Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Sun, 26 Feb 2017 08:45:30 +0100 <![CDATA[„Grenze zum Nationalsozialistischen erreicht“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/grenze-zum-nationalsozialistischen-erreicht/ Selbst aktiv werden und seinen Glauben mutig bekennen – dazu hat der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Volker Kauder, am Samstag beim Kongress christlicher Führungskräfte (KcF) in Nürnberg aufgerufen. In Zeiten der Verunsicherung komme es mehr denn ja darauf an, für seine Überzeugungen einzustehen und anderen dadurch Orientierung zu bieten. Christen in Deutschland hätten auch gegenüber den Verfolgten eine Verantwortung: „Wir kennen Menschen, wo das Bekenntnis zu Jesus Christus dem Todesurteil gleichkommen kann.“ Es sei wichtig, durch das öffentliche Bekenntnis zum christlichen Glauben den Verfolgten Mut zu machen, „die das auch in ihrer Heimat unter größten Herausforderungen“ täten.

In Bezug auf Christenverfolgung verteidigte Kauder außerdem deutsche Waffenlieferungen in Krisengebiete: „Wir können in den Ländern selbst nur etwas erreichen, wenn wir das Recht der Menschen, in ihre Heimat zurück zu kehren, nicht nur mit dem Handtuch durchsetzen.“ Der Schutz müsse gegebenenfalls auch mit Waffen gewährleistet werden. „Mit Werten führen“ bedeute auch, „sich für die mit ganzer Kraft einzusetzen, die wirklich bedroht sind.“

Missstände in der Türkei offener ansprechen

Kauder ging auf verschiedene politische Themen ein und forderte auch dabei die Zuhörer auf, sich als Christen aktiv in die Debatte einzubringen. Lobend erwähnte er, dass Christen verschiedener Kirchen und Gemeinden beim Thema Sterbehilfe einheitlich aufgetreten seien und ihre Stimme für den Schutz des Lebens erhoben hätten. Der Bundestag hatte Ende 2015 eine Neuregelung zur Sterbehilfe beschlossen und „geschäftsmäßige Sterbehilfe“ in Deutschland verboten. „Christus liebt das Leben. Er ist ein Gott des Lebens. Das ist ein zentraler Wert“, befürwortete Kauder die damalige Entscheidung des Bundestages. Die Sterbehilfe-Debatte sei ein Beispiel dafür, wie wichtig die Stimme der Christen in der Öffentlichkeit sei. Als Politiker sei er auf diese Unterstützung angewiesen. „Es reicht nicht, am Sonntag in die Kirche zu gehen. Wir brauchen diese Unterstützung, wenn wir mit Werten führen wollen“, sagte Kauder.

Auch die Beziehungen zur Türkei sprach Kauder an. Es müsse offen angesprochen werde, dass es in dem Land „trotz gegenteiliger Behauptungen immer noch keine Religionsfreiheit“ gebe. „Wenn die türkische Regierung sagt, interne Vorgänge seien ihre Sache, dann muss ich sagen: Aber der Einsatz für die Christen in der Region ist unsere Sache“, sagte Kauder. Kauder forderte Christen auf, mutig ihre Meinung zu sagen und rief indirekt zur Demonstration gegen den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan auf. Wenn Erdogan „in unserem Land spricht, wünsche ich mir, dass einige von uns mit Plakaten da stehen, auf denen steht: ‚Das, was du hier darfst, wollen wir auch in der Türkei dürfen: für die Rechte der Christen eintreten.’“

Keine Zusammenarbeit mit der AfD

Der Politiker betonte außerdem die Rolle der EU und erklärte, dass gerade Christen sich für ein gemeinsames Europa stark machen sollten. „Europa ist auch das Zusammenkommen von Staaten, die immer noch von der christlich-jüdischen Tradition geprägt sind“, sagte er. Allein seien die Länder nicht in der Lage, sich gegen große Nationen wie zum Beispiel China durchzusetzen. Gerade im Hinblick auf christliche Werte sei der Zusammenhalt in Europa wichtig. „Nur das bringt uns voran. Europa hat uns über 70 Jahre Frieden und Religionsfreiheit gebracht“, betonte Kauder.

Auf Nachfrage aus dem Publikum erklärte der CDU-Politiker außerdem, warum er eine Zusammenarbeit mit der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) ablehne: „Niemand hat im Dritten Reich so unter den Nationalsozialisten gelitten wie Christen.“ Wenn die AfD zulasse, dass „Leute wie ein Herr Höcke solche Sprüche“ machten, brauche sie sich nicht wundern, „wenn wir sagen, dass die Grenze zum Nationalsozialistischen erreicht ist“. Wer eine christliche Überzeugung vertrete, könne damit nicht leben. „Ich würde erwarten, dass die Christen in der AfD sich dagegen wehren. Dann hätten sie meinen Respekt.“

Beim vergangenen Kongress christlicher Führungskräfte im Jahr 2015 waren mit Frauke Petry und Beatrix von Storch auch AfD-Politiker bei der Veranstaltung vertreten. Auf Anfrage von pro sagten die Veranstalter, dass eine Einladung von AfD-Politikern in der Planung dieses Kongresses kein Thema gewesen sei.

Marquardt gibt Leitung ab

Im Rahmen der Abschlussveranstaltung übertrug der bisherige Leiter des Kongresses christlicher Führungskräfte, Horst Marquardt, das Amt an seinen Nachfolger, den Geschäftsführer des christlichen Tagungszentrums Schönblick, Martin Scheuermann. Der 87-jährige Marquardt leitete den Kongress seit dem Jahr 1999.

Den Kongress christlicher Führungskräfte, den 2.900 Teilnehmer besuchten, wird alle zwei Jahre von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea und der Firma tempus Akademie & Consulting veranstaltet. Der nächste Kongress findet 2019 in Karlsruhe statt. (pro)

Von: sz

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Sat, 25 Feb 2017 14:50:00 +0100
<![CDATA[„Wer denunziert hat, muss Deutschland verlassen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/02/25/wer-denunziert-hat-muss-deutschland-verlassen/ Armin Laschet wünscht sich vom Rechtsstaat, dass er von Anfang an gegen kriminelle Auswüchse härter durchgreift. Den CDU-Politiker stört, dass sich die Zahl radikaler Salafisten versechsfacht hat. Für ihn steht fest, dass Menschen, die Erdogan-Gegner denunziert haben, strafrechtlich verfolgt werden müssen: „Ich verlange, dass Ditib alle Imame entlässt, die Deutschtürken oder auch deutsche Lehrer denunziert haben. Diese Imame müssen Deutschland unverzüglich verlassen“, sagt er der Tageszeitung Die Welt.

Ein islamischer Religionsunterricht müsse auf Dauer unabhängig von einem fremden Staat sein, findet Laschet: „Das ist heute bei Ditib noch nicht der Fall.“ Einige Ditib-Imame stehen unter Verdacht, im Auftrag der türkischen Regierung Anhänger des Predigers Gülen zu überwachen. Kritisch sieht Laschet auch die geplante Reise des türkischen Präsidenten Erdogan nach Nordrhein-Westfalen. Die CDU habe dazu parlamentarische Anfrage gestellt, was die Regierung konkret getan habe, um eine Erdogan-Kundgebung zu verhindern.

„Kindeswohl steht vor Interesse der Paare"

Laschet äußerte sich auch zur von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz geforderten „Ehe für alle“. Schulz fordere jetzt ein umfassendes Adoptionsrecht für alle. Die CDU lehne jede Form von Diskriminierung klar ab. „Beim Adoptionsrecht steht aber prinzipiell das Kindeswohl und nicht das Interesse von Paaren im Mittelpunkt“, betont Laschet.

Zugleich spricht er sich gegen eine gesetzliche Festlegung von Managergehältern aus. Dies müsse ein öffentlicher Diskurs problematisieren und die Unternehmen dann eigenverantwortlich Abhilfe schaffen und „das Gemeinwohl im Blick haben“. In Nordrhein-Westfalen wird im Mai ein neuer Landtag gewählt. (pro)

Von: jw

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Sat, 25 Feb 2017 13:09:00 +0100
<![CDATA[„Jesus Christus ist der Schlüssel zu Gott“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/02/24/jesus-christus-ist-der-schluessel-zu-gott/ „Der Glaube ist wie schwanger sein: ja oder nein.“ Mit diesem Satz hat der bayerische Finanzminister Markus Söder seine Position zum Christsein klar gemacht. Der Politiker bezeichnete sich am Freitag beim Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg als „jemand, bei dem der Glaube eine sehr wichtige Rolle spielt“. „Der Glaube kommt aus einem selbst heraus.“

Jedoch sei Zweifeln im Glaubensleben immer wieder gegenwärtig. Söder berichtete von einem Austausch mit Papst Benedikt über den Glauben. Der Pontifex habe in dem Gespräch geäußert, dass auch er manchmal Zweifel habe. Der Zweifel gehöre zum Glauben dazu. Söder sieht ihn als „den kleinen Bruder des Glaubens“.

Gebete auch für Kleinigkeiten

Der überraschende Tod seiner Mutter habe Söder eine neue Öffnung zu Gott gegeben. Durch diese habe er Mut gewonnen. Heute ist der Politiker in einem Gebetskreis, der ihn untersützt. Die Gespräche und Gebete in dem Rahmen geben ihm Kraft. Er traue sich heute mehr, seinen Glauben zu leben und mit Gott auch über Kleinigkeiten zu sprechen. Denn er wisse: „Gott ist für jeden und alles offen.“ Früher wollte er Gott nicht mit kleinen Dingen belästigen.

Sein christlicher Glaube schenke Söder Hoffnung. „Wenn man an Gott glaubt, dann gibt es einem auch die Kraft, seinen Weg sicherer zu gehen.“ Auch helfe dieser, „Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden“, sagte der CSU-Politiker.

Bibel: „Die modernste Botschaft der Welt“

Für Söder ist Jesus Christus der Schlüssel zu Gott. Er wundert sich, dass sich viele in Deutschland zu wenig trauten, vom Evangelium zu erzählen. Wenn Christen schließlich die frohe Botschaft verkündeten, sähen sie dann nicht immer froh aus. Beim Fernsehen sei das eine Text-Bild-Schere. „Es gibt ein Buch, das einem die Hilfe gibt. Und das ist die Bibel.“ Die Bibel biete Liebe, Action, Spannung und auch etwas Erotik. Die Bibel habe „die modernste Botschaft der Welt“, obwohl sie vor so langer Zeit verfasst wurde. Das Christentum zeige: „Jeder ist gleich viel wert, jeder hat die gleiche Chance.“ Es gebe keine schönere Botschaft für jedermann – besonders in Zeiten, in denen in den Medien das nächste Topmodel gesucht wird und der Bachelor seine Auserwählte kürt.

„Die Tür zum Christentum ist nie zu.“

Wenn ein Mensch bereit ist, zu Jesus zu gehen, sei „die Tür zum Christentum nie zu“. Söder spricht sich dafür aus, in manchem politischen Dialog die Fehlerhaftigkeit des anderen einfach zu akzeptieren. Manchmal werde jemandem der Glaube abgesprochen. Jedoch entscheide Gott, wer glaube – sonst keiner.

Söder ist selbst in der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Er wünscht sich, dass Politik und Kirche mehr miteinander reden. Und nicht nur Interviews übereinander geben. Deswegen habe er „keine öffentliche Kritik geäußert“, als Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx während ihres Besuchs des Tempelbergs in Jerusalem ihre Amtskreuze nicht trugen.

Weg der Mission: Glaube vorleben

Der Glaube helfe dem CSU-Mann auch, „wenn man missioniert“. Jedoch funktioniere das nicht durch überreden. Es gehe darum, seinen Glauben zu leben. Mission heiße für Söder „anstecken, begeistern, nicht verstecken“.

Der Politiker äußerte seinen Wunsch, „dass wir zu unserer Religion genauso viel Respekt haben, wie zu anderen Religionen“. Als er beim Fastenbrechen bei Muslimen zu Gast war, gab es den Vorschlag, zu Beginn ein christliches Gebet zu sprechen. Manche christlichen Anwesenden hätten davor zurückgeschreckt. Söder betonte jedoch: Muslimen sei jemand, der glaubt lieber, als jemand, der gar nicht glaubt. Zum Christsein gehöre es, eine Haltung zu haben. „Ich sage das, was ich denke, und ich denke, was ich sage“, konstatierte Söder. Sein Glaube gebe ihm dafür Mut. Wenn eine Mehrheit für eine Sache ist, sei das nicht automatisch die Wahrheit und „Konsens schützt nicht vor Nonsens“.

Glauben hilft beim Verzeihen

„Der Glaube gibt uns Kraft.“ Wenn man glaubt, lerne man besser, zu verzeihen. „Vor Gott und Christus stehen wir alle irgendwie gleich.“ Das ehrlichste Verhältnis sei das Verhältnis zu Gott – in guten und in schlechten Zeiten. Glaube gebe keine Garantie auf Gesundheit, Reichtum oder einen Anspruch auf einen Kabinettsposten, sagte Söder mit einem Augenzwinkern. Wer sich Gott gebe, bekomme aber auch etwas von ihm: Trost.

Der Glaube bleibe Söders Maßstab: „Das innere Leuchten gibt uns der Glaube.“ Gott ist für ihn „eine ganz enge Verbindungsperson“. Diese Verbindung könne er nicht richtig erklären, vielmehr sei sie für ihn ein Gefühl. Das Glaubensbekenntnis spreche Söder gern, da sei „alles drin“. Durch das Vater Unser bekomme er immer neue Impulse. (pro)

Von: mab

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Fri, 24 Feb 2017 18:21:00 +0100
<![CDATA[„Wenn man sich auf seine Werte besinnt, kann man erfolgreich sein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/wenn-man-sich-auf-seine-werte-besinnt-kann-man-erfolgreich-sein/ Werteorientiertes Wirtschaften ist zukunftsfähig. Das hat der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler beim Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg erklärt. Es gehe darum, seine Werte im Alltag zu leben. Rösler bezog das vor allem auf Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ländern und Unternehmen. „Man muss deutlich machen, dass man aufgrund von Werten handelt. Das wird spannend gefunden."

Bei seiner Arbeit als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des World Economic Forums habe er oft erfahren, dass das unternehmerische Handeln der Deutschen international beeindrucke. Deutsches Unternehmertum sei „absolut wertegeleitet“. Weltweit sei es nicht selbstverständlich, als Grundprinzip für den Handel die Würde des Menschen zu vertreten, so wie es in Deutschland gehandhabt werde. Auch beim Thema fairer Handel agiere kaum ein Land so konsequent wie Deutschland. Das zeige ihm: „Wen man sich auf seine Werte besinnt und nicht jedem Trend folgt, kann man auch in Zukunft erfolgreich sein."

Den anderen mit seinen Werten stehen lassen

Die soziale Marktwirtschaft, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte, sei dafür verantwortlich, dass in Deutschland diese Standards herrschten. Der christliche Glaube mit seinen Werten habe großen Einfluss darauf gehabt. „Die soziale Marktwirtschaft ist weit mehr als nur ein Wirtschaftssystem“, sagte Rösler. Er sei „fest davon überzeugt“, dass es das beste System ist, was man sich denken könne.

Auch wenn einem das Handeln nach einen christlichen Wertebild wichtig sei, dürfe man nicht „missionieren“ wollen. Gerade in der Weltwirtschaft komme es darauf an, den anderen mit seinen anderen Werten und Überzeugungen stehen zu lassen. „Weltweit werden Werte völlig unterschiedlich beurteilt", sagte Rösler. Seine eigenen Vorstellungen dürfe man deshalb nicht einfach übertragen. Als Beispiel verglich er westliche Länder und Asien miteinander: „Im Westen soll vor allem die Freiheit des Einzelnen gegen eine Diktatur der Mehrheit verteidigt werden. In Asien geht es darum, die Gemeinschaft gegen den Missbrauch durch Einzelne zu schützen."

Rösler: Nicht nur auf nationale Wirtschaft konzentrieren

Rösler ging auch auf das Erstarken national orientierter Parteien in Europa ein. Trotz der Standards der sozialen Marktwirtschaft seien viele Menschen von Wirtschaft und Politik enttäuscht. „Die Werte, die man versprochen hat, sind bei vielen Menschen nicht angekommen. Weder in Asien, Europa oder in den USA.“ Mit Hinblick auf den Brexit und die US-Wahl sagte Rösler, viele wollten deshalb komplett aussteigen, anstatt die Fehler nur zu beheben.

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister warnte jedoch davor, sich zu stark auf die nationale Wirtschaftspolitik zu konzentrieren. „Die Wirtschaft wird sich trotzdem weiter ausbreiten.“ Je weniger multilaterale Abkommen es gebe, desto unkontrollierter werde das aber geschehen. „Der Welt ging es immer vergleichsweise dann gut, wenn man kooperiert hat", fügte Rösler hinzu. Diejenigen, die für mehr nationale Wirtschaft plädierten, müsse man jedoch ernst nehmen. „Man darf nicht sagen: ,Die sind doof.'", sagte Rösler. Stattdessen müsse man ihre Sorgen ernst nehmen und versuchen, daran anzuknüpfen. (pro)

Von: sz

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Fri, 24 Feb 2017 14:30:00 +0100
<![CDATA[Die unsichtbare emanzipierte Muslima]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/02/24/die-unsichtbare-emanzipierte-muslima/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Es gibt sie, die emanzipierte muslimische Frau. Davon ist Kübra Gümüşay überzeugt. Die Kopftuch-tragende junge Frau bezeichnet sich selbst als Feministin, blogt und war für ein Fremdwörterbuch zum Thema Islam und Feminismus bereits für den Grimme Online Award nominiert. Am Donnerstag war sie eine von drei Podiumsgästen zum Thema „Gender und Religion“ des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks in Berlin. Glaubt man Gümüşay, dann gibt es viele wie sie in der muslimischen Community. Doch aufgrund der tradierten Rollenbilder in Deutschland würden Frauen mit Kopftuch und schlechten Sprachkenntnissen schlicht nicht wahrgenommen. "Sie sind mit ihrem Intellekt in der Gesellschaft unsichtbar", sagte Gümüşay.

Das Studienprogramm „Dialogperspektiven“ will nach eigenen Angaben „Religionen und Weltanschauungen ins Gespräch bringen“. Dazu laden die Veranstalter mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Studierende zu Seminaren, Konferenzen und Abendveranstaltungen ein. Neben der Frage nach dem Umgang mit Gender, geht es dabei auch um Religion und Gewalt oder Religion und Medien. Passend dazu holte Gümüşay am Donnerstag zu einer breiten Pressekritik aus: Homosexuelle Imame würden als „exotisch abgestempelt“. Dabei gebe es zunehmend schwule und lesbische Muslime, die sich ihren Glauben nicht nehmen lassen würden. Zu oft verliere sich die öffentliche Debatte über den Islam in einer Kritik an den großen Verbänden.

Schwule Imame sind Exoten

Tatsächlich gibt es viel zu sagen zur Rolle der Islamverbände, gerade in Zeiten einer Ditib-Spitzelaffäre, die nicht nur die internationalen Beziehungen zur Türkei belastet, sondern auch Zweifel daran streut, dass der größte Islamverband tatsächlich Einfluss auf den Religionsunterricht in Schulen haben sollte, wie es in einigen Bundesländern der Fall ist. Fakt ist, dass die Verbände nicht die Mehrheit der Muslime in Deutschland vertreten. Dennoch ist es eine Verklärung der Realität. anzunehmen, dass eine moderne Islamvariante den konservativen Mainstream abgelöst hätte.

Das belegen Studien, etwa jene der Universität Münster aus dem vergangenen Jahr unter türkischstämmigen Deutschen. Ein Drittel der Befragten wünscht demnach eine Rückkehr zur mohammedanischen Gesellschaftsordnung. Fast ein Fünftel stufen die Forscher als „religiöse Fundamentalisten“ ein. Der Blick nach Großbritannien zeigte im vergangenen Jahr, dass über die Hälfte der dort lebenden Muslime laut Meinungsforschungsinstitut ICM Homosexualität verboten sehen wollen. 2008 belegten Forscher im Auftrag des deutschen Innenministeriums: Ein Fünftel der muslimischen Schüler besucht eine Koranschule, jene Einrichtungen, vor denen Experten immer wieder warnen, weil sie Fundamentalismen hervorbringen.

An dieser Realität diskutierten die Teilnehmer der „Dialogperspektiven“ fröhlich vorbei, lediglich die Religionswissenschaftlerin Edith Franke wies darauf hin, dass in einer Welt der Medienvielfalt und der Migrationsbewegungen vieles darauf hindeute, dass althergebrachte Glaubenskonstrukte an Popularität gewönnen. „Menschen suchen Sicherheit“, sagte sie. Dazu dienten ihnen enge religiöse Regelsysteme. Franke erklärte, sie erkenne in allen Religionen „Belege für eine männliche Vorrangstellung“. Zum Beleg zog sie etwa den Ersten Korintherbrief der Bibel heran, in dem Paulus die Frauen auffordert, in den Gemeindeversammlungen zu schweigen. Die Frage sei, wie solche Textstellen am Ende gedeutet würden. Dies wiederum bestimme sich durch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse.

Sexfeindliches Christentum

Weit radikaler äußerte sich der dritte Gast des Abends, Sozialwissenschaftler und Religionskritiker Michael Daxner, zum Thema Religion und Geschlecht: Besonders die christlichen Glaubensrichtungen hätten Probleme mit dem Körper und dem Umgang mit Sexualität. Religion, so seine Meinung, sei grundsätzlich sexfeindlich. Wer an ein Jenseits ohne Körperlichkeit glaube, verdamme den Körper im Diesseits. Er persönlich könne niemanden ernst nehmen, der einen totalen Wahrheitsanspruch vertrete. Dialog sei nur möglich, wenn niemand seine eigenen Glaubensinhalte absolut setze.

Vielleicht war das Hauptproblem dieser Podiumsdiskussion, dass der angekündigte Dialog zwischen Glaubensrichtungen und Nichtgläubigen kaum stattfand. Eine muslimische Feministin auf dem Podium vertritt nicht den Islam, Vertreter christlicher oder jüdischer Einstellungen äußerten sich gar nicht, auch nicht aus dem Publikum heraus. Wer dem Christen- und Judentum Sexfeindlichkeit unterstellt, sollte ein Gegenüber haben, das ihn auf das biblische Hohelied der Liebe hinweist. Wer Paulus als Frauenfeind deklariert, sollte einen Theologen an der Seite haben, der die einschlägigen Bibelstellen einordnet. „Dialogperspektiven“ versäumte am Donnerstag all das, konzentrierte sich stattdessen darauf, einen modernen Islam als Mainstream zu proklamieren und leistet so kaum einen Beitrag zu einem interreligiösen Dialog, der die ganz normale Gesellschaft jenseits der Universitätstore tatsächlich bereichern könnte. Warum ein Bundesministerium das in dieser Form unterstützen muss, darf man fragen. (pro)

Von: al

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Fri, 24 Feb 2017 12:24:00 +0100
<![CDATA[Schlechte Zeiten für die Pressefreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/schlechte-zeiten-fuer-die-pressefreiheit/ Ein Kommentar von Moritz Breckner]]> Seit einer Woche sitzt der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel in der Türkei in Haft. Die Vorwürfe gegen den Korrespondenten der Tageszeitung Die Welt sind absurd: Die Behörden unterstellen ihm die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Weitaus wahrscheinlicher ist, dass Yücel seine kritische Berichterstattung über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Verhängnis wurde.

Yücel ist, das darf an dieser Stelle ehrlich gesagt werden, ein schräger Vogel, dessen Texte immer wieder die Grenze zu dem überschreiten, was man heute „Hassrede“ nennt. Dem Autor Thilo Sarrazin wünschte Yücel einst in einem taz-Artikel einen schweren Schlaganfall, Päpste sind für ihn „alte Säcke“. Das kann aber nicht herangezogen werden, um seine Inhaftierung zu relativieren oder gar zu rechtfertigen. „Wir sind Deniz“, bekannten seine Kollegen auf der Titelseite der Welt, und sie haben Recht: Die ungerechtfertigte Inhaftierung eines Journalisten geht alle in der Branche etwas an und zeigt, wie weit die Türkei von einer Annäherung an Europa entfernt bleibt.

Parallelen zwischen Türkei und den USA

„So fangen Diktaturen an – indem man die freie Presse unterdrückt“, erklärte der republikanische US-Senator John McCain am Sonntag. Er bezog sich allerdings nicht auf Erdogan, sondern auf US-Präsident Donald Trump. Der hatte auf Twitter über große Medienhäuser geschrieben: „Das sind nicht meine Feinde, es sind die Feinde des amerikanischen Volkes.“ Nun liegen Welten zwischen Trump und Erdogan, zwischen dem politischen System der USA und dem der Türkei, doch tun sich hier zumindest tendenziell beunruhigende Parallelen auf.

Trump und sein Team müssen einsehen, welchen Schaden derart dumme und gefährliche Aussagen des Regierungschefs in seinem Land anrichten. Natürlich gibt es im US-Journalismus Probleme, wie die oft linke Voreingenommenheit zahlreicher Redaktionen oder die mangelnde Trennung von Nachricht und Meinung. Das rechtfertigt es aber nicht, größtenteils integere Journalisten, eigene Landsleute, zu Volksfeinden abzustempeln. Erst recht verbietet sich so etwas für ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt. (pro)

Von: mb

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Fri, 24 Feb 2017 10:27:00 +0100
<![CDATA[Schrauben für Gott]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/24/schrauben-fuer-gott/ von: js

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Fri, 24 Feb 2017 10:04:00 +0100
<![CDATA[Wer radikalisiert sich – und warum?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2017/02/23/wer-radikalisiert-sich-und-warum/ Anschläge in Paris und Brüssel – viele der Täter sind in Frankreich und Belgien aufgewachsen und haben sich dort radikalisiert. Auch in Deutschland radikalisieren sich junge Muslime, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Für die Gesellschaft sei das eine enorme Herausforderung. Wer radikalisiert sich, und warum? Ist das vergleichbar mit anderen Extremismen? Und welche Rolle spielt dabei der Islam?

All das soll in einem Film kompakt erklärt werden. Darin kommen Experten wie Mouhanad Khorchide oder Christine Schirrmacher zu Wort.

Von: mb

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Fri, 24 Feb 2017 09:22:00 +0100
<![CDATA[„Purer Unsinn, von systematischer Christenverfolgung zu sprechen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/23/purer-unsinn-von-systematischer-christenverfolgung-zu-sprechen/ Die Jugend präge einen Menschen so sehr, dass diese Sozialisation das Handeln, Denken und auch Reaktionen auf bestimmte Situationen beeinflusst. Dies gelte auch für Muslime, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Über den Umgang mit Muslimen im Alltag sprach der Geschäftsführer der Evangelischen Ausländerseelsorge, Hanna Nouri Josua, am Donnerstag in Nürnberg beim Kongress christlicher Führungskräfte. Der Pfarrer stammt aus dem Libanon und gab einen Einblick in das Leben von Muslimen, die nach Deutschland gekommen sind.

In Gemeinschaftsunterkünften von Flüchtlingen, in denen Vertreter unterschiedlicher Religionen untergebracht sind, komme es immer wieder zu Vorfällen. Es sei jedoch „purer Unsinn, von systematischer Christenverfolgung zu sprechen“, sagte Josua. So habe es zum Teil in der Presse gehießen. Systematisch heiße jedoch, dass Angriffe geplant sind.

Menschen, die schon immer ein gebrochenes Verhältnis zu einer bestimmten Bevölkerungs- oder Religionsgruppe haben, hätten dieses auch, wenn sie nicht mehr in ihrem Herkunftsland lebten, sondern in Deutschland. „Es ist eine Übertragung der dortigen Verhältnisse nach Deutschland“. So sei es nachvollziehbar, dass nicht nur Christen, sondern auch andere Religionsgruppen verfolgt werden.

Keine Subkulturen schaffen

Der deutsche Staat habe versagt, die Flüchtlinge über das Leben in Deutschland aufzuklären. Denn in Deutschland gelten Gewissensfreiheit, gleiche Rechte für alle, das Begegnen auf Augenhöhe – unabhängig der Religion oder Herkunft. Dies müsse beachtet werden.

Das treffe auch für das Verhältnis und den Umgang beider Geschlechter zu. „Mann und Frau sind Ebenbild Gottes“, sagte Josua. Das sei schöpfungstheologisch begründet. Deswegen müsse eine Kommunikation auf Augenhöhe möglich sein.

Der Leiter des Arbeitskreis Islam der Deutschen Evangelischen Allianz, Ulrich Neuenhausen, ermutigte die Kongressbesucher zu einem offenen Umgang mit Muslimen. „Lasst uns nicht versuchen, Subkulturen zu schaffen“. Vielmehr sollten Deutsche einen Einblick in ihre Kultur geben und diese auch erklären.

Am Anfang sollte man viel Toleranz walten lassen. Jedoch sollte auch kein vorauseilender Eifer herrschen, wie etwa Kreuze in einem Raum abzunehmen, wenn Muslime zu Besuch kommen. Oft wollten diese die Kultur kennenlernen. Offenheit und das Erklären der Kultur sei der richtige Weg für den Umgang mit Muslimen. Wenn Muslime fromm sind, sprächen sie gern über ihren Glauben. Dies könnten Christen nutzen. (pro)

Von: mab

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Thu, 23 Feb 2017 18:27:00 +0100
<![CDATA[Werte in der Grauzone]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/23/werte-in-der-grauzone/ „Das tut mir richtig weh.“ Heinrich Bedford-Strohm ist verärgert. Wieder wird der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche damit konfrontiert, dass er und Reinhard Kardinal Marx in Israel beim Besuch des Tempelberges das Amtskreuz um den Hals abgenommen haben. Von Unterwerfungsgesten gegenüber dem Islam war damals die Rede gewesen.

Bedford-Strohm will das so nicht stehen lassen. „Es ist doch absurd, ob man als Erstes bei mir wahrnimmt, ob ich ein kleines Kreuz, ein großes oder überhaupt keines trage“, sagte der Geistliche auf einer Podiumsdiskussion des Kongresses christlicher Führungskräfte am Donnerstag.

Natürlich bekenne er weiterhin Christus, „auch in der Moschee“. Seinen Glauben verstecke er nicht, schließlich lebe Dialog davon. „Es hilft nichts, eine Harmoniesoße darüber zu schütten.“ Im Jahr zuvor habe es auf dem Tempelberg sogar Tote gegeben. Die Reiseleitung habe aufgrund von Sicherheitsbedenken dann die Empfehlung gegeben, die Kreuze abzunehmen.

Auch an der Klagemauer habe ein Rabbi dies empfohlen. Deshalb seien die Besucher der Sicherheitseinschätzung gefolgt. Es sei aber eine völlig andere Botschaft in die Welt gegangen.

Um ethische Grauzonen ging es in der Podiumsdiskussion, also um Situationen, in denen verschiedene Interessen gegeneinander abgewägt werden. Im Fall des abgenommen Kreuzes war es die Frage, ob es wichtiger ist, mit einem offen getragenen Kreuz seine Religion zu bekennen oder aus Sicherheitsgründen darauf zu verzichten.

Der frühere Journalist und jetzige Unternehmensberater Michael Inacker meinte, gerade in diesen Grauzonen biete die Kirche zu wenige Angebote für Führungskräfte in der Wirtschaft, vor allem in den Dax-Konzernen. Diese Menschen habe die Kirche bereits verloren. Inacker kritisierte, dass die Kirche zu sehr schwarz-weiß denke, anstatt ethische Konfliktfälle angemessen zu beurteilen.

Bedford-Strohm widersprach dieser Ansicht. So gebe es durchaus differenzierte EKD-Denkschriften zum Thema Wirtschaftsethik. Außerdem erführen Initiativen des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer immer mehr Zuspruch.

„Bekennen wir unseren Glauben, dann kommen die Menschen auf uns zu“

Für den Unternehmer Friedhelm Loh gibt es Grauzonen vor allem im Bereich der Korruption. Es sei schwierig, eine Grenze zu ziehen, wo Nicht-Korruption ende und Korruption anfange. „Ganz schnell kommen Führungskräfte in eine Situation, in der sie wie in einem Spinnennetz gefangen sind.“ Christen sollten ihre Türe auch für diese Menschen offenhalten, damit diese „aus dem Gefängnis eines Fehlers wieder rauskommen“.

Vor allem sei es wichtig, beim Einzelnen anzusetzen, sagt der Vorsitzende der Friedhelm Loh Group. Wenn er bei Geschäftstreffen vor dem Essen bete, sei dies in mehr als der Hälfte der Fälle ein Einstieg für ein Gespräch über den Glauben. „Bekennen wir unseren Glauben, dann kommen die Menschen auf uns zu.“

Von: nf

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Thu, 23 Feb 2017 15:17:00 +0100
<![CDATA[Pfarrer vergleicht Käßmann mit Petry und Trump]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/02/23/pfarrer-vergleicht-kaessmann-mit-petry-und-trump/ Pascal Kober schied nach der Wahl 2013 als FDP-Abgeordneter aus dem Deutschen Bundestag aus und ist nun Militärpfarrer. „Frau Käßmann wirft regelmäßig derart provokante, zugespitzte Thesen in die Debatte – und schiebt dann Erklärungen und Differenzierungen nach, wenn sich Kritik erhebt und stilisiert sich dann als Missverstandene und Angegriffene. Das ist ein Stilmittel, dessen sich auch Politiker wie Frauke Petry gern bedienen", sagte Kober im Interview der Zeitung Die Welt. Schlimm finde er, dass Käßmann „nicht anders als Politiker wie Donald Trump“, mit einfachen Welterklärungen Lösungen suggeriere, die in der Realität scheitern müssten.

„Da geht es ihr um Schlagzeilen“

Kober erklärte weiter: „Diese Verdrängung der Komplexität unserer Wirklichkeit durch einfache Wahrheiten ist geradezu das Gegenprogramm zum Anspruch der Reformatoren, die Menschen zur Mündigkeit, zum Verstehen und Denken zu befähigen. Ich denke, dass Frau Käßmann, wenn sie selbst so wenig für die Anliegen der Reformation steht, die falsche Besetzung auf dem Posten der Reformationsbotschafterin ist.“

Zu fordern, Terroristen mit Liebe zu begegnen, sei eine Ohrfeige für die Angehörigen von Terroropfern und seelsorgerliches Versagen. Kober: „Da geht es ihr wohl nur um Schlagzeilen“.

Auf die Frage, wie sich das Christsein mit dem Soldatensein vertrage, antwortete er: „Es gibt Situationen, in denen Gewalt das letzte Mittel ist, um Recht durchzusetzen oder Menschenleben zu retten – sei es durch die Polizei oder das Militär.“ (pro)

Von: al

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Thu, 23 Feb 2017 15:08:00 +0100
<![CDATA[Für jedes erhörte Gebet ein Stein: Christen in England bauen Mauer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/02/23/fuer-jedes-erhoerte-gebet-ein-stein-christen-in-england-bauen-mauer/ Die „Gebetsmauer“ soll in England aus Steinen errichtet werden, die jeweils für ein erhörtes Gebet stehen. Wer einen Stein spenden will, zahlt zehn Pfund und kann seine Geschichte, die er mit Gott erlebt hat, öffentlich machen. Auf einer Webseite besteht die Möglichkeit, von einem erhörten Gebet zu berichten.

Die Mauer soll möglichst in der Nähe einer Autobahn errichtet werden, so dass die Autofahrer sie sehen können. Die „Mauer der erhörten Gebete“ soll Menschen ermutigen, zu Jesus zu beten, sagen die Initiatoren. „Gott kann alles tun“, heißt es in einem Video zum Projekt. „Mehr als du dir in deinen wildesten Träumen vorstellen kannst.“

Der Einfall stammt vom ehemaligen Seelsorger des Fußballclubs Leicester City, Richard Gamble. Er sei vor 13 Jahren auf die Idee mit der Mauer gekommen, nachdem er ein Kreuz auf seinem Rücken durch Leicestershire trug. Seine Vision ist es, die Mauer zu einer nationalen Sehenswürdigkeit zu machen. Über den Ort, an dem die Mauer errichtet werden soll, wird noch abgestimmt. Das Ergebnis soll im Sommer dieses Jahres bekanntgegeben werden.

Design-Wettbewerb beendet

Für jeden Stein der Mauer soll zudem ein Mauerstein für sozialen Wohnungsbau in Großbritannien und in anderen Ländern gespendet werden. Eventuelle Mehreinnahmen des Projektes sollen für wohltätige Zwecke gespendet werden.

Man erwartet, dass die neue Sehenswürdigkeit auch Geld in die Region bringt. Als Beispiel nennen die Initiatoren die moderne Skulptur „Engel des Nordens“ in der Nähe von Gateshead in Nordengland. Das Kunstwerk ist 54 Meter breit und 20 Meter hoch und habe der Gemeinde seit seiner Errichtung über 500 Millionen Pfund eingebracht.

Wie „Christian Today“ berichtet, hat das Königliche Institut der Britischen Architekten (RIBA) Anfang Februar fünf Design-Vorschläge in die engere Auswahl genommen. Vorschläge für das Aussehen der Mauer konnten bei einem Design-Wettbewerb eingereicht werden. Es gab 124 Einreichungen aus 24 Ländern. Vier Vorschläge sowie der Sieger des Publikumspreises wurden Anfang Februar im Parlament präsentiert. Die Architekten der Vorschläge kommen aus Southampton, Bath, Gloucestershire sowie Dänemark und Italien.

Heilung von Krankheit und Kindersegen

Die Initiatoren gaben einige der bereits veröffentlichten Geschichten von Gebetserhörungen bekannt. Jemand mit dem Namen Samuel schrieb, wie er und seine Frau erfahren hatten, dass sie keine weiteren Kinder mehr bekommen könnten. „Wir waren am Boden zerstört, aber wir wussten, dass Gott Gutes daraus machen kann.“ Gott habe ihm gesagt, dass er und seine Frau weitere Kinder bekommen würden, und er wurde so auf eine harte Glaubensprobe gestellt. Tatsächlich bekam das Paar drei weitere Kinder. „Jesus ist unsere einzige Hoffnung“, schreibt Samuel.

Eine Frau namens Jennie schrieb: „Meine ältere Tochter fürchtete sich sehr vor dem Alleinsein und war sehr einsam. Ich betete, dass sie einen Ehemann und Freude finden und ein Kind bekommen würde. Jesus beantwortete mein Gebet!“ Ein Mann namens Karl berichtet davon, dass ihm im Krankenhaus diagnostiziert wurde, dass er blind werden würde. „Ein einziges Gebet im letzten Oktober von einem skeptischen Gläubigen wurde erhört, und alle Anzeichen der Krankheit sind weg. Danke, Jesus.“ (pro)

Von: js

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Thu, 23 Feb 2017 13:57:00 +0100
<![CDATA[„Europa ist kein Buchclub“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2017/02/23/europa-ist-kein-buchclub/ Das Jahr 2017 ist eines der großen Weichenstellungen. Die Bundestagswahl könnte spannender werden als gedacht, die Verhandlungen über den Brexit sind noch völlig offen, genauso wie die Zukunft der Eurozone. Ob sich die Befürworter einer noch stärkeren europäischen Integration oder die Kritiker Brüssels durchsetzen werden, die in Umfragen europaweit Höchstwerte erzielen, ist ebenfalls noch unklar.

Mit Michael Hüther hat sich nun ein Arbeitgebervertreter in die Debatte eingeschaltet. Auf dem Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg plädierte der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln dafür, die Europäische Union als „wertebasierte Interessengemeinschaft“ wahrzunehmen. Das Christentum, die Aufklärung und die Menschenrechte seien die Voraussetzungen dafür.

Nach 1945 und dem Scheitern des Versailler Vertrages habe sich in Europa die Erkenntnis durchgesetzt, dass es „nur unter einem gemeinsamen Dach“ funktionieren könne. „Europa ist kein Buchclub, sondern eine Interessengemeinschaft“, sagte Hüther.

„Nationalstaatliches Denken nicht verteufeln“

Der Wirtschaftsforscher sprach sich für einen gemeinsamen europäischen Weg aus, ohne die Nationalstaaten abzuschaffen. Es gebe nicht nur die Wahl zwischen einer vollständigen europäischen Integration auf der einen und einer von Rechtspopulisten propagierten Spaltung der EU auf der anderen Seite: „Der Nationalstaat ist kein Relikt der Vergangenheit.“

Die Europäer hätten einen ganz anderen Bedarf an Identität. „Der größte Fehler war, nationalstaatliches Denken zu verteufeln.“ Nationalstaaten seien deshalb entstanden, weil die Bürger Freiheit wollten. „Heute müssen wir das in ein Miteinander setzen.“

Die Menschen sollten sich nicht „durcheinanderbringen lassen von Scheinregulierungen von Gurken, Bananen und Apfelsinen“. Alleine werde es kein europäischer Staat können.

Der Kongress christlicher Führungskräfte, den 2.900 Teilnehmer besuchen, dauert noch bis zum Samstag. Veranstalter ist die Evangelische Nachrichtenagentur idea und die Firma tempus Akademie & Consulting. (pro)

Von: nf

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Thu, 23 Feb 2017 13:49:00 +0100
<![CDATA[Diese Schwächen hat die Mediengrafik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2017/02/22/diese-schwaechen-hat-die-mediengrafik/ Moritz Breckner]]> Eine Grafik, in der die Glaubwürdigkeit und Ausrichtung deutscher Medien dargestellt werden soll, macht diese Woche in den sozialen Netzwerken die Runde. Erstellt wurde sie vom Politikberatungs-Unternehmen Polisphere. Die Macher erklären: „Unsere Übersicht ist selbstverständlich nur eine Diskussionsgrundlage und keine wissenschaftliche Ausarbeitung, beruht auf persönlichen Einschätzungen (nicht nur des polisphere-Teams) und ist natürlich nicht abschließend.“ Man freue sich über konstruktives Feedback.

Die Grafik bietet gute und nachvollziehbare Elemente, sie muss jedoch auch kritisch betrachtet werden. Einige Anmerkungen:

  • Die ARD wird in der Grafik als „verlässliche Nachrichtenquelle“ dargestellt. Die Berichte in Tagesschau, Tagesthemen und anderen Informationsformaten werden aber von ARD-Anstalten wie WDR, NDR, MDR und BR produziert. Diese Anstalten werden gelistet unter „Kann man machen, bestätigt aber nur bestehende Ansichten“. Das scheint widersprüchlich.

  • ARD, ZDF und Frankfurter Rundschau gelten in der Grafik als verlässliche Quellen. Das trifft für viele Themen zu, doch gerade bei den Themen Christentum und Evangelikale sind sie dies oft nicht, wie pro immer wieder thematisieren musste (siehe beispielsweise hier, hier, hier und hier).

  • Sowohl ARD als auch Süddeutsche Zeitung werden als „verlässlich“ gewertet. Dennoch sollen die Nutzer kritisch prüfen, was dort berichtet wird. 2015 konnte pro der Süddeutschen Zeitung eine manipulierende Beschönigung der Zuwanderungssituation in Deutschland nachweisen. 2016 sorgte ein unfairer Bericht über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern für einen Proteststurm gegen Tagesschau und Tagesthemen. Das bedeutet nicht, dass die genannten Medien generell unzuverlässig wären – doch genaues Hinschauen ist gefragt.

  • Den Zeitschriften Cicero und Tichys Einblick sowie der Webseite Achse des Guten werden „fragwürdige journalistische Werte“ unterstellt. Woran machen die Autoren das fest? Der Vorwurf scheint völlig aus der Luft gegriffen.

  • Cicero, Tichys Einblick und Achse des Guten werden mit „Altherrenjournalismus“ gekennzeichnet. Nun ist absolut nichts verkehrt daran, ein alter Herr zu sein – die Bezeichung ist dennoch offenbar abwertend gemeint. Ist das nötig oder hilfreich?

  • Der Berliner Tagesspiegel steht genau in der Mitte der Grafik und wird als „verlässliche Nachrichtenquelle“ bezeichnet. Dass dies zumindest ein „Geschmäckle“ hat, erklärt der Blog Salonkolumnisten: Eine der Autorinnen der Grafik hat früher beim Tagesspiegel gearbeitet. Einen Interessenkonflikt sieht sie aber nicht. (pro)

Von: mb

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Wed, 22 Feb 2017 11:16:00 +0100
<![CDATA[Wie Koran und Bibel die Welt verändert haben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/02/22/wie-koran-und-bibel-die-welt-veraendert-haben/ Eine Rezension von Anna Müller]]> „Es mag den einen oder anderen erstaunen, dass gerade dort, wo im ersten Moment Christentum und Islam so ähnlich zu sein scheinen, nämlich in der Frage der Heiligen Bücher, sich solche Unterschiede auftun“, schreibt Thomas Schirrmacher in seinem Buch „Bibel und Koran“.

Man kann Religionen auf viele verschiedene Arten und Weisen miteinander vergleichen, Schirrmacher wählt den Weg über die beiden Hauptschriften der Religionen. Es geht um das Selbstverständnis beider Bücher, ihre Lehre, ihren Stil und ihre Bedeutung und Verwendung. Beim Vergleich konzentriert er sich auf die verschiedenen Gottesbilder, das Verhältnis von Gott zu den Menschen, und was die Schrift zur Sünde und der Dreieinigkeit sagt.

Was sagt der Koran über Abraham, Mose oder Jesus?

Einen besonderen Fokus legt das Sachbuch auf die biblischen Inhalte, die auch im Koran vorkommen. Im Gegensatz zum Rest des Buches geht es in diesem Kapitel nicht um eine Gegenüberstellung. Juden und Christen gab es bereits vor der Entstehung des Islams. Jesus als „Ehrenmann unter den Propheten“, sowie einige weitere biblische Hauptdarsteller, finden im Koran Erwähnung. Thematisiert wird, was der Koran über Christen und die Bibel sagt und worüber er schweigt.

„In der Kürze liegt die Würze“

Schirrmacher ist es gelungen, komplexe Themenbereiche möglichst knapp und sachlich darzustellen. So hat der Leser die wichtigsten Inhalte im Überblick. Zwar verzichtet der Autor auf die Benennung weitläufiger kultureller und theologischer Unterschiede der beiden Religionen und lässt auch Politik und Gesellschaft außen vor, verliert sich jedoch auch nicht in zu detaillierten Erläuterungen, die für den Laien oft schwer nachvollziehbar wären.

Auch die Struktur, die Schirrmacher seinem Buch gibt, ist leserfreundlich. Jeden Vergleich, den er anstellt, formuliert er als Frage, worauf er die Antworten, die Koran und Bibel darauf geben, zunächst als knackige Thesen liefert. Diese werden anschließend ausführlicher erläutert. Schirrmacher schreibt bewusst aus der Sicht eines Christen, der auch Position bezieht und dabei versucht, korrekt und fair zu bleiben. Dass ihm das gelingt, bezeugt die internationale Verbreitung des mittlerweile neu aufgelegten Buches, welches auch von vielen Muslimen gerne gelesen wird, wie es im Vorwort heißt.

Gegen Schubladendenken

Als Fazit fordert das Buch Christen dazu auf, den gemeinsamen Dialog mit Andersdenkenden zu suchen, und einander mit Liebe und Verständnis zu begegnen. Im Gespräch sollten sie ihrem Gegenüber mit Nächstenliebe, Geduld und Verständnis begegnen und dennoch Position beziehen. Schirrmacher klärt über den Islam auf, um Lügen aus der Welt zu schaffen. Er spricht sich gegen Schubladendenken aus und ermutigt seine Leser, ihren Nächsten nicht auf dessen Nationalität, oder Religion, zu reduzieren. (pro)

Von: amu

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Wed, 22 Feb 2017 11:07:00 +0100
<![CDATA[Angst statt Menschenwürde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/02/22/angst-statt-menschenwuerde/ „Die Politik von immer mehr Regierungen verabschiedet sich immer mehr von der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, sagte Amnesty-International-Deutschland-Generalsekretär Markus N. Beeko bei der Vorstellung des aktuellen Jahresreports in Berlin. Damit deutete er vor allem in Richtung der USA, deren Präsident Donald Trump das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit etwa durch sein mittlerweile ausgesetztes Einreisedekret gegen Inhaber bestimmter ausländischer Pässe in Frage gestellt habe.

Im Westen regiert die Angst

Im Gegensatz zu den Vorjahren bewertete Amnesty vor allem Probleme in westlichen Staaten als besonders schwerwiegend. So kritisiert die Organisation in ihrem Report neben den USA etwa Frankreich, wo 2016 der Ausnahmezustand infolge verschiedener Terroranschläge vier Mal verlängert worden ist. Dadurch seien „massive Verletzungen des Rechts auf Privatsphäre" möglich geworden, etwa Hausdurchsuchungen ohne richterlichen Beschluss. Dabei sei es unter anderem zu „exzessiver Gewalt" durch die Polizei gekommen.

Beeko kritisierte auch die Verschärfung der Flüchtlingspolitik in Deutschland. Die Aussetzung des Familiennachzugs sei ebenso fraglich wie die Praxis der Abschiebung nach Afghanistan. Die derzeitige Sicherheitslage erlaube dies nicht und die Regierung gefährde damit Menschenleben. Beeko hält die Verknüpfung der Themen Flüchtlingspolitik und Innere Sicherheit für unzulässig. Die Bundesregierung konzentriere sich nicht mehr auf den Schutz Hilfesuchender, sondern auf reine Migrationskontrolle und den anstehenden Bundestagswahlkampf. Die Idee der menschlichen Würde weiche in westlichen Staaten zunehmend der Suche nach Sündenböcken und der Angst, erklärte er.

Nicht erst die jüngsten Nachrichten von der Festnahme des Welt-Korrespondenten Deniz Yücel lassen auch die Türkei in den Fokus von Menschenrechtlern rücken. Amnesty kritisiert vor allem die starke Einschränkung der Meinungsfreiheit unter Präsident Recep Tayyip Erdogan. 2016 seien 118 Journalisten in Untersuchungshaft genommen und 184 Medienunternehmen per Regierungserlass geschlossen worden. Auch das Internet werde schärfer überwacht.

Christen in China und Ägypten bedroht

In ihrem Jahresreport weist Amnesty International auch auf die weltweite Dieskriminierung religiöser Minderheiten hin. In Ägypten etwa würden Christen nicht nur durch Gesetze an der Ausübung ihrer Religion gehindert. Es sei auch zu Übergriffen auf Kopten gekommen, bei einem Bombenattetat auf eine Kirche im Dezember seien 27 Menschen ums Leben gekommen. Ein neues Kirchengesetz beschränke die Errichtung, Sanierung und Erweiterung von Gotteshäusern. In Algerien sieht Amnesty neben muslimischen Minderheiten auch Christen bedroht. So habe ein Gericht einen Konvertiten zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, weil er im Internet den Propheten Mohammed beleidigt haben soll.

Christen in China werden laut Report stärker überwacht und ihre religiösen Praktiken sanktioniert. Eine 2013 begonnene Kampagne zur Zerstörung von Kirchen und zur Entfernung christlicher Kreuze habe sich verschärft. Bis Ende des vergangenen Jahres seien 1.700 Kreuze entfernt worden. Ein freies Glaubensleben ist im Iran ebenfalls nicht möglich. Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt oder im Bildungswesen seien für Christen Normalität, insbesondere, wenn sie vom Islam konvertiert seien. So sei es zu zahlreichen Festnahmen bei Durchsuchungen von Hauskirchen gekommen. (pro)

Von: al

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Wed, 22 Feb 2017 08:34:00 +0100
<![CDATA[Die Reformatorin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/22/die-reformatorin/ Eine Filmkritik von Anna Lutz]]> „Sie ist der Herr im Haus", sagt Martin Luther (Devid Striesow) im Film „Katharina Luther" über seine Ehefrau (Karoline Schuch), als es um die Renovierung des Hauses und die Beschäftigung von Handwerkern geht. Das ist ein beiläufiger Satz, ein kleiner Witz, den meisten Männern dürfte er heute leicht von den Lippen gehen. Vor 500 Jahren war dies freilich anders. Denn was oft vergessen wird, wenn heute von der Reformation die Rede ist: Für Frauen waren Luthers Zeiten alles andere als leicht. Während sich die Protestanten erhoben und gegenüber Rom emanzipierten, hatten Frauen die Wahl: Hochzeit oder Kloster. Ein selbstbestimmtes Leben jenseits patriarchaler Struturen war undenkbar.

So beginnt auch Katharina von Boras Leben damit, dass ihre Eltern sie als kleines Mädchen in ein Kloster geben. Alle Tränen nützen nichts, hier soll das Kind eine gute Ausbildung und eine ordentliche Erziehung erhalten. Und das ewige Leben. Denn, so sagt es die katholische Lehre der damaligen Zeit, wer sein Leben ganz Gott widmet, der hat die Eintrittskarte ins Himmelreich sicher. Ganz im Gegensatz zu all jenen, die ihr Leben außerhalb der Klostermauern fristen.

Mönch und Nonne vereint

Zur jungen Frau gereift steht Katharina einige Jahre später vor ihrer Oberin, in der Hand eine Schrift Martin Luthers mit dem Titel „Von der Freiheit eines Christenmenschen". „Ich habe gelernt, dass das Klosterleben wider Gottes Gebote ist“, sagt sie. Ihre Ersatzmutter ist entsetzt, warnt sie vor dem Höllenfeuer, doch am Ende nützt alles nichts: Katharina beginnt einen Briefwechsel mit dem Mönch aus Eisleben, von dem alle reden, und flieht schließlich bei Nacht und Nebel in Richtung Wittenberg.

Was sie daraufhin erleben muss, ist nicht etwa der Zorn Gottes, sondern der Zorn der Welt. Auf offener Straße wird sie als abtrünnige Nonne angespuckt, und selbst als sie bei den Protestanten in Wittenberg ankommt, geben die ihr schnell zu verstehen, dass eine Hochzeit unerlässlich ist, um ihr Auskommen zu sichern.

Es folgen Brautschauen im Hause Lucas Cranach, wo die Geflüchtete kurzfristig untergekommen ist. Doch Katharina verweigert sich, bis sie schließlich feststellt, dass ausgerechnet dieser Martin Luther ein Mann wäre, den sie sich zum Heiraten vorstellen könnte. Dass ihr die öffentliche Missgunst mit dieser Entscheidung erst recht im Nacken sitzt, ist keine Überraschung. Martin Luther – für die einen ist er ein Heiliger, für die anderen der Teufel. Doch egal, wie die Leute ihn finden, seine Frau hassen sie in jedem Fall. Ein Mönch und eine Nonne, verheiratet vor Gott, das ist ein Affront gegen die etablierte Kirche und gegen den Volksglauben.

Zwei, die keine zum Heiraten sind

Und so zeigt Regisseurin Julia von Heinz („Ich bin dann mal weg“) mit ihrem Film „Katharina Luther" den Kampf einer Frau gegen das Establishment ihrer Zeit. Raus aus der Enge des Klosterglaubens bedeutet auch: Raus aus der Sicherheit. Die Liebesheirat war noch nicht erfunden, und so ist die Geschichte zwischen Katharina und Martin Luther eher eine von Gleichgesinnten, die sich begegnen und eine Familie gründen. Da treffen sich zwei, die eigentlich keine zum Heiraten sind, die aber der Kampf und die Umstände ihrer Zeit verbinden.

„Unsere Kinder werden die ersten sein, die ohne Angst vor Gott aufwachsen, mit dem Wissen um die Liebe Jesu", sagt Luther an einer Stelle zu seiner Angetrauten. Der kauzige Martin Luther, vielschichtig verkörpert durch Devid Striesow, findet in seiner Frau mit den Jahren ein Gegenüber, das er bei theologischen Tischgesprächen mit Männerfreunden gar um Rat fragt. Am Ende ist Katharina die Managerin des Lutherischen Lebens.

Dass es so nur wenigen glücklichen Frauen jener Zeit ging, ist eine Botschaft des Films, der solide unterhält und es tatsächlich schafft, noch eine überraschende Seite des Reformators zu zeigen. Am Ende verliert sich von Heinz in Details, die an sich wichtig sind, den Film aber überfordern, und im Jahr des Reformationsjubiläums auch andernorts verkündet werden. Der Tod von Luthers Tochter, sein im Alter erstarkender Antisemitismus, seine zornige Arbeitsmoral und eine rührige Liebeserklärung am Schluss - das hätte „Katharina Luther“ nicht gebraucht, um authentisch und ehrlich vom Ehepaar Luther zu erzählen. Dennoch ist das Experiment der weiblichen Reformationsgeschichte größtenteils geglückt und sehenswert. (pro)

Katharina Luther, 105 Minuten, ARD, Mittwoch, 22. Februar, 20.15 Uhr

Von: al

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Wed, 22 Feb 2017 08:00:00 +0100
<![CDATA[Klinikleiter nach Streit um Abtreibungen entlassen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/21/klinikleiter-nach-streit-um-abtreibungen-entlassen/ Im Fall um den Chefarzt der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik in der niedersächsischen Stadt Dannenberg gibt es eine neue Entwicklung. Nachdem sich der im vergangenen Dezember eingestellte Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Thomas Börner, entschieden hatte, keine Abtreibungen in seiner Abteilung vorzunehmen, rief das Kritik bei Politik, Medien und Verbänden hervor. Börner bot daraufhin seine Kündigung an. Er, der Mitglied einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) ist, verlässt die Klinik zum 31. März.

Wie die evangelische Nachrichtenagentur idea berichtet, sieht die deutsche Zentrale des schwedischen Capio-Konzerns, der die Klinik in Dannenberg betreibt, auch Handlungsbedarf beim Klinikleiter Markus Fröhling. Der stellte sich während des Konflikts hinter seinen Chefarzt. Die Nachrichtenagentur zitiert in diesem Zusammenhang den Geschäftsführer der deutschen Zentrale, Martin Reitz: „Nach den Entwicklungen der vergangenen Woche haben sich aus Sicht der Geschäftsführung nunmehr unüberbrückbare Differenzen für die weitere Zusammenarbeit ergeben.“ Der Capio-Konzern trennt sich von dem Klinikleiter. (pro)

Von: mm

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Tue, 21 Feb 2017 13:49:00 +0100
<![CDATA[Bosbach: CDU ist nach links gerückt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/02/21/bosbach-cdu-ist-nach-links-gerueckt/ Von Norbert Schäfer]]>

pro: Haben konservativ geprägte Christdemokraten in Zukunft noch eine Heimat in der CDU?

Wolfgang Bosbach: Die CDU betont immer und aus guten Gründen, dass sie drei Wurzeln hat. Eine christlich-soziale, eine liberale und auch eine wertkonservative Wurzel. Ein Baum ist immer stark, wenn alle Wurzeln in gleicher Weise gepflegt werden. Ich habe machmal das Gefühl, dass die Konservativen noch willkommen sind, aber sie sollen keinen prägenden Einfluss mehr haben auf Politik und Programmatik der CDU. Das bedauere ich sehr. Denn, wenn wir eine große, starke Volkspartei bleiben wollen, müssen die Wertkonservativen genau so zur Partei gehören wie die christlich-sozial Engagierten auch.

Wie kann sich die Union deutlicher von der Mitte abheben?

Die CDU war immer die große Volkspartei der Mitte. Das Problem ist eher, das weiß ich aus vielen Gesprächen und Zuschriften, dass die CDU im Laufe der Jahre weiter nach links gerückt ist. Und dass wir von der politischen Konkurrenz nicht mehr so klar unterscheidbar sind, wie das traditionell immer der Fall war. CDU/CSU müssen immer die klare politische Alternative sein, und nicht nur eine Variante der anderen Parteien. Wenn wir neue Wählerschichten erschließen möchten, sollten wir uns verstärkt denen zuwenden, die in der aktuellen politischen Debatte kaum noch eine Rolle spielen: Das sind die Menschen, die um sechs Uhr auf den Wecker hauen, um sieben Uhr zur Arbeit fahren und nach zehn Stunden müde nach Hause kommen und brav ihre Steuern zahlen. Das sind die eigentlichen Helden des Alltags. Gerade um diese große Gruppe muss die Union sich kümmern.

Ist das nicht traditionsgemäß eine Zielgruppe der SPD?

Die SPD hat erhebliche Schwierigkeiten, ihr Traditionspotenzial zu mobilisieren, weil immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich politisch mehr bei der Union zu Hause fühlen oder mittlerweile am rechten Flügel der SPD zur AfD abgewandert sind. Die SPD ist längst mehr die Partei der Intellektuellen, auch der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, als des klassischen Milieus der Arbeitnehmer.

Warum sollten sich junge Menschen politisch engagieren?

Keine Staatsform lebt so sehr vom Mitmachen aller wie die Demokratie. Man sollte seine eigene Zukunft nicht den anderen überlassen. Wer sich nicht politisch engagiert, wer sich nicht ein­mischt, der hat auch nicht die Chance, selbst verantwortlich mitzugestalten. Natürlich ist es einfacher, von außen etwas zu kritisieren, als eigene politische Verantwortung zu übernehmen. Aber wenn alle so denken würden, wäre die Politik schnell am Ende. Das Phänomen kennen wir auch vom Fußball: Die besten Fußballer sitzen immer auf der Tribüne. So ähnlich ist es in der Politik leider auch.

Wie empfinden Sie den Druck, den soziale Medien auf Politiker ausüben?

Wer in die Politik geht, muss mit Druck und Widerstand rechnen. Jeder Politiker weiß doch: Allen Menschen kann man es nicht recht machen. Wer gute Argumente hat, seine Haltung, seine Entscheidung mit Sachargumenten begründet, der muss nicht Angst vor Widerstand haben. Der muss auch nicht einknicken. Gerade, wenn es in den sozialen Netzwerken einmal Kritik gibt. Ich kann damit prima umgehen. Man muss auch nicht unbedingt alles lesen, was verbreitet wird. Das ist am nächsten Tag schon überholt. Vor allem sollte man immer sehen: Gibt es beachtliche Argumente, die gegen die eigene Meinung sprechen? Mit denen muss man sich auseinandersetzen. Aber manche Kritik ist dermaßen unsubstanziiert, dass man sofort das Gefühl bekommt, hier wird nur Kritik geübt um der Kritik willen.

Was halten Sie von dem Vorwurf gegenüber den Medien, „Lügenpresse“ zu sein? Wie ist Ihre Erfahrung?

Ich halte den Vorwurf für sachlich falsch. Ich halte ihn auch gegenüber Journalistinnen und Journalisten für ehrabschneidend. Allerdings habe ich in den letzten Jahren festgestellt, dass bestimmte Tatsachen nicht berichtet werden. Das ist das eigentliche Problem. Ein Beispiel hierfür wäre das Thema Migration und Kriminalität. Lange Zeit tabuisiert, hat sich das mit der berühmt-berüchtigten Kölner Silvesternacht 2015/2016 plötzlich geändert. Seit einem Jahr wird ganz offen berichtet, dass nicht nur Verfolgte und Hilfsbedürftige kommen, sondern auch, na ja, sagen wir mal echte Problemfälle. Wenn Menschen der Überzeugung sind, hier wird Wichtiges weggelassen, hier wird gar nicht berichtet, dann wird ein solcher Vorwurf erhoben, auch wenn es sich nicht direkt um Lügen handelt. Deshalb kann ich immer nur dazu raten, die Dinge so zu schildern, wie sie tatsächlich sind, und nicht Zahlen, Daten, Fakten aus politischer Korrektheit wegzulassen.

Wie bewerten Sie das Phänomen von Fake News, Hass und Hetze in den sozialen Medien?

Hass und Hetze hat es schon zu allen Zeiten gegeben. Ich hatte schon die ers­ten Drohungen, da war von Facebook überhaupt noch nicht die Rede. Man darf sich nicht von allem beeindrucken lassen. Aber die Anzahl und die Heftigkeit hat zugenommen. Die modernen Kommunikationsmedien bieten leider auch die Möglichkeit, Falschmeldungen in Sekundenbruchteilen in einer Weise zu multiplizieren und um den Globus zu schicken, wie das früher gar nicht möglich war. Deshalb finde ich es völlig richtig, dass die Bundesregierung alle Anstrengungen unternimmt, die Betreiber dieser Plattformen an ihre Verantwortung zu erinnern.

Warum?

Wenn in einer unerträglichen Weise versucht wird, durch gezielte Falschmeldungen politische Entscheidungen zu beeinflussen, dann ist das ein Problem für jede Demokratie. Da kann ein Unternehmen nicht so tun, als hätte es damit nichts zu tun. Im Detail wird das sehr kompliziert werden. Denn wann ist eine falsche Nachricht eine falsche Nachricht? Wenn hammerhart Ereignisse erfunden werden, die nie stattgefunden haben, sind das ganz klar Fake News. Aber was ist, wenn behauptet wird, es waren 50 Prozent – und die richtige Zahl ist 48 Prozent? Fällt das dann auch unter den Begriff Fake News? Wir werden rund um diesen Begriff noch muntere Debatten bekommen.

Was müsste aus Ihrer Sicht noch einmal in der Wertefrage öffentlich debattiert werden?

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich Klartext bevorzuge. Ich bin seit langem Mitglied im Verein für offene Aussprache. Deswegen tut es mir leid, wenn behauptet wird, Donald Trump sei gewählt worden, weil er Klartext gesprochen hat. Der hat keinen Klartext gesprochen, sondern Minderheiten beleidigt und Macho-Sprüche zum Nachteil von Frauen gemacht. Das ist für mich auch eine Frage der Bindung an Werte, dass wir bei aller Heftigkeit in der politischen Auseinandersetzung im Bundestagswahlkampf oberhalb der Gürtellinie bleiben und mitteleuropäische Umgangsformen wahren. Ich weiß, dass das Wort „Anstand“ total altmodisch ist. Aber ich wünsche uns allen, dass wir im kommenden Wahlkampf auch bei heftigsten Debatten miteinander anständig umgehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview ist in Ausgabe 1/2017 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441 915 151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Von: nob

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Tue, 21 Feb 2017 09:05:00 +0100
<![CDATA[Journalist: „Revival für das Christentum in Deutschland“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/02/20/journalist-revival-fuer-das-christentum-in-deutschland/ Von Moritz Breckner]]> Der katholische Journalist und Medienunternehmer Klaus Kelle gehört zu jenen CDU-Mitgliedern, die an ihrer Partei zunehmend verzweifeln. Die AfD gäbe es nicht, wenn Kanzlerin Angela Merkel ihren Job ordentlich gemacht hätte, schreibt er in seinem neuen Buch „Bürgerlich, christlich, sucht … Biete Meinung statt Mitte“. Neben Merkel, unter der das Meinungsspektrum in der CDU enger geworden sei, kritisiert Kelle umfangreich und pointiert politische Missstände, die Deutschland derzeit beschäftigen.

„Es ist ein Irrsinn, zu beobachten, wie wir in diesen freien und liberalen Gesellschaften unsere erbittertsten Feinde einladen, sie versorgen und finanzieren und ihre Vorbereitungen auf Bluttaten nicht einmal dort wirkungsvoll stören, wo wir es könnten“, schreibt er über die Sicherheitslage, nennt Beispiele für islamistischen Terror in Deutschland und zeichnet das unglaubliche Versagen der Behörden im Fall Anis Amri nach.

„Großangriff auf traditionelle Familie“

Kelles Buch ist ein politisch inkorrekter Streifzug durch die aktuelle Lage in Politik und Medien der Bundesrepublik, gespickt mit persönlichen Erinnerungen, Anekdoten und Kommentaren. Wie bei thematisch ähnlich aufgebauten Werken von Peter Hahne oder Henryk M. Broder sollte der Leser ein Interesse für das subjektive Erleben des Autors mitbringen. Tut er das, wird er belohnt. Kelle beschreibt seine Hinwendung zum katholischen Glauben, und dass er damit Freunden aus evangelischen Freikirchen oft näher steht als solchen aus den Landeskirchen. „Natürliche Verbündete“ nennt er evangelikale Christen und Katholiken im Gespräch mit pro, wenn es darum geht, für christliche Werte in der Gesellschaft einzustehen.

Das Christentum sieht Kelle im Aufwind: „Unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung findet ein berauschendes Revival des Christlichen statt“, schreibt er, und nennt als Beispiele die Jugend-Evangelisation „Christival“ und die „Mehr“-Konferenz des Gebetshauses Augsburg.

Natürlich kommt der Autor, verheiratet mit der Journalistin Birgit Kelle, um das Thema Familie in seinem Buch nicht herum: Er kritisiert einen „Großangriff“ auf die traditionelle Familie, die das letzte Bollwerk gegen die Allmacht eines Staates sei, der seine Bürger erziehen und verändern möchte. „Und fast das Schlimmste: Wir alle finanzieren und organisieren das mit“, empört sich Kelle.

Online-Magazin als Alternative zu großen Medien

Seit gut drei Monaten ist Kelle mit einem neuen Medienprojekt am Start. Mit der Online-Zeitung The GermanZ will er aktuelle Nachrichten für ein bürgerliches Publikum bieten. Dabei will er sich von bekannten Meinungsseiten wie der Achse des Guten oder Tichys Einblick abheben: „Wir sind kein Blog, wir sind eine Tageszeitung, die alle wichtigen Themen abdeckt“, erklärt er.

Entsprechend finden sich auf der Seite auch Klatsch- und Sportberichte, zu vielen Themen werden Agenturmeldungen veröffentlicht. Alleinstellungsmerkmal sind Kolumnen von Kelle und einer Handvoll Gastautoren aus seinem Umfeld. Das Projekt, gesteht Kelle ein, steckt in den Kinderschuhen, und hat noch Luft nach oben.

Kelle beschreibt sich – trotz CDU-Parteibuch – selbst als jemanden, der wie die bürgerliche Mitte insgesamt politisch heimatlos geworden ist. Entsprechend wird sowohl im Buch als auch in der neuen Online-Zeitung kritisch über alle Parteien berichtet. Kelle gelingt es glaubwürdig, sich nicht von einer Interessengruppe vereinnahmen zu lassen: Er sieht Angela Merkel kritisch, erteilt als überzeugter Transatlantiker aber gleichzeitig dem Lager der „Putin-Versteher“ eine Absage. Als Trump-Fan will er auch nicht abgestempelt werden – sowieso sei es noch zu früh, dessen Amtszeit zu beurteilen.

Es wird spannend sein zu sehen, wo und wie sich die bürgerliche Mitte im Wahljahr 2017 positioniert. Kelle, diesen Eindruck gewinnt der Leser, hat ein gutes Gespür für diese Gruppe. (pro)

Von: mb

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Mon, 20 Feb 2017 16:03:00 +0100
<![CDATA[Wie Facebook die Welt retten will]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2017/02/20/wie-facebook-die-welt-retten-will/ „Mark Zuckerberg predigt“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, und von einer „Rede an die Nation“ berichtet Die Welt. In einem langen Text auf Facebook wendet sich Multimilliardär Mark Zuckerberg an die Welt. Denn das Internet-Portal, auf dem sich Freunde austauschen oder auf dem man mit virtuellen Bauernhöfen spielen kann, könne in Zukunft auch bei den Problemen der Welt helfen, ist Zuckerberg überzeugt, der sich plötzlich sehr politisch zeigt. Der Spaß bei Facebook sei schön und gut, jetzt könne Facebook auch ernst genutzt werden.

In der Geschichte der Menschheit seien immer wieder die „soziale Infrastruktur“ bedeutsam gewesen, schreibt Zuckerberg in dem Text, den er am Donnerstag veröffentlichte. Die neuen Herausforderungen und Möglichkeiten der Welt seien eindeutig globaler Natur, nämlich „das Verteilen von Wohlstand, Freiheit, die Sicherung des Friedens und des gegenseitigen Verständnisses, Menschen aus der Armut heraushelfen und ein Vorantreiben der Wissenschaft“. Die Probleme müssten global angegangen werden, etwa die Bekämpfung von Terrorismus, der Klimawandel und Seuchen.

Facebook könne dabei helfen, die weltweite Gemeinschaft in der Anstrengung zu vereinen, die Probleme global zu bekämpfen, ist Zuckerberg überzeugt. „Jedes Jahr wird die Welt weiter miteinander verknüpft, und das ist ein positiver Trend.“ Bisher habe sich Facebook darauf konzentriert, Freunde und Familien miteinander zu verbinden. „Nun liegt der Fokus darauf, die Infrastruktur für diese Gemeinschaft aufzubauen – sie soll uns helfen, uns beschützen, uns informieren für mehr gesellschaftliches Engagement und für die Inklusion aller.“

Gemeinschaften „für alle emotionalen und spirituellen Bedürfnisse“

Facebook möchte eine Gemeinschaft aufbauen, die in Zeiten hilft, in denen bisherige Gemeinschaften ihre Bedeutung verloren hätten. „Meine Hoffnung ist es, dass immer mehr Menschen eine langfristige soziale Infrastruktur aufzubauen helfen, um die Menschheit zusammenzubringen.“ Die Antwort sei nicht allein Facebook, aber das Portal könne eine wichtige Rolle dabei spielen. „Wenn man eine globale Gemeinschaft aufbauen will, die für jeden gut ist, beginnt man mit Millionen von kleineren Gemeinschaften und sozialen Strukturen, die wir aufgrund unserer persönlichen, emotionalen und spirituellen Bedürfnisse aufbauen.“ Ob es sich um Kirchen, Sportvereine oder andere Gruppen handele, sie alle spielten eine wichtige Rolle für die soziale Infrastruktur.

Seit den 70er Jahren habe die Beteiligung in den traditionellen Gruppierungen jedoch stetig abgenommen. Ein Pastor habe ihm einmal gesagt: „Die Menschen fühlen sich unstet. Vieles von dem, was früher Sicherheit und Halt gab, existiert nicht mehr.“

Als Beispiele dafür, wie Facebook Gutes bewirken könne, nennt Zuckerberg eine Frau, die an einer seltenen Störung erkrankte und eine Gruppe von Gleichgesinnten weltweit gefunden hat. Bei vermissten Kindern könnten entsprechende Gruppen bei Facebook helfen, sie wiederzufinden. In Katastrophenfällen erfahre bei bei lokalen Facebook-Gruppen, wo es einen Unterschlupf, Essen und Notfallhilfe gibt. Ein allein erziehender Mann habe eine Gruppe „Schwarze Väter“ gegründet, wo sich Väter in ähnlicher Situation gegenseitig ermutigen. Ebenso habe sich in San Diego eine Gruppe formiert, in der sich die Ehepartner von Armeeangehörigen austauschen. Zuckerberg schreibt: „In Berlin betreibt ein Mann namens Monis Bukhari eine Gruppe, über die Flüchtlinge Wohnungen und Jobs finden können.“ Die Mitglieder dieser Gemeinschaften seien nicht nur online aktiv, aber Facebook sei für viele dieser Organisationen eine große Hilfe. In dieser Richtung wolle Facebook nun stärker tätig werden, kündigt Zuckerberg an.

Künstliche Intelligenz könne dabei helfen, die Inhalte von Fotos und Videos zu erkennen und so zu filtern. Ein Film, das etwa den Tod eines Menschen zeige, würde sofort aus dem Netzwerk entfernt werden. Bei Fotos von nackten Körperteilen gebe es unterschiedliche kulturelle Standards auf der Welt, daher gebe es immer wieder Irritationen, wenn Facebook anstößige Fotos lösche. Bisher machten das vor allem menschliche Mitarbeiter, aber die Technik werde darin immer besser, erklärt Zuckerberg. So solle sie etwa in Zukunft zwischen einem Bericht über Terrorismus und Propaganda von Terroristen unterscheiden können.

Wähler und Politiker zusammenbringen

Auch auf die Problematik von „Fake News“ kommt der Facebook-Chef zu sprechen. Die Sozialen Medien vermittelten eine viel größere Bandbreite an Sichtweisen, als es die traditionellen Medien jemals gekonnt hätten. „Unser Ziel muss es sein, den Menschen zu helfen, ein vollständigeres Bild zu bekommen, nicht nur alternative Perspektiven.“ Falschmeldungen will Facebook in Zukunft vermehrt bekämpfen. „Wir legen den Fokus weniger darauf, Falschmeldungen auszublenden, als vielmehr darauf, zusätzliche Perspektiven und Informationen anzubieten inklusive der Diskussion der Fakten-Prüfer darüber, wie zuverlässig die Informationen sind.“

Facebook könne auch dabei helfen, die Verbindung zwischen Politikern und Wählern möglichst kurz zu halten. In Indien etwa habe der Premierminister Modi seine Minister gebeten, wichtige Informationen bei Facebook zu veröffentlichen, wo die Bürger wiederum direkt antworten können. Auch Demonstrationen könnten leicht über Facebook und Whatsapp, das ebenfalls zum Konzern gehört, abgesprochen werden, und dies geschehe bereits häufig, stellt Zuckerberg fest. (pro)

Von: js

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Mon, 20 Feb 2017 15:21:00 +0100
<![CDATA[Die Erfolgsgeschichte des Pastoren-Sohns]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/02/20/die-erfolgsgeschichte-des-pastoren-sohns/ Chelsea London steht gerade an der Spitze der englischen Premier League. Danach sah es zu Beginn der Saison nicht wirklich aus. Das Starensemble hat 16 der letzten 19 Partien gewonnen. Beträchtlichen Anteil daran haben der Sohn eines nigerianischen Pastors Austin Moses und Marcos Alonso.

Die Biographien der beiden Sportler könnten unterschiedlicher kaum sein. Moses wuchs in Nigeria auf, wo sein Vater Prediger einer lokalen christlichen Kirche war. Die Eltern wurden Opfer eines religiös-motivierten Attentats und Victor mit elf Jahren Vollwaise. Um für die Zukunft des Jungen zu sorgen, schickte ihn ein Onkel nach England.

Ein Weg voller Ungewissheiten

Sein heute kongenialer Partner Marcos Alonso steht in der Tradition einer erfolgreichen Fußballer-Familie. Vater Marcos Alonso Pena und Großvater Marcos Alonso Imaz waren Nationalspieler und holten zahlreiche Titel mit dem Barcelona beziehungsweise Real Madrid. Alonsos Weg schien klar, der von Moses voller Ungewissheiten.

Er kam bei einer Gastfamilie in London unter und wurde britischer Staatsbürger. Der Londoner Traditionsverein Crystal Palace entdeckte die Talente des Jungen. Er bekam einen Platz in der Jugendakademie des Vereins und holte die ersten Titel. Sein erstes Pflichtspiel bei den Herren absolvierte er bereits mit 16 Jahren. Moses unterschrieb 2012 seinen ersten Profi-Vertrag bei Chrystal Palace.

Mit der U17-Mannschaft Englands wurde er 2007 Vize-Europameister und gemeinsam mit Toni Kroos Torschützenkönig. Nach seinem Wechsel zu Chelsea wurde er zunächst zu anderen Vereinen ausgeliehen. Alonsos durchlief sämtliche Jugendmannschaften Real Madrid. Danach wechselte er nach England. Schlagzeilen machte er durch eine alkoholisierte Autofahrt, bei der seine Mitfahrerin starb.

Nach dem schwachen Saisonauftakt holte Trainer Antonio Conte beide in die Startaufstellung. Dass es seitdem läuft - Chelsea hat 16 der letzten 19 Spiele gewonnen - liegt auch an den beiden Spielern, die kaum ungleicher sein könnten. Der Vollwaise aus Nigeria und der Enkel der spanischen Fußballer-Dynastie standen seitdem in Spiel in der Startelf. Vielleicht dürfen sie bald gemeinsam den Meistertitel feiern, aber bis dahin ist es noch etwas hin. (pro)

Von: jw

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Mon, 20 Feb 2017 14:10:00 +0100
<![CDATA[„Medienbildung heißt auch, ausschalten können“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2017/02/20/medienbildung-heisst-auch-ausschalten-koennen/ Von: pro

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Mon, 20 Feb 2017 13:53:00 +0100
<![CDATA[„Verfolgte Christen – ihr seid nicht vergessen!"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/02/20/verfolgte-christen-ihr-seid-nicht-vergessen/ Eine gemeinsame Veranstaltung unter dem Titel „Christenverfolgung – Betroffene berichten“ des Christlichen Medienverbundes KEP, der Evangelischen Allianz Wetzlar, des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Lahn-Dill sowie ERF Medien am Sonntag mit mehr als 100 Besuchern in Wetzlar hat den Menschen eine Stimme gegeben, die wegen ihres christlichen Glaubens benachteiligt werden oder Verfolgung erleiden.

Nach Schätzungen von Menschenrechtsexperten werden mehr als 100 Millionen Christen weltweit verfolgt oder diskriminiert. Das Hilfswerk Open Doors geht in seinem aktuellen Weltverfolgungsindex sogar davon aus, dass im Jahr 2016 etwa 200 Millionen Christen weltweit wegen ihres Glaubens drangsaliert wurden oder unter Vertreibung, Gewalt und Terror leiden mussten.

Der hessische CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer mahnte zur Solidarität mit den verfolgten Christen weltweit, die aufgrund ihres Glaubens oder des Übertritts zum Christentum bedroht, gefoltert und „teilweise gekreuzigt werden von den Schlächtern des IS oder Boko Haram". Irmer richtete einen Appell an die islamische Welt, nicht mehr diejenigen mit dem Tode zu bedrohen, die vom Islam zum Christentum konvertieren, und forderte Respekt und freie Religionsausübung in diesen Ländern für alle Religionen.

Der Politiker drückte seine Hochachtung vor denen aus, die selbst unter Lebensgefahr zu ihrem christlichen Glauben stünden. „Ihr seid nicht vergessen!", sagte Irmer. „Religionsfreiheit ist ein Thema, das uns alle angehen muss, egal, welcher Religion ein Mensch nachgeht", erklärte er. Der Unionspolitiker forderte, dass sich islamische Staaten mehr um die vielen muslimischen Flüchtlinge kümmern.

Unrecht ansprechen

Der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Christoph Irion, verwies auf das elementare Recht der freien Religionsausübung. „Artikel 18 der UN-Charta grantiert jedem Menschen das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit", sagte der Journalist, der die Veranstaltung moderierte. Dies schließe auch die Freiheit ein, seine Religion zu wechseln. „Es ist wichtig, den verfolgten Christen eine Stimme zu geben", erklärte Irion und erinnerte daran, dass viele Christen in Deutschland während der Flüchtlingskrise den Ankommenden Nächstenliebe, aktive Hilfe und Aufmerksamkeit entgegengebracht hätten. Irion rief die Besucher dazu auf, sich für das Schicksal von Christen zu interessieren, sich zu informieren und für die verfolgten Glaubensgeschwister zu beten.

„Menschen, die nach christlichem Verständnis Hilfe brauchen, sind willkommen bei uns, aber wir müssen auch Grenzen ziehen. Insbesondere da, wo Unrecht getan wird, müssen wir das ansprechen", sagte Irion.

Scharia in Nigeria

Emmanuel Ogbunwezeh, Nigerianer und Afrika-Referent der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt, hält den derzeitigen Konflikt in seinem Heimatland für überregional relevant. Islamische Staaten und islamistische Terrorgruppen versuchten gezielt, das Land zu destabilisieren. „Nigeria ist [...] die zweitgrößte Volkswirtschaft Afrikas, nach Südafrika, und von herausragender Bedeutung für die Wirtschaft des afrikanischen Kontinents insgesamt", erklärte Ogbunwezeh. Jeder sechste Afrikaner lebe in dem Land.

In dem bevölkerungsreichsten Land des Kontinents setzen sich islamistische Gruppen wie Boko Haram für die Einführung der islamischen Scharia und das Verbot westlicher Bildung ein. Das Land werde „zwangsislamisiert". Dies habe wiederholt zu blutigen Auseinandersetzungen mit Christen oder gemäßigten Muslimen geführt. Schätzungen gehen für die Zeit zwischen 1999 und 2004 von mehreren tausend Todesopfern aus.

Nach Ogbunwezehs Einschätzung hat Nigeria enormen politischen Einfluss in der Region, etwa in Form von nigerianischen Friedenstruppen in zahlreichen Konfliktregionen. Dauerhafte politische Instabilität in Nigeria, wie auch die wirtschaftlichen Krisen als Folge darauf, hätten daher überproportionale Auswirkungen für das restliche Afrika. „Ein islamistisch dominiertes Gesamt-Nigeria, das seine wirtschaftliche und politische Vormachtstellung in Afrika im Sinne der Islamisierung ausnutzt, könnte mit Fug und Recht als Katastrophe für den ganzen Kontinent betrachtet werden", sagte der Menschenrechtler.

Iran – Mullahs und Religionspolizei

Christen aus dem Iran, deren Name aus Furcht vor Verfolgung der Familien daheim nicht genannt werden darf, berichteten, dass man sie in ihrer Heimat als „Unreine" beschimpft habe, als sie, damals noch Muslime, Interesse am Christentum erkennen ließen. Christen würden in dem Land als Menschen zweiter Klasse gelten.

Ein Ehepaar, Nader und Fariba, musste getrennt voneinander aus dem Iran fliehen. Bei einem Urlaub in der Türkei hatte der Unternehmer sich für das Christentum interessiert. Als sein Vater das bemerkte, habe der seine Wohung nach einer Bibel durchsucht, und dafür gesogt, dass zwei Mullahs und die Religionspolizei auf ihn aufmerksam wurden. Nachdem er von der Religionspolizei verschleppt und gefoltert wurde, floh Nader in die Türkei. Seine Frau, die versuchte, unter Repressalien ihr Geschäft weiterzuführen, musste er samt Kind zurücklassen. Nach zwei Jahren in Istanbul gelang es dem jungen Mann, seine Familie in die Türkei nachzuholen. Seit 2014 lebt die Familie in Hessen und geht in eine christliche Gemeinde. Sohn Hussein hat seinen alten Vornamen abgelegt und trägt heute einen biblischen.

Mord und Misshandlung erlebt

Eine junge Irakerin, sie ist katholische Christin und war einst in ihrer Heimat Mitglied der Volleyball-Nationalmannschaft, berichtet von ihrer Flucht aus dem vom IS besetzen Mossul. Schon vor der Belagerung der Stadt durch die Terroristen seien Christen dort benachteiligt worden. Im Ausweis sei vermerkt gewesen, wer Christ ist. Bei der Ausweisung aus der Stadt auf Anordnung des IS hat man der jungen Frau und der Familie alle Wertgegenstände an einem Checkpoint abgenommen.

Zwei Korridore führten damals aus der Stadt. Die Frau wurde Zeugin, wie IS-Terroristen die Familie in der Autoschlage vor ihnen erschossen und Mädchen von IS-Terroristen enführt und misshandelt wurden. Hals über Kopf gelang der jungen Frau die Flucht ins Kurdengebiet im Norden des Irak. Von dort gelangte sie schließlich nach Deutschland.

Aber auch hier war sie Repressalien ausgesetzt. In der Flüchtlingsunterkunft wurde sie von einem Übersetzer, der ist Kurde, unter Druck gesetzt. Heute lebt und arbeitet die junge Frau, deren Name nicht genannt werden darf, in einer Stadt in den neuen Bundesländern. Weil sie auf der Flucht alle Unterlagen und Diplome zurücklassen musste, studiert die Informatikerin hier noch einmal. (pro)

Von: nob

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Mon, 20 Feb 2017 11:12:00 +0100
<![CDATA[Liebe statt Politik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/19/liebe-statt-politik/ Berlinale-Chef Dieter Kosslik hatte noch vor dem Auftakt des Festivals angekündigt, es solle um neue Zusammenhalte in der Gesellschaft gehen, um Orte wie die Familie, wo Menschen sich geborgen fühlen, neu nachdenken und dann „mit einem positiven Ergebnis“ dieser neuen Welt nach den amerikanischen Präsidentschaftswahlen gegenübertreten. Schluss also mit dem Kunstkino, das sich nur um Politik und Gesellschaftskritik dreht? Nur teilweise. Zwar hat den Wettbewerb um den Goldenen Bären und auch den Preis der Ökumenischen Jury mit „On Body and Soul" ein Film gewonnen, der die surreale Liebesgeschichte zweier seelenverwandter Eigenbrödler erzählt. Ja, dieses Filmfest 2017 hat mehr über die Liebe und den Verlust erzählt als über Flüchtlinge und egozentrische Präsidenten. Unpolitisch war es dennoch mitnichten.

Von den Nazis in die Türkei

Da wäre etwa der Auftaktfilm „Django“. Die französische Produktion zeigt jenen Abschnitt im Leben der Gitarristenlegende Django Reinhardt (Reda Kateb), in dem der Sinto vor den Nationalsozialisten aus seiner Heimat Paris fliehen muss und versucht, mit seiner Familie die Schweizer Grenze zu erreichen. Der Fim ist wahrlich kein Meisterstück, lässt er doch wichtige Teile der tatsächlichen Fluchtgeschichte Django Reinhardts völlig unbeachtet, zeigt aber deutlich, wie die Kunst Despoten herausfordert. Und schon findet sich der Zuschauer im Heute. In der Türkei etwa, die die Pressefreiheit zunehmend einschränkt, oder in islamistischen Staaten, wo Kunst der Ideologie zu folgen hat, und nicht zuletzt in den USA unter Donald Trump, wo Regierungssprecher gezielt Falschmeldungen verbreiten, um die Politik des Präsidenten zu stützen. In „Django" siegt am Ende die Kunst. Unvergesslich ist eine Szene, in der der Gitarrist die Nazis zu seiner Musik wie Puppen tanzen lässt, weil auch SS-Soldaten am Ende Menschen mit Sinn für das Feine sind und sich im Schönen treiben lassen wollen.

Auch Aki Kaurismäkis Film „Die andere Seite der Hoffnung“ ist zutiefst politisch, lässt den Zuschauer das aber nicht spüren. Der finnische Kultregisseur zeigt das Grauen der Flucht ganz beiläufig. Nicht in blutigen Bildern und dramatischen Dialogen, sondern ganz nüchtern als alltägliches Geschehen überall um uns herum. Khaled (Sherwan Haji) kommt auf einem Transportschiff nach Finnland. In einer der ersten Filmszenen gräbt er sich, zunächst versteckt unter Kohle und Dreck, in die Freiheit. In einer Bahnhofsdusche wäscht er sich die schwarze Farbe von der braunen Haut, etwa so, wie er seine Identität in den kommenden anderthalb Stunde von sich abfallen sehen wird. Denn sein Antrag auf Asyl scheitert. Khaled, der aus Syrien in die Türkei, nach Griechenland und über Ungarn und Serbien schließlich in seine neue Wunschheimat gelangt, soll zurück nach Aleppo. Die Behörden halten die Stadt für sicher, am Abend verkünden ihm Nachrichten das Gegenteil. Also entschließt er sich zum illegalen Aufenthalt und findet Unterschlupf bei einem Restaurantbesitzer (Sakari Kuosmanen), der ihm Arbeit, Unterschlupf und einen gefälschten Pass besorgt. Kaurismäki erzählt mit erstaunlich viel Humor die Geschichte vom Verlust der Identität eines Geflüchteten, der sich erst dann wieder richtig zu Hause fühlt, als in der Abschlussszene sein Leben bedroht ist. Derart und mit soviel künstlerischer Freiheit nimmt kein anderer Wettbewerbsbeitrag den Zuschauer mit in die politischen Probleme des Hier und Jetzt.

Und dann gab es aber doch diese Orte des Wohlfühlens, Filme über das Miteinander. Besonders deutlich wurde dies bei der außer Konkurrenz gezeigten Fortsetzung des Kultfilms „Trainspotting" aus dem Jahr 1996. Zwanzig Jahre später treffen in „T2“ die wegen ihrer Drogensucht zweifelhaften Helden Renton (Ewan McGregor), Begbie (Robert Carlyle), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Spud (Ewen Bremner) wieder aufeinander. Was sie im Jahr 2017 verbindet, ist, dass sie sichtlich gealtert sind - und ihr Leben nach wie vor nicht im Griff haben. Spud hängt noch immer an der Nadel, Sick Boy will ein Bordell eröffnen, Renton steht vor seiner Scheidung und Begby ist gerade aus dem Gefängnis geflohen. In all dem Scheitern zeigt Regisseur Danny Boyle meisterlich und mit ausgesprochener Liebe zu seinen Charakteren, was Freundschaft sein kann. Eine lebenslange Verbindung, entstanden aus zufälligen Begegnungen, angefüttert mit gemeinsamen Erlebnissen - und einer größeren oder kleineren Liebe für den Anderen. So dürfen nicht nur Fans des ersten Teils gerührt verfolgen, wie der Looser der Gruppe, Spud, handschriftlich die alten Geschichten der Freunde aufschreibt und vorträgt - und damit wie schon im ersten Teil der einzige ist, der zwischen Geldnot, Drogensucht und Rachegelüsten erkennt, worum es im Leben wirklich geht.

Familie - alles andere als Idylle

Dass die Familie nicht immer ein Ort der Wärme und des Auruhens ist, zeigten gleich zwei Wettbewerbsbeiträge, die sich nicht nur im Thema sondern auch in der Machart gleichten. Da wäre zum einen der amerikanische Wettbewerbsbeitrag „The Dinner“, hochcharätig besetzt mit Hollywoodstar Richard Gere. Die Brüder Stan, gespielt von Gere, und Paul (Steve Coogan) treffen sich gemeinsam mit ihren Ehefrauen Claire (Laura Linney) und Barbara (Chloë Sevigny) in einem Nobelrestaurant zum Abendessen. Zwischen karamellisierter Schwarzwurzel und französischem Käse diskutieren sie das Verbrechen ihrer Söhne: Die Jugendlichen haben eine Obdachlose angezündet und getötet. Den Politiker Stan wird die Tat die Karriere kosten, wenn sie öffentlich wird, den psychisch erkrankten Paul möglicherweise den Verstand. In diesem an „Gott des Gemetzels“ erinnernden Kammerspiel ist alles anders als zunächst angenommen. Gut ist Böse, Böse ist Gut, der schwarze Jugendliche verpfeift die weißen, der Politiker zeigt sich als verantwortungsvoller Familienmensch und der Hochschullehrer Paul als unberechenbarer Misanthrop. Das und das außergewöhnliche Restaurant-Setting reichen, um zu unterhalten, obwohl der Film beträchtliche Längen hat und unter einer Schwäche leidet, die besonders erfahreneren Kinogängern den Spaß an Filmen rauben kann: Regisseur Oren Moverman will dem Zuschauer alles, aber wirklich jeden Handlungsstrang in diesem Stück erklären. Nichts wird dem Grips des Publikums überlassen, jeder Abgrund ausgeleuchtet.

Eine Schwäche, die „The Party“ nicht teilt. Auch bei der britischen Produktion handelt es sich um ein Kammerspiel, das nach und nach die Abgründe seiner Protagonisten aufdeckt. Die Geschichte: Janet (Kristin Scott Thomas) hat das Ziel ihrer Karriere erreicht und einen wichtigen Posten im Gesundheitsministerium inne. Das feiert sie, in dem sie ihre engsten Freunde einlädt. Es erscheinen neben Ehemann Bill (Timothy Spall): Das lesbische und Drillige erwartende Pärchen Martha und Jinny (Cherry Jones, Emily Mortimer), die beste Freundin April (Patricia Clarkson) mit ihrem esoterisch angehauchten Mann Gottfried (Bruno Ganz) und der mit Finanzen arbeitende Tom (Cillian Murphy). Auch hier hällt die Idylle nicht lange. Bill beichtet eine Affäre mit Toms Frau und zudem, dass er totkrank ist. Die Genderforscherin Martha wiederum gesteht ihrer Partnerin, dass sie Angst vor dem Mutterwerden hat. Und so dreht sich das Beziehungsspiel in zunehmender Geschwindigkeit, bis schließlich einer halbtot am Boden liegt und die gewiefte Politikerin ihre Waffe auf jemand anderen richtet.

Regisseurin Sally Potter bemüht sich nicht um politische Korrektheit. Sie überzeichnet alle gleichermaßen: Den britischen Intellektuellen, die Politikerin mit Hausfrauentalenten, den koksschnupfenden Finanzhai und die verheiratete Feministin, die sich darum sorgt, drei Jungen großziehen zu müssen. Familie und Freunde - das ist auch hier keine Wohlfühlsphäre sondern ein Ort der Geheimnisse und Lügen. (pro)

Von: al

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Sun, 19 Feb 2017 09:42:00 +0100
<![CDATA[„Der Islam in unserem Alltag – wo liegt das Problem?“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/02/17/der-islam-in-unserem-alltag-wo-liegt-das-problem/ Mehr als 4,7 Millionen Menschen muslimischen Glaubens leben in Deutschland. So mancher Bundesbürger fühlt sich davon geradezu provoziert. Der Islam ist im Alltag immer wieder gegenwärtig: In Debatten über das Tragen von Burkinis, Schweinefleisch in Schulkantinen oder darüber, ob Lehrerinnen in der Schule Kopftücher tragen dürfen. Auch die Politik beschäftigt sich mit dem Thema.

Die SWR-Talksendung Nachtcafé nähert sich am Freitagabend dem Thema „Der Islam in unserem Alltag - wo liegt das Problem?“. Über folgende Fragen diskutieren die Gäste von Moderator Michael Steinbrecher: Wie viel Religion darf in unserem Staat sein? Wieso haben Menschen vor dem gelebten Islam im Alltag Angst? Was ist Bereicherung und was Bedrohung?

Zu Wort kommen unter anderem der Migrationsforscher Jochen Oltmer, der religionskritischer Philosoph Michael Schmidt-Salomon, ein Zentralrat der Ex-Muslime und eine Rektorin, die an einer Schule unterrichtet, an der mehr als die Hälfte der Schüler Muslime sind. Ein Krankenpfleger berichtet von seinem Alltag mit muslimischen Patienten. Er erlebe in seinem Arbeitsumfeld immer häufiger, dass Pflegerinnen nicht so viel Respekt entgegen gebracht wird. Auch die Modedesignerin Meriem Lebdiri beteiligt sich an der Gesprächsrunde. Sie entwirft Kleider für Frauen, die ihren Körper modebewusst bedecken wollen. Als Gäste im Publikum bringen sich eine Katholikin, die zwei Syrer aufgenommen hat, und ein Mann, der als Homosexueller attackiert wurde, ein.

Katholikin: „So verschieden sind wir gar nicht“

Der religionskritische Philosoph Schmidt-Salomon meint: „Der Glaube nimmt in unserem Land einen viel zu großen Einfluss auf unseren Alltag und die Politik.“ Für ihn seien die Grenzen der Toleranz schon längst erreicht. Die Katholikin Susanne Benz lebt mit zwei syrischen Flüchtlingen zusammen. Sie sagt: „So verschieden sind wir gar nicht. […] Sie genießen einfach nur ihre Freiheit.“

Der Gast David Karner berichtet von einem Erlebnis: Er wurde von einem muslimischen Taxifahrer attackiert, da er sich in dessen Auto mit seinem Freund küsste. Die heterogene Mischung der Gäste verspricht eine spannende Diskussion. (pro)

Nachtcafé: „Der Islam in unserem Alltag - wo liegt das Problem?“, 17. Februar, SWR, 22 Uhr

Von: mde

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Fri, 17 Feb 2017 14:37:00 +0100
<![CDATA[Muslime sollen sich zu Christenverfolgung äußern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/02/17/muslime-sollen-sich-zu-christenverfolgung-aeussern/ Seinen Auftritt zum Thema „Islam anerkennen?“ beim Jahresempfang der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen nutzte der Grünen-Politiker Cem Özdemir für Kritik an den muslimischen Verbänden in Deutschland. Nach wie vor erfüllten sie die Vorraussetzungen nicht, um etwa beim Religionsunterricht in Schulen mitzuwirken. Am Beispiel der gerade wegen ihrer Spitzelaffäre in der Kritik stehenden Ditib erklärte er, nicht das religiöse Bekenntnis stehe bei dem Verband im Vordergrund, sondern politische und nationale Interessen. Ditib-Funktionäre seien keine muslimischen Leiter, sondern Beamte des türkischen Staates, der sich gerade „in eine Art offenes Gefängnis verwandelt“.

Die Vertreter der Verbände lud er dazu ein, sich stärker politisch zu äußern. Würden sie etwa die Sterbehilfe, Schwangerschaftsabbrüche oder die Lage von Jesiden, Armeniern und allgemein verfolgten Christen thematisieren, würde das „eine immense Glaubwürdigkeit mit sich bringen“. Die Anerkennung muslimischer Gruppen als Körperschaften des öffentlichen Rechts „läuft nicht im Schlaf“, sagte Özdemir. „Es gibt Erfordernisse“, mahnte der türkischstämmige Politiker mit Verweis auf das Grundgesetz.

Islamverband wehrt sich

Özdemir ist ein offener Kritiker etwa des hessischen Modells. Das Bundesland hat den größten Islamverband Ditib als Partner für die Ausgestaltung des Religionsunterrichts anerkannt. In Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen sitzen verschiedene Verbände mit am Tisch. 2015 veröffentlichten Özdemir und sein Parteikollege Volker Beck ein Papier, in dem sie eine stärkere Intergration des Islam fordern, zugleich aber die Verbände hart kritisieren.

Auf Özdemirs Kritik reagierte am Donnerstag Nekir Altaş, Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş. Wer einen islamischen Religionsunterricht ohne die Verbände machen wolle, verstoße gegen das Grundgesetz, sagte er. Die Öffentlichkeit pauschalisiere im Umgang mit Ditib oder seinem Verband. Der Vorwurf des Islamismus etwa diene schlicht dazu, „Gruppierungen aus der Diskussion herauszuhalten“. Özdemirs Kritik, die Ditib werde aus dem Ausland gesteuert, begegnete er mit einem Vergleich: Auch die Katholische Kirche werde aus dem Vatikan gesteuert – das hindere sie nicht daran, Religionsunterricht zu erteilen. (pro)

Von: al

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Fri, 17 Feb 2017 11:54:00 +0100
<![CDATA[Amerikaner toleranter gegenüber Religionen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/amerikaner-toleranter-gegenueber-religionen/ Im Vergleich zu 2014 haben die Amerikaner zu Gläubigen fast aller Religionen ein „wärmeres Verhältnis“. Dies belegt eine Studie des PEW Research Centers. Dabei erhielten Juden (67) und Katholiken (66) auf einer Skala zwischen Null und 100 die höchsten Zustimmungswerte – die noch deutlich über denen von 2014 lagen. Am niedrigsten, aber immer noch deutlich höher als 2014, lagen sie bei Atheisten (50) und Muslimen (48). Bei evangelikalen Christen ist dieser Wert seit der letzten Umfrage (61) gleich geblieben.

Die positiven Empfindungen der Amerikaner gegenüber Mormonen sind von von 54 auf 58 und bei den Buddhisten von 53 auf 60 angestiegen. Neu in der Statistik sind sogenannte Mainline-Protestanten, Angehörige protestantischer Kirchen mit relativ liberaler Theologie, die bei einem Wert von 65 landeten.

Evangelikale sehen die anderen eher negativ

Die meisten befragten Juden und Mainline-Protestanten tendieren dazu, die anderen Religionen besser zu bewerten. Atheisten und Evangelikalen sehen die anderen eher in einem negativeren Licht. „Die Ergebnisse sind interessant nach einem Jahr mit umstrittenen Wahlen und Themen“, erklärt Jessica Hamar Martínez, eine der Wissenschaftlerinnen, gegenüber der „New York Times“. Laut der Studie gibt es einen Unterschied in der Bewertung, falls die Befragten Anhänger der entsprechenden Religionen kennen.

Die Personen, die Muslime kennen, geben ihnen in der Summe 56 Sympathiepunkte. Kennen die Befragten keine Muslime persönlich, liegt der Wert bei 42 Punkten: „Die Ergebnisse lassen vermuten, dass in Amerika alles in Ordnung ist, aber das stimmt so nicht“, kritisiert der Soziologieprofessor der Universität Duke, Jen'nan Ghazal Read, gegenüber der New York Times. Die Ergebnisse wurden auch mit den politischen Einstellungen verknüpft.

Unter Demokraten und deren Sympathisanten etwa ist der Sympathiewert gegenüber Muslimen von 47 auf 56 und unter Republikanern von 33 auf 39 in den vergangenen drei Jahren gestiegen. Die Demokraten bewerten evangelikale Christen auf dieser Skala bei 53 Punkten fast genau im Mittelfeld, während dies bei den Republikanern 71 Punkte sind.

44 Prozent der Amerikaner bewerten die Evangelikalen im oberen Mittelfeld, 38 Prozent im Mittelfeld und 18 Prozent am unteren Ende der Skala. 28 Prozent der Befragten gaben von sich selbst an, evangelikal zu sein. Drei von zehn Amerikanern sehen Muslime in einem negativen Licht, jeder Vierte dagegen in einem positiven. Die religiösen Gruppen tendieren insgesamt dazu, ihre eigenen Gruppen positiver zu bewerten. Am positivsten war der Sympathiewert bei der Selbstbewertung innerhalb der Juden (91) und der Katholiken (83).

Interessant ist, wie viele der Befragten tatsächlich Anhänger anderer Glaubensgemeinschaften kennen. Am höchsten war der Wert bei den Katholiken (86 Prozent): Drei von vier Befragten kennen einen Atheisten. Einen anderen Mainline-Protestanten oder einen Evangelikalen kennen etwas über 60 Prozent der Befragten. Weit dahinter liegen Muslime (45 Prozent), Mormonen (43 Prozent) und Buddhisten (23 Prozent).

Die Erziehung spielt bei den Bewertungen ebenfalls eine Rolle. Akademiker tendieren dazu, die Gläubigen anderer Religonsrichtungen positiver zu beurteilen. Es sei denn, es handelt sich dabei um evangelikale Christen. Bei allen anderen erfragten Merkmalen gab es kaum signifikante Unterschiede.

Für die Umfrage wurden zwischen dem 9. und 23. Januar 4.248 Erwachsene repräsentativ befragt. (pro)

Von: jw

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Thu, 16 Feb 2017 16:05:00 +0100
<![CDATA[Toleranz-Test für Indonesien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/02/16/toleranz-test-fuer-indonesien/ Die Kommunalwahlen in Indonesien am Mittwoch fanden internationale Aufmerksamkeit. Denn zur Wahl stand auch der Gouverneur der Haupstadt Jakarta, in deren Metropolregion etwa 30 Millionen Menschen leben. Wer hier gewinnt, hat gute Chancen auf die Präsidentschaft – über die stimmen die Indonesier 2019 ab. Für viele Beobachter gilt die Gouverneurswahl von Jakarta als Test für die Toleranz in dem Land. Der derzeitige Amtsinhaber Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok, gehört gleich zwei Minderheiten an: Er ist Christ und er hat chinesische Wurzeln. Er kandidierte wieder, herausgefordert von zwei Kandidaten muslimischen Glaubens.

Indonesien ist das Land mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung. Von insgesamt rund 255 Millionen Einwohnern sind etwa 220 Millionen – 87 Prozent – Muslime, zum größten Teil Sunniten. Neun Prozent der Bevölkerung sind Christen. Religion spielt in der indonesischen Gesellschaft eine sehr große Rolle, der Glaube an Gott ist eines der fünf Prinzipien, auf denen das Land beruht. Dennoch gilt Indonesien als säkularer Staat, der den Anhängern offiziell anerkannter Religionen – Muslimen, Buddhisten, Hinduisten, Konfuzianisten, Katholiken und Protestanten – Religionsfreiheit gewährt.

Doch das Auswärtige Amt wie auch Hilfsorganisationen wie „Amnesty International” oder das christliche Hilfswerk „Open Doors” berichten von Gewalt und Unterdrückung gegenüber religiösen Minderheiten, etwa Ahmadiyyas, Schiiten oder Christen. Laut „Open Doors” stünden vor allem Konvertiten sowie – wegen ihrer missionarischen Tätigkeiten – evangelische Freikirchen unter Druck von Muslimen. Die Mehrheit der Muslime vertrete jedoch in ihrer Glaubenspraxis eine „ausgesprochene Toleranz” gegenüber anderen Religionen, heißt es beim Auswärtigen Amt.

Blasphemie-Vorwurf gegen Gouverneur

Islamistische Bewegungen gewinnen in den vergangenen Jahren an Einfluss in der Gesellschaft. Entscheidend dafür seien unter anderem wahhabistische und salafistische Kräfte aus Saudi-Arabien. Das geht aus einem Länderbericht des katholischen Hilfswerks „missio” hervor. Geldgeber aus Saudi-Arabien finanzierten etwa Moscheen, religiöse Zentren und Bildunsgeinrichtungen und zielten darauf ab, den traditionellen indonesischen Islam von seinen volksreligiösen Elementen zu reinigen. „Diese wachsende Tendenz, sich auf islamische Orthodoxie zu konzentrieren, hat das Zusammenleben zwischen Muslimen und den Angehörigen der anderen Religionen stark verändert und beeinträchtigt”, heißt es weiter.

Auch die Spannungen zwischen radikalen und moderaten Muslimen hätten sich dadurch verschärft und seien von Gewalt begleitet. In manchen Landesteilen Indonesiens gilt die Scharia. Jedoch sei die Mehrheit der Bevölkerung dagegen, diese islamische Rechtsgrundlage landesweit einzuführen.

Der wachsende Einfluss der Radikalen zeigt sich unter anderem daran, dass gegen den derzeitigen Gouverneur Jakartas, den Christen Ahok, derzeit ein Prozess wegen Blasphemie läuft. Angeblich habe er im November in einer Wahlkampfrede den Islam beleidigt. Hardliner wie die Islamistische Verteidigungsfront organisierten seitdem Massenproteste gegen Ahok, zu denen Zehntausende auf die Straße gingen. Die Radikalen machen damit Stimmung, dass nur ein Muslim ein mehrheitlich muslimisches Land führen dürfe.

„Journalisten geben Islamisten zu viel Aufmerksamkeit”

Basilisa Dengen von der Menschenrechtsorganisation „Watch Indonesia” bestätigte auf Anfrage von pro, dass in den vergangenen zehn Jahren intolerante Aktionen gegenüber religiösen Minderheiten zugenommen hätten. Diese Entwicklung würden Politiker im Wahlkampf ausnutzen und Religion somit instrumentalisieren. „Man benutzt das als Mittel im Wahlkampf, um Unterstützung zu bekommen. Die Kandidaten stellen die Wahl als Sache der Religion dar. Es ist aber ein sehr politischer Kampf", sagte sie. Im öffentlichen Diskurs werde gezielt versucht, über die Religion zu polarisieren. „Man sieht es immer als Kampf zwischen Minderheit und Mehrheit, statt als Kampf um Gleichberechtigung."

Dafür macht Dengen auch die Medien verantwortlich. So seien zwar fundamentalistische Strömungen des Islam tatsächlich zunehmend stärker geworden. Aber die Journalisten hätten auch selbst dazu beigetragen, indem sie ihnen mit sensationsheischenden Nachrichten besondere Aufmerksamkeit geschenkt hätten, statt sie zu boykottieren. Für Dengen ist daher die Gouverneurswahl in Jakarta vor allem ein Signal dafür, wie sich die indonesische Gesellschaft in Sachen Toleranz insgesamt entwickelt.

Nach ersten Ergebnissen liegt Ahok mit rund 42 Prozent der Stimmen vorn, offiziell wird der Wahlausgang wohl erst Ende des Monats bekanntgegeben. Mitte April steht dann womöglich eine Stichwahl an. (pro)

Von: jst

In einer früheren Version des Artikels hieß es, Ahok sei katholisch. Diesen Zusatz haben wir entfernt, da uns widersprüchliche Informationen dazu vorlagen.

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Thu, 16 Feb 2017 15:24:00 +0100
<![CDATA[Film „Luther“ mit Reformationsheft]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/16/film-luther-mit-reformationsheft/ „Der Lutherfilm ist ein glänzender Anlass, mit der Legende 'Luther' so umzugehen, dass man diesen Film zu einem Bildungsereignis und Event macht“, sagt die Theologin Johanna Haberer von der Universität Erlangen-Nürnberg. Der bekannte Film von Regisseur Eric Till zeigt das Leben Martin Luthers (gespielt von Joseph Fiennes) und seinen Kampf gegen die katholische Kirche. Im Jahr 2004 erhielten der Regisseur und die Produzenten des Kinoerfolges den Preis „Goldener Kompass“ des Christlichen Medienverbundes KEP. In dem Film wirken zudem mehrere bekannte Darsteller wie Sir Peter Ustinov, Bruno Ganz, Claire Cox, Mathieu Carrière, Benjamin Sadler und Maria Simon mit.

„In vielen Dialogen thematisiert der Film das Zentrum des Glaubens, die Bedeutung der Bibel und die verändernde Kraft der guten Nachricht“, heißt es in der Mitteilung der Stiftung Marburger Medien. Die Stiftung bringt den Film mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren als Geschenkversion und eine Vorführversion für Kirchen, Gemeinden und Organisationen heraus.

Die Geschenkversion ist für Einzelpersonen oder Gruppen bis zu acht Personen gedacht. Die DVD ist Bestandteil der Broschüre „Wer tut, wofür sein Herz schlägt …“, die wesentliche Aussagen zu den vier Werten „Allein Christus, der Glaube, die Gnade, die Schrift“, dazu hilfreiche Informationen über den Film sowie die Zeit der Reformation enthält. Diese Geschenkversion soll dazu dienen, mit Nachbarn oder Kollegen ins Gespräch über den Glauben zu kommen, schreibt die Stiftung Marburger Medien.

Zur Vorführung in Gemeinden geeignet

Daneben bieten die Marburger Medien eine Vorführversion für Gemeinden, Schulen und Organisationen in einer Box an. Sie enthält ein Begleitheft für Filmvorführungen mit vielen Gesprächsimpulsen, Gestaltungsvorschläge für Filmvorführungen mit 60, 90 oder 120 Minuten, sowie eine Broschüre „Hör mal, ob dein Herz noch schlägt …“ mit den vier Grunderkenntnissen Luthers und ein Blatt zum Lizenzerwerb. Eine Lizenz wird benötigt für Vorführungen mit mehr als acht Personen.

Die Arbeit der Stiftung finanziert sich durch Spenden. Wenn man zur Bestellung eine Rechnung erhalten möchte, kostet die Vorführ-Version des Luther-Films 5,95 Euro. Die Geschenkversion kostet 3,95 Euro.

Frieder Trommer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Marburger Medien erklärte: „Dieser Film ist nicht nur eine Chance im Jahr des Reformationsjubiläums, die geistlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen durch Luther zu erklären, sondern er lässt vor allem begreifen, wie Gott und seine Liebe auch unser Leben verändern kann.“ (pro)

Von: js

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Thu, 16 Feb 2017 13:55:00 +0100
<![CDATA[Video: US-Muslime fordern Scharia]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/02/16/video-us-muslime-fordern-scharia/ Dutzende junge Muslime sollen in den vergangenen Monaten die amerikanische Stadt Minneapolis im Bundesstaat Minnesota verlassen haben, um sich Terrorgruppen wie dem Islamischen Staat anzuschließen. Der Filmemacher und Aktivist Ami Horowitz wollte in einer Straßenumfrage wissen, wie junge Muslime dort über ihr Leben in den USA und über das islamische Scharia-Recht denken.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Unter anderem verteidigt ein Junge die Idee, Dieben die Hand abzuhacken.

Horowitz wurde durch die Dokumentation „U.N. Me” bekannt, die sich kritisch mit den Vereinten Nationen befasst. Außerdem produzierte er Beiträge für den konservativen Nachrichtensender Fox News. (pro)

Von: mb

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Thu, 16 Feb 2017 11:44:00 +0100
<![CDATA[Vom äußeren zum inneren Reichtum]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/16/vom-aeusseren-zum-inneren-reichtum/ Eine Rezension von Miriam Dechert]]> Josef Müller erzählt seine Geschichte im Film „Ziemlich bester Schurke – Vom FBI gejagt, von Gott gefunden” selbst – in einem ernsten, aber an angebrachten Stellen auch lustigen Tonfall.

Der Film zeigt, wie Müller, der durch einen Autounfall in seiner Jugend im Rollstuhl sitzt, schon als Kind Geschäfte machte, indem er Waschmittel verkaufte und später einen Plattenladen besaß. Als Steuerberater hatte er dann großen Erfolg und besaß vier Kanzleien. Er wurde immer geldgieriger und hatte nie genug. Doch dann verlor und verspielte er 40 Millionen Mark, die er für einen Mafiaboss anlegen sollte.

Wegen verschiedenen kriminellen Handlungen verurteilte man den Millionär schließlich zu fünf Jahren Haft. Doch diese Jahre brachten eine überraschende Wende in sein Leben: Im Gefängnis fand er zum Glauben und lernte Jesus kennen.

Danach hielt und hält Müller immer noch Vorträge zum Thema Gier und ermutigt Menschen, ihr Leben Jesus anzuvertrauen. Im Film werden Interviews von Menschen, die in Müllers Leben und seine Erlebnisse verwickelt waren, gezeigt. Dadurch schafft es der Film, das Erlebte in verschiedenen Perspektiven darzustellen.

Interviewt werden unter anderem Müllers Ex-Frau, der Leiter des Gebetshauses Augsburg, Johannes Hartl, Müllers Freund und ein Mitinsasse, die vor allem von Müllers Verwandlung erzählen.

Original-Aufnahmen stellen Erzählung gut dar

Wenn Müller von seiner Kindheit und Jugend spricht, sieht der Zuschauer Fotos aus dieser Zeit. Darüber hinaus findet man in seinen Erzählungen immer wieder kleine Lebensweisheiten und Ermutigungen.

Der Film bringt aber auch gut rüber, mit was für einem Luxus Müller früher lebte. Wenn zum Beispiel Fotos von seinen vielen Autos gezeigt werden, oder Bilder, auf denen er mit etlichen Politikern und Schauspielern zu sehen ist, bekommt man schnell einen Eindruck, was für ein Mensch Müller früher war.

Müllers Geschichte ist interessant und auch inspirierend, doch zuweilen fällt es schwer, die Chronologie des Geschehens nachzuvollziehen – wann genau stellte sich Müller, wann war er auf der Flucht? Dennoch ist der Film gut gemacht und zeigt, was Müller für eine Verwandlung durchlebt hat.

Besonders deutlich wird dies auf Bildern von vor und nach Müllers Zeit in Haft. Nicht nur die Frisur hat sich verändert: Müller hat auch ein großes Lächeln auf den Lippen, das nur Jesus schenken kann. (pro)

Von: mde

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Thu, 16 Feb 2017 11:18:00 +0100
<![CDATA[Weiterleben nach dem Suizid]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/02/15/weiterleben-nach-dem-suizid/ Eine Rezension von Christina Bachmann]]> „Das ist alles nur geklaut“ singt die Leipziger Popgruppe „Die Prinzen” in ihrem Hit aus den Neunzigerjahren. Geklaut hat Prinzen-Gründungsmitglied Jens Sembdner in seinem Lebensbericht nichts. Jedes einzelne Kapitel ist ganz und gar seins: In „Von unten betrachtet geht es nur nach oben“ erzählt der heute 50-Jährige zum Teil schonungslos offen von dem schweren Schicksalsschlag seines Lebens, dem Freitod seiner Frau.

„Ich kann jeden verstehen, der findet, dass Privates auch privat zu bleiben hat, aber ich sehe keinen Grund mehr, meine Erfahrungen für mich zu behalten“, schreibt Sembdner im Vorwort. Sein Wunsch: Denkanstöße weiterzugeben. Als jemand, der ohnehin im Rampenlicht steht, macht er sich für die Leser zum „gläsernen Menschen“. Zu Beginn holt er weiter aus und schildert seine Kindheit in der DDR, den Weg zur Musik. Von den Leipziger Thomanern abgelehnt wegen eines West-Parkas mit NATO-Aufnäher, hatte er beim Dresdner Kreuzchor Erfolg – „vermutlich war das Wetter an jenem Tag so gut, dass ich mich ohne Jacke vorstellen konnte“. Sembdner erzählt von der Zeit bei den Sängerknaben und davon, wie das Musizieren in seinem Leben bald eine Eigendynamik entwickelte, die ihm kaum einen anderen Weg mehr ließ, als Musik zu machen.

Alles wird anders

Noch vor der Wende dann die Begegnung mit Traumfrau Silvia. Das gemeinsame Leben schildert der Musiker so: „Die Nähe zwischen uns war vom ersten Augenblick an eine so intensive, wie sie andere Paare wohl auch nach Jahren nicht erleben und in manchen Fällen vielleicht gar nicht erleben wollen.“ 1997 die Hochzeit an einem Strand in Kanada. Doch die freie Zeit miteinander wird mit zunehmendem Erfolg der „Prinzen” mehr und mehr zur Mangelware. Silvias Herzenswunsch, eigene Kinder, bleibt unerfüllt, das Hoffen und die Enttäuschungen zehren an der Substanz. Das Paar nimmt zwei Kinder aus katastrophalen Familienverhältnissen auf und stellt sich den damit verbundenen Herausforderungen. Dann kommt „der Tag, der alles verändert hat“ - so nennt Jens Sembdner in der Kapitelüberschrift den 18. November 2001.

Zurück von der Geburtstagsfeier seiner Mutter findet er zu Hause seine Frau, die fünfzig Aspirintabletten geschluckt hat. Im Krankenhaus stirbt sie schließlich. „Etwas Unvorstellbares war passiert, ich war nun allein mit zwei Kindern und hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen verloren zu haben.“ Im Buch beschreibt Jens Sembdner all die selbstzerfleischenden Gedanken, die „Was-wäre-wenn“-Fragen und Erklärungsversuche für das Unfassbare. Offen erzählt er von seinem ausgehebelten Alltag nach dem Suizid seiner Frau, dem Leben in einer Art Parallelwelt. Und dann bricht auch der damals 34-Jährige zusammen. Drei Wochen nach dem Tod seiner Frau wird der Sänger selbst ins Krankenhaus eingeliefert, er hat den Rest der Aspirin-Großpackung geschluckt.

In einem Zustand zwischen Tod und Leben sieht er sich in einem Raum mit mehreren Türen, die sich nicht öffnen lassen. „Plötzlich hörte ich eine Stimme sagen: ‚Jens, du bist noch nicht dran!‘“ Sembdner überlebt und beginnt sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen. Sein Ansprechpartner vor allem: Bandkollege Wolfgang Lenk, ein überzeugter Christ. Über ihn kommt er in eine evangelische Freikirche, hört dort nicht die zuerst erhofften klaren Antworten, spürt jedoch etwas von einem beneidenswerten Gottvertrauen. Dass er heute verkünden kann, im Glauben Trost und Stärke gefunden zu haben, war keine Veränderung von heute auf morgen, sondern ein langer Prozess, das wird in den folgenden Kapiteln deutlich.

Kein Missionar

Der „Prinz” steigt beruflich wieder ein, ist dem Tourleben aber noch nicht gewachsen und muss darüber hinaus den Spagat als alleinerziehender Vater schaffen. Eine Zeit im Schweigekloster hilft ihm zur Ruhe zu kommen und sich neu auszurichten. Auch nach seiner Abkehr von der Freikirche bleibt das Gebet in Jens Sembdners Leben ein festes Ritual und gibt ihm Halt.

2007 erscheint das erste Album seines Soloprojekts „Jes. 41“. „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir“, so ein Vers aus dem 41. Kapitel des Propheten Jesaja, das für den Sänger mit einem im Buch beschriebenen Schlüsselerlebnis verbunden ist. Texte von tiefer Gotteserfahrung, zum Teil aus alten Kirchenliedern übernommen, zeichnen dieses Album aus. Als Prediger oder gar Missionar sieht sich Sembdner allerdings nicht. Auf den Glauben bezogen ist er in seinen Formulierungen oft eher vorsichtig: „…denn das Ende allen Leidens beginnt in mir selbst und dabei vertraue ich auf eine höhere Wirklichkeit, einer Einheit des Lebens, einer übergroßen Liebe, die an mir und in mir arbeitet. Ich nenne diese allumfassende Liebe Gott.“

Gefühle, die weh tun

Jens Sembdner beschönigt bei seinem „Weg zurück ins Leben“, so der Untertitel des Buches, nichts. Er beschreibt Situationen oft schmerzhaft deutlich und hält mit seinen Gefühlen, auch der maßlosen Wut auf Gott, nicht hinter dem Berg. Er erzählt offen von Schuldgefühlen, Trauer und Verzweiflung, aber auch von Trost, den es nicht auf Knopfdruck gibt. Während die Katastrophe unvermittelt und mit voller Wucht hereinbricht, ist der steinige Weg zurück ins Leben ein langsamer und oft mühsam erkämpfter. Ein Weg, so merkt man beim Lesen, auf dem der Musiker immer noch unterwegs ist.

Für ihn haben sich nach eigenen Worten die Prioritäten verschoben, auf den letzten Seiten bezeichnet er sich als zufriedener. Menschen, die Ähnliches durchmachen mussten, können sich in Jens Sembdners Erfahrungen wiederfinden, für die anderen ist es mindestens eine packende Lektüre mit viel Stoff zum Nachdenken. (pro)

Von: cba

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Wed, 15 Feb 2017 14:22:00 +0100
<![CDATA[Die Rachegeschichte aufbrechen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/15/die-rachegeschichte-aufbrechen/ Eine Filmkritik von Michael Müller]]> „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name ...“, betet an jedem Morgen Becker (Peter Kurth). Der wortkarge Mann mit den vielen Tattoos hat fast zwanzig Jahre für den Mord an einer Frau und einem Kind im Gefängnis gesessen. Von seiner Rockerbanden-Vergangenheit losgesagt, arbeitet er nun für einen Wachdienst. Er mag es, mit den Wachhunden seine Runde zu drehen. Einen hat er so lieb, dass er ihn nach der Schicht regelmäßig mit nach Hause nimmt. Mit der alleinerziehenden Rita (Catrin Striebeck) findet Becker sogar das Liebesglück wieder.

Wäre da nicht dieser zufällige Blick in der U-Bahn gewesen. Becker weiß, dass er den verwahrlosten Mann auf der Sitzbank kennt. Aber woher? Er fühlt sich jedenfalls verfolgt. Als er seine Wohnung verwüstet vorfindet, beginnt Becker, auf eigene Faust zu ermitteln. Der Mann, der ihn terrorisiert, ist Dahlmann (Karl Markovics). Es waren dessen Ehefrau und Tochter, die Becker auf dem Gewissen hat.

„Zwischen den Jahren“ ist der zweite Spielfilm des Regisseurs Lars Henning, der seine Weltpremiere in der Berlinale-Sektion „Perspektive Deutsches Kino” gefeiert hat. Hier wird deutschsprachigen Nachwuchstalenten eine Chance gegeben, sich der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Keine Rachegeschichte, wie sie Hollywood erzählt

Wie schwierig kann Vergebung sein, wenn der Mörder der eigenen Familie frei auf der Straße herumläuft, Spaß hat und sogar glücklich ist? Welche Abbitte kann ein Mensch leisten, wenn er das Leben eines anderen Menschen so zerstört hat, dass dieser ein psychisches Wrack ist und wegen der damaligen Tat heute hochverschuldet sein Dasein dahinfristet?

Becker trifft Dahlmann zur Aussprache in einem chinesischen Restaurant. Diese Szene ist der emotionale Kern des Films. Das ist nicht die Hollywood-Version der Rachegeschichte, wie sie zum Beispiel Martin Scorsese unwiderstehlich in seinem Thriller „Kap der Angst“ erzählt hat. Es gibt keinen diabolischen Robert De Niro, der Zigarre rauchend im Dunkeln sitzt und ganz genau weiß, wie er den Familienvater, der ihn damals ins Gefängnis gebracht hat, in den Wahnsinn treiben wird. Nachdem Dahlmann Becker beschrieben hat, wie alt heute seine Tochter wäre, dass sie wahrscheinlich studieren und längst zuhause ausgezogen wäre, rennt Becker auf die Toilette, um sich zu übergeben. Dieser Dialog in der Mitte des Films ist ein Schauspielerduell der Extraklasse zwischen Karl Markovics und Peter Kurth.

Emotionale Tour de Force

Der ehemalige Rocker bietet Dahlmann finanzielle Kompensation an, aber das macht alles noch schlimmer. Zumal Becker für Dahlmann durch seine frische Liebe zu Rita und ihrem Jungen verletzbarer geworden ist. Regisseur Henning zeichnet Becker als geläuterten Menschen. Einen entscheidenden Anteil daran muss der Gefängnispfarrer gespielt haben, dem Becker vor Weihnachten ein Geschenk vorbeibringt. Aber wer hier Täter und wer Opfer ist, wo die Sympathien liegen, überlässt der Regisseur ganz dem Zuschauer.

„Zwischen den Jahren“ ist ein schnörkelloses Genrewerk, das aber die typische Identifikation mit dem Rächer aufbricht. Es besitzt ein sehr gutes Auge für unscheinbare Atmosphäre, authentische Sprache und in der Hauptrolle mit Peter Kurth einen Schauspieler, der seine emotionalen Grenzen austestet. Kurths markantes Gesicht kennt der Fernsehzuschauer aus dem Frankfurter Tatort. Der Film ist eine emotionale Tour de Force voller kleiner magischer Momente, auch weil er seine Protagonisten nicht schont. Kernigeres Männerkino wird auf der Berlinale dieses Jahr schwerlich zu finden sein. (pro)

Von: mm

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Wed, 15 Feb 2017 12:20:00 +0100
<![CDATA[Galileo porträtiert friedlichste Armee der Welt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/02/15/galileo-portraetiert-friedlichste-armee-der-welt/ Die Heilsarmee feiert Gottesdienste in Fußgängerzonen, verteilt Suppen an Bedürftige und versucht Menschen über kulturelle Angebote mit Gottes Wort zu erreichen. Die ProSieben-Redaktion von Galileo hat die Heilsarmee und deren Berliner Offizier Matthias Lindner bei seiner Arbeit begleitet und die Arbeit porträtiert.

„Die Straße ist die Kirche der Heilsarmee“

Matthias Lindner hat seinen Zivildienst bei der Heilsarmee geleistet. Er ist – fasziniert von der Arbeit – bis heute bei der Freikirche geblieben. Der Offizier liebt es, auf ungewöhnliche Art und Weise Gottes Wort weiterzugeben. Dafür nutzt er sein Hobby Trial, bei dem er Kunststücke mit dem Fahrrad vorführt. Bei solchen Aktionen mitten in Berlin kann er mit den Menschen ins Gespräch kommen – auch über deren Glauben.

„Die Straße ist die Kirche der Heilsarmee“, betont der ProSieben-Beitrag. In einem kurzen Videoclip wird die Institution dargestellt. Die Freikirche sei eine Alternative zu den großen Landeskirchen. Sie lebt von freiwilligen Spenden. Ihr Fundament ist der Glaube an Jesus Christus auf der Basis der Bibel. Im Gegensatz zu den Landeskirchen verzichte sie auf sakrale Bauten, sei dafür aber strenger organisiert.

Die Theologen der Heilsarmee verzichten auf Alkohol, Drogen und Pornografie. In Berlin betreibt die Heilsarmee nicht nur eine Kita, sondern bekocht auch Bedürftige. Lindner kostet diese Arbeit auch manchmal Überwindung. Man dürfe nicht zimperlich sein gegenüber den Menschen, denen man am Cottbuser Tor begegne. Für viele sei die Arbeit ein Rettungsanker.

„Die haben mich aufgefangen!“

Den Ärmsten zu helfen ist der Ursprung der Heilsarmee, die von dem Engländer William Booth begründet wurde. Genauso wichtig wie das Essen ist für Lindner auch, dass er den Menschen Zeit schenkt und ihre Sorgen ernst nimmt. In Berlin betreibt die Heilsarmee auch eigene Wohnungen: „Die haben mich aufgefangen!“, sagt einer der Bewohner. Er schätzt es, dass sie in ihrer WG viel Zeit miteinander verbringen und Ausflüge machen. Zudem gehe es im Kiez Prenzlauer Berg darum, sie mit ihrer kulturellen Sprache zu erreichen. Auch dort sieht die Heilsarmee ihr Betätigungsfeld.

Dass sich die Organisation in der Hierarchie an einer Armee orientiert, habe pragmatische Zwecke. „Einer entscheidet, wo es hingeht und die anderen gehen mit“, betont Major „Poldi“ Walz im Gespräch mit dem Sender. Insgesamt hat die Heilsarmee in 128 Ländern weltweit 1,7 Millionen Mitglieder. (pro)

Von: jw

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Wed, 15 Feb 2017 11:49:00 +0100
<![CDATA[Ein Pastor muss Missionar sein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/02/15/ein-pastor-muss-missionar-sein/ Im pro-Gespräch berichtet Bobby Schuller außerdem, wie er den Bankrott der berühmten Crystal Cathedral erlebt hat – und über Gemeindegründer Robert H. Schuller, seinen Großvater.

Einen umfassenden Bericht über Bobby Schuller und die Arbeit seiner Gemeinde lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441 915 151, per Mail an info@kep.de oder online!

Von: js/mb

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Wed, 15 Feb 2017 09:55:00 +0100
<![CDATA[Die Unsichtbaren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/14/die-unsichtbaren/ Eine Filmkritik von Anna Lutz]]> „Wie sind Sie über die Grenze gekommen?"

„Es ist ganz einfach. Niemand will uns sehen. Wir verursachen nur Probleme."

Dieser Dialog zwischen einer Mitarbeiterin der finnischen Migrationsbehörde und dem geflüchteten Syrer Khaled (Sherwan Haji) fasst das Thema des diesjährigen Berlinale-Wettbewerbsbeitrags „Die andere Seite der Hoffnung” zusammen. Regisseur Aki Kaurismäki zeigt, was heute alltäglich ist: Ein Flüchtling verlässt seine Heimat, reist quer durch Europa und strandet schließlich in Finnland, wo er seine Identität opfert, um nicht zurück in den Krieg zu müssen. Dass das Publikum über einen solchen Film auch noch lachen darf, macht ihn zu etwas Besonderem.

Khaled kommt auf einem Transportschiff nach Finnland. In einer der ersten Filmszenen gräbt er sich, zunächst versteckt unter Kohle und Dreck, in die Freiheit. In einer Bahnhofsdusche wäscht er sich die schwarze Farbe von der braunen Haut, etwa so, wie er seine Identität in den kommenden anderthalb Stunde von sich abfallen sehen wird. Denn sein Antrag auf Asyl scheitert. Khaled, der aus Syrien in die Türkei, nach Griechenland und über Ungarn und Serbien schließlich in seine neue Wunschheimat gelangt, soll zurück nach Aleppo. Die Behörden halten die Stadt für sicher, am Abend verkünden ihm Nachrichten das Gegenteil. Also entschließt er sich zum illegalen Aufenthalt und findet Unterschlupf bei einem Restaurantbesitzer (Sakari Kuosmanen), der ihm Arbeit, Unterschlupf und einen gefälschten Pass besorgt.

Kaurismäkis Film zeigt das Grauen der Flucht ganz beiläufig. Nicht in Bildern und dramatischen Dialogen, sondern ganz nüchtern als alltägliches Geschehen überall um uns herum. Tränenfrei berichtet Khaled etwa der Beamtin beim Asylinterview davon, wie eine Bombe seine Familie tötete. Wie er zusammen mit seiner Schwester (Niroz Haji) die toten Eltern aus den Trümmern grub, um sie anschließend wieder zu begraben. Wie er sich zur Flucht entschloss, unterweges seine Schwester verlor und sie nun um alles in der Welt wiederfinden möchte. „Brauchen Sie eine Pause?”, fragt die Interviewerin. Der Syrer antwortet: „Nein, wieso?” Der Horror ist so normal, dass er den Befragten nicht mal mehr stocken lässt.

Der islamisierte Hund

Was es für Geflüchtete wirklich bedeutet, in einem neuen Land anzukommen, machen Szenen deutlich, die Khaled im Flüchtlingsheim zeigen - rauchend, das Bett machend, Wäsche waschend, aber ohne Arbeit und Beschäftigung. Als er bereits untergetaucht ist, wird das Restaurant, in dem er arbeitet, vom Ordnungsamt kontrolliert. Khaled wird zusammen mit dem süßen kleinen Hund, der in der Küche wohnt, ins Klo gesperrt, damit ihn niemand findet. Der Restaurantbesitzer vergisst beide dort. Oder wie Khaled bereits im Interview mit den Behörden sagte: „Niemand will uns sehen.”

Das mag nach einer Menge Pathos klingen, tatsächlich ist das Besondere an der finnisch/deutschen Produktion aber der teils klamaukige Humor, der die eigentlich traurige Geschichte durchzieht. So sagt Khaled nach seiner Befreiung aus der Toilette über das Tier auf seinem Arm: „Ein sehr schlauer Hund. Ich habe ihm arabisch beigebracht. Und er hat sich dem Islam zugewandt.” Kaurismäki führt die Angst vor einer Islamisierung in dieser Szene ad absurdum.

Böse dreinschauende Pappfiguren

Ähnlich tut er es mit der Sorge vor einem wirtschaftlichen Niedergang durch wachsende Zuwanderung. Immer wieder ist die Angst vor der Zukunft Thema seiner finnischen Figuren. Geschäfte laufen schlecht, die hier und da zu hörenden Volkslieder erzählen von Armut und schlechter Ernte und ausnahmslose alle Darsteller schauen ernst drein. Ein Lachen können sich nur die zwei Rechtsradikalen abringen, die versuchen, Khaled anzuzünden. Am Ende ist seine Schwester die einzige, deren ernster Blick tatsächlich schwer wiegt und die nicht wirkt, wie eine böse dreinschauende Pappfigur.

„Die andere Seite der Hoffnung” ist einer der wenigen Wettbewerbsbeiträge in diesem Jahr, die sich direkt einem aktuellen politischen Thema widmen, bleibt dabei aber nüchtern und löst Schwere durch Humor auf. Das macht ihn zu einem echten Kunstwerk, auch wenn die Gags an sich Geschmackssache sind. (pro)

Von: al

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Tue, 14 Feb 2017 15:36:00 +0100
<![CDATA[Telekom wirbt mit alternativem Familienbild]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2017/02/14/telekom-wirbt-mit-alternativem-familienbild/ Die Deutsche Telekom hat Ende Januar eine Kampagne unter dem Motto „Für alle, die Familie sind“ gestartet, um die „Family Card" zu bewerben, mit der Kunden weitere Mobilfunk-Karten für „Familienmitglieder" zubuchen können. Ein Werbespot spielt mit der Frage, wie die perfekte Familie aussieht.

In den Augen der Telekom fällt die Antwort „im neuen Werbespot rasant, witzig und mit überspitzen Klischees“ durchaus positiv aus. Das Video zeigt neben einer „klassischen Familie" auch eine „Hippie-Kommune", eine „musizierende Bürgerfamilie" sowie ein „lesbischen Paar mit Kind" und eine Gruppe fröhlicher Nudisten. Der Werbefilm ist musikalisch unterlegt mit einem Song der „Beginner" der den Titel „Meine Posse“ („Posse" ist Jugendlichensprache und bedeutet soviel wie Clique) trägt.

„Familie ist schon lange mehr als Vater, Mutter, Kind", erklärt Michael Schuld, Leiter Kommunikation und Vertriebsmarketing der Telekom Deutschland, auf der Webseite des Unternehmens. Dies zeige das Unternehmen in der neuen Kampagne auch deswegen, weil sich das beworbene Produkt nicht nur an klassische Familien richte.

Regiesseur des neuen Werbefilms ist der Spielfilmregisseur Simon Verhoeven. Die Telekom nähere sich dem Familienthema immer wieder neu an, „mal klassisch, aber auch mal unkonventionell".

Kritik im Netz

Nach Verhoevens Ansicht ist und bleibt „der Wert Familie [...] zentral wichtig für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft, aber beinhaltet eben weitaus mehr, als einfach nur miteinander verwandt zu sein.“

In den sozialen Netzwerken erfährt die Telekom Zuspruch wie Ablehnung für das neue Familienbild. Auf die Frage nach dem leiblichen Vater eines von zwei Lesben adoptierten Kindes erklärt die Telekom etwa:

Ein Tweet der Telekom, in dem das „moderne” Familienbild verteidigt wird, stößt besonders auf Kritik:

Viele Nutzer merken an, dass die „klassische” Familie noch immer das am häufigsten in Deutschland gelebte Familienmodell sei. (pro)

Von: nob

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Tue, 14 Feb 2017 14:44:00 +0100
<![CDATA[Ein IS-Strategiepapier für den Medienkrieg]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/02/14/ein-is-strategiepapier-fuer-den-medienkrieg/ Die Medienarbeit des Dschihad ist mitunter bedeutsamer als der militärische Dschihad. Diese These vertritt der britische Terrorismus-Experte Charlie Winter. Der Forscher am Londoner King’s College betont in einem Artikel der Tageszeitung Die Welt ein beträchtliches Repertoire der IS-Kämpfer in der Propaganda: Dazu gehören neben Bekenner-Schreiben und Videos auch Apps für Kinder.

Winter forscht in London zu dieser Entwicklung. Er ist sich sicher: „Nichts wird zufällig veröffentlicht.“ Hinter der Propaganda stecke ein weltweites Netzwerk, das regelmäßig Clips und Filme aus den verschiedenen Regionen produziere und so das virtuelle Kalifat am Leben erhalte.

Medien sind nichts anderes als Waffen

Aus Winters Sicht funktioniert die IS-Propaganda auf mehreren Ebenen. Sie solle Freund und Feind gleichermaßen ansprechen. Medien seien für die Terroristen nichts anderes als Waffen. Es gehe darum, das Kalifat als Marke zu etablieren und die eigene Anhängerschaft zu motivieren. Zudem könne der IS damit Fans und Sympathisanten außerhalb der Kriegsschauplätze ansprechen. Winter findet: „Die Unterschiede zwischen Unterstützung und Mitgliedschaft verschwimmen.“

Die Videos zeigen Enthauptungen und Verbrennungen. Dies demoralisiere die Gegner und verbreite Angst. Wenn andere Medien die Videos verbreiteten, würden sie unfreiwillig zu Gehilfen der IS-Propaganda. Winter sieht aber auch erste Kratzer in der Strategie. Mittlerweile würden immer mehr Dienstleister engagiert gegen die Hasspropaganda vorgehen und die Nachrichten auf YouTube oder Twitter löschen.

Mit Cyberangriffen gegen Propaganda

Auch die „Personalsituation” des IS sei angespannt. Viele Multiplikatoren seien bei US-Luftangriffen getötet worden. „Die Zahl der Veröffentlichungen ist zurückgegangen“, beobachtet auch Winter.

Aus seiner Sicht hat dies auch mit der amerikanischen Ankündigung zu tun, mit Cyberangriffen gegen die Propaganda vorzugehen. (pro)

Von: jw

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Tue, 14 Feb 2017 13:55:00 +0100
<![CDATA[„Abtreibung schadet vor allem Frauen”]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/14/abtreibung-schadet-vor-allem-frauen/ Die Autorin Birgit Kelle („Gender-Gaga”) hat in einem Kommentar für die Tageszeitung Die Welt kritisiert, dass Abtreibungen in Europa zur Normalität geworden seien. Kaum habe der neue US-Präsident Donald Trump Gelder für internationale Organisationen, die Abtreibungen anbieten, gestrichen, überlege die Europäische Union, dafür in die Bresche zu springen. Dänemark hat dafür bereits zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

„Der internationale Exportschlager Abtreibung fällt ausgerechnet auf diejenigen zurück, die ihn am lautesten eingefordert haben: die Frauen”, kritisiert die Katholikin. „Wir haben die Abtreibung in die Welt getragen und jetzt werden weltweit vor allem Mädchen abgetrieben.”

Wenn Küken wichtiger als Kinder sind

Die Menschen hätten sich an die Sprachregelung gewöhnt, wonach die völlige Legalisierung und Durchführung von Abtreibungen weltweit tatsächlich als Menschenrecht gelte, schreibt Kelle. „So manchem scheint deswegen nicht mehr geläufig, dass es gar keine kassenärztliche, medizinische Dienstleistung ist, wie eine Grippeimpfung. Es ist, was es ist: die vorsätzliche Vernichtung menschlichen Lebens.”

Den Grundsatz „Du sollst nicht töten“ könne man auf Partys engagiert vertreten, „während man an einer veganen Soja-Latte nippt und solange es gilt, das Schreddern von Hühnerküken zu verhindern”. Hingegen führe es zu Empörung, „wenn man den gleichen Grundsatz auf ungeborene Kinder anwendet, die leider zur falschen Zeit im falschen Bauch liegen”.

Kelle, selbst Mutter von vier Kindern, kritisiert: „Die Willkommenskultur für potenzielle Neubürger funktioniert für Kinder, die aus Booten und Zügen steigen, aber nicht für jene, die noch im Mutterbauch schlummern.” (pro)

Von: mb

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Tue, 14 Feb 2017 12:08:00 +0100
<![CDATA[Der Schlüssel, Gottes Wesen zu verstehen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/02/14/der-schluessel-gottes-wesen-zu-verstehen/ Eine Rezension von Moritz Breckner]]> Die christlichen Wurzeln im Judentum und das damit verbundene lange und schwierige Alte Testament sind eine Angelegenheit, die unter christlichen Jugendlichen und Jungen Erwachsenen oft ein Nischendasein fristen. Das muss nicht so bleiben.

Der Münchner Pastor Tobias Teichen hat ein Buch verfasst, das hier ansetzt und Abhilfe schaffen kann. „Roots – Auf der Suche nach dem Ursprung des Glaubens“ ist wie ein modernes Kunstalbum gestaltet, gibt aber gleichzeitig einen tiefen, umfangreichen und theologisch fundierten Blick ins Alte Testament und auf das Wesen Gottes, wie es sich dort darstellt.

Blättern Sie hier im Buch:

Das Alte Testament ist der erste Teil der Bibel

Teichens Buch erklärt ausführlich die Bünde Gottes mit Abraham und Mose und interpretiert sie vom Ende her gedacht durch die „Jesus-Brille“. Dem Leser fällt es so leicht, Gottes oft als grausam empfundenes Handeln im Alten Testament zu verstehen, etwa, als er Abraham auffordert, seinen eigenen Sohn zu opfern. Teichens Wertschätzung für das Alte Testament wird deutlich, wenn er sich weigert, die Bibel in Altes und Neues Testament aufzuteilen – stattdessen spricht er vom ersten und vom zweiten Teil der Bibel.

Der Autor spricht seine Leser direkt an und schreibt, wie er bei den Predigten in seiner jungen Gemeinde, der ICF München, spricht. Hier und da könnte ihm das als flapsig ausgelegt werden, doch Teichens unverblümte Fragen und nachvollziehbare Erklärungen nehmen dadurch keinen Schaden. Das heilsgeschichtliche Handeln Gottes wird nachvollziehbar aufgeschlüsselt und auf die persönliche Beziehung jedes Menschen zu Gott heruntergebrochen.

In einem Kapitel greift Teichen die Frage auf, welche Bedeutung der Staat Israel heute für Christen hat. „Ich kenne Christen, die alles super und heilig finden, was Israel macht, und dann gibt es die anderen, die ausschließlich Kritik am Vorgehen Israels üben”, schreibt er, und erklärt, dass über beide Seiten des Konflikts oft pauschalisierende Meinungen verbreitet seien. Teichen schreibt, dass auch die israelische Regierung nicht alles richtig mache, aber benennt, dass der jüdische Staat, die einzige funktionierende Demokratie der Region, in einer schwierigen Lage steckt: „Eingekesselt von Völkern und Organisationen, die sie vernichten wollen, bleibt ihnen kaum etwas anderes übrig, als sich zu wehren und zu reagieren.”

Das Buch hilft, den Gott der Bibel verstehen zu lernen

Teichen spricht sich klar gegen eine Schwarz-Weiß-Sicht auf den Nahostkonflikt aus. Argumentativ bietet das Kapitel freilich keinen allzu tiefen Einblick in die Thematik, immerhin jedoch wird für die Situation Israels Verständnis gezeigt und der Leser dafür sensibilisiert – das ist mehr, als Rezipienten außerhalb der Israel-Szene gewohnt sind. Wichtiger ist dem Autor ohnehin die theologische Perspektive, wenn er Gottes Beziehung zu Israel mit dem eigenen Leben als Christ vergleicht: „Wir alle machen Fehler und nicht alles, was wir tun, egal ob auf das persönliche Leben oder auch auf das politische Israel bezogen, steht unter der göttlichen Absolution, nur weil wir zu ihm gehören. Wir haben alle blinde Flecken und versagen an der einen oder anderen Stelle: Es menschelt bei uns und natürlich auch in Israel.”

Wer sich auf „Roots” einlässt, hat die Chance, den Gott der Bibel besser verstehen- und kennenzulernen, und das auch bei schwierigen alttestamentarischen Geschichten ohne Langeweile oder einen Haufen Fragezeichen vor dem inneren Auge. Einladender und hürdenloser kann die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Wesen Gottes und dem, was ihm wichtig ist, kaum erfolgen. (pro)

Von: mb

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Tue, 14 Feb 2017 10:12:00 +0100
<![CDATA[„Kinder müssen Pluralismus zu Hause kennenlernen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2017/02/13/kinder-muessen-pluralismus-zu-hause-kennenlernen/ Die Autoren Tobias Künkler und Tobias Faix haben umfangreich zu Erziehung in christlichen Familien geforscht. Genauso wie das Buch zur Studie richtete sich auch das zugehörige Symposium am Samstag in Kassel an Wissenschaftler, Praktiker der Kinder- und Jugendarbeit, sowie an jene, die Erziehung 24 Stunden am Tag praktizieren: an die Eltern.

Besonders gefreut hätten sich Faix und Künkler darüber, dass sich die befragten Eltern in ihrer Rolle als Vater oder Mutter sicher fühlen, erklären sie bei der Vorstellung der Studie. Das widerspreche dem weit verbreiteten Klischee unsicherer Eltern. Das Hauptziel aller Glaubenserziehung liege für die Mehrheit darin, dass die Kinder den Glauben der Eltern annehmen. Die Autoren hätten dieses Ergebnis zwar erwartet, dennoch liege genau hier die Spannung und im Extremfall auch das Dilemma einer sonst insgesamt eher freiheitlich geprägten Erziehung.

Auch das Thema Gewalt in der Erziehung beleuchteten die Wissenschaftler im Buch und bei der Präsentation gründlich, obwohl die Zahlen zeigen, dass nur ein sehr geringer Teil der Befragten Gewalt bewusst und biblisch begründet anwendet. Künkler sieht jedoch auch das keinesfalls als „beruhigend“ an. Insgesamt freue er sich aber über das Bild, das die Studie von christlicher Erziehung male, sagte er im Gespräch mit pro. An vielen Stellen sei er positiv überrascht gewesen, der Stilwandel sei in vielem gut und dass den Eltern von heute die Kinder auf der Nase herumtanzen, stimme so nicht.

Dennoch sei das Bild auch ambivalent und fordere da, wo Spannungen seien, genauer hinzusehen. „Spannung ist okay, aber es sollte kein Dilemma daraus werden“, fasste Künkler zusammen. Genauer hinsehen müsse man beim Thema Gewalt. Wenn dieses Verhalten tatsächlich bei bestimmten Denominationen „stärker ausgeprägt ist und diese stärker vertreten gewesen wären, wäre das Ergebnis anders”. Er ist sich darüber bewusst, dass vor allem katholische Christen „stark unterrepräsentiert sind“, sieht die Stichprobe aber trotzdem als „nicht verzerrend“ an.

Im Gespräch mit pro sieht Künkler das Loslassen der Kinder in Glaubensdingen als eine der größten Herausforderungen für Eltern an.

Religionspädagoge: „Zu wenig Aussagekraft”

Mit Friedrich Schweitzer, Professor für Religionspädagogik an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen hatten Künkler und Faix einen der wichtigsten und bekanntesten Religionspädagogen Deutschlands zur wissenschaftlichen Einordung und Kritik ihrer Studie gebeten. Er sehe in der Studie vor allem eine begrüßenswerte Initialstudie, sagte Schweitzer. Leider gäbe es bis heute zu wenig Befunde zur christlichen Erziehung in Familien.

Dennoch müssten nun weitere Studien folgen, die vor allem einen weiteren Bereich christlicher Familien in den Blick nehmen. Die Studie von Künkler und Faix sei eigentlich keine über christliche Familien, sondern über freikirchliche und hochreligiöse Familien. Das beschere ihrer Aussagekraft deutliche Grenzen. Zudem wäre es tatsächlich bereichernd gewesen, wenn auch Kinder befragt worden wären. Dies hatten Künkler und Faix selbst schon eingeräumt.

Bei den Rückschlüssen der Studie auf Erziehungsunterschiede zwischen den Generationen mahnte Schweitzer Vorsicht an, da diesbezügliche Werte in der Studie allein aus dem persönlichen Erinnerungsvermögen der Befragten gewonnen wurden. Erinnerung sei nicht objektiv, eher kreativ.

Er sei froh über die positive Entwicklung hin zu einer gewaltfreien Erziehung, sagte Schweitzer. Doch wenn Gewalt „vermeintlich christlich“ begründet würde, sei das ein Grund zur Sorge. Er plädierte dafür, dass Glaubenserziehung vor allem Pluralitätsfähigkeit im Blick haben sollte, also bei Kindern die Fähigkeit stärken sollte, den eigenen Glauben in einer Welt leben und vertreten zu können, die von anderen Religionen und Weltanschauungen geprägt ist. Dazu müssten Kinder diese im Elternhaus auch kennenlernen.

Von einem Dilemma zwischen Furcht und Freiheit würde er nicht sprechen, sondern von einem Missverständnis, sagte Schweitzer. Mit Verweis auf Luther betonte er, dass christliche Erziehung immer in Freiheit stehen müsse und nichts mit Furcht zu tun haben sollte, denn im Glauben gebe es keinen Zwang.

Kultur der Wertschätzung

Eine Einschätzung zur Studie kam auch vom Theologen und Gründer der blu:boks Berlin, Torsten Hebel. Mit seinem Team arbeitet er mit Kindern und Jugendlichen aus sozial schwierigen Verhältnissen. In seiner „Selbstwertmanufaktur“ will Hebel die jungen Menschen mit einer Kultur der Wertschätzung in Berührung kommen lassen. 2015 veröffentlichte der ehemalige Evangelist ein Buch, in dem er davon berichtet, den Glauben an Gott zwischenzeitlich verloren zu haben.

Ein Kind, das zuhause höre, es sei eine „fressende Belastung“ und dessen Eltern wünschten, es „wäre nie geboren“, könne mit Wertschätzung zunächst nicht umgehen. Hebel wolle diesen Kindern mit „bedingungsloser Liebe“ begegnen und mit der Zusage „hier kannst du nicht rausfliegen“. Erst unter diesem Zuspruch könnten die Kinder und Jugendlichen sich verändern.

Was Teilnehmer denken

Auf diese Weise „unterschiedliche Positionen zu sehen“, neben der Studie selbst auch „die eine oder andere kritische Bemerkung und Hintergrundinformationen“ zu hören sei interessant gewesen, erklärte ein Teilnehmer gegenüber pro. Für ihn seien auch Hebels Ausführungen spannend gewesen, der sich selbst als „Betroffener von christlicher Erziehung bezeichnet“. Der Vater von drei Kindern nimmt aus dessen Vortrag vor allem den Impuls des bedingungslosen Liebens mit.

So geht es auch einer jungen Mutter, die es als Auftrag Jesu ansieht, die Kinder bedingungslos zu lieben. Gleichzeitig sieht sie es als „die größte Herausforderung“ an, besonders bei Grenzerfahrungen mit dem Kind. „Daran muss man bestimmt immer wachsen und arbeiten“, sagte sie im Gespräch.

Die „unperfekte, christliche Familie“

Mit ausverkauftem Haus, interessierten Teilnehmern, konstruktiver Kritik und Anerkennung ist Tobias Faix mit der Veranstaltung „sehr zufrieden“. Er freue sich besonders, Friedrich Schweitzer gewonnen zu haben, der nicht aus dem Milieu der Studie stamme und so einen Blick von außen auf sie werfen konnte, sagte Faix gegenüber pro. Seine Kritik sei hilfreich und wichtig, schließlich wolle er nicht nur „Mündigkeit in der Erziehung, sondern auch hier beim Symposium“.

Auch Torsten Hebel habe mit seinem „flammenden Plädoyer für das Kind an sich“ die Veranstaltung bereichert. Faix, der Vater von zwei Töchtern ist, findet sich selbst in den Forschungsergebnissen wieder. Auch er verfolge einen freiheitlichen Erziehungsstil, wohl wissend um die eigene Prägekraft und Grenzen. Auf die Frage, welchen Erziehungsratgeber er christlichen Eltern empfehlen würde, antwortete er schmunzelnd: „Der kommt im September raus.“ Aus den Ergebnissen der Studie entstehe gerade in Zusammenarbeit mit allen Referenten der Workshops ein ermutigender Ratgeber für die „unperfekte, christliche Familie“. (pro)

Von: Miriam Anwand

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Mon, 13 Feb 2017 13:59:00 +0100
<![CDATA[„Jesus wäre ein Emo gewesen”]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2017/02/13/jesus-waere-ein-emo-gewesen/ Eine Filmkritik von Anna Lutz]]> Mit der Religion ist es so eine Sache bei der Berlinale. In manchen Jahren spielt sie eine wichtige Rolle, in manchen Jahren kommt das Thema kaum vor. Die 67. Berlinale hat den Glauben zur Nebensache erklärt. Filme, die sich thematisch der Religion oder der Religionskritik widmen, laufen nicht im Wettbewerb und sind in den Nebenkategorien ebenfalls schwerlich zu finden. Ausgerechnet in einem Teeniefilm, noch dazu einem Musical, ist das Christliche 2017 die Hauptsache.

„Emo the Musical“ zeigt die hauptsächlich gesungene Liebesgeschichte zweier Protagonisten, die auf den ersten Blick nichts gemeinsam haben. Da ist einerseits Ethan (Benson Jack Anthony), der immer depressive Emo, der sich nicht nur die Haare schwarz färbt, sondern auch mit Lidschatten die Stelle an den Handgelenken markiert, die bei einem Suizidversuch verletzt werden würde. Und da ist Trinity (Jordan Hare), die gläubige Christin, die in der „Hope Band“ ihrer Jugendgruppe singt und einen derartigen missionarischen Drang verspürt, dass sie Mitschüler heimlich tauft, indem sie sie etwa in Simmingpools schubst.

Christen und Emos – völlig überzeichnet

Dennoch finden die beiden zueinander – eine Liebesgeschichte, die nicht sein soll, das fordern Ethans Emo-Musikerkollegen ebenso wie Trinitys Jugendgruppenleiter. Und so singen sich die beiden Teenager durch ihr Leid, durch Liebes- und Missverständnisse, um am Ende, wie sollte es anders sein, doch zusammenzufinden. Der Clou an Neil Triffetts Musikfilm ist keineswegs die leichtgängige Romanze. Tatsächlich ist sein Musical eine völlig überzeichnete Darstellung zweier Subkulturen mitsamt ihrer jeweiligen Eigen- und Verlogenheiten.

Denn weder bei den Emos noch bei den Christen ist die Welt heil. Ethan muss ebenso ins Korsett seiner Clique passen wie Trinity. Das beginnt bei der Kleidung und endet bei den Hobbys. Für die Emos verbietet sich der Sport, auch wenn sie ihn heimlich noch so sehr lieben. Für die Christen ist die sexuelle Enthaltsamkeit oberstes Gebot, und mögen da noch so viele Teenager-Hormone im Spiel sein. So dribbelt sich Ethans Bandkollegin heimlich durch ihre Basketballspiele und als Ursache der Schwangerschaft einer bekehrten Einwanderin wird die unbefleckten Empfängnis herangezogen. Jugendgruppenleiter Isaac (Jon Prasida) warnt Trinity an einer Stelle vor einem Treffen mit Ethan: „Im nächsten Moment hast du sieben Kinder!”

Elektroschocks gegen das Schwulsein

Dass die Kirchenkritik im Film überwiegt, zeigt das Liebesproblem eines schwulen Christen. Als die MItchristen spitz kriegen, dass sich der junge Mann in seinen Collegekollegen verguckt hat, schicken sie ihn zur Konversionstherapie inklusive Elektroschockbehandlung. Eine Hilfe ist ihm das freilich nicht, stattdessen bleibt er mit der Frage zurück, ob Jesus ihn denn nicht liebe.

Man mag das alles für abgedroschen, langweilig und einseitig halten, dennoch ist bemerkenswert, wie zuckersüß und luftigleicht Regisseur Triffett solch schwere Themen in einem 94-minütigen Jugendfilm verpackt. „Emo the Musical” wird an keiner Stelle wirklich ernst, indem er die Schwere mancher auch real existierender Probleme einfach wegmusiziert und den Zuschauer schlussendlich doch wieder schmunzeln lässt. Etwa wenn Trinity ihren Freund gegenüber einer Nonne verteidigt: „Jesus would have been an Emo/He felt the pain of all mankind/Emos do that all the time.” (Jesus wäre wohl ein Emo gewesen. Er fühlte den Schmerz der ganzen Menschheit. Emos tun das die ganze Zeit.) (pro)

Von: al

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Mon, 13 Feb 2017 13:36:00 +0100
<![CDATA[Geschichten, die einen nicht kalt lassen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2017/02/13/geschichten-die-einen-nicht-kalt-lassen/ Eine Rezension von Miriam Dechert]]> Ein türkischer Junge will seinen Mitschülern von Jesus erzählen. Doch dort stößt er nicht auf Zuspruch, im Gegenteil. Er wird beschimpft, bedroht, überfallen, mit Steinen beworfen und verprügelt. Er wird sogar von seinem Religionslehrer geschlagen, weil er ein muslimisches Gebet nicht aufsagen will. Und trotz allem, was er schon erleben musste, steht er weiterhin zu seinem christlichen Glauben und sagt: „Ich werde niemals zum Islam zurückkehren, auch wenn ich angefeindet werde. Es ist in Ordnung für Christus zu leiden. Der Herr ist bei mir.“

Diese Geschichte, die „Der Junge, der standhaft blieb“ heißt, ist nur eine von 42 in „Ich bin n – verfolgt um Christi willen". In dem 240 Seiten starken Buch geht es um Christen, die in ihren Heimatländer verfolgt wurden und Qualen erleiden mussten. Der Titel bezieht sich auf eine stigmatisierende Praxis im Nordirak. Dort kennzeichneten Muslime die Häuser mit einem „N”, in denen Christen lebten. Das steht für „Nazarener”, also für Menschen, die an Jesus aus Nazareth glauben.

Das Buch ist in sechs Kapitel gegliedert: Opfer, Mut, Freude, Durchhaltevermögen, Vergebung und Treue. Am Anfang jedes Themas steht eine kurze Einleitung mit einer Begriffserklärung und dazu passenden Bibelversen. Zu jedem dieser Kapitel gibt es schließlich sieben Erfahrungsberichte von verfolgten Christen.

Standhaftigkeit der Christen beeindruckt

Ähnlich beeindruckend wie in die Geschichte um den türkischen Jungen ist eine weitere über einen Mann aus Pakistan. In „Mut zum Weitermachen“ wird deutlich, wie stark der Pakistani an Jesus festhält und das Leiden so übersteht. Er erzählt von Jesus und wird daraufhin überfallen und erpresst: Entweder er verleugne seinen Glauben und konvertiere zum Islam, oder er werde gefoltert, so die Drohung. Der Pakistani entscheidet sich, für Jesus sterben zu wollen. Seine Entführer fesseln ihn an einen Baum und zwingen ihn, auf einem Eisblock zu stehen. Nach vier Stunden Qual ruft er Jesus um Hilfe, und er sieht wie ein Engel vor ihm steht. Seine Schmerzen lassen nach. Aus Dankbarkeit fängt er an, Anbetungslieder zu singen.

Der feste Glaube der Christen in diesem Buch ist äußerst beeindruckend. Die Geschichten berühren und bewegen. Sie schockieren aber auch, wenn man liest, was Christen in Teilen dieser Welt alles durchmachen müssen. Dadurch regt das Buch zum Nachdenken an und lässt die eigenen Alltagssorgen klein erscheinen. Es ist interessant, mehr über das Thema zu erfahren, aber auch bewundernswert, wie unerschütterlich die Christen in diesem Buch zu ihrem Glauben an Jesus stehen. (pro)

Hilfsaktion Märtyrerkirche (Hrsg.): „Ich bin n – verfolgt um Christi willen". Gerth Medien, 240 Seiten, 13 Euro, ISBN: 9783957341952

Von: mde

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Mon, 13 Feb 2017 12:27:00 +0100
<![CDATA[Kirchen wünschen Steinmeier „Gottes Segen”]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/02/13/kirchen-wuenschen-steinmeier-gottes-segen/ Am Sonntag hat die Bundesversammlung in Berlin den ehemaligen Bundesaußeminister Frank-Walter Steinmeier zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Am 19. März wird Steinmeier das Amt antreten. Glückwünsche zu seiner Wahl erhielt der designierte Bundespräsident neben Politikern, Repräsentanten und prominenten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland auch von Seiten der Kirchen und christlicher Organisationen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, übermittelte Steinmeier fromme Wünsche. „Ich gratuliere ihm herzlich zur Wahl und wünsche ihm Gottes Segen im höchsten Amt unseres Landes", schrieb der EKD-Ratsvorsitzende nach Angaben der Tagesschau vom Sonntag. Nachdem Steinmeier seit mehr als 50 Wochen die Beliebtheitsskala deutscher Politiker anführe, stehe er nun auch an der Spitze des Staates.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, und der Generalsekretär des Verbandes, Hartmut Steeb, haben Steinmeier zur Wahl gratuliert – und zu dem großen Vertrauen, dass er auf sich vereinigen konnte. „Wir wünschen Ihnen nun von Herzen alles Gute, viel Weisheit und Kraft für diese wichtige Aufgabe in durchaus schwierigen Zeiten. Vor allem aber wünschen wir Ihnen Gottes Segen für Ihre Amtsführung“, heißt es in dem Schreiben der Allianz.

Für Katholiken ein geschätzter Gesprächspartner

In seiner Gratulation würdigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, den öffentlichen Einsatz von Frank-Walter Steinmeier als Christ und die bisherige politische Leistung des Bundespräsidenten, sowie „Ihren oft selbstlosen Einsatz im Alltag und die hohe Sensibilität, mit der Sie auf Probleme in unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht haben.” Marx lobte in seiner Gratulation Steinmeiers langjährige politische Erfahrung als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland in oft schwierigen Zeiten. „Für diesen Mut und die Entschlossenheit, die Bereitschaft und die Ideen, die Sie mit dieser Aufgabe verbinden, danke ich Ihnen herzlich“, schreibt Kardinal Marx an den neuen Bundespräsidenten.

Die katholische Kirche wisse in Bundespräsident Steinmeier seit langem einen geschätzten und gesprächsoffenen Partner. „Sie dürfen sicher sein, dass die katholische Kirche Deutschlands Ihre Arbeit gerne und engagiert unterstützt. Es ist uns ein Anliegen, als starke und sichtbare gesellschaftliche Kraft unser Land mitzugestalten“, schreibt Marx. Hier sehe er eine Verpflichtung der Kirche, nicht nur von ihrem caritativen Grundauftrag her, sondern auch dann, wenn es um ethische Fragen, soziale Gerechtigkeit oder die barmherzige Fürsorge für Menschen gehe, die Flucht und Vertreibung erlitten hätten. „Freiheit und Verantwortung sind für Sie keine bloßen Worte, sondern Verpflichtung und Grundlage Ihres politischen Handelns“, schreibt der Kardinal. (pro)

Von: js/nob

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Mon, 13 Feb 2017 12:01:00 +0100
<![CDATA[„Mitnichten tritt Islamismus nur militant auf“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/11/mitnichten-tritt-islamismus-nur-militant-auf/ Islamismus hat unterschiedliche Facetten, schreibt die deutsche Autorin und Journalistin Sineb El Masrar in ihrem Beitrag „Nebelkerzen #1–6“ in der Samstagsausgabe der Zeitung Die Welt. „Mitnichten tritt Islamismus nur militant auf", heißt es darin. Deutschland brauche endlich „eine Roadmap gegen all die Mythen über den Islam und den Islamismus“. Es bedürfe einer genaueren Überprüfung der in Deutschland agierenden Islamverbände.

Als Beispiele führt die Autorin mit marokkanischen Wurzeln, die vor elf Jahren die multikulturelle Frauenzeitschrift Gazelle gründete, die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) an. Der Verfassungsschutz bestätige, dass die IGD die wichtigste und zentrale Organisation von Anhängern der Muslimbruderschaft in Deutschland ist. Gleichzeitig ist sie Gründungsmitglied im Zentralrat der Muslime. Auch die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) nimmt unter dem Dach des Islamrates an der Deutschen Islamkonferenz der Bundesregierung teil – obwohl der Verfassungsschutz zu der Überzeugung kommt, dass die IGMG ein antidemokratisches Staatsverständnis zeige. Die Gemeinschaft steht seit Jahren unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. El Masrar schreibt, dass sich einige IGMG-Miglieder und -Funktionäre in der Interessensvertretung des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan finden, der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD).

Kirche, Politik und Medien hofieren reaktionäre Kräfte

Die Autorin bezeichnet es als einen Skandal und gleichzeitig mache es sie traurig, dass „Kirchen, Ministerien und Medien [...] allen Ernstes [glauben], gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit vorzugehen, wenn sie reaktionäre Kräfte hofieren und ihnen unkritisch eine Plattform bieten“. Auch sieht sie die Verbände in der Pflicht, „die islamistischen Strömungen und Akteure“ zu benennen. Sich nur vom Islamischen Staat zu distanzieren, sei „eine billige Aktion“.

El Masrar empfindet dies als „Selbstbetrug wider Willen“ und bedauere „zutiefst diese Zaghaftigkeit, die aus der großen Idee der Toleranz eine Wischi-Waschi-Veranstaltung gemacht hat“. Die Wehrhaftigkeit der Demokratie müsse sich an so vielen Punkten beweisen. Dies solle auch bei „all den Schummelverbänden“ passieren. Islamismus sei „eine Ideologie, die die Religion des Islam für politische und wirtschaftliche Zwecke missbraucht und ein friedliches Zusammenleben behindert“ – wie auch der Rassismus.

Lob für Merkels Unterscheidung zwischen Islam und islamistisch

In ihrem Essay lobt die Autorin auch Merkels Worte gegenüber Erdogan während des Türkeibesuchs Anfang Februar. Der türkische Präsident verwahrte sich gegen den Begriff des „islamistischen Terrors“: „Das betrübt uns Muslime. Ein solcher Begriff sollte nicht verwendet werden. Islam und Terror kann nicht zusammengebracht werden. Islam bedeutet Frieden.“ Merkel benannte hingegen die sprachliche Unterscheidung zwischen Islam und islamistisch. (pro)

Von: mab

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Sat, 11 Feb 2017 14:06:00 +0100
<![CDATA[500 evangelikale Leiter gegen Einreisestopp für Muslime]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/10/500-evangelikale-leiter-gegen-einreisestopp-fuer-muslime/ In einer ganzseitigen Anzeige in der amerikanischen Tageszeitung Washinton Post kritisieren 500 geistlichen Leiter die Verfügung des US-Präsidenten Donald Trump, dass Menschen aus sieben muslimischen Ländern nicht mehr ins Land einreisen dürfen. Sie seien „zutiefst besorgt“ heißt es darin. Zu den Unterzeichnern gehören etwa der Pastor Tim Keller aus New York City und seine Frau Kathy, Ed Stetzer von der Kirche der Southern Baptists und der bekannte christliche Autor Max Lucado.

Weitere Unterstützer sind Bill Hybels von der Willow Creek-Gemeinde und seine Frau Lynne, die Autorin Ann Voskamp sowie Leith Anderson, Präsident der Nationalen Vereinigung von Evangelikalen. Lynne Hybels teilte in einer Erklärung mit, sie habe Flüchtlinge in Jordanien, dem Libanon, dem Irak, dem Kongo und in Illinois und Michigan getroffen. „Für manche ist es eine politische Sache, Flüchtlinge zu unterstützen. Für mich als Christ bedeutet sich für sie einzusetzen, Verehrung Gottes und Gehorsam Gott gegenüber, dessen Reich global ist und dessen Gnade jeden Morgen neu ist.“ Hinter der Anzeige steht die evangelikale Hilfsorganisation World Relief.

Keine Benachteiligung Andersgläubiger

In einem Interview mit dem christlichen Fernsehsender Christian Broadcasting Network hatte Trump vorige Woche gesagt, er wolle besonderes Augenmerk auf verfolgte Christen legen. Darauf antworten die Pastoren in der Anzeige: „Als Leiter begrüßen wir die Sorge um religiöse Minderheiten, darunter verfolgte Christen. Jesus-Nachfolger haben schlimmste Verfolgung und in manchen Teilen der Welt sogar Genozide zu erleiden. Wir heißen verfolgte Christen herzlich willkommen, aber ebenso begrüßen wir die gefährdeten Muslime sowie Menschen anderen Glaubens oder jene, die gar keinen Glauben haben.“

Die Verfügung Trumps habe die Zahl der Flüchtlinge verkleinert, aber auch Familien auseinandergerissen und Hoffnungen zerstört. Manchen habe das Dekret eventuell sogar das Leben geraubt. Bei einer Konferenz der Southern-Baptist-Kirche im vergangenen Jahr wurden Kirchenvertreter und Familien dazu aufgerufen, Flüchtlinge willkommen zu heißen. Die Regierung in Washington D.C. wurde dazu aufgerufen, für die Sicherheit der Flüchtlinge zu sorgen.

Manche christliche Leiter hatten die Verfügung Trumps zuvor befürwortet, darunter der Evangelist Franklin Graham, Sohn von Billy Graham, sowie Ronnie Floyd, Pastor der Southern Baptist Church. Der von US-Präsident Trump erlassene Einreiseverbot bleibt vorerst ausgesetzt. Das hatte ein Berufsgericht in der Nacht zum Freitag bestätigt. (pro)

von: js

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Fri, 10 Feb 2017 16:59:00 +0100
<![CDATA[Kein strafrechtliches Nachspiel für Anne Will]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/02/10/kein-strafrechtliches-nachspiel-fuer-anne-will/ Anne Will muss kein juristisches Nachspiel wegen einer ihrer Sendungen im November befürchten. Damals hatte sie mit ihren Gästen darüber diskutiert, warum sich junge Muslime radikalisieren. Zu Gast war auch die vollverschleierte Nikab-Trägerin Nora Illi. Deren Thesen und Aussagen waren höchst umstritten.

Zahlreiche Zuschauer kritisierten, dass Will dem radikalen Islam damit eine breite Plattform bot. Ursprünglich hatte eine Rechtsanwältin aus Neuruppin gegen die TV-Moderatorin und „gegen die weiteren verantwortlichen Entscheidungsträger“ Strafanzeige gestellt. Zudem hatten sechs Privatleute und Anwälte ebenfalls Anzeige erstattet.

Die Staatsanwaltschaft erklärte am Donnerstag, dass sie von der Aufnahme strafrechtlicher Ermittlungen absehe. Die Vorermittlungsverfahren seien nicht in ein Ermittlungsverfahren übergegangen, sondern eingestellt worden, meldet die Deutsche Presse-Agentur und zuvor der Focus.

Entscheidung verteidigt

Die Staatsanwaltschaft konnte keine Straftat feststellen. Sie hatte nach Eingang der Anzeigen Vorermittlungsverfahren eingeleitet und geprüft, ob ein begründeter Anfangsverdacht für eine Straftat wegen aller in Fragen kommenden Straftatbestände vorliegt, meldet der Focus. Die Juristen hatten den Beitrag von der ARD angefordert und gesichtet.

Im Anschluss an die Sendung hatte Anne Will ihre Entscheidung für eine Einladung Illis verteidigt. Der NDR ließ verlautbaren, dass die Entscheidung sorgfältig abgewogen worden sei: „Die Zusammensetzung der gesamten Diskussionsrunde und deren Leitung durch Anne Will hat zu einer ebenso angemessenen wie notwendigen Auseinandersetzung geführt.“ (pro)

Von: jw

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Fri, 10 Feb 2017 14:21:00 +0100
<![CDATA[Jeder zweite Europäer für Einreisestopp von Muslimen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/02/10/jeder-zweite-europaeer-fuer-einreisestopp-von-muslimen/ Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Bürgern aus sieben muslimischen Staaten für 90 Tage die Einreise in die USA zu verweigern, hat für Proteste gesorgt, auch unter europäischen Politikern und Bürgern. Der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert teilte mit, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe Trump in einem Telefonat die UN-Flüchtlingskonvention „erklärt“. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan erklärte, eine Einladung Trumps nach Großbritannien für das Jahr 2017 sollte so lange ausgesetzt werden, bis er den Bann zurückgezogen hat.

Doch wie steht es mit der Meinung unter den europäischen Bürgern? Um dies herauszufinden, befragte das Forschungsinstitut Chatham House mit Sitz in London 10.000 Menschen in zehn europäischen Ländern, sprich 1.000 Personen pro Land. Die Umfrage fand im Zeitraum zwischen dem 12. Dezember 2016 und dem 11. Januar 2017 statt.

Zur Aussage „Jede weitere Einwanderung aus muslimisch dominierten Ländern sollte beendet werden“ sollten die Befragten angeben, inwiefern sie ihr zustimmen. Insgesamt stimmten 55 Prozent der Befragten dieser Aussage zu. Nur 20 Prozent stimmten der Aussage nicht zu, und 25 Prozent enthielten sich.

Die meiste Zustimmung fand die Aussage in Polen (71 Prozent) und Österreich (65 Prozent). In Deutschland waren 53 Prozent der Meinung, die Einreise von Muslimen sollte beschränkt werden. Am wenigsten stieß die Meinung in Spanien (41 Prozent) auf Zustimmung. Die Studie zeigt zudem, dass in Europa die Ablehnung von muslimischer Einwanderung unter älteren Bevölkerungsschichten größer ist als unter Menschen, die jünger als 30 Jahre sind.

Anzahl der Muslime im Land zu hoch eingeschätzt

Die Ergebnisse stimmen mit anderen Studien überein, welche die Einstellung zum Islam in Europa untersuchten. Eine Untersuchung des Pew-Forschungszentrums in zehn europäischen Ländern aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass eine Mehrheit eine schlechte Meinung von Muslimen hatte, die in ihren Ländern lebten. In Ungarn waren 72 Prozent negativ gegenüber Muslimen eingestellt, in Italien 69 Prozent, und in Polen 66 Prozent. In Deutschland gaben 29 Prozent an, eine negative Meinung von Muslimen zu haben. Viele Befragte äußerten die Meinung, dass durch den Zustrom von Flüchtlingen die Gefahr für Terrorismus im Land steige. Durchschnittlich gaben 59 Prozent der Bewohner der untersuchten europäischen Länder diese Sorge an.

Eine große Mehrheit der Europäer schätzt die Anzahl der im Land lebenden Muslime zudem zu hoch ein. Eine Umfrage des Umfrageunternehmens Ipsos MORI im Herbst 2016 ergab, dass etwa in Frankreich die Anzahl der Muslime im Land vier Mal höher eingeschätzt wird als sie tatsächlich ist. (pro)

von: js

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Fri, 10 Feb 2017 12:25:00 +0100
<![CDATA[Entspannte Lieder eines Theologen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2017/02/09/entspannte-lieder-eines-theologen/ Eine Rezension von Miriam Dechert]]> Auf dem Album „Wie ein Adler“ des Theologen Hans-Joachim Eckstein sind alte und neue Lieder von ihm zu finden. Die Texte hat er selbst geschrieben, es singen bekannte christliche Musiker wie Albert Frey, Lea Brown, Winnie Schweitzer und Achim Stadelmaier.

Der Titel „Gott sei mit dir. Auf den Flügeln des Adlers” sagt aus, dass Christen wie auf Adlerflügeln von Gott getragen werden, und dass sie unter seinen Flügeln Schutz finden. Auch herausstechend ist das Lied „Schau vor allem auf Jesus / Turn your eyes upon jesus”. Denn zuerst wird die Strophe auf Deutsch und dann auf Englisch gesungen.

Das Album ist sehr abwechslungsreich: Ruhige, tröstende und entspannte Titel wechseln sich mit schnellen, fröhlichen und eher rockigen Liedern ab.

Album endet mit Abschiedssegen

Beim Lied „Herr, ich liebe dich” kommt nach dem musikalischen ein gesprochener Part, in dem es darum geht, wie sehr Christen Jesus brauchen, dass er sie immer versteht, sie ohne ihn nicht leben können und dass sie ihn immer in ihren Gedanken haben wollen.

Der Text des letzten Liedes, „Gottes Friede sei mit dir”, ist wie ein Abschiedssegen formuliert und wünscht den Hörern sozusagen zum Schluss der CD Gottes Frieden. Insgesamt lassen die Lieder einen entspannten Sound entstehen, der für gemütliche Abende gut geeignet ist. Trotzdem gibt es auch Lieder, bei denen man gerne mit dem Fuß wippt.

Eckstein ist evangelischer Theologe und Autor zahlreicher Bücher und Liederbücher. Seit seinem 17. Lebensjahr komponiert er auch Lieder. (pro)

Von: mde

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Thu, 09 Feb 2017 14:49:00 +0100