Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Wed, 23 Oct 2019 03:00:02 +0200 <![CDATA[„Christen haben positive Erwartung an Assad-Regime“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/10/22/christen-haben-positive-erwartung-an-assad-regime/ Weite Teile im Norden Syriens werden von Kurden kontrolliert. Das Assad-Regime war hier weitgehend machtlos. Am 9. Oktober dieses Jahres hat die türkische Armee mit einer Offensive gegen die kurdischen Milizen im Norden Syriens begonnen, nachdem zwei Tage zuvor überraschend die US-amerikanischen Truppen aus dem Gebiet abzogen. Heute endet die 120-stündige Waffenruhe, auf die sich die Türkei und die USA am 17. Oktober verständigt hatten. Im Interview erklärt der Koordinator für Internationalen Religionsdialog der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, Otmar Oehring, warum Christen positive Erwartungen mit der Rückkehr des Assad-Regimes verbinden.

pro: Herr Oehring, wie bewerten Sie die Lage in Nordsyrien?

Otmar Oehring: Die Lage der Menschen in Nordsyrien ist momentan prekär. Im Grunde genommen weiß niemand genau, was in den nächsten Tagen und Wochen geschehen wird. Es gibt ein Gebiet, in dem die Armee des Assad-Regimes wieder eingerückt ist. Es gibt die Bedrohung durch die Türkei im Grenzgebiet. Es gibt weiterhin Gebiete, in denen sich noch Kämpfer der Syrischen Demokratischen Front befinden, also das Bündnis unter Führung der Volksverteidigungseinheiten, der kurdischen Miliz in Syrien (YPG). Vor der Waffenruhe hat es türkische Luftangriffe gegeben. Die gesamte Bevölkerung ist tief beunruhigt.

Wer muss sich jetzt am meisten fürchten?

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die kurdische Bevölkerung größere Angst hat als die christliche Bevölkerung in Nordsyrien. Das habe ich aus christlichen Kreisen erfahren. Die Christen in der Region haben durchaus eine positive Erwartung im Hinblick auf die Rückkehr des Assad-Regimes. Das ist für uns sicher schwer zu verstehen und zu verdauen angesichts dessen, was in den vergangenen Jahren durch das Assad-Regime in Syrien angerichtet worden ist. Aber man muss auch sagen, dass die Christen ab den 1960er Jahren ein relativ gutes Leben und Zusammenleben mit den Assad-Herrschern – Vater und Sohn – erlebt haben.

Warum das? Konnten die Christen unter Assad frei ihre Religion ausüben?

Es hat keine wirkliche Religionsfreiheit gegeben, aber sie hatten große Freiheit im Hinblick auf die Religionsausübung. Die Kirchen sind positiv behandelt worden. Man könnte auch sagen, es war ein Geben und Nehmen. Das hört sich negativ an und ist durchaus auch so zu verstehen. Aber auf der anderen Seite muss man natürlich auch sehen, dass die Christen und ihre Kirchen ganz genau wussten, dass es dann zum Nachteil sowohl der einzelnen Christen als auch der Kirchen insgesamt sein würde, wenn sie gewisse Grenzen überschritten. Politisches Engagement war folglich unmöglich in jeder Hinsicht. Wer es wagte, irgendetwas zu sagen, was vom Regime kritisch verstanden werden konnte, musste mit entsprechenden Folgen rechnen. Und wenn nun das syrische Regime wieder nach Nordsyrien zurückkommen sollte, dann ist damit zu rechnen, dass das dann auch wieder gelten wird.

Sehr viele Christen sind aus Angst aus der Region geflohen. Wie durchlässig ist die türkisch-syrische Grenze noch, jetzt wo türkische Truppen dort agieren?

In den letzten Jahren war die türkisch syrische Grenze auch für Christen vollkommen undurchlässig. Das betrifft den Zeitraum der letzten zweieinhalb, drei Jahre. Davor war es durchaus so, dass zumindest Christen aus Syrien noch in die Türkei fliehen konnten. Aber seitdem ist es offensichtlich nicht mehr möglich. Es gibt im Grunde genommen für die christliche Bevölkerung nur noch zwei Wege aus dem Land. Einmal den beschwerlichen, langen, teuren und auch gefährlichen in Richtung Libanon. Vom Nord-Osten Syriens bis nach Beirut sind es auf direktem Weg etwa 650 Kilometer. Etwa die Strecke von Aachen nach Berlin. Auf der Route hat es Checkpoints gegeben, an denen Flüchtende bezahlen mussten. Niemand konnte sicher sein, ob er diese Checkpoints überhaupt unbeschadet übersteht. Der andere Weg führt in den Irak. Das ist im Grunde eine illegale Aus- und Einreise. Diejenigen, die es gewagt haben, berichten, dass sie dafür um die 500 Dollar Schmiergeld zahlen mussten. Im Norden des Irak sind Christen wieder auf kurdischem Gebiet. Es gibt dort eine kleine christliche Minderheit. Die hat aber selber ihre Schwierigkeiten. Weil die Christen in Syrien kaum eine Perspektive haben, vom Irak aus in ein sicheres Land weiterreisen zu können, bleiben sie bislang noch lieber in Syrien. Die Christen in der Region sagen sich: Es bringt nichts, wir bleiben hier und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.

Von wem geht die größte Gefahr im Moment aus?

Die größte Gefahr geht von der sogenannten syrischen Nationalarmee aus. Das ist ein Bündnis aus verschiedenen, teilweise islamisch-radikalen Gruppen, das die Türkei aufgebaut hat, um diesen Feldzug in Richtung Nordsyrien unternehmen zu können. Vor diesen Leuten haben die Christen hauptsächlich Angst. Nicht nur die Christen, auch die Kurden und andere Minderheiten. Es hat seitens dieser Gruppen bereits beim letzten türkischen Waffengang in Afrin im Frühjahr 2018 Übergriffe gegeben.

Wie bewerten Sie eine internationale Schutzzone in dem Gebiet?

Eine Bewertung ist momentan kaum möglich. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte bereits vorgeschlagen, dass andere Staaten die Militärpräsenz der USA in der Region ersetzen sollten. Diese Vorschläge sind im Frühsommer offensichtlich nicht verfolgt worden. Jetzt muss man das Ergebnis der heutigen russisch-türkischen Gespräche in Sotchi abwarten. Und dann die Ergebnisse eventueller Gespräche zwischen Russland, der Türkei und den Europäern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Lage und den Perspektiven der Christen in Nord- und Nordostsyrien hat Otmar Oehring am Dienstag eine gleichnamige Studie bei der Konrad-Adenauer-Stiftung vorgestellt.

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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Tue, 22 Oct 2019 18:02:00 +0200
<![CDATA[Mythos van Gogh]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/22/mythos-van-gogh/ Von: Jörn Schumacher

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Tue, 22 Oct 2019 16:54:00 +0200
<![CDATA[Impulspost zum Thema „Trauer mit mir“ verschickt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/22/impulspost-zum-thema-trauer-mit-mir-verschickt/ Kirchenpräsident Volker Jung hat am Dienstag die Initiative der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum Umgang mit Tod, Trauer und Trost vorgestellt: „Die Frage, wohin wir gehen und ob es eine Hoffnung gibt, ist zutiefst religiös. Wir haben eine klare Botschaft, in deren Zentrum der Tod nicht das letzte Wort hat“, verdeutlichte der Theologe.

Kirche sollte für Menschen da sein und sie in ihrer Trauer nicht allein lassen: „Unsere Hoffnung, die wir haben, hat eine Stärke.“ Die Impulspost stoße bewusst diese Perspektiven an: „Das Thema ist nicht risikolos. Manche trifft es genau, andere schieben es gleich weg. Mit unserer christlichen Botschaft können wir uns dem Thema stellen.“

Tod stellt die Situation vieler Menschen auf den Kopf

Im Zentrum der Initiative stehen persönliche Briefe an über 1,5 Millionen Kirchenmitglieder. Auf der ersten Seite zu sehen ist eine auf dem Kopf stehenden Rose, weil der Tod die Situation vieler Menschen auf den Kopf stelle. Daneben stehen die Worte „Und jetzt? Trauermitmir.de“. Die dünne Broschüre erläutert, dass es für Trauernde sinnvoll ist, seinen Gefühlen Raum zu geben und nicht allein zu bleiben. Auch Tröstende bekommen Hinweise, wie sie das Schweigen brechen und ihre Hilfe anbieten können, etwa bei einem Spaziergang oder einem Kinobesuch. Auch die christliche Perspektive mit der Hoffnung über den Tod hinaus wird hier erwähnt.

Der Ewigkeitssonntag im November biete eine besondere Gelegenheit, das Thema in den Gemeinden aufzugreifen und Gottesdienste sowie Andachten und Gesprächsrunden zu gestalten. Es gibt auf dem Portal www.trauermitmir.de eigens gestaltete Karten für Hinterbliebene und Trauernde. Dort gibt es praktische Hilfen von der Checkliste für Beerdigungen bis zu Formulierungen für Kondolenzschreiben.

Das Medienhaus der Landeskirche wird bis zum Beginn der Adventszeit über das soziale Netzwerk Instagram passende Motive posten und die Impulspost-Aktion mit Social-Media-Aktivitäten begleiten. In allen fünf Regionen der Landeskirche finden im Rahmen der aktuellen Impulspost auch besondere Abendveranstaltungen mit Musik statt.

„Manche Trauer bleibt für immer“

Nirmala Peters, Hospiz- und Trauerseelsorgerin, betonte, dass die Kirche Trauernde nicht allein lassen dürfe: „Wir sollen für sie da sein. Nicht aufdringlich, sondern unaufgeregt. Wir dürfen sie auch nicht aus ihrem Trauern herausreißen, sondern sollten helfen, das Leid mitzutragen.“ Trauer sei mühsam, schwerlich und individuell: „Manche Trauer bleibt immer.“ Vielen helfe es beim Abschiednehmen, noch Zeit mit dem Toten zu verbringen, um das Geschehene zu begreifen. Das Ritual der Aussegnung lenke ein Gefühlschaos oft in geregelte Bahnen.

Propst Klaus-Volker Schütz machte deutlich, dass sich der Umgang mit dem Tod für viele geänderte habe: „Bestimmte feste Formen sind weggefallen. Neue Schätze sind zugewachsen. Die Zahl der Aussegnungen hat zu- und die Berührungsängste haben abgenommen.“ Carmen Berger-Zell, Referentin für Theologie, Ethik, Hospizarbeit und Sterbebegleitung bei der Diakonie Hessen verwies auf Fort- und Weiterbildung in der Hospizarbeit. Es gebe auch Kurse, die Kindern den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer näher bringen.

500 Gemeinden machen mit

Mit ihren Impulspost-Aktionen spricht die hessen-nassauische Kirche ihre Mitglieder zweimal im Jahr mit besonderen Themen an. Dabei werden Briefe an alle Haushalte im Kirchengebiet verschickt und die Kirchengemeinden zu eigenen Aktionen eingeladen. Seit 2012 greifet die Landeskirche dabei Themen auf, die für die Menschen und ihr Zusammenleben wichtig sind, und bringt sie mit einer besonderen christlichen Perspektive zu ihren Mitgliedern.

Die Umsetzung übernahmen wieder die Agentur gobasil und das Evangelische Medienhaus der EKHN. Die nächste Aktion zum Thema „Beten“ ist für das Frühjahr 2020 vorgesehen. Die aktuelle Aktion wird von rund 500 Gemeinden vor Ort mit großen Fahnen, Plakaten und eigenen Ideen sowie vielen regionalen Veranstaltungen flankiert.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 22 Oct 2019 16:13:00 +0200
<![CDATA[Rentzing gibt Bischofsamt Ende Oktober ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/22/rentzing-gibt-bischofsamt-ende-oktober-ab/ Carsten Rentzing, der in die Kritik geratene Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, scheidet am 31. Oktober aus dem Amt. Bis dahin wird er keine Aufgaben mehr übernehmen, teilte Synodalpräsident Otto Guse nach einer Sondersitzung am Montag in einer Stellungnahme mit. Die Leitung der Landeskirche habe seinen am 11. Oktober erklärten Verzicht einvernehmlich angenommen. Die Kirchenleitung danke Rentzing für seinen Dienst in den vergangenen vier Jahren. „Er hat sich in schwieriger Zeit für die Einheit der Landeskirche verdient gemacht und das Amt des Landesbischofs auf geistliche und seelsorgerliche Weise ausgefüllt“, schreibt Guse.

In seiner Erklärung hatte Rentzing mitgeteilt, er werde das Amt wegen der Debatte um seine Person zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung stellen. Er hatte geschrieben: „Mein oberstes Ziel war und ist die Einheit der Kirche. Ich muss mit großem Bedauern feststellen, dass die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet.“ Nicht nur für ihn persönlich, auch für die Kirche sei die Diskussion eine Belastung. Er wolle durch seinen Rücktritt „Schaden von meiner Kirche abwenden“.

Gegen politische Instrumentalisierung

Der 52-Jährige ist seit 2015 Landesbischof. Er war zunächst wegen der Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung in die Kritik geraten. Danach wurden Texte bekannt, die er als Student zwischen 1989 und 1992 in der rechten Zeitschrift „Fragmente“ veröffentlichte. Am Sonntag gab er eine weitere Erklärung ab und betonte: „Mich von allem zu distanzieren, was in meinem früheren Leben dem Geist des Evangeliums vom Frieden, der Versöhnung und der Liebe Gottes zu allen Menschen widersprach, fällt mir leicht, da ich dies bereits vor über 25 Jahren gegenüber meinem Beichtvater getan habe.“ Zudem wies er „Versuche der politischen Instrumentalisierung“ seiner Person „von links und vor allem rechts“ zurück. „Sie schaden dem Evangelium meines Herrn Jesus Christus.“

Ein Nachfolger soll am 29. Februar oder 1. März des kommenden Jahres gewählt werden. Wie der Dienst von Renzting in Zukunft aussehen wird, darüber werde nach seinem Urlaub im Landeskirchenamt beraten.

Von: Swanhild Zacharias

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Tue, 22 Oct 2019 09:03:00 +0200
<![CDATA[Im TikTok-Fieber]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/10/21/im-tiktok-fieber/ Lisa und Lena, Falco Punch, Chany Dakota – vielen Über- 18-Jährigen sagen diese Namen nichts. In den Kinderzimmern sind sie derzeit aber höchst angesagt. Denn sie alle wurden durch die App TikTok bekannt. Wer bei „TikTok“ eher an einen Türklopfer denkt als an eine Smartphone-Anwendung, hinter musical.ly eine Webseite für Theateraufführungen erwartet oder sein Kind tanzend vor dem Smartphone antrifft, der sei im Folgenden kurz aufgeklärt.

TikTok ist die derzeit beliebteste App der Welt. Bis 2017 hieß sie musical.ly. Dann wurde sie für umgerechnet gut 900 Millionen Euro an den chinesischen Internetkonzern Bytedance verkauft. Seitdem heißt die Anwendung TikTok. Bei der App geht es um sogenannte Lip-Sync-Videos. Das funktioniert ähnlich wie die Mini-Playback-Show der Neunzigerjahre im Fernsehen, nur digital. Wer sich bei TikTok registriert, kann aus einer Fülle von aktuellen Songs aus den Charts auswählen und dazu kurze Playback-Videos aufnehmen, indem die Lippen zum abgespielten Gesang bewegt werden. Außerdem gehört eine Choreografie, also die passenden Bewegungen oder Tänze, dazu.

Das machen Millionen Kinder und Teenager derzeit täglich und stellen diese Videos der TikTok-Welt zur Verfügung. Knapp neun Millionen Downloads verzeichnen die Betreiber für die App auf dem deutschen Markt. Spitzenreiter bei den Nutzerzahlen ist Indien mit fast 120 Millionen Downloads. Der Hype um die App ist auch in Deutschland so groß, dass diejenigen, die nicht mitmachen, auf dem Schulhof fast als Außenseiter gelten. Daten- und Jugendschützern bereitet TikTok jedoch Bauchschmerzen. Im Frühjahr verließen auch die blonden Zwillinge Lisa und Lena, deren Namen mittlerweile auch über die TikTok-Welt hinaus bekannt sind, das Portal. Unter anderem gaben sie Sicherheitsbedenken als Gründe an. Junge Nutzer veröffentlichten ihre Videos oft unüberlegt, ohne zu wissen, wer die Aufnahmen eigentlich sieht, so die Begründung.

Die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen für Kinder und Jugendliche kritisert auch die Organisation Jugendschutz.net. Eigentlich ist TikTok erst für Teenager ab 13 Jahren erlaubt und Unter-18-Jährige müssen laut AGB zur Nutzung das Einverständnis der Erziehungsverantwortlichen haben. Kontrolliert werde das aber nicht, sagt Judith Eckart, stellvertretende Leiterin im Bereich Internetdienste bei Jugenschutz.net. Bei der Registrierung müsse das Alter zwar angegeben werden, die Wahrhaftigkeit der Angabe werde aber nicht überprüft. Ein Zehnjähriger kann sich also einfach als 13-Jähriger ausgeben. Auch eine Einverständniserklärung der Eltern verlange die App nicht, sagt Eckart. Dabei nutzten beobachtbar sogar schon Achtjährige das Programm.

Gefahr von sexueller Belästigung

Eckart verweist vor allem darauf, dass die Voreinstellungen des Dienstes unsicher sind: Das eigene Profil und Inhalte sind öffentlich einsehbar, man selbst durch die Suchfunktion für jeden auffindbar. Jeder könne dem Anwender private Nachrichten schicken, wenn dieser die Einstellungen nicht ändere.

Gerade für junge Nutzer sei das Risiko sexueller Belästigung, der Anbahnung von Missbrauchshandlungen oder das Risiko für Cybermobbing hoch. Das gelte auch für Turnvideos, in denen die jungen Sportler entsprechend knapp bekleidet sind. „Erwachsene Nutzer versuchen, über Kommentare Kontakt zu Minderjährigen herzustellen und die Kommunikation auf andere Dienste wie WhatsApp oder Snapchat zu verlagern“, beobachtet Eckart.

Hochgeladene Videos könnten zudem einfach in anderen Diensten wie WhatsApp geteilt, heruntergeladen und verändert und so in Inhalte umgewandelt werden, die für Mobbing genutzt werden könnten. Suchkombinationen wie „peinlich TikTok“ führten zum Beispiel zu YouTube-Videos, in denen Nutzer bloßgestellt werden.

TikTok selbst biete zwar die Möglichkeit, unangebrachte Inhalte zu melden, die Löschung erfolge aber nicht immer zuverlässig. Von Zeit zu Zeit kläre der Betreiber die Anwender über Pop-up-Fenster zum Thema Mobbing auf. Wenn Nutzer jedoch einen Beitrag meldeten, würden Sie auf kein Beratungsangebot hingewiesen. Positiv: TikTok arbeite an der Verbesserung des Jugendschutzes, sagt Eckart. Immer mehr riskante Hashtags würden gesperrt und bei der Meldefunktion von Beiträgen gebe es jetzt ein Freitextfeld, um die Lage genauer zu erklären, Screenshots könnten als Belege angefügt werden. Eckart empfiehlt darüber hinaus jedoch, dass Eltern die App mit ihren Kindern zusammen einrichten und sie auf Risiken hinweisen.

Der Medienpädagoge Stefan Piasecki sieht die Faszination von TikTok vor allem in der Möglichkeit, selbst mitmachen zu können. „Sich einbringen zu können und zu dürfen, eigene Inhalte zu setzen, kreativ zu sein – das alles sind Eigenschaften, die in der Grundnatur des Menschen liegen und die hier öffentlich ausgelebt werden können“, sagt er. Piasecki ist Professor für Soziologie und Politikwissenschaften an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW. Zuvor hatte er den Lehrstuhl für Soziale Arbeit und Medienpädagogik an der CVJM-Hochschule Kassel inne. Der App steht er nicht grundsätzlich negativ gegenüber, denn Kinder und Jugendliche könnten durch den Umgang damit einiges lernen: „Selektion aus einer Vielzahl möglicher Themen, überlegtes Herangehen und nicht zuletzt auch Selbstkritik.“ Die Nutzer lernten, mit Reaktionen auf ihre eigenen Inhalte umzugehen.

Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer

Gut findet Piasecki die Vielfalt der Themen in den Videos. Viele Nutzer unterlegen die Musik nicht einfach mit Lippenbewegungen und Tänzen, sondern drehen Mini-Geschichten passend zur Musik. Dabei könne es neben Tiervideos und Basteltipps auch um religiöse oder politische Inhalte gehen, sagt Piasecki. Doch „in der Kürze liegt nicht immer die Würze“ und zum Beispiel für politische Debatten sei es fatal, wenn keine Diskussion mehr stattfinde, sondern es nur noch auf vermarktbare Sprüche ankomme. „Medial existent ist der, der in der Talk-Show seine 15-Sekundenstatements ablassen darf“, gibt der Medienpädagoge zu bedenken. Genau diese Fähigkeit werde bei TikTok eingeübt und das sieht Piasecki kritisch.

Das Problem wenig bekleideter Minderjähriger hält Piasecki nicht für zentral. Viel dramatischer empfindet er die geringe Aufmerksamkeitsspanne von Jugendlichen, die durch Apps wie TikTok verstärkt werde. „Die Schulpädagogik der Neunziger beklagte, dass sich Jugendliche kaum mehr länger als fünf Minuten auf eine Sache konzentrieren können. Verantwortlich machte man Videoclips, die damals populär waren. Im Takt von drei bis fünf Minuten bekam man die unterschiedlichsten Welten vorgeführt.“ Durch Angebote wie TikTok verkürze sich die Aufmerksamkeitsspanne noch weiter. In seiner Hochschultätigkeit nimmt er wahr, dass Studierende oft nicht mehr in der Lage seien, einen längeren Text von ein bis zwei Seiten am Stück zu lesen.

Anstatt vor TikTok zu warnen, appelliert Piasecki – wie auch Eckart von Jugendschutz.net – an die Medienkompetenz der Nutzer. Er meint damit im Besonderen die Entscheidungskompetenz. „Die muss immer früher gelehrt werden, schon im Kindergarten, wenn Sie mich fragen“, sagt er. Piasecki geht es darum, schon Kinder über die Unterschiede von Informationen aufzuklären. „Sie müssen wissen, dass es böse Menschen und böse Inhalte dort draußen gibt. Nicht im Sinne von Panzerknacker-böse, sondern von richtig teuflisch böse. Sie müssen lernen, vorsichtig zu sein und Vertrauen zu dosieren. Und damit auch lernen, Inhalte, auf die sie stoßen, abzulehnen, nicht anzusehen.“ Das funktioniere aber nur, wenn man um diese Tatsache wisse und nicht unvermittelt darauf stoße. Für die Pädagogik sei das der schwierigste Teil des Vermittelns, aber Kinder müssten darauf vorbereitet werden. Schon allein deshalb, weil sie auf dem Schulhof der „Das musst du sehen“-Mundpropaganda ausgesetzt seien, bei der die Faszination des Verbotenen überwiege.

Den Betreibern von TikTok traut Piasecki zu, „dass sie wichtige Entwicklungen und Gefahren im Blick behalten“. Viele Entwickler starteten als „Nerds, die zunächt ihre Technologie sehen“. Kämen dann ökonomisch denkende Menschen im Management und Investoren hinzu, folge oft auch das Bewusstsein für die Verantwortung. Eltern rät der Medienpädagoge: „Verbote bringen nichts.“ Stattdessen sollten sie Interesse zeigen und vielleicht sogar mal bei einem Video mitmachen. Auch Eltern im Freundeskreis der Kinder zu kennen und sich mit ihnen auszutauschen, könne helfen, mögliche Gefahren früh zu erkennen.

Tipps für Eltern

Eltern sollten ihre Kinder bei der Internetnutzung altersgemäß begleiten. Das gilt auch für Apps auf dem Smartphone. Bei TikTok empfiehlt die Organisation Jugendschutz.net:

  • Informieren Sie sich im jeweiligen App-Shop (zum Beispiel Google Play Store für Android oder App-Store für iOS) über Inhalt und Funktionsweise der App.

  • Richten Sie die App zusammen mit Ihrem Kind ein. Legen Sie zum Beispiel gemeinsam die Privatsphäre-Einstellungen fest. So stellen Sie sicher, dass Fremde keinen Zugriff auf das Profil Ihres Kindes haben.

  • Unterbinden Sie In-App-Käufe beim Smartphone Ihres Kindes, damit nicht unbedacht Geld ausgegeben wird. Das können Sie im jeweiligen App-Store festlegen.

  • Klären Sie Ihr Kind über sicheres Verhalten online auf, damit es zum Beispiel subtil wirkende Risiken wie sexuelle Belästigung als solche einordnen kann. Informieren Sie Ihr Kind darüber, welche Möglichkeiten es gibt, wenn es Opfer eines Übergriffs geworden ist oder mit belastenden Inhalten konfrontiert wurde. Infos zu Sicherheitseinstellungen, Meldesystem und Datenschutz finden Sie auch unter kompass-social.media.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 5/2019 des Christlichen Medienmagazins pro. Sie können das Magazin hier bestellen.

Von: Swanhild Zacharias

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Mon, 21 Oct 2019 16:51:00 +0200
<![CDATA[Gegen Antisemitismus: Lehrer will über Israel aufklären]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/21/gegen-antisemitismus-lehrer-will-ueber-israel-aufklaeren/ An Berliner Schulen gibt es immer häufiger antisemitische Vorfälle. Sie sollen sofort dem Senat gemeldet werden. Zudem sollen 170 Anti-Mobbing-Profis für einen friedfertigen Umgang miteinander sorgen. Der Berliner Lehrer Rainer Werner will aber vorher ansetzen: Er findet, dass die Schüler mehr über Israel wissen sollten. Das erklärt er in einem Essay der Tageszeitung Die Welt.

Vor allem Muslime vermittelten ihren Kindern, dass Juden ihre Feinde seien. Der Begriff „Jude“ habe im arabischen Kulturkreis den Status eines universellen Schimpfworts, das Abscheu und Verachtung schlechthin ausdrücke, schreibt Werner. Auffällig seien die Berührungspunkte dieser Thesen mit neonazistischem Gedankengut. Viele Muslime sprächen beim Holocaust von der „Propaganda der Ungläubigen“.

Dumpfe Vorurteile auch im Bildungsbürgertum

Werner, der Deutsch und Geschichte an einem Berliner Gymnasium unterrichtet, findet im antijüdischen und im neonazistischen Gedankengut identische Klischees über Juden vor. Etwa dass Juden Gesellschaftsbereiche beeinflussten und mit ihren Netzwerken die ganze Welt beherrschten. In Berlin boykottierten Menschen sogar die Discounter Lidl und Aldi, weil behauptet worden sei, dass die Geschäfte Juden gehörten. Solch „dumpfe Vorurteile“ begegneten Werner aber auch in „bildungsbürgerlichen, linksliberalen Elternhäusern“.

Dort höre er die Argumente, dass Israel Menschenrechte verletze, indem der Staat „Palästinenser in besetzten Gebieten unterdrückt“. Diese Ressentiments schlummerten in den den „Köpfen junger Menschen, die sich dem linksliberalen Spektrum zuordnen und sich für tolerant halten“. Werner sieht in der Kritik noch eine psychologische Komponente, die mit dem Holocaust zu tun habe.

„Schüler können Einzigartigkeit deutscher Schuld schwer akzeptieren“

Die Ereignisse des Holocausts schockierten und verunsicherten junge Menschen. Die Generation könne es nur schwer ertragen, sich „für ein singuläres Verbrechen vor über 70 Jahren in Haftung genommen zu fühlen. Es ist schwer, diesen jungen Menschen den Unterschied zwischen Schuld, die immer persönlicher Natur ist, und Verantwortung, die auf einem ganzen Volk lastet und nie endet, zu erklären“.

Werner weiter: „Schülern fällt es schwer, die Singularität der deutschen Schuld zu akzeptieren, weil sie glauben, dass sie junge Menschen davon abhält, sich vorbehaltlos mit der deutschen Nation zu identifizieren. Zur Entlastung zählen sie dann gerne die Verbrechen auf, die auf dem Schuldkonto anderer Nationen lasten.“ Eine Schuldentlastung durch Schuldzuweisung an andere, nennt Werner das. Schüler aus dem linksliberalen Milieu hegten keine „genuin antisemitischen Gefühle“. Die leidvolle Existenz des Staates Israel sei „der Stachel, der die Erinnerung an deutsche Verbrechen stets wachhält“.

Der Geschichtslehrer möchte über Israel aufklären und falsche Vorstellungen korrigieren. So habe Israel seine Unabhängigkeit „in fünf ihm aufgezwungenen Kriegen verteidigen“ müssen. Zudem sei es der einzige aller 192 Staaten der Vereinten Nationen, dem das Existenzrecht von anderen UN-Mitgliedsstaaten abgesprochen werde.

Gelegenheiten schaffen, um Empathie zu fördern

Deswegen möchte Werner den Existenzkampf unterstützen. Israel könne es den deutschen Kritikern nicht recht machen, „weil es die Schuld, die den Deutschen wegen ihrer Geschichte auf der Seele lastet, nicht tilgen kann“. Auch staatliches Wohlverhalten werde nicht dazu führen, „die Menschen, die sich nach der Entlastung von der Schuld der Vergangenheit sehnen, für sich zu gewinnen“.

Als Pädagoge wolle er deswegen neben sachlicher Aufklärung und rationaler Argumentation auf emotionale Reize setzen. Sein Vorschlag: Deutsche sollten mit israelischen Schulen und Kibbuzim kooperieren, um die menschliche Begegnung zu fördern: „Empathie kann nur entstehen, wenn man die Fremden kennenlernt und sich auf ihre Lebenswirklichkeit einlässt.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 21 Oct 2019 13:33:00 +0200
<![CDATA[Was Kirche tun muss, um Menschen zu erreichen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/10/21/was-kirche-tun-muss-um-menschen-zu-erreichen/ Bis zum Jahr 2060 werden die beiden großen Volkskirchen die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren, fand kürzlich eine Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) heraus. pro hat dieses Ergebnis zum Anlass genommen, um zu recherchieren, warum immer mehr Menschen die Kirchen verlassen und welche Möglichkeiten es gibt, Wege aus der Krise zu finden. Passend dazu beginnt in der Ausgabe 5/2019 des Christlichen Medienmagazins pro die Reihe „Innovative Kirchenprojekte“. pro-Redakteure stellen kreative Ideen vor, mit denen Kirche Zukunft gestalten kann.

Der Oxford-Professor John Lennox ist Mathematiker und Verteidiger des christlichen Glaubens. Im Interview warnt er davor, dass der Glaube an Einfluss in der Gesellschaft verliert. Außerdem kritisiert er die moderne Lobpreiskultur und spricht über die Frage nach dem Leid.

Im Kloster Sint Sixtus in Belgien wird angeblich das „beste Bier der Welt“ gebraut. pro war vor Ort und hat die Mönche besucht, die beten, arbeiten und schweigen. Schauspielerin Therea Weißbach wurde vor 20 Jahren durch den Film „Sonnenallee“ bekannt. Mit pro sprach sie über Karriere, ihren Glauben und ihre Tätigkeit als Sterbebegleiterin.

Die App TikTok steht bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs. Doch ganz ohne Risiko ist der Gebrauch der Video-Anwendung nicht. pro erklärt, was Eltern darüber wissen sollten und gibt Tipps für den richtigen Umgang mit der App.

Rückblick: 30 Jahre Mauerfall

Thomas Middelhoff war Topmanager und landete dann wegen Veruntreuung und Steuerhinterziehung im Gefängnis. Dort fand er zum Glauben. Jetzt ist sein zweites Buch „Schuldig“ erschienen, in dem er sich zu seinen Fehlern bekennt. pro hat mit ihm darüber gesprochen.

Am 9. November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. Das Christliche Medienmagazin blickt auf die Geschichte zurück und zeigt, wie Christen in der DDR zu den Wegbereitern des Mauerfalls werden konnten. Außerdem erinnert sich Christoph Irion, Geschäftsführer der Christlichen Medieninitiative pro, an die Nacht des 9. November 1989.

Die Ausgabe 5/2019 des Christlichen Medienmagazins pro können Sie hier bestellen.

Von: Swanhild Zacharias

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Mon, 21 Oct 2019 10:58:00 +0200
<![CDATA[Lucke sieht Redefreiheit gefährdet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/20/lucke-sieht-redefreiheit-gefaehrdet/ Am vergangenen Mittwoch war der AfD-Mitbegründer Bernd Lucke bei seiner ersten Vorlesung an der Universität Hamburg als „Nazischwein“ beschimpft worden. Er wurde unter anderem von Mitgliedern der „Antifaschistischen Aktion" (Antifa) bedrängt und daran gehindert, seine Vorlesung zu halten.

In der Welt am Sonntag begründet Lucke in einem Gastbeitrag, warum er durch solche Ereignisse die Freiheit der Rede in Deutschland gefährdet sieht. Heutzutage gehe es oft darum, die Positionen von politisch Andersdenkenden zu „vergröbern“ und zu „verzerren“, um sie „möglichst nachhaltig zu diskreditieren“. Lucke schreibt: „Wer den Euro kritisiert, ist ein Antieuropäer, wer das Kopftuch verbieten will, ist ein Islamfeind, wer Greta kritisiert, ist ein Klimaleugner.“ Es gebe zwar auch faire Diskussionspartner, aber oft werde die gegnerische Position entstellt.

In seinem Fall sei die Beschimpfung „Nazischwein“ zusammen mit einem Angriff auf die Freiheit der Lehre zu weit gegangen. Lucke weist zudem darauf hin, dass die AfD in ihren Anfängen politisch „ganz anders verortet“ gewesen sei als derzeit.

Zwei Drittel sehen Meinungsfreiheit in Gefahr

Besonders bei Vertretern von Mehrheitsmeinungen stellt Lucke fest, dass „sie sehr schnell darin sind, schon bei leichten Abweichungen vom allgemein akzeptierten Meinungskorridor sehr hässliche Begriffe hervorzuholen, um einen Angriff auf die Meinungsherrschaft abzuwehren". Denn Meinungsherrschaft sei zugleich politische Herrschaft. Und wer die inne habe, „gewinnt Wahlen“.

Lucke betont, dass Deutschland ein freies Land sei und jeder seine Meinung äußern könne. Grenzen fänden sich lediglich bei Straftatbeständen wie Beleidigung, Verleumdung oder Volksverhetzung, was auch richtig sei. Eine Allensbach-Studie zeige jedoch, dass fast zwei Drittel der Bevölkerung der Auffassung seien, sie könnten ihre Meinung nicht frei vertreten. Sie fürchteten negative Folgen bei „heiklen Themen“. Es scheine, als habe sich in der deutschen Gesellschaft eine „hämische Freude“ daran breitgemacht, Dinge aufzubauschen, die Vertreter von Minderheitsmeinungen in ein schlechtes Licht rückten.

„Das ist nicht gesund. Das ist nicht gut für die Bürger, denn sie fühlen sich verunsichert“, schreibt Lucke. In der Gesellschaft müsse gerade über anstößige Meinungen offen gesprochen werden. Das wirke sich auch auf die Politiker aus, die an ihren Formulierungen so lange schliffen, bis sie „rund und glatt wie Seifenblasen“ seien. Das führe zu Inhaltsleere und Entfremung gegenüber den Wählern. Große Teile der politischen Rhetorik erstarrten zu Floskeln. Damit wachse die Distanz zu den Wählern. Bei den Wählern steigere das die Versuchung, sich Politikern zuzuwenden, die unkonventionelle Meinungen verträten. Wer abtrünnige Wähler zurückgewinnen wolle, müsse andere Meinungen respektieren. Verzerren und diskreditieren gehe schnell, sei aber feige. „An dieser Feigheit krankt unser Land“, schlussfolgert Lucke.

Von: Swanhild Zacharias

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Sun, 20 Oct 2019 11:09:00 +0200
<![CDATA[EKD beruft Antisemitismus-Beauftragten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/18/ekd-beruft-antisemitismus-beauftragten/ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekommt erstmals einen „Beauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus“. Der Rat der EKD übertrug dem Berliner Theologen Christian Staffa diese Aufgabe für die Dauer der gegenwärtigen Ratsperiode. Im Hauptamt ist Staffa seit 2013 Studienleiter für Demokratische Kultur und Kirche an der Evangelischen Akademie zu Berlin.

In seiner neuen Aufgabe soll er Kirchenleitungen bei ihren Anstrengungen im Kampf gegen Antisemitismus unterstützen. „Nicht erst der zutiefst beschämende Anschlag von Halle hat das bedrohliche Ausmaß antisemitischer Gewaltbereitschaft gezeigt“, wird der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm in einer Pressemitteilung zitiert.

Kampf gegen Antisemitismus besondere Aufgabe der Kirchen

Der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus sei nicht allein Aufgabe des Staates, sondern jedes einzelnen Bürgers und in besonderer Weise auch der Kirchen. „Antisemitismus widerspricht allem, wofür das Christentum steht“, erklärte der Ratsvorsitzende. Die Beauftragung drücke aus, dass die evangelische Kirche unverrückbar an der Seite ihrer jüdischen Schwestern und Brüder stehe.

Sie mache auch deutlich, dass die Evangelische Kirche nicht zuletzt aus der Verantwortung für eigenes jahrhundertelanges Versagen jeder Form von Judenfeindschaft und Verachtung wachsam gegenübertreten werde. „Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus“, sagt Bedford-Strohm.

Autor zahlreicher Publikationen zum Antisemitismus

Christian Staffa wurde 1959 in Essen geboren. Er studierte in Berlin, Tübingen und Prag evangelische Theologie. Nach dem Vikariat gründete er gemeinsam mit Manfred Jurgovsky das Institut für vergleichende Geschichtswissenschaften und arbeitete zusätzlich an der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt als nebenamtlicher Studienleiter. 1998 promovierte er zur Böhmischen Reformation.

Seit 1999 war er Geschäftsführer von Aktion Sühnezeichen. Der Theologe gehört dem Sprecherrat der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus an sowie dem Kuratorium des Instituts Kirche und Judentum und er ist christlicher Vorsitzender der AG Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Staffa ist Autor zahlreicher Publikationen zu Antisemitismus, zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sowie zum christlich-jüdischen Dialog. Auch die EKD hat eine Informationsbroschüre zu dem Thema mit dem Titel „Antisemitismus. Vorurteile, Ausgrenzungen, Projektionen und was wir dagegen tun können“ vorgelegt. Deren dritte Auflage ist online verfügbar.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 18 Oct 2019 16:19:00 +0200
<![CDATA[Der unerklärte Krieg gegen das Christentum]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/10/18/der-unerklaerte-krieg-gegen-das-christentum/ Ungeniert stehen die roten Kleintransporter mit der Aufschrift „Cuba Sí“ vor dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin. Sie machen dort Werbung für eine Diktatur und gehören zur gleichnamigen Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Partei Die Linke. Die engagiert sich offen für den Erhalt der kommunistischen Alleinherrschaft auf der Karibikinsel, „etwa indem sie regelmäßig Hilfstransporte organisiert oder kubanische Regierungsvertreter zu Symposien nach Deutschland einlädt“, sagt die Potsdamer Historikerin Jenny Krämer.

Seit 1959, dem Jahr ihres militärischen Sieges über die Regierung Fulgencio Batista, regieren Kubas Kommunisten ununterbrochen, ohne sich jemals durch freie Wahlen legitimieren zu lassen, was „Cuba Sí“-Vertreter hartnäckig ausblenden. Gleichzeitig warnen ihre Genossen vor „demokratiefeindlichen“ Tendenzen in der Bundesrepublik, wie erst im Januar die Linken-Bundestagsabgeordnete Katja Kipping in einem Zeitungsinterview. Auf rund 400 Mitglieder wird „Cuba Sí“ bundesweit geschätzt, darunter der ehemalige DDR-Ministerpräsident Hans Modrow und die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke. Das Faszinosum einer „sozialistischen“ Gesellschaft lebt weiter, auch wenn auf Kuba die allgemeinen Menschenrechte keine Gültigkeit haben. Linken-Pressesprecherin Antje Dieterich wollte sich dazu nicht äußern, aus Sorge, „falsch verstanden“ zu werden.

Opposition unter dem Dach der Kirche

Ortswechsel. Ein unscheinbarer Hinterhof in Santiago de Cuba, der größten Metropole im Südosten Kubas. Auf einem klapprigen Campingstuhl neben einem Tischchen mit kalten Getränken sitzt José Daniel Ferrer, Lichtgestalt der kubanischen Opposition und gefürchteter Regierungsgegner. Knapp acht Jahre verbrachte der 49-Jährige in Gefängnissen seines Landes. Wegen „konterrevolutionärer Handlungen“, was auf Kuba ein Verbrechen ist. „Ich habe immer nur meine Meinung gesagt, nicht mehr und nicht weniger“, sagt Ferrer, der aus einer christlich geprägten Dissidentenfamilie stammt und die früheren osteuropäischen Oppositionspolitiker Vaclav Havel und Lech Walesa seine großen Vorbilder nennt.

Ferrer leitet die verbotene Oppositionspartei Patriotische Union Kubas (UNPACU), mit einem harten Kern von rund 1.500 Regierungsgegnern und zahlreichen Unterstützern, darunter zahlreiche Pastoren, die sich regelmäßig in informellen Zirkeln unter dem Dach der christlichen Kirchen treffen und mit friedlichen Mitteln für ein freies, demokratisches Kuba streiten. Das am 24. Februar 2019 abgehaltene Schein-Referendum über eine neue „Verfassung“ war eine Farce, sagt Ferrer, da die Kommunisten an ihrem Machtmonopol festhalten.

2003 wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt und dann vorzeitig entlassen. „Unsere Leute leisten Basisarbeit, indem sie allerorts für unsere Ideen werben und dabei auf wachsende Zustimmung stoßen“, sagt Kubas wohl bekanntester Dissident. Unterstützung bekommt er von Roberto Jesús Guerra Pérez, der mit seiner unabhängigen Presseagentur Hablemos Press regelmäßig über Menschenrechtsverletzungen auf Kuba berichtet, vor allem beim Versammlungsrecht und beim Recht auf freie Meinungsäußerung. Bislang dulden die Behörden seinen Fünf-Mann-Betrieb in der dritten Etage einer heruntergekommenen Mietskaserne im Osten La Habanas, wohl auch aus Angst vor negativer Berichterstattung in der ausländischen Presse.

Die Macht der Gewaltlosigkeit

„Offiziell herrscht auf Kuba zwar Religionsfreiheit, und selbst bei katholischen Fronleichnamsprozessionen sichert die Polizei in Touristengebieten demonstrativ die Straßen ab, doch im Alltag sind bekennende Christen oft diskriminiert“, sagt die Potsdamer Historikerin Krämer. Denn wer sich aktiv in seiner Gemeinde engagiert, missachtet das Diktum der kommunistischen Partei. Und das wird ungern gesehen, etwa wenn es um die Zuteilung von Lebensmitteln, einer besseren Wohnung oder eines Studienplatzes geht. „Anders als in freien, westlichen Gesellschaften, wird auf Kuba alles und jedes von der allmächtigen Partei kontolliert“, sagt Krämer.

Wenige Jahre vor seinem Tod im Jahre 2016 und als Zugeständnis gegenüber der tief religiösen Inselbevölkerung hatte der frühere Diktator Fidel Castro das Weihnachtsfest wieder zum gesetzlichen Feiertag erklärt, was es auf Kuba jahrzehntelang nicht gewesen war. „Das kubanische Regime führt keinen offenen, sondern einen leisen, subtilen Kampf gegen alles Religiöse “, sagt Krämer. Warum? Weil es aus der Geschichte, etwa Polens, der früheren DDR, aber auch einiger muslimischer Regionen der untergegangenen Sowjetunion weiß, wie fragil die Macht einer weltlichen und demokratisch nicht legitimierten Regierung sein kann. „Es ist kein Zufall, dass die führenden kubanischen Oppositionellen, zu denen auch die ‚Damen in Weiß‘ unter Berta Soler gehören, unter dem Dach der Kirchen agieren“, erklärt die Historikerin. Sie wissen, dass von der Gewaltlosigkeit des Christentums eine Macht ausgeht, die früher oder später jeden weltlichen Unterdrückungsapparat in die Schranken weist.

Bröckelnder Rückhalt

Dessen ungeachtet unterstützen nur noch wenige Kubaner die Regierung ihres Landes. Die Ideale der Revolution sind längst verblasst, auch wenn die Staatsmedien vehement und in täglich großer Aufmachung das Gegenteil behaupten. Gefühlte acht von zehn Bürgern befürworten den demokratischen Wandel; ein Ende des Einparteiensystems und damit das Ende der Privilegien ihrer Nomenklatura, von der Sonderversorgung in der Funktionärssiedlung Punto Cero, dem kubanischen Wandlitz, bis hin zum aufwändigen Lebensstil mit Yachten, Nobelkarossen und Immobilien in Frankreich und Spanien.

Bisher konnte sich die Machtclique um Parteichef Raúl Castro und Staatspräsident Miguel Díaz-Canel hemmungslos am Volkseigentum bereichern. Durch Mehrheitsbeteiligungen an Hotelketten sichert sich das kubanische Verteidigungsministerium den Löwenanteil an den lebenswichtigen Deviseneinnahmen. „Trotz fruchtbarer Böden muss Kuba die meisten Lebensmittel importieren“, kritisiert Martin Lessenthin, Sprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main, die Lage auf der Karibikinsel. Regelmäßig wird die IGFM von „Cuba Sí“-Vertretern mit „Mahnwachen“ verunglimpft, sobald sie die dortige Menschenrechtslage thematisiert.

Fragwürdiges Castro-Erbe

Dabei ist die Lage ausgesprochen kritisch. Lebensmittelkarten haben Hungeraufstände auf Kuba bislang verhindert, gleichwohl es kaum etwas zu verteilen, geschweige denn zu verkaufen gibt, was schon bei der Ankunft am Internationalen Flughafen José Martí ins Auge fällt. Bei der Fahrt ins Zentrum sieht der Besucher leere Geschäfte und erst recht keine Supermärkte, Lokale oder Tankstellen.

Dagegen rührt sich Widerstand, der quer durch alle Schichten geht. Ob gebildet, ungebildet, Hausfrau oder Taxifahrer, kaum jemand äußert sich noch positiv über das politische Erbe Fidel Castros, der das Land bei seinem Tod im Jahre 2016 in einem desaströsen Zustand hinterlassen hat. Castros in den Medien gebetsmühlenhaft wiederholte „Verdienste“, wie freier Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, bleiben unwidersprochen, da unabhängiger Journalismus verboten ist. „Falta una chispa“, es genügt ein Funke, und das Land explodiert, ist Daniel Ferrer überzeugt.

Doch die kubanische Regierung zeigt sich starrsinnig, wie einst die SED gegen Ende der Achtzigerjahre. Regelmäßig schiebt ihre zensierte Presse die Versorgungsmisere dem westlichen Ausland in die Schuhe, allen voran den USA, aber zunehmend auch Deutschland und anderen NATO-Verbündeten, deren Bürger als zahlungskräftige Touristen bislang den wirtschaftlichen Kollaps der Insel verhindert haben. Seit geraumer Zeit dürfen Dissidenten in der litauischen Botschaft in La Habana kostenlos das Internet nutzen und westliche Literatur lesen, darunter den Romanklassiker „1984“ von George Orwell, der bekanntlich auch in der DDR zur verbotenen Literatur gehörte.

Von: Benedikt Vallendar

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Fri, 18 Oct 2019 15:35:00 +0200
<![CDATA[60 Jahre ERF Medien: Ampelmännchen mit guter Botschaft]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/radio/2019/10/18/60-jahre-erf-medien-ampelmaennchen-mit-guter-botschaft/ pro: Herr Dechert, 60 Jahre ERF Medien. 1959–2019. Zwischen den Zahlen steht ein kleiner, waagerechter Strich. Lief alles so geradlinig wie zwischen diesen beiden Jahreszahlen?

Jörg Dechert: Ganz sicher kein gerader Strich. Das ist in keiner Organisation so, erst recht nicht in der Medienbranche, die wie keine andere sich dynamisch verändert. 1959 war das Leitmedium das Radio. Das ist es heute sicher nicht mehr. Ein Schlagwort könnte sein: Digitalisierung. Gerade in den letzten Jahren haben wir immer mehr dafür gearbeitet und investiert, um alle unsere Inhalte auf der Fernbedienung für das Leben zu platzieren, dem Smartphone. Alles, was da nicht drauf ist, gibt es für immer mehr Menschen einfach gar nicht. Das ist so ein Beispiel für eine Entwicklungsrichtung. Der ERF hat in sechs Jahrzehnten immer danach gefragt: Was sind die medial besten Möglichkeiten? Für den ERF war es immer auch ein Kampf, Sendemöglichkeiten zu bekommen. Ganz am Anfang war es die Kurzwelle, dann war es über lange Jahre die Mittelwelle. In den vergangenen Jahren haben wir in digitales Radio, DAB+, investiert. Jetzt ist es so, dass sich 85 Prozent unserer Nutzerzahlen außerhalb des Radios bewegen. Das bedeutet Bewegtbild, Online-Angebote, Social-Media-Apps. Also nein, kein gerader Strich.

Beim Menschen setzt mit fortschreitendem Lebensalter die Verkalkung ein. Wie wollen Sie ERF Medien fit halten für die Zukunft?

Verknöcherung muss nicht automatisch für Organisationen gelten. Sie können sich immer wieder verjüngen, erneuern. Das hat viel zu tun mit neuen Ideen, mit neuen Köpfen, neuen Fragen, denen man sich stellt. Ich bin jetzt fünf Jahre Vorstandsvorsitzender und glaube, diese fünf Jahre waren eine Zeit, wo wir systematisch sehr viele Reformvorhaben angepackt haben. Die strategische Ausrichtung zum Beispiel. Die Gebäudesituationen. Die Digitalisierung. Wir haben dafür gearbeitet, die Angebote evangelistisch zuzuspitzen. Das heißt, in einer Zeit, wo immer mehr Menschen eigentlich gar kein Hintergrundwissen mehr haben über den christlichen Glauben, sprachlich neu andockfähig zu sein mit Radio, Fernsehen und Online-Inhalten. Im Moment durchläuft unser Personalwesen eine Reform. Eine Organisation muss Dinge proaktiv tun, um in Bewegung zu bleiben.

Sie erreichen Ihr Publikum vor allem mit neuen Medien. Der Rundfunk hat seine maßgebliche Bedeutung für ERF Medien verloren ...

Ich würde nicht sagen, dass unser Radioprogramm an Bedeutung verloren hat. Gerade mit unserem Radioprogramm „ERF Plus“ pflegen wir eine langfristige Bindung zu den Menschen, teilweise über Jahrzehnte. Das hat Gewicht und Bedeutung. Deswegen haben wir auch in den digitalen Ausbau und die Entwicklung von DAB+ investiert und tun das noch. Der Medienwandel zeigt allerdings: Die jüngeren Generationen bewegen sich immer mehr abseits des Radios.

Wagen Sie einen Ausblick?

Wir sind jetzt noch wenige Jahre von dem Punkt entfernt, wo nach allen Prognosen weniger als 50 Prozent der Menschen in Deutschland irgendeiner christlichen Kirche angehören werden. Das wird psychologisch und auch gesellschaftspolitisch ein sehr interessanter Punkt. Denn es bedeutet, dass wir Christen uns vieles der „Kleinstaaterei“, die wir heute haben, die oft theologisch abgegrenzt ist, schlichtweg nicht mehr leisten können. Wenn wir als Christen noch eine Stimme, ein Gewicht in diesem Land haben wollen, dann werden wir ganz neu über Kooperationen nachdenken müssen. Viele unserer Binnen-Konflikte, die wir so vor uns her tragen und mögen gelernt haben, werden wir hinter uns lassen müssen. Das stellt Werke und Organisationen vor neue Fragen der Zusammenarbeit. Medial erwarte ich, dass das Nutzungsverhalten immer mehr in Richtung „On-Demand“ geht. Sprich: Ich kann meine Inhalte dann bekommen, wann ich will, wo ich will, wie ich will. In diesen Bereich haben wir in den vorigen Jahren massiv investiert. Ich denke, in der Digitalisierung stecken ganz viele Chancen. Wir sind als Deutsche ja meistens gut darin, erst mal zu problematisieren, zum Beispiel mit Blick auf Datenschutz und Fremdbestimmung. Das sind auch gewichtige Fragen. Aber wenn wir nicht vom Silicon Valley und von China rechts und links überholt werden wollen, dann sollten wir stärker nach den Chancen fragen.

Sie haben jetzt als Schwerpunkt die Digitalisierung angesprochen. Die hat in hohem Maß damit zu tun, dass Dinge ihre physische Gestalt verlieren und ins Digitale übertragen wird. Wie passt da der Neubau eines Gebäudes hinein?

Für uns ist ganz wichtig, bei der Konzeption des Neubaus nicht „Copy und Paste“ zu betreiben. Also nicht das, wie es jetzt ist, in eine moderne Form aus Stein, Glas und Stahl zu übertragen. Sondern wir sagen: Wenn wir jetzt die physische Plattform bauen für die christliche Medienarbeit der nächsten dreißig, vielleicht vierzig Jahre, dann muss viel mehr Flexibilität in dem Gebäude möglich sein. Es wird viel weniger Wände geben. Es wird viel weniger unverrückbar in Stein gefasst sein. Wir brauchen mehr Freiraum zum Experimentieren, weil wir heute noch nicht wissen, wie in zehn oder zwanzig Jahren der Medienmix sein wird im ERF und wie viele Mitarbeiter mit welchen Medienschienen beschäftigt sein werden. Wir möchten mit dem Neubau Freiheit gewinnen. Wir rechnen auch damit, dass wir deutlich weniger Material wie Akten oder Unterlagen unterbringen müssen und unterbringen können. Da spielen die Digitalisierung und das Gebäude zusammen. Das Ganze wird eine flexiblere Plattform sein als unser heutiges Gebäude, wie es über 48 Jahre gewachsen ist.

Sie sind von der Profession her Physiker. Inwieweit ist Ihre Ausbildung hilfreich bei der Leitung eines Medienwerkes?

Ich habe in den vergangenen Jahren gelernt, dass dieses systemische Denken, in dem Physiker ausgebildet werden, in der Situation eines christlichen Werkes von Vorteil sein kann. Also die Fähigkeit, einerseits das große Bild im Blick zu haben und gleichzeitig Probleme systematisch zu lösen und in die Tiefe zu bohren. Ohne sich dabei ideologisch – oder manchmal vielleicht auch theologisch – zu verkämpfen. Wir benötigen einen gesunden Pragmatismus in den christlichen Werken. Ich liebe Jesus, ich bin ein leidenschaftlich geistlicher Mensch. Aber ich finde, nicht alles, was wir in unseren Werken und Organisationen so betreiben, müssen wir immer durch die theologische Brille sehen.

Ihr Wikipedia-Eintrag nennt zwei Leidenschaften. Wo liegt der Schwerpunkt? Beim Journalisten oder beim Geschichtenerzähler?

Ich habe keine Ahnung, wer den Wikipedia-Artikel geschrieben hat – ich jedenfalls nicht. Journalist stimmt nicht, Blogger stimmt. Ja, ich habe schon redaktionelle Projekte aufgebaut und geleitet, aber ich verstehe mich nicht als Journalisten, sondern als Kommunikationsmenschen. Seitdem ich Christ geworden bin, treibt mich die Frage um: Wenn das Evangelium wirklich die beste Botschaft der Welt ist, wie wir Christen immer behaupten, warum verpacken wir sie dann manchmal so schlecht? Das betrifft alle Kirchen, alle Gemeinden. Wenn das wirklich die beste Botschaft der Welt ist, dann hat die doch die beste Kommunikation verdient, die es irgendwie geben kann. Das treibt mich an. Mein Fokus ist ein Evangeliums-Kommunikations-Gedanke.

Der Schwerpunkt von ERF Medien verlagert sich immer mehr in den Online-Bereich. Sie betreiben als „Pixelpastor“ einen Blog. Ist dieses Medium denn überhaupt dafür geeignet, eine ewig gültige Botschaft in einem so kurzlebigen Umfeld zu teilen?

Ich glaube, jede Zeit hat ihre Verpackung und ihre Medien für das Wort Gottes. Wenn wir in der Kirchengeschichte zurückschauen, dann hat es die ersten 1.500 Jahre nicht einmal ein Buch gegeben, in dem alles drin stand. Vor dem Buchdruck und vor der Reformation gab es Briefe, es gab ganz viel mündliche Überlieferungen. Die Menschen haben letztlich Zeugnis abgelegt, sie haben Geschichten erzählt von dem, was Gott in ihrem Leben getan hat, wie sie das erlebt haben, was ihnen überliefert worden ist. Dann wurde alles mit dem Buchdruck sozusagen kodifiziert. Die Gute Nachricht wurde in ein Medium gepackt und es trennten sich Medium und Botschafter. Die Botschaft wurde auf einmal physisch. Dann kamen irgendwann Radio und Fernsehen, Zeitungen und Social Media. Bei Social Media kommt beides wieder zusammen, die Botschaft und der Botschafter. Also eine sehr wechselvolle Geschichte. Ich bin davon überzeugt, dass es keine mediale Form gibt, durch die Gott nicht sprechen kann.

Die Bindung an Kirchen lässt immer mehr nach. Bis 2060 halbieren sich die Mitgliederzahlen der evangelischen und katholischen Kirche. Das heißt, Ihre Hörerschaft bricht weg. Wie wollen Sie das kompensieren?

Unsere Nutzerschaft ist ziemlich divers. Das reicht von Christen aus Landeskirchen über Landeskirchliche Gemeinschaften bis hin zu Freikirchen aller möglichen Couleur. Viele Freikirchen sind vom Wachstum her auch nicht so viel besser dran als die Landeskirchen. Ich glaube aber, dass die Menschen in unserem Land eine Sehnsucht nach Spiritualität und Hoffnung in sich tragen, die sich nur nicht mehr in Kirche und Kirchenmitgliedschaft niederschlägt. Das äußert sich auch an Stellen, wo man Spiritualität nicht auf den ersten Blick erwarten würde. Wenn eine junge Generation bei „Fridays for Future“ auf die Straße geht, dann drückt sie damit ganz viel Sehnsucht und Hoffnung aus. Die jungen Menschen signalisieren: Wir wollen Verantwortung übernehmen, wir wollen gestalten. Darin kann man auch christliche Gedanken wiederfinden. Diese Generation fragt: Was gibt uns eigentlich Hoffnung? Wo kommt die Zukunft her? Das sind sehr christliche Fragen. Von daher wird es aus meiner Sicht darum gehen, in den nächsten Jahren unsere Andockfähigkeit zu erhalten und vielleicht auch neu wiederzugewinnen. Das betrifft nicht nur ERF Medien, das betrifft alle Kirchen und Gemeinden.

ERF Medien wird der evangelikalen Bewegung zugerechnet. Inwieweit ist die Theologie, die die Evangelische Allianz vertritt, kompatibel mit der Theologie, die die Landeskirchen vertreten? Etwa hinsichtlich der Segnung Homosexueller oder feministischer Theologie. Gibt es widerstreitende Interessen?

Darauf möchte ich zwei Antworten geben. Die erste Antwort ist: Wir haben in dem, was bei uns an Verkündigung läuft, einen sehr klar definierten Korridor, und den finde ich auch wichtig. Das sind die Lausanner Erklärung und die theologische Basis der Evangelischen Allianz. Das Zweite ist die Frage: Welche Rolle spielt eigentlich die Theologie bei uns? Da ist es wichtig zu sehen, dass wir ein Missionswerk sind. Ein Missionswerk muss sich nicht zu allen möglichen theologischen Fragen positionieren, verorten und äußern. Manche hätten das gerne. Ich werde manchmal gefragt, wie sieht denn der ERF diese oder jene Frage. Als wären wir ein Schiedsrichter. Wir haben einen Kommunikationsauftrag für das Evangelium. Dass es Gott wirklich gibt und dass er einen Menschen wirklich liebt und dass er wirklich in diese Welt gekommen ist in Christus und jeden Menschen an sein Herz ziehen will. Um das zu kommunizieren, brauchen wir viele andere Detailfragen nicht zu beantworten. Für mich ist die Rolle von Theologie bei uns vergleichbar mit einem dieser aus der DDR stammenden roten Ampelmännchen, das mit weit ausgestreckten Armen dasteht. Es hat einen festen Stand. Also ein klares, eigenes theologisches Profil. Aber die Arme sind so weit auseinandergestreckt, wie es geht. Jeder, der bei ERF Medien andocken will, ist uns herzlich willkommen. Letztlich geht es uns darum, das Evangelium zu kommunizieren und nicht einen theologischen Katechismus.

Wie kann ERF Medien heute bei Menschen andocken?

Ich glaube, es ist andersherum. Menschen entscheiden selbst, wo sie andocken. Ein bisschen böse gesagt: In vielen Kirchen und Gemeinden bleiben die Leute bis zum Schluss sitzen, weil es unhöflich wäre, mittendrin aufzustehen und rauszugehen, wenn irgendetwas nicht verständlich ist oder nicht hilft. In der Welt der Medien geht das viel schneller. Das ist im Fernsehen ein Klick auf die Fernbedienung. Vom Internet ganz zu schweigen. Das bedeutet, wir müssen eigentlich noch viel mehr mit der Frage ringen: Welche unserer Inhalte sind für die Leute relevant? Wir müssen erforschen, wo die Bedürfnisse sind, in die wir hineinsprechen können. Ich denke an unser Social-Media-Engagement und die Fernsehsendung „Mensch, Gott“, wo Menschen von ihrer geistlichen Reise erzählen. Es ist nicht vorhersehbar, welche Beiträge, welche Themen viral gehen bei YouTube, Facebook und so weiter – und welche nicht. Deswegen es wichtig, diese Marktorientierung zu haben, auf Tuchfühlung zu sein mit „da draußen“.

Was treibt die Mitarbeiter von ERF Medien an?

Wir machen Medien, damit Menschen Gott kennenlernen und damit er ihr Leben verändert. Das ist unsere Leidenschaft. Wir nehmen das Wort Mission tatsächlich ernst und schämen uns nicht dafür. Und wenn es stimmt, dass man Medien missionarisch einsetzen kann, dann müssen wir das so gut machen, wie wir können. Das ist die innere Haltung, die uns hier in der Mitarbeiterschaft antreibt und auszeichnet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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Fri, 18 Oct 2019 13:40:00 +0200
<![CDATA[Jesus Christus? Frohe Botschaft? Da war ja was!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/10/18/jesus-christus-frohe-botschaft-da-war-ja-was/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Der angekündigte Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing hat für Aufregung im Kirchenvolk gesorgt. Die einen sehen darin die einzig richtige Entscheidung, andere springen Rentzing bedingungslos zur Seite, in vielen Reaktionen ist Betroffenheit zu spüren. Bundesweit berichteten Medien über Vorwürfe gegen ihn, sich nicht ausreichend von der AfD distanziert zu haben, über seine Mitgliedschaft in einer pflichtschlagenden Verbindung, über nationalistische Texte aus seiner Studienzeit. Eine Petition vom September forderte den Bischof auf, sich zu erklären, wodurch die ganze Debatte um seine Person so richtig in Gang kam. Eine andere verlangt nun den Verbleib Rentzings im Amt. Die bekam innerhalb von zwei Tagen mehr als 12.000 Unterschriften – die rentzingkritische hatte nach einem Monat lediglich rund 1.000 Unterstützer.

Die Entscheidung zum Rücktritt wird Rentzing wohl nicht widerrufen. Die aufgewühlte Debatte um ihn zeigt aber, dass vor allem konservative Kirchenmitglieder in ihm einen wichtigen Repräsentanten sehen, auch über seine Landeskirche hinaus. Und sie zeigt, dass die Amtskirche sich schwer damit tut, Spaltungen innerhalb der Gesellschaft, die sich eben auch unter Kirchenmitgliedern auftun, zu überbrücken. Die sächsische Kirchenleitung spricht in einer Erklärung von „Zerwürfnissen“, die sich durch die Ereignisse rund um den Bischof offenbaren. Vielleicht war es klug von ihm, nicht lautstark die AfD zu kritisieren – wie es manche seiner Amtskollegen tun und was ihm vorgehalten wird – und somit aber auch die Menschen im Land mitzunehmen, die aus verschiedensten Gründen mit den Rechtspopulisten sympathisieren.

Mehr Evangelium, weniger Politik

Das ist natürlich ein schwieriger Balanceakt, aber er ist wichtig. Klar, müssen die Kirche und ihre Leiter sich gegen menschenverachtende, extremistische politische und gesellschaftliche Strömungen positionieren, die der christlichen Botschaft von der Gnade, der Liebe, Vergebung, dem Angenommensein bei Gott widersprechen. Aber es hilft nicht weiter, wenn auch sie dabei einem beträchtlichen Teil der Menschen das Gefühl vermitteln, nicht ernstgenommen zu werden. Denn dieses Gefühl ist ja eines, was Menschen mit dazu bewegt, sich zum Beispiel von den etablierten Parteien oder Medien abzuwenden. Die Petition, die nun Rentzings Verbleib im Amt fordert, weist auf eine Aussage hin, die er 2015 zum Umgang mit Rechtspopulismus machte: „Wir können es uns nicht leisten, die Gesellschaft an dieser Stelle auseinanderbrechen zu lassen.“ Kirche, zumal eine, die sich als Volkskirche versteht, sollte dabei helfen, den inneren Frieden einer Gesellschaft zu fördern.

Bemerkenswert in der Erklärung der sächsischen Kirchenleitung ist die Feststellung, dass die Debatte um Rentzing „die Kraft des Zeugnisses der frohen Botschaft Jesu Christi“ schwächt. Ach ja, da war ja noch was. Jesus Christus. Frohe Botschaft. Das ist ja das eigentlich zentrale Thema, zu dem Kirche etwas zu sagen hat. Wieder einmal ist sie nun mit einem ganz anderen Thema in die Schlagzeilen gekommen. Wenn die Botschaft von Christus, der unser Friede ist, hör- und unter Kirchenleuten sichtbarer wäre, könnte das auch ein Beitrag zum Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sein.

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Fri, 18 Oct 2019 11:05:00 +0200
<![CDATA[„Glaube ist kostbar und extrem persönlich“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/10/17/glaube-ist-kostbar-und-extrem-persoenlich/ Der Glaube ist für Terence Hill eine „kostbare und extrem persönliche Sache“. Wie das Online-Portal kath.net meldet, steht der italienische Schauspieler und Regisseur klar zu seinem römisch-katholischen Glauben. Die Nachrichtenplattform beruft sich auf die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift allewelt von Missio Österreich.

„Ich praktiziere seit vielen Jahren die Andacht zur Göttlichen Barmherzigkeit. Einmal wurde ich am Flughafen festgehalten, weil ich viele solcher Andachtsbilder in meinem Koffer hatte. Die Grenzpolizei erkannte mich und dachte, dass ich darunter eine Waffe versteckt habe“, erklärte Hill dem Magazin.

„Menschen wollen sich nicht mit der Wahrheit befassen“

Demzufolge ist Hill seit seiner Kindheit gläubig. Besonders der Heilige Franziskus habe ihn geprägt. Wegen seiner religiösen Einstellung habe er auch angebotene Rollen wie Rambo abgelehnt. „Wie schwach sind wir doch, dass wir uns nicht mit der Wahrheit befassen wollen! Wir wollen bloß Unterhaltung, aber keine Wahrheit“, stellte Hill kürzlich Bezüge zu seinem Glauben her.

Der Schauspieler wurde 1939 in Venedig unter dem bürgerlichen Namen Mario Girotti geboren. Seine Mutter Hildegard Thieme stammt aus Sachsen. 1943 zog die Familie dorthin. Hill erlebte als Kind die Luftangriffe auf Dresden. 1947 zog die Familie wieder zurück nach Italien. Regisseur Dino Risi entdeckte den Zwölfjährigen und gab ihm in „Holiday for Gangsters“ seine erste Rolle.

Hill besuchte drei Jahre eine Schauspielschule. Sein Literaturstudium brach er ab, um sich ganz der Schauspielerei zu widmen. Er spielte anfangs in Monumentalfilmen und in deutschen Karl-May-Filmen mit. 1967 heiratete er, beruflich wechselte er in das Genre Italo-Western. Für den Film „Gott vergibt … Django nie!“ musste er sich einen Künstlernamen zulegen und entschied sich für Terence Hill.

Viele Male spielte er an der Seite von Bud Spencer. Die Western-Parodie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ sahen allein in Deutschland zwölf Millionen Zuschauer. Bis Mitte der Achtzigerjahre feierten die beiden Erfolg um Erfolg. Die wohl bekannteste Rolle spielte Hill als Nobody im Film „Mein Name ist Nobody“ neben Hollywood-Star Henry Fonda.

Don Matteo: Ein Pfarrer löst Kriminalfälle

In einigen seiner Filme führte er auch Regie oder schrieb bei „Renegade“ das Drehbuch. Seit 2000 spielt Hill in der italienischen Fernsehserie Don Matteo einen Pfarrer, der Kriminalfälle löst. Bis 2018 wurden insgesamt 245 Folgen in elf Staffeln ausgestrahlt. Eine weitere Staffel wird gerade produziert. Hills leiblicher Sohn Jess wurde 1969 geboren. Der 1973 geborene Adoptivsohn Ross kam 1990 bei einem Autounfall ums Leben.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 17 Oct 2019 16:49:00 +0200
<![CDATA[Proteste gegen Lucke: Mehr Sühne, mehr Gnade!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/10/17/proteste-gegen-lucke-mehr-suehne-mehr-gnade/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Ob Bernd Lucke je wieder regulär an der Universität Hamburg arbeiten können wird, ist dieser Tage fraglich. Anderthalb Stunden lang brüllten Studierende den Ökonomieprofessor am Mittwoch nieder. Jeder Versuch Luckes, sich zu erklären, wurde Medienberichten zufolge von „Nazischwein“-Rufen und Aufforderungen, den Saal zu verlassen, erstickt. Und das, obwohl Lucke sich über die gesamte Vorlesungszeit hinweg dem Protest gegen sich aussetzte. Sogar dann, als es handgreiflich wurde. Als die Polizei Lucke anschließend auf eigenen Wunsch vom Universitätsgelände geleitete, ging er als einer, der auch zeigen wollte: Ich bin kein Nazi. Die tobende Menge hatte ihn nicht nur an der Vorlesung gehindert, sondern auch daran.

So führen die Studierenden ihre eigene Forderung ad absurdum. Der Asta hat im Nachhinein zwar erklärt, die Proteste im Hörsaal nicht initiiert zu haben, stellte aber in einem Schreiben fest, woran es Lucke bei der Aufarbeitung seiner eigenen AfD-Vergangenheit gemangelt habe. Mehr Verantwortung hätte er dafür übernehmen sollen, dass er 2013 mit der Gründung der AfD den Anstoß für eine wahrlich unschöne Entwicklung in der deutschen Parteienlandschaft gab: das Erstarken der neuen Rechten in Landesparlamenten und im Deutschen Bundestag. „Verantwortung hätte sein können, dem Schaden an der eigenen Macht zum Trotz auszutreten, solang er noch Vorsitzender war, und das rechte Problem der AfD aus einer Position der Stärke zu benennen“, argumentiert der Asta. Und weiter: „Verantwortung hätte auch sein können, dem Schaden am eigenen Ruf zum Trotz in der Partei zu bleiben und intern daran zu arbeiten, die rechten Umtriebe wieder kleinzukriegen, von innen heraus von der Wahl der AfD abzuraten, solang sie in diesem Zustand ist, und sich notfalls rauswerfen zu lassen.“

Lucke ging aus Überzeugung

Wer diese Zeilen liest, hat schnell das Gefühl: Bei aller Schuld, die Lucke sicherlich auch am Erstarken eines Björn Höcke oder eines Andreas Kalbitz zuzurechnen ist – recht machen können hätte er es den Studierenden von heute ohnehin nicht. Denn ausgetreten ist Lucke – zu einem Zeitpunkt, als er offensichtlich innerparteilich entmachtet und damit jeder intern-oppositionellen Macht beraubt worden war. Tut es da Not, die Partei durch die eigene Anwesenheit so lange zu stärken, bis sie sich einem selbst gewaltsam entledigt? Keinesfalls, es hätte nur diejenigen weiterhin zur Wahl der Partei animiert, die auch 2015 noch die Augen vor dem Aufstreben der radikalen Rechten verschlossen hielten. Derer gibt es übrigens noch heute viele.

In der Tat argumentierte Lucke in seiner Austrittserklärung streng genommen im Sinne des Asta: In der AfD sehe er keine Chance mehr, seine ursprünglichen politischen Ziele durchzusetzen, „ohne gleichzeitig als bürgerliches Aushängeschild für politische Vorstellungen missbraucht zu werden, die ich aus tiefer Überzeugung ablehne“, erklärte er damals. Und weiter: „Dazu zählen insbesondere islamfeindliche und ausländerfeindliche Ansichten, die sich in der Partei teils offen, teils latent, immer stärker ausbreiten und die ursprüngliche liberale und weltoffene Ausrichtung der AfD in ihr Gegenteil verkehren.“ Man darf wohl annehmen, dass der Asta und die im Hörsaal laut „Nazischwein“ rufenden Demonstranten das öffentliche Schreiben nicht gelesen haben.

„Ein Kind, das von Räubern großgezogen wurde“

Ebensowenig werden sie Luckes geradezu gebetsmühlenartig wiederholten Distanzierungen von der AfD gehört haben, die er nicht nur in einem Buch aufgeschrieben, sondern auch wieder und wieder öffentlich bekundet hat, zuletzt im April 2019: „Wenn ich heute auf die AfD schaue, fühle ich mich wie ein Vater, dem das Kind genommen wurde, um es unter Räubern großzuziehen.“ Die Partei sei heute anders als im Gründungsprogramm vorgesehen eine deutschnationale, migrations- und islamfeindliche Partei. Er selbst könne sie aus christlicher Überzeugung nicht wählen. Rechtes Gedankengut wuchere in ihr wie ein Krebsgeschwür.

Die Universität Hamburg hat sich am Mittwoch zu den Vorfällen im hauseigenen Hörsaal zu Wort gemeldet. Halbherzig betonte sie die Freiheit der Wissenschaft. „Unabhängig davon ist festzustellen, dass Universitäten als Orte der Wissenschaft die diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten müssen – insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte“, hieß es weiter. Der letzte Satz ist durch den Verweis auf den Nationalsozialismus durchaus als Verständniserklärung für die Proteste zu lesen. Dabei übersieht die Universitätsleitung: Eine einer Lehreinrichtung angemessene Auseinandersetzung zu führen, sieht anders aus als das, was sich dieser Tage auf dem Campus abgespielt hat. Debatte bedeutet, beiden Seiten das Wort zu erteilen. Dürften Studierende nicht mehr protestieren, beraubte man sie Teilen ihrer DNA, dennoch muss es auch ihnen zugemutet werden, die Position des Gegenübers zu hören und sich mindestens mit den Hergängen rund um die AfD zwischen 2013 und 2015 zu beschäftigen. Insofern ist es lobenswert, dass sich Asta und Lucke in den kommenden Tagen treffen wollen.

Viel Schuld, kaum Sühne, keine Gnade

Hätte Lucke mehr tun können, um sich vom in seiner Schöpfung um sich greifenden rechten Gedankengut zu distanzieren? Sicher. Dem bekennenden Protestanten hätte Sühne gut zu Gesicht gestanden. Bis zuletzt betonte er, keine Mitschuld an jenem Unheil zu tragen, das die AfD in der Bundesrepulik heute mitverantwortet, von antisemitischen Anschlägen über das Aufstreben von Verschwörungstheorien bis hin zu einem Sittenverfall im Reichstagsgebäude. Das ist aber nicht zu verwechseln mit einem Mangel an Distanz zur AfD seitens Lucke. Denn diese hat er seit damals bemüht aufzubauen, wie wenige andere Ausgetretene.

Wenn wir aber schon bei biblischen Begriffen sind: Wo es dem einen an Schuldbewusstsein fehlt, lässt die Gegenseite Gnade vermissen. Letzteres bedeutet nicht, die Gründung der AfD gut zu heißen. Aber sie sollte es einem, der Fehler gemacht hat und sich um Schadensbegrenzung bemüht, zugestehen, seinen normalen Beruf nach dem politischen Scheitern wieder aufzunehmen – gerne unter der kritischen Beobachtung, die das universitäre Umfeld immer schon ausgezeichnet hat. Aber ohne Gewalt, Beschimpfungen und Polizeischutz.

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Thu, 17 Oct 2019 15:20:00 +0200
<![CDATA[Obacht vor geistlichen „Führern“!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/10/17/obacht-vor-geistlichen-fuehrern/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Ich sehe ihn heute noch vor mir: Ein Landwirt und ehrenamtlicher Prediger, Kirchenvorstandsmitglied, Vater von vier Kindern – wie aus dem Bilderbuch geschnitten. Eine ehrliche Haut, fleißig, erfolgreich und dabei immer demütig und nüchtern. Ein Gottesmann, von denen die Kirche nicht genug haben kann. Er sehnte sich immer nach einer Erweckung.

Eines Tages erzählte er tief ergriffen von der Erweckung unter den Zulus in Südafrika. Das wollte er noch miterleben. Er schloss sich einer Reisegruppe von Erweckungsfreunden an und ließ sich von dem Feuer entzünden. Von dem Tag an gab es für ihn fast nur noch ein Thema: die Kwa Siza Bantu Mission. Das ist eine Gemeinschaft vom missionarisch motivierten Leuten, die von großzügigen Spendern unterstützt werden. Der Gründer und Leiter dieser Gemeinschaft ist Erlo Stegen.

Mein Freund, der Landwirt, fragte mich immer wieder, ob ich Erlo Stegen kennen würde. „Nicht persönlich, aber ich habe schon viel von ihm gehört.“ Und dann erzählte er mir mit strahlenden Augen, dass Kwa Siza Bantu ein Zulu-Begriff sei und bedeute: „Der Ort, an dem Menschen Hilfe erfahren.“ Das klang gut, aber vielleicht habe ich ein Faible für solche Erscheinungen. Ich misstraute dieser Geschichte, je mehr mein Freund diesen Erlo Stegen lobte und pries. Es ging immer weniger um Jesus und immer mehr um Erlo Stegen.

Schon Gott oder noch Mensch?

Erlo Stegen (84), Nachfahre deutschstämmiger Missionare der lutherischen Hermannsburger Mission, hat Ende der Sechzigerjahre im Sog dieser geistlichen Aufbruchsstimmung sein eigenes Missionswerk gegründet. In den vergangenen Jahren war es still um ihn geworden.

Das Magazin „Rapport“ hatte kürzlich von finanzieller Ausbeutung und ständiger Überwachung der Mitarbeiter bei Kwa Siza Bantu berichtet, meldete die evangelische Nachrichtenagentur idea. Eine ehemalige Mitarbeiterin, die die Missionsgemeinschaft verlassen hat, soll der Zeitschrift berichtet haben, sie habe für umgerechnet vier Euro pro Woche arbeiten müssen. Sie und ihre Kollegen hätten sich nicht dagegen gewehrt, weil sie im Glauben waren, Gott selbst habe das angeordnet. Ein 32-jähriger Aussteiger berichtet, dass die Leiter – neben Erlo Stegen auch sein Bruder Friedel – als göttliche Wesen angesehen würden, „die Gott so nahestehen, dass sie keine Sünde mehr begehen“. Ein Augenzeuge berichtete von der Residenz Stegens, einer Villa mit Pool und jeder Menge Personal. Ihm stünden vier Flugzeuge zur Verfügung.

Diese Geschichte erinnert an ähnlich gelagerte Fälle in Südamerika, zum Beispiel die Colonia Dignidad in Chile mit ihrem „Führer“ Paul Schäfer. Auch in Deutschland kommen ehemalige Mitglieder der Colonia Dignidad bei den monatlichen Gottesdiensten von Ewald Frank zusammen. Der damals 82-jährige Prediger und Leiter der „Freien Volksmission“ in Krefeld reiste 2004 in die Villa Baviera und führte dort Massentaufen durch, nach Schäfers Verhaftung wegen Missbrauchs sprach er eine Zeitlang per Video zu den Bewohnern. Wie einst Schäfer beschwört er den nahenden Weltuntergang.

Wann wird es kritisch?

Diese gesteigerte Verehrung eines Führers zeigt immer wieder das gleiche Schema: Eine Elite löst sich vom Fußvolk, schürt Endzeitangst und umgibt den Guru mit Ovationen. Irgendwann sind die unter sich, nahezu sündlos und vom Rest der Welt separiert.

Wie kommt so etwas zustande? Wann ist Wachsamkeit geboten?

  • Wenn einer meint, durch übernatürliche Segnungen Gott selbst reden hören zu haben. Das kann jeder behaupten, darum entziehen sich solche Typen jeder Infragestellung. „God has clearly spoken to me!“ So habe ich es oft gehört.

  • Wenn einer den anderen bevormundet und erniedrigt, indem man ihn mit selektiven und systemstabilisierenden Bibelstellen prägt, und ihm damit ein kleines, aber gefährliches Weltbild aufzwingt.

  • Wenn bestimmte Bücher, Ton- oder Audioträger von bestimmten Führern wie heiße oder verbotene Ware unter der Hand weitergereicht werden. Oder es wird den Mitarbeitern oder Mitgliedern kritische Literatur entzogen, die eine gesunde Entwicklung zur theologischen Unterscheidungsfähigkeit verhindert.

  • Unmündige Menschen sind das treue und willige Baumaterial für ein exklusives und arrogantes Milieu, das Gott die Ehre klaut und das Heilige mit Scheinheiligkeit vermischt. Auf diesem von der Sünde kontaminierten Boden gedeiht Ehre und Reichtum und Geld.

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Thu, 17 Oct 2019 13:58:00 +0200
<![CDATA[Nach dem Basketball zum Bibelkreis]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/10/17/nach-dem-basketball-zum-bibelkreis/ Marvin Ogunsipe hat mit den Basketballern der Hamburg Towers gerade den ersten Sieg in der Bundesligageschichte gefeiert. Seine Energie für die sportlichen Herausforderungen schöpft er aus dem Glauben an Jesus. Daran hat auch Bayern München-Spieler, David Alaba, einen Anteil.

Ogunsipes Mutter ist Österreicherin, sein Vater Nigerianer. Sie haben den 23-Jährigen christlich erzogen. Der Funke richtig übergesprungen ist dann bei seinem Umzug nach München. Dort sei der Glaube viel stärker geworden. Fußballer David Alaba nahm in mit in die Hillsong-Gemeinde. „Das hat mir durch viele schwere Zeiten geholfen“, sagte der 2,04 Meter große Sportler der Bild-Zeitung.

Vorbild David Alaba

Die Familien Alaba und Ogunsipe seien seit knapp 30 Jahren befreundet. Er habe sowohl im sportlichen als auch im privaten Bereich viel von Alaba gelernt: „Er ist echt ein Vorbild.“ Vor der aktuellen Saison lieh Bayern München den Basketballer an die Hamburg Towers aus. Hier möchte er mehr Spielanteile bekommen.

In Hamburg gründete Ogunsipe, wie er der Bild-Zeitung sagte, einen Bibelkreis mit Beau Beech, Tevonn Walker und Malik Müller. „Wir treffen uns ein mal (sic!) in der Woche und tauschen uns über unseren Glauben aus. Das gibt uns allen Kraft und bringt uns weiter. Als Mensch und als Basketballer. Wenn’s bei mir gut läuft und andere Leute fragen warum, dann kann ich die Antwort geben: Wegen Gott“, zitiert ihn die Bild-Zeitung.

Trainer betet vor der Partie in der Kabine

Demnach betet Hamburgs Trainer Mike Taylor vor jeder Partie in der Kabine - für ein gutes Spiel und die Gesundheit der Spieler: „Als ich das das erste Mal miterlebt habe, war ich fast geschockt, richtig geflasht.“

In seinem Heimatland Österreich spielte Ogunsipe in der zweiten Liga für die Vienna D.C. Timberwolves. Weil der Verein mit den Basketballern des FC Bayern München kooperiert, kam er 2014 nach Deutschland. Er spielte in den Nachwuchsteams und stieg 2016 mit der zweiten Mannschaft in die 2. Bundesliga ProB auf. 2017 spielte er zum ersten Mal im Bundesligateam.

Im September 2018 nahm er zusätzlich zur österreichischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft an. 2018 und 2019 wurde er mit dem FC Bayern deutscher Meister. Ogunsipe war zuvor Nationalspieler in allen Jugendaltersklassen. 2015 wurde er erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 17 Oct 2019 13:45:00 +0200
<![CDATA[Vatikan führt Smart-Rosenkranz „eRosary“ ein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/17/vatikan-fuehrt-smart-rosenkranz-erosary-ein/ Der „Click to pray eRosary“ ist ein Smart-Armband in Form einer Perlenkette, die am Handgelenk getragen wird. Das Kreuz in der Mitte wird per Bluetooth von einer App auf dem Smartphone gesteuert. Aktiviert wird das Armband dadurch, indem der Nutzer damit in der Luft ein Kreuz nachzeichnet. Die App auf dem Smartphone beinhaltet personalisierte Bilder und Texte zum Rosenkranz-Gebet. Erhältlich ist sie für Android 5.0 und iOS 9.0, bisher aber nur auf Englisch, Spanisch und Italienisch. Das Armband kostet derzeit 99 Euro und besteht aus Obsidian- und Hämatit-Perlen.

In der App kann der Nutzer zwischen verschienen Arten, den Rosenkranz zu beten, wählen. Neben der traditionellen Variante bietet die App auch thematische Gebete an, die jährlich aktualisiert werden. Der Nutzer sucht sich das passende Gebet aus und sieht auf seinem Smartphone den Fortschritt des Betens. Die insgesamt absolvierten Gebete werden gezählt.

Der Vatikan will mit der neuen Technik vor allem junge Menschen ansprechen. Sie sollten nicht nur das Gebet des Rosenkranzes dadurch erlernen, sondern auch eingeladen werden, für den Weltfrieden zu beten und das Evangelium zu meditieren, sagte Federic Fornos, französischer Jesuit und Leiter des internationalen Gebetsnetzwerkes des Papstes nach Angaben von Vatican News.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 17 Oct 2019 11:46:00 +0200
<![CDATA[„Extremisten sprechen Videospieler gezielt an“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/17/extremisten-sprechen-videospieler-gezielt-an/ Bringt die Szene der Videospieler Attentäter hervor? Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) musste am Wochenende viel Kritik einstecken, weil er ankündigte, nach dem Attentat in Halle Gamer stärker zu beobachten. Das hatte er in einem ARD-Beitrag gesagt. Der Täter hatte seinen Angriff auf die Synagoge und die Morde live ins Internet übertragen – auf die Plattform Twitch, auf der die Nutzer auch Videospiele spielen oder anschauen. Auch andere Beiträge des Täters weisen darauf hin, dass er Teil einer rechten Online-Community war. Das berichtete unter anderem die Tageschau und berief sich auf eine Einschätzung der Extremismusforscherin Julia Ebner.

Die Wissenschaftlerin, die am Londoner Institute for Strategic Dialogue forscht, erklärte auf der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch, dass Extremisten teilweise gezielt im Gamer-Milieu neue Mitglieder rekrutieren. „Extremistische Bewegungen haben es geschafft, ihre Recruiting-Methoden zu ‚gamifizieren‘ und verwenden definitiv sehr viel vom Vokabular und den kulturellen Elementen der Gaming-Kultur“, sagte sie. Das zeige sich bei dem jüngsten Anschlag in Halle, aber auch bei den Attentaten etwa in Kalifornien oder Neuseeland. Extremisten würden es gezielt darauf anlegen, ihre Propaganda in den Online-Foren dieser Szene zu platzieren. Es gebe eine höhere Tendenz in diesen Communitys, rekrutiert zu werden. Jedoch sollten nicht alle Videospieler pauschal verdächtigt werden, extremistisch zu sein.

Extremisten nutzen Social Media geschickt für ihre Zwecke

Wie Ebner sagte, seien Extremisten bei der Anwendung neuer Kommunikationsmedien „immer einen Schritt voraus“. Rechtsextremisten wie auch Islamisten würden die neuesten Informationstechnologie verwenden, um mit anderen zu kommunizieren, Anhänger zu rekrutieren oder auch ihre Taten zu planen. Fälle von Hackerangriffen, von Doxing – wenn personenbezogene Daten gesammelt und öffentlich ins Netz gestellt werden – oder des „Livestream-Terrorismus“ seien Beispiele dafür. Plattformen in den Sozialen Medien spielten dabei eine entscheidende Rolle. „Diese Gruppen sind sehr geschickt darin, gute Social-Media-Kampagnen zu machen und die Algorithmen ideal für ihre Zwecke auszunutzen, um zu einer Wahrnehmungsverzerrung im Online-Raum zu führen“, sagte Ebner. Gleichzeitig spiele die Funktionsweise dieser Kanäle extremistischen Kommunikationsstrategien in die Hände. Nutzer sollten möglichst lang auf ihrer Plattform gehalten werden, extremistische und gewaltvolle Inhalte würden dabei die Aufmerksamkeit besonders binden.

Das Verhältnis von extremistischen Bewegungen zu journalistischen Medien bezeichnete Ebner als „Hassliebe“: Einerseits brauchten sie die Medien, um öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Kampagnen zu erzeugen. Das erreichten sie zum Beispiel durch provokante Aktionen, über die Medien dann berichteten. Andererseits gebe es Hetze bis hin zu Morddrohungen gegenüber Vertretern der „Mainstreammedien“. Das habe in den vergangenen Jahren zugenommen und sei ein weltweites Phänomen. Hinzu kämen gezielte Kampagnen mit Falschmeldungen. „Das führt zu einer Destabilisierung des gesamten Informations-Ökosystems.“ Nach Ansicht Ebners braucht es internationalen politischen Druck auf Technologie- und Internetfirmen, damit auf ihren Plattformen extremistischer Kommunikation und Echokammern mit diesen Inhalten vorgebeugt werden könne.

Für ihre Bücher „Wut. Was Islamisten und Rechtsextreme mit uns machen“ (2018) und „Radikalisierungsmaschinen“ (2019) recherchierte Ebner verdeckt unter islamistischen und rechtsextremen Gruppen in verschiedenen Ländern. Als Forscherin berät sie Politiker und Technologieunternehmen und ist auch als Extremismus-Expertin in den Medien präsent.

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 17 Oct 2019 09:57:00 +0200
<![CDATA[Kanye West über Bekehrung: „Ich wurde errettet“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/10/16/kanye-west-ueber-bekehrung-ich-wurde-errettet/ Der amerikanische Rapper Kanye West veranstaltet seit einigen Monaten unter anderem in Los Angeles seine eigenen Sonntags-Gottesdienste. Ende September feierte er nun erstmals in Wyoming mit mehr als 700 Gästen seinen „Sunday Service“ mit freiem Zugang für jedermann, berichtet itsintv.de. Gerüchten zufolge soll der mit viel Musik sowie Gebeten und Andachten geprägte Gottesdienst auch bald auf Tour gehen. Zudem hieß es, dass der preisgekrönte Künstler eine eigene Kirche gründen will.

Fast schon beiläufig hat der 42-Jährige bei einer Party, auf der West einem ausgewähltem Publikum sein neues Album „Jesus ist King“ vorspielte, nun erklärt, dass er sich zum christlichen Glauben bekehrt hat. Die Platte soll am 25. Oktober erscheinen. Dass der Künstler sich nun offiziell als Christ bezeichnet, ist in einem Video von der Veranstaltung zu sehen, was das Promi-Portal TMZ zeigt.

Überwältigt davon, dass Gott Jesus sandte

In dem Clip ist West zu hören, wie er sagt: „Ich möchte euch wissen lassen, ich bin an diesem Nachmittag nicht hier, um euch zu unterhalten, wir sind hier, um das Evangelium zu verbreiten. Bitte entschuldigt mich, wenn ich etwas falsch ausspreche. Ich habe mich kürzlich erst bekehrt. Das bedeutet, dass ich erst in diesem Jahr errettet worden bin.“ Das Publikum applaudiert daraufhin begeistert.

Einer seiner liebsten Bibelverse stehe in Markus 1,15: „Jetzt ist die Zeit gekommen, Gottes Reich ist nahe. Kehrt um zu Gott und glaubt an die rettende Botschaft!“ (Hoffnung für Alle) Jesus sage: „Kehrt um!", weil er wisse, dass der Mensch sündigt. Im Laufe seiner Karriere habe er alles mögliche gepriesen: Marken, Autos, seine Herkunftsstadt Chicago habe er wahrscheinlich öfter erwähnt als Jesus. Dem hält er 1. Chronik 16,25 entgegen: „Denn groß ist der HERR! Jeder soll ihn rühmen! Von allen Göttern soll man ihn allein fürchten.“ In seinem Input zeigte sich West überwältigt davon, dass Gott seinen einzigen Sohn gab, damit wir gerettet werden. Er zitiert immer wieder aus der Bibel: „Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“ (Epheser 2,8)

West hat immer wieder mit psychischen Problemen zu tun. Sein Glaube habe ihm geholfen, besser damit umzugehen. Bereits vor 15 Jahren rappte er in seinem Song „Jesus Walks“: „Gott zeigt mir den Weg, denn der Teufel versucht, mich zu zerstören.“ Und weiter: Er könne über alles rappen: Sex oder Lügen. Aber wenn er in seinen Liedern über Gott spreche, werde er nicht im Radio gespielt.

Von: Martina Blatt

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Wed, 16 Oct 2019 16:33:00 +0200
<![CDATA[„Frömmigkeit ist ein Zukunftsmodell“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/10/16/froemmigkeit-ist-ein-zukunftsmodell/ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, erklärte bei einem Kongress der Union im Reichstagsgebäude am Mittwoch: „Frömmigkeit ist ein absolutes Zukunftsmodell.“ Die Religionsgemeinschaften und damit auch die Kirchen seien heute in Deutschland Institutionen der Ethik. Es sei ihre Aufgabe, theologische Überlegungen in die öffentliche Diskussion einzubringen und zwar in einer Sprache, die „alle Menschen guten Willens“ verstehen könnten. Es könne keine Kirche geben, die sich aus dem öffentlichen Raum heraushalte. Das biblische Doppelgebot der Liebe bedeute, dass sich Christen „nicht drücken“ könnten um die Auseinandersetzung mit der Not des Nächsten. Gott wirke in der Welt und so sei es auch Aufgabe der Christen, sich in ihr für das Gute zu engagieren.

Das Christentum biete „die größte Hoffnungsbotschaft, die die Welt je gesehen hat“ und zwar von der Schöpfung über Jesu Tod am Kreuz bis hin zum Glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort habe. „Diese Botschaft heute laut werden zu lassen, ist vielleicht der wichtigste Beitrag, den die Kirchen zur öffentlichen Debatte beitragen können“, erklärte der Ratsvorsitzende. Die Kirche sei vielleicht nicht immer der beste Botschafter, räumte er mit Blick auf den Mitgliederschwund der Volkskirchen ein. Aber die Botschaft selbst sei unschlagbar.

CDU will Vielfalt schützen

Der Unionsfraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus forderte seine Kollegen im Deutschen Bundestag im Rahmen des Kongresses „Farbe bekennen statt Buntheit bejammern – Christlicher Kompass in der pluralen Gesellschaft“ im Deutschen Bundestag dazu auf, sich im oft stressigen politischen Alltag neu zu fragen, was ihr persönlicher Kompass sei. In einer Zeit, in der Menschen keine Orientierung mehr hätten, müssten die Kirchen viel stärker zusammenarbeiten und eine gemeinsame Vision für die Zukunft des Landes entwickeln. Brinkhaus sagte, er sehe einen Hunger der Menschen danach, über Werte zu sprechen.

Der religionspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hermann Gröhe, stellte fest: „Wir teilen nicht die Auffassung derer, die unter der Pluralität unserer Gesellschaft leiden“ Auch wenn die CDU nicht jede Meinung teile, fühle sie sich der Vielfalt verpflichtet. Auch mit Blick auf das Attentat in Halle vor einer Woche mit zwei Toten sei es Aufgabe seiner Partei, „Buntheit“ sogar zu verteidigen.

Streit kultivieren

Der katholische Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, sprach sich gegen eine Verweigerung der Kirchen vor Neuerungen aus. „Es darf nicht sein, dass der Schutz des Bestehenden vor gesellschaftlicher Relevanz steht“, sagte er. Eine solche Bewahrungsmentalität führe die Kirche in die Bedeutungslosigkeit, erklärte der Bischof auch mit Blick auf den Missbrauchsskandal. Er warb dafür, den Streit im Innern der Kirche zu kultivieren und zur Reflexion zu nutzen.

Katharina Jestaedt, stellvertretende Leiterin des katholischen Kommissariats in Berlin, fand kritische Worte in Richtung der Union: Sie forderte die Fraktion dazu auf, dem Thema Religionspolitik mehr Relevanz zukommen zu lassen. Im Koalitionsvertrag finde sich der Bereich lediglich beim Thema Sicherheitspolitik. Dabei gebe es viel zu besprechen: vom Zustand theologischer Fakultäten bis hin zu islamischem Religionsunterricht.

Von: Anna Lutz

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Wed, 16 Oct 2019 16:12:00 +0200
<![CDATA[„Hart aber fair“ erntet Kritik nach Debatte um Judenhass]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/10/16/hart-aber-fair-erntet-kritik-nach-debatte-um-judenhass/ Am Montag hat Frank Plasberg in seiner ARD-Diskussionssendung „Hart aber fair“ unter dem Titel „Wieder da oder nie wirklich weg: Wie stark ist der Judenhass in Deutschland?" das Thema Antisemitismus in Deutschland aufgegriffen. Weil Moderator Plasberg eine Aussage aus einer Zuschauerdiskussion in der Sendung unkommentiert stehen ließ, trifft ihn nun Kritik.

Mit den Studiogästen Michel Friedman (Publizist), Uwe Dziuballa (jüdischer Gastronom), Janine Wissler (Die Linke), Boris Pistorius (SPD) und Georg Mascolo (Journalist) ging Plasberg im Berliner Studio der Frage nach, warum Juden in Deutschland immer häufiger beleidigt und drangsaliert werden und ob Juden wieder um ihr Leben fürchten müssen. Für Unmut in den Medien sorgt die Szene nach etwa einer Stunde der Diskussion, als „Publikumsanwältin“ Brigitte Büscher verschiedene Facebook-Kommentare von Zuschauern zu dem Thema vorliest.

Hat Plasberg die Diskussion unterbunden?

Eine Diskutantin kommentierte zu dem Thema auf Facebook: „Vielleicht sollte man das Judenthema etwas zurücknehmen, denn genau das schürt Hass. Wir wissen um unsere Vergangenheit, die Kinder bekommen es in der Schule auch eingetrichtert und gut ist’s.“ Weil Plasberg diese Aussage der Zuschauerin unkommentiert stehen ließ, trifft ihn Kritik.

Die Zeitung Die Welt will wissen, was sich Plasberg dabei gedacht hat und wie die Redaktion dazu kommt, einen solchen Kommentar zu veröffentlichen. Die Bild-Zeitung wirft dem Moderator vor, in dem Punkt die Diskussion unterbunden zu haben, als Plasberg sich in der Sendung an Friedman wandte und sagte: „Ich weiß, dass Sie jetzt gerade schwer atmen. Wir lassen das einfach mal stehen, das ist eine Zuschauerdiskussion, mitten aus Deutschland an einem Montagabend.“

Gegenüber Bild erklärte Niedersachsens Innenminister Pistorius zu dem Zuschauerkommentar, dass solche Zuschriften nicht unkommentiert stehen gelassen werden könnten. Nach Angaben der Zeitung hat die ARD zu den Vorwürfen Stellung bezogen und das Vorgehen der Redaktion und des Moderators verteidigt. Gegenüber der Bild erklärte ARD-Pressesprecher Lars Jacob: „Ein Prinzip der Sendung lautet: Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft – insofern war es richtig, die kritisierten Zuschauer-Posts zu zeigen.“

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 16 Oct 2019 14:47:00 +0200
<![CDATA[Bibel TV kündigt Filme in Erstausstrahlung an]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/10/16/bibel-tv-kuendigt-filme-in-erstausstrahlung-an/ Der Film „Billy Graham – Ein außergewöhnliches Leben“ wird am 8. November um 21.45 Uhr zum ersten Mal im deutschen Fernsehen zu sehen sein. Der Streifen porträtiert den Prediger, der als Sohn eines Farmers in North Carolina zur Welt kam. Graham studierte Theologie und zog ab 1949 als Erweckungsprediger viele Menschen in seinen Bann.

Er wollte die Frohe Botschaft von Jesus Christus verbreiten. 1950 gründete Graham ein eigenes Missionswerk. Er moderierte die Radiosendung „The Hour of Decision“. Wegen seiner Popularität bis in höchste Kreise wurde er „Pastor der Präsidenten“ genannt. Er setzte sich gegen die Rassentrennung ein. Billy Graham starb 2018 mit 99 Jahren. Nach Angaben von Bibel TV zeigt der Film seltenes Bildmaterial und Interviews mit Familienmitgliedern.

Nach dem Irak-Einsatz traumatisiert

Eine Woche später, am 15. November um 20.15 Uhr, gibt es eine weitere deutsche Erstausstrahlung. Der amerikanische Spielfilm „Was Gott zusammenfügt“ basiert auf wahren Begebenheiten. Darin geht es um den gläubigen Armee-Kaplan Darren (Justin Bruening), der mit seiner Frau Heather (Sarah Drew) eine glückliche Ehe führt.

Nach seiner Ausbildung muss Darren feststellen, dass der Militäreinsatz viele Ehen seiner Kameraden schwer belastet und oft auch zerstört. Die harte Realität des Krieges verändert die Soldaten, ihre Beziehungen zu ihren Frauen, aber auch zu den Familien und Freunden, leiden darunter. Dann wird Darren bei seinen Einsätzen im Irak selbst traumatisiert und die eigene Ehe ist in Gefahr.

„Was Gott zusammenfügt“ ist das erste Gemeinschaftswerk der wichtigsten christlichen Filmproduktionsfirmen Graceworks Picture und Pureflix. Die Schauspieler Sarah Drew und Justin Bruening sind bekannt aus der Serie „Grey's Anatomy“. Die Regie führt David G. Evans. Aus Sicht von Bibel TV stehe in beiden Filmen der Glaube an Gott im Mittelpunkt, der Menschen bei einer großen persönlichen Herausforderung die nötige Kraft verleihe, für ihre Ziele zu kämpfen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 16 Oct 2019 14:19:00 +0200
<![CDATA[Festnahme: Pfingstler erwägen, Pastoren strenger zu prüfen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/16/festnahme-pfingstler-erwaegen-pastoren-strenger-zu-pruefen/ Der Pastor einer afrikanisch geprägten Pfingstgemeinde in Hamburg wurde in der vergangenen Woche festgenommen, weil er Ghanaer nach Deutschland geschleust haben soll. Das berichten unter anderem die Bild-Zeitung und der NDR. Seine Gemeinde „Calvary Believers Chapel“ im Stadtteil Billbrook soll demnach als Anlaufstelle für die Schleusungen gedient haben. Auf diesem Weg hat er offenbar gemeinsam mit anderen einigen Dutzend Personen eine illegale Einreise nach Deutschland ermöglicht und sich daran bereichert. Die Ermittlungen gegen die Schleuserbande laufen seit 2017. Bereits am Dienstag hat sich der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), zu dem die „Calvary Believers Chapel“ gehört, von den mutmaßlichen Taten distanziert. pro hat mit Pastor Frank Uphoff, dem stellvertretenden Präses, geprochen.

pro: Herr Uphoff, seit wann wussten Sie von den Ermittlungen gegen den Pastor aus Ihren Reihen?

Frank Uphoff: Ich habe am Freitag durch die Festnahme davon erfahren – aus den Medien. Vorher hat der BFP nichts gewusst, auch nicht, dass seit zwei Jahren Ermittlungen liefen. Wir waren entsetzt, dass so etwas in unseren Reihen möglich ist. Wir bemühen uns sehr um die Integration ausländischer Pastoren und Nachwuchspastoren, holen uns Empfehlungen ein und pflegen den persönlichen Kontakt zu den Personen und Organisationen, die so wie dieser Pastor zur Arbeitsgemeinschaft Internationaler Gemeinden des BFP gehören. Wir achten dabei sehr darauf, kultursensibel vorzugehen.

Die Gemeinde, deren Pastor nun festgenommen wurde, gibt es noch nicht lange. Offenbar hat der mutmaßliche Täter sie vor ein bis zwei Jahren selbst gegründet. Wie konnte sie Mitglied im BFP werden?

Wir hatten keinerlei Verdacht. Wenn eine Gemeinde in den BFP aufgenommen werden soll, dann läuft das in der Regel so: Die Geistlichen kommen aus ihrer Heimat nach Deutschland und haben dann erst einmal Kontakt zu einer bestehenden Kirche vor Ort. Sie schließen sich dann meistens an. Wenn sie selbst Ambitionen haben, eine Gemeinde zu gründen oder bereits eine gegründet haben, erfolgt eine Aufnahme nur in Absprache mit dem entsprechenden BFP-Arbeitskreis in der jeweiligen Stadt oder Region. Die potentiellen neuen Leiter bewerben sich dann in einem längeren Prozess beim BFP, wir laden sie ein und nehmen sie in unser Ausbildungsprogramm auf. Manchmal dauern diese Prozesse mehrere Jahre. Wir besuchen die neuen Gemeinden auch regelmäßig und schauen möglichst sorgfältig, was da vor sich geht. Solche Besuche hat es auch in Hamburg gegeben, aber es gab offenbar keine Auffälligkeiten.

Seit Monaten fordern Politiker in Deutschland, dass Geistliche, die aus dem Ausland hierher kommen, strengere Voraussetzungen erfüllen sollen, um ein Arbeitsvisum zu bekommen – Sprachkenntnisse etwa oder eine genaue Sicherheitsprüfung. Wie überprüft der BFP Prediger aus dem Ausland, bevor er ihnen eine Tätigkeit erlaubt?

Bei dieser politischen Forderung geht es nach meiner Wahrnehmung vor allem um Imame, aber es trifft natürlich ebenso alle anderen Geistlichen. Bei uns ist es so: Wenn jemand aus dem Ausland kommt, schauen wir uns an, was derjenige für eine Ausbildung nachweisen kann. Etwa, ob er eine Ordination von einer nationalen Kirche hat, mit der wir zusammenarbeiten. Wenn dem so ist, integrieren wir ihn und nehmen die Referenzen gerne an, die er uns von dieser Organisation vorlegt. In anderen Fällen setzen wir uns persönlich mit den entsprechenden Anwärtern zusammen, lernen sie kennen, schauen uns die Ausbildungswege an und welche Empfehlungen sie mitbringen. Wenn diese unseren Standards nicht genügen oder sie keine Ausbildung nachweisen können, verlangen wir, dass sie hier in Deutschland noch einmal eine Ausbildung machen. Wir informieren uns auch bei den entsprechenden Organisationen und Kirchen im Ursprungsland nach den Pastoren.

War der Pastor, der nun in Hamburg festgenommen wurde, also unauffällig?

Völlig. Unsere Bundesbeauftragten waren ihn sogar in seiner Gemeinde besuchen. Es hat sich kein Verdacht ergeben. Allerdings hat der betreffende Pastor im aktuellen Zeitraum seinen Dienstausweis nicht verlängern lassen, worauf wir nachgefragt haben, was aber ohne Antwort blieb. Wir werden der Sache aber nun neu nachgehen und auch die Gemeinde kurzfristig erneut besuchen. So etwas darf sich unter unserem Dach nicht wiederholen.

Der BFP hat in einer Stellungnahme angekündigt, nun bei der Integration von Auslandsgemeinden und Pastoren nachzujustieren. Was genau wollen Sie tun?

Wir haben es natürlich noch nicht geschafft, in der kurzen Zeit einen fertigen Plan zu entwerfen, wie das geschehen soll. Aber wir werden diesen Vorfall zum Anlass nehmen, neu darüber zu sprechen, wie wir vorbeugen können. Gegebenenfalls müssen die Überprüfungen der Personen strenger werden. Vielleicht müssen wir deren Privatleben genauer anschauen, eine Sache, die wir bisher eher vermeiden wollten. Allerdings wollen wir auch keinen Generalverdacht gegenüber einer bestimmten Gruppe hegen. Es ist schon heute so, dass – nicht nur ausländische – Pastoren im BFP alle zwei Jahre eine Verlängerung ihrer Papiere beantragen müssen. Das geht nicht automatisch. Die Geistlichen müssen in unser Netzwerk integriert sein, an Regionaltagungen teilnehmen und sich regelmäßig zurückmelden. Integration ist wirklich das A und O, auch wenn sich das nicht immer einfach gestaltet. Das hängt, besonders im interkulturellen Bereich, ganz viel mit dem Bau von tragfähigen Beziehungen zusammen. Wir werden uns dem Thema nun neu stellen.

Herr Uphoff, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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Wed, 16 Oct 2019 09:26:00 +0200
<![CDATA[Muslimische Jugendliche sind gläubiger als christliche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/16/muslimische-jugendliche-sind-glaeubiger-als-christliche/ Fast drei von vier muslimischen Jugendlichen in Deutschland finden den Glauben an Gott wichtig. Von den evangelischen Jugendlichen denkt das nur einer von vieren, bei den Katholiken sind es mit 39 Prozent etwas mehr. Das zeigt die aktuelle Shell-Jugendstudie, die am Dienstag vorgestellt wurde. Auch bezogen auf die Herkunft der jungen Menschen zeigt sich eine ähnliche Verteilung in dieser Frage zwischen jenen, die aus islamisch geprägten Ländern stammen, und Deutschen ohne Migrationshintergrund.

Die Unterschiede zeigen sich auch in der Glaubenspraxis: 60 Prozent der muslimischen Jugendlichen beten mindestens einmal in der Woche. Von den christlich geprägten machen das nur 18 Prozent der katholischen und 13 Prozent der evangelischen Jugendlichen. Dass es die Kirche gibt, finden aber mehr als zwei Drittel – 69 Prozent – aller Jugendlichen gut, unabhängig davon, ob sie selbst einer Konfession angehören oder nicht. Die Ergebnisse der vorigen Shell-Jugendstudie von 2015 zeigte damals ebenfalls einen deutlichen Unterschied der Bedeutung des Glaubens bei Muslimen und Christen.

Mehr Vertrauen für klassische als für Soziale Medien

Ein gutes Familienleben, eine vertrauensvolle Partnerschaft und gute Freunde sind für 90 bis 97 Prozent aller Jugendlichen die wichtigsten Werte. Erst mit einem Abstand von rund 20 Prozentpunkten folgt ein umweltbewusstes Verhalten, dahinter rangiert der Wert eines hohen Lebensstandards. Die Autoren der Studie stellen fest: „Mehr als bislang legen viele Jugendliche inzwischen Wert auf eine deutlich bewusstere Lebensführung, ihre Ansprüche an eine nachhaltige Gestaltung von Umwelt und Gesellschaft artikulieren sie deutlich und vernehmbar.“

Ihre politischen Informationen suchen Jugendliche in erster Linie online, also auf Nachrichtenwebsites, in Sozialen Medien, auf YouTube oder in Messenger Apps. Das meiste Vertrauen bringen sie jedoch den klassischen Medien entgegen wie ARD und ZDF sowie den überregionalen Tageszeitungen – im Westen Deutschlands mehr als im Osten. YouTube hält jeder Zweite eher nicht für vertrauenswürdig, noch skeptischer sind die Jugendlichen gegenüber Informationen auf Facebook und Twitter.

Das politische Interesse der Jugendlichen ist der Studie zufolge bei 41 Prozent stabil geblieben (2015: 43 Prozent). Die Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland ist sogar von 64 auf 77 Prozent gestiegen. Zwar gebe es auch hier noch Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Jugendlichen, sie „gleichen sich hinsichtlich der Bewertung der deutschen Gesellschaft aber zunehmend an“.

Für die 18. Shell-Jugendstudie wurden insgesamt 2.572 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 Jahren in den ersten drei Monaten dieses Jahres befragt, ergänzt um 20 vertiefende, qualitative Interviews mit Jugendlichen verschiedener Altersgruppen. Die Studie wird seit 1953 regelmäßig durchgeführt, Auftraggeber ist der Mineralölkonzern Shell.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 16 Oct 2019 08:21:00 +0200
<![CDATA[Rentzings Rücktritt: Unvermeidlich und doch ein großes Unglück]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/10/15/rentzings-ruecktritt-unvermeidlich-und-doch-ein-grosses-unglueck/ Ein Gastkommentar von Gerrit Hohage]]> Vorab: Ja, Carsten Rentzing hat als junger Student sehr problematische Texte geschrieben, da brauchen wir nicht drumherum zu reden. Sie gehören in das Gedankenspektrum der „Neuen Rechten“ und werden heute ähnlichlautend von der AfD politisch vertreten. Es ist nur schwer denkbar, dass er nach deren Bekanntwerden noch das liberale Spektrum seiner Landeskirche hätte glaubwürdig repräsentieren können.

Und doch ist sein Rückzug, so unvermeidlich wie er wohl war, für die gesamte Evangelische Kirche in Deutschland ein schweres Unglück, und ich frage mich, ob es nicht doch gute Gründe gegeben hätte, mit dieser Affäre anders umzugehen, gerade weil sie sich in Sachsen ereignet. Ich möchte darlegen, wo diese liegen könnten, und ich beginne bei meiner eigenen Studienzeit.

Die „Wende“ 1989 und die Meinungsfreiheit

Ich habe damals zur gleichen Zeit wie er studiert und die Wende miterlebt. Wir haben gefeiert. Und dann die neuen Mitstudierenden aus dem „Osten“ willkommen geheißen. Man hat sich beschnuppert – vorsichtig, von beiden Seiten. Die Neuen mussten erst einmal herauskriegen: Was „darf“ man hier sagen? Hört wirklich keine Stasi zu? Ich erinnere mich an einen Mitstudenten, der mir sagte, wie schrecklich laut er es hier im Westen findet. Und wie fremd. Der abgeschottete Osten unseres Landes traf auf die multikulturelle Gesellschaft im Westen, die drei Generationen lang Zeit gehabt hatte, ihre Vorbehalte gegenüber Fremden zu überwinden. Von den „Ossis“ verlangte man das von einem Tag auf den anderen.

Ich weiß noch die Diskussionen damals: Sollen die neuen Länder wirklich der Bundesrepublik „beitreten“ – oder nicht doch erst mal einen eigenen Staat machen, um auch einen eigenen Weg in die Demokratie hinein zu finden? Ist denn da wirklich alles perfekt im Westen, oder gibt es nicht auch Fehler, die man vermeiden sollte? Darüber hat man sich quer durch alle politischen Lager Gedanken gemacht, und wie wenig diese Debatten „ausgestanden“ sind, wird schnell klar, wenn man heute die AfD in den neuen Bundesländern betrachtet.

Man durfte es sagen, ohne dass eine Stasi mithörte – das war Demokratie.

Viele Menschen nutzten in der Nachwendezeit die neugewonnene Meinungsfreiheit, um mit solchen Gedanken spielen, sich an diesen Debatten beteiligen zu können und auf diese Weise die neue Demokratie zu leben – ein Vertrauensbeweis! Das ist die Zeit, in der die Studentenzeitschrift „Fragmente“ drei Jahre vor sich hin waberte – mit einer Auflage von 100 Exemplaren sicher kein Multiplikationsmedium. Die Artikel sind von dem Gedanken der „konservativen Revolution“ geprägt; wertkonservative, neurechte und deutschnationale Artikel stehen direkt nebeneinander. Vieles davon ist nach meiner persönlichen Meinung ganz großer Mist, aber man durfte es sagen, ohne dass eine Stasi mithörte – das war Demokratie.

Von hierher betrachtet wird klar, wie unglücklich die Art und Weise ist, wie jetzt mit diesen Texten umgegangen worden ist, gerade weil es sich um Sachsen handelt. Für diejenigen Mitchristinnen und Mitchristen, die Rentzing als Bischof gut fanden, geht davon ein Signal aus: „Die ‚Freiheit‘ von damals war offensichtlich ein Fake, und das haben wir im Grunde immer befürchtet. Wir sind wieder so weit, dass Denunzianten in Archiven belastendes Material suchen, um jemanden von Leitungsämtern zu entfernen.“ Es ist wichtig, dass wir die innere Logik dieses Signals von seiner Historie aus verstehen – denn man kann an diesem Beispiel eines der Geheimnisse für die Stärke der AfD in den östlichen Bundesländern lüften. Und vor dem Verändern kommt nun mal das Verstehen.

Nicht verharmlosen, nicht übertreiben

Ein zweites: Rentzings Texte, die er als junger Student schrieb, sind (logischerweise) weit entfernt von einer reflektierten Position, wie sie von einem Bischof erwartet wird. Er positioniert sich als theologisch Konservativer gegenüber der Aufklärung (das ist in der Kirche eine altbekannte Diskussion), als politisch Rechtskonservativer gegenüber der politischen Linken. Seine Kritik an der „multikulturellen Gesellschaft“ trägt deutschnationale Züge. Das ist für jemanden, der noch dazu im Westen aufgewachsen ist, äußerst peinlich – ihm selbst heute offenbar am meisten – aber man muss doch bei aller Verstörtheit die Kirche im Dorf lassen und bei den Fakten bleiben.

Der tagesschau.de-Redakteur Arnd Henze titelte: „Bischof verschweigt rechtsextreme Texte“. Rechtsextreme Texte fallen dadurch auf, dass sie Gewaltbegrifflichkeiten, Ausgrenzungsforderungen, Siegphantasien oder herabwürdigende Formulierungen sowie bestimmte Codes verwenden, und nichts davon ist in Rentzings Texten zu finden. Diese Schlagzeile übertreibt den vorliegenden Sachverhalt in unverantwortlicher Weise und ist nichts anderes als Fake News. Es gibt auch einen „Extremismus der Mitte“, der alles verdächtigt, was sich jenseits etablierter Narrative und Formulierungen artikuliert. Ich halte diesen „Extremismus der Mitte“, wie ihn Henze in meinen Augen vorgeführt hat, im Ergebnis für ebenso demokratiegefährdend wie die Extremismen an den Rändern, die er stärkt.

Würde die Demokratie ihre Selbstinfragestellung verbieten, wäre sie keine mehr.

Wie kam diese Übertreibung zustande? Das hat nach meiner Vermutung etwas mit der empörungsmüden Gesellschaft zu tun, der man immer Grelleres bieten muss, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Gefahr darin: Je unkenntlicher (Rechts-)Konservatives und Rechtsextremes miteinander vermischt werden – übrigens genau die Agenda von AfD-Mann Björn Höcke –, desto schwieriger wird es, innerhalb dessen, was Demokratie als Teil ihrer selbst aushalten muss und kann, Leute wie den Attentäter von Halle herauszufiltern, die eine echte Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen.

Auch Demokratiekritik (wie sie jüngst auch von „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ zu vernehmen ist) ist nicht an sich antidemokratisch, sondern sie ist selbst Teil der Demokratie – das macht ja gerade ihre Leistungsfähigkeit aus! Würde die Demokratie ihre Selbstinfragestellung verbieten, wäre sie keine mehr. Antidemokratisch ist, wenn jemand das gesamte demokratische System als solches ablehnt. Das aber hat auch der junge Student Carsten Rentzing nicht getan. Man tut unserer Gesellschaft genauso wenig einen Gefallen, wenn man die Dinge übertreibt, wie wenn man sie verharmlost.

Was die große Chance gewesen wäre

Ein Drittes: Die Episode dieser Äußerungen endet 1992 abrupt. Seit der Einstellung der „Fragmente“ hat man von Rentzing nie mehr Inhalte dieser Art gehört oder gelesen. Er hat nach eigenen Worten im Lauf seines Lebens eine Entwicklung durchgemacht, in deren Folge er vieles, was er damals schrieb, nicht mehr vertritt. Es wäre doch interessant gewesen, zu erfahren, warum er das heute nicht mehr vertritt, das heißt, wie Jesus Christus in den Lebensjahren nach seiner Glaubensentscheidung 1989 sein Leben mehr und mehr verändert und geprägt hat.

Das hätte ihn zu einem höchst glaubwürdigen Dialogpartner der Evangelischen Kirche gegenüber der AfD gemacht, die sie mit all ihren „klaren Kanten gegen rechts“ bekanntlich in keiner Weise mehr erreicht (und darum kann sie hier auch nichts bewegen). Sie hat mit Rentzing ihren einzigen Repräsentanten verloren, der zu einem solchen Dialog überhaupt in der Lage gewesen wäre – weil er nachgewiesenermaßen beide Seiten versteht. Darin hätte das Potenzial zu einer vermittelnden gesellschaftlichen Friedensarbeit gelegen, die uns als Volkskirche sehr gut zu Gesicht stehen würde.

Diese setzt aber eine wahrnehmbare politische Diversität ihrer Repräsentanten voraus. Hier sehen beide Seiten schlecht aus: Rentzings Kritiker, die seit Jahren seine Demission betrieben, und Rentzing selbst, der ins Schweigen fiel, als intensive (Krisen-)Kommunikation erforderlich gewesen wäre.

Überfordern wir unsere Repräsentanten?

Ein Letztes: Warum schwieg Rentzing? Die vielzitierte Petition des Leipziger Studentenpfarrers Frank Paul Martin fordert von ihm nicht, dass er geht, sondern dass er sich erklärt. In einem Zeitungsbericht moniert ein weiterer Kollege, dass Rentzing nie das Gespräch mit seinen Kritikern gesucht habe. Wie oft habe ich das von konservativer Seite gehört und selbst beklagt, dass Bischöfe nicht auf ihre Kritiker zugehen!

Dieser Punkt macht mich am meisten nachdenklich: Vielleicht ist das, was wir in der Kirche von unseren Leitern und Repräsentanten erwarten, schlicht eine menschliche Überforderung? Denn: Irgendwann kann der Mensch nicht mehr. Das ist so! Es gibt beim besten Willen eine Grenze, bis zu der man sich persönlicher Kritik stellen kann, und dann kann man nicht mehr. Zumal die Kirche ganz andere Persönlichkeitstypen hervorbringt als zum Beispiel die Politik – sensitiver, aber auch mit weniger (Aus-)Sitzfleisch.

Vielleicht ist das etwas, wo wir als Kirche uns wieder etwas mehr von der „Welt“ unterscheiden könnten: Dass wir Barmherzigkeit üben an unseren Bischöfen und Repräsentanten – unabhängig von ihrer Glaubensrichtung? Das wird auch wichtig, wenn in Sachsen ein Nachfolger gefunden werden muss – dem zu wünschen ist, dass er die Vermittlungsarbeit zwischen den Lagern, die Rentzings Anliegen gewesen ist, weiterführen kann.

Dr. Gerrit Hohage ist Pfarrer in der Evangelischen Bonhoeffergemeinde Hemsbach und Mitglied der Christlichen Medieninitiative pro.

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Tue, 15 Oct 2019 18:27:00 +0200
<![CDATA[Muslime in Deutschland beten für Sieg der türkischen Armee]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/15/muslime-in-deutschland-beten-fuer-sieg-der-tuerkischen-armee/ Nach dem Einmarsch der türkischen Armee im Norden Syriens hat die türkische Religionsbehörde Diyanet in Deutschland lebende Muslime dazu aufgefordert, für den Sieg der türkischen Armee zu beten. Nach Angaben der Tageszeitung Die Welt vom Montag ließ die Religionsbehörde eine Freitagspredigt versenden, in der es lautet: „Helfe unserer heldenhaften Armee, die einen Feldzug gestartet hat für die Sicherheit unseres Landes.“ Diyanet entsendet von der Türkei aus auch Imame an Moscheegemeinden der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus (IGMG) und Ditib in Deutschland.

Nach Recherchen der Welt in den Sozialen Medien haben verschiedene Moscheegemeinden in Deutschland für den Sieg der türkischen Armee in Syrien gebetet. Nach Angaben der Zeitung bat der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Mehmet Alparslan Celebi, am vergangenen Dienstag auf Twitter um Segen für die türkischen Truppen. Davon will der Vorsitzende des ZMD allerdings nichts wissen. Gegenüber der Zeitung erklärte Aiman Mazyek, dass der Tweet nicht die Haltung des Zentralrates wiedergebe, der Krieg in jeder Form grundsätzlich ablehne. Celebis Tweet stelle eine private Meinungsäußerung dar.

„Aufwiegelung“ und „politischer Kommunikationszweck“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries forderte gegenüber der Zeitung, Ditib von der Deutschen Islamkonferenz auszuschließen, „wenn die Einheit zwischen ihr und dem türkischen Staat“ nicht beendet werde. Auf Facebook teilte de Vries mit: „In Gotteshäuser gehören Gebete für den Frieden und Barmherzigkeit, nicht aber Kriegs- und Heldenverehrung, die vor Nationalismus und Feindseligkeit nur so strotzt.“ Die „Glorifizierung der völkerrechtswidrigen türkischen Aggression in Nordsyrien in hunderten Moscheegemeinden in Deutschland" bezeichnete der Unionspolitiker als „unerträglich" und sprach von „Aufwiegelung türkischstämmiger Bürger" und einem „Akt der Desintegration".

Volker Beck, Lehrbeauftragter beim Bochumer Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES), übte Kritik an den Islamverbänden Ditib, IGMG und ZMD. Seiner Meinung nach sind die Verbände „religiöse Vereine mit einem politischen Kommunikationszweck" und keine Religionsgemeinschaften. Anders als de Vries sprach sich Beck nicht für den Ausschluss der Ditib von der Deutschen Islamkonferenz aus.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 15 Oct 2019 12:21:00 +0200
<![CDATA[„Gott will, dass ich Buschpilot bin“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/10/15/gott-will-dass-ich-buschpilot-bin/ Der Motor brummt und der Propeller setzt sich in Bewegung. Der Lärm ist ohrenbetäubend und die stechende Mittagssonne hat den Innenraum des Flugzeugs in eine Sauna verwandelt. Die kleine Cessna rumpelt über das grasbewachsene Rollfeld und nimmt Fahrt auf, wird immer schneller. Der angrenzende Wald kommt bedrohlich nahe. Kurz davor zieht Pilot Jan Klassen das Steuer hoch. Das Flugzeug hebt ab, steigt höher und überfliegt die Baumwipfel gerade so. Die Maschine wackelt und sackt immer wieder leicht ab, bis sie die Flughöhe erreicht hat und ruhig dahingleitet. Dann können die Passagiere den Blick auf Marburg und Umgebung genießen.

Das Startmanöver ist holprig, so wie es im Busch sein dürfte. Später auf diesem Flug wird Klassen die Landebahn einen oder zwei Meter über dem Boden überfliegen, die Maschine kurz vorm Ende der Piste noch einmal steil hochziehen, einen gro-ßen Bogen machen und dann wieder landen. Klassen ist einer von neun Piloten, die auf dem Flugplatz nahe dem hessischen Marburg einen Teil des Buschpiloten-Trainings von MAF absolvieren. MAF steht für Mission Aviation Fellowship und ist ein internationales christliches Hilfswerk. Weltweit ist die Organisation in bis zu 30 Ländern mit 135 Kleinflugzeugen im Einsatz. Die Flugkapitäne nennen sich Missionspiloten und leisten Hilfe in den entlegensten Orten der Welt. „Wir fliegen Hoffnung, Hilfe, Heilung“ lautet der Slogan des Werks. Unter anderem in der Amazonasregion Brasiliens, im Urwaldgebiet von Indonesien, in Papua-Neuguinea, wo es kaum Straßen gibt, und in vielen afrikanischen Ländern versorgen die Piloten die Menschen mit Hilfsgütern, transportieren Kranke in Hospitäler oder befördern Ärzte, Missionare und Bibelübersetzer – oder leisten Kastastrophenhilfe. Nach dem Tropensturm Idai in Mosambik im vergangenen Jahr war MAF zum Beispiel eine der ersten Hilfsorganisationen vor Ort.

„Wir befördern nicht nur Christen. Derjenige, der Hilfe braucht, wird geflogen“, sagt Klassen. Das können neben den Einwohnern zum Beispiel auch Touristen, Entwicklungshelfer oder Ärzte sein, die sich in Not befinden. Doch auf den christlichen Glauben der Piloten legt MAF großen Wert. Das Gebet vor dem Abflug ist fester Bestandteil der Checkliste, die die Piloten vor dem Start durchgehen. Nicht immer beten sie laut. Wenn Passagiere dabei seien, die keine Christen sind, könne das sonst für Verunsicherung sorgen, erklärt Klassen. Der 25-Jährige aus Frankenthal in Rheinland-Pfalz ist „Pilot in Vorbereitung“ bei MAF. Die Berufspilotenausbildung hat er schon abgeschlossen, jetzt fehlten nur noch einige Trainings wie das in Hessen. Drei spezielle Trainingscamps mit unterschiedlichen Schwerpunkten muss jeder Pilot bei MAF absolvieren, bevor er in den Einsatz darf. Beim Trainingswochenende in Marburg geht es um das Thema „Airstrip Evaluation“, was übersetzt so viel wie „Einschätzung der Landebahn“ bedeutet. Der Pilot muss sich dabei aus der Luft einen bestmöglichen Eindruck von der Beschaffenheit der Landebahn verschaffen. Denn im Busch könne es sein, dass Menschen oder Tiere auf der Bahn sind, erklärt Klassen. Dort gibt es keine Tower, die dem Piloten die Piste freigeben oder für eine sichere Landung sorgen können. Er ist vollkommen auf sich allein gestellt. Die Landebahnen gehörten oft zu Dörfern dazu und würden zum Beispiel als Fußballplatz von Kindern genutzt. Die Piste in Marburg eignet sich gut als Teststrecke, weil sie grasbewachsen, hügelig, relativ kurz und von Wald umgeben ist – ähnliche Bedingungen wie im Busch also. Die Piloten können hier hervorragend den „low pass“ üben, das extrem niedrige Überfliegen des Bodens.

Allein in einer fremden Kultur

Am Abend nach dem Training treffen die anwesenden Journalisten Klassen zum Gespräch im Hangar des Flugplatzes, wo die MAF-Leute für dieses Wochenende untergebracht sind. Er ähnelt einer Jugendherberge. Mit dem Unterschied, dass es überall nach Diesel stinkt. Direkt an die Flugzeughalle grenzen ein paar Besprechungsräume, eine kleine spartanische Küche und sanitäre Anlagen. Die Piloten und ihre Trainer haben sich hier für das Wochenende eingerichtet, auf dem Tisch stapeln sich Lebensmittel und vor allem holländische Brotaufstriche. Die meisten Teilnehmer sind aus dem Nachbarland angereist. Übernachten werden sie draußen. Hinter dem Hangar sind mehrere kleine Zelte aufgebaut. Die Atmosphäre ist familiär. Alle duzen sich, einige beschäftigen sich mit Freizeitspielen wie Badminton.

Klassen wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr zusammen mit seiner Frau Rebecca und der wenige Wochen alten Tochter ausreisen. Wohin, das steht noch nicht fest. Es könnte Mikronesien und anschließend Afrika werden, sagt er. Mindes­tens vier Jahre lang wird die kleine Familie Deutschland dann nur für kurze Heimataufenthalte besuchen. Besonders für die Frauen der Missionspiloten ist das nicht einfach, sagt Klassen. Durch das Fliegen sind die Männer viel unterwegs und die Frauen viel alleine in einer fremden Kultur ohne Familie und Freunde. Die Entscheidung, diesen Weg gemeinsam zu gehen, hat das Paar deshalb nicht leichtfertig getroffen.

„Ich wusste, dass ich alles daransetzen werdem um Buschpilot zu werden.“

Klassen weiß seit 2013, dass ein Leben als Buschpilot sein Weg ist. Für ihn ist das eine Berufung von Gott. So eindeutig, dass er sogar sagt: „Ich hätte meine Frau nicht geheiratet, wenn sie nein gesagt hätte.“ Auch, wenn das für ihn sehr hart gewesen wäre. Dass der blonde, braungebrannte junge Mann mit der Piloten-Sonnenbrille sich einmal mit dieser Entschiedenheit äußern würde, war nicht immer klar. Denn als Jugendlicher konnte er sich ein Leben in der Mission gar nicht vorstellen. „Ich wurde sogar mal konkret danach gefragt, ob ich mir die Mission vorstellen könnte, und habe gesagt: Nein, überhaupt nicht“, erinnert er sich. Sein Traumberuf sei zwar schon immer Pilot gewesen. „Ich habe aber gedacht, dass ich das nie schaffe und man nur Einsen in der Schule braucht.“ Außerdem leidet er an Heuschnupfen und Asthma. Den medizinischen Test zu bestehen, hielt er für aussichtslos. Nach seinem Abitur bewarb sich Klassen auf verschiedene Ausbildungsstellen, bekam aber immer nur Absagen, obwohl er die Einstellungstests bestanden hatte. Klassen betete um eine Antwort von Gott. „Irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich dabei an einer Stelle blockiere, indem ich sage: Mission mache ich aber auf keinen Fall.“ Über die Deutsche Missionsgesellschaft erfuhr er dann von MAF. Die Kombination aus Fliegerei und Menschen helfen fand er spannend. „Ich dachte, ich gucke mal, ob ich den medizinischen Check bestehe und wenn ich durchfalle, soll es nicht sein.“ Klassen bestand zu seiner eigenen Überraschung. „Ab dem Moment wusste ich, dass ich alles daransetzen werde, um diesen Weg zu gehen.“

Es folgten die Privatpilotenlizenz und eine Ausbildung zum Logistikkaufmann, denn die werden bei MAF gebraucht. Mit finanzieller Hilfe von seiner Familie und durch Nebenjobs brachte er die etwa 50.000 Euro für die Pilotenausbildung auf und verbrachte in den vergangenen vier Jahren jedes Wochenende von Frühling bis September auf dem Flugplatz, um Flugstunden zu sammeln. Meistens setzte er Fallschirmspringer ab. Derzeit arbeitet er zur Hälfte als Beauftragter für Luftaufsicht auf dem Flugplatz von Worms und zur anderen Hälfte bei der Hagelabwehr. Die kümmert sich bei Unwettern darum, Landwirtschaft und Bevölkerung vor starkem Hagelschlag zu schützen, indem zum Beispiel durch ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in die Wolken „geimpft“ wird, um die Größe der Hagelkörner zu verkleiner. Für MAF ist Klassen in seiner Freizeit aktiv und bereitet sich durch Trainings wie das in Marburg auf die Ausreise vor. Sein Gehalt wird er im kommenden Jahr durch Spenden finanzieren müssen. Das ist bei allen MAF-Piloten so. Jeder Missionspilot muss sich einen eigenen Spenderkreis aufbauen. Das sei eine Herausforderung, sagt Klassen. Während der Heimataufenthalte halten die Piloten zum Beispiel Vorträge in Gemeinden und berichten von ihrer Arbeit.

Der Esel des Barmherzigen Samariters

Der Job als Flugkapitän bei MAF ist nicht ungefährlich. Denn man wisse im Busch fernab jeglicher Zivilisation nicht immer, auf welche Menschen man treffe; ob sie einen freudig empfangen oder ob man sich eher an die Begegnungen herantasten sollte. Klassen nimmt dies auf sich, weil er sich seiner Berufung sicher ist. „Ich weiß, dass Gott will, dass ich nicht Airline fliege, sondern Buschpilot bin. Auch wenn der Job schlechter bezahlt wird und viel härter ist.“ Das ist vielleicht schwierig zu verstehen, wenn man diese Berufung nicht fühlt, meint er. Der Mann mit dem jungenhaften Grinsen hat ein ganz besonderes Bild, um den Beruf Missionspilot zu beschreiben: In der biblischen Geschichte vom Barmherzigen Samariter rede niemand über den Esel, der den Kranken transportiert habe. „Wir vergleichen uns mit dem Esel. Denn ohne den wäre es nicht möglich gewesen, den Kranken zu versorgen.“ MAF ermögliche Mission und Hilfe in den Regionen, „in die man ohne uns nicht oder nur durch tagelange Fußmärsche kommen würde“. Demut und das Zurücknehmen der eigenen Person braucht es in diesem Job, um Menschen am Ende der Welt zu erreichen.

Mission Aviation Fellowship (MAF) ist ein internationales, christliches Hilfswerk mit 1.400 Mitarbeitern. Mit über 130 Kleinflugzeugen ist die Organisation weltweit in bis zu 30 Ländern im Einsatz. Die Missionspiloten leisten Katastrophenhilfe, machen Transportflüge oder medizinische Notfallflüge in Regionen, die sonst nicht erreichbar wären, wie zum Beispiel im Busch von Papua-Neuguinea oder im Amazonasgebiet. Die Piloten verpflichten sich für mindestens vier Jahre, ihr Gehalt finanziert ein jeweiliger Spenderkreis, den jeder Mitarbeiter aufbauen muss. Während der Heimataufenthalte besuchen sie zum Beispiel Kirchengemeinden und halten Vorträge. Mehr Infos finden sich unter maf-deutschland.de.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 4/2019 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie die pro hier.

Von: Swanhild Zacharias

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Tue, 15 Oct 2019 11:01:00 +0200
<![CDATA[Ein Leckerbissen für Kunstliebhaber: Die Bibel bei Dalí]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/10/15/ein-leckerbissen-fuer-kunstliebhaber-die-bibel-bei-dali/ Normalerweise verbindet man mit Dalí etwas geheimnisvolle, nebulöse Bilder des Surrealismus. Da stapfen Pferde oder Elefanten mit unnatürlich langen Beinen durch eine Wüstenlandschaft, Uhren zerfließen wie geschmolzener Käse, und eine Giraffe brennt lichterloh. Doch mit der Bibel oder dem christlichen Glauben hat man Dalí vielleicht weniger in Verbindung gebracht. Umso erstaunlicher ist die Ausstellung „Biblia Sacra“, die vom Diözesanmusem Rottenburg noch bis zum 12. Januar 2020 gezeigt wird. Ein Leckerbissen für Kunstliebhaber, zumal der Bibelzyklus überhaupt erst zum dritten Mal öffentlich ausgestellt wird! Und es gibt einiges zum Staunen.

Hier wird der bereits ältere (weisere?) Dalí plötzlich theologisch. Seine Bilder sind das Zeugnis einer tiefen Religiosität des Spaniers. Die Kuratorin Melanie Prange hat die 105 Bilder des Malers in einem schlichten Raum im Untergeschoss des Museums aufgestellt, wo sie dicht beieinander hängen, so dass man sie bequem in einem Rundgang ansehen kann. Es sind 63 Illustrationen zum Alten und 42 zum Neuen Testament. Lediglich der Mose-Zyklus, der zehn Jahre später entstand, und sich mehr der Psychoanalyse Siegmund Freuds widmet, befindet sich etwas abseits in einem Nebenraum.

Dalí wird hier zum Prediger

Der im Jahr 1989 verstorbene Surrealist Dalí, sonst bekannt als Selbstdarsteller mit arroganter Mine und gezwirbelten Bartspitzen, wird hier geradezu demütig. Voller Liebe und Bewunderung scheint er seine Bibel zu lesen. Die Geschichten aus Altem und Neuem Testament erstrahlen hier in schillernden Farben. Manchmal wird man an den jüdischen Maler Marc Chagall erinnert. Vor allem aber erhält fast jedes Bild eine eigene Bibelauslegung.

Die Referenzen auf Elemente der Kunstgeschichte sind zahlreich. Daher empfiehlt es sich sehr, sich eine der Informationsbroschüren zur Hand zu nehmen und damit den Zyklus zu entdecken. Denn erst mit Hilfe dieser erhellenden, gut geschriebenen Erklärungen von Leiterin Prange und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Daniela Blum erschließt sich dem Besucher der theologische Ansatz des Künstlers vollständig.

Verbindungen zwischen Altem und Neuem Testament

Für Dalí gehören die beiden Bücher der Bibel zusammen. Schon in den Bildern zum Alten Testament tauchen Referenzen zu Jesu Kreuzestod auf, und in der Schöpfungsgeschichte am Anfang der heiligen Schrift sieht der Maler Verbindungen zur „neuen Schöpfung“, zum neuen Menschen in Jesus Christus. Und wenn auf dem Bild „Die Geburt Jesu“ das Jesuskind in der Krippe liegt, stellt der Künstler auch hier ein deutlich sichtbares Kreuz daneben, um auf den zukünftigen Opfertod Jesu aufmerksam zu machen. „Der Grablegung verleiht Dalí durch seine Farbsymbolik schon den Ausblick auf die Auferstehung, welche sich im folgenden Bild vollzieht“, schreiben Prange und Blume im Beiheft. „Dort ist Christus – der neue Adam – wie der Alte Adam in Michelangelos epochalem Schöpfungsbild dargestellt.“ Weiter heißt es: „Indem Dalí den Schöpfung- und den Passionszyklus künstlerisch zusammenführt, macht er eine theologische Aussage: So wie Gott am Anfang den Menschen schuf, so entsteht mit der Auferstehung Jesu eine neue Schöpfung und ein neuer Mensch, der nicht mehr dem Tod ausgeliefert ist, sondern an der Auferstehung Jesu teilhaben wird.“ Wer hätte gedacht, dass Dalí so predigen kann?

Neben den weltweit bekannten, fast schon ikonographisch gewordenen Bildern Dalís, ist sein Bibelzyklus wenig bekannt. Zu Unrecht. Denn kaum hat ein Maler mit so viel Einfühlungsvermögen und Bibelkenntnis die Geschichten von Mose, Abraham und Jesus so gekonnt auf Papier gebannt. Wer über das erste Staunen über Farbspiel und originelle Formgebung hinweg genauer hinschaut – und sich vielleicht das eine oder andere Motiv erklären lässt – stößt auf einen Schatz an Bibelinterpretation, die einer Predigt gleichkommt. Ein Leckerbissen für jeden Kunstliebhaber, und vielleicht ein guter Einstieg, die Aussagekraft der biblischen Bilder neu zu entdecken.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 15 Oct 2019 10:13:00 +0200
<![CDATA[„Diese Vergangenheit beeinträchtigt das Handeln als Bischof“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/14/diese-vergangenheit-beeintraechtigt-das-handeln-als-bischof/ Nachdem der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Carsten Rentzing am Freitag seinen Rücktritt angekündigt hatte, berichtete tagesschau.de am Wochenende über „rechtsextreme Texte“, die Rentzing als Student geschrieben hatte. Die Kirchenleitung der Landeskirche teilte am Sonntag mit, Rentzing sei als Pfarrer und Bischof mit „klaren konservativen Positionen aufgetreten“. Über eine „rechtsextreme oder nationalistische Denkweise ist in der kirchlichen Öffentlichkeit nichts bekannt geworden“. Umso verstörender seien die nun publik gewordenen Texte.

„Dass ein Mensch sich im Laufe seines Lebens entwickeln kann, dass gerade auch der Glaube an Jesus Christus Menschen verändern kann, darin sind sich alle Mitglieder der Kirchenleitung einig“, heißt es in der Erklärung. Gegenüber der Kirchenleitung habe sich Rentzing erklärt und distanziert, was diese als glaubwürdig einschätze. Jedoch beeinträchtige eine solche öffentlich gewordene Vergangenheit „das Handeln als Landesbischof und Repräsentant der Landeskirche“ nachhaltig.

Von 1989 bis 1992 arbeitete Rentzing als Redakteur an der Zeitschrift Fragmente mit. Laut der Erklärung der Kirchenleitung soll sie eine Auflage von 100 Exemplaren gehabt haben und aus studentischem Engagement entstanden sein. Rentzing hat in mehreren Ausgaben der Zeitschrift selbst Texte verfasst, in denen er sich unter anderem mit Staat und Gesellschaft befasst. Sie liegen pro vor. Darin äußert er sich unter anderem nationalkonservativ, stellt die Demokratie infrage, kritisiert eine „liberale Ideologie“ sowie eine multikulturelle Gesellschaft und betont die Ethnie als Grundlage für den Nationalstaat.

So hält Rentzing es in einem Text „für absurd, der heutigen Gleichsetzung von Demokratie und Freiheit unmittelbar zu folgen und gemeinsam mit der liberalen Staatsdoktrin eine seit Jahrtausenden anhaltende Diskussion um die beste Staatsform seit 50 Jahren für beendet und gelöst zu erklären“. Nach „wahrhaftigster Freiheit strebenden Völkern“ sollten „die Fehler des demokratischen Systems erspart bleiben“. An anderer Stelle schreibt er von „revolutionärem (sic!), kulturzersetzenden Umwälzungen unter dem Deckmantel der liberalen Weltoffenheit“ und vom „Widerstand derjenigen“, die gegen alle Widerstände „an ethnisch und religiös Tradiertem festhalten wollen“.

Rentzing: „Unverständnis und Scham über die Texte“

Die Texte „sind aus damaliger und aus heutiger Sicht unvertretbar", befindet die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche. Sie stellt aber ebenso klar, dass die Publikationen in einer Zeit entstanden, als Rentzing „auf der Suche und sein Weg ins Pfarramt nicht vorgezeichnet war“. Das habe der Bischof selbst mehrfach betont. Seit Mitte der Neunzigerjahre, als sich sein beruflicher Weg in die Kirche abzeichnete, seien keine solchen Äußerungen bekannt geworden.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, spielte eine unbekannte Quelle vorige Woche dem Leipziger Pfarrer Frank Martin die Texte zu. Der konfrontierte daraufhin den Bischof damit, auch ein Teil der Kirchenleitung erfuhr davon, bevor am Freitag die ganze Kirchenleitung ins Bild gesetzt wurde. In einem Gespräch zwischen dem Gremium und dem Bischof „stellte [er] es so dar, dass er diese Zeit in seinem Leben und diese Texte verdrängt habe, und äußerte großes Unverständnis und Scham über das, was er damals geschrieben hat“, heißt es in der Mitteilung der Kirchenleitung.

Der Rücktritt von seinem Amt sei eine persönliche Entscheidung Rentzings gewesen. In seiner Erklärung, die er dazu am Freitag abgab, formulierte er: „Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.“ Zu dem Zeitpunkt war jedoch seine publizistische Tätigkeit während seines Studiums noch nicht öffentlich bekannt. Als Gründe für den Amtsverzicht standen andere Vorwürfe im Zusammenhang mit einer Petition gegen ihn im Raum, die sich unter anderem auf seine Haltung zur AfD und seine Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung bezog. Daher überwog zunächst auch kirchlicherseits das Bedauern über seinen Rückzug.

Unterstützung und Distanz

Heinrich Bedford-Strohm, Bischof der bayerischen Landeskirche und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, erklärte laut Evangelischem Pressedienst (epd) am Freitagabend, die Ankündigung habe bei ihm „Betroffenheit und großes Bedauern“ ausgelöst. Ähnlich äußerte sich am Freitag Ralf Meister, Hannoverscher Landesbischof und Vorsitzender der Vereinigten Evanglisch-Lutherischen Kirchen in Deutschland. Rentzing ist in jenem Amt sein Stellvertreter. Michael Diener, Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes und Mitglied im Rat der EKD, schrieb ebenfalls am Freitag auf Facebook, es sei „fatal, wenn rechts einer vermeintlichen Mitte kein Platz mehr ist für kirchenleitende Positionen“. Nach Bekanntwerden der neuen Informationen kündigte er eine ergänzende Stellungnahme an.

Am Samstagabend dann – nach dem tagesschau.de-Bericht – äußerte sich Bedford-Strohm „schockiert“ über die Texte Rentzings, meldete der epd. „Ich hoffe auf eine schnelle Klärung innerhalb der Landeskirche, zu der Carsten Rentzing sicher selbst beitragen wird“, erklärte der Ratsvorsitzende. „Als evangelische Kirche müssen wir uns eindeutig und laut vernehmbar gegen rechtsextremistische Einstellungen positionieren.“

Unterstützung für Rentzing kam unter anderem vom „Arbeitskreis Bekennender Christen“ (ABC). Mit Rentzing gehe der EKD einer der wenigen konservativen Vertreter verloren, heißt es in einer Mitteilung. Seit seinem Amtsantritt 2015 hätten Rentzings Kritiker versucht, ihn mürbe zu machen. ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger sprach von einer Kampagne gegen den Bischof. „Auch wenn Rentzing vor 30 Jahren Sätze geschrieben hat, die er heute für falsch hält – es ist einfach unevangelisch, einen Menschen auf Fehler der Vergangenheit festzunageln. Ich bin so froh, dass Jesus das nicht tut“, sagte Vieweger.

Der langjährige ProChrist-Redner Ulrich Parzany geht in einem Post auf Facebook ebenfalls davon aus, dass Rentzings Kritiker ihn als Bischof loswerden wollten. „Lassen wir uns nichts vormachen! Er wurde von Anfang an attackiert, weil er sich zur Gültigkeit und Autorität der Bibel als Gottes Wort bekannte und die Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ablehnte“, schrieb Parzany.

Aufruf zur Mäßigung

Auch Helmut Matthies, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, stellte sich hinter Rentzing und betonte, der Bischof habe die Ansichten, die er „kritisch zur Demokratie und einer multikulturellen Gesellschaft äußerte, weder als Pfarrer noch als Landesbischof wiederholt“. Das Heft Fragmente habe auch nur von 1989 bis 1992 existiert. Gegenüber den Vorwürfen, dass Rentzing in der „Bibliothek des Konservatismus“ gesprochen habe und einer Verbindung angehöre, nahm Matthies Rentzing in Schutz. Matthies kritisierte zudem eine Doppelmoral, mit dem Kirchenleitende in der Öffentlichkeit gemessen würden. So hätten mehrere Kirchenleiter, die im kommunistischen Milieu aktiv gewesen seien, keine Konsequenzen fürchten müssen. Als Konservativer habe Rentzing innerhalb der EKD-Gremien auf einsamem Posten gestanden.

Rentzing ist formal noch im Amt, derzeit aber im Urlaub. Daher äußert er sich im Moment nicht selbst zu seinem Rücktritt. Die Kirchenleitung rief in ihrer Erklärung zu „Mäßigung in öffentlichen Stellungnahmen und zu einer geistlichen Haltung untereinander“ auf. Die Ereignisse zeigten die Zerwürfnisse innerhalb der Landeskirche und schwächten die „Kraft des Zeugnisses“ von der frohen Botschaft Jesu Christi.

Von: Jonathan Steinert

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Mon, 14 Oct 2019 18:26:00 +0200
<![CDATA[Nordsyrien-Konflikt bedroht Christen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/10/14/nordsyrien-konflikt-bedroht-christen/ Angesichts der türkischen Militäroffensive gegen kurdische Milizen im Norden Syriens hat Papst Franziskus eine rasche Lösung des Konfliktes gefordert. Am Sonntag sagte der Papst in seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz: „Ich appelliere erneut an alle beteiligten Akteure und an die internationale Gemeinschaft, sich auf dem Weg des Dialogs ernsthaft für wirksame Lösungen einzusetzen.“ Nach Angaben der Tagespost vom Montag hätten den Papst „dramatische Nachrichten über das Schicksal der Bevölkerung im Nordosten des Landes“ erreicht. Wegen der Kämpfe sei die Bevölkerung gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Darunter auch viele christliche Familien.

Der katholisch-chaldäische Vikar der nordsyrischen Stadt Hassaka, Nidal Thomas, berichtete der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von dem drohenden Exodus der Christen in der Region. Gegenüber der Zeitung erklärte Thomas: „Wenn Erdogan nicht aufhört, werden alle verbleibenden Christen fliehen."

Furcht vor dem IS ist zurück

Dass Christen in der Region ihre Heimat verlassen müssen, berichtete auch die christliche Menschenrechtsorganisation Open Doors am Freitag. Demnach hat es nach dem Einmarsch der türkischen Truppen im Norden Syriens auch Opfer unter der Zivilbevölkerung gegeben. Unter den Verletzten sind nach Open Doors-Angaben auch Christen. In der Region leben demnach „einige zehntausend Christen“, allein in der Provinzhauptstadt Hassaka sollen es zwischen 25.000 und 30.000 sein.

Auf Anfrage hat Open Doors am Montag mitgeteilt, dass „sich die Lage in der Grenzstadt Kamischli wieder etwas beruhigt zu haben scheint". Die zwischenzeitliche Überlegung des lokalen Partners Pastor George von der örtlichen „Evangelical Christian Alliance Church“, mit der gesamten Gemeinde die Stadt zu verlassen, um sich weiter südlich anzusiedeln, sei vorerst verschoben worden. „Neben der schwierigen Sicherheitslage aufgrund der Kampfhandlungen sorgen sich die Christen auch wegen der bislang inhaftierte IS-Kämpfer, die aus den Gefängnissen entkommen könnten", erklärte Open-Doors-Sprecher Ado Greve am Montag auf Anfrage.

Humanitäre Katastrophe droht

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Montag in Berlin mit einer Demonstration vor dem Brandenburg Tor gegen die türkische Invasion in Nordsyrien protestiert und fordert, dass der völkerrechtswidrige Einmarsch gestoppt wird. Dazu hat GfbV-Direktor Ulrich Delius von der internationalen Staatengemeinschaft mehr „wirtschaftlichen Druck auf die Türkei" verlangt. Nach Schätzungen der GfbV vom Montag sind bereits mehr als 130.000 Menschen auf der Flucht. Nicht nur Kurden und Araber müssten nach GfbV-Angaben massenhaft flüchten, sondern auch tausende Angehörige der christlichen Minderheiten.

Nach Angaben einer Pressemeldung vom Montag hat der Erzbischof von Hassaké-Nisibi, Jacques Behnan Hindo, am Wochenende vor einem Massenexodus von Christen aus den Städten Qamishli und Hassaké gewarnt. Weil in vielen Orten die Wasserversorgung durch die Kämpfe unterbrochen wurde, befürchtet GfbV, „dass sich die humanitäre Lage der Zivilbevölkerung schnell massiv verschlechtern wird“.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 14 Oct 2019 15:11:00 +0200
<![CDATA[Dabrock kritisiert Widerspruchslösung bei Organspende]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/10/14/dabrock-kritisiert-widerspruchsloesung-bei-organspende/ Laut Peter Dabrock ist die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagene sogenannte Doppelte Widerspruchslösung bei der Organspende vor allem eines: eine Mogelpackung. Letztlich sehe der Gesetzesentwurf die Möglichkeit eines doppelten Widerspruches nämlich gar nicht vor: „Ausdrücklich wird die Möglichkeit ausgeschlossen, dass die nächsten Angehörigen ein ‚eigenes Entscheidungsrecht unter Beachtung des mutmaßlichen Willens des möglichen Organ- oder Gewebespenders‘ haben“, schreiben die Professoren in ihrem Aufsatz für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Stattdessen sei es „nicht bloß ungewollte Folge, sondern gerade Sinn der Gesetzesänderung, dass der unterlassene beziehungsweise nicht dokumentierte Widerspruch als Legitimation der Organspende verwendet wird“, heißt es weiter. „Einen tiefgreifenden und problematischen Paradigmenwechsel“ sehen die Autoren in dem Prinzip, dass Schweigen Zustimmung bedeuten soll. Damit unterminierten die Macher des Vorschlags den Begriff der Spende und deren freiwilligen Charakter. Sie etablierten darüber hinaus eine „kollektive Erwartungshaltung hinsichtlich des Zur-Verfügung-Stellens des eigenen Körpers“. Die Verfügungsmacht über den eigenen Körper auch über den Tod hinaus werde so begründungsbedürftig.

Patientenwille könnte missachtet werden

Zudem bringe der Gesetzesvorschlag praktische Probleme mit sich: Denn Maßnahmen, die die Organe für eine mögliche Entnahme schützen, müssten bereits eingeleitet werden, bevor der Hirntod festgestellt sei. Ob seitens des Patienten ein Widerspruch vorliege, solle laut Gesetzentwurf aber erst nach Feststellung des Hirntodes überprüft werden. Das könne dazu führen, dass der Patientenwille missachtet werde.

Dabrock und Augsberg zweifeln zudem an der Wirksamkeit der Neuregelung: „Wie der Schweizer Ethikrat in einer jüngst veröffentlichten Stellungnahme nochmals vorbildlich und konzise zusammengefasst hat, gibt es keine belastbare Grundlage dafür, dass zwischen der Einführung der Widerspruchslösung und der Erhöhung der Zahl der Organspenden ein kausaler Zusammenhang besteht“, schreiben sie. Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass die Widerspruchslösung „allenfalls geringe positive Effekte“ zeigen werde. Sie wünschen sich bei der Abstimmung im Deutschen Bundestag in diesem Herbst eine Mehrheit für die Zustimmungslösung, unter anderem vorgeschlagen von der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock.

Zwei Gesetzesvorschläge im Bundestag

Die sogenannte doppelte Widerspruchslösung, neben Spahn getragen durch Abgeordnete wie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, Georg Nüßlein (CSU) oder Petra Sitte (Linke), sieht vor, dass jeder Bürger ab 16 Jahren zum Organspender werden kann, der dem nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Im Zweifel sollen Angehörige glaubhaft machen, dass der Betroffene kein Spender sein wollte. Noch im August trugen 222 Abgeordnete diesen Gesetzesentwurf mit.

Eine weitere Parlamentariergruppe um Baerbock, Hermann Gröhe (CDU), Katja Kipping (Linke), Ulla Schmidt (SPD) und Otto Fricke (FDP), will eine Zustimmungslösung durchsetzen. Als Organspender registriert würden dann nur Menschen, die dem ausdrücklich zugestimmt haben. Informationen zur Organspende und die Abfrage des individuellen Wunsches sollen an das Abholen von Ausweispapieren bei den entsprechenden Behörden gekoppelt sein. Diesen Gesetzesentwurf trugen zuletzt 192 Abgeordnete.

Von: Anna Lutz

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Mon, 14 Oct 2019 12:14:00 +0200
<![CDATA[Pompeo spricht vor Anwälten über sein Glaubensleben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/10/13/pompeo-spricht-vor-anwaelten-ueber-sein-glaubensleben/ Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo hat vor der amerikanischen Vereinigung christlicher Anwälte in Nashville, Tennessee, darüber gesprochen, was für ihn die wichtigsten Eigenschaften einer christlichen Führungsfigur sind. Pompeo ging auf drei Bereiche ein: die eigene Gesinnung, den Dialog mit anderen Menschen und Entscheidungen, die man treffen muss.

Heftige Kritik an dem Vortrag äußerte Aaron Keyak. Der ehemalige Vorsitzende der jüdischen Lobbyorganisation der Demokratischen Partei (National Jewish Democratic Council) warf Pompeo vor, die Plattform zu nutzen, um eine bestimmte Religion zu fördern. „Er hat offensichtlich kein Problem damit, in der Kombination als Außenminister und stolzer Christ aufzutreten“, sagte Keyak der Onlinezeitung Times of Israel.

Affront gegen die Trennung von Kirche und Staat

„Minister Pompeo hält es für angemessen, beide Attribute zusammenzufassen. Aber es ist ein Problem, wenn er in einer offiziellen staatlichen Veranstaltung als christlicher Führer auftritt.“ Keyak sah darin einen Affront gegen die Trennung von Kirche und Staat.

Pompeo erzählte von den Anfängen seines Glaubenslebens als Student: „Ich bin wie viele andere Menschen in die Kirche gegangen. Eine Beziehung zu Gott war für mich nicht wichtig, Ich war dafür bestimmt, in der NBA zu spielen“, scherzte er. In seiner Zeit in der Militärakademie hätten zwei junge Männer mit ihm die Bibel studiert: „Sie haben mir alles erklärt und geholfen, meinen Weg mit Christus zu beginnen.“

Laut Times of Israel war die Konferenz für Pompeo auch eine Flucht vor den politischen Problemen in Washington. Am Freitag war einer seiner engsten Mitarbeiter, Michael McKinley, zurückgetreten.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sun, 13 Oct 2019 13:30:00 +0200
<![CDATA[„Abiy Ahmed muss Verfassung Äthiopiens ändern“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/12/abiy-ahmed-muss-verfassung-aethiopiens-aendern/ Der äthiopische Ministerpräsidenten Abiy Ahmed erhält in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Er wird für seinen Einsatz um den Friedensprozess mit dem Nachbarland Eritrea und Reformen in seinem Land ausgezeichnet. Der politische Analyst, Autor, Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten sowie Angehörige des entthronten äthiopischen Kaiserhauses Asfa-Wossen Asserate sieht darin einen Glücksfall. Damit Reformen in dem Land Aussicht auf Erfolg haben, müsse Abiy Ahmed die rassistische Verfassung Äthiopiens ändern, erklärt Asfa-Wossen Asserate im Gespräch mit pro.

pro: Herr Asserate, Ihr Landsmann, Ministerpräsident Abiy Ahmed, wird mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Welche Bedeutung hat das für Äthiopien?

Asfa-Wossen Asserate: Es ist ein Glückstag für Äthiopien. Er ist der erste Äthiopier, der eine solche Ehrung erhält. Abiy Ahmed ist ein Mann, der eine große Rolle dabei gespielt hat, dass zwischen den brüderlichen Völkern Äthiopiens und Eritreas endlich der Krieg aufgehört hat und dass wir auf dem Wege des Friedens sind. Hier ist ein Mann Nobelpreisträger geworden, der Tausende von politischen Gefangenen wieder freigelassen hat. Das allein und seine außenpolitischen Erfolge sind gute Gründe für die Entscheidung des Nobelpreiskomitees. Also ja, ein glücklicher Tag für alle Äthiopier und Afrikaner.

Was erwarten Sie nun von Ahmed, aber auch seinen Landsleuten?

Ich hoffe nun, dass Abiy Ahmed an die versprochenen Reformen herangeht und sein Versprechen, das er vor 18 Monaten gegeben hat, endlich einhält. Und, dass er den Demokratisierungsprozess endlich aufnimmt. Die dringendste Reform, die Äthiopien braucht, ist die einer neuen Verfassung. Es können keine weitreichenden Reformen in dem Land umgesetzt werden, ohne dass die Verfassung grundlegend geändert wird. Daran wird man Abiy Ahmed messen.

Aus welchem Grund ist eine Änderung der Verfassung so wichtig?

Die bestehende Verfassung ist der Grund allen Übels. Alle Probleme, die Äthiopien hat, entspringen der aktuellen, rassistischen Verfassung. Es ist eine Verfassung die einen Staat hervorgerufen hat, der sich als einziger Staat auf dieser Welt eine „ethnische Föderation“ nennt. Für mich ist dieser Begriff ein anderes Wort für Apartheid.

Sehen Sie wirklich Parallelen zum einstigen Apartheidssystem in Südafrika?

Diesen Begriff hat das Malan-Regime in Südafrika genauso verwendet, nachdem es dort 1948 die Macht übernommen hatte: Apartheid ist nichts anderes als eine ethnische Föderation. Da liegt der Hund begraben. Solange Äthiopien eine ethnische Föderation ist, solange es ethnische Grenzen, ethnische Parteien gibt und solange die Wirtschaft ethnisiert ist, kann das Land keine neuen, gedeihlichen Wege beschreiten. Die ethnische Komponente muss auf jeden Fall aus der Verfassung verschwinden.

Wie bewerten Sie den Umstand, dass der Nobelpreisträger Christ ist?

Dass Abiy Ahmed bewusst als Christ lebt, wird sich positiv auswirken. Äthiopien ist ein Land der Gläubigen. Ein Land, in dem die drei abrahamitischen Religionen seit Jahrhunderten in friedlicher Koexistenz gelebt haben. Dafür ist der Ministerpräsident ein wahres Exempel. Er kommt aus einer multireligiösen Familie. Der Vater ist Oromo und Moslem, seine Mutter ist Amharin und äthiopisch-orthodox. Er selbst ist Pfingstler. Wenn Ahmed als Christ lebt und agiert, unterstreicht das, dass Äthiopien ein Land der religiösen Vielfalt ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Ministerpräsident Äthiopiens, Abiy Ahmed, im April 2018 den Grenzkonflikt mit Eritrea, bei dem zwischen 1998 und 2000 etwa 70.000 Menschen getötet wurden, gelöst. Abiy Ahmed hob zudem den Ausnahmezustand in Äthiopien auf und entließ politische Gefangene aus der Haft. Der Christ verbesserte zudem die Meinungs- und Pressefreiheit in dem Land und müht sich um mehr Einfluss von Frauen in Gesellschaft und Politik.

Von: Norbert Schäfer

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Sat, 12 Oct 2019 15:09:00 +0200
<![CDATA[„Das Evangelium gehört auf die Dächer, nicht in die Keller“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/11/das-evangelium-gehoert-auf-die-daecher-nicht-in-die-keller/ EKD-Studie. Warum Christen das nicht entmutigen darf und warum sie gerade jetzt ihren Glauben an die Öffentlichkeit tragen sollten, erklärte der Theologe Michael Herbst bei der Herbstkonferenz der SMD in Marburg.]]> Glaube und Religion seien in der heutigen Gesellschaft empfindliche Themen. „Wir erleben, dass die Gemüter hochkochen, wenn es um Religion geht“, sagte Markus Heide, Leiter der Zentrale der Hochschul-SMD, bei der Herbstkonferenz der Studentenmission (SMD) in Marburg anlässlich ihres 70-jährigen Bestehens. Ganz aktuell zeigten das die Ereignisse der vergangenen Woche in Halle. Dort verübte ein Rechtsextremist einen antisemitischen Anschlag auf eine Synagoge am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben, mehrere wurden verletzt.

Der Vortrag des Theologen Michael Herbst zum Thema Religion und Öffentlichkeit sei deshalb aktueller denn je. Herbst, Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald, sprach darüber, dass Christen und christlicher Glaube immer mehr eine Minderheitenposition einnähmen. In der Gesellschaft entwickele sich eine Gleichgültigkeit gegenüber der Religion. Das zeige unter anderem eine aktuelle Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). „Der Anteil der Christen im Land bewegt sich stetig abwärts. Kirchen schrumpfen, weil sich die Menschen von ihr abwenden. Sie verlieren an Bedeutung“, sagte Herbst. Das zeige sich aber auch an Universitäten, an denen christliche Gruppen wie die der SMD nicht mehr das offizielle Recht als Hochschulgruppen zugestanden bekämen. „Die Entwicklungen sind offensichtlich: Die hartnäckige Überlebensfähigeit des christlichen Glaubens ist nicht Bestandsgarantie für unsere gemütlichen Verhältnisse. “

„Hintern auf die Kirchenbänke!“

Die Wissenschaft nenne diese Entwicklung „Säkulares Driften“. „Seit langem und auch künftig bewegt sich die Gesellschaft in Richtung einer religiösen Gleichgültigkeit, einer mit sich selbst zufriedenen Säkularität. Religion wird nicht bestritten, sie ist gar kein Thema mehr“, zeigte Herbst die kommende Entwicklung auf. Die Kirche werde in Zukunft zu einer Minderheitenkirche. „Es wird nicht einfach sein, zu glauben, wenn nur wenige glauben“, sagte er. Der Theologe zieht aus dieser Entwicklung den Schluss: „Das Evangelium muss zu den Menschen!“ Und er ermutigte die Zuhörer: „Die Wahrheit des christlichen Glaubens wird nicht über Mehrheiten entschieden. Was hätte Paulus sonst machen sollen?“

Christen müssten diese Lage annehmen und diese Spannung aushalten. „Es wird schwieriger sein, Schülerkreis und Hochschulgruppe zu sein“, sagte Herbst. Doch: „Rückzug ist keine Option.“ Es brauche deshalb Orte öffentlicher Verkündigung mit „niedrigen Schwellen“. Herbst konstatierte: „Das Evangelium gehört auf die Dächer, nicht in die Keller.“ Der Theologe warnte davor, sich als Christen abzukapseln und sich nur noch unter seinesgleichen zu bewegen. Stattdessen solle man sich ein Beispiel an der biblischen Figur des Daniel nehmen, der zwar in Babylon lebte und sich unter den Babyloniern integriert hatte, seinen Glauben an Gott aber immer öffentlich bekannt hatte. Herbst zitierte den amerikanischen Theologen und Autoren Chad Bird: „Hintern auf die Kirchenbänke!“ Christen brauchten die Gemeinschaft miteinander, dürften sich aber auch nicht „ins Ghetto“ zurückziehen. „Anders überleben wir nicht“, sagte der Professor für Praktische Theologie.

SMD wird 70

Ein wichtiger Grund, sich nicht von der Gesellschaft zu distanzieren, sei auch der, dass „alle Menschen ein Recht darauf haben, die Botschaft vom Kreuz zu hören“. Herbst sagte: „Wenn man uns dazu Räume öffnet: Fein. Wenn man es nicht tut, gibt es andere Möglichkeiten.“

Die Studentenmission in Deutschland ist ein Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und akademischen Berufen. Zu ihr gehören heute 80 Hochschulgruppen, die etwa 3.000 Studenten regelmäßig erreichen. In diesem Jahr feiert sie 70-jähriges Bestehen. In den vergangenen Jahren erfahren religiöse Hochschulgruppen wie die SMD verstärkt Widerstände. An einigen Universitäten dürfen sie keine Räume mehr nutzen, an anderen keine Flyer verteilen. Damit stellen sich die Hochschulen öffentlich gegen das im Grundgesetz verankerte Menschenrecht der Religionsfreiheit.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 11 Oct 2019 22:38:00 +0200
<![CDATA[Sachsens Landesbischof Rentzing tritt zurück]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/11/sachsens-landesbischof-rentzing-tritt-zurueck/ Carsten Rentzing, Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens, stellt sein Amt „zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung“. Das teilte er in einer Erklärung am Freitag mit. Er sei mit dem Wunsch angetreten, „die verschiedenen Positionen innerhalb der Landeskirche wieder einander näher zu bringen“. Die Einheit der Kirche sei sein oberstes Ziel. Die aktuelle Diskussion um seine Person schade dem jedoch.

Rentzing geriet im September in die Kritik, als bekannt wurde, dass der Bischof seit seiner Studienzeit in Frankfurt am Main Mitglied der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia und damit im Coburger Convent ist. Die Verbindung pflegt das Mensurfechten. In einer Stellungnahme erklärte Rentzing am 14. September, er sei formal noch Mitglied, aber nicht mehr in dem Bund aktiv. „Ich trage diesen Teil meiner Biografie ganz bewusst nicht offen vor mir her, aber ich stehe dazu, dass es ein Abschnitt in meinem Leben war, den ich nicht verleugnen kann und will.“ Er habe „inzwischen eine innerliche Distanz zu manchen Dingen gewonnen“.

Laut WDR tauchten Anfang dieser Woche zahlreiche Texte auf, die Rentzing zwischen 1989 und 1992 als Redakteur der Zeitschrift „Fragmente – das konservative Kulturmagazin“ verfasst hat. Darin verachte er die liberale Demokratie und vertrete ein völkisches Staatsverständnis. 1991 habe der Theologe in einem Text die universale Gültigkeit von Menschenrechten und Rechtsstaat bestritten. Die Staatsgewalt verändere sich, wenn „Ausländer in die Exekutive“ kämen. Die Autoren der Zeitschrift „Fragmente“ geben Polen eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg. Zu einer WDR-Anfrage habe Rentzing bisher noch keine Stellung bezogen.

Ende September starteten mehrere Pfarrer der sächsischen Landeskirche eine Online-Petition, die bisher über 800 Unterschriften hat. Darin kritisieren die Unterzeichner, dass Rentzing sich nicht von der Verbindung distanziert habe, und fordern ihn dazu auf, sich zu erklären. Die Petition legt dem Bischof eine inhaltliche Nähe zur AfD nahe. Auch einen Auftritt in der „Bibliothek des Konservatismus“ im Jahr 2013, die zu einem Netzwerk der Neuen Rechten gehöre, legt ihm die Petition zur Last und fordert eine Distanzierung davon. Rentzing lud die Erstunterzeichner zum Gespräch ein. Nun folgte sein Rücktritt.

Überzeugter Konservativer

„Ich stehe für konservative Positionen und Werte, die ich in einem langen Entwicklungsprozess für mich als richtig erkannt habe“, erklärte er zu seinem Amtsverzicht. „Dabei war die Begegnung mit Jesus Christus und mein Glaube für mich prägend. Der Weg in die Kirche hat mich verändert. Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.“

Rentzing ist seit 2015 Bischof der sächsischen Landeskirche. Er hat sich immer wieder mit konservativen Positionen profiliert, etwa mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Trauung homosexueller Paare. Konservativ sei für ihn kein Makel, sondern „ein positiv besetzbarer Begriff“, sagte er im pro-Interview vor drei Jahren. Es bedeute für ihn „eine gewisse Vorsicht, Dinge und Erkenntnisse über Bord zu werfen, die sich bewährt haben.“ In dem Gespräch kritisierte er auch eine Tendenz in westlichen Kirchen, „kritische Aussagen zu unterlassen und nur das, was mit dem Mainstream verträglich ist, nach außen zu tragen“.

Der 52-Jährige stammt aus Berlin. Zum christlichen Glauben fand er als junger Erwachsener. Zunächst studierte er in Berlin Rechtswissenschaften und Philosophie, später Philosophie und Theologie in Berlin, Frankfurt am Main und Oberursel. Bevor er Bischof wurde, war er Pfarrer im Vogtland.

Von: Jonathan Steinert

In einer früheren Version des Artikels stand, Rentzing sei in der „Konservativen Bibliothek“ aufgetreten. Richtig ist der Name „Bibliothek des Konservatismus“. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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Fri, 11 Oct 2019 18:00:00 +0200
<![CDATA[Turnschuhe mit Weihwasser sind Verkaufsschlager]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/11/turnschuhe-mit-weihwasser-sind-verkaufsschlager/ Die New Yorker Firma MSCHF hat Nike-Schuhe entwickelt, die echtes Weihwasser in den Sohlen enthalten. Die 3.000 Dollar teuren Schuhe waren am Dienstag in wenigen Minuten ausverkauft. Das meldet die Online-Ausgabe der New York Post. Sie beruft sich auf den Handelsleiter der Produktdesign-Firma, Daniel Greenberg.

Die Firma wolle sich damit über „Collaborations“ lustig machen, die Zusammenarbeit großer Marken mit prominenten Persönlichkeiten. Um das zu tun, habe sie mit „einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte“, Jesus Christus, begonnen. Die Firma habe sich gefragt, wie eine Zusammenarbeit mit ihm aussehen würde.

Als Jude wisse er, dass Jesus über das Wasser gelaufen sei. Die Firma wirbt mit dem Spruch „Walk on Water“, zu Deutsch: Lauf auf dem Wasser. Gefüllt sind sie mit echtem Jordan-Wasser. Das von einem Priester geweihte Wasser habe die Firma in die 97 Blasen der Sohlen injiziert. Im Jordan wurde Jesus getauft. Die Schnürsenkel sind mit einem Kruzifix versehen.

Firma bekannt für verrückte Ideen

Verkauft wurden die 25 Paar Sneaker in dem Online-Shop „StockX“. Der Nike-Schuh kostet normalerweise 130 Euro. Inklusive Weihwasser mussten die Kunden rund 3.000 US-Dollar, umgerechnet 2.720 Euro, bezahlen. Die Firma Nike war nicht an der Produktion beteiligt.

Die Firma ist bekannt für ihre verrückten Ideen. Regelmäßig veröffentlicht das Label skurrile Produkte. Etwa die Schriftart „Times Newer Roman“. Sie soll exakt so aussehen wie das Original, aber etwas breiter, damit sich die Seiten schneller füllen ließen. Für Greenberg war das neue Produkt, „der heiligste aller Collabs“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 11 Oct 2019 16:59:00 +0200
<![CDATA[Li Marie: Für Gott auf YouTube]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/10/11/li-marie-fuer-gott-auf-youtube/ Lisa ist wie das nette Mädchen von nebenan, mit der man sich auf Anhieb gut versteht: Unkompliziert, fröhlich, herzlich. Und irgendwie auch ein bisschen unscheinbar. Viel unscheinbarer zumindest als in ihren YouTube-Videos, wo sie als Li Marie über ihren Glauben und ihr Leben erzählt und wo ihr mehr als 11.000 Menschen folgen. Da kommt sie extrovertierter rüber. Ihren Nachnamen möchte sie nicht öffentlich machen, um ihre Privatsphäre zu schützen. Die 24-Jährige trägt bei unserem Treffen ein schlichtes weißes T-Shirt, hellblaue Röhrenjeans, kaum Make-Up, und das lange blonde Haar ist zu einem lockeren Zopf gebunden. Das einzige, was das zurückhaltende Mädchen auffällig macht, ist ihre Größe. Sie überragt andere um Haupteslänge.

Wir treffen uns im kühlen Jugendkeller ihres Gemeindehauses in Frankfurt, der Freien Christengemeinde, die zum Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) gehört. Schnell entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre. Dabei geht es auch um strittige Themen. Denn Lisa vertritt als Li Marie auf YouTube durchaus konservative und streitbare Meinungen, zum Beispiel zum „Sex vor der Ehe“, zur Rolle der Frau und zu Beziehungen allgemein. Im Influencer-Business der Sozialen Medien ist das eine Ausnahmeerscheinung. Ihr Video „Kein Sex vor der Ehe 1“ haben über 300.000 Menschen geschaut. In den weiteren drei Folgen zum Thema spricht sie mit ihrem jetzigen Ehemann Lukas und damaligen Verlobten darüber, wie das Paar es geschafft hat, mit dem Sex zu warten, wie weit man ihrer Meinung nach beim vorehelichen Liebesspiel gehen darf oder was man tun kann, wenn es trotz gegenteiliger Planung dennoch passiert.

Für jemanden, der mit dem Glauben eher wenig zu tun hat oder zumindest die konservativen Ansichten des Paares nicht teilt, wirkt das sehr gewöhnungsbedürftig. Christlicher Lebensstil als Wust aus Verbotsschildern? Und: Muss die öffentliche Zurschaustellung des Intimlebens sein? Focus Online, dem Jugendradio Puls des Bayerischen Rundfunks und dem Online-Magazin Vice waren das sogar Berichte wert, in denen YouTuberinnen wie Li Marie der Stempel „Christfluencer“ aufgedrückt wurde, was nicht positiv gemeint war. Focus Online zog einen „Sektenforscher“ heran, der vor solchen YouTube-Auftritten warnte. In den Kommentaren unter Li Maries Videos geht es bei dem Sex-Thema hoch her. Viele Nutzer reagierten mit Unverständnis, wie man sich „so etwas antun“ könne.

„Ich brauche die Freiheit von Jesus.“

Lisa begegnet der Kritik mit einem Lächeln. Die angeblichen Sektenforscher, die herangezogen wurden, seien keine echten und auch nicht wirklich ernst zu nehmen, erklärt sie ihre Meinung. Und selbst wenn: Es stört sie nicht. „Ich glaube, wenn man nicht in dem bekannten Raster bleibt, sich in der katholischen Kirche hinsetzt und betet, dann ist man in den Augen Vieler irgendwie komisch“, sagt sie. Gott sage ja bereits in der Bibel, dass Christen für ihre Überzeugungen angegriffen und die Wahrheiten verdreht würden. „Anscheinend machen wir es ja dann richtig. Wenn wir nur von der Welt geliebt werden, wäre das auch komisch“, findet Lisa.

Sie begründet sehr vieles mit der Bibel. Die habe sie in den vergangenen Jahren „in einer krassen Lebenskrise“ neu lieben gelernt. Was genau passiert ist, will sie nicht sagen. Aber: Die Frage, „wie Gott so etwas zulassen kann, hat mich aus meiner christlichen Blase gezogen“. Sie habe dann „von außen auf das ganze Christen-Bild geguckt und gedacht: „Es kann doch nicht sein, dass die Christen sich alles schönreden, wie es gerade passt.“ Christlich aufgewachsen, habe sie sich nie groß Gedanken über Sätze wie „Jesus liebt dich“ und „Jesus ist für dich gestorben“ gemacht. Lisa kehrte sich vom Glauben ab und hinterfragte alles. Sie merkte dabei: „Mit Gott geht es mir besser als ohne ihn.“ Sie habe ohne den Glauben eine „furchtbare Leere“ in sich gefühlt. „Ich hab gemerkt, ich brauch die Freiheit von Jesus. Da kam das Evangelium zum ersten Mal so richtig in mein Leben.“

Wie durch ein Wunder geheilt

Lisa ist gerade mit dem Bachelor in Theo-logie an der THS-Akademie fertig, einer evangelikalen Ausbildungsstätte überkonfessioneller Prägung, die unter anderem mit dem Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) kooperiert. Das Studium sei dual, erklärt sie. Drei Tage in der Woche findet der Unterricht an dem Theologischen Seminar in Bingen statt, dann folgen drei Tage praktische Ausbildung, die man in speziellen Projekten oder Ausbildungsgemeinden absolvieren kann. Lisa entschied sich für ein Gemeindegründungsprojekt und kam so in Berührung mit YouTube. Aus dem Projekt entstand givici, die „Global Video Church“. Es ist eine Art Internetkirche, an die lokale Hausgemeinden angegliedert sind. Die funktionieren wie Hauskreise, sagt Lisa. Mit dem Unterschied, dass darüber hinaus kein weiterer Gottesdienst und keine weitere Gemeinde besucht werden.

Givici mit seinen Hauskirchen versteht sich als eigenständige Gemeindebewegung. Auf dem givici-Portal gibt es Videopredigten über Themen wie Beziehungen, Vergebung, Sünde oder Predigten über konkrete Bibeltexte. Die Themen können dann in den Hausgemeinden diskutiert werden. Jeder kann Gründer neuer Hauskirchen werden, die sich an givici angliedern. Lisa fing als eine der Videopredigerinnen an. Jetzt leite sie den Videobereich und es gebe mehr Sprecher, deshalb muss sie selbst nicht mehr so oft ran. „Ich habe aber selbst so viel Input in meinem Kopf, den ich loswerden will“, sagt sie. So sei ihr eigener YouTube-Kanal mehr und mehr gewachsen. Filmen und Videos schneiden sei schon immer ein Hobby von ihr gewesen.

Dabei war es für die gebürtige Allgäuerin nicht immer selbstverständlich, als Frau vor der Kamera zu stehen. In ihrer Heimatgemeinde habe sie gelernt, dass „eine Frau Gott eher in der Küche und der Kindererziehung dienen kann“. Sie habe sich aber schon damals gefragt, warum es „trotzdem so viele Frauen gibt, die ganz viel bewirken“. Vor mehreren Jahren wurde Lisa sehr krank. Die Diagnose: Chronic Fatigue-Syndrom, kurz CFS – eine unheilbare Immunkrankheit, die zu chronischer, lähmender Erschöpfung führt. Bei vielen Betroffenen reichen kleinste Anstrengungen wie Treppensteigen aus, um völlig fertig zu ein.

Lisa habe damals viel im Bett gelegen und ihre Ausbildung zur Ergotherapeutin, die sie zu der Zeit in München machte, abbrechen müssen. Sie habe in dieser Zeit viel gebetet und Gott gefragt, was sie mit ihrem Leben machen solle. „Er hat aber die ganze Zeit nur gefragt: Was willst du denn tun?“ Sie habe diese Frage nicht gemocht, „weil ich doch machen wollte, was Gott will“. Als sie intensiver darüber nachgedacht habe, sei ihr jedoch der Gedanke gekommen, Theologie zu studieren. Das nahm Lisa als Antwort von Gott. „Gerade weil du eine Frau bist, will ich dich gebrauchen“, habe Gott zu ihr gesagt. Lisa interpretiert es als Antworten von Gott, wenn sie Gedanken oder Gefühle gar nicht mehr loslassen. Mit Gott habe sie dann einen „Deal“ gemacht: „Wenn ich das Studium an der THS mache, soll er mich dafür gesund machen.“ Das klingt für den einen oder anderen merkwürdig und weltfremd. Fakt ist jedoch, dass Lisa heute keine körperlichen Einschränkungen mehr hat.

YouTube als Chance für Christen

Regelmäßig sonntags zu predigen oder eine Gemeinde zu leiten, kann sie sich nicht vorstellen. „In mir als Frau ist kein großes Verlangen danach, im Mittelpunkt zu stehen“, sagt sie. Lisa will durch ihr Leben andere Menschen inspirieren, nach Gott zu suchen, und betreibt deshalb ihren YouTube-Kanal. Dass ihre Einstellungen zur Rolle der Frau polarisieren und vielen Christen, die etwas feministischer eingestellt sind als sie, wahrscheinlich sauer aufstoßen, ist ihr egal.

Die 24-Jährige sehe in der Jugendarbeit ihrer Gemeinde, dass junge Menschen sich oft über YouTube-Stars definierten. Das sei erstmal erschreckend. „Aber für Christen ist das eine gute Chance.“ In vielen E-Mails schrieben ihr junge Zuschauer, ihr Ehemann Lukas – übrigens Jugendleiter in ihrer Gemeinde – und sie seien Vorbilder, zum Beispiel beim Thema Beziehungen. Li Marie folgen aber auch viele Nutzer, die mit dem christlichen Glauben wenig zu tun haben. „Mich wundert das oft“, sagt sie. Die stellten auch öfter mal Fragen und würden auch gegenteilige Meinungen vertreten. Das findet sie okay. Nur „richtig böse Kommentare“ löscht sie.

An negative und persönlich verletzende Kommentare musste sie sich erst gewöhnen. Manchmal sei das „echt heftig“. Anfangs habe sie auch an sich selbst gezweifelt. Doch sie habe dazu gelernt. Lisa erklärt das ganz reflektiert. Sie scheint ihren „Hatern“ mit einer tiefen, inneren Ruhe zu begegnen. Ihre Videos macht sie jetzt anders als noch vor zwei Jahren. „Ich wiederhole Dinge beim Aufnehmen, wenn ich merke, ich habe was gesagt, was falsch interpretiert werden könnte.“ Man könne aber nicht jedem gefallen. Auch wenn die Zuschauer Dinge erstmal „doof“ finden würden, hält sie es für wichtig, dass auch die Gegner mal gehört hätten: „Es gibt Menschen, die warten mit dem Sex bis zur Ehe. Und es gibt Leute, die jeden Tag in der Bibel lesen und das spannend finden.“ Positive Zuschriften erhält Lisa vor allem per E-Mail. Da komme „fast zu 100 Prozent“ nur Ermutigendes. Und manchmal schreibt ihr jemand, dass er durch ihre Videos zurück zum Glauben gefunden habe. „Das ist dann der Oberhammer und ich sehe: Es lohnt sich, weiterzumachen.“

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 4/2019 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro hier kostenlos.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 11 Oct 2019 16:30:00 +0200
<![CDATA[Nobelpreis für äthiopischen Friedensstifter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/10/11/nobelpreis-fuer-aethiopischen-friedensstifter/ Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an Abiy Ahmed, den Premierminister von Äthiopien. Die Auszeichnung bekommt er für seine Initiative, den Krieg zwischen seinem Land und dem nördlichen Nachbarn Eritrea zu beenden. Bei dem Krieg starben zwischen 1998 und 2000 rund 70.000 Menschen. Seitdem herrschte in der Grenzregion ein Zustand zwischen Krieg und Frieden; Äthiopien hielt Gebiete besetzt, die damals von einer Schiedskommission Eritrea zugesprochen wurden.

Ahmed handelte in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit eine Friedensvereinbarung mit Eritreas Präsidenten Isaias Afewerki aus, die beide im Juli 2018 unterzeichneten. Entscheidend sei dabei gewesen, dass Ahmed die Beschlüsse einer internationalen Schiedskommission von 2002 bedingungslos anerkannte, heißt es in der Erklärung des Nobel-Komitees. Auch habe Ahmed in anderen Konflikten in Nordostafrika vermittelt, etwa zwischen Eritrea und Dschibuti oder Somalia und Kenia.

Nobelpreis soll zu weiterer Versöhnungsarbeit ermutigen

„Auch wenn noch viel Arbeit zu tun ist: Abiy Ahmed hat in Äthiopien wichtige Reformen angestoßen, die vielen Menschen Hoffnung geben auf ein besseres Leben und eine hellere Zukunft“, schreibt das Nobel-Komitee in seiner Begründung weiter. Er habe den Notstand in seinem Land aufgehoben, tausende politische Gefangene freigelassen, oppositionelle Gruppen legalisiert und die Zensur der Medien beendet. Außerdem habe er zur Stärkung der Demokratie beigetragen, indem er „freie und faire Wahlen“ durchgeführt habe.

Das Nobel-Komitee räumte ein, dass manch einer die Preisverleihung an Ahmed für zu früh halten könnte. Jedoch verdienten seine Bemühungen Anerkennung und Ermutigung. Das Komitee hoffe, der Preis werde Ahmed „in seiner wichtigen Arbeit für Frieden und Versöhnung stärken“ – mit positiven Effekten für die ganze Region.

Ahmed ist der Sohn eines muslimischen Vaters und einer orthodoxen christlichen Mutter. Er selbst gehört einer Pfingstkirche an. Der 43-Jährige hat in diesem Jahr bereits den Hessischen Friedenspreis erhalten.

Von: Jonathan Steinert

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Fri, 11 Oct 2019 16:26:00 +0200
<![CDATA[Ein Angriff auf Juden, ein Angriff auf das Miteinander]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/10/10/ein-angriff-auf-juden-ein-angriff-auf-das-miteinander/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Am Abend nach Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, besuchte am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Neue Synagoge in Berlin. Sie bekundete der jüdischen Gemeinde ihre Anteilnahme daran, dass die Synagoge in Halle (Saale) Ziel eines Angriffs geworden war. Die stabile Tür hatte, Gott sei Dank, ein Blutbad verhindert, draußen sowie in einem Döner-Imbiss starben insgesamt zwei Menschen. „Osse schalom bimromaw“, sang die Kanzlerin mit den Juden in Berlin. „Der Frieden schafft in seinen Höhen, er schaffe Frieden über uns und über ganz Israel. Darauf sprecht: Amen.“ Mit diesen Worten endet das Kaddisch-Gebet, das Juden im Gedenken an Verstorbene sprechen.

Darin möchte ich einstimmen. Ich finde es unfasslich und bedrückend, dass Juden in Deutschland 70 Jahre nach dem Holocaust so konkret in Gefahr sind. Dass der Anschlag ausgerechnet an Jom Kippur, dem Großen Versöhnungstag, geschah, macht ihn in doppelter Weise erschreckend perfide: Zum einen, weil die jüdische Gemeinde an diesem Tag des Fastens besonders verletzlich ist; zum anderen, weil der Angriff somit auch die Botschaft torpediert, die von diesem Tag ausgeht und nicht nur für Juden bedeutsam ist – Versöhnung miteinander und mit Gott.

Es ist ein Angriff, der sich gezielt gegen Juden in unserem Land und damit auch gegen den Frieden des gesellschaftlichen Zusammenlebens, gegen Versöhnung, gegen Achtung des Anderen richtet.

Antisemitismus gibt es nicht nur bei Extremisten

Der Täter hat den Anschlag live ins Internet übertragen, auch ein Bekennervideo und ein Manifest wurden im Netz gefunden. Aus den vorhanden Informationen schließt die Bundesanwaltschaft auf ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv. Er habe „so viele Anti-Weiße“ töten wollen wie möglich, „vorzugsweise Juden“, heißt es im Bekennerschreiben. Auch greift er darin Verschwörungstheorien von der „zerstörerischen Macht des Judentums“ auf, berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Er leugnet in einem Video den Holocaust, beklagt den Feminismus und die niedrige Geburtenrate im Westen und macht „den Juden“ für die daraus folgende Massenmigration verantwortlich, schreiben Journalisten, die das Video gesehen haben.

Ein kruder Mix aus inhaltlichen Motiven, die jedoch so unbekannt nicht sind und immer öfter auch öffentlich zu hören und zu lesen sind, nicht nur in Sozialen Medien. Und das ist das Problem. Antisemitische und rassistische Ideen finden sich auch in der Mitte der Gesellschaft. Ob und wie sie geäußert werden, hängt auch damit zusammen, wie wir generell miteinander und übereinander, über Probleme, über Verantwortungsträger sprechen, in welchem Klima unsere Diskurse stattfinden. Dass dies seit einigen Jahren in einem spürbar weniger versöhnlichen, sich vielmehr verschärfenden Ton geschieht, ist leider keine neue Beobachtung. Umso stärker sollten wir als Christen mit Wort und Tat einstimmen in das „Osse schalom“, in das Gebet für Frieden – für Juden, das „Haus Israel“ im Besonderen genauso wie für den Frieden in den Herzen aller Menschen in unserem Land.

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Thu, 10 Oct 2019 16:52:00 +0200
<![CDATA[Studie erforscht politische Kultur und Religiosität]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/10/studie-erforscht-politische-kultur-und-religiositaet/ Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche untersuchen in den kommenden zwei Jahren den Zusammenhang von Religiosität und politischen Einstellungen. Die Forscher wollen nach Angaben einer Presseinformation vom Dienstag unter anderem herausfinden, welche Formen von Religiosität welchen Einfluss auf antidemokratische Haltungen haben und welche religiösen Formen demokratieförderlich sind.

Die Studie wird von Wissenschaftlern der Universitäten Leipzig, Duisburg-Essen, Luzern und Bern gemeinsam durchgeführt. „Im Zentrum der Studie stehen die Wirkungen, die verschiedene Typen von Religiosität auf politische und antidemokratische sowie rechtsextreme Einstellungen besitzen und wie dies die politische Kultur in Deutschland beeinflusst“, sagt der Religionssoziologe Gert Pickel, Sprecher des interdisziplinären Konsortiums. Dazu wollen die Forscher in einer repräsentativen Umfrage 2.500 Bürger befragen und dabei neu entwickelte Instrumente der politischen Kulturforschung anwenden.

Religion hat „Marker"-Funktion

„Aktuell haben wir es mit durchaus schwierigen politischen Diskussionen zu tun, in denen auch die Religion eine bedeutende Rolle spielt", erklärt Pickel auf Anfrage von pro. „Einerseits, dass man sich fragt, welche politischen Einstellungen religiöse Menschen unterschiedlicher Frömmigkeitsstile haben, andererseits dient die Religion als eine Art ‚Marker‘, auf den man sich in politischen und gesellschaftlichen Debatten bezieht. Beispielsweise, wenn Politiker politische Haltungen versuchen durch den Bezug auf den Islam zu begründen und bestimmte Positionen damit durchsetzen möchten." Zudem wollen die Forscher der Frage nachgehen, inwiefern Religion die deutsche Demokratie stabilisiert oder schwächt und ob bestimmte Formen von Religiosität in Beziehung zu Vorurteilen stehen.

„Wir haben erste Hinweise, die darauf hindeuten, dass eher dogmatischere Haltungen bei religiösen Menschen dazu führen, dass auf eine bestimmte Art und Weise rechtspopulistischen Aussagen eher zugestimmt wird", erklärt Pickel gegenüber pro. Das zeige sich auch daran, dass bei diesen Personen die Abwehrhaltung gegenüber anderen Religionsgemeinschaften stärker ausgeprägt sei. Bislang vorliegende Umfragen hätten allerdings unbefriedigende Ergebnisse geliefert. Bisher seien differenzierte Fragen zu Religiosität und politischer Kultur sowie spezifische Vorurteilsmuster nicht in einer Umfrage gemeinsam erfasst worden. Das wollen die Wissenschaftler nun nachholen und dadurch tiefere Kenntnisse über das Verständnis von Demokratie in Verbindung mit Religion gewinnen.

Hinweise deuten auf „theologische Begründungslinien“

„Ausgangspunkt des Interesses sind speziell die in den vergangenen Jahren immer stärker zu Tage tretenden Prozesse gesellschaftlicher Polarisierung und Radikalisierung, die auch vor Kirchengemeinden nicht Halt gemacht haben“, erklärt Pickel. Deshalb habe die EKD die Studie öffentlich ausgeschrieben, erklärt der Wissenschaftler, und weiter: „Es finden sich verschiedene Vorstellungen und theologische Begründungslinien, die unterschiedliche Positionen zu Demokratie ebenso wie zu rechtspopulistischen beziehungsweise rechtradikalen Argumenten nach sich ziehen."

In der Studie wollen die Wissenschaftler neben der persönlichen Relevanz und der inhaltlichen Ausrichtung der Religiosität auch das Demokratieverständnis, das soziale Engagement, die Haltung zu Anti-Genderismus und die Persönlichkeitsstruktur der Studienteilnehmer ergründen. Aufgrund dieser Vielfalt inhaltlicher Fragestellungen haben sich Forscher der Fachrichtungen Soziologe, Religionswissenschaften, Rechtsextremismusforschung, Rechtswissenschaften und Politikwissenschaften zusammengeschlossen. 2021 wollen die Wissenschaftler der Öffentlichkeit erste Ergebnisse präsentiert.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 10 Oct 2019 14:44:00 +0200
<![CDATA[Auf Spurensuche mit Ulrich Parzany]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/10/10/auf-spurensuche-mit-ulrich-parzany/ Eine Rezension von Norbert Schäfer]]> In der SCM-Dokumentation „Von Gott berufen und geführt – Unterwegs mit Ulrich Parzany“ besucht die Filmemacherin und Fotografin Katharina Brée gemeinsam mit dem Evangelisten, Pfarrer und ehemaligen ProChrist-Redner Orte, die für Parzany prägend waren.

Erste Station der Zeitreise ist der „Sehnsuchtsort Ruhrpott“, wie Parzany sagt, genauer: die Margarethenhöhe in Essen. Hierher zieht die Familie, als Parzany zwölf Jahre alt ist. Seine Eltern erlebte Parzany als „fröhliche Christen“, die dem Jungen „keine Enge“ vermittelten. In Essen findet Parzany den Weg in die kirchliche Jugendarbeit des Weigle-Hauses, wo die Mitarbeiter „die Langeweile der Jungs“ bekämpfen, „aber auch von Jesus erzählen“. Er fällt eine persönliche Entscheidung: Diesem Jesus will er folgen. Er beschließt im Alter von 16 Jahren, hauptberuflich in den kirchlichen Dienst zu gehen. Darauf richtet er fortan sein Leben aus. Der Dienst für das Evangelium von Jesus Christus ist seine Berufung.

Prägung durch Weigle-Haus und Pfarrer Busch

Die „Harte Schule der Jugendarbeit“ im Weigle-Haus in Essen war prägend für den jungen Mann. Der ehemalige Leiter der Einrichtung, Pfarrer Wilhelm Busch, hinterließ nachhaltige Spuren im Leben Parzanys. Vor allem in seiner Form der Verkündigung des Evangeliums. Busch war dem jungen Parzany Begleiter und Mentor. Mit Essen verbindet Parzany auch die erste ProChrist-Veranstaltung aus der Gruga-Halle mit dem US-amerikanischen Evangelisten Billy Graham 1993 und das Christival. Bei der europaweiten Evangelisationsveranstaltung war Parzany von 1995 bis 2009 der Hauptredner und bis 2013 der Leiter des Trägervereins, wodurch er einem Millionenpublikum bekannt wurde.

Die Frau im Hintergrund

Auf der zweiten Station der Spurensuche – dem Wohnhaus in Kassel – lernt der Zuschauer die Ehefrau, Regine Parzany, kennen. Die beiden sind mehr als 50 Jahre verheiratet. Kennengelernt haben sie sich bei der Studentenmission (SMD) in Göttingen. Parzany „verknallte sich heftig in die junge Dame“, hatte aber Angst, dass er seine Berufung nicht mehr ausfüllen kann. „Mir war die Berufung eigentlich wichtiger“, sagt er rückblickend. Aber Regine trägt die Berufung ihres künftigen Mannes mit, wartet geduldig erst die restliche Studienzeit ihres Verlobten, dann noch das Vikariat in Jerusalem ab, bis sie heiraten. Fünf Jahre war das Paar verlobt. Das offenbart viel über die Liebe, die Geduld, aber auch die Entschlossenheit der Frau und darüber, was für ihn Priorität hatte. Die zahllosen Briefe aus dieser Zeit haben die Eheleute bis heute aufgehoben. Regine wird zur Stütze seines Lebens und somit auch seiner Berufung. In Kassel hatte Parzany auch seinen Dienstsitz als CVJM-Generalsekretär. Dieses Amt hatte er von Oktober 1984 bis Oktober 2005 inne.

„Nachspielzeit“

Die dritte Etappe der Dokumentation führt nach Hannover, zum „Pavillon der Hoffnung“, dem christlichen Wahrzeichen der Expo 2000, dessen Leiter Parzany war. Dort trifft der 78-jährige Parzany auf den 16 Jahre jüngeren Roland Werner, dem wie Parzany die Mission ein Herzensanliegen ist. Der erinnert sich an Gottesdienste während seiner Studentenzeit mit Parzany. „Wir haben immer zu ihm aufgeschaut“, sagt Werner rückblickend. Wie Parzany war auch Werner einmal CVJM-Chef.

Am vierten Tag spricht die Autorin des Films in St. Peter-Ording mit dem Ehepaar Parzany. Es ist einer seiner Urlaubsorte. Die beiden gewähren mutmachende Einblicke in ihr langes Eheleben. Die betagten Eheleute freuen sich aneinander, das ist offensichtlich. Sie wissen jedoch, dass sie in der „Nachspielzeit“ des Lebens sind. Der Gedanke, dass einmal einer allein zurück bleibt, schmerzt sie.

Das facetten- und ereignisreiche Leben Parzanys in eine 50-minütige Dokumentation packen zu wollen, ist ambitioniert. Die Idee, sich dabei auf vier Orte zu beschränken, geht in Ordnung. Leider ist das Vorhaben bei der vorliegenden Dokumentation nicht gänzlich gelungen.

Augenzeugen und Kritiker fehlen

Die Doku beschert dem Zuschauer interessante Einblicke in Parzanys Lebensgeschichte, seine Berufung, seine Mission. Sehr schön ist, dass seiner Frau Regine im Film Raum eingeräumt wird. Sie hat über Jahrzehnte hinweg ihrem Mann den Rücken frei gehalten und stand selber nie im Licht der Öffentlichkeit. Eindrücklich sind die Szenen, in denen Parzany aus persönlichen Briefen an seine Frau oder seines Mentors Wilhelm Busch liest.

Außer Parzany und seiner Frau kommt in dem Film einzig noch Roland Werner zu Wort. Die Zahl der Weggefährten, Freunde, aber auch der Kritiker aus ProChrist- und CVJM-Zeiten hätte viel Stoff für ein differenzierteres Lebensbild des sympathischen und profilierten Evangelisten geliefert. Diese Chance verpasst die Dokumentation leider. Stimmen seiner Kritiker fehlen ganz. Auch die Familie kommt nicht zu Wort. Mehr persönliche Eindrücke von Zeit- und Weggenossen hätten der Dokumentation gut zu Gesicht gestanden.

Parzany war unzweifelhaft für „viele Menschen Geburtshelfer für ein neues Leben“, wie es Katharina Brée beschreibt. Ein Film, der den Anspruch erhebt, eine Dokumentation zu sein, und als Gegenstand der Betrachtung einen „Diener der guten Botschaft und Streiter für das Evangelium“ und seine Berufung darstellen will, muss diesen Beweis in der Form wenigstens eines authentischen Berichtes liefern. Der vorgelegte Film tut es nicht und bleibt deshalb, und auch weil Zeitzeugen in dem Film fast gänzlich fehlen, hinter den Erwartungen zurück.

„Von Gott berufen und geführt – Unterwegs mit Ulrich Parzany", DVD, SCM Hänssler Film, 50 Minuten, 14,99 Euro

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Thu, 10 Oct 2019 11:09:00 +0200
<![CDATA[Minderheit oder Milieu? – So kann die Kirche der Zukunft aussehen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/09/minderheit-oder-milieu-so-kann-die-kirche-der-zukunft-aussehen/ Die Kirche steht vor der Herausforderung, das Christentum in ganz unterschiedlichen Gesellschaftsschichten – heute genannt Milieus – zu verankern. So hieß es in der Einladung zum zweiten Treffen des Ökumenischen Netzwerks Mitgliederorientierung in Hofgeismar. Der Missionar Paulus, der das Evangelium vor 2.000 Jahren verkündete, soll als Vorbild für die Kirche heute dienen, lautete es weiter. Thies Gundlach, der Vizepräsident des Kirchenamts der EKD, stellte sich am Mittwoch im Rahmen der Veranstaltung der Frage „Wohin wächst der Glaube?“. Mit Blick auf die ökumenische Mitgliedervorausberechnung für Deutschland, die besagte, dass sich bis 2060 die Kirchenmitgliederzahlen halbiert haben werden, sprach er vom biblischen Bild der Wüstenwanderung des Volkes Israel, die 40 Jahre andauerte. Er fragte nach einer theologischen Botschaft des Kleinerwerdens: „Will uns Gott dadurch etwas sagen? Überhören wir ihn, weil wir selbst immer etwas sagen müssen?“

Ethische Positionen: ja; Jesus Christus: nein

In seinem Vortrag zeichnete der Theologe ein mögliches Bild der Kirchenzukunft, und versuchte damit auch, die Teilnehmer herauszufordern: „Es wird viel mehr Menschen geben, die sich mit unseren ethischen Positionen verbunden fühlen, als dass sie sich mit Christus verbunden fühlen.“ Bei öffentlichen Festakten werde zukünftig kein Gottesdienst mehr dazu stattfinden, sondern eine „zivile öffentliche Erbauungsfeier, wie das immer wieder in den USA der Fall ist“. Weihnachten und Ostern stehe irgendwann auf einer Stufe mit Ramadan oder dem Kindertag. Die Kirchensteuer werde zur Kultursteuer.

Auf Anfrage von pro fasste Gundlach seine Aussagen zur Frage „Wohin wächst der Glaube?“ zusammen: „Er wächst zu einem selbstbewussten, aber in der Minderheit bleibenden Glauben, der von Gottes Geheimnissen weiß. Er weiß aber auch, dass das nicht mehr Mehrheitsmeinung allgemein ist, sondern etwas Spezielles, etwas Erwähltes. So wie die frühen Christen das Bewusstsein hatten: ,Wir wissen etwas von Gott und seiner Welt, was andere in der großen Mehrheit nicht wissen. Aber es ist unsere Aufgabe, das so weiterzusagen, dass auch andere stauen können, dass auch andere diesen Glauben entdecken können.‘ Das alles gilt, ohne den Anspruch zu haben, wir sind Mehrheitskirche oder das Dominierende.“ Gundlach plädierte dafür, das Kleinerwerden nicht nur hinzunehmen, sondern auch anzunehmen – „und wir müssen es gestalten“.

In seinen Ausführungen ging der 63-Jährige auch auf eine soziologische Beobachtung ein, dass „liberales Christentum auch Gestaltungskraft verliert“. Im Gespräch mit pro erklärte er: „Es ist eine in der Wissenschaft diskutierte Beobachtung, dass liberales Christentum nicht die kirchliche Form von Frömmigkeit wichtig nimmt, sondern mehr privat und individuell bleibt. Sie besagt, dass die Menschen durch den Verlust von Formaten und Formen der Frömmigkeit auch die Frömmigkeit selbst verlieren, sprich: dass sie kein Abend- und Mittagsgebet mehr kennen und die Bibel nicht mehr so wichtig finden.“ Man könne nachweisen, dass in dieser liberalen Generation die Frömmigkeit ohne Format bleibt. Diese soziologische Beobachtung könnten viele in ihren Familien nachvollziehen: Der Großvater war streng gläubig, der Sohn fand den Glauben auch noch wichtig, und bei den Enkeln ist er nicht mehr vorhanden. „Es herrscht das Wissen darum, dass eine institutionell getragene Frömmigkeit, die bestimmte Riten, formale Rituale, Liturgien kennt, eine Stabilisierungsfunktion hat.“

Nach dem Vortrag meldeten sich zahlreiche Teilnehmer zu den Äußerungen Gundlachs zu Wort. Ein Diskutant sagte: „Das Szenario gibt uns die Möglichkeit, Gott seine Kirche zurück in seine Hand zu geben.“ Ein anderer Teilnehmer sah es als „anstrengend an, wenn sich die Kirche dauerhaft als Kirche in der Krise beschreibt“. Dieses Bild herrsche schon viele Jahre vor. Mehrere Personen konnten das von Gundlach gewählte biblische Bild der Wüstenwanderung nicht nachvollziehen, weil sich die Kirche nicht in einer Wüste befinde wie das Volk Israel damals. Ein weiterer Teilnehmer forderte die Kirche dazu auf, sich zu hinterfragen und Buße zu tun. Diese Aufforderung konnte Gundlach wiederum nicht nachvollziehen.

„Aus Mangel heraus besteht eine Abhängigkeit im Gebet“

Während der Tagung stellten verschiedene Gründer und Kreative ihre Projekte rund um das Thema Mitgliederorientierung vor. Die gelernte Gemeindepädagogin Miriam Hoffmann startete vor fünf Jahren zusammen mit ihrem Kollegen, Pfarrer Sebastian Baer-Henney, das Projekt „Die Beymeister“ in Köln. Nach Vorbereitung im Gebet und der Anfrage an die Kirchgemeinde vor Ort, ob sie sich im Viertel einbringen könnten, kauften sich ein „milieusensibles Sofa“, setzten sich damit ins stark gentrifizierte Köln-Mülheim und kamen so auf ganz unkonventionelle Weise mit den Leuten vor Ort ins Gespräch. Das Motto lautet „Hingehen, wo die Menschen sind“. Sie hatten keine Flyer, Schilder und anfangs auch keinen Raum, in den sie einladen konnten. Das sieht Hoffmann als Stärke, weil sie so frei von einem System gewesen seien. Eine Haushaltsplanung im Voraus brauche es dafür nicht: „Aus diesem Mangel heraus besteht eine Abhängigkeit im Gebet.“

Eigentlich fand die Gründerin Milieukirchen „nicht sehr biblisch“, aber Jesus habe sich schließlich auch aufgemacht zu den Menschen. Die „Beymeister“ bieten einmal in der Woche Homeoffice-Arbeitsplätze, Konzerte, Kleidertausch-Treffen, Abendandachten mit Absacker, ein Abendmahl am Morgen oder „Dreyerley. Sowas wie Gottesdienst“ an. Damit erreichen sie Kirchenferne und Ausgetretene. Das Projekt läuft im Rahmen des Fresh-X-Netzwerks und arbeitet mit der Kirche vor Ort zusammen. Hoffmann warnt, dass die Sofa-Idee wie auch andere Ideen sich nicht eins zu eins kopieren lassen: „In Köln funktioniert immer alles, was absurd ist.“ In manche Städte oder Gebiete passten sie nicht hinein. Laut ihr gilt es, danach zu schauen, was die Menschen vor Ort brauchen – und das kann ganz unterschiedlich sein.

Bei der Tagung unter dem Motto „Der Paulus Code – Mitgliederorientierung heute“ im nordhessischen Hofgeismar waren des Weiteren unter anderen Frank Worbs vom Schweizer Portal Mitgliedbleiben.ch, Anne-Kathrin Hegemann vom „Trauteam im Bistum Essen“ und Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, der Erprobungsräume in Mitteldeutschland vorstellte, dabei. Die zweitägige Veranstaltung war das zweite Treffen des Ökumenischen Netzwerks Mitgliederorientierung und fand in der Evangelischen Akademie Hofgeismar statt.

Wenn Sie über weitere spannende Projekte lesen wollen und darüber, was Kirche tun kann, um wieder attraktiver für Menschen zu werden, bestellen Sie das Christliche Medienmagazin pro. In der Titelgeschichte der Ausgabe 5/19 beschäftigen wir uns mit diesem Thema. Die Zeitschrift ist kostenlos hier oder telefonisch (06441/566 77 00) erhältlich.

Von: Martina Blatt

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Wed, 09 Oct 2019 21:38:00 +0200
<![CDATA[Tödliche Schüsse vor Synagoge in Halle]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/09/toedliche-schuesse-vor-synagoge-in-halle/ Bei Angriffen mitten in Halle/Saale haben schwer bewaffnete Täter vor einer Synagoge und in einem Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen. Die Stadt Halle sprach am Mittwoch von einer „Amoklage“. Die Polizei teilte am Mittag mit, mehrere bewaffnete Täter seien mit einem Auto auf der Flucht. Am frühen Nachmittag meldete die Polizei die Festnahme einer Person. Der Generalbundesanwalt zog die Ermittlungen an sich – wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, sei noch unklar, sagte ein Sprecher in Karlsruhe.

Nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, richtete sich der Angriff der Täter direkt gegen die Synagoge, in der zu dem Zeitpunkt 70 bis 80 Menschen den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagte Privorozki der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten. „Aber unsere Türen haben gehalten.“ Der oder die Täter hätten außerdem versucht, das Tor des danebenliegenden jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagte der Vorsitzende. Ein Täter hatte auch selbstgebastelte Sprengsätze vor der Synagoge abgelegt, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Schutz vor Synagogen erhöht

Auch Stunden nach den Taten gab die Polizei keine Entwarnung. Die Stadt rief die Menschen überall in Halle dazu auf, in Sicherheit in Gebäuden zu bleiben. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, die Hintergründe der Tat seien noch nicht bekannt. Die Polizei warnte vor Spekulationen.

Etwa 30 Meter vor der Synagoge lag am frühen Nachmittag ein Todesopfer auf einer Straße mit einer blauen Decke bedeckt gegenüber der Synagoge, wie ein dpa-Reporter berichtete. Zudem soll nach Augenzeugenberichten ein Täter in einem Kampfanzug mit einem Gewehr in einen Döner-Laden geschossen und einen Besucher getötet haben. Es gab mindestens zwei weitere Verletzte. Sie wurden in das Universitätsklinikum Halle gebracht. „Ein Patient hat Schussverletzungen und wird gerade operiert“, sagte ein Kliniksprecher.

Auch in Landsberg, rund 15 Kilometer östlich von Halle, gab es Schüsse, bestätigte eine Polizeisprecherin in Halle. Menschen sollen auch hier Gebäude und Wohnungen nicht verlassen, hieß es. Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war abgesperrt. Mehrere Mannschaftswagen der Polizei, darunter auch Fahrzeuge aus Sachsen, waren vor Ort. Auch zwei Krankenwagen waren zu sehen. Am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr landete auf einem Feld bei Wiedersdorf nach Angaben eines dpa-Reporters zudem ein Hubschrauber der Bundespolizei. Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei nicht.

Die Stadt Halle berief einen Krisenstab ein. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Polizei zog seit den Mittagsstunden alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt ab und verlegte sie nach Halle. Im benachbarten Leipzig verstärkte die Polizei ihre Kräfte vor der Synagoge. Auch vor der Synagoge in Dresden wurde nach Angaben der Polizei der Schutz erhöht. In anderen deutschen Städten wurde der Schutz ebenfalls entsprechend verstärkt.

Politiker reagieren betroffen

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigte sich entsetzt über die Tat. „Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land.“ Er kehrte von einer Konferenz in Brüssel vorzeitig zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Bundesregierung hoffe, dass der Täter oder die Täter schnell gefasst würden. Die Gedanken gingen „an die Freunde und die Familien der Todesopfer“, sagte er.

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir twitterte: „Schreckliche Nachrichten aus Halle, heute am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Ich bin erschüttert & traurig.“ Allen Verletzten und Angehörigen wünschte er viel Kraft und dankte den Einsatzkräften. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch schrieb auf Twitter: „Am höchsten jüdischen Feiertag ein Anschlag auf jüdisches Leben in Deutschland – ekelhaft! Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft keinen Millimeter Platz haben.“ AfD-Fraktionschefin Alice Weidel twitterte: „Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Ich hoffe, die Polizei fasst den oder die Täter schnell, ohne dass weitere Menschen zu Schaden kommen.“ Auch aus dem Ausland kamen bestürzte Reaktionen. Das Europaparlament legte am eine Schweigeminute für die Opfer ein. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

Die Angriffe ereigneten sich am Großen Versöhnungstag Jom Kippur, den Juden traditionell mit Fasten und Beten zubringen. Dabei halten sie sich viele Stunden in der Synagoge oder in Jerusalem auch an der Klagemauer auf. Ob die Schüsse speziell gegen Juden gerichtet waren und wer dahinter steckt, ist noch unklar. Da an Jom Kippur das öffentliche Leben ruht, gibt es bislang keine offiziellen Reaktionen aus Israel. Das Fasten endet am Mittwochabend mit dem Sonnenuntergang.

Von: dpa/Elisabeth Hausen

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Wed, 09 Oct 2019 17:56:00 +0200
<![CDATA[Evangelikaler Prediger in Ruanda festgenommen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/10/09/evangelikaler-prediger-in-ruanda-festgenommen/ Wie die BBC berichtet, hatte die Polizei den amerikanischen Prediger Gregg Schoof am Montag in der ruandischen Hauptstadt Kigali festgenommen, als er eine Pressekonferenz abhalten wollte. Wie die New York Times berichtet, sei Schoof „einer von mehreren evangelikalen Pastoren, die die ruandische Regierung kritisieren, weil sie Abtreibung legalisiere und die Evolutionstheorie in die Schulen“ bringe. In einer Stellungnahme schrieb Schoof: „Will die Regierung die Menschen in die Hölle schicken?“ Die Regierung stelle sich nach Meinung Schoofs „mit heidnischen Praktiken gegen Gott“. Der Pastor erklärte: „Ich bin nicht hierher gekommen, um die Regierung zu bekämpfen. Ich bin gekommen, um das Evangelium zu predigen.“

Schoof hatte neben einer Gemeinde den christlichen Radiosender „The Amazing Grace“ gegründet. Wie die ruandische Zeitung New Times berichtet, lief auf dem Sender am 29. Januar 2018 eine Predigt des Evangelisten Nicolas Niyibikora, in der er Frauen als „gefährliche Kreaturen des Bösen“ bezeichnet hatte, „die gegen Gottes Plan handeln“. Daraufhin verbot die ruandische Regierung den Sender mit der Begründung, er sorge für eine Spaltung im Land.

Weiter heißt es im Zeitungsbericht, der Leiter der Behörde für Emigration und Immigration, Regis Gatarayiha, habe betont, dass Schoofs Arbeitserlaubnis bereits am 6. Juli 2019 ausgelaufen sei, der Pastor sich jedoch weigere, das Land zu verlassen.

Missionarsfamilie aus Indiana

Die BBC hatte im Februar 2018 berichtet, dass die ruandische Regierung 700 Kirchen wegen „Ruhestörung“ geschlossen hatte. In dem Bericht heißt es: „Pfingstkirchen, die oft von Charismatikern geleitet werden, sagen von sich, dass in ihren Gottesdiensten Wunder passieren. Sie sind in den vergangenen Jahren in vielen Teilen Afrikas schnell gewachsen.“ Die Kirchen wurden mit der Begründung geschlossen, sie verstießen gegen die Bauvorschriften des Landes und stellten eine „Lärmbelästigung“ dar.

Pastor Schoof wollte am Montag eine Pressekonferenz in der ruandischen Hauptstadt Kigali abhalten. Wie BBC berichtet, mietete Schoof dafür einen Tagungsraum an, doch der Besitzer habe die Nutzungserlaubnis im letzten Augenblick zurückgezogen. Daraufhin sprach Schoof vor dem Gebäude mit den angereisten Journalisten. Bei diesem Treffen nahm die Polizei den Prediger fest. Schoof habe ein „illegales Treffen mit Journalisten“ an einem öffentlichen Ort abgehalten, teilte die Polizei zur Begründung mit.

In einer Presseerklärung, die Schoof vor seiner Festnahme an die Pressevertreter verteilt hatte, heißt es, die ruandische Regierung habe mit ihren „heidnischen Praktiken“ Gott beleidigt. Weiter heißt es, die Regierung habe Schoofs christlichen Radiosender sowie 700 Kirchen im Land ohne Gesetzesgrundlage geschlossen. Außerdem prangert er an, dass in Schulen Kondome an Kinder verteilt würden, was zu „schmutzigem Verhalten“ führe.

Schoof lebt mit seiner Familie seit 2003 in Ruanda. Auf der Webseite der achtköpfigen Familie heißt es, Schoof und seine Frau Angela gehörten der „First Baptist Church“ in Hammond im US-Bundesstaat Indiana an. Das Ehepaar sei von Gott als Missionare nach Ruanda entsandt worden, schreiben sie. „Wir gewinnen Seelen, gründen Kirchen und trainieren die Ansässigen, die Arbeit fortzuführen.“

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 09 Oct 2019 14:47:00 +0200
<![CDATA[Jugendarbeit geht online]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/10/09/jugendarbeit-geht-online/ Der CVJM Deutschland (Christlicher Verein Junger Menschen), der CVJM-Westbund, der Deutsche EC-Verband (Entschieden für Christus) und das Evangelische Jugendwerk in Württemberg (ejw) haben ein gemeinsames Online-Portal für die Jugendarbeit auf die Beine gestellt. Für jugendarbeit.online haben die Werke deshalb eine Kooperationsvereinbarung geschlossen und bündeln die bisherigen sechs Zeitschriften und weitere Materialpools auf der gemeinsamen Online-Plattform. Das hat das ejw am Montag in einer Presseinformation mitgeteilt.

Das Portal bietet demnach Materialien und Arbeitshilfen für die christliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien an. Derzeit befindet sich das Projekt in einer Beta-Phase. Das bedeutet, dass auf der Website noch nicht alle Funktionen in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Zum offiziellen Start im Januar 2020 werden über 2.000 Praxismaterialien für Gruppenstunden, Events, Freizeiten, Gottesdienste und die schulbezogene Jugendarbeit zur Verfügung stehen.

Die technische Umsetzung der Plattform wurde nach ejw-Angaben von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Wertestarter – Stiftung für christliche Wertebildung, dem Förderverein und der Stiftung des ejw finanziell unterstützt.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 09 Oct 2019 12:18:00 +0200
<![CDATA[Katholisches Netflix kommt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/10/09/katholisches-netflix-kommt/ Mit christlichen Inhalten will ein neuer Streamingdienst vor allem Katholiken erreichen. Das berichtet unter anderem die östereichische Nachrichtenagentur APA. Die Plattform soll nach Vorbild des Streamingiganten „Netflix“ Filme, Serien und Dokumentationen zu religiösen und künstlerischen Themen anbieten. Schon im Frühjahr 2020 soll es starten.

Luca Tommassini, Präsident der Plattform, rechnet demnach mit bis zu 1,3 Milliarden katholischen Zuschauern weltweit. Verantwortlich für den Dienst ist die Produktionsgesellschaft „Officina della comunicazione“. Sie hat bereits in der Vergangenheit mit dem Vatikan zusammengearbeitet.

Bereits im Frühsommer hatte Bibel TV in Deutschland mit „Yesflix“ ein ähnliches Angebot ins Leben gerufen. Für monatlich 7,99 Euro bietet der Dienst „lebensbejahende“ Filme und Serien an, die christliche Werte betonen, wie die Macher erklärten.

Von: Anna Lutz

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Wed, 09 Oct 2019 12:00:00 +0200
<![CDATA[„Arbeit von Journalisten wird bedroht“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/10/09/arbeit-von-journalisten-wird-bedroht/ Die diesjährigen Preisträger des Leipziger Medienpreises beobachten mit Sorge ein zunehmend pressefeindliches Klima in der Gesellschaft. In Deutschland werde inzwischen bis in bürgerliche Kreise hinein mit Hass auf andere Meinungen reagiert, sagte der Fernsehreporter Arndt Ginzel. Vor allem in Ostdeutschland werde Journalisten misstrauisch, skeptisch und ablehnend begegnet. Ginzel ist zusammen mit seinem Kameramann Gerald Gerber dieses Jahr Träger des Preises für die Freiheit und Zukunft der Medien. Die Auszeichnung der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig wird seit 2001 traditionell am 8. Oktober verliehen, dem Vorabend des Tages, der durch seine Massendemonstrationen 1989 entscheidend für den Mauerfall war.

Neben dem deutschen Team wurde der Preis dem österreichischen Journalisten und ORF-Moderator Armin Wolf zugesprochen. Auch ihm mache die Entwicklung Sorgen, sagte er. Zu einen wachse ein Missverhältnis zwischen professionellem Journalismus und PR. „Wir haben die ökonomische Krise, die dazu führt, dass wir in den Redaktionen sparen, während gleichzeitig in den PR-Stäben immer weiter aufgerüstet wird“, sagte Wolf. Zudem werde immer mehr versucht, die Arbeit von Journalisten zu delegitimieren – entweder von rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien oder auch von Regierungen. „Das ist eine wirkliche Bedrohung unserer Arbeit.“

Freispruch für investigativen Beitrag

Wolf wurde im Nachbarland schon mehrfach von der rechtspopulistischen FPÖ attackiert. Das Duo Ginzel und Gerber wurde bundesweit bekannt, als sie in Dresden bei einer Pegida-Demonstration von einem später „Hutbürger“ genannten Teilnehmer angegangen und anschließend langwierig von der Polizei kontrolliert wurden. Ginzel und ein Kollege hatten 2008 auch über die sogenannte Sachsensumpf-Affäre berichtet, wonach ranghohe Juristen ins Rotlichtmilieu verstrickt gewesen sein sollen. Aufgrund ihrer Berichterstattung wurden sie zunächst zu einer Geldstrafe wegen übler Nachrede verurteilt, in zweiter Instanz jedoch freigesprochen. Im Zusammenhang mit dem Beitrag „Sterben für Jesus“ über im Jemen ermordete christliche Studentinnen, an dem Ginzel beteiligt war, nahm die Staatsanwaltschaft 2009 Ermittlungen auf, weil Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gestellt wurden. Sie stellte die Ermittlungen jedoch wieder ein.

Der Leipziger Medienpreis wird seit 2001 vergeben. Er ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Geehrt werden Reporter, Publizisten und Institutionen, die sich für die Pressefreiheit einsetzen.

Von: dpa/Jonathan Steinert

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Wed, 09 Oct 2019 09:02:00 +0200
<![CDATA[Wert-Konservative treten aufgrund ihres Glaubens aus der Kirche aus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/10/08/wert-konservative-treten-aufgrund-ihres-glaubens-aus-der-kirche-aus/ Jedes Jahr, wenn die Evangelische Kirche und die katholische Bischofskonferenz ihre Mitgliedszahlen veröffentlichen, beinhalten diese Hiobsbotschaften für die Institutionen. Seit vielen Jahren verzeichnen die Volkskirchen hohe Austrittszahlen. Um dagegen vorzugehen und Ideen für eine Mitgliederbindung zu entwickeln, kommen derzeit Kirchenvertreter und Ehrenamtliche unter dem Motto „Der Paulus Code – Mitgliederorientierung heute“ zu einem ökumenischen Netzwerktreffen in der Evangelischen Akademie Hofgeismar zusammen.

Bischof Michael Gerber vom Bistum Fulda erläuterte zum Auftakt der Veranstaltung vier Punkte, die bei der Frage, wie Menschen zur Kirche finden, besonders relevant sind. Es gehe zum einen darum, andere anzunehmen. In Anlehnung an den Bibelvers „Geht hin und macht alle Nationen zu Jüngern“ (Matthäus 28,19) sagte der Geistliche: „Geht hin in alle Kulturen und bringt sie mit dem Evangelium in Verbindung.“ Es gehe darum, „zu begreifen, wie Menschen heute unterwegs sind“ und die Kultur anzunehmen, wie sie ist. Es gebe gesellschaftliche Trends und kirchliche Faktoren. Wichtig beim Umgang mit der Frage der Mitgliederorientierung sei eine „ehrliche Rechenschaft“.

Als zweites führte der katholische Bischof das Stichwort „Redlichkeit“ an. Die Katholische Kirche, aber auch die Evangelische Kirche, hätten jeweils ihre „Hausaufgaben“. Mit dem Blick auf den Missbrauchsskandal in der Katholischen Kirche betonte Gerber: „Das Ziel darf nicht sein, dass wir dann als Kirche gut dastehen, wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben“. Die Frage müsse stattdessen sein: „Was tun wir, um diesen Menschen zu helfen?“ Wichtig sei auch, der Gesellschaft einen Dienst zu erweisen und einen guten Stil des Dialoges vorzuleben.

Kirche muss in existenziellen Situationen präsent sein

Des Weiteren ging es Gerber um Ergriffenheit und er stellte die Frage: Was ist die Grunddynamik hinter dem Wunsch, dass Menschen zum Evangelium und zur Kirche finden? Dies solle nicht nur der Durchhaltewille bis zur Rente sein. Er fragte sinngemäß: Wovon bin ich ergriffen und woran mache ich das fest? „Ich bin beschenkt und ich gebe etwas weiter.“

In seinem vierten Punkt fragte der Bischof nach der Relevanz der Kirche: Wo erleben Menschen Kirche als relevant oder nicht? Wo gerät ein Mensch in existenzielle Situationen? Da müsse Kirche präsent sein.

„Wenn Kirche nicht den Mut zum Atmen hat, wird sie irgendwann ersticken“

Tobias Faix, Professor an der CVJM-Hochschule in Kassel, sprach während eines Panels über Mitgliederorientierung aus der Beziehungsperspektive. Er erklärte, dass viele Forscher die aktuelle Situation als Zeit eines „Paradigmenwechsels“ begriffen. Laut dem Wissenschaftstheoretiker Thomas S. Kuhn, der diesen Begriff prägte, ist ein Paradigmenwechsel im übertragenen Sinn ein „Sturm, der das Leben verändert“.

Faix erklärte den Status der Kirche mit einem Bild: Die Kirche hat gute Brücken gebaut, aber die Gesellschaft und die Menschen haben sich verändert. Nach diesem Sturm – dem Paradigmenwechsel – sei die Brücke verrückt und führe nicht mehr über einen Fluss, sondern stehe – zwar noch intakt –, aber auf einem trockenen Gebiet. Diese Brücke „beantwortet nicht mehr die Fragen der Menschen“. Faix fragte: „Wo brauchen wir neue Brücken?“ Weiter betonte er: „Ein Grundproblem ist: Die Leute verstehen nicht mehr, was wir sagen.“ Er ermutigte, neue Wege zu gehen und besondere Konzepte auszuprobieren: „Wenn Kirche nicht den Mut zum Atmen hat, wird sie irgendwann ersticken.“

Der Autor thematisierte eine weitere Entwicklung, die er im Rahmen einer Studie festgestellt habe: „Im evangelischen Bereich steigt die Anzahl der Gläubigen, die aufgrund ihres Glaubens aus der Kirche austreten.“ Auch hier gelte es, sich der Frage zu stellen: „Wie geht man damit um?“ Er sei zunächst davon ausgegangen, dass es sich dabei um „einzelne, fundamentalistisch geprägte Personen“ handele, aber es seien viele „Wert-Konservative“ dabei. Das habe ihn überrascht. Das „Schlimme“ daran sei, „dass dies oft sehr engagierte Menschen sind und sie sozusagen an ihrer Kirche leiden und dann austreten“.

„Für Männer ist ein Kirchenaustritt attraktiver“

Einen Einblick in die erste ökumenische Mitgliedervorausberechnung für Deutschland, die Anfang Mai Schlagzeilen machte, gaben Fabian Peters und David Gutmann von der Universität Freiburg. Die Nachrichten dazu lauteten damals: Bis 2060 halbieren sich die Kirchenmitgliederzahlen. Daraus ging hervor, dass aus der Evangelischen Kirche zahlenmäßig mehr Menschen als aus der Katholischen Kirche austreten, aber gleichzeitig werden auch mehr Personen Mitglied in den evangelischen Landeskirchen als bei den Katholiken. In den städtisch geprägten Kirchen ist der Austritt höher als in ländlicheren Gebieten. In Regionen, in denen die Kirche strukturstark ist, seien die Austritte zudem geringer.

Es gebe eine höhere Austrittswahrscheinlichkeit bei einem bestimmten Teil der Bevölkerung: „Männer verlassen unsere Kirchen häufiger, beziehungsweise für Männer ist ein Kirchenaustritt attraktiver“, erklärte Peters. Einen weiteren Aspekt hoben die Wissenschaftler hervor: 26 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen, die getauft wurden, verlassen bis zum 31. Lebensjahr die Kirche. Zudem mache „irgendetwas zwischen 14 und 28 Jahren den Kirchenaustritt besonders anziehend. Und was machen wir? Wir schicken ihnen einen Kirchensteuerbescheid zu“. Peters erklärte, dass die Kirchen abwägen sollen, was für sie wichtig ist und dass sie nach engagierten Ideen für eine Kirchbindung suchen müssen: „Es liegt nicht nur in Gottes Hand.“

„Raumschiff.Ruhr“: Mach, was dir guttut

Pfarrerin Hanna Jacobs aus Essen stellte das Gemeindepionierprojekt „Raumschiff.Ruhr“ vor. In einer alten Kirche bietet es Platz für unterschiedliche Möglichkeiten: „Wir wollen Raum eröffnen, um ihn gemeinsam zu gestalten.“ Zielgruppe sind alle jungen Erwachsenen ab dem Ende der Schulzeit bis hin zur Familiengründung. Es gehe darum, zu fragen, was die Menschen brauchen, die ins Raumschiff kommen.

Es wird zusammen gekocht, neu ist ein Co-Working-Space und die Gottesdienste heißen „Glanzpunkte“: Lieder und Gebete wie das „Vater unser“ müssen nicht mitgesungen beziehungsweise mitgesprochen werden. „Es ist sehr voraussetzungsarm. Es fällt nicht auf, wenn man nicht kirchlich geprägt ist. Damit gibt es eine geringe Hemmschwelle.“ Das Motto lautet: „Tue, was dir guttut, du bist für dich verantwortlich.“ Diese Art der Begegnung trage Frucht: „Die Menschen nehmen Kirche als freundlichen Ort wahr, an dem sie bekommen, was sie brauchen.“

Im Rahmen der Tagung vom Veranstalter „Ökumenisches Netzwerk Mitgliederorientierung“ diskutieren die Teilnehmer miteinander und üben auch Kritik an zu wenig Veränderung. Ein Diskutant sprach davon, dass stets viel besprochen und erhoben, aber dann nicht umgesetzt werde. Er nannte dies: „Paralyse durch Analyse“. Ein anderer Teilnehmer, der schon seit Jahrzehnten in der Katholischen Kirche aktiv ist und negative Erfahrung bei der Umsetzung von Projekten gemacht hat, fragte: „Müssen wir erst der Kirche den Stecker ziehen, damit wir dann einen Reset-Knopf drücken?“

Die Veranstaltung läuft noch bis zum Mittwoch in der Evangelischen Akademie im nordhessischen Hofgeismar. Es ist das zweite Treffen des Netzwerks. Knapp 90 Personen nehmen daran teil.

Wenn Sie mehr darüber lesen wollen, was Kirche tun kann, um wieder attraktiver für Menschen zu werden sowie über weitere spannende Projekte, bestellen Sie das Christliche Medienmagazin pro. In der Titelgeschichte der Ausgabe 5/19 beschäftigen wir uns mit diesem Thema. Die Zeitschrift ist kostenlos hier oder telefonisch (06441/566 77 00) erhältlich.

Von: Martina Blatt

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Tue, 08 Oct 2019 23:57:00 +0200
<![CDATA[Kirchenasyl: Härtefälle kaum noch anerkannt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/10/08/kirchenasyl-haertefaelle-kaum-noch-anerkannt/ Nur zwei Prozent der in diesem Jahr vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geprüften Fälle von Kirchenasyl führten dazu, dass der Staat aus humanitären Gründen auf eine Abschiebung verzichtete. Noch vor drei Jahren lag die Erfolgsquote für die Gemeinden bei rund 80 Prozent. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung mit Bezug auf die Arbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“.

Die Evangelische Kirche sieht Gemeinden, die Kirchenasyl gewähren, deshalb zunehmend unter Druck. So erklärte der Berliner Bevollmächtigte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prälat Martin Dutzmann, auf Anfrage von pro: „Die derzeitigen Entwicklungen sind für alle mühsam und zermürbend.“ So sei es für viele Gemeinden zunehmend schwer, Personen im Kirchenasyl für bis zu 18 Monate zu betreuen. Auch für die Betroffenen selbst sei der lange Zeitraum der Ungewissheit kaum auszuhalten.

Härtere Regeln seit 2018

Zum Hintergrund: Mitte 2018 verschärfte das Innenministerium die Regeln für das Kirchenasyl in Deutschland. Seitdem gilt: Kirchengemeinden müssen einerseits innerhalb von vier Wochen nach Aufnahme eines Flüchtlings Härtefalldossiers einreichen, andererseits wird die sogenannte Überstellungsfrist in der Regel von sechs auf 18 Monate verlängert. Erst nach Ablauf dieser Frist tritt die Dublin-Verordnung außer Kraft und die Geflüchteten können in Deutschland Asyl beantragen. Vorher ist das Land für sie zuständig, in dem sie zuerst europäischen Boden betreten haben. Kirchenvertreter kritisieren schon seit dem Frühjahr, dass sogenannte Selbsteintritte, also die Übernahme des Asylfalls durch Deutschland vor Ablauf der entsprechenden Frist, immer seltener vorkommen. „Asyl in der Kirche“ kritisierte bereits vor Monaten, die Ablehnungsquote sei kontinuierlich gestiegen „auf jetzt fast 100 Prozent“.

In der gesunkenen Zahl der Anerkennungen sieht Dutzmann nun nicht zuletzt auch eine politische Entscheidung: Zwar gebe das BAMF an, Härtefälle sorgfältiger zu prüfen als noch vor einigen Jahren. „Wir erleben das nicht in allen Fällen so: Es gibt Konstellationen, die in unseren Augen vor drei Jahren noch anders entschieden wurden.“

„Mehr Verständnis beim BAMF wünschenswert“

Die Kirche wolle aber auch weiterhin Kirchenasyle gewähren, wo sie humanitäre Härten sehe. „Kirchenasyl bleibt als ultima ratio ein extrem wichtiger Ausdruck der gelebten Nächstenliebe in besonders schwierigen Situationen“, stellte Dutzmann klar. Auch deshalb, weil Flüchtlinge zu Kirchenvertretern oft mehr Vertrauen hätten als zu Behördenmitarbeitern. „Für diese Menschen haben wir eine Verantwortung!“ Zwar wolle die Kirche den Dialog mit dem BAMF aufrecht erhalten und erachte ihn auch als wichtig. „Allerdings wäre mehr Verständnis für das Kirchenasyl auch auf Leitungsebene im BAMF wünschenswert“, so Dutzmann.

Auf Anfrage von pro erklärte das BAMF, 2018 seien noch 13 Prozent der Härtefälle anerkannt worden. Im laufenden Jahr lägen 441 Kirchenasylmeldungen vor, fünf seien bisher als Härtefälle anerkannt worden, aber noch nicht alle abschließend geprüft. Die Behörde besteht darauf, dass „alle im Kirchenasylverfahren eingegangenen Härtefalldossiers sorgfältig“ und unter Wahrung eines „Vier-Augen-Prinzips“ geprüft werden. Man stehe zu diesem Thema seit Jahren in ständigem Dialog mit Kirchenvertretern.

Von: Anna Lutz

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Tue, 08 Oct 2019 16:34:00 +0200
<![CDATA[Christliche Beratungsstelle für Schwangere angegriffen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/10/08/christliche-beratungsstelle-fuer-schwangere-angegriffen/ In Berlin ist am Wochenende eine Niederlassung der überkonfessionellen Beratungsstelle für Schwangere „Pro Femina“ attackiert und demoliert worden. Im Hausflur hinterließen die Täter „Pro Choice“-Schriftzüge. Außerdem demolierten sie Fenster, verätzten Teppiche und verklebten das Türschloss. Offenbar gelang es ihnen aber nicht, in die Niederlassung einzudringen. Die Beratungsstelle des Vereins befindet sich nahe des Kurfürstendamms in einem Haus mit mehreren Mietern.

„Pro Femina“ bietet kostenlose Beratungen für Frauen im Schwangerschaftskonflikt an und verfolgt unter anderem das Ziel, „eine belastbare Alternative zu einer Abtreibung zu erarbeiten“, wie es auf der Internetseite der Organisation heißt. In seltenen Fällen gewährt der Verein dazu auch finanzielle Direkthilfen. Beratungsscheine, die Frauen in Deutschland in der Regel für Schwangerschaftsabbrüche vorlegen müssen, stellt der Verein aus Überzeugung nicht aus, wie Sprecherin Caroline Stollmeier erklärt: „Wir wollen in keiner Form Abtreibungen begünstigen.“

Am Montag veröffentlichten die mutmaßlichen Täter ein Bekennerschreiben im Internet. Darin heißt es, die Beratungen des Vereins seien „manipulativ und keinesfalls ergebnisoffen“. Frauen werde „sogar Geld dafür angeboten, dass Kinder zur Welt gebracht werden“.

„Feministinnen trauen Frauen zu wenig zu“

Im Gespräch mit pro verwehrt sich eine der Berliner Mitarbeiterinnen von „Pro Femina“ gegen die Vorwürfe: Jede Frau, die die Beratungsstelle besuche, habe eine freie Wahl, wie sie mit ihrer Schwangerschaft umgehe, „das steht nicht zur Debatte“. Doch der Verein bemühe sich auch, Unterstützungsmöglichkeiten für die Frauen aufzuzeigen, damit sie sich frei für ihr Kind entscheiden könnten. Von anderen Beratungsstellen unterscheide sich „Pro Femina“ insofern, dass der Verein eine langfristige Begleitung ermögliche, sei es nach einer Abtreibung, aber vor allem auch bei einer Entscheidung für das Kind. „Ich wundere mich, dass gerade die Feministinnen den Frauen oft so wenig eigene Freiheit zutrauen“, sagt die Beraterin, die zum eigenen Schutz nach dem Überfall namentlich nicht genannt werden will.

Bereits im Vorfeld der Attacke vom Wochenende habe es Probleme mit linksautonomen und feministischen Initiativen gegeben. Nachdem „Pro Femina“ seine Berliner Niederlassung im August eröffnet habe, habe es einerseits Demonstrationen, andererseits aber auch kleinere Angriffe auf die Einrichtung gegeben. Unbekannte hätten etwa Hundekot im Briefkasten hinterlassen und Klingelschilder entfernt.

Von: Anna Lutz

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Tue, 08 Oct 2019 16:21:00 +0200