Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Sun, 31 May 2020 13:32:58 +0200 <![CDATA[Schüler-SMD startet „Corona-Hoffnungsschirm“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2020/05/31/schueler-smd-startet-corona-hoffnungsschirm/ Die Projektverantwortliche Jana Nimmo von der Schüler-SMD nennt es den „Corona-Hoffnungsschirm“: Das Material dient für zehn Gebetsstationen und handelt von den Themen Sorgen, Einsamkeit, Dankbarkeit, Lügen und Schuld, Hoffnung und Glaube. Religionslehrer und Schulsozialarbeiter können vier bis fünf Stationen wählen, die für ihre Altersstufe und Schulart passend sind, teilte die Schüler-SMD mit.

Die Schüler-SMD möchte mit „PrayerSpaces in Schulen“ eine Möglichkeit bieten, anonym und in einem sicheren Rahmen über Gott, sich selbst und die Welt nachzudenken. „Die Schülerinnen und Schüler können einzeln oder in kleinen Gruppen den PrayerSpace aufsuchen“, sagte Nimmo. „Sie können dabei ihre eigenen Gedanken und Gefühle wahrnehmen, ausdrücken und benennen.“ Insbesondere in und nach einer Krisenzeit könne die religionspädagogische Arbeit besonders wertvoll und wichtig sein. Die Stationen gibt es nach einer Anmeldung zum Download unter www.prayerspacesinschulen.de.

Die Schüler-SMD ist ein Arbeitszweig der SMD und hat nach eigener Aussage Kontakt zu rund 600 Schülerbibelkreisen an Schulen überall in Deutschland. Die SMD ist ein deutschlandweites Netzwerk von Christen in Schule, Hochschule und Beruf und wurde 1949 als „Studentenmission in Deutschland“ gegründet. Sie ist ein Fachverband der Diakonie Deutschland der EKD, Mitglied im netzwerk-m und arbeitet auf Basis der Evangelischen Allianz.

Von: Jörn Schumacher

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Sun, 31 May 2020 12:03:00 +0200
<![CDATA[Gemeinden in Bremerhaven und Frankfurt: Beides „Evangeliums-Christen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/30/gemeinden-in-bremerhaven-und-frankfurt-beides-evangeliums-christen/ Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Samstag berichtete, ist die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten in der Gemeinde in Bremerhaven auf 44 Personen gewachsen. Die Zahl der Erkrankten könne sogar dreistellig werden, vermutet ein Sprecher der Stadt. Allerdings sei die Gefahr der Verbreitung auf andere Bevölkerungsteile leichter einschätzbar, da die Angehörigen der Religionsgemeinschaft „abgeschottet“ lebten. Zur Frage, ob die Gemeindemitglieder gegen Hygieneauflagenverstoßen haben, machten die Behörden keine Angaben.

In der Frankfurter Gemeinde Baptistengemeinde ist die Zahl der Infizierten mittlerweile bis zum Freitag auf 200 gestiegen. Beide Gemeinden gehören zur Gruppe der „Evangeliums-Christen“. Pfarrer Janusz Blonski von der baptistischen Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Bremerhaven sagte gegenüber der FAZ, dass die Angehörigen der „Evangeliums-Christen“ wenig zu einer Zusammenarbeit mit ökumenischen oder evangelikalen Netzwerken zu bewegen seien. Es handele sich zwar um Baptisten, „aber sie werfen uns vor, dass wir zu weltlich und zu lasch sind“, sagte Blonski.

Ein anderer Freikirchen-Pfarrer sagte der Zeitung, in den Gemeinden der „Evangeliums-Christen“ herrsche eine „eigentümliche Frömigkeit“ vor, die konservativ-traditionelle, als auch extrovertiert-charismatische Züge habe. Die Frauen trügen Röcke, und ihr Haar bedeckten sie mit einem Tuch. „Gleichzeitig wird in den Gottesdiensten geweint und ekstatisch in Zungen geredet“, heißt es im Bericht weiter.

Von: Jörn Schumacher

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Sat, 30 May 2020 14:52:00 +0200
<![CDATA[Sendungen mit christlichen Themen an Pfingsten in ARD und ZDF]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/05/30/sendungen-mit-christlichen-themen-an-pfingsten-in-ard-und-zdf/ Wie das ZDF mitteilt, geht es in der Sendung „sonntags“ unter dem Titel „Gottes Häuser“ um Orte, an denen Menschen zum Gebet zusammenkommen. Das Magazin fragt an Pfingstsonntag, den 31. Mai, um 9:03 Uhr, welche Bedeutung Sakralbauten für die Menschen haben. „Historisch betrachtet begannen die Menschen heilige Stätten, Tempel oder Gotteshäuser zu errichten, als sie sesshaft wurden“, heißt es in der Sendungsankündigung. „Mit dem Aufkommen der Religionen entstanden unterschiedliche Baustile, die sich im Laufe der Jahrhunderte stetig weiterentwickelten und auch immer größer und gewaltiger wurden.“ Moderatorin Andrea Ballschuh begibt sich auf eine Reise in die religiöse Welt von Gottes Häusern.

Im katholischen Gottesdienst, den das ZDF am Sonntag um 9:30 Uhr ausstrahlt, geht es um den Heiligen Geist. Bischof Franz-Josef Overbeck lade laut ZDF dazu ein, sich von diesem Geist Gottes berühren und bewegen zu lassen. „Angesichts der Virusepidemie hat sich gezeigt, wie zerbrechlich und begrenzt menschliches Leben ist und wie sehr wir Menschen auf Solidarität und Gemeinschaft angewiesen sind“, sagte Bischof Overbeck in einer Mitteilung des Senders. „Die Botschaft des Pfingstfestes trifft genau in diese Wirklichkeit: Es geht um einen neuen Geist, um einen Geist des Lebens und einen Geist der Gemeinschaft“.Der Gottesdienst findet in der ehemaligen Hospitalkirche in Bensheim statt.

Die ZDF-Dokumentation „Sehnsuchtsort Kloster – Von Menschen auf der Suche“ an Pfingstmontag begleitet drei Menschen bei ihrer Suche nach Gott, nach Sinn und nach Kraft ins Kloster Niederaltaich in Niederbayern. Ines denkt bei einer Auszeit über die berufliche und private Zukunft nach. Axel bereitet sich auf den Eintritt ins Kloster vor. Frater Vinzenz lebt schon lange im Konvent. Doch auch ihn plagen immer wieder Zweifel. Diese drei Menschen suchten „nach Gott, nach Sinn, nach Kraft“, so das ZDF. Im Kloster Niederaltaich in Niederbayern laufen ihre Geschichten zusammen. Der Film zeige, dass die Protagonisten im Kloster mehr als woanders erfahren, dass intensives Leben nicht im Außen liegt, sondern im Inneren. Der Film wird am Pfingstmontag, den 1. Juni 2020, um 18.30 Uhr ausgestrahlt.

Evangelischer Gottesdienst in der ARD

Auch die ARD hat gewohnheitsgemäß ihr Programm auf das Pfingstfest abgestimmt. „Das Wort zum Sonntag“ spricht am Samstag, 30. Mai 2020, um 23:50 Uhr, Benedikt Welter aus Saarbrücken. Sein Thema lautet „Geist-Inzidenz“. Er fragt sich darin: Gibt es also eine messbare Zahl von Menschen, die sich vom Heiligen Geist „anstecken“ lassen? Viele Menschen pro Bevölkerung, die an Jesus Christus glaubten und wüssten, dass er sie ins Leben gehaucht hat. „Hohe Geist-Inzidenz braucht es angesichts einer für viele tödlichen Pandemie“, so Welter, der das Wort gleich mit erklärt.

Am Sonntag, den 31. Mai 2020, um 10 Uhr sendet die ARD den Evangelischen Gottesdienst aus St. Egidien in Nürnberg. Er hat zum Thema die Menschen in der Bibel, die nach dem Trauma der Kreuzigung ihre Türen verriegelt hatten und ihre Häuser nicht mehr verließen – ähnlich wie während einer Pandemie. Der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche feiert die Liturgie und entfaltet zusammen mit Clara Jantos und dem Musiker Gerd Kötter die Pfingstgeschichte.

Am Montag, den 1. Juni 2020, um 10 Uhr überträgt die ARD zudem den katholischen Gottesdienst aus der Kapelle Madonna in den Trümmern, St. Kolumba in Köln. Domkapitular Dr. Dominik Meiering, leitender Pfarrer der Kölner Innenstadt, zelebriert an diesem besonderen Ort den Pfingstgottesdienst und geht auf die Bedeutung von Gottes friedenstiftenden Geist ein, heißpt es in der Sendungsankündigung.

Von: Jörn Schumacher

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Sat, 30 May 2020 12:40:00 +0200
<![CDATA[Streit zwischen Twitter und US-Präsident Trump]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/05/29/streit-zwischen-twitter-und-us-praesident-trump/ Der Kurznachrichtendienst Twitter hat einen Tweet des US-Präsidenten Donald Trump im Zusammenhang mit dem Tod des Afro-Amerikaners George Floyd als gewaltverherrlichend markiert. „Dieser Tweet verstößt gegen die Twitter-Regeln zur Gewaltverherrlichung. Twitter hat jedoch beschlossen, dass möglicherweise ein öffentliches Interesse daran besteht, diesen Tweet zugänglich zu lassen", teilt das Unternehmen unter Bezugnahme auf eigene Regeln und Richtlinien mit und veröffentlichte die Trump-Botschaft.

Nach Ausschreitungen in Minneapolis wegen des gewaltsamen Todes des Afro-Amerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz hatte der US-Präsident via Twitter Konsequenzen angekündigt. „Diese Schläger entehren das Andenken an George Floyd, und das werde ich nicht zulassen. Ich habe gerade mit Gouverneur Tim Walz gesprochen und ihm gesagt, dass das Militär bei ihm ist. Wenn es Schwierigkeiten gibt, werden wir die Kontrolle übernehmen, aber wenn es zu Plünderungen kommt, wird geschossen. Ich danke Ihnen.“

Mit der aktuellen Kennzeichnung eines Tweets von Trump verschärfen sich Medienberichten zufolge die Spannungen zwischen dem Anbieter des Nachrichtendienstes und dem US-Präsidenten. Twitter hatte zu Wochenbeginn erstmals einen irreführenden Tweet Trumps zur Briefwahl in den USA markiert und damit dessen Zorn auf sich gezogen. Trump nutzt den Kurznachrichtendienst intensiv für seine Verlautbarungen. Er vertritt die Auffassung, dass Twitter mit den Kennzeichnungen von Tweets die freie Meinungsäußerung unterdrückt. Nach dem Vorfall hatte Trump einen Erlass auf den Weg gebracht, mit dem soziale Netzwerke unter Berufung auf der ersten 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten stärker reglementiert werden können.

In dem Erlass heißt es unter anderem: „In einem Land, in dem die Meinungsfreiheit seit langem hochgehalten wird, können wir nicht zulassen, dass eine begrenzte Anzahl von Online-Plattformen Äußerungen von Hand verliest, die Amerikaner im Internet abrufen und übermitteln dürfen. Diese Praxis ist grundsätzlich unamerikanisch und antidemokratisch. [...] Online-Plattformen betreiben eine selektive Zensur, die unserem nationalen Diskurs schadet.“

In dem Erlass wird die Spannung zwischen dem Weißen Haus und dem Kurznachrichtendienst erkennbar. In der Verfügung lautet es. „Twitter entscheidet sich nun selektiv dafür, bestimmte Tweets mit einem Warnhinweis zu versehen, der die politische Voreingenommenheit deutlich zum Ausdruck bringt. Wie berichtet wurde, hat Twitter anscheinend noch nie einen solchen Warnhinweis auf den Tweets eines anderen Politikers platziert.“

Nach Einschätzung von Heise-Online könnte der Erlass der US-Präsidenten sogar zu mehr Zensur in den Sozialen Medien führen. Dem Bericht zufolge sollen die US-Staaten neue Vorschriften für Facebook, Google, Instagram, Twitter und YouTube erlassen. Zudem soll sich der US-Justizminister mit den Justizministern aller US-Staaten zusammensetzen und abstimmen.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 29 May 2020 17:10:00 +0200
<![CDATA[Philosophieren per App und Kurzfilm]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/05/29/philosophieren-per-app-und-kurzfilm/ Inwiefern können Philosophie und Theologie im Austausch voneinander lernen? Diese Frage war treibende Kraft bei einem Projekt der Universität Augsburg (UNIA), der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck (UIBK), der Hochschule für Philosophie München (HFPH), der Universität Regensburg (UR) und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen (PTH).

Im Ergebnis nach sechs Jahren interdisziplinärer Forschung zwischen Philosophie und Theologie präsentieren die Forscher sowohl einen 42-minütigen Animationsfilm, als auch eine App für Tablet-PCs. Beide sollen zeigen, dass in der Projektarbeit immer wieder klar wurde, wie Philosophie und Theologie voneinander profitieren können. Das sagte Projektkoordinator Georg Gasser, Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der UNIA. „App und Animationsfilm wollen die Fragen und Antworten, um die wir gerungen haben, für viele Menschen fruchtbar machen“, so Gasser.

Die App „God Seeker – Was die Welt im Innersten zusammenhält“, die kostenlos sowohl für Android-, als auch für Apple-Geräte erhältlich ist, ist im Wesentlichen eine Wiedergabe der Webseite, hat aber noch hier und da technische Schwächen. Der Nutzer kann Fragen nachgehen wie „Wie soll ich mir Gott vorstellen?“ oder „Was bedeutet es zu sterben?“ Kurze Texte geben Einführungen in die philosophische oder theologische Auseinandersetzung mit dem Thema, außerdem werden bedeutende Denker der Kirchengeschichte zitiert. Es gehe dabei um „grundlegende Fragen des Menschseins“, so die Macher. „Von der Entstehung des Bewusstseins, über den Sinn des Lebens bis hin zur Frage nach Gott.“ Abschließend können die Nutzer in einem Quiz feststellen, welcher klassische Denker am ehesten zur eigenen Überzeugung passt.

„Philosophischer Roadmovie“

Der Animationsfilm „Sternenstaub und Seelenvogel“ ist nach Ansicht der Urheber als „philosophischer Roadmovie“ konzipiert. Der 42-minütge Film ist indes weniger auf Unterhaltung ausgelegt, als vielmehr auf einen anspruchsvollen intellektuellen Dialog über Philosophie und Theologie. Er handelt von einer Yogalehrerin namens Linda und ihrem Freund Andy, der Investmentbanker ist. Sie freuen sich auf ihren gemeinsamen Urlaub. Doch überraschend stirbt Lindas Oma. Linda will nun unbedingt Omas letzten Willen erfüllen. Der Urlaub rückt in weite Ferne. Der Film behandelt unter anderem die Fragen: Auf welche Weisen lässt sich Gott in der Welt erfahren? Ist es sinnvoll, alles wissenschaftlich erklären zu wollen? Ist der Tod eines lieben Menschen ein Beweis gegen die Existenz Gottes?

Wirkliche Gewissheit finden vielleicht beide nicht im Glauben an Gott. Nach dem Tod der Oma wissen sie nicht so recht, zu welchem Gott sie beten sollen. Allerdings diskutieren sie im Film ihre Fragen zu Gott und das Jenseits philosophisch aus. Sie holen sich Rat beim „Institut für Analytische Religionsphilosophie“ und fragen in einer Kapelle nach dem tieferen Sinn des Glaubens.

Gefördert hat die Projekte „Analytic Theology: The Convergence of Philosophy and Theology“ und „Analytic Theology and the Nature of God: Integrating Insights from Science and Philosophy into Theology“ die John-Templeton-Foundation. Diese Organisation unterstützt Forschungsprojekte im Bereich Religion, Spiritualität und Wissenschaft.

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 29 May 2020 16:03:00 +0200
<![CDATA[Opfer von Polizeigewalt in den USA war Mitarbeiter der Heilsarmee]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/29/opfer-von-polizeigewalt-in-den-usa-war-mitarbeiter-der-heilsarmee/ Der bei einem Polizeieinsatz getötete George Floyd war offenbar 2017 Mitarbeiter der Heilsarmee in den Vereinigten Staaten. Am Montag wurde der 46-jährige in Minneapolis verhaftet. Bei der Festnahme drückte ein Polizist dem auf dem Boden liegenden Afro-Amerikaner minutenlang sein Knie so vehement in den Nacken, dass der Mann keine Luft mehr bekam und anschließend in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlag.

Floyd hatte Medienberichten zufolge in einem Geschäft mit einem mutmaßlich gefälschten Dollarschein bezahlen wollen. Daraufhin wurde die Polizei herbeigerufen. Der Mann war unbewaffnet und rief bei der Festnahme durch die Polizisten mehrfach „I can’t breathe“ – „Ich kann nicht atmen“. Die Gewalt der Polizisten und der Tod des Mannes haben in den USA eine Welle des Protestes und eine Debatte über das Ausmaß von Rassismus in dem Land ausgelöst.

Floyd war Sicherheitsmann einer Notunterkunft

Nach Angaben der Salvation Army Nord war Floyd 2017 als Sicherheitsbeauftragter in einer Notunterkunft in Minnesota tätig. Auf Facebook teilte die Salvation Army mit: „George hatte, wie die vielen anderen Mitarbeiter der Notunterkünfte in unserer Gemeinde, ein Herz für die Menschen und unsere Gemeinschaft. Dieser tragische Vorfall ist symptomatisch für viel tiefere rassistische und sozioökonomische Probleme in unserer Gemeinschaft. In der Heilsarmee glauben wir, dass wir alle nach Gottes Bild mit unschätzbarem Wert und Würde geschaffen sind – George war darin nicht anders.“

Der Territorialleiter der Salvation Army Mitte, Kommandeur Brad Bailey, teilte auf seinem privaten Facebook-Account seine Bestürzung über den gewaltsamen Tod Floyds. Der Beitrag zeigt ein Bild des Opfers und ehemaligen Mitarbeiters in einem T-Shirt der Heilsarmee. Bailey spricht auf Facebook von einem „schrecklichen Beispiel der Unmenschlichkeit des Menschen gegenüber dem Menschen“, einem „sinnlosen, barbarischen Akt, der an einem weiteren afroamerikanischen Mann verübt wurde“.

Die Heilsarmee Deutschland teilt die Trauer um den ehemaligen Mitarbeiter der Schwesterorganisation in den USA. „Es ist unglaublich, dass in einem demokratisch geführten Land immer wieder Menschen durch Rassismus zu Tode kommen“, erklärte Oberst Hervé Cachelin, Territorialleiter Heilsarmee Deutschland, auf Anfrage. „Wir beten und trauern mit den Familienangehörigen und den Kollegen der Salvation Army in den USA.“

Weltweit setzt sich die Heilsarmee nach eigenen Angaben für Menschenrechte und gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Auch in Deutschland nähmen rechtsnationale und fremdenfeindliche Gewalttaten zu, erklärte der Sprecher der Heilsarmee Deutschland. Das sei Anlass zur Sorge um die politische Kultur. Justiz und Polizei stünden in der Verantwortung, rechtsstaatlichen Grundsätze umzusetzen – unabhängig von sozialem Status, Herkunft oder Hautfarbe.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 29 May 2020 15:28:00 +0200
<![CDATA[„Glaube ist etwas Spannendes und Faszinierendes“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/29/glaube-ist-etwas-spannendes-und-faszinierendes/ Die 30-jährige Maike Schöfer ist in ihrem Freundeskreis die Ausnahme. Die Religionslehrerin ist gläubige Christin und geht jeden Sonntag in die Kirche. Die Frankfurter Rundschau porträtiert sie und drei weitere 20- bis 30-Jährige, die an Gott glauben und sich in ihrem Umfeld kirchlich engagieren, im Artikel „Jugend mit Gott“. Schöfer wolle die Kirche nicht denen überlassen, die „frauenfeindlich sind, sondern sie aktiv mit gestalten“, sagt sie der Zeitung.

In ihrem Elternhaus habe der christliche Glaube keine Rolle gespielt. Aber die Eltern ihrer besten Freundin hätten gebetet, christliche Lieder gesungen und sie mit in den Gottesdienst genommen: „Ich fand das Gemeinschaftliche schön, die Freude und den Dank. Ich habe gespürt: Da ist irgendwas Spannendes, Faszinierendes.“ Schöfer erzählt, dass sie ihre kleinen und großen Sorgen morgens und abends im Gebet bei Gott ablädt.

„Kirche wird immer pluralistischer“

Nadia Schnabels Lebensentwurf passt laut FR-Autorin Hannah El-Hitami nicht wirklich ins Bild der Katholischen Kirche. Sie ist pansexuell. Das bedeutet, sie lehnt Monogamie ab und wählt bei ihrer sexuellen Orientierung nicht nach Geschlecht aus. Schnabel glaubt, dass die jüngere Generation in der Kirche immer pluralistischer wird: „Eigentlich fand ich katholische Kirche immer kacke,“ sagt sie. Heute engagiert sich die 25-Jährige im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Den Jugendverband hat sie durch dessen Freizeiten kennengelernt. Den Gottesdienst auf den Freizeiten habe sie meistens geschwänzt. Mit 20 Jahren lässt sie sich taufen. Sie möchte mitmachen, statt nur zu meckern. „Das war eine pragmatische Entscheidung“, sagt sie der Jorunalistin. „Hier in Köln gibt es durch die katholische Kirche so viele wichtige Einrichtungen. Wenn keiner mehr mitmachen würde, ginge das alles kaputt.“

Die Autorin besucht auch die Nürnberger Jugendkirche Lux. Diese hat als Zielgruppe junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren. Religionspädagogin Anna Rohlederer bespricht gemeinsam mit den Ehrenamtlichen, welche Themen ihnen wichtig sind. Rohlederer glaubt, dass Jugendliche in der Kirche zu kurz kommen, wenn dort nicht lebensnahe Themen behandelt werden. Wer Gesprächsbedarf habe, könne gerne über Gott reden. Sie wolle nicht missionieren, aber jungen Menschen positive Erfahrungen mit Kirche bieten.

In Berlin trifft El-Hitami den 26-jährigen Benedikt Schwinn. Er promoviert gerade in Theologie. „Christlich sozialisiert“ wurde er in einer baptistischen Freikirche in Neu-Ulm, der er sich mit 19 Jahren anschloss. In der Gemeinde gestaltete er die Jugendarbeit mit. „Die Idee von Mission ist in neunzig Prozent der Fälle, dass man zeigt, welche positiven Auswirkungen der Glaube auf das eigene Leben hat. Die Leute, die das attraktiv finden, bleiben da und fragen nach“, sagt er.

Autorin des Artikels ist Hannah El-Hitami. Ihre Mutter ist aus der Kirche ausgetreten, ihr Vater Moslem. Nach ihrer Recherche zieht sie ein nüchternes Fazit: „Getroffen habe ich – und ich weiß nicht genau, warum mich das überrascht hat – ganz normale junge Menschen.“ Alle Gesprächspartner hätten von Erfahrungen berichtet, dass Religion als unwissenschaftlich, irrational, altmodisch und konservativ gelte.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 29 May 2020 12:27:00 +0200
<![CDATA[37 Jahre zu Unrecht in Haft: „Mit Beten habe ich es überstanden“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/05/29/37-jahre-zu-unrecht-in-haft-mit-beten-habe-ich-es-ueberstanden/ Im Januar 1983 wurde der US-Amerikaner Archie Williams für die Vergewaltigung und den Mord an einer 30-Jährigen weißen Frau im Bundesstaat Lousiana zu mehr als lebenslanger Haft verurteilt – obwohl der das Verbrechen nie begangen hatte. Als Teilnehmer der Castingshow „America’s Got Talent“ erzählte er nun seine Geschichte.

„Ich wusste, dass ich unschuldig war und kein Verbrechen begangen hatte.“ Als Schwarzer ohne die nötigen finanziellen Mittel habe er jedoch nicht die Möglichkeit gehabt, gegen den Staat Lousiana juristisch vorzugehen und gegen das Urteil zu kämpfen. Keiner der Fingerabdrücke am Tatort habe mit denen von Williams übereingestimmt. „Aber sie wollten einen Schuldigen haben. Ich wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe plus 80 Jahren verurteilt – ohne die Aussicht auf Bewährung.“ Williams wurde dem Louisiana State Penitentiary zugeteilt. Es ist das größte Hochsicherheitsgefängis der Vereinigsten Staaten und gelte als „das blutigste Gefängnis in den USA“, sagte Williams. Man habe die Wahl, zu den Schwachen oder zu den Starken zu gehören.

„Es war wie ein Albtraum“, erzählt er. „Wie hast du das überstanden?“, fragte der Moderator und Schauspieler Terry Crews. Innerliche Freiheit sei seine Lösung gewesen, sagte Williams. „Ich ging ins Gefängnis, aber ich habe meinem Kopf nicht erlaubt, ins Gefängnis zu gehen.“ Mit Beten und Singen habe er die Zeit überstanden. „So habe ich Frieden gefunden.“

Durch die Non-Profit-Organisation „Innocence Project“, die Williams’ Fall neu aufrollte, kam der Unschuldige nach 37 Jahren frei. Durch DNA-Analyse, die es zur Zeit von Williams’ Verhaftung noch nicht gab, konnte bewiesen werden, dass er nicht der Täter war. Am 21. März 2019 wurde der heute 59-Jährige aus der Haft entlassen.

Bei „America’s Got Talent“ sang Williams mit einer emotionalen Performance den Elton-John-Song „Don’t let the sun go down on me“. Bereits im Gefängnis habe er sich vorgestellt, auf dieser Bühne zu stehen, sagte Williams. „Danke, Gott. Das ist die Chance meines Lebens.“ Nach seinem Auftritt sagte Juror Simon Cowell: „Diesen Auftritt werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen.“

Auf Twitter äußerte sich Sänger Elton John selbst zu dem Auftritt: „Ich war zu Tränen gerührt“, schrieb er. „Sein Mut und die Vergebungsbereitschaft, die er zeigt, sind wirklich inspirierend.“ Es sei derselbe Geist, den die Welt bei Nelson Mandela so beeindruckend gefunden habe.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 29 May 2020 11:51:00 +0200
<![CDATA[„Wer Christenverfolgung verschweigt, beschwört politische Gefahr herauf“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/29/wer-christenverfolgung-verschweigt-beschwoert-politische-gefahr-herauf/ In 144 Ländern der Welt leiden Christen wegen ihres Glaubens, werden diskriminiert, vertrieben und ermordet. „Wer Christenverfolgung öffentlich thematisiert, gerät schnell in den Ruch, antimuslimische Ressentiments zu füttern und damit die Agenda Rechtsextremer zu befördern“, schreibt der Europakorrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit" in Brüssel, Ulrich Ladurner, in einem Artikel unter dem Titel „Jagd auf das Kreuz". Ladurner hat als Krisenreporter unter anderem aus dem Irak, Pakistan und Afghanistan berichtet.

Die Debatte zum Thema Christenverfolgung gestalte sich schwierig, weil sich Politiker wie der ungarische Premierminister Viktor Orbán und in Deutschland die AfD des Themas angenommen hätten. Eine Initiative der AfD im Deutschen Bundestag, die Entwicklungshilfe für Länder zu kürzen, in denen Christen verfolgt würden, sei „erwartungsgemäß abgelehnt" worden. „Das Thema ist also vergiftet", schreibt der Zeit-Journalist, und weiter: „Doch es hilft nichts. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.“ Ladurner nennt in dem Bericht Beispiele der weltweiten Verfolgung und Vertreibung von Christen, etwa im Irak: Dort hätten bis 1990 noch 1,4 Millionen Christen gelebt, heute seien es noch rund 150.000.

Britisches Außenministerium: „80 Prozent religiös motivierter Gewalt gegen Christen gerichtet“

Ladurner führt in seinem Artikel eine Untersuchung des britischen Außenministeriums zur weltweiten Verfolgung von Christen aus dem Jahr 2019 an. Demnach richten sich „80 Prozent der religiös motivierten Gewalt gegen Christen". Der Bericht habe nicht zum Ziel, Christen „als Art bevorzugte Opfer hervorzuheben“, sondern erinnere an ein fundamentales Menschenrecht: das Recht, zu glauben oder nicht zu glauben. „Und es ist nun einmal so, dass dieses Recht im besonderen Maße Christen genommen wird“, schreibt Ladurner.

Bei Diskussionen um das Thema Christenverfolgung werde angeführt, dass historisch gesehen die „gewaltsame Kolonisierung" der Welt „im Zeichen des Kreuzes" stattgefunden habe. „Das wird schnell ins Feld geführt, nur um nicht sehen zu müssen, was Christen heute vornehmlich sind: Opfer“, schreibt der Zeit-Korrespondent. „Das postkoloniale, postimperiale schlechte Gewissen macht viele Europäer blind für diese Tatsache.“

„Westliche Hasenfüßigkeit" am Fall Asia Bibi erkennbar

Ladurner schildert die „westliche Hasenfüßigkeit" beim Umgang mit Christenverfolgung an dem Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi. Deren Schicksal sei im Westen „außer den üblichen islamophoben Kreisen“ lange Zeit fast nicht auf Interesse gestoßen, „als ob man einen Religionskrieg provozieren wollte, wenn man auch nur über solche Fälle spricht“.

Ladurner kommt zu dem Fazit: „Wer Christenverfolgung verschweigt, wer sie nicht in verantwortlicher Weise thematisiert, der beschwört eine politische Gefahr herauf.“ Denn wenn die „Einschüchterung und Verfolgung“ von Christen im Nahen Osten so weitergehe, würden die Terroristen des sogenannten Islamischen States letztlich ihr Ziel erreichen: das Christentum im Nahen Osten und die „Erinnerung an die Geschichte der Christen in der Region“ verschwinden zu lassen.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 29 May 2020 08:17:00 +0200
<![CDATA[Woelki: „Stunde der Bewährung für Christen"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/28/woelki-stunde-der-bewaehrung-fuer-christen/ Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, spricht in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom Donnerstag im Zusammenhang mit der Corona-Krise von einer „apokalyptischen Zeit", die das gesellschaftliche Leben weltweit zum Stillstand gebracht habe, was sich bis vor Kurzem kaum jemand habe vorstellen können. „Die biblischen Bilder der Apokalypse wirkten auf manche damals noch irgendwie märchenartig, jedenfalls ganz irreal“, schreibt Woelki. Doch die Apokalypse des Johannes sei „keine Sciencefiction, kein Horrorfilm und kein Drehbuch für den jüngsten Tag".

Der Erzbischof erkennt in dem biblischen Bericht das Eingreifen und Halten der liebenden Hände Gottes, wenn die Kräfte der Welt versagt hätten. Er sei auch eine Mahnung an die Menschen, „Verantwortung zu übernehmen und nicht bloß oberflächlich vor uns hin zu leben“. Gott selbst schaue die Menschen aus dem letzten Buch der Bibel an. Woelki: „Alles was wir in den nächsten Wochen und Monaten tun werden, tun wir im Angesicht Gottes."

„In der Stimme des Gewissens hören wir die Stimme Gottes“

Der Kardinal erinnert daran, dass für Gerechtigkeit nicht allein der Staat zuständig sei. In dem FAZ-Gastbeitrag geht Woelki davon aus, dass die Corona-Krise für viele Menschen in Deutschland zu einer wirtschaftlichen Tragödie mit katastrophalen Auswirkungen werde. Er fordert deshalb alle 83 Millionen Deutschen dazu auf, in der Not zu helfen. Nach Woelkis Auffassung fehlten dem Staat die Möglichkeiten, alle Ungerechtigkeiten und sämtliche unverschuldeten Verluste der Krise auszugleichen.

„Damit diese Krise menschlich anständig bewältigt wird, müssen wir alle so handeln, jeder da wo er kann, so viel wie er kann", schreibt Woelki. Der Kardinal führt als Beispiel den biblischen Bericht an, in dem Jesus das Opfer der armen Witwe preist. Jesus warne zudem „den herzlosen reichen Prasser vor dem ewigen Verderben", erklärte der Erzbischof. „Jeder Mensch hat ein Gewissen, und in der Stimme des Gewissens, so glauben wir Christen, hören wir die Stimme Gottes.“

Der Erzbischof führt in dem Beitrag das Prinzip der Subsidiarität aus der christlichen Soziallehre an. Das besage, dass die Menschen das Entscheidende tun sollten und der Staat da helfen soll, wo der Einzelne überfordert sei. „Nächstenliebe, die Sorge um die Schwachen, ist vor allem durch das Christentum zu einem zentralen Begriff unserer Gesellschaft geworden“, schreibt der Kardinal. Heute werde das meist als Solidarität bezeichnet. „Für uns Christen ist die Corona-Krise eine Stunde der Bewährung“, schreibt Woelki. Das christliche Leben müsse sich nun zeigen im christlichen Handeln. Dies gelte auch für die Bischöfe und die gesamte Kirche. „Wir werden in nächster Zeit mit offenen Herzen prüfen müssen, wie wir in den zahllosen Notlagen helfen können.“

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 28 May 2020 15:44:00 +0200
<![CDATA[Gesicht zeigen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/05/28/gesicht-zeigen/ pro-Kolumnist Jürgen Mette seine Mühe. Er würde lieber anderen ins Gesicht sehen und seines unverhüllt zeigen. Die „Maskenpflicht“ aus Schutz vor Viren erinnert ihn aber auch daran, dass er vor Gott alle Masken ablegen kann.]]> Ich fühle mich seit Wochen von gesichtslosen Menschen umgeben: Ich kenne dich nicht, aber ich begrüße dich trotzdem. Wenn ich mein Smartphone freischalten möchte, dann bestätigt die Gesichtserkennung meine Identität nicht. Ich komme mit diesem Nasen und Mund bedeckenden Material nur widerwillig zurecht. Beschlagene Brillengläser nehmen mir den Durchblick. Meine Allerliebste hat sich wegen meiner vorübergehend abstehenden Ohren lustig über mich gemacht. Die Gummizüge der Maske haben meine bis dato ganz passablen Lauscher so deformiert, dass meine Gemahlin mir schon mit dem Bügeleisen gedroht hat.

Ob Siegfried Fietz vor 40 Jahren, als er das Lied „Wir tragen viele Masken und haben kein Gesicht“ geschrieben und mit seinem Fietz-Team aufgeführt hat, schon die Gesichtslosigkeit unserer Tage vor Augen hatte? Eher nicht. Er hatte vermutlich die rheinischen Jecken vor Augen, die zu Fasching öffentlich die „Sau raus lassen“ und darum ihr eigentliches Erkennungsmerkmal, nämlich das Gesicht und damit ihre einmalige Identität verbergen.

Maske runter

Im Foyer einer Klinik kam kürzlich ein älterer Herr auf mich zu und begrüßte mich auf Abstand mit „Hallo, Herr Mette!“. Ich zupfte meine Maske etwas irritiert zwischen Nasenrücken und Brille in die vorgeschriebene Position. Erst an seiner Sprache habe ich ihn dann auch erkannt.

Unser Gesicht ist das Relief unseres Lebens: Zwischen Bergen und Höhen, zwischen guten und schweren Tagen hat dieses Gesicht mehr gelacht, das andere mehr geweint. Bei bestimmten Menschen unterschiedlicher Gewichtsklassen erzählt das Gesicht sogar etwas über den Speiseplan der Träger des Gesichts. Im Alter könnte jede kleine Gesichtsfurche oder jedes Lachfältchen eine Geschichte erzählen. Die Gesichtshaut kann man in Kosmetikstudios manipulieren, sogar renovieren lassen, aber es bleibt immer eine Abbildung meines Wesens und meiner Geschichte. Darum freue ich mich auf die Zeit, wenn die verordnete Demaskierung hoffentlich zeitnah erlaubt wird und ich meine Kinder und Enkelkinder wieder in den Arm nehmen darf.

Es steht uns ins Gesicht geschrieben

Das Angesicht Gottes spielt in den Exodus-Berichten eine zentrale Rolle. Gott verspricht Mose, dass sein Angesicht vor dem Volk hergehen wird. Er redet mit Mose „von Angesicht zu Angesicht“ – so vertraut wie ein Mensch mit einem anderen. Gleichzeitig verbirgt Gott sein Angesicht vor seinem Volk, sodass David fleht: „Verwirf mich nicht von deinem Angesicht und nimm die Kraft deiner Heiligkeit nicht von mir!“ (Psalm 51,13)

Ich freue mich aufs Pfingstfest. Wir feiern das Geschenk der heiligen Kraft des Geistes Gottes. Gott überlässt uns nicht unserem Schicksal. Er stellt uns einen Vermittler zur Seite, einen Advokat und einen Tröster, der uns dann bei Gott vertritt, wenn wir längst aufgehört haben, ihm zu vertrauen. Die heilige Kraft des Geistes Gottes bewirkt, dass wir unsere scheinheilige Maskerade endlich fallenlassen können. Die Freisetzung dieser Kraft ist auf die junge Gemeinde übertragen worden. Und wer in das Kraftfeld der Heiligkeit Gottes gerät, der wird aus Dankbarkeit beim Bau seiner Kirche mitarbeiten.

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Thu, 28 May 2020 14:00:00 +0200
<![CDATA[Das Heil der Welt liegt außerhalb von ihr]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/05/28/das-heil-der-welt-liegt-ausserhalb-von-ihr/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Am Freitag bekommt die Kuppel des neugebauten Berliner Stadtschlosses, des Humboldt Forums, ein Kreuz. Seit dieser Plan 2017 bekannt wurde, gibt es Streit darum, ob das Kreuz angemessen ist oder nicht – auf einem Gebäude, das für Wissenschaft und Kultur stehen und unter anderem ein völkerkundliches Museum beherbergen soll. Der Streit ist nun wieder lauter geworden, vor allem, weil mittlerweile ein Spruchband fertiggestellt wurde, das um die Kuppel läuft. Goldene Lettern auf blauem Grund geben zwei Bibelverse wieder: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Den ersten Satz hat laut der Apostelgeschichte Petrus gesagt, als er vor dem obersten jüdischen Gremium seinen Glauben an Jesus Christus bezeugte. Der zweite Satz ist aus dem Christushymnus im Philipperbrief von Paulus. Im Streit um die christliche Symbolik haben sich diejenigen durchgesetzt, die auf der historischen Rekonstruktion des Schlosses beharrten. Und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte es seinerzeit so bauen lassen, im Inneren jedoch mit einer Kapelle unter der Kuppel. Der Theologe Richard Schröder erklärte 2017 auf dem Blog des Fördervereins für den Wiederaufbau des Schlosses, dass das mit dem Verständnis der monarchischen Herrschaft „von Gottes Gnaden“ zu tun habe: „Die Souveränität des Fürsten hat ihre Grenze in der Verantwortung vor Gott, sie ist nicht Freibrief zur Willkür.“

Nicht Unterwerfung, sondern Liebe

Bemerkenswert ist es dennoch, dass dieses Christus-Bekenntnis heute wieder an dem Schloss prangt. In einer Zeit, in der moderne Menschen das Heil überall suchen, nur nicht bei einem Mann, der von sich sagte, er sei Gottes Sohn, der sich kreuzigen ließ und vom Tode wieder auferstand. In einer Zeit, in der sich Menschen abmühen und gegenseitig damit überbieten, die Welt und das Klima zu retten und möglichst selbst irgendwann den Tod zu überlisten. Die Zitate erinnern daran, dass es nicht der Mensch ist, der die Welt in den Händen hält, sondern eine höhere Instanz, ein Schöpfer, demgegenüber sich die Menschen verantworten müssen – und bei dem sie als seine Geschöpfe das Heil für ihre Seele finden können. Gerade auf einem Bauwerk, das einem der bedeutendsten Wissenschaftler und Weltentdecker gewidmet ist, eine notwendige Mahnung zur Demut.

Die Deutsche Presse-Agentur schrieb diese Woche, das Zitat fordere „die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum“. Damit hat sie sowohl den Sinn der Aussagen wie auch den Kern des Christentums gründlich missverstanden. Für sich genommen mögen die Sätze so wirken, wie es die dpa schrieb. Aber vor allem sind es Bekenntnisse zu Jesus Christus und dem Glauben daran, dass er mächtiger ist als alle weltlichen und geistlichen Mächte. Und wenn Paulus kurz vor dieser Passage schreibt, Christen sollen so gesinnt sein wie Jesus, geht es gerade nicht darum, die Welt einer bestimmten Religion zu unterwerfen. Es geht darum, der Welt zu dienen, die Menschen zu lieben, wie Jesus. Und am Ende, sagt die Bibel, wird es die Erkenntnis sein, dass Jesus Gott ist, die die Menschen auf die Knie und zur Anbetung bringt. Das Zeugnis der Christen wie das des Petrus wird dazu beitragen. Und das Kreuz auf dem Schloss wird daran erinnern.

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Thu, 28 May 2020 13:58:00 +0200
<![CDATA[Schwager von Asia Bibi ermordet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/05/28/schwager-von-asia-bibi-ermordet/ Der Schwager der pakistanischen Christin Asia Bibi, Younus Masih, soll in der Nacht vom 24. auf den 25. Mai in Pakistan ermordet worden sein. Das teilte der Brunnen Verlag unter Berufung auf verschiedene pakistanische und indische Medien sowie auf den indischen Journalisten Aakash Kumar mit. Der Brunnen Verlag hatte die Biografie von Bibi verlegt, in der ihre Geschichte rund um die Blasphemie-Vorwürfe, ihre Verurteilung zum Tod und ihre Freilassung erzählt wird. Das Schicksal der Christin hatte Menschen weltweit über Jahre bewegt. Bibis Schwager Masih habe wie Bibi selbst zur christlichen Minderheit in Pakistan gehört. Er sei von einem abendlichen Kontrollgang auf einem Bauernhof nicht zurückgekehrt. Am Morgen habe man den 50-Jährigen mit aufgeschnittener Kehle auf dem von ihm bewirtschafteten Stück Land gefunden.

In den pakistanischen Medien werde diskutiert, ob der Mord an Masih eine Rache an Bibi bedeuten könne. Bestätigt sei dies noch nicht. Die Nachrichtenagentur Ucannews sehe keine Zusammenhänge und berichte über eine mittlerweile erfolgte Verhaftung von Bibis Schwester, der Ehefrau Masihs, und eines muslimischen Nachbarn. Bibi selbst lebt mittlerweile in Kanada. Nach Einschätzung westlicher Behörden ist sie dort jedoch weiterhin vom Tode bedroht, berichtet Brunnen. Unter pakistanischen Muslimen gebe es den Aufruf, Bibi zu töten. Bibi lebt derzeit unter Personenschutz.

Der Mord an Masih sei nicht der erste im Umfeld von Bibi und ihren Unterstützern, erklärt Brunnen. Prominenteste Opfer seien 2011 Salman Taseer, der Gouverneur von Punjab, und Shabaz Bhatti, der damals amtierende pakistanische Minister für religiöse Minderheiten, der in Islamabad ermordet wurde, gewesen. Nach Bibis Freilassung und ihrer heimlichen Ausreise aus Pakistan mit Hilfe der deutschen und der pakistanischen Regierung habe es in christlichen Wohnvierteln und Dörfern Pakistans zahlreiche Lynchmorde gegeben.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 28 May 2020 13:43:00 +0200
<![CDATA[Offenbar zu viele Personen im Gottesdienst für Mindestabstand]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/27/offenbar-zu-viele-personen-im-gottesdienst-fuer-mindestabstand/ Wie die FAZ berichtet, stieg die Zahl der an Corona infizierten Mitglieder der „Evangeliums-Christen“ in Frankfurt Rödelheim mittlerweile auf 112 Menschen. Wie der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, mitteilte, waren bei dem Gottesdienst am 10. Mai 180 Personen anwesend. Zum Vergleich: Die Besucherzahl des Frankfurter Domes, der um ein Vielfaches größer ist, ist derzeit beschränkt auf 70 Besucher. Die Teilnehmerzahl des Gottesdienstes war demnach wahrscheinlich zu hoch, um in dem Gemeinderaum den vorgeschriebenen Abstand von 1,50 Metern einhalten zu können – anders als die Freikirche bislang behauptet hat.

Die Zeitung berichtet weiter, dass inzwischen auch zwei Mitarbeiterinnen in einer Flörsheimer Kita an Covid-19 erkrankt sind. Eine davon ist Mitglied der Frankfurter Baptistengemeinde. Wie die FAZ berichtet, war die Frau in der Notbetreuung der Unter-Dreijährigen eingesetzt und hat mittlerweile ihre Kollegin angesteckt. Die Kinder der Kita befinden sich laut der Stadt Flörsheim auf Anweisung des Gesundheitsamtes in häuslicher Quarantäne.

Die Baptistengemeinde muss nach Angaben des Frankfurter Gesundheitsdezernats mit einem Ermittlungsverfahren rechnen. Das dementierte eine Sprecherin später jedoch gegenüber der Frankfurter Rundschau. Das sei „ein Präzedenzfall und daraus müssen wir lernen“, zitiert die Zeitung sie. Nach dem hessischen Bußgeldkatalog für Verstöße gegen die Corona-Auflagen droht Besuchern, die Hygienevorschriften ignorieren, ein Bescheid von je 200 Euro; einem Veranstalter, der die Abstandsregel missachtet, drohen ein Bußgeld in Höhe von bis zu 1.000 Euro.

Am Montag hatte die Gemeinde der „Evangeliums-Christen“ auf ihrer Webseite zugestanden: „Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten.“ In der Stellungnahme betont die Gemeinde aber auch, auf Hygienerichtlinien geachtet zu haben. So sei der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten worden.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 27 May 2020 16:24:00 +0200
<![CDATA[Taufe per Wasserpistole geht viral]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/05/27/taufe-per-wasserpistole-geht-viral/ Stephen Klasek ist Pfarrer der Saint Mark Catholic Church of Manchester im amerikanischen Bundesstaat Tennessee. Auf Wunsch einer Familie hat er ein lustig gemeintes Motiv nachgestellt, das seit Beginn der Corona-Pandemie bereits mehrmals durch die Medien ging: Ein Priester, der ein Baby per Wasserpistole tauft, um den nötigen Abstand einzuhalten. Klaseks Foto jedoch wurde in den vergangenen Tagen unter anderem auf Twitter millionenfach angesehen und hatte neben humvorvollen Reaktionen auch kontroverse Diskussionen über die angebliche Taufpraxis zur Folge. Die Saint Mark Catholic Church sah sich deshalb nun gezwungen, ein Statement zur Entstehung des Fotos abzugeben.

Die Familie des Täuflings habe den Pfarrer um das Foto gebeten, weil sie das Motiv schon in verschiedenen Postings im Netz gesehen habe. Klasek habe zugestimmt, weil er es selbst lustig gefunden habe, heißt es in einem Facebook-Post der Kirche. Das Wasser in der Plastikpistole sei kein Weihwasser gewesen und Klasek habe das Wasser nicht auf das Baby, sondern in Richtung des Vaters gespritzt. „Fazit: Es war als Scherz gemeint“, stellt die Kirche richtig.

Kritiker hatten dem Priester auf Twitter zum Beispiel vorgeworfen, sich über die Ernsthaftigkeit der Taufe an sich lustig zu machen oder das Priesteramt zu trivialisieren, und schmückten ihre Tweets mit dem Hashtag #NotFunny (zu Deutsch: nicht lustig) oder #Bad Joke (zu Deutsch: schlechter Witz).

Von: Swanhild Zacharias

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Wed, 27 May 2020 12:27:00 +0200
<![CDATA[„Unterschiedliche Standpunkte sind normal“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/26/unterschiedliche-standpunkte-sind-normal/ Die Fragen stellte Nicolai Franz]]>

pro: Immer mehr Menschen demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen. Im Netz verbreiten sich kritische Videos von Medizinern, Wirtschaftswissenschaftlern und anderen. War der Lockdown ein Riesenfehler?

Siegfried Scherer: Meine Antwort klingt sicher unbefriedigend: Wir wissen es nicht genau. Es gibt Argumente dafür, dass der Lockdown in dieser Schärfe vielleicht nicht notwendig gewesen wäre. Allerdings weiß niemand genau, was passiert wäre, wenn es den Lockdown gar nicht gegeben hätte. Wir konnten nicht vorhersagen, welche Maßnahme welche Wirkung entfalten würde. Vielleicht waren wir zur Zeit des Lockdowns in Deutschland schon über den Berg, aber damals wusste man das eben nicht. Ich halte es für äußerst wichtig, dass wir jetzt im Nachhinein, ohne Schuldzuweisungen, sehr genau und schonungslos analysieren, inwieweit diese einschneidenden, seit dem 2. Weltkrieg nicht dagewesenen Maßnahmen wirklich nötig waren, um bei einer möglichen zweite Welle im kommenden Winter gezielter und differenzierter handeln zu können.

Schweden hat nur moderate Maßnahmen ergriffen, die Krise nimmt dort bisher trotz erhöhter Sterblichkeit bisher keine extremen Ausmaße an, wenn auch die Sterberate höher ist als in Deutschland. Brasiliens Präsident Bolsonaro tut die Gefahr ab, während sein Land immer höhere Infektionszahlen verzeichnet. Wie können wir wissen, welcher Weg richtig ist?

In vielen Ländern ist die Sterberate höher als bei uns. Mit wem vergleichen wir Schweden? In Norwegen und Finnland sieht es besser aus, in Belgien deutlich schlechter. Faktoren wie Siedlungsdichte, Mentalität, Umweltverschmutzung, Anzahl der getesteten Personen und anderes könnten eine Rolle spielen – das wissen wir alles nicht so genau. In Schweden ist die Lage keineswegs katastrophal, das kann uns schon zu denken geben. Erwartungsgemäß verläuft Schwedens Rückgang der Neuinfektionen derzeit deutlich zögerlicher als bei uns. Klar: Je weniger wir den Kontakt zwischen Menschen beschränken, desto mehr Infektionen gibt es. Kein Kontakt heißt: Keine Neuinfektionen. Aber welche Welt erzeugen wir damit? Was ist der gute Mittelweg? Wieviele Infektionen lassen wir zu? Das ist keine virologische, sondern eine ethische und gesellschaftspolitische Frage, eine schwierige Güterabwägung.

Politiker im Krisenmodus haben keine Zeit für langwierige Analysen, sie müssen Entscheidungen treffen. Haben Sie Verständnis dafür?

Ja. Entscheidungsträger wie Angela Merkel oder Markus Söder waren geschockt von Medienberichten von katastrophalen Bildern aus Bergamo, mit Hunderten von Särgen, die in Kirchen aufgestapelt wurden, und sie sahen schnell steigende Infektionszahlen in Deutschland. Das geht an niemandem spurlos vorüber. Wissenschaftlich gesehen hatten wir eine unzureichende Datenbasis, um die Entscheidungen zu treffen, aber man musste entscheiden. Nun kann ich im Nachhinein gut reden, wie hätte denn ich anstelle von Markus Söder entschieden? Also: Kein Vorwurf.

Welche Datenbasis meinen Sie? Vor dem Lockdown in Deutschland zeichnete sich doch schon ab, dass sich Sars-CoV2 sehr schnell verbreitet und dass viele Patienten künstlich beatmet werden müssen. Das hätte bedeutet: Wenn die Beatmungsbetten belegt sind, sterben Menschen, die nicht hätten sterben müssen.

Richtig. Vor dem Lockdown zeichnete sich aber auch schon ab, daß der exponentielle Anstieg der Infektionen vermutlich schon gebrochen war. Heute wissen wir, daß die Reproduktionszahl R am 23. März schon von 3 auf etwa 1 gesunken war, aber das wusste man damals aufgrund mangelnder Daten eben nicht sicher. Was die Beatmungsbetten anbelangt: Man hatte aus den Medien Italien vor Augen, aber Deutschlands Intensivbettenausstattung ist exzellent, und das sieht man auch am Verhältnis von Toten zu Erkrankten, das in Deutschland mit 4,6 Prozent viel niedriger ist in Italien mit 14,3 Prozent. Deutschland ist privilegiert, das hat Gründe. Was in Italien richtig ist, muss nicht unbedingt bei uns richtig sein. Wir wussten zu wenig über das epidemiologische Geschehen. Natürlich konnten unsere Politiker nicht warten, bis sich die wissenschaftliche Zunft auf eine sichere Meinung verständigt hat.

Eine Quelle für eine bessere Datenbasis sind repräsentative Stichproben. Am 9. April, da waren wir schon lange im Lockdown, kündigte das Robert-Koch-Institut (RKI) eine solche Stichprobe an. Ergebnisse würden für Juni erwartet. Diese Woche vertröstete das RKI: Die Stichprobe mit 20.000 bis 30.000 Menschen solle erst im September überhaupt beginnen. Dauert das nicht alles zu lange?

Viel zu lange. Weil wir anfangs nicht genug Testkapazitäten hatten, wurden nur die Menschen auf eine laufende SARS-CoV-2 Infektion getestet, die Symptome zeigten. Das gibt ein verheerendes, aber sicher falsches Bild der Sterblichkeit. Wir brauchen dringend repräsentative Stichproben auf Antikörperbasis, bevor eine potentielle zweite Welle kommt. September ist zu spät, viel zu spät! Ja, solche Tests kosten Geld, aber die öffentliche Hand kann das leicht finanzieren, im Vergleich zum Beispiel mit der Lufthansa-Rettung geht es hier um Peanuts. Es gibt viele Labors in Deutschland, die solche Studien jetzt schon machen können, wenn auch in etwas kleinerem Maßstab.

Im Netz tummeln sich verrückte Verschwörungstheoretiker. Es gibt aber auch andere grundsätzliche Kritik von erfahrenen Größen. Der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi hält die Maßnahmen zum Beispiel für völlig überzogen. Für den Nicht-Wissenschaftler stellt sich die Frage: Wem sollen wir denn nun glauben?

Verrückten Verschwörungstheoretikern sollte am besten keiner zuhören. Allerdings: Unterschiedliche Standpunkte sind im Wissenschaftsbetrieb völlig normal. Je weniger wir über einen Sachverhalt wissen, desto kontroverser geht es in der Wissenschaft zu. Das erleben wir auch bei Corona – mit dem Unterschied, dass wir diese Meinungen jetzt nicht auf Fachkongressen und in wissenschaftlichen Zeitschriften diskutieren, sondern in den Medien. Natürlich beunruhigt das die Leute, weil sie daran nicht gewöhnt sind. Viele denken irgendwie, Wissenschaft sei absolut und immer sicher. Schon Schüler sollten lernen, dass unterschiedliche, sogar völlig konträre Standpunkte im laufenden Wissenschaftsprozess nicht die Ausnahme, sondern Normalität und außerdem höchst erwünscht sind. Es wäre gut, wenn die Jugendlichen schon in der Schule lernen würden, mit wissenschaftlicher Unsicherheit ohne Verunsicherung umzugehen. Wissenschaftler sind halt keine Götter in Weiß, die tasten sich auch nur langsam und mühsam an die Wahrheit heran.

Der Ex-Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg (SPD) hält das Corona-Virus für kein großes Problem. Wenn man ihn konfrontiert mit der Frage, wo denn die vielen Toten in den Krisenregionen herkommen, sagt er: Die Krankenhäuser waren schon immer überlastet. Sollte man solche Aussagen wirklich ernst nehmen?

Die Krankenhäuser etwa in Italien sind in einem schlechteren Zustand als die deutschen. Man hat in so manchem Land das Gesundheitssystem fast kaputtgespart, weil sich Gesundheit rechnen muss, man hat die Reserven herausgespart, die jetzt dringend nötig wären, da hat Wodarg wohl nicht unrecht. Aber das kann nicht die einzige Ursache für diese katastrophalen Zustände sein. Sars-CoV2 ist hoch ansteckend und es gibt bei Risikogruppen eine sehr hohe Sterblichkeit. Daher ist mir Wodargs Aussage zu einseitig. Aber ich will bei den Kritikern die berechtigten Anfragen hören und nicht alles gleich verwerfen.

Auch die Zustände in New York City widersprechen seiner Ansicht. Hunderte Menschen sterben an der Krankheit – trotz Kontaktverbot. Wie kann man da sagen, Covid-19 sei nicht schlimmer als eine Grippe?

Tausende sterben. In New York City war es wohl vor allem die U-Bahn und eine schlechte Gesundheitsversorgung für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Schwarze, im Gegensatz zu vielen Weißen. 70 Prozent der Corona-Toten dort sind Schwarze. Bei einer Pandemie wollte ich nicht in den USA sein, es sei denn mit einer nicht-limitierten Kreditkarte für die Privatklinik. Eine echte Grippe ist übrigens kein Spaß. Mit einer Erkältung kann man Covid-19 natürlich nicht vergleichen, mit einem Influenza-Grippestamm der gefährlichen Sorte schon eher.

Die Plattform Euromo verzeichnet allerdings in den stark getroffenen Ländern starke Ausschläge bei den Todeszahlen, wenn auch nicht in Deutschland. Diese hohen Zahlen können nur mit der Pandemie erklärt werden.

Diese sogenannte Übersterblichkeit zeigt auf jeden Fall, dass SARS-CoV-2 für die Risikogruppen wie Alte und Vorerkrankte sehr gefährlich ist. Diese Gruppen müssen unbedingt geschützt werden. Dafür brauchen wir rationale und ethisch verträgliche Strategien, aber ohne massive Einschränkungen wird es nicht gehen.

Die starke Übersterblichkeit trotz der starken Maßnahmen belegt, dass SARS-CoV2 gefährlicher als ein Grippevirus ist.

Auch bei Influenza-Pandemien der kritischen Sorte gab es Übersterblichkeit. Es gibt gewisse epidemiologische Ähnlichkeiten mit Influenzaviren. Einige Publikationen beurteilen zum Beispiel auf der Grundlage des Vergleichs mit Influenza die Wahrscheinlichkeit einer zweiten und gar dritten Infektionswelle. Aber natürlich gibt es wichtige Unterschiede. Wir wissen noch nicht genug.

Die wichtigsten Unterschiede sind: Gegen Grippeviren gibt es Impfungen und Medikamente, gegen Sars-CoV2 noch nicht. Das neue Virus ist zudem infektiöser und verzeichnet eine höhere Sterblichkeit. Laut der eher optimistischen Heinsberg-Studie starben in Gangelt 0,36 Prozent der Infizierten, bei der Grippe sind es etwa 0,1 Prozent. Zeigt das nicht, dass SARS-CoV2 deutlich gefährlicher als Influenza-Viren sind?

Die Daten aus Heinsberg weisen auf eine höhere Sterblichkeit durch SARS-CoV-2 im Vergleich zu einem durchschnittlichen Influenza-Stamm hin, neueste Daten aus Schweden decken sich ganz grob mit Heinsberg. Ein Vergleich mit Influenza ist übrigens auch deshalb schwierig, weil man unterscheiden muss, über welchen Influenzastamm wir sprechen. Der Influenzastamm der Spanischen Grippe war ein brutaler Killer, vielleicht viel schlimmer als SARS-CoV-2, die aktuellen Influenzastämme vom Winter 2019/2020 waren eher „harmlos“, doch gab es in den letzten 50 Jahren immer wieder Influenzastämme, die eine sehr deutliche Übersterblichkeit verursacht haben. Es geht um das ganze Bild. Trotzdem brauchen wir dringend einen Corona-Impfstoff, aber der muss sicher sein.

In einer Umfrage unter Virologen Mitte Mai stimmten die Befragten überwiegend den Corona-Maßnahmen zu.

Jeder Virologe will Infektionen unbedingt verhindern. Also plädiert er aus virologischer Sicht für maximale Maßnahmen, das ist verständlich und eine wichtige Sichtweise. Eine andere ethische Frage: Welche Schäden dürfen wir in Kauf nehmen durch die Maßnahmen, die wir ergreifen? Ich fand es mutig, wie Wolfgang Schäuble vor einigen Wochen pointiert gesagt hat, dass wir nicht nur die Zahl der Toten sehen dürfen, sondern das ganze Bild. In unserem Land und in anderen Ländern. Wenn der Lockdown beispielsweise in anderen Ländern Millionen Hungertote zur Folge hätte, dürfen wir das nicht einfach vom Tisch wischen, bloß weil es nicht bei uns passiert. Die Situation ist extrem komplex, schwarz-weiß hilft nicht weiter.

Immer mehr Bürger misstrauen der Politik und den Medien, allen voran dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie suchen dann bewusst die Nähe zu sogenannten „unabhängigen“ Akteuren wie Bodo Schiffmann, der eigentlich eine Schwindel-Ambulanz leitet. Schiffmann hat sogar eine Bewegung mit dem Namen „Widerstand 2020“ gegründet. Können Sie diese Skepsis verstehen?

Ja. Die Geschichte lehrt mich, dass es gesund und wichtig ist, den Mächtigen bis zu einem gewissen Grad zu misstrauen. Obwohl wir als Christen unsere Regierung unterstützen, sollten wir nicht blauäugig sein. Auch das Misstrauen gegenüber Medien kann ich sehr gut verstehen, da gäbe es manches zu sagen. In Bezug auf die Corona-Krise berichteten sie m.E. sehr einseitig und sensationsgierig. Dadurch erzeugten und erzeugen sie Angst und Panik, das brauchen wir nicht. Ich finde es auch nicht gut, wenn Wissenschaftler und Bürger mit einer abweichenden „Corona-Meinung“ von den Medien herablassend behandelt werden. Als Bürger fordere ich vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk eine objektive, ausgewogene, nicht-emotionale Berichterstattung, die vermisse ich sehr, aber die könnten sie leicht liefern, weil sie vom Bürger Geld im Überfluss haben und nicht auf Quote angewiesen wären. Andererseits gibt es auch „unabhängige Akteure“, die mit Vorsicht zu genießen sind. Für den Laien ist die Situation echt problematisch.

In der oben zitierten Umfrage gab auch ein Drittel der Befragten an, sie sähen die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr. Teilen Sie diese Sorge?

Soweit würde ich noch nicht gehen. Ich empfinde es allerdings im Augenblick als schwierig, eine Position zu beziehen, die nicht medial genehmigt und politisch korrekt ist. Das gilt auch für Demonstrationen. Es muss doch für einen Politiker Alarmstufe Rot bedeuten, wenn so viele Menschen trotz der Verordnungen auf die Straße gehen. Wenn teilweise alle Demonstranten pauschal in die Ecke von Rechten und Verschwörungstheoretikern gestellt werden, läuft etwas grob falsch.

Und doch gibt es viele Verschwörungstheoretiker unter den Demonstranten, die auch völlig verschlossen für eine Diskussion sind. Welchen Kritikern sollte man Ihrer Meinung nach zuhören?

Ja, da gibt es auch abenteuerliche Gestalten. Wen sollte man nicht vom Tisch wischen? Ich frage zuerst nach der wissenschaftlichen Qualifikation. Da würde ich den Bonner Chefvirologen Prof. Hendrik Streeck nennen, den Regensburger Virologen Prof. Carsten Scheller oder die Berliner Virologin Prof. Karin Moelle. Auch dem Mainzer Infektionsepidemiologen Sucharit Bhakdi würde ich als einer stark formulierten Außenseiterposition zumindest sorgfältig zuhören. Wir brauchen unbedingt eine offene Diskussion.

Mehrere Faktenchecks legen nahe, dass Bhakdis Thesen, Covid-19 sei gar nicht so gefährlich, nicht stimmen. Er sagte zum Beispiel: „Wenn ein Virus nicht selbst tötet oder allein tötet, sondern nur im Verbund mit anderen Krankheiten, dann darf man dem Virus nicht die Schuld alleine in die Schuhe schieben.“ Diese Argumentation könnte man auch auf HIV beziehen – eine problematische Aussage.

Ja, vermutlich wären viele alte, vorerkrankte Patienten ohne SARS-CoV-2 Infektion noch am Leben. Damit war das Virus strenggenommen der Killer, auch wenn es „nur“ der berühmte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen bringt. Andererseits hat Bhakdi insofern recht: Das Virus hat nicht alleine die „Schuld“, denn trifft es beispielsweise auf einen jungen, gesunden Menschen, dann geschieht in vielen Fällen eben gar nichts, was ein sehr wichtiger Punkt ist.

Wenn zwei Wissenschaftler einander komplett widersprechen, müssen Politiker trotzdem handeln. Sie müssen abwägen zwischen dem Risiko vieler Toter und dem Risiko von Wirtschaftseinbrüchen. Eine Gratwanderung.

Ja, unsere Politiker waren im März wirklich nicht zu beneiden. Ich wünschte mir, dass alle Entscheider in der Politik öffentlich gesagt hätten: „Wir wissen nicht, ob unsere Entscheidung richtig ist oder nicht, aber wir müssen handeln und entscheiden in der gegebenen Situation jetzt eben so oder so. Wir werden die Entscheidung jedoch schonungslos überprüfen und revidieren, wenn sie falsch war“. Deutschlands Politiker haben einen bestimmten Weg eingeschlagen, und wir sollten uns als Bürger zunächst einmal dahinter stellen. Das ist ein Akt der Solidarität, die brauchen wir in Krisen. Wenn sich der Weg später als nicht optimal oder gar als falsch erweist, dann muss das ohne Schuldzuweisung schnellstmöglich revidiert werden. Wenn wir nun aber gar nicht mehr fragen sollen, ob und welche Fehler denn gemacht wurden und werden, dann gehen bei mir als Wissenschaftler und als Bürger einige rote Lichter an.

In der Corona-Krise haben die Verantwortlichen ihre Meinung mehrfach geändert, bei Schulschließungen, Maskenpflicht und der Notwendigkeit von Obduktionen zum Beispiel. Manche Bürger verloren dadurch das Vertrauen in den Staat. Schnell ist sogar von Lügen die Rede.

Einerseits wusste man anfangs, wie gesagt, zu wenig. Das Problem bei Masken und Schutzkleidung war allerdings ein anderes: Wir hatten schlicht keine. Die Bundesregierung hat sträflich vernachlässigt, unser Land auf eine Pandemie vorzubereiten, obwohl sie wusste, dass eine kommen könnte. Die Bundesregierung hat die Studie des RKI über das hypothetische „Modi-SARS“-Virus von 2013, die detailliert vor einer Pandemie warnte, einfach ignoriert. Es wurden nullkommanull Vorsorgemaßnahmen ergriffen, keine Schutzkleidung, keine Masken, viel zu wenig Desinfektionsmittel: keine Bevorratung. Damals hätten wir das alles aus der Portokasse bezahlt, aber unser Katastrophenschutz hat an dieser Stelle verheerend versagt und Corona hat uns daher komplett unvorbereitet getroffen. Das hat Menschenleben gekostet, darüber muss man reden und daraus müssen wir lernen. Konkret: Die Verantwortlichen hätten m.E. sagen können: Wir haben leider versäumt, Schutzmasken zu bevorraten, und jetzt haben wir keine, aber zum Schutz anderer hilft es sehr, wenn ihr wenigstens selbstgenähte Mund-Nase-Bedeckungen tragt. Natürlich war deren Fremdnutzen von Anfang an klar, das weiß jeder Chirurg.

Manche Christen deuten die Krise als Zeichen der Endzeit und die Eindämmungsmaßnahmen als Unterdrückung. In der Offenbarung steht, dass Seuchen die Erde heimsuchen werden – was können wir schon dagegen tun?

Ich teile nicht die Sorge mancher Bürger, auch von Christen, die auf Dauer um ihre Grundrechte fürchten, aber wir sollten durchaus ein scharfes Auge darauf haben, dass nach der Pandemie alle Einschränkungen komplett zurückgenommen werden.

Ich werde auch von Christen manchmal gefragt, was ich von Endzeitdeutungen halte. Zunächst: Ich glaube und hoffe, dass Jesus bald wiederkommt. Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass das mit äußeren Zeichen verbunden sein wird. Jesus sagt: Achtet auf diese Zeichen der Zeit. Er sagt aber auch, dass wir nicht genau wissen, wann diese Zeit kommt.

Deshalb bin ich sehr vorsichtig. Ich denke zwar darüber nach, sage aber auch: Gott, du alleine weißt es. Er wird uns zur rechten Zeit auch die rechten Einsichten geben. Wenn es sich bei der Pandemie um endzeitliche Zeichen handelt, haben wir als Christen aber keinen Grund, Angst zu haben, weil wir wissen, dass Gott trotzdem im Regiment sitzt. Das ist mir sehr wichtig. Und: Nirgends lese ich in der Schrift, dass wir dann die Hände in den Schoß legen sollten. Selbst wenn wir im allerletzten Teil der Endzeit leben sollten, wäre es für uns Christen alternativlos, das Leid so stark wie möglich zu lindern.

Ist die Pandemie denn eine Seuche der Endzeit?

Das würde ich eher verneinen, aber ich weiß es letzlich nicht. Es gab in der Geschichte viel schlimmere Pandemien: die Pestwellen im Mittelalter, die Spanische Grippe 1918 mit 20 bis 50 Millionen Toten. Wir können Gott dafür danken, dass SARS-CoV2 nicht die Tödlichkeit des SARS-CoV-1 von 2003 oder gar des MERS-Virus oder sogar des Ebola-Virus hat. Vielleicht kommen wir nochmal mit einem blauen Auge davon. Gott helfe uns, dass wir daraus nicht nur epidemiologisch, sondern auch geistlich lernen.

Sie sind seit drei Jahrzehnten Professor für Mikrobiologie, und Sie gelten als Kritiker der Evolutionstheorie, vor allem der Makro-Evolution. Sie kennen sich also mit Minderheitenpositionen aus. Werden solche Meinungen in der Wissenschaft klein gehalten?

Minderheitenpositionen haben es immer und überall schwer, auch in den christlichen Gemeinden. In der Regel gewinnt in der Wissenschaft auf Dauer die richtige Position. Aber wer sie als Minderheit vertritt, hat es nicht leicht. Es ist jedoch nicht so, dass Minderheitenpositionen generell unterdrückt werden. Problematisch wird es erst dann, wenn neben wissenschaftlichen Fragen auch weltanschauliche Überzeugungen eine Rolle spielen. Bei der Diskussion um Schöpfung - Evolution geht es im Kern um weltanschauliche Fragen, um eine theistische gegen eine atheistische Weltsicht. Auf die Corona-Debatte lässt sich das nicht übertragen. Hier sind eher Angst und Panik mit im Spiel, vielleicht inzwischen auch politische Ambitionen, aber eher keine Weltanschauung.

Was wünschen Sie sich von der Politik?

Dass sie alle Fakten und Meinungen hört und sorgfältig analysiert, wo Entscheidungen angepasst oder auch ganz revidiert werden müssen. Außerdem wünsche ich mir, dass der Staat mehr Vertrauen in seine Bürger setzt, so blöd sind die Deutschen nicht. Da gibt uns Schweden ein Beispiel. Man kann nie alle überzeugen, aber wenn sich 95 Prozent freiwillig an die Empfehlungen halten, reicht das vielleicht schon, und wir können den „Blockwarten“ und „Bademeistern“ wehren, die derzeit mancherorts auftauchen. Wir sollten staatliche Vorgaben aber auch nicht übererfüllen. Wenn es zum Beispiel um Hygienemaßnahmen bei Gottesdiensten geht, halten wir uns als Christen daran – aber wir sollten nicht in vorauseilendem Gehorsam mehr tun als unbedingt nötig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Siegfried Scherer (65) leitet den Lehrstuhl für Mikrobielle Ökologie am Department für Grundlagen der Biowissenschaften der Technischen Universität München. Er forscht über die Ökologie und Evolution von bakteriellen Krankheitserregern. Als einziger Wissenschaftler wurde er 2005 und 2016 zweimal mit dem Otto von Guericke Forschungspreis ausgezeichnet. Bis 2006 war er Vorsitzender der Studiengemeinschaft Wort und Wissen.

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Tue, 26 May 2020 21:19:00 +0200
<![CDATA[Edeka: Pfingsten ist „ein bedeutendes Fest“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/26/edeka-pfingsten-ist-ein-bedeutendes-fest/ In der aktuellen Ausgabe des Kundenmagazins von Edeka dreht sich nicht alles nur ums Essen. Auf einer Seite im Prospekt informiert der Lebensmittelhändler über das bevorstehende Pfingstfest. In dem kurzen Text heißt es: „Pfingsten ist neben Weihnachten und Ostern das bedeutendste Fest des Christentums.“ Edeka erklärt zudem die Wortherkunft des Pfingstfestes vom griechischen Wort „Pentekoste“, das für 50 Tage – den Zeitraum zwischen Ostern und Pfingsten – stehe. Zur Bedeutung von Pfingsten schreibt Edeka: „In der christlichen Kirche ist Pfingsten das Fest der Entsendung des Heiligen Geistes, das vor mehr als 2.000 Jahren zur Gründung der Kirche führte.“

Neben einem passenden Rezept stellt Edeka außerdem weltliche Pfingstbräuche vor. In manchen Regionen sei das Schmücken eines Ochsen verbreitet. Dieser alte Brauch leite die Ackerbausaison ein. Ein weiterer Brauch sei die Pfingstbraut: Junge Männer müssen hierbei die Zuneigung von jungen Frauen gewinnen, die frühmorgens Wasser aus Bächen und Brunnen holen. Zuneigung sei „ein starkes Symbol, nicht nur in Zeiten wie diesen“, heißt es in Anspielung auf die Corona-Krise im Prospekt.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 26 May 2020 16:03:00 +0200
<![CDATA[Mitteldeutscher Landesbischof findet DDR-Vergleiche zur Religionsfreiheit „völlig daneben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/26/mitteldeutscher-landesbischof-findet-ddr-vergleiche-zur-religionsfreiheit-voellig-daneben/ „Ich will an der Stelle einmal deutlich sagen, dass ich alle DDR-Vergleiche, die jetzt manchmal gezogen werden, völlig für daneben halte“. Das sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, bei einem gemeinsamen Treffen mit weiteren Vertretern der EKM sowie der römisch-katholischen Bistümer in Thüringen und dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linke) am Montagabend, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.

„Dass gerade im Osten Deutschlands die Ministerpräsidenten als allererste die Religionsfreiheit wieder ermöglicht haben, zeigt, dass es hier auch noch ein Bewusstsein gibt, dass es hier andere Zeiten gegeben hat, in denen diese Religionsfreiheit durchaus gefährdet war", ergänzte Kramer. Zu keiner Zeit seien während der Corona-Krise Gottesdienste verboten worden. Vielmehr hätten sich deren Formen geändert.

Kramer reagierte auch auf die Kritik von Thüringens Ex-Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht an den Kirchen. Sie warf den Kirchen in der vergangenen Woche vor, die Menschen in der Krise allein gelassen zu haben. Seit März seien 150.000 Menschen aus anderen Gründen als dem Coronavirus verstorben. „Wo war da das Wort der Kirchen?“, fragte sie in der Tageszeitung Die Welt. Kramer betonte nun, dass es zu jeder Zeit Einzelseelsorge gegeben habe – wenn auch teils nur übers Telefon. Außerdem seien sehr viele Kirchen für Gespräche und Seelsorge offen und nur vereinzelt geschlossen gewesen.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 26 May 2020 12:51:00 +0200
<![CDATA[Glaube, Gehirn und Quantenphysik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/05/26/glaube-gehirn-und-quantenphysik/ Eine Rezension von Jörn Schumacher ]]> „Forscher fanden heraus, dass HIV-positive Patienten, die aufbauende Gedanken und Gefühle hatten, 300.000 Mal mehr Abwehrkraft gegen die Krankheit hatten als diejenigen ohne solche Gefühle.“ Es sind solche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Selbstheilungskräfte und das Gehirn, die das Buch von Caroline Leaf so außergewöhnlich machen. Die gläubige Christin verknüpft neurowissenschaftliches Wissen mit den uralten Weisheiten der Bibel. Und dabei heraus kommt eine Hilfe zur Selbsthilfe, die beides ist: wissenschaftlich interessant und im Glauben stärkend.

Eine Studie der American Medical Association habe ergeben, dass bei 75 Prozent aller Krankheiten Stress ein wichtiger Faktor ist. Und was ist Angst anderes als schlechte Gedanken über die Zukunft, Annahmen, die noch nicht einmal eingetroffen sind? Leaf spricht folgerichtig von „toxischem Denken“, das uns schadet, während die „richtigen“, guten Gedanken uns voran bringen, ja: gesund machen.

Aber nicht nur das: Leaf spricht davon, wie Menschen, die ihrer Empfehlung folgen, nicht nur fröhlicher, sondern auch gesünder und intelligenter werden. Was zunächst wie ein weiterer moderner Ratgeber zur perfekten Selbstoptimierung aussieht, entpuppt sich als ernstzunehmendes Argument für theologische Diskussionen: Was, wenn der Glaube selbst auch nichts anders ist als ein Um-Schalten im Gehirn, eine bewusste Entscheidung, an der uns eigentlich niemand im Universum hindern kann, außer wir selbst?

Leaf bringt immer wieder sowohl wissenschaftliche Forschungsergebnisse als auch Bibelverse für ihre Argumentation an und wägt sie gegeneinander ab. „Alles beginnt im mentalen Bereich, mit unserer Fähigkeit, zu denken und zu wählen – die mächtigste Sache im Universum, gleich nach Gott“, behauptet sie. „Und tatsächlich sind wir damit nach dem Vorbild Gottes gestaltet.“ Soll heißen: Unser Gehirn ist die mächtigste Waffe gegen den Teufel. „Mit unserem Verstand lehnen wir die Lügen des Feindes, des Vaters der Lüge, ab oder glauben sie“, schreibt Leaf und erinnert daran, dass die Schöpfung, genau betrachtet, auch zu allererst ein Gedanke war. Leaf: „Das Denken verändert die Struktur der Materie. Gott sagte: ‚Es werde Licht‘ (1. Mose 1,3), und seine Worte ließen die physische Erde entstehen.“ Gedanken verändern uns, verändern die Welt. Fast so wie Gott Neues erschafft durch sein Wort. Als vielleicht zentralster Bibelvers der These, die Leaf in ihrem Buch vertritt, kann wohl Römer 12,2 dienen: „Und gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens.“

Gedanken haben eine physikalische Realität

In der Tat: Unsere Gedanken sind mächtig. So mächtig, dass sie sogar zukünftige Generationen beeinflussen, wie Leaf ausführt. Unter dem Stichwort Epigenetik fassen Wissenschaftler längst jene Erkenntnisse darüber zusammen, wie ein Organismus seine Lebensweise und Erfahrungen in seinen Genen „abspeichert“ und an seine Nachfahren weitergibt.

Leaf spricht mit ihrem Buch ganz nebenbei auch eine uralte Frage der Philosophiegeschichte an: Ist der Geist nur ein Produkt des Materiellen, sind wir am Ende also nur das, was wir essen, oder tut der Körper nur das, was der Geist will? Für Leaf steht fest: „Die Materie kontrolliert uns nicht; wir kontrollieren die Materie durch unser Denken und unsere Entscheidungen.“ Nicht nur beeinflussen Gedanken laut Leaf die Produktion von Proteinen, sondern sie können auch langfristig in die Gene eingebaut werden, so dass sie Einfluss haben auf nachfolgende Generationen. Neurowissenschaftlich steht jedenfalls fest: Entscheidungen setzten Genexpressionen im Gehirn in Gang. „Das bedeutet, dass du durch Biosynthese Proteine herstellst, und diese Proteine bilden deine Gedanken. Gedanken sind reale, physische Dinge, die geistige Gebäude füllen.“ In Kapitel 7 wagt die Autorin noch einen Ausflug in die Quantenphysik, die in der Tat interessant werden kann in Bezug auf den freien Willen und auf den Glauben an Gott. Aber Vorsicht: Wer empfindlich auf parapsychologische Theorien zu Gedankenlesen und Gebetserhörung reagiert, sollte dieses Kapitel vielleicht überspringen. Nur so viel: „Heisenbergs Unschärfeprinzip ist ein Albtraum für klassische Physiker ...“.

Die Autorin macht deutlich: Gedanken haben eine reale, physikalische Realität, die messbar ist – elektrisch, magnetisch und chemisch – und Auswirkungen hat. Davon spricht schon die Bibel. Immer wieder betonte Jesus die Notwendigkeit, zu allererst das Denken zu ändern. Und selbst der große Schritt des Glaubens selbst – ist er nicht am Ende auch nur ein kleiner Gedanke, entsprungen irgendwo in unserem Gehirn?

Das Buch „Schalte dein Gehirn an“ trägt zwar den etwas missverständlichen Untertitel „Der Schlüssel zu maximaler Zufriedenheit, Denkfähigkeit und Gesundheit“, spricht aber interessante theologische Fragen an und macht Mut, die Bibel im Hinblick auf moderne neurowissenschaftliche und quantenphysikalische Erkenntnisse neu zu lesen. Das Schöne: Allzu wissenschaftlich wird die Sprache nicht, der Leser versteht Leafs Gedankengänge auch ohne Grundstudium Biologie oder Physik. Es lohnt sich in jedem Fall für einen gläubigen Menschen, über die Verflechtung der Neurowissenschaft mit der Bibel nachzudenken. Das Buch „Schalte dein Gehirn an“ kann ein Anfang dazu sein.

Dr. Caroline Leaf: „Schalte dein Gehirn an. Der Schlüssel zu maximaler Zufriedenheit, Denkfähigkeit und Gesundheit“, Grace today, 272 Seiten, 17 Euro, ISBN 9783959331524

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Tue, 26 May 2020 12:31:00 +0200
<![CDATA[Woran die kirchliche Sprache krankt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/05/26/woran-die-kirchliche-sprache-krankt/ Eine Rezension von Martin Schlorke]]> Zu weltfremd, zu inhaltsleer, zu alt, zu unverständlich: Die Sprache der Kirche sieht sich viel Kritik ausgesetzt. Dass dies nicht zu Unrecht der Fall ist, beschreiben Jan Feddersen und Philipp Gessler in ihrem Buch „Phrase unser“. Gewissermaßen sei die kirchliche Sprache Fluch und Segen zugleich, stellen die Autoren fest. Zum einen stelle sie das wichtigste Mittel der Verkündigung dar. Ohne Sprache sei Kirche nicht denkbar. Auf der anderen Seite sei zu beobachten, dass kirchenfremde Menschen die Sprache nicht mehr verstünden. Die zentrale Aufgabe, nämlich die Verbreitung des Evangeliums, leide darunter.

In „Phrase unser“ ergründen die Journalisten Feddersen und Gessler systematisch die Problematik und Herausforderungen hinter dem Phänomen der kirchlichen Sprache. Interessant dabei sind die vielen Einflüsse, die auf die Sprache Einfluss genommen haben und im Buch thematisiert werden. So spiele beispielsweise in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts die „Sozialpädagogisierung der kirchlichen Sprache“ eine entscheidende Rolle. Die pädagogische Sprache sickerte gewissermaßen in die Kirchen ein. Sie sei weich oder ungenau. Hierarchien und Machtverhältnisse würden nicht benannt. Sie ersetzte die missionarische, pathetische und bildgewaltige Sprache aus den Fünfzigerjahren. Durch ein zeitgleich stärker werdendes karitatives Interesse der Kirchen wurden außerdem Randgruppen mehr angesprochen. Die Mehrheit rutschte ein Stück weit aus dem Fokus.

Neben Unterschieden zwischen katholischer und evangelischer Kirche wird im Buch auch zwischen verschiedenen Milieus innerhalb der beiden großen Kirchen unterschieden.

Im Buch finden sich eine Vielzahl an Aussagen und Einschätzungen von Fachleuten und Kirchenkennern wieder, die teilweise verschiedene Ansichten vertreten. Es wird deutlich: Die Autoren arbeiten sich nicht einfach an Kirche ab, sondern versuchen den Ist-Zustand zu analysieren und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Dabei wird ebenfalls die Sprachentwicklung im kirchlichen Kontext der letzten Jahrzehnte zu Rate gezogen. Diese wird weniger anhand von Beispielen erklärt, als vielmehr mit Eigenschaften beschrieben.

Mit alter Poesie in die Zukunft

Diese Zukunft, beziehungsweise die der kirchlichen Sprache, habe trotz ihrer Schwächen viel Potential und Stärken, meinen die Autoren. Eine solche Chance sehen sie beispielsweise in der Poesie der Psalmen oder der bildhaften Sprache des Propheten Jesaja. Bei so einer Sprache sei es gar nicht unbedingt notwendig, Jesus oder Gott explizit zu nennen. Die bildgewaltige Sprache könne auch ohne göttliche Nennung auf den Schöpfer verweisen.

„Vielleicht“, so schlussfolgern die Autoren, „fehlt es den Kirchen an Vertrauen in die Schönheit und Kraft ihrer Bilder und Rituale“. Diese Leere versuchten Kirchenvertreter mit Worten zu füllen, die das aber gar nicht zu leisten vermöchten. Es gehe nicht darum, einfach eine moderne Sprache zu verwenden. Entscheidend sei, dass die Sprache von Glauben, Leben und Leidenschaft getragen werde. Davon sprechen viele Psalmen.

Wörterbuch für Kirchensprache

Auch wenn Feddersen und Gessler keine Patentlösung parat haben, leisten sie mit Hilfe des Buches einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der kirchlichen Sprache. Als kleines Schmankerl beinhaltet das Buch ein Glossar, welches typische kirchliche Sprache in einzelnen Worten beinhaltet. Diese werden – ohne Abwertung – in kurzen Absätzen erklärt. Vielmehr ist es ein Nachschlagewerk, um Begriffe wie „Austausch“, „dankbar“ oder „kostbar“ in ihrer kirchlichen Bedeutung zu verstehen. So sei Dank die Antwort auf gute Dinge, die das Leben erträglicher machen. Während der wiederholte Dank im staatsbürgerlichen Sinne eher unpassend sei, verdiene er im christlichen Kontext größeres Gewicht. „Kostbar“ finde sich in der kirchlichen Sprache erst in der jüngeren Zeit wieder und beschreibe eine besondere Qualität.

„Phrase unser“ ist für all die zu empfehlen, die Hintergründe zur kirchlichen Sprache erfahren und sie an die Umstände unserer Zeit anpassen wollen – ohne stumpf Anglizismen aneinanderzureihen.

Jan Feddersen, Philipp Gessler: „Phrase unser. Die blutleere Sprache der Kirche“, Claudius, 284 Seiten, 20 Euro, ISBN 9783532628447

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Tue, 26 May 2020 10:58:00 +0200
<![CDATA[„Der Machermensch stößt an seine Grenzen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/25/der-machermensch-stoesst-an-seine-grenzen/ In Psalm 90 heißt es: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Dieser Satz werde durch die Corona-Krise im Alltagsleben vieler Menschen greifbar, schreibt der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Montag in einem Essay in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Diese Krise zwinge zu der Einsicht, „dass auch unser modernes Leben gefährdet und bedroht ist von Kräften, die stärker sind als all unsere medizinische Kompetenz und unser vieles Geld.“

Der „Machermensch, der doch alles kann und will und schafft, wird plötzlich wieder daran erinnert, wie gefährdet das Leben ist und wie schnell er an die Grenzen des Lebens stoßen kann.“ Auch der Glaube an Gott zeige diese Perspektive auf: Der Mensch sei ein Geschöpf mit endlichen Möglichkeiten. Die Kirche müsse auch nach der Krise dazu ermutigen, diese Grenzen zu sehen und die Frage nach Gott und dem Sinn des Lebens zu stellen.

Aufruf zu entschiedener Klimapolitik und gerechter Wirtschaft

Bedford-Strohm ruft außerdem zu Zuversicht und Gemeinsinn auf und dazu, den persönlichen und gesellschaftlichen Lebensstil zu überdenken. Der müsse sich an die „Grenzen des Planeten“ anpassen. „Der Raubbau an der Natur und das immer weitere Vordringen in die Lebensräume der Tiere befördert nicht nur den Klimawandel, sondern hat vermutlich auch sehr viel mit der Übertragung von tödlichen Krankheiten wie dem Coronavirus zu tun“, schreibt der Bischof. Aus der Corona-Krise müsse sich „beim Neustart eine Globalisierung der Verantwortung“ entwickeln. Das bedeutet für Bedford-Strohm unter anderem: eine noch entschiedenere gemeinsame Klimapolitik der Weltgemeinschaft und ein gerechtes Wirtschaftssystem. Die Kirche habe seit jeher aus dem Glauben die Aufgabe abgeleitet, den „globalen Zusammenhang der Menschheit und der Natur im Blick zu behalten und zu bewahren“.

Der EKD-Ratsvorsitzende verteidigte in dem Text auch, dass die Kirche die Coronamaßnahmen inklusive Einschränkungen bei Gottesdienstfeiern ohne Widerspruch hingenommen hatte. Freiheit bedeute für ihn, immer den Nächsten im Blick zu haben. Es könne dabei nicht um eigene Interessen gehen. „Freiheit geht im christlichen Verständnis immer einher mit Liebe und Verantwortung“, schreibt Bedford-Strohm und macht deutlich, dass deshalb für die Kirche die Frage zentral gewesen sei, wie das Gesundheitssystem angesichts einer tödlichen Epidemie vor dem Kollaps bewahrt werden kann; und wie Menschen in dieser Situation Hoffnung und Trost finden können.

Corona-Krise keine Strafe Gottes

Dass das Virus eine Strafe von Gott sein könnte, weist Bedford-Strohm zurück. Gott habe sich in Jesus Christus gezeigt – und der habe nicht getötet, sondern Menschen geheilt. Das Vertrauen darauf, dass Gott in der Krise da ist und dass man auch im Tod bei Gott geborgen sein kann, habe viele Menschen in der Corona-Krise getragen. Der Osterruf, dass Jesus auferstanden ist und der Tod nicht das letzte Wort habe, sei in dieser Zeit umso wichtiger gewesen.

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, meldete sich am Montag mit einem Gastbeitrag in den Zeitungen der Verlagsgruppe Rhein Main zu Wort und betonte ebenfalls, dass die Corona-Krise keine Strafe Gottes sei. Er reagierte damit auf Kritik, die Kirchen würden zu einer geistlichen Deutung der Krise schweigen. Jung betonte, die „Geschichte des Jesus von Nazareth zeigt eindrücklich, dass Gott unmissverständlich an der Seite der leidenden Menschen und der leidenden Schöpfung bleibt“. Gott habe die „Chaosmächte“ nicht aus der Welt geschafft, aber er halte sie im Zaum. Die Spannung darin bleibe ein Geheimnis Gottes.

Die Krise sei ein Ruf zur Umkehr, schreibt Jung. „Es ist nicht gut, wenn Menschen sich in trügerischer Selbstsicherheit gebärden.“ Wichtig sei, nach den eigenen Grenzen zu fragen und danach, wie sich die Welt „zu einer guten Welt für alle machen lässt“.

Von: Jonathan Steinert

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Mon, 25 May 2020 16:09:00 +0200
<![CDATA[Joachim Wagner: Mit Islamverbänden sprechen, sie aber nicht finanzieren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/05/25/joachim-wagner-mit-islamverbaenden-sprechen-sie-aber-nicht-finanzieren/ Islamische Vereinigungen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden, sollten nicht in Beiräten an Schulen und Universitäten mitwirken. Das schreibt Joachim Wagner in der Welt unter der Überschrift „Den politischen Islam in die Schranken weisen“. Wagner war Leiter und Moderator des NDR-Magazins „Panorama“ und stellvertretender Chefredakteur des ARD-Hauptstadtstudios. Zuletzt erschien die Neuauflage seines Buches „Die Macht der Moschee. Scheitert die Integration am Islam?“.

Der Journalist sieht eine „Orientierungslosigkeit unserer Gesellschaft und Politik im Umgang mit dem politischen Islam“, denn der konservative Verbandsislam leite aus der Religion einen Herrschaftsspruch für die gesamte Gesellschaft ab, so Wagner. Damit sei er „ein Gegenentwurf zum säkularen demokratischen Rechtsstaat“.

So sei etwa bekannt, dass in Moscheen der Ditib, der Islamischen Gemeinschaft Milli Görus (IGMG) und der national-konservativen „Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine in Europa“ (ATIB) für den Sieg der Türkei in Nordsyrien gebetet worden war. Doch Forderungen, diese Organisationen aus der Deutschen Islamkonferenz auszuschließen, seien bisher verhallt.

Wagner warnt, dass die Ditib religiös, politisch, personell und finanziell von Ankara anhängig sei. Sie versuche, die aus der Türkei vorgegebenen Ziele hierzulande auch in Moscheegemeinden, in der Islamkonferenz und in Beiräten umzusetzen. Außerdem habe sich die Organisation nach dem türkischen Putsch im Sommer 2016 „von einem respektierten Gesprächspartner der Bundes- und der Landesregierungen in einen verlängerten Arm der Erdogan-Autokratie verwandelt“, so Wagner. Seitdem leide der religiös-konservative Verbandsislam insgesamt an einem Ansehens- und Bedeutungsverlust.

Islamische Verbände nicht wie Kirchen organisiert

Wagner kritisiert weiter, dass die Ditib in den sogenannten konfessorischen Beiräten der Zentren für islamische Theologie unangefochten sei. In den Universitäten Münster, Tübingen und Osnabrück entschieden in den Beiräten Ditib-Vertreter über Berufungen und Studiengänge. Auch bei der „Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands“ (IGS), die Mitglied in der Islamkonferenz ist und mit Bundesmitteln gefördert wird, müsse man beachten, dass das Mullahregime den Export der islamischen Revolution offen propagiert. Die IGS sei ähnlich wie die Ditib „religiös, finanziell, personell und politisch“ abhängig, und zwar von Teheran. Die deutsche Ethnologin Susanne Schröter habe gewarnt, dass Khameneis Erfüllungsgehilfen hierzulande „antisemitisch, homophobisch, frauenfeindlich und antiwestlich“ eingestellt seien.

Die Kommunikation mit muslimischen Verbänden wie Ditib und IGS stärkten deren Ansehen und Legitimität und relativierten dadurch nationalistische, islamistische und integrationsfeindliche Strömungen, so Wagner. Der Journalist fordert daher eine Trennung zwischen der Kommunikation mit den Organisationen und deren finanzieller Unterstützung. Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Vorstand der IGS ins Schloss Bellevue einlade, sei das „grenzwertig“, wenn dort nicht zugleich der muslimische Antisemitismus angesprochen werde.

Wagner betont, dass es im Islam keine kirchenähnlichen Organisationen mit repräsentativer Legitimation gibt, daher gebe es als Ersatz die Beiräte. Doch denen müssten klare Grenzen gesetzt werden: keine Abhängigkeit von Herkunftsstaaten, kein Antisemitismus, keine Missachtung des Grundgesetzes und die Achtung der freiheitlichdemokratischen Grundordnung.

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 25 May 2020 14:28:00 +0200
<![CDATA[„Hätten auf Gesang verzichten sollen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/25/haetten-auf-gesang-verzichten-sollen/ Nachdem der Corona-Ausbruch in einer Frankfurter Baptistengemeinde deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt hat, veröffentlicht die Gemeinde der „Evangeliums Christen“ nun auf ihrer Webseite Details zum Gottesdienstablauf. Darin heißt es: „Im Nachhinein betrachtet wäre es für uns angebracht, beim Gottesdienst Mund-Nasen-Schutz-Bedeckungen zu tragen und auf den gemeinsamen Gesang zu verzichten.“

In der Stellungnahme betont die Gemeinde aber auch, auf Hygienerichtlinien geachtet zu haben. So sei der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten worden. Außerdem haben die Gottesdienstbesucher separate und kontrollierte Ein- und Ausgänge genutzt. Im Gebäude habe man für ausreichend Desinfektionsmittel gesorgt. Die hohe Anzahl an Ansteckungen sei vornehmlich auf die großen Familien der Gemeinde zurückzuführen. Außerdem sei die Gemeinde nach Bekanntwerden der Infektionen wieder auf Online-Gottesdienste umgestiegen.

Nach Angaben von Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) infizierten sich nach dem Gottesdienst in der Gemeinde mindestens 107 Menschen mit dem Coronavirus. Die Menschen lebten ersten Erkenntnissen zufolge in Frankfurt und drei hessischen Landkreisen. Der Gottesdienst war bereits vor rund zwei Wochen.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 25 May 2020 14:07:00 +0200
<![CDATA[Nach Corona-Fällen in Baptistengemeinde: Zahl der Infizierten erhöht sich auf 107]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/24/nach-corona-faellen-in-baptistengemeinde-zahl-der-infizierten-erhoeht-sich-auf-107/ Nach Angaben von Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) infizierten sich nach dem Gottesdienst in einer Gemeinde der Baptisten in Frankfurt mindestens 107 Menschen mit dem Coronavirus. Die Menschen lebten ersten Erkenntnissen zufolge in Frankfurt und drei hessischen Landkreisen. Der Gottesdienst war bereits vor rund zwei Wochen. Es handelt sich um eine Gemeinde der Evangeliums Christen (Baptisten).

Die meisten hätten sich nicht bei sondern nach dem Gottesdienst zu Hause angesteckt, sagte Frankfurts Leiter des Gesundheitsamts, René Gottschalk, zu den Fällen in seiner Stadt. „Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus.“ Die Einzelfälle würden nachverfolgt. „Wir haben das gut im Griff.“

Wie viele Besucher zu dem Gottesdienst am 10. Mai gekommen waren, war zunächst nicht bekannt. Es seien aber alle Regeln eingehalten worden, hieß es von der Gemeinde laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden.

Gottesdienste vorerst nur im Internet

Wie ein Reporter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) berichtet, stehe noch deutlich sichtbar ein Schild vor dem Gemeindehaus: „Bitte halten Sie 1,5 Meter Abstand. Vielen Dank.“ Weiter heißt es: „Was genau sich in dem schmucklosen Gebäude mit dem Metallkreuz an der weißen Front vor zwei Wochen abgespielt hat, ist noch nicht ermittelt.“

Beim Veranstalter des Gottesdienstes handele es sich um einen Verein namens „Gemeinde Evangeliums–Christen–Baptisten Frankfurt e.V.“. Wie viele Mitglieder der Verein hat, sei unklar. „Es dürften mehr als 100 sein, die meisten Deutschrussen. Die Homepage ist zweisprachig. In dem Internet-Gottesdienst folgt auf einen deutschen Text ein russisches Lied.“

Weil es hier enge, fast familiäre Bindung gebe, sei zu vermuten, dass die Verbreitung des Virus nicht unbedingt nur im Gottesdienst stattfand, sondern durch die engen Kontakte der Gemeindemitglieder. Die Gottesdienste hat die Gemeinde vorerst auf Übertragungen im Internet beschränkt.

Von: Jörn Schumacher/dpa

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Sun, 24 May 2020 19:13:00 +0200
<![CDATA[Open-Doors-Tag online]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/05/24/open-doors-tag-online/ Der Open-Doors-Tag fand wie geplant auch in diesem Jahr statt. Wegen der Coronakrise musste die Veranstaltung allerdings ausschließlich als Video-Stream übertragen werden, es gab eingebundene Videos auf der Webseite von Open Doors, bei YouTube, Facebook und Instagram. Darüber hinaus wurde der Open-Doors-Tag auf BibelTV ausgestrahlt.

Zu Beginn der Veranstaltung würdigten die Mitarbeiter den Gründer der Organisation, Anne van der Bijl („Bruder Andrew“), der eine Woche zuvor seinen 92. Geburtstag feiern konnte. Ein Satz von Bruder Andrew habe ihn besonders geprägt, sagte der Open-Doors-Vorstandsvorsitzender Markus Rode, der lautete: „Mit Gott bist Du immer in der Mehrheit.“

Rode führte in seiner Eröffnungsrede aus: „Open Doors ist seit über 60 Jahren in mehr als 60 Ländern weltweit tätig, um verfolgten Christen zur Seite zu stehen.“ Er sprach über Vergebung, die verfolgte Christen ihren Peinigern gegenüber leisten müssen und können. Bei der Live-Veranstaltung sprachen mehrere Redner über ihre eigenen Erfahrungen als verfolgte Christen, manche von ihnen waren vor Ort, andere wurden per Video-Übertragung dazugeschaltet. Die Redner kamen etwa aus Kenia, Pakistan, aus Ägypten und der Türkei. Dazwischen gab es Lobpreis-Lieder der Outbreak-Band.

„Die Hilfe kommt an“

Als „Special Guest“ war Pastor Abdallah aus Aleppo angereist, der Leiter der dortigen Evangelischen Allianzkirche ist. Rode berichtete vorab von seiner eigenen Reise nach Aleppo, die er vor einem halben Jahr gemacht hat. „Der Krieg hat in Syrien mehr als 500.000 Menschen das Leben gekostet. Große Teile der Städte sind zerstört“, heißt es im Film, den Open Doors dort gedreht hat. Man könne in Syrien das Leid und die Traumata sehen, die der Krieg hinterlassen hat. „Die Gemeinden leisten hervorragende Arbeit, die Menschen mit der Liebe Jesu zu erreichen und ihnen zu helfen“, so Rode. Auch die Corona-Pandemie sei in Syrien angekommen. „Mit der Unterstützung auch vieler Christen aus Deutschland hilft Open Doors syrischen Gemeinden, ihre Mitglieder mit dem Nötigsten zu versorgen.“

Pastor Abdallah konnte berichten, dass die Hilfe der Christen weltweit vieles in seiner Gemeinde verändere. Seit der Krieg zu Ende sei, sei die Sicherheit der Menschen insgesamt etwas besser geworden, berichtet Abdallah. „Aber die wirtschaftliche Krise, die seit zehn Jahren anhält, wird schlimmer.“ Viele junge Menschen, auch junge Christen, verlassen deswegen das Land, berichtet Abdallah. Doch auf der anderen Seite kämen immer mehr Menschen aus anderen Kulturen in die christliche Gemeinde. „Wir haben heute sehr viele kurdische Familien“, so der Pastor.

Von: Jörn Schumacher

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Sun, 24 May 2020 12:43:00 +0200
<![CDATA[„Dein ist der Strom“ – Die „Church of Tesla“ verehrt Elon Musk]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2020/05/23/dein-ist-der-strom-die-church-of-tesla-verehrt-elon-musk/ Elon Musk, der in Südafrika geborene Gründer zahlreicher Firmen, sorgt seit vielen Jahren für Überraschungen auf den Märkten. Vielen ist er vor allem bekannt als Gründer des Elektro-Autoherstellers „Tesla“, benannt nach dem 1943 verstorbenen Elektroingenieur Nikola Tesla, ebenfalls ein exzentrischer Erfinder, der sich oft nicht an die üblichen Gepflogenheiten seiner Zunft hielt.

Musk, der über Twitter regelmäßig für Verwunderung angesichts neuer Ideen und Angst bei seinen Anlegern sorgt, hat weltweit zahlreiche Fans. Die feiern etwa seit kurzem am 20. April den „Elon Musk-Tag“. Ab sofort soll dieser Tag unter dem Stichwort #ElonMuskDay jährlich begangen werden. Das Datum geht zurück auf einen Witz, den Musk einmal über den Preis von 420 Dollar pro Tesla-Aktie machte. Die Zahl 420 in Bezug auf Tesla verselbstständigte sich, und daraus wurde 4/20, nach englischer Lesart der 20. April.

Nun gründeten Fans die „Church of Tesla“: „Eine Religionsgemeinschaft zu Ehren eines der ungewöhnlichsten Erfinder und Unternehmer der Geschichte“, wie die Gründer selbst sagen. Die „Tesla-Kirche“ huldigt nach eigener Aussage dem „Herrn und Erlöser“, der „die Welt elektrisiert“. Auf der deutschsprachigen Webseite prangt das Foto von einem Tesla-„Altar“. Zu sehen sind ein Modell eines Tesla-Modells, Papp-Aufsteller des Angebeteten, ein Heiligenbild, das dem Unternehmer auffällig ähnlich ist, eine Felge und andere Devotionalien, die zum Unternehmen gehören.

Umweltschutz und Elektromobilität

Die Gründer teilen mit, dass es nicht nur um die religiöse Verehrung des amerikanischen Unternehmers gehe. „Die Church of Tesla ist eine, gerade in Gründung befindliche, Religionsgemeinschaft mit der göttlichen Aufgabe, die Lehren unseres Erlösers zu verbreiten und ihm und all seinen weltlichen Projekten unsere Unterstützung zukommen zu lassen.“ Eine Aufgabe bestehe darin, „durch Aufklärung, Forschung und Entwicklung die Vision einer nachhaltigen Energie- und Verkehrswirtschaft“ zu fördern. Die Gesellschaft müsse sich ausschließlich regenerative Ressourcen zu nutze machen, heißt es weiter. Zudem müsse die Infrastruktur von Lade-Stationen „als Teil eines gesamtheitlichen und nachhaltigen Umweltschutzkonzeptes“ gefördert werden. Auch solle es „Informations- und Diskussionsveranstaltungen“ zu den Themen Elektromobilität und Umweltschutz geben.

Entsprechend einer Kirche präsentiert die „Church of Tesla“ auch ein Gebet namens „Elon unser“; darin heißt es: „Elon Musk in Übersee, geheiligt werde dein Tesla. Dein Roadster komme. Dein Boring geschehe, wie im Space-X, so auf der Straße. Unser täglich Neuralink gib uns heute. Und vergib uns unser Supercharging, wie auch wir vergeben gelegentliche Reboots. Und führe uns nicht an die Tankstelle, sondern erlöse uns von fossilen Kraftstoffen. Denn dein ist der Strom, und die Beschleunigung, und der Autopilot, im CYBRTRK Update.“

Auch zehn Gebote hat die Kirche aufgestellt, die unter anderem fordern: „Du sollst keinen Verbrenner besitzen“ (5. Gebot) und „Du sollst nicht falsch Zeugnis im Internet verbreiten, sondern aufklären über die Mission Teslas und die Wunder der Elektromobilität“ (8. Gebot).

Raumfähre, Tunnel und Elektroautos

Elon Musk wurde am 28. Juni 1971 in Pretoria, Südafrika, geboren. Mit zwölf verkaufte er sein erstes selbst programmiertes Computerspiel. Mit 16 wanderte er gemeinsam mit seinem Bruder nach Kanada aus. Er studierte in Philadelphia Physik, später in Palo Alto in Kalifornien und an der Stanford University, er gab sein Studium jedoch auf, um stattdessen ein eigenes Internetunternehmen zu gründen. Der Unternehmer wurde wohlhabend durch seine Beteiligung an der Gründung des Online-Bezahlsystems PayPal. Musk gründete zudem das Raumfahrtunternehmen „SpaceX“. Seine Firma zur Herstellung des Elektroautos „Tesla“ bescherte ihm zudem großen Erfolg auf dem Markt der E-Autos. Seit längerem plant Musk bemannte Flüge auch zum Mars.

Musk war drei Mal verheiratet, aus erster Ehe hat er fünf Söhne (Zwillinge und Drillinge). Seit einigen Jahren ist Musk mit der kanadischen Sängerin Grimes liiert, mit der er einen Sohn hat, dessen Name beide mit „X Æ A-12“ angaben. Musk wohnt in Los Angeles, doch stellte er sein Anwesen im Mai 2020 zum Verkauf.

Im Jahr 2004 gründete Musk die Firma Tesla und sorgte mit dem gleichnamigen Elektroauto für eine große Nachfrage auf dem Markt. Im November 2019 kündigte Musk anlässlich der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ an, im deutschen Grünheide südöstlich von Berlin, in der Nähe des Flughafens Berlin Brandenburg, eine Fabrik errichten zu wollen. Der Bau soll in Kürze beginnen, es sind über 3.000 neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Zu den weiteren Firmen, die Musk gründete, gehört „The Boring Company“ und „Hyperloop“, mit denen Tunnel entwickelt werden, in denen Transporter Menschen und Fracht schnell von einem Ort zum anderen transportieren. Derzeit befinden sich Tunnel rund um Los Angeles sowie Verbindungen zwischen New York, Philadelphia, Baltimore und Washington, D.C. in der Entwicklung.

In Form von Aktien nur allein an den eigenen Firmen Tesla und SpaceX ist Musk mehrfacher Milliardär und damit einer der reichsten US-Bürger. Das Magazin Forbes schätzte sein Vermögen im Jahr 2017 auf 20,7 Milliarden US-Dollar. Im Mai 2020 kündigte er an, seine „physischen Besitztümer“ verkaufen zu wollen, also vor allem seine Häuser, um stattdessen in einer kleineren Wohnung zur Miete zu wohnen.

Von: Jörn Schumacher

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Sat, 23 May 2020 12:10:00 +0200
<![CDATA[„Gott schuf Himmel und Berge“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/05/23/gott-schuf-himmel-und-berge/ Sie stand als erste Schweizerin auf dem Mount Everest, ist mit dem Fahrrad und zu Fuß bis zum Südpol gereist und über die zugefrorene Arktis zum Nordpol gewandert. Begonnen hat die Extremsportlerin mit Leichtathletik. Dann kam das Bergsteigen. „Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht einerseits, andererseits war es sauanstrengend. Das gefiel mir.“ Die „komischen Knickerbocker mit roten Socken“ der Kindheit tauschte sie gegen Jeans, T-Shirt und Laufschuhe. Die Strecken, die sie zuvor mit den Eltern abgewandert war, konnte sie bald joggen.

Im Alter von 22 Jahren durchstieg sie die Eigernordwand im Winter. Die rund 1.800 Meter hohe Steilwand des Berges gilt unter Bergsteigern als eine der schwierigsten Routen überhaupt. 1991 erhielt Binsack ihr Diplom als Bergführerin. Da war die Schweizerin aus dem Kanton Nidwalden gerade 24 Jahre alt und eine von lediglich fünf Bergführerinnen in Europa. 1998 machte sie zudem eine Ausbildung zur Helikopterpilotin. Aber die Berge blieben ihre Leidenschaft. Sie empfindet, dass Berge ein bestimmtes Naturell haben. Beim Anblick des Fitz Roy in Patagonien hatte sie das Gefühl, dass sich der Berg wie eine Barriere vor ihr auftürmt, „wie ein Macho, der sagt: ‚Schaue mich an. Ich bin der Größte und lasse mich nicht besteigen.‘“ Berge könnten aber auch „lieblich“ oder „recht weiblich“ erscheinen. „Jeder Berg hat seine Persönlichkeit. Und der allerstärkste Charakter, das ist der Mount Everest.“

Ihre klaren kristallblauen Augen blitzen hellwach und freundlich, als sie pro am Rande des Willow-Creek-Leitungskongresses davon erzählt. Sie trägt dezenten Silberschmuck. Mit Steinchen besetzte Ohrringe, ein kleines Kreuz und ein Ginko-Blatt an einem Kettchen. „Ich bin immer ein bisschen von mir selbst weggerannt“, sagt Binsack. Das weiß sie aber erst heute.

Im Grenzgebiet zwischen Leben und Tod

Den mächtigen Everest und seine Präsenz habe sie förmlich spüren können, sagt sie. Höhenbergsteigen ist Bergsteigen gegen die Zeit und hat ein Ziel: Überleben. Die Gipfelregion verlangt von den Alpinisten wegen der tückischen Gletscherspalten, todbringenden Lawinen und Steinschläge und fast senkrechten Felswänden physische und psychische Höchstleistungen. „Der Körper beginnt ab 7.000 Meter langsam zu sterben“, erklärt Binsack. Denn wegen der Höhe – auf 8.000 Meter fliegen Passagierflugzeuge – und des geringen Luftdrucks, kann die Lunge das Blut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Der Körper baut ständig ab, ein dauerhafter Aufenthalt ist unmöglich. Bergsteiger nennen den Bereich deshalb „Todeszone“. Heute suchen viele Menschen genau diese Grenzlinie zwischen Leben und Tod. Deshalb hat sich der Berg zum Touristenziel entwickelt. Hunderte starben bereits am Everest an Erschöpfung, der Höhenkrankheit – oder stürzten in den Tod. „Wer nur vom Ego getrieben wird – dem Wunsch nach Ruhm und Anerkennung –, kann am Berg leicht umkommen“, sagt die Alpinistin. Selbstkontrolle sei zum Überleben am Berg unerlässlich. Präsent sein in der Situation, nicht in der Angst, ebenso.

Nach 52 Tagen Gewöhnung an die Höhe erreichte Binsack 2001 von tibetischer Seite aus bei Sonnenaufgang den Gipfel auf 8.848 Metern über dem Meeresspiegel. Die letzte Etappe legte sie allein zurück. Auf dem Gipfel war die Alpinistin erfüllt von Staunen, Glück und Erleichterung. Nach wenigen Minuten hätte sie wieder absteigen müssen, damit der Sauerstoff für den Rückweg von zehn Stunden bis zum Basislager reichte. Trotzdem blieb sie über eine Stunde oben, so sehr hat sie dort die Zeit vergessen. Beim Abstieg passierte sie drei tote Bergsteiger, eingefroren und als mahnende Wegmarken konserviert. Die Silhouette eines Toten, des „Waving Man“, hat sich in ihre Erinnerung eingebrannt. Der hockte in etwa 8.700 Meter Höhe zu Eis erstarrt auf den Knien. „Eine Hand in der Luft, als würde er winken“, erinnert sich Binsack nachdenklich. „Es sah aus wie ein Hilferuf. Jedes Mal, wenn ich an ihn denke, spüre ich das am Solar Plexus.“

Scharten in der Seele

Ihre eigene Widerstandsfähigkeit und der Drang nach Freiheit und Bewegung liegen in ihrer Kindheit begründet. Binsack ist aufgewachsen in einer Familie mit einem „gefühlskalten Vater und einer liebenden Mutter“, erzählt sie. Die Mutter war katholisch, der Vater Atheist. Beide sind mittlweile tot. Der Vater erzog die Kinder mit „Angst und Aggressivität“, brüllte sie an. „Erst hat er geschlagen, später musste er nur noch mit dem Schlagen drohen“, berichtet Binsack in einem Referat auf dem Willow-Creek-Leitungskongress in Karlsruhe. Er sei kein böser Mensch gewesen, wertet sie rückblickend, er habe es nicht anders gelernt. Ein guter Freund der Familie brachte dem Mädchen bei Besuchen dann und wann kleine Geschenke mit. Der Mann wurde mit der Zeit zum Ersatzvater. „Irgendwann hat er sich an meinem Körper bedient“, berichtet die Powerfrau erstmals öffentlich und unter Tränen. Mit den sexuellen Übergriffen war die junge Frau damals „völlig überfordert“, erzählt sie. Sie hatte nie gelernt, „Nein“ zu sagen und sich zu wehren.

„Nein zu sagen bedeutete, dass ich emotional im Stich gelassen wurde. Dass ich unsichtbar war, dass ich schlecht war, dass ich eine Missgeburt war.“ Sie konnte nicht entfliehen und war vor Furcht und Angst förmlich erstarrt in der Situation. „Das war keine gute Strategie“, resümiert sie. Mit 17 Jahren verließ sie das Elternhaus. Es blieb eine „innere Aggression“, eine Energie. „Es fühlte sich an, als würden tausend rote Ameisen durch meinen Körper krabbeln.“ Die junge Frau fühlte sich „kribbelig und nervös“, stand vor dem „Explodieren“ und hatte das Bedürfnis, „losrennen“ zu müssen, formuliert sie es. Sie folgte dem Drang nach Bewegung und begann, exzessiv Sport zu treiben. Mit dieser „Energie der Ameisen“ wurde sie am Berg sehr schnell sehr gut und konnte Kraftreserven gerade dann freilegen, wenn sie eigentlich schon am Ende war. In Extremsituationen habe sie einen „Turbolader“. Binsack konnte die schlechten Erfahrungen der Kindheit umwandeln in eine psychische Widerstandsfähigkeit, mit der sie heute Krisen bewältigen kann.

Der Missbrauch hat Scharten in ihrer Seele hinterlassen. Das ist der bedächtigen und nachdenklichen Frau bewusst. „Die Fragmente der Zerstörung hole ich über die Expeditionen zurück“, sagt sie. In der Natur, im Abenteuer, am Berg kann sie sich spüren. Sie kann sich heute wieder selbst akzeptieren und auch damit umgehen, dass sie sich als junge Frau selbst nicht schützen konnte vor den Übergriffen. Damit hatte sie lange zu kämpfen. Sie hat auch gelernt, sich und anderen zu vergeben. Sie könne nicht anderen vorangehen, aber das eigene Leben nicht im Griff haben. „Als Bergführerin muss ich mich zuerst selbst führen können, wenn ich Gäste über einen schwierigen Grat oder Berg führen möchte. Erst dann kann ich Verantwortung für meinen Gast übernehmen.“

Mit Gebeten durch die Eiswüste

Am 1. September 2006 brach sie mit dem Fahrrad zum Südpol auf. 25.000 Kilometer. Sie erreichte ihn mithilfe von Rad, Skiern, Schlitten und zu Fuß am 28. Dezember 2007. Kurz vor dem Ziel, also bei 200 verbliebenen Kilometern, brach sie vor Erschöpfung zusammen. Sie spürte, der Tod war ihr ganz nah. Bei ihren Strapazen und dem eintönigen, stundenlangen Laufen durch die Eiswüste erinnerte sie sich an Gebete, die sie als katholisch erzogenes Kind gelernt hatte: das Vaterunser, das Rosenkranz-Gebet und andere. „Als ich nicht mehr wusste, was ich denken sollte, habe ich angefangen, regelmäßig zu beten“, sagt sie in einem Interview von ERF Schweiz. Sie begann, diese Gebete immer wieder vor sich herzusagen.

Das gab ihr Kraft, ließ sie die Schmerzen und auch die Zeit vergessen. Und sie erfuhr, dass auch ihre Mutter sie im Glauben getragen hat. Nachdem diese gestorben war, entdeckte Binsack im Bücherregal ihrer Eltern das erste Buch, das sie geschrieben hatte – von der Expedition auf den Mount Everest. Darin lag ein kleiner Zettel mit einem Bibelvers, Josua 1, Vers 9: „Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“ Ihre Mutter habe einen starken Glauben gehabt. „Damit konnte sie viel von ihrer Angst neutralisieren“, sagt Binsack – ihre eigenen Ängste, aber auch die um ihre Tochter.

Binsack pflegt ihre eigene Art der Spiritualität. „Es ist nicht so, dass ich meinen Glauben praktiziere in dem Sinn, dass ich in die Kirche gehe oder mich an die Sakramenten halte.“ Glauben empfindet die Sportlerin als persönlichen Austausch mit ihrem Schöpfer, ohne die Vermittlungsstelle der Kirche. „Vielleicht ist die Vermittlungsstelle die Natur für mich.“ In ihrem WhatsApp-Profil bringt sie das auf diese Formel: „Gott schuf Himmel und Berge.“

Von: Norbert Schäfer und Jonathan Steinert

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Sat, 23 May 2020 11:45:00 +0200
<![CDATA[Gerichte dürfen Glaubensintensität von Konvertiten prüfen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/05/22/gerichte-duerfen-glaubensintensitaet-von-konvertiten-pruefen/ Verwaltungsgerichte dürfen überprüfen, wie intensiv ein zum Christentum konvertierter Asylbewerber seinen Glauben lebt, und darauf ihr Urteil gründen. Das entschied das Bundesverfassungsgericht am Freitag und wies die Beschwerde eines Iraners ab. Vor zehn Jahren war er in Deutschland eingereist. Zunächst hatte er Asyl beantragt, weil er sich in seiner Heimat dem Wehrdienst entzogen und an einer regimekritischen Demonstration teilgenommen habe. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wies seinen Antrag ab.

Das Verwaltungsgericht stellte 2013 jedoch fest, dass der Iraner Anspruch auf Asyl habe: Mittlerweile hatte er sich in einer evangelischen Kirchengemeinde taufen lassen. Im Berufungsverfahren änderte das Verwaltungsgericht Baden-Württemberg 2015 jedoch seine Einschätzung: Der Asylbewerber habe nicht überzeugend deutlich machen können, dass der Religionswechsel wirklich zu einer tiefen Einstellungsänderung geführt habe. Das Gericht könne nicht sicher sein, ob er seinen neuen Glauben so praktizieren würde, dass ihm in seinem Heimatland Verfolgung drohe. Warum er sich dem Christentum zuwandte, habe er nicht erklären können, auch sei er ein wenig religiöser Mensch, befand das Gericht damals. Es kritisierte zudem, dass der Asylbewerber keinen Taufkurs besucht habe, und unterstellte, er habe sich vor allem aus „sozialen und integrativen Gründen“ dem christlichen Glauben zugewandt, referiert das Bundesverfassungsgericht den Hergang des Falles.

Taufurkunde reicht nicht aus

Dagegen reichte der Mann Verfassungsbeschwerde ein und berief sich auf das Grundrecht auf Glaubens- und Religionsfreiheit. Es stehe dem Gericht nicht zu, zu überprüfen, ob er ein „wahrer Christ“ sei. Die Motive seiner Konversion dürften keine Rolle bei der Entscheidung spielen. Das Bundesverfassungsgericht wies das nun zurück. Die rechtlichen Maßstäbe, nach denen die früheren Instanzen entschieden haben, seien nicht zu beanstanden. Die Gerichte müssten davon überzeugt sein, dass der Konvertit in seiner Heimat wegen des Religionswechsels so stark verfolgt und eingeschränkt werde, dass es seine religiöse Identität beeinflusse. Das zu überprüfen, sei die Aufgabe der Richter. Ihre Entscheidung darüber, ob jemand aufgrund drohender religiöser Verfogung Asyl erhält, müsse „auf einer hinreichend verlässlichen und auch ihrem Umfang nach zureichenden tatsächlichen Grundlage beruhen“. Dabei müssten die Richter auch „Rückschlüsse auf die innere Einstellung“ des Asylbewerbers ziehen – eine Taufurkunde vorzulegen reicht demnach nicht aus.

Die Taufe und die damit verbundene Mitgliedschaft in einer Kirche dürften die Richter jedoch nicht anzweifeln, das unterliege dem Selbstbestimmungsrecht der Kirchen. Die wiederum hätten nicht darüber zu entscheiden, ob Asylgründe vorliegen oder nicht. Bei den Entscheidungen der Gerichte gehe es nicht um eine Bewertung der Religion oder einzelner Glaubenssätze. „Die Verwaltungsgerichte müssen und dürfen lediglich der Stellung des Schutzsuchenden zu seinem Glauben nachgehen, nämlich der Intensität und Bedeutung der von ihm selbst empfundenen Verbindlichkeit von Glaubensgeboten für die eigene religiöse Identität“, erklärt das Bundesverfassungsgericht.

Von: Jonathan Steinert

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Fri, 22 May 2020 16:22:00 +0200
<![CDATA[Atemmasken der Evangelischen Allianz sollen Mut machen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/22/atemmasken-der-evangelischen-allianz-sollen-mut-machen/ Die Masken der Evangelischen Allianz in Deutschland sollen einen niederschwelligen Einstieg in Gespräche über den Glauben ermöglichen. Pfarrer und Leiter von Kirchen, Gemeinden und Verbänden können sie in größeren Mengen ab 50 Stück bestellen. Ermöglicht wird dies laut EAD in Kooperation mit der Dr. Wandel-Stiftung. Die EAD teilt mit: „Das Besondere: Die Atemmasken werde in einer ansprechend gestalteten Verpackung geliefert, die mit einem kurzen mutmachenden Satz sowie einem Bibelvers bedruckt ist.“

Die verpackte Atemmaske diene so „als niederschwelliger Einstieg in Gespräche über den Glauben und zur Einladung in einen Gottesdienst“. Das Pfingstfest sei hierfür „ein hervorragender Startpunkt“, doch soll die Aktion auch darüber hinaus weiterlaufen.

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 22 May 2020 12:16:00 +0200
<![CDATA[Peter Tauber: „Ich hatte eine heitere Gelassenheit“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/05/21/peter-tauber-ich-hatte-eine-heitere-gelassenheit/

pro: Herr Tauber, die Coronakrise hat Deutschland fest im Griff. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich im März mit den Worten an die Bevölkerung gewandt: „Gott schütze unsere Heimat!“ Ist es gut, wenn Politiker auch während der Ausübung ihres Amtes in Krisenzeiten zu ihrem Glauben stehen?

Peter Tauber: Ja, das finde ich grundsätzlich gut. Es zeigt uns auch, dass Dinge auf dieser Welt geschehen, die nicht in unserer Hand liegen. Mit so einer Krise oder Krankheit konnte keiner rechnen. Sich durch den Verweis auf Gott die Endlichkeit unseres Handelns bewusst zu machen, kann nicht verkehrt sein.

Inwieweit hilft Ihnen Ihr Glaube in der aktuellen Krise?

Ich würde mich nicht zu den Menschen zählen, die sich erst dann an Gott wenden, wenn sie ein Problem haben – auch weil ich in meinem Leben vor allem Glück hatte. Daher versuche ich vielmehr für das zu danken, was mir geschenkt ist. Mein Glaube spielt also jetzt keine andere Rolle als ohnehin schon.

Vor drei Jahren hatten Sie eine lebensbedrohliche Darmerkrankung. Sie wurden geheilt. War das auch Glück?

Ich war in der Tat sterbenskrank. Aber auch da hatte ich, rückblickend betrachtet, Glück. Ich bin ja noch hier.

Dennoch, wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?

Ich hatte damals eine heitere Gelassenheit. Ich war so schwach, dass ich dachte: „Ich kann jetzt nichts mehr entscheiden oder beeinflussen.“ Ich habe es Gott anbefohlen. Das war in dem Moment ein sehr gutes Gefühl. Ich habe natürlich weitergebetet – aber nicht mehr oder anders als sonst. Besonders sind mir in dieser Zeit ein Morgen- und ein Abendgebet Luthers oder Lieder von Paul Gerhardt wichtig geworden.

Worin liegt für Sie der Reiz dieser alten Texte?

Zuallererst beeindruckt mich deren Sprachgewalt. Ich bin ein konservativer Mensch, auch was die Sprache betrifft. Diese alte, für uns etwas ungewöhnliche Sprache hat etwas Erhabenes. Auch beim Beten will ich Gott mit Respekt begegnen. Er ist der Vater. Beten ist deshalb nicht einfach wie ein Gespräch mit einem guten Freund. Vielmehr wende ich mich respektvoll und mit einem gewissen Abstand an den Höchsten. Das kommt in der Sprache Luthers zum Ausdruck. Ich will aufschauen zu Gott.

Ist eine gewisse Distanz zu Gott besser als zu viel Nähe?

Lassen Sie es mich so sagen: Natürlich wünsche ich mir, dass Gott mir sehr nahe ist. Aber ich will mir nicht anmaßen, mich auf eine Stufe mit Gott zu stellen. Durch die Sprache Luthers entsteht aus meiner Sicht Respekt und Achtung Gott gegenüber. Ich schätze diesen Unterschied sehr. Durch die alte Sprache entsteht ein Unterschied zwischen Gott und mir als Mensch.

Paul Gerhardt hat viele seiner Texte in Zeiten des Leids geschrieben. Auch Sie mussten während Ihrer Krankheit viel Schmerz ertragen. Haben Sie sich in dieser Situation mit Gerhardt identifiziert?

Naja, das Leid, dass Paul Gerhardt im Leben erfahren musste, kann ich nicht teilen. Höchstens in diesem Moment. Näher als Paul Gerhardt war mir aber Dietrich Bonhoeffer. In seinem Gedicht „Von guten Mächten“ gibt es eine Strophe, die fast nie gesungen wird. Darin heißt es: „Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.“ Im Krankenhaus habe ich diesen Satz das erste Mal bewusst wahrgenommen. Dinge einfach anzunehmen, ohne zu lamentieren und in Demut vor Gott, das lehren uns diese Zeilen. Im Prinzip ist das für mich der moderne Paul Gerhardt – komprimiert in dieser einen Strophe.

Haben Ihnen die heitere Gelassenheit, die Gebete und Lieder die Angst vor dem Tod genommen?

Ja, ich habe auf Gott vertraut. Ich lebe natürlich sehr gern und war deswegen auch traurig, aber Angst hatte ich nicht. Ich denke „gottergeben“ beschreibt mein Gefühl von damals sehr gut. Aus meiner heutigen Perspektive fühlt sich das manchmal etwas befremdlich an, aber genauso habe ich empfunden.

Wann wurde Ihnen bewusst, in welcher dramatischen Situation Sie sich befinden?

In dem Moment, als mein behandelnder Arzt spät abends in Straßenkleidung vor mir stand und sagte, dass ich erneut operiert werden müsste – und er fragte mich, ob ich noch einmal meine Eltern anrufen möchte.

Haben Sie an Gott gezweifelt?

Nein, das kann ich definitiv ausschließen. Ich kann Menschen sehr gut verstehn, die in einer Krise so empfinden. Bei mir war es aber komplett anders. Vielleicht fehlte mir auch die Kraft zu hadern. Ich habe mich der Situation, Gott und den Ärzten hingegeben. Gott würde es ja wissen, wie es ausgeht. Ich habe aber nicht nur auf Gott vertraut. Ich lernte auch Menschen zu vertrauen, deren Aufgabe es war, mich wieder gesund zu machen: Ärzte und Pfleger zum Beispiel.

Bringt Leid Menschen eher zu Gott?

Nein, leider nicht. Wer vorher keinen Bezug zu Gott hatte, wird ihn auch im Leiden nur schwer entdecken. Aber vielleicht bringt Leid Menschen, die sich von Gott entfernt haben, wieder näher an ihn heran – und das wünsche ich mir. Dort, wo in Gesellschaften Kirche und Christen verschwunden sind, ist die Anfälligkeit für Populismus und Schlechtes größer. Deswegen brauchen wir Christen, die sicht- und hörbar sind.

Welche Bibelstelle ist Ihnen besonders wichtig?

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“, aus dem zweiten Brief des Paulus an die Korinther. Ich finde diesen Satz sehr hoffnungsmachend. Ich mache jeden Tag viele Dinge falsch, aber ich kann jeden Tag wieder neu anfangen. Morgen kann ich es vielleicht richtig oder besser machen. Das finde ich sehr befreiend.

Eine Frage an Sie als Netzpolitiker: Wo können die Kirchen online noch besser werden?

Ich finde es sehr gut, wenn Kirche sich jetzt fragt, wie Menschen erreicht werden können. Die Amtskirchen sind ja eher etwas behäbig in ihrem Tun. Sie sollten auf jeden Fall flexibler sein und sich etwas zutrauen. Ich finde es auch wichtig, dass Pfarrer ermutigt werden, ihre Gedanken zum Glauben öffentlich zu teilen. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer sind unheimlich tolle und inspirierende Menschen, die online Menschen ganz anders ansprechen können als kirchliche Institutionen. Von denen würde ich gerne mehr in sozialen Netzwerken sehen, denn sie haben ja die beste aller Botschaften, die man auch dort hör- und sichtbar werden lassen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Peter Tauber, Jahrgang 1974, trat schon als 18-Jähriger in die Christlich-Demokratische Union ein. Der promovierte Historiker machte früh Karriere in der Partei. Er war unter anderem Landesvorsitzender der Jungen Union in Hessen. Nach der Bundestagswahl 2009 gehörte er erstmals dem Deutschen Bundestag an. 2013 ernannte ihn Angela Merkel zum CDU-Generalsekretär. Ende Dezember 2017 machte er in einem Interview seine Darmerkrankung öffentlich und trat von dem Posten zurück. Im aktuellen Merkel-Kabinett ist Tauber seit März 2018 Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Die Fragen stellte Martin Schlorke

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Thu, 21 May 2020 10:00:00 +0200
<![CDATA[Corona: Prostituierte könnten „Super-Spreader“ werden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/05/20/corona-prostituierte-koennten-super-spreader-werden/ In einem Brief an die Regierungen der Bundeländer, der dem Christlichen Medienmagazin pro vorliegt, warnen 16 Bundestagsabgeordnete davor, Bordelle wieder zu öffnen. Aktuell sind sie wegen der gültigen Corona-Maßnahmen geschlossen. Prostitution könne in der Pandemie „die epidemiologische Wirkung eines Super-Spreaders“ entwickeln. Social Distancing sei mit sexuellen Handlungen in der Regel nicht vereinbar.

Den unterzeichnenden Abgeordneten von Union und SPD geht es aber noch um mehr. Prostitution sei auch in Nicht-Corona-Zeiten in den meisten Fällen „menschenunwürdig, zerstörerisch und frauenfeindlich“. Entgegen gängiger Klischees arbeiteten die meisten Prostituierten nicht freiwillig, sondern würden getäuscht, erpresst und bedroht. Die Politiker beklagen „das Ausmaß an sexuellen Übergriffen, an massiven physischen und psychischen Verletzungen durch täglich vielfache, erzwungene Penetration“, das Prostituierte erleiden würden.

Abgeordnete wollen Nordisches Modell

Nur 33.000 von geschätzt 400.000 Prostituierten seien registriert, weniger als 100 davon seien als Angestellte sozialversichert. Oftmals wüssten die Behörden nicht, dass es diese Frauen gebe: „Sie sind ihren Zuhältern völlig ausgeliefert.“ Diesen Frauen helfe „ein Verbot des Sexkaufs und eine Tätigkeit/Ausbildung in einem existenzsichernden Beruf“ statt der Wiedereröffnung von Bordellen.

Daher fordern die Verfasser des Briefes die Einführung des sogenannten Nordischen Modells. Dabei wird der Sexkauf unter Strafe gestellt. Freier und Zuhälter würden mit Geld- oder Freiheitsstrafen belegt, während die Prostituierten straffrei blieben. Diesem Modell seien bereits Frankreich, Norwegen, Island und Irland gefolgt, Israel folge im Juli 2020. Zwangsprostitution werde dadurch nicht vollständig verhindert.

Prostitutionsverband fordert Lockerung

Zu den Unterzeichnern gehören neben den CDU-Politikern Hermann Gröhe, Frank Heinrich und Elisabeth Winkelmeier-Becker auch die Sozialdemokraten Leni Breymaier und Karl Lauterbach.

Der „Berufsverband Sexarbeit“ fordert hingegen, Prostitution unter strengen Auflagen wieder zuzulassen. So fordert der Verband in Terminwohnungen, Wohnwagen und anderen Stätten eine Mund-Nasen-Masken-Pflicht für Freier und Prostituierte und den Verzicht auf „gesichtsnahe Dienstleistungen“. „Kundendaten“ sollten zum Zwecke der Corona-Nachverfolgung vier Wochen lang aufgehoben werden. Bei der Begrüßung solle der Freier eine desinfizierte Maske erhalten. Auf dem Straßenstrich sollten Prostituierte zwei Desinfektionsfläschchen, genügend Masken, Abfallbeutel sowie „Zettel und Stift für die Kontaktdatenaufnahme“ mit sich führen.

Von: Nicolai Franz

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Wed, 20 May 2020 18:31:00 +0200
<![CDATA[Landeskirche Württemberg bietet Seelsorge-Chat für Schüler an]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/05/20/landeskirche-wuerttemberg-bietet-seelsorge-chat-fuer-schueler-an/ Unter dem Motto „Einfach mal offen reden können“ bietet das Pädagogisch-Theologische Zentrum (ptz) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg einen Seelsorge-Chat für Schüler an. Das Tool soll den krisenbedingten Wegfall der schulpsychologischen Angebote kompensieren.

Schüler können nun wochentags von 9 Uhr bis 17 Uhr das Seelsorgeangebot kostenlos nutzen. Am anderen Ende des Chats sitzen ausgebildete Seelsorger der Landeskirche. „Mit dem Schulseelsorge-Chat erreichen wir Schülerinnen und Schüler mit einem Medium, das diesen vertraut ist und auch durch das Seelsorgegeheimnis einen geschützten und anonymen Raum öffnet, Fragen und Probleme offen aussprechen zu können“, erklärt der Direktor des ptz, Stefan Hermann.

Unterstützt wird das ptz von der Chat-Technologie von Userlike. Mit Hilfe des Kölner Unternehmens konnte der Chat ohne Wartezeit oder -schleife umgesetzt werden. Deren Gründer, Timoor Taufig, betont die Wichtigkeit des Chats: „Da die junge Generation heutzutage kaum noch telefoniert, bietet der Live-Chat eine gute Alternative, um mit einem qualifizierten Seelsorger in Kontakt zu treten.“

Von: Martin Schlorke

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Wed, 20 May 2020 16:31:00 +0200
<![CDATA[Wenn keine Geschichte zu verrückt ist]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/05/20/wenn-keine-geschichte-zu-verrueckt-ist/ Ein Kommentar von Nicolai Franz]]> Es ist schon verrückt, was Menschen so alles glauben. Wenn man dem Vegan-Koch Attila Hildmann folgt, planen dunkle Mächte die ultimative neue Weltordnung, um uns zwangszuimpfen und Chips zu implantieren. Vorne dabei: die „Kinderfresser Soros, Bill Gates, Henry Kissinger, Clinton etc“ und ihre „Regierungsschergen Merkel, Kurz (AT) und co.“. Diese wollten die Weltbevölkerung auf 500 Millionen Menschen reduzieren. Als Beleg für diese Geheiminformation nennt Hildmann ausgerechnet eine öffentliche Wikipedia-Seite. Die Nähe zu judenfeindlichen Stereotypen ist offensichtlich.

Außerdem würden gerade 100.000 US-Soldaten „in den Bunkern unter Europa“ (wo immer die sind) kämpfen, um Kinder vor Pädophilen zu retten. Der Koch weiß auch, wem wir diese gute Tat zu verdanken haben: „Donald Trump, Putin und Xi“. Diverse Verschwörungstheoretiker im Netz waren sich sicher (warum auch immer), dass am 14. oder 15. Mai die neue Weltordnung in Kraft tritt. Dass diese Vorhersage nicht eingetreten ist, scheint die Weltuntergangspropheten nicht zu stören.

In den USA hat sich längst eine weitere Verschwörungstheorie entwickelt, die nun auch nach Deutschland geschwappt ist und bei manchen Corona-Demos Widerhall findet: „QAnon“ oder kurz „Q“. Demnach gebe es ein weltumspannendes satanistisches Netzwerk an pädophilen Triebtätern. Zu ihnen gehörten wichtige Vertreter des sogenannten „Deep State“, eines fiktiven „Geheimstaates“ im Staate, der die Demokratie unterwandert hat und dessen einziger mächtiger Feind der US-Präsident Donald Trump ist. Belege? Fehlanzeige.

Giftiger Cocktail

Seit der Corona-Krise sind immer mehr Prominente, wenn auch in unterschiedlicher Abstufung, auf den Verschwörungszug aufgesprungen. War es die ersten Wochen nach den einschneidenden Corona-Maßnahmen noch sehr ruhig, so scheint es nun umso mehr Aluhutträger zu geben. Die Denke dahinter ist immer dieselbe: Steckt hinter Corona nicht vielleicht doch etwas sehr viel Größeres? Stehen dahinter vielleicht Mächte, von denen wir kaum eine Ahnung haben? Den Massenmedien wird grundsätzlich misstraut, da sie ja Teil der Mächtigen sein könnten. Umso mehr Vertrauen genießen dann die „unabhängigen“ Freigeister, die am heimischen Rechner Videos aufzeichnen. Wer nur auf den „richtigen“ YouTube-Kanal stößt, findet für jede noch so aberwitzige These sendungsbewusste Menschen, die ernsthaft an sie glauben. Das Interessante dabei: Jede Verschwörungstheorie birgt zumindest einen kleinen Teil an Fakten. Diese mischen sich jedoch in einen giftigen Cocktail aus Halbwahrheiten, Spekulationen und blanken Lügen. Auch Christen sind vor solchen Ansichten nicht geschützt.

Der Bibel sind Sensationslust und der Rausch am Mysteriösen zuwider. Im 1. Petrusbrief heißt es: „Darum umgürtet eure Lenden und stärkt euren Verstand, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.“ Christen sind der Wahrheit verpflichtet. Das schließt ein, dass sie auch Kritik üben sollen, gerade wenn ihre Meinung nicht populär ist. Vor wilden Spekulationen aber sollten sie sich hüten.

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Wed, 20 May 2020 15:41:00 +0200
<![CDATA[Christlicher Apologet Ravi Zacharias gestorben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/05/20/christlicher-apologet-ravi-zacharias-gestorben/ Ravi Zacharias, bekannter christlicher Autor und Redner, starb nach einem Kampf gegen eine seltene Form von Krebs. Zacharias’ Tochter Sarah Davis veröffentlichte eine entsprechende Nachricht auf der Webseite der nach ihrem Vater benannten „International Ministries“ unter der Überschrift „Ravi Zacharias, jetzt bei Jesus“. Zu den 1984 gegründeten „Ravi Zacharias International Ministries“ gehören christliche Redner aus den USA, Lateinamerika, Afrika, Großbritannien, Spanien, Rumänien, Indien, Singapur, Hongkong, Österreich, Deutschland, Mazedonien und der Schweiz.

Davis schreibt über ihren Vater: „Wir, die wir ihn kannten und liebten, feiern sein Leben und, noch wichtiger, seinen Erlöser.“ Jesus Christus sei es gewesen, über den ihr Vater am liebsten geredet habe. „Sogar in den letzten Tagen, als er kaum noch Kraft hatte zu sprechen, brachte er jede Unterhaltung auf das Thema Jesus und was der Herr getan hat.“ So habe Gott damals ihn, einen 17-jährigen Skeptiker, in seiner Hoffnungslosigkeit errettet und ihn gerufen, 48 Jahre lang auf der ganzen Welt das Evangelium zu verkünden.

Autor vieler Bücher

Ravi Zacharias wurde am 26. März 1946 in Indien geboren. Er wurde zwar in einem christlichen Umfeld erzogen, doch war er Skeptiker und unternahm mit 17 Jahren einen Selbstmordversuch. Als er im Krankenhaus genesen sollte, besuchte ihn ein Mitarbeiter der Evangelisationsorganisation „Jugend für Christus“ und schenkte ihm eine Bibel. Er las die Bibelstelle Johannes 14,19: „Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben“, und der wurde zum Fundament seines Auftrages, den christlichen Glauben zu verbreiten.

Im Jahr 1984 gründete er die „Zacharias International Ministries“, die 16 Büros auf der ganzen Welt hat und bei der rund 200 Angestellte arbeiten, darunter 80 Redner. Zacharias sprach zudem wöchentlich in einer Radiosendung namens „Let My People Think“, die in ungefähr 30 Ländern zu hören war. Er referierte in Universitäten, Kirchen und auf Veranstaltungen in vielen Ländern, nach dem Mauerfall auch in Osteuropa.

Sein erstes Buch „A Shattered Visage: The Real Face of Atheism“ erschien 1990, es folgten 2000 „Jesus Among Other Gods: The Absolute Claims of the Christian Message“, sowie 2001 „The Lotus and the Cross: Jesus Talks with Buddha“ und viele weitere. Im Jahr 2012 kritisierte Zacharias in seinem Buch „Why Jesus? Rediscovering His Truth in an Age of Mass Marketed Spirituality“ den bunten Markt der Spiritualität im modernen Amerika.

Eine Frau behauptete im Jahr 2014, Zacharias unterhalte eine verbotene Beziehung zu einer verheirateten Frau. Zacharias leugnete, dass dies geschehen sei, im Jahr 2018 kam die „Christliche und missionarische Allianz“ nach einer Untersuchung zu dem Schluss, dass die Vorwürfe haltlos seien.

Im vergangenen März diagnostizierte man bei Zacharias eine seltene Form von Knochenkrebs. Am 8. Mai teilte Sarah Davis, Zacharias' Tochter, über soziale Medien mit, dass eine Chemotherapie nicht erfolgreich gewesen sei.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 20 May 2020 13:41:00 +0200
<![CDATA[Seit 2.000 Jahren ist Endzeit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/05/20/seit-2000-jahren-ist-endzeit/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Was heißt hier Himmelfahrt? Von „fahren“ keine Spur. Eine tiefliegende Wolke hatte Jesus umhüllt und dann war er ganz einfach weg. Beim Vater. Dann tauchen zwei engelhafte Geistwesen auf und fragen die kopflos gewordenen Schüler: Was starrt ihr in die Wolken? Als wollte er sagen: Er wohnt nicht auf Wolke 17 an der Milchstraße. Aber genauso wird er wiederkommen!

Ein schwieriges Fest. Ich habe einmal einen Theologieprofessor nach der Bedeutung des Himmelfahrtstages gefragt. „Ja, das ist ein weites Feld!“, sagte er. Aha! Das sagt der Mähdrescher-Fahrer auch immer, bevor er los legt. Ein weites Feld, so titelte Günter Grass einen seiner Romane.

Es war der letzte Tag seines öffentlichen Wirkens. Jesus hatte die Fragen seiner Schüler nach dem Zeitpunkt der Wiederaufrichtung seines Königreiches ziemlich abgebürstet. Die Burschen hingen immer noch dem Gedanken nach, dass sie nach Kreuzigung und Auferstehung ihres verehrten Rabbis Jeshua in der Königsherrschaft Gottes noch mal richtig Karriere zu machen. Wer sitzt wo und wer hat was zu melden? Eine typische Männerfrage. Der Evangelist Lukas beginnt seine Reportage über die Entwicklung und die rasante Multiplikation der jungen Gemeinde (Apostelgeschichte) mit dieser Episode und zitiert Jesus so – frei übersetzt: „Termine zu kennen, die der Vater in seiner Macht festgelegt hat, geht euch nichts an! Basta!“ Danach kündigte er ihnen den Empfang einer göttlichen Kraft an, griechisch: hagios pneumatos, die heilige Geistkraft Gottes. Eine klare Absage an alle Spekulation, ob jetzt das Ende der Zeit gekommen sei.

Enttäuschte Erwartung: Statt Jesus kam Titus

Jesus war rein physisch nicht mehr auf diesem Planeten, sondern er hat seine Vision und Mission seinen Schülern auferlegt.

Und das ist der Startpunkt der Zeitepoche, in der seine Gemeinde sich sammelt, getröstet und geprüft wird. „Endzeit“ nennen das Menschen, die es hier nicht mehr lange aushalten, und heim ins Vaterhaus wollen. Die „Endzeit“ wurde in der Geschichte nach jeder Krisenphase globalen Ausmaßes zitiert. Jetzt ist Endzeit! Jetzt kommt der Corona-Countdown!

Eigentlich hatte Jesus seine Abschiedsrede an den kleinen treuen Rest gerichtet, um sie auf die erste Verfolgungswelle vorzubereiten. Die ersten Christen lebten in der ständigen Erwartung des wiederkehrenden HERRN. Darum ist die Verschriftlichung der Berichte über Jesus erst 30 Jahre später in Gang gekommen. Bis dahin haben die Christen von der Erinnerung an Jesus gelebt und sie weitererzählt. Sie dachten doch nicht daran, dass 2.000 Jahre später sich im Namen dieses HERRN Milliarden von Christen treffen würden.

Ihre Naherwartung des wiederkommenden HERRN wurde schwer erschüttert, als im Jahr 70 nach Christus statt des ersehnten Messias der römische Feldherr Titus in Jerusalem einmarschierte – und die Stadt platt machte. Also bleiben wir auch in der Phase einer Pandemie nüchtern und doch wachsam, nicht das Thema mit vorschnellen Endzeitspekulationen zu vermischen und zuversichtlich nach vorne blicken.

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Wed, 20 May 2020 10:33:00 +0200
<![CDATA[Die „Rapostel“ Gottes melden sich zurück]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2020/05/20/die-rapostel-gottes-melden-sich-zurueck/ Eine Rezension von Martin Schlorke]]> In den vergangenen beiden Jahren haben die O’Bros einiges erlebt. Von vielen Menschen wurden sie und ihre Lieder gefeiert. Mindestens genauso viele haben die beiden Brüder, Alexander und Maximilian, heftig kritisiert. In einem Interview von stern.de sagte Alexander im vergangenen Jahr, dass sie neben vielen Beleidigungen auch Morddrohungen erhalten hätten. „Wenn man mit einer Message wie unserer ankommt, muss man halt davon ausgehen, dass sich einige Leute auf den Schlips getreten fühlen“, sagte er über die nicht zimperliche deutsche HipHop-Szene. Comedian Shahak Shapira verglich die beiden jungen Christen gar mit dem Islamischen Staat.

Mit ihrem dritten Album „Kein Hype“ scheinen die Brüder solche Erlebnisse nun fast schon autobiografisch zu verarbeiten und mit ihren Kritikern abzurechnen – allerdings auf ihre ganz eigene Art. Statt Hass und Beleidigungen, die in der „normalen“ HipHop-Szene üblich sind, verkünden die O’Bros Gottes Liebe und rufen zur Nächstenliebe auf. Sie seien „Rapostel“, die das Evangelium Gottes verkünden und die Rapszene verändern wollen. Außerdem singen sie von den Shitstorms, die ihnen zwar zu schaffen gemacht, aber schlussendlich wie „Dünger“ gewirkt und sie in ihrem Glauben an Gott nur bestärkt hätten.

Mix aus biblischen Bildern und Jugendsprache

Wie bereits bei den vorherigen Alben gelingt es den O’Bros auf einzigartige Art und Weise, mehrere Welten miteinander zu verbinden. Biblische Bilder und Sprache vermischen die Musiker mit Anglizismen und Jugendsprache. Dabei werden die Erzählungen der Bibel keineswegs abgewertet. Im Gegenteil, sie gewinnen an Schlagkraft. Zeilen wie: „Gottes Liebe ist wie Antidepressiva“ oder „Jesus ist der MVP (englisch für „wertvollster Spieler“), denn am Kreuz hat er gesiegt“ mögen unkonventionell sein, bringen aber biblische Botschaften anschaulich und verständlich auf den Punkt.

Sicherlich ist HipHop nicht für jeden die bevorzugte Musikrichtung und im Kontext christlicher Musik eher ungewöhnlich. Doch mit ihren Liedern treffen die O’Bros den Nerv einer Generation – inhaltlich und musikalisch. Christlicher Glaube kann auch pausenhoffähig transportiert werden, ohne inhaltlich an Stärke zu verlieren. In einer Zeit, in der viele junge Menschen hadern und permanenten Vergleichen mit Freunden, Vorbildern und Influencern in den sozialen Netzwerken ausgesetzt sind, halten die O’Bros mit Gottes Liebe dagegen. Viel mehr als auf die Meinung anderer und das eigene Ansehen komme es ausschließlich auf die Heilsgeschichte Jesu an. Diese habe seit mehr als 2.000 Jahren Bestand und sei „kein Hype“, singen sie im gleichnamigen Titellied des Albums.

Meine Empfehlung: Musik an, Lautstärke hochdrehen und Gott feiern.

O'Bros, „Kein Hype“ erscheint am 22. Mai 2020, bestellbar auf obros.eu (20 Euro). Zehn Prozent der Einnahmen werden an das Hilfswerk Open Doors gespendet.

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Wed, 20 May 2020 08:56:00 +0200
<![CDATA[Danny Boyle dreht Film über Methusalem]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/05/19/danny-boyle-dreht-film-ueber-methusalem/ Methusalem ist in den Sprachgebrauch übergegangen und steht immer für den Ältesten einer Gruppe von Menschen. Nicht umsonst heißt auch im Asterix-Comic im Dorf der Dorfälteste Methusalix. Laut dem 1. Buch Mose, Kapitel 5,27, wurde „Metuschelach“, wie er in anderen Übersetzungen heißt, 969 Jahre alt. Sein Vater war Henoch, der laut Bibel seinerseits 365 Jahre alt wurde.

Nun soll einer der ganz Großen des Filmgeschäfts einen Spielfilm über diese außergewöhnliche Bibel-Figur drehen. Der in England geborene Regisseur Danny Boyle schuf wahre Film-Klassiker. Bekannt sind vor allem der satirische Drogentrip „Trainspotting“ (1996) mit Ewan McGregor, „The Beach“ (2000) mit Leonardo DiCaprio, „127 Hours“ (2010) mit James Franco und „Slumdog Millionär“ (2008), der acht Oscars gewann. Zuletzt sorgte Boyle mit der Beatles-Reminiszenz „Yesterday“ erneut für volle Kassen. Auch die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London 2012 legte man in seine Hände – und Boyle schuf eine der spektakulärsten Feiern, die je in einem Stadion präsentiert wurden. Eigentlich sollte der erfolgreiche Brite auch den neuen James-Bond-Film „No Time To Die“ übernehmen. Doch wegen kreativer Differenzen zog er sich aus dem Projekt zurück.

Ursprünglich Tom Cruise als Methusalem im Gespräch

Wie das Magazin Variety berichtet, arbeitet der Regisseur nun an einem Bibelfilm. Die Geschichte von Methusalem soll auf die Leinwand kommen. Das Projekt war schon vor längerer Zeit angekündigt worden, nun soll es offenbar Wirklichkeit werden.

Für die Rolle des Methusalem war zunächst Tom Cruise im Gespräch, doch wie Warner Bros. mitteilte, bekommt die Hauptrolle nun ein anderer Star: Michael B. Jordan, bekannt aus „Black Panther“ und dem „Rocky“-Nachfolger „Creed“, wird die biblische Figur verkörpern.

Das Drehbuch schreibt Boyle gemeinsam mit Simon Beaufoy, der bereits bei „Slumdog Millionär“ und „127 Hours“ an Bord war. Laut dem Magazin Variety berichten Insider davon, dass die Handlung von der biblischen Vorlage abweicht. So war es etwa auch beim letzten großen Bibelfilm, der 2014 anlief: Der amerikanische Regisseur Darren Aronofsky brachte „Noah“ mit Superstar Russell Crowe auf die Leinwand und ging mit der biblischen Vorlage sehr frei um. Eventuell ist im kommenden „Methusalem“ ja erneut Noah zu sehen, wenn auch jünger: Methusalem war der Großvater von Noah. Über die Biografie Methusalems steht allerdings nichts in der Bibel, er wird nur in zweimal in Geschlechtsregistern erwähnt.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 19 May 2020 16:49:00 +0200
<![CDATA[Lieberknecht: „Kirche hat Hunderttausende alleingelassen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/19/lieberknecht-kirche-hat-hunderttausende-alleingelassen/ Die einstige thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hat Kritik am Verhalten der Kirchen in der Corona-Krise geäußert. In einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt vom Dienstag sagte die einstige Pfarrerin: „Die Kirche hat in dieser Zeit Hundertausende Menschen alleingelassen. Kranke, Einsame, Alte, Strebende.“ Seit März seien 150.000 Menschen aus anderen Gründen als dem Coronavirus verstorben. „Wo war da das Wort der Kirchen?“

Zum Sterben vieler Menschen ohne die Anwesenheit von Angehörigen sagte die CDU-Politikerin: „Da wurde kein letzter Psalm gebetet, es gab keinen Trost, keine Aussegnung am Sterbebett.“ Nach Lieberknechts Einschätzung hätte es nach dem Infektionsschutzgesetz ein Recht für Geistliche auf die Begleitung von Sterbenden gegeben. „Dazu hätte ich mir ein klares Wort der Kirchen gewünscht“, sagte die ehemalige Ministerpräsidentin und verteidigte ihren Nachfolger im Amt, Bodo Ramelow (Linke). Ramelow hatte entgegen seiner eigenen Verordnungen verbotenerweise an der Beerdigung seiner Nachbarin teilgenommen. „Mit seiner Teilnahme hat er einem unhaltbaren Zustand Gesicht gegeben. Eigentlich wäre das die Aufgabe der Kirche gewesen“, kommentierte Lieberknecht das Handeln von Ramelow in dem Interview.

Lieberknecht bemängelte in dem Welt-Interview die prinzipielle Haltung der Kirchen in der Corona-Krise. Die Kirchen meldeten sich bei „gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen immer zu Wort", hätten aber in der Corona-Krise geschwiegen. Die Kirche sei „nicht irgendeine zivilgesellschaftliche Organisation“, erklärte Lieberknecht in dem Gespräch, und weiter: „Viele Seelsorger fühlten sich von ihrer Amtskirche im Stich gelassen.“

Kirchen weisen Kritik zurück

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wies die Kritik Lieberknechts als ungerechtfertigt zurück. Die Kirchen hätten unter schwierigsten Bedingungen und Verboten das Mögliche getan, „um ihren Dienst zu tun und Gottes Wort auszurichten“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) den Ratsvorsitzenden. Lieberknecht tue den Seelsorgern Unrecht, nicht wenige hätten persönlich viel riskiert. Die „Schelte“ der CDU-Politikerin hält Bedford-Strohm demnach für „unangemessen“.

Auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, sagte der dpa, dass „das glatte Gegenteil“ zutreffe. Die Krankenhausseelsorger hätten „Unglaubliches geleistet“, ebenso die Sterbebegleiter der Kirche, erklärte Kopp.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 19 May 2020 12:28:00 +0200
<![CDATA[Hoffnung in der Krise: Österreich ruft zum Beten auf]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/05/19/hoffnung-in-der-krise-oesterreich-ruft-zum-beten-auf/ „Österreich betet gemeinsam“ heißt die Gebetsinitiative, die die Österreichische Evangelische Allianz zusammen mit anderen christlichen Werken und Einzelpersonen ins Leben gerufen hat. „Die derzeitige Krise fordert die Menschen weltweit in einem Ausmaß heraus wie schon lange nicht mehr – wir alle brauchen Gottes Beistand. Daher rufen wir auf, als Christen und Christinnen aus den unterschiedlichsten Konfessionen, gemeinsam voller Hoffnung vor Gott zu treten und ihn um sein Handeln zu bitten“, heißt es von den Initiatoren.

Die Aktion startet an Himmelfahrt, dem 21. Mai, um 19 Uhr mit einem Livestream auf der Webseite der Initiative. Vom 22. bis 30. Mai soll neun Tage lang 24 Stunden am Tag durchgängig gebetet werden. Dazu kann sich jeder, der mitmachen möchte, auf osterreichbetetgemeinsam.at in einen Online-Kalender eintragen. Am 28. Mai gibt es unter dem Titel „Gemeinsam vor Pfingsten“ ab 19 Uhr einen großen ökumenischen Gebetsabend. Dazu ist ein Livestream aus mehreren Kirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz geplant. In vielen Kirchen und Gemeinden sollen an dem Tag je nach Möglichkeit Gebetstreffen abgehalten werden. Dieses Event knüpft an die bereits gelaufene Aktion „Deutschland betet gemeinsam“ an und hat zum Ziel, dass sich Christen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zum Gebet versammeln. Der Livestream am 28. Mai kann auch bei BibelTV und Radio Horeb verfolgt werden.

Den Abschluss der österreichischen Aktion bildet das Pfingstfest am 31. Mai mit den lokalen Gottesdiensten. Die Initiatoren fordern im Vorfeld dazu auf, als Abschluss einen 30-sekündigen Videobeitrag über die persönlichen Erlebnisse während der Gebetsaktion einzureichen.

Neben der Österreichischen Evangelischen Allianz gehören zu den Veranstaltern auch die Erzdiözese Wien, die Österreichische Bischofskonferenz, Pfarrer einzelner Ortsgemeinden und der christliche Mediendienst „Impuls Medien“.

Von: Swanhild Zacharias

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Tue, 19 May 2020 11:29:00 +0200
<![CDATA[Allianzkonferenz 2020 „etwas anders“ als sonst]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/05/19/allianzkonferenz-2020-etwas-anders-als-sonst/ Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) lädt für 2020 zur „etwas anderen Allianzkonferenz“ ein. Vom 29. Juli bis zum 2. August wird es in Bad Blankenburg lediglich ein buntes Programm für örtliche Allianzgemeinden per Livestream und mit begrenzter Teilnehmerzahl für Urlauber vor Ort geben, statt der üblichen Konferenz mit zahlreichen Workshops und täglichen Bibelarbeiten. Das haben die Veranstalter am Montag mitgeteilt.

In diesem Jahr soll nach Angaben der DEA jeweils morgens und abends in der historischen Konferenzhalle und im Evangelischen Allianzhaus eine Veranstaltung stattfinden mit Musik, Bibel-Aktionen und Informationen. Die 125. Auflage der Allianzkonferenz war aufgrund der aktuellen Corona-Verordnungen auf die Zeit vom 28. Juli bis 1. August 2021 verschoben worden.

Schink: „Lebendige Gemeinschaft von Christen nicht ersetzbar“

„Wir wollen damit etwas von der Schönheit und Fülle der Allianz sichtbar machen und gleichzeitig die Gemeinschaft in den Ortsallianzen stärken“, erklärte der Generalsekretär der DEA, Reinhardt Schink, in einer Pressemitteilung. Der Veranstalter will sich im Rahmen des geänderten Veranstaltungsformates „selbstverständlich“ an die geltenden Hygienevorschriften halten. Die lebendige Gemeinschaft der Christen in Deutschland – ob online oder vor Ort – ist nach Ansicht der Veranstalter nicht zu ersetzen.

Die DEA hat angekündigt, ein Preview des Theaterstücks „Anna von Weling – eine Frau mit Vision“ zu präsentieren. Die Münchner Schauspielerin Mirjana Angelina bringt mit ihrem Stück das Leben der Gründerin der Allianzkonferenz und des Allianzhauses erstmals auf die Bühne.

Die Schriftstellerin Anna Thekla von Weling (1837–1900) war 1886 aus dem Rheinland nach Bad Blankenburg gezogen und hatte in dem Ort die Villa Greifenstein unterhalb der gleichnamigen Burg erworben. Dorthin lud Weling noch im selben Jahr zur ersten Allianzkonferenz ein mit dem Ziel, das Miteinander von Christen zu stärken. Die Uraufführung des Theaterstückes wird dann auf der 125. Jubiläumskonferenz 2021 stattfinden.

Die Evangelische Allianz ist nach eigenen Angaben ein Netzwerk verschiedener evangelisch gesinnter Organisationen und Gemeinden. Sie wurde 1846 in London als interkonfessionelle Einigungsbewegung gegründet. In Deutschland gib es derzeit rund 1.000 örtliche Allianzen. Vorsitzender ist Pastor Ekkehart Vetter, der hauptamtlich Präses des freikirchlichen Mülheimer Verbandes ist. Als Generalsekretär amtiert Reinhardt Schink, der auch der Geschäftsführer des Evangelischen Allianzhauses in Bad Blankenburg ist.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 19 May 2020 09:48:00 +0200
<![CDATA[Thomas Gottschalk wird 70]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/05/18/thomas-gottschalk-wird-70/ Thomas Gottschalk hat am Montag seinen 70. Geburtstag gefeiert. Der Fernsehmoderator und Katholik bekam dafür extra eine Sondersendung im ZDF. Bei dem Sender erlangte er mit der Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ deutschlandweite Bekanntheit.

Geboren wurde Gottschalk 1950 in Bamberg. Als Kind war er Ministrant in der Kulmbacher Stadtkirche und arbeitete während seiner Schulzeit als Kinder- und Jugendbetreuer in der katholischen Pfarrgemeinde. Nach seinem Lehramtsstudium der Germanistik und Geschichte begann Gottschalk seine Moderatorenkarriere zunächst im Rundfunk bei Bayern 3, bevor er später zum Fernsehen wechselte und dort 1976 seinen Durchbruch mit der Musikclip-Sendung „Szene“ schaffte. In den folgenden Jahren moderierte Gottschalk mehrere Sendungen im ZDF. Für die Sendung „Na sowas!“ erhielt er 1986 die Goldene Kamera. Am 26. September 1987 übernahm Gottschalk von Frank Elstner die Sendung „Wetten, dass..?“.

Als sich Samuel Koch am 4. Dezember 2010 in der Sendung schwer verletzte, gab Gottschalk bekannt, nach dem Ende der laufenden Staffel seine Arbeit als Moderator bei „Wetten, dass..?“ zu beenden. Er könne nach dem schweren Unfall nicht so weitermachen wie bisher. Es liege ein „Schatten auf der Sendung“, der es ihm nicht erlaube, „zu der guten Laune zurückzufinden“, die die Sendung und das Publikum verdiene.

Gottschalk und Katholizismus

Um den Fernsehstar ausreichend zu würdigen, feierte das ZDF gemeinsam mit Gottschalk in einer Berliner Kneipe in dessen Geburtstag hinein. In der Sondersendung gratulierten und besuchten ihn unter anderem die TV-Größen Barbara Schöneberger, Günther Jauch, Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf.

Bis heute prägt Gottschalk seine katholische Erziehung – und sein Onkel. Der katholische Pfarrer habe ihn immer wieder mit dem Satz ermahnt: „Und vergiss mir den Herrgott nicht.“ Ihm verdanke Gottschalk auch, dass er „bis heute nicht vom Glauben abgefallen ist".

Selbst einmal im kirchlichen Bereich zu arbeiten, sei für ihn dennoch nicht wirklich infrage gekommen: „Ich wollte ins Radio und schaffte es ins Fernsehen“, schreibt Gottschalk in seinem Buch „Herbstbunt“. Darin beschreibt er auch seine Schwierigkeiten, dass damals vermittelte konservative Weltbild abzulegen. „Ich bin einen langen Weg gegangen, bis es mir gelang, schwules Verhalten als normal zu betrachten.“ Noch immer habe er „spießige Reflexe“, wenn sich Männer küssten.

Sogar im beruflichen Alltag, helfe ihm seine christliche Erziehung. In der wegen der Corona-Pandemie abgesagten RTL-Show „Die Passion“ sollte Gottschalk die Leidensgeschichte Jesus erzählen. Im Vorfeld zeigte er sich erfreut über diese Rolle. Für ihn persönlich sei die „Erlösungsgeschichte mehr als eine fromme Legende“, sagte der Entertainer gegenüber RTL. Da er bereits als Jugendlicher die Passion als Vorbeter vorgetragen habe, könne er heute sagen, dass er noch nie so gut wie jetzt auf einen TV-Auftritt vorbereitet war.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 18 May 2020 16:46:00 +0200
<![CDATA[YouTube: Polnischer Dokumentarfilm erreicht Millionen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/05/18/youtube-polnischer-dokumentarfilm-erreicht-millionen/ Ein Dokumentarfilm über sexuellen Missbrauch von pädophilen Geistlichen an Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche in Polen auf YouTube ist mehr als 4 Millionen Mal aufgerufen worden. Die Dokumentation legt den sexuellen Missbrauch katholischer Geistlicher am Beispiel von zwei polnischen Jungen offen.

Der Film thematisiert, dass in Polen Priester nach Missbrauchsfällen an Kindern und Jungendlichen nur versetzt, aber die Vergehen nicht strafrechtlich verfolgt wurden. Mehr als 14.000 Kommentare haben Nutzer bislang zu dem Film auf YouTube abgegeben, der auf der Videoplattform auch mit englischen Untertiteln zu Verfügung steht.

Vorgängerfilm löste öffentliche Debatte aus

Es ist der zweite Film des Autorenteams, der Brüder Tomasz und Marek Sekielski, zu diesem Thema. Im Mai 2019 veröffentlichten die Sekielskis ihren ersten Dokumentarfilm über sexuellen Missbrauch von Kindern in der katholischen Kirche in Polen. Der Film „Sag es niemandem" löste eine landesweite Diskussion aus und erreichte auf YouTube innerhalb der ersten zehn Tage der Online-Verfügbarkeit rund 20 Millionen Zuschauer.

Wenige Stunden nach der Premiere gaben der Primas von Polen, Wojciech Polak, und der Erzbischof Stanisław Gądecki, Erklärungen ab. Einige Tage nach Veröffentlichung auf der Videoplattform erfolgte eine Übertragung des Films im Fernsehen. Der zweistündige Dokumentarfilm wurde inzwischen rund 23 Millionen Mal auf YouTube angesehen. Nun planen die Filmemacher nach Angaben des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) offenbar einen Film über den früheren Papst Johannes Paul II., der aus Polen stammte und am 18. Mai seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte.

Nach RND-Angaben hatte die Bischofskonferenz im März 2019 einen Bericht über sexuellen Missbrauch innerhalb der Kirche vorgelegt. Demnach waren in Polen zwischen 1990 und 2018 382 Geistliche als Täter registriert worden. Nach Auffassung von Kritikern sei der Bericht nicht umfassend genug, berichtet RND.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 18 May 2020 14:34:00 +0200
<![CDATA[Medienmacher auf der Kanzel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/05/18/medienmacher-auf-der-kanzel/ Manch einer kennt ihn aus der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“, doch inzwischen scheint Julian Sengelmann in den Medien geradezu prädestiniert zu sein für kirchliche Themen. Ob er für den NDR christliche Feiertage erforscht oder im Sat.1-Sonntags-Talk mit verschiedensten Promis redet, irgendwie hat das alles mit Glauben und Kirche zu tun. Medien und Theologie, das sind auch in seinem persönlichen Leben zwei Stränge, die sich stets nebeneinander entwickelt haben.

Schauspieler und Rockstar, das war nach dem Abitur der eigentliche Berufswunsch des jungen Mannes aus Hamburg. Nach dem Zivildienst habe er sich an zehn Schauspielschulen beworben, erzählt er, und sei überall eingeladen worden. „Ich habe zehnmal meine Rollen vorbereitet – und bin kein einziges Mal hingegangen“, bekennt der 37-Jährige jedoch. „Um ehrlich zu sein: Ich hatte einfach nur Schiss.“ Als das letzte Vorsprechen ohne ihn stattgefunden hatte und dazu noch seine Band auseinanderbrach, dachte er: „Wieso nicht Theologie studieren?“

Dieses Studium sei ihm passend zu seiner Schulzeit an einem humanistischen Gymnasium wie eine „Luxus-Allgemeinwissens-Ausbildung“ vorgekommen. Den Bezug zur Kirche gab es durchaus. Bei den Pfadfindern – in Julian Sengelmanns Fall ein nichtkirchlicher Verband und eher linksorientiert – hatte man ihm beigebracht, die Dinge zu hinterfragen. Kirche genoss in dieser Gruppe nicht den besten Ruf. So habe er sich entschlossen, den Konfirmandenunterricht zu besuchen, um sich selbst ein Bild zu machen, erklärt Sengelmann.

Der Jugendliche wurde positiv überrascht. „Ich hatte einen Pastor, der alles andere war als pastoral“, erinnert er sich. „Der hat in einer Sprache gesprochen, die ich als 14-Jähriger verstehen konnte.“ So kam es, dass er nach der Konfirmation zur Jugendgruppe ging und sich dort angenommen fühlte, gerade auch als oftmals unsicherer, pubertierender Jugendlicher. Die Gemeinschaft sowie Themen, die ihn persönlich etwas angingen, ließen ihn dabeibleiben. „Ich hatte in meiner Zeit in der Kirche eine wahnsinnig intensive, total Iebensnahe Auseinandersetzung mit dem, was dann später mein Glaube werden sollte“, sagt er rückblickend.

Von daher schien ihm der Gedanke an ein Theologiestudium nicht so abwegig. Parallel zum Studium entwickelte sich außerdem die Karriere als Musiker und Schauspieler. So passte es gut, dass die Nordkirche, die Evangelische Kirche zwischen Nord- und Ostsee, nach Sengelmanns Studium als Pilotprojekt ein sogenanntes berufsbegleitendes Vikariat anbot. Passend zum jeweiligen Berufskontext wird dafür ein individueller Plan erstellt. „Am Ende des Tages muss man natürlich all das machen, was die Regelvikare auch machen“, erklärt Sengelmann. Das heißt: Er hat das Predigerseminar besucht, in einer Grundschule unterrichtet und war in der Gemeinde und der Seelsorge tätig.

Dieser Einblick in Kirche hat bei dem Vikar einiges Nachdenken in Gang gesetzt. Nachzulesen in seinem aktuellen Buch „Glaube ja, Kirche nein?“. Darin geht es viel um notwendige Veränderungen, etwa bei den Strukturen. Gleichzeitig ist dem Autoren die große Zuneigung zu seiner Kirche abzuspüren, gipfelnd in dem Kapitel „I love you“. Sein optimistisches Fazit: Veränderung war schon immer Teil der Kirche und wird es weiter sein. Zu den Erkenntnissen, die er an den Kapitelenden frisch formuliert festhält, gehört, dass Kirche Kommunikationsgeschehen ist und sich neu ins Gespräch bringen und kennenlernen lassen muss.

Wo Glaube und Leben zusammenkommen

Hat er das im Vikariat selbst schon ganz praktisch umgesetzt? „Ich versuche, die Fremdheit zu nehmen“, erklärt Sengelmann nach kurzem Nachdenken auf die Frage, was er anders mache. Er erzählt von einem einschneidenden Erlebnis, als er mit seinen Konfirmanden im Gottesdienst einer Kollegin gesessen habe. „Drei sehr kluge, freche Jungs sind mitten im Gottesdienst aufgestanden und rausgegangen. Ich bin etwas erbost hinterher und habe gefragt: ‚Jungs, was soll das denn?‘ Und sie antworteten: ‚Das kann doch nicht der Sinn von Kirche sein, dass wir uns die ganze Zeit demütig und kleingemacht fühlen!‘“

Vieles von der Sprache und der Liturgie her war den Jungen unverständlich, begriff Sengelmann. Gemeinsam hätten sie das daraufhin thematisiert, seien die Gottesdienstliturgie miteinander durchgegangen „Wir haben alles umgeschmissen und daraufhin einen eigenen Gottesdienst gemacht“, sagt der Theologe. Herausgekommen sei kein klassischer agendarischer Gottesdienst, sondern etwas Neues, wo der eigene Glaube Ausdruck gefunden habe. „Wir haben versucht, inhaltlich miteinander zu bestimmen, was die einzelnen liturgischen Teile eigentlich bedeuten und wie man das heute umsetzen kann.“

Auch das Modell einer Art Wohnzimmerkirche, initiiert von einer Freundin in Hamburg, überzeugt den Theologen. „In einer schönen, alten Kirche in Ottensen werden freitagabends alle Bänke zur Seite geschoben und Sofas reingestellt“, erklärt er. „In der Mitte steht ein Kaugummiautomat, der ist gefüllt mit Kugeln, wo große Fragen draufstehen.“ Zwei Stunden inklusive Musik, Impulse und Abendmahl dauere der Gottesdienst. „Die Besucher werden mit eingebunden und kommen miteinander ins Gespräch. Menschen erzählen von all dem, was sie umtreibt.“ Und das komme an: „Es platzt aus allen Nähten und man geht nach zwei Stunden raus und denkt: Da kommen Glauben und Leben zusammen!“

Dass genau das in der Kirche möglich ist, will Sengelmann weitergeben. Wie es allerdings für den verheirateten Vater einer kleinen Tochter nach dem Pfarrexamen konkret weitergeht, ist noch offen. Die Kombination von Medienmensch und Pfarrer ist nicht unbedingt das Übliche. Was daraus vielleicht entsteht, ist noch nicht spruchreif. Nur so viel verrät Sengelmann: „Die Kirche und ich reden miteinander.“ Klar ist für ihn jedoch: Nach dem Examen ist er mit der Kirche noch längst nicht fertig. „Ich hätte nicht dreieinhalb Jahre berufsbegleitendes Vikariat gemacht, wenn ich dann nicht etwas in oder mit Kirche machen wollen würde.“

Von: Christina Bachmann

Dieser Artikel ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen, das Sie hier oder telefonisch unter der Nummer 06441/5667752 bestellen können.

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Mon, 18 May 2020 13:37:00 +0200
<![CDATA[Arte attestiert Evangelikalen fantastische Wachstumszahlen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/05/17/arte-attestiert-evangelikalen-fantastische-wachstumszahlen/ Eine TV-Kritik von Nicolai Franz]]> „Wenn der Pastor predigt, sind alle wie in Trance“, kommentiert die Sprecherin die Lobpreisszenen in der Arte-Sendung „Vox Pop“. Die Bilder stammen aus der schwarzen Gemeinde „SPAC Nation“ in London, die gerade ihren Glauben mit ausgelassener Musik feiert. „Dies ist kein Rap-Konzert, sondern eine Sonntagsmesse“, heißt es im Arte-Beitrag. Natürlich sind Messen eigentlich katholische Gottesdienste, aber geschenkt.

Die Gemeinde sei gegründet worden, um Jugendliche von der Straße zu holen. Über sie sagt Pastor Tobi Adegboyega: „Wir müssen in ihre Welt eintauchen, sie aber selbst entscheiden lassen.“ Das sei eine „bewährte Strategie“, heißt es aus dem Off, viele Mitglieder seien ehemals Kriminelle. Adegboyega, der einen Sportwagen fährt und Rolex trägt, erklärt seinen Lebensstil damit, dass die Jugendlichen ihn dann ernster nähmen. „Wenn ich in Lumpen predigen müsste, um sie zu erreichen, dann würde ich Lumpen tragen.“

Verdopplung in zehn Jahren

Dann geht es um einen Straßenprediger, der Gottes Gericht über Großbritannien ankündigt. „Die Evangelikalen wissen, wie man kommuniziert, sich in Szene setzt und aggressiv missioniert. Und sie legen überall zu“, heißt es im Beitrag. Es folgen Zahlen, bei denen sich der Zuschauer verwundert die Augen reibt: In Großbritannien hätten sich die Evangelikalen in 20 Jahren vervierfacht, in Deutschland in zehn Jahren verdoppelt und in Frankreich hätten sie alle zehn Tage eine neue Kirche gegründet. Woher diese fantastischen Zahlen stammen, ist nicht bekannt. Sie widersprechen zumindest für Deutschland allen bekannten seriösen Erhebungen. In Deutschland hat der relativ größte Anteil der Evangelikalen in Landeskirchen ihre geistliche Heimat, die nicht gerade für übermäßiges Wachstum bekannt sind. Auch die Freikirchen stagnieren überwiegend. Lediglich im Bereich der charismatischen und Pfingstgemeinden gibt es deutlicheres Wachstum. Aber dass sich die Gesamtzahl von geschätzt etwa einer Million Evangelikalen seit 2010 verdoppelt habe, davon kann keine Rede sein.

Die Arte-Autoren kritisieren, dass die wachsenden Kirchen Prinzipien aus der Wirtschaft anwenden, „denn manchen Kirchen ist ihr Umsatz wichtiger als das Seelenheil ihrer Schäfchen“. Als Schnittbild muss ein Rosenkranz herhalten, der auf einem 20-Euro-Schein liegt. Als Zuschauer fragt man sich unweigerlich, ob die französischen Autoren wirklich nicht wissen, dass ein Rosenkranz ein typisch katholisches Symbol ist. Da wundert es nicht, dass Frömmigkeitsformen, die sich von denen der „l'Église catholique“ unterscheiden, sie offenbar in hohem Maße irritieren.

Nah im Bereich der Verschwörungstheorien

Ausgerechnet Justin Welby, der populäre Erzbischof von Canterbury, ist im Arte-Film ein Indiz dafür, dass die Evangelikalen die Anglikanische Kirche „unterwandert“ hätten. Ein Hinweis: Vor der Robe des Erzbischofs habe er Business-Anzüge getragen „und machte Karriere mit Erdöl in Afrika“. Er habe nach seiner Wahl Evangelikale auf alle Schlüsselposten gesetzt. Wer schon häufiger Beiträge dieser Art gesehen hat, weiß, was jetzt kommen muss: Die Evangelikalen sind reich, wissen, wie man an Großspender kommt, und sie kaufen sich mit ihrem Geld politische Macht in Kirche und Gesellschaft, so stellt es auch hier ein Journalist fest.

Wie viel Geld sie haben, was „die Evangelikalen“ kaufen und wie viel Geld sie im Verhältnis zu anderen haben – all das wird nicht erwähnt. Damit bewegt sich „Vox Pop“ gefährlich nahe an den Bereich der Verschwörungstheorien: Natürlich kann es zutreffen, dass Evangelikale sich Macht und Einfluss kaufen. Doch wer solche Behauptungen aufstellt, muss sie auch belegen können. Es reicht jedoch nicht, zu erwähnen, dass es auch Evangelikale gibt, die viel Geld besitzen. Nicht auszudenken, welche Theorien gestrickt würden, sollte Milliardär Bill Gates, schon jetzt Zielscheibe von Verschwörungstheorien, demnächst sein Coming-Out als Evangelikaler verkünden.

Doch so reicht es für „Vox Pop“ schon, wenn die Church of England ein Schulungszentrum für Kirchengründungen mit Strategien aus der Start-Up-Szene garniert, um ein Geschmäckle zu finden.

Dann endlich gelangt der Film auch an tatsächlich höchstproblematische Erscheinungen am Rande des Evangelikalismus, etwa das Wohlstandsevangelium: Bekehre dich, dann wirst du reich. Dahinter stecken meist Scharlatane, die ihren Mitgliedern das Geld aus der Tasche ziehen, um selbst reich zu werden. Möglicherweise gehört auch die „SPAC Nation“-Church aus London dazu. Eine empörende Praxis. Gut, dass im Arte-Beitrag auch ein evangelikaler Kronzeuge zu Wort kommt, der den wohl tatsächlichen evangelikalen Konsens formuliert: Der von Gott versprochene Reichtum sei „vor allem spiritueller Art“.

Auch von einem Finanzskandal im Bereich des Immobilienbetrugs ist die Rede, laut Film „nicht der erste Betrugsfall in der evangelikalen Kirche“, um dann weitere Fälle aus Großbritannien, Norwegen und der Ukraine zu erwähnen. Die Hinweise verdichten sich immer mehr, dass man in den Arte-Studios an die Existenz einer verfassten evangelikalen Kirche glaubt. Bei der Abmoderation wird aus Vermutung Gewissheit: „Heute gibt es etwa 23 Millionen Evangelikale in Europa, Tendenz steigend. Jedes Jahr treten weltweit zehn Millionen Menschen der evangelikalen Kirche bei.“ Da ist sie also wieder, diese „evangelikale Kirche“ – die es in dieser Form gar nicht gibt. Im französischen Original ist immerhin nur von „Konvertierung“ die Rede. Dennoch passt der Fehler zum Gesamteindruck: Ja, es gibt problematische Praktiken. Aber gerade bei einer eher unbekannten Bewegung wie der evangelikalen ist Differenzierung umso wichtiger. Der weit überwiegende Teil europäischer Evangelikaler dürfte über Wohlstandsprediger, Finanzbetrüger und pseudofromme Machtmenschen ebenso die Nase rümpfen wie alle anderen.

Der Beitrag „Vox Pop: Evangelikale – Missstände aufdecken“ lief am Sonntag um 11.35 Uhr auf Arte und wird am 21. Mai um 6.40 Uhr und am 13. Juni um 3.30 Uhr wiederholt.

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Sun, 17 May 2020 15:31:00 +0200
<![CDATA[Computer-Spiel: Einmal so sein wie Jesus?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/05/16/computer-spiel-einmal-so-sein-wie-jesus/ Er ist der bekannteste Mann aller Zeiten. Sein Leben und seine Geschichte, welche bis heute von unzähligen Menschen in der Bibel gelesen wird, ist der Mittelpunkt des gesamten Christentums. Die Geschichte von Jesus Christus sollte jeder gläubiger Christ zumindest einmal in seinem Leben gelesen haben und diese ist, dank dem Spiel „I am Jesus Christ“, bald nicht nur lesbar, sondern auch spielbar.

Das finale Stadium der Auferstehung

Dieses Spiel, welches auf der Spiele-Plattform „Steam“ erscheinen wird, lässt den Spieler in die Rolle von Jesus schlüpfen und versucht seine Erlebnisse realistisch zu simulieren. Dabei folgt der Spieler dem Weg von Jesus, indem er Kranke heilt, 5.000 Menschen sattmacht und andere biblische Wunder begleitet. Dabei soll das finale Ziel des Spieles die Wiederauferstehung vom Tod sein, um der Welt zu zeigen, dass man lebt: „Reach the final stage of Resurrection and show the world that you are alive!“ – „erreiche das finale Stadium der Auferstehung und zeige der Welt, dass du lebst", wirbt die Spieleschmiede „PlayWay S.A“.

Im Internet sorgt das geplante Spiel eher für Schmunzeln. Den Hersteller scheint das nicht zu stören. Auf seiner eigenen Website verlinkte PlayWay S.A sogar ein Video, das die „lustigsten Reaktionen“ auf das Jesus-Spiel zeigen.

Demnächst folgen mindestens zwei weitere Titel auf Steam, die interessant für christliche Zocker sein könnten: Zum einen das Spiel „Noah's Ark“, ebenfalls entwickelt von PlayWay S.A., in dem Zocker die Geschichte vom biblischem Noah nachspielen können, und das Spiel „Pope Simulator“ von „Ultimate Games“. Im Gegensatz zu den anderen zwei Spielen schlüpft man nicht in die Rolle einer bestimmten Person, sondern wird sein eigener Papst, trifft eigene Entscheidungen und versucht durch Diplomatie den Weltfrieden herzustellen und zu erhalten.

Von: Jonah Trees

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Sat, 16 May 2020 09:58:00 +0200
<![CDATA[World Vision: Mehr Gewalt gegen Kinder in der Corona-Krise]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/05/15/world-vision-mehr-gewalt-gegen-kinder-in-der-corona-krise/ In ihrem Bericht „Aftershocks – a Perfect Storm“ warnt die christliche Kinderhilfsorganisation World Vision davor, dass in vielen Ländern der Erde in der Corona-Pandemie Kindesmissbrauch und Gewalt zunimmt. Aus Bangladesch etwa berichteten neben World Vision auch andere Institutionen, dass Schläge durch Eltern oder Erziehungsberechtigte um 42 Prozent zugenommen haben. „Es gab auch 40 Prozent mehr Anrufe beim Kinder-Not-Telefon, und die Hälfte aller Befragten nannten fehlende Sicherheit für Mädchen als ein Problem bei den Ausgangssperren“, sagte Dana Buzducea, Advocacy-Direktorin von World Vision International.

Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht die Kinderhilfsorganisation dort, wo Kinder gerade mit ihren Familien in Existenznot geraten oder wo sie bereits unter Katastrophen-Folgen und Konflikten leiden. Jungen gerieten verstärkt unter Druck, Arbeit zu suchen statt zur Schule zu gehen. Mädchen seien Opfer sexueller Ausbeutung; zudem bestehe Gefahr, dass in den kommenden zwei Jahren vier Millionen mehr Mädchen mehr als sonst zwangsverheiratet werden.

Eventuell 85 Millionen mehr Fälle

Die Hilfsorganisation verstärkt nach eigener Aussage derzeit ihre Kinderschutzmaßnahmen, in Zusammenarbeit mit Regierungen, internationalen Partnern und vielen lokalen Multiplikatoren, einschließlich tausender engagierter Jugendlicher. „Im Corona-Hilfseinsatz wurden bereits mehr als 390.000 Kinder mit akuten Problemen durch Kinderschutzprogramme unterstützt“, heißt es im Bericht. „Diese erleichtern auch Kindern ohne Papiere oder Kindern mit Behinderungen den Zugang zu Hilfen.“ Über 684.000 Kindern, Eltern und betreuenden Personen sei seit Ausbruch der Pandemie auch durch Bildungshilfen oder Schulungen geholfen worden. Inklusive der Gesundheitsvorsorge und anderer Nothilfe wurden bislang 9,7 Millionen Kinder und 24,4 Millionen Menschen insgesamt in der Corona-Krise unterstützt.

World Vision schätzt, dass in den kommenden drei Monaten körperliche, sexuelle oder emotionale Gewalt um bis zu 85 Millionen Fälle anwachsen könnte, wenn sich der aktuelle Trend fortsetze. „Günstigstenfalls“ sei von einem Anstieg der Gewalt um 20 Prozent im weltweiten Durchschnitt und rund 53 Millionen zusätzlich betroffenen Kindern auszugehen, heißt es im Bericht „Aftershocks – a Perfect Storm“.

Die Organisation bemängelt zudem, dass persönlich ausgeübte Gewalt gegen Kinder vielerorts kaum offiziell nachverfolgt wird und Schutz- oder Hilfsmechanismen nicht ausreichend finanziert werden. Auch in Europa müsse man wachsam darauf reagieren, sagte Dana Buzducea. „Leider ist das Zuhause nicht für alle Kinder ein sicherer Ort, und durch Kontaktsperren sind viele Familienmitglieder mit gewalttägigen Menschen isoliert. Schulen und soziale Einrichtungen können betroffene Kinder derzeit nicht so schützen und unterstützen, wie sie es sonst tun.“

Kinderschutz braucht hohe Priorität

Der Vorstandsvorsitzende von World Vision Deutschland, Christoph Waffenschmidt, sieht keine schnelle Verbesserung der Gefahr für Kinder in den nächsten Monaten. „Es besteht sogar die Gefahr, dass die Dinge für sie nie wieder ‚normal‘ werden, und Millionen von Mädchen und Jungen in Gewaltzyklen gefangen bleiben“, so Waffenschmidt. Er appelliert auch an die Regierungen, die Kinder bei Rettungsschirmen nicht zu vergessen. „Andernfalls werden die Nachbeben noch unter den kommenden Generationen zu spüren sein.“

Der World-Vision-Bericht nennt acht Maßnahmen, um die Situation gefährdeter Kinder zu verbessern. So müssten etwa Meldemechanismen wie Kinder-Hotlines dringend auch in der Krise funktionieren. Der Zugang zu psychosozialer Unterstützung und therapeutischer Hilfen für Kinder sowie für Eltern oder Betreuer müsse gesichert oder geschaffen werden. Dazu seien auch verstärkt Schulungen zu COVID-19-bezogenen Kinderschutzrisiken nötig. Kinderschutz sollte in den Reaktionsplänen zur Corona-Krise auf nationaler Ebene eine hohe Priorität haben, fordert World Vision. „Budgets und Investitionen, die auf den Schutz von Kindern und die Beendigung von Gewalt gegen Kinder abzielen, sollen aufrecht erhalten und nach Möglichkeit ausgedehnt werden“, heißt es im Bericht, und weiter: „Die Geber sollten auch sicherstellen, dass vier Prozent der gesamten humanitären Hilfe für den Kinderschutz aufgewendet werden, und Regierungen und andere Akteure dazu ermutigen, von Anfang an zweckgebundene Mittel für Kinderschutzmaßnahmen bereitzustellen.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 15 May 2020 15:36:00 +0200
<![CDATA[Kirchensteuer: Evangelische Kirche rechnet mit deutlichem Rückgang]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/05/15/kirchensteuer-evangelische-kirche-rechnet-mit-deutlichem-rueckgang/ Seit mehreren Monaten dauert die Coronakrise bereits an. Dennoch sei es für eine fundierte Beurteilung der wirtschaftlichen Folgen zu früh, erklärt der Leiter der Kommunikation des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG), Michael Gruber, auf Nachfrage von pro. In den aktuellen Monatszahlen des Bundes seien keine größeren Auswirkungen des Spenderverhaltens zu erkennen. Dennoch rechne man mit einem Spendenrückgang. Es gelte, die Entwicklung genau zu beobachten und zu prüfen, welche Ausgaben zum jetzigen Zeitpunkt wirklich nötig seien. Zum BEFG gehören etwa 82.000 Mitglieder.

Ähnlich verhält sich die Situation in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK), zu der knapp 50.000 Menschen gehören. Eine positive oder negative Entwicklung der Finanzen hänge in erster Linie von der weiteren wirtschaftlichen Gesamtsituation in Deutschland und damit von der der einzelnen Mitglieder ab, sagt Pressesprecher Klaus Ulrich Ruof. In nur wenigen Arbeitsbereichen, wie der Zeltmission, habe man Kurzarbeit beantragen müssen. Aktuell verzeichneten einige Gemeinden zwar Spendenrückgänge, andere aber wiederum Zuwächse.

Der Schatzmeister des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP), Daniel Dallman, lobt gegenüber pro die Bereitschaft der Mitglieder, die Gemeinde „weiterhin und vermehrt zu tragen“. Ein Wegfall der sonntäglichen Kollekte müsse dennoch hingenommen werden. Daher passten einige Gemeinden ihre Budgets nun an. Zudem könnten Gemeinden, die wegen der Coronakrise finanzielle Schwierigkeiten bekämen, eine Reduzierung oder zweimonatige Aussetzung des Gemeindebeitrags an den Bund beantragen. Davon hätten momentan sieben von etwa 830 Gemeinden Gebrauch gemacht. Zum BFP gehören mehr als 60.000 Mitglieder.

Einbruch der Kirchensteuer befürchtet

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rechnet wegen der Coronakrise derweil mit erheblichen finanziellen Einschnitten. Der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm warnte bereits Mitte April vor geringeren Einnahmen. „Wir rechnen schon in diesem Jahr mit spürbar weniger Kirchensteuern und im nächsten Jahr sogar mit einem noch stärkeren Rückgang“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Früher oder später werde der Punkt kommen, an dem nicht mehr alle Projekte finanziert werden könnten.

Konkrete Zahlen nannte diese Woche die Evangelische Kirche im Rheinland. Nach eigenen Angaben erwartet sie einen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen von bis zu 15 Prozent – das entspräche 75 Millionen Euro. Daher „sichten wir gerade den Haushalt, um zu prüfen, auf welche geplanten Ausgaben wir zunächst verzichten können, um Liquidität zu sichern“, berichtete Sprecher Jens Peter Iven der Deutschen Presse-Agentur.

Die katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen können noch keine genauen Zahlen nennen, rechnen aber ebenfalls mit einem „spürbaren“ Effekt. Aufgrund des anhaltenden Mitgliederrückgangs in den vergangenen Jahren habe man beispielsweise im Bistum Münster einen Sparprozess und umfassende Veränderungen angestoßen. Die Pandemie mache diesen nun umso notwendiger, teilte das Bistum mit.

Laut einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beginnt mit der Coronakrise auch für die Kirchen die große „Dürre“. In einer Bestandsaufnahme sprechen die Redakteure Reinhard Bingener und Daniel Deckers sogar von einer „kirchenhistorischen Zäsur“. Eine Studie des Finanzwissenschaftlers Bernd Raffelhüschen hatte herausgefunden, dass sich die Zahl der Mitglieder und der Erträge bis 2060 halbieren.

Harte Einsparungen unsausweichlich

Die Coronakrise mache das „Mittelfristige tagesaktuell“, erklärt Jörg Antoine, Konsistorialpräsident der Evangelischen Kirche in Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Das Problem der süddeutschen Landeskirchen sei, dass sie ihre Einnahmen durch viele „kirchentreue Mittelständler“ generiere. Das habe dazu geführt, dass die württembergische Landeskirche im April über 20 Prozent Einnahmeverluste verbuchen musste. Dies mache harte Einsparungen unausweichlich.

Etwas anders sehe die Lage in der katholischen Kirche aus. Einige wenige Bistümer verzeichneten hohe Einnahmen und verfügten über große Rücklagen. Andere müssten ihr Defizit durch den Griff in die Rücklagen auffangen. Die Coronakrise treffe die Kirchen härter als die Finanzkrise vor über zehn Jahren, da dieses Mal alle Sektoren der Volkswirtschaft betroffen seien.

Drei Leitkriterien für die Arbeit der EKD

Schwierig könnte es für die Kirche werden, wenn ihr „nach Corona vermehrt die Bezieher höherer Löhne und Einkommen den Rücken kehrten“. Auch auf mögliche Fusionen wirke sich das aus. Wo bisher beim Zusammenschluss von Kirchenkreisen die Freiwilligkeit im Vordergrund stand, steige jetzt der Druck zu Zwangsfusionen.

Die FAZ-Redakteure glauben nicht, dass die „hereinbrechende Geldnot“ zu einer „Reform von oben“ führe. Leidtragende könnten die ärmeren Landeskirchen sein. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) arbeite gerade daran, bis 2030 in einem „ambitionierten Sparkurs“ 30 Prozent ihrer Ausgaben zu sparen. Ziel der Einsparungen seien drei Leitkriterien. Die Arbeit der EKD solle „die Landeskirchen entlasten, die Mitgliederbindung stärken und die öffentliche Präsenz der Kirche erhöhen“.

Situation in den USA bedrohlich

Während Gemeindebünde und Kirchen in Deutschland noch keine existentiellen Nöte wegen des Coronavirus befürchten und nur die Finanzierbarkeit einzelner Projekte prüfen, gestaltet sich die Situation in den USA wesentlich dramatischer.

Eine Umfrage der „National Association of Evangelicals“ (Nationale Vereinigung der Evangelikalen) unter 1.000 US-Gemeinden ergab, dass fast zwei Drittel (65 Prozent) von ihnen seit Mitte März, als die Präsenz-Gottesdienste eingestellt wurden, einen deutlichen Spendenrückgang verzeichneten. Als Ursache für finanzielle Schwierigkeiten nennt Studienleiter Brian Kluth die steigende Arbeitslosigkeit und reduzierte Einkommen. Die erhobenen Daten stammen vom 23. April und dürften sich aufgrund der inzwischen weiter gestiegenen Arbeitslosenzahlen weiter verschlechtert haben.

Laut der Washington Post leiden vor allem kleinere Gemeinden unter dem Spendenrückgang. Es sei zu befürchten, dass das Coronavirus viele dieser Gemeinden zerstören könne. Etwa ein Drittel verfügten über keinerlei Ersparnisse. Hinzu komme, dass viele Gemeinden in der Krise wegen der ausfallenden Gottesdienste nicht präsent für die Mitglieder seien. Laut der zitierten National-Congregations-Studie von 2019 haben 20 Prozent ihre Gottesdienste im Internet übertragen. 48 Prozent der untersuchten Gemeinden waren in der Lage, Spenden elektronisch entgegenzunehmen.

Alle Kirchen in den USA finanzieren sich über Spenden oder Mitgliedbeiträge. Eine Kirchensteuer wie für die zwei großen Kirchen in Deutschland gibt es in den USA nicht.

Von: Martin Schlorke/Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 15 May 2020 13:06:00 +0200
<![CDATA[JLo-Tochter schreibt Gebetbuch, um Faultiere zu retten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/05/15/jlo-tochter-schreibt-gebetbuch-um-faultiere-zu-retten/ Emme Muñiz, die zwölf-jährige Tochter von Pop-Sängerin Jennifer Lopez (genannt „JLo“), veröffentlicht ein Gebetbuch. Der Bildband mit dem Titel „Lord help me“ (zu Deutsch: „Herr hilf mir – Inspirierende Gebete für jeden Tag“) soll im Herbst bei dem amerikanischen Verlag Crown Books for Young Readers erscheinen. Das hat der Verlag am Donnerstag auf seiner Website angekündigt.

Demnach soll das Buch am 29. September 2020 gleichzeitig in englischer und spanischer Sprache mit einer Erstauflage von 100.000 Exemplaren erscheinen.

Inspiriert von eigenen Gebeten

Inspiriert von Muñiz' eigenen täglichen Gebeten soll das „süße und beruhigende Bilderbuch“ die Leser mitnehmen zu „gewöhnlichen Momenten“, in denen Emme Gott um Hilfe bittet. Etwa das Aufwachen für die Schule oder das Zusammensein mit Geschwistern. Emme hat demnach aber auch große Dinge im Blick, zum Beispiel die Hilfe Gottes zur Rettung des Planeten und all seiner Geschöpfe.

Wie der Verlag mitteilte, sei Emme Muñiz durch ihre eigene Erfahrung mit dem Gebet zum Schreiben des Buches inspiriert worden. Aus ihrer Sorge um bedrohte und vom Aussterben bedrohte Tiere wie Faultiere begann das Mädchen, Gott um Hilfe zu bitten.

Trost im Gebet

„In der Schule lernte ich über Faultiere und darüber, dass sie vom Aussterben bedroht sind, und so begann ich, in meinen nächtlichen Gebeten für sie zu beten“, erklärte Muñiz. Sie habe dieses Buch geschrieben, um Geld für die Rettung des Faultiers zu sammeln und gleichzeitig anderen Kindern beizubringen, wie „wir beten und um Hilfe bitten können“. Dinge, die dem Mädchen viel Trost gebracht hätten.

Emme Muñiz war zuletzt mit ihrer Mutter Jennifer Lopez bei der Halbzeitshow des 2020 Super Bowl aufgetreten. Zusammen mit ihrem Zwillingsbruder Max ist sie regelmäßig Gegenstand der Social Media-Posts ihrer weltberühmten Mutter, die liebevolle Kosenamen für ihre Tochter erfindet. „Ich bin so stolz auf Emme, meine kleine Kokosnuss. Sie teilt in ihrem ersten allerersten Buch ihre Gebete“, teilte die Pop-Ikone auf Instagram mit.

Emme ist die Tochter von Jennifer Lopez und Marc Anthony und liebt es nach Angaben des Verlags, Zeit mit ihren Freunden und ihrer Familie zu verbringen – besonders mit ihrem Hund Lady. Ihre Leidenschaft für das Gebet begann, als sie fünf Jahre alt war. Nach Angaben des Verlag ist es einer von Emmes Träumen, diese Leidenschaft mit der Welt zu teilen.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 15 May 2020 12:58:00 +0200
<![CDATA[Pastor im Finale von „The Voice USA“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/05/14/pastor-im-finale-von-the-voice-usa/ Die Sendung „The Voice“ läuft in den USA in der 18. Staffel. Wie im deutschen Pendant treten in der NBC-Sendung unbekannte Sänger gegeneinander an. Prominente Juroren beurteilen die Talente und versuchen dann in Teams, die Amateure zu Profi-Sängern zu machen. Der 42-jährige Todd Tilghman ist eigentlich leitender Pastor der „Cornerstone Church“ in Meridian im US-Bundesstaat Mississippi, in der er selbst groß wurde. Doch seit Februar ist er beliebter Kandidat bei „The Voice USA“.

Bei seinem ersten Auftritt im Februar sage Tilghman, er sei bislang noch nie vor größerem Publikum aufgetreten. „Ich singe sonst nur in der Kirche“, so der Pastor. Er hat acht Kinder, davon drei eigene, die restlichen sind adoptiert. Bei den „Blind Auditions“ begeisterte er mit seinem Lied die Juroren so sehr, dass sie alle auf den Buzzer drückten. Dadurch signalisieren die Musik-Profis, dass sie bereit wären, mit dem Kandidaten in Zukunft zusammenzuarbeiten. Die Juroren der US-Version von „The Voice“ sind Kelly Clarkson, John Legend, Nick Jonas und der Country-Sänger Blake Shelton. Shelton war es dann auch, der Tilghman in sein Team nahm und den Pastor seitdem coacht.

Auftritte nur noch von zu Hause

Wegen des Coronavirus’ treten die Kandidaten der Sendung nur noch zu Hause auf, ihr Gesang wird dann im Fernsehen übertragen. Wie die Christian Post berichtet, sang Tilghman am Montag den Hit „Love, Me“ von Collin Raye. Shelton sagte anschließend zu Tilghman: „Du bist von allen Künstlern, mit denen ich ich zusammengearbeitet habe, der liebste. In den 100 Jahren, in denen ich diese Sendung mache, bist eine Klasse für sich. Du verdienst es, den Weg bis zum Schluss durchzugehen, Mann. Gut gemacht.“ Tilghman sagte, nachdem er erfuhr, dass er im Finale ist: „Das ist unglaublich ... Ein Abend des Feierns!“ Das Finale der Staffel wird am 18. Mai ausgestrahlt.

Auch seine Predigten hält Tilghman wegen der Coronakrise nur von zu Hause aus live via Facebook. Wie Christian Post berichtet, war am Sonntag zuvor die Bibelstelle Matthäus 25,14–19 das Thema, wo es um Talente geht. „Nimm diese Talente, die der Meister dir gegeben hat, und vervielfältige sie in der Zeit, in der wir voneinander getrennt sind, sodass du, wenn wir wieder zusammenkommen, mehr hast als zuvor.“

Der Sänger und Schauspieler John Legend, der in der Jury sitzt, zeigte sich ebenfalls begeistert vom Kandidaten und teilte in einer Sendung im Frühjahr mit: „Ich hab deine Freude und den Geist gesehen, den du hast. Du bist Pastor! Mein Großvater war unser Pastor, meine Mutter leitete den Kirchenchor. Ich war jeden Sonntagmorgen in der Kirche, abends auch, Mittwochabend, manchmal auch freitags.“ Auch in einem Interview von USA today sagte Legend im vergangenen Jahr auf die Frage, wann er zum ersten Mal mit Musik in Berührung gekommen sei: „Vor allem in der Kirche, aber auch zu Hause. Ich begann mit Klavierunterricht, als ich vier Jahre alt war, und um mich herum war immer Musik, zu Hause und in der Kirche. Wir waren oft in der Kirche, weil mein Großvater der Pastor war.“ John Legend arbeitete bereits mit Künstlern wie Kanye West, Jay-Z und Alicia Keys zusammen. Er gewann für seinen Film-Song „Glory“ für den Film „Selma“ Oscar und einen Golden Globe.

Wie das Magazin Relevant berichtet, nahm auch Juror Nick Jonas die Gelegenheit wahr, über seinen Hintergrund zu sprechen: „Ich bin der Sohn eines Pastors. Meine frühesten Erinnerungen sind, wie ich mit meinem Vater am Klavier sitze und Lobpreislieder singe.“

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 14 May 2020 16:56:00 +0200
<![CDATA[Hört mit den Holocaust-Vergleichen auf!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/05/14/hoert-mit-den-holocaust-vergleichen-auf/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Der Schutz des ungeborenen Lebens ist ein hoher Wert. Es ist richtig und notwendig, dass sich viele Christen dafür stark machen: die Würde des Menschen schon vor seiner Geburt in der Öffentlichkeit hochhalten, oder Frauen in Schwangerschaftskonflikten beraten, unterstützen und ermutigen, sich für ihr Kind zu entscheiden. Was aber nicht geht: Abtreibungen mit dem Holocaust zu vergleichen, um die Drastik des Problems hervorzuheben. Leider gibt es aber immer wieder einige Christen, die genau das machen. Die Webseite babycaust.de ist das wohl grausigste und plakativste Beispiel dafür. Schon mehrmals befassten sich Gerichte damit. Nun will auch die Gießener Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel eine Unterlassung gegen den Seitenbetreiber Günther Annen erwirken.

Aber der Vergleich mit dem Holocaust kommt mitunter auch subtiler daher. So heißt es in einem aktuellen Informationsblatt des „Glaubens- und Missionswerks AG Welt“: Der Eindruck dränge sich auf, dass immer wieder an den Holocaust erinnert werde, um „ein schlechtes Gewissen für immer wach zu halten, um ein ganzes Volk politisch leichter lenken zu können. ... Was aber ist mit den mittlerweile ca. 7 bis 8 Millionen vor ihrer Geburt durch Abtreibung getöteten Kinder?“ Bitte?! Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Nichts! Dieser Vergleich ist völlig unhaltbar und wird weder der historischen Verantwortung noch dem Schutz des Lebens gerecht. Von der angedeuteten Verschwörung ganz zu schweigen.

Der Holocaust, die systematische Menschenvernichtung, ist ein einzigartiges katastrophales Ereignis in der deutschen Geschichte. Aus christlicher Perspektive lässt sich seine Besonderheit darin sehen, dass sich dieser Völkermord gegen das Volk des lebendigen Gottes richtete. Er war die Folge einer menschenverachtenden Ideologie, die ein Teil der Deutschen aktiv unterstützte und der sich ein noch größerer Teil unwidersprochen beugte. Die Erinnerung daran müssen wir unbedingt wach halten, denn die Geschichte lehrt uns, wie schnell es zu solchen Auswüchsen kommen kann. Sie lehrt uns, wachsam und demütig zu bleiben – und auch dankbar für das Wohlergehen, das unserem Land und seinen Menschen trotz der historischen Schuld in den vergangenen Jahrzehnten beschieden war.

Die Vergleiche verbieten sich

Ein Vergleich mit Abtreibungen verbietet sich allein aufgrund dieser Bedeutung. Wenn Frauen sich bedauerlicherweise dafür entscheiden, ihr Kind nicht zur Welt zu bringen, ist das ein sehr persönlicher Schritt, den sich wahrscheinlich die wenigsten leicht machen, bei dem immer viele verschiedene Faktoren ausschlaggebend sind – und für die es auch klare gesetzliche Regelungen gibt, damit dies nicht leichtfertig geschieht. In der Tat herrscht heute ein eher liberales Klima vor, in dem Abtreibungen gesellschaftlich und moralisch als weniger verwerflich angesehen werden als vor ein paar Jahrzehnten. Für Feministinnen hat dies zentral mit den Rechten zu tun, die eine Frau beanspruchen kann.

Aber hierbei den Holocaust als Vergleichsmaßstab heranzuziehen oder von „systematischem Massenmord“ zu sprechen, ist weder zutreffend noch irgendwie angemessen. Dafür sind beide Dinge auch viel zu komplex. Am allerwenigsten wird es den Frauen helfen, die in einem Schwangerschaftskonflikt stecken oder vielleicht an den Folgen einer Abtreibung leiden. Wer sich für das ungeborene Leben einsetzt, sollte vor allem an der Seite der Schwangeren stehen und den Wert des Lebens großmachen – wie es viele christliche Organisationen auch tun.

Vergleiche mit dem Holocaust verbieten sich auch auf anderer Ebene. Der Autor des christlichen Pamphlets beklagt etwa, über andere Verbrechen des 20. Jahrhunderts wie den Völkermord an den Armeniern oder die Millionen Opfer kommunistischer Regime werde kaum gesprochen – einzig über die deutsche Schuld des Holocaust. Wozu sollen die Bezüge zu anderen Verbrechen dienen? Es ist doch klar, dass wir uns als Deutsche in erster Linie an die eigene dunkle Vergangenheit erinnern müssen. Solcherlei Vergleiche wirken angesichts des eigenen Versagens wie hilfloses Fingerzeigen auf andere, die angeblich noch viel schlimmer waren als man selbst. Ganz abgesehen davon, dass jeder Völkermord einzigartig und für sich katastrophal ist, eingebettet in ganz konkrete historische, kulturelle und politische Umstände. Sie gegeneinander aufzuwiegen, hilft nicht dabei, nützliche Lehren daraus zu ziehen. Und nein, heutige Generationen des deutschen Volkes sind nicht schuld am Völkermord an den Juden. Allerdings es ist unsere Verantwortung, die Erinnerung daran wach zu halten, um hoffentlich zu verhindern, dass so etwas wieder geschieht.

Aber bitte: Hört auf mit diesen Vergleichen!

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Thu, 14 May 2020 16:07:00 +0200