Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Thu, 26 Nov 2020 05:40:05 +0100 <![CDATA[Religion kommt im „Tatort“ regelmäßig vor]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/11/25/religion-kommt-im-tatort-regelmaessig-vor/ Religion spielt im ARD-„Tatort“ laut einer Untersuchung regelmäßig eine Rolle. In einem Forschungsprojekt wurden rund 450 Folgen zwischen 1970 und 2010 ausgewertet, wobei in der Hälfte davon Religion in irgendeiner Weise vorkommt, wie die Berliner Germanistikprofessorin Claudia Stockinger in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Zeitungen der Verlagsgruppe Bistumspresse aus Osnabrück sagte.

Oft handele es sich dabei um gesellschaftliche Normalität. „Zum Beispiel werden in fast 15 Prozent der untersuchten Folgen religiöse Rituale gezeigt. Christliche Beerdigungen zum Beispiel. Auch Kreuze um den Hals oder in Amtsstuben sind oft zu sehen“, sagte Stockinger anlässlich des 50. Jubiläums des Starts der Krimireihe.

Das Christentum stehe grundsätzlich im Vordergrund, der Katholizismus komme dabei häufiger vor. „Möglicherweise gilt der Protestantismus als das im Vergleich zum Katholizismus weniger interessante Sujet. Möglicherweise liefert der Katholizismus auch die bunteren Bilder“, sagte die Germanistin. Religiöse Themen würden im „Tatort“ ernsthaft dargestellt. „Oft wird auch etwas über den Glauben erklärt – und das durchaus ausgewogen.“

Die meisten Kommissarinnen und Kommissare bestünden jedoch in der Regel auf einer Distanz zur Religion und hielten ihr „das Faktum, den Beweis, die rationale Erklärung als Mehrwert entgegen“.

Von: epd

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Wed, 25 Nov 2020 13:36:00 +0100
<![CDATA[Latzel wegen Volksverhetzung verurteilt – Verteidigung spricht von „Katastrophe“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/25/latzel-wegen-volksverhetzung-verurteilt-verteidigung-spricht-von-katastrophe/ Das Bremer Amtsgericht hat den Pastor der landeskirchlichen St.-Martini-Gemeinde in der Hansestadt, Olaf Latzel, wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Ellen Best sagte am Mittwoch, der 53-jährige evangelische Theologe habe in einem auf Youtube verbreiteten „Eheseminar“ zum Hass gegen Homosexuelle angestachelt. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Euro. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und will Rechtsmittel einlegen. Die Kirchenleitung prüft Konsequenzen aus dem Urteil. (AZ: 96 Ds 225 Js 26577/20)

Mit ihrer Entscheidung blieb Richterin Best am untersten Ende des gesetzlichen Rahmens, der für Volksverhetzung eine Freiheitsstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren vorsieht. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Monate verlangt. Mit dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, wäre Latzel nicht vorbestraft.

Der evangelikale Pastor hatte sich im Oktober 2019 in einer „biblischen Fahrschule zur Ehe“ vor 30 Paaren geäußert. Eine Aufnahme davon wurde im März mit seiner Einwilligung auf seinem Youtube-Kanal mit knapp 25.000 Abonnenten online gestellt. Damit sei sie weit verbreitet worden, sagte Richterin Best.

Richterin: Sexuelle Ausrichtung ist Teil der Persönlichkeit

Im Verlauf des Seminars sagte Latzel unter anderem, Homosexualität sei eine „Degenerationsform von Gesellschaft“. Er warnte vor einer „Homolobby“: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.“ Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur. Homosexualität sei vor Gott todeswürdig und ein Gräuel.

Die Äußerungen fielen aus Sicht des Gerichts nicht im Eifer des Gefechts. Sie seien Stimmungsmache und könnten emotional Gewalt gegen Homosexuelle begründen. Auch der Argumentation der Verteidigung, Latzel verurteile aus biblischer Sicht Homosexualität, aber nicht Homosexuelle, folgte Best nicht: „Die sexuelle Ausrichtung eines Menschen macht einen Teil seiner Persönlichkeit aus.“ Daran ändere auch der Hinweis auf die Bibel nichts.

Mit Blick auf die zunehmende Zahl von Hassangriffen nicht zuletzt im Internet betonte die Richterin, wenn Dürre herrsche, dürfe kein Streichholz gezündet werden. Was die öffentliche Kommunikation angehe, so herrsche „große Trockenheit“. An Latzel gewandt sagte die Richterin, es bleibe zu hoffen, dass der Pastor sein großes Redetalent künftig anders einsetze.

Latzels Verteidiger Sascha Böttner bezeichnete das Urteil als „Katastrophe“ und als „Einfallstor zur Beschränkung der Meinungsfreiheit“: „Heute geht es um eine christliche Meinung, die in der Bibel steht, morgen um andere Sachen.“ Böttner kritisierte insbesondere, das Gericht habe niemanden aus dem Eheseminar als Zeugen geladen. Die Verteidigung werde prüfen, ob Berufung oder Revision eingelegt werde. Für die Staatsanwaltschaft sagte ihr Sprecher Frank Passade dem Evangelischen Pressedienst (epd), sie werde „gründlich überlegen“, ob sie Rechtsmittel einlege. Dafür sei nun eine Woche Zeit.

Für die Bremische Evangelische Kirche sagte ihr leitender Theologe Bernd Kuschnerus, er sei „zutiefst betroffen, dass ein Pastor unserer Kirche wegen Volksverhetzung verurteilt worden ist“. Die Äußerungen, die dem Urteil zugrunde lägen, seien nicht hinnehmbar und schadeten dem Ansehen der Kirche. Die Kirchenleitung werde jetzt über die nötigen Konsequenzen beraten. Die Kirche hat ein Disziplinarverfahren gegen den Pastor eingeleitet, das aber bis zu einem rechtskräftigen Urteil ausgesetzt ist.

Aufgrund des großen öffentlichen Interesses und um die Corona-Abstände einhalten zu können, wurde die Gerichtsverhandlung in das Bremer Konzerthaus „Die Glocke“ verlegt. Vor dem Gebäude protestierten schon am frühen Mittwochmorgen Gegner und Befürworter des Pastors.

Von:epd/Nicolai Franz

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Wed, 25 Nov 2020 10:35:00 +0100
<![CDATA[Deutsche Methodisten legen Streit um Homosexualität bei]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/25/deutsche-methodisten-legen-streit-um-homosexualitaet-bei/ Die entsprechende Beschlussfassung des Kirchenvorstandes vom Wochenende gilt vorläufig bis zur nächsten Zentralkonferenz, die voraussichtlich im November kommenden Jahres tagt. Der Kirchenvorstand setzte Passagen der in der EmK gültigen Ordnung vorläufig außer Kraft, die negative Aussagen zum Thema Homosexualität sowie die entsprechenden Verbote kirchlicher Handlungen enthalten. Damit werde Gemeinden die Möglichkeit eröffnet, sich für die Belange von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen stärker zu öffnen, hieß es. Diese Öffnung erfolge weder automatisch, noch ergebe sich daraus ein Zwang. Ordinierten Geistlichen werde Gewissensschutz garantiert und Gemeinden werde zugesichert, gleichgeschlechtlichen Paaren nicht automatisch kirchliche Handlungen gewähren zu müssen.

Zum anderen ist die Neuformierung eines „Gemeinschaftsbundes“ innerhalb der deutschen Methodisten geplant, der besonders in Fragen von Sexualität und Ehe eine ausdrücklich konservative Profilierung haben wird. Der „Gemeinschaftsbund“ bleibt Teil der Kirche. Einzelne Kirchenglieder sowie Gemeinden oder Bezirke könnten sich diesem Bund anschließen, hieß es. Menschen und Gemeinden mit überwiegend konservativer Prägung in sexualethischen Fragen hätten damit weiterhin innerhalb der Kirche eine Heimat.

Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland zählt rund 51.000 Gläubige. Der Weltrat Methodistischer Kirchen verbindet rund 51 Millionen Menschen. Der Methodismus bildete sich im 18. Jahrhundert in England als Erweckungsbewegung.

Von: epd

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Wed, 25 Nov 2020 08:07:00 +0100
<![CDATA[Kanalboot wird zu schwimmender Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/24/kanalboot-wird-zu-schwimmender-kirche/ Der Stadtteil Hackney Wick im Osten Londons hat eine neue Attraktion: eine schwimmende Kirche. Auf dem Lee Navigation, einem kanalisierten Fluss, ist seit kurzem die „Genesis“ unterwegs. Zwischen vielen Kanalbooten, sogenannten Widebeam Narrowboats, liegt sie nahe des Olympiaparks vor Anker. Der Stadtteil ist geprägt von vielen Restaurants, Cafés und Startups. Benannt nach dem ersten Buch der Bibel, bildet das Gotteshaus einen Kontrast und passt sich gleichzeitig an.

Das Unternehmen, das für die Planung des Gebiets rund um den Olympiapark zuständig ist, lehnte den Bau eines neuen Gotteshauses ab. Daraufhin entschloss sich die Kirche von England (Church of England) dieses außergewöhnliche Projekt in Angriff zu nehmen. Das Architektenbüro „Denizen Works“ entwarf und baute gemeinsam mit dem Schiffsbauingenieur Tony Tucker die „Genesis“. Die Kosten betrugen umgerechnet etwa 726.000 Euro. Im März dieses Jahres wurde das Projekt fertiggestellt. Der Umbau des einstigen Lastkahns dauerte vier Jahre.

Dach erinnert an Orgelbalg

Das 8,5 Meter lange Boot bietet etwa 40 bis 60 Personen Platz. Neben einem Versammlungsraum befinden sich noch ein kleines Büro, eine Miniküche und Toiletten an Bord. Der Versammlungsraum soll sowohl für Gottesdienste als auch für weitere Aktivitäten wie gemeinsame Mittagessen dienen. Hölzerne Tische und Stühle sind deshalb einklappbar. Der ebenfalls einklappbare Altar erinnert an einen Schiffsbug.

Durch ein ausfahrbares Dach kann die Raumhöhe auf bis zu 3,60 Meter erweitert werden. In ausgefahrenem Zustand erinnert es an einen Orgelbalg. Gefertigt wurde das Dach aus einem lichtdurchlässigen Segeltuch. Zudem ist es mit LED-Leuchten ausgekleidet. Insgesamt hat das Boot eine Fläche von 60 Quadratmetern.

Zunächst soll die „Genesis“ die Pfarreien St. Paul Old Ford und St. Mary of Eton bedienen. Langfristiges Ziel ist es jedoch, neue Menschen und Gemeinden zu erreichen. Pastor der neuen Bootsgemeinde mit Namen St. Columba ist Dave Pilkington.

Für die kommenden drei bis fünf Jahre wird das schwimmende Gotteshaus die Kanalstraßen von Hackney Wick befahren. Danach geht es auf zu neuen Ufern – und Stadtteilen.

Von: Valerie Wolf

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Tue, 24 Nov 2020 16:01:00 +0100
<![CDATA[Heiligabend-Gottesdienst an der Skisprungschanze]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2020/11/24/heiligabend-gottesdienst-an-der-skisprungschanze/ Die Corona-Krise macht die Kirchen kreativ. In diesem Jahr braucht es für die Weihnachtsgottesdienste außergewöhnliche Plätze, um alle Regeln einzuhalten. Einer davon ist die Skisprungschanze im hessischen Willingen. Dort soll an Heiligabend um 16 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden. Dies teilten die Organisatoren des Skisprung-Weltcups am Dienstag mit.

Pfarrer Christian Röhling, der sonst als Helfer beim Skiclub dabei ist, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „In diesem Jahr hat die Pandemie unser ganzes Leben bestimmt, viel zu viele gesellschaftliche Veranstaltungen und die für uns alle wichtigen sozialen Kontakte mussten schweren Herzens stark eingeschränkt werden oder ganz entfallen.“

Man habe unter Beachtung aller Gesundheitsschutzmaßnahmen die „schöne Gelegenheit“, im Auslauf der Schanze im Upland gemeinsam feiern zu können. Wegen der geltenden Auflagen können Interessierte nur mit einem personalisierten Ticket an dem Gottesdienst teilnehmen. Der Wunsch „Frohe Weihnachten“ dürfe nur mit Abstand ausgesprochen und „auf gar keinen Fall“ mit Händeschütteln oder auch Umarmung verbunden werden, hieß es weiter.

Von: dpa/Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 24 Nov 2020 14:58:00 +0100
<![CDATA[Bätzing über Sterbehilfe: „Widerspricht allem, woran ich glaube“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/11/24/baetzing-ueber-sterbehilfe-widerspricht-allem-woran-ich-glaube/ „Gottes Wille oder des Menschen Freiheit: Was zählt beim Wunsch zu sterben?“ lautete das Thema der Sendung „Hart aber fair“ am Montagabend. Dabei diskutierte Moderator Frank Plasberg mit den Gästen nicht nur über den ausgestrahlten Film „Gott“, sondern auch über den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema.

Grundlage für den Film ist ein Theaterstück von Ferdinand von Schirach. Darin berät ein fiktiver Ethikrat über den Sterbewunsch des ebenso fiktiven 78-jährigen Richard Gärtner: Er möchte sein Leben mit Hilfe eines Medikaments beenden, weil er nach dem Tod seiner Frau den Lebenswillen verloren hat. In der Anhörung des Ethikrats kommen neben ihm, sein Anwalt, eine Ärztin, eine Juraprofessorin und ein Bischof zu Wort.

Der Fall nimmt Bezug zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts: Die Richter kippten im Februar das Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe und bekräftigten ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben - unabhängig von unheilbaren Krankheiten. Vor allem dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Bischof Georg Bätzing ging dieses Urteil zu weit, machte er in der Sendung deutlich.

„Widerspricht allem, woran ich glaube“

In der Diskussionsrunde warnte er vor einem Dammbruch und davor, die Tür in Richtung aktive Sterbehilfe immer weiter zu öffnen: „Das widerspricht allem, woran ich glaube.“ Humane Sterbehilfe geschehe in Hospizen, in denen Menschen den Weg des Sterbens erleichterten und mitgingen: „An der Hand von Menschen zu sterben ist etwas anderes als durch die Hand von Menschen zu sterben“, betonte Bätzing.

Ganz anders sah dies Olaf Sander. Er hat seine schwerkranke Mutter beim Suizid begleitet. Es gehöre zur Würde des Menschen, sein Ende selbst zu bestimmen, ist er überzeugt. Der Staat habe es ihm schwer gemacht, dieses Recht zu erfüllen: „Ich musste es mutterseelenallein umsetzen.“ Die Unterstützung seiner Mutter bezeichnete er als Akt der Gnade. Die Debatte werde zu selten aus Patientensicht geführt, sagte er. Auch das „Dammbruch-Argument“ ließ er nicht gelten. Die ethischen Entscheidungen, bei denen im Vorfeld damit argumentiert wurde, hätten die Gesellschaft freier und vielfältiger gemacht.

Susanne Johna, Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer, betonte, dass es die Aufgabe der Ärzte sei, Leben zu erhalten und nicht Patienten beim assistierten Suizid zu helfen. Die Palliativ-Medizin habe in den letzten 15 Jahren große Fortschritte gemacht. Ein Leben sei auch lebenswert, wenn es aus Sicht eines gesunden Menschen als nicht mehr würdevoll empfunden werde.

„Nicht in ein Leben zwingen, in dem sie nicht leben möchten“

Die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert warb klar für Selbstbestimmung am Lebensende. Viele Patienten litten an Krankheiten, deren Ende sie nicht erleiden wollen: „Wir sollten sie nicht in ein Leben zwingen, in dem sie eindeutig nicht leben möchte.“ 30 bis 40 Prozent der Ärzte wären bereit, bei einem assistierten Suizid mitzuwirken. Sie sagten dies nicht öffentlich, weil dies gegen das ärztliche Ethos verstoße. Aus den freien könnten brutale Suizide werden: „Wir müssen uns nicht mehr von der Kirche oder Ärztefunktionären sagen lassen, wo es langgeht.“

Insgesamt stimmten 70,8 Prozent der Zuschauer dafür, dass die Hauptfigur von „Gott“ sterben darf und sein tödliches Medikament erhält. Die Minderheit war gegen die Ausgabe des todbringenden Medikaments. In der Schweiz lag der Zustimmungswert bei 68 Prozent. Bischof Bätzing wünschte sich, gemeinsam mit den Menschen nach einem Weg zurück ins Leben zu suchen. Nach dem deutlichen Abstimmungsergebnis frage er sich, wer von den Zuschauern die Verantwortung für einen solchen Schritt übernehmen würde: „Seelsorge hat immer mit Einzelsituationen zu tun. Wir müssen zum Gespräch bereit sein und den Menschen sagen, dass es gut ist, dass sie leben.“

„Anfang und Ende des Lebens liegen in Gottes Hand“

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts habe ihn schockiert, betonte er. In der Abwägung von Lebensschutz und Selbstbestimmung hätten sich Argumente einer bestimmten weltanschaulichen Richtung durchgesetzt: „Die Verfügung über mein Leben kommt aber nicht mir allein zu.“ Es liege in Gottes Hand, wann das Leben beginnt und endet.

Kritisch sah Bätzing die öffentliche Äußerung des Hannoveraner evangelischen Bischofs Ralf Meister, der den assistierten Suizid erstmals als Akt der Barmherzigkeit bezeichnet hatte. Bätzing stellte klar, dass Meister diese Aussage später relativierte. Er habe sich in der Rolle des Tabu-Brechers gesehen. Bätzing allerdings zeigte sich froh, dass es dieses Tabu gebe. Den eigenen moralischen Anspruch leitete er aus der Verpflichtung gegenüber den Gläubigen aus. Bei Fragen des Lebensschutzes und am Lebensende wolle die Kirche ein Sprachrohr für ihre Anhänger sein.

Warnung vor sozialem Druck

Die Diskussionsteilnehmer warfen auch einen Blick in die Nachbarländer. In Belgien hätten sich die Fälle des assistierten Suizids um das Elffache gesteigert, in der Schweiz verfünffacht und in den Niederlanden verdreifacht. Die Medizinerin Böhme-Seifert sah darin keinen dramatischen Befund, „wenn Menschen vom Notausgang Gebrauch machen“. Das Angebot treffe auf einen gesellschaftlichen Bedarf. Die Ärztin Johna warnte davor, die „Straße zu verbreitern“, weil immer mehr Menschen dann einen impliziten Druck empfänden, sich in der Frage zu entscheiden.

Den Film „Gott“ von Ferdinand von Schirach sahen am Montag 3,88 Millionen Zuschauer. Dies entspricht einem Marktanteil von 11,3 Prozent. Bei der anschließende Diskussion bei „Hart aber fair“ schauten noch 3,34 Millionen Menschen zu – ein Marktanteil von 12,7 Prozent. Auf der Spitzenposition lag der ZDF-Film „Unter anderen Umständen“ mit 6,66 Millionen Zuschauern.

Es war das zweite Schirach-Stück, in dem die Zuschauer nach der Übertragung entscheiden durften. Beim ARD-Film „Terror - Ihr Urteil" ging es 2016 um die Moralfrage, ob man ein Passagierflugzeug abschießen darf, um andere zu retten. Fast 90 Prozent der abstimmenden TV-Zuschauer entschieden damals, dass der Bundeswehrsoldat, der eine Passagiermaschine mit 164 Menschen in Gewalt von Terroristen abschoss, um 70.000 Menschen in einem Fußballstadion zu retten, unschuldig ist.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 24 Nov 2020 14:46:00 +0100
<![CDATA[Querdenker-Demos: Wenn das Kreuz missbraucht wird]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/24/querdenker-demos-wenn-das-kreuz-missbraucht-wird/ Ein Gastkommentar von Konstantin von Abendroth, Uwe Heimowski und Joachim Ochel]]> Das Kreuz geht viral. Es sind Bilder, die uns als Christen aufrütteln. Aufgenommen bei der Demonstration der Querdenker-Bewegung am 18. November in Berlin. Vor allem ein Bild prägt sich ein: Eine junge Frau hält Polizisten ein großes Kreuz mit einem Kruzifix entgegen. Sie tragen Helme und schwere Anzüge. Das Bild hält den Gesichtsausdruck der Demonstrantin fest. Er ist angespannt, geradezu beschwörend. Und dann dieselbe Demonstrantin, ein paar Stunden später fotografiert: pitschnass vom Regen der Wasserwerfer schmiegt sie sich an dieses Kreuz, als ob ihr der Gekreuzigte ganz nahe ist an diesem Ort und bei ihrem Tun. Ein fast zärtliches Bild. Und zugleich ein Ausdruck tiefer Verunsicherung. Was verstört uns an diesen Bildern und ihrer Doppeldeutigkeit?

Es sind die Assoziationen, die sie wachrufen. Zuerst: „In diesem Zeichen wirst du siegen.“ Die kriegerische Vision eines Kreuzes, die Konstantin der Große im Jahr 312 in der Nacht vor der Schlacht an der Milvischen Brücke hatte und die den Siegeszug des Christentums als Staatsreligion im Abendland einleitete und damit unzählige unselige Verquickungen von Thron und Altar möglich machte. Sodann: Die Kreuzeszeichen, die den Kreuzfahrern in der Schulterpartie auf ihre Kleidung genäht wurden, nachdem sie den Kreuzfahrereid geschworen hatten. Damit sollte für alle sichtbar gezeigt werden: Mein Tun, ja selbst mein Morden geschieht in der Nachfolge Jesu Christi, erfolgt im Sinne von: „Nehmt auf euch mein Joch!“ Und schließlich ein wiederkehrendes mediales Motiv: Das beschwörende Zeigen eines Kreuzes als Symbolhandlung bei einem Exorzismus zur Befreiung vom Bösen.

Ob diese Assoziationen den Absichten der Demonstrantin entsprechen und die Intentionen derer wiedergeben, die sich hinter ihr versammeln? Wir wissen es nicht. Aber denkbar ist es, denn sie fügen sich in ein Bild, das man von manchen Christen gewinnen muss, die sich in solcher Weise an Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen beteiligen: Im Namen des christlichen Glaubens treten diese gegen die als diktatorisch verunglimpfte Staatsmacht an und scheuen dabei nicht den Schulterschluss mit Extremisten, die nichts anderes im Sinn haben, als den demokratischen Rechtsstaat zu verhöhnen und zu zerstören.

Man findet diese Verächter der Demokratie nicht mehr nur vor dem Reichstag, sondern einige sitzen in bürgerlichem Gewand auch darinnen. Und dann: Unter dem Zeichen des Kreuzes schlagen sie die Vorschriften in den Wind, leugnen oder wähnen sich geschützt vor einem Virus, das weltweit bereits Hunderttausende Tote gefordert hat. In vermeintlicher Kreuzesnachfolge handeln sie gegen jede Vernunft und breite wissenschaftliche Erkenntnisse bewusst verantwortungslos – sich selbst gegenüber und vielen anderen gegenüber auch. Das alles geschieht, während Ärztinnen und Pfleger auf den Intensivstationen an ihre Grenzen stoßen und unser Staat mit allen Mitteln um die Gefährdetsten der Gesellschaft kämpft, von den weltweiten Folgen der Pandemie und dem Anstieg extremer Armut ganz zu schweigen. Es macht uns fassungslos. Denn gerade wer auf ein Leben nach dem Tod vertraut, trägt umso mehr die Verantwortung, sich für das Leben der Mitmenschen einzusetzen.

Als Christen möchten wir dieser Demonstrantin zurufen: „Lass nicht los, lehne dich ans Kreuz, finde Ruhe für deine aufgescheuchte Seele. Doch missbrauche es nicht.“

Kämpfen wir als Christen doch nicht mit dem Kreuz gegen einen Staat, der seinem Verfassungsauftrag nachkommt, Menschenleben zu schützen und bestmöglich für unsere gesundheitliche Unversehrtheit zu sorgen. Sondern kämpfen wir mit Argumenten für bestmögliche Problemlösungen. Als Christen haben wir in unserem Staat die Freiheit dazu.

Lasst uns also den richtigen Kampf kämpfen: Die Auseinandersetzung um die besten Argumente, das ist der Kern unserer Demokratie und der Sinn einer repräsentativen Verfassung. Abgeordnete sind dazu gewählt, alle Argumente zu hören und viele Perspektiven wahrzunehmen, sie zu verarbeiten und mit den Einsichten anderer abzugleichen, damit im Namen aller das Bestmögliche für alle getan wird.

Diskutieren wir leidenschaftlich, vertreten unsere Meinung, demonstrieren wir auf verantwortungsvolle Weise. Aber wem das Kreuz etwas bedeutet, der missbrauche es nicht und verbrüdere sich nicht mit Extremisten. Denn am Ende ist es noch immer so gewesen: Sie spannen dich vor den Karren, verhöhnen dann die Christen und verspotten das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus.

Von: Konstantin von Abendroth, Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen e.V. am Sitz der Bundesregierung/Uwe Heimowski, Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz e.V. am Deutschen Bundestag und am Sitz der Bundesregierung/Joachim Ochel, Theologischer Referent beim Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU

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Tue, 24 Nov 2020 10:00:00 +0100
<![CDATA[ISS-Astronaut Victor Glover nahm Bibel mit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/11/23/iss-astronaut-victor-glover-nahm-bibel-mit/ Am 16. November (Ortszeit) startete die zweite bemannte Mission des Raumschiffs Dragon V2 von SpaceX. Die Mission „Crew-1“ erreichte die Internationale Raumstation ISS am Folgetag. Eines der vier Crew-Mitglieder ist der 44-jährige Victor Glover. Neben Glover gehören noch zwei Amerikaner und ein Japaner zur ISS-Expedition mit der Nummer 64.

Glover ist ein Commander der U.S. Navy und Testpilot. Er flog unter anderem Kampfeinsätze im Irak. Er wird voraussichtlich sechs Monate im All bleiben. Glover ist verheiratet und hat vier Kinder. In einem Interview des Magazins Christian Chronicle sagte Glover vorab: „Ich habe Kelche für ein Abendmahl und eine Bibel im Gepäck. Wir haben eine gute Internet-Verbindung, und ich werde wohl das machen, was ich auch sonst tue: einen Gottesdienst online mitfeiern, in der Bibel lesen und beten.“

In dem Interview sagte der Astronaut, sein christlicher Glaube werde ihm in der Zeit auf der Weltraumstation helfen. Er gehe regelmäßig in die Kirche und wolle auch an Bord der ISS seine Verbindung zu Gott pflegen. „Ich will verstehen, welche Rolle Gott in meinem Leben spielen will und wie ich mich seinem Willen unterordnen kann.“ In den sieben Jahren, die er nun bei der NASA sei, habe er auch immer den Weg gesucht, den Gott mit ihm gehen wolle. „Ich will die Fähigkeiten, die Gott mir gab, nutzen, um in meiner Arbeit gut zu sein und meine Teamkollegen und die NASA-Mission zu unterstützen.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 23 Nov 2020 16:02:00 +0100
<![CDATA[Corona-Vorlage: Länder wollen keine religiösen Großveranstaltungen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/11/23/corona-vorlage-laender-wollen-keine-religioesen-grossveranstaltungen/ Die Bundesländer sehen große Gottesdienste zu Weihnachten wegen der Corona-Pandemie offenbar kritisch. In einer Beschlussvorlage für das Bund-Länder-Treffen am Mittwoch heißt es, man wolle das Gespräch mit den Religionsgemeinschaften suchen, um möglichst Vereinbarungen für Gottesdienste und andere religiöse Zusammenkünfte „mit dem Ziel einer Kontaktreduzierung zu treffen“. „Religiöse Zusammenkünfte mit Großveranstaltungscharakter gilt es dabei zu vermeiden“, heißt es darin weiter.

Die Kirchen bereiten sich schon seit längerem auf Weihnachten unter Ausnahmebedingungen vor. Viele Gemeinden planen Gottesdienste oder Andachten an frischer Luft. Andere haben mehr Veranstaltungen als sonst vorgesehen, um das jeweilige Besucheraufkommen zu reduzieren.

Die Vorlage der Länder, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, soll Grundlage für die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Regierungschefinnen und -chefs der Länder sein. Sie kommen am Mittwoch per Videokonferenz zusammen, um darüber zu beraten, ob und inwieweit die zunächst bis Ende November geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verlängert werden.

Lockerungen über die Weihnachtstage

Die Vorlage stellt fest, dass das Ziel einer Trendumkehr bei den Infektionszahlen noch nicht erreicht ist. Es wird daher vorgeschlagen, die derzeit geltenden Maßnahmen bis zum 20. Dezember zu verlängern. Auch darüber hinaus soll es Einschränkungen geben, wenn die Zahl der Infektionen nicht den Stand erreicht hat, bei dem die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung gewährleisten können.

Über die Weihnachtstage soll es aber Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen geben. Zwei Zeiträume stehen dafür in der Vorlage: vom 21. Dezember bis 27. Dezember oder bis zum 3. Januar. Dann sollen Zusammenkünfte von fünf oder zehn Personen unabhängig von der Zahl der Haushalte, aus denen sie kommen, erlaubt werden. Die Details müssen noch verhandelt werden. Um die Gefahr von Infektionen durch die Lockerungen an Weihnachten zu begrenzen, empfiehlt die Vorlage eine Selbstquarantäne vor und nach den Feiertagen.

Singen an Weihnachten trotz Corona möglich

Der Freiburger Musikwissenschaftler Meinrad Walter fordert ein musikalisches Weihnachtsfest auch unter Corona-Bedingungen. Viele Menschen hätten das Bedürfnis zu singen, betonte er in der Monatszeitschrift „Einfach Leben“ (Dezember-Ausgabe), wie der Herder-Verlag am Montag in Freiburg mitteilte. An diesem Weihnachtsfest könne gut im kleinen Kreis oder im Freien gesungen werden, auch wenn die konkrete Gestaltung „in jedem Fall ein Balanceakt“ sei.

Auch das Hören von Musik sei eine Möglichkeit, erklärte Walter. Als Beispiele nannte er „Choräle, die aus den großen Fenstern des Pfarrhauses heraus gespielt werden“ oder Internet-Streamings mit musikalischen Impulsen zum Advent. Singen und Musik gehörten in jedem Fall zur festlichen Gestaltung von Weihnachten dazu, unterstrich der stellvertretende Leiter des Amts für Kirchenmusik der Erzdiözese Freiburg.

Von: epd

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Mon, 23 Nov 2020 15:35:00 +0100
<![CDATA[Erinnerungen an Horst Marquardt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/11/21/erinnerungen-an-horst-marquardt/ Er war maßgeblich am Aufbau des Evangeliums-Rundfunks (heute ERF Medien) beteiligt, er gründete die evangelische Nachrichtenagentur idea und die Konferenz evangelikaler Publizisten (heute Christliche Medieninitiative pro): der Theologe Horst Marquardt, der Anfang November verstorben ist. Heute gedenkt pro zusammen mit dem ERF und idea eines Mannes, der die evangelikale Publizistik entscheidend geprägt hat. Langjährige Weggefährten erinnern sich im Video daran, welche Rolle Horst Marquardt in ihrem Leben gespielt hat.

Der christliche Medienpionier

Er war Theologe, er war Pastor und Publizist. Als Pionier christlicher Medienarbeit wurde er zu einem der führenden Köpfe in der evangelikalen Publizistik in Deutschland. 33 Jahre lang stand Horst Marquardt an der Spitze des Evangeliums-Rundfunks (heute ERF Medien) in Wetzlar. Am 2. November ist er im Alter von 91 Jahren in Minden gestorben. | Ein Nachruf von Christoph Irion

Wer Horst Marquardt in den letzten Jahren seines Lebens erlebte, spürte noch immer seine Macher-Qualitäten. Seinen Willen, zu gestalten. Sein großes Interesse für die Chancen der jungen Generation und für die neue, digitale Medienwelt. Wenige Tage vor seinem Tod schickte er eine E-Mail. Lapidar teilte er mit, ihm gehe es derzeit „nicht so besonders“. Aber er könne „Gott sei Dank noch alles mitverfolgen“. Marquardt genoss die Möglichkeit, per digitaler Videokonferenz an der nächsten Vorstandssitzung der Christlichen Medieninitiative pro teilnehmen zu können: „Darauf freue ich mich heute schon“, schrieb er – doch dazu kam es nicht mehr.

Drei Tage vorher, am Vormittag des 2. November, feierte er, schon sehr geschwächt, aber noch bei vollem Verstand, in seinem Bett ein letztes Abendmahl. Gegen 16 Uhr wurde sein Atem flacher – zwei nahe Angehörige waren bei ihm, als er sein Leben aushauchte.

Wer war Horst Marquardt? Ein rastloser Medienmanager in christlicher Mission? Er begründete drei Medienhäuser und weitere Werke in Wetzlar (ERF Medien, idea, den Kongress christlicher Führungskräfte und die Christliche Medieninitiative pro). Heute arbeiten dort insgesamt 255 Festangestellte.

Weggefährten aus den Gründerjahren beschrieben ihn als kernigen Konservativen, als strengen, auch autoritären Chef. Mitarbeiter schätzten aber auch seinen würdevollen Stil. Marquardt hatte einen scharfen, analytischen Verstand. Zugleich war er ein demütiger Beter – wichtige Fragen prüfte er in der Stille vor Gott. Er war immer ein Freund klarer Worte, stets bezog er als Christ Position. Und er hatte ein Herz für Israel.

Wichtig war ihm, die Gute Nachricht von Jesus Christus verständlich, anschaulich und schnörkellos über Medien zu verbreiten: Weit über tausend Marquardt-Andachten sendete „sein“ Evangeliumsrundfunk. Als Sprecher beim Wort zum Sonntag (ARD) wurde er einem Millionenpublikum bekannt. Wer in den letzten Lebensjahrzehnten mit ihm zusammenarbeitete, erlebte Marquardt auch als toleranten Zuhörer, als klugen und weisen Ratgeber.

Als Manager war er ein Macher alter Schule – aber hinsichtlich gesellschaftlicher und medialer Trends nie altmodisch. Bis zum Schluss lebte er am Puls der Zeit. Als Marquardt 2019 seinen 90. Geburtstag feierte, betrieb er als wohl ältester Blogger Deutschlands seine Internetplattform „Marquardts Bilanz“. Gegenüber pro erklärte er damals, nach wie vor treibe ihn die Erfahrung an, „dass ein Leben mit Christus reich macht und dass es wert ist, dies anderen zu sagen“. Noch am Tage seines Todes erschien sein letzter Blogbeitrag mit dem Titel: „Ehrlich währt am längsten.“

Marquardt war mehr als 60 Jahre mit seiner Frau Irene verheiratet, die 2017 verstarb. Das Paar hatte vier Kinder, zehn Enkel und drei Urenkel. Am Grab seiner Frau in Minden blickte Marquardt trotz seiner Trauer dennoch mit Dankbarkeit auf das gemeinsame, erfüllte Leben zurück. Sein Leben, sagte Marquardt, habe stets unter dem Bibelwort gestanden: „Euch geschehe nach eurem Glauben“ (Matthäus 9,29).

Horst Marquardt wurde 1929 in Berlin geboren. Er wurde christlich erzogen und ging in Berlin und Breslau zur Schule. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich als 15-Jähriger freiwillig zum Volkssturm. Noch vor Kriegsende hatte Marquardt seine Meinung dazu komplett geändert. 1945, in der Sowjetischen Besatzungszone, schloss er sich der Kommunistischen Partei an. In Potsdam arbeitete er als Rundfunkredakteur. Einer seiner Beiträge kam nicht durch die Partei-Zensur – und Marquardt erlebte einen völligen Sinneswandel: Er erkannte Jesus Christus als den, der Frieden und Gerechtigkeit schenkt, flüchtete in den Westen. Am Seminar der Methodisten in Frankfurt studierte Marquardt Theologie. 1956 wurde er Pastor in Berlin, danach in Wien. Der neu gegründete „Evangeliums-Rundfunk“ in Wetzlar (heute ERF Medien) stellte den jungen Theologen mit Medienerfahrung 1960 als Programmdirektor ein. Marquardt war maßgeblich am Aufbau des Senders beteiligt, den er bis 1993 als Direktor leitete. Bis 1998 war er als Internationaler Direktor bei „Trans World Radio“ (TWR) verantwortlich für die Gebiete der Ex-Sowjetunion, des Mittleren Ostens und Afrikas. Marquardt gilt als Initiator für die Gründung der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (1970), deren Vorstandschef er bis 2017 war. 1975 gehörte er zu den Gründern und zum ersten Vorsitzenden-Kollegium der „Konferenz evangelikaler Publizisten“, heute Christliche Medieninitiative pro.

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Sun, 22 Nov 2020 00:00:00 +0100
<![CDATA[Corona stärkt Glauben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/21/corona-staerkt-glauben/ Die Corona-Krise stärkt die Religiosität von Gläubigen. Das sagte die Theologin und Politikwissenschaftlerin Carolin Hillenbrand im Rahmen eines Vortrages am Donnerstag. Vor allem bei evangelikal-freikirchlichen Christen habe sich der Glaube deutlich verstärkt. Während in der Krise bei gläubigen Menschen die Religiosität angewachsen sei, hätten Menschen ohne Religion eher weniger geglaubt als zuvor. Das zeigten die ersten Ergebnisse einer nicht repräsentativen Online-Umfrage zwischen dem 7. Juli und dem 18. Oktober, an der 1.971 Menschen teilnahmen.

Während 63 Prozent der Evangelikalen angaben, einen stärkeren Glauben zu haben, sagten dies 35 Prozent der katholischen und 30 Prozent der evangelischen Christen. Die Ursache für diese Differenz liege in der starken Glaubensbeziehung vieler Evangelikaler, sagte Hillenbrand. Innerhalb der beiden großen Kirchen gebe es eine gewisse Anzahl von kulturellen Katholiken und Protestanten. Im Vergleich zu den meisten evangelikalen Christen lebten diese weniger stark im Glauben. Zudem gaben 7 Prozent der Protestanten und 11 Prozent der Katholiken in der Umfrage an, dass sich ihr Glaube in den vergangenen Monaten abgeschwächt habe. Von den Mitgliedern einer Freikirche stimmten 6 Prozent dieser Aussage zu. Etwa jeder fünfte Befragte, der keiner Religion angehörte, gab an, sein Glaube habe sich während der Pandemie noch weiter abgeschwächt. Für diese Leute habe sich in der Corona-Krise beispielsweise bestätigt, dass kein liebender Gott existiere.

Glaube gibt Trost

Der Aussage: „Mein Glaube gibt mir Trost, Hoffnung und Kraft in der Corona-Zeit“ stimmten mehr als die Hälfte aller Befragte und fast 90 Prozent der evangelikal-freikirchlichen Christen zu. Gerade Menschen, die eine persönliche und starke Glaubensbeziehung haben, würden von dieser durch Krisenzeiten getragen, erklärte Hillenbrand.

Die Umfrage thematisiert auch die Bedeutung von Gemeindeveranstaltungen. Fast 60 Prozent der Befragten nahmen während der Pandemie mindestens einmal an einem alternativen religiösen Gottesdienst, wie etwa Online-Gottesdiensten, teil. Knapp ein Drittel war zufrieden mit den Angeboten, 12 Prozent dagegen gar nicht. Die Umfrage zeigt weiterhin, dass 64 Prozent der Meinung sind, dass Glauben nicht nur etwas Privates ist, sondern Gemeinschaft bedarf.

Stärkerer gesellschaftlicher Zusammenhalt

In der Corona-Krise habe sich außerdem der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland verändert. 43 Prozent der Befragten gaben an, Institutionen mehr zu vertrauen. Obwohl 26 Prozent weniger soziales Vertrauen haben, fühlen sich 46 Prozent stärker mit ihren Mitmenschen verbunden. Insgesamt sei zu beobachten, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Corona-Krise stärker geworden ist. Hillenbrand plädierte dafür, solche positiven Nachrichten mehr in den Vordergrund zu rücken. Neben zum Teil gewaltbereiten Demonstrationen, gebe es auch eine Vielzahl solidarischer Projekte.

Für Hillenbrand kann Religion sowohl Kitt, als auch Keil in unserer Gesellschaft sein. Das hänge vor allem vom Gottesbild ab. Negativ wirke sich Religion auf die Gesellschaft aus, wenn das Gottesbild von Strafe geprägt und das Glaubensverständnis exklusiv ist. Häufige Gottesdienstteilnahmen, religiöses Engagement oder ein von Liebe geprägtes Gottesbild würden sich dagegen positiv auf die Gesellschaft auswirken.

Von: Martin Schlorke

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Sat, 21 Nov 2020 13:16:00 +0100
<![CDATA[Früherer Ethikrats-Vorsitzender: Schirachs „Gott“ enttäuscht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/21/frueherer-ethikrats-vorsitzender-schirachs-gott-enttaeuscht/ Peter Dabrock sieht die Inszenierung von Ferdinand von Schirachs Film „Gott“ kritisch. Der frühere Ethikrat-Vorsitzende wirft Schirach vor, dieser habe sich einseitig positioniert und in weiten Teilen eine „Werbeschrift für ärztliche Suizidassistenz“ verfasst. Der Autor habe die Chance verpasst, Grautöne in der Debatte sichtbar zu machen und stattdessen auf Polarisierung gesetzt.

„Die ARD sollte nicht kolportieren, als ob im Stück das Pro und Contra einigermaßen dramaturgisch aufgearbeitet sei“, sagte Dabrock dem Evangelischen Pressedienst epd vor der für Montag geplanten Ausstrahlung. Vielmehr habe der Autor bei der Komposition der Figuren und ihrer Argumente seine Sympathien eindeutig verteilt. In der Dramaturgie lenke er „die gesellschaftliche Debatte in einer komplexen Fragestellung in gewollt unterkomplexe Alternativen“ hinein, sagte der Ethikexperte.

„Einseitig komponiert“

In dem Stück wird das Recht auf assistierten Suizid in einer fiktiven Ethikratssitzung von mehreren Sachverständigen erörtert, am Ende soll das Publikum abstimmen. Schirach komponiere alles so, dass seine Neigung für den lebensmüden Protagonisten, der von seiner Hausärztin das tödliche Natrium-Pentobarbital erhalten wolle, und dessen leidenschaftlichen Anwalt erkennbar werde, kritisierte Dabrock. Dagegen seien die Gegner der assistierten Suizidbeihilfe wie der Ärztevertreter und der katholische Bischof „inhaltlich schwach und in ihrem Charakter unangenehm gezeichnet“.

Im Blick auf die Kirche scheine Schirach das „Vorurteil zu pflegen, dass theologisch und kirchlich offensichtlich nur an Menschenrechten und Verfassungsrecht vorbei argumentiert werden kann“, sagte Dabrock. Die Gebotsethik des katholischen Bischofs, der einen vermeintlich absolut geltenden Lebensschutz vertrete, solle unbarmherzig erscheinen. Der Geistliche spreche nicht die Sprache moderner Menschen und zeige sich „unaufgeklärt“.

Das Stück Schirachs verfehle auch die spezifische Beratungsarbeit des Ethikrats, sagte Dabrock, der von 2016 bis 2020 Vorsitzender des Gremiums war. Dort komme es - anderes als bei einer Gerichtsverhandlung - darauf an, Empfehlungen für Entscheidungen aufzuzeigen und nicht am Ende ein Urteil zu fällen. In einer Ethikratssitzung hätte deutlich werden können, dass die Theologie die Selbstbestimmung des Einzelnen ernst nehme und zugleich auf Alternativen eines würdevollen Sterbens „diesseits von ärztlicher Suizidassistenz“ verweisen könne.

Das Theaterstück „Gott" von Ferdinand von Schirach wird am Montag, 23. November, ab 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt und anschließend in der Sendung „hart, aber fair“ diskutiert.

Von: epd

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Sat, 21 Nov 2020 11:23:00 +0100
<![CDATA[Sterbehilfe: Zuschauer von „Gott“ dürfen urteilen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/11/21/sterbehilfe-zuschauer-von-gott-duerfen-urteilen/ Der Deutsche Ethikrat tagt. Der 78-jährige Richard Gärtner hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital beantragt. Er möchte nach dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben. Die Geschichte des Buches „Gott“ von Ferdinand von Schirach ist nun verfilmt worden. Die ARD zeigt ihn am 23. November um 20.15 Uhr.

Nach 90 Minuten dürfen die Zuschauer abstimmen, wie sie sich entschieden hätten. Ausgangspunkt ist die Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Sterbehilfe durch das Bundesverfassungsgericht im Februar dieses Jahres. Wie bei „Terror - Ihr Urteil“ hat Schirach den Film mit Produzent Oliver Berben und Regisseur Lars Kraume hergestellt.

Für Dr. Brandt, gespielt von Anna Maria Mühe, kommt es aus persönlicher Überzeugung nicht infrage, ihrem zwar betagten, aber gesunden Patienten ein todbringendes Präparat zu besorgen. In dem Film ist vor allem strittig, ob Mediziner dem Patientenwunsch eines Lebensmüden gerecht werden müssen - egal ob jung, alt, gesund oder krank.

Ergebnis wird bei „hart aber fair“ diskutiert

Ethikrat-Mitglied Dr. Keller (Ina Weisse) befragt die Sachverständigen und lässt so die unterschiedlichen Experten zu Wort kommen. Die Verfassungsrechtlerin Professor Litten (Christiane Paul) und der Anwalt von Richard Gärtner (Lars Eidinger) stehen Bischof Thiel (Ulrich Matthes) und Ärztekammerchef Sperling (Götz Schubert) dabei mit unterschiedlichen Meinungen gegenüber.

Am Ende richtet sich die Ethikrat-Vorsitzende (Barbara Auer) direkt an das Publikum: Soll Richard Gärtner das tödliche Präparat bekommen, um sich selbstbestimmt das Leben zu nehmen? Die Entscheidung fällt nicht der Ethikrat, sondern das Fernsehpublikum per Telefon- und Online-Abstimmung. Nach der Verkündung des Ergebnisses wird Frank Plasberg die Zuschauerentscheidung in seiner Sendung „hart aber fair“ mit Experten diskutieren.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 21 Nov 2020 09:47:00 +0100
<![CDATA[Latzel vor Gericht: Verteidigung spricht von „politischem Verfahren“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/20/latzel-vor-gericht-verteidigung-spricht-von-politischem-verfahren/ Was dem Bremer Pastor Olaf Latzel vorgeworfen wird, ist hart: „Volksverhetzung“. In dem Prozess, der am Freitag vor dem Amtsgericht in Bremen unter großem Medieninteresse mit der Verlesung der Anklageschrift begonnen hat, steht vor allem eine Audio-Datei im Vordergrund.

Im Herbst 2019 habe Latzel sich, so die Staatsanwaltschaft, in einem Eheseminar in einer Weise geäußert, die den öffentlichen Frieden stören und zum Hass gegen Homosexuelle aufstacheln könne. Zugleich verletzten die Äußerungen die Menschenwürde. Die Verteidigung wies die Vorwürfe zurück und sprach von einem „politischen Verfahren“.

Die Audio-Datei über das Seminar sei auf einer Internetplattform online gestellt worden, wo sie mit hoher Reichweite für jedermann verfügbar gewesen sei, argumentiert die Anklage. Pflichtverteidiger Sascha Böttner sagte, die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren schon mit ihrer Presseinformation zur Anklageerhebung Anfang Juli mit unfairer Desinformation lanciert und öffentlich Stimmung gegen Latzel gemacht. So sei behauptet worden, der Pastor habe die Audio-Datei ins Internet gestellt, was nicht stimme.

Audiomitschnitt vorgespielt

Tatsächlich teilte die Staatsanwaltschaft mit: „Dem Pastor wird mit der Anklage zur Last gelegt, am 19.10.2019 in der St. Martini Gemeinde in Bremen ein sogenanntes Eheseminar abgehalten und hierbei Äußerungen getätigt zu haben, die er als Audiodatei auf der Internetplattform Youtube online stellte, so dass diese für jedermann verfügbar waren.“

Nach der Anklageverlesung wurde die Aufnahme des biblisch orientierten Eheseminars vorgespielt. Dabei war unter anderem zu hören, wie Latzel sagt, Homosexualität stehe gegen die göttliche Schöpfungsordnung. Er warnte vor einer „Homolobby“: „Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.“ Das verunsichere Leute, zerstöre Zivilisation und Kultur. Homosexualität sei vor Gott todeswürdig und ein Gräuel.

Auf Volksverhetzung steht eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren. Für den Prozess unter der Leitung der Vorsitzenden Richterin Ellen Best sind drei Verhandlungstage angesetzt. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses, und um die Corona-Abstände einhalten zu können, wurde die Gerichtsverhandlung in das Bremer Konzerthaus „Die Glocke“ verlegt.

Der Theologe ist schon öfter in die Kritik geraten. Am 18. Januar 2015 hatte sich Latzel in einer Predigt gegen Religionsvermischung ausgesprochen und dabei von katholischem „Reliquiendreck“ und „Blödsinn“ im Zusammenhang mit dem muslimischen Zuckerfest gesprochen. Stimmen aus Medien und Politik bezeichneten ihn daraufhin als „Hassprediger“. Die Evangelische Kirche in Bremen entschuldigte sich in einer Stellungnahme bei „den muslimischen, buddhistischen und katholischen Gesprächspartnern sowie allen Bremerinnen und Bremern, die durch Herrn Pastor Latzel diskriminiert und in ihren religiösen Gefühlen und Wertvorstellungen oder liturgischen Traditionen beleidigt wurden“. Der Pastor selbst betonte hingegen, er stehe zu seinen Worten. 

Auch damals prüfte die Staatsanwaltschaft seine Äußerungen, sah sie am Ende aber von der grundgesetzlich zugesicherten Meinungs- und Religionsfreiheit gedeckt. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte Latzel zudem 2008, als er einer Kollegin die Kanzel verwehrte, weil die Martini-Gemeinde die Ordination von Frauen strikt ablehnt.

Im Frühjahr berichtete Olaf Latzel von Angriffen gegen seine Gemeinde. Mutmaßlich linke Demonstranten hätten einen Gottesdienst gestört und dort gefälschte Formulare zum Kirchenaustritt verteilt. Viele Gemeindemitglieder hätten sich bedroht gefühlt, so Latzel. Weiter berichtete der Pastor von Schmierereien am Kirchengebäude und Kratzern an seinem Auto.

Von: Nicolai Franz/Anna Lutz/epd

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Fri, 20 Nov 2020 16:40:00 +0100
<![CDATA[Papier der Adenauer-Stiftung fordert Debatte über Sterbehilfeurteil]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/20/papier-der-adenauer-stiftung-fordert-debatte-ueber-sterbehilfeurteil/ Mit dem Urteil werde eine „revolutionäre Wendung markiert“, heißt es in einem Analysepapier der CDU-nahen Stiftung, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Geschrieben hat es die evangelische Theologieprofessorin Elisabeth Gräb-Schmidt. Sie fürchtet, dass diese Wende Gefahr laufe, „die Solidarität mit den Schwachen aus dem Blick zu verlieren“.

Gräb-Schmidt problematisiert in dem Papier, dass das Bundesverfassungsgericht sein Urteil mit der durch das Persönlichkeitsrecht garantierten Selbstbestimmung begründet. Die Karlsruher Richter sind der Auffassung, dass dies auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben und damit die Freiheit, sich das Leben zu nehmen, einschließt. Gräb-Schmidt schreibt, diese Betonung der Selbstbestimmung verstehe die Freiheit und Würde des Menschen sehr abstrakt. Sie stellt dem das christliche Menschenbild gegenüber, nach dem der Mensch auch in seinem Bezogensein zu anderen verstanden werde.

Urteile des Bundesverfassungsgerichts stellten Weichen der öffentlichen Diskurse über Grundbegriffe des Lebens und tangierten damit die Wahrnehmung des Menschen, schreibt die Tübinger Professorin, die auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angehört. Im abstrakten Verständnis von Selbstbestimmung sieht sie eine Gefahr für Schwache. Selbstbestimmung gelte dem Leben, schreibt sie. Suizid sei daher kein Regelfall von Selbstbestimmung. Gräb-Schmidt befürchtet sogar, dass sich der Einzelne dem Druck ausgesetzt fühlen könnte, „einen Suizid als Pflicht gegenüber der Gemeinschaft zu verstehen“.

Die Theologin spricht sich in ihrer Analyse für ein legislatives Schutzkonzept in Reaktion auf das Urteil aus, das auf den Schutz vulnerabler Gruppen und die Richtung der öffentlichen Debatte achtet. Solch ein Schutzkonzept hatten die Karlsruher Richter in ihrem Urteil ausdrücklich für möglich erklärt.

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar das 2015 verabschiedete Verbot organisierter – sogenannter geschäftsmäßiger – Suizidassistenz für unzulässig erklärt. Der Gesetzgeber wollte damit die von Sterbehilfeorganisationen geleistete Hilfe zur Selbsttötung unterbinden.

epd

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Fri, 20 Nov 2020 10:24:00 +0100
<![CDATA[Verschwörungsmythen in Corona-Pandemie weit verbreitet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/20/verschwoerungsmythen-in-corona-pandemie-weit-verbreitet/ Zum zehnten Mal haben Forscher der Universität Leipzig nach autoritären Denkmustern in der Bevölkerung geforscht. Dabei kam unter anderem heraus, dass Verschwörungsmythen in der aktuellen Corona-Pandemie weit verbreitet sind. Laut der Studie stimmten insgesamt 47,8 Prozent (54,4 Prozent Ost; 46,2 Prozent West) der Befragten der Aussage zu: „Die Hintergründe der Corona-Pandemie werden nie ans Licht der Öffentlichkeit kommen“.

Jeder Dritte (33 Prozent) stimmte der Aussage zu: „Die Corona-Krise wurde so groß geredet, damit einige wenige davon profitieren können“. (44,4 Prozent Ost; 30,1 Prozent West). Die Studie unter dem Titel „Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments – neue Radikalität“, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, zeigt, dass diese Überzeugungen im Osten wesentlich stärker ausgeprägt sind als im Westen.

Verschwörungstheorien verzeichnen Zulauf

Zum fünften Mal haben die Forscher der Universität Leipzig in ihrer Untersuchung Fragen zu Verschwörungsmythen gestellt. Aktuell standen die im Bezug zur Corona-Pandemie. „Unsere Befragung hat gezeigt, dass der Glaube an Verschwörungsmythen in der Bevölkerung seit 2018 gestiegen ist. Wir würden außerdem sagen, dass er als eine Art Einstiegsdroge für ein antimodernes Weltbild wirken kann“, erklärt Oliver Decker vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung. Verschwörungsmentalität stellten die Forscher bei 51,4 Prozent der Befragten fest. 2018 lag der Wert noch bei 34,5 Prozent.

Seit 2002 beobachten die Wissenschaftler die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Von 2006 bis 2012 entstanden die Studien in Kooperation mit der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung und wurden unter dem Titel „Mitte-Studien“ veröffentlicht. Inzwischen erscheint die Erhebung in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung, die den Grünen nahesteht, und der Otto-Brenner-Stiftung, die zur Gewerkschaft IG Metall gehört. Dabei wurden vom Anfang Mai 2020 bis Mitte Juni 2020 bundesweit 2.503 Menschen mit einem Fragebogen befragt.

Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus sinken

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Ausländerfeindlichkeit in Deutschland abgenommen hat, aber ingesamt rechtsextreme Einstellungen weiterhin auf einem hohen Niveau geblieben sind. Die Studie zeigt, dass der Prozentsatz der „manifest ausländerfeindlich Eingestellten“ im Land im Vergleich zu 2018 von 23,4 auf 16,5 Prozent gesunken ist. Als „auffällig“ bezeichneten die Wissenschaftler den Unterschied des Rückgangs im Ost-West-Vergleich. Im Westen sank der Anteil von 21,5 auf 13,7 Prozent, im Osten des Landes nur von 30,7 auf 27,8 Prozent. Insgesamt stimmen 28,4 Prozent der Befragten auch der Aussage zu, dass „Ausländer nur hierherkommen, um unseren Sozialstaat auszunutzen“. Vor zwei Jahren hatten 36 Prozent der Frage zugestimmt.

Auch hinsichtlich rechtsextremer Einstellungen stellen die Forscher einen starken Unterschied zwischen Ost und West fest. Während der Anteil „verfestigt rechtsextrem eingestellter Personen“ in Westdeutschland (4,3 Prozent) weiter sank und aktuell insgesamt bei drei Prozent (5,2 Prozent in 2018) liegt, stieg er in Ostdeutschland erneut an. Etwa jeder Zehnte (9,5 Prozent) der Befragten dort hat der Studie zufolge „ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild“. Das ist ein Prozentpunkt mehr als 2018.

Die Studie zeigt auch, dass die Zustimmung zu tradiertem Antisemitismus bundesweit leicht rückläufig ist. Auch die Abwertung von Muslimen ging zurück. „Aber wir dürfen uns nichts vormachen, wir verzeichnen bei manchen Fragestellungen weiterhin ein erschreckend hohes Niveau an Zustimmung“, erklärte Elmar Brähler, der Co-Autor der Studie vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 20 Nov 2020 10:14:00 +0100
<![CDATA[Steffen Kern soll Michael Diener nachfolgen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/11/19/steffen-kern-soll-michael-diener-nachfolgen/ Steffen Kern könnte Michael Diener an der Spitze des Gnadauer Verbandes nachfolgen. Der neue Präses wird am 19. Februar in der Mitgliederversammlung gewählt. Ein 16-köpfiger Ausschuss unter der Leitung des stellvertretenden Verbandsvorsitzenden Matthias Frey hatte die Aufgabe, einen Nachfolger Dieners zu suchen. Er schlägt Kern einstimmig als Nachfolger vor.

Dieners Nachfolger würde seinen Dienst am 1. September 2021 antreten. In einer Pressemitteilung begründete der Nominierungsausschuss seinen Vorschlag. Kern sei im Pietismus zuhause und in der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung bestens bekannt. Nach seinem Theologiestudium, wissenschaftlicher Arbeit und Gemeindevikariat war Kern zunächst einige Jahre Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus (Tübingen).

Danach wurde er zum hauptamtlichen Vorsitzenden des Evangelischen Gemeinschaftsverbandes Württemberg „Die Apis“ berufen. Dieses Amt hat Kern seit zwölf Jahren inne. Als Radiopfarrer, Buchautor und Redner (etwa auch bei der europaweiten Evangelisation proChrist 2013 und 2018) ist er weit über die Grenzen Württembergs hinaus bekannt. Der Theologe ist Mitglied der Synode seiner Landeskirche sowie der EKD-Synode. Außerdem wurde er vom Rat der EKD in die Kammer für öffentliche Verantwortung der EKD berufen, der er seit 2015 angehört.

Gute Führungsqualitäten und missionarisches Herz

Aus Sicht des Nominierungsausschusses würde Kern den „eingeschlagenen Weg der Erneuerung der Gemeinschaftsbewegung konsequent fortsetzen“. Zudem verfüge der Theologe über sehr gute Führungsqualitäten. Er vertrete das missionarisch-diakonisch Herzensanliegen Gnadaus und genieße ein breites Vertrauen in der Vielfalt Gnadaus“, wird Frey zitiert.

Der Kandidat selbst ist bereit, dieses höchste Amt in der Gemeinschaftsbewegung in Deutschland zu übernehmen. Michael Diener war bereits im September verabschiedet worden. Er legt ein Sabbatjahr ein. Seit Dezember 2019 war klar, dass er nicht mehr für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stehen würde.

Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband versteht sich als freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche. Mit etwa 90 Mitgliedswerken, Verbänden und theologischen Ausbildungsstätten ist er die größte eigenständige Bewegung innerhalb der EKD. An der Seite des Präses steht Frank Spatz als Generalsekretär.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 19 Nov 2020 16:40:00 +0100
<![CDATA[Vorsicht vor den „fischelanten“ Erzgebirgern!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/11/19/vorsicht-vor-den-fischelanten-erzgebirgern/ Eine Glosse von Jonathan Steinert]]> Wer sich schon immer fragte, wer eigentlich die seltsamen Demonstranten sind, die in Berlin gegen das Infektionsschutzgesetz und Corona-Maßnahmen auf die Straße gehen und mit Wasserwerfern vertrieben werden müssen, der findet beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel hilfreiche Antworten: vor allem Erzgebirger und Stuttgarter. Der Grund ist so naheliegend wie einleuchtend: Diese Regionen bilden die mythenumwobenen „Bible Belts“, Lebensräume von besonders verknarzten, auch „Evangelikale“ genannten frommen Christen.

Zudem sind das Regionen, die traditionell die Aufständischen der Gesellschaft beheimaten, weiß der Spiegel. Gewissermaßen die gallischen Dörfer Sachsens und Baden-Württembergs, deren Einwohner sich von der links-grün versifften staatlichen Übermacht nicht unterkriegen lassen wollen. „Renitenz und Protest sind hier seit Jahren gereift“, zitiert der Spiegel einen, der es wissen muss. Angelehnt an ihre pietistische Ideologie nennen sich ihre Einheiten „Pietkong“ – nach dem Vorbild der Guerillakämpfer im Vietnamkrieg. Ja, das Land muss befreit werden von den Unterdrückern und Grundrechteeinschränkern! Im Erzgebirge trotzten sie sogar der sozialistischen Diktatur! Dort sind ihre Kirchen selbst nach dem religiösen Kahlschlag so mit den frömmelnden Widerständlern gefüllt, dass sie kaum alle hineinpassen. Widerstand gegen Abstandsgebote liegt also in der Natur der Sache.

Keine Macht dem Fortschritt

Die „Evangelikalen“, man sagt ihnen übernatürliche Fähigkeiten durch Gebet nach, knüpfen weite Netzwerke, rufen in Chatgruppen und YouTube-Videos Gleichgesinnte zum Einsatz dieser transzendenten Kräfte auf. In diesen „Bible Belts“ haben sie bereits die ganze Gesellschaft unterwandert, weit über die Grenzen ihrer christlichen Gemeinden hinaus. Haben sogar politische Gremien infiltriert. Vom Siegerländer-mittelhessischen „Bible Belt“ ist da beim Spiegel noch nicht mal die Rede – wenn der wüsste! Im Erzgebirge haben die Aufständischen ein eigenes Wort für ihre Haltung, weiß der Spiegel, quasi einen Geheimcode: „fischelant“. Heimtückisch und hinterlistig haben sie das hochdeutsche „vigilant“ gekapert und in ihren Dialekt einverleibt. Man könnte sie also für ganz normale Bürger halten, aber wer genau hinhört, merkt: Das sind sie nicht!

Die Menschen im Erzgebirge, in Stuttgart und auf der Ostalb sind vor allem dagegen, betont der Spiegel. Gegen Corona, gegen Klima, gegen Gender, gegen Frauen, gegen Fremde und gegen die Moderne sowieso. Dem Fortschritt sind sie feind. Im Erzgebirge graben sie sich auf der Suche nach Lithium noch mit den Händen in die Bergwerksstollen. In Stuttgart verzögert sich der Neubau des Bahnhofs immer wieder, weil die Abluft der Dampfloks so schwer von den unterirdischen Bahnsteigen wegzubekommen ist – es gibt Gerüchte von Sabotage durch die Aufständischen. Die 45 Prozent seiner migrantischen Einwohner lässt das fremdenfeindliche Stuttgart in rußigen Automobilfabriken schuften.

Und nun eben Corona. Die frommen Widerständler fühlen sich herausgefordert, gegen satanische Gewalten anzukämpfen, heißt es. Ganze Reisebusse voll mobilisieren sie für ihre Demonstrationen und verbünden sich mit extremistischen Parteien, um die Corona-Krise für den politischen Umbruch auszunutzen. Die Machtübernahme von unten ist nur eine Frage der Zeit. Schließlich hat der „Querdenken“-Vordenker Michael Ballweg bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl aus dem Stand sagenhafte 2,6 Prozent der Stimmen bekommen. Ist ja klar, von wem die sind.

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Thu, 19 Nov 2020 16:03:00 +0100
<![CDATA[„Viele Menschen haben die Notwendigkeit in diesem Jahr erkannt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/18/viele-menschen-haben-die-notwendigkeit-in-diesem-jahr-erkannt/ „Weihnachten im Schuhkarton“ ist die weltweit größte Geschenkaktion für Kinder in Not. Sie wird seit 1996 im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Im deutschsprachigen Raum können sich Interessierte jeweils bis Mitte November an der Geschenkaktion beteiligen. Die Pakete werden an Kinder in Afrika, Asien, Europa sowie Zentral- und Südamerika verschickt.

Wie fällt die Bilanz von „Weihnachten im Schuhkarton“ in diesem ungewöhnlichen Jahr aus?

Bis jetzt außergewöhnlich positiv. Natürlich kennen wir die endgültigen Zahlen noch nicht, aber der Hashtag #jetzterstrecht beschreibt es wirklich gut. Ganz viele Menschen haben die Notwendigkeit erkannt, gerade in einem Jahr mit sozialer Distanz Kindern zu zeigen, dass sie geliebt sind.

Wo haben Sie geographische Schwerpunkte für Ihre Pakete gelegt?

Der geographische Schwerpunkt liegt für die Pakete aus dem deutschsprachigen Raum immer in Ost- und Südost-Europa. Das hat damit zu tun, dass in diese Länder die Transportkosten am niedrigsten sind. Wir versuchen weltweit möglichst wenig Ressourcen in Logistik zu stecken. Unsere Online-Schuhkartons werden dieses Jahr erstmals international gepackt. Dadurch erreichen wir auch Regionen wie Südamerika. Empfängerländer sind in diesem Jahr unter anderem Weißrussland, Rumänien, Moldawien und die vom Krieg betroffene Region Bergkarabach.

Hatte die Ausnahmesituation Auswirkungen auf die Zahl der Pakete?

Das können wir noch nicht sagen. Aktuell ist die Zahl der online gepackten Kartons stark gestiegen. Wir rechnen mit einer Verdoppelung. In Summe hoffen wir auf ein Wachstum zum Vorjahr. Die genauen Zahlen kennen wir am 21. Dezember, wenn hoffentlich alles verpackt und versandt ist.

Gab es Einschränkungen bei den verwendeten Artikeln?

Nein, da gab es durch die aktuelle Situation keine Einschränkungen. Was als Geschenk dazugekommen ist, sind Mund-Nasen-Schutzmasken.

Gab es coronabedingte Schwierigkeiten bei der Verteilung?

Wir sind seit April in wöchentlichem Kontakt mit allen Empfängerländern, um die aktuelle Situation zu prüfen und alles bestmöglich vorzubereiten. Aktuell sollten die Verteilungen durchführbar sein. In manchen Regionen wird auf Haus-zu-Haus-Verteilung umgestellt, anstatt Veranstaltungen in Schulen oder Kirchen. Überall werden strenge Hygienevorgaben eingehalten, um das Wohl der Kinder nicht zu gefährden.

Wie haben das die Gemeinden hier vor Ort gelöst? 

Die Kirchengemeinden im deutschsprachigen Raum waren sehr kreativ, um unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen möglichst viele Schuhkarton-Geschenke zu sammeln und zu packen. Wir hatten noch nie so viele aktive Kirchengemeinden. Dazu gehörten Packpartys mit Abstand oder/und in Schichten, zum Teil auch digitale Packpartys oder kleinere Packpartys in Hauskreisen zum Beginn der Saison. Es wurde die Box-to-go an Freunde und Bekannte ausgegeben und diese gleichzeitig zu Gottesdiensten online oder live eingeladen. Und natürlich haben wir auch dieses Jahr wieder neue Gemeinden dazu bekommen, die zum ersten Mal als Annahmestellen mitmachen und es auf diesen Weg mehr in die Gemeinde gebracht haben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 19 Nov 2020 15:30:00 +0100
<![CDATA[Spahn: Die Corona-Krise lädt zum Verzeihen ein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/19/spahn-die-corona-krise-laedt-zum-verzeihen-ein/ Jens Spahn hat am eigenen Körper erlebt, welche Auswirkungen das Corona-Virus hat. Der CDU-Politiker und Bundesgesundheitsminister rief in einer Videobotschaft anlässlich des Buß- und Bettag-Gottesdienstes in Berlin zur Demut auf. Die Krankheit habe ihn Dankbarkeit gelehrt.

Er sei dankbar für ein funktionierendes deutsches Gesundheitswesen. Ihm habe die Perspektive gut getan, die Arbeit des Gesundheitsamts als Patient und Bürger zu erleben. Weil die letzte Pandemie schon über 100 Jahre zurückliege, sei es für die Menschen schwierig, mit der aktuellen Situation umzugehen.

„Kein Mensch ist fehlerlos. Wo immer Menschen zusammenleben, werden Fehler und Verletzungen entstehen“, bekannte der Minister in seiner Botschaft. „Weil wir das als Christen wissen, kennen wir den Wert der Vergebung.“ Die Bereitschaft zum Verzeihen sei eine Lehre der Pandemie und die Basis für ein gutes Zusammenleben.

Christen, helft beim Brücken bauen

Es gehe darum, Brücken zu bauen zwischen denen, die sich benachteiligt fühlten und denjenigen, die auf den Intensivstationen ihre Dienste leisteten. Spahn lud die Christen dazu ein, demütig zu sein und beim Brückenbau zu helfen. Es gehe darum, gemeinsam hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, erklärte der CDU-Politiker.

Bereits im Frühjahr hatte Spahn während einer Regierungsbefragung erklärt: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“ Politiker und Wissenschaftler könnten im Nachhinein zu der Erkenntnis kommen, dass sie mit ihrem Urteil an der einen oder anderen Stelle falsch gelegen haben. Die Politik treffe im Zuge der Pandemie viele „tief gehende Entscheidungen“, deren Folgen sie nicht absehen könne.

Im Gottesdienst hat Prälat Martin Dutzmann gepredigt. Die Liturgie gestaltete Domprediger Thomas C. Müller. Außerdem beteiligte sich der Staats- und Domchor Berlin unter der Leitung von Kai-Uwe Jirka am Gottesdienst.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 19 Nov 2020 14:58:00 +0100
<![CDATA[Kirchenpräsident Heimbucher grundsätzlich gegen Beihilfe zum Suizid]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/19/kirchenpraesident-heimbucher-grundsaetzlich-gegen-beihilfe-zum-suizid/ In dem Beitrag nimmt der Kirchenpräsident Bezug auf das Theaterstück „Gott“ von Ferdinand von Schirach, dass am kommenden Montag (23. November) in der ARD ausgestrahlt wird. Darin soll eine fiktive Ethik-Kommission über den Sterbewunsch eines Mannes entscheiden. Nach dem Spielfilm können die Zuschauer im Internet abstimmen. Anschließend soll das Ergebnis in der Sendung „hart aber fair“ diskutiert werden.

Heimbucher kritisierte das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar, in dem das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe aufgehoben wurde. Für Christen blieben die Zehn Gebote mit dem bekannten Satz „Du sollst nicht töten“ eine generelle Hürde, unterstrich der Theologe. „Es geht dabei um die Frage, ob wir Menschen bleiben oder uns als Gott aufspielen.“

Das Thema Sterbehilfe wird seit Monaten wieder kontrovers diskutiert. Auch in den Kirchen ist das Für und Wider der Sterbehilfe seitdem Gegenstand intensiver Debatten. So hat sich unter anderem der evangelische Landesbischof Ralf Meister aus Hannover dafür ausgesprochen, bei der anstehenden gesetzlichen Neuregelung den Sterbewunsch von Schwerkranken ernstzunehmen und den assistierten Suizid unter bestimmten Bedingungen zu ermöglichen - auch in kirchlichen Einrichtungen.

Dem widersprach Heimbucher. „Sterbehilfe ist aus christlicher Sicht – wenn überhaupt – nur als eine außer-ordentliche Handlung denkbar“, betonte er. Damit sei eine generelle Legalisierung des assistierten Suizids kaum zu begründen. „Jedenfalls dürfen wir uns nicht daran gewöhnen, den Suizid eines gesunden Menschen als selbstverständliche Alternative zum Weiterleben anzusehen.“ Allerdings dürfe niemand verurteilt werden, der sich trotzdem verpflichtet sehe, einen Angehörigen zu begleiten, wenn dieser sich in aussichtsloser Situation das Leben nehmen wolle.

Von: epd

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Thu, 19 Nov 2020 14:18:00 +0100
<![CDATA[Warum ich von ProChrist begeistert bin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/19/warum-ich-von-prochrist-begeistert-bin/ Jürgen Mette hat sich schon für die Evangelisationsbewegung eingesetzt, als noch Billy Graham am Rednerpult stand.]]> Ich bin ein Fan von ProChrist, darum schreibe ich nach der Mitgliederversammlung am 10. November, die selbstverständlich als Videokonferenz stattgefunden hat, ein paar Gedanken zu diesem großartigen Unternehmen. Und dies nicht als kritischer Beobachter, sondern als jahrelang überzeugter Mitgestalter dieser durch modernste Medientechnik ermöglichten Kommunikationsform, um viele Menschen mit dem Evangelium zu erreichen.

Die erste Zentralveranstaltung fand 1993 in der Essener Grugahalle statt, eine technische und organisatorische Meisterleistung mit nahezu 1.400 Übertragungsorten in 54 Ländern. Der weltbekannte Evangelist Billy Graham war der Redner. Bei allem Respekt vor meinem damaligen Vorbild bin ich nach dem ersten Vortrag etwas deprimiert nach Hause gegangen. Wir wohnten zehn Minuten Fußweg von der Übertragungshalle entfernt. Meine Frau hatte mit großer Sorgfalt ihre Freundinnen auf diese Vortragsreihe vorbereitet, aber die Freundinnen hatten x Ausreden.

„Das hätte Ulrich Parzany besser gemacht!“

Die Predigt am ersten Abend hat mich nicht überzeugt. Für manche Freunde war ich froh, dass sie nicht gekommen waren. Einige waren gekommen und haben am Schluss vermieden, mir noch einmal in die Augen zu schauen. Auf dem Heimweg sagte ich noch zu meiner Frau: „Das hätte Ulrich Parzany besser gemacht!“ Aber Billy Graham wurde von Tag zu Tag besser! Aber meine Freunde kamen nicht mehr.

Nach Billy Grahams letztem Auftritt in Deutschland – er war damals bereits 75, aber immer noch geistig in Topform –, haben vermutlich viele geistliche Leiter erkannt, dass wir für ProChrist ein eigenes heimisches Predigttalent brauchen. Ulrich Parzany war die Idealbesetzung für diese Position. Er war Pfarrer der Westfälischen Kirche, hauptberuflich in leitender Position beim CVJM. Im Raum des landes- und freikirchlichen Pietismus anerkannt und bewährt, übernahm 1995 der talentierte Redner das Pult und erreichte mit seinem eindringlich werbenden, monologischen Predigtformat breite Schichten der Bevölkerung. Ulrich Parzany war das ProChrist-Gesicht schlechthin.

Ich selbst war ab 1995 mit vielen anderen als Schulungsreferent unterwegs, um die örtlichen Mitarbeiterteams fit zu machen für eine große gemeinsame Sache, die quer durch alle Frömmigkeitsprägungen zu einer beispielhaften Gemeinschaft zusammenwachsen sollte. Dieser Wir-Effekt ist bis heute ein wertvolles Kennzeichen von ProChrist. Ich weiß nicht, welches christliche Werk durch solch eine einigende Vision, nämlich eine in der Mitte auf Jesus Christus konzentrierte und an den Rändern in einer toleranten Willkommenskultur die Tür zum Mitmachen offen hält.

Es ging um das große Ganze

Wir hatten uns lange auf dieses Megaevent vorbereitet, der viele Kirchen und Freikirchen und Gemeinschaftsverbände unter einem Ziel zusammengeführt hat, nämlich Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen. Da ging es nicht um Interessen meiner Institution, sondern um das große Ganze. Wer mit dem Mandat seiner Institution für ProChrist freigestellt wurde, hat am Ende ganz viel für sich und seinen Dienst profitiert. Die Männer der ersten Stunde waren neben Parzany der württembergische Prälat Rolf Scheffbuch, Raimund Utsch und Frieder Trommer, der von einem abbruchreifen Gebäude an der Hauptbahnlinie zwischen Basel und Hamburg direkt am Kasseler Hauptbahnhof aus die Geschäfte geführt hat.

Natürlich ging unter den bereits etablierten Missionswerken die Sorge um die Bewahrung des eigenen Bestands um. Eine über 100 Jahre alte Institution, die sich im Namen bereits auf ein mobiles Gehäuse festgelegt hatte, musste den Rückgang durchleiden. Einstige Evangelisationswerke, die den Namen des Gründers zur Marke erhoben haben, operieren heute in anderen zum Teil kleineren Formaten, wie zum Beispiel das Janzteam im Bildungs- und Musikbereich.

ProChrist – nun unter der Leitung eines Geschäftsführenden Vorstands mit Roland Werner (Vorsitzender), Margarete Hühnerbein, Klaus Göttler und Michael Klitzke (Geschäftsführer) und einem neuen Rednerteam mit Matthias Clausen, Klaus Göttler, Carsten Hokema, Steffen Kern und Elke Werner – vollzog den Generationswechsel zur richtigen Zeit. Nach der Fixierung auf einen Referenten standen nun zwei auf der Bühne. Mit Mihamm Kim-Rauchholz und Yassir Eric als Hauptredner sollte es in Dortmund weitergehen.

Aber dann hat Corona alle Pläne vereitelt. Doch auch diese Krise konnte den Vorstand und das Team nicht in ihrer Mission stören. Da wurde nicht Trübsal geflötet, sondern die Chance genutzt, das Konzept weg vom Arena-Gefühl zur persönlichen Stuben-Evangelisation am TV oder PC weiterzuentwickeln. Diese Flexibilität ist es, die mich an ProChrist begeistert. Darum freue ich mich auf die nächste Runde, die 2021 aus einer Eventkirche in Dortmund ausgestrahlt wird. Eine Stuben-Evangelisation am TV oder PC, in einem Hybrid-Format, das die Zuschauer und Gäste einbinden wird. Wenn es um Jesus Christus geht, dann dürfen und müssen die Methoden immer wieder auf ihre Zweckmäßigkeit hin überprüft und wenn nötig korrigiert werden.

Von: Jürgen Mette

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Thu, 19 Nov 2020 12:10:00 +0100
<![CDATA[Bischof Meister hält Corona-Impfzentren in Kirchen für möglich]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/18/bischof-meister-haelt-corona-impfzentren-in-kirchen-fuer-moeglich/ Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hält es für eine gute Idee, Kirchen oder Gemeindehäuser für die Einrichtung von Impfzentren zu Verfügung zu stellen. Allerdings müssten die Kirchenvorstände jeweils vor Ort über diesen Vorschlag entscheiden, der aus dem Bundesgesundheitsministerium stamme, sagte Meister dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen-Bremen am Dienstag in Hannover. Wenn sie etwa ihre Gemeindehäuser dafür öffnen würden, wäre das ein guter Dienst an der Allgemeinheit. „Die Kirche arbeitet nicht nur zur Ehre Gottes, sondern zum Wohle der Menschen.“

Momentan müsse alles getan werden, um das Coronavirus möglichst schnell wieder loszuwerden betonte Meister. Ein Impfstoff sei dafür sehr wirkungsvoll. „Da sollten wir als Kirche alles tun, um zu unterstützen, vielleicht auch mit Gebäuden, in denen dann auch geimpft werden kann.“ Auch für Kommunal- oder Bundestagswahlen seien Gemeindehäuser schon genutzt worden.

Er könne sich vorstellen, dass die Landeskirche dafür vor allem bei Gemeinden im ländlichen Raum wirbt, sagte der Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Dort könnte es schwierig werden, große Impfzentren zu installieren. „Das wäre eine gute Hilfe für die Organisation, wenn wir sehr viele Menschen in einem überschaubaren Zeitraum impfen müssten.“

Die Bild zitierte am Dienstag aus Plänen des Bundesgesundheitsministeriums (Stand 11. November) für Immunisierungen in Impfzentren. Dort werden neben Turn-, Konzert- und Messehallen auch Kirchen genannt, in denen Impfzentren eingerichtet werden könnten.

Von: epd

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Wed, 18 Nov 2020 17:29:00 +0100
<![CDATA[Umstrittenes Infektionsschutzgesetz beschlossen – Allianz bezieht Stellung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/18/umstrittenes-infektionsschutzgesetz-beschlossen-allianz-bezieht-stellung/ Das Hauptanliegen der Regierung ist es, mit der Konkretisierung von Maßnahmen für mehr Rechtssicherheit zu sorgen. Die bisher getroffenen Maßnahmen hatten sich aus einer sogenannten Generalklausel – Paragraph 28, Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) – abgeleitet. Diese schreibt jedoch keine konkreten, sondern nur „notwendige Schutzmaßnahmen“ vor. Damit künftig mehr Klarheit darüber herrscht, was „notwendige Schutzmaßnahmen“ sind, mussten Teile des Infektionsschutzgesetzes geändert beziehungsweise ergänzt werden.

Der Bundestag hat die von der Regierungskoalition vorgeschlagenen Änderungen in Lesungen und Ausschüssen diskutiert. Am Mittwochnachmittag haben die Abgeordneten für die Änderung gestimmt. Direkt danach stimmte auch der Bundesrat zu.

Paragraph 28a bezieht sich nur auf Corona-Epidemie

In der Gesetzesänderung vorgesehen ist unter anderem die Ergänzung des Paragraphen 28a. Dieser legt einen Katalog von möglichen Maßnahmen bei der Bekämpfung des Coronavirus fest. Aufgenommen werden sollen beispielsweise Reisebeschränkungen, Ausgangs-und Kontaktbeschränkungen, das Abstandsgebot, die Verpflichtung zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, Verbote und Beschränkungen für Kultur- und Freizeitveranstaltungen sowie Schul-und Kitaschließungen. Wann genau welche Maßnahme eingesetzt wird, können sowohl der Bundestag als auch die Länderparlamente nach Verabschiedung des Gesetzes nicht mehr mitbestimmen.

Außerdem sollen Regelungen zum Anspruch auf Impfung, Testung und Schutzmasken definiert werden. Demnach sollen auch Menschen ohne Krankenversicherung Schutzimpfungen und Tests ermöglicht werden. Darüber hinaus sind neue Regeln bei Verdienstausfällen vorgesehen. Eltern, die ihre Kinder betreuen, erhalten weiterhin eine finanzielle Entschädigung. Rückkehrer aus Risikogebieten, die anschließend in Quarantäne müssen, bekommen keine Entschädigung.

Gottesdienste werden besonders geschützt

Gottesdienste und Demonstrationen sollen besonders geschützt werden. Vorgesehen ist, dass diese – ebenso wie Ausgangsbeschränkungen und Besuche von Kranken- und Pflegehäusern – nur dann eingeschränkt oder verboten werden, wenn trotz „der Berücksichtigung aller Schutzmaßnahmen eine wirksame Eindämmung erheblich gefährdet wäre“.

Scharfe Kritik von Seiten der Opposition kommt besonders aus den Reihen der FDP. Der Vorwurf: Die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen werde nicht geprüft. Parteichef Christian Lindner spricht sogar von einem „Blankoscheck“. Das Gesetz lege nicht fest, wann genau die Regierung welche Maßnahme ergreifen könne. Der Handlungsspielraum sei zu weit gefasst, äußerte Lindner in einem Interview des ARD-Morgenmagazins.

Deutsche Evangelische Allianz bezieht Stellung

Auch die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) hat sich zu Wort gemeldet: mit einem Interview und einer juristischen Einordnung. In der juristischen Einordnung werden allgemeine Fragen zum Infektionsschutzgesetz beantwortet. Unter anderem die der Religionsfreiheit: Schutz-und Hygienekonzepte hätten ausdrücklichen Vorrang vor Untersagungen. Darüber hinaus wird erklärt, ein Vergleich mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 sei unangemessen.

Entscheidung über epidemiologische Lage des Landes liegt bei Parlament

Im Interview befragte der politische Beauftragte der Allianz, Uwe Heimowski, den CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich, der zudem Mitglied im Hauptvorstand der Allianz ist. Heinrich erklärt in dem Gespräch, eine „Ermächtigung“ der Regierung finde nicht statt. Der Bundestag definiere und konkretisiere mit diesem Gesetz die Maßnahmen, die der Regierung zur Verfügung stehen. Damit würde eine Verbesserung im Vergleich zur vorherigen Version sichergestellt.

Zudem erklärte Heinrich, die Entscheidung zur Feststellung einer epidemische Lage läge nach wie vor beim Bundestag. Weder Kanzlerin Merkel noch Gesundheitsminister Spahn könnten diesen Zustand und die damit verbundenen politischen Befugnisse gegen das Parlament aufrechterhalten. Uwe Heimowski ist Mitglied im Vorstand der Christlichen Medieninitiative pro, die auch das Christliche Medienmagazin pro herausgibt.

Von: Valerie Wolf

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Wed, 18 Nov 2020 16:40:00 +0100
<![CDATA[„7 Tage“ in einer Abtreibungsklinik: Scham, Blut und Routine]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/11/18/7-tage-in-einer-abtreibungsklinik-scham-blut-und-routine/ Luisa Szabo besuchte eine Abtreibungsklinik „im Süden Deutschlands“, um für ihre Dokumentation in der Reihe „7 Tage“ Fragen zu beantworten wie: Wie läuft eine Abtreibung ab? Welche Gründe haben Frauen, die abtreiben? Und warum entscheidet sich ein Arzt für so einen Beruf? Wie erleben Frauen diese Situation? Szabo sprach mit den betroffenen Frauen und mit dem Arzt.

Friedrich Stapf führt seit 40 Jahren Abtreibungen durch. Für ihn es ein Job, reine Routine. Im Hawaii-Hemd sucht er medizinisch das Beste für die Frauen, die bei ihm auf dem Stuhl liegen, sowie eine möglichst leichte Atmosphäre beim Eingriff.

„Das ist die ganze Schwangerschaft“

Stapf führt rund 3.000 Schwangerschaftsabbrüche im Jahr durch. Das sind manchmal 14 pro Tag. Ein Blick in die Schale nach dem Eingriff, und Stapf sagt zu seiner Patientin: „Das ist die Fruchtblase, und diese Flusen ist der Mutterkuchen. Mehr war nicht.“ Einen Embryo sieht man nicht. „Das ist die ganze Schwangerschaft“, sagt Stapf. Die Moderatorin Szabo kommt mit der Patientin überein: „Ich glaube, er wollte dir das zeigen, um dir zu zeigen, dass es nicht so schlimm ist.“

Paragraf 218 definiert in Deutschland einen Schwangerschaftsabbruch als Straftat. „Die Krankenkasse zahlt, wenn eine Frau vergewaltigt wurde, ihre Gesundheit in Gefahr ist oder wenn sie weniger als 1.300 Euro im Monat zum Leben hat“, klärt Szabo auf. Erst ab der zwölften Woche sehe man Strukturen des kleinen Körpers. Und auch das bekommt die Reporterin zu Gesicht. „Mit medizinischer Indikation können Frauen bis zur 17. Schwangerschaftswoche abtreiben“, heißt es im Bericht. Allerdings ist laut Strafgesetzbuch § 218a ein Schwangerschaftsabbruch auch später straffrei, wenn die Gesundheit der Mutter in Gefahr ist oder wenn die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt beruht. Betroffenheit findet die Journalistin in dieser Klinik kaum, weder bei den Patientinnen, noch beim Arzt oder seinem Personal. Für die Angestellten ist es Routine. „Mich nimmt es schon ein bisschen mit“, sagt sie selbst. „Die Abtreibung findet unter Vollnarkose statt. Der Eingriff selbst dauert nur wenige Minuten“, lernt der Zuschauer.

Szabos Dokumentation ist Teil der SWR-Reihe „7 Tage“. Der Bericht ist seit einer Woche im Dokumentationskanal des Senders auf YouTube zu sehen. Ein Sendetermin im SWR Fernsehen steht noch nicht fest.

Jede fünfte Frau hat laut Statistik in ihrem Leben einmal abgetrieben, heißt es in der Sendungsinformation. Doch zwischen 2003 und 2018 ist die Zahl der Arztpraxen und Kliniken in ganz Deutschland um 40 Prozent zurückgegangen. „Nur wenige Ärzte wollen mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden.“ Wo die Klinik, die sie besucht hat, steht, will Szabo nicht sagen. „Stapf befürchtet, das könnten Abtreibungsgegner als Werbung für Abtreibungen auslegen.“ Im selben Moment zeigt der Beitrag allerdings den Schriftzug mit dem Namen der Klinik am Gebäude, so dass es zumindest nicht schwer sein dürfte, die Klinik zu finden. „Man kann ja googeln“, sagt die Journalistin selbst.

„Wann beginnt menschliches Leben vor der Geburt?“

Szabo spricht mit den Frauen, alle wollen anonym bleiben. Da ist Sabrina, die psychische Probleme hat und weiß: „Das Kind hätte kein Leben gehabt mit mir, ganz ehrlich.“ Sie möchte erst dann ein Kind, wenn sie ihr eigenes Leben im Griff hat und dem Kind etwas bieten kann, sagt sie.

Kritiker oder Gegner von Abtreibungen kommen nicht zu Wort. Religiöse Fragen spricht Szabo nicht an. Sie sinniert allenfalls: „Von 100 Frauen entscheiden sich kurz vor Abbruch noch 15 für das Kind“ und: „Über allem steht die Frage: Wann beginnt menschliches Leben vor der Geburt?“ Eine Antwort darauf sucht der Beitrag nicht. Und die Frage wird auch nicht dem Arzt Friedrich Stapf gestellt. Hier werden zwei Leben miteinander abgewogen: Das potentielle Leben eines Embryos mit dem der Frau.

Stapf macht diesen Job jetzt seit 40 Jahren. Er ist jetzt 74 Jahre alt. „Warum machen Sie den Job immer noch?“, fragt die Journalistin. Stapf sagt: „Weil ich diese Arbeit gern mache und dazu beitragen möchte, dass es den Frauen so gut wie möglich geht, egal, ob sie den Abbruch machen oder nach Hause gehen und das Kind kriegen.“ Die Doku zeigt zwei Sichtweisen auf ein und dieselbe Sache, wie es in der Sendungsinformation heißt: „Für selbsternannte ‚Lebensschützer' ist Stapf ein Mörder. Frauen, die sich für eine Abtreibung entschieden haben, finden bei ihm Hilfe.“

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 18 Nov 2020 15:39:00 +0100
<![CDATA[Katholische Bischöfe wegen Bidens Haltung zu Abtreibung in Sorge]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/11/18/katholische-bischoefe-wegen-bidens-haltung-zu-abtreibung-in-sorge/ Der Präsident der römisch-katholischen Bischofskonferenz der USA, Erzbischof José Gomez, blickt nach eigenen Worten zwiegespalten auf die bevorstehende Präsidentschaft von Joe Biden. Man habe Grund zur Annahme, dass der Katholik Biden bei der Flüchtlingspolitik, beim Klimaschutz und bei der Hilfe für die Armen für Maßnahmen eintreten werde, die auch die Bischöfe befürworten, sagte Gomez laut Informationsdienst „Catholic News Service“ am Dienstag (Ortszeit). Bei der Abtreibung werde er aber Maßnahmen gutheißen, die gegen grundlegende katholische Werte verstoßen.

Biden befürwortet das Recht auf Schwangerschaftsabbruch. Er hat im Wahlkampf häufig über seinen Glauben gesprochen. Gomez sagte, wenn katholische Politiker für Abtreibungsrechte eintreten, schaffe das Verwirrung unter den Gläubigen. Er werde eine bischöfliche Arbeitsgruppe einrichten, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Biden zweiter katholischer US-Präsident

Vor der Präsidentenwahl hatten die Bischöfe erklärt, sie wollten Gläubigen keine Wahlvorschriften machen. Manche Haltungen seien jedoch „an sich böse“ und müssten grundsätzlich abgelehnt werden. Dazu zählten Abtreibung und Euthanasie.

Biden wird nach John F. Kennedy (1961–1963) der zweite katholische US-Präsident. Bei Kennedys Wahl waren Vorurteile im protestantischen Amerika verbreitet. Führende Geistliche warnten, Protestanten müssten es sich genau überlegen, ob ein Katholik ins Weiße Haus einziehen sollte.

Von: epd

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Wed, 18 Nov 2020 11:47:00 +0100
<![CDATA[Neues Netzwerk für zum Christentum konvertierte Muslime gegründet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/18/neues-netzwerk-fuer-zum-christentum-konvertierte-muslime-gegruendet/ Startschuss für eine neue, weltweite kirchliche Gemeinschaft: „Communio Messianica“, ein globales Netzwerk für Christen mit muslimischem Hintergrund, nimmt am 18. November offiziell seine Arbeit auf. Laut den Angaben des Netzwerks haben sich für diesen Tag mehrere Millionen Christen weltweit zum Gebet für christliche Konvertiten aus der islamischen Welt verabredet, um ihre Solidarität mit diesen Glaubensgeschwistern zu zeigen.

„In den letzten 20 Jahren sind Hunderttausende von Muslimen Christen geworden - so viele wie bisher noch nie in der Geschichte“, sagte der Vorsitzende von „Communio Messianica“, Yassir Eric aus Korntal dem Evangelischen Pressedienst (epd). Diesen Menschen, die oft keine geistliche Heimat haben, wolle „Communio Messianica“ eine globale kirchliche Familie sein, ihnen eine Zugehörigkeit und Stimme geben, so der evangelische Theologe, der aus dem Sudan stammt und selbst Konvertit ist.

Die neue internationale kirchliche Gemeinschaft von „Gläubigen mit muslimischen Hintergrund“ – auf Englisch „Muslim Background Believers“ – kurz MBB – sei im Gespräch mit den wichtigsten Vertretern der christlichen Kirchen weltweit auf lokaler und auch internationaler Ebene und erfahre von zahlreichen Seiten Unterstützung. Zudem stehe „Communio Messianica“ in regelmäßigem Kontakt mit MBB-Gemeindeleitern und ihren Gemeinden in 79 Ländern, darunter auch Zentralasien, Indonesien und Malaysia.

Islamische Länder zur Religionsfreiheit auffordern

Auch von deutschen Bundestagsabgeordneten werde das neu gegründete Netzwerk wohlwollend wahrgenommen, betonte Eric. „Da ist das Interesse da, dass nicht nur Menschenrechtsorganisationen für Konvertiten sprechen, sondern es eine Selbstvertretung, einen direkten Ansprechpartner gibt.“

Das Netzwerk, das von einem Rat geleitet wird, der aus 13 MBB-Pastoren unterschiedlicher Herkunft besteht, wolle auch Anwalt sein für Konvertiten und islamische Länder auffordern, tatsächliche Religionsfreiheit zu leben. „Zur Religionsfreiheit gehört es auch, seine Religion zu wechseln oder verlassen zu können“, so Eric.

Auch in der theologischen Ausbildung von MBB-Pastoren sei „Communio Messianica“ gefragt. Ziel sei, ab sofort jährlich einen weltweiten Gebetstag am 18. November für MBBs zu veranstalten, um diesen zu zeigen: „Du bist nicht allein“.

Von: epd

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Wed, 18 Nov 2020 11:45:00 +0100
<![CDATA[Die Weihnachtsgeschichte als Video-Krimi]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/11/18/die-weihnachtsgeschichte-als-video-krimi/ Ein Ermittler geht der Weihnachtsgeschichte auf den Grund und wittert hier eine mögliche Verschwörung. In 24 kurzen Clips werden die Weihnachtsgeschichte und ihre wichtigsten Personen verhört. In der „Weihnachtsfestnahme“ begibt sich ein Ermittler auf die Suche nach der Wahrheit.

Die 24 Folgen gibt es ab dem 1. Dezember in einem Videoadventskalender auf www.weihnachtsfestnahme.de. Mit den Clips wollen die Verantwortlichen einen neuen Blick auf Weihnachten ermöglichen. Gleichzeitig möchten sie die Zuschauer einladen, die Videos und ihre Botschaft weiter zu verbreiten: „So kann auch in dieser Zeit die Hoffnungsbotschaft von Weihnachten kreativ geteilt werden“, erklärt Produzent Reiner Straßheim.

Das Projekt ist eingebettet in die Arbeit von „Sinnenpark mobil“. Das Script hat sein Nachbar Denis Werth geschrieben, der beim CVJM-Westbund als Jugendevangelist beschäftigt ist. Darsteller sind Tobias Schuffenhauer (Polizist), Gino Riccitelli (Weiser), Mike Appel (Hirte), Denis Werth (Josef) und Sophie Hundt (Maria).

Das Projekt läuft in Kooperation mit der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland und dem CVJM-Westbund. An Ostern haben die Verantwortlichen um Reiner Straßheim und Denis Werth bereits zur „Osterzeitreise“ eingeladen. Nun dreht sich alles um Weihnachten.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 18 Nov 2020 10:57:00 +0100
<![CDATA[„Moralisches Fehlverhalten“: Justin Biebers Pastor entlassen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/17/moralisches-fehlverhalten-justin-biebers-pastor-entlassen/ Bereits vor zwei Wochen hatte der langjährige amerikanische Hillsong-Pastor Carl Lentz über Instagram mitgeteilt, dass er die Gemeinde verlassen habe. Der 41-Jährige schrieb neben einem Foto von sich, seiner Frau und seinen drei Kindern: „Unsere Zeit bei Hillsong NYC ist zu Ende.“ Er sei seinem Amt als Pastor nicht gerecht geworden, was beinhalte, die Kirche und Gott zu ehren. „Ich war in meiner Ehe untreu, sie ist die wichtigste Beziehung in meinem Leben. Ich trage dafür allein die Verantwortung.“ In den vergangenen Jahren sei es ihm nicht gelungen, seine Aufgabe ordentlich zu erfüllen und „seinen eigenen Geist zu schützen“, seine „Seele neu zu füllen“ und Hilfe zu suchen, wo es notwendig gewesen wäre.

Lentz ist seit vielen Jahren Freund und enger geistlicher Berater des kanadischen Popsängers Justin Bieber. Rund zehn Jahre arbeitete Lentz für die Hillsong-Gemeinde für den Bereich New York City und die Ostküste. Er hatte viele Kontakte zu Prominenten aus dem Show-Geschäft, unter anderem mit den Fernsehstars Kylie and Kendall Jenner und der Schauspielerin Vanessa Hudgens. Auch das Ehepaar Hailey und Justin Bieber gehörte zum engen Freundeskreis; Lentz hatte Bieber in der Badewanne des NBA-Basketballspielers Tyson Chandler getauft. Er versuche nun, das Vertrauen seiner Ehefrau und seiner Kinder wiederzuerlangen, schrieb Lentz. An seine Follower gerichtet schreibt er: „Ich bete dafür, dass ihr mir vergeben könnt, und dass es irgendwann eine Zeit geben wird, wo ich wieder euer Vertrauen genießen kann.“

Hillsong-Gründer: Es gibt eine Untersuchung

Brian Houston, Gründer von Hillsong, schrieb am Donnerstag über Twitter: „Wir führen eine unabhängige Untersuchung im innersten Mitarbeiterkreis von Hillsong New York City/Ostküste durch. Wir brauchen eine solide Grundlage für einen Neustart.“ Houston hatte 1983 mit seiner Frau in Sydney die erste Hillsong-Gemeinde mit dem Namen „Hills Christian Life Centre“ gegründet. Mittlerweile gibt es Ableger in 20 Ländern. Unklar ist, ob die Untersuchung Carl Lentz betrifft. Lentz selbst bezog dazu bisher nicht öffentlich Stellung.

Wie der amerikanische Fernsehsender NBC berichtet, teilte ein Sprecher der Hillsong-Gemeinde in einer E-Mail an die Presse mit, dass die Untersuchung anberaumt wurde, nachdem mehrere Menschen Fragen und Sorgen geäußert hatten. In der Stellungnahme heißt es: „Es ist wichtig, dass wir die Wahrheit herausbekommen und dann alles tun, um sicherzustellen, dass die Kirche ein Ort ist, an dem man Gott verherrlichen kann in allem, was man sagt und tut.“

Die Boulevardzeitung New York Post berichtet, dass Lentz bereits am 23. Oktober, also elf Tage vor seinem Geständnis bei Instagram, seine Villa in Montclair, New Jersey, für 1,5 Millionen Dollar zum Verkauf angeboten hat. Lentz hatte das über eintausend Quadratmeter große Anwesen 2017 für 1,2 Millionen Dollar gekauft.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 17 Nov 2020 14:44:00 +0100
<![CDATA[„Viele haben Angst, sich mit der Endlichkeit auseinanderzusetzen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/17/viele-haben-angst-sich-mit-der-endlichkeit-auseinanderzusetzen/ pro: Herr Klappstein, für viele Menschen ist der Tod ein Tabuthema. Sie als Trauerredner sind häufig damit konfrontiert. Warum wird das Thema so häufig ignoriert?

Thomas Klappstein: Der Tod ist tatsächlich aus der Gesellschaft verdrängt worden. Wenn früher Menschen starben, sind sie zu Hause aufgebahrt worden, dann sind Leute aus dem Ort oder aus dem Stadtteil vorbeigekommen und haben sich verabschiedet. Das findet heute gar nicht mehr statt. Viele Menschen sterben im Krankenhaus oder im Heim, manche auch zu Hause, aber sie werden dann schnell abgeholt.

Es ist für viele Menschen auch deshalb ein Tabuthema, weil sie Angst haben, sich mit der Endlichkeit auseinanderzusetzen. Und darüber hinaus auch mit der Unendlichkeit und dem, was danach kommen könnte. Viele leben stur im Hier und Jetzt, ohne sich Gedanken um das Ende zu machen.

Liegt das auch an unserem Lebensstil, in dem hauptsächlich der Moment und die Gegenwart zählen?

Ja, gerade in unserer westlichen Gesellschaft. Fitness ist das oberste Gebot, fast schon eine Religion. Man sollte möglichst fit sein und bis ins hohe Alter möglichst viel unternehmen. Zum Leben gehört aber auch, dass es zum Ende hin langsamer wird.

Momentan merken wir, dass das Leben tatsächlich endlich ist, dass es angreifbar ist und dass ein kleines Virus einiges durcheinanderwirbeln kann.

Sie haben die Corona-Pandemie angesprochen. Haben Sie den Eindruck, das Bewusstsein für den Tod hat sich dadurch verändert?

Ob sich das wirklich verändert hat und Menschen anders an das Leben und den Tod herangehen, wird man erst später sehen. Nämlich dann, wenn diese extremen Zeiten vorbei sind, wenn das Leben wieder mehr unter normalen Bedingungen läuft.

Wie findet man eine Balance zwischen einer lebensbejahenden und dennoch todrespektierenden Haltung?

Es ist wichtig, sich bestimmte Fragen zu stellen: Was möchte ich bis zum Ende meines Lebens gerne noch erreichen? Welchen Eindruck will ich hinterlassen? Welche Motivation, welchen Impuls kann ich meinen Mitmenschen mitgeben?

Das heißt, jeder achtet auf seine Mitmenschen, hinterlässt einen guten Eindruck und fertig ist die perfekte Lebenseinstellung?

Das sind Teilaspekte. Ein anderer Aspekt besteht darin, sich mit der Endlichkeit auseinanderzusetzen: Was kommt danach? Gibt es jemanden, der das Leben bewusst in Gang gesetzt hat? Gibt es einen Gott? Es ist wichtig, diese Fragen für sich persönlich zu beantworten.

Pflegen Christen einen anderen Umgang mit dem Tod? Sind sie bedächtiger oder vielleicht auch lockerer?

Wenn die Situation eintritt, dass jemand im Sterben liegt, sind die Reaktionen bei Christen und Nichtchristen ähnlich. In der Regel wird bis zum Schluss gehofft, dass sich der Zustand noch einmal verbessert. Gerade in christlichen Kreisen wird viel für Heilung gebetet. Da nicht immer Heilung geschieht, bleibt oft eine gewisse Ratlosigkeit. Abschied nehmen fällt auch hier sehr schwer.

Ist die christliche Perspektive auf ein Leben nach dem Tod nur eine leere Floskel, die vielen Menschen im Ernstfall gar keine Hoffnung gibt?

In meinen Ansprachen als Trauerredner versuche ich, die Perspektive einer Ewigkeit aufzuzeigen. Vielen ist es eine Hilfe, zu hören, dass da mehr sein kann. Mein Angebot, während der Trauerfeier zu beten, wird gerne angenommen, selbst wenn die Menschen keinen christlichen Bezug haben.

Gibt es bestimmte Abläufe oder Bilder, die Sie während einer Trauerfeier bemühen, um den Angehörigen Trost zu spenden?

Mir ist sehr wichtig, dass der Lebenslauf einer Person präsentiert wird. Zu Beginn spreche ich gerne ein Gebet, in dem ich Fragen formuliere. Wenn zum Beispiel jemand an einer unheilbaren Krebserkrankung gestorben ist, dann darf man Fragen und Zweifel haben. Gleichzeitig versuche ich deutlich zu machen: Gott ist trotz allem da. Er kennt das Gesicht und die Geschichte jedes Menschen.

Ein Bild, das ich häufig verwende, ist das eines Freundes, den man mit einem Segelboot losfahren lässt und der am anderen Ufer sehnsüchtig erwartet wird. Das zeigt auf, dass es zwei Dimensionen gibt.

Das heißt, diese Aussichten trösten doch?

Für viele sind sie tröstlich, ja.

Kommen wir zu Ihrem Buch: Ganz zu Beginn musste ich erst einmal stutzen. Titel und Inhalt haben für mich nicht zusammengepasst. Der Titel hat mir suggeriert: Jemand muss ein spektakuläres Leben gehabt haben, um überhaupt wertig zu sein. Der Inhalt wiederum vermittelt einen ganz anderen Eindruck: Jedes Leben, egal wie populär, lang oder kurz, ist wertvoll. Was haben Sie sich dabei gedacht?

Der Titel soll provozieren. Der Leser soll sich kritische Fragen stellen: Ist mein Leben es wert, gelebt zu werden? Was macht ein Leben überhaupt lebenswert? Mir geht es darum, zum Nachdenken anzuregen. Die Geschichten – und das ist auch die Botschaft in meinen Trauerreden – sollen letztendlich jedoch klar machen: Jedes Leben ist wertvoll und lebenswert.

Auch bei Menschen, die sehr schwierig waren oder deren Leben nicht immer schön war, bin ich überzeugt, dass es ein von Gott geschenktes Leben war. Ob immer so gelebt wurde, wie Gott es sich vorgestellt hat, kann ich nicht sagen und will ich nicht bewerten.

In Ihrem Buch gibt es immer wieder „versteckte Hinweise“, die auf einen Gott und einen Schöpfer anspielen. Welche Rolle spielen sie und warum haben Sie die nicht deutlicher ausgeführt?

Meine leise Hoffnung oder Vision ist, dass mein Buch nicht nur in christlichen Kreisen gelesen wird, sondern auch darüber hinaus. Durch solche Formulierungen möchte ich unaufdringliche Impulse geben. Ich möchte vorsichtig andeuten, dass es einen Schöpfergott gibt und dass es Sinn ergibt, sich mit ihm auseinanderzusetzen.

Wenn ich es richtig gedeutet habe, ist die Quintessenz ihres Buches: Mach das Beste aus deinem Leben, hinterlasse einen guten Eindruck! Übt dieser Appell nicht zu viel Druck aus, wenn man permanent daran denkt, einen guten Eindruck hinterlassen zu müssen?

Druck, finde ich, übt das nicht aus. Klar, gibt es Situationen, in denen man sich falsch verhält und keinen guten Eindruck hinterlässt. Das kenne ich von mir selbst und aus meiner Familie. Gerade dann ist es aber wichtig, sich zu entschuldigen und sich klarzumachen: So will ich mein Leben nicht leben. Viel lieber möchte ich einen positiven Eindruck hinterlassen und meinen Mitmenschen Gutes tun. Das ist meiner Meinung nach das Anliegen vieler Menschen. So sehe ich diese Aufforderung als positiven Impuls und nicht als Druckmittel.

Es soll eine Erinnerung an unsere „guten Seiten“ sein?

Genau. Ich selbst habe ein Lederarmband mit der Aufschrift „Right Now“. Das ist meine persönliche Gedankenstütze, die mir sagt: Du bist wertvoll und wunderbar von Gott gemacht. Mit dieser Grundhaltung, dass ich von Gott gewollt und geliebt bin, kann ich umso besser Gutes tun und für meine Mitmenschen sorgen.

Welche Lebenshaltung muss man sich bewahren oder erhalten, um ein erfülltes und zufriedenstellendes Leben führen zu können?

Neugier auf das Leben und auf die Menschen! Außerdem sollte man wandlungsfähig bleiben, immer wieder Neues ausprobieren und sich von anderen Menschen inspirieren lassen. Dazu kommt eine Auseinandersetzung mit Gott, die ich ebenfalls für essentiell halte. Meine persönliche Haltung zum Leben ist die, dass ich mit Gottes Hilfe die Welt zu einem besseren Ort machen möchte.

Gibt es Bibelstellen, die Sie in dieser Haltung bestärken?

Spontan fallen mir dazu folgende Stellen ein: Zuerst aus dem Matthäusevangelium in Kapitel 13, Vers 31: Da wird das Reich Gottes mit einem Senfkorn verglichen. Dann nochmal aus dem Matthäusevangelium die Worte Jesu aus Kapitel 7, Vers 12: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch.“ sowie aus Kapitel 25, Vers 45: „Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.“ Und natürlich das Gebot der Nächstenliebe aus dem Markusevangelium.

Vielen Dank für das Gespräch!

Thomas Klappstein (Jahrgang 1960) ist studierter Diplom-Verwaltungswirt sowie studierter Theologe und als solcher ordinierter Pastor im Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MVFEG). Derzeit ist er freiberuflich als Autor, Prediger, Hochzeits- und Trauerredner sowie im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Zudem gestaltet Klappstein regelmäßig Radiobeiträge für ERF Medien.

Die Fragen stellte Valerie Wolf

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Tue, 17 Nov 2020 09:48:00 +0100
<![CDATA[Bedford-Strohm: Kirche ist bei Krise, Krankheit und Tod gefragt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/16/bedford-strohm-kirche-ist-bei-krise-krankheit-und-tod-gefragt/ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte im Interview des Magazins Der Spiegel, in der Coronakrise seien die Kirchensteuereinnahmen „dramatisch“ gesunken. „In der Coronakrise sparen viele an der Kirchensteuer, die Gotteshäuser waren teilweise geschlossen", stellt der Spiegel fest. „Im laufenden Jahr wird das Minus wohl im Schnitt zwischen acht und elf Prozent liegen“, sagte Bedford-Strohm dem Magazin. Das entspreche über 500 Millionen Euro im Jahr.

Die evangelische Kirche beschloss auf ihrer Synode, bis 2030 rund 17 Millionen Euro einzusparen. Auf die Frage, welche Einsparungen geplant seien, sagt der EKD-Chef, vor allem sollten Parallelstrukturen abgebaut und die Aufgabenverteilung zwischen EKD und Landeskirchen klarer definiert werden. Die EKD habe glücklicherweise bereits 2017 einen entsprechenden Reformprozess angeschoben. Bedford-Strohm betonte, durch die Kirchensteuer erhielten rund zehn Millionen Menschen von der Diakonie Betreuung, Beratung, Pflege oder eine medizinische Versorgung.

„Es gibt nicht die Evangelikalen an sich“

Dass die Kirche mit ihren Mitgliedern auch an Bedeutung verliert, will der EKD-Chef so nicht gelten lassen. „Unsere Stimme wird gehört. Und auch mit weniger Mitgliedern können wir große Strahlkraft entwickeln.“ Heute seien die Menschen Kirchenmitglied aus freier Entscheidung und nicht aus Konvention. „Entsprechend engagiert sind sie auch“, sagte Bedford-Strohm. Um wieder mehr Mitglieder zu bekommen, setzte seine Kirche darauf, „offen und milieuübergreifend“ auf Menschen zuzugehen, „vor allem auf die jungen“, so Bedford-Strohm. „Wir müssen flexibler und agiler werden, mehr wie ein Netzwerk, nicht wie eine staatsanaloge Behörde.“

Auf die Frage, ob eine Kirche nicht gerade in der Krisenzeit ein Comeback erfahren könne, sagt der Geistliche: „Es geht jetzt nicht um die Institution, sondern um die Bedürfnisse der Menschen. Viele suchen nach Orientierung, sie erfahren in der Pandemie einen Kontrollverlust. Krankheit und Tod brechen über sie herein und jeder Einzelne muss lernen, damit umzugehen und eine gewisse Resilienz zu entwickeln. Eine ganze Gesellschaft ist verwundet. Da ist die Kirche gefragt. Tröstende und aufbauende Worte waren noch nie so wichtig wie in Zeiten dieser Kontaktarmut, deshalb ist es einen Versuch wert, mal wieder die Bibel zu lesen. Denn ihre Worte, etwa in den Psalmen, geben Kraft.“ Eine Botschaft der Kirche sei die Vergebung durch Gott: Jemand, der etwa seine betagten Eltern mit Covid-19 angesteckt habe, dürfe wissen, dass Gott vergibt, auch wenn man sich selbst manchmal nicht vergeben könne.

Zum umstrittenen Pastor Olaf Latzel aus Bremen, der sich wegen Volksverhetzung in einem Strafverfahren verantworten muss, sagte Bedford-Strohm: „Ich habe mich dazu klar geäußert: Intoleranz ist gegen das Evangelium, abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben.“ Auf die Frage, ob ähnlich wie in den USA auch in Deutschland die Zahl von Evangelikalen zunehmen könnte, sagt Bedford-Strohm: „Die politische und religiöse Landschaft in Deutschland ist eine ganz andere. Es gibt auch nicht die Evangelikalen an sich, sondern sehr viele verschiedene Gruppierungen. Da muss man differenzieren.“

Bedford-Strohm, der sich nach sechs Jahren als Ratsvorsitzender im kommenden Jahr nicht erneut zur Wahl stellen will, sagte zur Begründung dafür: „Meine Amtszeit als Landesbischof in Bayern endet 2023. Da ist es gut, wenn im November 2021 jemand Neues im Ratsvorsitz ans Ruder kommt, die oder der dann die volle sechsjährige Ratsperiode im Bischofsamt bleibt. (...) Meine Landeskirche musste mich so viele Jahre mit der EKD teilen, ab nächsten November möchte ich ihr in den letzten beiden Jahren als Bischof meine ganze Zeit widmen.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 16 Nov 2020 14:30:00 +0100
<![CDATA[Seit 25 Jahren: Buß- und Bettag kein arbeitsfreier Feiertag mehr]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/16/seit-25-jahren-buss-und-bettag-kein-arbeitsfreier-feiertag-mehr/ Die evangelische Kirche hat 1995 den Buß- und Bettag geopfert, damit der Arbeitgeberanteil an der neu geschaffenen sozialen Pflegeversicherung ausgeglichen werden konnte. Der gesellschaftliche Druck sei damals sehr groß gewesen, erinnert sich Hessen-Nassaus Kirchenpräsident Volker Jung. Viele Jahre sei über die Versicherung diskutiert worden, auch die evangelische Kirche habe in Anbetracht von mehr als 1,7 Millionen Pflegedürftigen darauf gedrängt. Umso schwieriger sei es gewesen, „nein“ zu sagen, als der Bußtag zur Gegenfinanzierung vorgeschlagen worden sei.

Da der evangelische Feiertag „damals eine eher geringe Bedeutung hatte, wurde an dieser Stelle aus heutiger Sicht nicht energisch genug Widerstand geleistet“, sagt Jung selbstkritisch. „Das haben im Nachhinein viele bedauert.“ Die kirchliche Basis hatte ein feines Gespür für die Zwickmühle, in der sich die leitenden Geistlichen und Synoden befanden, und tat deren Stellungnahmen und Appelle zumeist als Lippenbekenntnisse ab. Die Einwände seien zu spät und zu halbherzig vorgetragen worden, lautete die Kritik.

Dynamik entfaltete der Widerstand gegen die Abschaffung des Buß- und Bettages erst dadurch, dass engagierte Protestanten in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein Volksbegehren anstrengten und der Freistaat Bayern eine Gesetzesinitiative zur Wiedereinführung des Feiertages in den Bundesrat einbrachte.

Warnung vor einer „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“

Das Sammeln Hunderttausender Unterschriften für den Bußtag wurde von zahlreichen fantasievollen Aktionen begleitet. So initiierten die kurhessische und die nordelbische Kirche Plakat- und Anzeigenkampagnen und schickten Infobusse über Land. Die bremische Kirche verschenkte „Atempausen“. Die rheinische Kirche hob eine Aktion „Senfkörner“ aus der Taufe, die symbolisch vor den Gefahren einer „Rund-um-die-Uhr-Gesellschaft“ warnen sollte, und einige fränkische Dörfer verschworen sich zur Feiertagsruhe und machten am Bußtag ihre Läden und Werkstätten dicht.

Die hessische Initiative ging von der Sekretärin Gertrud Fritz aus. Sie sei sowohl mit dem hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel (SPD) als auch mit den beiden Leitenden Geistlichen der hessen-nassauischen und kurhessischen Kirche, Peter Steinacker und Christian Zippert, zusammengetroffen, erinnert sich die 69-Jährige aus Lollar bei Gießen. Doch sowohl die Politiker als auch die Kirchenvertreter hätten sich sehr „bedeckt“ gezeigt und die Erfolgsaussichten als gering eingeschätzt.

Froh, dass die Gemeinden am Buß- und Bettag festhalten

In der Tat scheiterten Fritz und ihre Mitstreiter an der hohen Hürde von 128.251 Unterschriften, die für die Anstrengung eines Volksbegehrens in Hessen erforderlich gewesen wären. Sie konnten dem Landeswahlleiter lediglich 122.000 Signaturen vorlegen, von denen aber nur knapp 113.000 gültig waren. „Die Hürde war einfach zu hoch“, sagt Fritz. Auch die bayerische Bundesratsinitiative (1997) und die Volksbegehren in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie der Volksentscheid in Schleswig-Holstein (alle 1998) rissen die hohe Unterschriften-Messlatte. Zunächst herrschte Katerstimmung, die jedoch bald einem kämpferischen „Nicht-noch-einmal“ wich. Die Kirche werde sich künftigen Begehrlichkeiten der Politiker vehementer zur Wehr setzen, kündigte etwa der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, an.

Ganz umsonst war der Bürgerprotest allerdings nicht. Von ihm gingen nicht nur Impulse für eine direktere demokratische Teilhabe aus, auch der Feiertag selbst profitierte davon. Bereits seit 1996 macht die kurhessische Kirche mit besonderen Bußtags-Kampagnen zu Themen wie „Wann lebst Du?“ (2013), oder „Heute einen Krieg beenden (2018)“ auf den Tag aufmerksam. In diesem Jahr heißt das Thema „Zukunft OFFen“. Sie rückt die Frage ins Zentrum „Wo sehe ich die Zukunft offen – und wo fürchte ich das OFF“. Seit einigen Jahren beteiligen sich auch die bayerische, die pfälzische und die hessen-nassauische Landeskirche an den Aktionen.

Der Tag sei in den vergangenen Jahren vielerorts „bewusster und wertschätzender“ begangen worden als zuvor, haben auch Fritz und Jung beobachtet. Ein Tag der Besinnung, der in besonderer Weise auch gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick nehme, sei wichtig, hebt der Kirchenpräsident hervor: „Deshalb bin ich froh, dass Gemeinden am Buß- und Bettag festhalten.“

Übrigens hat das Bußtagsopfer die Finanzierung der Pflegeversicherung nicht auf Dauer gesichert. Nach anfänglichen Überschüssen glitt sie bereits 1999 in die roten Zahlen ab. Trotz mehrmaliger Erhöhung der Beitragssätze schloss sie das Jahr 2018 mit einem Defizit von 3,5 Milliarden Euro ab.

Von: epd

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Mon, 16 Nov 2020 11:21:00 +0100
<![CDATA[United4Rescue und Sea-Eye präsentieren neues Bündnisschiff]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/15/united4rescue-und-sea-eye-praesentieren-neues-buendnisschiff/ Die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye hat nach eigenen Angaben seit Anfang 2016 rund 15.000 Menschen im Mittelmeer das Leben gerettet. Aktuell baut sie das ehemalige Versorgungsschiff Sea-Eye 4 zum Rettungsschiff um. An der Finanzierung des Schiffs möchte sich auch das Bündnis für Seenotrettung United4Rescue mit über 430.000 Euro beteiligen. Dem Bündnis gehören mittlerweile mehr als 660 Partner an.

Die Sea-Eye 4 ist mit 55 Meter Länge und 11 Meter Breite deutlich größer als das bisherige Rettungsschiff Alan Kurdi. „Wir sind United4Rescue sehr dankbar. Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so großen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender des eingetragenen Vereins Sea-Eye.

EU-Mitgliedsstaaten ignorieren ihre Pflichten

In der gemeinsamen Presseerklärung betont die Theologin Sandra Bils, Gründungsmitglied von United4Rescue, dass die enorme Unterstützung für Sea-Watch den Wunsch verstärkt habe, ein weiteres Schiff in die Krisenregion zu schicken: „Es kann nicht angehen, dass dort nicht ausreichend Rettungsschiffe zur Verfügung stehen.“ Sie bezeichnet es als „Unding“, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ihre Pflicht zur Seenotrettung ignorierten und sich weigerten, ihrer staatlichen, humanitären Aufgabe im Mittelmeer nachzukommen.

Weil sichere und legale Fluchtwege fehlten, wagten weiterhin viele Menschen die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer. Unter diesen Umständen sei ein weiteres ziviles Rettungsschiff dringend notwendig. United4Rescue unterstütze Rettungsorganisationen auch dabei, neue technische Auflagen zu erfüllen oder die festgesetzten Schiffe mit gerichtlichen Mitteln freizubekommen.

Gerade werde das vierte Schiff der Seenotretter einsatzfähig gemacht und in der Werft instand gesetzt. United4Rescue hat dafür eine Spendenkampagne auf der Seite wirschickennocheinschiff.de gestartet. Um das Schiff in den Einsatz zu schicken, braucht es aus Islers Sicht noch weitere Unterstützung.

United4Rescue unterstützt als unabhängiger, gemeinnütziger Verein die zivile Seenotrettung auf dem Mittelmeer. Im Januar 2020 ermöglichte die Organisation den Kauf der Sea-Watch 4 als zusätzliches Rettungsschiff. Ihr Ziel ist es, zu verhindern, dass ein Rettungsschiff aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht auslaufen kann. In dem Bündnis haben sich mehr als 660 große und kleine Organisationen, Initiativen, Unternehmen, Vereine und Stiftungen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zusammengeschlossen. Dazu gehören unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), World Vision Deutschland, der Koordinierungsrat der Muslime und die Evangelische Kirche in Deutschland.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sun, 15 Nov 2020 10:00:00 +0100
<![CDATA[Heino Falcke bei Markus Lanz: „Für mich steht am Anfang ein Schöpfer“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/11/15/heino-falcke-bei-markus-lanz-fuer-mich-steht-am-anfang-ein-schoepfer/ Der Ursprung der Welt liegt hinter einer fundamentalen Grenze der Erkenntnis. Das machte der Astrophysiker Heino Falcke vorige Woche bei der Talkshow „Markus Lanz“ deutlich. Dort erklärte er, was Schwarze Löcher sind. Falcke war es mit einem Forscherverbund von rund dreihundert Wissenschaftlern im vorigen Jahr gelungen, das erste Foto eines solchen Schwarzen Loches zu machen. Das befindet sich 55 Millionen Lichtjahre weit weg von der Erde.

An Schwarzen Löchern kämen die Menschen „an den Rand unserer Verständnisfähigkeit. Wir können dort drin nicht messen“, erklärte der Wissenschaftler. Mathematisch gesehen seien darin Zeitreisen möglich, weil Raum und Zeit gekrümmt würden. Mit Blick auf die unendliche Weite des Universums sagte er: „Es gibt mehr Sterne als Sand an unsern Stränden.“

Staubkorn auf einem Staubkorn

Der SPD-Politiker Franz Müntefering, der ebenfalls Gast in der Talkshow war, fragte Falcke daraufhin: „Glauben Sie, dass das von irgendwem erschaffen worden ist, oder war das schon immer so?“ Falcke erklärte, man könne am Universum die Entwicklung sehen – zurück bis zum Urknall, zu einem Punkt, aus dem „aus Licht und Materie alles entstanden ist aufgrund von Naturgesetzen“. Doch was am Anfang von alledem stehe und woher die Regeln dafür kämen, liege wie hinter einem Nebel, „den wir nicht durchdringen können“.

„Für mich steht da am Anfang schon ein Schöpfer, den wir nicht mit Naturwissenschaft, nicht mit Nachdenken nahekommen können, weil das jenseits der Grenzen unseres Vorstellungsvermögens ist“, bekannte Falcke. Er sei Christ und tiefgläubig. Die Größe des Weltalls sei daher für ihn auch ein Ausdruck des Schöpfers. „Das hat eine emotionale Komponente, die ich mit Wissenschaft nicht mehr fassen kann. Das hat mit Glaube, Hoffnung zu tun.“

Auf einen weiteren Einwurf von Müntefering hin bestätigte Falcke, dass die Weite des Alls auch zu der Annahme führen könne, der Mensch sei nichts wert. „Das ist auch so: Wenn wir die Welt zerstören, dann stört das das Universum überhaupt nicht. Wir sind Staubkorn auf einem Staubkorn in diesem Universum.“ Und fügte hinzu: „Trotzdem glaube ich, sind wir etwas unglaublich Wertvolles.“ Er sehe es als etwas Besonderes an, „dass wir leben, glauben, hoffen, lieben können“. Das lasse sich „nicht mit Zahlen allein fassen“.

Kürzlich ist Falckes Buch „Licht im Dunkeln“ erschienen. Darin beschreibt er unter anderem, wie das Bild vom Schwarzen Loch entstanden ist, und spricht auch die Frage nach dem Ursprung der Welt, nach Gott und dessen Verhältnis zu den Menschen an.

Von: Jonathan Steinert

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Sun, 15 Nov 2020 08:45:00 +0100
<![CDATA[Drei Nägel für Frieden und Verständigung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/11/14/drei-naegel-fuer-frieden-und-verstaendigung/ „Was wir der Welt erzählen wollen, ist dieses: Christus ist heute in unseren Herzen wiedergeboren worden. Und so schwer es auch sein mag: Wir verbannen jeden Gedanken an Rache.“ Unfassbare Worte sind das am ersten Weihnachtstag 1940 für britische Ohren: Coventrys Dompropst Richard Howard predigt Vergebung, in einer Rundfunkübertragung aus den Ruinen der zerstörten St.-Michaels-Kathedrale. Dabei ist es erst 40 Tage her, dass die Innenstadt mit dem gotischen Kirchbau im Bombenhagel der Deutschen unterging. Mehr als 550 Tote, mehr als 1.000 Verletzte – und da ruft der Geistliche zur Versöhnung auf.

In der Nacht vom 14. auf den 15. November 1940 stiegen über 500 deutsche Flugzeuge von Frankreich in den Himmel auf. Die 240.000 Einwohner zählende Industriestadt Coventry rund 150 Kilometer nordwestlich von London erlebte den „konzentriertesten Regen der Zerstörung aus dem Himmel, der je von Menschenhand ausgelöst wurde“, schrieb das US-Magazin Time.

Erstmals ging ein gezieltes Flächenbombardement ohne Rücksicht auf Zivilisten nieder. Die Kathedrale wurde bis auf den Turm und drei Außenmauern zerstört. Die Ruine ist noch heute Mahnmal und Symbol für Aussöhnung. Direkt daneben entstand ein spektakulärer Neubau des Architekten Basil Spence aus Sandstein, der 1962 eingeweiht wurde.

Die deutsche NS-Propaganda tönte nach dem Angriff, sie werde alle britischen Städte „coventrisieren“ – grauenvolles Synonym für die totale Zerstörung. Die Briten reagierten sofort: Einen Tag nach Coventry flog die Royal Air Force mit 127 Bombern ihren ersten Großangriff auf Hamburg. „Coventry als die erste Massenbombardierung einer Stadt ist das Alpha des Bombenkriegs, Dresden das furchtbare Omega“, schreibt der britische Historiker Frederick Taylor.

Dompropst Richard Howard bezeichnete den elfstündigen Angriff auf seine Stadt als ein böses Verbrechen und rief gleichzeitig zur Versöhnung auf: Sobald der Krieg zu Ende sei, müsse man eine freundlichere, einfachere, christkindgemäße Welt jenseits der Fehde zu gestalten versuchen.

Botschaft von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi

„Im Zentrum dieser christlichen Versöhnungsinitiative stand die Botschaft von der Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi, die Howard nicht nur als Auftrag zum Wiederaufbau der Kathedrale, sondern auch als aktive Form der Friedensarbeit begriff“, schreibt der Historiker Dietmar Süß. 1960 eröffnete Otto Dibelius, Bischof von Berlin und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, in Coventry das Internationale Versöhnungszentrum mit den Worten: „Möge ganz Europa mit einem neuen Gefühl der Gemeinschaft, der Hoffnung und der Liebe erfüllt werden.“

Richard Howard machte sich mit seinem Streben nach Versöhnung zunächst wenig Freunde. Im Krieg dem verhassten Feind die Hand zu reichen, das war für viele Briten kaum vorstellbar. Aber Howard war ein zäher Streiter für seine Überzeugungen: Ohne Aussöhnung würde es keinen tragfähigen Frieden in Europa geben können.

1974 entstand aus bereits bestehenden lockeren Kontakten – auch nach Deutschland – die internationale Nagelkreuzgemeinschaft, ein Friedensnetzwerk. Deren Symbol: ein Kreuz, zusammengefügt aus drei mittelalterlichen Zimmermannsnägeln, die am Tag nach dem Angriff im Schutt der Kirchenruine von Coventry gefunden wurden. Heute ist es Teil des Kreuzes am Hochaltar in der neuen Kathedrale. Repliken davon, etliche handgeschmiedet in der JVA Würzburg, stehen weltweit in Kirchen: „Wir exportieren den Gedanken der Vergebung“, formulierte es der spätere Domkapitular von Coventry, Paul Oestreicher.

Nagelkreuz von Coventry bis heute starkes Symbol für Frieden

In Deutschland ist Oliver Schuegraf Vorsitzender der Gemeinschaft von 72 Nagelkreuzzentren, zu denen die KZ-Gedenkstätte Dachau, die Dresdner Frauenkirche und die Gedächtniskirche in Berlin gehören. „Wir müssen weiter unsere Stimme erheben gegen Fremdenfeindlichkeit und die Versuchung neuer Nationalismen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Strenge Vorgaben für die Nagelkreuzzentren gebe es nicht: „Was uns allen jedoch wichtig ist, ist das Versöhnungsgebet von Coventry aus dem Jahr 1958, das jeden Freitag um 12 Uhr gebetet wird. Die sieben Gebetsbitten mit ihrem jeweiligen Ruf ‚Vater vergib‘ sind die spirituelle Mitte unserer Gemeinschaft.“ Die Worte „Father forgive“ sind auch eingemeißelt in die Chorwand der Kirchenruine in Coventry.

Die zerstörte Kathedrale von Coventry und die ausgebombte Frauenkirche in Dresden werden oft in einem Atemzug genannt. Heute sind beide Städte in Freundschaft verbunden. Coventry ist Dresdens älteste Schwesterstadt. Seit 2005 steht in der neu entstandenen Frauenkirche ein Nagelkreuz.

„Das Nagelkreuz von Coventry ist bis heute ein ganz starkes Symbol für Frieden und Verständigung“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Februar 2020. Schon in den 1950er Jahren hätten Frauen und Männer in Coventry die Hand zur Versöhnung ausgestreckt – Beginn einer nicht für möglich gehaltenen Freundschaft zwischen den Völkern.

Von: epd

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Sat, 14 Nov 2020 12:00:00 +0100
<![CDATA[Frankfurter Bibelmuseum von Schließung bedroht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/14/frankfurter-bibelmuseum-von-schliessung-bedroht/ Dem Frankfurter Bibelhaus Erlebnis Museum droht die Schließung. Die Leitung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als Hauptgeldgeber schlägt der Ende November tagenden Synode vor, den jährlichen Zuschuss von rund 616.000 Euro bis Ende 2024 einzustellen. „Wir sind entsetzt über die Beschlussvorlage“, sagte der Museumsdirektor Jürgen Schefzyk am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch alle Partner - darunter die Deutsche Nationalbibliothek, das Deutsche Historische Museum, die Bayerische Staatsbibliothek und das Pariser Louvre - äußerten Entsetzen. Das Museum erfuhr laut Schefzyk erst aus der Beschlussvorlage von der Entscheidung der Kirchenleitung.

Das Bibelhaus ist nach den Worten des Direktors das einzige Bibelmuseum in Deutschland, das die Welt der Entstehung der Heiligen Schrift vom 2. Jahrhundert vor bis zum 2. Jahrhundert nach Christus anhand von originalen archäologischen Funden erklärt. Das Museum sei das einzige über Deutschland hinaus, das einen Vertrag mit der israelischen Antikenverwaltung geschlossen habe, um Grabungsfunde aus Israel eigenständig ausstellen zu dürfen.

Bis zu 20.000 junge Menschen besuchten im Jahr das Haus, darunter viele gemischt-religiöse Schulklassen. Das Museum leiste auf einmalige Weise eine Bildungsaufgabe und sei ein Forum für interreligiöse Gespräche, sagte Schefzyk. Mit der historischen Lesart der Bibel anhand von archäologischen Objekten stehe das Haus auch an der Seite derjenigen, die den Islam historisch interpretierten. „Unsere Vermittlung öffnet den Horizont und beugt fundamentalistischen Positionen vor.“

Mit der Streichung der Gelder gehe zudem ein wichtiger Baustein in den deutsch-israelischen Kulturbeziehungen und der universitären Kooperation verloren, sagte der Direktor. Das Museum arbeite mit mehr als zehn Universitäten zusammen und vermittle deren Forschungsergebnisse an die Besucher.

Hoher wissenschaftlicher Standard

Der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek München, Klaus Ceynowa, äußerte sich „schockiert“. Eine Schließung des Bibelhaus-Museums wäre „ein Verlust, der unersetzlich wäre“, sagte er dem epd. Es brauche in Deutschland zwingend einen Ort, der sich mit der Bibel auseinandersetzt in einer Weise, wie es das Bibelhaus tue. Dessen wissenschaftliche Präsentations-Standards stünden weit über denen des großen, 2017 in Washington mit evangelikalem Hintergrund privat gegründeten „Museum of the Bible“.

Der Präsident des Museumsträgers Frankfurter Bibelgesellschaft, Thomas Kreuzer, bezeichnete die Beschlussvorlage der Kirchenleitung als Fehler. Das Bibelhaus sei eines der „Leuchtturmprojekte“ der EKHN und zentrales Element der Vermittlungsarbeit der Bibelgesellschaft. In einer Zeit, in der Religionen zueinander finden sollen, gebe es mit dem Bibelhaus einen Ort, wo Schüler sich interkulturell über ihre Religionen austauschten, sagte Kreuzer.

Der Präses der Kirchensynode, Ulrich Oelschläger, sagte, er sei nicht glücklich über die Beschlussvorlage. Er könne sich vorstellen, dass die vorgesehene Frist des Zuschusses über 2024 hinaus verlängert werde. Die EKHN finanziert mit dem jährlichen Zuschuss von rund 616.000 Euro nach Schefzyks Angaben die Grundausstattung wie die Miete und zweieinhalb Personalstellen. Die Stadt Frankfurt steuere rund 50.000 Euro bei, dazu kämen Spenden. „Wir wollen hierbleiben“, sagte der Direktor. Instandsetzungen seien auch schrittweise denkbar. Das Bibelhaus wolle versuchen, Großspender zu gewinnen, aber es sei „fast ausgeschlossen“, die Höhe der EKHN-Mittel einwerben zu können.

Das Kirchenparlament hatte vor einem Jahr einen Neubau des Museums an anderem Ort aus Kostengründen abgelehnt. Mehrere Alternativvorschläge zu Zukunft des Hauses fanden kirchenintern keine Zustimmung. Für eine Erneuerung des Museums bezifferte die EKHN einen Kostenrahmen zwischen 2,5 Millionen Euro (ohne Ausstellungsstücke) und 10,5 Millionen Euro (mit den archäologischen Exponaten).

Von epd

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Sat, 14 Nov 2020 10:22:00 +0100
<![CDATA[Bedford-Strohm schockiert über Tote im Mittelmeer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/13/bedford-strohm-schockiert-ueber-tote-im-mittelmeer/ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat tiefes Bedauern über den Tod von Bootsflüchtlingen geäußert. Verschiedenen Medienberichten zufolge sind mehrere Dutzend Menschen bei der Flucht aus Libyen über das Mittelmeer ertrunken. „Der Tod so vieler Menschen innerhalb weniger Stunden ist schrecklich. Dem himmelschreienden Leid und sinnlosen Sterben im Mittelmeer muss endlich ein Ende bereitet werden“, schreibt Bedford-Strohm auf seiner Facebook-Seite. Das von den Kirchen mitfinanzierte Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ sitzt derweil offenbar im Hafen von Palermo fest.

Nach Angaben einer EKD-Pressemitteilung vom Freitag sind binnen eines Tages mehr als 90 Flüchtlinge nach Bootsunglücken vor der libyschen Küste ums Leben gekommen. Der Mitteilung zufolge hatte sich der EKD-Ratsvorsitzende am Donnerstag in einem Video-Treffen mit der italienischen Verkehrsministerin Paola De Micheli für die Freigabe des Rettungsschiffes „Sea-Watch 4 – powered by United4Rescue“ eingesetzt. Das Rettungsschiff, das von der EKD mitfinanziert wurde, sei derzeit im Hafen von Palermo festgesetzt. Bereits im September hatten italienische Behörden das Auslaufen des Schiffes behindert.

Bei dem Treffen am Donnerstagabend haben demnach auch der Generalkommandant der italienischen Küstenwache, Giovanni Pettorino, sowie der Koordinator des Flüchtlingsprogramms der Föderation der evangelischen Kirchen in Italien, Paolo Naso, teilgenommen. In der Videokonferenz hatte Bedford-Strohm sein Unverständnis darüber ausgedrückt, dass ein Auslaufen des Schiffes trotz der offensichtlichen Notlage auf dem Mittelmeer nicht möglich ist.

Nach EKD-Angaben wird das Auslaufen vor allem durch „rechtliche Fragen“ verhindert. Dass die rechtlichen Belange mehr Gewicht haben als die „humanitäre Dringlichkeit“, bedauerte der Ratsvorsitzende. Die „konstruktiven Bemühungen“ um die Freilassung des Schiffes sollen fortgesetzt werden. „Wir werden aber am Ball bleiben, so dass die Sea-Watch 4 wieder das tun kann, wofür sie da ist: Leben retten“, schreibt Bedford-Strohm.

Die „Sea-Watch 4“, die zu Jahresbeginn von dem kirchlich initiierten Bündnis United4Rescue aus Spenden erworben und als Rettungsschiff ausgestattet worden war, liegt seit seiner ersten Rettungsmission, bei der es 353 Migranten aus Seenot gerettet hatte, im Hafen von Palermo fest.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 13 Nov 2020 16:15:00 +0100
<![CDATA[Nach Terror in Wien: Die offene Gesellschaft schützen!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/11/13/nach-terror-in-wien-die-offene-gesellschaft-schuetzen/ Ein Kommentar von Raffael Reithofer]]> Am jenem Abend des 2. November war es noch einmal unwahrscheinlich warm in Wien. Sonnenschein und bis zu 20 Grad Plus. Ein idealer Anlass, um am Tag vor dem Beginn des zweiten Lockdowns in Österreich inklusive Sperre der Gastronomie ein letztes Mal mit Freunden in der Innenstadt etwas essen oder trinken zu gehen und das städtische Leben zu genießen. Das sogenannte Bermudadreieck mitten im ältesten Teil der Stadt – einst auf den Resten des römischen Vindobona errichtet – ist eigentlich eine beliebte Partymeile. Zudem auch ein Ort des jüdischen Lebens oder besser gesagt des Rests von jüdischem Leben, der Wien nach dem Wahn des Nationalsozialismus erhalten geblieben ist: Hier befindet sich nämlich der Stadttempel, die einzige Synagoge Wiens, die am 9. November 1938 die Reichspogromnacht wenigstens in ihrer äußeren Struktur überlebt hat.

Doch just in jenem Viertel geschieht am 2. November gegen 20 Uhr das Unfassbare: ein Terroranschlag. Ein junger Wiener mit migrantischem Hintergrund, kaum dem Teenageralter entronnen – die Eltern gut integriert – hat sich dazu entschlossen, zu morden. Vier Menschen sterben, 23 werden teils schwer verletzt. Dass nicht noch Schlimmeres passiert ist, ist der Wiener Polizei zu verdanken, die den Täter nach bloß neun Minuten des Mordens erschießen wird. Und doch ist es der Grauen des Terrors, der – teils auf unmoralische Weise (eine Boulevardzeitung hat die Mordvideos gezeigt und laut der in Österreich prominenten Fernsehmoderatorin Corinna Milborn „wie ein Fußballspiel kommentiert“) – über Medien vermittelt, die Stadt und auch das ganze Land in Atem halten wird.

Nach zahlreichen Anschlägen in Frankreich, zuletzt etwa der grausamen Ermordung eines Lehrers bei Paris oder der Messerangriff in einer Kirche, und etwa dem Anschlag auf Weihnachtsmarkt in Berlin 2016, hat es also auch Österreich erwischt. Ein Land, in dem man sich sonst so sicher wähnte, dass der Bundespräsident mit allen anderen wie selbstverständlich U-Bahn fährt. Ein Land, in dem man sich so sicher wähnte, dass der Begriff „Insel der Seligen“, wie er angeblich von Papst Paul VI. stammt, in Hinblick auf sozialen Frieden und Wohlstand nach dem Zweiten Weltkrieg zum Inbegriff des Österreichertums wurde. Ein Terrorangriff ist immer eine Zäsur; aber wenn man der Meinung ist, dass so etwas in Österreich doch nicht passieren kann – nicht nur im Nachhinein zugegebenermaßen eine naive Meinung –, umso mehr.

Hätte sich der Anschlag verhindern lassen?

Wie also damit umgehen? Diese Frage lässt sich zunächst auf der sachpolitischen Ebene relativ leicht beantworten. Faktum ist nämlich leider, dass der Terroranschlag von Wien wohl hätte verhindern werden können, weil Österreichs Polizei zwar schlagkräftige Spezialeinheiten (übrigens eine Folge aus der polizeilichen Hilflosigkeit bei Terroranschlägen in den 1970ern), dafür aber einen umso schlechter aufgestellten Inlandsnachrichtendienst besitzt, der stichhaltige Hinweise zum Attentäter, etwa einen versuchten Munitionskauf, nicht weiterverfolgt hat. Es ist also geboten, die Arbeitsweise der Strafverfolgungsbehörden zu verbessern. Faktum ist auch, dass der Täter bereits 2018 nach Syrien ausreisen wollte, um sich dem Dschihad anzuschließen; er hat es nur bis in die Türkei geschafft, wo ihn die Behörden verhafteten und nach Österreich überstellten. Schließlich verurteite ihn ein österreichisches Gericht zu 22 Monaten Haft. Er kam unter der Auflage, an einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen und Bewährungshilfe in Anspruch zu nehmen, nach zwei Dritteln der Haft frei.

Die ihm aufgelegten Sozialstunden hat er brav absolviert, sich vor seinen Bewährungshelfern geläutert gezeigt – bis wenige Tage vor dem Attentat. Es ist also geboten, die Praxis der Resozialisierung und vor allem jene der Deradikalisierungsarbeit zu untersuchen und unter Einbeziehung psychologischer Forschungsergebnisse möglichst zu verbessern. Nicht geboten ist es hingegen, da wo Behörden und Resozialisierung versagt haben, in einem Schnellschuss strengere Gesetze zu beschließen, wie es jetzt in Österreich auch geschieht. Wenn auch da und dort gesetzliche Nachschärfungen sinnvoll sein können, ist doch jedes Gesetz immer nur so gut wie die staatliche Exekutive, die es umsetzt. Und es war eben die Sicherheitsverwaltung des Landes, die im Vorfeld des Terrors versagt hat – nicht die Terrorgesetze! Nach denen hätte man den Attentäter nach dem versuchten Munitionskauf wieder verurteilen können.

Die offene Gesellschaft will vor ihren Feinden verteidigt werden

Und zweitens lauert hier vor allem aber ein grundsätzliches Problem, womit wir uns von der sachpolitischen auf die philosophische Ebene begeben: Der Anschlag auf Wien war – wie so oft in Europa – ein Anschlag auf die offene und liberale Gesellschaft. Wenn diese Gesellschaft nun vor allem mit immer rigoroseren Terrorgesetzen darauf reagiert, läuft sie Gefahr, scheibchenweise ihre eigene Liberalität zu verlieren. Ein Prozess, der schrittweise verläuft, an dessen Ende im schlechtesten Fall ein repressives Regime wie Orbáns Ungarn oder Erdoğans Türkei stehen könnte.

Die „offene Gesellschaft und ihre Feinde“ lautet ein Buchtitel des österreichischen Philosophen Karl Popper, der im Nachkriegsdeutschland als Bonmot eine große Rolle gespielt hat. Einer der Kerngedanken darin befasst sich mit dem sogenannten Toleranz-Paradoxon: „Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen (…), dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen.“ Intoleranten Kulturen mit naiver Toleranz zu begegnen, führt in eine Sackgasse. Ist die polizeiliche und strafrechtliche Keule also das erste Mittel der Wahl, um radikalen Islamismus zu bekämpfen? Mitnichten! Popper betont nämlich auch: „Damit möchte ich nicht sagen, dass wir z.B. intolerante Philosophien auf jeden Fall gewaltsam unterdrücken sollten; solange wir ihnen durch rationale Argumente beikommen können und solange wir sie durch die öffentliche Meinung in Schranken halten können, wäre ihre Unterdrückung sicher höchst unvernünftig.“

Tatsächlich ist der Umgang mit islamischem Extremismus nicht nur aus philosophischer Sicht eine Gratwanderung – in der Praxis kommen noch einmal politische, juristische und soziale Schwierigkeiten sowie ein durch Boulevardzeitungen, extreme Parteien und nicht zuletzt Social Media populistisch vergifteter Diskurs dazu. Das Ziel einer solchen Gratwanderung sollte aber klar sein: Die offene Gesellschaft, die uns als Europäer so sehr auszeichnet, zu schützen, zu erhalten und zu stärken. Dazu können auch aufgeklärte Christinnen und Christen ihren Beitrag leisten, indem sie sich im Dialog mit Glaubensgeschwistern gegen allzu einfache Antworten auf die Terrorgefahr positionieren oder durch Beziehungen zu Migranten ihnen dabei helfen, sich in dieser offenen Gesellschaft zurechtzufinden, sie vielleicht sogar schätzen zu lernen.

Dazu gehört auch die Bereitschaft zu der Selbsterkenntnis: Wir alle haben unsere Vorurteile, unsere unüberlegten Meinungen und sind – schlimmer noch –, wie es Paulus im Römerbrief eindrücklich betont, allesamt Sünder. Es bleibt uns also nur eines: Offen miteinander zu reden, Argumente kritisch zu prüfen (nicht zuletzt auch diesen Kommentar!), dabei aber Demut und Empathie beweisen und als Staatsbürger, in Arbeit und Freizeit sowie als Christen korrigierbar zu bleiben. Das ist nämlich im Sprechen über Extremismus genauso sinnvoll wie überall sonst.

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Fri, 13 Nov 2020 15:16:00 +0100
<![CDATA[Kritik an Zusammenarbeit von Google und Gesundheitsministerium]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/12/kritik-an-zusammenarbeit-von-google-und-gesundheitsministerium/ Das Gesundheitsministerium arbeitet jetzt mit der Suchmaschine Google zusammen. Das hat das Ministerium am Dienstag mitgeteilt. Wer bei Google nach bestimmten Krankheiten sucht, bekommt seitdem zu den Ergebnissen an hervorgehobener Stelle Inhalte des Nationalen Gesundheitsportals gesund.bund.de angezeigt. Nach Angaben des Ministerium stehen bislang die Info-Kästen für mehr als 160 Krankheiten zur Verfügung und führen direkt zum jeweiligen Artikel im Nationalen Gesundheitsportal.

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger hat die Zusammenarbeit des Ministeriums mit Google kritisiert. In einer Erklärung des VDZ vom Mittwoch heißt es: „Bereits am Tag 1 der Kooperation finden sich auf der maßgeblichen ersten Suchergebnisseite bei Stichproben in der Regel fast nur noch Regierungsinformationen zu Gesundheitsfragen.“

Fachmedium des Ministeriums untergräbt freien Pressemarkt

Die Kritik des VDZ geht aber noch weiter. „Schon dass ein Bundesministerium überhaupt ein eigenes Fachmedium mit vollwertiger redaktioneller Berichterstattung über Gesundheitsfragen betreibt, ist mit der Staatsfreiheit der Medien nicht vereinbar und ein unannehmbarer Eingriff in den freien Pressemarkt, der sich nach wirtschaftlichen Grundsätzen finanzieren muss“, erklärte der Verbandspräsident, Rudolf Thiemann.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Kooperation mit Verweis auf die Corona-Pandemie und der Wichtigkeit seriöser Informationen über Krankheiten verteidigt. Zudem erwartet Spahn mehr Bekanntheit des Portals durch die Zusammenarbeit mit der Suchmaschine. „Wenn wir ein Interesse daran haben, objektive, fundierte, evidenzbasierte Informationen rüberzubringen, dann bringt es mir nichts, wenn wir bei Google an Stelle 783.000 auftauchen“, zitiert Tagesschau.de den CDU-Politiker.

Das Nationale Gesundheitsportal bietet eigenen Angaben zufolge Informationen über verbreitete Krankheiten wie Krebs, Herzkreislauferkrankungen oder Infektionen. Dazu kommen Beiträge zu verbrauchernahen Themen wie Pflege, Prävention und Digitalisierung. Nach Angaben des Ministeriums sollen weitere Themenschwerpunkte folgen und und das Angebot kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 12 Nov 2020 15:01:00 +0100
<![CDATA[Religionen entdecken: Online-Portal für Kinder]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/11/12/religionen-entdecken-online-portal-fuer-kinder/ Das Portal religionen-entdecken.de möchte Kindern die Welt des Glaubens erklären, Berührungsängste abbauen und einen respektvollen Umgang miteinander etablieren. Die Internetseite wurde 2010 ursprünglich von den Journalistinnen Jane Baer-Krause und Barbara Wolf-Krause konzipiert. Jetzt wird das Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) die Seite weiter entwickeln.

Dort finden Lehrkräfte auch Literaturtipps, Links und Unterrichtsideen. „Unser Konzept ist so gut aufgegangen, dass das Projekt nun einen professionellen Träger braucht. Wir sind sehr glücklich, einen so kompetenten Nachfolger wie das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) gefunden zu haben“, wird Baer-Krause in einer Pressemitteilung des GEP zitiert.

Deren Direktor Jörg Bollmann freut sich, dass das GEP die Idee weiterführen kann: „Wir würden sehr gern mit unseren digitalen Kommunikationsangeboten junge Menschen erreichen, auch und gerade im Bereich der Bildung und Ausbildung.“ Das Werk stelle sich dieser Aufgabe gerne und sei sich der übernommenen Verantwortung „sehr bewusst“.

Stetiger Ausbau durch erfahrene Journalisten und Theologen

Für die Seriosität der Informationen sorgen zahlreiche Religionspädagogen, Religionswissenschaftler und Theologen. Über das Christentum hinaus beraten Experten aus dem Islam, dem Alevitentum, dem Judentum, der Bahai-Religion, dem Buddhismus und dem Hinduismus das Internetportal. Das Portal soll im GEP von erfahrenen Journalisten und Theologen stetig ausgebaut werden.

Kooperationspartner sind die Universität Kassel, das Religionspädagogische Institut Loccum und das Haus der Religionen in Hannover. Das Portal erklärt seinen Nutzern große Weltreligionen und kleine Glaubensgemeinschaften. Neben dem umfangreichen Lexikon und Filmen fordern Spiele und weitere Module zum Mitmachen auf. Die Kinder können sich in einem geschützten Forum miteinander austauschen. Die Redaktion moderiert jeden Beitrag vorab, korrigiert dabei die Rechtschreibung und sorgt für die Einhaltung der Regeln.

Außerdem können die Nutzer an Umfragen teilnehmen, sich über ihren eigenen Glauben äußern oder in einem Quiz erworbenes Wissen selbst zu testen. Zudem ist die Seite mit anderen Angeboten in sicheren Kinder-Surfräumen vernetzte. Eltern und Pädagogen können sich in einem eigenen Bereich über Hintergründe des Projekts informieren. Gefördert haben das Projekt unter anderem der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Bundeszentrale für politische Bildung.

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. Es ist das zentrale Mediendienstleistungsunternehmen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ihrer Gliedkirchen, Werke und Einrichtungen. Es trägt neben den Redaktionen des evangelischen Magazins chrismon unter anderem die epd-Zentralredaktion und die des Internetportals evangelisch.de.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 12 Nov 2020 13:41:00 +0100
<![CDATA[Corona stellt Ökumenischen Kirchentag infrage]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/11/12/corona-stellt-oekumenischen-kirchentag-infrage/ Der 3. Ökumenische Kirchentag steht auf der Kippe. In den nächsten Tagen beraten die Organisatoren mit der Stadt Frankfurt am Main, ob das für Mai 2021 geplante Christentreffen trotz Corona-Pandemie stattfinden kann. Der für Kirchen zuständige städtische Dezernent Uwe Becker (CDU) machte wenig Hoffnung. Die Veranstalter indes betonten: „Noch ist nichts entschieden.“ Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte am Mittwoch, die Entscheidung darüber, ob das Christentreffen stattfindet oder nicht, liege nicht bei der Stadt, sondern bei den Veranstaltern, also dem Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken.

Bürgermeister Becker hatte zuvor der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch) gesagt, bei aller Freude über dieses Fest des Glaubens und des Miteinanders stelle sich die Frage, ob eine solche Großveranstaltung mit 30.000 oder mehr Teilnehmern in Zeiten von Corona zu verantworten sei. Die endgültige Entscheidung werde allerdings erst in den nächsten Tagen in Gesprächen zwischen der Stadt und Spitzenvertretern der evangelischen und katholischen Kirche getroffen. Beckers Sprecherin Wiebke Reimann sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Es ist eine superschwierige Situation.“

Oberbürgermeister Feldmann erklärte, dass ihn die Realisierung des Kirchentags freuen würde: „Er wäre ein Zeichen der Hoffnung, nicht nur für Gläubige.“ Wenn die Verantwortlichen aber zu dem Schluss kämen, dass der Kirchentag im Mai 2021 nicht zu verantworten ist, hätten sie die volle Unterstützung der Stadt. „Die Gesundheit steht über allem“, sagte Feldmann.

Kirchentagssprecher Mario Zeißig erklärte: „Wir verstehen die schwierige Situation der Stadt Frankfurt.“ Auch die Veranstalter Deutscher Evangelischer Kirchentag und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken würden seit geraumer Zeit alle Möglichkeiten prüfen. Es gehe darum „zu schauen, wie die Vorbereitung des Kirchentags unter den gegebenen Umständen möglich ist“, sagte Zeißig dem epd. Ende der Woche würden die Verantwortlichen mit der Stadt sprechen. Die Präsidenten des Kirchentages, Bettina Limperg und Thomas Sternberg, würden darüber hinaus zeitnah mit den Leitungsgremien beraten.

Verschiebung innerhalb von 2021 nicht möglich

Der Ökumenische Kirchentag ist für den 12. bis 16. Mai nächsten Jahres in Frankfurt geplant. Erst vor zwei Monaten hatten die Organisatoren entschieden, dass wegen der Corona-Pandemie die Teilnehmerzahl auf 30.000 Menschen beschränkt werden soll. Nun lässt die aktuelle Corona-Lage alle Pläne obsolet erscheinen, bei denen unter anderem auf weniger Veranstaltungen, Corona-Schnelltests, den Verzicht auf Privatunterkünfte sowie Zugangsbegrenzungen und hybride Veranstaltungen mit Übertragungen ins Internet gesetzt worden war. Um weitere Kosten zu vermeiden, könnte eine Absage ein halbes Jahr vor dem Termin der einzige Ausweg sein.

Eine Verschiebung innerhalb des Jahres 2021, so hieß es bereits, sei aufgrund der anderweitig gebuchten Messehallen in Frankfurt nicht möglich. Somit dürfte zunächst ungewiss bleiben, wann der nächste gemeinsame Kirchentag von Katholiken und Protestanten stattfinden kann. Im Jahr 2022 soll Ende Mai ein Katholikentag in Stuttgart gefeiert werden. Für 2023 lädt der Deutsche Evangelische Kirchentag Anfang Juni nach Nürnberg ein.

Am ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 hatten mehr als 200.000 Menschen teilgenommen, beim zweiten in München 2010 waren es mehr als 130.000.

Von: Karsten Frerichs, epd

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Thu, 12 Nov 2020 12:57:00 +0100
<![CDATA[Abdel-Samad verlässt Islamkonferenz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/12/abdel-samad-verlaesst-islamkonferenz/ Auf Facebook teilte der Islamkritiker Hamed Abdel-Samad seinen offenen Brief, den er an Innenminister Horst Seehofer (CDU) geschrieben hat. Darin begründet er seinen Austritt aus der Deutschen Islamkonferenz. Abdel-Samad schreibt unter anderem, dass „die Islamverbände alle kritischen Themen, die kritische Stimmen auf den Tisch gebracht haben, wie etwa das Thema Radikalisierung von jungen Muslimen oder die Stellung der Frau“ aus der Tagesordnung verbannt hätten. Es sei nur noch um Themen gegangen, die für die orthodoxen Verbände selbst relevant gewesen wären, wie zum Beispiel die in Imamausbildung, der Islamunterricht oder die muslimische Seelsorge.

Er habe festgestellt, dass die Islamverbände nur Geld vom Staat wollten. Auch die staatlichen Vertreter hätten keine kritischen Stimmen hören wollen. „Der Staat biedert sich an die Vertreter des politischen Islam in dieser Konferenz an und ignoriert alle Warnungen und Vorschläge der kritischen Stimmen“, schreibt Abdel Samad.

„Gefahr für die Innere Sicherheit“

Enttäuscht habe ihn auch die Reaktion der Vertreter des deutschen Staates bei der letzten Sitzung der Konferenz. Der Chef des türkischen Dachverbandes Ditib habe dort erklärt, dass er Absolventen der Fakultäten für Islamische Theologie der deutschen Universitäten nicht als Imame einstellen würde, da diese die Standards der Ditib nicht erfüllten. Anstatt sich zu empören, unterstütze der Staat nun, dass die Ditib selbst Imame ausbilde „und zwar auf Kosten der Steuerzahler“.

Abdel-Samad kritisiert in seinem Statement die Loyalität der Ditib zu Erdogan und zum türkischen Nationalismus. Die Islamkonferenz sei für die politische Aufwertung der Ditib und dem Zentralrat der Muslime mitverantwortlich „und somit auch für den Aufbau von Erdogan-Kult und die Stärkung des politischen Islam“. Die Unterstützung der genannten Vereine sei eine Gefahr für die Innere Sicherheit, warnt er.

Der Deutsch-Ägypter war zehn Jahre lang Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Er ist Politikwissenschaftler und Publizist. Er ist vor allem als Autor mehrerer islamkritischer Werke bekannt.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 12 Nov 2020 12:23:00 +0100
<![CDATA[Mehr Evangelium im Corona-Herbst]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/11/12/mehr-evangelium-im-corona-herbst/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> An den Briefen der Apostel im Neuen Testament lässt sich ablesen, worin die Probleme und Herausforderungen der adressierten Gemeinden lagen. Wenn in der evangelikalen-freikirchlichen Bewegung innerhalb von wenigen Tagen gleich zwei Aufrufe zum christlichen Umgang mit der Corona-Krise erscheinen, dann zeigt das: Der Bedarf an geistlicher Orientierung ist offenbar groß. Die Deutsche Evangelische Allianz veröffentlichte „Gedanken zu Herausforderungen in der gegenwärtigen Corona-Krise“. Ein weiteres Papier trägt den Titel „Jesus im Mittelpunkt behalten – trotz Corona“, erarbeitet von Michael Kotsch vom Bibelbund samt einigen Mitstreitern, die zum konservativen Flügel der Evangelikalen zählen. Beide Aufrufe unterstützt von zahlreichen Leitern von Gemeinden, Werken und Verbänden.

So unterschiedlich sie auch formuliert sind und ihre Schwerpunkte setzen, gehen sie doch in eine ähnliche Richtung: Christen sollten sich in der Corona-Krise auf ihren geistlichen Auftrag besinnen. Sich nicht über Sinn und Unsinn von Maßnahmen zerstreiten, weder in Angst verharren noch Misstrauen gegen politisch Verantwortliche schüren oder sich leichtfertig über Hygiene-Richtlinien hinwegsetzen und dabei andere gefährden. Sondern das Evangelium verkündigen, die Liebe Gottes bezeugen, Fürbitte halten, sich auf Jesus ausrichten.

Jeder fromme Christ wird diesen Punkten zustimmen können. Aber Corona droht manche Maßstäbe zu verschieben, scheint es. „Wir weisen Verschwörungstheorien und unsolidarische Verhaltensweisen ausdrücklich zurück. Vielmehr fordern wir Christen heraus, durch ihr Reden und Verhalten versöhnend in unsere Gesellschaft hinein zu wirken“, heißt es etwa im Papier der DEA. „In jedem Fall muss die Sprache, derer Christen sich in öffentlichen Debatten bedienen, dem Gebot und Vorbild unseres Herrn und seiner Apostel entsprechen“, formuliert das andere Papier und stellt klar: Im Mittelpunkt des Gemeindelebens sollten geistliche Ziele stehen, „keine politischen oder medizinischen Diskussionen“.

Lichter der Hoffnung aussenden

Beide Aufrufe betonen als ersten Punkt, dass Christen an einen lebendigen Gott glauben, dem auch die Corona-Krise nicht entgleitet. „Wir fordern Christen auf, durch ihr gelebtes Gottvertrauen andere zu ermutigen, dieses Vertrauen zu wagen“, schreibt die DEA.

Die Corona-Krise kann zu einer Krise der christlichen Gemeinde werden. Nicht nur, weil die Maßnahmen gegen das Virus das Gemeindeleben einschränken, weil Menschen aus Sorge vor Ansteckung nicht mehr in den Gottesdienst kommen und rein virtueller Kontakt die Anbindung an eine Gemeinde auf Dauer zumindest nicht verstärken wird. Sondern auch, weil die Pandemie und die Maßnahmen dagegen geeignet sind, dass Christen sie zur Glaubensfrage machen – und dabei aus dem Blick verlieren, dass sie eigentlich eine ganz andere Botschaft haben: die von einem Gott, der die Welt erschaffen hat und erhält; von einem Gott, der die Menschen liebt und sich an ihre Seite gestellt hat; von einer Hoffnung, die im Leben trägt und über den Tod hinausgeht.

Deshalb kann die Corona-Krise auch eine enorme Chance der Gemeinde werden: Wer, wenn nicht Christen, könnte Antworten auf wieder neu gestellte existenzielle Fragen geben? Wer könnte bezeugen, dass es tragfähigen Halt und Heil auch jenseits von Impfstoffen gibt? Im Pandemie-Herbst braucht es doppelt Lichter der Hoffnung. Der Advent wirft sein Leuchten voraus. Gut, dass die Aufrufe daran erinnern, den Fokus wieder neu auszurichten: weg von der Pandemie, hin auf Jesus.

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Thu, 12 Nov 2020 10:02:00 +0100
<![CDATA[Klare Kante gegen Antisemitismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/11/klare-kante-gegen-antisemitismus/ Evangelische und katholische Kirche wollen gemeinsam Flagge zeigen gegen Antisemitismus. Das Anliegen der Kampagne „#beziehungsweise: jüdisch und christlich – näher als du denkst“ ist es, die Gemeinsamkeiten beider Religionen in den Festen und im religiösen Leben aufzuzeigen. Dies soll helfen, um klar Stellung gegen Antisemitismus zu beziehen, wo dieser vorkomme.

Die Kampagne startet im Januar 2021 bundesweit und ökumenisch. Ihr Kernstück werden monatliche Plakate sein, die anhand von Festen und Traditionen sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede der beiden Religionen benennen und die in den Gemeinden aufgehängt werden können. Ein QR-Code auf den Plakaten führt zu einer Internetseite, auf der die Themen aufgearbeitet werden.

Entstanden ist die Initiative in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Daraus hat sich eine deutschlandweite ökumenische Kampagne entwickelt. Sie wird von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) unterstützt.

Juden sind und bleiben Gottes geliebtes Volk

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyer betonte in seiner Videobotschaft, dass der christliche Glaube ohne das Judentum nicht zu verstehen sei. Alle biblischen Stammväter seien Juden gewesen. Paulus habe klar gemacht, dass die Juden Gottes geliebtes Volk sind und bleiben. Der zunehmende Antisemitismus und die Dämonisierung von Juden dürfte keinem gleichgültig sein.

Es sei die Pflicht der Christen, jeder Form von Antisemitismus entschieden entgegenzutreten. Die 14 Plakate würden dazu einen wertvollen Beitrag leisten. Sie machten deutlich, wie die Religionen miteinander verbunden sind. Neymeyer wünschte sich, dass dieses Thema in Gemeinden, Schulen und der Erwachsenenbildung vertieft werde.

Für den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm mache die Aktion deutlich, wie eindrucksvoll und eng die Beziehung beider Religionen ist und gelebt wird. Er wies in seiner Videobotschaft darauf hin, dass es christlichen Antisemitismus gibt und gegeben hat. Sowohl analog als auch digital setze die Kampagne ein Zeichen gegen neu anschwellende Judenfeindlichkeit. Diese sei Sünde und widerspreche dem Christentum.

Jüdisches Leben bekannter machen, wo es kaum wahrnehmbar ist

Felix Klein, Antisemitismus-Beauftragter der Bundesregierung, hob hervor, dass immer noch die Ansicht verbreitet sei, die Bekämpfung des Antisemitismus gehe die Mehrheit der Bevölkerung nichts an und sei nicht deren Aufgabe. Die Kampagne könne das Bewusstsein für das Gegenteil schärfen. Sie finde parallel zum Festjahr 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland statt. Daher könnten beide Initiativen dazu beitragen, jüdisches Leben sichtbarer zu machen, wo es kaum wahrnehmbar ist. Es gehe darum, in Dialog zu treten und Berührungsängste abzubauen.

Der Publizist und frühere Grünen-Politiker Volker Beck, der katholische Theologe Thomas Brose sowie der Rabbiner Andreas Nachama stellten stellvertretend je eines der Plakate vor. Vor allem der Rabbiner machte deutlich, dass es immer wieder Anlass gebe, um über Antisemitismus zu sprechen und sich darüber auszutauschen, was den anderen bewegt. Andreas Goetze, Pfarrer für den interreligiösen Dialog, erhoffe sich durch die Plakate, digitale Dialoge und Unterrichtsmaterialien Impulse, um Neues und Überraschendes zu entdecken.

Die Vorstellung der Kampagne hatte die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein moderiert. Sie verband mit der Kampagne die Hoffnung, dass sie zu einem Segen werde und zu einem guten Miteinander beitrage: „Sie ist eine Antwort auf die Pogromnacht am 9. November 1938.“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 11 Nov 2020 14:27:00 +0100
<![CDATA[Videobotschaften gegen Menschenhandel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/11/videobotschaften-gegen-menschenhandel/ Die Corona-Krise hat die Lage vieler Prostituierten in Deutschland neu ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Das Thema Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung sollte eigentlich im November im Rahmen eines eigenen Kongresses erörtert werden. Wegen der verschärften Corona-Maßnahmen haben Politiker und Referenten in Videobotschaften klar auf das Leid Prostituierter hingewiesen.

Der Generalsekretär der weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, betonte, dass in der ganzen Welt kein anderes Verbrechen so wenig verfolgt, gesetzlich behandelt und von Gerichten bestraft werde wie der Menschenhandel. Obwohl Zwangsprostituierte gefoltert und ihrer Freiheit beraubt würden, sei das für die meisten kein Thema. Es sei aber die Aufgabe jedes Einzelnen, das Thema zurück auf die Tagesordnung zu bringen. Es handele sich dabei nicht um ein Kavaliersdelikt.

Fatal, wenn Menschen mit diesem Frauenbild sozialisiert werden

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke verwies darauf, dass sich in einem legalisierten Prostitutionsmarkt eklatante Menschenrechtsverletzungen abspielten. Prostitution und Gleichstellung widersprächen sich aber, wenn Frauen zu käuflicher Ware gemacht würden: „Es ist fatal, wenn Menschen mit diesem Frauenbild sozialisiert werden.“

Nicola Beer, stellvertretende Vorsitzende des EU-Parlaments, erklärte, dass der Menschenhandel von der Prostitution bis zu Kindersoldaten viele Gesichter habe und ein globales Verbrechen sei. Die FDP-Politikerin votierte in ihrer Botschaft für einen stärkeren Opferschutz. Betroffene müssten über ihre Rechte und Hilfsangebote aufgeklärt werden. Zudem benötige es effektive Systeme gegen Geldwäsche und die damit verbundenen Finanzströme.

Frank Heinrich ist nicht nur CDU-Bundestagsabgeordneter sondern auch Vorsitzender des Vereins „Gemeinsam gegen Menschenhandel“. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel habe Deutschland einmal als „Bordell Europas“ betitelt, sagte er. Aus Heinrichs Sicht brauche es eine klarere Wahrnehmung dafür, welche Botschaft von Deutschland ausgeht. Um das System zu ändern, brauche es Gelder, Gesetzesänderungen und ein Sexkauf-Verbot.

Ausstiegsmodelle aus der Sklaverei anbieten

Ähnlich äußerte sich Lea Ackermann: Dass Menschenhandel so offensichtlich möglich sei, zeige den Skandal. Ein Sexkauf-Verbot würde das Ganze reduzieren. Für die SPD-Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier (SPD) profitierten von der Ausbeutung die Besitzer der Immobilien und die Betreiber der Bordelle. Währenddessen würden die Frauen in „erbärmlichen, menschenunwürdigen Umstände dahinvegetieren“. Es gelte, den Frauen die Hand zu reichen und ihnen Ausstiegsmodelle aus der Sklaverei anzubieten.

Der Kongress soll nun vom 29. Mai bis 1. Juni 2022 im Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd stattfinden. Veranstalter sind der Verein Gemeinsam gegen Menschenhandel, die Deutsche Evangelische Allianz, „International Justice Mission“, die Aktion Hoffnungsland, „Mission Freedom“ und Schönblick.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 11 Nov 2020 12:45:00 +0100
<![CDATA[Mutmach-Geschichten über Krisen, Glaube und Erfolg]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/11/11/mutmach-geschichten-ueber-krisen-glaube-und-erfolg/ Eine Rezension von Valerie Wolf]]> „Mach aus allem das Beste!“ Mit diesem – zugegeben nicht sonderlich außergewöhnlichen – Appell beginnt der erfahrene Autor, Journalist und Seelsorger Günther Klempnauer sein neues Buch. Der Titel „Mach das Beste aus deinem Leben“ vermittelt dieselbe Botschaft. Alle, die jetzt mit Höher-Schneller-Weiter-Parolen oder mit einer endlosen Aneinanderreihung von einfallslosen Kalendersprüchen rechnen, liegen jedoch gänzlich falsch. Günther Klempnauer verbindet in seinem Buch modernes, wissenschaftlich angelegtes Motivationstraining mit biblischen Inhalten. Anhand spannender und inspirierender Lebensgeschichten zeigt er glaubhaft, dass eine Niederlage, ein Rückschlag oder ein Fehler niemals das Ende bedeuten müssen.

Das Buch ist unterteilt in kurze, gut zu lesende Kapitel, in denen Klempnauer unterschiedlichste Persönlichkeiten und ihre Schicksale beschreibt. Mit dabei sind unter anderem der berühmte Bergsteiger Reinhold Messner, der Begründer der Logotherapie, Viktor Frankl, und der erfolgreiche Persönlichkeitstrainer Nikolaus Enkelmann. Sie alle vereint die Überzeugung, dass es auf die innere Einstellung ankommt, wenn man erfolgreich sein möchte. Es gehe vor allem darum, die eigene Komfortzone zu verlassen, erklärt Messner. Nur so könne man herausfinden, was alles möglich ist. Enkelmann spricht ebenfalls davon, dass der Grundstein für Erfolg die Überwindung der Angst sei.

Doch wie wird einem diese Angst genommen? Welches Umfeld, welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit man sich angstfrei entwickeln kann? Darauf gibt das Buch eine spannende Antwort: bedingungslose Liebe. Sie sei die beste Voraussetzung dafür, dass sich ein stabiles Selbstbewusstsein und eine kreative Persönlichkeit entwickeln können. Liebe mache frei, betont Klempnauer.

Gottes bedingungslose Liebe als Entwicklungsgrundlage

Wo Hirnforscher Gerald Hüther vor allem die Gesellschaft in der Verantwortung sieht, lenkt Klempnauer das Augenmerk des Lesers ergänzend auf Gott. Ganz im Sinne einer Bibelstelle aus dem Römerbrief zeigt der Autor, welche wichtigen Rahmenbedingungen Gott für die Entwicklung eines Leben schafft. Im Römerbrief, Kapitel 8, Vers 39, heißt es: „Ja ich bin überzeugt, dass (...) weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“

Besonders eindrücklich und lesenswert ist die Geschichte von Nick Vujicic. Der gläubige Australier kam ohne Beine und Arme auf die Welt, hatte in seiner Jugend Suizidgedanken und ist heute erfolgreicher Motivationstrainer und Familienvater. Der Schlüssel zu dieser Entwicklung sei ebenfalls Gottes Liebe und Zuwendung gewesen. Vujicic verkörpert zudem wie kaum ein anderer die Tatsache, dass keine Situation jemals aussichtslos ist.

Ein weiteres Beispiel ist die Biographie von Torsten Hartung. Der einstige Schwerverbrecher und Mörder leitet jetzt ein Heim für straffällig gewordene Jugendliche. Auch über seinen Lebenswandel wird in diesem Buch berichtet.

Diese und viele weitere Geschichten machen glaubhaft deutlich: Veränderung ist zu jedem Zeitpunkt möglich. Die Erfahrungen der in diesem Buch beschriebenen Menschen motivieren, inspirieren und machen zugleich demütig. Sie können als Ansporn und positive Aufforderung dienen. Besonders dann, wenn Ausweglosigkeit und Frust sich breit gemacht haben. Und selbst wenn man gerade auf einer Welle des Erfolgs schwimmt: Dieses Buch gibt einem die Chance, innezuhalten, nachzudenken und Gottes biblische Zusagen ernst zu nehmen.

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Wed, 11 Nov 2020 12:30:00 +0100
<![CDATA[Diplomatisches Potenzial der Frauen besser nutzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/11/11/diplomatisches-potenzial-der-frauen-besser-nutzen/ Die erste Konferenz zu Frauen, Glauben und Diplomatie (1st Assembly on Women, Faith and Diplomacy) hat begonnen. Die Veranstaltung wird von der Nichtregierungsorganisation „Religions for Peace“ und der Stiftung Friedensdialog der Weltreligionen und Zivilgesellschaft (Ring of Peace) organisiert. Zudem gibt es Unterstützung durch das Auswärtige Amt. Ziel sei es, den Stellenwert und das Engagement von religiösen Frauen hervorzuheben und weiter zu fördern. Coronabedingt findet ein Großteil des Kongresses, der in Lindau am Bodensee geplant war, per Videokonferenz statt.

In den kommenden zwei Tagen werden Teilnehmer aus aller Welt Themen wie Frieden und Sicherheit, nachhaltige Entwicklung und Menschenrechte diskutieren. Der Schwerpunkt solle dabei auf der Rolle der Frau in diesen Bereichen liegen. Zudem gehe es darum, Religion als Mittel zum Dialog zu begreifen. Angeboten werden Plenarsitzungen, Gesprächsrunden, Interviews und Workshops.

Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass Frauen vor allem in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert sind. Hinzu komme die mangelhafte Würdigung dessen, was Frauen – oftmals hinter den Kulissen – leisteten. Es sei an der Zeit, Führungsrollen neu zu definieren, erklärte die Generalsekretärin von „Religions for Peace“, Azza Karam, zu Beginn der Eröffnungspressekonferenz am Dienstag.

Positiven Einfluss auf Friedensprozesse

Durch ihre Art, mit Macht umzugehen, könnten Frauen einen positiven Einfluss auf Friedensgespräche und -prozesse haben, äußert die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Co-Präsidentin von „Religons for Peace“, Margot Käßmann. Auch Kanzlerin Angela Merkel erklärte in ihrem Grußwort, dass Frieden nur durch die Einbeziehung von Frauen möglich sei. Sie betonte außerdem die Rolle der Religionen: Gerade in Zeiten des Extremismus müsse der interreligiöse Dialog gefördert werden.

Die Organisation „Religions for Peace“ feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Ihr Selbstverständnis ist es, durch interreligiösen Dialog Friedensarbeit zu leisten. „Religons for Peace“ ist heute in etwa 90 Ländern aktiv.

Von: Valerie Wolf

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Wed, 11 Nov 2020 12:23:00 +0100
<![CDATA[Gemeinden sollen trotz Corona Jesus im Fokus haben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/11/gemeinden-sollen-trotz-corona-jesus-im-fokus-haben/ Weil sich im Herbst die Kontroverse um die Corona-Pandemie nach Einschätzung von Michael Kotsch verschärft hat und „kaum mehr ein sachliches Gespräch" dazu möglichen gewesen sei, hat der evangelische Theologe und Autor gemeinsam mit einer Reihe von Unterstützern einen Appell veröffentlicht. Darin rufen die Unterzeichner Christen zu Mäßigung und sorgsamem Umgang untereinander in der Debatte um Covid-19 auf – und zur Hinwendung zu Jesus als dem Mittelpunkt des Glaubens und der Gemeinde.

„Die Einheit seiner Nachfolger, die unserem Herrn so wertvoll ist, gerät in Gefahr, die Liebe droht im Streit zu erkalten und das Zeugnis der Gemeinde beginnt zu leiden“, lautet es in dem Papier unter dem Titel „Jesus im Mittelpunkt behalten – trotz Corona“, die am Sonntag veröffentlicht worden ist.

Mit ihrem Schreiben wollen Autoren und Unterzeichner, mehrheitlich Verantwortungsträger mit brüdergemeindlichem, freikirchlichem Hintergrund, nach eigenem Bekunden „geistlichen Schaden von der Gemeinde“ abwenden. Dazu haben die Autoren sieben Leitsätze formuliert. „Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, dass nur Gott die Regierungen einsetzt und absetzt", lautet es in dem Papier. Die staatlichen Ordnungen hätten Gültigkeit für Christen und Gemeinden. Verantwortliche in den Gemeinden sollten keine Parteipolitik betreiben.

Masken und Regeln verstoßen nicht gegen biblische Gebote

Die Erklärung hält fest, dass Christen „grundsätzlich loyale Staatsbürger“ zu sein hätten. Widerstand gegen den Staat sei nur bei „unveräußerlichen Glaubensinhalten“ überhaupt angezeigt und Christen müssten dann bereit sein, „die staatlich vorgesehene Strafe“ zu tragen. „Zeitlich begrenzte Verordnungen zu äußeren Bedingungen und Formen der Gemeindeveranstaltungen wie zum Beispiel Masken, Abstand und Teilnehmerzahlen verstoßen nicht grundsätzlich gegen biblische Gebote.“

Die Erklärung mahnt Christen zu Demut und Korrekturbereitschaft. „Christen verfügen in konkreten Sachfragen nicht über mehr Wissen als die dafür zuständigen Fachleute“, stellen die Autoren fest, und weiter: „In jedem Fall muss die Sprache, derer Christen sich in öffentlichen Debatten bedienen, dem Gebot und Vorbild unseres Herrn und seiner Apostel entsprechen.“ Die Erklärung fordert, in der Corona-Zeit „ganz besonders den ängstlichen oder unter stärkerem Risiko leidenden Geschwistern entgegenzukommen sowie denen beizustehen, die in dieser schwierigen Zeit an Leib, Seele und Geist leiden“. Im Mittelpunkt der Gemeinden sollen daher „das Gebet für die Regierung, die Stützung der Schwachen und die Verkündigung der biblischen Hoffnung an alle durch die Krise verunsicherten Menschen“ im Vordergrund stehen.

„Wie auch in der übrigen Gesellschaft, schien es mir, dass die Heftigkeit der Kontroverse im Herbst zunehmend an Fahrt gewann“, erklärte Kotsch auf Anfrage, und weiter: „Eine geistliche Einordnung von Corona und ein positiver Umgang mit den Herausforderungen verschwanden in vielen Gemeinden hinter Kontroversen, die eher aus dem Internet gespeist wurden“.

Verantwortet wird die Denkschrift neben Kotsch von Wilfried Plock, Marco Vedder und Matthias Swart. Im Austausch mit anderen Verantwortlichen aus Gemeinden und Werken erschien den Autoren eigenen Angaben zufolge wichtig, neben allen unterschiedlichen Einschätzungen einige weitgehend unstrittige Aussagen der Bibel als einigendes Band aller Christen in den Vordergrund zu stellen. Bislang haben 51 Verantwortliche aus christlichen Werken und Gemeinden das Schreiben namentlich unterstützt.

In einer gemeinsamen Erklärung vom Freitag hatten Leitungsverantwortliche im Umfeld der Deutschen Evangelischen Allianz einen ähnlichen Aufruf veröffentlicht und sich darin gegen Verschwörungstheorien und unsolidarische Verhaltensweisen ausgesprochen. Beide Schriften sind nach Angaben von Kotsch unabhängig voneinander entstanden.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 11 Nov 2020 12:14:00 +0100
<![CDATA[„hoffnungsfest“ startet am 7. Januar]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/11/11/hoffnungsfest-startet-am-7-januar/ Mit einer Liveübertragung auf Bibel TV läutet der Verein ProChrist sein „hoffnungsfest“ am 7. Januar 2021 ein. „Wir möchten den Menschen nach einem herausfordernden Jahr 2020 neue Zuversicht vermitteln. Wir möchten deutlich die Einladung zum Vertrauen auf Jesus Christus aussprechen“, sagte Roland Werner, Erster Vorsitzender von ProChrist.

Dieser erste evangelistische „hoffnungsfest-Abend" wird um 19 Uhr live bei Bibel TV übertragen. Außerdem wird er über www.hoffnungsfest.eu als Livestream gesendet. Als Redner treten Mihamm Kim-Rauchholz, Professorin für Neues Testament und Griechisch an der Internationalen Hochschule Liebenzell, und Yassir Eric, Leiter des Europäischen Instituts für Migration Integration und Islamthemen in Korntal, auf. Für Musik sorgt die Sängerin Sara Brendel.

Vom 7. bis 13. November 2021 findet wie geplant die „hoffnungsfest-Woche“ statt. In dieser Zeit soll es auch spezielle Angebote für Kinder geben.

Von: Swanhild Zacharias

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Wed, 11 Nov 2020 11:28:00 +0100
<![CDATA[Seehofer: Ausbildung der Imame in deutscher Sprache fördern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/11/10/seehofer-ausbildung-der-imame-in-deutscher-sprache-foerdern/ „In Deutschland ausgebildete Muslime sind ein wichtiger Beitrag dazu, damit die Angehörigen des Islam und die Religion noch heimischer werden.“ Diese Auffassung vertrat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bei der Eröffnungspressekonferenz zur Deutschen Islamkonferenz am Dienstag. Er appellierte an Imame und andere Autoritäten, gemeinsam mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen.

Der türkische Dachverband Ditib hatte im Januar ein Ausbildungsprogramm für Imame gestartet. Bisher wurden die Prediger für die Ditib-Moscheen aus der Türkei entsandt. Jetzt gebe es dazu eine Alternative, betonte Seehofer. Dem Schritt seien unzählige Gespräche des Innenministeriums mit türkischen Religionsvertretern vorangegangen: „Das ist ein wichtiger Schritt, aber es ist auch nur ein erster Schritt“, sagte der CSU-Politiker. Die Finanzierung der Imame solle nicht abhängig von der Türkei sein.

Wunsch eines bundesweiten Ausbildungswerks

Ziel müsse es sein, die Ausbildung der Imame in Deutschland und in deutscher Sprache zu fördern. Damit könne man Alternativen zu personellen und finanziellen Abhängigkeiten in die Türkei schaffen. Dazu habe schon die Islamkonferenz 2009 Empfehlungen abgegeben.

Als zweites Beispiel nannte Seehofer das Islam-Kolleg Deutschland. Dort hätten sich islamische Theologen der Universität Osnabrück mit Vertreten von Dachverbänden zusammengeschlossen, um ein bundesweites Ausbildungswerk zu entwickeln. Die Initiatoren hätten dabei bewusst auf eine Unterstützung durch das Ausland verzichtet.

Seehofer betonte, dass das religiöse Selbstbestimmungsrecht dabei gewährleistet bleibe. Der Staat müsse aber auch für die Bewahrung der demokratischen Grundordnung sorgen. Wenn die ausgebildeten Geistlichen über deutsche Sprachkenntnisse verfügten, könne man die Zahl eingereister Imame reduzieren und die Einflussnahme von außen begrenzen. Dabei kooperiere Deutschland eng mit den Nachbarländern.

„Wir sorgen für unsere muslimischen Bürgerinnen und Bürger selbst“, versprach er in Richtung Muslime. Je pluraler die Ausbildung sei, desto mehr könnten die Muslime davon profitieren. Seehofer empfahl, den unterschiedlichen Ausbildungsbemühungen für Imame mit Respekt zu begegnen und sie nicht gegeneinander auszuspielen. Die bisherigen Ergebnisse seien gut für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für Deutschland als gemeinsame Heimat unterschiedlicher Religionen.

Den Spaltern entgegengetreten

In der Vergangenheit sei durch die Deutsche Islamkonferenz ein vernünftiger Dialog entstanden. „Wir konnten gute persönliche Verhältnisse aufbauen, Verständnis erzeugen und enger zusammenrücken“, betonte der Innenminister. Er dankte allen islamischen Dachverbänden, die in der Pandemie verlässliche Ansprechpartner gewesen seien. Alle Beteiligten hätten sich für ein gemeinsames und friedvolles Zusammenleben eingesetzt und seien spaltenden Tendenzen entgegengetreten.

Auch den neu eingerichteten unabhängigen Expertenkreis zur Muslimfeindlichkeit bewertete Seehofer als Erfolg der Arbeit der Islamkonferenz: „Wir wollen Vielfalt in Freiheit.“ Es gehe nicht um einen Kampf gegen den Islam, sondern gegen Terroristen und Extremisten, die im Kern die Gesellschaft zerstören wollten. Aufgrund der Corona-Pandemie findet das Treffen digital statt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 10 Nov 2020 15:52:00 +0100