Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Mon, 23 Oct 2017 06:27:48 +0200 <![CDATA[Renaissance des Christentums in Frankreich]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/22/renaissance-des-christentums-in-frankreich/ Der französische Skandalautor und Gesellschaftskritiker Michel Houellebecq („Elementarteilchen“, „Unterwerfung“) beschreibt im akuellen Spiegel-Interview eine Renaissance des Christentums. In Frankreich beobachtet er beispielsweise eine „bemerkenswerte Wiederkehr des Katholizismus“.

Es sei ein Phänomen, das er selbst nicht begreifen könne, er aber auch für weniger reaktionär halte, als es vielfach behauptet werde. Als einen Grund für diese gesellschaftliche Entwicklung sieht er beispielsweise die charismatische Bewegung. Sie verwandle ihre Gottesdienste in „Happenings und Gefühlsergüsse“. Er vergleicht sie mit Pfingstlern und Evangelikalen.

Unterirdische Strömung, die plötzlich zutage trat

Der französische Autor hat in den vergangenen Monaten und Jahren einen der „interessantesten Momente in der jüngsten Geschichte“ in Frankreich beobachtet. Die Politik sei von den Demonstrationen gegen die „Ehe für alle“ und das Adoptivrecht für gleichgeschlechtliche Paare durch die unerwartete Massenmobilisierung überrascht worden. Durch diese Aktionen seien sich die Katholiken in Frankreich ihrer Stärke wieder bewusst geworden. „Das war eine unterirdische Strömung, die plötzlich zutage trat“, sagte Houellebecq.

Auch was die Integration von Muslimen in Europa betrifft, hat Houellebecq eine dezidierte Meinung: „Wenn der Katholizismus Staatsreligion wäre, würde die Integration der Muslime sehr viel besser funktionieren.“ Mit einem zweiten Platz als respektierte Minderheit in einem erklärt katholischen Staat würden sich Muslime leichter abfinden. Denn Muslime kämen nicht mit der säkularen Gesellschaft und dem laizistischen Staat klar, deren Religionsfreiheit sie als Instrument der Religionsbekämpfung begreifen. Im Koran fänden die Muslime keine Anleitung für den Umgang damit. „Der Prophet Mohammed konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass es so etwas wie einen Atheisten gibt“, erklärte Houellebecq.

Wahrer Glaube sehr viel mächtiger als eine Ideologie

Für Houellebecq ist eine tiefe persönliche Überzeugung, ein wahrer Glaube, sehr viel mächtiger in seiner Wirkung auf den Geist als eine Ideologie. Den Kommunismus bezeichnet er als „eine Art falsche Religion, ein schlechter Ersatz, obwohl er sich so inszenierte mitsamt einer eigenen Liturgie“. „Eine Religion ist sehr viel schwieriger zu zertrümmern als ein politisches System“, sagte Houellebecq auf den Islam angesprochen. Er räumt dem Glauben eine Schlüsselfunktion in der Gesellschaft ein. Er fördere den Zusammenhalt, weil er ein Motor der Gemeinschaftsbildung sei.

Der französische Autor Michel Houellebecq erlangte literarische Berühmtheit mit Romanen wie „Elementarteilchen“, die ein prophetisches Talent für gesellschaftliche Entwicklungen auszeichnet. Auch berüchtigt sind sie für ihre expliziten Sexszenen. In seinem aktuellen Roman „Unterwerfung“, der im Jahr 2015 herauskam, sagte er in Frankreich den fiktiven Wahlsieg eines islamischen Präsidentschaftskandidaten voraus, der dann den laizistischen Staat abschaffte.

Von: Michael Müller

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Sun, 22 Oct 2017 13:41:00 +0200
<![CDATA[Warum ich das Etikett „evangelikal“ in Trumps Zeiten loswerden will]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/10/22/warum-ich-das-etikett-evangelikal-in-trumps-zeiten-loswerden-will/ Für pro übersetzte Stefanie Ramsperger]]> Jahrelang habe ich mich als evangelikal bezeichnet. Obwohl ich nicht zum Profil des Durchschnittsevangelikalen, einer Unterkategorie protestantischer Christen, passe, nach einer Studie, die das Pew-Research-Institut jüngst veröffentlicht hat. Ich lebe in Connecticut. Ich habe bereits Demokraten und Republikaner gewählt. Ich habe einen Master-Studienabschluss, genauso wie mein Mann, und unser Einkommen ist höher als das der meisten Evangelikalen. Aber ich passe hinsichtlich vieler Verhaltens- und Glaubensmuster zu den Evangelikalen. Ich lese in der Bibel und bete regelmäßig. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod. Unsere Familie geht zur Kirche.

In der Vergangenheit habe ich den Begriff „evangelikal“ wegen seiner wörtlichen Bedeutung sehr geschätzt. Ursprünglich kommt er vom griechischen „euangelion“, was „frohe Botschaft“ bedeutet. Etymologisch gesehen ist ein Evangelikaler also jemand, der die frohe Botschaft verbreitet. Das gefällt mir.

Christen diskutieren seit Jahrzehnten darüber, ob das Etikett sinnvoll ist, und die Kritik und Bedenken haben seit der Präsidentschaftswahl deutlich zugenommen. Kürzlich hat der Theologe und Autor Scot McKnight die Abschaffung des Begriffs „evangelikal“ gefordert und er hat aufgezeigt, wie es dazu gekommen ist, dass das Konzept zunehmend mit republikanischer Politik in Verbindung gebracht wird. Tatsächlich haben 80 Prozent der Weißen, die sich selbst als evangelikal bezeichnen, bei der Präsidentschaftswahl 2016 für Donald Trump gestimmt. Und die Gruppe unterstützt den Präsidenten immer noch sehr stark.

Evangelikal = weißer Republikaner

Neben der Tatsache, dass der Begriff politisiert wurde, beschreibt „evangelikal“ eine vorwiegend weiße Bevölkerungsgruppe. Der Hip-Hop-Künstler Lecrae hat jüngst erklärt, warum er sich als schwarzer Christ etablieren will und wie seine Entscheidung Zurückweisung durch weiße Evangelikale zur Folge hatte. „Evangelikal“ bedeutet inzwischen für viele Menschen „weißer Republikaner“, nicht mehr „Überbringer der frohen Botschaft“.

Derweil viele Einzelpersonen und Gruppen, die sich in der Vergangenheit als evangelikal bezeichnet haben, dies nach wie vor tun, obwohl sie damit keine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse oder politischen Partei zum Ausdruck bringen wollen, haben sich andere dafür entschieden, das Etikett abzulegen. „Princeton Evangelical Fellowship“, eine Organisation mit 80-jähriger Geschichte auf dem Campus der Princeton Universität, hat sich beispielsweise kürzlich in „Princeton Christian Fellowship“ umbenannt. Bill Boyce, Präsident der Organisation, erklärte der Campus-Zeitung „Daily Princetonian“: „Es mag der Eindruck vorherrschen, dass alle Evangelikalen Republikaner sind. ... Wir legen wert darauf, über unseren Glauben und unser daraus resultierendes Engagement definiert zu werden und nicht über irgendeine politische Agenda.“

Suche nach der religiösen Identität

Was sollten nun Menschen wie ich, die wir unser Christsein immer als evangelikal betrachtet haben, aber unsere religiöse Identität nicht mit einer politischen oder rassischen Identität verknüpfen möchten, tun?

Richard Mouw, ehemaliger Präsident des theologischen Seminars „Fuller“ und bekennender Evangelikaler, verteidigt den Ausdruck mit zwei Argumenten: Zum einen impliziere der Begriff historisch betrachtet die Zugehörigkeit zum Glauben an „Jesus als persönlichen Retter, und ein Bekenntnis zur Bibel als höchster Autorität.“

Zum anderen argumentiert er, dass Evangelikale in Amerika verbunden seien mit einer „weltweiten Bewegung und vielen Führenden auf der Südhalbkugel, die durch das Engagement evangelikaler Missionare zum Glauben gekommen seien. ... Sie haben das Etikett „evangelikal“ nicht abgeschafft und ich möchte mich mit ihnen identifizieren.“ Mouw kritisiert die Politisierung des Begriffs, aber sein Bestreben, seine historische, globale und theologische Bedeutung zu bewahren, führt dazu, dass er keinen Widerstand gegen die Politisierung des Wortes von innen heraus anstrebt.

Andere Christen haben sich dazu entschlossen, das Etikett „evangelikal“ abzulegen und bezeichnen sich nun anders. „Red Letter“-Christen (amerikanische Gruppe von Christen, die sich besonders für soziale und gesellschaftspolitische Belange einsetzt, Anm. d. Übersetzerin), orthodoxe Christen, bekennende Christen, progressive Christen – bei all diesen Gruppen gibt es Überschneidungen zum ursprünglichen theologischen Bekenntnis der Evangelikalen, aber sie alle sind auch bemüht, sich von den Evangelikalen zu unterscheiden.

McKnight beendet seine jüngste Äußerung zum Thema mit der klaren Ablehnung einer Politisierung des Glaubens und erklärt: „Lasst uns uns einfach Christen nennen.“

Die ersten Jesus-Nachfolger nannten sich Christen, Jahre nachdem Jesus gekreuzigt worden und von den Toten auferstanden ist. Und obwohl der Begriff „Christ“ im Laufe der Jahre schon für vieles herhalten musste, bedeutet er letztlich „zu Christus gehören“. Christen sind diejenigen, die sich mit dem, was Jesus getan und gelehrt hat, identifizieren möchten. Christen sind diejenigen, die sich untereinander als diejenigen begegnen möchten, die Jesus nachfolgen wollen.

Abgrenzende Begrifflichkeiten ablegen

Der Begriff „evangelikal“ wurde politisiert. Er beinhaltet dennoch eine reiche Geschichte, in der Evangelikale sich von Fundamentalisten des zwanzigsten Jahrhunderts distanzieren und gleichzeitig ihr Bekenntnis zu einem traditionellen Verständnis zur Autorität der Bibel und zur Rettung durch Jesus im Gegensatz zu theologisch liberaleren Kirchen zum Ausdruck bringen wollten.

Aber die jüngsten Debatten über den Begriff haben mich nicht nur dazu gebracht aufzuhören, das Etikett auf mich anzuwenden. Sie haben mich vor allem überzeugt, mich nicht von anderen Christen, die sich kein spezielles Etikett angeheftet haben, abzugrenzen.

Ob „evangelikal“, „moderat“, „liberal“ oder „konservativ“: Die Adjektive, die wir verwenden, um unseren Glauben zu beschreiben, haben uns stärker voneinander getrennt, als dass sie uns definiert hätten. Amerikanische Christen sind eher zu Splittergruppen verkommen als eine bunte und vielfältige Bewegung von Menschen zu sein, die Jesus kennt und ihm folgen will, und die die frohe Botschaft auf ihre jeweils unterschiedliche Art in eine krankende Welt tragen möchte. Unsere Etiketten zerstückeln uns in kleine Grüppchen und trennen uns von der Fülle dessen, was die ganze Kirche zu bieten hat.

Ja, einige Christen legen ihren Glaubensschwerpunkt auf gesellschaftspolitisches Engagement, andere auf intensives Gebet, wieder andere reden unheimlich viel über Jesus, andere tun Gutes, einige lesen sehr viel in der Bibel und andere versuchen einen makellosen Lebensstil zu pflegen.

Ja, bei denjenigen, die sich gesellschaftspolitisch engagieren, ist das Gebet zuweilen zu kurz gekommen; die Beter haben es manchmal versäumt, den Hungrigen Essen zu geben. Und einige Leute, die gut Zeugnis über ihren eigenen Glauben ablegen können, haben es versäumt, sich für mehr Gerechtigkeit einzusetzen; und einige von denen, denen die Nächstenliebe besonders wichtig ist, haben darüber vergessen, selbst mal wieder in der Bibel zu lesen.

Aber anstatt diese Unterschiede als Gründe für Kritik untereinander und als Anlass, uns von den anderen abzugrenzen, zu verstehen, lassen sie sich auch als Chancen voneinander zu lernen begreifen. Als Möglichkeiten, sich über unsere Unterschiede zu freuen, anzuerkennen, was jeder geben und was wir untereinander teilen können.

Einfach Christen

Ich bin immer wieder versucht meine christlichen Freunde mit Adjektiven wie „liberal“, „progressiv“, „orthodox“, „konservativ“ oder „evangelikal“ zu beschreiben. Immer noch bin ich versucht den Glauben anderer Menschen danach zu beurteilen, was nach meinen eigenen Vorstellungen Christlichkeit ausmacht. Aber wenn ich innehalte und frage, wie Gottes Taten im Glauben der anderen jeweils zum Ausdruck kommen – wenn ich innehalte und darüber nachdenke, wie sich die unendliche Liebe Gottes in und durch unzählige Menschen ausdrückt, Menschen wie mich selbst: Menschen, die die Sache mit dem Glauben oft falsch verstehen, Menschen, die es zwar richtig verstehen und sich trotzdem nicht danach richten, Menschen, die ganz oft Sünden begehen und trotzdem von Gott geliebt werden und die Gott immer wieder einlädt, für ihn in der Welt aktiv zu sein – ja, wenn ich darüber nachdenke, dann beginne ich zu glauben, dass wir alle Christen sind.

Jung oder alt, reich oder arm, schwarz oder weiß, liberal oder konservativ – Christen eben. So einfach. Ein besonders Etikett ist unnötig.

Dieser Beitrag von Amy Julia Becker ist zuerst in der Washington Post erschienen. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Übersetzung. Becker hat als Autorin die Bücher „Small Talk“ und „A Good and Perfect Gift“ geschrieben.

Von: Amy Julia Becker

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Sun, 22 Oct 2017 11:58:00 +0200
<![CDATA[Der Pfarrer als Überläufer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/10/22/der-pfarrer-als-ueberlaeufer/ Bei Wolfgang Schumacher und Hans Janßen waren es langwierige Prozesse, bis sie sich für den Schritt entschieden haben. Schumacher war 25 Jahre Priester und ist jetzt evangelischer Pfarrer. Janßen ist zur Katholischen Kirche gewechselt. Lars Ohlinger hat beide für den ARD-Beitrag „Die Überläufer – Wenn der Pfarrer die Konfession wechselt“ begleitet.

Schumacher hat einen Prozess durchlaufen, bis er die Katholische Kirche verlassen und bei der Evangelischen Kirche angeklopft hat. 25 Jahre war er Priester. Jetzt ist er Pfarrer in der kleinen fränkischen Gemeinde Uehlfeld. Dort möchte er Impulse setzen, aber der Gemeinde nicht die Vorstellungen des Pfarrers überstülpen. Von Hause aus ist Schumacher gelernter Werkzeugmacher. Danach hat er sowohl katholische als auch evangelische Theologie studiert.

Konnte nicht mehr dem Bild entsprechen

Geärgert hat ihn auch, wie wenig Seelsorge er als Pfarrer noch leisten konnte. Er war für das Personal mehrerer Kirchen und Kindergärten zuständig und damit Manager eines mittelständischen Unternehmens – und kaum noch Pfarrer. „Ich konnte nicht mehr dem entsprechen, was die Menschen von mir erwartet haben.“ Er hat viele vertrauliche Gespräche mit Geistlichen geführt, bis er den Schritt gewagt hat, dem Papst Franziskus zustimmen musste: „Große Reaktionen blieben aus.“ Lediglich gegenüber seinem Personalchef musste er die Entscheidung verteidigen.

Schumachers Lebenspartner, der evangelische Theologe Peter Buhmann, findet, dass er jetzt „hingekommen ist, wo er hingehört“. Schumacher bekennt, dass er nun aus voller Überzeugung seine theologische Identität lehren kann. Natürlich habe er auch unter der Situation gelitten, sagt der Theologe, der von seinen Gemeindegliedern in dem Beitrag als beliebter und freundlicher Mensch wahrgenommen wird. Er sei von den Menschen angenommen und möchte bleiben, wo er seinen Platz gefunden hat.

Ein Ehepaar im katholischen Pfarrhaus

Den umgekehrten Weg ist Hans Janßen gegangen. Für ihn war vor allem schwer, die alte Heimat loszulassen, ohne in der neuen Heimat angekommen zu sein. Dies ist in seinem Fall die katholische Gemeinde Bad Oldesloe. Ausschlaggebend für seinen Weggang waren inhaltliche Differenzen mit der evangelischen Kirche: Die Katholische Kirche war für ihn klarer und eindeutiger.

Der verheiratete Vater von vier Kindern führt ein Jahr lange vertrauliche Gespräche mit dem Bischof vor Ort. Drei Jahre muss er noch Theologie studieren, um in die Katholische Kirche hineinzuwachsen. An seiner neuen Wirkungsstätte beschäftigt ihn die Neugliederung der Pfarreien. Für seine Frau Karin ist die Situation ungewohnt, dass im katholischen Pfarrhaus ein Ehepaar lebt. Nicht alle Reaktionen auf den Wechsel seien freundlich gewesen. Mit den erwachsenen Kindern könne man offen über das Thema reden.

Für die ehemalige Pfarrfrau war es eine große Umstellung. Sie vermisst vor allem das Liedgut der Protestanten. Zum Reichtum des Evangelischen komme der des katholischen Glaubens hinzu, freut sie sich über die Ergänzung. Aus Sicht ihres Mannes hat er selbst einen Weg beschritten, den er so nicht gesucht habe: aber das Leben sei nicht am Reisbrett planbar. Seine Schäfchen freuen sich, dass er die getroffene Entscheidung vorlebt. Bald wird er aus Bad Oldesloe weiterziehen und eine größere Pfarrei übernehmen. (pro)

Das Erste: „Die Überläufer - Wenn der Pfarrer die Konfession wechselt", 22. Oktober 2017 um 17:30 Uhr im „Gott und die Welt".

Von: jw

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Sun, 22 Oct 2017 11:08:00 +0200
<![CDATA[Der Mensch muss nur glauben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/10/21/der-mensch-muss-nur-glauben/ Eine Bühnenkritik von Michael Müller]]> Was kann ein Theaterstück zu Martin Luther kurz vor dem 500. Reformationsjubiläum den zahlreichen Interpretationen und künstlerischen Verarbeitungen noch hinzufügen? Die Produktion „Höllenfeuer – Luther, der Rebell“, die am Freitag ihre Welturaufführung im Forum des Christlichen Gästezentrums Schönblick in Schwäbisch Gmünd feierte und noch vier Mal aufgeführt wird, punktet auf seine Weise. „Höllenfeuer“ erzählt die Lebensgeschichte Luthers vom Anschlag der 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg bis zu seiner Tarnung als Junker Jörg auf der Wartburg vor allem mit Leidenschaft.

Das Stück lebt von der Spielfreude seiner Hauptdarsteller, von den episch anmutenden Massenszenen dank der 70 Laiendarsteller und den authentisch und detailreich wirkenden Kostümen. Im großen Maße beteiligt an der Produktion ist der Staufersaga-Verein, der viel Erfahrung mit historischer Ausstattung und der Bewahrung des kulturellen Erbes einbrachte. Das Stück wird aber auch getragen von der Idee des Regisseurs und Autors Matthias Ihden, die Luther-Geschichte um die fiktive Figur Agnes (Luisa Katharina Davids) angereichert zu haben. An der schwangeren Frau, die ihren Mann betrogen hat, zeigt sich emotional mitreißend der Gnadenaspekt des Evangeliums, den Luther theologisch herausgearbeitet hat.

Ehebrecherin Agnes im Mittelpunkt

Natürlich gibt es in der über drei Stunden langen Inszenierung genügend Zeit, sich Papst Leo X. (Ralf David), seinem Nuntio Aleandro (Carlo Degen) und Kardinal Kajetan (Pat Müller) zu widmen, die Luther (Benjamin Stoll) zuerst nicht ernst nehmen, ihn verspotten, um ihn dann zu bekämpfen. Das Stück springt dabei wie ein Uhrpendel von der linken zu der rechten Bühnenseite und zurück und verlagert so die Schauplätze. Die Bühne ist schlicht dekoriert, besitzt Leuchttafeln, die farblich die Atmosphäre der Szene vorgeben oder die Szenerie mit einem Stichwort wie „Gier“, „Macht“, „Sünde“ oder „Weise“ überschreiben.

Aber es ist die Figur der Agnes, in der sich das Leid der Menschen mit der Kirche im späten Mittelalter widerspiegelt. Die Menschen sind unzufrieden, weil sie immer ärmer und die Kirche immer reicher wird. Der Bibel werde Gewalt angetan, um den Menschen mit den Ablässen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Für Agnes bricht eine Welt zusammen, als sie ihrer Mutter (Ingrid Krusch) den ehelichen Seitensprung gesteht. Mit der Sünde weiterleben kann sie nicht, weil sie Angst vor der Hölle hat. Zur Beichte gehen kann sie nicht, weil sie dem Priester nicht traut. Würde die Geschichte herauskommen, wäre sie eine gefallene Frau.

Es ist Luther, der Agnes mit dem Johannesevangelium tröstet, in dem er an Jesus und die Ehebrecherin erinnert: „Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Agnes solle hingehen und fortan nicht mehr in Sünde leben, sagt Luther. Gott habe den Menschen die Gnade geschenkt, der Mensch müsse nur glauben. Hauptdarstellerin Luisa Katharina Davids spielt die Zerrissenheit ihrer Figur einfühlsam. Wie der Schönblick-Direktor Martin Scheuermann nach der Aufführung dem Publikum verriet, ist die sichtbare Schwangerschaft ihrer Figur wiederum nicht gespielt.

„Wenn der Herrgott keinen Spaß versteht, möchte ich nicht in den Himmel“

Luther selbst ist am Anfang des Stück ein nervöses Wrack. Benjamin Stoll spielt ihn als hibbeligen und unsteten Charakter. Meist sitzt er auf der linken Bühnenseite mit schwarzer Kutte vor schwarzem Hintergrund. Richtig zum Leben erwacht er das erste Mal, als ihn Agnes' Familie zum Suppe-Essen einlädt. Agnes' Vater mag Luther, weil er sein bester Kunde ist: „Man könnte fast glauben, Sie trinken die Tinte, die Sie bei mir kaufen.“ Die Mutter möchte Luthers Position zur Beichte herausfinden, fragt aber verschlüsselt nicht nach dem Problem ihrer Tochter, sondern nach dem Problem einer Bekannten. Es ist die humorvollste Szene des Stücks. „Wenn der Herrgott keinen Spaß versteht, möchte ich nicht in den Himmel“, findet Luther.

Als Luther später nach seinem Verhör durch Kardinal Kajetan aus Augsburg mit seinem Unterstützer und Freund Johann (Uwe Kreusel) flieht, seilt sich der Reformator aus dem Publikumsbereich von der Bühnendecke ab. Kurzzeitig stockt der Atem, weil es ein unerwartet gewagter Stunt ist. Luther-Darsteller Stoll spielt hier mit ganzem Körpereinsatz, was er beim Aufkommen auf dem Boden mit Schmerzen bezahlt. Das Abseilen missglückt ein Stück weit, die Vorrichtung verhakt sich. Schönblick-Direktor Martin Scheuermann sieht den perfekten Moment gekommen, eine Pause auszurufen.

„Höllenfeuer“ besitzt zahlreiche erinnerungswürdige Momente. Dazu zählt auch ein Monolog Luthers, der am Bühnenrand in blaues Licht getaucht ist: Er berichtet unter anderem von der rauen Kleidung, die er im Kloster zur Selbstgeißelung getragen hat. Visuell beeindruckend sind die Szenen um König Karl V. (der erst 18-jährige Tim Oberndörfer) auf dem Reichstag zu Worms, wo Luther nach der Exkommunizierung durch den Papst angehört wird. Die zahlreichen Statisten und die wunderbaren Kostüme demonstrieren noch einmal, welcher Aufwand in diese Theaterproduktion geflossen ist.

„Höllenfeuer – Luther, der Rebell“: Weitere Aufführungen sind im Forum des Christlichen Gästezentrums Schönblick in Schwäbisch Gmünd am 21. Oktober (19 Uhr), am 22. Oktober (15 & 19.30 Uhr) sowie am 31. Oktober (19.30 Uhr) zu sehen.

Von: Michael Müller

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Sat, 21 Oct 2017 16:50:00 +0200
<![CDATA[Warum Frankreichs Medien zu Antisemitismus oft schweigen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/20/warum-frankreichs-medien-zu-antisemitismus-oft-schweigen/ Immer wieder gibt es in Frankreich brutale Morde an Juden – doch in der Öffentlichkeit werden sie kaum wahrgenommen. Die Autorin und Philosophin Elisabeth Badinter prangert dies nun öffentlich an. In einem viel beachteten Beitrag im Nachrichtenmagazin L’Express ruft sie zum Kampf gegen Antisemitismus in ihrem Land auf.

So schildert sie beispielsweise den Mord an einer 65 Jahre alten Frau im April, die eine Stunde lang gefoltert und dann aus dem Fenster geworfen worden war. Der Täter habe gewusst, dass sie Jüdin war, und habe geschrieen, er wolle sein Volk rächen. „Zwei Monate lang wurde nur in den jüdischen Medien darüber berichtet", klagt Badinter. „In den Zeitungen gab es keine Recherchen und keine Reportagen, niemand hat die Nachbarn befragt, welche die Rufe ‚Allahu Akbar‘ gehört hatten.“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zitiert am Donnerstag ausführlich Badinters Ausführungen. So greife die Französin auch die TV-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“ auf, die von den Sendern Arte und WDR lange zurückgehalten worden war. Sie nennt es „beängstigend“, dass die Sender versucht hätten, einen Bericht mit Passagen über Antisemitismus in Frankreich und den Palästinensergebieten zu unterdrücken.

Linke solidarisieren sich mit Arabern und Palästinensern

Badinter führt aus, dass der islamistische Terror in Frankreich nicht erst mit den weltweit wahrgenommenen Anschlägen auf das Magazin Charlie Hebdo oder der Amokfahrt mit einem LKW in Nizza begonnen habe. Vor fünf Jahren habe der Terrorist Mohammed Merah in Toulouse gezielt drei jüdische Kinder ermordet. „Merah machte es wie die Nazis, er zerrte ein siebenjähriges Mädchen an den Haaren und schoss ihm eine Kugel in den Kopf. Warum dringt dieses Bild nicht genauso in unser Bewusstsein?“ In der öffentlichen Wahrnehmung spielten die Juden kaum eine Rolle.

Die französische Linke habe nur ein Mal geschlossen gegen Antisemitismus demonstriert, zitiert die FAZ aus Badinters Ausführungen. Bei einer Friedhofs- und Leichenschändung 1990 waren die Täter Skinheads, die öffentlich in die Nähe des Front National gerückt wurden. Die Wähler des Front National hätten den traditionellen Antisemitismus zwar nicht überwunden. „Aber seit dreißig Jahren ist es nicht dieser Antisemitismus, der die Juden verfolgt, sondern der neue Antisemitismus der Islamisten.“

Die radikale Linke in Frankreich solidarisiere sich aber mit den Arabern in den Vorstädten und mit den Palästinensern. „Der Kampf für diese Antizionisten hat den Kampf gegen den Antisemitismus zur Strecke gebracht“, bilanziert die Autorin. Wer sich dagegen wende, werde schnell der „Islamophobie“ bezichtigt.

Medien wollen nicht den Falschen in die Hände spielen

Die FAZ berichtet, Badinter habe auch mit Medienvertretern über die Sachlage gesprochen. Diese rechtfertigten ihr Versagen mit einem Fall, der sich vor 15 Jahren zugetragen hat. Der Fernsehsender TF1 hatte damals am Tag vor der Wahl umfangreich über ein brutales Gewaltverbrechen an einem Rentner berichtet. Damit, so die Leseart, hätten die Berichterstatter Jean-Marie Le Pen beim Einzug in die Stichwahl geholfen.

Die Jüdin, die im April gequält und aus dem Fenster geworfen worden war, starb drei Wochen vor dem ersten Wahlgang zur Präsidentschaft.

Von: Moritz Breckner

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Fri, 20 Oct 2017 13:48:00 +0200
<![CDATA[Sieben Millionen Mal Chrismon]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/10/20/sieben-millionen-mal-chrismon/ Ganze 6,7 Millionen Mal erscheint die Reformationsausgabe des Magazins Chrismon. Erhältlich ist sie vor allem über Tages- und Sonntagszeitungen, denen das Heft beiliegt. Es begleitet den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, im Gespräch mit jungen Menschen über die Zukunft der Kirche, zeigt Schlaglichter des Reformationsjubiläums in Italien oder nimmt den Leser mit hinein in den „Erlebnisraum Taufe" auf der Weltausstellung in Wittenberg.

Themen sind außerdem das Luther-Pop-Oratorium mit 4.000 Sängern, das das ZDF am 31. Oktober ab 22 Uhr ausstrahlt. Schauspieler Joachim Król spricht im Interview über seine Vorstellung von Gott und Journalistin Claudia Keller hat Mitarbeiter der Berliner Bahnhofsmission am Hauptbahnhof begleitet. Außerdem bietet die Ausgabe Veranstaltungstipps für den Reformationstag.

Chrismon erscheint für gewöhnlich monatlich und in einer Auflage von 1,6 Millionen. Es liegt Tages- und Wochenzeitungen bei. Herausgegeben wird es von Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Von: Anna Lutz

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Fri, 20 Oct 2017 13:04:00 +0200
<![CDATA[Kampf einer Mutter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/10/20/kampf-einer-mutter/ Sie findet nach einer nervenaufreibenden, jahrelangen Suche einen Kardiologen in Boston, dessen Operation Marcs Leben rettet und ihm einen normalen Alltag ermöglicht. Mayer schildert, wie weit sie durch ihr Vertrauen auf Gott und ihre Willensstärke gekommen ist.

Tracie Frank Mayer: „Einen Herzschlag entfernt. Die Geschichte einer Mutter, die für das Leben ihres Sohnes kämpfte“, SCM Hänssler, 360 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 9783775158053

Von: Martina Blatt

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Fri, 20 Oct 2017 09:23:00 +0200
<![CDATA[Schäuble: Demütig und hoffnungsvoll]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/19/schaeuble-demuetig-und-hoffnungsvoll/ Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, ein knappes halbes Jahrhundert als Abgeordneter hätten ihn Demut gelehrt. Politiker planten so viel, und am Ende komme doch alles anders, sagte er auch mit Blick auf die beginnenden Koalitionsverhandlungen in Berlin. Hoffnung ziehe er bis heute aus den Ereignissen der Wiedervereinigung: „Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass wir Probleme nicht lösen könnten“, sagte Schäuble. Heute sei es mehr denn je wichtig, den Menschen zu erklären, dass sie sich nicht vor den Veränderungen in der Welt zu fürchten brauchten. Globalisierung gestalten heiße auch, „dafür zu sorgen, dass nicht zu viele Menschen auf einmal hierher kommen“, damit niemand das Gefühl habe, die Ordnung gehe verloren. Der 75-jährige Schäuble ist Protestant und mit 45 Jahren im Parlament der dienstälteste Abgeordnete im Deutschen Bundestag. In der kommenden Woche soll er zum Bundestagspräsidenten gewählt werden.

Anlässlich des 50. Geburtstages der Deutschen Kommission Justitia et Pax stellte der CDU-Politiker am Donnerstag eine Sonderbriefmarke zu Ehren des Gremiums vor. Justitia et Pax ist ein Zusammenschluss katholischer Organisationen und Einzelpersonen aus dem Bereich der Internationalen Verantwortung. Dazu zählen Hilfswerke, Bischöfe oder Politikexperten. Träger sind die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken.

Religion als „Megathema“ des Jahrhunderts

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte die Relevanz der Religionsfreiheit für die Arbeit von Justitia et Pax. „Wir sprechen nicht nur von denen, die bedrängt sind, weil sie den Namen Jesu Christi weitertragen“, sagte er. Stattdessen wolle das Gremium immer für die Glaubensfreiheit und Menschenrechte aller eintreten. „Religion bleibt ein Megathema des 21. Jahrhunderts“, ist er überzeugt und warnte vor der Instrumentalisierung des Glaubens für politische Zwecke.

Marx lobte Schäubles Zusammenarbeit mit einer katholischen Einrichtung. Er sei ein evangelischer Politiker, „der sich dafür interessiert, was in dem anderen Laden los ist“.

Von: Anna Lutz

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Thu, 19 Oct 2017 17:18:00 +0200
<![CDATA[Weltrekordversuch: Gesangbuch komplett]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2017/10/19/weltrekordversuch-gesangbuch-komplett/ Für Luther sei Musik ein selbstverständlicher Bestandteil seiner Arbeit gewesen, erklärt die Evangelische Kirchengemeinde von Prenzlau in Brandenburg in ihrer Ankündigung. „Als Komponist und Arrangeur neuer Lieder wollte er seine reformatorischen Ideen durch das Medium Musik einem großen Gemeindekreis erschließen. Für Luther stand fest: die Gemeinde soll singen und verstehen, und zwar auf deutsch.“

Kreiskantor Hannes Ludwig entwickelte die Idee, zum Reformationsjubiläum das evangelische Gesangbuch im Stammteil mit seinen 535 Liedern und allen Strophen nonstop durchzusingen. Beginnend mit EG 1 „Macht hoch die Tür“ am Sonntag, dem 29. Oktober um 14.00 Uhr in der Prenzlauer St.-Nikolai-Kirche, wird das Projekt voraussichtlich am 31. Oktober gegen 8 Uhr morgens mit EG 535 „Gloria sei dir gesungen“ enden. Ludwig hat den Singe-Marathon vorsorglich als Weltrekordversuch beim Büro von Guinness World Records angemeldet, Kategorie: Dauersingen christlicher Choräle.

Der einstimmige Gesang mit Orgel oder Klavierbegleitung ist dabei die Grundlage, es können aber auch Chorsätze gesungen werden, teilt der Veranstalter mit. Diese sollten aus Gründen des Timings die Dauer einer normalen Liedstrophe nicht übersteigen. Idealerweise bringe der Chor seinen Organisten oder Pianisten gleich in Form des Chorleiters mit, Kantor Ludwig springt jedoch bei Engpässen auch selber ein.

Der Weltrekordversuch in der Kategorie „Dauersingen christlicher Choräle“ wird von „Guinness World Records“ dokumentiert. Jeder Chor, der mindestens aus 12 Personen besteht und mindestens eine Stunde Choräle ein- oder mehrstimmig singen kann, darf teilnehmen. Pro Stunde sollen etwa 12 Choräle gesungen werden. (pro)

Von: js

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Thu, 19 Oct 2017 16:34:00 +0200
<![CDATA[Netanjahu würdigt christlichen Mediengipfel in Jerusalem]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/19/netanjahu-wuerdigt-christlichen-mediengipfel-in-jerusalem/ Rund 130 Journalisten aus mehr als 30 Ländern waren der Einladung der Pressestelle der israelischen Regierung und des Ministeriums für Jerusalem-Angelegenheiten nachgekommen. Ungeachtet der Konflikte, die häufig die Berichterstattung über Israel im Ausland bestimmt, bekamen die Besucher Einblick in die Vielfalt Jerusalems.

Drei Tage hörten die Medienschaffenden Vorträge von hochrangigen Theologen, Sicherheitsexperten und Politikern. Zudem bekamen sie die Möglichkeit, an Ausflügen teilzunehmen, die „High-Tech-Nation Israel und Unternehmen“, „Zusammenleben und Siedlungen“, „Archäologie und biblische Wurzeln“ sowie die „Sicherheit Israels und der Sicherheitszaun“ zum Thema hatten.

Darüber hinaus diskutierten christliche und jüdische in Israel lebende Journalisten die Frage, ob es möglich sei, im israelisch-palästinensischen Konflikt objektiv zu bleiben.

Den Auftakt zu der Konferenz bildete eine Rede von Premierminister Benjamin Netanjahu am Sonntag, in der er betonte: „Israel hat keine besseren Freunde – und das meine ich ernst – als die christlichen Gemeinschaften in der ganzen Welt. In einer großen Region ist Israel das einzige Land, in der Christen nicht nur überleben, sondern auch zahlenmäßig wachsen.“ Netanjahu äußerte die Hoffnung, die anwesenden Journalisten machten stärker auf das Leid der verfolgten Christen im Iran aufmerksam.

In einem Treffen mit Staatspräsident Reuven Rivlin erklärte dieser: „Vor unseren Augen sehen wir, wie die Worte der Propheten Israels wahr werden“, auch wenn noch viel zu tun bleibe. Er beschrieb Jerusalem als Mikrokosmos: „Wenn Juden, Muslime und Christen in Jerusalem zusammenleben können, können wir das auch im ganzen Nahen Osten. Als jüdischer demokratischer Staat ist Israel stolz, Religionsfreiheit für Anhänger aller Religionen zu bieten“. Die heiligen Stätten werde der Staat daher weiterhin „unversehrt und sicher“ bewahren. Die Konferenz soll künftig jährlich stattfinden.

Starker Einsatz aus Amerika

Die Gästeliste und Beteiligung aus dem Publikum spiegelte wider, dass die christliche Medienlandschaft in Israel stark durch Christen aus den USA geprägt ist. Einer von ihnen ist Leiter des christlichen Senders CBN, Gordon Robertson. Weil die Menschen zu wenig über Israel wüssten, habe er vor vier Jahren beschlossen, eine Reihe von Filmen zu zeigen, die unbekannte Geschichten des Landes erzählten. Drei Projekte sind bisher verwirklicht: In „Made in Israel“ geht es um Technologien und Innovationen, die in Israel entwickelt wurden. „The Hope: The Rebirth of Israel“ (Die Hoffnung: Die Wiedergeburt Israels“) erzählt die Geschichte der 50 Jahre, die der Gründung des jüdischen Staates vorausgingen. 2017 kam der Film „In our Hands“ (In unseren Händen) heraus, der sich in einem Doku-Drama mit der Schlacht um den Munitionshügel im Sechs-Tage-Krieg von 1967 auseinandersetzt.

Der nächste Film soll israelische Volontäre und Organisationen vorstellen, die in der ganzen Welt humanitäre Hilfe leisten. Dies erklärte der CBN-Direktor gegenüber der Tageszeitung Jerusalem Post. „Viele Menschen wissen überhaupt nichts über die Arbeit, die Israel tut. Sie wissen zum Beispiel nicht, dass Israel den Menschen in Nepal nach dem Erdbeben so viel geholfen hat, wie kaum ein anderer. Nur Indien hat mehr Hilfe bereitgestellt. Das ist eine phänomenale Geschichte, die erzählt werden muss!“

Gordon Robertson, Sohn des christlichen Mediengründers Pat Robertson, ist es wichtig, dass die israelische Regierung die Freundschaft innerhalb der christlichen Welt wahrnimmt: „Innerhalb der Regierung und im Außenministerium gibt es ein neues Bewusstsein dafür, dass christliche Medien als echte Freunde an Israels Seite stehen wollen.“

Von: Merle Hofer

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Thu, 19 Oct 2017 15:06:00 +0200
<![CDATA[Buch zum Streitthema Nummer eins]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/10/19/buch-zum-streitthema-nummer-eins/ Eine Rezension von Johannes Weil]]> Das Buch „Jetzt pack doch mal das Handy weg“ befasst sich mit einem großen Streitthema in vielen Familien: dem Handy. Autor Thomas Feibel beleuchtet, wo Eltern an ihre Grenzen stoßen und bietet Lösungsvorschläge an, wie digitale Erziehung gelingen kann. Der Vater von vier Kindern gilt als einer der führenden Medienexperten der Branche.

In seinem Buch befinden sich die Erfahrungen seiner zahlreichen Vorträge. Feibel geht es um einen eigenverantwortlichen Umgang der Heranwachsenden mit dem Handy. Er bilanziert aber auch, dass seine eigenen Kinder eine viel zu tiefe Bindung zu dem Gerät haben. Für ihn sind die Erwachsenen in der Pflicht, als gutes Vorbild zu dienen.

Kindheit ohne Smartphone „verdammt unrealistisch“

Eltern müsse bewusst sein, dass Erziehung auch immer Selbsterziehung sei. Viele Kinder wollten und bräuchten autoritäre Eltern. „Je unklarer die Eltern, desto orientierungsloser die Kinder“, findet der Autor. Wenn Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigten und zeitgleich mit dem Handy spielten, sei das bedenklich. „Die Kinder wollen wahr- und ernstgenommen werden.“

Eltern müssten ihre Kinder vor den Gefahren der Medien schützen und für einen klugen Umgang damit sorgen. Die Thesen des Wissenschaftlers Manfred Spitzer, der die Nutzung der Geräte durch Kinder ablehnt, findet Feibel zu schroff. Eine Kindheit ohne Smartphone, Internet und Fernseher sei zwar möglich – „nur eben verdammt unrealistisch“. Die Angst-Szenarien von Befürwortern und Gegnern seien nicht fahrlässig zu unterschätzen, noch dramatisch zu überhöhen.

Aus Kindern werden Kunden

Fakt ist für Feibel, dass ein Smartphone für Erwachsene und nicht für Kinder konzipiert ist. Kinder könnten schlecht unterscheiden, ob Inhalte, die ihnen das Smartphone präsentiere, wirklich wahr seien. Die junge Generation müsste sensibel für FakeNews und Hate-Speech sein. Genauso wichtig seien Datenschutz und Privatsphäre. Schließlich machten die Kaufangebote aus Kindern ganz schnell Kunden.

„Kinder mögen keine Regeln, aber sie brauchen sie, um Grenzen kennenzulernen“, ist ein weiteres Credo des Autors. An einer Grenze könnten sie sich orientieren, „auch wenn ich die Grenze selbst nicht toll finde“. Medienerziehung sei eine viel zu wichtige Aufgabe, um sie elektronischen Geräten zu überlassen. Kinder, die das Handy oft nutzten, seien erschöpft und überfordert, findet der Wissenschaftler Klaus Hurrelmann.

Feibel rät dazu, mit dem Begriff Sucht vorsichtig umzugehen. Viele Eltern seien hier beunruhigt. Davon sollten sie sich nicht verrückt machen lassen, denn Kinder nutzten das exzessiv, wofür sie sich begeisterten. „Wir sollten Kinder stark machen für das Leben. Und Smartphones und Internet gehören zum Leben dazu. Dafür müssen wir ihnen Rüstzeug an die Hand geben“, schreibt der Autor.

Tiefer Wunsch nach Beziehung

Kinder und Jugendliche hätten in der heutigen Zeit eine große Angst, etwas zu verpassen. Sie wollten dazugehören und viele Freunde haben. Dahinter stecke der tiefe Wunsch nach Beziehung. „Darum ist das Smartphone für Jugendliche nicht nur ein Teil ihrer Identität, sondern auch ihr bester Begleiter und das ideale Instrument zur Identitätsfindung. Wer diese Rolle des Smartphones begriffen hat, kann auch besser erkennen, warum Töchter und Söhne bei Entzug ausflippen.“

Eltern müssten Bescheid wissen über die Dinge, mit denen sich Kinder beschäftigten und oft auch ihre Anerkennung holten. Kinder und Jugendliche sollten das Smartphone eher als Werkzeug, denn als reines Unterhaltungsprogramm betrachten. Dabei müssten Erwachsene ihnen helfen. Einen kompletten Verzicht auf das Handy hält der Autor für unrealistisch, „aber es muss Pausen geben“. Kinder müssten es lernen, auch Langeweile auszuhalten: „Je digitaler die Welt, desto wichtiger werden das Analoge und die Dinge zum Anfassen. Das ist ein sehr gutes Rezept, um herunter zu kommen und sich in etwas zu vertiefen.“

Feibel wünscht wieder mehr Qualitätszeit für die Familien. Dafür bietet er in seinem Buch einige praktische Bausteine an, wie Offline-Hobbys, einen Offline-Tag in der Woche, oder nicht sofort immer auf alles zu reagieren. Neben den praktischen Aspekten beleuchtet er aber auch, die vielen schwierigen Fragen, die Medien und die Erziehung in diesem Zeitalter nach sich ziehen. Von daher kann dieses Buch nicht nur Eltern und Pädagogen weiterbringen, sondern auch Großeltern und alle anderen, die mit kleinen Kindern zu tun haben.

Thomas Feibel, Jetzt pack doch mal das Handy weg: Wie wir unsere Kinder von der digitalen Sucht befreien, Ullstein-Verlag, 272 Seiten, 9,99 Euro. ISBN: 9783548377193,

Von: Johannes Weil

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Thu, 19 Oct 2017 09:38:00 +0200
<![CDATA[Frieden beginnt im eigenen Herzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/19/frieden-beginnt-im-eigenen-herzen/ Ein Leitartikel von Jonathan Steinert]]> Im vergangenen Jahr ist die Welt etwas friedlicher geworden. Die langfristige Entwicklung des Friedens ging in den vergangenen Jahren aber insgesamt nach unten. Das beobachtet das „Institute of Economics and Peace“. Es misst anhand von 23 Kategorien, wie friedlich Länder sind. Daraus stellt das Institut, das seinen Sitz in New York und Sydney hat, den Weltweiten Friedensindex (Global Peace Index) zusammen, eine Rangliste von 163 Ländern. Den diesjährigen hat es vergangene Woche veröffentlicht. Am friedlichsten ist demnach – seit 2008 – Island, Syrien steht am anderen Ende der Skala. 93 Länder haben ihren Friedensstatus im vergangenen Jahr verbessert, 68 sind abgerutscht. Unter anderem die USA, um elf Plätze auf Rang 114. Deutschland liegt auf Rang 16. Überhaupt ist laut dem Index Europa die friedlichste Region der Welt.

Dass in Westeuropa seit über 70 Jahren Frieden herrscht, ist keine Selbstverständlichkeit – weltweit und mit Blick in die Geschichte auch für Europa nicht der Normalfall. „Wir leben auf einer Friedensinsel“, sagt Rafael Biermann, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Jena, im Gespräch mit pro. Der Zweite Weltkrieg sei ein Schock für die internationalen Beziehungen gewesen. Die europäische Integration und die Ausbreitung der Demokratie seien, befördert vom wirtschaftlichen Aufschwung, wesentliche Gründe dafür, dass sich nach diesem Einschnitt eine Friedensphase etablieren konnte.

„Demokratien sind in der Regel untereinander friedlich“, weiß der Wissenschaftler aus der Forschung. Länder, die viel Kontakt miteinander haben, Handel treiben, zwischen denen also ein Austausch stattfindet, werden ihre Beziehung nicht so leicht einem Konflikt opfern, weil sie aufeinander angewiesen sind. Deshalb sei es in erster Linie ein Friedensprojekt in Europa gewesen, auf nationale Souveränität zu verzichten und stattdessen enger zusammenzuarbeiten, erklärt Biermann.

Sehnsucht nach der kleinen Welt

Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass die Visionäre eines vereinten und friedlichen Europas richtig lagen. Doch der Friede kann schnell brüchig werden. Siehe den Krieg in der Ukraine, der seit über zwei Jahren Opfer fordert, hierzulande aber kaum noch im öffentlichen Interesse steht. Es zeigt sich auch in Spannungen und Krisen, die es innerhalb der Europäischen Union gibt. Derzeit gewännen in vielen Ländern, die von Anfang an die europäische Einigung vorangetrieben haben, europakritische und nationalistische Bewegungen an Zulauf, beobachtet Biermann – etwa in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland, aber auch in Polen und Ungarn. Im Populismus und Radikalismus, die damit auch verbunden sind, sieht der Forscher derzeit die größte Gefahr für das „Friedensprojekt“ Europa. Auch die Flüchtlingsfrage polarisiert und spaltet die europäische und insbesondere die deutsche Gesellschaft. Darin liegt nach Biermanns Ansicht ebenfalls Sprengkraft.

Die Krisen, mit denen Europa derzeit und seit einigen Jahren zu tun hat, wie die Finanzkrise, die Bankrott-Gefahr südeuropäischer Länder, die Flüchtlingskrise und das aggressive Verhalten Russlands verunsichern viele Menschen und stellen Sicherheiten infrage. Dazu kommen oft schwer fassbare Effekte der Globalisierung, etwa die temporeiche technische Entwicklung und die vernetzte Kommunikation. „Das Gefühl vieler Menschen, in einer krisengeschüttelten Zeit zu sein, führt zu einem Prozess der Entwurzelung“, sagt Biermann. „Es gibt viele, die sich als Globalisierungsverlierer sehen, die sich in die Übersichtlichkeit einer kleinen Welt zurücksehnen und den Eindruck haben, die Situation ist nicht mehr unter Kontrolle.“

Davon zeuge auch die Wahl in den USA, die den Politik-Quereinsteiger Donald Trump für die Republikaner zum Präsidenten machte. Eine Absage der US-Bürger an das politische Establishment, zurück zu den eigenen amerikanischen Interessen. Womöglich ist auch der rauer gewordene Umgangston eine Folge dieser Verunsicherung und der damit verbundenen Ängste. Ein Weg, um sich seiner selbst zu vergewissern und sich von anderen abzugrenzen – ein brutaler wohlgemerkt.

Religion als Ursache allen Übels?

Für Biermann ist es ganz klar, was die Menschen im Bewusstsein der Krisen brauchen: Orientierung und Identität. Auch die Kirchen sieht er dabei in der Verantwortung, sowohl um Perspektiven und Orientierung zu geben, als auch ganz praktisch als Mediatoren. „Kirchen können durch ihre Autorität wirken. Man geht davon aus, dass sie Integrität haben, für etwas einstehen und Werte vertreten und deshalb mit Glaubwürdigkeit auftreten können. So wie wir das zum Ende der DDR-Zeit erlebt haben, wo die Kirchen und Kirchenvertreter zentrale Bedeutung in der Politik bekamen, können Kirchen in Zeiten der Krise Orientierung bieten – und natürlich durch den Glauben eine feste Basis fürs Leben.“

Religion spielt jedoch selbst oft in Konflikten eine Rolle, allein die Stichworte Kreuzzug und Islamistischer Terror wecken zahlreiche Assoziationen dazu, wie Gewalt im Namen einer Religion ausgeübt wurde und wird. Eine Studie des angesprochenen „Institute of Economics and Peace“ ergab, dass von 35 Konflikten im Jahr 2013 in fünf Fällen Religion und religiöse Ideologie Hauptursachen dafür waren. Oft gab es aber mehrere Ursachen, die zusammenwirkten. Häufiger waren es etwa eine ideologische oder politische Opposition, der Kampf um Ressourcen oder separatistische Bestrebungen.

Religion habe auch das Zeug zum Frieden: Sie verbinde Menschen über ethnische und soziale Grenzen hinweg. Außerdem schaffe sie einen sozialen Zusammenhalt und fördere das zivile Engagement. Auf diese Weise könne Religion einen wichtigen Beitrag zum Frieden leisten, so das Ergebnis der Studie. Der Dialog zwischen verschiedenen religiösen Gruppen sei eines der wichtigsten Werkzeuge, um Konflikte beizulegen.

Heikle Mission

Der Jenaer Friedensforscher Biermann erklärt, dass auch in religiös motivierten Konflikten das Glaubensbekenntnis selbst oft nicht das eigentliche Problem sei. „Die Identität der einzelnen Konfliktparteien definiert sich häufig über Religion. Die Katholiken und Protestanten in Nordirland definieren sich über die Religion und werden auch so wahrgenommen. Auch wenn der Konflikt kein religiöser ist, sondern ein territorialer.“ Religion bewege sich zwischen Konflikt und Frieden auf einem schmalen Grat, weil jede Religion – und vor allem die monotheistischen – einen Wahrheitsanspruch habe, der leicht in Intoleranz umschlagen könne.

Ähnlich verhalte es sich mit dem Missionsgedanken. Auf der anderen Seite gehe es bei den meisten Religionen im Kern um eine Versöhnung zwischen Gott und Mensch. „Das ist gleichzeitig eine Friedensbotschaft, die Potenzial freisetzen kann für Versöhnungsprozesse“, erklärt Biermann. Das hat er in den Konflikten auf dem Balkan beobachtet, wie auch im Nahostkonflikt. In diesem Zusammenhang sieht Biermann auch Persönlichkeiten wie etwa Desmond Tutu, der als anglikanischer Geistlicher in Südafrika eine wesentliche Rolle im Versöhnungsprozess nach dem Ende des Apartheidregimes spielte.

Dem Frieden in den Medien eine Chance geben

Wer Krieg führt – Militärs genauso wie auch Terroristen –, weiß um die Macht der Öffentlichkeit und die Wirkung von Bildern. Kriege und Konflikte sind deshalb auch immer Kämpfe um die Deutungshoheit derselben. Journalisten haben daher eine große Verantwortung, wenn sie über Konflikte berichten. Denn sie können durch ihre Berichterstattung gewollt oder ungewollt Stimmungen aufheizen und einen Konflikt verschärfen. Oder aber auch den Blick auf Lösungsvorschläge, Präventions- und Versöhnungsprozesse lenken. Nur ist das seltener der Fall, denn aufregender, anschaulicher und damit für Medien potenziell interessanter sind Panzer, Bomben, Feuer, Opfer – weniger langfristige, mühsame diplomatische Verhandlungen im Vorfeld oder danach.

Das stellt auch Friedensforscher Biermann fest: „Leider gibt es wenige Berichte von Konflikten, die noch in einem gewaltlosen Zustand sind, wo sich etwas anbahnt. Medien und Politik fokussieren auf Konflikte, die schon ausgebrochen sind. Deshalb hat es Prävention sehr schwer, insbesondere die Frühwarnung und Früherkennung."

Um den Frieden in den Medien eine Chance zu geben, könnte der Journalismus als Mediator fungieren. Die Berichterstattung könnte den Konfliktparteien helfen, ihre gegenseitigen Fehlwahrnehmungen zu überwinden, die den Konflikt anheizen, schreibt der österreichische Psychologe und Friedensforscher Wilhelm Kempf in einem Aufsatz.

Selig sind, die Frieden stiften

Wir haben offenbar verlernt und vergessen, was Jesus vorgelebt hat: Er sah den einzelnen Menschen als Mitmenschen. „Er sah über die äußeren Erkennungszeichen hinweg auf den innewohnenden Wert des Menschen, den er mit ihm teilte, einen Wert, den er mit ihm gemein hatte, einen Wert, in dem ein gemeinsamer göttlicher Funke lebte.“ So formuliert es der amerikanische Friedensforscher und Autor John Paul Lederach in seinem Buch „Vom Konflikt zur Versöhnung“.

Wer im anderen ein Ebenbild Gottes sieht, kann in ihm kein Feindbild aufbauen, erklärt er. Dazu muss man nicht auf die Konflikte dieser Welt schauen: Das gilt für die eigene Haltung gegenüber Politikern des Establishments genauso wie gegenüber Wählern und Politikern der AfD, für den muslimischen Migranten wie für den einheimischen Freikirchler, für die alleinerziehende Mutter ebenso wie für den schwulen Nachbarn. Frieden beginnt dabei, wie wir mit und über andere reden, über sie denken und ihnen begegnen.

„Zum Wesen des Friedens Christi gehört es, gegeben und weitergegeben, geschenkt und bezeugt zu werden, damit immer mehr Menschen aus dem Frieden leben können.“ Friedensdenkschrift der EKD

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, sagt Jesus seinen Jüngern in der Bergpredigt und gibt dem Bemühen um Frieden damit eine geistliche Bedeutung. Den Frieden mit Gott hat Jesus selbst gestiftet. Das ist die Basis für und der Kern der weihnachtlichen Verheißung „Frieden auf Erden“: Wenn Menschen mit Gott versöhnt sind, liegt darin eine Kraft, diesen Frieden auch in unsere Beziehungen hineinzunehmen. „Zum Wesen des Friedens Christi gehört es, gegeben und weitergegeben, geschenkt und bezeugt zu werden, damit immer mehr Menschen aus dem Frieden leben können“, heißt es in der Friedensdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Irdischer Friede wird immer brüchig bleiben, weil die Beziehung der Menschheit zu Gott grundlegend gestört ist, sagt die Bibel. Doch mit dem „Friedensfürsten“, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern, öffnet sich eine neue Perspektive: „Im Gebet für den Frieden [...] bringen Christenmenschen zum Ausdruck, dass die Sorge für den Frieden der Welt Rückhalt findet im Vertrauen auf den Frieden Gottes, ‚der höher ist als alle Vernunft‘“, heißt es in der Denkschrift weiter. „Im Gebet wird zum Ausdruck gebracht, dass Menschen im Einsatz für den Frieden auf Erden auf Gottes Geist angewiesen sind und dass Gott die Mitarbeit des Menschen will.“ Für Frieden in der Welt müssen nicht nur Politiker sorgen. Frieden fängt bei jedem Einzelnen an.

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Thu, 19 Oct 2017 09:00:00 +0200
<![CDATA[„Kirche trägt Mitschuld an Radikalisierung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/18/kirche-traegt-mitschuld-an-radikalisierung/ pro: Christ und in der AfD sein – verträgt sich das Ihrer Meinung nach heute noch?

Anette Schultner: Es wird schwieriger und ich fürchte, dass ein Zeitpunkt kommen wird, an dem man Ihre Frage eindeutig mit Nein wird beantworten müssen. Es gibt aber immer noch anständige Christen in der Partei und denen kann und werde ich ihren Glauben nicht absprechen. Manche ringen noch um die AfD. Im Dezember wählt sie einen neuen Bundesvorstand. Viele wollen besonders diesen Termin noch abwarten, bevor sie eine Entscheidung treffen. Das kann ich niemandem vorwerfen.

An welchem Punkt hat die Politik der AfD so sehr Ihren christlichen Werten widersprochen, dass Sie anfingen, sich ernsthaft mit einem Austritt zu beschäftigen?

Björn Höcke hat Ende 2015 von r- und K-Strategien (Fachbegriffe für Fortpflanzungsstrategien, entweder sehr viele Nachkommen zu zeugen oder sehr wenige, die dafür bessere Überlebenschancen haben, wie es etwa beim Menschen der Fall ist; Anm. d. Red.) in Anwendung auf sehr große Menschengruppen gesprochen ...

Er behauptete damals öffentlich, Afrikaner hätten andere Reproduktionsstrategien als Europäer. Deshalb müsse Europa vor Überpopulation geschützt werden, indem man Zuwanderung aus Afrika stoppt ...

Mein Hauptkritikpunkt daran war und ist, dass er in einer vorbereiteten Rede, bei der er dann doch wissen sollte, wovon er öffentlich sprach, das Gros afrikanischer Menschen einfach als „r-Strategen“ verortete. Als hätten sie das Reproduktionsverhalten von Insekten oder Mäusen. Sowas ist doch massiv menschenfeindlich. Es hat mich fassungslos gemacht, dass eine Führungspersönlichkeit der Partei sich so äußert. Und das war ja nicht die erste hochproblematische Äußerung Höckes. Ab dem Zeitpunkt habe ich jedenfalls offen und vehement die Position vertreten, dass Herr Höcke nicht in die AfD gehört. Wie könnte man auch so eine Haltung verteidigen? Gerade in den vergangenen Monaten habe ich meine Kritik an Herrn Höcke immer wieder erklärt und habe dabei erlebt, wie AfD-Mitglieder das nicht ernst genommen haben oder sogar Ihre Unterstützung Höckes betonten. Ich möchte aber sehr deutlich sagen, dass es in der Partei bei weitem nicht nur Radikale gibt. Sie sind eigentlich eine Minderheit. Die AfD in toto wie einen radikalen monolithischen Block zu beschreiben, ist eine falsche Stigmatisierung aus Teilen der Medien. Ich habe mich bisher, so weit man da trennen konnte, im Kreis der Gemäßigten in der Partei bewegt und sage Ihnen: Es gibt immer noch viele in der bürgerlich-konservativen Ausrichtung wie mich. Allerdings: Ich sehe für die Entwicklung der Partei nicht die Radikalen als größtes Problem, sondern den gemäßigten Mittelbau, der leider zum Großteil nicht annähernd wehrhaft genug gegen diese ist. Deshalb habe ich der AfD keine weitere Chance gegeben.

Sie haben die Christen in der Partei geführt. Gibt es in dieser Gruppe Rechtsextreme?

Nein, nicht, dass ich wüsste. Ich war allerdings schon befremdet, als ich hörte, dass ein Vorstandsmitglied der „Christen in der AfD“ vor acht Jahren an die NPD gespendet hat. Die Person hat sich mir und dem übrigen Vorstand gegenüber erklärt und sagte, es sei in einer Frustsituation und einmalig gewesen. Er nannte es einen Fehler. Natürlich ist es dennoch heikel, die NPD ist verfassungsfeindlich. Die Vereinigung der Christen in der AfD ist in jedem Fall gemäßigter als die Partei in Gänze. Deshalb habe ich immer gehofft und darauf gesetzt, dass sie als bürgerlich-stabilisierender Faktor wirken kann. Dennoch gibt es aber auch dort Menschen, die mit Herrn Höcke und seinem Flügel deutlich sympathisieren.

Erwarten Sie aus dem christlichen Kreis innerhalb der AfD weitere Austritte?

Ich befürchte leider sehr, dass sich die AfD weiter radikalisieren wird. Vor diesem Hintergrund bin ich so gut wie sicher, dass es zu weiteren Austritten kommen wird. Gleichzeitig haben sich durch die starke bisherige Stigmatisierung, die die Partei erlebt hat, auch viele Gemäßigte eine Wagenburgmentalität zugelegt. Sie leben teilweise in einer Art blinder Solidarität mit den falschen Leuten. Auszutreten ist da für viele schwierig.

Ihr eigener Austritt ist ein massives Eingeständnis, nachdem Sie die AfD zuletzt auf dem Kirchentag im Gespräch mit dem evangelischen Berliner Bischof Markus Dröge stark verteidigt haben ...

Es ist ein Eingeständnis bezüglich des heutigen Zustandes und der in meinen Augen jetzt erwartbaren weiteren Entwicklung der Partei. Mit Worten kann ich Ihnen kaum beschreiben, für wie essentiell ich es für unsere Demokratie halte, dass es wieder eine echte konservative Volkspartei gibt. So lange ich hierfür im AfD-Aufbau die Chance sah, war aufgeben keine Option. Und ich habe gerade deshalb viel Verständnis besonders für die, die hierbei noch etwas Hoffnung haben und deshalb um die Ausrichtung weiterkämpfen wollen. Gerade wenn es in einer so jungen Partei auch Fehlentwicklungen gibt, geht man doch nicht direkt, sondern versucht, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Ich habe jedoch auch bereits im Gespräch mit dem Bischof gesagt, dass ich bestimmte Dinge innerhalb der AfD kritisch sehe. Nun war es genug.

Wie sind die Mitchristen in der Partei mit Ihrem Austritt umgegangen?

Ich war fast noch nie in meinem Leben mit derart vielen emotionalen Reaktionen konfrontiert. Von den Mitchristen in der AfD kamen vor allem Äußerungen des Bedauerns und auch manche der Sorge. Gemäßigte, ob Christen oder nicht, die den Richtungskampf noch offen sehen, äußerten manchmal auch nachvollziehbare Enttäuschung. Ein paar „Christen in der AfD“-Mitglieder sprachen von Verrat. Außerhalb des christlichen Lagers wurde ich auch als Volksverräterin bezeichnet, was angesichts eines Parteiaustritts surreal ist, aber logisch wirken kann, wenn man einzig in der AfD „die letzte evolutionäre Chance" für Deutschland sieht, wie Björn Höcke sagte. Schlichte Beleidigungen und das Verbreiten wilder Verschwörungstheorien gab es ebenso und reichlich. Es erreichten mich aber von Christen aus allen möglichen Bereichen auch viele sehr warmherzige Danksagungen. Natürlich machen einen manche E-Mails nachdenklich, aber ich bin mit mir im Reinen und überzeugt, Gott geht mit mir. Das ist mir auch sehr wichtig.

Was raten Sie Christen, die die AfD unterstützen?

Das AfD-Programm enthält viel Gutes, das sehe ich noch immer so. Aber es ist auch aussagekräftig, wie sich manche AfD-Leute äußern. Wer die Partei unterstützen will, soll da genau hingucken.

Sie haben gemeinsam mit der Parteiführung in der Vergangenheit die kritische Haltung der Kirchen zur AfD scharf verurteilt. Verstehen Sie die Kirchen heute besser?

Ich finde es immer noch sehr problematisch, wie die Kirche sich in der Vergangenheit gegenüber der AfD positioniert hat. Eine Aktion wie in Köln, als die Kirchen mit dem Slogan „Unser Kreuz hat keine Haken“ gegen den AfD-Parteitag demonstriert haben, ist unwürdig und effektheischend. Die AfD wurde schon ganz zu Anfang stark gemobbt, in einer Zeit übrigens, die viele rückblickend als eine gemäßigte Phase betrachten. Wenn Kirchen und Medien eine Partei permanent stigmatisieren, schweißt das Radikale zusammen. Die Bürgerlichen aber verjagt es oft. Die AfD hätte sich nicht so entwickeln müssen, wie sie es getan hat. Das geschah auch durch die schon frühe und völlig unverhältnismäßige Stigmatisierung von außen. Kirche darf sich nicht so stark und einseitig parteipolitisch äußern. Sie trägt insofern leider im Ergebnis eine gewisse Mitverantwortung an der radikaler werdenden Entwicklung der AfD.

Frau Schultner, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Anna Lutz

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Wed, 18 Oct 2017 19:28:00 +0200
<![CDATA[Bibel-Museum in Washington D.C. öffnet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/18/bibel-museum-in-washington-dc-oeffnet/ Am 17. November sollen die über 12 Meter hohen Bronze-Tore des Bibel-Museums unweit der anderen bekannten Museen der US-Hauptstadt für die Besucher geöffnet werden. Die 40.000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche liegt nur wenige hundert Meter vom Kapitol entfernt.

Der Bau des Museums kostete 500 Millionen Dollar. Seine Größe ist vergleichbar mit dem nahegelegenen Smithsonian National Museum of the American Indian. Die Bauarbeiten waren vor drei Jahren begonnen worden. Mitfinanziert wurde es von der konservativ-christlichen Familie Green, in deren Besitz die amerikanische Warenhauskette Hobby Lobby ist. Der Eintritt ist frei.

Wie die Washington Post berichtet, kann der Besucher in nachgestellte antike Welten gehen, eine der größten privaten Torah-Sammlungen bewundern oder sich biblische Pflanzen ansehen. Auch Raum für eigene Bibel-Forschung findet sich in einem eigenen Stockwerk. Die Zeitung urteilt: „Das Museum ruft den Besucher nicht dazu auf, die Bibel wörtlich zu nehmen oder zu glauben, die Bibel habe nur eine korrekte Form.“ Der Autor stellt aber auch fest: „Es gibt sehr wenig zu Jesus.“

Die Besucher können zwar ein nachempfundenes Modell eines Dorfes aus dem ersten Jahrhundert nach Christus in Galiläa besuchen, wo Schauspieler sagen, was sie als Dorfbewohner vom umstrittenen Prediger Jesus von Nazareth denken. Außerdem können sie einen Film über Johannes den Täufer ansehen. Aber die Geschichte von Jesu Kreuzigung oder Auferstehung wird nicht abgehandelt.

Kein Wort zu Sexualität oder Abtreibung

Als die Familie Green vor einigen Jahren ankündigte, ein Bibelmuseum errichten zu wollen, hieß es noch, das Ziel sei es, „das lebendige Wort Gottes“ als „absolute Autorität“ Wirklichkeit werden zu lassen. Das tatsächliche Museum scheint nun moderater in seinem Anliegen zu sein. Steve Green, der Chef des Unternehmens Hobby Lobby und zugleich Vorsitzender des Museums, erklärte: „Das Museum hat gewisse Grenzen bekommen. Es sagt nicht offen, dass die Bibel gut oder grundsätzlich wahr ist. Das ist nicht seine Aufgabe. Die besteht darin, die Fakten zu präsentieren, sodass sich die Menschen selbst ein Urteil bilden können.“ Die wichtigste Botschaft des Museums solle lauten: Lest die Bibel!

Das Museum will neueste Technik benutzen, um das Buch der Bücher interessant zu machen. Kinder können Spiele spielen, ein Raum lässt die Erlebnisse von Noah und seiner Familie an Bord der Arche nacherleben. Die Ausstellungstücke zeigen den biblischen Ursprung vieler alltäglicher Dinge unserer Welt auf, etwa Kalender, Moden oder Sprachausdrücke. Themen wie Sexualität oder Abtreibung thematisiert das Museum indes nicht. Auch wird offenbar nicht proklamiert, dass die Erde vor 6.000 Jahren erschaffen wurde, wie etwa im Creation Museum in Kentucky.

Der Direktor des Museums, Seth Pollinger, sagt: „Unser Ziel ist nicht, Antworten zu geben, sondern neugierig zu machen.“ Mark Noll, einer der prominentesten Experten für amerikanische christliche Geschichte, war als Berater tätig; er vergleicht das Bibel-Museum mit dem bekannten „Newseum“ in der Nähe, das eine Ausstellung zu Medien wie Fernsehen und Zeitung birgt.

Die Washington Post schreibt: „Das Museum könnte schnell zu einem Publikumsmagneten unter evangelikalen Familien werden – diese Gruppe macht immerhin ein Viertel der amerikanischen Gesellschaft aus. Bei ihnen ist die tägliche Bibellektüre normal.“ Laut einer Umfrage des Pew-Meinungsforschungsinstitutes von 2014 lesen 45 Prozent der Amerikaner selten oder nie in der Bibel, aber 63 Prozent der Evangelikalen gaben an, mindestens einmal in der Woche in der Heiligen Schrift zu lesen. (pro)

Von: js

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Wed, 18 Oct 2017 14:31:00 +0200
<![CDATA[Evangelischen Glauben erlebbar machen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/10/18/evangelischen-glauben-erlebbar-machen/ Mit der „ChurchNight“ will die Evangelische Kirche im Zuge des 500. Reformationsjubiläums gezielt junge Menschen erreichen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, wünscht sich, dass diese „in unserer evangelischen Kirche zuhause sind“. Die Kirche brauche junge Leute, damit sie Zukunft hat. In der Kampagne sieht er einen Gegenpol zum Halloween-Trend und meint: „hell.wach.evangelisch. – etwas Besseres haben wir am 31. Oktober Halloween kaum entgegenzusetzen.“

„hell.wach.evangelisch.“: Mit diesem Motto möchten die Initiatoren aus dem Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW) auf das Wesentliche der Reformation aufmerksam machen. Sie erwarten hell erleuchtete Kirchen und junge Menschen, die die Nacht zum Tage machen und ihren Glauben feiern. Dabei möchten sie sich auch mit „ur-evangelischen“ Themen wie Gnade, Freiheit und Bibel beschäftigen.

Zweiminütiger Videoclip mit den Grundlagen

An einigen Orten sind Luther-Rallyes, Poetry Slams oder Mittelaltermärkte geplant. Das Ganze ist oft gepaart mit spirituellen Angeboten wie Lesungen, Andachten und Jugendgottesdiensten, die die Jugendlichen vorbereiten und durchführen. Neu ist auch ein zweiminütiger Videoclip, der die grundlegenden Einsichten der Reformation - als hochaktuell und relevant für die Zukunft – auf den Punkt bringt.

Der Clip ist seit dem 25. September 2017 zum freien Download auf clip.churchnight.de verfügbar. Entwickelt und produziert hat ihn die Agentur „Bär Tiger Wolf“ aus Tübingen. Neu in diesem Jahr ist auch, dass das „ChurchNight“-Radio zwölf Stunden lang aktuelle christliche Musik, Beiträge und Fakten sendet, die durch Liveschaltungen zu den unterschiedlichsten „ChurchNights“ in Deutschland und weltweit ergänzt werden.

Der Livestream ist am Reformationstag von 12 bis 24 Uhr im Internet unter radio.churchnight.de abrufbar. Ehrenamtliche aus dem EJW realisieren dieses Projekt mit Unterstützung des Göppinger Lokalradios radio fips und den Verlagen Gerth Medien und SCM Hänssler.

Die „ChurchNight“-Kampagne gibt es seit 2006. Sie möchte zeigen, wie aktuell die Ereignisse und Inhalte der Reformation auch heute noch sind. Entstanden ist sie im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg (EJW). Inzwischen ist die Kampagne über die deutschen Grenzen hinaus bekannt. Schirmherr ist Frank Ottfried July, der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Württemberg.

Von: Johannes Weil

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Wed, 18 Oct 2017 14:12:00 +0200
<![CDATA[Die neue pro ist da!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/10/18/die-neue-pro-ist-da/ Während das Internet für viele Menschen ein elementarer Lebensbestandteil geworden ist, tun sich die Kirchen schwer mit dem Digitalen. Im Christlichen Medienmagazin pro, das diese Woche erschienen ist, gehen wir der Frage nach, warum das so ist.

Dazu haben wir auch Oberkirchenrat Ralph Charbonnier gefragt. Seine Aufgabe im Referat Sozial- und Gesellschaftspolitik im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland ist es, den digitalen Wandel in der Kirche mitzugestalten. Wo sieht er Chancen, welche Hindernisse liegen auf dem Weg?

Vom Saulus zum Paulus

In der aktuellen Ausgabe von pro können Sie Geschichten von Menschen lesen, die Chancen ergriffen haben: zum Beispiel der Australier Tony Rinaudo, der eine Technik entwickelt hat, um Regionen in Afrika wieder zu begrünen. Oder Yassir Eric, ein Mann, der von sich sagt, dass er einst Christen terrorisierte. Dann aber habe er selbst die Hand ergriffen, die Jesus ihm ausstreckte: Er ist Christ geworden.

500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche von Wittenberg ist gerade dieser Tage viel über die Reformation zu lesen: Lutherjahr eben. Einen ganz besonderen Aspekt des damaligen Geschehens beleuchtet die neue pro: Die einstige Äbtissin Marie Dentière setzte sich intensiv für reformatorisches Gedankengut ein – und löste damit, bei den Männern ihrer Zeit, einen gewaltigen Skandal aus.

Mehr aus dem Inhalt:

  • Bibel und Wein: Ein Winzerfamilie vertraut auf Gott

  • Engel im Urlaubsparadies: Mallorcas „Street Angels“ packen an

  • 95 Thesen für den Schulhof: So inspiriert Martin Luther Teenager

  • So raubt die Türkei Christen ihr Eigentum: … und plötzlich ist die Kirche weg

Dies und noch viel mehr können Sie in der fünften Ausgabe dieses Jahres im Christlichen Medienmagazin pro lesen. Bestellen Sie sich Ihr Exemplar kostenlos und unverbindlich unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online. (pro)

Von: Stefanie Ramsperger

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Wed, 18 Oct 2017 14:04:00 +0200
<![CDATA[Minister beraten über Medienpolitik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/10/18/minister-beraten-ueber-medienpolitik/ Wenn die deutschen Ministerpräsidenten am Donnerstag zu ihrer jährlichen Tagung zusammenkommen, befassen sie sich auch mit Medienpolitik. Neben dem Dauerbrenner – der Höhe der Rundfunkbeiträge – geht es auch um das Digitalangebot der Sender. ARD, ZDF und Deutschlandradio halten steigende Rundfunkgebühren ab 2021 für unvermeidlich. Dies hängt vor allem mit Investitionen im digitalen Sektor zusammen.

Die Politik hatte die Sender deshalb aufgefordert, ihre Plänen darzulegen. Für den Autor der Tageszeitung Die Welt Christian Meier hat dies auch Aus- und Rückwirkungen auf die Angebote privater Sender und Verlage. Privatwirtschaftlich finanzierte Medien sollten so wenig wie möglich in der Entfaltung ihrer Geschäftsmodelle behindert werden. Gleichzeitig hätten die beitragsfinanzierten Sender den Anspruch, ihre Inhalte auf allen verfügbaren Kanälen und Plattformen ausspielen zu dürfen.

Fällt die Sieben-Tage-Frist?

Mit dem Vorschlag, der jetzt diskutiert wird, könnten ARD, ZDF oder Deutschlandradio ein digitales Angebot starten, das dem digitalen Angebot von Verlagen ähnelt. Zur „Presseähnlichkeit“ gibt es bereits einige gerichtliche Auseinandersetzung der Verlage mit der ARD. Viel zu weit gehen die Änderungswünsche den Mitgliedern der Produzentenallianz. Hier werde ein „seit Jahrzehnten praktiziertes und funktionierendes Geschäftsmodell“ infrage gestellt, zitiert die Welt den Geschäftsführer der Allianz, Christoph Palmer.

Diskutiert werden soll auch die Sieben-Tage-Frist für Beiträge und Sendungen in den Mediatheken. Ausnahmen gebe es bereits bei Magazine, Reportagen, besonderen Unterhaltungssendungen oder von Spielfilmen, die die Sender selbst in Auftrag gegeben haben. Weil allerdings ein Teil dieser Sendungen nur teilfinanziert sind, sei auch dies ein Problem. Die Investoren hätten dann ein Interesse daran, ihr Geld durch eine eigene Weiterverwertung mindestens wieder herauszubekommen.

Exklusivität in den Mediatheken nicht akzeptabel

Für Palmer könnte dies zu einem Rückgang der unternehmerisch tätigen Produzenten in Deutschland führen. „Video-on-Demand explodiert geradezu – und an diesem Markt müssen und wollen wir partizipieren, sonst werden wir enteignet.“ Video-on-Demand (VoD) umfasse alle digitalen Bewegtbildangebote, die auf Abruf gestartet werden können. Diese erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. Palmer und die Produzentenallianz wünschen sich, dass ein „handelbarer Markt“ für VoD-Rechte entsteht.

Er befürchtet, dass ARD und ZDF faktisch Exklusivrechte bekämen. Die Konsumenten würden sie meist zeitnah zum Erscheinungstag schauen und spätere kommerzielle Anbieter blieben dabei auf der Strecke: „Exklusivität in den Mediatheken ist nicht akzeptabel“, sagt Palmer. Mittelfristig würde das aus seiner Sicht dazu führen, dass es Serien der Güteklasse „Weißensee“ nicht mehr gebe.

Von Johannes Weil

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Wed, 18 Oct 2017 11:36:00 +0200
<![CDATA[Von der Pfarrerstochter zur Top-Terroristin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/18/von-der-pfarrerstochter-zur-top-terroristin/ Wie konnte es nur zu einem derartigen Lebenslauf kommen? Die am 15. August 1940 in Bartholomä geborene und später in Tuttlingen und Stuttgart aufgewachsene Gudrun Ensslin ist als Kind und Jugendliche auf geradezu vorbildliche Weise christlich sozialisiert. In der Schule fällt sie durch soziales Engagement auf. In der Kirchengemeinde ihrer Eltern ist sie in der Kinder- und Jugendarbeit tätig. Sie hält Andachten und zieht mit ihrer Teenager-Gruppe in den Ferien wandernd und musizierend durchs Land.

Nachdem sie im März 1960 erfolgreich das Abitur bestanden hat, studiert Ensslin in Tübingen Germanistik, Anglistik und Philosophie. Die ersten drei Semester sei seine Tochter noch sehr brav gewesen, urteilt später ihr Vater. Und ihre Mutter erinnert sich, dass bis zu ihrem 22. Lebensjahr auf ihrem Nachttisch immer noch die „Bibelrüste“ des Evangelischen Mädchenwerks gelegen habe.

Doch dann kommt es im Leben der Studentin zu einem dramatischen Bruch: Im Wintersemester 1961/62 lernt sie den Germanistik-Studenten Bernward Vesper kennen, Sohn des Nazidichters Will Vesper. Die beiden verlieben sich. Die sexuelle Befreiung, die in jener Zeit zunächst vor allem im studentischen Milieu Einzug gehalten hat, erfasst durch den promiskuitiven Bernward auch die schwäbische Pfarrerstochter. Ihr literarisch verschlüsseltes Tagebuch aus jener Zeit deutet an, wie sehr sie sexuell von ihrem Freund abhängig gewesen sein muss und sich – trotz aller proklamierten „neuen Moral“ – verletzt gefühlt zu haben scheint durch das ständige Fremdgehen ihres Freundes, den sie als intellektuelle Größe bewundert.

Im Herbst 1964 ziehen Ensslin und Vesper nach Berlin. Hier wollen sie an der Freien Universität ihr Studium fortsetzen. Gleichzeitig werden sie immer mehr politisch aktiv. Während des Bundestagswahlkampfs 1965 engagieren sie sich als Wahlkampfhelfer für Willy Brandt und die SPD. Als im darauffolgenden Jahr die SPD mit der CDU eine Große Koalition eingeht, sind sie zutiefst empört. Gesellschaftlichen Wandel erwarten sie von den etablierten Parteien nicht.

„Unerträgliches christliches Reden“

Am 2. Juni 1967 wird auf einer Demonstration gegen den Besuch des iranischen Schahs der Student Benno Ohnesorg von der Kugel eines Polizisten tödlich verletzt. Ensslin schließt sich daraufhin einer politischen Aktionsgruppe an und nimmt an zahlreichen Protestaktionen teil. In der Gruppe taucht eines Tages auch Andreas Baader auf, ein bereits mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geratener junger Mann von charismatischer Ausstrahlung. Er plädiert für radikale, gewalttätige Aktionen. Ensslin fährt auf den großspurigen, anarchistischen Typen voll ab. Endlich jemand, der nicht nur diskutiert und harmlose Happenings plant! Sondern einer, der bereit ist, auch etwas zu wagen. Schon bald werden sie ein schier unzertrennliches Paar.

Ensslin, die ihren Eltern immer wieder vorwirft, durch ihre Passivität in der Nazi-zeit „versagt“ zu haben, setzt nun mit ihrem neuen Freund und zwei weiteren Komplizen ein (Brand-)Zeichen. In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1968 explodieren in zwei Frankfurter Kaufhäusern mehrere von ihnen gelegte Brandsätze. Das Ganze soll als Protest verstanden werden gegen die kapitalistische Konsumgesellschaft und den von den USA geführten Krieg in Vietnam. Die Täter werden gefasst und kommen in U-Haft. Ensslin lässt eine ehemalige Freundin wissen, dass sie „das christliche Reden nicht mehr ertragen kann“. Und: „Ich hab‘ mich ein für allemal auf die Seite (…) des sich auflehnenden Menschen geschlagen.“

Im Juni 1969 werden die zu drei Jahren Haft verurteilten Brandstifter bis zur Entscheidung über den Revisionsantrag auf freien Fuß gesetzt. Nachdem im November der Bundesgerichtshof eine Revision verworfen hat, geht Ensslin mit Baader in den Untergrund. Sie versuchen eine revolutionäre Zelle aufzubauen, die bald unter dem Namen RAF (Rote Armee Fraktion) auftreten wird. Zu den Verschwörern gesellt sich auch die Journalistin Ulrike Meinhof. Während eines gemeinsamen LSD-Trips soll Ensslin für eine Art von revolutionärem Katechismus plädiert haben. Dieser sollte in der Umkehrung der Zehn Gebote bestehen und damit auch das Töten zum revolutionären Gesetz erheben.

Katastrophales Ende

Mehr und mehr gerät die RAF, die sich das Geld für Waffen und konspirative Wohnungen durch Bankeinbrüche beschafft, in den Fokus des BKA. Bald töten sie zwei Polizisten. Doch so richtig los geht es erst 1972 mit der sogenannten Mai-Offensive der RAF. Durch eine Serie von Sprengstoffanschlägen werden zahlreiche Menschen verletzt oder sterben.

Am 1. Juni 1972 werden Andreas Baader und zwei weitere RAF-Mitglieder festgesetzt. Nur wenige Tage später wird auch Ensslin verhaftet. Im Frühjahr 1974 kommen die RAF-Gefangenen in das neu errichtete Sicherheitsgefängnis in Stuttgart-Stammheim. Wie sehr Ensslin auf Baader eine fast schon messianisch zu nennende revolutionäre Heils- und Ideal-gestalt projiziert, wird aus einem von ihr verfassten Kassiber deutlich. Darin versteigt sie sich zu der Behauptung: „(…) das kollektive bewusstsein, die moral der erniedrigten und beleidigten des metropolenproletariats – das ist andreas. (…) an andreas können wir uns bestimmen, weil er das alte (erpressbar, korrupt usw.) nicht mehr war, sondern das neue: klar, stark, unversöhnlich, entschlossen. (sic!)“

Mehrmals versucht die RAF die Freilassung ihrer gefangen gehaltenen Mitglieder zu erpressen. Zuletzt im Herbst 1977 durch die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer. Aber die Bundesregierung gibt nicht nach. Ein palästinensisches Kommando versucht den RAF-Forderungen Nachdruck zu verleihen, indem es eine Lufthansa-Boeing, die „Landshut“, mit deutschen Urlaubern entführt. Doch die am 17. Oktober in Mogadischu gelandete Maschine wird von der deutschen GSG 9-Spezialeinheit gestürmt und die Geiseln befreit. Daraufhin erschießen sich die Terroristen Andreas Baader und Jan-Carl Raspe in ihren Zellen. Gudrun Ensslin erhängt sich – vor 40 Jahren, am 18. Oktober 1977.

Der Artikel stammt aus dem Christlichen Medienmagazin 05/2017, die Sie kostenlos unter der Adresse info@pro-medienmagazin.de oder telefonisch unter 06441/915-151 bestellen können.

Matthias Hilbert, geboren 1950, wohnt in Gladbeck. Er ist Lehrer i. R. und wie Ensslin Pastorenkind. Als Buch ist von ihm zuletzt erschienen: „Fromme Eltern – unfromme Kinder? Lebensgeschichten großer Zweifler“. Darunter ist auch das Schicksal Gudrun Ensslins.

Von Matthias Hilbert

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Wed, 18 Oct 2017 08:31:00 +0200
<![CDATA[Die langen Schatten von Stammheim]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/17/die-langen-schatten-von-stammheim/ Kaffee, Graubrot und ein gekochtes Ei finden sich auf dem Frühstückswagen, den die beiden Beamten am frühen Morgen in den Zellentrakt im siebten Stock schieben. Doch als sie die Tür mit der Nummer 716 öffnen und ins Halbdunkel blicken, merken sie, dass etwas nicht stimmt: Der Gefangene, der immer früh aufsteht, sitzt auf dem Bett, den Rücken zur Wand. Sein Kopf ist leicht nach rechts gedreht, an der linken Schädelseite rinnt Blut, und der Mann stöhnt – sein Leben ist nicht zu retten.

Es ist 7:41 Uhr am 18. Oktober 1977 im Gefängnis Stuttgart-Stammheim. Genau 40 Jahre sind vergangen: Jan-Carl Raspe, der damals zu den bekanntesten Häftlingen in Deutschland zählt, hat sich mit einer Pistole erschossen. Kurz nach acht Uhr wird das ganze Ausmaß des Dramas deutlich: In der Zelle 719, die letzte, links hinten im Gang, liegt der ebenfalls inhaftierte Andreas Baader mit weit aufgerissenen Augen in seinem Blut auf dem Boden. Der Körper ist kalt, neben dem Kopf finden die Beamten ebenfalls eine Schusswaffe. Hastig schließen sie die Zelle 720 gegenüber im Gang auf: Gudrun Ensslin ist nicht zu sehen, eine Decke verdeckt den Blick zum Zellenfenster – darunter baumeln Füße, am Fensterrahmen hängt ihr Leichnam.

Die Spitze der linksterroristischen „Rote Armee Fraktion“ (RAF) hat „kollektiven Selbstmord“ verübt, so wie es Bandenchef Baader vor acht Tagen gegenüber dem Anstaltsarzt angekündigt hatte. Nur eine hat überlebt, Irmgard Möller: Ihre schweren Stichwunden im Brustbereich sind nicht tödlich.

Amtsinspektor Horst Bubeck ist seit drei Jahren als stellvertretender Vollzugsdienstleiter zuständig für die Promi-Häftlinge im siebten Stock. Getreten, geschlagen und beleidigt haben sie ihn. Doch an diesem Tag empfindet er „keinerlei Freude“. Der rätselhafte Tod der Terroristen habe ihn „eher belastet“, erinnert sich Bubeck Jahrzehnte später. Bubeck ist heute 84 Jahre alt.

Der 18. Oktober 1977 ist ein Tag, der tiefe Spuren hinterlassen wird. Millionen Menschen, die an diesem Morgen Frühnachrichten hören, erfahren zunächst noch nichts von den schauerlichen Geschehnissen in Stammheim. Sie hören als erstes eine Nachricht, die für große Erleichterung sorgt: Seit 0:38 Uhr informieren Radiosender darüber, dass die von Palästinensern in einer Lufthansa-Boeing entführten 90 Geiseln in Somalias Hauptstadt Mogadischu „glücklich befreit“ worden sind.

„Die kursierenden Mordtheorien sind schlichtweg Unsinn“

Es ist Herbst in Deutschland – der deutsche Terrorherbst. Die Bundesrepublik gerät in diesen Wochen an den Rand des Staatsnotstands. RAF-Terroristen haben seit dem 5. September Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer in ihrer Gewalt. Seit dem Frühjahr erlebt das Land eine beispiellose Anschlagserie auf hohe Repräsentanten aus Staat und Wirtschaft. Einst war die RAF mit dem Anspruch aufgetreten, für mehr Gerechtigkeit kämpfen zu wollen.

Doch am Ende sollte das feige Morden vor allem dem „Freipressen“ der Inhaftierten dienen – „big raushole“ nannten die Terroristen ihre Gewaltorgie. Fünf Tage vor der Nacht von Stammheim hat sich die Situation dramatisch zugespitzt. Palästinensische Terroristen solidarisieren sich mit den deutschen „genossen“, sie entführen den Lufthansa-Ferienflieger „Landshut“. Doch SPD-Kanzler Helmut Schmidt, in dessen Krisenstab auch Oppositionsführer Helmut Kohl und CSU-Chef Franz Josef Strauß sitzen, ist überzeugt, dass sich der Staat nicht erpressen lassen darf – er schickt die Antiterroreinheit GSG 9 zur Geiselbefreiung.

Doch der heiße Herbst ist noch nicht vorbei. Am nächsten Tag wird Arbeitgeberpräsident Schleyer im Elsass tot aufgefunden. Und die Todesnacht von Stammheim wird noch lange, dunkle Schatten in die Zukunft werfen: Wie konnten Schusswaffen in das angeblich sicherste Gefängnis Europas gelangen? Wie konnten die Häftlinge, die seit sechs Wochen mit Hilfe des neuen „Kontaktsperregesetzes“ voneinander isoliert sein sollten, Nachrichten hören und miteinander kommunizieren? Und schließlich: Wurden die Inhaftierten in der Todesnacht abgehört? Immer wieder tauchen in den Medien Indizien auf, die diesen Verdacht nahelegen. Der langjährige Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (78), damals einer der RAF-Anwälte, hält es sogar nicht für endgültig geklärt, ob die Terroristen wirklich Selbstmord begangen haben.

Die Nacht von Stammheim – sie will nicht vergehen. Mythen, Legenden und Verschwörungstheorien ranken sich um das Geschehen im sogenannten Hochsicherheitstrakt. Der Ex-Vollzugsbeamte Bubeck hält die in der Sympathisanten-Szene kursierenden Mordtheorien und die Abhörvorwürfe „schlichtweg für Unsinn“. Dass es in den Jahren zuvor, während des spektakulären Terroristenprozesses, zu „vereinzelten“ Lauschangriffen gekommen ist, das bestreiten jedoch auch die Behörden nicht.

Bubeck hat im sogenannten Hochsicherheitstrakt vieles hautnah miterlebt. Schon 2003 entlarvte er gegenüber dem Tübinger Journalisten Kurt Oesterle für dessen Buch „Stammheim“ die in den 70er Jahren von RAF-Anwälten und Sympathisanten kultivierte Imagelüge, die Terroristen seien in Stammheim Opfer einer „Isolationsfolter“ gewesen.

„Erdnuss- und Apfelsinenschalen, dazwischen Kleidungsstücke“

Auch andere Quellen belegen längst: Das Gegenteil ist richtig. Wenn man von den Wochen der „Kontaktsperre“ während der Schleyer-Entführung absieht, dann kann man heute sogar zu der Aussage gelangen, dass es in deutschen Gefängnissen nie zuvor Häftlinge gegeben hat, die derart viele Privilegien genossen haben: Männer und Frauen in einem gemeinsamen Trakt untergebracht, jeden Morgen jede Menge Tageszeitungen, dazu Radios, Plattenspieler – und stundenlange Treffmöglichkeiten.

Wer sich die schweren Schlösser zur Zelle 719 aufsperren lässt, der tritt in eine fast 22 Quadratmeter große, kärglich eingerichtete, aber saubere Unterkunft mit kleinen Spindschränken. Rechts von der Tür ist Platz für zwei Doppelbetten mit je zwei Schlafplätzen: Andreas Baader residierte hier allein. Er schlief auf einem szenigen Matratzenlager, an der linken Wand stand ein raumhohes Regal, darin 974 Bücher und 75 Langspielplatten. „Bei Baader lag die gebrauchte Unterwäsche bei den Lebensmitteln“, erinnert sich Bubeck. Es war dunkel, schummrig und muffig. „Auf dem Boden lagen Erdnuss- und Apfelsinenschalen, dazwischen Kleidungsstücke und Kippen“, sagt Bubeck im Rückblick. Und er ist sich sicher: „Das war eine gezielte Dreck- und Ekeltaktik.“ Baaders Absicht sei es gewesen, Inspektionen des Wachpersonals zu erschweren.

Während Baader im Oktober 1977 wie immer genervt ist und jeden in seiner Umgebung „unablässig mit unflätigen Ausdrücken bedenkt“, so Bubeck, wirkt Gudrun Ensslin in diesen letzten Tagen ihres Lebens „flatterhaft“ und „gereizt“.

Die 37-jährige Frau stammt aus einer schwäbischen Pfarrersfamilie. Sie wuchs mit sechs Geschwistern auf. Und die vierte Tochter Gudrun galt als besonders begabt. Mit 13 wollte sie Lehrerin werden. Christliche Werte bedeuteten ihr viel: Sie wurde Gruppenführerin beim Evangelischen Mädchenwerk und hielt für die „Frohschar“ Bibelabende im Gemeindehaus. Als Oberprimanerin ging Ensslin im Rahmen des „Internationalen christlichen Jugendaustausches“ für ein Jahr an eine Highschool in Pennsylvania (USA). Ihre Mutter erinnerte sich später, Gudrun habe noch bis zum 22. Lebensjahr die „Bibelrüste“ des Mädchenwerks auf dem Nachttisch liegen gehabt. Fünf Jahre danach ist die Studentin von der Schwäbischen Alb längst im aufgewühlten Apo-Klima von Westberlin angekommen. Sie ist Mutter eines Sohnes. Und dann lernt sie Andreas Baader kennen. Er ist Schulabbrecher, Autodieb, und er hat eine charismatische Ausstrahlung. Ensslin ist begeistert von dem großspurigen, anarchistischen Typen. Gemeinsam tauchen sie ab – in den bewaffneten Untergrund. Und die intelligente, begabte, selbstbewusste Frau wird dem Rebell verfallen sein. Bis zum Schluss.

Gegenüber Bubeck macht sie im Oktober 1977 Andeutungen über das nahe Ende. Wenn sie aus dem Fenster schaut, nach Westen, dann flieht der Blick in die Weite. Wiesen, Bäume und Felder, ganz nah und ganz fern. Aber das engmaschige Stahlgitter verstellt nicht nur die Aussicht. Mit verquasten Sätzen droht Ensslin indirekt mit Selbstmord: Sie und die anderen Gefangenen, so Ensslin, würden „Schmidt die Entscheidung aus der Hand“ nehmen – „die Entscheidung über uns“.

Geheimnisvoll sagt sie gegenüber zwei Gefängnis-Geistlichen, falls ihr etwas zustoße, sollten sie unbedingt eine „Mappe“ in ihrer Zelle in Sicherheit bringen – die Mappe enthalte wichtige Dokumente für ihre Familie und die Anwälte. Als Horst Bubeck am Tag vor ihrem Freitod zum letzten Mal mit Gudrun Ensslin zusammentrifft, kommt er mit der „orangefarbenen Mappe“ persönlich in Berührung. Auf einem Schmierzettel erhält er Anweisungen, den „Aktendeckel“ später zu holen. Nach dem Tod von Gudrun Ensslin wurde die ominöse Mappe nicht mehr wiedergefunden. Aber Bubeck hatte sie geöffnet und hineingeschaut: „Sie war leer“, berichtet Bubeck: „Ich glaube, Gudrun Ensslin wollte am Schluss eine falsche Fährte legen und hat sie vielleicht im Klo hinuntergespült.“

Von: Christoph Irion

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Tue, 17 Oct 2017 17:01:00 +0200
<![CDATA[Sebastian Kurz punktet bei Österreichs Parlamentswahlen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/17/sebastian-kurz-punktet-bei-oesterreichs-parlamentswahlen/ Der 15. Oktober war in Österreich vor allem eines: Der Tag des Sebastian Kurz. Er hat als Spitzenkandidat seine christdemokratische ÖVP mit einem neuen Namen – „Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei“ –, einer neuen Farbe – Türkis statt Schwarz – und nicht zuletzt einem neuen, harten Kurs in der Migrationspolitik bei den Nationalratswahlen am vergangen Sonntag zum politischen Erfolg geführt. Insgesamt haben laut vorläufigem Endergebnis (ohne Briefwahlkarten) 31,36 Prozent die ÖVP gewählt, das sind 7,37 Prozent mehr als bei den letzten Wahlen vor vier Jahren. Auch die rechtspopulistische FPÖ unter Langzeit-Parteichef Heinz-Christian Strache hat deutliche Zugewinne verzeichnet (plus 6,85 Prozentpunkte) und liegt mit derzeit 27,35 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie die sozialdemokratische SPÖ, die das Stimmniveau von 2013 (derzeit 26,75 Prozent) immerhin halten konnte. Ob die SPÖ oder die FPÖ den zweiten Platz erreicht, wird aber erst die Auszählung der Briefwahlstimmen an diesem Donnerstag zeigen – Hochrechner rechnen doch noch mit der SPÖ.

Abgestürzt sind jedenfalls die Grünen: Haben die Österreicher vergangenes Jahr mit Alexander van der Bellen einen Kandidaten der Grünen zu ihrem Bundespräsidenten gekürt, verlor die Partei bei diesen Wahlen mehr als zwei Drittel ihrer Stimmen und muss bis zur Auszählung der Briefwahlkarten um ihren Wiedereinzug in das österreichische Parlament bangen. Nötig wären dafür vier Prozent, die bei Briefwählern traditionell starke Partei liegt vorläufig bei 3,32 Prozent. Das Debakel der Grünen ist unter anderem dem Partei-Aussteiger Peter Pilz zuzurechnen, der sich als Aufdecker diverser Korruptionsskandale einen Namen gemacht und sich im Sommer mit seiner eigenen „Liste Pilz“ von den Grünen abgespalten hat – und es damit wohl knapp ins Parlament schafft. Ebenfalls ins Parlament geschafft haben es die mit der deutschen FDP vergleichbaren liberalen NEOS („Das Neue Österreich und Liberales Forum“) – nach 2013 zum zweiten Mal.

Rechtsruck im österreichischen Parlament

Betrachtet man den Aufstieg von ÖVP und FPÖ, die Stagnation der SPÖ und den Fall der Grünen, kann man wertfrei von einem Rechtsruck im österreichischen Parlament sprechen. Das gute Ergebnis der FPÖ sieht der Politikwissenschaftler Klaus Poier von der Universität Graz im Kontext eines weltweiten Trends zu populistischen Parteien – sowohl im rechten, als auch im linken Sektor des politischen Spektrums: „Das zeigt, dass es eine immer größer werdende Gruppe in der Bevölkerung gibt, die mit dem System an sich so nicht zufrieden ist. Ganz besonders ist der Erfolg der Populisten auch eine Abkehr von den bisherig dominierenden Parteien, die den Lebensnerv der Menschen nicht mehr treffen. Ich rechne nicht damit, dass die Entwicklung bald aufhört.“

Die Abkehr zu traditionellen politischen Parteien hatte wohl auch Sebastian Kurz im Sinn, der die altehrwürdige ÖVP als quietschtürkise „Bewegung“ mit Fokus auf seine Person vermarktet hat – auch wenn sich die politischen Inhalte der „Neuen Volkspartei“ von jenen der alten ÖVP gar nicht so sehr unterscheiden – abgesehen vom Schwenk in der Migrationsfrage, in der sich die Politik des Noch-Integrationsministers von der Linie der FPÖ inzwischen kaum mehr unterscheidet. Damit orientiert sich Kurz ebenfalls an der öffentlichen Meinung. Pathetischer formuliert: Kurz versteht es, dem österreichischen Volk ganz im Sinne Martin Luthers „aufs Maul“ zu schauen.

Rainer Nowak, Chefredakteur der österreichischen Tageszeitung Die Presse schreibt in seinem Leitartikel zum Thema Rechtsruck: „Die politische Landschaft stellt sich 2017 wohl so dar, wie sich die Meinung in Österreich 2015 (Jahr des massiven Flüchtlingszustroms nach Österreich und Deutschland, d. Red.) auch tatsächlich verschoben hat.“ Und auch Poier erklärt: „Was offenkundig ist: Dass das Thema Migration eine Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher bewegt. Und eine Politik, die sagt ‚Das ist alles kein Problem‘, ist jedenfalls nicht mehrheitsfähig.“

Wie Christen den Wahlausgang sehen

Unter Österreichs Christen ruft das Wahlergebnis unterschiedliche Reaktionen hervor. Der Herausgeber des christlichen Online-Portals Glaube.at, Sven Kühne, sieht eine „Rückbesinnung auf christliche Werte“ der Österreicher: „Neben einem neuen Weg in der Flüchtlingsfrage, setzen sich die stimmenstärkste Volkspartei von Sebastian Kurz und die (laut Hochrechnungen, Anm.) drittstärkste Kraft im Land (FPÖ) vermehrt für christliche Werte ein.“ Der ehemalige Präsident der Caritas Österreich, Franz Küberl, sieht dies kritischer: „Rot-Schwarz hat etwas mehr Mitmenschlichkeits-Vorschuss gehabt. Den müsste sich eine rot-blaue oder schwarz-blaue Regierung erst erarbeiten“, was aber nicht unmöglich sei. Jedenfalls erwartet sich Küberl ein Bekenntnis der neuen Regierung dazu, „dass alle Menschen dieselbe Würde haben“.

Für Wahlgewinner Sebastian Kurz spielt der Glaube laut eigener Aussage „eine wichtige Rolle“. Aufgrund seiner politischen Arbeit bleibe für den bekennenden Katholiken zwar „leider allzu oft wenig Zeit für den Messbesuch, aber mir sind die Besuche an den Feiertagen gemeinsam mit der Familie sehr wichtig“, so Kurz, der betont: „Auch in meinem Elternhaus waren der Glaube und christliche Werte immer wichtig.“ Im vergangenen Jahr hatte Kurz beim Wiener „Marsch für Jesus“ teilgenommen. Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache glaubt nach eigener Aussage an Gott. SPÖ-Chef Christian Kern bezeichnet sich selbst zwar als Agnostiker, sagt aber auch: „Viele der christlichen Werte sind mir persönlich wichtig.“

Von Raffael Reithofer

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Tue, 17 Oct 2017 13:58:00 +0200
<![CDATA[Diakonie will Frauenarmut abschaffen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/10/17/diakonie-will-frauenarmut-abschaffen/ „Eine Frau zu sein ist schön, aber eben riskant", sagte Barbara Eschen, Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz, am Montag vor Journalisten in Berlin. Anlässlich des Internationalen Tages für die Beseitigung der Armut fordern in der Konferenz organisierte Experten aus Verbänden und Kirchen deshalb laut Eschen: „Frauenarmut muss abgeschafft werden."

Zwar liege das Armutsrisiko von Frauen nur gut ein Prozent höher als das des deutschen Durchschnitts. Im Alter steige der Unterschied aber auf über drei Prozent. Besonders bei der Rente mache sich die Geschlechterungerechtigkeit bemerkbar: 1.043 Euro erhielten Männer im Durchschnitt, 617 Euro Frauen. Ein Effekt, der aus verschiedenen Faktoren entstehe. Frauen kümmerten sich etwa doppelt so oft um Kinder und Angehörige als Männer - oft zu Lasten der Karriere und damit des für die Rente angerechneten Gehalts. Überwiegend weiblich besetzte Berufe, zum Beispiel in der Pflege, seien zudem wesentlich schlechter bezahlt als typisch männliche. Alleinerziehende Frauen haben es demnach besonders schwer. Knapp die Hälfte von ihnen ist von Armut betroffen.

Ehegattensplitting abschaffen

Sophie Schwab, stellvertretende Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz, forderte deshalb politische Konsequenzen: Pflegeberufe zum Beispiel sollen besser bezahlt und die Pflege von Angehörigen und Kinderbetreuungszeiten stärker anerkannt und finanziell ausgeglichen werden. Auch die Abschaffung des Ehegattensplittings gehört zu dem Forderungskatalog der Armutskonferenz, in der neben dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland auch die Caritas organisiert ist. An dessen Stelle soll eine individuelle, eheunabhängige steuerliche Entlastung stehen. Auch eine Anhebung des Mindestlohns steht im Forderungskatalog der Armutskonferenz sowie ein Ausbau der Kinderbetreuung in Kindertagesstätten.

Schwab äußerte Bedenken hinsichtlich einer möglichen Jamaika-Koalition: Man werde „scharf beobachten", ob FDP und Union Ausnahmen für Mindestlöhne durchsetzen wollten. Von den Grünen hingegen erhoffe sich die Armutskonferenz ein Einstehen für die Forderung eines höheren Mindestlohns, erklärte Eschen. Notwendig sei die Umsetzung von Lösungsvorschlägen allemal, warnte Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz. Sie sieht in der Frauenarmut „das nächste große Problem" nach der Flüchtlingskrise.

Von Anna Lutz

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Tue, 17 Oct 2017 13:36:00 +0200
<![CDATA[„Niemals kann ich das vergessen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/17/niemals-kann-ich-das-vergessen/ Es ist kurz nach 13 Uhr, die Lufthansa-Boeing 737 hebt von der Startbahn in Palma ab. Aber an diesem 13. Oktober 1977 verläuft der Flug LH 181 nach Frankfurt nicht planmäßig. Um 14:38 Uhr bemerkt die südfranzösische Flugsicherung, dass die Maschine ihre Route verlässt. Die Meldung an das Bonner Bundeskanzleramt geht sofort raus. SPD-Regierungschef Helmut Schmidt weiß noch nicht, was passiert ist – aber er weiß, dass seine politische Existenz am Schicksal der 91 Menschen in der „Landshut“ hängt. Dann die Gewissheit: Palästinensische Terroristen haben den Flieger entführt.

„Das werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen. Wenn man dem Tod so nahe ist, dann wird man das nicht mehr los“, sagt Birgitt Röhll, die damals als Fluggast in der „Landshut“ saß, vier Jahrzehnte nach den Geschehnissen. Fliegen war für die Berlinerin, die selbst bei der Lufthansa tätig war, schon vierzehn Tage nach den Ereignissen kein Problem: „Aber ich bekomme jedes Mal einen Riesenschreck, wenn von hinten jemand an meiner Lehne zieht“, sagt sie. Die Terroristen seien damals vom Heck der Maschine nach vorn gestürmt. „Ich muss bis heute immer den Blick zur Tür haben, zum Beispiel, wenn ich mir einen Platz in einem Restaurant wähle“, fügt sie hinzu.

Terror-Herbst 1977: Bereits am 5. September hatten Terroristen der linksextremistischen „Roten-Armee-Fraktion“ (RAF) in Köln den Arbeitgeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer entführt. Die Forderung: Freilassung der inhaftierten RAF-Spitze, darunter Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe. Sie sitzen im Gefängnis Stuttgart-Stammheim. Innerhalb von sechs Wochen erlebt die Bundesrepublik die größte Herausforderung ihrer bisherigen Geschichte. Für Helmut Schmidt gibt es keine Parteien mehr, sondern nur noch politisch Verantwortliche. CDU-Oppositions-Chef Helmut Kohl und CSU-Mann Franz Josef Strauß sitzen im „Großen Krisenstab“ mit Schmidts SPD- und FDP-Ministern am Tisch. Der Kanzler spielt auf Zeit. Die Stammheim-Terroristen lässt er befragen, welche Ausreise-Länder infrage kommen. Schmidts Krisen-Mann, Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski, fliegt los: Er konsultiert die Regierungen in Algerien, Libyen, Jemen, Irak und Vietnam. Aber Nachgeben kommt für Schmidt zu keinem Zeitpunkt infrage.

Schmierzettel als Marschbefehl

13. Oktober: Ein Palästinenser-Kommando „martyr halimeh“ fordert Hand in Hand mit den Schleyer-Entführern die Freilassung von elf „raf-genossen“, droht die „sofortige exekution“ von Schleyer sowie der 91 „Landshut"-Geiseln an.

Wischnewski (1922–2005) erinnerte sich vor seinem Tod in einem Gespräch mit dem Autor an die entscheidende Krisenstab-Sitzung: „Ich hatte ein Zettelchen, da habe ich mit Bleistift draufgeschrieben: ,Sollten wir jetzt nicht eine Lufthansa-Maschine fertig machen zum Nachfliegen?' Den schob ich zu Schmidt rüber.“ Schmidt reagiert gleich, schreibt mit grüner Chef-Tinte: „Ja, für dich!“ Wischnewski: „Das war der Marschbefehl für die schwierigste Mission meines Lebens. Schmidt schickte mich los mit den Worten: Du hast die größten Vollmachten, die jemals jemand gehabt hat.“ Ein Lufthansa-Jet startet, mit unsicherem Ziel. An Bord: Der Staatsminister und die Anti-Terror-Truppe des Bundesgrenzschutzes, GSG 9.

Die „Landshut“-Boeing ist in Rom gelandet. Birgitt Röhll, die mit ihrem zehnjährigen Sohn Stephan fliegt, hat ihren ersten Konflikt mit der schwerbewaffneten Terroristin Souhaila Andrawes: „Als ich zur Toilette wollte, versperrte sie den Weg.“ Doch die Berlinerin lässt nicht locker, sie kann sich nicht vorstellen, dass jemand so unmenschlich ist und den Gang zur Toilette verweigert. Die Terroristin schreit auf Englisch: „Geh zu Deinem Platz, du verdammte Hexen-Tochter.“ Mit Handgranaten in beiden erhobenen Händen schlägt die Palästinenserin gegen Röhlls Oberarm: „Den Bluterguss hatte ich noch später, als ich längst wieder zu Hause war“, sagt sie.

In den folgenden Tagen spitzt sich die Lage im Jet zu. Unerträgliche Hitze und Fäkaliengestank. Die Terroristen fuchteln mit Waffen herum. In Dubai, wo die Maschine zwei Tage steht, lässt Anführer Akache Röhll in die erste Klasse führen. Sie muss niederknien. In ihrer Handtasche hat er einen Montblanc-Füllfederhalter gefunden. Das sternförmige Firmenlogo hält er für einen jüdischen Davidstern: „Du bist eine dreckige Jüdin“, brüllt er, tritt sie ans Knie, ohrfeigt sie zwei Mal. Erklärungen lässt er nicht gelten. Sohn Stephan spucken die Terroristen ins Gesicht. Der hysterische Akache rennt durch den Gang, wedelt mit dem Pass von Röhll: „Das ist der Beweis, dein Mädchenname ist Grünewald, du bis eine Jüdin.“ Am kommenden Morgen, 7:30 Uhr, soll sich Birgitt Röhll gemeinsam mit anderen Geiseln zum Erschießen melden. Hilfesuchend wendet sie sich an Kapitän Jürgen Schumann (37): „Der war souverän und hat wirklich klasse reagiert“, sagt sie: „Er hatte eine unglaublich beruhigende Art. Er hat gesagt, ich solle mir keine Sorgen machen. Er werde noch einmal mit dem Terroristen-Anführer sprechen.“ Und im Rückblick empfindet sie es als ausgesprochenes Glück, dass ihr Sohn bei ihr war: „Stephan hat mir neuen Lebensmut gegeben, hat immer wieder gesagt, ,Mutti, du wirst sehen, wir kommen hier heil raus.'“

Die Hinrichtung der Passagiere findet nicht statt, trotzdem gibt es einen Toten. 16. Oktober, 900 Kilometer weiter südwestlich in Aden im Jemen: Flugkapitän Schumann besteht auf einer Inspektion. Es ist Abend, Schumann darf mit einer Taschenlampe die Maschine verlassen. Als der Kapitän nach etlichen Minuten nicht zurückkommt, vermuten die Terroristen einen Trick – es ist sein Todesurteil: Als er wiederkommt, wird Schumann regelrecht hingerichtet. „Guilty or not guilty?“ – „Schuldig oder nicht schuldig?“, schreit Akache, der selbst ernannte Revolutionsrichter. Schumann steht mit über dem Kopf erhobenen Händen im Gang. Die Erklärungsversuche des Piloten interessieren Akache nicht. Er schlägt ihn, dann der gezielte Schuss in den Kopf. Passagiere, die weinen, werden bedroht. Stundenlang liegt die Leiche in der aufgeheizten Kabine – dann zwingen die Terroristen einige ihrer Geiseln, den Toten im Garderobenschrank im Heck der Maschine zu verstauen.

Einen Tag später steht die „Landshut“ in Somalias Hauptstadt Mogadischu. Auch eine zweite Lufthansa-Maschine landet – unbemerkt. Ambulanzen, Feuerwehr, Ärzte, Schwestern, Krankenhausbetten werden organisiert, ein Notlazarett eingerichtet. „Das alles blitzschnell, in einem armen Land“, berichtete Wischnewski. „Ich war voll beschäftigt. Ich habe überlegt: Hast du alles Machbare getan? Dann habe ich mich verzogen, sodass mich keiner sehen konnte, und habe den lieben Gott um Mithilfe gebeten. Ich habe gesagt, wir haben keine Wahl: Das Risiko ist riesengroß, aber die GSG 9 ist hervorragend.“

18. Oktober, 0:05 Uhr: GSG 9-Kommandant Ulrich Wegener startet die Aktion „Feuerzauber“. Blendgranaten werfen, Türen sprengen: Akache, der vorne neben der Tür steht, kann noch schießen, verletzt zwei Grenzschutz-Beamte, stirbt selbst im Kugelhagel. GSG 9-Leute stürmen rein. Drei Entführer sind tot, Souhaila Andrawes überlebt.

Das Flugzeug ist geknackt

0:12 Uhr: Wischnewski meldet ans Kanzleramt: „Das Flugzeug ist geknackt.“ Schmidt fragt: „Wie viele Tote habt ihr?“ Wischnewski: „Keine.“ Der Kanzler weint. Aber der Alptraum ist nicht zu Ende: In derselben Nacht nehmen sich Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim das Leben. Einen Tag später wird die Leiche von Hanns Martin Schleyer gefunden.

Trotzdem: „Wir haben uns nicht erpressen lassen“, sagte Wischnewski im Rückblick. „Die große Schmidt-Leistung war damals, zu dieser Frage alle Parteien an einen Tisch zu kriegen, alles gemeinsam zu beschließen. Es gab keine kleinkarierten, parteipolitischen Auseinandersetzungen. Das war das Beruhigende. Und ich bin mit dem beruhigenden Gefühl losgezogen, alle sind dafür, dass du diese Aufgabe übernimmst.“

Als alles vorbei war, konnte Birgitt Röhll, die heute 75 Jahre alt ist, sagen: „Gott sei Dank hat das Ganze ein gutes Ende gefunden.“ Der Glaube an Gott bedeutet ihr etwas, sie besucht Gottesdienste. Und sie sei „immer dankbar“ gewesen, damals heil davongekommen zu sein: „Aber die Sache mit dem ,lieben Gott', damit kann ich nicht so viel anfangen“, sagt sie ganz ehrlich: „Die Antwort auf die Frage nach dem Warum hat sich mir bis heute nicht erschlossen.“ Sie könne nicht erkennen, warum ihr und ihrem Sohn diese schlimme Erfahrung auferlegt wurde: „Allerdings habe ich später bewusster gelebt als früher und immer gewusst: So schön kann das Leben sein – meine positive Lebenseinstellung, die nimmt mir keiner.“

Für Birgitt Röhll ist alles wieder ganz nah und fast greifbar in diesen Tagen, genau 40 Jahre nach den Geschehnissen. „Auch heute noch ist es so: Wenn ich darüber rede, sitze ich mit meinem Sohn wieder hinten in der ,Landshut'. Alles ist sofort wieder präsent: der Gestank, die Todesangst.“ Und immer wieder sagt sie: „Ich kann das niemals vergessen, es hat mein Leben geprägt, aber Stephan und ich haben gelernt damit umzugehen.“ Es sei so ähnlich wie früher bei ihrer Mutter: „Wenn die in späteren Jahren an den Krieg erinnert wurde, dann war sie wieder mittendrin – der Krieg hat sie ein Leben lang begleitet.“

Von: Christoph Irion

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Tue, 17 Oct 2017 09:11:00 +0200
<![CDATA[Vorsitzende der „Christen in der AfD“ verlässt AfD]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/16/vorsitzende-der-christen-in-der-afd-verlaesst-afd/ Die Bundesvorsitzende der Plattform „Christen in der AfD“, Anette Schultner, hat am Montagabend den Austritt aus der Partei erklärt. In der Dienstagsausgabe des Berliner Tagesspiegel sagte sie zur Begründung: „Ich glaube, es gibt keine Chance mehr, die AfD zu einer realpolitisch wirkenden, bürgerlich-konservativen Volkspartei zu machen.“ Wer sich, wie sie selbst, gegen den Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke positioniere, habe in den meisten Landesverbänden keine Chance etwa auf aussichtsreiche Listenplätze. Schultner sagte auch, sie wolle in der AfD keine „Feigenblattfunktion“ erfüllen.

Ihr Ziel sei es gewesen, in der AfD am Aufbau einer konservativen Volkspartei mit deutlich erkennbar christlichem Stempel mitzuwirken. „Teilweise funktionierte das ja auch, zum Beispiel in der familienpolitischen Programmatik“, sagte Schultner. Das Problem der AfD sei nicht die radikale Minderheit, sondern dass der Mittelbau der Partei nicht genug Bereitschaft zeige, die Radikalen in die Schranken zu weisen.

Parteimitglied: „Austritt war nicht notwendig“

Aus der AfD wurde an dieser Einschätzung Widerspruch laut. Die Partei fülle die „Repräsentationslücke“ für bürgerlich-konservative Wähler, schrieb etwa der Heidelberger Politiker Malte Kaufmann auf Facebook. „Seit dem Beginn meines Engagements für die AfD vor über einem Jahr hat sich an dieser Tatsache nichts verändert. Der Austritt von Anette Schultner ist zu bedauern, wäre aber keinesfalls notwendig gewesen.“

Schultner hatte im vergangenen Mai trotz Protesten als AfD-Vertreterin an einer Podiumsdiskussion auf dem Evangelischen Kirchentag teilgenommen. Schon damals sagte sie, einige Entwicklungen in der Partei bereiteten ihr Sorgen. Schultner war früher Mitglied der CDU und will sich künftig in den neuen Projekten der ebenfalls aus der AfD ausgetretenen Bundestagsabgeordneten Frauke Petry, der „Blauen Wende“ und „Blauen Partei“, einbringen.

Von Moritz Breckner

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Mon, 16 Oct 2017 18:56:00 +0200
<![CDATA[Am Anfang war der Mord]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/10/16/am-anfang-war-der-mord/ Eine Rezension von Fabian Vogt ]]> Was wäre, wenn man beweisen könnte, dass es Gott zur Erschaffung von Leben nicht braucht? Wären dann nicht alle Religionen ein für alle Mal überflüssig? Das Computergenie Edmond Kirsch jedenfalls glaubt, den endgültigen Beweis gefunden zu haben – und inszeniert diese „Offenbarung“ genüsslich im Guggenheim-Museum im baskischen Bilbao mit einer riesigen Show. Dumm nur, dass er kurz vor der eigentlichen Präsentation seiner Entdeckung vor laufender Kamera erschossen wird.

Ein neuer Fall für Robert Langdon, den ehrenwerten Professor der Symbologie – den sein Erfinder, der Bestsellerautor Dan Brown, im frisch erschienen Roman „Origin“ wieder mal auf eine wilde Schnitzeljagd schickt, diesmal von Bilbao nach Barcelona. Denn im Computer des ermordeten Edmond Kirsch ist die Datei gespeichert, die die religiöse Welt auf den Kopf stellen möchte. Und natürlich gibt es offensichtlich böse Kräfte, die die spektakuläre Enthüllung um jeden Preis verhindern wollen und vor nichts zurückschrecken.

Allein in Deutschland ist „Origin“ mit einer Auflage von 600.000 Exemplaren gestartet und hat erwartungsgemäß direkt die Bestsellerlisten erobert. Kein Wunder: Schließlich geht es dem Autor diesmal um die ganz großen Fragen der Menschheit: Wo kommen wir her? Und wo gehen wir hin? Und von Anfang an ist klar: Hier kommt es zum finalen Duell im uralten Streit zwischen Glaube und Naturwissenschaft. Ein Thema, das Brown ja schon länger beschäftigt – was auch daran liegen mag, dass seine Mutter Organistin und sein Vater Mathematiklehrer war.

Thema Glaube von der ersten bis zur letzten Seite

So jagt Robert Langdon, wie könnte es anders sein, in Begleitung einer höchst attraktiven Frau, die zudem die Verlobte des spanischen Thronfolgers ist, von einer Station zur nächsten und von einem rätselhaften Code zum anderen – verfolgt von dubiosen Killern und irregeleiteten Polizisten. Denn auch wenn Langdon selbst an einen Schöpfer glauben kann (wie er am Ende versöhnlich gesteht), ist ihm die Freiheit der Wissenschaft angesichts so vieler verbohrter und reaktionärer Kirchenleute heilig. Scheint es doch, als stecke hinter dem kaltblütigen Mord und den noch folgenden Attentaten eine erzkonservative Gruppierung, die sich von der Katholischen Kirche abgespalten hat, um das reine Evangelium zu bewahren.

„Origin“ dreht sich von der ersten bis zur letzten Seite um Glauben – und das auf ziemlich intelligente Weise: Denn Brown kennt die Abgründe fundamentalistischer Glaubensrichtungen und weiß sehr genau, wogegen er in Gestalt seines Helden Langdon antritt, sodass die vielen Gedankenspiele auch für überzeugte Christen höchst anregend sind. Selbst wenn die am Ende vorgestellte „Sensation“ bei aller akademischen Logik letztlich doch niemanden in seinem Glauben erschüttern wird, zeigt die Beschäftigung mit neusten wissenschaftlichen Theorien, welche Kraft die Frage „Hat Gott die Welt geschaffen?“ auch im 21. Jahrhundert noch hat.

Wer die Vorgängerromane „Illuminati“, „Sakrileg“ oder „Inferno“ gern gelesen hat, für den ist „Origin“ ein echtes Leseerlebnis. Vor allem, weil Brown seine Geschichte diesmal nicht in bisweilen doch etwas konstruierten Rätseln untergehen lässt, sondern dem Protagonisten Langdon einen wirklich starken Plot gönnt. Was auch daran liegt, dass Kirschs digitaler Assistent Winston dem Professor mit der Micky-Maus-Uhr immer wieder mal freundlich auf die Sprünge hilft.

„Origin“ heißt „Ursprung“ – und jeder, der wissen möchte, was moderne Atheisten denken und warum sie dem Glauben mit aller Wissenschaft doch nichts anhaben können, kann sich in diesem Roman auf sehr unterhaltsame Weise in das Thema einlesen.

Von: Fabian Vogt

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Mon, 16 Oct 2017 16:59:00 +0200
<![CDATA[Willow-Creek-Gründer benennt Nachfolger]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/10/16/willow-creek-gruender-benennt-nachfolger/ Der Gründer und Pastor der Willow Creek Community Church, Bill Hybels, hat seine zwei Nachfolger benannt. Wie Willow Creek mitteilte, wird Hybels im kommenden Jahr seine leitende Funktion abgeben.

Eine der bisherigen Pastorinnen, Heather Larson, wird leitende Pastorin über alle Einrichtungen der Willow Creek Church. Der derzeit lehrende Pastor Steve Carter, wird Leiter der lehrenden Pastoren. Hybels, der die Kirchen im Jahr 1975 gründete, arbeitet mit den beiden Pastoren bis zu seinem Ausscheiden im Oktober 2018 zusammen. Er wird sie anleiten und unterrichten. Hybels erhält dann den Titel Founding Pastor (Gründungspastor).

Vertreten vorbildlich die Werte der Kirche

„Wir heißen zwei erfahrene und respektierte Leiter willkommen, die unsere Werte vorbildlich vertreten, um ihre Rollen auszufüllen, die auf ihre einzigartigen Talente zugeschnitten sind“, sagte Hybels. Dieses neue Doppelmodell mit Larson und Carter an der Spitze werde Willow Creek weiter gedeihen lassen.

Pastorin Larson kam vor 20 Jahren zu Willow Creek, arbeitete national wie international in leitenden Funktionen. Vor fünf Jahren fragte sie Hybels, ob sie leitende Pastorin der Kirche werden wolle. Hybels lobte ihren Charakter. Er hält sie für die richtige Person, die Kirche dorthin zu führen, wo Gott die Gemeinde hinführen will.

Was Hybels demnächst plant

Pastor Carter predigt seit fünf Jahren im Willow-Creek-Team, nachdem Hybels für ihn bereits 15 Jahre lang als Mentor fungierte. „Seine tiefe Liebe für die Menschen und seine Gabe zu lehren, bringt Carter mit in seine neue Rolle“, sagte Hybels.

Hybels, der im Dezember 66 Jahre alt wird, plant fortan, mit der Willow Creek Association weltweit Pastoren auszubilden und anzuleiten. „Ich werde der Willow Creek Gemeinde erhalten bleiben“, sagte Hybels. Er werde seine Talente weiter einsetzen, um Gott zu dienen. Er will aber auch mehr Zeit mit seiner Ehefrau Lynne, den Kindern und Enkeln verbringen.

Die Willow Creek Community Church unweit von Chicago zählt mit rund 25.000 Gottesdienstbesuchern zu den größten Gemeinden der USA. Weltweit führt die Gemeinde Kongresse unter anderem zum Thema Leiterschaft durch, seit 1996 auch in Deutschland.

Von Michael Müller

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Mon, 16 Oct 2017 14:15:00 +0200
<![CDATA[Islamwissenschaftler sieht Muslime in der Pflicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/10/16/islamwissenschaftler-sieht-muslime-in-der-pflicht/ Auf der Frankfurter Buchmesse haben Experten über den Zustand des Islam diskutiert. Nach Auffassung des Freiburger Islamwissenschaftlers Abdel-Hakim Ourghi steckt die Religion in einer Sinnkrise. Die sei unter anderem erkennbar an den Gewalttaten durch Islamisten oder an der Unterdrückung von Frauen. „Der Islam hat eine Krankheit zur Welt gebracht: den Islamismus. Wir Muslime tragen die volle Verantwortung dafür, dass im Namen der Religion auch Gewalttaten verübt werden und die Islamisten sich auf den Koran berufen“, sagte Ourghi am Sonntag auf einer Diskussionsveranstaltung des Deutschlandfunks im Rahmen der Buchmesse.

Der Islam sei nicht mehr zeitgemäß. Ourghi fordert daher eine humanistische Reform der Religion, eine reflektierende Interpretation des Islam gemäß der Zeit. Dazu hat er im Jahr des Reformationsjubiläums 40 Thesen veröffentlicht. „Es geht um die Bedeutung des Menschen als Individuum in der Religion. Der Mensch soll wieder eine zentrale Rolle einnehmen“, erklärte Ourghi auf Anfrage von pro. „Das Gotteswort ist im Laufe der Jahrhunderte durch die Interpretation des Koran, durch die Exegese, zu einem Menschenwort geworden.“ Viele Muslime lebten wegen der Exegese früherer Gelehrter noch immer im 13. Jahrhundert. Die liberalen Muslime müssten „die Deutungshoheit des Islam den konservativen Muslimen streitig machen“, erklärte Ourghi.

Liberale Muslime wollen wahrgenommen werden

Die „schweigende Mehrheit“ der Muslime sei liberal eingestellt und gehöre keinem der muslimischen Dachverbände an. Ihr gelte es, ein Forum zu bieten, damit sie sich organisieren könne. Derzeit gehören nach Angaben Ourghis nur 15 Prozent der Muslime in Deutschland einem der muslimischen Verbände an. Einschüchterungen und Bedrohungen liberaler Muslime und Moscheegemeinden wertet Ourghi als „ein Zeichen der Angst konservativer Muslime“. Der liberale Islam sei dabei, sich zu organisieren. „Wir möchten wahrgenommen werden“, sagte Ourghi. Es gehe dabei nicht um Zahlen, sondern um die Werte, die liberale Muslime vertreten. „Werte, die mit dem westlichen Kontext vereinbar sind. Die Freiheit des Menschen. Keine Angst vor der Kritik. Gleichberechtigung der Frau.“

Zudem müsse jedem freigestellt sein, seine Religion ohne Angst zu wechseln. „Der Mensch muss den Mut haben, sich zu befreien von dieser kollektiven Last – der Angst vor der Kritik“, sagte Ourghi im Gespräch mit pro. Wie weit aber darf die Kritik an der Religion gehen? „Im Koran sagt der Prophet über sich selbst, dass er ein Mensch gewesen ist“, erklärt Ourghi, und weiter: „Wir haben es mit einem historischen Propheten zu tun, dessen Aufgabe die Verkündigung der Religion war. Sein politisches Handeln ist zu kritisieren.“ Der Prophet werde im Koran selber mehrmal kritisiert. „Wir brauchen den zweiten, symbolischen Tod des Propheten. Der Prophet regiert aus seinem Grab. Wir Muslime brauchen keine Angst zu haben, wenn wir den Propheten Mohammed kritisieren“, sagte der Isalmwissenschaftler.

Ourghi fordert, die Finanzierung der konservativen muslimischen Dachverbände aus dem Ausland zu unterbinden. Er erkennt in ihnen „einen Hinderungsgrund für die Integration der Muslime“, deren Erziehung mit dem deutschen Schulsystem konkurriere. Trotzdem arbeite die Politik mit den Dachverbänden zusammen. „Mir ist das rätselhaft.“ Ourghi fordert: „Der Import der Imame aus dem Ausland muss sofort gestoppt werden.“ In türkischen Moscheen predigten und lehrten Imame, „die von unserer Sozialisation in Deutschland keine Ahnung haben, die nicht einmal Deutsch sprechen.“ Diese hätten dann hier die Aufgabe, den Kindern in einer Art Religionsunterricht eine nationale, türkische Erziehung zu vermitteln. Ourghi wünscht mehr Engagement vom Staat bei der Ausbildung von Imamen. „Die Ausbildung der Imame muss in Deutschland an den Hochschulen eingeführt werden.“ Dazu benötige es staatliche Hilfe. Er fordert zudem eine „Islamsteuer“ für Muslime zur Finanzierung der Imam-Ausbildung in Deutschland.

Blume: Kein „Staatsislam“

Das sieht der Religionswissenschaftler Michael Blume anders. Er hält nichts von einem steuerfinanzierten Staatsislam. Dadurch würde das Modell aus der Türkei kopiert. „Wir brauchen hier keine Diyanet (türkische Religionsbehörde; Anm. d. Red.). In Deutschland sind Staat und Religion getrennt“, sagte Blume bei der Diskussion. Der Staat dürfe auch nicht bestimmen, wer Muslim sei und wer nicht. Das müssten die Gläubigen selber entscheiden. Der deutsche Staat könne zwar eine Brücke schlagen und helfen, allerdings müssten sich die Muslime selber organisieren. „Wenn sie das nicht tun, gibt es auch keine Grundlage für islamische Theologie oder islamische Religionspädagogik.“

Blume warnte davor, „dass hier nicht durch die Hintertür ein Staatsislam“ eingeführt werde. „Allein der Staat kann die Probleme des Islam in unserem freiheitlichen System nicht lösen. Das ist eure Verantwortung“, sagte Blume.

Von: pro

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Mon, 16 Oct 2017 13:22:00 +0200
<![CDATA[Kirchentagslosung: „Was für ein Vertrauen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/10/16/kirchentagslosung-was-fuer-ein-vertrauen/ Der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag 2019 in Dortmund steht unter der Losung „Was für ein Vertrauen“. Dies gaben Kirchentagspräsident Hans Leyendecker, die Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen, Annette Kurschus, und Generalsekretärin Julia Helmke bei einer Pressekonferenz am Montag in Dortmund bekannt.

Leyendecker verwies darauf, dass es sich beim Vertrauen um ein altes und manchmal „seltsam verbrauchtes Wort“ handele. Menschen fragten danach, wem sie vertrauen können und ob es einfältig sei, anderen zu vertrauen. Vertrauen könne auch zu Verletzungen führen, irritieren und zum Nachdenken veranlassen.

Vertrauen als „Gegengift für die Untergangsstimmung“

Die Menschen fragten sich, welchen Institutionen sie in Zeiten von Fake News und Halbwahrheiten vertrauen könnten. Leyendecker warb darum, dass Christen Unrecht anprangern. Vertrauen könne dazu führen, dass aus Empörung auch Ermutigung werden kann. Vertrauen könne jedoch weder befohlen noch angeordnet werden.

Die Region Dortmund habe in der Vergangenheit mit Problemen und gravierenden Änderungen zu kämpfen gehabt, ging er auch auf den regionalen Bezug ein. Vertrauen bezeichnete Leyendecker als das Gegengift für die Untergangsstimmung in der Welt. Neben den üblichen Themen werde sich der Kirchentag auch dem Thema Gottvertrauen intensiv widmen. „Christen haben einen Ansprechpartner, dem sie vertrauen können. Egal, was passiert“, erklärte er. Leyendecker freue sich auf einen gastfreundlichen, musikalischen, lebendigen und diskussionsfreudigen Kirchentag.

Immer wieder aufstehen, trotz aller Erschütterung

Das Kirchentagsmotto ist dem Bericht aus dem Zweiten Buch Könige darüber entnommen, wie der assyrische König Sanherib gegen den judäischen König Hiskia zu Felde zieht. Generalsekretärin Julia Helmke erklärte: „Als Kirchentag ist es uns wichtig zu zeigen, wie Vertrauen hilft zu leben.“ Die Losung gebe Zuversicht und Ermutigung, ohne Fragen und Zweifel auszusparen. Das Vertrauen in die eigene Kraft, die Welt zu gestalten, stehe im Verhältnis zum rettenden Handeln Gottes. Helmke betonte, dass die Losung auch im Gespräch mit Jugendlichen entstanden sei. Diese Gruppe engagiere sich in der Kirche, fühle sich aber abgehängt von allen Gewissheiten.

Präses Annette Kurschus freute sich darüber, dass Dortmund und ihre Landeskirche Gastgeber für den 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag sein dürften. Die Losung spreche jeden Menschen unmittelbar an, weil jeder „etwas ganz Persönliches“ zu dem Thema sagen könne – oft auch unterschiedlich und ambivalent gefüllt. Neben ehrlichem Staunen über das Thema könne es von außen auch zu zynischer Häme führen über „Menschen, die blauäugig in den Himmel schauen“ und von dort Hilfe erwarteten. Die Losung halte ein breites Spektrum bereit. Der Kirchentag lade ein, die Frage durchzubuchstabieren, was es heißt, auf Gott zu vertrauen. DIe Veranstaltung wolle neue Fragen stellen und „hoffentlich vielschichtige Antworten“ geben, damit Vertrauen wachse.

Die Losung, die das Präsidium am Wochenende in Fulda beschlossen hat, leitet die Programmvorbereitungen für den Kirchentag vom 19. bis 23. Juni 2019 ein. Dann ist der Kirchentag zum sechsten Mal in der Metropolregion Rhein-Ruhr zu Gast.

Bundesrichterin sitzt Ökumenischem Kirchentag vor

Eine Personalentscheidung gibt es zum Ökumenischen Kirchentag 2021: Die Präsidentin des Bundesgerichtshofs, Bettina Limperg, wird evangelische Präsidentin des 3. Ökumenischen Kirchentages, der vom 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main stattfindet. Die Präsidialversammlung bestätigte den Vorschlag des Präsidiums am Samstagmittag in ihrer Sitzung in Fulda.

Limperg wird damit auch Teil des vierköpfigen Präsidiumsvorstandes. Diesem gehören weiterhin Kirchentagspräsident Hans Leyendecker sowie Christina Aus der Au, Präsidentin des diesjährigen Kirchentages in Berlin und Wittenberg, und Andreas Barner, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Stuttgart vor zwei Jahren, an.

Leyendecker sagte: „Ich freue mich sehr, dass wir Bettina Limperg als Präsidentin gewinnen konnten. Sie ist eine herausragende Juristin – klar, eindeutig und unbestechlich; frei von jeder Trompetenhaftigkeit. Ihre Herangehensweise und ihre Dialogfähigkeit werden den 3. Ökumenischen Kirchentag voranbringen und ihm gut tun.“

Von Johannes Weil

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Mon, 16 Oct 2017 11:07:00 +0200
<![CDATA[Kirche: Transsexuelle verdienen „Schutz, Hilfe und Achtung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/10/14/kirche-transsexuelle-verdienen-schutz-hilfe-und-achtung/ Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) veranstaltet am 22. Oktober gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) einen Gottesdienst unter dem Motto „Reformation für Alle*“ in der Mainzer Christuskirche. Der Gottesdienst soll nach Worten der Veranstalter Menschen unterschiedlichster geschlechtlicher Ausprägung zusammenbringen.

pro hat beim Leiter des Stabsbereichs Öffentlichkeitsarbeit der EKHN, dem Oberkirchenrat Stephan Krebs, nachgefragt, wie viele Mitglieder der Kirche das Thema Transsexulität/Transidentität in ihrem Selbstverständnis berührt. Transsexuelle Menschen hegen den Wunsch, als Angehörige des anderen Geschlechtes zu leben und anerkannt zu werden. Transidentität beschreibt die Gegebenheit, dass die Geschlechtsmerkmale eines Menschen von der bestimmenden Geschlechtsidentität abweichen.

pro: Herr Krebs, was wissen wir über transsexuelle und transidente Menschen in der Kirche?

Stephan Krebs: Wenig. Sie waren bislang weithin unterhalb der Wahrnehmung. Auch wir in den Kirchen schauen bislang fast ausschließlich auf die „Normalen“, was ja von „Norm“ kommt. Merkwürdig, hören wir doch so gerne die Geschichten von Jesus, der auch den Einzelnen nachgeht, den Nicht-Normalen. Jesus erzählt von Gott als dem Hirten, der schon mal 100 Schafe sich selbst überlässt, damit er das eine verlorene wieder findet. Meist wird dieses Gleichnis moralisch verstanden. Das verlorene Schaf muss auf den rechten Pfad der Tugend zurückgebracht werden.

Sie sagen „meist“. Wie kann man es noch verstehen?

Ich denke, es ist auch seelsorglich gemeint. Das eine Schaf, das anders ist als andere, braucht auch Zuwendung, Schutz, Hilfe, Achtung – vielleicht sogar besonders viel, weil es sein Leben außerhalb des Schutzes der Normalität finden muss. Unsere Kirche, die EKHN, beginnt gerade das zu lernen, denn einige junge Leute, die sich in der Jugendarbeit unserer Kirche sehr engagieren, haben das Thema aufgebracht. In den langen Debatten unserer Kirche über ein angemessenes Verständnis von Homosexualität haben sie gemerkt, dass in der EKHN eine große Bereitschaft gewachsen ist, Menschen, die anders sind als die überkommene Norm, ernst- und wahrzunehmen. Das hat sie ermutigt, ihre besondere Lebensthematik aufzudecken.

Über wie viele Menschen reden wir schlussendlich?

Wie viele davon direkt betroffen sind, wissen wir nicht, denn bislang lassen auch unsere Statistiken und Formulare Transidentität und Transsexualität außen vor. Wer recherchiert, lernt: Niemand weiß es genau, es könnte um 0,0015 Prozent bis 0,26 Prozent der Bevölkerung gehen. Hinzu kommen Mitbetroffene: Angehörige und Freunde, auch Kirchengemeinden, wenn sie sensibel für ihre Mitglieder sind. Aber ehrlich gesagt: Wie viele betroffen sind, ist aus meiner Sicht nicht so wichtig. Aus evangelischer Perspektive muss uns am Herzen liegen, dass möglichst alle Menschen ihr Leben angemessen entfalten können und nicht verkrümmt werden durch Vorstellungen, die sie gar nicht erfüllen können.

Warum erregt das Thema die Gemüter?

Die Polarität von Mann und Frau scheint für viele Menschen ihre innersten Werte zu berühren, also die eigene Identität. Wer diese – aus ihrer Sicht – elementare Klarheit aufweicht, löst bei ihnen Ängste, Aggressionen und Abwehr aus. Ihre unverrückbare Ordnungsidee lautet: Es gibt zwei Geschlechter, denen alle eindeutig zugeordnet sind. Wer in diese Ordnung nicht passt, ist moralisch falsch – sündig. Doch hier wird eine Frage natürlicher Prägung zu einer moralischen Frage gemacht. Nach allem, was wir wissen, können sich die Betroffenen nicht entscheiden, wie sie sind. Sie sind, wie sie sind. Und das ist keine Sünde, sondern eine Variante der Natur, der Schöpfung und damit auch eine Variante von Gottes Schöpferwillen. Sünde kann – wie bei allen anderen auch – daraus allenfalls werden, wenn sie mit ihrer Prägung nicht verantwortungsvoll umgehen.

Ich verstehe schon, dass viele an ihrer archaischen Ordnungsvorstellung hängen. Was ich nicht verstehe, insbesondere bei Christen, ist, dass sie das so sehr ins Zentrum ihres Denkens und Glaubens stellen, dass sie jegliche seelsorgliche Perspektive für die Betroffenen ausblenden.

Warum ist das Thema im Reformationsjahr wichtig?

Die Frage nach den Lebensmöglichkeiten von transidenten Menschen in der Kirche und in der Gesellschaft stellt sich auch unabhängig von dem Jubiläumsjahr. Aber dieses Jahr ist dafür ein geeigneter Anknüpfungspunkt. Denn die Reformation ist kein abgeschlossenes historisches Ereignis, sondern der Beginn eines Prozesses. Das Jubiläumsjahr stellt nicht nur die Frage „Wo kommen wir her?“, sondern auch „Wohin entwickelt sich das Projekt Reformation?“. Deshalb ist es ein guter Anlass, die anstehenden Themen mit gesellschaftlich-geistlicher Relevanz zu benennen und anzugehen. Dazu zähle ich die Frage nach angemessenen Lebensmöglichkeiten von transidenten Menschen. Zumal es ein Anliegen der Reformation ist, dass jeder einzelne Mensch seinen Weg zu und mit Gott findet.

Vielen Dank für das Gespräch!

Von Norbert Schäfer

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Sun, 15 Oct 2017 08:54:00 +0200
<![CDATA[Trump stellt Pressefreiheit infrage]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/13/trump-stellt-pressefreiheit-infrage/ Mit Äußerungen auf dem Nachrichtendienst Twitter und bei einem Treffen mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau stellte US-Präsident Donald Trump indirekt die Pressefreiheit in den USA infrage. Er drohte außerdem, den Fernsehsendern Lizenzen entziehen zu wollen. Auf Twitter ließ er verlauten: „Angesichts der ganzen Falschnachrichten, die von NBC und den Gesellschaften und seinem Netzwerk kommen, ist es ab wann angebracht, ihre Lizenzen infrage zu stellen? Schlecht für das Land!“ Bei der Pressekonferenz mit Kanadas Premierminister Justin Trudeau zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta) sagte Trump vor Journalisten: „Es ist wirklich abstoßend, dass die Presse schreiben kann, was immer sie will, und das sollte mal untersucht werden.“

Hintergrund für Trumps Äußerungen ist ein Bericht des Fernsehsenders NBC, wonach der US-Präsident eine massive Aufstockung des US-Atomwaffenarsenals gefordert hatte. Zuvor hatte er die Darstellung, er wolle das Arsenal „verzehnfachen" als „reine Erfindung“ zurückgewiesen, berichtet die Zeitung Die Welt. NBC berufe sich in dem Bericht auf drei Teilnehmer eines Treffens von Trump mit Militärs und Sicherheitsexperten im Juli, schreibt die Welt. Dort habe er erklärt, er wolle statt der aktuellen 4.000 nuklearen Sprengsätze auf den Stand der 60er-Jahre kommen. Die USA hätten damals über 32.000 Atomwaffen verfügt. Das sei zwar nicht das Zehnfache, „aber doch immerhin das Achtfache“, kommentiert Welt-Korrespondent Ansgar Graw.

Dass Trump die Medien beschimpft, ist nicht neu. Bereits in der Vergangenheit nannte er die Zeitung New York Times und Sender wie CNN, ABC und CBS „Fake News". Auch im Wahlkampf hatte er gedroht, die Medien zu verklagen. Trumps aktuelle Drohung komme jedoch einem Angriff auf die Pressefreiheit gleich, analysiert Graw. Denn die Aussage richte sich gegen den Ersten Zusatzartikel der US-Verfassung, der die Freiheit der Rede und die Freiheit der Presse hochhält.

Die Drohung, den Sendern ihre Lizenzen zu entziehen, sei aber „substanzlos“. Die für die Lizenzen zuständige Behörde FCG sei unabhängig und vom Kongress eingesetzt. Verbreite ein Sender ständig Lügen und Falschnachrichten, könne die Zulassung tatsächlich entzogen werden. Das sei in der Realität aber „praktisch unmöglich zu belegen“, hieß es von der Verbraucherschutzorganisation Public Knowledge.

Auf Nachfrage von Journalisten, ob die Presse eingeschränkt werden sollte, relativierte Trump seine Aussage. Die Presse solle „ehrlicher sein. Es ist mehr als verzerrend“, sagte er in Bezug auf den Bericht zur Aufstockung des Atomwaffenarsenals.

Von Swanhild Zacharias

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Fri, 13 Oct 2017 15:18:00 +0200
<![CDATA[USA und Israel treten aus UNESCO aus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/13/usa-und-israel-treten-aus-unesco-aus/ Die USA haben der Generaldirektorin der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO), Irina Bokova, am Donnerstag mitgeteilt, ihre Mitgliedschaft zu beenden. Der Schritt werde zu Ende 2018 wirksam. Bis dahin bleiben die USA vollwertiges Mitglied der Organisation.

Die Entscheidung sei nicht leichtfertig getroffen, doch unumgänglich geworden, weil die UNESCO in zunehmendem Maße anti-israelische Positionen vertrete. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, sagte, dass die „extreme Politisierung“ der UNESCO zu einer „chronischen Peinlichkeit“ geworden sei.

Wenige Stunden nach der Erklärung der USA kündigte am Abend auch Israel seinen Austritt aus der UNESCO an. Premierminister Benjamin Netanjahu habe das Außenministerium angewiesen, den Austritt Israels an der Seite der USA vorzubereiten, hieß es aus dem Büro des Regierungschefs.

Netanjahu lobte den Schritt der USA. Die Entscheidung sei „mutig und moralisch, weil die UNESCO ein absurdes Theater geworden ist und anstatt Geschichte zu bewahren, diese verzerrt.“

Unverständnis bei den Vereinten Nationen und Deutschland

Die scheidende UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova bedauerte die Entscheidung der USA: „Das ist ein Verlust für die Familie der Vereinten Nationen.“ Die Entscheidung stieß auch auf Unverständnis bei diversen deutschen Politikern. So sprach Kulturstaatsministerin Monika Grütters von einem „völlig falschen Signal“. Und Außenminister Sigmar Gabriel ließ im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung verlauten: „Wir stehen zur UNESCO. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass wir die UNESCO weiterhin unterstützen, Mitglied bleiben.“

Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen, Danny Danon, sagte hingegen: „Die UNESCO ist zu einem Schlachtfeld für die öffentliche Beschimpfung Israels geworden und hat ihre wahre Rolle und ihre wahren Ziele vernachlässigt.“ Er betonte das gute Verhältnis zwischen den USA und Israel: „Die Allianz zwischen unseren beiden Ländern ist stärker als je zuvor.“

Die UNESCO-Mitgliedsbeiträge der USA wurden bereits 2011 unter US-Präsident Barack Obama eingestellt. Die US-Regierung protestierte damit gegen die Aufnahme „Palästinas“ als UNESCO-Vollmitglied.

1984 waren die USA schon einmal aus der Organisation ausgetreten. Als Gründe nannten sie damals die anti-westliche Positionierung und ein ineffizientes Management. 2003 kehrten sie in die Organisation zurück.

Die UNESCO ist eine der 17 rechtlich selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Zu ihren Aufgaben gehören Erziehung, Wissenschaft, Kultur, Kommunikation und Information. In der Organisation sind 195 Mitgliedsstaaten vertreten, inklusive der USA und Israel.

Wahl zur neuen Führungsspitze

Am Freitagnachmittag sollen die Spitzenposten der UNESCO neu besetzt werden. Derzeit liegt der katarische Kandidat Hamad Bin Abdulasis al-Kawari vorn. Ihm wird Antisemitismus vorgeworfen. In einem Buchvorwort soll er unter anderem behauptet haben, die Juden kontrollierten die Medien in den USA. Das jüdische Simon-Wiesenthal-Zentrum hat Al-Kawari aufgerufen, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Der Katari tritt entweder gegen die französische Ex-Ministerin Audrey Azoulay oder die Ägypterin Muschira Chattab an. Am 10. November muss die Generalkonferenz dem neuen UNESCO-Generaldirektor zustimmen. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert, wies alle Vermutungen zurück, dass der US-Austritt aus der UNESCO etwas mit dem Streit um deren Spitze zu tun habe. Die USA wollten vielmehr erreichen, dass die Politik aus der UN-Organisation herausgehalten werde. Da das hinsichtlich Palästinas nicht geschehen sei, habe man die Konsequenzen gezogen. Sollte die UNESCO sich reformieren und sich wieder auf Dinge wie Kultur und Bildung beschränken, würden die USA einen erneuten Eintritt in Erwägung ziehen.

Im Juli hatte die UNESCO die Altstadt von Hebron in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen und sie auf die Liste gefährdeter Stätten gesetzt. Weil ein Verweis auf das jüdische Erbe Hebrons in der Resolution nicht erwähnt wurde, sorgte diese für heftige Kritik in Israel, das als Konsequenz die Zahlung seines Mitgliedsbeitrages um eine Million Dollar gekürzt hatte. Wegen der ausbleibenden Zahlungen der USA und Israels musste die Organisation ihr Budget zuletzt um mehr als ein Fünftel kürzen.

Von Merle Hofer

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Fri, 13 Oct 2017 12:00:00 +0200
<![CDATA[„Die Menschen haben alles verloren“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/12/die-menschen-haben-alles-verloren/ Was sind die Ursachen für die massenhafte Flucht der Menschen in den vergangenen Wochen?

Mitte August eskalierte die Gewalt im Rakhine State in Myanmar und Hunderttausende Rohingyas flohen ins Nachbarland Bangladesch. Das löste einen humanitären Notfall aus.

Wie viele sind geflohen und werden es noch mehr werden?

Allein in den drei Wochen nach dem Gewaltausbruch sind rund 400.000 Menschen über die Grenze nach Bangladesch geflüchtet. Die Vereinten Nationen berichten zwischenzeitlich von einer halben Million Menschen. In den vergangenen Tagen hat sich die Zahl der Flüchtlinge zwar etwas verringert, dennoch wird befürchtet, dass sie ansteigen könnte auf 700.000.

Die Rohingya fliehen ins benachbarte Bangladesch. Wie ist die Lage dort in den Camps?

Wer es sich leisten konnte, kaufte einen Platz auf einem Boot, um nach Bangladesch zu fliehen. Ein achtfacher Familienvater berichtete einer Medair-Mitarbeiterin, dass er seine gesamten Ersparnisse für Plätze für seine Familie hergegeben hat. In Myanmar verkaufte er in seinem kleinen Laden T-Shirts. Jetzt hat er selbst nur noch eines: Das, was er heute jeden Tag trägt. Doch die meisten Rohingyas liefen tagelang kilometerweit auf schlammigen Feldwegen. Sie trugen ihre Bündel mit Habseligkeiten auf den Schultern und ihre Kinder im Arm. Erschöpft und hungrig angekommen, leben sie in überfüllten Camps. Aber die Mehrzahl haust einfach am Straßenrand, an verdreckten Flüssen oder Rinnsalen.

Was ist besonders besorgniserregend?

Unsere Mitarbeiter trafen Familien, die lediglich aus Bambusstöcken, etwas Holz und einer zerfetzten Plane einen Unterstand gezimmert haben. Wir sorgen uns besonders um Säuglinge und Kleinkinder, schwangere Frauen und ältere Menschen. Sie sind besonders gefährdet. Viele kamen schon krank an. Die hygienischen Bedingungen sind nicht nur in den Camps lebensbedrohlich. Fäkalien bedecken den Boden. Cholera- oder andere Krankheitsausbrüche drohen; die Impfraten gegen vermeidbare Krankheiten sind niedrig. Auch haben Medair-Helfer Kinder gesehen, die akut unterernährt sind. Andere leiden an Infekten, Fieber und Durchfällen.

Kümmert sich die Regierung von Bangladesch oder sind die Flüchtlinge sich selbst überlassen?

Bereits vor dem jüngsten Flüchtlingsstrom lebten in Bangladesch 600.000 Rohingyas. Das Land hat nun auch diese neuen Angehörigen aufgenommen. Es gibt formale Lager. Mindestens verdoppelt hat sich die Zahl der Menschen in den bestehenden Lagern. Ein Großteil lebt daher in provisorischen Camps und Ansiedlungen, die spontan entstanden sind. Die Regierung stellt neues Land zur Verfügung, doch ist Bangladesch mit der Versorgung der Menschen überlastet. Cox‘s Bazar, wohin die meisten geflüchtet sind, ist eine der ärmsten Regionen. Das schlechte Straßennetz erschwert die Versorgung.

Helfen sich die Menschen untereinander?

Geflüchtete berichten uns, dass die einheimische Bevölkerung sie auch spontan unterstützt. Leerstehende Zimmer werden zur Verfügung gestellt, es wird Essen verteilt oder auf anderem Weg Solidarität gezeigt. Daher wird auch die Unterstützung der gastgebenden Gemeinden bei der Bewältigung des Flüchtlingsstroms nötig sein.

Wie hilft Medair vor Ort?

Medair ist spezialisiert auf Krisen- und Notfallhilfe. Wir wollen Lücken schließen, dort, wo Menschen unversorgt sind. Innerhalb weniger Tage wurde ein Notfallteam aus erfahrenen Experten im Bereich Logistik, Gesundheit und Ernährung, WASH (Wasser, sanitäre Anlagen und Hygiene) nach Cox‘s Bazar entsandt. Es verschaffte sich bei mehrtägigen Rundgängen durch Camps ein Bild der Lage und ermittelte, welche Hilfe wo am dringendsten gebraucht wird. So gibt es in einem Lager mit etwa 50.000 Menschen nur wenige funktionierende Wasserstellen und gerade zwei Toiletten.

Kooperieren Sie mit anderen Organisationen?

Wir stehen in engem Kontakt zu den UN-Organisationen und anderen Hilfsorganisationen für die Koordinierung. Mit unserem Partner World Concern verteilen wir in einer Region in Cox‘s Bazar Unterkunftsgüter und Hygieneartikel. Anfang der Woche ist ein deutscher Mitarbeiter im Krisengebiet angekommen. Wir sind derzeit in der ersten Nothilfephase, die wir - je nachdem, ob wir über die Mittel verfügen - ausweiten wollen. Akut unterernährte Kinder müssen fachmännisch behandelt und die Wasserversorgung und sanitäre Situation verbessert werden. Eine Herausforderung für Helfer ist auch, die Menschen zu finden, die bislang noch keine Hilfe erhalten haben - damit sie nicht vergessen werden.

Was benötigen die Menschen am meisten?

Unterkünfte und Toiletten, sauberes Trinkwasser, Hygieneartikel, aber auch Kochutensilien wie Töpfe, Teller, Tassen, Nahrung und medizinische Versorgung. Ihre Not ist überwältigend. Sie brauchen einfach alles. Gerade ist Monsunzeit mit heftigen Regenfällen. Die verzweifelten Familien brauchen schlichtweg das, was jeder zum Überleben braucht. Laut den Vereinten Nationen hat etwa die Hälfte der Flüchtlinge in Bangladesch keine feste Unterkunft.

Wie versucht Medair, den Menschen Hoffnung zu geben?

Die Menschen haben Schreckliches, Traumatisches erlebt und alles verloren. Sie haben Angehörige sterben sehen oder wurden getrennt - und jetzt wissen sie schlichtweg nicht, wie ihre Zukunft aussieht. In solch einer Notlage ringen selbst erfahrene Helfer mit den Bildern von menschlichem Leid. Sie hören schreckliche Geschichten. Hoffnung geben hat unterschiedliche Facetten. Einerseits ganz praktisch mit Hilfsgütern. Aber andererseits auch in der Art, wie wir den Menschen begegnen. So bedankte sich ein alter Mann bei einer Medair-Mitarbeiterin, dass sie bei ihm stehengeblieben ist, ihm zugehört, sich Zeit genommen hat. Er sagte: „Ich danke euch, dass ihr gekommen seid. Danke, dass ihr mich mit Respekt behandelt.“ Selbst, wenn wir nicht alle Probleme lösen können: Wir geben den Menschen mit jeder Tat die Zuversicht, dass sie nicht vergessen sind, – und damit ein Stück Würde zurück. Das ist jede Extrameile wert!

Wie können Menschen von hier aus helfen?

Medair kann nur handeln, wenn wir über die flexiblen Mittel für einen Notfalleinsatz verfügen. Wer das Leid der geflüchteten Familien lindern möchte, kann an Medair spenden - und damit gemeinsam mit uns helfen. Genauso wichtig ist es, dass diese Krise nicht in Vergessenheit gerät. Das geschieht, wenn die mediale Aufmerksamkeit verschwindet. Über unsere Sozialen Netzwerke wie Facebook posten wir regelmäßig Updates. Jeder geteilte Post ist eine Tat gegen das Vergessen. Als christliche Organisation treibt uns die Liebe Gottes zu allen Menschen an. Sie ist der Motor für unser Handeln. Jesu Beispiel in praktischer Nächstenliebe ist daher nicht nur ein Vorbild für uns: Es ist eine Verpflichtung! Daher bitten wir auch um Gebet für die Helfer. Sie geben in Krisenregionen ihr Bestes unter sehr schwierigen Bedingungen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Swanhild Zacharias

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Thu, 12 Oct 2017 16:00:00 +0200
<![CDATA[„Die ARD hat alles richtig gemacht“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/10/12/die-ard-hat-alles-richtig-gemacht/ Der „Tatort: Hardcore“, produziert vom Bayerischen Rundfunk (BR), vom vergangenen Sonntag erregt die Gemüter. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei im Porno-Milieu waren begleitet von der Darstellung viel nackter Haut, anrüchiger Sprache und einschlägiger Sex-Szenen. Dem Sender erschien die Tatort-Folge für Jugendliche ab 12 Jahren geeignet. Viele Zuschauer haben sich über die Darstellungen entrüstet und halten diese für pornografisch. pro hat mit dem Professor für Soziale Arbeit und Medienpädagogik an der CVJM-Hochschule Kassel, Stefan Piasecki, gesprochen, wie weit die öffentlich-rechtlichen Sender gehen dürfen. Piasecki ist neben seiner Lehrtätigkeit als Jugendschutzprüfer bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) tätig und kennt sich mit Belangen des Jugendschutzes aus.

pro: Herr Piasecki, hat der BR mit dem Tatort „Hardcore“ eine Grenze überschritten?

Stefan Piasecki: Die Abschätzung ist schwierig. Vielen erscheint das wohl so. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen aber gesellschaftliche Themen ansprechen und auch kontrovers abhandeln dürfen. Dabei sind Grenznäherungen oder manchmal auch Grenzverletzungen dessen, was gesellschaftlich oder kulturell „erwartet" wird oder als akzeptabel gilt, nicht immer ausgeschlossen. Letztlich sind sie es, die gesellschaftliche Diskussionen erst anstoßen. Man muss aber auch ganz klar sagen, dass die Öffentlich-Rechtlichen selbst mit zweierlei Maß messen. Gewalt wandert ins Spätabendprogramm, Nacktheit ins Hauptabendprogramm. Wer das Thema Pornografie und Sex-Industrie inhaltlich behandeln will, muss das nicht im „Familienevent" Tatort tun.

Steckt da eine Strategie hinter?

Seit einiger Zeit ist feststellbar, dass beim Tatort bewusst neue Zielgruppen angesprochen werden sollen. Alles wird schneller und dramatischer. Die Kosten pro Folge liegen nicht erst seit dem Anheuern von Til Schweiger im oberen Bereich. Der Tatort „Hardcore" wurde jetzt zur besten Sendezeit gesendet, andere Produktionen wie der Tatort „Franziska", in dem es 2013 um eine Geiselnahme ging, wurden noch ins Spätabendprogramm geschoben. Ähnlich erging es dem Film „Wut", der Migrantengewalt erörterte - wohlgemerkt schon im Jahr 2005. Hier nun wird ein Aufregerthema gezielt im Hauptabendprogramm platziert und im Vorfeld entsprechend beworben. „Sex sells“ eben immer noch. Wenn ich 60 ausgelassene Studis in meiner Vorlesung nach der Pause wieder auf mich konzentrieren muss, brauche ich doch nur sagen ‚Und jetzt müssen wir über Sex sprechen‘. Das dauert keine fünf Sekunden, da sind alle still. Ich werde es mal mit ‚U-Bahn-Gewalt' oder der 'Ausbeutung indischer Werftarbeiter' probieren, aber ich vermute, ‚Sex' ist da viel wirkungsvoller.

Worauf müssen sich die Zuschauer in Zukunft gefasst machen?

Sex und die Darstellung entsprechender Szenen sind auch im Tatort nicht neu - und auch im „Polizeiruf" nicht. Der medienwirksame Aufschrei ist stets erwartbar und selbstverständlich heute so kalkuliert wie vor 40 Jahren, als im Tatort „Reifezeugnis" 1977 die damals erst 16-jährige Nastassja Kinski nackt auftrat. Aus Sicht des Jugendmedienschutzes steht im Vordergrund, ob Personen in der Darstellung ihrer Menschenwürde beraubt werden, ob Zuschauer sexualisiert werden, ob Szenen geeignet sind, zur Nachahmung aufzufordern, ob sie voyeuristisch sind. Auch die explizite Darstellung von Geschlechtsteilen wird bewertet.

Und wie bewerten Sie dies?

Die Debatte ist doch künstlich, oder? Wir sehen auf der einen Seite zur besten Sendezeit Fernsehwerbung für eindeutige Fremdgeh- und Datingwebsites, aber über den Tatort regt man sich auf - ist das nicht eine sehr konstruierte Aufregung, die durch die Zeitungsschlagzeilen noch angestachelt wird? Ich habe Tweets gelesen wo Nutzer ironisch anmerken, dass nur die Frauen komplett nackt zu sehen seien, die Männer hingegen nicht. Ein treffender Kommentar, wie ich finde. Das bezeichnet doch ganz schön, wer hier für wen einen Film gemacht hat.

Wie gut funktioniert die Selbstkontrolle der Sender?

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Sender kenne ich aus eigener Anschauung nicht. Eine solche Produktion wäre bei FSF und FSK, deren Verfahren ich kenne, mit Sicherheit kontrovers diskutiert worden und wir Prüfer hätten wahrscheinlich auch darüber gestritten worden. Immer steht das Ringen um die beste Lösung im Sinne des Jugendschutzes im Vordergrund. Ob die Sender das in jedem Fall intern alleine und ebenso gut lösen können, ist fraglich.

Beschreiben Sie die Schwierigkeit für die Sender.

Die Sender haben das Ding doch finanziert, sie müssen den Sendeplatz füllen, sie brauchen die Quote. Und dann müssen sie zwischen diesen Zwängen entscheiden, wann der beste oder unschädlichste Sendeplatz ist. Und für ihre immer neuen Begründungen, warum die fernsehenden und auch nicht-fernsehenden Haushalte die steigenden Gebühren akzeptieren sollen, müssen sie mindestens soviel Aufmerksamkeit erzielen wie die Privaten. So gesehen, hat die ARD alles richtig gemacht.

Dass im Tatort Gewalt gezeigt wird, regt niemanden auf. Warum ist das bei Sexszenen anders?

Die Frage ist schwierig eindeutig zu beantworten. Gewalt ist immer - oder meistens, vielleicht vom Tyrannenmord abgesehen - negativ besetzt. Sex hingegen ist etwas gefühlvolles, zwischenmenschliches, der biologische Zweck dient dem Selbsterhalt der Spezies Mensch und der Weiterentwicklung einer Gesellschaft durch neue Generationen. Wer hier die unweigerlich vorhandenen Abgründe sichtbar macht, berührt und wühlt auf, vielleicht weil es an den Ursprung des Lebens geht. Gewalt ist im Sinne des Jugendmedienschutzes ein wichtiges Thema, aber meistens sind hier eben die Grenzen klar gezogen. Serien wie „Breaking Bad" verwischen sie auf sehr geniale Weise, deshalb wirken die besonders verstörend.

Müsste die Darstelltung von Sex und Gewalt nicht stärker „reglementiert" werden?

Von einer Reglementierung halte ich wenig. Mancher Beobachter hat eingeblendete Warnhinweise vorgeschlagen. Das wäre sicher ein gangbarer Weg, hätte mich als Jugendlichen aber erst recht angezogen. Dieser Tatort hat die Pornoindustrie thematisiert, in der es eben nicht zimperlich zugeht, wo es Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung und auch Verbindungen zur organisierten Kriminalität gibt. Ein schockierender und verstörender Tatort könnte wohl auch aufklärend wirken. Allerdings sehen wir ja an der Aufmerksamkeitskarriere dieser Folge, dass man über das Thema an sich kaum spricht. Nur über Nacktheit um 20 Uhr. Dieses Problem finde ich viel brisanter für die Gesellschaft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stelle Norbert Schäfer

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Thu, 12 Oct 2017 12:17:00 +0200
<![CDATA[„Beten heilt nicht unbedingt"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/10/12/beten-heilt-nicht-unbedingt/ Anne Schneider erkrankte vor drei Jahren an einer aggressiven Form des Brustkrebses, die Prognosen standen schlecht. In einem aktuellen Interview erklärt sie nun öffentlich: „Ich gelte als geheilt." Das Ehepaar Schneider berichtet auch davon, wie der Glaube sie durch die schwere Zeit begleitet hat: „Ich glaube nicht, dass meine Heilung direkt etwas mit Gott zu tun hat. Er hat kein Büchlein, in dem steht, wie lange man leben darf."

Weiter sagt sie: „Die Nähe zu Gott bewirkt nicht unbedingt körperliche Gesundheit, nicht unbedingt äußere Schönheit und Erfolg. Wer so denkt, wird nie Gottvertrauen entwickeln." Dennoch sei sie dankbar für ihre Genesung. Sie ist überzeugt: „Das Beten hilft und es trägt einen. Aber es heilt einen nicht unbedingt. Es ist nicht das ständige Happy End, das belegt: Gott ist da, Gott liebt dich."

In der Not: Sterbehilfe

In dem Gespräch bekräftigt Anne Schneider nochmals ihre Aussage von 2014, auch Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, „wenn gar nichts mehr geht." Zwar wäre sie nicht in die Schweiz gefahren, wo dieser Weg legal ist. Aber befreundete Ärzte hätten ihr zu Hause Medikamente gegeben.

Nikolaus Schneider bereut seinen Rücktritt als Ratsvorsitzender nicht. Er habe gezeigt, dass die Beziehung wichtiger sei als das Amt und dass sich der Glaube auch in der Lebensweise auswirke. Anne Schneider sagt: „Wir hatten das Glück, zu erleben, dass das, was wir glauben und hoffen, uns auch trägt."

Von: Anna Lutz

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Thu, 12 Oct 2017 12:14:00 +0200
<![CDATA[Der Karl der Geschichte, und der Marx des Glaubens]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/10/12/der-karl-der-geschichte-und-der-marx-des-glaubens/ Eine Rezension von Marcus Hübner]]> Bewegungen brauchen Ikonen. Ohne Repräsentationsfigur, ohne die Möglichkeit, einen Gedankenstrudel in einem Gesicht wiederzuerkennen, ist es schwer, eine dynamische Bewegung aufzubauen. Der Marxismus ist dabei keine Ausnahme. Man kann vielleicht sagen, dass kein Denker über die ganze Breite des 20. Jahrhunderts so einflussreich war, wie der Mann aus dem Rheinland. Marxismus-Leninismus war für einen wichtigen Teil der Weltbevölkerung über viele Jahrzehnte lang so ein Pflichtfach wie Mathematik. Sein Name veredelte Städte, seine Büste war säulenheilig.

Der britische Historiker und Marxismusforscher Gareth Stedman Jones, Professor an der University of London und Fellow der Royal Historic Society, hat sich in den letzten Jahrzehnten einen Namen darin gemacht, die Geschichte der kommunistischen, sozialistischen und marxistischen Bewegungen des letzten Jahrhunderts herauszuarbeiten. Ende September ist seine monumentale Biographie zur Ikone dieses Staatssystems – Karl Marx selbst – als Übersetzung herausgekommen und präsentiert sich als streitbares, schwerfälliges, kritisches, aber ebenso wichtiges Werk.

Einführung in Denken, und ein bisschen Leben

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 im Rheinland geboren; da war die Schlacht von Waterloo schon drei Jahre her und die napoleonischen Kriege hatten ihre Marke auf dem europäischen Kontinent hinterlassen. Er wurde in eine jüdische Familie hineingeboren – sogar eine sehr religiöse, bedenkt man, dass sein Großvater Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Saarlouis war. Aber sein Vater, Heinrich, ließ sich etwa zur Zeit von Karls Geburt taufen und erzog ihn stärker im Geiste der Aufklärung:

„Karls Schwager Edgar […] bezeichnete Heinrich als Protestanten in der Manier Lessings oder nach Kants Modell, wonach sich Glauben und Vernunft zu einer höheren Moral vereinigten.“ (S. 37)

Wichtiger noch als die Aufklärer aber wurde für Marx der Berliner Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der mit seinen Schriften zu Beginn des 19. Jahrhunderts den deutschen Idealismus auf die Gleise setzte. Unter dem Einfluss radikaler Religions- und Staatskritiker wie Bruno Bauer oder Ludwig Feuerbach schloss sich Karl Marx den Junghegelianern an: jener Gruppe unter den Schülern Hegels, die ihren Lehrmeister in Sachen Religionskritik und auch Radikalität zu übertrumpfen gedachten.

Zur Lektüre von Marx‘ Biographie braucht man keine Grundausbildung in Philosophiegeschichte! Jones gelingt es erstaunlich kurzweilig, in die philosophischen Konstruktionen vieler verschiedener Impulsgeber Marx‘ einzuführen, ohne dass die Biographie zu einer exkurs-lastigen Philosophievorlesung verkommt. Denn gerade darin liegt die Besonderheit von Jones‘ Werk begraben: Sie versucht, Marx konsequent aus der Geschichte heraus zu verstehen, in die hinein er geboren wurde, und aus der heraus er sich entwickelt hat.

Am wichtigsten ist dabei wohl die Unterscheidung, die Jones zwischen dem Marx im historischen Kontext und dem Marx in der Interpretation der späteren Marxisten macht. Ersteren nennt er deswegen konsequent „Karl“ in seiner Biographie. Zum Schluss seines Werkes bekräftigt Jones noch einmal explizit seinen

„Eindruck, dass den Marx, wie ihn das 20. Jahrhundert schuf, mit dem Marx, der im 19. Jahrhundert lebte, nur eine zufällige Ähnlichkeit verbindet.“ (S. 719)

Die Schwierigkeit einer guten Biographie

Wie schwierig es sein kann, einen Mann wie Marx in seinem eigenen historischen Kontext zu verstehen, macht schon die kurze Geschichte der Marx-Gesamtausgaben deutlich, die Jones seiner Bibliographie am Ende des Werkes vorangestellt hat. Gerade auf Grund der Bedeutung von Marx für die späteren Ideologen des Marxismus, wurden seine Schriften oft tendenziös herausgegeben; eine wissenschaftlich verlässliche Gesamtauflage ist bis heute nicht vollständig erschienen.

Diese Tendenz zeigte sich schon in den letzten Jahren des Philosophen, in denen er finanziell vollkommen abhängig von seinem Freund Friedrich Engels war. Jones schreibt:

„Karl sprach nicht mehr groß über seine Arbeit, doch war es in diesen Jahren auch immer schwieriger geworden, Meinungsverschiedenheiten zu artikulieren. Denn weil Karl nicht mehr in der Lage war, journalistisch zu arbeiten […] und weitere Erbteile nicht zu erwarten waren, war die Familie Marx‘ stärker denn je auf die Großzügigkeit Engels angewiesen.“ (S. 682)

Und wo sich der Denker selbst zensiert hat, um seinen Geldhahn nicht zuzudrehen, da wurde auch in späteren Jahren gerne herumgeschnippelt, um aus einem Romantiker einen Dogmatiker zu machen. Jones gelangt damit an die Grenzen, die jeder Historiker beim Verfassen einer Biographie erlebt: In der Geschichtswissenschaft werden nur Wahrscheinlichkeitsurteile gefällt. Jones hält es für wahrscheinlich, dass die späteren Marxisten den Karl der Geschichte bewusst oder unbewusst falsch verstanden haben. Das ist erfrischend, aber auch streitbar und bleibt nicht ohne Kritiker.

Was dem Buch zugutekommt, ist die detaillierte Argumentation des Autors. Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Buches. Es macht die Thesen des Autors zwar vertrauenswürdig, gleichzeitig wird die Lektüre dadurch aber auch streckenweise langatmig. So fällt Jones leider in die gleiche Falle wie viele Biographen. Im Dschungel der detaillierten Analyse ist es dem interessierten Leser nur noch schwerlich möglich, den Überblick zu behalten. Davon zeugen 723 Seiten Fließtext mit weiteren knapp 170 Seiten Anmerkungen.

Falsche Schadenfreude über die Dekonstruktion einer Ikone

Es wäre nun einfach, sich über diese Entmythologisierung von Marx zu freuen. Dafür hat sich das brutale Schicksal, das christliche Kirchen in den späteren marxistischen und kommunistischen Diktaturen ereilt hat, zu tief in das gemeinsame kollektive Gedächtnis der Christenheit eingegraben. Spott über diese Ironie, dass die Ikone einer Bewegung mit ihr nur eine sehr vage Äußerlichkeit verbindet, würde mitunter genau den Nerv der Zeit treffen.

Doch Christen sollten bei allem Interesse an historischen Umständen nicht vergessen, dass diese Trennung schon seit vielen Jahrzehnten im der christlichen Theologie diskutiert wird – und zwar bei Jesus selbst. Es ist noch nicht allzu lang her, dass ein US-amerikanischer Forscher versucht hat, Jesus ganz als sozialistischen Revoluzzer zu verstehen. Oder als apokalyptischen Weltuntergangsprediger. Oder manches andere.

Nicht mit Spott reagieren

Gerade diese Erfahrung sollte Christen vorsichtig machen, mit Spott zu reagieren. Marx ist nun, das braucht man nicht extra betonen, nicht als Sohn Gottes verehrt. Aber seine Beziehung zu der ihm zugeschrieben Bewegung ist ebenso umstritten. Er mag Marxist, Romantiker, Prophet oder ganz einfacher Lebemann gewesen sein. Sicher ist, dass seine Schriften bis heute aufrütteln und erschrecken, und sich eine Beschäftigung mit diesem Mann der Geschichte ohne Frage lohnt.

Jones hat eine Biographie vorgelegt, die sich streckenweise zwar in die Länge zieht, aber eine erstklassige Einführung in Karl Marx, den Denker, bietet und die sich zu Lesen lohnt. Und dennoch scheint nach der Lektüre dieser Biographie der Schluss nahe zu liegen, dass Karl Marx selbst zu dem „Gespenst“ geworden ist, das er selbst heraufbeschworen hat im Kommunistischen Manifest. Nach den vielen Jahren, seit er auf der Erde gewandelt ist, ist aus dem kleinen Karl ein anderer Marx geworden.

Von Marcus Hübner

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Thu, 12 Oct 2017 11:33:00 +0200
<![CDATA[Lidl in Italien in der Kritik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/10/12/lidl-in-italien-in-der-kritik/ Aktuell steht in Italien die Supermarktkette Lidl in der Kritik. Auch dort fehlt auf einem Produkt der Firma das Kreuz einer Kirche. Laut Unternehmen war dies keine Absicht. Das Bild stamme aus einer Foto-Datenbank: „Wir haben nicht bemerkt, dass auf dem erworbenen Foto die Kreuze fehlten“, teilte das Unternehmen mit.

„Es handelt sich somit keinesfalls um eine Marketingstrategie, sondern lediglich um eine Unachtsamkeit, für die wir uns sowohl bei unseren Kunden, als auch den Anwohnern von Dolceacqua entschuldigen“, heißt es darin weiter. Das Bild sei entfernt worden und man habe sich beim Bürgermeister entschuldigt.

Lidl stand wegen eines ähnlichen Vorfalls schon einmal in den Schlagzeilen. So fehlten auf Verpackungen mit Bildern der griechischen Insel Santorini die Kreuze an den Kirchen, in mehreren europäischen Ländern hagelte es Proteste. Damals teilte Lidl mit, es sei Teil der eigenen Handelspolitik, die religiöse und politische Neutralität einzuhalten.

Von: dpa

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Thu, 12 Oct 2017 10:15:00 +0200
<![CDATA[Hai geht Burka-Verbot ins Netz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2017/10/11/hai-geht-burka-verbot-ins-netz/ Haifischbecken Österreich: In der Alpenrepublik ist es für alle diejenigen, die gerne mit Kostüm auf die Straße gehen, schwerer geworden. Denn seit dem 1. Oktober ist das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz in Kraft. Die neue Regelung betrifft nicht nur Muslimas, die mit Schleier ihr Gesicht bedecken und asiatische Touristen, die gerne Mundschutz tragen – sondern auch Menschen in Hai-Kostümen.

Ein junger Mann war im Rahmen einer Shop-Eröffnung der Technik-Kette „McShark“ in einer Wiener Fußgängerzone in Aktion. Er war von Kopf bis Fuß auf Hai eingestellt. Beamte der Wiener Polizei forderten ihn auf, seine Maske abzunehmen. Der Hai-Darsteller habe sich zuerst geweigert, berichtet der ORF. Schließlich entledigte er sich dennoch seines Kopfschmucks. Eine Anzeige für den Auftraggeber des „Hais“ gab es trotzdem.

Die Beamten handelten jedoch nicht aus Eigeninitiative. Polizeisprecher Harald Sörös sagte laut ORF: „Es war keine eigene dienstliche Wahrnehmung. Eine Person hat die Polizei gerufen wegen eines Vermummten.“ Die Anzeige sei „ein normaler Vorgang im Verwaltungsrecht“ und keinesfalls eine Schuldzuweisung, hieß es weiter im Bericht.

Die Polizei sah sich nach der Aktion genötigt, Stellung zu beziehen und erläuterte den Vorfall via Twitter.

Auf Facebook nahmen die Organisatoren den Fall mit Humor und schrieben: „Polizei zwingt Hai, sich bei McShark-Promotion zu entblößen. [...] Das Leben ist nicht hainfach!“ Für sie ist der Polizei-Einsatz wahrscheinlich der Jackpot. Eine bessere Werbung für den neuen Laden kann es kaum geben.

Vom: Martina Blatt

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Wed, 11 Oct 2017 17:07:00 +0200
<![CDATA[Lutherbibel 2017 weiter kostenlos als App verfügbar]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/lutherbibel-2017-weiter-kostenlos-als-app-verfuegbar/ Die Lutherbibel 2017 steht weiterhin kostenlos für Geräte mit den Betriebssystemen Android und iOS in den jeweiligen Stores zum Herunterladen bereit. Das teilten die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, und der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Christoph Rösel, auf der Frankfurter Buchmesse mit. „Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bibelgesellschaft haben sich gemeinsam dafür entschieden, dieses erfolgreiche Projekt fortzuführen“, sagte Schwaetzer. Glauben in einer sich verändernden Gesellschaft erfordere auch neue mediale Formen.

Rösel kündigte für kommende Woche ein Update der App an. Neben der Lutherbibel 2017 könne man dann auch die vorhergehende Lutherbibel 1984 und die Gute-Nachricht-Bibel kostenlos in der Applikation lesen. Das Programm sei außerdem so angelegt, dass das Angebot künftig weiter ausgebaut werden könne. Mit den weiteren Übersetzungen ändert sich der Name der App. Er lautet dann in den App-Stores „Die-Bibel.de“ und auf dem Handy selbst „Bibel“.

Der kostenlose Download der Lutherbibel-App aus Anlass des 500. Reformationsjubiläums wurde im vergangenen Oktober für zunächst ein Jahr ermöglicht. Seitdem haben 175.000 Nutzer die App heruntergeladen. Die Lutherbibel 2017 ist zum 500. Reformationsjubiläum erschienen und wurde auf Anregung der Deutschen Bibelgesellschaft durch eine EKD-Kommission überarbeitet. Außer in den klassischen Druckausgaben erscheint sie auch als E-Book, Hörbuch, App und Computersoftware. Im Internet steht der Text frei zugänglich zur Verfügung.

Von: Swanhild Zacharias

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Wed, 11 Oct 2017 16:23:00 +0200
<![CDATA[„Tatort: Hardcore“ gehört nicht ins 20.15 Uhr-Programm]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/10/11/tatort-hardcore-gehoert-nicht-ins-2015-uhr-programm/ Ein Kommentar von Martina Blatt]]> Der „Tatort: Hardcore“ in der ARD vom vergangenen Sonntag hat die Gemüter erhitzt. Die Münchener Kommissare Batic und Leitmayr ermittelten im Porno-Milieu. Der Bayerische Rundfunk (BR), der für die Produktion dieser Folge verantwortlich war, garnierte den Krimi nach dem Motto „Sex sells“ mit viel nackter Haut, vulgären Dialogen und expliziten Szenen – die vieles nicht der Vorstellungskraft überließen. Solche Bilder sollten nicht zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr gezeigt werden.

Der BR verteidigt unterdessen seinen „Tatort“. Die zuständige Redakteurin Stephanie Hecker sagte im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Das, was da stattfindet, ist in vielen Teilen und Praktiken empörend und auch ekelhaft. “ Was sie allerdings nicht verstehe, sei, „dass man sich darüber empört, dass es im ,Tatort‘ thematisiert wird“. Pornografie sei millionenfach im Netz präsent und werde millionenfach genutzt. „Und das alles ist für Kinder leicht zugänglich. Darüber sollte man nicht schweigen.“

Kindern früh Erstinformationen geben

Fakt ist: Pornografie gehört bei einem großen Teil der Jugendlichen und Erwachsenen zur Sexualität. Laut Umfragen ist der Konsum von Pornos auch in christlichen Kreisen nicht ungewöhnlich, obwohl dies unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild erscheint. Kinder und Jugendliche werden immer früher mit Produktionen der Sex-Industrie konfrontiert, etwa auf dem Schulhof.

Dass man über diese Problematik – die Zugänglichkeit der Filme, die Auswirkung des Porno-Konsums und die mitunter menschenverachtenden Zustände in der Branche – diskutieren muss, steht außer Frage. Doch die Vorgehensweise des BR ist fraglich. Dafür hätte es nicht die Bilder kopulierender Paare und eine ausführliche Zur-Schau-Stellung von Gruppen-Sex gebraucht.

Nikolaus Franke, Jugendreferent beim Weißen Kreuz, rät Eltern, ihren Kindern die Erstinformation zum Thema Pornografie zu geben – möglichst noch im Grundschulalter. Was er damit meint ist folgendes: Es sei wichtig, zu erklären, dass Pornos für einen Markt gemacht worden sind, sagte er in einem früheren Gespräch mit pro. Die Kinder hielten die Filme so für weniger realistisch. Zudem sollten Eltern Kindern Handlungshinweise geben, wie etwa, Freunden zu sagen, dass sie keine pornografischen Bilder sehen wollten, wenn ihre Kumpel ihnen welche zeigen wollten.

Tatort als Familienfilm?

Der öffentlich-rechtliche Sender verwies laut dpa darauf, dass die „Tatort“-Redaktion und die BR-Jugendschutzbeauftragten bei der Produktion von „Hardcore“ stets in enger Abstimmung standen. Die Beurteilung der Folge führte zu der Einschätzung, dass der Film für Jugendliche ab zwölf Jahren geeignet sei. Damit stand einer Ausstrahlung um 20.15 Uhr nichts im Wege. Anders verlief es etwa bei dem „Tatort: Franziska“ vom WDR aus dem Jahr 2014. Dieser durfte aus Jugendschutz-Gründen erst 22 Uhr ausgestrahlt werden. Zu recht. Der Film war zu brutal. Denn das Format „Tatort“ verstehe sich im Prinzip als ein Familienfilm, sagte WDR-Fernsehspielchef Gebhard Henke damals.

Der aktuelle „Tatort“ ist kein Familien-Kino. Damit ist er längst nicht der einzige Film, der den beliebten Sendeplatz um 20.15 Uhr zu Unrecht erhält: Die Prüfstellen scheinen immer großzügiger zu werden, was ihre Entscheidungen bei Altersfreigaben für Filme angeht. Das betrifft nicht nur pornografische, sondern auch Gewaltdarstellungen. „Die Entwicklung der Gesellschaft erfordert also mehr Information, mehr Bildung, Kultur und Vermittlung von Medienkompetenz, erhöhte Meinungs- und Urteilsfähigkeit sowie qualitativ hochwertige Beratung und Unterhaltung“, heißt es in einer Stellungnahme zum Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Diesem Anspruch hält dieser „Tatort“ leider kaum stand.

Von: Martina Blatt

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Wed, 11 Oct 2017 16:22:00 +0200
<![CDATA[Ungeahnte Sensationsgier der Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/10/11/ungeahnte-sensationsgier-der-medien/ Am Morgen des 16. August 1988 überfallen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Sie nehmen zwei Geiseln. Die Polizei jagt die Entführer quer durch die Republik und die angrenzende Niederlande. Die Jagd endet mit einer umstrittenen Polizeiaktion auf der A3 bei Bad Honnef. Am Ende des Geiseldramas gibt es drei Tote und viele Verletzte.

Einer der Täter, Dieter Degowski, hat seine lebenslange Haftstrafe nun verbüßt und soll mit einer neuen Identität wieder auf freien Fuß gesetzt werden. In der Kritik standen damals Politik, Polizei und die Medien. Die beteiligten Journalisten hatten die Täter interviewt, waren im Fluchtfahrzeug mitgefahren und hatten dadurch die Polizeiarbeit behindert. Die Vorgänge entfachten eine intensive öffentliche Debatte über Verantwortung und Grenzen des Journalismus.

Interviews mit Pistole am Kopf

Der Deutsche Presserat legte später fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben darf. Nach der Busentführung standen die Entführer der Presse Rede und Antwort. Auch zwei Geiseln aus der Bank wurden von Reportern interviewt, während die Geiselnehmer ihnen die Pistole an den Kopf hielten.

In Köln umlagerten Journalisten das Fluchtauto mit den Straftätern sowie den Geiseln und führten Live-Interviews. Der spätere Bild-Chefredakteur Udo Röbel bot sich als Lotse an und fuhr von Köln bis Siegburg im Fluchtfahrzeug mit. Dabei wetteiferten zahlreiche Journalisten um die besten Bilder.

Pressekodex erweitert

Die Berichte und die Sensationsgier der Medienvertreter boten den Verbrechern eine bis dahin nie gekannte Bühne. Auch die Einsatzleitungen wurden wegen Organisationsfehler schwer kritsiert. In Bremen gelang Journalisten in einer unübersichtlichen Situation, die Freilassung von fünf Geiseln zu erreichen. Allerdings hielt ein Reporter den herabhängenden Kopf eines schwerverletzten Jungen noch einmal „fotogerecht“ in die Kamera.

Der Presserat verfügte danach, dass eigenmächtige Vermittlungsversuche nicht zu den Aufgaben von Journalisten gehörten. Auch Interviews mit Tätern dürfe es während des Geschehens nicht geben. Der Pressekodex wurde entsprechend erweitert. In einem Bericht der Süddeutschen Zeitung 20 Jahre nach der Geiselnahme bereuten einige beteiligte Journalisten ihr Verhalten öffentlich. Seit August 2009 erinnert eine Gedächtnisskulptur an das Geschehen auf der A3.

Von: Johannes Weil

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Wed, 11 Oct 2017 14:32:00 +0200
<![CDATA[Grünen-Politiker wechselt an die Uni]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/10/11/gruenen-politiker-wechselt-an-die-uni/ Der Grünen-Politiker Volker Beck wechselt von der Universität in den Hörsaal. Nach 23 Jahren im Deutschen Bundestag wird er einen Lehrauftrag an der Ruhr-Universität in Bochum am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien annehmen. In seinem Seminar geht es um Religionspolitik in der Praxis. „Es ist nur ein kleines Seminar, aber es ist ein neues Kapitel“, sagte der ehemalige Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag dem Kölner Stadtanzeiger.

Beck gehörte dem Bundestag seit 1994 ununterbrochen an. Dieses Jahr hat ihn seine Partei nicht mehr als Kandidat aufgestellt. Als Abgeordneter war Beck bis 2002 zunächst rechtspolitischer Sprecher, von 2005 bis 2013 menschenrechtspolitischer Sprecher sowie seit 2013 unter anderem religionspolitischer Sprecher. Zeitweilig war er Erster Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion und seit 2014 Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe.

Mit Medienarbeit Maßstäbe gesetzt

Nach seiner Niederlage beim Nominierungsparteitag um einen aussichtsreichen Listenplatz stand er nicht mehr als Kandidat zur Verfügung. Schlagzeilen machte Beck, als bei einer Polizeikontrolle bei ihm eine „betäubungsmittelverdächtige Substanz“ gefunden wurde. Beck trat daraufhin von allen Fraktions- und Parlamentsämtern zurück. Der Bundestag hob Becks Immunität auf. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelte gegen ihn. Das Verfahren wurde im April gegen Zahlung einer Geldauflage von 7.000 € wegen „geringer Schuld“ eingestellt.

Nach diesem Urteil beschloss die Bundestagsfraktion der Grünen, dass Beck ihr religionspolitischer Sprecher bleiben solle. Zudem ernannte sie ihn zu ihrem migrationspolitischen Sprecher. Beck habe „maßgeblich dazu beitragen, unsere Gesellschaft positiv zu verändern“, sagte der Geschäftsführer der Kölner Ratsfraktion, Jörg Frank, Beck zu seine Verabschiedung. Becks Medienarbeit habe Maßstäbe gesetzt – im Internet und bei Twitter.

Von: Johannes Weil

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Wed, 11 Oct 2017 10:20:00 +0200
<![CDATA[Wo ist die Wahrheit? - Tiefenbohrung beim ZDF]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/10/10/wo-ist-die-wahrheit-tiefenbohrung-beim-zdf/ Eine Rezension von Norbert Schäfer]]> Nachrichten- und Politikinteressierte kennen Claus Kleber seit mehr als einem Jahrzehnt als Moderator des „heute-journals“. Der ZDF-Journalist ist aber mehr als „nur" ein Moderator, er ist ein „Anchorman", eine prägende Gestalt der Sendung. So ist Kleber einerseits für viele Fernsehzuschauer eines der Gesichter, das für eine ausgewogene Berichterstattung steht. Kleber selbst mag lieber den Begriff „umfassende Berichterstattung". Andererseits ist er für viele schlicht Vertreter der „Lügenpresse“. Kleber ist überzeugt, dass „unsere Demokratie nicht überleben kann ohne Medien, ohne Journalisten, denen man - bei allen berechtigten Zweifeln - im Grunde traut“ und hat daher eine Streitschrift zur Ehrenrettung seines Berufsstandes geschrieben.

Redaktionsalltag

Kleber nimmt den Leser für einen Tag mit in den Redaktionsalltag beim „heute-journal". Er erklärt, wie sich Themen über den Tag entwickeln oder in Luft auflösen. Er schildert, wie in der Redaktion recherchiert, debattiert und wie um die Themen gerungen wird. Die Botschaft: Weder Kanzlerin noch Oppositionsführer diktieren den Redakteuren ihre Agenda in den Teleprompter. Kleber tritt als ehrenhafter Journalist denen entgegen, die behaupten, dass Rundfunk und Fernsehen staatlich gelenkt würden, Politiker Sendungsinhalte und Themen bestimmen. Er verdeutlicht die Schwierigkeit, komplexe Themen in kürzester Zeit zu erfassen und für den Zuschauer verständlich und formatgerecht aufzuarbeiten. Seine Botschaft: Hier ist nichts gesteuert, hier redet keiner rein.

Der Fall Brender

Dem Vorwurf, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk, die verleumderisch von Populisten so bezeichneten „Mainstream-Medien", Staatsnähe und Politikhörigkeit praktizieren, hält Kleber die Schilderung der Hintergründe und Vorgänge im „Sündenfall Brender" entgegen. Kleber schildert in dem Kapitel das Ränkespiel von Politikern und Lobbygruppen im Verwaltungsrat des Senders um die Vertragsverlängerung von Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender im Jahr 2009.

Brender hatte sich darum bemüht, das Eindringen von Parteigängern in die Redaktionen zu verhindern. Auch Versuche von Einflussnahme wollte er im Keim ersticken. Dadurch hatte der Journalist den Unbill von Politikern auf sich gezogen und musste am Ende gehen. Der Fall hatte dann eine Debatte um die Verfassungsmäßigkeit des ZDF-Staatsvertrags nach sich gezogen. Das Bundesverfassungsgericht urteilte schließlich, dass durch die hohe Anzahl von Politikern und staatsnahen Personen im ZDF-Fernsehrat und ZDF-Verwaltungsrat die freie Berichterstattung der Medien nicht gegeben ist und hatte die Zahl der Poliker in den Gremien beschränkt.

Gebührenfinanzierte Kampfansage

Der Klappentext nennt das Buch ein „flammendes Plädoyer für die Unabhängigkeit der Medien“ - und nach der Lektüre möchte man irgendwie ergänzen: „und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", der mit den gesicherten Einnahmen der Gebührenfinanzierung gut leben kann. Auf den knapp 100 Seiten kann Kleber sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Der Autor macht die Verlegerverbände dafür verantwortlich, dass die Netzaktivitäten von ARD und ZDF reglementiert wurden.

Er versteht die Gebührenzahler nicht, die sich daran nicht stören. Dass die Verleger ihre Einnahmen erwirtschaften müssen und nicht per Gesetz mit Finanzmitteln versorgt werden, vertieft er nicht. Es klingt dann wie eine Kampfansage, wenn er schreibt: „Jetzt wäre bei uns die richtige Zeit für eine nach innen wie außen spürbare Investition in Information, die die öffentlich-rechtlichen Anbieter haushoch herausragen lässt, wenn es darum geht, die Welt zu erklären und die laufende Medienrevolution zu nutzen."

Klebers Einblicke in die Welt des „heute-journals", seine Analyse über das Aufkommen von Fake-News & Co. in den USA und die Wirkung der Sozialen Medien bei der Informationsversorgung sind sprachlich und stilistisch hervorragend. Kleber will dabei helfen, den Glaubwürdigkeits-und Imageschaden der öffentlich-rechtlichen Medien zu reparieren. Das gelingt ihm. Er analysiert kenntnisreich und nachvollziehbar. Kleber erklärt den Journalistenberuf, ohne dabei reine Nabelschau zu betreiben. Das Büchlein bietet erhellende Einblicke, ist kurzweilig und interessant. Eine kritischere Auseinandersetzung mit der Finanzierung von ARD und ZDF hätte dem Buch gut getan, das insgesamt informativ und prägnant ist.

Kleber, Claus: „Rettet die Wahrheit!“ Ullstein, 96 Seiten, 8 Euro, ISBN: 9783550050336.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 10 Oct 2017 17:11:00 +0200
<![CDATA[Schwaetzer: Rückenwind des Reformationsjubiläums nutzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/10/10/schwaetzer-rueckenwind-des-reformationsjubilaeums-nutzen/ 200 Millionen Euro bleiben vom Reformationsjubiläum am Steuerzahler hängen. Das ist zuviel, meint Maximilian Steinhaus von der religionskritischen Giordano Bruno Stiftung in der Sendung Fakt ist!, die am Montag im MDR ausgestrahlt wurde. Aus seiner Sicht habe der Staat Steuergelder verschwendet und gegen seine Neutralität verstoßen. Außerdem hätten es die Kirchen versäumt, sich von Martin Luther als „einem der wirkmächtigsten Antisemiten“ zu distanzieren. Ob sich der Aufwand gelohnt hat und vertretbar war, darüber haben vier Experten in der Sendung „Fakt ist!“ im MDR diskutiert.

Diesen Vorwurf wies die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, zurück. Es gebe eine ausführliche Abhandlung, die sich mit den dunklen Seiten der Reformation beschäftige. Die Kirchen sollten den Rückenwind des Reformationsjubiläums nutzen, findet sie. Ein Ziel sei es gewesen, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Positive Erfahrungen habe sie gemacht, wenn Kirche ihre Gebäude verlassen und Aktionen in der Innenstadt veranstaltet habe. Das Interesse an Glaubensinhalten sei sehr groß gewesen. Die Menschen hätten über Luthers Ideen in Zeiten nachgedacht, in denen es nur um Selbstoptimierung gehe. Dies könne jetzt nachwirken. Sie betonte aber auch, dass nicht alles gut gelaufen sei. Darüber müsse man reden.

Wittenberg wird lange profitieren

Aus Sicht des freien Journalisten Benjamin Lassiwe hat der Staat vom Reformationsjubiläum mehr profitiert als die Kirchen. Der Tourismus habe geboomt. Von den Investitionen in die kirchlichen Gebäude werde Wittenberg noch lange profitieren. Trotzdem müsse sich die Kirche fragen, ob sie Dinge anders hätte machen können. So hätten manche Werbeplakate zum Jubiläum eine bescheidene Aussagekraft gehabt.

Der frühere Leipziger Thomaspfarrer Christian Wolff fand, dass das Reformationsjubiläum an der Realität vieler Kirchengemeinden vorbeigehe. Es sei übergestülpt. Aktuelle Strukturpläne sorgten für Frust an der Basis. Um die Krise der Kirche zu überwinden, brauche es Bildungsangebote zu den Grundlagen des christlichen Glaubens und qualifiziertes Personal. Mit der Musik, einer weiteren Errungenschaft der Reformation, könne man ganz viele Menschen fernab ihrer religiösen Bindung erreichen. „Das ist im Jubiläum viel zu kurz gekommen.“ Die evangelische Kirche habe es nicht geschafft, ihre innere Krise offen anzusprechen.

Sie habe viele gute Gespräche mit Menschen geführt, die sonst kaum etwas mit dem Glauben zu tun hätten oder in den Gottesdienst gingen, berichtete die scheidende Stadtpfarrerin von Wittenberg, Kristin Jahn. Das Konzept habe leider nur regional funktioniert. Für Irmgard Schwaetzer kam es darauf an, deutlich zu machen, was die Beziehung zu Gott an guten Dingen im Leben eines Menschen bewirken kann. Moderiert wurde die Sendung Fakt ist! von Lars Sänger und Andreas Menzel.

Von: Johannes Weil

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Tue, 10 Oct 2017 15:56:00 +0200
<![CDATA[Schwules Paar adoptiert Pflegekind]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/10/10/schwules-paar-adoptiert-pflegekind/ Erstmals seit dem Inkrafttreten der Ehe für alle hat in Berlin ein schwules Paar sein Pflegekind adoptiert. Das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg habe dem Antrag zugestimmt, mit der Zustellung des Briefes sei die Adoption rechtswirksam geworden, teilte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg am Dienstag mit. Die schwulen Eheleute - Michael (42) und Kai Korok (46) - zeigten sich hocherfreut über die Entscheidung des Familiengerichts.

„Es ist ein großartiges Gefühl, gemeinsam als Elternteil eingetragen zu sein", sagte Michael Morok der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Allgemein sei die Veränderung der Gesetzeslage ein riesengroßer Gewinn für Paare und Kinder in dieser Situation, betonte der 42-Jährige. Nach Angaben des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg soll es auch deutschlandweit die erste gemeinschaftliche Adoption eines Kindes durch ein gleichgeschlechtliches Paar sein.

Ehe für alle öffnet Tür für Adoption

Am 1. Oktober war das Gesetz zur Ehe für alle wirksam geworden. Schwule und Lesben haben nun die gleichen Rechte wie Hetero-Paare - dazu zählt auch die Adoption von Kindern. Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Ehe für alle sei ihm und seinem Ehemann Kai sofort klar gewesen, dass nun der Weg für eine Adoption ihres bisherigen Pflegekindes Maximilian (2) frei sei. Zuvor hätten sie noch eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht erwogen, um die Adoption zu erreichen, sagte Michael Korok.

Bisher habe zunächst einer der Partner in einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft ein Kind alleine adoptieren können, so Korok. Dann hätte der andere nur noch die Möglichkeit gehabt, eine Stiefkindadoption zu beantragen. Michael und Kai Korok hatten ihre Eingetragene Lebenspartnerschaft am 2. Oktober in eine Ehe umwandeln lassen. Nachdem sie die Ehe-Urkunde beim Familiengericht eingereicht hatten, wurde dem Antrag auf die Adoption von Maximilian zugestimmt. Der zweijährige Junge lebt bereits seit kurz nach seiner Geburt bei dem Paar.

dpa/Anna Lutz

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Tue, 10 Oct 2017 15:51:00 +0200
<![CDATA[Marx: „Obergrenze nicht hilfreich"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/10/10/marx-obergrenze-nicht-hilfreich/ Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte im Rahmen der Bundespressekonferenz in Berlin, jeder, der an die deutschen Grenzen komme, müsse menschenwürdig behandelt werden. Die Grenze Europas dürfe „nicht zur Todesgrenze" werden. Die derzeitige Lage nannte Marx erschreckend. Er rief die Politik dazu auf, mehr zu tun, um den Ländern zu helfen, aus denen die Verfolgten kommen. Außerdem dürfe niemand „in eine Situation von Krieg und Verfolgung" zurückgeschickt werden.

Der Begriff Obergrenze sei aus seiner Sicht „nicht hilfreich". Die Politik rief er auch mit Blick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen dazu auf, den Familiennachzug zu ermöglichen und dauerhafte Arbeitserlaubnisse auszusprechen, sonst werde Integration verhindert. Es sei ethisch geboten, Familien nur in äußerster Not zu trennen „und die kann ich hier nicht erkennen“. Es müssten alternative Wege gefunden werden, den Zuzug in die Bundesrepublik so zu begrenzen, dass ein humanitärer Umgang garantiert werde.

Anlass für die Äußerungen war die jüngste Einigung von CDU und CSU auf eine Obergrenze von 200.000 aufzunehmenden Flüchtlingen jährlich. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International hatten dies als völkerrechtswidrig kritisiert. Marx kündigte an, seine Kirche werde sich auch in der neuen Wahlperiode mit allen im Bundestag vertretenen Parteien zu Gesprächen treffen. Dazu zähle auch die AfD, auch wenn einige Positionen der Partei „grenzwertig" seien.

„Religion bleibt Megathema"

Marx warnte davor, dass Religion zunehmend für politische Zwecke instrumentalisiert werde. Als Beispiel nannte er den Terrorismus im Islam, betonte aber, dies betreffe alle Religionen. „Das ist eine Gefahr, auf die wir achten müssen", erklärte er. Marx betonte: „Die Kirche sollte nicht zu allen tagespolitischen Fragen Stellung nehmen." Gleichzeitig ist er sich sicher, „dass Religion weiter ein Megathema bleibt". Sie sei „nicht erledigt, säkularisiert, abgewickelt".

Positiv äußerte er sich zur Entwicklung der Ökumene: Das Jahr 2017 mit dem Reformationsjubiläum sei dahingehend auch für die Katholische Kirche etwas Besonderes. Der Evangelischen Kirche sei es gelungen, Luther nicht als Triumphator über die katholische Kirche zu zeigen. Stattdessen habe man produktiv miteinander gestritten.

Schon in naher Zukunft wolle er sich gemeinsam mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, verstärkt dem Thema Religionsfreiheit widmen. Er kündigte einen Bericht zur globalen Lage der Christen an. „Sie sind weltweit in einer bedrängenden Situation", sagte Marx. Das gelte aber auch für andere Gläubige. Deshalb sei die Religionsfreiheit für die Kirchen ein drängendes Thema.

Von: Anna Lutz

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Tue, 10 Oct 2017 12:13:00 +0200
<![CDATA[95 Thesen für den Schulhof]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2017/10/10/95-thesen-fuer-den-schulhof/ Die Schüler stehen in einer langen Reihe auf dem Pausenhof. Betroffen schauen sie in eine laufende Kamera. Immer wieder tritt eine der Schülerinnen nach vorne. „Gott, wieso tust du nichts in Syrien?“ – „Warum tust du nichts gegen den Hunger in Afrika?“ Sie ärgern sich über das, was in der Welt ungerecht läuft. Und sie bringen es in diesem Video zum Ausdruck.

Die Schüler gehen in die neunte Klasse der Freiherr-vom-Stein-Schule in Wetzlar. Seit Beginn des Schuljahres nehmen sie an dem Wettbewerb „#95neuethesen“ des Hessischen Rundfunks (HR) teil. Sie sollen sich bei dem Projekt mit religiösen Themen multimedial auseinandersetzen. Der HR möchte wissen, was jungen Leuten heute unter den Nägeln brennt. So wie Martin Luther vor 500 Jahren seine Thesen formulierte, in denen er ausdrückte, was ihm äußerst wichtig war.

Wo offenbart sich Gott heute?

Um im Rahmen eines spannenden Praxisprojekts lebensnahe Themen besprechen zu können, entschied sich Religionslehrerin Ivonne Schweitzer dafür, mit ihren jetzigen Neuntklässlern am Projekt des HR teilzunehmen. Zunächst musste die Klasse dem Sender Thesen präsentieren – analog zu Martin Luther. Die Klasse hatte im Unterricht viele Geschichten behandelt, in denen Gott sich Menschen offenbart. Es ging um Mose, dem Gott in der Wüste seinen Namen Jahwe verriet, und den Bund mit dem Volk Israel. Beschäftigt haben sich die Schüler auch mit Paulus, der nach seinem Erlebnis vor Damaskus vom Christenverfolger zum Verkündiger von Jesus Christus wurde.

Zudem warfen die Schüler an dem Mittelstufen-Gymnaisum in der hessischen Kleinstadt auch einen Blick über den religiösen Tellerrand. Nach islamischer Vorstellung hat Allah Mohammed den Koran offenbart. „Die Schüler wollten wissen, ob es das heute auch noch gibt und wie das passiert“, sagt Schweitzer.

Ihre Thesen haben die Schüler schließlich auf den Satz zugespitzt: „Er hat die Schnauze voll von den Menschen.“ Dahinter stehen tiefgründige Fragen: Was wäre, wenn es keine Offenbarungen Gottes mehr gibt und woran könnten wir dann glauben? Die Nachrichten von Kriegen und Terror sprechen scheinbar gegen die Hoffnung und Liebe, für die der Glaube steht. Es sind ganz schön dicke Bretter, die die Schüler bohren und bis Dezember weiter bohren wollen. Mit ihrer Projektskizze haben sie die Fachjury auf jeden Fall überzeugt.

Die Wetzlarer sind eine von zwölf Gruppen in Hessen, die an dem Projekt teilnehmen. Das Spektrum der Themen ist bunt. Frankfurter Schüler wollen erarbeiten, ob Menschen auch verantwortlich sind für das, was sie nicht tun. Eine Klasse in der Nähe von Limburg fragt, ob You-Tuber schlechte Vorbilder sind oder nicht. In anderen Schulen geht es um Themen wie Gerechtigkeit oder die Bewahrung der Schöpfung. Das Projekt wird vom Kultusministerium gefördert.

Komplexes Thema auf aktuelle Ereignisse übertragen

Martin Luther stand im achten Schuljahr auf dem Lehrplan. Von daher kannten die Wetzlarer Schüler seine Thesen – und was er damit bezwecken wollte. Nun geht es darum, das komplexe Thema zu vereinfachen und auf die aktuellen Gegebenheiten zu übertragen. Die Schüler sitzen in Kleingruppen im Computerraum ihrer Schule. Im Internet sammeln sie Daten und Fakten zu Naturkatastrophen, Terror, Kriegen und zu menschlichen Einzelschicksalen und legen ein Dokument mit den Quellen an. Sie tauschen sich aus über den IS, Überschwemmungen in Amerika und Opfer von heftigen Unfällen. Sie überprüfen Zahlen und schreiben wichtige Fakten auf.

„Bleibt so nah wie möglich an aktuellen Ereignissen“, empfiehlt die Lehrerin, als sie ihren ersten Rundgang durch die Reihen macht und sich von der Qualität der Ergebnisse überzeugt. Eine Gruppe möchte die Rollstuhlbasketballer der Stadt interviewen. Sie könnten über ihr Leben mit der Behinderung berichten und davon, wie sie damit umgehen und ob sich das auf ihren Glauben auswirkt.

Auch der Name Samuel Koch fällt bei der Recherche. Koch war bei einer Wette in der ZDF-Sendung „Wetten, dass ..?“ über Autos gesprungen und dabei schwer verunglückt. Seitdem ist der Christ querschnittsgelähmt. Damit geht er offen und ehrlich um, auch mit seinen Fragen und Zweifeln am Glauben. Die Jugendlichen schreiben ihm eine Mail, in der sie ihn bitten, ihre Fragen zu beantworten.

„Wir wissen gar nicht, was Gott alles verhindert hat“

Für die kurze Videosequenz vom Anfang der Stunde war der Trainer des HR, Rolf Müller, schon einmal in der Schule. Er begleitet das Projekt seit den Sommerferien punktuell. Im Oktober kommt er wieder zu Projekttagen. Bis dahin haben die Schüler noch einen eng getakteten Zeitplan. Mit Müller produzieren sie Audios, Videos, Fotos sowie Texte und lernen, mit diesen Materialien eine multimediale Geschichte zu erzählen. Dann haben sie vielleicht Antworten auf einige ihrer Fragen: Wann stärkt der Glaube die Menschen? Und in welchen Situationen kommt er ihnen abhanden?

Schließlich sollen die Ergebnisse auf einer Internetplattform präsentiert werden. Dann können die Wetzlarer schauen, was die anderen teilnehmenden Schulen aus ihren Projekten gemacht haben. Sie können gemeinsam kommentieren und diskutieren. Am Ende der Stunde dürfen sich die Schüler dann noch einmal selbst positionieren. Können sie, obwohl vieles auf der Welt sehr ungerecht ist, an einen Gott glauben?

Ein Mädchen sagt: „Manche Sachen hätten ohne Gottes Eingreifen noch deutlich schlimmer verlaufen können.“ Eine andere ergänzt: „Wir wissen gar nicht, was er alles verhindert hat.“ Es sind erste Ansätze für die Antworten darauf, wie sich Gott genau offenbart. Konkreter werden wollen sie in den kommenden Wochen und Monaten. Die fertigen Ergebnisse dürfen sie dann im Februar 2018 bei einem offiziellen Empfang beim HR präsentieren.

Die Geschichte können sie im Christlichen Medienmagazin pro 5/2017 nachlesen, das sie ab kommender Woche per E-Mail: info@pro-medienmagazin oder telefonisch (06441/915-151) bestellen können.

Von: Johannes Weil

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Tue, 10 Oct 2017 11:47:00 +0200
<![CDATA[Flüchtlingspolitik von Angst geprägt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/10/09/fluechtlingspolitik-von-angst-gepraegt/ Die Privatdozentin für Systematische Theologie an der Philipps-Universität Marburg, Elisabeth Hartlieb, vertritt die Meinung, es gebe zwar ein Zugangsrecht für Flüchtlinge nach Europa, aber zu wenige sichere Zugangswege. Aus einer „Politik der Angst" heraus versuchten Regierungen, Zugänge für Flüchtlinge durch Obergrenzen zu erschweren, statt für die notleidenden Menschen eine Willkommenskultur aufzubauen.

Bei dem Pressegespräch der Badischen Landeskirche am Montag in Karlsruhe sagte Hartlieb: „Ich glaube, dass wir uns bei den Flüchtlingen zu sehr von einer Politik der Zahlen leiten lassen.“ Hartlieb hatte vom 30. September bis zum 2. Oktober in Palermo an der „Konferenz zum christlichen Umgang mit Grenzen" des Ökumenischen Rats der Kirchen teilgenommen und berichtet. Die Theologin kritisierte, dass Fluchtwege geschlossen, aber die Fluchtursachen nicht bekämpft würden.

Selbst mitten in Europa würden die Menschenrechte der Flüchtlinge missachtet, sagte Jürgen Blechinger. Der Jurist der Badischen Landeskirche für den Bereich Migration plädierte für einen effektiveren Zugang der humanitären Korridore. Bedenklich sei, dass die Menschen nun neben der Route über das Mittelmeer auch auf der Flucht durch die Sahara zu Tode kommen. „Es werden nicht die Strukturen gefördert, die Abhilfe schaffen, sondern eher diejenigen, die die Außengrenzen stärken“, sagte Hartlieb. Die Theologin forderte humanitäre Korridore für die Flüchtenden.

„Schutz von Flüchtlingen nicht kontingentierbar“

Herkunftsländer, beispielsweise Libyen, seien durchsetzt von Kriminalität und von Warlords beherrscht. Trotzdem suche die Politik die Zusammenarbeit mit ihnen. Hartlieb legte Biografien und Berichte von Geflüchteten vor. Demnach werden Frauen auf der Flucht immer wieder zur Prostitution gezwungen. Auch Männer würden schamlos ausgenutzt, drangsaliert und zu Opfern. Die Versorgung mit Nahrung sei prekär. „Hier dürfen wir uns als Kirchen nicht wegducken und müssen gegen den Missstand angehen“, forderte Hartlieb.

Blechinger wertet Zahlungen an verschiedene Länder für humanitäre Hilfsmaßnahmen rechtlich als bedenklich. „Wenn ich Libyen Geld in diesem Bereich gebe, ist dies ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht“, erklärte er. Mehr humanitäre Aufnahmeplätze würden seiner Meinung nach dringend gebraucht. Dadurch könnte auch die Zahl der Toten im Mittelmeer verringert werden. „Der Schutz von Flüchtlingen ist nicht kontingentierbar. Ansonsten müssten wir menschenrechtliche Konventionen aufgeben", sagte der Jurist.

Von: Johannes Weil

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Mon, 09 Oct 2017 15:45:00 +0200
<![CDATA[Leitungswechsel beim epd]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/10/09/leitungswechsel-beim-epd/ Personaländerungen beim Evangelischen Pressedienst (epd): Chefredakteur der Zentralredaktion in Frankfurt am Main wird der bisherige Nachrichtenchef Karsten Frerichs. Am Standort Berlin rückt Corinna Buschow zum 1. Januar in die Chefredaktion auf und wird künftig als Chefkorrespondentin in der Hauptstadt tätig sein.

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) als Träger der epd-Zentralredaktion hatte den bisherigen Stellvertreter Frerichs bereits im Sommer übergangsweise zum Chefredakteur berufen, nachdem Vorgänger Thomas Schiller als Leiter Kommunikation zur Diakonie Deutschland gewechselt war. Frerichs kam 2008 aus der Online-Redaktion des Deutschlandradios als Nachrichtenchef zum epd. Frühere berufliche Stationen waren die Nachrichtenagenturen ADN und ddp. Während seines Studiums der Journalistik in Dortmund volontierte er bei der Westdeutschen Zeitung in Düsseldorf und arbeitete dort im Anschluss als Redakteur.

Corinna Buschow ist seit dem Ende ihres Journalistik-Studium in Leipzig 2009 beim epd. Nach Tätigkeiten im epd-Landesdienst Ost wechselte sie 2012 ins Bundesbüro der Nachrichtenagentur.

Der vor über 100 Jahren gegründete Evangelische Pressedienst (epd) ist eine Nachrichtenagentur, die von der evangelischen Kirche getragen wird.

Von: Anna Lutz

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Mon, 09 Oct 2017 11:23:00 +0200
<![CDATA[Neues Liederbuch „Feiert Jesus! 5“ gewinnen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/10/04/neues-liederbuch-feiert-jesus-5-gewinnen/ In der fünften Ausgabe des Klassikers „Feiert Jesus!" finden sich auf 248 Seiten Texte und Noten zu Liedern von Musikern wie Chris Tomlin, Matt Redman, Hillsong, Jesus Culture, der Outbreakband, Sefora Nelson, Albert Frey, Lothar Kosse, Arne Kopfermann und anderen. Wie auch die vorigen Ausgaben bietet die neue Version einen bunten Querschnitt an Songs aus der christlichen Musikszene für das Musizieren zu Hause oder in der Gemeinde.

Während im vierten Band Lieder im Stil amerikanischer Lobpreisbands dominierten, nähern sich die neuen Lieder wieder eher dem Charakter des ersten und zweiten Bandes von „Feiert Jesus!“ an. Die meisten Lieder sind gut spielbar und beinhalten weniger komplexe Akkorde, als dies im vierten Band der Fall war. Auch alte Klassiker wie „Du meine Seele, singe“, „Die güldne Sonne“ oder „Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte“ haben die Macher für den Band ausgewählt und bearbeitet.

pro verlost am kommenden Wochenende, vom 6. bis 8. Oktober, 20 Exemplare von „Feiert Jesus! 5". Wenn Sie gewinnen möchten, dann schreiben Sie uns innerhalb dieser drei Tage eine E-Mail mit dem Betreff „Feiert Jesus", Ihrem Namen und Ihrer Postadresse. Wir würden uns außerdem freuen, wenn Sie den entsprechenden Beitrag von unserer Facebook-Seite teilen würden. Die Gewinner werden im Laufe der kommenden Woche benachrichtigt.

Weitere Infos zur aktuellen „Feiert Jesus!"-Ausgabe finden sich auch beim SCM-Verlag.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 06 Oct 2017 09:22:00 +0200
<![CDATA[USA stimmen gegen Religionsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/10/05/usa-stimmen-gegen-religionsfreiheit/ Bei einer Abstimmung im Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen haben sich die USA gemeinsam mit zwölf weiteren Staaten gegen eine Resolution zur Abschaffung der Todesstrafe gewandt. Der Ende September mit 27 Ja-Stimmen verabschiedete Beschluss fordert Staaten, die die Todesstrafe anwenden, dazu auf, ihre Praxis zu überdenken. Im Speziellen will sie die Abschaffung von Hinrichtungen wegen Apostasie, also dem Abfall oder der Konversion zu einem anderen Glauben, Blasphemie, Ehebruch oder ausgeübter Homosexualität erwirken. Damit richtet sie sich besonders gegen die Schariapraxis islamischer Staaten.

Während Deutschland, Großbritannien oder Australien für die Resolution stimmten, wandten sich die USA gemeinsam mit Ägypten, Äthiopien, Botswana, Burundi, Bangladesch, China, Indien, Japan, dem Irak, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien gegen die Durchsetzung. Der Grünen-Politiker Volker Beck kommentierte das in einem Blogbeitrag mit den Worten: „Die Islamisierung der USA schreitet voran" und kritisierte das Votum als undemokratisch.

Nationale Interessen im Mittelpunkt

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums rechtfertigte die Entscheidung mit nationalen amerikanischen Interessen. Die USA hätten gegen die Resolution gestimmt, weil diese sich grundsätzlich gegen die Todesstrafe stelle. „Die Vereinigten Staaten veruteilen unmissverständlich die Anwendung der Todesstrafe für Verhaltensweisen wie Homosexualität, Blaspehmie, Ehebruch und Apostasie“, sagte die Sprecherin der Britischen Zeitung The Independent.

Die USA gehören laut Amnesty International zu den weltweit 57 Staaten, die die Todesstrafe, zumindest in einigen ihrer Bundesstaaten, im Strafrecht anwenden. 104 Staaten weltweit haben sie komplett abgeschafft.

Von: Anna Lutz

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Thu, 05 Oct 2017 13:43:00 +0200
<![CDATA[„Jesus ist mein Chef"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2017/10/05/jesus-ist-mein-chef/ Der Unternehmer und frühere Geschäftsführer der Firma Hailo, Joachim Loh (Haiger), wird am Donnerstag 75. Rückblickend könne er dankbar feststellen, dass die Kombination als gestaltender Unternehmer und engagierter Christ im Aufbau von Gemeinde und Reich Gottes seine Berufung gewesen sei. „Die Ehre dafür gehört Jesus, meinem Chef", sagt Loh. Der Manager war Inhaber einer Unternehmensgruppe, zu der neben dem Weltmarktführer Hailo unter anderem auch Firmen für Lager- und Betriebseinrichtungen sowie Werkzeug- und Vorrichtungsbau gehören.

Seit 2009 steht Lohs Sohn Sebastian an der Spitze der „Joachim Loh Unternehmensgruppe" (JLU). Eigenen Angaben zufolge war es dem Unternehmer immer wichtig, neben seiner unternehmerischen Tätigkeit einen hohen Anteil seiner Zeit auch für die Gemeinde und christliche Organisationen einzusetzen. Loh will weiter nach vorne denken und unternehmerisch tätig bleiben, etwa in Vorständen und Aufsichtrsäten von Unternehmen. Im Gepsräch mit pro erklärt er: „Wie wird meine Situation in zehn Jahren sein? So Gott will, lebe ich noch hier. In meinem Alter ist der Planungshorizont auf höchstens fünf Jahre geschrumpft. Alles was darüber hinaus geht, müssen dann eventuell meine Erben ausbaden.“

Christliche Hoffnung nimmt die Angst

Der christliche Glaube spielt eine zentrale Rolle im Leben des Unternehmers. „Die christliche Hoffnung auf das Leben nach dem Tod nimmt mir die Angst", sagt Loh und weiter: „Mit Gott wagt es sich leichter, auch mit voll eingeschaltetem Sachverstand!" Sein Glaube gebiete ihm, Menschen in seiner Umgebung wertschätzend zu begegnen, da sie von Gott geschaffene und geliebte Personen seien. Gegenüber pro zeigte sich der Unternehmer dankbar gegenüber Gott für dessen gnädige Führung in allen Lebensbereichen, „auch in der Annahme und Vergebung meiner Fehler", sagt Loh.

Sein größter wirtschaftlicher Erfolg war nach eigener Einschätzung die Entwicklung seiner Unternehmensgruppe und die gelungene Unternehmensübergabe und Nachfolgeregelung. Seine größte wirtschaftliche Niederlage sieht er in der gescheiterten Sanierung eines übernommenen Unternehmens. „Manche schmerzhafte Enttäuschung von Menschen habe ich mit Gottes Hilfe überwinden können", sagt Loh rückblickend. Seit einigen Jahren berät der Manager auch junge Unternehmer. „Sie sagen mir, was sie dabei als wichtig und hilfreich erlebt haben - es ist der zugesprochene Mut, an den Zielen im Vertrauen auf Gott festzuhalten, und der fachlichen Rat aus dem Schatz meiner Erfahrungen."

Joachim Loh studierte zunächst Maschinenbau. Nach dem Tod seines Vaters Rudolf Loh übernahm er 1971 die Firmenleitung von Hailo. Joachim Loh ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Er führte die Firma Hailo zur Weltmarktführerschaft. Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit hat sich Loh auch ehrenamtlich in vielen evangelikalen Organisationen eingebracht. Dazu gehört unter anderem das Forum Wiedenest, eine Bibelschule mit Missionshaus, sowie das Radio-Missionswerk „Trans World Radio“. Zudem unterstützt er die Evangelisationsbewegung ProChrist.

Loh war von 2002 bis 2006 Vorsitzender des damaligen „Evangeliums-Rundfunks" in Wetzlar. Besonders wichtig ist dem Unternehmer seine Beziehung zu Gott sowie das Gebet. Der direkte Draht zu Gott veranlasse ihn, christliche Werte und Ethik in die Wirtschafts- und Arbeitswelt einzubringen, sagte er einmal im Gespräch mit ideaSpektrum. Lohs Bruder Friedhelm ist Inhaber der „Friedhelm Loh Group“, die mehr als 10.000 Menschen beschäftigt und unter anderem Computer-Schaltschränke herstellt. (pro)

Von: pro

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Thu, 05 Oct 2017 08:45:00 +0200