

Diese Entwicklung gehe damit einher, dass Bürger auch den etablierten Medien immer weniger Vertrauen schenken, führte Zimmermann aus. In einer Online-Befragung konnten die Forscher zeigen, dass Menschen, die Journalisten wenig vertrauten, Fake News für glaubwürdiger halten. Laut der Studie führte das – zumindest im untersuchten Zeitraum ab zwei Monaten vor der Wahl – aber nicht dazu, die Partei AfD zu wählen. „Die Wahl der AfD war vor allem durch etwa fremdenfeindliche Voreinstellungen oder eine längerfristige Entscheidung schon vorher festgelegt. Fake News hatten darauf keinen Einfluss.“

Allerdings gingen Fake News zulasten der Unionsparteien, die Kanzlerin Angela Merkel erneut als Kandidatin aufstellten. „Negative populistische Botschaften tragen zur Entfremdung der Wähler von der Regierungspartei bei“, erklärte Zimmermann. Das bezeichnete er als „Merkel-Effekt“: Die Bundeskanzlerin und Kanzlerkandidatin sei persönlich für die wahrgenommenen Probleme im Land verantwortlich gemacht worden.

Warum leidet Vertrauen in Journalisten?

Auf diese Weise beeinflussten Falschmeldungen den Prozess der politischen Willensbildung, sagte Zimmermann weiter. Die Verbreitung von Fake News verletze das demokratische Prinzip eines korrekt informierten Wählers. „Aber eine Gefahr für die Demokratie an sich ist vorerst zu relativieren“, resümierte er.

Zudem betonte der Forscher, dass das Phänomen der Fake News auch im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in Journalisten gesehen werden müsse. „Man muss sich die Frage stellen: Warum leidet das Vertrauen in Journalismus und warum leidet es vor allem in bestimmten Kreisen?“ Die extra eingerichteten Redaktions-Abteilungen und Initiativen für „Faktenchecks“ seien eher ungeeignet, Fake News zu bekämpfen. Denn dort arbeiteten ja gerade diejenigen, die die Medienskeptiker kritisierten: Journalisten.

Bots beeinflussten politische Debatte nicht

Social Bots haben sich nicht auf die Bundestagswahl ausgewirkt. Gemeint sind damit Programme, die sich in sozialen Netzwerken als Menschen ausgeben, aber eigentlich automatisiert etwa Beiträge posten, teilen oder kommentieren. In ihrer Studie haben die Kommunikationswissenschaftler Tobias R. Keller von der Universität Zürich und Ulrike Klinger, Freie Universität Berlin, die Twitter-Profile untersucht, die den politischen Parteien folgten.

Mit dem Programm „Botometer“ ermittelten sie anhand verschiedener Kriterien, mit welcher Wahrscheinlichkeit hinter einem solchen Profil kein Mensch, sondern eine Maschine steckte. Bei einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent oder mehr gingen die Forscher davon aus, dass der Nutzer ein Bot ist. Genau lässt sich das nicht feststellen, da sich diese Profile nicht von anderen unterscheiden; nur anhand bestimmter Auffälligkeiten lässt sich annehmen, dass sie von einer Software gesteuert werden.

Keller und Klinger stellten fest, dass alle Parteien auf Twitter Bots einsetzten, keine fiel dabei im Vergleich zu den anderen auf. Im Wahlkampf der Bundestagswahl waren etwa zehn Prozent der Follower Maschinen, in Phasen der politischen Routine circa sieben Prozent. Allerdings verbreiteten weniger als zwei Prozent der Bots Botschaften der Parteien auch aktiv weiter. Deshalb schlussfolgern sie: „Bots haben die politische Debatte nicht beeinflusst.“

Von: Jonathan Steinert

]]>
Sat, 12 May 2018 17:36:00 +0200
<![CDATA[Forscher: Hass und Hetze im Netz brauchen Widerspruch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/05/12/forscher-hass-und-hetze-im-netz-brauchen-widerspruch/ Beleidigungen und Beschimpfungen im Internet sollten nicht ignoriert werden. Denn dann besteht die Gefahr, dass ein solches Verhalten und herabwürdigende Aussagen zunehmend als normal empfunden werden. Das machten Wissenschaftler bei Vorträgen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft am Freitag in Mannheim deutlich. „Wenn man es stehen lässt, verfestigt es sich“, sagte Hanna Gleiß von der Initiative „Das Nettz – Vernetzungsstelle gegen Hate Speech“.

Nutzer sollten „nicht nur gegen etwas sein, sondern für etwas argumentieren“ und ihre Vorstellungen zu einem Thema und zum demokratischen Zusammenleben in die Diskussion einbringen, sagte sie. Es sei wichtig, zu zeigen, dass es außer den Hassbotschaften noch andere Positionen gibt. Denn manche, die Hass und Beschimpfungen äußerten, seien mit mehreren falschen Identitäten in den sozialen Netzwerken unterwegs. Sie professionalisierten und vernetzten sich gegenseitig. „Das suggeriert eine große Meinungsmehrheit, die es so nicht gibt.“

Echter Hass ist selten

Gleiß betonte, dass es wichtig sei, sachlich auf Hassbotschaften zu reagieren. „Sarkasmus scheint als Gegenrede nicht gut zu funktionieren. Alles, was moralisierend oder arrogant wirkt, kommt nicht gut an.“ Hilfreich sei es außerdem, sich in Kommentaren solidarisch zu jemandem zu äußern, der beschimpft wird.

Das unterstrich auch Konstanze Marx, die am Institut für Deutsche Sprache forscht. Sie schlug vor, bei Beschimpfungen einer Person mit „massiver Gegenrede“ zu antworten und die Kommentarspalten zu „überfluten mit positiven Nachrichten und Kommentaren, die die betroffene Person stabilisieren“. Sie erklärte, dass Anonymität im Internet keine große Rolle mehr spiele, wenn es um die Verbreitung von Hassbotschaften geht. Rund die Hälfte derjenigen, die auf diese Weise kommunizierten, tue das mit bürgerlichem Namen, ohne Pseudonym.

Es sei nicht einfach, das Phänomen Hate Speech oder Hassrede genau abzugrenzen und zu definieren, machte Marx deutlich. Diese Äußerungen hätten nicht unbedingt etwas mit Hass als echter Emotion zu tun. Es gehe oft um persönliche Beleidigungen oder die Abwertung bestimmter Gruppen, wobei auch bekannte Stereotype weiterverbreitet würden. Zwar ließen sich Schimpfwörter sprachlich erkennen. Oft sei Hassrede aber auch subtiler und nutzte etwa indirekte Todesdrohungen oder Anspielungen auf Nazi-Begriffe. Das mache es schwierig, diese Äußerungen auf Webseiten mit Algorithmen automatisch zu filtern.

Chance für die Demokratie?

Hassrede im Netz zu regulieren – etwa mit Gesetzen wie dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz – hält Diana Rieger, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Mannheim, nicht unbedingt für sinnvoll. „Vielleicht bietet diese Kommunikation auch ein Potenzial für den gesellschaftlichen Diskurs in Zeiten von Politikverdrossenheit“, sagte sie. Wenn andere dazu angeregt werden, sich zu äußern, könne das eine Chance für demokratische Prozesse sein.

„Ich rege dazu an, es nicht zu überdramatisieren“, sagte Rieger. Denn es sei ohnehin nicht klar, ob es wirklich ein neues Phänomen sei oder ob es nun nur mehr wahrgenommen werde, weil es sich online gut beobachten lasse. Es gebe im Internet außerdem auch „viele sehr schöne, demokratische und unterhaltsame Diskurse“.

Es sei wichtig, die Nutzer sozialer Netzwerk auch dafür zu sensibilisieren, welche Informationen sie dort von sich preisgeben. Das betonte die Kommunikationswissenschaftlerin Arne Zillich von der Universität München. In einem Experiment, das sie mit Masterstudenten durchführte, stellte sie fest: Wenn Nutzer ihre Privatsphäre auf Facebook sehr offen einstellen, also so, dass andere viele Informationen über sie sehen können, werden sie eher selbst dafür verantwortlich gemacht, wenn andere sie beschimpfen. „Es ist wichtig, Menschen darauf aufmerksam zu machen, welche Folgen Selbstoffenbarung haben kann“, sagte sie. Empathische Nutzer sollten zudem in dieser Eigenschaft bestärkt werden. Denn, so stellte Zillich fest: Wer empathischer war, schrieb dem Opfer von Beleidigungen seltener die Schuld für den Angriff zu.

Von: Jonathan Steinert

]]>
Sat, 12 May 2018 10:33:00 +0200