Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Wed, 18 Jul 2018 02:34:26 +0200 <![CDATA[Smartphones hängen PCs als Spielgerät ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2018/07/17/smartphones-haengen-pcs-als-spielgeraet-ab/ Smartphones haben in Deutschland Computer als beliebteste Spiele-Plattform abgelöst. Das hat der Branchenverband „game“ am Dienstag auf seiner Internetseite mitgeteilt. Eine Erhebungen der Gesellschaft für Konsumforschung GfK hat demnach ergeben, dass das Smartphone mit rund 18,2 Millionen Spielern erstmals das beliebteste Gerät für digitale Spiele in Deutschland ist. Bisher war das der PC, den jetzt rund 17,3 Millionen Menschen zum Spielen nutzen. Spielekonsolen wie die Playstation 4, Switch und Xbox One nutzen rund 16 Millionen Menschen zum „Daddeln", auf Tablets sind es rund 11,5 Millionen. Erstmals hätten die mobilen Geräte damit den PC überrundet, teilte der Branchenverband mit.

Gründe für die steigende Beliebtheit von Smartphones für Computerspiele sind demnach die weite Verbreitung der Geräte und die geringen Einstiegshürden für viele Menschen, die zuvor wenig oder gar nicht gespielt haben. Nach statistischen Angaben wächst die Zahl der Smartphonenutzer in Deutschland seit Jahren beständig.

Nach Informationen des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien „bitcom“ nutzten 2017 rund 54 Millionen Menschen ein solches Gerät. Nach Angaben von „game" spielen rund 34,3 Millionen Menschen in Deutschland elektronische Spiele, wobei die über 50-Jährigen die größte Gruppe stellen. 2017 wurde in Deutschland mit Computer- und Videospielen sowie der entsprechenden Hardware mehr als 3,3 Milliarden Euro Umsatz erzielt.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 17 Jul 2018 16:31:00 +0200
<![CDATA[Millionen Kinder nehmen an Glaubenskurs teil]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/17/millionen-kinder-nehmen-an-glaubenskurs-teil/ Durch die weltweite Geschenkaktion „Weihnachten im Schuhkarton“ – international bekannt als „Operation Christmas Child“ – haben sich im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Kinder für den Glauben an Jesus Christus entschieden und wollen ihr Leben mit Gott gestalten. Das hat der deutsche Träger „Geschenke der Hoffnung“ am Dienstag mitgeteilt. Das sei im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von einem Fünftel. Rund 3,9 Millionen Kinder in mehr als 100 Ländern nahmen demnach die Einladung zum Glaubenskurs „Die größte Reise“ an – ein Plus von zwölf Prozent. Fast 2,7 Millionen Kinder schlossen den Kurs auch ab.

Christin Talbot, Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei „Geschenke der Hoffnung“, erklärt im Gespräch mit pro, wie die Zahlen ermittelt werden: „Jede Gemeinde, die den Glaubenskurs anbietet, hält fest, wie viele Kinder an dem Kurs teilnehmen. Wenn ein Kind öffentlich bekundet, dass es sich für ein Leben mit Jesus entschieden hat, wird dies von der Gemeinde vor Ort gezählt.“ Es könne sein, dass das Kind das in einem Gespräch mit dem Pastor bekundet, ein sogenanntes Übergabegebet spricht oder die Entscheidung direkt mitteilt. Kinder, die sich allein zu Hause oder anhand der Kursmaterialen bekehren, würden nicht gezählt, da dies nach außen nicht sichtbar sei, sagt Talbot.

Jede Gemeinde hat einen Koordinator als Ansprechpartner im jeweiligen Land. An diesen geben sie die Zahlen weiter. Die Koordinatoren haben wiederum einen Ansprechpartner in der Zentrale in den USA. Dieser trägt schließlich alle Zahlen zusammen.

Der Glaubenskurs „Die größte Reise“ ist ein freiwilliges Nachfolgeprogramm der Geschenkaktion, das in zwölf Einheiten zentrale Aspekte zum christlichen Glauben vermittelt. „Die Leiter absolvierten eine Ausbildung für diesen Kurs“, erklärt Talbot. Im Jahr 2017 hatten 187.000 geschulte Ehrenamtliche Kinder in insgesamt 114 Ländern unterrichtet. Im Vorjahr waren es 97 Länder.

Christliche Angebote und Gründungen von Kirchengemeinden nehmen zu

Insgesamt haben 2016/2017 rund elf Millionen Kinder durch die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ ein Geschenk bekommen. Im Rahmen der Weihnachtsfeiern laden lokale Kirchengemeinden zu dem Glaubenskurs ein, bei dem die Kinder anhand von interaktiven und kindgerechten Inhalten mehr über die gute Nachricht von Jesus Christus erfahren. „Die Freude über einen Schuhkarton ist temporär, die Freude über die Liebe Gottes hält langfristig und schenkt darüber hinaus Hoffnung und neue Lebensperspektive“, sagt Bernd Gülker, geschäftsführender Vorstand von „Geschenke der Hoffnung“.

In den Regionen, in denen die Geschenkaktion stattfindet, seien deutliche Veränderungen in der Gesellschaft zu erkennen, sagte Gülker. Kirchengemeinden wüchsen und gründeten weitere Kirchen. Immer mehr Einheimische nähmen Hilfsangebote der Partner in Anspruch, die sie dabei unterstützten, aktive Schritte aus dem Kreislauf von Armut, Sucht und Bildungsmangel zu gehen. Seit dem Start des Programms im Jahr 2010 haben laut der Hilfsorganisation weltweit 10,5 Millionen Kinder den Kurs abgeschlossen und davon rund sieben Millionen sich für ein Leben als Christ entschieden.

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist Teil der internationalen Aktion „Operation Christmas Child“ des christlichen Hilfswerks „Samaritan’s Purse“. Träger im deutschsprachigen Raum ist das christliche Werk „Geschenke der Hoffnung“.

Von: Martina Blatt

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Tue, 17 Jul 2018 16:12:00 +0200
<![CDATA[Mit König David in die Saiten greifen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/07/17/mit-koenig-david-in-die-saiten-greifen/ In einem Paradiesgarten, dem „hortus evae“, verlockt eine modepüppchenhafte, kokette Eva in einer Videoeinspielung dazu, sich mit dem Wesen des Menschen zu beschäftigen. So beginnt auf der Straße des alten Viertels der Stadt, dem Hospitalviertel, die Ausstellung „bibliorama – das bibelmuseum stuttgart“. Sie konzentriert sich auf rund 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf museal inszenierte Momente im Leben von 14 biblischen Personen. Das Wort „bibliorama“ leitet sich ab vom griechischen Wort „horao“ (‚sehen‘ ) und „biblos“ (Bibel, Buch). „Der Reichtum der Bibel soll dargestellt und begreifbar gemacht werden“, sagt Franziska Stocker-Schwarz, die Direktorin des Museums.

Mit Sara am Lagerfeuer

Drinnen begegnet der Besucher dann zuerst Sara auf einer Installationsfläche. Die Mutter Isaaks erzählt, dass es lohnenswert ist, in einer schwierigen Situation Gott zu vertrauen. „Ich bin nicht mehr jung, und mein Mann auch nicht. Und es stehen große Veränderungen bevor, ich erwarte ein Kind. Das ist fast unglaublich, in meinem Alter. Aber ich bin voller Zuversicht.“ Wer den Text so in der Bibel sucht, bemüht sich vergebens. Die Ich-Texte sind aus verschiedenen Bibelstellen zusammengefasst und in die Alltagssprache übertragen. Hinweise geben Aufschluss, wo die Texte im Original zu finden sind. Bibeln zum Blättern liegen aus.

Am biblischen Lagerfeuer vor dem Zelt, unter einem aufgespannten Sternenhimmel, der an die Verheißung an Abraham erinnert, umrahmt von Berberteppichen, kann der Besucher in die „dicht gewebten Erzählungen“ der biblischen Geschichte eintauchen.

Auf der weiteren Reise durch die Bibel lernt der Besucher neben Jona und Elia sowie Lukas und Paulus insgesamt 14 Personen der Bibel kennen. Jesus selbst ist nicht darunter. Den muss sich der Besucher aus den Hinweisen selbst erschließen. Eine außerbiblische Person hat es ins Museum geschafft: Martin Luther. „Das ist unser evangelischer Akzent“, schmunzelt Museumsdirektorin Stocker-Schwarz. In einer Schreibtischecke bietet eine Bildschirmstation Raum zum Dialog mit dem Reformator.

Einmal König sein

Den Auszug aus Ägypten, die zehn Gebote und Mose trifft der Besucher in einem Spiegelraum. Die Zehn Gebote durchbrechen die Spiegelflächen und der Betrachter erkennt, dass die Gebote Orientierung geben auf der Reise durch das eigene Leben und ein Angebot sind, den Durchblick im Licht der Worte Gottes im Leben zu gewinnen.

An der Station eines biblischen Pop-Stars, des Königs David, können Besucher am Touchscreen Psalmen selber vertonen und ihr Werk als MP3-Datei an Freunde schicken, eine Harfe, deren Saiten nicht aus Stahl sind, sondern aus Licht bestehen, zum Klingen bringen, sich auf dem Thron der biblischen Gestalt einmal als König fühlen und sich Davids Psalmen vorlesen lassen. An einer Stele lernt der Besucher Maria, die Mutter Jesu, kennen und kann sich mit der Darstellung von Dominique Ingres „Gekrönte Madonna“ bildhaft verschmelzen. Das Gesicht des Betrachters wird fotografiert und in das Gemälde eingefügt. Erleben, Probieren und spielerisches Entdecken stehen im Vordergrund.

Stuttgart: Stadt der Bibel

Über die Begegnung mit den biblischen Gestalten wird der Besucher erlebnispädagogisch von Adam und Eva bis zum letzten Buch der Bibel durch das Buch der Bücher hindurch geführt. Die Ausstellung kommt dabei mit erstaunlich wenig Textinformation aus, setzt dagegen stark auf Interaktion. Stocker-Schwarz sagt: „Das Museum will seinen Besuchern wesentliche Aussagen zur Geschichte der Bibel und zu Gottes Heilshandeln an den Menschen erlebbar machen.“ Die Installationen und Erlebnispunkte richten sich dabei wie Lichtkegel auf wesentliche Abschnitte biblischer Berichte und deren Akteure. Die Texte in der Ich-Perspektive sind jeweils angereichert durch historische Einordnungen, Bibelworte und Impulse zur Vertiefung und interaktive Elemente.

Das bibliorama tritt die Nachfolge einer Ausstellung der Deutschen Bibelgesellschaft an, die ihren Sitz in Möhringen bei Stuttgart hat. Deren Bibelmuseum musste aus finanziellen Gründen 2009 schließen. „Landessynode und Landeskirche in Württemberg befanden, dass Stuttgart nicht nur die Stadt von Porsche und Daimler sein soll, sondern auch die Stadt der Bibel“, sagt Stocker-Schwarz. Doch ein Museum „mit Bibeln in Vitrinen oder archäologischen Artefakten“ wollte die württembergische Kirche nicht. Für Bibliophile hält die Ausstellung am Ende schließlich doch noch einige alte Bibeln bereit.

Auf einen Blick ...

  • Träger: Das bibliorama ist eine Einrichtung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg in Kooperation mit der Württembergischen Bibelgesellschaft

  • Leitung: Franziska Stocker-Schwarz

  • Kuratorin: Susanne Claussen

  • Eröffnung: 2015

  • Besucher: bisher rund 37.000

  • Baukosten: ca. 2,3 Mio Euro

  • jährliche Kosten: rund 400.000 Euro

  • Finanzierung: Evangelische Landeskirche in Württemberg

  • Gut: Viele interaktive Elemente, die Interesse wecken. Wechselnde Sonderausstellungen. Hoher künstlerischer und pädagogischer Anspruch.

  • Nicht so gut: Eingeschränkte Öffnungszeiten.

  • www.bibelmuseum-stuttgart.de

Dieser Text ist in der Ausgabe 3/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 17 Jul 2018 15:18:00 +0200
<![CDATA[Microsoft-Präsident warnt vor Gesichtserkennungssoftware]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/16/microsoft-praesident-warnt-vor-gesichtserkennungssoftware/ Der Präsident des Software-Giganten Microsoft Brad Smith hat vor der Software der eigenen Firma gewarnt: Konkret geht es ihm um Technologien zur digitalen Gesichtserkennung. Die müsse stärker reguliert werden – auch wenn Microsoft sie selbst herstellt.

Gesichtserkennungssoftware wird bereits weitreichend eingesetzt, unter anderem vom sozialen Netzwerk Facebook, das erkennt, welche Nutzer auf einem Foto abgebildet sind und diese verlinkt. Aber auch Überwachungskameras an öffentlichen Orten können mit der Software etwa gezielt Personen aus der Menge filtern. Diese Technik steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. So endete etwa am Berliner Bahnhof Südkreuz vor Kurzem eine einjährige Probezeit, in der eine entsprechende Technik getestet wurde.

Auf dem firmeneigenen Blog hat Smith nun einen Eintrag veröffentlicht mit dem Titel „Facial Recognition Technology: The need for public regulation and corporate responsibility“, zu deutsch etwa: „Gesichtserkennungssoftware: Die Notwendigkeit von öffentlicher Regulierung und Unternehmensverantwortung“. Ein Softwarehersteller ruft hier also die Regierungen auf, seine eigenen Produkte zu kontrollieren – und sich selbst, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen.

Chancen und Gefahren der Identifikations-Software

Dass das ungewöhnlich ist, schreibt Smith selbst. Doch die Situation erfordere es. Die Software zur Gesichtserkennung habe sich in den letzten zehn Jahren rapide entwickelt – und werfe Fragen auf, die „bis ans Herz des Schutzes grundlegender Menschenrechte wie Privatsphäre und Redefreiheit gehen“.

„Alle Werkzeuge können zum Guten oder zum Schlechten eingesetzt werden“, meint Smith. So wie man einen Besen zum Kehren verwenden oder jemandem damit eins überziehen könne, so sei auch Gesichtserkennungssoftware zu beidem zu gebrauchen – etwa um Terroranschläge zu verhindern oder verlorengegangene Kinder zu finden, aber auch, um einen Menschen pausenlos zu überwachen oder einer Regierung zu erlauben, Buch darüber zu führen, wer bei den Kundgebungen ihres politischen Gegners war. So sei ein Szenario wie in „1984“ schnell im Bereich des Denkbaren.

Deshalb, meint Smith, brauche es vor allem zwei Dinge: Gesetzliche Regelungen für den Einsatz der Software und verantwortungsvoll handelnde Firmen.

Die Politik muss regulieren

Jede Gesellschaft müsse sich demnach fragen, welche Rolle die Software in ihr spielen solle – und entsprechende politische Regelungen umsetzen. Speziell den US-amerikanischen Kongress ruft Smith daher auf, eine parteiübergreifende Expertenkommission zu gründen, die über entsprechende Schritte beraten soll. Die Regelungen zur Gesichtserkennungssoftware könne den Regierungen niemand abnehmen – auch die Firmen selbst nicht.

So begrüße Microsoft es zwar, wenn man Firmen zu verantwortlichem Handeln aufrufe – doch das könne eine demokratische Entscheidung der Öffentlichkeit nicht ersetzen. Es sei sinnvoller, eine gewählte Regierung eine nicht gewählte Firma regulieren zu lassen als umgekehrt.

Für die Firmen selbst seien gesetzliche Vorgaben nicht unbedingt ein Nachteil. Smiths Beispiel ist die Autoindustrie. Auch die habe von vorgeschriebenen Sicherheitsgurten und Airbags profitiert.

Firmen sollen auf Menschenrechte achten

Doch auch die Firmen stünden in der Bringschuld, meint Smith. „Die Notwendigkeit staatlicher Leitung entbindet uns Tech-Konzerne nicht von unserer eigenen ethischen Verantwortung.“ Man müsse sicherstellen, dass die Technologie auf den Menschen ausgerichtet und mit gesellschaftlichen Werten vereinbar sei.

Das bedeute unter anderem, die Öffentlichkeit über den Stand der Software zu informieren und deren Entwicklung zu entschleunigen. „‚Move fast and break things‘ („Beweg’ dich schnell und mach’ Dinge kaputt“) ist in den letzten zehn Jahren eine Art Mantra im Silicon Valley geworden. Doch wenn wir uns zu schnell bewegen, könnten wir merken, dass grundlegende Menschenrechte kaputt gehen“, warnt Smith.

Um das zu verhindern, müssten den Programmen vor allem Vorurteile ausgetrieben werden, so Smith. Auch das sei die Verantwortung der Hersteller. So habe es die Software nach wie vor schwerer, einen Menschen zu erkennen, je dunkler dessen Hautfarbe ist. Auch werden Frauen schlechter erkannt als Männer. Solche Macken könnten schlimmstenfalls sogar dazu führen, dass beispielsweise die falsche Person verhaftet werde, warnt Smith.

Von: Martin Jockel

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Mon, 16 Jul 2018 16:18:00 +0200
<![CDATA[Pietisten wollen Online-Aktivitäten ausweiten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/07/16/pietisten-wollen-online-aktivitaeten-ausweiten/ Am Samstag haben rund 50 ehrenamtliche Mitarbeiter und Synodale beim Forum Lebendige Gemeinde der württembergischen ChristusBewegung ihre Positionen für die 2019 anstehenden Kirchenwahlen in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg festgelegt. Eine wichtige Rolle soll dabei die Digitalisierung einnehmen. Dabei helfe der Blick über den Horizont der eigenen Ortsgemeinde hinaus enorm, für innovative Formen und neue Arbeitsfelder offen zu bleiben. Das hat das pietistisch geprägte Netzwerk innerhalb der Landeskirche in einer Pressemeldung am Montag mitgeteilt. Durch die Digitalisierung könnten Menschen auf ganz eigene Art angesprochen werden.

Auf Anfrage erklärte der Geschäftsführer der ChristusBewegung, Rainer Holweger: „Wir freuen uns, dass unsere Landeskirche hier Schwerpunkte setzt und sich viele aus dem Bereich des Pietismus in erster Reihe innovativ engagieren." Als Beispiele für neue Ansätze bei den Digitalisierungs-Bemühungen nannte Holweger die Video-Formate „Das Bibel-Projekt“, „Eckstein Elementar“ sowie „die Bibelchecker“.

Alle drei Formate erklären in kurzen Filmen die Bibel und christliche Themen. Das Bibel-Projekt wird von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg maßgeblich gefördert. Der Theologe Hans-Joachim Eckstein hat ebenfalls einen eigenen Video-Blog eröffnet, in dem er allgemeinverständlich biblische Themen erläutert.

Online gemeinsam Bibel lesen

Das jüngste Projekt stellen die „Bibelchecker“ dar. Tobias Schneider, der Leiter der Missionarischen Dienste in der württembergischen Landeskirche, und Diakon Johannes Kuhn, Referent für Medienarbeit im Evangelischen Gemeinschaftsverband Württemberg, Die Apis, erläutern gemeinsam die Inhalte biblischer Texte. Grundlage ist jeweils ein Video des „Bibel-Projekts“.

„Mit den Angebot soll das gemeinsame Bibellesen in den Mittelpunkt gerückt werden", erklärte Kuhn auf Anfrage. „Wir glauben, dass die Texte bis heute elementar wichtig sind und etwas mit unserem Leben zu tun haben. Wir wünschen uns, dass die Menschen wieder neu von Texten fasziniert werden. Und sich den Fragen stellen, die die Texte aufwerfen.“ Nutzer können dazu ihre Gedanken, Fragen und Erlebnisse in Form von Kommentaren auf der Webseite bibelchecker.de, Postings auf einer Facebookseite oder einem zugehörigen YouTube-Kanal einbringen.

„Am Ende von zwei Wochen treffen sich die Teilnehmer sonntagsabends um 19 Uhr zu einem Livestream bei YouTube, wo Fragen und Gedanken noch einmal vertieft werden." Im Herbst wollen die Projektverantwortlichen nach der erfolgreichen Pilotphase gezielt Werbung machen. Holweger zufolge fördere die württembergische Landeskirche noch die Entwicklung eines innovativen Computer-Rollenspiel. Ebenso gebe es auf Antrag der Landessynode über das Evangelische Medienhaus in Stuttgart eine digitale Fassung des Kirchengesangbuches, das voraussichtlich ab 2019 zur Verfügung stehen soll.

Die ChristusBewegung Lebendige Gemeinde ist ein Netzwerk innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und verbindet eigenen Angaben zufolge Menschen aus Kirchengemeinden, Jugend- und Gemeinschaftsverbänden, Missionswerken und freien Initiativen. Die Wurzeln der ChristusBewegung liegen im Pietismus und der Erweckungsbewegung. Insgesamt organisieren 32 regionale Arbeitskreise Veranstaltungen in den Kirchenbezirken der württembergischen Landeskirche, darunter auch den traditionellen Christustag.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 16 Jul 2018 14:59:00 +0200
<![CDATA[Christen im Irak: „Wer die Chance hat, geht“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/07/16/christen-im-irak-wer-die-chance-hat-geht/ pro: Wo im Irak waren Sie in der vergangenen Woche unterwegs und warum?

Uwe Heimowski: Um mir ein Bild davon zu machen, wie es den Christen und Jesiden im Nordirak geht, bin ich gemeinsam mit dem Vertreter einer anderen Organisation, David Müller von der christlichen Ojcos-Stiftung, in den Irak gereist. Wir haben uns in den Städten Erbil und Dohuk in Kurdistan und in der Ninive-Ebene aufgehalten. Nach Mossul sind wir nicht gefahren, da ist die Lage nach wie vor zu unsicher und gefährlich. Derzeit werden die Städte und Dörfer außerhalb Kurdistans jeweils von einer eigenen Miliz kontrolliert, die wiederum der Zentralregierung des Irak untersteht. Die Milizen können zum Beispiel christlich oder schiitisch sein. Sie beschützen dann die jeweilige Region. Das ist ein sehr fragiles Gebilde. In die Gegend um die christliche Stadt Kirkuk in der Ninive-Ebene kehren jetzt langsam die ersten Menschen zurück, Kirchen werden wieder genutzt und neue Häuser gebaut. Das christliche Leben beginnt dort nach dem Rückzug des Islamischen Staates (IS) von Neuem.

Haben Sie sich sicher gefühlt?

Wir haben uns immer dann besonders sicher gefühlt, wenn wir von offiziellen Würdenträgern der Kirche begleitet wurden. Sowohl die kurdische Regierung als auch die Milizen haben hohen Respekt vor ihnen. Auch, weil sie wissen, dass über die Kirchen viele Entwicklungsgelder ins Land kommen, die dazu beitragen, dass zum Beispiel zerstörte Häuser wieder aufgebaut werden. Am Wochenende gab es Aufstände und Unruhen im Südirak. Die Nationalregierung hat dann zunächst alle sozialen Netzwerke geblockt und schließlich das Internet als Ganzes abgeschaltet. Das zeigt: Die Gesamtlage im Irak ist sehr brüchig. Viele Menschen fürchten sich davor, dass sich einzelne Gruppen erneut radikalisieren. Auch deshalb legen sie Wert darauf, dass ihre Dörfer nicht religiös gemischt sind, sondern möglichst homogen. Letzten Endes fürchten sich auch viele davor, dass Schläfer des IS erneut Menschen anwerben könnten. Niemand weiß genau, wer und was da im Untergrund noch schlummert.

Wie sind die Menschen im Nordirak Ihnen begegnet?

Sehr positiv. Vor allem Christen, aber gerade auch die Kurden haben sich sehr dankbar dafür gezeigt, dass die deutsche Regierung 2014 entschieden hat, die Peschmerga, also die Streitkräfte Kurdistans, zur Selbstverteidigung zu bewaffnen. Das war eine umstrittene Entscheidung und es ist bis heute einmalig, dass Deutschland Waffen in ein Kriegsgebiet liefert. Viele Kurden und Jesiden, die ich getroffen habe, sagten mir, sie hätten sich ohne diese Lieferungen nicht gegen den IS verteidigen können.

Wie geht es den Christen im Nordirak heute?

Die Kirchen und Kirchenleiter sind sehr engagiert und versuchen so gut wie möglich, Anreize zu schaffen, damit die Menschen zurückkehren. Sie helfen bei Existenzgründungen und beim Wiederaufbau. Sie wollen ihre christliche Identität und das christliche Erbe im Nordirak erhalten und fördern. Wer aber mit den ganz normalen Menschen vor Ort spricht, spürt schnell, dass sie sich nicht sicher fühlen, dass sie eigentlich weg wollen. So gut wie jeder hat dort mittlerweile Verwandte oder Freunde, die ins Ausland gegangen sind. Die meisten wollen ihnen folgen. Sie haben Angst. Jeder, der eine Chance hat, zu gehen, geht.

Wovor fürchten sich die Christen im Nordirak, nun, da der IS vertrieben wurde?

Die Hauptgefahr liegt darin, dass die Menschen Zankapfel der Staaten sind, die sich in die Politik des Irak einmischen. Da gibt es Schiiten, die aus dem Iran unterstützt werden, die Türkei kämpft im Norden immer wieder gegen die Kurden, es gibt Sunniten, die Hilfe aus Saudi-Arabien bekommen. Die Iraker fürchten, dass ihr Land zunehmend ein Spielball der Mächte wird. Das würde für die Christen vor allem dann zum Problem, wenn irgendwann wieder eine radikalere muslimische Gruppe zum Kampf aufriefe. Dann ginge alles von vorne los. Gerade die Ninive-Ebene ist eine Art Puffer zwischen Kurdistan und dem muslimischen Rest des Irak. Käme es zu Auseinandersetzungen, wäre das verheerend für die Menschen dort. Deshalb wünschen sie sich NGOs und politische Vertreter, die gezielt dort aktiv werden und auch Repräsentanzen dort eröffnen, um die Region zu stärken und durch ihre Anwesenheit Angriffe weniger wahrscheinlich machen. Die Menschen dort sagen: Ohne ausländische Hilfe können wir hier nicht bestehen.

Was wünschen sich die Christen im Irak sonst noch konkret von Deutschland?

Politisch eine Unterstützung der Kurden, denn das bringt ihnen Sicherheit. Dann weitere institutionelle Hilfe vor Ort durch Gelder aus der Entwicklungshilfe und von NGOs. Eine Förderung der Ninive-Ebene, vielleicht sogar durch eine Art politische Selbstverwaltung. Viele haben uns auch gesagt, dass sie sich wünschten, innerhalb Deutschlands würde härter gegen radikale Muslime vorgegangen. Denn die Symbolwirkung dessen strahle bis in den Irak. Die Menschen sagten uns auch: Habt einen Blick nicht nur für die Konvertiten, die vom Islam übertreten, sondern auch für die Christen, die hier schon seit Jahrhunderten als Christen leben. Denn auch die sind in Gefahr. In Mosul etwa gibt es keine Christen mehr. Dabei ist hier eine der Wiegen des Christentums. Und immer wieder kommen diese beiden Bitten: „Vergesst uns nicht und betet für uns.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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Mon, 16 Jul 2018 13:11:00 +0200
<![CDATA[Lasset die Kinder zu mir kommen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2018/07/15/lasset-die-kinder-zu-mir-kommen/ Sonntag, zwei Minuten vor zehn. Gedränge im Gemeindesaal. Jacken und Mützen türmen sich auf Stühlen, zwischen den Reihen flitzen Vierjährige hindurch, Einjährige erkunden die Krabbelecke mit Büchern und Bausteinen an der rechten Seite des Saals. Der Vikar – heute ohne Talar – lächelt, beugt sich nach unten und begrüßt die Kinder auf Augenhöhe. Familienkirche an diesem Sonntag – mit und von den Jungen und Mädchen des gemeindeeigenen Kindergartens. Sie singen die Lieder auswendig mit, rennen um den Altar zu ihren Eltern, um sich segnen zu lassen, und fassen sich beim Vaterunser an den Händen.

„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes“, sagt Jesus im Lukasevangelium, Kapitel 18 Vers 16. In Deutschland tun dies Angaben der Evangelischen Kirche zufolge mehr als eine halbe Million Kinder täglich: Sie besuchen einen christlichen Kindergarten und lernen hier nicht nur sauber mit Besteck zu essen, selbstständig auf die Toilette zu gehen oder sich in eine Gemeinschaft einzufügen, sie lernen auch Christus kennen. Sie erfahren Gott und spüren den Heiligen Geist durch die Gruppenräume wehen – bestenfalls.

Mission in der Kita

Was Babys und Kleinkinder in den ersten Jahren ihres Daseins lernen und erfahren, das prägt sie für den Rest ihres Lebens. Macht das christliche Kindergärten also zu den Orten von Mission schlechthin?

„Kindergärten sind Orte der Bildung“, stellt Matthias Hahn von der Evangelischen Hochschule in Berlin fest. Der Professor für Evangelische Religions- und Gemeindepädagogik erklärt, wie hoch die Bedeutung von Bildungsprozessen in diesem jungen Alter ist. Das lässt sich natürlich auf die Kindergärten und die religiöse Bildung beziehen. Kinder haben ein Recht auf Religion – auch und gerade wenn sie in konfessionslosen Elternhäusern aufwachsen. In den neuen Bundesländern ist das fast die Regel. Dennoch gibt es in jeder größeren Stadt christliche Kindergärten, und auch christliche Schulen erleben einen großen Zulauf. Viele konfessionslose Kinder besuchen die von Diakonie, Gemeinden, Vereinen oder Stiftungen getragenen Einrichtungen. „Diese Kinder haben noch nie in ihrem Leben etwas über Religion gehört. Aber sie haben das Recht darauf, dass ihnen dieser wichtige Teil des Lebens erschlossen wird“, sagt Professor Hahn.

Durch liebevolle und glaubwürdige Erwachsene, durch kindgerechte Erzählungen und Materialien, durch Feste und Rituale kann es gelingen, das Samenkorn des Glaubens in kleine Herzen zu pflanzen. Das dürfe aber nicht erzwungen und die Kinder nicht instrumentalisiert werden, betont Hahn. Und er dämpft Erwartungen: Dass das Samenkorn aufbricht, keimt und wächst, liegt weniger in menschlichen Händen. „Der Glaube kommt von Gott, und unsere Versuche, ihn den Kindern zu zeigen, sind deshalb begrenzt.“ Keineswegs sollten Erzieher, Pfarrer, Gemeindepädagogen denken, sie brächten Christus zu den Kindern. Vielmehr sollten sie mit wachen Augen schauen, wo er bereits ist und wirkt.

Was Kirche tun kann, um Erzieher religionspädagogisch zu qualifizieren, hat Pfarrerin Angela Kunze-Beiküfner in ihrer Doktorarbeit untersucht. Zudem hat die Pfarrerin die Angebote für Kita-Mitarbeiter am Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirchen Mitteldeutschlands und Anhalts (PTI) mitaufgebaut. „Im Religionsunterricht gibt es ein Überwältigungsverbot, das gilt de facto auch für Kindergärten“, sagt sie. Das bedeutet: Dem christlichen Menschenbild entsprechend wird in den Einrichtungen akzeptiert, dass Menschen unterschiedlich sind, verschiedene Zugänge zu Religion haben und dass dennoch in jedem Spiritualität steckt.

Wo die Wiege des Kindergartens steht

Erzieher und Kinder in kirchlichen Kindergärten zelebrieren Feste und Rituale, sie wünschen zum Geburtstag nicht nur Glück, sondern auch Segen, sie sprechen vor dem Essen ein Tischgebet, feiern mit dem Pfarrer eine Wochenandacht. „Religiöse Erziehung funktioniert über mehrere Wege. Aber es passiert auch ganz viel in der Beziehung zwischen Erziehern und Kindern, auch unter den Kindern selbst“, schildert Kerstin Enk, Leiterin des evangelischen Kindergartens im thüringischen Schleiz. Nicht weit entfernt von hier steht die Wiege des Kindergartens: In Bad Blankenburg setzte Friedrich Fröbel 1839 sein Programm zur frühkindlichen Bildung in die Tat um. Am 2. Dezember 1867 wurde in Schleiz die erste „Kleinkindbewahranstalt“ eröffnet. Die Einrichtung blieb über die Jahrzehnte und die politischen Systeme hinweg evangelisch, getragen von einem Verein, später der Kirchengemeinde und seit 2009 von der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein.

Kein Kind wird gezwungen zu beten

Zu DDR-Zeiten besuchten mehr Kinder aus christlichen Familien den Kindergarten, heute ist geschätzt die Hälfte der Eltern konfessionslos. „Immer mehr Menschen haben mit Glaube und Kirche nichts zu tun. Das nimmt leider zu. Aber wir spüren bei den konfessionslosen Eltern, die ihre Kinder hier anmelden, keine Befindlichkeiten. Nein, überhaupt nicht. Jeder, der sich für eine Aufnahme in unseren Kindergarten interessiert, wird im Vorfeld zu einem Gespräch eingeladen. Da nehme ich mir eine Stunde oder mehr Zeit und erkläre, wie wir hier arbeiten“, sagt Enk. Eines macht sie deutlich: „Hier wird niemand indoktriniert. Wir leben gemeinsam und gestalten den Alltag. Die Kinder werden miteinbezogen.“ Kein Kind wird gezwungen zu beten, aber alle sind eingeladen sich zu beteiligen, wenn in der Gruppe Tischgebete entwickelt werden oder der Ablauf von Andachten besprochen wird. Dass konfessionslose Eltern sich nach der Aufnahme ihrer Kinder taufen lassen, das komme vor, allerdings selten. Enk betont, seitens der Gemeinde gebe es keinen Druck, keine Vorgaben: „Im Gegenteil. Wir bereichern uns gegenseitig in wunderbarer konstruktiver und wertschätzender Zusammenarbeit.“

Auch Kunze-Beiküfner vom PTI warnt davor, die Beziehung zwischen Kindergarten und Gemeinde einseitig zu definieren. „Kindergärten sind nicht dafür da, um die Kinderkurse Gemeinde aufzufüllen“, sagt sie. Vielmehr sollte die Gemeinde das eigenständige geistliche Leben im Kindergarten anerkennen, all die Morgenkreise und Andachten, die bereits heute eine große Anzahl von Kindern aus konfessionslosen Elternhäusern erreichen. Und, so ergänzt die Pfarrerin, schließlich können auch Eltern von Kindern lernen.

Von: Katja Schmidtke

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Sun, 15 Jul 2018 08:49:00 +0200
<![CDATA[Anwalt des abgeschobenen Christen: Fall juristisch noch nicht beendet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/14/anwalt-des-abgeschobenen-christen-fall-juristisch-noch-nicht-beendet/ Der konvertierte Christ Ahrun (richtiger Name soll nicht genannt werden) wurde am 3. Juli nach Afghanistan abgeschoben. Zuvor lebte er acht Jahre lang im bayerischen Weiden und galt dort als gut integriert, hatte einen Job. Ahrun stand laut dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, in engem Kontakt mit einer Kirche in dem oberpfälzischen Ort. Für die Gemeinde dort sei er ein „Bruder in Christus", kein gefährlicher Migrant gewesen. In seinem Fall bescheinigte die evangelische Kirche vor Gericht, dass Ahruns Bekenntnis zum Christentum ernsthaft sei, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Samstag.

Justirisch sei der Fall noch nicht beendet, erklärt Ahruns Anwalt, Christopher Sprung, in dem Beitrag. Sein Mandant sei asylrechtlich abgelehnt worden, aber nicht ausländerrechtlich. Denn nach acht Jahren könnten Ausländer in Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis erhalten, so sie nachhaltig integriert seien. Ahrun hatte den Antrag dafür im Frühjahr gestellt, berichtet die SZ. Die Einladung zu einer Anhörung habe der Anwalt jedoch erst einen Tag vor der Abschiebung erhalten.

Scharfe Kritik an den Behörden

Ahrun war laut dem SZ-Beitrag Dekan Wenrich Slenczkas Schützling. Als die Medien dieser Tage über einen Selbstmord eines abgeschobenen Afghanen in Kabul berichten, bekommt der Geistliche es mit der Angst zu tun und versucht, mit Ahrun in Kontakt zu treten. „Ich schrieb einfach irgendwas, um ein Lebenszeichen zu bekommen“, sagt Slenczka laut Süddeutscher Zeitung. Der Afghane habe kurz geantwortet. Laut BR ist er mit dem 26-jährigen Afghanen per Mail und Whatsapp in Kontakt. Doch der Dekan sei weiter in Sorge um Ahrun.

Wegen Depressionen sei Ahrun schon länger in Behandlungen gewesen, habe auch mal Suizidgedanken gehabt, schildert Slenczka. Nach abgelehnten Asylanträgen sowie Folge- und Eilanträgen kam Ahrun in die Psychiatrie. Im Abschiebegefängnis hatte er versucht, sich etwas anzutun. Er hatte eine Verletzung am Kopf. Darüber sprach auch Bedford-Strom in einer Predigt am vergangenen Wochenende. Ihn bewegt das Schicksal des jungen Mannes, der in seinem Geburtsland aufgrund seines Glaubens um sein Leben fürchten muss.

Dekan Slenczka übt scharfe Kritik an den Behörden: „Jemanden aus der Psychiatrie abzuholen, der sich noch nie etwas zu schulden kommen lassen hat, eine Wohnung und eine Arbeit hat, seit acht Jahren hier lebt, ist überhaupt nicht nachvollziehbar", sagte er der SZ.

Auch in Kontakt mit dem Abgeschobenen ist dessen ehemaliger Chef, Mohamed Nakhostin. Er leitet ein Teppichgeschäft. Der Afghane meldete sich am 4. Juli via Whatsapp bei Nakhostin. Er sei am Kabuler Flughafen, sei gerade zu sich gekommen und wisse nicht, wie er dort gelandet sei. „Nicht einmal bei dem Tod seines eigenen Vaters habe er so geweint wie in dem Moment“, heißt es in dem SZ-Beitrag, in dem Nakhostin Ahruns Empfinden beschreibt. Er wolle Ahrun zum einen zurückhaben, zum anderen ihm Geld schicken. Doch das sei kompliziert ohne ein Konto in Afghanistan. Ahrun kann ohne seine Papiere, an die er zu kommen versuche, keine Arbeit finden. Er lebe in einer kleinen Wohnung eines Studenten mit drei weiteren Bewohnern.

Von: Martina Blatt

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Sat, 14 Jul 2018 15:20:00 +0200
<![CDATA[Norbert Blüm warnt vor moralischer Insolvenz Europas]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/13/norbert-bluem-warnt-vor-moralischer-insolvenz-europas/ Bei Flüchtlingen handelt es sich nicht um Sachen, die in kalten Statistiken versteckt werden können, sondern um verzweifelte Menschen, die Zuflucht suchen. Mit diesen deutlichen Worten hat der CDU-Politiker Norbert Blum in einem Gastbeitrag der Süddeutschen Zeitung die aktuelle Debatte über die Flüchtlingspolitik kritisiert. Er prangert an, dass von „Asyltouristen“ gesprochen werde, wenn ertrunkene Kindern am Strand oder erstickte Flüchtlinge in Kühllastern gemeint seien.

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen sei auch keine Filiale der „Anti-Abschiebungsindustrie“, sondern „Lebensretter, die für das Versagen der Staaten einspringen“. Europa mit seinen 500 Millionen Einwohnern sei durchaus in der Lage, fünf Millionen oder mehr verzweifelte Flüchtlinge aufzunehmen. Wenn dies nicht gelinge, könne der Kontinent „moralische Insolvenz“ anmelden.

Abrechnung mit Europa

Europa habe sich in der Vergangenheit auf Kosten der Dritten Welt bereichert. Westliche Agrarkonzerne spekulierten mit den dortigen Ackerböden auf hohe Renditen. Westliche Firmen kauften einheimische Quellen auf, um dann mit der Wasserknappheit Profite zu erzielen: „Die Erste Welt zerstört die Dritte und wundert sich, dass die Zerstörten sich auf den Weg zu den Zerstörern machen.“ In die Verantwortung nimmt Blüm aber auch die Herrscher vor Ort, die in die eigene Tasche wirtschafteten und ein Jahreseinkommen besäßen, von dem ganze Dörfer Afrikas leben könnten.

„Wer sich nur einen Funken menschlichen Mitleids bewahrt hat, kann über die Flüchtlinge nicht so kaltherzig schwadronieren, wie es in der übergroßen Koalition zwischen altem Stammtisch und neuem rechten Establishment gang und gäbe ist“, schreibt Blüm. Bei den Flüchtlingen handele es sich keineswegs um „vergnügte Nassauer“, sondern um Menschen, die viel erlitten haben müssen, „um das Risiko einzugehen, im Mittelmeer zu ersaufen“.

Bayern war Vorreiter der Willkommenskultur

Blüm schlägt hier eine Brücke zu seiner eigenen Partei, der CDU. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die Menschen auf der Suche nach Überlebensmitteln Fragen nach dem Sinn und Zweck des Lebens gestellt. Die Fragen – und auch die Gründung von CDU und CSU – seien aus „Heimweh nach christlichen Werten“ sowie Freiheit und Gerechtigkeit entstanden. Dieses C vermisst Blüm in der aktuellen Debatte, die von „kaltschnäuzigen Tönen“ beherrscht werde.

Bayern mit seinen zahlreichen Helfern in der Flüchtlingskrise sei für ihn der Vorreiter einer Wilkommenskultur und einer barmherzigen Gastfreundschaft gewesen. Das C im eigenen Parteinamen sei kein „Besitzanspruch an Wähler, sondern eine Selbstverpflichtung der Partei, ihre Politik an der Botschaft des Christentums zu messen“. Norbert Blüm gilt als engagierter Katholik. Der CDU-Politiker gehörte von 1972 bis 1981 sowie von 1983 bis 2002 dem Deutschen Bundestag an. Von 1982 bis 1998 war Blüm Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung unter Bundeskanzler Helmut Kohl.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 13 Jul 2018 10:53:00 +0200
<![CDATA[Christen, mischt Euch ein!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/07/13/christen-mischt-euch-ein/ Ein Kommentar von Norbert Schäfer]]> In einem Beitrag im Deutschlandfunk hat der Philosoph und Buchautor Horst Herrmann die Nähe der Evangelischen Kirche zur Politik kritisiert. Bischöfe gingen im Kanzleramt ein und aus, sagte Herrmann im Gespräch mit Christiane Florin. Er wünsche sich eine Kirche, die sich politisch nicht einmischt. Wer so denkt, hat Kirche und Christentum nicht verstanden.

Zum einen zielen die biblischen Berichte neben einem geklärten Verhältnis zwischen Gott und seinen Geschöpfen immer auch auf das gute Zusammenleben der Menschen untereinander ab. Die biblischen Texte sind daher immer auch politisch zu sehen und zu verstehen. Dies gilt in besonderer Weise, wo die Bibel immer wieder zur Gerechtigkeit gegenüber allen Menschen ermahnt oder das Unrecht anprangert. Zum anderen spricht die Bibel nicht umsonst von der Gottesebendbildlichkeit des Menschen und somit von der Unantastbarkeit der menschlichen Würde. Die Menschenwürde, dieser universelle Wert, den alle Menschen haben, und der über allen anderen Werten steht, ist zutiefst verwurzelt im christlichen Menschenbild, das aus seinem Selbstverständnis heraus zur politischen Durchsetzung der Menschenrechte auffordert. Was könnte politischer sein?

Menschenwürde und Menschenrechte gelten übrigens auch für Fremde, nach christlichem Verständnis zudem für Angehörige anderer, oder keiner Weltanschauung. Für die Durchsetzung und Umsetzung dieser erstrebenswerten Ziele und Werte ist zunächst jeder Christ selbst verantwortlich. Politisches Engagement ist deshalb sowohl im privaten wie im öffentlichen Raum für Christen unabdingbar. Als Christ Verantwortung für die Gesellschaft durch Engagement in der Politik zu übernehmen ist weder anrüchig noch falsch. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn also jeder Christ Verantwortung trägt für das gute und friedvolle Zusammenleben der Menschen untereinander, dann umso mehr die Kirchen, die als Institutionen die – zugegeben in sich heterogene – Gesamtheit der Gläubigen einer Konfession – vertreten und ihnen Gehör und Einfluss verschaffen. Kirchen, die keinen positiven Einfluss auf die Gesellschaft nehmen wollen, würden einen Gutteil ihrer Daseinsberechtigung und ihres Auftrages einbüßen.

Die Kirchen aus dem Politischen zu verbannen, wie es Herrmann wünscht und fordert, hätte fatale Folgen. Denn es sind vor allem noch die Kirchen, die – Gott sei Dank dem moralischen Verfall wehren und nicht zuletzt durch gelebten Dienst am Menschen (Diakonie) zum Wohl unserer Gesellschaft maßgeblich beitragen. Warum soll Kirche dann nicht politisch sein? Jesus ist zu Lebzeiten immer auch politisch gewesen. Diejenigen, die seinem Willen gemäß leben wollen, sollten es zu Lebzeiten darum auch sein.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 13 Jul 2018 10:10:00 +0200
<![CDATA[Philosoph: „Kirche sucht Nähe zur Macht"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/radio/2018/07/13/philosoph-kirche-sucht-naehe-zur-macht/ Die Sendereihe „Tag für Tag" beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Moral und Glaube. Am Mittwoch hat die Journalisten Christiane Florin im Deutschlandfunk mit dem Philosophen und Buch-Autor Horst Herrmann über dessen neues Buch „Im Moralapostolat - Die Geburt der westlichen Moral aus dem Geist der Reformation" gesprochen.

In dem Gespräch geht es unter anderem um die politische Einmischung der Kirchen. Herrmann wirft den Kirchen vor, dass sie „die Nähe zur Macht" suchten und „beim Kanzleramt ein und aus gehen". Das bewertet er angesichts der Rolle der Evangelischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialimus als problematisch. Als Grund nennt Herrmann die „Deutschen Christen". Diese Strömung innerhalb des deutschen Protestantismus hatte, im Gegensatz zur „Bekennenden Kirche", gegenüber der Ideologie des Nationalsozialismus kaum Einwände. Herrmann sieht die Nähe der Kirchen zur Politik als zu groß an, „weil man im Grunde das, was Frau Merkel plakatiert, eins zu eins nachbetet" und hält die „Einmischung" der Kirche für verfehlt.

Kirche nichts anderes als Amnesty International

Herrmann bezeichnet Angela Merkel in dem Gespräch als „eine Prophetin oder eine Art Notbischöfin", wenn die Kanzlerin „von der Alternativlosigkeit ihrer Politik" im Zusammenhang mit der Willkommenskultur spreche und dabei den Boden der Politik verlasse.

Florin verweist in dem Gespräch auf einen Handlungsauftrag der Bibel: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan. Nach Herrmanns Auffassung beschränke sich das Engagement der Kirche jedoch auf verbale Äußerungen. „Diese Bedford-Strohm-Agenda, die er verbreitet, es ist ja auch billig zu haben", erklärte Herrmann.

Die Evangelische Kirche mache sich in ihrer „öffentlichen Theologie" vor allem für Gerechtigkeit stark und konkurriere bei dem Thema unter anderem mit Amnesty International und sei dadurch verwechselbar mit anderen. Herrmanns Meinung nach müsse die Kirche „sogar froh sein bei diesem Agenda Setting, von diesen Akteuren nicht noch abgehängt und überholt zu werden."

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 13 Jul 2018 09:56:00 +0200
<![CDATA[BAMF: Zweifeln Taufbegleitung durch Gemeinden nicht an]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/bamf-zweifeln-taufbegleitung-durch-gemeinden-nicht-an/ Am 4. Juli erreichte der bisher größte Abschiebeflug aus Deutschland Afghanistan. 69 Asylbewerber befanden sich an Bord, einer von ihnen nahm sich kurze Zeit später in Kabul das Leben. Auch ein Christ aus Bayern soll laut Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) unter den Abgeschobenen gewesen sein.

In einer Predigt berichtete der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, von dem Mann: Er habe seit acht Jahren in Deutschland gelebt, bevor er Anfang Juli nach Afghanistan abgeschoben wurde. Noch in Deutschland habe er einen Suizidversuch unternommen. Der Mann habe keine Familie mehr in Afghanistan, alle Angehörigen seien bei Kämpfen umgekommen. Seine Heimatgemeinde im oberpfälzischen Weiden habe ihn nach intensiver Unterweisung getauft. Sie bete auch jetzt weiter für ihn. Bedford-Strohm zitierte in seiner Predigt auch den zuständigen Dekan mit den Worten: „Es wird einfach durchgehend unterstellt, dass sich Flüchtlinge nicht ernsthaft taufen lassen.“

Glaubenswechsel aus „asyltaktischen Gründen“?

Auf Anfrage von pro hat sich nun das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu dem Vorwurf geäußert und die derzeitige Praxis persönlicher Anhörungen verteidigt, die dazu dienen, die Wahrhaftigkeit des christlichen Bekenntnisses zu überprüfen. Dabei müsse der Antragsteller glaubhaft machen, „dass er seine Konversionsreligion bei Rückkehr in sein Heimatland ausüben wird und dass ihm deswegen dort eine asylrelevante Verfolgung droht“. Der jeweilige Entscheider beurteile, „ob der Glaubenswechsel des Antragstellers aus asyltaktischen Gründen oder aus echter Überzeugung erfolgt ist“. Dabei zweifle das BAMF die Taufbescheinigungen der Kirchen aber nicht an: „Es wird generell unterstellt, dass eine sorgfältige Taufbegleitung von Seiten der christlichen Gemeinden erfolgt ist.“

Die Taufbescheinigung bestätige, dass ein Glaubensübertritt stattgefunden habe, sie sage aber nichts darüber aus, wie der Antragsteller seinen neuen Glauben bei Rückkehr in sein Heimatland voraussichtlich leben werde und welche Gefahren sich daraus ergäben. Integrationsleistungen wie eine feste Arbeitsstelle oder Sprachkenntnisse spielten bei der Entscheidung keine Rolle. Lediglich die Ausländerbehörden der einzelnen Bundesländer könnten aufgrund solcher Leistungen Duldungen aussprechen. Diese sind es auch, die nach einer Entscheidung des BAMF für die Abschiebungen zuständig sind.

Kritik von Kirchen

Das BAMF äußerte sich weder dazu, ob es Afghanistan für ein sicheres Land für Konvertiten hält, noch dazu, ob sich die Vorgehensweise des Bundesamtes nach scharfer Kritik unter anderem aus den Kirchen geändert hat. Bereits seit Monaten mahnen christliche Vertreter an, dass das BAMF durch seine Anhörungen unrechtmäßig den Glauben von Konvertiten in Frage stelle. Wenn überhaupt seien es die Kirchen, die die Asylbewerber im Taufprozess begleiteten, die die Wahrhaftigkeit eines Bekenntnisses beurteilen könnten, so die Kritik.

Darüber hinaus sind Abschiebungen nach Afghanistan umstritten. Die Bundesregierung schätzt die Lage in Teilen des Landes als sicher ein. Experten widersprechen. Nach einem schweren Anschlag im vergangenen Jahr waren Abschiebungen zunächst ausgesetzt worden. In den vergangenen Monaten wurden nur Straftäter, Gefährder oder Personen, die ihre Identität verschleiert haben, ausgewiesen. Derzeit weisen die Bundesländer auch wieder Asylbewerber aus, die nicht in diese Kategorie fallen.

Von: Anna Lutz

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Fri, 13 Jul 2018 09:21:00 +0200
<![CDATA[Eltern bekommen Zugang zu Facebook-Konto der verstorbenen Tochter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/07/12/eltern-bekommen-zugang-zu-facebook-konto-der-verstorbenen-tochter/ Facebook muss den Eltern eines verstorbenen Mädchens Zugang zum Nutzerkonto ihrer Tochter gewähren. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Donnerstag in Karlsruhe in letzter Instanz festgestellt. In der Entscheidung hieß es: „Die Erben haben gegen die Beklagte einen Anspruch, ihnen den Zugang zum Benutzerkonto der Erblasserin und den darin vorgehaltenen Kommunikationsinhalten zu gewähren.“ Damit werden den Eltern die Inhalte des mehr als fünfeinhalb Jahre gesperrten Kontos zugänglich gemacht. Dieser Vorstoß des Gerichts gilt als Grundsatzurteil.

Die BGH-Entscheidung ergebe sich aus dem Nutzungsvertrag von Facebook. Der gehe nach Ansicht des Gerichts auf die Erben über. Dass ein Benutzerkonto damit vererbt werden könne, sei nicht ausgeschlossen. „Die Nutzungsbedingungen enthalten hierzu keine Regelung“, heißt es.

Hoffnung auf Hinweise zum Tod der Tochter auf Facebook

Mit 14 Jahren hatte sich das Mädchen mit dem Einverständnis seiner Eltern bei Facebook angemeldet, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Ein Jahr später, 2012, war die Jugendliche vor eine U-Bahn gestürzt. Seitdem leben die Eltern in der Ungewissheit, ob es ein Suizid war oder ein Unglück. Hinweise dazu erhoffen sie sich aus dem Facebook-Konto ihrer Tochter.

Laut eigenen Aussagen haben sie zwar das Passwort. Sie könnten sich aber nicht anmelden, weil Facebook die Seite in den sogenannten Gedenkzustand eingefroren habe. Das Konto ist zwar noch für alle Kontakte zu sehen, aber einloggen oder etwas verändern kann keiner mehr.

Zuletzt hatte den Eltern das Berliner Kammergericht unter Verweis auf das Fernmeldegeheimnis den Zugang verwehrt. Dieses stehe aber dem Anspruch der Eltern nicht entgegen. Der Anwalt der Eltern, Peter Rädler, hatte Ende Juni schon der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen Inhalten auf Papier und solchen im Netz gebe: „Rechte an Daten vererben sich wie Rechte an Sachen.“

Von: Martina Blatt

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Thu, 12 Jul 2018 17:03:00 +0200
<![CDATA[Forscher spielen in den Medien eher Baumeister als Gott]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/12/forscher-spielen-in-den-medien-eher-baumeister-als-gott/ Die synthetische Biologie ist einer der kühnsten – und umstrittensten – Forschungsbereiche der gesamten Naturwissenschaft. Dabei geht es darum, biologische Systeme künstlich zu herzustellen, DNA-Stränge etwa, Moleküle oder ganze Zellen. Entsprechend kontrovers wird das Thema in den Medien behandelt. Dort fallen religiös konnotierte Wendungen wie „Gott spielen“ allerdings nicht so häufig, wie mancher wohl vermuten würde.

Zumindest waren der Theologe Peter Dabrock und sein Team über dieses Ergebnis ihrer Studie überrascht: Sie untersuchten, welche Wendungen und Sprachbilder die Medien verwenden, um den Bereich der synthetischen Biologie zu beschreiben, und welche Funktion sie haben. Die religiöse Sprache spiele dabei eine überraschend geringe Rolle, befinden sie.

Von Interesse ist für die Untersuchung weniger die Biologie an sich, sondern vor allem, inwiefern sie in der öffentlichen Wahrnehmung mit theologischen und weltanschaulichen Fragen verknüpft ist. Die Sprache forme die öffentliche Meinung und beeinflusse entscheidend, was die Gesellschaft über synthetische Biologie denke. Eine Metapher sei nicht allein ein Sprachbild, sondern ein „Sprechakt“, der neben dem offenkundigen Vergleich auch unterschwellig eine Bedeutung vermittle. Insofern sei die Studie auch für Biologen selbst und deren Arbeit relevant.

Religiöse Metaphern oft emotional aufgeladen

Dabrock lehrt systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik an der Universität Erlangen-Nürnberg und ist Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Ein besonderes Interesse hat er an der Bioethik. Er und sein Team untersuchten knapp 12.000 Artikel zum Thema aus verschiedenen deutsch- wie englischsprachigen Medien daraufhin, wie viele und welche Metaphern sie enthalten. Die Texte stammen aus dem Zeitraum von 2004 bis 2015. Der Studie zufolge drehen sich die gefundenen Sprachbilder in erster Linie um die Neuheit der biologischen Innovationen und erst danach um deren Bedeutung für das eigene Weltbild, also etwa die Sorge, die Wissenschaft könne in die Schöpfung Gottes eingreifen.

Das zeige sich schon daran, dass am häufigsten neutrale Metaphern aus dem Bau- und Ingenieurswesen verwendet worden seien, wenn zum Beispiel vom „Gerüst“ der DNA oder von einer Zelle als „aus Bausteinen konstruiert“ gesprochen werde. Von „Leben erschaffen“ sei dagegen deutlich seltener die Rede. Wann immer solche religiösen Bilder vorkämen, deute dies möglicherweise darauf hin, dass Menschen durch die neuen Technologien in ihrem Weltbild erschüttert werden. Dabei brächen altbekannte Unterscheidungen, etwa zwischen „echt“ und „künstlich“ oder „lebendig“ und „synthetisch“, auf.

Entsprechend seien diese Bilder oft emotional aufgeladen und von Ängsten gekennzeichnet. Besonders gravierend sei dies im Fall der so genannten „Frankenstein-Szenarien“. Wann immer die Medien Biologen mit Frankenstein vergleichen, sei anzunehmen, dass die Angst davor besonders groß sei, die Forscher könnten gewisse natur- oder gottgegebene Grenzen übertreten. Frankenstein ist der namensgebende Protagonist eines Romans der Engländerin Mary Shelley von 1818, in dem der Wissenschaftler Leben erschaffen will und ein Monster kreiert.

Mehr religiöse Metaphern im Deutschen

Die religiösen Metaphern „Gott spielen“, „der Mensch als Schöpfer“ und vor allem „Leben schaffen“ oder „Leben kreieren“ kommen der Studie zufolge am häufigsten in der Berichterstattung über synthetische Biologie vor. Letztere sei in den deutschsprachigen Medien noch um einiges häufiger zu finden als in den englischen.

Diese Tendenz treffe auch insgesamt zu: Während rund 20 Prozent der deutschsprachigen Artikel zum Thema religiöse Sprachbilder verwenden, sind es unter den englischen lediglich etwa fünf Prozent. Das zeige, wie unterschiedlich die synthetische Biologie in den beiden Sprachräumen wahrgenommen werde. Demnach betone der deutschsprachige Raum stärker das Veränderungspotential, das die synthetische Biologie mit sich bringe – zum Positiven wie zum Negativen.

So steige die Verwendung religiöser Metaphern noch einmal deutlich an, wenn es in der Wissenschaft bahnbrechende Ereignisse gebe. Als es etwa im Jahr 2010 dem amerikanischen Biochemiker Craig Venter und seinem Team erstmals gelang, ein künstliches lebensfähiges Bakterium zu schaffen, verdreifachte sich das Aufkommen der Metaphern beinahe.

Metaphern relativieren und drücken Ängste aus

Religiöse Metaphern haben laut der Studie in diesem Zusammenhang drei Funktionen. Erstens dienten sie dazu, Ängste und Unbehagen angesichts des Fortschritts der synthetischen Biologie auszudrücken, wie etwa im „Frankenstein-Szenario“. Die Metaphern griffen dabei in religiöser Sprache potentielle Gefahren und ethische Bedenken auf. Allerdings stehe hinter der theologischen Sprache kein eigentlich theologischer Inhalt mehr. Spreche ein Text etwa von „Gott spielen“, stecke in den meisten Fällen kein schöpfungstheologischer Standpunkt des Autors dahinter, dem ein solches „Spielen“ entgegenstehe. Vielmehr seien solche Bilder schlicht Teil des kulturellen Wortschatzes, ein Bewusstsein über ihre Bedeutung jedoch nur teilweise vorhanden.

Zweitens würden die Metaphern verwendet, um die Erfolge der synthetischen Biologie zu relativieren und diese in kritischer Distanz zu betrachten. Dazu dienten vor allem Ausdrücke wie „Gott spielen“. In solchen Zusammenhängen werde auch oft von „Nachahmungen“ echten Lebens gesprochen.

Drittens sei die religiöse Sprache auch einfach gut geeignet, um Aufmerksamkeit zu erregen und den Leser in den Text zu ziehen. So titelte etwa die Financial Times Deutschland, als Craig Venter sein Bakterium erschuf: „Und Craig sah, dass es gut war“.

Von: Martin Jockel

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Thu, 12 Jul 2018 16:49:00 +0200
<![CDATA[Rituale stärken den Alltag von Christina Brudereck]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/12/rituale-staerken-den-alltag-von-christina-brudereck/ Die Theologin und Schriftstellerin Christina Brudereck hat sich in ihrem Leben schon früh die Frage gestellt, was ihr Halt gibt. Dass dabei Rituale und Traditionen eine große Rolle spielen, war ihr phasenweise mehr und weniger bewusst. Dies verdeutlicht sie in einem Beitrag für die Zeit-Beilage „Christ und Welt“ und gibt vielfältige Beispiele dafür.

Von ihren Großmüttern habe sie lernen dürfen, dass Traditionen innere Stärke verleihen. Eine dieser Traditionen sei es gewesen, sieben Wochen vor Ostern keinen Blumenschmuck zu haben. Angesprochen auf diese strenge Regelung habe Brudereck geantwortet, dass dies für sie eine stimmige und feierliche Tradition gewesen sei. Bei einem schwierigen Auslandsaufenthalt habe sie sich auch in den Traditionen bergen und darin Heimat finden können.

„Tradition brachte sich mit uralten Weisheiten in Erinnerung“

In einer weiteren Krisenzeit habe sie gemerkt, wie wertvoll es war, auf Strophen, Lieder und Gebete zurückzugreifen. „Die Tradition brachte sich in Erinnerung. Mit ihren uralten Weisheiten.“ Diese sei auch weit stärker und älter als ihr „müdes Herz“ gewesen. Als wohltuendes Geschenk erlebe sie ihre täglichen Morgengebete. Das Ritual wolle sie nie wieder hergegeben. Es zeige ihr, dass sie von Gott geliebt sei.

In Ritualen könne sich der Sprachlose ein Gedicht, der Müde ein Lied und der Vergessliche eine Geschichte leihen, schreibt Brudereck. In der Trauer hätten ihr die Worte der Kirche geholfen, vor allem beim endgültigen Abschiednehmen habe sie es als großes Geschenk empfunden, die biblischen Worte zu benutzen, „mit denen schon vor mir geglaubt, gehofft und geliebt haben“. Auch das Tischgebet wurde für sie wieder zu einem festen Ritual, weil es „eine dankbare Geste vor dem Genuss der Mahlzeit“ war.

Etliche Rituale habe sie auch in anderen Religionen entdeckt und sich dort geliehen. „Rituale haben das Zeug zum Versöhnen. Sie schaffen Zugehörigkeit. Wir vergewissern uns unserer Werte. Sie feiern mit uns“, schreibt Brudereck. Von daher sei die „alte Tante Tradition“ mit der Zeit zu einer Lieblingstante geworden.

Brudereck lebt als Schriftstellerin in Essen. Sie schreibt über Spiritualität, Menschenrechtsfragen und Poesie. Gemeinsam mit dem Pianisten Ben Seipel, mit dem sie verheiratet ist, bildet die evangelische Theologin das Duo „2 Flügel“. Zudem hat sie drei Romane verfasst, unter anderem gemeinsam mit Jürgen Mette „Reformation des Herzens: Eine vierwöchige Reise zurück zu den Wurzeln“. Außerdem war sie schon mehrmals Predigerin bei der Jugendevangelisation JesusHouse.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 12 Jul 2018 14:48:00 +0200
<![CDATA[Anglikaner planen 100 neue Kirchen in England]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/12/anglikaner-planen-100-neue-kirchen-in-england/ Die Anglikanische Kirche möchte den christlichen Glauben wiederbeleben. Von der Finanzspritze in Höhe von 27 Millionen Pfund (31,46 Millionen Euro) sollen etwa 100 neue Kirchen profitieren. Das Geld möchte die Kirche dazu nutzen, sich wieder neu auf das Evangelium auszurichten. Im Blick hat die Kirche dabei vor allem Kleinstädte und Neubaugebiete.

Der Erzbischof von Canterbury Justin Welby hält diesen Schritt für notwendig. Die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher sinke rapide. Die Anglikanische Kirche müsse zudem ihre veralteten Vorschriften reformieren. Die neuen Kirchen sollten dort angesiedelt sein, wo sie in der Gesellschaft am meisten gebraucht würden. Mit diesen Worten zitiert ihn die britische Zeitung The Guardian. Das Programm „Erneuerung und Reform“ der Kirche von England zielt laut der Zeitung darauf ab, vor allem in missionarische Kirchen in Städten zu investieren und weniger in ländliche Gebiete. „Diese Projekte sind wundervolle Beispiele dafür, wie Menschen ihrer Umgebung den christlichen Glauben nahebringen wollen. Durch ihre Innovation signalisieren sie eine wachsende Bedeutung in der Kirche.

Vor allem in sozialen Brennpunkten tätig

Das Geld soll unter anderem für ein Modell verwendet werden, in dem Kirchen im Café-Stil umgebaut werden und dort niedrigschwellige Angebote entstehen. Solche Modelle gibt es in England seit zehn Jahren. Sie sind vor allem in sozialen Brennpunkten angesiedelt. Einige der Kirchen befinden sich in den Küstenstädten beziehungsweise auf der Insel Sheppey.

Drei weitere Kirchen sollen in Neubaugebieten der Stadt Plymouth und weitere neun in Kleinstädten im Osten Englands entstehen. In Swindon soll die Kirche umgestaltet werden und sich hauptsächlich an Menschen unter 40 Jahren richten. 50 neue Kirchen sollen in der Diözese Leicester und 16 in der Diözese von Manchester entstehen.

Immer weniger Kirchenmitglieder

Für das Programm hatten sich unter anderem die Erzbischöfe von Canterbury und York starkgemacht. Kritiker warfen ein, dass sie mit den verschobenen Prioritäten ihren traditionellen Rückhalt verlören. Im vergangenen Jahr hatte eine Studie herausgefunden, dass nur drei Prozent der Erwachsenen unter 24 und fünf Prozent der 25- bis 34-Jährigen sich selbst als Anglikaner bezeichnen. Waren laut Statistik 1983 noch 40 Prozent der britischen Gesamtbevölkerung von 65 Milllionen Einwohnern Mitglieder der Anglikanischen Kirche, sind es heute 15 Prozent.

Vor allem die „FreshX“-Bewegung steht für eine Reihe von neuen kirchlichen Gruppen, die sich innerhalb der Church of England seit 1990 entwickelt haben. Ein Teil dieser Bewegung hat sich auch in Deutschland ausgebreitet, wo einzelne Projekte umgesetzt werden.

Die Generalsynode der Kirche hatte sich am Dienstag zudem mit dem finanziellen Druck beschäftigt, unter dem zahlreiche Kathedralen stünden. Zwar besuchten über 11 Millionen Menschen die englischen Kirchen. Aber auch die laufenden Kosten zum Erhalt der Kirchen seien enorm.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 12 Jul 2018 13:37:00 +0200
<![CDATA[Allianz fordert europäische Lösung für Flüchtlingskrise]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/12/allianz-fordert-europaeische-loesung-fuer-fluechtlingskrise/ Die Deutsche Evangelische Allianz appeliert an die Europäische Union und die einzelnen Regierungen, gemeinsame Lösungen zum Schutz der Hilfesuchenden an den Grenzen Europas zu suchen. Eine Abschottung gegen Schutzbedürftige könne keine Lösung sein, teilte das evangelikale Netzwerk am Donnerstag mit.

„Wir sind erschüttert, dass Tausende von Flüchtlingen auf der Flucht sterben, insbesondere im Mittelmeer vor den Toren Europas ertrinken. Das darf nach Gottes Willen nicht sein", erklärten der Vorsitzende Ekkehart Vetter, sein Stellvertreter Siegfried Winkler sowie Generalsekretär Hartmut Steeb. Gott stelle Notleidende und besonders Flüchtlinge unter seinen Schutz.

Christen fordert die Allianz dazu auf, für die politisch Verantwortlichen zu beten. In dem Schreiben heißt es: „Ohne Wenn und Aber müssen Menschen vor dem Ertrinken bewahrt werden und zugleich dem menschenverachtenden Schlepperwesen das Wasser abgegraben werden."

Von: Anna Lutz

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Thu, 12 Jul 2018 11:54:00 +0200
<![CDATA[Sohn aus Höhle gerettet: „Haben zuerst Gott gedankt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/07/12/sohn-aus-hoehle-gerettet-haben-zuerst-gott-gedankt/ Die Welt fieberte mit den in einer Höhle eingeschlossen zwölf Jungen und ihrem Fußballtrainer mit: Jetzt sind alle 13 Personen aus der Tham-Luang-Höhle in Thailand befreit. Die Rettungsaktion lief über mehrere Tage. Umso befreiender war dann am Dienstag die Nachricht, dass alle Betroffenen aus der Höhle entkommen sind.

Die Eltern des 14-jährigen Adul Sam-on, eines der Eingeschlossenen, besuchten ihren Sohn am Mittwoch im Krankenhaus. Wegen der Infektionsgefahr mussten sie Schutzanzüge tragen. Umarmungen seien noch tabu. Zur Bild-Zeitung sagten sie: „Wir durften 15 Minuten zu ihm. Wir sind Protestanten, haben zuerst Gott für seine Rettung gedankt.“

In der Höhle habe ihr Sohn viel gebetet. Weiter schilderten die Eltern der Zeitung: „Er ist total glücklich, fühlt sich gesund und kann normal essen.“

„Es gibt nichts, was Gott nicht tun kann“

Bevor sie ihn sehen konnten, als aber Adul bereits aus der Höhle gerettet wurde, sagten sie dem christlichen Kinderhilfswerk Compassion: „Danke an Gott, der uns hilft, unseren Sohn sehr bald zu sehen. Wir sind so glücklich, zu hören, dass unserer Sohn aus der Höhle ist und wir ihn zu Hause willkommen heißen können.“

Sie lobten Gott für die Rettung: „Es ist die Liebe, die Gott unserer Familie gibt. Gott ist großartige Liebe, und es gibt nichts, was er nicht tun kann.“ Adul ist Patenkind von Compassion.

Das internationale Hilfswerk hatte zum Gebet dafür aufgerufen, dass die Rettungsaktion gelingt. Als die Jugendlichen lebend in der Höhle im Norden des Landes gefunden wurden, bedankten sich die Eltern des jungen Christen für alle Gebetsunterstützung: „Vielen Dank an jeden, der für uns und unsere Jungs betet und uns hilft. Danke!“, sagten sie in einem Video von Compassion.

Adul spielte in der Höhle eine Schlüsselrolle, berichtet die Bild-Zeitung. Er habe als einziger Englisch sprechen können und ermöglichte durch sein Übersetzen die Kommunikation mit den Rettungstauchern.

Der Jugendliche ist sehr talentiert. Er spricht fünf Sprachen: Englisch, Thai, Birmanisch, Mandarin und Wa, berichtet die Bild-Zeitung. Neben seiner Leidenschaft für Fußball spielt er auch Klavier und Gitarre. Während des Höhlendramas sagte sein Lehrer Phannee Tiyaprom der französischen Nachrichtenagentur AFP: „Adul ist ein Juwel.“ Er lobte Aduls „gute Manieren“ und dessen strebsame Art, zitiert ihn der Stern.

Adul wurde in einer autonomen, international nicht anerkannten Provinz von Myanmar geboren. Nach Thailand ging er laut Channel News Asia (CNA), weil er dort bessere Bildungschancen hat. Dort gilt er allerdings als Staatenloser ohne Bürgerrechte. Er wächst bei einem christlichen Lehrerehepaar auf und lebt auf dem Gelände einer Kirche.

Von: Martina Blatt

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Thu, 12 Jul 2018 11:53:00 +0200
<![CDATA[Konvertiten nicht nach Afghanistan abschieben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/12/konvertiten-nicht-nach-afghanistan-abschieben/ „Einen Menschen, der nach intensiver Vorbereitung und Taufe vom Islam zum Christentum übergetreten ist, würde ich aktuell nicht nach Afghanistan abschieben.“ Das erklärte der Beauftragte für Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), am Donnerstag auf Anfrage von pro. Die Beantwortung der Frage, ob eine Taufe wahrhaftig oder zum Schein geschehe, obliege den Kirchen und nicht staatlichen Einrichtungen wie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

„Wird unterstellt, dass Flüchtlinge sich nicht ernsthaft taufen lassen"

Derzeit sorgt der Fall eines nach Afghanistan abgeschobenen Straftäters für Aufsehen, der sich am Dienstag in Kabul das Leben nahm. Am vergangenen Sonntag beschäftigte sich zudem der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland in einer Predigt in Berlin mit der Frage, ob christliche Konvertiten in das Krisengebiet abgeschoben werden sollten. Er berichtete von einem ihm bekannten Mann, der wie der Verstorbene seit acht Jahren in Deutschland gelebt habe, bevor er ebenfalls Anfang Juli nach Afghanistan abgeschoben wurde.

Noch in Deutschland soll auch er einen Suizidversuch unternommen haben. Der Mann habe keine Familie mehr in Afghanistan, alle Angehörigen seien bei Kämpfen umgekommen. Seine Heimatgemeinde im oberpfälzischen Weiden habe ihn nach intensiver Unterweisung getauft. Sie bete auch jetzt weiter für ihn. Bedford-Strohm zitierte in seiner Predigt auch den zuständigen Dekan mit den Worten: „Es wird einfach durchgehend unterstellt, dass sich Flüchtlinge nicht ernsthaft taufen lassen.“

„Keine staatliche Religionsprüfung"

„Es ist rechtlich gar keine Frage, dass eine staatliche Stelle wie das BAMF in unserem Staat keine Glaubensexamina abnehmen kann oder Beweise für Bekehrungserlebnisse einfordern könnte. Wir haben Religionsfreiheit und keine staatliche Religionsprüfung“, erklärte Grübel schriftlich. In der Vergangenheit habe es da „manche Unbeholfenheit“ gegeben, der Grundsatz an sich sei aber unumstritten. „Ob jemand zum Christentum konvertiert und sich taufen lässt, das ist eine Entscheidung der Gemeinden. Das führt aus meiner Sicht zu einer besonderen Verantwortung der Gemeinden und taufenden Pfarrerinnen und Pfarrer für die Betroffenen, auch über die Taufe hinaus", so Grübel.

Zur Predigt des EKD-Ratsvorsitzenden in der vergangenen Woche erklärte er: „Niemand kann eine Abschiebepraxis gut finden, in eine Situation, in der Menschenrechte, also auch das Recht auf Religionsfreiheit, nicht gewährleistet sind.“ Der Staat müsse sicherstellen, dass dies nicht geschehe. „Es ist für uns in Deutschland unvorstellbar, wie lebensgefährlich es in anderen Regionen sein kann, sich als Christ zu erkennen zu geben. Und besonders schwierig ist dabei die Lage für die Konvertiten, also Menschen, die die Glaubenszugehörigkeit gewechselt haben“, äußerte Grübel.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder Streit darüber gegeben, ob und wie das BAMF die Wahrhaftigkeit einer christlichen Konversion prüfen sollte. Denn für Flüchtlinge gilt: Wer belegen kann, dass er aufgrund seiner religiösen Überzeugung in der alten Heimat verfolgt wird, kann eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Unter anderem hatten Verterter der Kirchen immer wieder kritisiert, dass das Bundesamt in Interviews die Wahrhaftigkeit des Glaubens zu erfragen versuche und auf Basis dessen über das Schicksal der Asylberwerber entscheidet.

Von: Anna Lutz

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Thu, 12 Jul 2018 10:38:00 +0200
<![CDATA[Zentralrat der Juden: „Schlussstrich unter Kapitel NSU darf es nicht geben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/11/zentralrat-der-juden-schlussstrich-unter-kapitel-nsu-darf-es-nicht-geben/ Im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ist am Mittwoch das Urteil gefallen. Beate Zschäpe als Hauptangeklagte ist vor dem Oberlandesgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für zehnfachen Mord, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwerer Brandstiftung sprach sie das Gericht schuldig. Gegen weitere Angeklagte wurden auch Haftstrafen verhängt.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüße, dass der NSU-Prozess mit einem klaren Urteil gegen die Hauptangeklagte zu Ende gegangen ist. Damit habe der Rechtsstaat ein „deutliches Signal gegen Rechtsextremismus gesetzt“, hieß es in einer Pressemitteilung am Mittwoch. Für die Angehörigen der Mordopfer bleibe jedoch der Verlust.

„Über AfD hat rechtsextreme Szene Zugang zu Parlamenten“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte: „Der rechtsextremistische Terrorismus darf mit dem Ende des Prozesses nicht als erledigt betrachtet werden.“ Das Umfeld des NSU liege weiterhin im Dunkeln und viele Fragen seien offen. „Zudem wächst die rechtsextreme Szene und radikalisiert sich.“ Hier sei „höchste Aufmerksamkeit von Politik und Strafverfolgungsbehörden“ notwendig.

Schuster verwies auf die aktuelle Zusammensetzung des Bundestags. „Über die AfD haben nach Einschätzung von Beobachtern Teile der rechtsextremen Szene Zugang zu den Parlamenten und damit neue Möglichkeiten, unsere Demokratie auszuhöhlen.“ Er appelliert: „Diese Gefahr muss von der Bundesregierung ernster genommen werden, als es bisher der Fall ist.“

Viele Fragen bleiben offen

Der Zentralratspräsident verwies auf das Verhalten der Sicherheitsbehörden bei den Ermittlungen zu den Mordfällen des NSU. „Die Angehörigen der Mordopfer wurden lange zu Unrecht verdächtigt und mussten extrem belastende Ermittlungen ertragen. Hier müssen sich die Sicherheitsbehörden selbstkritisch fragen, ob sie generell mit Minderheiten angemessen umgehen.“

Zudem habe der Prozess viele Fragen nicht beantwortet, sagte Schuster. Das habe sowohl am Schweigen der Angeklagten gelegen als auch „an den Sicherheitsbehörden, die gemauert und vertuscht haben“. Weitere Aufklärung ist laut Schuster dringend notwendig. „Einen Schlussstrich unter das Kapitel NSU darf es nicht geben“, macht der Zentralratsvorsitzende klar.

Im Jahr 2011 war der NSU aufgeflogen. Vorher waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine Polizistin ermordet worden. Der Anwalt von Zschäpe kündigte am Mittwoch an, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Von: Martina Blatt

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Wed, 11 Jul 2018 16:07:00 +0200
<![CDATA[Deutsche finden Einwanderungspolitik zu lasch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/11/deutsche-finden-einwanderungspolitik-zu-lasch/ Die meisten Deutschen halten die Einwanderungspolitik der Bundesregierung für zu lasch. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Es befragte rund 6.700 Einwohner von fünf europäischen Ländern rund um das Thema Migration.

Demnach finden 72 Prozent der Deutschen, die deutsche Einwanderungspolitik sei zu nachlässig. Das ist europäischer Spitzenwert. Auf dem zweiten Platz folgt Schweden, wo 64 Prozent selbiges von ihrer Regierung denken. Nur fünf Prozent der Deutschen findet die Regelungen zur Migration zu streng, 12 Prozent bewerten sie als „genau richtig“.

Deutsche sehen Europa in der Bringschuld

Auch im europäischen Vergleich sehen die Deutschen ihr Land als Ausreißer. 62 Prozent meinen, Deutschland übernehme im Verhältnis zu anderen EU-Staaten überproportional viel Verantwortung bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Sieben Prozent sprechen von zu wenig Verantwortung, 13 Prozent halten das deutsche Engagement für angemessen.

Dagegen sehen viele Deutsche andere EU-Länder in der Bringschuld. 53 Prozent etwa finden, Großbritannien müsse mehr Verantwortung übernehmen, mit Blick auf Finnland denken das 42 Prozent. Griechenland und Italien dagegen – die beiden Mittelmeerstaaten – betrachten immerhin gut ein Drittel der Deutschen (Italien 39 Prozent, Griechenland 35 Prozent) als „engagierter als angemessen“. Am ehesten die Waage hält sich die Meinung über Frankreich – immerhin 23 Prozent meinen, der Nachbar übernehme das richtige Maß an Verantwortung. Auch ihn bewerten allerdings noch 34 Prozent als zu wenig engagiert.

Briten am selbstkritischsten

Die Studie stellt heraus, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinandergehen. So sehen die Umfrageergebnisse in anderen Ländern teilweise deutlich anders aus. 65 Prozent der Schweden etwa denken, ihr Land übernehme mehr Verantwortung als angemessen. Nur 14 Prozent der Deutschen teilen diese Meinung. Bei anderen europäischen Staaten ergibt sich ein ähnliches Bild – sie schätzen sich allesamt verantwortungsbewusster ein, als ihre Mit-Europäer ihnen das zubilligen würden.

Am geringsten ist die Diskrepanz in Großbritannien, wo die öffentliche Meinung laut der Studie am zersplittertsten scheint. 53 Prozent der Briten meinen, Großbritannien übernehme zu wenig Verantwortung – und 37 Prozent der anderen Europäer stimmen ihnen zu. 39 Prozent der nicht-deutschen Europäer denken, Deutschland übernehme zu viel Verantwortung. Auch das ist ein Spitzenwert – aber an die Selbstwahrnehmung der Deutschen, von denen 62 Prozent so denken, kommt diese Einschätzung nicht heran.

Von: Martin Jockel

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Wed, 11 Jul 2018 15:55:00 +0200
<![CDATA[YouTube will Verbreitung von Falschinformationen eindämmen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/07/11/youtube-will-verbreitung-von-falschinformationen-eindaemmen/ Die Videoplattform YouTube will bei Suchanfragen nach kontroversen Themen und aktuellen Ereignissen vertrauenswürdige journalistische Angebote stärker hervorheben. Bei Suchanfragen sollen dann beispielsweise auch Nachrichtentexte vertrauenswürdiger Quellen eingeblendet werden. Das hat das Unternehmen am Montag auf seinem Blog mitgeteilt.

Das Unternehmen will so den Zugang zu verlässlichen Quellen und vertrauenwürdigen Inhalten erleichtern und die Verbreitung von Fake News und Veschwörungstheorien eindämmen. Die Maßnahme, ein Teil der Google News Initiative (GNI), ist zunächst in 17 Ländern verfügbar. Deutschland ist bislang nicht dabei. YouTube will eigenen Angaben zufolge die Neuerung innerhalb der nächsten Monate in noch einmal so viele Länder bringen. „Wir sind auch der Meinung, dass Benutzer in der Lage sein sollten, selbst zu entscheiden, welche Informationen sie konsumieren, und mit welchen Kontexten sie ihre Urteile treffen", erklärte das Unternehmen.

Mehr Vertrauen durch Lokaljournalismus

Eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung der Sender Vox Media und India Today sowie der Stanford University soll der Frage nachgehen, wie Nutzer der Plattform für kritischeren Umgang mit Informationen im Internet sensibilisiert werden können. Dafür wird sie eigenen Angaben zufolge vom Mutterkonzern Google mit 25 Millionen Euro ausgestattet.

Die Videoplattform will zudem lokale und regionale journalistische Inhalte stärker fördern. „Viele Menschen wollen, schätzen und vertrauen lokalen Nachrichten. Und wenn ein wichtiges Ereignis eintritt, sind lokale Reporter oft die ersten, die sie vor Ort erfassen", erklärte YouTube auf dem unternehmenseigenen Blog.

Zudem hat das Unternehmen angekündigt, Partnerschaften zu vertrauenswürdigen Nachrichtenseiten und Online-Enzyklodädien wie der Wikipedia weiter auszubauen. Bei Anfragen nach polarisierenden Themen will YouTube einordnende Texte und Inhalte mit einblenden. Nach Angaben des Tagesspiegels vom Dienstag stellt Google der GNI zur Unterstützung von Medien in den kommenden drei Jahren insgesamt rund 270 Millionen Euro bereit.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 11 Jul 2018 14:13:00 +0200
<![CDATA[Abgeschobene Christen sind kein Witz, Herr Seehofer!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/abgeschobene-christen-sind-kein-witz-herr-seehofer/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli verließ ein Flugzeug mit 69 Afghanen Deutschland. Es landete um 8.40 Uhr Ortszeit in Kabul. Darin saß auch ein konvertierter Christ, dessen Name nicht genannt werden soll. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, nannte ihn in einer Predigt am 8. Juli Ahrun.

Demnach lebte Ahrun bereits seit acht Jahren in Deutschland, bemühte sich darum, die Sprache zu lernen, integrierte sich und war bekennender Christ. Trotzdem musste er gehen. Im Abschiebegefängnis habe er bereits versucht, sich das Leben zu nehmen. Am 4. Juli meldete er sich laut Bedford-Strohm aus Afghanistan. Er suche Wege, zurückzukehren. Seine Verwandten seien alle tot, bei Kämpfen umgekommen. Am Mittwochmittag wurde bekannt, dass sich ein junger Mann nach seiner Abschiebung in Kabul das Leben genommen hat. Er war 23 Jahre alt. Die Vermutung lag zunächst nahe, dass es sich bei diesem Mann um Ahrun handelt. Offenbar ist das nicht der Fall. Die Evangelische Kirche hat das bisher weder bestätigt noch dementiert. An der Sachlage ändert es freilich wenig: Einer der Abgeschobenen ist tot. Ein weiterer, Ahrun, war bereits im Vorfeld so verzweifelt, dass er sich das Leben nehmen wollte.

Ein Jahr zuvor hatte sich nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt, wo Ahrun landete, ein schwerer Anschlag auf die deutsche Botschaft ereignet. Eine Autobombe explodierte, Dutzende starben, Hunderte wurden verletzt. Die Täter waren wohl radikale Islamisten. Der damalige Innenminister Thomas de Maizière stoppte daraufhin geplante Abschiebeflüge nach Afghanistan. Wenige Monate später hoben die Flieger wieder ab – obwohl sich weiterhin und bis heute Anschläge ereignen, etwa im Januar auf ein Hotel in Kabul. Die Sicherheitslage soll sich laut jüngsten Berichten der Bundesregierung sogar nochmals verschärft haben. Ahruns echter Name blieb auch deshalb geheim, weil es für Christen lebensgefährlich sein kann, wenn ihr Glaube bekannt wird.

Ein Bruder, kein Gefährder

Seit die Bundesregierung wieder Menschen nach Afghanistan abschiebt, gelten eigentlich strenge Regeln: Ausreisen müssen nur Straftäter, Gefährder oder Menschen, die ihre Identität verschleiern. Wie verschiedene Flüchtlingsorganisationen gegenüber pro bestätigten sind diese Kriterien allerdings seit Erscheinen des neuesten Lageberichts Afghanistan vor einem Monat faktisch aufgelöst. Und das, obwohl dieser die Situation im Land keinesfalls positiver bewertet. Dennoch: Im Abschiebeflug der besagten 69 saßen wohl auch Asylsuchende, die sich nichts zu schulden haben kommen lassen, außer, dass sie in Deutschland eben nicht asylberechtigt waren. Der Flug war zudem der bisher größte, was die Personenzahl angeht. Ahrun stand laut Bedford-Strohm in engem Kontakt mit einer Kirche im oberpfälzischen Weiden. Für die Gemeinde dort ist er ein „Bruder in Christus", kein gefährlicher Migrant.

Horst Seehofer hat am Dienstag, sechs Tage nach der Abschiebung Ahruns, in Berlin seinen Masterplan Migration vorgestellt. Im Zuge dessen lobte er die strengeren Rückführmechanismen der Regierung und scherzte über den jüngsten Abschiebeflug: „Ausgerechnet an meinem 69. Geburtstag sind 69 – das war von mir nicht so bestellt – Personen nach Afghanistan zurückgeführt worden. Das liegt weit über dem, was bisher üblich war." Seehofer erweckte nicht nur den Eindruck, sich über den erheblicheren Umfang des Fluges zu freuen. Er schien es auch nach der wochenlangen Asyldebatte mit Kanzlerin Merkel als persönlichen Sieg zu verbuchen.

Wo bleibt die Empathie?

Ein Minister, der über menschliche Schicksale wie das von Ahrun bei einer Pressekonferenz nebenbei kleine Scherzchen macht und sich darüber hinaus damit brüstet, diskreditiert sich selbst. Er sollte sich schämen. Dass Ahrun bereits in Deutschland einen Suizidversuch unternommen hatte, muss er gewusst haben. Kein Asylsuchender sollte in ein Krisengebiet wie Afghanistan abgeschoben werden. Erst recht aber niemand, der dort aufgrund seiner Überzeugung berechtigte Todesangst erleiden muss.

Seehofer betonte einst im Zuge der Debatte darüber, ob der Islam nach Deutschland gehört, dass das Christentum dieses Land geprägt habe. Dazu gehörten der freie Sonntag, kirchliche Feiertage, Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Das ist sicher alles richtig. Aber es gehören auch Nächstenliebe und Empathie mit den Schwächsten dazu. Der christliche Kompass muss immer auf diese beiden Elemente weisen, sonst ist er falsch ausgerichtet. Seehofers Kompassnadel findet das nicht mehr, was immer Selbstverpflichtung der Unionsparteien war, das C nämlich. Stattdessen ist er auf das I eingenordet. Es steht für Ich.

Von Anna Lutz

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Wed, 11 Jul 2018 12:11:00 +0200
<![CDATA[Thema Abtreibungen entscheidend bei Besetzung von Richterposten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/07/11/thema-abtreibungen-entscheidend-bei-besetzung-von-richterposten/ Eine Analyse von Stefanie Ramsperger]]> Als die Amerikaner Donald Trump zum Präsident wählten, jubelten evangelikale Christen. Rund 80 Prozent von ihnen hatten den Mann zum Präsidenten gemacht, der seither über Twitter die Welt in Atem hält und dem führende US-Psychiater Amtsunfähigkeit bescheinigten. Trump-Kritiker dagegen trösteten sich am amerikanischen „Checks and Balances“-System, also der Form der Gewaltenteilung, die der Macht des Präsidenten Grenzen setzen kann.

Amtsvorgänger vertrat liberale Ansichten zur Homo-Ehe

Um die Unabhängigkeit von Legislative, Exekutive und Judikative zu garantieren, hat jede der Gewalten nach amerikanischem Recht Machtmittel in der Hand, um die jeweils anderen zu bremsen. So hat der Präsident ein Vetorecht, um die Gesetze des Kongresses zu stoppen. Der Supreme Court kann Direktiven des Präsidenten für verfassungswidrig erklären. Und der Kongress kann die wichtigen Männer und Frauen der Exekutive und Judikative, also Präsident und Richter, ihrer Ämter entheben, bzw. Impeachmentverfahren oder Untersuchungsausschüsse einrichten.

Derzeit haben beide Häuser des Kongresses, Senat und Repräsentantenhaus, eine konservative Mehrheit. Der Präsident ist bekanntermaßen ebenfalls Republikaner. Der Oberste Gerichtshof war bislang weitestgehend ausgewogen besetzt. Der nun scheidende Richter Anthony Kennedy war, zwischen vier „linken“ und vier „rechten“ Richtern, oft das Zünglein an der Waage: Zwar von Hause aus Republikaner, vertrat er doch oft liberale Positionen und war deswegen alles andere als ein Garant für die Durchsetzung ultrakonservativer Interessen. So verärgerte er Konservative, als er vor drei Jahren dafür stimmte, die Homo-Ehe zu legalisieren.

Evangelikale freut die Personalie Kavanaugh

Mit dem Katholiken Kavanaugh würden sich die Machtverhältnisse im Supreme Court nach rechts verschieben. Evangelikale Leiter in den USA befürworten seine Nominierung. Russell Moore, Präsident der „Kommission für Ethik und Religionsfreiheit“ der Südlichen Baptisten, lobte Kavanaugh als „starken Verteidiger der von Verfassung und Bill of Rights garantierten Rechte, besonders (...) der Religionsfreiheit“. Weiter sagte er: „Ich unterstütze die Baptisten und andere Evangelikale, die den Senat auffordern, der Nominierung Richter Kavanaughs ohne Verzögerung zuzustimmen.“

Der Präsident der Organisation „Focus on the Family“, Jim Daly, bezeichnete den 53-Jährigen als „Top-Kandidaten“. Auch der Präsident der evangelikalen Nationalen Lateinamerikanischen Christlichen Leiterschaftskonferenz, Sam Rodriguez, lobte den Nominierten für den Richterposten.

Konservativ bei Religionsfreiheit und Abtreibungen

Wen der amerikanische Präsident als Richter am Supreme Court nominiert, behält diesen Posten auf Lebenszeit, sofern der Senat zustimmt. Deswegen ist die Personalie durchaus entscheidend und im Fall Kavanaughs vermutlich eine die nächsten Jahrzehnte prägende. Es ist daher wenig verwunderlich, dass Trump sich einen Kandidaten ausgesucht hat, der ganz auf seiner Linie ist. Kavanaugh würde Waffenrechte nicht verschärfen, ist gegen die von Trump-Vorgänger Barack Obama eingeführte und von Trump wieder abgeschaffte Krankenversicherung für alle US-Bürger. Er würde sich bei Fragen, die die Industrie und Umwelt betreffen, immer auf die Seite der Wirtschaft stellen und er möchte die Macht von Organisationen, die das Weiße Haus kontrollieren sollen, verringern.

Für Christen besonders interessant sind seine Einstellungen zur Religionsfreiheit und zu Abtreibungsrechten. In beiden vertritt Kavanaugh konservative Positionen. So sprach er sich gegen eine Gerichtsentscheidung aus, mit der einer minderjährigen Immigrantin eine Abtreibung erlaubt worden war. Zwar stellte er nicht die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs generell in Frage, nach dessen Urteil Frauen das Recht haben, abzutreiben, aber er forderte „sinnvolle Reglementierungen“ der Regierung. Der Interpretationsspielraum dieser Aussage ist durchaus groß.

Es ist nicht zu erwarten, dass mit Kavanaugh das Grundsatzurteil von 1973 zur Legalisierung von Abtreibungen gekippt wird, obwohl Donald Trump dies befürworten würde. Aber die Hürden für Frauen, die abtreiben wollen, dürften höher werden. Dazu könnten, rein spekulativ, Abtreibungskliniken Auflagen bekommen, die dazu führen, dass sie ihren Betrieb einstellen. Für Abtreibungsgegner ist die Personalie deswegen besonders erfreulich, weil Vorgänger Anthony Kennedy auch beim Thema Abtreibung liberale Ansichten vertrat.

Scheitert Kavanaugh am Thema Abtreibung?

Auch wenn Trump verständlicherweise bemüht ist, sich seine evangelikale Wählerschaft gewogen zu halten, dürfte er sich von der Personalie Kavanaugh in Wirklichkeit etwas ganz anderes versprechen. Richter Kavanaugh hatte sich vor neun Jahren ausführlich schriftlich dazu geäußert, warum ein Präsident nicht angeklagt werden dürfe, solange er sein Amt innehabe. Besser könnte es für Trump nicht kommen, denn in der Russland-Affäre gerät er zunehmend innenpolitisch unter Druck. Trump wird vorgeworfen, mit Russland paktiert zu haben, um die Präsidentenwahl zu gewinnen, und im Anschluss die Justiz behindert zu haben, um die Russland-Untersuchungen zu verzögern. Diese Vorwürfe könnten Trump kaum gefährlich werden, solange er im Amt und Kavanaugh seiner Linie treu bleibt.

Einzig seine Parteigenossen im Senat können Trumps Ziel noch gefährden. Die republikanische Mehrheit im Senat ist knapp und in den Reihen derjenigen, die die Besetzung des Richterpostens bestätigen müssen, sitzen unter anderen zwei streitbare Damen, die sich für Abtreibungsrechte einsetzen. Sie könnten die sicher geglaubte Personalie noch platzen lassen. Dies ist allerdings unwahrscheinlich. Zumindest haben sie die Möglichkeit beim letzten Mal nicht genutzt. Schon damals war mit Neil Gorsuch ein ultrakonservativer Richter und Kandidat Trumps Mitglied des Supreme Court geworden.

Checks and Balances in Gefahr

So deutlich wie dieses Mal war es, so scheint es, nie, dass Kandidaten für den wichtigen Richterposten nach Parteizugehörigkeit und persönlichen Ansichten ausgewählt wurden. Was konservative Evangelikale freut, ist letztlich für das System der Checks and Balances dramatisch: Aufgabe des Supreme Courts ist es nicht, den Präsidenten auf Händen zu tragen, sondern kritisch auf dessen Vorhaben zu schauen und sie gegebenenfalls zu stoppen.

Hinzu kommt, dass möglicherweise während Trumps Amtszeit noch zwei weitere demokratische Richter ausscheiden werden, da beide über 80 Jahre alt sind. Damit wäre Trump der erste Präsident seit Jahrzehnten, der mehr als zwei Kandidaten auf den Richterstuhl hieven und damit ein starkes rechtes Übergewicht erzeugen könnte. Legislative, Exekutive und Judikative wären dann fest in republikanischer Hand. Im Sinne der Checks and Balances, wie sie von den amerikanischen Gründungsvätern erdacht wurden, ist das nicht.

Von: Stefanie Ramsperger

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Wed, 11 Jul 2018 11:03:00 +0200
<![CDATA[Philippinischer Präsident: „Wenn mir jemand Gott beweisen kann, trete ich zurück"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/07/11/philippinischer-praesident-wenn-mir-jemand-gott-beweisen-kann-trete-ich-zurueck/ Rodrigo Duterte ist kein Kind von Traurigkeit. Der philippinische Staatspräsident ist bekannt für seine teils unflätige Ausdrucksweise und mitunter heftige Kirchenkritik. 2015 etwa beschimpfte er Papst Franziskus übel, als dessen Besuch in Manila einen Stau verursachte, in dem Duterte stundenlang festhing.

Nun hat er zum nächsten Streich ausgeholt. Wenn irgendjemand ihm beweisen könne, dass Gott existiert, werde er umgehend zurücktreten, sagte Duterte in einer Rede zur Eröffnung der „Woche der Wissenschaft und Technologie“ auf den Philippinen. Man solle ihm dazu etwa „ein Foto oder ein Selfie“ vorlegen. Jemand solle ihm beweisen, „dass er Gott sehen oder mit ihm reden kann“.

Die Philippinen sind mehrheitlich katholisch. In seiner Rede griff der Präsident mehrere katholische Glaubenssätze an, vor allem das Konzept der Erbsünde. Dieses sei eine Masche, um Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder gegen Geld taufen zu lassen. So finanziere der Klerus seine „Paläste“.

Wenn Gott wirklich zulasse, dass durch die Sünde Adams und Evas alle Menschen betroffen sind, dann sei er „dumm“. „Wo ist da Gottes Logik?“, fragte Duterte in der Rede – und belegte Gott mit heftigen Schimpfwörtern.

Kirche ruft zum Protest-Fasten auf

Für seine Ausfälligkeiten erntete Duterte reichlich Kritik, aus Kirche wie Politik. Ein philippinischer Bischof etwa nannte ihn einen „Psychopathen“, wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet. Der oppositionelle Senator Antonio Trillanes IV beschrieb ihn als einen „bösen Mann“ und nannte die Aussagen „kohärent mit der Herzlosigkeit und Rücksichtslosigkeit seiner Politik“.

Die katholischen Bischöfe der Philippinen hatten in Reaktion auf die Aussagen Dutertes sogar zu einem dreitägigen Fasten aufgefordert. Seine Beziehung zur katholischen Kirche ist seit Jahren belastet. Die Bischöfe hatten in der Vergangenheit unter anderem Dutertes Vorgehen im Drogenkrieg als zu hart und brutal kritisiert.

Duterte gelobt Besserung

Der Sprecher des Präsidenten, Harry Roque, verteidigte seinen Vorgesetzten. Dieser habe das Recht, seine Meinung zu äußern. Außerdem verwies Roque auf Enthüllungen Dutertes, nach denen dieser als Kind von einem Priester missbraucht worden sei.

Am Montag hatte es ein Gipfeltreffen zwischen Duterte und Romulo Valles, dem Vorsitzenden der philippinischen Bischofskonferenz, gegeben. Dort versprach der Präsident, die verbalen Angriffe auf die Kirche künftig einzustellen. Anscheinend konnte ihn dennoch keiner der Bischöfe durch einen Gottesbeweis zum Rücktritt bewegen.

Die Suche nach dem Gottesbeweis ist nicht neu

Einer, der das sicher versucht hätte, ist Anselm von Canterbury. Von dem Theologen, der im elften Jahrhundert lebte, stammt der vielleicht berühmteste Versuch, die Existenz Gottes zu beweisen.

Als erster formulierte Anselm einen so genannten „ontologischen Gottesbeweis“. Die Ontologie ist die Lehre vom Sein. Beim ontologischen Gottesbeweis soll – so Anselms Überlegung – von der logischen Notwendigkeit Gottes auf dessen Existenz geschlossen werden. Das Konzept Gottes wird dabei von der begrifflichen Ebene auf die Seins-Ebene gehoben.

Anselm argumentiert wie folgt: Gott als der Allmächtige sei dasjenige, über dem nichts Größeres oder Vollkommeneres gedacht werden könne. Ein vollkommener Gott sei das größte vorstellbare Konzept. Würde man sich diesen Gott aber eben nur vorstellen – das heißt würde er nicht existieren –, dann wäre etwas Größeres über ihm denkbar – nämlich der tatsächlich existente Gott. Insofern ist das Attribut „Existenz“ notwendig Teil der Vollkommenheit Gottes. Ein vollkommener Gott, dem es fehlt, wäre nicht vollkommen. Das sei ein logischer Widerspruch, den man nicht denken könne. Da man sich den vollkommenen Gott nun aber vorstellen könne, folge logisch, dass er existieren müsse.

Auch Thomas von Aquin versucht den Beweis

An Anselms Ontologischen Gottesbeweis hat unter anderem der französische Aufklärungsphilosoph René Descartes angeknüpft. Außerdem gibt es noch zwei weitere große Kategorien der Gottesbeweise: Den kosmologischen und den teleologischen. Beide sind eng verwandt und wurden von dem mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin prominent vertreten.

In seinem berühmten Werk „Summa Theologica“ (Summe der Theologie) aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts spricht Thomas von „fünf Wegen“, um Gott zu beweisen.

Die ersten vier Wege lassen sich unter dem „kosmologischen Gottesbeweis“ zusammenfassen. Aus dem Kosmos, das heißt der Gesamtheit der ganzen Schöpfung, lasse sich logisch auf einen Schöpfer schließen; unter anderem – wie einer der „Wege“ besagt –, weil die Schöpfung offensichtlich in Bewegung sei. Weil aber jede Bewegung durch eine andere Bewegung ausgelöst werde, müsse es einen ersten, so genannten „unbewegten Beweger“ geben. Diesen Gedanken greift Thomas vom griechischen Philosophen Aristoteles auf – und versteht darunter Gott.

Dem schließt Thomas von Aquin den teleologischen Beweis an. Der Begriff stammt vom griechischen Wort „telos“, das „Ziel“ bedeutet. Die Schöpfung bewege sich nämlich nicht einfach so, sondern strebe immer nach einer höheren Vollkommenheit und damit zu einem Ziel hin. Das bedeute, dass dieses Ziel intelligent definiert worden sein müsse – demnach müsse es einen Schöpfer geben.

Kant, der „große Zerstörer“

Womöglich könnten Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin Duterte überzeugen – doch wenn der Präsident weiterhin behaupten würde, ein Gottesbeweis sei unmöglich, hätte er einen überaus prominenten Fürsprecher: Den Philosophen Immanuel Kant.

Mit Kant, den Heinrich Heine einmal den „großen Zerstörer in der Welt der Gedanken“ nannte, endete die Ära der Gottesbeweise. In seiner berühmten „Kritik der reinen Vernunft“ von 1781 lässt er, wie der Titel schon sagt, das vernünftige Fundament, auf dem die Gottesbeweise gebaut sind, krachend in sich zusammenstürzen.

Das tut Kant mit seiner Kategorienlehre. Nach ihm nehmen wir als Menschen unsere Umwelt nicht „einfach so“ wahr – Kant spricht vom unerreichbaren „Ding an sich“ –, sondern unser Geist ordnet die Dinge, die wir wahrnehmen, direkt nach bestimmten Kriterien, den so genannten „Kategorien“.

Auch unsere Vernunft könne die Dinge nur in solchen Kategorien betrachten – und Existenz ist bei Kant eine davon. Die Anselmsche Vorstellung, dass ein vollkommenes Wesen auch notwendig existieren müsse, hält Kant also für einen Trugschluss. Vielmehr sei es unsere Vernunft, die den Gegenstand „vollkommenes Wesen“ auch automatisch in der Kategorie „existent“ verorten will. So wird Anselms Beweis zum Taschenspielertrick.

Auch Thomas von Aquins Argumente überzeugen Kant nicht

Ähnlich verhält es sich mit den Beweisen des Thomas von Aquin. Auch die Kausalität – also das Prinzip von Ursache und Wirkung –, die dieser als klares Indiz für Gott versteht, ist nämlich eine solche Kategorie. Unter Berufung auf den schottischen Philosophen David Hume meint Kant: Ursache und Wirkung nehmen wir an sich nicht wahr. Wir beobachten lediglich zwei Ereignisse – es ist unser Geist, der mittels der Kategorie „Kausalität“ den Zusammenhang herstellt.

Sehen wir zum Beispiel, wie eine Billardkugel eine andere anstößt und diese daraufhin anfängt, zu rollen, nehmen wir zwei Bewegungen, nicht aber deren Zusammenhang wahr. Dass die erste Bewegung die zweite auslöst, sei eine Annahme, die – streng genommen – nicht beweisbar sei. Genauso verhalte es sich auch mit dem kosmologischen Gottesbeweis.

An einen Gott glaubte Immanuel Kant trotzdem. Er wandelte den teleologischen Gottesbeweis ab und behauptete, man müsse die Existenz Gottes schon allein aus moralischen Gründen annehmen, nämlich um einen Maßstab für gutes Handeln zu haben. Zu diesem Schluss kommt er aber nicht durch die Vernunft, sondern eben durch die Moral. Welcher Faktor für Duterte ausschlaggebend wäre, bleibt offen.

Von: Martin Jockel

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Wed, 11 Jul 2018 09:26:00 +0200
<![CDATA[Tagung: Internet schafft Ungleichheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/07/10/tagung-internet-schafft-ungleichheit/ Bei der Nutzung von digitalen Medien gibt es zwischen Jugendlichen eine wachsende Kluft. Diese These hat die Kölner Wissenschaftlerin Nadia Kutscher bei der Tagung „MenschMachtMaschine“ vertreten. Während vor 15 bis 20 Jahren noch die Frage gewesen sei, ob jemand Internet habe oder nicht, habe heute fast jeder Jugendliche Zugang zum Netz. Allerdings entstehe durch unterschiedliche Möglichkeiten, es zu nutzen, eine digitale Ungleichheit.

Denn: Benachteiligte Jugendliche könnten bestimmte Programme und Anwendungen nicht nutzen, weil ihnen dafür die nötige Bildung fehle. Damit sei das freie Internet nicht für alle Menschen im gleichen Umfang nutzbar. Die Mitautorin des Kinder- und Jugendberichts betonte aber auch, dass im Zuge der Digitalisierung die Kommunikation einfacher und flexibler geworden sei. Dies schaffe neue Möglichkeiten, sich gesellschaftlich zu beteiligen, und erhöhe die Flexibilität im Umgang miteinander: „Heute müssen sich Menschen aber häufig schon dafür legitimieren, wenn sie einmal nicht erreichbar sind.“

Technische Möglichkeiten werfen ethische Fragen auf

Wer in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sei, schätze oft die Möglichkeit, die Klienten über die digitalen Kanäle zu erreichen. „Viele Experten sind sich sicher, dass sie in diesen Bereichen arbeiten müssen.“ Vor allem in Bereichen der Jugendarbeit, in denen die Mitarbeiter Menschen in deren jeweiligem Lebensumfeld aufsuchten, werde häufig mit Apps und den neuen technischen Möglichkeiten gearbeitet. Kutscher gab hierzu einige praktische Beispiele. Informatiker hätten etwa eine App entwickelt, mit der man die Kindeswohlgefährdung messen könne. Kritisch werde es, wenn diese Software zu einer anderen Entscheidung komme, als die Fachkraft im Jugendamt. „Hier können wir ablesen, wie wirkmächtig eine Software sein kann.“

Durch die sozialen Netzwerke verfügten Helfer über Informationen darüber, mit wem sich ihre Klienten austauschten. Dies könnte hilfreich sein, aber andererseits auch zu intensiv in die Privatsphäre des anderen eindringen, erklärte Kutscher und machte deutlich, dass technische Möglichkeiten einerseits und ethische Fragen andererseits beim Einsatz digitaler Medien abgewogen werden müssen.

Das technisch Neue bringe Dilemmata mit sich. Kutscher warnte vor verdeckten, oft schwer nachvollziehbaren Konsequenzen, wenn beim Einsatz digitaler Medien „unser Handeln zunehmend von moralischen Skrupeln befreit ist“. Zur Fachtagung „MenschMachtMaschine“ hatte die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit der Stiftung Jugend und Medien nach Köln eingeladen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 10 Jul 2018 17:58:00 +0200
<![CDATA[Vor Rechtspopulismus zu warnen genügt nicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/07/10/vor-rechtspopulismus-zu-warnen-genuegt-nicht/ Ein Kommentar von Daniel Frick]]> Der Katholik und Publizist Andreas Püttmann hat in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor dem „Rechtspopulismus“ gewarnt – und das völlig zurecht. Wenn die Folgen des „Rechtspopulismus“ das Aushebeln der Demokratie, das Ende des Rechtsstaates, rassistisches Gedankengut, das Ende der Fürsorge für Bedürftige und eine Überhöhung der Nation sind, kann man nicht früh genug damit anfangen, dagegen vorzugehen.

Aber der Mahner gibt es viele, und sie alle haben ein Problem: Sie geben sich der Illusion hin, dass bloße Warnungen ausreichen, um ein Umdenken anzustoßen; dass man anderen einfach nur klarmachen muss, wer hier die moralische Position vertritt. So, als ob es einfach nur der Stimme eines Erleuchteten brauchte, um andere von ihren dunklen Wegen abzubringen.

Problematische Formulierung

Nach fünf Jahren AfD, einer Partei, die Püttmann unter die „Rechtspopulisten“ und „Radikalen“ einsortiert, müssten sich die Mahner aber schonmal fragen, warum es die AfD weiterhin gibt, warum sie inzwischen auf 17 Prozent in Umfragen kommt, und ob AfD-Wähler nicht vielleicht doch den einen oder anderen Punkt haben. Bislang ist nicht zu erkennen, dass den Mahnern diese Fragen wichtig wären.

Diesen Eindruck bestätigt auch Püttmanns Wortwahl: Wer auch nur den Anschein gibt, sich der AfD anzunähern, ist für ihn ein „Irrlicht“. Dazu kommt: Konservative Christen, die AfD wählen, „schnappen“ sich die „Köder“, die ihnen die AfD hinwirft. Man kommt nicht umhin, bei dieser Wortwahl an das Tierreich zu denken. Da argumentiert der katholische Publizist ähnlich wie die säkulare Frankfurter Allgemeine Zeitung, die AfD-Mitglieder in einem anderen Zusammenhang mit Affen verglichen hat.

Ein politisches Gegengewicht

Aber geht man einmal davon aus, dass selbst AfD-Wähler Menschen sind, stellt sich die Frage, ob es auch vernünftige Gründe gibt, diese Partei zu wählen. Eine Antwort könnte so aussehen: AfD-Wähler schauen verdutzt auf eine eskalierte Euro-Politik mit Milliardenverlusten für Sparer; skeptisch auf überhöhte Politikprojekte wie die „Vereinigten Staaten von Europa“ als Zielpunkt der „Europäischen Union“; fassungslos auf den Kontrollverlust an den Grenzen; und argwöhnisch auf Journalisten, die in der Regel auf Differenzierung pochen, dann aber bei der „Behandlung“ der AfD Nationalismus und Patriotismus kurz mal in einen Topf werfen.

Es mag dem einen oder anderen nicht passen, aber die AfD ist für viele, auch für manche Christen, die langersehnte – und eben auch die einzige – politische Opposition gegen die oben genannten Punkte. Es wäre klüger, das anzuerkennen, anstatt sich einseitig über „Mangel an christlichem Widerstand gegen die AfD“ zu beklagen. Solange Punkte wie diese nicht ernsthaft gewürdigt werden, geht der „Widerstand“ an der Wirklichkeit vorbei.

Legitime Anliegen

Es trifft im Übrigen auch nicht, gegen die AfD bei der Frage des Umgangs mit Migranten Werte wie Humanität und Nächstenliebe ins Feld zu führen. Niemand in der AfD hat etwas dagegen, Bedürftigen zu helfen – alles andere zu behaupten, wäre töricht. Es geht darum, dies dauerhaft auch im Rahmen des Rechts und der Ordnung sowie in einem sinnvollen Rahmen zu tun. Und das ist ein legitimes Bedürfnis; wer das bestreitet und Humanität auf Teufel komm raus betreiben will, fördert Rechtspopulismus. Wer sich dabei auch noch auf die Bibel beruft, der sollte daran denken, dass sich dort nicht nur der Ruf nach Nächstenliebe, sondern auch die Sehnsucht nach guten Herrschern findet, die das Recht nicht beugen.

Gerade die christlichen Mahner dieses Landes sollten zudem in Betracht ziehen, dass es tatsächlich Christen gibt, die gar nicht so viel auf die politische Meinung christlicher Prominenter, Vereine oder Kirchen geben. Denn sie haben ihre Bibel, ihre Zeitung, ein paar kluge Bücher, ihren eigenen Kopf – und ihnen liegt der Kampf gegen Rechtsextremismus ebenfalls am Herzen. Auch für sie sind manche Aussagen eines Björn Höcke oder Alexander Gauland unerträglich – aber doch „weniger unerträglich“ als das, was ihnen die anderen Parteien in den vergangenen Jahren geboten haben. Offenbar sehen sie nach wie vor in der AfD die größere Aussicht auf Besserung.

Wer das Interview gelesen hat, der wird Püttmann seinen Respekt zollen: Sein Einsatz gegen Rechtspopulismus ist lauter und mutig. Im Sinne eines gelingenden Dialogs wünscht man sich jedoch einen behutsameren Umgang mit Andersdenkenden und damit auch eine sorgsamere Wortwahl. Vorerst trägt das Interview aber wenig dazu bei, die gesellschaftliche Zerrissenheit zu überwinden.

Von: Daniel Frick

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Tue, 10 Jul 2018 17:48:00 +0200
<![CDATA[Justin Bieber: „Jesus soll uns durch seinen Heiligen Geist führen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2018/07/10/justin-bieber-jesus-soll-uns-durch-seinen-heiligen-geist-fuehren/ Justin Bieber möchte eine Ehe unter Gottes Segen führen: Der kanadische Popstar und seine Freundin, das amerikanische Model Hailey Baldwin, haben sich auf den Bahamas bei einem Abendessen in einem Restaurant verlobt. Das berichtet das Promiportal tmz.com. „Ich verspreche, unsere Familie mit Ehre und Integrität zu leiten. Jesus soll uns durch seinen Heiligen Geist führen, in allem, was wir tun, und bei jeder Entscheidung, die wir treffen“, schreibt der 24-Jährige auf seiner Instagram-Seite. Dazu postet der Sänger ein Bild von sich und der 21-Jährigen. Der Künstler hat auf der Plattform mehr als 100 Million Abonnenten.

Für Bieber ist Baldwin „die Liebe meines Lebens“. Sie mache ihn zu einem besseren Menschen. „Die Sache, über die ich mich am meisten freue, ist, dass mein kleiner Bruder und meine kleine Schwester eine weitere gesunde und stabile Ehe sehen und auch danach streben können!“ Gottes Timing sei „buchstäblich perfekt“. „Am siebten Tag des siebten Monats – die Zahl sieben ist die Zahl spiritueller Perfektion. Das ist wahr!“, äußert sich der Popstar.

„Das Jahr des Wohlgefallens“

Seinen Post beendete er mit dem Bibelvers aus Sprüche 18,22: „Wer eine Frau gefunden hat, der hat etwas Gutes gefunden und Wohlgefallen erlangt vom Herrn.“ 2018 sei „das Jahr des Wohlgefallens“. Für seinen Post kassierte Bieber mehr als 10 Millionen „Gefällt mir“-Angaben.

Auch die Verlobte brachte auf Twitter ihre Freude zum Ausdruck: „Ich bin nicht sicher, was ich im Leben getan habe, aber ich bin Gott so unendlich dankbar, dass er mir so eine unglaubliche Person gegeben hat, um mit ihr mein Leben zu teilen.“

Baldwin ist Tochter des Schauspielers Stephen Baldwin („Die üblichen Verdächtigen“). Dessen Bruder ist wiederum Schauspieler Alec Baldwin. Der Vater von Hailey Baldwin bezeichnet sich selbst als „wiedergeborenen Christen“. Bevor er Jesus kennenlernte, habe sich sein Leben um ihn selbst und um Geld gedreht. „Das Wichtigste für mich ist, Jesus zu lieben. Ich weiß, das klingt wie eine Phrase, aber es ist die Wahrheit.“ Dass Gott in ihm lebe, bedeute ihm alles.

Freundschaft zu Hillsong-Pastor Carl Lentz

Bieber und seine Verlobte waren in der Vergangenheit schon einmal ein Paar. Nun sind sie nach rund einem Monat Beziehung verlobt. Der Sänger war bereits mit der Popsängerin Selena Gomez und dem Model Sofia Richie liiert. In der Vergangenheit wurde ihm Drogenmissbrauch nachgesagt. Biebers Eltern Pattie Mallette und Jeremy Bieber trennten sich, als Bieber ein Kind war. In den frühen Jahren seiner Karriere managte Mallette ihren Sohn.

In den vergangenen Jahren bekannte sich der Sänger immer wieder zu seinem christlichen Glauben. Ihm wird eine Freundschaft zu Hillsong-Pastor Carl Lentz nachgesagt. 2014 ließ er sich in der Badewanne eines Freundes taufen. Manche Kritiker sagen Bieber nach, dass der Kanadier seinen Glauben nicht authentisch lebe.

Kurz vor Weihnachten postete der Künstler im vergangenen Jahr eine Kurzpredigt auf Instagram. „Fühlst du dich, als hättest du alle Optionen ausgeschöpft? Fühlst du dich hilflos? So, als wärst du nie wirklich gut genug?“, fragte er. Und weiter: „Was, wenn ich dir sage, dass da einen Gott gibt, der dich kennenlernen will, egal wo du gerade stehst? Was, wenn ich dir sage, dass er jeden Schmerz, jede Schande, Schuld oder Furcht von dir nehmen kann.“ Bieber versah die Notiz zudem mit dem Hashtag #Jesus.

Von: Martina Blatt

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Tue, 10 Jul 2018 16:43:00 +0200
<![CDATA[Zahl der Scheidungen sinkt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/10/zahl-der-scheidungen-sinkt/ 153.500 Ehen wurden laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2017 geschieden. Das sind knapp sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Zuletzt wurden 1992 weniger Ehepaare getrennt.

Laut Bundesamt befanden sich die meisten der 2017 geschiedenen Paare in ihrem siebten Ehejahr und waren zuvor ein Jahr lang getrennt. Im Durchschnitt waren die geschiedenen Paare 15 Jahre lang verheiratet und in ihren Mittvierzigern. Frauen reichten etwas häufiger als Männer die Scheidung ein.

Die Scheidungen betrafen in rund der Hälfte der Fälle ganze Familien: Knapp 124.000 minderjährige Kinder oder Jugendliche erlebten das Ehe-Aus ihrer Eltern. Und: Langzeitehen sind heute seltener ein Garant für Treue bis zum Tod. 1992 wurden nur gut halb so viele Paare im Jahr ihrer Silberhochzeit oder danach geschieden wie heute. Die Eheleute heirateten damals früher – und wurden auch früher geschieden – im Schnitt nach acht Jahren.

Die Zahl der Eheschließungen hingegen steigt. Heirateten 2012 noch knapp 390.000 Paare, waren es im Jahr 2016 rund 410.000.

Von: Anna Lutz

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Tue, 10 Jul 2018 16:19:00 +0200
<![CDATA[Pfarrer hält Gottesdienst mit plastinierter Leiche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/07/10/pfarrer-haelt-gottesdienst-mit-plastinierter-leiche/ Die Osnabrücker Marienkirche hat einen ungewöhnlichen Gottesdienst gefeiert: Am Sonntagmorgen stand ein präparierter menschlicher Körper – ein sogenanntes Plastinat – im Mittelpunkt. Gemeindepfarrer Frank Uhlhorn hatte es aus der Ausstellung „Körperwelten“ abholen lassen, die momentan in der niedersächsischen Stadt stattfindet.

Bei „Körperwelten“ werden weltweit plastinierte Leichen ausgestellt. Sowohl die umstrittene Ausstellung, als auch das Verfahren der Plastination selbst gehen auf den deutschen Arzt Gunther von Hagens zurück. Auch er war samt Frau und Kind bei dem Gottesdienst anwesend.

Bei dem ausgestellten Plastinat handelte es sich um einen Mann, der eine Fackel nach oben reckt. Aufgestellt wurde das Präparat unter der Kanzel. Pfarrer Uhlhorn arrangierte seine Predigt um das unkonventionelle Ausstellungsstück herum. Das Thema lautete „Sieh, der Mensch“. So sei an dem Körper erkennbar, dass der Mensch ein „Kunstwerk der Schöpfung Gottes“ sei. „Wir leben alle von Voraussetzungen, die wir nicht selber geschaffen haben […]. Auch mit noch so viel Technologie werden Computer so bald nicht Fußball spielen können. Aber der Mensch kann es. Als Geschenk, als Gabe Gottes des Schöpfers."

Kritik vor allem im Vorfeld

In der Predigt wie auch im Verfeld des Gottesdienstes nahmen Uhlhorn und seine Gemeinde auch Bezug auf mögliche moralische Bedenken. Auf den Bänken lagen Zettel, die Besuchern Alternativgottesdienste anboten, falls sie sich durch das Ausstellungsstück gestört fühlten. Doch das war offenbar überflüssig: Rund 200 Menschen nahmen an dem Gottesdienst teil. Bereits seine Ankündigung hatte in der Region Wellen geschlagen.

Ein Skandal blieb aus. Es habe keine Protestaktionen gegeben, schreibt die Osnabrücker Online-Zeitung Hasepost.

Kritik an der Aktion hatte es vorher dennoch gegeben – vor allem aus der hannoverschen Landeskirche und dem Kirchenvorstand der Marienkirche. So hatten sich etwa der geistliche Vizepräsident des Landeskirchenamtes Hannover, Arend de Vries, und Regionalbischöfin Birgit Klostermeier kritisch geäußert. „Jeder Mensch besitzt eine Würde über den Tod hinaus und kann deshalb kein Ausstellungsstück beziehungsweise bloßes Objekt sein“, sagte de Vries. Es stehe jedoch jedem Pfarrer frei, seine Gottesdienste nach eigenem Ermessen zu gestalten.

Erste positive kirchliche Bezugnahme auf Plastinate

Diese Kritik ist exemplarisch für die bisherige Haltung der Kirchen zur „Körperwelten“-Ausstellung. Der Gottesdienst ist die erste positive Bezugnahme der Kirchen überhaupt. Bislang war sie überall teils heftig kritisiert worden, zumeist für Respektlosigkeit und Nichtachtung der Totenruhe.

In seiner Predigt betonte Pastor Uhlhorn, dass die Totenruhe nicht gestört werde, denn Gott allein behüte die Menschen und lasse „alle auferstehen, die jemals gestorben sind“. Nach biblischer Lehre sei es daher für eine Person unerheblich, was nach dem Tod mit ihrem Leichnam geschehe. Innerhalb der Theologie ist die Rolle des Körpers bei der Auferstehung des Menschen jedoch umstritten.

Theologisches Körperverständnis wandelt sich

Auch Uhlhorn erwähnte in seiner Predigt, dass das Verständnis von Tod und Ewigkeit immer im Wandel sei. So habe sich die Evangelische Kirche etwa bis in die Sechzigerjahre gegen Urnenbestattungen gewehrt – weil die Lehrmeinung damals gewesen sei, der Mensch könne bei diesen nicht körperlich auferstehen. „Aber ich meine, es gibt keine theologischen Probleme mit einem plastinierten Menschen“, zitiert die Rheinische Post den Pfarrer.

Sein Gottesdienst habe unter anderem zur Aufklärung beitragen wollen. Das Innere des Körpers auch normalen Menschen, nicht nur Medizinern, begreiflich zu machen, sei „eine Art von Demokratisierung“.

Seelsorge im Mittelpunkt

Doch im Mittelpunkt steht für Pfarrer Uhlhorn etwas anderes. „Jenseits aller Nebengeräusche geht und ging es mir um ein seelsorgerisches Anliegen: Wie sind heute unsere Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod, was sagt die Bibel dazu, ist sie vielleicht moderner, als es den Anschein hat?“, sagte er gegenüber pro.

Das formulierte der Pastor auch in der Fürbitte: „Wir wissen und spüren, dass der Tod vielen Menschen Angst macht. Und wer hat nicht einen Teil in sich, der zurückschreckt von der Unabänderlichkeit der begrenzten Zeit für uns alle? Wir bitten dich: Tröste uns, wie eine Mutter tröstet. Nimm uns in deine himmlischen Arme." Ein Plastinat könne helfen, der Angst vieler Menschen vor dem Tod zu begegnen.

Medizinethiker Nagel: „Grusel statt Gedenken"

Der Medizinethiker Eckard Nagel sieht das anders. In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst nannte er die Ausstellung des Plastinats im Gottesdienst „Voyeurismus pur“. Um den entsprechenden Inhalt zu vermitteln, hätte der Pfarrer das Plastinat nicht gebraucht.

Nagel ist Professor am Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften der Universität Bayreuth und Gründungsmitglied des Nationalen Ethikrats. Auch die „Körperwelten“ selbst kritisierte er scharf. Sie seien „Grusel statt Gedenken“; die Plastinate markierten „den Verlust des Staunens über das Wunder des Lebens“.

Pfarrer Uhlhorn betonte gegenüber pro: „Es geht mir nicht darum, meine Meinung durchzusetzen. Ich achte andere theologische, moralische oder auch emotionale Haltungen zu der Frage." Problematisch sei es aber, die Motive derer unter Generalverdacht zu stellen, die „Körperwelten“ – oder eben den Gottesdienst – besuchen. „Sind aber die, die diese Austellung besuchen, die einen Toten mit Hilfe von Plastik mumifiziert sehen wollen, alle primitiv und nur schaulustig? Eine solche abwertende Haltung wäre arrogant. […] Man darf sich nicht über andere erheben", sagte er in seiner Predigt.

Von: Martin Jockel

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Tue, 10 Jul 2018 15:04:00 +0200
<![CDATA[Höhlenrettung: Deshalb fühlen wir mit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/07/10/hoehlenrettung-deshalb-fuehlen-wir-mit/ Sebastian Eder von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat eine schlichte Erklärung dafür, warum die Geschichte der thailändischen Fußballer, die seit dem 23. Juni in einer teils überschwemmten Höhle festsaßen, so große Aufmerksamkeit bekommt. Und das auch noch, obwohl sie sich in einem für uns weit entfernten Land abspielt und nur verhältnismäßig wenige Menschen betrifft. „Wahrscheinlich lag es daran, dass es eine Urangst ist, lebendig begraben zu werden“, schreibt er. Außerdem könne sich jeder in die grauenhafte Situation der Eltern hineinversetzen. Und: „Bei aller Tragik war die Rettungsaktion einfach eine unglaubliche Geschichte, spannend bis zum Schluss, mit tragischen Helden, wie dem verstorbenen Marinetaucher und dem Trainer, der seine Mannschaft zuerst in die Höhle führte und dann fast verhungerte, weil er alles Essen den Kindern überließ.“

Und die Flüchtlinge im Mittelmeer?

Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung geht noch weiter und vergleicht die Art der öffentlichen Aufmerksamkeit, die die Thailänder erfahren, mit der, die im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlingen verwehrt bleibe. Zwar sei die Tatsache, dass so viele Menschen mit den Jungen in Asien fieberten, „auch eine Geschichte über die Kraft der Menschlichkeit und des Mitleids“. Andererseits aber beobachte er einen Verlust an Empathie mit den Flüchtlingen im Mittelmeer. „Manche von ihnen sind im Alter der in der Höhle gefangenen Jungs, auch sie haben Angst vorm Ertrinken, auch hier gibt es selbstlose Helfer“, schreibt Drobinski.

Wer Mitleid mit den Flüchtlingen an den europäischen Grenzen habe, werde als naiv diffamiert. Wer helfen wolle, gelte als einer, der weitere potenziell aus Afrika Kommende gefährdet. „Man stelle sich vor, es würde einer sagen: Gut, dass da welche in der Höhle hocken – jetzt wissen alle, wie gefährlich solche Exkursionen in der Monsunzeit sind. Er müsste sich zu Recht als herzloser Zyniker beschimpfen lassen.“

Auch mit denen leiden, die ihre Unschuld verloren haben

Die Flüchtlinge seien den Europäern im Gegensatz zu den thailändischen Jungen nahe gekommen. „Aus der Nähe betrachtet, verlieren Elend und Not schnell ihre Unschuld. Mancher der Elenden will das schnelle Geld, der traumatisierte Verfolgte wird viel Unterstützung brauchen, vielleicht kommt gar ein Terrorist ins Land." Auf Basis solcher Befürchtungen Ertrinkenden das Mitleid zu entziehen sei „ein gefährlicher Zivilisationsverlust". „Mit jedem Menschen mitleiden zu können, auch mit dem, der seine Unschuld verloren zu haben scheint, ist keine Schwäche – sondern eine wahre Stärke des Abendlands.“

Auch der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen beschäftigte sich am Dienstag im Interviw von NDR Info mit dem Zusammenhang zwischen dem Leid der Kinder in Thailand und dem der Flüchtlinge: Würden die Medien so emotional über letztere berichten, wie sie es bei den Kindern in der Höhle getan hätten, wären die Menschen eher vom Schicksal der Flüchtlinge berührt, erklärte er. Weil sie das nicht täten, bleibe „das Leid zunächst abstrakt und in gewissem Sinne für uns unsichtbar: reduziert auf die nackte Zahl; auf die Zahl derjenigen, die da umgekommen sind“.

Von: Anna Lutz

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Tue, 10 Jul 2018 11:37:00 +0200
<![CDATA[Drama in der Höhle: Christen helfen bei Rettung mit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/07/09/drama-in-der-hoehle-christen-helfen-bei-rettung-mit/ Alle Welt schaut in diesen Stunde nach Thailand, wo Spezialtaucher versuchen, die in einer Höhle eingeschlossenen Jungen zu retten. Vier von ihnen konnten bereits am Sonntag befreit werden, vier weitere am Montag. Die Baag Jong Kirche gleich neben dem Fußballplatz, auf dem die Jungen trainierten, ist jetzt das Basislager für die Rettungskräfte. Die Kirche stellt für die Helfer auch Unterkünfte und Verpflegung bereit. Einer der eingeschlossenen Jungen ist ein Patenkind des christlichen Kinderhilfswerks Compassion, das in der Kirche eine Zentrale hat. Ein anderer junger Mann, der von der Organisation unterstützt wird, war einer der ersten, der die Jungen als vermisst meldete und in der Höhle nach ihnen suchte. Er arbeitet jetzt im Rettungsteam mit.

Das internationale Hilfswerk rief zum Gebet dafür auf, dass die Rettungsaktion gelingt. Als die Jugendlichen vor wenigen Tagen lebend in der Höhle im Norden des Landes gefunden wurden, bedankten sich die Eltern des jungen Christen für alle Gebetsunterstützung: „Vielen Dank an jeden, der für uns und unsere Jungs betet und uns hilft. Danke!“, sagte sie in einem Video von Compassion.

Chilenischer Bergarbeiter schickt Videobotschaft

Das Nachrichtenportal Channel News Asia (CNA) berichtet über den 14-jährigen Christen Adun. Er ist der einzige in der Höhle, der Englisch spricht. Er wurde in einer autonomen, international nicht anerkannten Provinz von Myanmar geboren. Nach Thailand ging er laut CNA, weil er dort bessere Bildungschancen hat. Dort gilt er allerdings als Staatenloser ohne Bürgerrechte. Er wächst bei einem christlichen Lehrerehepaar auf und lebt auf dem Gelände einer Kirche.

„Die Kirchen in ganz Thailand, vor allem seine Gemeinde, beten viel“, sagte eine Christin aus der Hauptstadt Bangkok gegenüber pro. Manche beteten dafür, dass Adul für die anderen eingeschlossenen Jungen ein Zeugnis für den christlichen Galuben sein könne. Medienberichten zufolge treffen sich Christen wie auch Muslime und Buddhisten im ganzen Land zum Gebet.

Einer der chilenischen Bergarbeiter, die 2010 für 69 Tage unter der Erde eingeschlossen waren, sandte eine Videobotschaft an die Jungen: „Gott sege euch. Wir beten jetzt für jeden Einzelnen von euch, für jede der Familien und die Kinder.“

Vor rund zwei Wochen sind die zwölf jungen Fußballer mit ihrem Betreuer in die Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands hineingegangen. Durch starken Regen stieg das Wasser in der Höhle an, sodass sie etwa vier Kilometer hinter dem Eingang an einer trockenen Stelle eingeschlossen wurden. Nach neun Tagen haben Taucher sie gefunden.

Von: Jonathan Steinert

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Mon, 09 Jul 2018 14:59:00 +0200
<![CDATA[Protest gegen Berliner Islaminstitut]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/09/protest-gegen-berliner-islaminstitut/ Nach langem Hin und Her ist es seit Ende Juni beschlossene Sache: Schon im Wintersemester des kommenden Jahres sollen an einem Institut für Islamische Theologie der Berliner Humboldt-Universität Imame ausgebildet werden. Vier Professuren werden besetzt und das Land Berlin stellt dafür in den kommenden Jahren 13 Millionen Euro zur Verfügung. Die Präsidentin der Uni, Sabine Kunst, lobte das Vorhaben am 29. Juni als „große Bereicherung für Berlin". Doch so sieht das längst nicht jeder.

Wie unter anderem die Zeitung Die Welt berichtet, sehen die Studierenden das neue Institut überaus kritisch. So habe sich das Studierendenparlament der Hochschule ohne Gegenstimmen gegen die Einrichtung ausgesprochen. In dem entsprechenden Beschluss heißt es: „Ein Institut, an dessen Gründung reaktionär-konservative Islamverbände beteiligt sind, in diesem Falle sogar ausschließlich, ist inakzeptabel (...).“

Beirat bestimmt Lehrausrichtung mit

Tatsächlich wurde in Berlin lange darüber gestritten, welche islamischen Vertreter im Beirat des Instituts sitzen. Das Gremium spielt eine wichtige Rolle. Es bestimmt die Lehre am Institut mit und kann mit einer Zweidrittelmehrheit die Berufung von Professoren verhindern. Zunächst war geplant, dass der aus der Türkei gesteuerte Verein Ditib ebenso dabei ist wie der Zentralrat der Muslime, die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden, der Verband der Islamischen Kulturzentren und die Islamische Föderation Berlin. Ditib und der Verband der Islamischen Kulturzentren sagten nach einer längeren Debatte ab. Beide Organisationen fürchteten, zu geringe Einflussmöglichkeiten bei der Bestimmung der Lehrkräfte zu haben.

Beschlossen ist nun, dass der Beirat aus zwei unabhängigen Vertretern sowie Vertretern der drei übrig gebliebenen Verbände besteht. Diese aber gelten als konservativ und sollen zum Teil problematische Verbindungen pflegen. Wie die Welt berichtet, soll die Isamische Föderation Kontakte zur islamistischen Milli-Görüs-Bewegung haben. Die Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden soll mit dem iranischen Regime kooperieren. Funktionäre der Gruppe hatten zudem zur Teilnahme am als antisemitisch kritisierten Al-Kuds-Marsch in Berlin aufgerufen.

Kritik an der Besetzung des Beirats kommt nicht nur von den Studierenden. Auch die Gründerin einer liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates, beschwerte sich bereits öffentlich darüber, dass nur konservative Vetreter des Islam beteiligt seien. Auch die Islamexpertin der Deutschen Evangelischen Allianz, Christine Schirrmacher, beklagte im Vorfeld der Gründung, dass die beteiligten Verbände „allein die Regierungen in Ankara und Teheran“ verkörperten. Damit würden „der dringend notwendigen wissenschaftlichen Entfaltung der islamischen Theologie Handschellen angelegt“.

Von: Anna Lutz

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Mon, 09 Jul 2018 13:42:00 +0200
<![CDATA[„Wir müssen Demokratie klug vorleben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/09/wir-muessen-demokratie-klug-vorleben/

pro: Herr Kretschmer, Sie gehören zu den Initiatoren des „Aufrufs zu einer Leit- und Rahmenkultur“ einiger Unionspolitiker. Dadurch gelten Sie in der medialen Öffentlichkeit als Hardliner. Zugleich engagieren Sie sich für eine Arbeit mit Suchtkranken des methodistisch geprägten Vereins „come back“. Wie passt das zusammen?

Michael Kretschmer: Ich bin gegen jede Form der Ausgrenzung und Spaltung. Genau darum geht es auch in dem Papier, das Sie ansprechen. Es geht um die Frage, was das Fundament unseres Zusammenlebens ist. Welche Werte, welche Dinge machen uns aus und geben Halt und Orientierung? Solidarität und Freiheit gehören dazu, gegenseitiger Respekt und vieles andere. Ich bin glücklich, in dieser Zeit in Deutschland, in Sachsen zu leben. Und ich finde es nicht verkehrt, deutlich zu sagen, dass ich dieses Land und die Menschen mag. Ich habe auch gewaltigen Respekt vor den vielen Menschen, die zum Zusammenhalt und zum Funktionieren unseres Gemeinwesens beitragen. Dazu gehören auch Leute wie die vom Verein „come back“, die Bewundernswertes leisten.

Sie sind Vollblutpolitiker. Wie und wo spannen Sie aus?

Oder auch: Mit wem? Da steht ganz oben meine Familie! Wenn ich mit unseren Söhnen durch Museen gehe oder auf dem Fußballplatz bin oder wenn ich mit meiner Lebensgefährtin auf Pferden durch die Natur reite, dann sind das wunderbare Formen der Entspannung und von Glück, für das ich dankbar bin.

Welche Bedeutung hat das „C“ – das Christliche – für die Partei, der Sie angehören?

Das Christliche ist weniger eine Frage der Entspannung als der Anspannung: Es ist eine Haltung, zu seinem Glauben zu stehen, das christliche Menschenbild als Maßstab unserer Politik zu nehmen. Ich bin nach meiner Vereidigung in die Frauenkirche in Dresden gegangen, weil ich den Segen für meine Arbeit erbitten und mich noch einmal ganz bewusst an so einem Tag meines Fundaments vergewissern wollte.

Wie wollen Sie mit dazu beitragen, den konservativen Kern zu stärken?

Für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und für die Akzeptanz der Demokratie ist es wichtig, dass wir verschiedenen Einstellungen und Auffassungen Raum geben. Das gilt auch für meine Partei, die dann besonders überzeugend ist, wenn alle Flügel – der christlich-soziale, der liberale und der konservative – stark schlagen. Dafür will ich mich immer einsetzen.

Im politischen Berlin gelten Sie als gut vernetzt. Wo sehen Sie Themenfelder, die zukünftig nicht nur von einer Partei, sondern über Fraktionsgrenzen hinweg behandelt werden müssen?

Wir brauchen zum einen eine gesellschaftliche Befriedung beim Thema Flüchtlinge und Migration in der Bundesrepublik. Dazu ist eine klare, konsequente und verlässliche Linie nötig. Allen Demokraten muss es außerdem gemeinsam gelingen, die Entfremdung zwischen einem Teil der Bevölkerung und denen „da oben“ zu stoppen und neues Vertrauen aufzubauen. Es gilt, klug vorzuleben, was eine Demokratie aus- und starkmacht: Der faire und an der Sache orientierte Streit, die Suche nach Lösungen und Kompromissen. Es kommt auch darauf an, dass Deutschland stärker wird in Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung. Wichtig sind deshalb nicht nur Investitionen in Beton, sondern vor allem in Köpfe und Initiativen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

Im September 2017 haben Sie Ihr Bundes­tags-Direktmandat im Wahlkreis Löbau-Zittau an den AfD-Mitbewerber Tino Chrupalla eingebüßt. Im Oktober wurden Sie als Ministerpräsident in Sachsen vorgeschlagen. Was hat diese Achterbahnfahrt mit Ihnen gemacht?

Niederlagen sind nie schön. Aber sie gehören zum Leben dazu, auch zu meinem – und sie gehören auch zur Demokratie. Für mich ist wichtig, dass vieles bestehen bleibt, was ich als Abgeordneter von Berlin aus für meine Heimat angeschoben und erreicht habe. Ich habe meine Aufgaben im Wahlkreis immer ernstgenommen. Auch deswegen war der Wahlabend für mich hart. Aber es hat mich nicht umgehauen. Ich neige nicht dazu, den Kopf in den Sand zu stecken, wenn es schwierig wird. Oder wenn es dann plötzlich ganz anders kommt im Leben, als gedacht.

Was macht die AfD besser als die Union? Insgesamt haben drei CDU-Politiker ihr Direktmandat an AfD-Politiker verloren, obwohl sie als CDU-Hochburgen galten.

Die Bundestagswahl war in erster Linie eine Abstimmung über die Berliner Asyl- und Flüchtlingspolitik. Es wurde versäumt, Fehler zu benennen, eine Befriedung herbeizuführen. Das hat viele Menschen zu Recht verärgert und verunsichert. Und das hat dann auch denen geholfen, die versiert darin sind, Ängste zu schüren. Hinzu kommt, dass auch in Sachsen einige Dinge nicht gut gelaufen sind. Wir haben das sozial gerechteste Bildungssystem in Deutschland, einerseits. Andererseits haben wir seit einer Weile große Mühe, genügend Lehrer zu finden. Auch die Kriminalität gerade in Grenzregionen spielte eine Rolle. Entscheidend ist nun, dass wir selbst die Dinge anpacken und verlässlich arbeiten. Wir wollen in der Sache überzeugen.

Sie twittern eifrig: Kann man mit diesem Medium gut politische Inhalte vermitteln?

Ja, klar. Ich mag es, Dinge auf den Punkt zu bringen. Twitter ist ein wichtiger Baustein in der Kommunikation, direkt und schnell. Mir ist klar, dass nicht jede Diskussion über komplexe Sachverhalte mit wenigen Zeichen umfassend geführt werden kann. Aber Diskussionsanstöße sind allemal möglich.

Sie sind mit 42 Jahren aktuell einer der jüngsten Ministerpräsidenten: Ist das eine Bürde oder führt es dazu, eher unbefangen an Themen heranzugehen?

Weder noch. Die Aufgaben und Erwartungen sind so, dass ich demütig und mit großer Ernsthaftigkeit ans Werk gehe. Ich bin dankbar, dass ich bisher viele Erfahrungen auf kommunaler Ebene und im Bund machen konnte, die mir bei der Lösung der aktuellen Probleme helfen.

Sie sind evangelisch, ledig und haben zwei Kinder. Im Bundestag waren Sie gegen die „Ehe für alle“ und haben eine Lanze gebrochen für die traditionelle Ehe. Wie passt das zusammen?

Ich fand die Art und Weise, wie es zur Abstimmung im Bundestag kam, nicht gut. Das wurde der Sache nicht gerecht. Wir haben in Deutschland schon vor der Entscheidung eine weitestgehende Gleichstellung der partnerschaftlichen Lebensformen gehabt. Das fand ich gut und ausreichend, damit die Ehe zwischen Mann und Frau unter dem besonderen Schutz bleibt, der ihr nach meiner Überzeugung auch zusteht.

Was wird Ihre schwierigste Aufgabe in den kommenden Jahren?

Ich gehe gern fröhlich und zuversichtlich an meine Aufgaben heran, deshalb denke ich nicht über die Schwierigkeiten nach. Ich arbeite dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger mir vertrauen und ich meinen Beitrag zu einer stabilen Demokratie leiste. Ich möchte mit den Sachsen zusammen dafür arbeiten, dass unser Freistaat eine gute Heimat ist, in der der Zusammenhalt stark und die Neugier auf die Zukunft groß ist, in der die Wirtschaft gute Arbeit gibt, Schulen und Hochschulen jungen Menschen Chancen eröffnen und wir in einer generationengerechten Gesellschaft anständig und respektvoll miteinander umgehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Michael Kretschmer, Jahrgang 1975, ist seit 13. Dezember 2017 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen. Der gebürtige Görlitzer war von 2002 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er wurde im Dezember 2017 Vorsitzender der CDU Sachsen. Von 2009 bis 2017 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Kretschmer ist Diplom-Wirtschaftsingenieur. Er lebt in Dresden sowie bei Zittau und ist mit der einstigen MDR-Journalistin und derzeitigen Sprecherin des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz, Annett Hofmann, liiert. Das Paar hat zwei gemeinsame Söhne.

Die fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 09 Jul 2018 11:12:00 +0200
<![CDATA[Püttmann: Zu wenig christlicher Widerstand gegen AfD]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/08/puettmann-zu-wenig-christlicher-widerstand-gegen-afd/ Der katholische Publizist Andreas Püttmann ist einerseits konservativ, andererseits eine wahrnehmbare Stimme gegen die AfD. Im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte er, dass er Mitstreiter aus den Reihen der Kirche vermisse: „Manche klopfen einem auf die Schulter, auch Bischöfe, halten sich aber selbst lieber zurück." Zwar stellten sich bekannte Christen wie Reinhard Kardinal Marx oder der Berliner Bischof Markus Dröge auch öffentlich gegen die rechstpopulistische Partei. Als „Irrlichter" bezeichnete Püttmann aber den Passauer Bischof Stefan Oster oder dessen Regensburger Amtskollegen Rudolf Vorderholzer. Beide hatten öffentlich vermittelnd zum Verhältnis Kirche-AfD geäußert.

AfD ködert Christen

Laut Püttmann sind konservative Christen für die AfD ein dankbares Zielpublikum. Sie seien politisch oft auf Lebensschutz und Genderfragen fokussiert. „Die AfD wirft ihnen ein paar Köder hin, und sie schnappen zu.“ Dabei sei die Partei besserwisserisch, hämisch und giftig. Püttmann stellte aber auch fest, dass die breite Masse der AfD-Anhänger gerade nicht aus Christen bestehe. Häufig seien die Wähler der Partei „identitäre Christianisten": Menschen, die mit der Kirche wenig zu tun hätten, beim Kampf gegen den Islam aber zum religiösen Pendant griffen. Sie marschierten hinter schwarz-rot-goldenen Kreuzen bei Pegida her, weil sie nichts anderes hätten, auf das sie sich stützen könnten. Wahre Gläubige seien selten AfD-Wähler, laut einer Umfrage des Instituts Allensbach rund vier Prozent der Kirchennahen.

Püttmann, der sich oft ausdrücklich AfD-kritisch in Sozialen Medien äußert, sagte, er werde durch Rechte bedroht. „Man versucht, einen einzuschüchtern. Da kommen auch Unerschrockenen irgendwann Rückzugsgedanken. Und man versteht Ängstlichere, die zwar merken, dass etwas gefährlich ins Rutschen kommt im Land, aber sagen: Ich will mein Leben nicht belasten dadurch, dass ich mich einmische", sagte er.

Gottes Nähe erfahren

Kraft gebe ihm ein Wort aus dem Galaterbrief: Ihr habt Christus als Gewand angezogen. „Da schlüpft man nicht wegen menschlicher Enttäuschungen raus. Vor Jahren durfte ich in schwerer Krankheit wirklich Gottes Nähe und Gnade erfahren. Das gibt Halt für immer", bekannte Püttmann.

Kritische Worte fand er im Interview der Sonntagszeitung auch für Markus Söders Kreuzerlass: „Ich freue mich über jedes Kreuz als Zeichen selbstloser Liebe, höherer Gerechtigkeit, Leid und Tod überwindender Hoffnung und als Zeugnis von Generationen. Als trotziges Aufstampfen, anti-islamische Kampfansage und Wahlkampfgag verliert es all das."

Von: Anna Lutz

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Sun, 08 Jul 2018 14:45:00 +0200
<![CDATA[Abtreibungsgegner provozieren mit Nazi-Vergleich]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/07/07/abtreibungsgegner-provozieren-mit-nazi-vergleich/ In der vergangenen Woche erhielten Bundestagsabgeordnete eine Einladung für eine „Trauerfeier für im Mutterleib ermordete Kinder“ am kommenden Mittwoch. Wie unter anderem die Frankfurter Rundschau berichtet, ist der Absender der Vorsitzende der katholisch geprägten Deutschen Zentrumspartei, Gerhard Woitzik. Die Partei setzt sich unter anderem für den Lebensschutz ein. Das Schreiben enthielt eine Fotomontage, die den Eingang des Wiesbadener Südfriedhofs zeigt. Versehen ist er mit der Aufschrift „Abtreiben macht frei“, eine Anspielung auf das Konzentrationslager Auschwitz, über dessen Eingang „Arbeit macht frei“ stand.

Die bayerische Grünen-Bundestagsabgeordnete Margarete Bause erstattete am Donnerstag Anzeige wegen „Volksverhetzung und allen anderen in Betracht kommenden Delikten“. Gegenüber der Rundschau sagte sie: „Wer mit solchen Methoden arbeitet, verharmlost den Holocaust und verhöhnt Millionen seiner Opfer.“ Wie der Hessische Rundfunk berichtet, prüft auch das Erzbistum Köln juristische Schritte, weil in der Einladung behauptet wurde, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki nehme an der Veranstaltung teil. Das aber sei nicht der Fall.

Partei distanziert sich

Auch die Partei selbst nahm Abstand zu dem Vergleich: „Das ist eine Geschmacklosigkeit, die wir nicht billigen, von der wir auch keine Kenntnis hatten“, sagte Generalsekretär Christian Otte gegenüber der Rundschau. Zwar stehe seine Partei für den Lebensschutz. „Aber hier sind Grenzen überschritten.“

Die Protestveranstaltung, die wie geplant stattfinden soll, richtet sich gegen die Beisetzung abgetriebener Kinder auf dem besagten Friedhof. Derzeit bestattet ein Verein namens Sternengarten gemeinsam mit den trauernden Eltern totgeborene Kinder. In diesem Zuge setzt er auch die Überreste abgetriebener Embryonen bei. Die Trauerfeiern wurden laut HR bereits zwei Mal von einem Abtreibungsgegner gestört.

Von: Anna Lutz

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Sat, 07 Jul 2018 11:37:00 +0200
<![CDATA[„‚Missionarische Ökumene‘ schließt auch die Katholiken mit ein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/07/06/missionarische-oekumene-schliesst-auch-die-katholiken-mit-ein/ pro: Sie fordern „mündiges Christsein“. Was ist das?

Michael Herbst: Mündige Christen sind im Glauben erwachsen und können das, was auf sie einströmt, geistlich beurteilen. Sie sind auch in der Gemeinde fähig zu dem, was im NT „geistliche Unterscheidung“ heißt. Sie kennen ihre Stärken und Grenzen und bringen sich in Gemeinde und Gesellschaft als Christen ein. Sie haben auch ein differenziertes Bild vom Leben: Es ist nicht einfach alles „schwarz oder weiß“. Mündige Christen sorgen auch selbst für sich, für ihr Wachstum im Glauben und ihre Weiterentwicklung als Persönlichkeit.

Wie können wir Menschen mit dem Evangelium erreichen?

Der entscheidende Sprung in einer missionarischen Arbeit einer Gemeinde passiert, wenn sie lernt, missionarisch zu denken. Erster Schritt: Hören auf Gott. Hören auf meinen Kontext. Zweiter Schritt: Wo können wir Gemeinschaft mit Menschen knüpfen? Und wie können wir mit ihnen etwas tun, diese Community, diesen Ort, zu verbessern? Dritter Schritt: Wie sind wir jetzt authentische Christen, die Jesus bezeugen und zur Nachfolge einladen?

Welche Rolle spielen dabei die Medien?

Als Kirchen drohen wir die Digitalisierung zu verschlafen. Wir haben als Kirche noch nicht begriffen, dass wir hier vor einer Herausforderung stehen und eine große Chance haben, neue Wege zur Kommunikation des Evangeliums und zur Vernetzung untereinander und mit anderen zu haben. Ich kann es an einem ganz banalen Beispiel aus meinem Berufsfeld sagen: Nach 22 Jahren als Professor ist es mir vor kurzem zum ersten Mal passiert, dass ein Student seine Examensarbeit über Digitalisierung in der Kirche schreibt. Es wird zwar nie einen Ersatz geben für persönliche, leibhaftige Begegnung. Aber das muss kein Widerspruch dazu sein, sich der Digitalisierung mutig zu stellen.

Was macht die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gut, was schlecht bei der Verkündigung des Evangeliums?

Ich bin leidenschaftlich dafür, dass wir alles in der EKD unterstützen, wo wir merken, da tut sich etwas bei einer neuen Offenheit in Richtung Mission. Aber es geht mir viel zu langsam. Wir sind als Kirche in einer entscheidenden Übergangsphase: Von einer Großorganisation zu einer Minderheitenkirche. Im Augenblick haben wir noch Ressourcen, haben Kontakte, haben noch Zugang zu Menschen und zur Öffentlichkeit. Wir müssten alles tun, um das dafür zu nutzen, uns missionarisch neu aufzustellen. Da ist immer noch viel „Zurückhaltung“. Andererseits: Durch das Zentrum „Mission in der Region“ gibt es nun im Kirchenamt eine Einrichtung, die keine andere Aufgabe hat, als darüber nachzudenken, wie wir in den Regionen unseres Landes besser missionarisch arbeiten können.

Wie kann die Landeskirche wieder mehr (junge) Menschen erreichen?

Sie wird erst mal begreifen müssen, dass sich das Alter unglaublich verändert hat. Ich bin Anfang sechzig. Das wäre vor einer Generation ein wirklich alter Mensch gewesen. Heute haben wir die sogenannten „jungen Alten“. Sie sind die stärkste Ressource für ehrenamtliches Mitarbeiten in der Kirche. Das muss noch begriffen werden.

Wie man jetzt jüngere Menschen erreichen kann, hat wieder mit der Fragen nach Digitalisierung und Medien zu tun. Es hat aber auch damit zu tun, wen man bei Konferenzen auf der Bühne sieht. Die Aufgabe der Protagonisten meiner Generation ist es, den jungen Leuten sozusagen „den roten Teppich auszurollen“, damit sie sehen: So ist es, in der Kirche aktiv zu sein. Und wir müssen mit ihnen überlegen: Welche Themen interessieren sie? Wie können wir zusammen ein Stück Welt (besser) gestalten?

Sollten Landes- und Freikirchen den Fokus stärker auf Verbindendes als Trennendes legen?

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Landes- und Freikirchen. Aber angesichts der Minderheitensituation der Christen in unserem Land tun wir gut daran, zu schauen, dass die, die Christus vertrauen und lieben und ihm in dieser Welt dienen wollen, eine tiefere Gemeinsamkeit verspüren als alles Trennende. Und dann streite ich mit Vergnügen mit einem FEGler über die richtige Form der Taufe. Am Ende der Tage zählt, dass wir gemeinsam vor Christus stehen und ihm in diesem Land dienen wollen. Und das Stichwort „missionarische Ökumene“ schließt auch die Katholiken mit ein.

Was wünschen Sie sich von der Kirche im Punkt Verkündigung?

Die Verkündigung ist es wert, dass wir unser Allerbestes geben. Dass wir eine Sprache finden, die Menschen verstehen. Dass wir erstklassiges Material brauchen und nutzen. Dass wir uns stundenlang in die Texte vertiefen. Ich glaube, dass Predigt auch in Zukunft eine enorme Rolle spielen wird. Dass sie gleichermaßen christuszentriert, humorvoll, lebensnah und authentisch sein sollte.

Dieser Text ist in der Ausgabe 3/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

Die Fragen stellte Swanhild Zacharias

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Fri, 06 Jul 2018 11:54:00 +0200
<![CDATA[„Es gibt bei uns ein Unverständnis für Religion“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/06/es-gibt-bei-uns-ein-unverstaendnis-fuer-religion/ Probleme mit der Religionsfreiheit gibt es auch in Deutschland und Europa. Das erklärte Heiner Bielefeldt in einem Interview des Portals evangelisch.de in dieser Woche. Der katholische Theologe, Philosoph und Professor für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der Universität Erlangen-Nürnberg war von 2010 bis 2016 UN-Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. In Europa sieht er vor allem den Umgang mit muslimischen Flüchtlingen kritisch. „Da verweigern einige Nachbarstaaten nicht nur die Aufnahme von Flüchtlingen, sondern sie verweigern sogar die minimal Solidarität (sic!) – mit dem Hinweis, dass es sich bei den Flüchtlingen um Muslime handle.“

Eine „Nervosität bezogen auf den Islam“ beobachtet Bielfeldt auch in Deutschland. „Es gibt bei uns Islamfeindlichkeit, die zum Teil mittlerweile auch parteipolitisch unterstützt wird“, sagte er der evangelischen Plattform. Zudem bemängelt Bielfeldt in der Gesellschaft einen fehlenden Respekt dafür, „dass Religion für viele Menschen existenziell ist. Man muss ja nicht verstehen, um was es geht, aber ein Stück Respekt wäre schon gut.“

Das habe er vor allem in der Debatte um Beschneidung von Jungen festgestellt. Es habe „hasserfüllte, vor allem aber ätzend-verächtliche Kommentare über religiöse Riten“ gegeben, „die sowohl für Juden als auch für Muslime identitätsstiftend sind“. Seine Auffassung, es gebe in der deutschen Gesellschaft keinen starken aggressiven, religionsfeindlichen Säkularismus, habe er daraufhin revidieren müssen.

Zur Frage, ob es Christenverfolgung in Deutschland gebe, plädierte er „für mehr Nüchternheit“. Nicht jede robuste Kritik sei auch Christenverfolgung oder eine Menschenrechtsverletzung. Hingegen dürfe es die Gesellschaft nicht hinnehmen, wenn jüdische Schüler wegen ihrer Religion gemobbt würden und verantwortliche Lehrer das ignorierten. Es sei notwendig, dabei auch über Judenfeindlichkeit bei Migranten zu sprechen. „Wird dürfen keine Debatte scheuen, aber man kann diese Problematik natürlich auch nicht bei den migrantischen Milieus abladen. Das Thema Antisemitismus betrifft die gesamte Gesellschaft.“

Von: Jonathan Steinert

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Fri, 06 Jul 2018 11:52:00 +0200
<![CDATA[Einsame Kämpfer ohne Korrektur]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/07/05/einsame-kaempfer-ohne-korrektur/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Die Bundeskanzlerin, nordisch abgeklärte, kopfgesteuerte und emotional beherrschte Protestantin, bräuchte nur zu bekennen, dass sie sich in der Asylfrage verschätzt habe. Nicht ihre Willkommenspolitik ist ihr zum Verhängnis geworden, sondern ihr trotzig-kategorisches „Wir schaffen das“ ohne Wahrnehmung der bürokratischen und gesamteuropäischen Überforderung aller Beteiligten der Asylpolitik. Ein demütiges „Ich habe es nicht geschafft“ würde ihr verlorengegangenes Vertrauen wieder zurückbringen. Das würde ihre Position stabilisieren und ihr Freiheit geben, den mühsam erkämpften und keineswegs gesicherten Kompromiss erfolgreich umzusetzen.

Der Bundesinnenminister, verwundeter, bauchgesteuerter und machtbesessener Politsenior, religiös unauffälliger Traditionskatholik, bräuchte nur zu sagen: „Ich gehe!“ Nachhaltig verletzt durch seinen Machtverlust in Bayern, den ihm der evangelische Franke und Kreuzverfechter Söder beschert hat, scheint er auf dem Weg in die politische Bedeutungslosigkeit der Kanzlerin und den beiden C-Parteien größtmöglichen Schaden zufügen zu wollen.

Wie soll auf dem Hintergrund von Seehofers Attacken ein gedeihliches Gestalten des politischen Mandats möglich werden? Wer sich und andere so beschädigt, der wird zu einem Sicherheitsrisiko für jede Verhandlung. Verletzte Verletzer sind unberechenbar.

Kenne deinen stärksten Feind

Weil beiden Politikern und ihren Parteischwestern das C ganz wichtig ist, es steht ja für Christus, für das Evangelium, für biblische Werte, möchte ich an den jüdischen König Saul erinnern. Er war um 1000 vor Christus der erste König in Israel, der nach der Regierungszeit der Richter die Epoche der Monarchie eröffnen und aus einem Bündnis verschiedener Stämme Israels einen Staat gründen sollte. Ein schwieriger Charakter, von Depressionen geplagt, egozentriert, zerfressen von Eifersucht auf David, der ihn immer wieder mit therapeutischer Musik aufgebaut hat, dem Freund seines Sohnes Jonathan. An seiner Seite der Prophet, Mentor, Seelsorger Samuel, der im Auftrag Gottes den jungen David zum Nachfolger Sauls beruft und salbt. Saul versagt in jeder Hinsicht. Von Neid geplagt versuchte er David, der inzwischen sein Schwiegersohn geworden war, aus dem Weg zu räumen. Aber David rächte sich nicht an seinem Schwiegervater. Schließlich wurde Sauls Armee im Gilboa-Gebirge von Israels Erzfeind, den Philistern, besiegt. Saul stürzte sich aus Gram und Schmach in sein eigenes Schwert. Ein tragischer Politiker war am Ende ohne echte Freunde, resistent gegenüber jeglicher Beratung.

Mich bedrückt die Einsicht, dass hervorragende Politiker ihren stärksten Feind nicht kennen: die Sucht nach Macht und Machterhalt. König David hatte in der schwersten Krise seiner Regierungszeit einen weisen Berater an seiner Seite, den Propheten Nathan, der ihm eine Parabel erzählt und ihm, der seine Schuld verbergen will, das entlarvende „Du bist der Mann!“ entgegenhält.

Wer berät die Kontrahenten, wer öffnet ihnen die Augen? Je größer die Macht, desto größer die Blindheit für die Realitäten? Horst Seehofer sollte sich den Ruhestand gönnen. Ein Hof am See wird sich im schönen Bayernland sicherlich finden. Er hat viel geschafft und viel erreicht. Wenn er jetzt nicht dankbar und entspannt geht, wird er in Verbitterung enden. Helmut Kohls trauriges Lebenszeugnis ist noch nicht vergessen. Horst Seehofer könnte den Unterschied machen.

Von: Jürgen Mette

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Thu, 05 Jul 2018 13:47:00 +0200
<![CDATA[Trauer um pro-Redakteur Moritz Breckner]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2018/07/05/trauer-um-pro-redakteur-moritz-breckner/ Moritz Breckner verstarb am Mittwoch, 4. Juli 2018, in der Uniklinik Gießen an den Folgen einer krankheitsbedingten, schwierigen Operation. Er wurde nur 32 Jahre alt.

Zum Christlichen Medienverbund KEP war Breckner im November 2010 als Volontär gekommen. Nachdem er sein zweijähriges Volontariat erfolgreich absolviert hatte, wurde Breckner als Redakteur für das Christliche Medienmagazin pro und für Israelnetz angestellt. 2014 übernahm er in der pro-Redaktion die Position des Chefs vom Dienst (CvD).

Geschäftsführer Christoph Irion sagte im Namen des Christlichen Medienverbundes KEP: „Wir sind unsagbar traurig. Moritz Breckner war nicht nur ein sehr fähiger, professioneller und verlässlicher Leistungsträger in unserer Mannschaft. Er war zudem als gläubiger Christ auch ein ausgesprochen profilierter, mutiger, zuweilen streitbarer, versierter junger Autor, der zugleich immer kollegial, dialogfähig und im menschlichen Umgang geradezu liebenswürdig war. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust für uns alle. Seiner Ehefrau und seinen Eltern gilt unser tiefstes Mitgefühl.“ Stefanie Ramsperger, Redaktionsleiterin von pro, sagte: „Mit Moritz Breckner haben wir unseren zuverlässigen Chef vom Dienst und hervorragenden Kommentator verloren. Seine konservative Stimme wird uns fehlen. Vielmehr aber noch sein freundliches, friedfertiges und loyales Wesen.“

Als leitendes Redaktionsmitglied recherchierte und schrieb Breckner vor allem Texte für das Christliche Medienmagazin pro und das Israelnetz Magazin sowie für die dazugehörigen Webseiten und Social-Media-Plattformen dieser Publikationen. Regelmäßig kommentierte er Themen des aktuellen Zeitgeschehens aus seiner christlichen Perspektive. Seine herausragenden thematischen Schwerpunkte lagen in den Bereichen Gesellschaftspolitik, Popkultur und Amerika. Als Reporter besuchte er zahlreiche Medien- und Kirchen-Events und berichtete unter anderem aus Israel. Vor Beginn seines Volontariats hatte Breckner, gefördert durch die Christliche Medienakademie des Christlichen Medienverbundes, erfolgreich an dem Projekt radio-starter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau teilgenommen.

Außerdem arbeitete Breckner regelmäßig im Presseteam des Christlichen Medienverbundes KEP mit und gestaltete in dieser Funktion maßgeblich die Pressearbeit des Ferienfestivals Spring und von mehreren Willow-Creek-Kongressen mit. Er hatte einen Magisterabschluss der Technischen Universität Darmstadt im Hauptfach Politikwissenschaft. Als Nebenfächer hatte er Amerikanistik und Evangelische Theologie studiert.

Von: pro

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Thu, 05 Jul 2018 13:38:00 +0200
<![CDATA[Verteidigungsministerium bekommt Orgel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/verteidigungsministerium-bekommt-orgel/ Das Bundesverteidigungsministerium in Berlin besitzt als erstes Ministerium in der Hauptstadt eine eigene Orgel in seinem Andachtsraum. Am Donnerstag wird das Instrument eingeweiht. Unter anderem wird Militärbischof Sigurd Rink dabei sein und eine Rede halten.

Die Orgel soll vor allem bei den regelmäßigen Gottesdiensten in der Kapelle eingesetzt werden. Die werden von Soldaten und Mitarbeitern des Ministeriums besucht – Protestanten wie Katholiken gemeinsam. Für Gewöhnlich hält sie der evangelische Militärdekan Peter Schmidt.

Die Gottesdienste sind Teil des Seelsorgeanspruchs, den Soldaten in Deutschland seit über 60 Jahren haben. Bislang waren sie lediglich von einem kleinen Klavier begleitet worden. Die neue Orgel ändert das.

Auch Bundestag hat eine Orgel

Gefertigt wurde sie von der Berliner Orgelbauerwerkstatt Karl Schuke. Laut einem Schreiben der Orgelbauer füge sich „das schlicht gestaltete Orgelgehäuse aus Eichenholz […] in die Raumarchitektur des Andachtsraum harmonisch ein“. Beim Stimmen der Orgel sei „großer Wert auf Wärme und Mischfähigkeit“ gelegt worden. Die Klaviatur der Orgel hat 54 Tasten.

Die Bonner Dienststelle des Bundesverteidigungsministeriums hat seit über 30 Jahren eine Orgel in ihrem Andachtsraum. Auch in der Kapelle des Bundestags ist eine zu finden.

Von: Martin Jockel

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Thu, 05 Jul 2018 12:53:00 +0200
<![CDATA[Gemeindeleitung von Willow Creek räumt eigene Fehler ein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/05/gemeindeleitung-von-willow-creek-raeumt-eigene-fehler-ein/ Seit einigen Monaten steht der Vorwurf im Raum, dass der frühere Hauptpastor der Willow-Creek-Gemeinde, Bill Hybels, Frauen sexuell belästigt haben soll. Jetzt haben sich die beiden Hauptpastoren von Hybels distanziert. Bei der Gemeinde und den Betroffenen entschuldigten sie sich auch für ihr eigenes Fehlverhalten.

Die Gemeindeleitung selbst hatte die Anschuldigungen lange als „haltlos und falsch“ bezeichnet. In einer aktuellen Stellungnahme heißt es nun jedoch, Hybels habe „Bereiche der Sünde“ betreten, die mit den Vorwürfen im Zusammenhang stünden. Die Gemeindeleitung bemühe sich, die Anschuldigungen so gut wie möglich aufzuklären.

„Wir entschuldigen uns und bitten die Beteiligten um Vergebung – auch für den unangemessenen Ton der ersten Stellungnahmen“, schreiben sie auf der Internetseite der Willow-Creek-Gemeinde. Die Frauen hätten Mut bewiesen, ihre Geschichte zu erzählen. Die Gemeindeältesten bedauern, dass sie Frauen der Lüge bezichtigt hätten. Man habe nicht demütig genug reagiert und bitte um Entschuldigung und Vergebung.

„Tut mir leid, dass ich Teil des Ganzen war“

Hauptpastorin Heather Larson bezeichnete die letzten Monate als äußerst schmerzhaft für die beteiligten Frauen. Sie entschuldigte sich, dass sie ein Teil des Ganzen gewesen sei. „Ich glaube, dass Bill Dinge getan hat, die diese Frauen verletzt haben“, sagte die Theologin. „Wir hätten zuhören sollen, anstatt eigene Stellungnahmen zu veröffentlichen.“ Die Frauen hätten mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit Mut bewiesen.

„Es tut mir leid, dass ich Dinge gesagt habe, die Menschen verletzt haben“, erklärte Larson. Sie wolle alles in ihrer Macht Stehende dafür tun, um die Dinge wieder zu richten. Sie arbeite hart daran, in der Gemeinde eine Kultur der Transparenz, der Gesundung und des Gedeihens zu etablieren. „Ich bete, dass Gott allen Betroffenen Heilung schenkt.“

Carter konnte Gnade und Vergebung erfahren

Ihr Kollege Steve Carter betonte, dass den Frauen, die sich öffentlich geäußert hätten, großes Unrecht widerfahren sei. Den Frauen Lüge vorzuwerfen, sei ein Fehler gewesen. Er habe mit vielen Betroffenen persönlich gesprochen und ihnen zugehört: „Ich danke Gott für die Möglichkeit, dass ich von den Beteiligten Gnade und Vergebung erfahren durfte. Ich erkenne an, dass ich daran nicht unschuldig bin.“

Er übernehme die volle Verantwortung für die Aktionen, die zu Ungerechtigkeiten gegenüber den Frauen geführt hätten. Im Nachhinein hätte er gerne mehr getan, um die verletzenden Aussagen, die gemacht wurden, zu verhindern. Das wäre ein biblischer Ansatz gewesen. Deswegen bitte er um Vergebung. Gemeinsam mit Larson und der Leitung arbeite er an den nächsten Schritten, die jetzt in dieser schwierigen Zeit zu gehen seien.

Bill Hybels hatte die Willow Creek-Gemeinde 1975 gegründet. Im April trat er wegen der Vorwürfe vorzeitig in den Ruhestand, bestreitet diese aber bislang. Aktuell besuchen etwa 25.000 Personen die Gottesdienste. Der 66-jährige Hybels ist seit 1974 mit Lynne verheiratet. Das Paar hat zwei erwachsene Kinder.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 05 Jul 2018 12:00:00 +0200
<![CDATA[Bußgeld: Eltern verbieten Kind Moscheebesuch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2018/07/05/bussgeld-eltern-verbieten-kind-moscheebesuch/ Die Eltern eines Schülers in Schleswig-Holstein müssen 50 Euro Bußgeld zahlen, weil sie ihrem Sohn 2016 einen Moscheebesuch im Rahmen des Schulunterrichts verboten haben. Das entschied das Amtsgericht Meldorf am Mittwoch in einem neu aufgerollten Prozess. Nach Ansicht der Richterin war der Besuch im Rahmen des Erdkundeunterrichts eines Gymnasiums in Rendsburg für die konfessionslosen Eltern zumutbar, wie ein Sprecher sagte. Zuvor hatten die „Kieler Nachrichten" über die Entscheidung berichtet.

Der Vater des damals 13 Jahren alten Schülers hatte Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid erhoben. Das Amtsgericht musste sich nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) erneut mit dem Fall befassen. In einem ersten Verfahren hatte das Amtsgericht das Bußgeldverfahren aus formalrechtlichen Gründen eingestellt, die aber nach Ansicht des OLG nicht zutrafen.

Nach Ansicht der Richterin handelte es sich bei dem kurzen Besuch im Juni 2016 nicht um Religionsunterricht, sagte der Sprecher. Es habe währenddessen keine Indoktrination und keine Werbung für den Islam gegeben. Die Richterin berief sich demnach bei ihrer Entscheidung am Mittwoch auf Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Von: dpa

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Thu, 05 Jul 2018 10:56:00 +0200
<![CDATA[„Falschnachrichten via WhatsApp können tödlich sein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/07/05/falschnachrichten-via-whatsapp-koennen-toedlich-sein/ Fünf Tote wegen einer Falschnachricht: In Indien kommt es derzeit immer wieder zu Fällen von Lynchjustiz – ausgelöst durch unwahre Informationen und Gerüchte, die über Kurznachrichtendienste wie WhatsApp und andere Soziale Medien schnelle Verbreitung finden. Erst am Sonntag wurden fünf Menschen im Distrikt Dhule im westindischen Maharashtra von einem Mob getötet, nachdem in den sozialen Netzwerken Gerüchte verbreitet worden waren, dass Kinderhändler in der Gegend seien. Das berichtet die indische Nachrichtenseite New Delhi Television (NDTV).

Eine Gruppe von 40 Personen habe die fünf Landarbeiter aus einem benachbarten Distrikt angegriffen, nachdem diese in einem Bus ankamen, heißt es in einem Beitrag von CNN. Fast 3.000 Menschen hätten das Geschehen umringt. In der Gegend kursierten in den vorherigen zehn bis 15 Tagen Nachrichten via WhatsApp, die die Anwohner vor angeblichen Entführern in Dhule warnten. Dieses Gerücht sahen die Angreifer als Fakt an und schlugen die fünf Fremden tot.

Zudem sind Anfang Juni zwei reisende Männer, die einen Ausflug in die Berge machen wollten, im nordöstlichen Assam von einem Mob zu Tode geprügelt worden. Man hielt sie für Mitglieder einer Entführerbande. Die über WhatsApp verbreitete Nachricht mit dem Gerücht entpuppte sich als frei erfunden.

Fehlende Medienkompetenz bei Dorfbewohnern

Seit Mai sind laut dem NDTV-Bericht mehr als ein Dutzend Menschen durch solches Vorgehen ums Leben gekommen. In vielen der Fälle seien Dorfbewohner involviert, von denen einige erstmals ein Smartphone benutzten, heißt es bei NDTV. So seien aktuell wiederholt unschuldige Personen Opfer von Angriffen geworden, weil die Angreifer den Gerüchten über Kinderhandelsringe oder Organhändler Glauben schenkten. Unbeteiligte würden fälschlicherweise beschuldigt und daraufhin verfolgt, geschlagen und sogar ermordet.

Der Geschäftsführer der christlichen Nichtregierungsorganisation International Justice Mission Deutschland (IJM), Dietmar Roller, erklärt im Gespräch mit pro: „Länder, in denen die mediale Infrastruktur bisher noch nicht so gut war, sind für solche Entwicklungen noch anfälliger als Länder, in denen sich die Menschen schon länger mit den neuen Medien auseinandersetzen. Plötzlich bekommen arme Menschen leichter Zugang zu Informationen.“ Das sei zunächst sehr positiv für sie.

Doch was machen Falschnachrichten im Kontext eines Gesellschaftssystems, das seine Bevölkerung in soziale Kasten einteilt, wie in Indien, Pakistan oder Bangladesch? „In einem armen Dorf, in dem man weit weg sitzt von jeglichem Nachrichtenstrom, ist eine Nachricht wie ,Hier sind Menschenhändler unterwegs, die wollen deine Niere‘, erst einmal ein riesiger Schock.“ Hinzu komme: „Wenn ich eine Information von jemandem bekomme, der mein Facebook- oder WhatsApp-Freund ist, ist der Wille, sie zu glauben, erst einmal größer“, erklärt der IJM-Geschäftsführer, der regelmäßig in Indien unterwegs ist. „Wenn es kein verlässliches Rechtssystem gibt, entwickelt sich eine Hysterie und die Menschen nehmen das Recht in die eigene Hand. Aus dieser Konstellation heraus kann sich eine Lynchjustiz entwickeln. Sie kann auch daraus entstanden sein, dass das Rechtssystem lange Zeit nicht funktioniert hat.“

„WhatsApp-Nation Indien“

„In Ländern Südasiens, etwa in Indien, aber auch zum Teil in Afrika kann die Maschinerie falscher Nachrichten tödlich sein. Sie kann im Extremfall dazu führen, dass Empfänger die Nachricht nicht reflektieren, und dass Menschen andere Menschen umbringen“, erklärt Roller. Er kennt das Phänomen auch aus anderen Kontexten etwa in Kenia oder Tansania, zum Beispiel beim Thema Hexerei. Wenn einer alten Frau nachgesagt werde, sie sei eine Hexe, werde sie verfolgt und getötet. Dieser Mechanismus beginne mit mündlich verbreiteten Gerüchten. Dann nehme es jemand aus diesem Kontext auf und gebe es per WhatsApp weiter. Roller spricht von einem „Hochkochen der ganzen Kommunikation“. Nun redeten nicht mehr nur zwei, drei Menschen über das Gerücht, sondern 200, 300 Menschen im Umfeld des Senders. „Dann entsteht daraus ein Wirbelsturm.“

Das bevölkerungsreiche Indien mit rund 1,3 Milliarden Einwohnern ist der größte Markt für WhatsApp. Rund 200 Millionen Bürger nutzen den Kurznachrichtendienst. Manche Experten sprechen von dem Land als „WhatsApp-Nation“. Die Polizei in Indien gab bekannt, dass sie derzeit damit beschäftigt ist, gegen das Phänomen der Falschnachrichten vorzugehen. „Wir versuchen, der Fehlinformation durch offensive Kampagnen in den Sozialen Medien, über WhatsApp und lokale Fernsehsender entgegenzuwirken“, erklärte der Polizeipräsident im Distrikt Dhule laut NDTV.

Auch versuche die Polizei in manchen Distrikten vor Ort mit Megafon oder auch über die Sozialen Medien, die Bürger aufzuklären und Falschinformationen zu benennen. Im indischen Bundesstaat Tripura wurde allerdings ein Mann getötet, den die Verwaltung geschickt hatte, um über Lautsprecher über Gerüchte aufzuklären. Das berichtete der amerikanische Sender CNN.

Kirchen können Medienkompetenz lehren

Der Kurznachrichtendienst WhatsApp bemühe sich nun, die Verbreitung weitergeleiteter unerwünschter Nachrichten in Chats zu reduzieren, erklärte laut NDTV Carl Woog, ein Sprecher des zu Facebook gehörenden Unternehmens. „Wir arbeiten mit einer Reihe von Organisationen zusammen, um die Medienkompetenz zu verbessern, damit die Menschen wissen, wie man kursierende falsche Nachrichten und Täuschungen entdeckt.“

IJM-Geschäftsführer Roller sagt, die Frage „Wie gehe ich mit Medien um?“ müsse auch für arme Menschen ins Blickfeld geraten. Da, wo christliche Kirchen aktiv sind, könne es auch eine Arbeit zur Bildung und Förderung der Medienkompetenz geben. Kirchen und Gemeinden müssten sich damit auseinandersetzen, wie sie dieses Thema und den Umgang mit digitalen Medien in den Blick nehmen.

Das eigentliche Problem liegt nach Ansicht von Roller aber tiefer: Die Opfer dieser Angriffe seien „arme Menschen in ihrem Umfeld, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind und die in eine Hysterie hineinkommen, fälschlicherweise beschuldigt werden und dann umkommen“. Deshalb sei es wichtig, dass das Rechtssystem auch für Arme funktioniere. „Jeder Mensch muss Zugang zum Rechtssystem haben. Es muss schnell funktionieren für alle Menschen.“

Von: Martina Blatt

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Thu, 05 Jul 2018 10:42:00 +0200
<![CDATA[Katholischer Filmpreis für Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/07/05/katholischer-filmpreis-fuer-dokumentarfilm-of-fathers-and-sons/ Der Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons" (Von Vätern und Söhnen) von Regisseur Talal Derki ist am Mittwoch in München mit dem katholischen Fritz-Gerlich-Filmpreis ausgezeichnet worden. Der Film zeigt das Leben einer radikal-islamischen Familie in Syrien.

Talal Derki gelinge es mit seiner Dokumentation Einblick in eine Welt und deren Lebensweise zu geben, die sonst verschlossen blieben, begründet die Jury die Auszeichnung des Films. Derki berichte „unter Einsatz seines eigenen Lebens aus einem totalitären System". Talal Derki ist in Damaskus geboren, studierte in Athen und lebt heute in Berlin.

Einblicke in eine hermetische Welt

Für „Of Fathers and Sons" kehrte er für zwei Jahre in sein Heimatland zurück und lebte dort bei der radikal islamistischen Familie von Abu Osama. Aus einer unmittelbar subjektiven Perspektive dokumentiere Derki die Gewalt in dieser „hermetischen Welt". Besonders die nicht sichtbare Gewalt hinterlasse nach Ansicht der Jury einen tiefen Eindruck und erschreckende Bilder im Kopf des Zuschauers. Nach Auffassung der Jury verdient „der besondere filmische und couragierte Zugriff" die Auszeichnung mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis 2018.

Namensgeber des Filmpreises ist der Münchner Publizist Fritz Gerlich, der als Herausgeber der Zeitschrift „Der gerade Weg“ und als katholischer Christ erklärter Gegner des Nationalsozialismus war und dafür 1934 im Alter von 51 Jahren von den Nazis im KZ Dachau ermordet wurde. Der Fritz-Gerlich-Filmpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der TELLUX Beteiligungsgesellschaft München gestiftet, in Kooperation mit der Erzdiözese München und Freising und dem Internationalen Filmfest München.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 05 Jul 2018 10:36:00 +0200
<![CDATA[EKBO stellt Digitalen Klingelbeutel vor]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/07/04/ekbo-stellt-digitalen-klingelbeutel-vor/ Der Klingelbeutel wird bald nicht mehr nur klingeln, sondern auch piepsen. In Zukunft wird es in Gottesdiensten möglich sein, per Girokarte etwas zur Kollekte beizusteuern – zumindest in denen der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Die hat das Patent auf den Digitalen Klingelbeutel beim Deutschen Patentamt angemeldet.

Nun stellte die EKBO den Digitalen Klingelbeutel in Berlin vor. Er ist gestaltet wie ein herkömmlicher Kollektenbeutel – abgesehen von einem Kartenlesegerät, das in den Griff integriert ist. Die Technik funktioniere kontaktlos und ohne die störende Eingabe einer PIN, heißt es in der Presseerklärung der Kirche. „Damit fügt sich der Digitale Klingelbeutel nahtlos in die bestehende Liturgie ein.“

Das Sammeln der Kollekte gehöre zum Gottesdienst, weil dadurch die Fürbitte konkret werde, betonte EKBO-Bischof Markus Dröge. „Ich freue mich sehr, dass unser IT-Referat, das schon länger an einer Lösung arbeitet, jetzt einen technischen Prototyp vorstellen kann, der bereits zum Patent angemeldet worden ist.“

Weitere bargeldlose Verfahren geplant

Leiter des IT-Referats des Konsistoriums ist Fabian Kraetschmer. Er erklärte, für die Entwicklung des Digitalen Klingelbeutels habe es zwei ausschlaggebende Gründe gegeben: „Einerseits die zunehmende Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der Gesellschaft. Andererseits die zunehmenden Schwierigkeiten, Bargeld bei Banken abzugeben.“ Gerade in ländlichen Gegenden sei das Einzahlen von Bargeld so aufwändig, dass ein erheblicher Teil der Kollekte dabei verlorengehe, etwa durch Einzahlungsgebühren oder Fahrtkosten.

Um das zu verhindern, arbeitet die EKBO für die digitalen Kollekten mit der Evangelischen Bank zusammen. Ihr Vorstandsvorsitzender Thomas Katzenmayer betonte, das Projekt beweise, dass sowohl Evangelische Kirche als auch Evangelische Bank gegenüber Neuem aufgeschlossen seien. Beide „verbinden Tradition und Moderne auf überzeugende, nutzerfreundliche und sichere Weise“.

Ab Dezember solle der Klingelbeutel in Gottesdiensten verwendet werden. Er sei Teil eines „umfassenden Konzepts der Digitalen Kollekte“, das künftig deutschlandweit zum Einsatz kommen solle, heißt es in der Presseerklärung. Auch eine Kollekten-App und Stationen zum bargeldlosen Spenden an Kirchenausgängen seien in Entwicklung.

Von: Martin Jockel

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Wed, 04 Jul 2018 16:59:00 +0200
<![CDATA[Stern: Bibel gehört zu Allgemeinwissen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/07/04/stern-bibel-gehoert-zu-allgemeinwissen/ Bibelwissen ist Allgemeinwissen – zumindest wenn man die Redaktion des Wochenmagazins Stern fragt. Die in Hamburg herausgegebene Illustrierte testet in der aktuellen Ausgabe das Allgemeinwissen ihrer Leser.

Das Quiz besteht aus 55 Fragen auf sechs Seiten. Davon haben acht mit Religion insgesamt, sechs mit Christentum und Kirche zu tun. Die anderen beiden Fragen betreffen den Islam.

So wird etwa nach den Namen der vier Evangelisten gefragt, oder danach, was auf den Satzanfang „Wer von euch ohne Sünde ist…“ folgt. Im säkularen Bereich wird man Fragen unter anderem zu Geschichte, Kunst, Philosophie und Literatur konfrontiert. Etwa: „Welcher deutsche Schauspieler erhielt 1929 den Oscar?"

Von: Martin Jockel

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Wed, 04 Jul 2018 15:28:00 +0200
<![CDATA[Ritz-Carlton-Gründer: Ultra-Luxus und Jesus Christus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/07/04/ritz-carlton-gruender-ultra-luxus-und-jesus-christus/ Seine Frau weigert sich, mit ihm in seinen eigenen Hotels Essen zu gehen. Denn Horst Schulze kann die Arbeit nicht einfach Arbeit sein lassen. Dafür legt er zu viel Wert auf den perfekten Service – in diesem Fall darauf, nicht zu lange auf die einzelnen Gänge warten zu müssen. Es ist schon vorgekommen, dass er in die Hotelküche stürmte und den Angestellten erklärte, dass die Geschäftsleute unter den Gästen nie wieder kommen werden.

Schulze wurde schon als „Welthotelier“ ausgezeichnet. Der Internationale Touristikverband Hotel & Travel worldwide kürte ihn im Jahr 2002 zum bedeutendsten Hotelier aller Zeiten. Und der damalige US-Präsident George W. Bush verlieh ihm in den Neunzigern den „Malcom Baldrige National Quality Award“, die höchste Qualitätsauszeichnung in den USA. Der Preis wird auch „Wirtschafts-Oscar“ genannt.

Der heute 80-Jährige gründete 1983 die Ritz-Carlton-Hotels und war lange Zeit deren Vorstandsvorsitzender, bevor er 2002 mit der Ultraluxus-Marke Capella nochmals eine neue Hotelkette startete. Denn der Ruhestand war nichts für ihn. Gerade einmal ein Wochenende hielt er das Rentnerleben nach dem Verkauf seiner Ritz-Carlton-Anteile durch, bevor er zu seiner Frau sagte: „Ich mache es nochmal.“ Acht Hotels gehören weltweit zu Capella, in Deutschland ist es der Breidenbacher Hof in Düsseldorf.

Schulzes Lebenslauf liest sich wie der amerikanische Traum „vom Tellerwäscher zum Millionär“. Dabei ist er gar kein Amerikaner – auch wenn sein Akzent mittlerweile so klingt. Er rollt das „R“ wie es jeder Amerikaner tun würde, der Deutsch spricht. In Winningen an der Mosel in den Dreißigerjahren geboren, begann er mit 14 Jahren eine Kellnerlehre im Kurhotel Bad Neuenahr. Die Branche faszinierte ihn, schon als Kind wusste er, dass er dort arbeiten wollte. In den folgenden Jahren heuerte er in den führenden Hotels Europas als Kellnerlehrling, Kochlehrling und -gehilfe an. Auch wenn er in Luxushotels wie dem Bourgeoise Palast Lausanne, dem Bellevue Palast in Bern und im Savoy Hotel in London arbeitete – sein eigenes Leben war zunächst alles anderes als luxuriös. „Ich habe in Paris in Zimmern gelebt – das können Sie sich nicht vorstellen“, sagt er heute. „Ich weiß, was Luxus ist, und ich weiß, was Armut ist.“ Er wisse auch um jeden Job seiner Angestellten und die damit einhergehenden Herausforderungen, „denn ich habe sie alle selbst ausgeübt“. Vielleicht versucht Schulze deshalb, auf dem Boden zu bleiben. Auch wenn Geld jetzt keine Rolle mehr spielt, vermeidet er im Privaten allzu viel Luxus. Es sei sehr leicht, sich an ein Luxusleben zu gewöhnen, aber auch gefährlich, sagt er. „Wir leben ein relativ normales Leben.“ Der Hotelier ist Vater von vier Töchtern. Zu Hause gebe es keinen Butler oder ähnliche Annehmlichkeiten, die in seinen Hotels zum Standard gehören.

Wenn Schulze von seinen Hotels erzählt, ist er in seinem Element. Er gestikuliert viel und sprüht förmlich vor Begeisterung. Er mag den Begriff „Arbeit“ auch nicht. Er spricht viel lieber vom „Erschaffen“. Man solle nicht arbeiten gehen, um eine Funktion zu erfüllen. „Alles, was ich mache, mache ich, um ein Ziel zu erreichen“, sagt er.

„Jeder weiß, dass ich ein Christ bin“

Das vermittelt er auch seinen Mitarbeitern. In seinen Hotels würden nicht einfach Bewerber eingestellt. „Wir suchen Mitarbeiter aus, die Talent haben.“ Das Prinzip gilt für ihn vom Zimmermädchen bis zum Hotelmanager. „Wir sagen unseren Mitarbeitern: ‚Kommt, um an unseren Träumen teilzunehmen.‘“ Dabei macht er eine ausholende Geste. In diesem Moment ist er ganz der amerikanische Selfmade-Man. Der Hotelier ist überzeugt: Wer sich zugehörig fühlt und auch wer Wertschätzung erfährt, der leis-tet die bessere Arbeit.

Christliche Werte zu leben ist für Schulze ein Grundprinzip. Denn der Hotelier ist gläubig und will das auch als Unternehmer repräsentieren. Er hänge den Glauben zwar nicht an die „große Glocke“, aber „jeder weiß, dass ich ein Christ bin“. Sei es in seinen Hotels in Asien, im Mittleren Osten, in Amerika oder Deutschland. „Den Menschen zu achten, ist das Größte als Christ“, sagt er. Jeder Mensch sei von Gott geschaffen. Deshalb dürfe niemand behaupten, dass er besser als jemand anderer sei. Schulze erklärt das mit Nachdruck und ernstem Blick. Er war es auch, der den Satz „We are Ladies and Gentlemen serving Ladies and Gentlemen“ prägte, der mittlerweile in jedem Hotelfachbuch zu finden ist. Mitarbeiter dürfen nicht wie Leibeigene behandelt werden, heißt das. Auch wie er mit seinen Gästen umgeht, leitet er aus christlichen Prinzipien ab: „Wenn ein Gast kommt, behandele den Gast, als ob es Jesus selbst wäre.“ Diesen Spruch des Heiligen Benedikt hat sich Schulze zu eigen gemacht. Er findet: „Das ist Service.“

Mit braunem Reis und Seetang gegen Krebs

Vielleicht hat er deshalb den Anspruch, immer besser zu werden. Schulze ist kein Mensch, der sich auf seinem Erfolg ausruht. Gut ist für ihn nicht gut genug. „Ich will die Gold- und nicht die Silbermedaille“, sagte er einmal. Und über Service­leistungen in der Ultraluxus-Klasse: „Ein Nein ist eine Todsünde.“ Wenn einer der Gäste Sex suche, werde allerdings „höflich auf die Gelben Seiten“ verwiesen. „Wir sind keine Escort-Agentur“, sagt der Hotelier.

Er ist kein Aufgeber-Typ. Vor vielen Jahren wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert. Die Ärzte gaben Schulze nur noch wenige Monate zu leben. Doch der Unternehmer nahm sein Schicksal nicht einfach hin. Er suchte aktiv nach Behandlungs-Alternativen und fand sie schließlich bei einem Japaner, der auf makrobiotische Diäten spezialisiert war. Zwei Freunde hatten ihm unabhängig voneinander davon erzählt. Für Schulze als Gläubigen war das ein Zeichen. Zwei Jahre lang ernährte er sich ausschließlich von braunem Reis, Seetang, Tofu und Wasser. Kein Salz, keine Gewürze. Der Krebs verschwand und kam nie wieder.

Mehr Zeit zum Fischen

Ultra-Luxus, den er mit seinen Capella-Hotels anstrebt, bedeutet nicht unbedingt Pomp und Marmor. Das gebe es natürlich auch, weil die Gäste es häufig von zu Hause gewohnt seien. „Wirklicher Luxus heißt aber, dass wir den Gast so behandeln, wie er behandelt werden will.“ Schulze betont die „Selbstbestimmung“. In seinen Hotels gibt es keine festen Zeiten zum Ein- oder Aus- checken. Alles ist zu jeder Uhrzeit möglich. Ein Geschäftsmann, der durchgängig reist, müsse zum Beispiel nach seinem 28-stündigen Flug alles auf ihn zugeschnitten vorfinden. „Dieser Mensch, der dauernd arbeitet, kann es sich nicht leis-ten, in ein Hotel zu gehen, in dem nicht alles perfekt ist.“

Schulze weiß, wovon er spricht. Noch bis vor Kurzem jettete er 200 Tage im Jahr um den Globus. Mittlerweile versucht er, alles etwas langsamer zu machen – zumindest für seine Verhältnisse. Seine Anteile an Capella hat er jüngst verkauft. Er arbeitet immer noch viel, ist in verschiedenen Vorständen und reist, um Vorträge zu halten. Es sei aber nicht mehr ganz so viel wie früher. Schließlich sei er jetzt 80 Jahre alt, da müsse man langsamer machen. „Ich bin jetzt mehr zu Hause mit der Frau, in die ich verliebt bin“, sagt er über seine Ehefrau und lächelt. Zu Hause, das ist derzeit in Atlanta. Da hat Schulze ein Haus, in dem auch seine Töchter aufwuchsen. Wahrscheinlich ist er jetzt auch öfter in seinem Strandhaus in Florida und fährt zum Fischen raus. Aber das hatte er auch nach seinem Abschied aus dem Ritz-Carlton vor ...

Dieser Text ist in der Ausgabe 3/2018 des Christlichen Medienmagazins pro erschienen. Bestellen Sie pro kostenlos hier.

Von: Swanhild Zacharias

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Wed, 04 Jul 2018 10:31:00 +0200
<![CDATA[John Malkovich übernimmt Rolle in „The New Pope"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/07/03/john-malkovich-uebernimmt-rolle-in-the-new-pope/ Der US-amerikanische Schauspieler John Malkovich wird eine Rolle in der Serie „The New Pope“ (Der neue Papst) übernehmen. Das hat der Sender Sky Deutschland am Montag in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Das Papstdrama ist eine Gemeinschaftsproduktion von Sky Italien, dem amerikanischen Sender HBO und dem französischen „Canal+“. Es ist der Nachfolger von „The Young Pope“ (Der junge Papst) – einer zehnteiligen, von der Kritik gelobten Miniserie von 2016 über den ersten Amerikaner, der Papst wird.

Malkovich wird sich in der Fortsetzung der Besetzung rund um den britischen Schauspieler Jude Law anschließen. Der spielte beim Vorgänger die Hauptrolle des namensgebenden „Young Pope“ – den fiktiven Pius XIII. Ob Pius auch in „The New Pope“ die Hauptperson sein wird, oder ob gar Malkovich den neuen Protagonisten gibt, ist noch unklar. Zu Malkovichs Rolle machte Sky bislang keine Angaben. Sowohl Malkovich als auch Law wurden bereits für zwei Oscars nominiert.

Wie schon bei der Vorgängerserie wird Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino die kreative Führung der Produktion übernehmen. Der 48-jährige Italiener schrieb das Drehbuch und wird Regie führen. Die Dreharbeiten für „The New Pope“ sollen im November 2018 in Italien anlaufen.

Vorgängerserie über einen widersprüchlichen Papst

Die Vorgängerserie „The Young Pope“ kam bei den Kritikern gut an. Die „New York Times“ etwa betitelte ihre Rezension: „‚The Young Pope‘ ist wunderschön und lächerlich“. Schön sei an der Serie ihre Bildgewalt und die Faszination der Religion, lächerlich das teils stark überzeichnete Handlungsgerüst der Serie. Doch genau diese Überzeichnung mache den Reiz aus.

Denn die Hauptfigur Pius XIII. – mit bürgerlichem Namen Lenny Belardo – ist ein Mann der Widersprüche. „Wie Gott: Drei in einem, einer in dreien“, beschreibt er sich selbst im offiziellen Trailer von „The Young Pope". Belardo ist gefangen zwischen Tradition und Moderne. Er ist jung für einen Papst, raucht Kette, liebt Kirsch-Cola und die Popkultur. Aber er ist auch rücksichtslos konservativ. Seine Begrüßungsrede auf dem Petersplatz beginnt er mit einer Anschuldigung an die Gläubigen: „Ihr habt Gott vergessen“. Mit Ökumene und Wohlfühl-Katholizismus sei nun Schluss.

Außerdem hat dieser Papst eine tyrannische Ader. Er droht politischen Gegnern mit Exkommunikation und nötigt Priester, das Beichtgeheimnis zu brechen. Als seinen „Consigliere“, seinen Chefberater, installiert er gegen den Willen der Kurie Schwester Mary (gespielt von Diane Keaton) die Nonne, die ihn, einen Waisen, großgezogen hat. Ein Großteil der Serie dreht sich um Machtkämpfe.

So erntete die Serie katholischerseits auch Kritik. Die vatikanische Zeitung „L’Osservatore“ etwa bewertete sie zwar insgesamt positiv, nannte die Art und Weise, wie die Serie den Kirchenstaat darstellt, aber auch „ätzend“ und „grotesk“.

Von: Martin Jockel

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Tue, 03 Jul 2018 15:28:00 +0200
<![CDATA[Kritiker warnt vor „Krawatten-Islamisten“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/07/03/kritiker-warnt-vor-krawatten-islamisten/ Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil]]> Die Integration der Muslime als Gesamtheit ist gescheitert. Dieses ernüchternde Fazit zieht der Autor Hamed Abdel-Samad in seinem Buch „Integration: Ein Protokoll des Scheiterns“. Trotz aller Rückschläge hofft er, dass die Wende gelingt und ein gesellschaftliches Umdenken stattfindet. Dafür entwirft er einen neuen „Marshallplan" für gelingende Integration. Dieser hatte Deutschland durch finanzielle Zuwendungen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf die Beine geholfen.

Abdel-Samad stört, dass konservative Muslime lauter zu hören seien als alle anderen. Zwar seien Bildung und Sprachkompetenz wichtige Vorraussetzungen für Integration. Trotzdem sagten diese Fähigkeiten nichts darüber aus, ob jemand westliche Werte ablehne oder gar verachte oder sich, wie bei den Anschlägen am 11. September, gar als Mörder entpuppe. Integration ist für Abdel-Samad keine Einbahnstraße. Damit sie gelingen kann, müssten beide Seiten etwas tun. Dafür wiederum sei eine ehrliche Analyse notwendig. Äußere Bedrohungen wollten das zerstören, was Deutschland ausmache.

Ghettos verhindern Integration

Der Autor nimmt Angst und gegenseitige Skepsis wahr, die so groß sei wie nie zuvor. Seit seiner Ankunft in Deutschland in den neunziger Jahren habe er Migration immer dann als erfolgreich erlebt, wenn Eltern der Einwanderer den Weg ihrer Kinder in die Freiheit nicht versperrten und Integrationswillige eine deutsche Bezugsperson hatten.

Als ein Grundübel für gescheiterte Integration nennt er die Ghettoisierung der Städte. In vielen von ihnen habe er erlebt, dass die Politik kein Gegenmittel finde. Wirkliche Ansatzpunkte zum Gegensteuern sieht er nicht. Heftige Kritik äußert er auch am Erstarken des politischen Islam. Skeptisch sieht er vor allem die Moscheen, die als Einfallstor dienen könnten. Ohne Fortschritte bleibe auch die Debatte um das Kopftuch. Für viele Islam-Kritiker habe dies nichts mit Freiheit oder Feminismus zu tun und entspreche nicht der Botschaft der Freiheit oder des Gehorsams.

Pädagogische Konzepte notwendig

Einen weiteren Knackpunkt für das Scheitern der Integration erkennt der Autor in der Bildungspolitik. Es gebe Schüler, die sich nicht anpassen und Lehrer, die keine Integrationsarbeit leisten wollten. An Schulen und Kindergärten werde viel Potenzial verschenkt. Schon hier könnte man Kindern beibringen, dass sich Kulturen gegenseitig befruchten und nicht in Konkurrenz zueinander stünden. Das dort entstehende Vakuum füllten andere radikalere Kräfte. Deswegen brauche es pädagogische Konzepte.

Besonders im Blick hat er dabei die Menschen, die er als „Krawatten-Islamisten“ bezeichnet, weil sie nicht auf Anhieb als Islamisten erkennbar seien. Diese bemühten sich, den politischen Islam in Europa salonfähig zu machen und den Islamismus zu relativieren. Viele Muslime genössen die Vorzüge der Freiheit und des Wohlstandes. Sie und ihre Religion seien hier aber immer noch fremd und exotisch.

Abdel-Samad sorgt sich darum, dass die Radikalen auf beiden Seiten immer stärker würden. Er warnt davor, den Individualismus zugunsten eines imaginären Kollektivs aufzugeben. Vor allem die Menschen an den Rändern der Gesellschaft sehnten sich nach starken Autoritäten. Noch sei die Mitte der Gesellschaft größer als die Ränder, aber die Mitte werde in der gesellschaftlichen Debatte immer sprachloser. Oft werde auch eine ehrliche Debatte über den Status quo verhindert.

Hausaufgaben für die Gesellschaft

Die Tatsache, dass die Politik die konservativen Islamverbände weiterhin als Partner betrachte, weil sie angeblich die Mehrzahl der Muslime vertrete, ist für den Autor ein fatales Signal. In der Flüchtlingskrise vermisste er eine sachliche Analyse ohne Denkverbote. Die Gesellschaft betreibe erneut – wie bei den Gastarbeitern – Segregation und lasse Parallelgesellschaften zu.

Jedem einzelnen gesellschaftlichen Akteur schreibt Abdel-Samad in Form von Appellen Hausaufgaben ins Stammbuch: dem Staat, der Justiz, den Schulen, den Rändern der Gesellschaft und der Zivilgesellschaft. Er wünscht sich eine neue Werte-Debatte. Deutschland befinde sich gerade an einer entscheidenden Wegkreuzung. Jetzt sei es an der Zeit, sich an die Ursachen zu wagen und nicht nur an den Symptomen herumzudoktern. Ein „Aufstand der Anständigen" sei an der Zeit. Wenn dieser jetzt nicht umgesetzt werde, zeichnet Abdel-Samad ein düsteres Bild für Deutschland. Dann bestimmten Skepsis, Hass und Aggresivität den politischen Diskurs und das Zusammenleben.

Abdel-Samads Buch ist eine ehrliche Analyse einer aus seiner Sicht gescheiterten Integrationspolitik. Vieles davon ist nicht neu und er wiederholt seine Argumente vorheriger Bücher gebetsmühlenartig, aber vielleicht verknüpft er damit den Wunsch, dass steter Tropfen den Stein höhlt. Eine lesenswerte Lektüre ist das Buch allemal, bietet es doch Ansatzpunkte, die sich auf alle gesellschaftlichen Schichten beziehen.

Hamed Abdel-Samad, Integration: Ein Protokoll des Scheiterns, Droemer und Knaur, 272 Seiten ISBN: 9783426277393, 19,99 Euro.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 03 Jul 2018 15:26:00 +0200