Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Wed, 20 Nov 2019 00:58:28 +0100 <![CDATA[Medienkonsum wirkt sich auf Sprachvermögen aus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2019/11/18/medienkonsum-wirkt-sich-auf-sprachvermoegen-aus/ Kinder, die sich häufig mit digitalen Medien wie Handys und Tablets beschäftigen, haben sichtbare Defizite in der Hirnentwicklung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern am Cincinnati Children’s Hospital Medical Center. Der Kinderarzt John Hutten hat 47 Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren untersucht.

Die Kinder stammten aus der Ober- und Mittelschicht. Zunächst mussten die Eltern angeben, wie viel Zeit ihre Kinder vor den Bildschirmen verbringen. Laut der Tageszeitung Die Welt bewerteten die Forscher mit einem Punktesystem, wie sich die Eltern an die Empfehlung der Vereinigung amerikanischer Kinderärzte gehalten haben. Die empfehlen, dass Kinder bis zum 18 Monat gar keinen Fernseher oder Apps nutzen und Zwei- bis Fünfjährige höchstens für eine Stunde. Gemeinsame Mahlzeiten sollten ebenso medienfrei sein.

Anschließend haben die Forscher die „weiße Substanz“ im Gehirn der Kinder gemessen. Diese verbindet die Hirnregionen miteinander. Wenn die Hirnbahnen gut mit der weißen Substanz Myelin isoliert sind, entwickeln Kinder eine gute Sprachfähigkeit. Je weniger sich die Eltern an die Empfehlung zur Mediennutzung der Kinder gehalten haben, desto größer waren deren Defizite. Dies betraf vor allem den Bereich, in dem sich Sprache entwickelt. Die Kinder schnitten in Sprachtests schlechter ab.

„Studienergebnis ist eine Momentaufnahme“

Hutten betont, dass die jetzigen Kinder binnen einer Generation digitalisiert worden seien. Seine Studie frage danach, ob die Bildschirmnutzung eine optimale Stimulation während der Pause der frühen Hirnentwicklung verhindere. Die Studie sei eine Momentaufnahme und beweise noch nicht, ob die Mediennutzung wirklich die Ursache der beobachteten Defizite gewesen sei und ob sie langfristige Auswirkungen hätten.

Die Welt zitiert den Braunschweiger Wissenschaftler Martin Korte. Er weist darauf hin, dass Kinder, „die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, weniger selbst sprechen und weniger dem Sprechen anderer lauschten“. Der Neurobiologe empfiehlt den Eltern, sich selbst mit ihren Kindern zu bewegen und Sport zu treiben. Korte sieht für Kinder „keine Notwendigkeit von Bildschirmzeit“. Mögliche Defizite würden Kinder schnell wieder aufholen.

„Die Dosis macht das Gift“

Deutsche Ärzte raten dazu, bei Kindern unter drei Jahren keine Bildschirmmedien einzusetzen. Für Korte kommt es auf die Art der Nutzung an: „Die Dosis macht das Gift und das gilt auch für digitale Medien“, zitiert ihn die Die Welt. Christian Montag, Psychologe an der Universität Ulm, wünscht sich mehr Forschungen für diesen Bereich. Die amerikanische Studie lasse keinen Aufschluss über den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu. Unklar sei, ob es sich um direkte oder indirekte Effekte handele. Eltern müssten ihre Kinder ansehen, wenn sie mit ihnen sprächen, statt auf das Smartphone zu schauen.

Der Präsident des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) Thomas Fischbach hatte Anfang November in der Neuen Osnabrücker Zeitung gefordert, dass Kinder erst ab 11 Jahren ein Handy nutzen sollten.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 18 Nov 2019 15:45:00 +0100
<![CDATA[Ed Sheeran will eigene Kirche bauen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/11/18/ed-sheeran-will-eigene-kirche-bauen/ Der 28-jährige erfolgreiche SängerEd Sheeran besitzt ein Anwesen bei der Ortschaft Framlingham in Suffolk. Zu dem Grundstück des Musikers, dessen Vermögen auf rund 200 Millionen Euro geschätzt wird, gehören ein Badesee und mehrere Häuser, darin sind unter anderem ein Musikstudio und ein Kino untergebracht. Ein Tunnel verbindet das Haupthaus mit einer ehemaligen Scheune, die in eine Bar umgebaut wurde. Nun will der Millionär sein Anwesen erweitern. Geplant sind ein weiterer Grillplatz, ein Obstgarten sowie eine Pferdekoppel. Auch eine Kirche soll auf dem Anwesen entstehen, das auch „Sheeranville“ genannt wird.

Das berichtet die britische Tageszeitung Daily Mail. Das zweistöckige Gebäude soll die Form eines Bootes haben und einerseits als „Rückzugsort für Gebet“ dienen, andererseits sollen darin Hochzeiten und Taufen für Freunde und Familie stattfinden. Dies hat Sheeran in einem Antrag bei der lokalen Gemeinde geschrieben.

Wenig bekannt über den Glaubern des Sängers

Der Gemeinderat teilte mir, Hochzeiten könnten darin nur dann abgehalten werden, wenn das Gebäude für mindestens drei Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich sei.

Der Sänger Ed Sheeran wuchs in der Gegen auf, in Framlingham in Suffolk. Die Großeltern väterlicherseits stammen aus Irland. Sheeran sagte einmal, sein Vater komme aus einer katholischen Familie. Sheeran sang als Kind im Kirchenchor.

Das Magazin World Religion News schreibt: „Das Gebäude soll zwar eine Kirche werden, aber eine ohne Denomination. Aber auch wenn es eine christliche Kirche sein soll, heißt das nicht, dass sie nur für Christen sein soll.“ Weiter heißt es: „Man nimmt gemeinhin an, dass Ed Sheeran Christ ist, aber der Sänger behält für gewöhnlich Stillschweigen über seine religiösen Ansichten.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 18 Nov 2019 15:27:00 +0100
<![CDATA[Beten und Bier brauen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2019/11/18/beten-und-bier-brauen/ Normalerweise wollen Trappisten ihre Ruhe haben. Seit 130 Jahren gibt es diesen Orden, der sich, wie viele andere Mönchsorden auf die Benediktregeln bezieht, also die Richtlinien von Benedikt von Nursia (480–547) dazu, wie gläubige Menschen abgeschieden von der Welt zusammenleben sollten. In Deutschland heißen die Trappisten Zis-terzienser. Der in französischsprachigen Ländern gebräuchliche Begriff Trappisten geht zurück auf das Zisterzienserkloster La Trappe in Nordfrankreich. Die Mönche verdienen in der Regel ihren Lebensunterhalt durch ein eigenes Handwerk, das sie entwickelt haben. Das kann Käse sein, ein gutes Brot oder Likör. Wenn ein gutes Trappisten-Produkt bei den Leuten außerhalb der Klostermauern bei den Bürgern gut ankommt, können die Mönche gut davon leben.

Bei den Mönchen des Klosters Sint Sixtus in Nordbelgien läuft es nicht nur gut. Seit dem Jahr 2005 rennen die Menschen den Mönchen regelrecht die Bude ein. Das kam so: In jenem Jahr stufte die amerikanische Webseite RateBeer.com, auf der Biere international bewertet werden, das Bier „Westvleteren“ von der Abtei Sint Sixtus auf Platz eins. „Das beste Bier der Welt“ ist ein Label, das seitdem dem Bier aus dem kleinen belgischen Kloster anhängt. Niemand dort würde dies als Werbespruch verwenden. Aber was einmal in der Welt war, gehörte seitdem wie selbstverständlich zum Bier der Mönche dazu.

Bei den Mönchen des Klosters Sint Sixtus in Nordbelgien läuft es nicht nur gut. Seit dem Jahr 2005 rennen die Menschen den Mönchen regelrecht die Bude ein. Das kam so: In jenem Jahr stufte die amerikanische Webseite RateBeer.com, auf der Biere international bewertet werden, das Bier „Westvleteren“ von der Abtei Sint Sixtus auf Platz eins. „Das beste Bier der Welt“ ist ein Label, das seitdem dem Bier aus dem kleinen belgischen Kloster anhängt. Niemand dort würde dies als Werbespruch verwenden. Aber was einmal in der Welt war, gehörte seitdem wie selbstverständlich zum Bier der Mönche dazu.

Durch Tricks zu mehr Bier

Niemand darf mehr als zwei Holzkisten zu je 24 Flaschen kaufen. Das verspricht der Käufer zumindest an der Kasse beim Kauf. Das Bier der belgischen Mönche ist mittlerweile aber so begehrt, dass viele Leute Tricks angewandt haben, um an mehr Flaschen zu kommen. Sie verkaufen sie dann für einen vielfachen Preis in irgendeiner Kneipe in Brüssel oder im Internet. Das finden die Mönche natürlich nicht gut, und sie begannen damit, den Verkauf genauer zu kontrollieren. „Einmal habe ich von meinem Fenster aus einen Lastwagen an der Klostermauer stehen sehen“, berichtet ein Mönch. „Immer wieder gingen ältere Damen zu unserer Verkaufsstelle und brachten die Bierkisten zu dem Lastwagen. Anschließend stellten sie sich wieder an und kauften noch mehr Bier.“ Es soll auch Leute geben, die sich nach dem ersten Bier-Kauf eine Baseball-Mütze und eine Brille aufsetzen und sich erneut anstellen, in der Hoffnung, nicht erkannt zu werden.

Es ist gar nicht so einfach, an die Mönche heranzukommen. Es bedarf mehrerer Anläufe, um irgendwann einen Mönch ans Telefon zu bekommen. Und recht bald wird betont, dass man nicht auf das „beste Bier der Welt“ reduziert werden mag. Sie seien Mönche, die in einem normalen Kloster lebten, das Bier sei nur ein Teil von ihnen. Im Klos-ter geht es um Gott, nicht um Bier. Deswegen fragt man mich, ob ich nicht einen ganzen Tag miterleben wollte, 24 Stunden Klosteralltag hautnah. Ich willige ein und mache mich nicht nur auf eine Begegnung mit dem besten Bier der Welt gefasst, sondern auch auf meinen ersten Einblick in das Leben in einem Kloster.

Sieben Gebetszeiten am Tag

Als erstes fällt auf: Hier in der Region Westflandern gibt es nicht viel. Außer Feldern und Bauernhöfen wird das Auge nicht durch irgendetwas abgelenkt. Eine gute Gegend, um als Mönch zu leben. Schon im erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten, „Willkommen bei den Sch’tis“, wurde die Gegend sprichwörtlich zur kalten Einöde, in die niemand wirklich will.

Ein sympathischer Mönch, Bruder Godfried, führt über das Gelände, auch hinter die Klostermauern, hinter die die normalen Kunden nicht so einfach kommen. Hinter einem Tor, das meistens geschlossen bleibt, ist Schluss für die Besucher aus aller Welt, die sich vor allem für das Bier interessieren. Bruder Godfried, der Prior der Abtei ist – also so etwas wie der Verwalter –, ist seine Liebe zu „seinem“ Kloster anzumerken. Das Bier ist tatsächlich – Nebensache.

Der Tagesablauf der Mönche ist getaktet durch das Stundengebet: 4 Uhr Nachtwache, 7 Uhr Laudes, 9 Uhr Terz, 12:15 Sext, 14:15 Non, 17:15 Vesper und um 19:30 Uhr Komplet. Dazwischen die Mahlzeiten. Da bleibt nicht viel Zeit übrig, um auf dumme Gedanken zu kommen. Vielleicht ist das eines der Geheimnisse von Benediktus, der sich dieses klösterliche Leben ausgedacht hat, das in vielen Klöstern weltweit praktiziert wird. Es bleibt indes genug Zeit für Meditation, für das Schweigen und das Beten. Auf die Frage, warum er sich dieses Leben ausgesucht hat, antwortet Bruder Christian, ein Deutscher, zwei Dinge: „Ich liebe Gott“, sagt er, mit einer Bestimmtheit und einem zufriedenen Lächeln, die keinen Zweifel aufkommen lassen. Und weiter: „Schon als Kind habe ich regelmäßig ein Kloster bei uns in der Nähe aufgesucht und ich fand es faszinierend. Mit fünf Jahren wusste ich bereits, dass ich Mönch werden will.“ Bruder Christian lebte früher in der Abtei Mariawald in der Eifel. Die wurde jedoch geschlossen, weil es dort irgendwann zu wenig Mönche gab. Das Niederländische eignete er sich schnell an.

Prior Godfried bleibt vor dem schicken, schwarzen Gebäude stehen, in dem die Mönche wohnen. Es wirkt modern und könnte genauso gut ein Tagungszentrum sein. Die hohen Fenster reihen sich in regelmäßigen Abständen nebeneinander. „Diese Regelmäßigkeit, die man hier auch an der Architektur sieht, bestimmt auch unser Leben“, sagt Godfried. Der Tag ist strukturiert, und in dieser Gesetzmäßigkeit bleibt Raum für das Versinken in Gott. Traditionell sind Trappisten Schweige-Mönche. Diese Regel wurde im Laufe der Zeit jedoch etwas gelockert, und es gibt durchaus Orte, an denen die Mönche untereinander und mit Außenstehenden reden. Dennoch wird darauf Wert gelegt, dass etwa die Mahlzeiten schweigend eingenommen werden, und auch im Gästehaus soll geschwiegen werden. Symbolbilder an den Türen und Wänden weisen darauf hin.

Fast immer befinden sich im Kloster auch Gäste, meistens sind es sogar mehr, als Mönche dort leben. Viele kommen für zwei bis drei Tage, um einmal im Jahr vollkommen abzuschalten. Sie nehmen die Mahlzeiten ohne die Mönche ein, aber ebenso wie sie schweigend. Und das führt überraschenderweise zu einer seltsamen Erfahrung. Während von einem CD-Spieler Klaviermusik ertönt, sitzt man mit wildfremden Menschen an Tischen, doch wo normalerweise wie selbstverständlich das Gespräch beginnen würde („Wo kommst du her? Was machst du?“), starrt man hier nur auf den Teller vor sich, oder verlegen auf seine Hände. Auf einmal wird jede Bewegung mit Bedeutung aufgeladen, die Körpersprache wird zur einzigen Kommunikation.

Gegründet wurde das Kloster Sint Sixtus im Jahr 1831. Bereits acht Jahre später erhielten die Mönche von König Leopold I. die Lizenz zum Bierbrauen. Im Ersten Weltkrieg kamen viele Tausend britische Soldaten in das Gebiet. Sie belagerten auch das Klostergelände – und freuten sich enorm über das dortige Bier. Im Jahr 1922 erweiterten die Mönche erstmals die Brauerei. Heutzutage handelt es sich um eine moderne Anlage, wie man sie bei kommerziellen Brauereien auch findet. Das Dach ist mit Solar-Panels bestückt, das genutzte Wasser der Brauerei wird in der eigenen hochmodernen Wasserwiederaufbereitungsanlage gereinigt und wieder dem Wasserkreislauf zugeführt. „Nachhaltigkeit gehörte schon zum Grundprogramm der Mönche, bevor es dieses Wort überhaupt gab“, klärt der Prior auf.

Bete, arbeite – ohne Stress

Von dem Geld, das das international hochgelobte Bier einbringt, können die Mönche inzwischen gut leben. Mehr als das: Das überschüssige Geld kommt anderen Klöstern zugute, wie es die Tradition will; auch Klöster in Afrika werden unterstützt. Die Menge des produzierten Bieres erhöhen die Mönche aber nicht. „Bete und arbeite“ lautet die Regel Benedikts, und nicht „bete und mache immer mehr Profit“. Die Mönche stressen sich nicht. Der durchstrukturierte Alltag und die Gebetsstunden bleiben erhalten. Mittlerweile hat die Klosterleitung auch ausgebildete Brauerei-Mitarbeiter eingestellt. Den Brauprozess aber überwacht weiter ein Mönch. Bruder Joris ist erst kaum zu einem Wort zu überreden. Erst nach und nach bricht er sein Schweigen. Dann sagt er jenen Satz, den man in Sint Sixtus öfter hört: „Wir Mönche leben nicht, um zu brauen, sondern wir brauen um zu leben!“ Bruder Joris klärt auf: Es gibt drei Sorten Bier aus St. Sixtus: „Westvleteren 6“, genannt „Das Blonde“, mit einem Alkoholgehalt von 5,8 Prozent. Außerdem Nummer 8 (das Braune) mit 8 Prozent, und schließlich das Starkbier Nummer 12 mit 10,2 Prozent. Vom Trubel um das Bier sind die Mönche auch manchmal genervt. So schön es auch ist, dass alle gut davon leben können – so bleiben alle eben doch Mönche, die eigentlich ihre Ruhe haben wollen.

Zum Rezept wollen die Mönche nicht viel sagen. Bruder Joris deutet nur an: Die Temperatur spielt eine wichtige Rolle. Also wann und wie lange die Maische erwärmt wird und wann es Zeit ist, sie umzufüllen. Der zweite wichtige Faktor ist die Zeit. Das Bier Westvleteren entsteht mit einer wichtigen Zutat, die in kommerziellen, weltlichen Brauereien oft ignoriert wird: mit viel Zeit. Und davon haben die Mönche genug. Auf das Deutsche Reinheitsgebot angesprochen, demzufolge ein Bier nur Bier genannt werden darf, wenn es ausschließlich aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt wurde, lächelt Bruder Joris, der Qualitätsprüfer des berühmten Bieres. „Das interessiert uns nicht“, fügt er hinzu. In Belgien, dem Land der tausend Biersorten, hält man von der strengen deutschen Regel nichts. Und doch ist die Herstellung von Westvleteren gar nicht so weit weg vom Reinheitsgebot, wahrscheinlich würde es in Deutschland als Bier durchgehen.

Warum Mönche und Bier so gut zusammenpassen, will ich von Bruder Joris wissen. Der sagt, das habe damit zu tun, dass im Mittelalter das Wasser nicht immer rein war. Man musste immer befürchten, abgestandenes, ungesundes Wasser zu trinken. Bier hingegen war, da es abgekocht war, zuverlässiger.

In der Abfüllanlage und im Lager fällt schnell noch etwas anderes auf, das das Bier aus Sint Sixtus von anderen unterscheidet: Die Flaschen tragen – als einziges Bier in Belgien – kein Etikett. Schlichte, braune Flaschen verlassen die Brauerei in einfachen Holzkisten. Alles, was der Verbrauer wissen muss, das Haltbarkeitsdatum, der Name und die Inhaltsstoffe etwa, steht auf dem Kronkorken. Die leeren Flaschen und die Deckel des Westvleteren-Bieres sind begehrte Sammler-Objekte im Internet. Es gibt keine Marketing-Abteilung im Kloster, keine Werbeanzeigen. Warum auch? Der Geheimtipp aus Belgien verkauft sich von selbst.

Vor einiger Zeit hatten die Mönche ein „Biertelefon“ eingerichtet. Dort konnte jeder auch von außerhalb Bier bestellen, und wenn es fertig ist, was manchmal auch erst nach Monaten der Fall sein kann, konnte man es an einem bestimmten Tag vorm Kloster abholen. Doch technisch versierte Kunden hatten das System überlistet und konnten so öfter als andere Kunden bestellen. Nun sind die Mönche auf eine Webseite umgestiegen, wo es gerechter zugeht.

Es bleibt dabei: Das Bierbrauen ist nicht der Kern. Wer in Sint Sixtus lebt, will Gott suchen, nicht reich durch Bier werden.

Der Beitrag ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5667751, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 18 Nov 2019 10:38:00 +0100
<![CDATA[Bewusst als Christen in der Politik aktiv sein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/11/16/bewusst-als-christen-in-der-politik-aktiv-sein/ Christen sollen dezidiert fragen, was sie für ihr Land tun können. Sie sollen mitwirken und auf ungerechte Dinge hinweisen. Dazu hat Steffen Bilger in einem Vortrag beim Evangelischen Arbeitskreis der Union aufgeraufen. Der Bundestagsabgerdnete und Parlamentarische Staatssekretär im Verkehrsministerium referierte bei dem Treffen des Arbeitskreises zu christlicher Identität in einer globalen Zukunft. „Wir sollten bewusst als Christen aktiv sein und uns für Menschen einsetzen, auch wenn unser Gegenüber manche Dinge skeptisch sieht“, betonte Bilger.

Der CDU-Politiker ging zunächst auf die einzelnen Begriffe seines Vortragsthemas ein. Identität sei das, was den Menschen im Kern auszeichne, und die Voraussetzung für Individualität. Eine christliche Identität sei nie etwas Fertiges. Christen lebten in der Spannung zwischen dem Jetzt und dem Noch-Nicht des Reiches Gottes. Globalisierung finde im kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich statt: „Vieles davon ist nicht mehr umkehrbar.“

Lösungen entwickeln und anbieten

Politiker müssten Entscheidungen treffen für Menschen, die Angst vor der Globalisierung und denen, die sich Fortschritt wünschten. „Wir Politiker sollten in dieser Verunsicherung Probleme benennen und Lösungen anbieten. Das können wir besser, als die Menschen, die nur die einfachen Antworten geben.“

Familiäre, politische, kirchliche und vereinstechnische Netzwerken könnten dabei helfen, Identität zu finden. Wo diese Verwurzelung fehle, neigten die Menschen eher zu Extremen: „Und sie finden für jede noch so verrückte Idee in den sozialen Netzwerken Gleichgesinnte.“ Bilger stellte heraus, dass sich nicht nur der gesellschaftliche, sondern auch der kirchliche Bereich immer weiter ausdifferenziere und als gespalten wahrgenommen werde.

Optimistisch in die Zukunft gehen

Er nannte zwei Bibelstellen, die für ihn und sein politisches Handeln relevant seien: „Suche Frieden und jage ihm nach“ und „Suchet der Stadt Bestes“. Vor allem der erste Text passe in die weltweite Situation, wo es immer wieder neue Konflikte gebe. „Wir Politiker sind nie Heilsbringer für alle Probleme. Wir müssen realistisch auf die Herausforderungen eingehen und die Leute mitnehmen“, stellte Bilger heraus.

In manchen ethischen Bereichen sehe er Grenzen für Christen bei der Kompromissbereitschaft. „Es ist nicht alles gut. Es muss aber auch nicht jeder Fortschritt verteufelt werden.“ Er freue sich, wenn sich Christen in seine Partei einbrächten, aber auch wenn dies in anderen Fraktionen geschehe. „So könnten fraktionsübergreifende Initiativen von Christen im Bundestag eingebracht werden.“ Er ermutigte die Anwesenden, optimistisch in die Zukunft zu gehen: „Wir als Christen müssen uns nicht verstecken und können zu unseren Werten stehen - für die Politik und die Gesellschaft.“

Praktiziertes Christentum habe als Konsequenz, Verantwortung für den Mitmenschen zu übernehmen. Bei aller Auseinandersetzung und Hektik im Alltagsgeschäft sei das Christentum der Kompass für die Gesellschaft. „Tragen Sie dazu bei, diese Werte zu stärken“, betonte Gunter Krichbaum, Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises, in seinem Grußwort.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 16 Nov 2019 19:47:00 +0100
<![CDATA[Rentzing erklärt sich beim Abschied]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/16/rentzing-erklaert-sich-beim-abschied/ Am Freitag wurde Carsten Rentzing auf der Herbsttagung der Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens von seinem Amt als Bischof entpflichtet. Am 11. Oktober hatte er seinen Rücktritt angeboten. Hintergrund sind unter anderem nationalkonservative Texte, die er in seiner Studienzeit geschrieben hatte. Derentwegen war er vor einem Monat öffentlich in die Kritik geraten.

In einem persönlichen Wort an die Synodalen erklärte er, diese Texte seien in einem „nationalen Überschwang“ nach der Wiedervereinigung entstanden. Nach der Einheit habe er sich als gebürtiger West-Berliner mit anderen seiner Generation damit beschäftigt, wie es nun weitergehen könne. Die Texte mit teilweise demokratiekritischen Inhalten habe er am Anfang seines Theologiestudiums geschrieben. Das Studium und das Lesen der Bibel hätten in der folgenden Zeit seinen Horizont und erweitert und neue „Denkwelten“ erschlossen. Mit der Entscheidung, in den kirchlichen Dienst zu gehen, „galt meine Loyalität nicht mehr einer Nation, nicht einer Philosophie oder politischen Anschauung. Von da ab galt meine Loyalität Jesus Christus und der Familie Gottes aus vielen Völkern und Nationen.“

Rentzing betonte: „Jeder nationale Geist, der sich selbst überhebt und andere Menschen, Nationen, Völker und Kulturen verachtet und abwertet, widerspricht dem Geist meines Herrn Jesus Christus.“ Seit über 25 Jahren distanziere er sich „von allem, was dem Geiste Christi widerspricht“.

„Bischofsamt hat zerstörerisches Potential“

Rentzing bat um Verzeihung für falsche und unzulängliche Kommunikation nach innen und außen. Er hätte sich seinerseits bei der öffentlichen Debatte um seine Texte mehr Sorgfalt und einen „historisch-kritischen“ Umgang mit ihnen gewünscht. Nur so sei es möglich, sich dem wahren Inhalt einer Schrift anzunähern. Er bemerkte außerdem, dass Kritiker gezielt in seiner Biografie nach Angriffspunkten gesucht hätten. So sei bereits vor anderthalb Jahren ein Kommilitone Rentzings auf den Bischof hin befragt worden. „Wie hätte ich mir auch vorstellen sollen, dass man schon seit langem auf der Suche nach einem Angelhaken in meinem Leben war“, sagte Rentzing. Ein öffentliches Amt, wie das des Bischofs, habe ein „zerstörerisches und vernichtendes Potential, das ich bisher nur vom Hörensagen her kannte“, stellte er fest. Nun hätten er und seine Familie es „am eigenen Leibe erfahren“.

Rentzing rief dazu auf, den Umgang miteinander neu zu besprechen, und forderte Loyalität ein für Beschlüsse und Wahlen, die die Synode getroffen habe. Er betonte zudem: „Fangen wir nicht an, gegenseitig in unseren Biographien herumzuwühlen. Dieser Weg wäre menschlich und geistlich zerstörerisch.“ Jesus habe nie so gehandelt.

2015 wurde Rentzing zum Bischof gewählt. Zuvor war er Gemeindepfarrer im Vogtland. Auf der Synodentagung Ende Februar, Anfang März 2020 soll ein neuer Bischof gewählt werden. Bis dahin nimmt Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel diese Aufgabe wahr.

Von: Jonathan Steinert

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Sat, 16 Nov 2019 18:36:00 +0100
<![CDATA[„Glaube kann in schwierigen Zeiten helfen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/11/16/glaube-kann-in-schwierigen-zeiten-helfen/

pro: Der Film „Ein Kind wird gesucht“, für den Sie jetzt ausgezeichnet wurden, liegt schon etwas zurück – wie ist Ihre Erinnerung daran?

Heino Ferch: Die entspricht der Auszeichnungsargumentation: Dass die Familie in einer so strenggläubigen Glaubensgemeinschaft gelebt hat und so unglaublich mit diesem Verlust umgegangen ist, war das Beeindruckendste an diesem Film, das mir auch sofort in Erinnerung kommt.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Zum echten Fall Mirco gibt es tonnenweise Material, mit dem sich unsere Autoren Katja Röder und Fred Breinersdorfer beschäftigt haben, ich habe ein Buch gelesen, das Ingo Thiel mit einer Autorin über den Fall geschrieben hat. Da gab es viele Möglichkeiten, sich authentisch auf den Film vorzubereiten. Und ich habe den echten Ingo Thiel getroffen und mich lange mit ihm unterhalten.

Wie haben Sie ihn erlebt?

Ingo Thiel ist etwas älter als ich, ein Ermittlerstar. Mit seinem Buddy Ecki bildet er ein Ermittlerduo, das 99,5 Prozent Aufklärungsquote hat. Ingo Thiel hat eine verschmitzte Fröhlichkeit und eine unglaubliche Ausdauer, Sturheit und Geduld, mit der er die Ermittlungen vorantreibt. Er scheut sich nicht, Hundertschaften zusammenzustellen, die Tausende von millimetergroßen Indizien analysieren – das ist jemand, der in Deutschland seinesgleichen sucht. In seiner Branche ziehen die Leute vor ihm den Hut.

Sie haben sich im Film in ihn hineinversetzt – was treibt einen Ermittler in so einem Fall an?

Bei Thiel ist es der unbedingte Wille zur Aufklärung. Er hat am Anfang, als er die Eltern besucht hat – das war innerhalb von 24 Stunden nach dem Verbrechen –, der Mutter ein Versprechen gegeben: „Wir werden Ihren Jungen finden, tot oder lebendig, das verspreche ich Ihnen.“ Alle haben gesagt: „Bist du wahnsinnig, den Eltern so eine Hoffnung zu machen?“ Der Mann hat einen Instinkt, der ist von einer Sucht angetrieben, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, auch über diese lange Zeit von etwa einem halben Jahr. Der ist ein Spürhund! Für ihre Familien ist das sehr hart, die kommen nur zum Duschen und Klamottenwechseln nach Hause, sind 24 Stunden erreichbar und gehen jedem Hinweis nach. Es ist weniger Mitleid als vielmehr eine große Verpflichtung der Opferfamilie gegenüber: „Wir bringen die Wahrheit ans Licht, damit ihr Ruhe habt.“

Wie sehr identifiziert man sich als Schauspieler mit so einer Rolle und wie sehr muss man sich distanzieren?

Ich kann nur versuchen, jede Szene so authentisch wie möglich in Thiels Sinne darzustellen. Aber natürlich bleibt immer noch ein Rest Heino Ferch übrig. Ich musste da mit professioneller Distanz rangehen, zumal man sich auch – ich bin selbst Vater von drei Kindern – im Griff haben muss und zwischendurch schon schluckt, wenn man merkt, wie willkürlich und zufällig dieser Junge einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Das, was dem zehnjährigen Mirco passiert ist, ist ja so ziemlich das Schlimmste, was sich Eltern vorstellen können …

Das finde ich auch. Wenn du ein Kind auf diese Weise verlierst … Es war ja reiner Zufall, dass Mirco an diesem frühen Abend mit dem Fahrrad da vorbeigekommen ist und dass er zum Opfer wurde. Wäre es zwei Minuten später gewesen, hätte es vermutlich jemand anderen erwischt. Diese Zufälligkeit und Willkür ist das, was einen sehr wütend und hilflos macht.

Dem Täter zu vergeben – scheint Ihnen das befremdlich oder bewundernswert?

(Überlegt) Ich finde es bewundernswert, wenn eine Familie so einen Weg gehen kann. Keiner von uns weiß, wie er mit so einer Situation umgehen würde.

Die Familie Schlitter war auch einmal am Set bei den Dreharbeiten. Wie war diese Begegnung für Sie?

Das wurde natürlich betreut und begleitet. Wir haben den Film ja einige Jahre nach dem Tod des Jungen gedreht. Die Eltern hatten ihrerseits längst ein Buch veröffentlicht und mit ihrer Geschichte auch in der Form abgeschlossen. Dennoch könnte man denken, da kommen noch immer trauernde Menschen, die emotional stark angespannt sind. Aber das Gegenteil war der Fall. Sie waren sehr aufgeräumt und haben sicher auch aufgrund ihres Glaubens einen Weg gefunden, stabil im Leben weiterzugehen. Das war eine interessante Begegnung.

Ihr Film-Ermittler kann mit Gott und Glauben nicht viel anfangen – wie ist es bei Ihnen?

Ich bin da ganz vorurteilslos und stehe den Dingen offen gegenüber. Ich hatte mit diesem Thema oder dieser Art von Glaubensgemeinschaft vorher nicht wirklich zu tun. Ich war beeindruckt, wie die Familie mit der Situation umgegangen ist.

Beneiden Sie sie um so einen Glauben oder ist es eher nicht Ihr Ding?

Na ja, mein Ding ist es eher nicht. Aber die Familie hat sich so entschieden und das ist schon beeindruckend. Sie haben diesen Weg ja nicht erst eingeschlagen, nachdem der Junge nicht mehr da war, sondern schon vorher. Und dieser Glaube und diese Glaubensgemeinschaft haben die Familie getragen, haben ihnen den Weg geebnet, so zu reagieren. Dass das alles schlimm ist und dass sie sehr gelitten haben, steht ja außer Frage, aber sie haben großes Glück gehabt, dass sie so damit umgehen konnten.

Ist Gott für Sie persönlich mehr ein Begriff oder etwas Reales?

Ach Gott! (Lacht) Ich denke, dass der Glaube helfen kann, wenn man in schwierigen Zeiten ist.

Was haben Sie bei aller professionellen Distanz aus diesem Film für sich mitgenommen?

Vor allem die Dankbarkeit, dass es solche Menschen wie Ingo Thiel gibt, die im Grunde ihr Leben für die Aufklärung von Kriminalfällen opfern, die rund um die Uhr im Einsatz sind und auf diesem extremen Level arbeiten. Ich glaube ganz fest, dass es für eine Familie bei so einem schweren Schicksalsschlag sehr, sehr wichtig ist, final zu wissen: Lebt unser Kind? Und so genau wie möglich zu wissen, was passiert ist. Diese Aufklärungsarbeit kann man denen, die sich mit so einer Aufopferung und Engelsgeduld dafür engagieren, nicht hoch genug anrechnen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Christina Bachmann

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Sat, 16 Nov 2019 16:05:00 +0100
<![CDATA[Trauern um Verstorbene im Chat]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/11/15/trauern-um-verstorbene-im-chat/ Traditionell gedenken evangelische Christen am Ewigkeitssonntag verstorbener Angehöriger und Freunde – in Gemeindegottesdiensten, aber auch online. Seit 2009 bietet das Portal www.trauernetz.de am Ewigkeitssonntag eine Chatandacht an. Dort können Angehörige und Freunde an Menschen erinnern, die bereits vor längerer Zeit gestorben sind. Zudem können auf diese Weise Trauernde der Toten gedenken, wenn sie nicht an einem Gemeindegottesdienst teilnehmen können. In diesem Jahr findet die Online-Andacht am 24. November um 18 Uhr auf www.trauernetz.de statt. Verantwortlich für die Webseite sind die Evangelischen Landeskirchen von Baden, Bayern, Hannover, Hessen und Nassau, dem Rheinland sowie die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD).

Ab sofort ist es möglich, auf dem Portal die Namen von Verstorbenen in ein digitales Trauerbuch einzutragen. Eine weitere Anmeldung ist nicht notwendig, teilte die VELKD mit. Während der Online-Andacht am Ewigkeitssonntag würden diese im Chat eingeblendet und im Gebet vor Gott gebracht.

Zusätzlich zur Chatandacht bietet trauernetz.de auch die Möglichkeit, Online-Gedenkseiten für Verstorbene anzulegen. „Immer mehr Lebensvollzüge verlagern sich ins Internet. Deshalb ist es nur folgerichtig, Totengedenken auch online zu ermöglichen: im Chat, als Gedenkseite, Blog oder auch in sozialen Netzwerken wie beispielsweise Instagram”, sagt Pfarrer Ralf Peter Reimann, der die Online-Andacht gemeinsam mit seiner Kollegin Pfarrerin Maike Roeber halten wird. „Seit mittlerweile zehn Jahren ist unsere Chat-Andacht für Trauernde ein fester Ort, um an verstorbene Angehörige und Freunde zu erinnern“, ergänzt Maike Roeber.

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 15 Nov 2019 13:34:00 +0100
<![CDATA[Christlicher Medienpreis für Heino Ferch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/11/14/christlicher-medienpreis-fuer-heino-ferch/ Der Film „Ein Kind wird gesucht“ zeige eine „starke und glaubwürdige Darstellung gelebten christlichen Glaubens“, sagte Matthias Huff, Redaktionsleiter Nonfiktion beim Sender Kika, in seiner Laudatio bei der Verleihung des „Goldenen Kompass“ in Berlin. Der ZDF-Spielfilm basiert auf dem Mordfall Mirco aus dem Jahr 2010, bei dem ein zehnjähriger Junge ums Leben kam. Die Mordermittlung gilt als eine der aufwendigsten in der deutschen Kriminalgeschichte. Die Eltern des verschwundenen Jungen gehören einer Pfingstgemeinde an. Kommissar Ingo Thiel, gespielt von Ferch, mache im Film eine bemerkenswerte Wandlung durch, sagte Huff. Zuerst könne Thiel mit den „Glaubensjunkies“ – den Eltern des Jungen – nichts anfangen. Doch am Ende setze er sich zumindest teilweise mit dem christlichen Glauben auseinander. Die Frage der Mutter „Wo ist Mirco?“ beantworte Thiel schließlich mit: „Bei Gott“. Ferch verkörpere Thiel „großartig“, sagte Huff. Dafür erhielt der Schauspieler den „Goldenen Kompass“ der Christlichen Medieninitiative pro e.V.

Der Film thematisiere auch die Frage nach der individuellen Schuld, nach Vergebung und zeige, dass der Glaube nicht vor Trauer und Verzweiflung schütze, sagte Huff weiter. Das Werk mache klar, dass christlicher Glaube keine allgemeingültigen Antworten auf die Frage nach dem Leid liefern könne. Neben Ferch erhielten deshalb auch Produzent Nils Dünker, Regisseur Urs Egger und die Drehbuchautoren Katja Röder und Fred Breinersdorfers den Medienpreis. „Ein starkes Stück öffentlich-rechtlichen Fernsehens“, sagte Huff.

Moderator Meyer-Burckhardt: Neugier auf den Glauben

Als weitere Preisträger des „Goldenen Kompass“ wurden der Autor und Abenteurer Christopher Schacht und der Moderator der NDR Talkshow Hubertus Meyer-Burckhardt geehrt, der bei der Preisverleihung nicht dabei sein konnte. Schacht wurde für sein Buch „Mit 50 Euro um die Welt. Wie ich mit wenig in der Tasche loszog und als reicher Mensch zurückkam“ ausgezeichnet und Meyer-Burckhardt für die Autorenvorstellung in seiner Talkshow. Schachts Buch vereine mehrere Ebenen gleichzeitig. Es sei ein Abenteuerroman, eine Biografie und ein christliches Buch, sagte der stellvertretende Chefredakteur Bild Digital, Daniel Böcking, in seiner Laudatio. „Du missionierst nicht mit dem Vorschlaghammer. Nur im Untertitel könnte man erahnen, dass ziemlich viel Gott drinsteckt“, sagte Böcking in Richtung Schacht. „Du zogst los als jemand, der mit Gott nicht so viel am Hut hatte – und kamst zurück als Jesus-Nachfolger.“ Es sei großartig zu sehen, wie der Autor andere Menschen begeistere und sie dazu animiere, es ihm ähnlich zu tun.

In den Medien sei der christliche Glaube in den manchmal ein „heikles Thema“. Schachts Geschichte sei zudem auch ohne Gott erzählenswert. Es „wäre gar keinem aufgefallen“ , wenn sein Glaube bei seinem Besuch in der NDR Talkshow nicht thematisiert worden wäre. Doch Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt habe viel Sensibilität bewiesen und habe Schacht die Möglichkeit gegeben, das zu erzählen, was ihm wirklich wichtig sei. Meyer-Burckhardts „vorurteilsfreie Offenheit und Neugier“ auf den Glauben sei beeindruckend.

TV-Moderator und Buchautor Tim Niedernolte führte charmant durch den Abend und gestaltete die Preisverleihung kurzweilig und manchmal auch humorvoll.

Pastor Engel: Christliches YouTube-Angebot für junge Zielgruppe

Der Pastor und YouTuber Gunnar Engel erhielt den „Goldenen Kompass“ für seinen YouTube-Kanal „Pastor Gunnar Engel“. Laudator Christian Sterzik, Leiter der Stabsstelle Digitalisierung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zitierte in seiner Rede Pastor und Autor Carey Nieuwhof. Dieser habe einmal gesagt: „Nur weil Gott sich niemals ändert, heißt das nicht, dass Kirche das auch tun sollte.“ Die froh machende Botschaft von der Liebe Gottes müsse auch digital weitergesagt werden. Genau das tue Gunnar Engel in seinen YouTube-Videos. Er sei einer der Vorreiter dafür, wie Kirche im digitalen Zeitalter Menschen erreichen könne. „Über YouTube lassen Sie uns an Ihrer Gemeindearbeit teilhaben, von der vollgeschriebenen Beerdigungskladde bis hin zum Riesenpaket mit 60 Bibeln drin“, sagte Sterzik.

Dass Engel mit seiner Arbeit den richtigen Nerv treffe, zeigten auch die Wachstumszahlen auf seinem Kanal. „In den letzten 30 Tagen hat Ihr Kanal fast 500 neue Abonnenten dazugewonnen und Ihre Videos wurden rund 33.000 mal angesehen.“ Engel spreche die Sprache seiner Zielgruppe. „Sie erreichen junge Menschen auf der Suche und Menschen, die sich vielleicht erstmals mit Kirche, der Bibel und der Gemeinde beschäftigen möchten.“ Er bringe den Menschen die Arbeit eines Pastors nah und nähere sich Glaubensfragen von vielen Seiten. Besonders die Videos „Beten für Anfänger“ und „Bibellesen für Anfänger“ hätten eine hohe Reichweite erzielt. Im Gegensatz zu den Kanälen der EKD wie „Jana glaubt“ sei es Engel im Alleingang gelungen, „ein relevantes christliches YouTube-Angebot für eine ganz wichtige Zielgruppe zu schaffen“.

Melanie Mühl: Zeugnis christlicher Nächstenliebe

Melanie Mühl, Journalistin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), erhielt den „Goldenen Kompass“ für ihren Artikel „Wem geht es schlechter, wenn er Flüchtlingen hilft?“. Mühl stelle in ihrem Text die Paradoxie dar, dass „wir einerseits in einer Welt des Überflusses leben, andererseits aber Unzufriedenheit und Hass um sich greifen“, sagte Laudator Benjamin Piel, Chefredakteur des Mindener Tageblatts. Mühls Artikel erzähle die Geschichte der 30-jährigen Linda Schulz aus dem Vogtland in Sachsen. Diese habe das Wohlstandsland Deutschland, das sie als unerklärlich verbittert empfinde, verlassen, um im Camp „Home for the Needy“ in Benin City in Nigeria Menschen zu helfen, die vor der Terrororgruppe Boko Haram geflüchtet sind. Das klinge zuerst nach „Klischee und Schablone“, sagte Piel.

Doch Mühls Text stelle glaubwürdig dar, dass „Glück am leichtesten der findet, der sich dem Anderen zuwendet, statt sich nur um sich selbst zu drehen“. Die Protagonistin Schulz finde sich zudem in beiden Welten zurecht – im afrikanischen Camp mit seinen trotz der Umstände lebensfrohen Menschen und im wohlhabenden Deutschland, in dem ihr Unzufriedenheit und Fremdenhass begegnen. Das habe mit dem christlichen Glauben von Schulz zu tun. Denn „christliche Nächstenliebe endet nicht da, wo die Freundlichkeit des Gegenübers erschöpft ist“, sagte Piel. Das stelle der Artikel von Mühl überzeugend dar. Sie beschreibe Schulz als eine Frau, der ihr Glaube die Fähigkeit gebe, diese Nächstenliebe Menschen in beiden Lebenswelten zukommen zu lassen. Der Text sei damit ein „Ausdruck von Menschlichkeit und Hoffnung“.

Bettendorf: Evangelium in die säkularen Medien

Für ihren Artikel „Was glaubt Berlin?“ in der Osterausgabe 2019 des Berliner Tagesspiegels wurde Selina Bettendorf mit dem Nachwuchsjournalistenpreis ausgezeichnet. Obwohl es sich um eine säkulare Zeitung handele, „die aus einer Stadt kommt, in der sich jeder Zweite als konfessionslos bezeichnet“, sei der Artikel „sehr österlich“, sagte Laudatorin Stefanie Ramsperger, Redaktionsleiterin des Christlichen Medienmagazins pro. Eine Jüdin, eine Muslima und ein Humanist äußerten sich wertschätzend zum christlichen Osterfest. Einen katholischen Studenten lasse Bettendorf das Evangelium in seinen eigenen Worten auf den Punkt bringen. Sogar von seiner Bekehrung berichte der junge Mann im Artikel. Und der Berliner Erzbischof Heiner Koch äußere sich werbend über den christlichen Glauben. „Leben Sie so, als wenn der christliche Glaube Recht hätte, und sammeln Sie Ihre Erfahrungen damit“, zitiere Bettendorf den Bischof. Der Glaube sei kein leichter Weg, trage aber durch dunkle Stunden.

Das alles schildere die junge Journalistin unaufdringlich, ausgewogen und ohne „frommen Jargon“. Besonders erfreulich sei es, dass der Artikel auch auf der Webseite des Tagesspiegels veröffentlicht wurde, auf die mehr als sieben Millionen Nutzer pro Monat zugriffen. „Mehr Evangelium in einem säkularen Medien geht nicht“, sagte Ramsperger.

18. Verleihung des „Goldenen Kompass“

Den „Goldenen Kompass“ vergibt die Christliche Medieninitiative pro dieses Jahr zum 18. Mal an Medienschaffende, die Beispiele glaubhaft gelebten Christseins vorbildlich darstellen oder Beiträge veröffentlichen, die Zuschauer, Hörer und Leser dazu motivieren, sich neu mit der Bibel auseinanderzusetzen, und die dazu beitragen, dass christlicher Glaube und Kirche im öffentlichen Gespräch bleiben.

„Unsere Medienlandschaft ist in Bewegung“, sagte der Geschäftsführer der Christlichen Medieninitiative pro e.V., Christoph Irion. Analysen zeigten, Union und SPD und die Kirchen kommunizierten an der jungen Generation vorbei. „Ein blauhaariger YouTuber erschüttert unsere Demokratie. Rezo befeuert mit seinem Video die Debatten“, sagte Irion und nahm damit Bezug auf das Video des YouTubers Rezo mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“, das mehrere Millionen Mal aufgerufen wurde.

„Wir werden nicht müde, nach wertvollen Medienprodukten zu suchen“

Auf so eine Reichweite eines einzelnen Beitrags könnten die großen Magazine und Zeitungen neidisch sein. Die Christliche Medieninitiative pro sei kein Medienimperium. „Wir sind aber aktiv, mischen uns ein und vernetzen Journalisten. Wir sind überzeugt, dass christliche Inhalte, die Werte der Bibel und die Hoffnungsbotschaft von Jesus Christus in die öffentliche Diskussion gehören“, sagte Irion. Seit 31 Jahren prämiere die christliche Medieninitiative – früher Christlicher Medienverbund kep e.V. – Menschen, „die Christsein authentisch darstellen“ und so, dass Menschen Interesse am Glauben bekämen. „Christliches in den Medien ist preiswürdig. Wir werden nicht müde, nach wertwollen Medienprodukten und Medienmachern zu suchen“, sagte Irion.

„Am Anfang war das Wort“ heiße es schon in der Bibel im Johannesevangelium, sagte der Vorstandsvorsitzende der Christlichen Medieninitiative pro e.V., Michael Voß. „Unsere Preisträger kennen das: Es müssen die richtigen Worte gefunden werden für das Buch, in der Talkshow, für den Artikel oder den Film.“ Worte seien ein mächtiges Instrument. Der „Goldene Kompass“ ehre Menschen, die mit Worten dem christlichen Glauben in den Medien in besonderer Weise Ausdruck verliehen hätten.

Der „Goldene Kompass“ ist dotiert mit 2.500 Euro (Mehrfachpreisträger: je 2.000 Euro). Der Nachwuchsjournalistenpreis ist dotiert mit 1.500 beziehungsweise 500 Euro (Sonderpreis). Frühere Preisträger des „Goldenen Kompasses“ waren zum Beispiel Moderator Günther Jauch, „Tatort“-Kommissar Devid Striesow, der ehemalige Bild-Chef Kai Diekmann oder Fußballer Cacau.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 14 Nov 2019 22:26:00 +0100
<![CDATA[Jetzt im Livestream: Verleihung des christlichen Medienpreises „Goldener Kompass“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/11/14/jetzt-im-livestream-verleihung-des-christlichen-medienpreises-goldener-kompass/ Schalten Sie jetzt ein:

Für den Film „Ein Kind wird gesucht“ (Arte 2017/ZDF 2018) erhält der Schauspieler Heino Ferch den christlichen Medienpreis „Goldener Kompass“. Das hat die Christliche Medieninitiative pro am Donnerstag mitgeteilt, die auch das Christliche Medienmagazin pro herausgibt. Der Film erzählt die Kriminalgeschichte um die Ermordung des zehnjährigen Jungen Mirco Schlitter und dessen gläubige Familie.

Zusammen mit Heino Ferch werden Nils Dünker (Produktion), Katja Röder (Drehbuch), Fred Breinersdorfer (Drehbuch) und Urs Egger (Regie) ausgezeichnet. Die Laudatio wird Matthias Huff, Redaktionsleiter Nonfiktion von KiKA, halten.

Basierend auf wahren Begebenheiten zeigt „Ein Kind wird gesucht“ die sehr engagierte, aber oft auch frustrierende Ermittlungsarbeit eines Soko-Chefs (Heino Ferch) und seines Teams, heißt es in der Pressemitteilung. Die Familie des entführten und schließlich ermordeten Jungen werde in authentischer Weise in ihrem christlich-frommen Umfeld gezeigt. Ganz ungeschminkt und somit glaubwürdig würden Ängste, Konflikte, Hoffnungen und Zweifel gläubiger Menschen gezeigt. Ihre konservative Frömmigkeit komme bieder rüber, werde aber fair dargestellt, auch in ihrer Bedeutung zur Bewältigung der Lebens- und Sinnkrise, in die die Familie durch die Entführung des Sohnes gestürzt werde. Die Familie werde gezeigt im Hauskreis, im Streitgespräch am Esstisch – oder wenn Mutter und Töchter die frustrierten Ermittler mit kleinen Nikolaus-Präsenten erfreuten.

Der Geschäftsführer der Christlichen Medieninitiative pro, Christoph Irion, erklärte: „Der Chefermittler, der nicht viel mit Gott anfangen kann, wird sehr eindringlich dargestellt als jemand, der zuweilen aufbrausend mit Mitarbeitern umgeht, zugleich aber instinktiv klug und empathisch handelt. Auf den Glauben der Opferfamilie reagiert er zugleich distanziert, aber auch tolerant und zurückhaltend offen: Wer diesen Film anschaut, erhält Anreize, über das Christsein nachzudenken und ins konstruktive Gespräch zu kommen.“

Außerdem zeichnet die Christliche Medieninitiative pro drei weitere Medienbeiträge aus. Für das Buch „Mit 50 Euro um die Welt“ (adeo) und die Autorenvorstellung in der NDR Talkshow erhalten der Autor Christopher Schacht und der Moderator Hubertus Meyer-Burkhardt einen „Goldenen Kompass“. Laudator ist Daniel Böcking, Stellvertreter des Chefredakteurs Bild digital.

Die FAZ-Redakteurin Melanie Mühl wird für ihren Artikel „Wem geht es schlechter, wenn er Flüchtlingen hilft?“ geehrt (Laudatio: Benjamin Piel, Chefredakteur Mindener Tageblatt). Pastor Gunnar Engel erhält einen „Goldenen Kompass“ für seinen erfolgreichen YouTube-Kanal. Christian Sterzik, Leiter Stabsstelle Digitalisierung der EKD, wird die Laudatio halten.

Preisträgerin des Nachwuchsjournalistenpreises ist Selina Bettendorf. Die Volontärin des Tagesspiegel hatte eine Themenseite und eine Online-Strecke über „Was glaubt Berlin?“ veröffentlicht (Laudatio: Stefanie Ramsperger, Redaktionsleiterin Christliches Medienmagazin pro).

Der ZDF-Moderator und Buchautor Tim Niedernolte wird die Preisverleihung moderieren.

Den „Goldenen Kompass“ vergibt die christliche Medieninitiative pro an Medienschaffende, die Beispiele glaubhaft gelebten Christseins vorbildlich darstellen oder Beiträge veröffentlichen, die Zuschauer, Hörer und Leser dazu motivieren, sich neu mit der Bibel auseinanderzusetzen, und die dazu beitragen, dass christlicher Glaube und Kirche im öffentlichen Gespräch bleiben. Der „Goldene Kompass“ ist dotiert mit 2.500 Euro (Mehrfachpreisträger: je 2.000 Euro). Der Nachwuchsjournalistenpreis ist dotiert mit 1.500 beziehungsweise 500 Euro (Sonderpreis).

Frühere Preisträger des „Goldenen Kompasses“ waren neben anderen Günther Jauch, Heinz Rühmann, Sir Cliff Richard und die Macher des Luther-Films. Weitere Preisträger waren Kai Diekmann, Volker Kauder, Samuel Koch, die Buchautorin Esther Maria Magnis, Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim, „Tatort“-Kommissar Devid Striesow und die Sportler Bernhard Langer und Cacau.

Von: pro

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Thu, 14 Nov 2019 19:01:00 +0100
<![CDATA[Erzbischof Erkanbald liegt im Alten Dom St. Johannis]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/14/erzbischof-erkanbald-liegt-im-alten-dom-st-johannis/ Im Juni ist in Mainz ein 1.000 Jahre alter Sarkophag geöffnet worden. Seitdem hatten die Wissenschaftler ihre Ausgrabungen durchgeführt (pro berichtete). Jetzt steht das Ergebnis fest. Es handelt tatsächlich um Erzbischof Erkanbald. Damit ist laut einer Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eine über 100-jährige Forschungsdebatte beendet.

„Er ist es“, sagte Forschungsleiter Guido Faccani am Donnerstag in Mainz. Bei dem Toten handle es sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ um Erzbischof Erkanbald, der im Jahr 1021 starb. Die Untersuchung von Textilresten, die bei der Öffnung des Sarkophags gefunden wurden, lasse keinen anderen Schluss zu, erklärte Faccani.

Stadtgeschichte muss neu geschrieben werden

Damit ist für die Wissenschaftler auch erwiesen, dass die heute evangelische Johanniskirche die erste Kathedrale der Bischofsstadt war, vor dem später erbauten heutigen Dom, der seit 1036 Bischofssitz ist. Mit den Ergebnissen werde auch ein Teil der Mainzer Stadtgeschichte neu geschrieben. Es sei etwas Besonderes, dass in Mainz der Alte Dom nicht abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut wurde, sondern, dass der Neubau einen Steinwurf entfernt errichtet wurde.

Aus Sicht der Textil-Restauratorin Anja Bayer liefere das Material „unzählige Erkenntnisse und Teile für das große Geschichtspuzzle“. Die Forscher konnten rekonstruieren, dass der Tote zwischen 40 und 60 Jahre alt war. Der Leichnam war 1,82 Meter groß und hat etwa 70 Kilogramm gewogen. Die Konstanzer Anthropologin Carola Berszin hat zudem herausgefunden, dass der Tote an der Krankheit Morbus Bechterew litt. Die DNA-Analysen seien noch nicht abgeschlossen.

Erkanbalds Geburtsdatum ist ungewiss. Er soll einer Grafenfamilie aus der Region Hildesheim/ Braunschweig/ Hannover entstammen. Zunächst war er Abt des Klosters in Fulda. Erkanbald bestieg am 1. April 1011 nach einmonatiger Vakanz den Bischofsthron und verstarb am 17. August 1021. Ungewöhnlich ist, dass er sich für seine Bestattung seine Amtskirche wählte. Dies widersprach der bisherigen Bestattungstradition der Mainzer Bischöfe und Erzbischöfe, die sich bis dahin alle außerhalb der von Mauern umringten Stadt bestatten ließen. Zu den Forschungsergebnissen ist für Juni kommenden Jahres ein Symposium in Mainz geplant.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 14 Nov 2019 16:21:00 +0100
<![CDATA[Soll denn nichts bleiben, wie es war?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/14/soll-denn-nichts-bleiben-wie-es-war/ In Titisee-Neustadt mitten im Hochschwarzwald hat eine Kirchenbank den Weg an die frische Luft gefunden. Über Monate hinweg transportierte der katholische Pastoralreferent Sebastian Swiatkowski ihre sperrigen Holzteile immer wieder mit dem Auto in den Park, auf den Campingplatz, zum Wochenmarkt oder ans Seeufer. Mit etwas Geschick und einem Imbusschlüssel dauerte es nicht lange, bis die Sitzgelegenheit publikumswirksam platziert war.

„Erzähl mir was, ich hör dir zu!“, stand auf einem Schild daneben, auf der Lehne: „Draußen. Hier. Die mobile Kirchenbank.“ Wenn alles bereit war, nahm der Seelsorger im Erzbistum Freiburg Platz und wartete. Es dauerte meist nicht lange, bis der erste Spaziergänger sich zu ihm gesellte. Swiatkowski hat hier schon so gut wie alles gehört: Geschichten über Scheidungen, Tod, Liebe und den Glauben. Heute kann man seine Bank mieten. Er selbst widmet sich anderen beruflichen Projekten – doch das mobile Kirchenangebot soll es weiterhin geben.

Erik Neumann ist der erste und einzige Kite-Pastor der Evangelischen Kirche. Von Mai bis Juli bittet er andere Sportbegeisterte im Ostseebad Loissin aufs Brett. Mit Sicherheits- und Lenkleinen ausgestattet, lassen sie sich von Drachen auf einer Mischung aus Surfbrett und Snowboard durch Wind und Wellen ziehen – und das alles im Namen der Hannoverschen Landeskirche. Denn auch Neumann ist Seelsorger. Und seine Kite-Camps, da ist der Geistliche sich sicher, eignen sich wunderbar dazu, das Leben und den Glauben zu teilen. An jedem Morgen sind 75 Minuten Gruppengespräch über Existenzielles eingeplant. Dann geht es aufs Wasser. Die Teilnehmer berichten danach nicht nur von emotionalen Gesprächen. Manche finden sogar den Weg (zurück) in die Kirche.

Während sich die meisten Kirchen darum bemühen, neue Mitglieder in ihre Räume zu locken, dreht sich in der katholischen Jugendkirche Samuel in Mannheim alles darum, dass junge Menschen aus der Kirche herausfinden. Die Bildungsreferentin der Gemeinde, Lisa Stegerer, schließt regelmäßig kleine Gruppen von Besuchern im Kirchturm ein. Das Ganze ist Teil eines Spiels – innerhalb von 60 Minuten müssen die Teilnehmer Rätsel mit biblischem Bezug lösen, um den Weg nach draußen zu finden. Escaperoom nennt sich das Konzept, das mittlerweile als kommerzielle Variante in vielen deutschen Städten etabliert ist.

In der Jugendkirche ist das Spiel kostenlos. Die Gemeinde will junge Menschen auf diesem Weg dazu motivieren, sich mit der Kirche und der Bibel zu beschäftigen. Offenbar geht das Konzept auf: Nicht nur Firmlinge, auch Schulklassen und Kindergeburtstagsgruppen suchen regelmäßig den Weg aus dem Kirchturm. Mobile Kirchenbank, Kite-Kirche und biblischer Escaperoom – das sind drei Beispiele, die Mut machen. Kirche, so wollen sie sagen, kann auch heute relevant sein. Sie kann Zugänge ermöglichen, auch für Menschen, die sich eigentlich nicht für sie interessieren oder sie gar abgeschrieben haben.

Heulen und Zähneklappern in Hannover

Mutmacher sind wichtig in Zeiten wie diesen. Denn alle Zeichen stehen bei der Kirche auf Bedeutungsverlust und Mitgliederschwund. Die einen sind nicht an Gottesdiensten interessiert, die anderen sehen in kirchlicher Moral und politischem Gebaren von Protestanten und Katholiken einen Affront gegen die postmoderne Selbstbestimmung. Spätestens seit im Mai die Mitgliederprojektion von der Universität Freiburg und der Evangelischen Kirche in Deutschland „Kirche im Umbruch“ erschien, dringt aus Landeskirchen hüben und drüben und dem Kirchenamt in Hannover vor allem: Heulen und Zähneklappern.

Denn die Lage ist ernst: Bis zum Jahr 2060 wird die Evangelische Kirche die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Von 21,5 verbleiben voraussichtlich 10,5 Millionen Menschen im Schoß der Kirche. Und das Schlimmste: Nicht allein die Demografie ist schuld. Zwar wird rund ein Viertel der Mitglieder schwinden, weil Sterbefälle hierzulande evangelische Zuwanderung und Geburten übersteigen. Doch die andere Hälfte des Schwunds geht auf „kirchenspezifische Faktoren“ zurück, wie die Forscher es ausdrücken.

Die Deutschen taufen ihre Kinder seltener, suchen als Erwachsene kaum Kontakt zur Kirche oder treten sogar aktiv aus. Der typische Kirchenabtrünnige ist zwischen 25 und 35 Jahre alt, eher männlich, gerade ins Berufsleben eingestiegen und spürt deshalb erstmals die Last der Kirchensteuer und nimmt selten kirchliche Angebote in Anspruch. Weil sich in eben dieser Lebensphase auch die meisten Deutschen dazu entscheiden, Kinder zu bekommen, resultiert aus deren Abwendung von der Kirche auch die Nichttaufe der Kleinsten. Für die Evangelische Kirche bedeutet das dreierlei: Sie verliert Mitglieder. Sie verliert (vor allem ehrenamtliche) Mitarbeiter.

Sie verliert Geld – und das macht dank wegbrechender Kirchensteuerzahler bei wachsenden kirchlichen Ausgaben etwa die Hälfte ihrer Leistungsfähigkeit aus. Sie wird künftig weniger Mitarbeiter anstellen und weniger Kirchengebäude unterhalten können. Das Phänomen ist keineswegs konfessionell begrenzt. Bei den katholischen Geschwistern zeigen sich ähnliche Entfremdungsentwicklungen: Laut der Freiburger Studie ist die Katholische Kirche nur minimal geringer vom Mitgliederschwund betroffen. Waren 1953 noch knapp 44 Prozent der Deutschen katholisch, schrumpfte die Zahl bis 2017 auf gerade mal 28 Prozent. Auch die Freikirchen können sich nicht darauf ausruhen, dass den meisten von ihnen gesunkene Kindstaufenzahlen und Kirchensteuerverluste keine Einbrüche bescheren werden.

pro hat exemplarisch verschiedene Gemeindebünde angefragt. Demnach ist die Entwicklung zwar vielschichtig und keineswegs so eindeutig wie bei den Landeskirchen und den Katholiken. Dennoch beunruhigen die Zahlen. Die im Bund der Evangelisch-Methodistischen Kirche verbundenen Gemeindeangehörigen und Gemeindeglieder waren 1992 noch knapp 70.000, im Jahr 2018 kamen knapp 50.000 Personen zusammen. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden vermeldet seit Jahren eine Stagnation rund um die Marke von 81.000 bis 82.000 Mitgliedern. Und das bei strukturellem Bevölkerungswachstum. Der Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden ist nach eigenen Angaben gewachsen – von 28.000 Mitgliedern im Jahr 1996 auf heute knapp 63.000. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Experten gehen davon aus, dass die Eingliederung von Auslandsgemeinden dabei eine größere Rolle spielt als tatsächliches organisches Wachstum.

Vielleicht ist die Erwachsenentaufe ein Grund dafür, dass Schrumpfungsprozesse im freikirchlichen Milieu weniger rasant oder gar nicht verlaufen, sorgt sie doch mutmaßlich dafür, dass Christen in mündigem Alter eine bewusste Entscheidung für oder gegen Gott und die Gemeinde treffen. Vielleicht ist die Tatsache wichtig, dass Gemeindeglieder in Freikirchen oft stärker in die Arbeit involviert sind, weil die oftmals kleineren Organisationen eher auf Freiwilligenengagement setzen. Doch egal, woran es liegt, Fakt ist auch: Der gesamte prozentuale Anteil der Freikirchler an der Bevölkerung Deutschlands wächst nicht. Laut dem Marburger Institut Remid waren im Jahr 2001 knapp 1,1 Prozent der Deutschen Mitglieder von Freikirchen. 2017 waren es gerundet ebenso viele, deren Zahl ist im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum genau genommen sogar leicht gesunken.

Austrittsgründe: Die Bindung fehlt

Zusammengenommen zeigen die Statistiken vor allem eine Tendenz deutlich: Die Zahl der Christen in Deutschland sinkt über die Grenzen von Denominationen und Konfessionen hinweg – teilweise dramatisch. Auf die Frage nach dem Warum gibt eine Studie im Auftrag des Bistums Essen aus dem Jahr 2018 Auskunft. Dabei wurden über 300 Personen gefragt, warum sie die Kirche verlassen haben. Demnach spielt die Kirchensteuer zwar eine Rolle bei der Entscheidung zum Austritt. Jedoch fällt dies fast ausschließlich zusammen mit einer fehlenden Bindung zur Kirche oder Misstrauen ihr gegenüber ins Gewicht.

Viele Ausgetretene äußern Zweifel daran, dass die Kirche ihr Geld für gute Zwecke verwendet. Ein zweiter Grund liegt in den moralischen Vorstellungen der Kirche. Das Frauenbild, die Haltung zu Homosexualität, Priestertum, Zölibat und die Sexualmoral als solche seien veraltet. Drittens gilt die Kirche als Institution vielen als unglaubwürdig. Schuld daran scheint vor allem der Missbrauchsskandal zu sein. Einige erklärten jedoch auch, die Kirche kümmere sich zu wenig um Missionierung. Eine vierte Gruppe gab als Gründe Glaubensverlust oder Enttäuschungen durch Geistliche oder andere Kirchenmitarbeiter an.

Laut Studie ist der Weg hin zum Kirchenaustritt in ein recht simples Schema zu pressen: Auf die Kindstaufe folgen mit zunehmendem Alter Glaubenszweifel oder eine kritische Haltung gegenüber der Kirche wegen ihrer Positionen oder ihres mutmaßlich veralteten Erscheinungsbildes. Die Mitglieder entfremden sich zunehmend, verlieren immer mehr an Bindung zu ihrer Gemeinde, treten deshalb aber noch nicht aus. Dazu braucht es ein enttäuschendes Erlebnis, etwa mit einer Person der Kirche, oder den Eintritt in das Berufsleben und damit das erstmalige Zahlen der Kirchensteuer. Wer entweder die eine oder die andere Belastung der Beziehung Mitglied-Kirche erlebt, entscheidet sich schließlich für den Austritt. Stichprobenartige Erhebungen, etwa innerhalb der Evangelischen Kirche Berlins und Brandenburgs, zeigen ähnliche Austrittsgründe.

Es scheint, als sei das Hauptproblem der Kirche auf eine ebenso einfache wie verheerende Formel zu bringen: Sie hat den Kontakt zu den Menschen verloren. Vor allem schafft sie es nicht mehr, jene zu begeistern, die bereits Mitglieder sind. Wer austritt, dem fehlt die Bindung zur Kirche. Wer keine Verbindung zur Kirche hat, kann ihr Handeln seltener nachvollziehen. Und wer den Kontakt zur Kirche verloren hat, steckt Enttäuschungen schlechter weg, seien sie spirituell oder menschlich.

Was nun? Wege aus der Krise

„Nicht heulen, sondern handeln“, fordert der Katholik, Politikberater und Welt-Kolumnist Erik Flügge in seinem gleichnamigen Buch. Er kritisiert eine „zu Tode reflektierte Theologie“ der Protestanten. Zu viel Kopf, zu wenig Herz. Zu viel Bewahrungswillen, zu wenig Mut. Zu viel Wagenburgmentalität, zu wenig Leben. Wer dazu noch fröhlich nicken kann, wird eventuell skeptischer, wenn Flügge seine Ideen ausführt. Den Gottesdienst an sich erklärt er für tot und verzichtbar. Das klingt nach radikaler Reform, zugleich wünscht er sich aber auch ein vehementeres Eintreten der Protestanten für den Auferstehungsglauben, das Fundament der Kirche, wie er schreibt.

So vereint ausgerechnet der als progressiv geltende Flügge zwei Sichtweisen auf die Krise, die symptomatisch geworden sind für den Umgang mit dem Mitgliederschwund. Denn wirft man einen Blick darauf, was Theologen, Experten für Gemeindebau oder schlicht Christen von der Basis vorschlagen, um Menschen neu für die Kirche zu begeistern, dann kristallisieren sich vor allem zwei Deutungsmuster heraus. Die einen wollen Kirche neu denken, auf Begegnung statt frontale Beschallung im Gottesdienst setzen, Lehre durch Dialog eintauschen, mit Konventionen brechen.

Die anderen fordern ein – mal mehr, mal weniger – radikal ausgeprägtes Zurück-zu-den-Wurzeln, etwa der Autor und Blogger Markus Till. In seinem Buch „Zeit des Umbruchs“ plädiert er für ein kompromissloses Back-to-the-Roots, kann dem Mitgliederschwund sogar etwas Positives abgewinnen: „Die Kirche ist unaufhaltsam auf dem Weg, wieder das zu werden, was sie ursprünglich war: Eine Freiwilligenkirche von entschiedenen Jesusnachfolgern.“

Januar 2018. 11.000 Christen aus katholischen, protestantischen und freikirchlichen Gemeinden treffen sich in Augsburg. Auf der Bühne in der Messe stehen die Worte „Jesus, Jesus, Jesus“. Eine Band mit E-Gitarren, Schlagzeug und flott gekleideten jungen Musikern beschallt die Besucher. Später wird der Gründer des örtlichen Gebetshauses und Initiator der Konferenz mit dem Titel „Mehr“, Johannes Hartl, predigen. Die Tagesschau berichtet wohlwollend über das Großevent, das seit 2012 steigende Besucherzahlen verzeichnet.

Von Besucher- oder Begeisterungsmangel an kirchlichen Themen ist hier nichts zu spüren. Und das, obwohl Hartl zu den Konservativen seiner Zunft gehört: Die Pille etwa sieht er kritisch. 2018 veröffentlichte er gemeinsam mit anderen ein „Mission Manifest“, in dem Hartl unter anderem mehr Evangelisation durch die Kirche fordert und eine Abkehr vom „humanistischen Mainstream“. „Die Kirche muss wieder wollen, dass Menschen ihr Leben durch eine klare Entscheidung Jesus Christus übergeben“, heißt es in dem Schreiben. Im Juni twitterte er: „Ich kann die Frage nicht mehr hören, was Kirche tun müsse, um attraktiv zu werden. Es gibt genau eins, das attraktiv an Kirche ist: die Gegenwart Jesu. Wo tatsächlich sein Wort geglaubt, gebetet, gefastet und seiner Kraft konkret vertraut wird, ist auch Kraft da.“ Entgegen allem, was Studien und Mitgliederprognosen verlauten lassen, ist es ausgerechnet ein konservativer Katholik mit zahlreichen Fans an der evangelikalen Basis, der Massen zu begeistern vermag.

Die Landeskirchen setzen derweil auch auf Konzepte, die sich den klassischen gottesdienstlichen Formaten wie Predigt, Lobpreis und gemeinsamem Vater Unser entziehen. Fresh X, adaptiert aus der Anglikanischen Kirche Großbritanniens, will gezielt im Lebensraum der Menschen wirken und setzt vor allen Dingen auf Niedrigschwelligkeit. Kirche soll da sein, wo die Menschen sind – das kann auch bedeuten, dass vor dem Kiten in der Ostsee ein gemeinsamer Austausch der Sportler über Lebenskrisen und den Sinn des Lebens stattfindet, wie im Falle der Camps von Pastor Neumann. Oder ein Escaperoom einen neuen Zugang zu biblischen Themen schafft.

„Wir wollen nicht die verfasste Kirchenstruktur retten, sondern einen Glauben leben, der in der Welt wirkt“, beschreibt Rolf Krüger seine Arbeit. Der Gründer der Plattform Jesus.de kümmert sich heute um die Öffentlichkeitsarbeit der in Deutschland als Verein organisierten Fresh-X-Bewegung. In einem Podcast tauschte er sich kürzlich mit Kollegin Katharina Haubold darüber aus, dass klassische frontale Konzepte nicht mehr sein Zugang zu Kirche seien. Er wolle sich nicht mehr „anpredigen lassen“. Dabei könnte auch ein klassischer Predigtgottesdienst ins Fresh-X-Schema passen – wenn das Format dem Lebensgefühl der Gemeinschaft entspricht, in der das jeweilige Projekt wirken soll.

Diversität, Dialog und Mission sollen Hand in Hand gehen und Berührungsflächen für jeden ermöglichen – egal aus welchem Milieu er oder sie stammt. Ob das Konzept aufgeht, ist schwer zu sagen. Die Verantwortlichen legen Wert darauf, dass die unterschiedlichen Formate „Erprobungsräume“ sind. Seit 2015 haben sie zum Beispiel ihren festen Platz in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Erste Erhebungen zeigen Erfreuliches: Zwischen 2.600 und 4.700 Menschen konnten die insgesamt 33 unterschiedlichen Angebote von Streetwork im Problemkiez bis Kochgruppe im Stil eines Hauskreises bisher erreichen. Über die Hälfte von ihnen hat nach Angaben der Kirche zuvor keinen Kontakt zu christlichen Gruppen gehabt. Die meisten Besucher sind zwischen 20 und 40 Jahre alt – genau jene Bevölkerungsgruppe also, mit der sich die Kirche derzeit besonders schwertut. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschland hat in den letzten fünf Jahren 12,5 Millionen Euro in die Arbeit investiert.

Vielleicht lässt sich der Erfolg von so unterschiedlichen Angeboten wie Fresh X und Hartls Mehr-Konferenz so erklären: Die eine Form erreicht jene, die bereits kirchlich sozialisiert sind und die konventionelle Gestalt frommer Veranstaltungen schätzen. Die andere eher jene, die einen neuen Zugang suchen oder gar nicht wissen, wonach sie sich eigentlich sehnen. Der Theologe an der Hochschule des CVJM Tobias Faix erklärt es im Gespräch mit pro so: „Wir brauchen beides, weil es unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gibt und sich im großen Bild einiges gut ergänzt.“ Und damit meint er einerseits die Such-Orte mit ungewöhnlichen und überraschenden Formaten und andererseits die kirchenmassenkompatiblen Konferenzen eines Johannes Hartl.

Wichtig, so Faix, sei es, dass die missionarische Kraft und die Beziehung zu den Menschen vor Ort nicht verloren gehe. Laut einem Aufsatz, den er gemeinsam mit Kollegen für sein neues Buch „Kirche, ja bitte!“ verfasst hat, wird sich die Zukunft der Kirche auch an den religiös Indifferenten und Suchenden entscheiden. Jenen also, die zu wenig Bezug zu ihrer katholischen Gemeinde haben, um zum Beispiel nach Aufdeckung eines Missbrauchsskandals dennoch Mitglied zu bleiben oder gar das System verbessern zu wollen. Oder jenen, die zwar evangelisch getauft sind, aber danach nur noch zu Weihnachten mit ihren Eltern in der Kirche waren. Laut Faix gilt beim Thema Austritt eine einfache Kosten-Nutzen-­Rechnung: „Man tritt dann aus, wenn sich das Gefühl einstellt, dass eine Mitgliedschaft in der Kirche viel mehr kostet, als sie einem nutzt.“ Was muss bleiben?

Wahrheit entdecken

Liegt das Heil der Kirche also künftig in bühnenkompatiblen Großveranstaltungen mit perfekt arrangierten Lichtshows und Soundeffekten? Oder eher im Stuhlkreis mit Atheisten auf der Suche nach dem Sinn des Lebens? Experten aus Landeskirchen und dem freikirchlichen Bereich sehen in beidem Chancen und Probleme. Der Theologe Hans-Hermann Pompe von der Arbeitsgemeinschaft missionarische Dienste bei der Diakonie Deutschland beschäftigt sich hauptberuflich mit der Frage, wie Kirche sich entwickeln muss, um jene anzusprechen, die sie derzeit nicht mehr erreicht, zugleich aber ihren Kern nicht verliert.

In Fresh X sieht er einen von vielen Wegen, die es zu erproben gilt, warnt aber vor einer „messianischen Aufladung“ der Bewegung. Es gibt vieles, von dem sich die althergebrachten christlichen Institutionen verabschieden müssen, ist er sich sicher: Eine automatische fromme Sozialisation gehört ebenso dazu, wie alte Formate als Massenveranstaltung. Abschaffen will er den Gottesdienst, so wie Erik Flügge vorschlägt, dennoch nicht. „Auch Herr Flügge ist froh, wenn das italienische Restaurant an der Ecke zuverlässig geöffnet hat, sollte es ihn einmal nach Pizza verlangen“, erklärt er gegenüber pro. „Wir kommen nicht ohne Verkündigung aus“, sagt er, auch wenn sich über die Form selbiger streiten lasse. So hält er Widerspruch aus der feministischen Bewegung gegen ausschließlich männliche Sprachformen der Rede von Gott für völlig verständlich. „Gott ist Herr der Welt, aber Gott ist kein Mann“, sagt er.

Außerdem müsse sich die Kirche auch eingestehen, dass eine Predigt, basierend auf dem Bibelsatz Jesu: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ heute vielleicht mehr Menschen abschrecke als begeistere. „Jesu Satz ist kein Vogel-friss-oder-stirb-Satz, sondern eine Einladung zu einem geistlichen Weg, in dem Jesus sich als Wahrheit erschließt“, sagt Pompe. Seiner Meinung nach ergibt sich der Inhalt für postmoderne Zuhörer erst nach einer – möglicher­weise längeren – „gemeinsamen geistlichen Reise.

Rainer Schacke ist Direktor des Berliner Instituts für urbane Transformation und leitet gemeinsam mit anderen eine Freie evangelische Gemeinde in Berlin. Neben der Lehre vom Reich Gottes und der Versöhnung des Menschen mit Gott durch Jesus Chris­tus gehören für ihn die Einladung zur Lebenswende und biblische Ethik zur Basisausstattung christlicher Gemein­schaften – auch heute und künftig. Gemeinde Jesu und ihre Gottesdienste sollten kontextuell relevant sein, ohne den Inhalt des Evangeliums zu kompromittieren. Wer klassisch-liturgische Gottesdienste grundsätzlich abschaffen wolle, vernachlässige allerdings jene, die diese Form schätzen.

Bei etlichen Freikirchen und auch im Bereich der Evangelischen Allianz sieht er ein großes Versäumnis der letzten Jahrzehnte: Die Haltung war zu defensiv und zu wenig auf den kulturellen Zugang zum direkten Umfeld der Gemeinden ausgerichtet. „Wir müssen neu lernen, das Evangelium in unsere Kontexte hinein zu buchstabieren und in Gottes Mission unterwegs zu sein“, sagt er und meint damit, dass die Ortsgemeinde auch die Vielfalt der Menschen um sie herum in den Blick nehmen sollte. Soll für eine Stadt wie etwa Berlin heißen: Der Hipster aus Prenzlauer Berg sollte ebenso angesprochen werden wie die aus Syrien geflüchtete Muslima. Die kirchlich sozialisierte junge Frau ebenso wie der im humanistischen Verband engagierte Mann mittleren Alters. Freilich müsse nicht jede Gemeinde jeden Stil bedienen und könne nicht jeden erreichen.

Aber die Auseinandersetzung mit der Kultur um sie herum gehört für Schacke zum christlichen Leben in der Postmoderne dazu. „Die Kirchen können nicht einfach weiter das machen, was sie immer gemacht haben“, sagt er. Dazu gehört auch: Sie können nicht nur erwarten, dass die Menschen zu ihnen kommen, sondern Kirche muss sich auf den Weg zu den Menschen machen. Beispielhaft für ein Engagement, wie Schacke es sich vorstellt, ist die Arbeit des Vereins „Move In“. Dabei ziehen Christen in Brennpunktgegenden und pflegen die Kontakte mit den Menschen vor Ort, erleben ihre Sorgen und Probleme nicht nur aus der Distanz, sondern werden Teil der Nachbarschaft.

Begegnungsflächen wie diese will auch Pompe schaffen – nur eben auch mithilfe klassischer Konzepte. Er lobt die Aktion „Gottesdienst erleben“, deren Inhalt so simpel wie wirksam ist: Christen laden Menschen, die sie persönlich kennen, zu Gottesdiensten ein – und diese sind dann so gestaltet, dass die neu Dazugekommenen sich so willkommen wie möglich fühlen. In der Predigt fallen keine fromm besetzten Begriffe. Jeder Teil der Liturgie wird erklärt. Keine Voraussetzungen, kein Insidervokabular, volle Annahme, könnte man das Prinzip zusammenfassen.

Letztendlich können Veranstaltungen wie diese jedoch nur den Weg in die Kirche eröffnen. Ob die Menschen bleiben, ergibt sich aus dem Innenleben der Kirchen und damit dem Engagement jedes einzelnen Christen: Gelingt es ihnen, Kontakte zu jenen aufzubauen, die ihre Weltsicht nicht automatisch bejahen? Interessieren sie sich für deren Sinnfragen? Daran wird sich die Zukunft der Kirche entscheiden – egal ob sie Kite-Pastoren anstellt, Ecaperooms entwickelt, Kirchenbänke unter freien Himmel stellt oder ganz klassische Gottesdienste feiert.

Der Beitrag ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5667751, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: Anna Lutz

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Thu, 14 Nov 2019 14:58:00 +0100
<![CDATA[Mit der Bibel an Boliviens Spitze]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/11/14/mit-der-bibel-an-boliviens-spitze/ Bisher war sie die zweite Vizepräsidentin des Senats. Jetzt hat die frühere Fernsehmoderatorin und Juristin Jeannine Áñez übergangsweise bis zu den Neuwahlen im Januar das Präsidentenamt in Bolivien inne. In ihrer Heimatregion leben vor allem Nachfahren christlicher Einwanderer. Ihr erster öffentlichkeitswirksamer Auftritt mit der Bibel erzeugt bei den indigenen Völkern Angst.

Áñez muss das Land bis zu den Neuwahlen führen. Laut Verfassung müssen diese binnen 90 Tagen stattfinden. Ob Áñez selbst zur Wahl antritt, ist noch unklar. Vor dem Parlament hat die rechtskonservative Politikerin gesagt: „Wir kommen aus einer der dunkelsten Episoden unserer demokratischen Geschichte. An diejenigen, die Schaden angerichtet oder ein Verbrechen begangen haben: Gott und Gerechtigkeit werden euch richten“, zitiert sie Spiegel Online.

Senatorin für ihre Heimatregion Beni

Añez trug eine riesige Bibel vor sich her, als sie am Dienstag vom Parlamentssitz in den Präsidentenpalast wechselte. „Wir bringen die Bibel zurück in den Palast“, sagte sie unter dem Applaus ihrer Anhänger. Ihr Vorgänger Morales hatte die Heilige Schriftaus dem Regierungsgebäude verbannt.

Die Tageszeitung Die Welt zitiert ist mit den Worten: „Wir wollen in Demokratie, Freiheit und Frieden leben.“ Sie wolle ihre Pflicht erfüllen, dem Land Frieden bringen und Wahlen ausrufen. Añez gehört der Rechtspartei „Demokratische Soziale Bewegung“ (MDS) an. Von 2006 bis 2008 war sie Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung, die den Entwurf der Verfassung ausarbeitete.

Danach wurde sie als Senatorin eines Oppositionsbündnisses für ihre Heimatregion Beni in den Senat gewählt. Ihren politischen Kontrahenten Morales hat sie laut der Tageszeitung taz über das soziale Netzwerk Twitter häufig beschimpft und als „Dieb“, „Verbrecher“ oder „Idiot“ bezeichnet. Sie ist mit dem kolumbianischen Politiker Héctor Hincapié verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Laut Spiegel Online hat das Verfassungsgericht Áñez' Machtübernahme am Dienstagabend nachträglich für zulässig erklärt.

Ein tief gespaltenes Land

Der frühere Präsident Evo Morales war nach Unregelmäßigkeiten bei den Präsidentschaftswahlen und Massenprotesten im Land von seinem Amt zurückgetreten. Morales hatte sich nicht auf Jesus berufen, sondern auf Pachamama, die „Mutter Erde“. Das bescherte ihm vor allem bei der indigenen Bevölkerung Boliviens hohe Zustimmungswerte. Nach 14 Jahren Präsidentschaft befindet er sich im politischen Exil in Mexiko.

Unterdessen gehen die Auseinandersetzungen vor allem in La Paz weiter. Laut Süddeutscher Zeitung sind dabei sieben Menschen ums Leben gekommen. Das Land gilt als tief gespalten. Morales hatte vor allem der unterdrückten indigenen Bevölkerungsmehrheit zu sozialem Aufstieg und einem neuen Selbstbewusstsein verholfen. Dagegen fühlten sich die Menschen im wirtschaftlich starken Osten des Landes nie wirklich repräsentiert.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 14 Nov 2019 12:11:00 +0100
<![CDATA[Kirchenparlament verjüngt sich selbst]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/13/kirchenparlament-verjuengt-sich-selbst/ Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird sich verjüngen. Zum Abschluss der Synodentagung am Mittwoch in Dresden haben die Synodalen dazu eine Grundordnungsänderung beschlossen. Die bewirkt, dass in Zukunft mehr junge Menschen in dem Kirchenparlament sitzen.

„Es ist ein wichtiger Meilenstein, den wir heute geschafft haben, nämlich dafür zu sorgen, dass der nächsten Synode 28 Synodale angehören, die, wenn sie ihre Arbeit in der nächsten Synode aufnehmen, jünger als 27 Jahre sind“, sagte die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer. Bislang gab es Jugenddelegierte, die jedoch keine Anträge einbringen und nicht an Abstimmungen teilnehmen konnten. Die künftigen Jungsynodalen werden als reguläre Synodale alle Rechte zur Beteiligung haben. Die Regelung gilt bereits ab 2020 und somit für die nächste Amtsperiode der Synode, die 2021 beginnt und sechs Jahre dauert.

Vorrang der Gewaltfreiheit

Am Mittwoch hat das Kirchenparlament zudem eine Kundgebung unter dem Titel „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“ verabschiedet. Ein Schwerpunkt darin gilt der Klimagerechtigkeit. „Für den Frieden in der Welt ist Klimagerechtigkeit eine unabdingbare Voraussetzung“, heißt es. Die Kundgebung unterstreiche den Vorrang der Gewaltfreiheit und der zivilen Konfliktlösung im Denken der Kirche, erklärte Schwaetzer auf einer Pressekonferenz.

Nachhaltigkeit ist nach Ansicht der Präses „der große Auftrag an diese Generation". Es gelte, in Verantwortung eine Weichenstellungen dahingehend vorzunehmen, sodass die nächste Generation noch „eine Chance auf eine einigermaßen intakte und lebenswerte Umwelt“ vorfinde.

Am Dienstag hatten die Teilnehmer der Synode gemeinsam mit Betroffenen über die erfolgte Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche diskutiert. „Unsere Beratungen in Dresden haben uns darin bestärkt, die Beteiligung von Betroffenen künftig noch weiter zu stärken“, sagte Schwaetzer. Dazu wird die Kirche einen Betroffenenbeirat einrichten, der die Interessen der Betroffenen in dem noch anstehenden Aufarbeitungsprozess vertreten soll.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 13 Nov 2019 20:17:00 +0100
<![CDATA[WEA-Generalversammlung im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/11/13/wea-generalversammlung-im-bevoelkerungsreichsten-muslimischen-land-der-erde/

pro: Herr Vetter, wie war es bei der Generalversammlung der Weltweiten Evangelischen Allianz?

Ekkehart Vetter: Sehr international, 92 Nationen wurden durch die knapp 1000 Delegierten repräsentiert. Dass auch gerade der globale Süden gut vertreten war – sicher auch dem Tagungsort geschuldet –, machte die Konferenz zusätzlich interessant.

Warum fand sie ausgerechnet in Indonesien statt?

Indonesien ist das bevölkerungsreichste muslimische Land der Erde und mit 265 Millionen Einwohnern das viertbevölkerungsreichste Land der Erde. Offizielle Statistiken besagen, dass 10 Prozent davon Christen sind. Allerdings bestätigten indonesische Delegierte unabhängig voneinander, dass sie eher von etwa 20 bis 25 Prozent Christen ausgehen, was etwa 60 Millionen Menschen entspricht! Insofern sollte die Standortwahl sicher auch ein Zeichen der Unterstützung für die „Federation of Indonesia Evangelical Churches“ sein. Denn die Kirche in Indonesien wächst – unter nicht immer leichten Bedingungen!

War der Islam Thema?

In den offiziellen Themenformulierungen kam der Islam eher indirekt vor („Holistic Disciple Making and Inter-Religious and Interfaith Conversations“ oder „Holistic Disciple Making for the Persecuted Church“), in Gesprächen und Diskussionen war er ständig präsent. In meiner Tischgruppe waren Mitchristen aus Bangladesch und Nepal. Für Christen aus diesen Ländern ist der Dialog und oft auch die Auseinandersetzung mit dem Islam das tägliche Brot. Ihre Sicht auf manche Themen ist aus dieser Perspektive hochinteressant. Etwas überraschend war am Abschlussabend der indonesische Innenminister zu Gast, der sich in seinem Grußwort freundlich und freimütig zu seinem muslimischen Glauben bekannte und gleichzeitig ein Plädoyer für das friedliche Miteinander der Religionen hielt. Übrigens waren zahlreiche der Kongress-Servicekräfte in Küche, Reinigungs- und Ordnerdiensten Muslima und Muslime, ein sicher kleines, aber schönes Zeugnis dafür, dass ein friedliches Miteinander möglich ist.

Wie viele deutsche Vertreter waren dort?

Die offizielle Delegation des Hauptvorstandes der Evangelischen Allianz in Deutschland bestand aus fünf Personen. Sie sind alle Mitglieder des Hauptvorstandes: Michael Eggert vom Geschäftsführenden Vorstand, Stefanie Linner, Koordinatorin des Micha Deutschland e.V., Johannes Schmidt, Mitglied des Aufsichtsrats des Evangelischen Allianzhauses, sowie Generalsekretär Reinhardt Schink. Hinzu kamen weitere Deutsche, zum Beispiel Delegierte von Werken und Personen mit offizieller WEA-Beauftragung, etwa Thomas Schirrmacher, Johannes Reimer und Timo Plutschinski.

Wie gut war der Kontakt zu den ausländischen Kollegen möglich?

Sehr einfach. Zunächst war die Konferenz mit insgesamt sechs Tagen sehr lang, also blieb viel Zeit auch zum informellen Austausch. Es gab offizielle Networking-Zeiten, aber auch gemeinsame Mahlzeiten im Konferenzzentrum, Tischgruppen für inhaltliche Diskussionen. Da alle Teilnehmer praktisch sechs Tage unter einem Dach zusammen waren, und weitgehend in den gleichen Hotels eingebucht waren, gab es eine Fülle von Begegnungsmöglichkeiten.

Welche Botschaft geht von der Versammlung hauptsächlich aus?

Das Leitthema „Your Kingdom come“ verästelte sich in viele Unterthemen. Viele Klassiker kamen zur Sprache: Herausforderung zu entschiedener und authentischer Nachfolge; Ernstnehmen des Missionsauftrags im Alltag; Mission und Diakonie als beide Flügel glaubwürdigen Redens und Handelns in der Welt; Förderung gerade von jungen Leiterinnen und Leitern; die Notwendigkeit interreligiösen Dialogs bei gleichzeitiger Betonung, dass Jesus allein Weg, Wahrheit und Leben ist; die Bedeutung von Frieden und Versöhnung für und mit allen Menschen; die Solidarität mit der verfolgten Gemeinde Jesu und vieles mehr. Beeindruckend war für mich, dass die Delegierten, obwohl sie aus national, religiös und kulturell höchst unterschiedlichen Kontexten kamen, doch mit einem – gefühlt – hohen Maß an Übereinstimmung unterwegs sind. Das „Statement of Faith“, also die Glaubensbasis der Allianz, die in ihren verschiedenen Fassungen auf Welt- und nationaler Ebene zwar nicht völlig gleich ist, aber doch sehr hohe Schnittmengen hat, bewirkt hier direkt und oft sicher eher indirekt doch ein vergleichsweise hohes Maß an Übereinstimmung.

Was war für Sie persönlich der Höhepunkt der Reise?

Da denke ich nicht an einen einzigen Moment. Eher daran, dass die Begegnung mit Mitchristen aus der Weltchristenheit, gerade auch aus dem globalen Süden, gerade auch aus Ländern, wo Glaube an Jesus nur unter erheblichem Druck gelebt werden kann, unglaublich horizonterweiternd und bereichernd ist. In der direkten Begegnung mit Menschen aus solchen Kontexten spürt man, dass Nachfolge Jesu ganz andere Dimensionen haben kann, als wir es im wohltemperierten europäischen Kontext erleben. Und man spürt, dass wir in Europa wieder auf die Schulbank müssen, um von der Christenheit aus diesen Ländern, wo Kirchen zum Teil erheblich wachsen, zu lernen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jörn Schumacher

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Wed, 13 Nov 2019 15:45:00 +0100
<![CDATA[Kongress: Trotz Verfolgung entstehen neue christliche Gemeinden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/11/13/kongress-trotz-verfolgung-entstehen-neue-christliche-gemeinden/ Zu einem verstärkten Einsatz für bedrängte Christen haben mehrere Referenten auf dem 6. ökumenischen Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd vor rund 450 Teilnehmern aufgerufen. Trotz weltweit zunehmenden Widerstands gegen das Christentum entstünden überall neue christliche Gemeinden, berichtete der Direktor des christlichen Hilfswerks „Barnabas Fund“, Patrick Sookhdeo aus Pewsey in Südwestengland. Seinen Angaben nach breitet sich das Christentum vor allem in Staaten aus, die Christen bedrängten.

In Nigeria gibt es „eine Art Völkermord an Christen“

Der Kirchenpräsident der „Evangelical Church Winning all“ (ECWA) im nigerianischen Jos, Stephan Panya Baba, sagte laut einer Pressemitteilung, dass sich in manchen Regionen Nigerias die Situation von Christen so sehr verschlechtert habe, dass man von „einer Art Völkermord an Christen“ sprechen könne. Es gebe in seinem Heimatland nicht nur die islamische Terrormiliz „Boko Haram“ (Westliche Bildung ist Sünde), sondern auch extremistische Fulani-Milizen. Häufig sei – auch in Medienberichten in Europa – zu lesen, dass die schweren Auseinandersetzungen im Süden des Landes zwischen christlichen Bauern und muslimischen Fulani-Nomaden keine religiösen Gründe hätten, sondern ein Streit um Land sei. Doch die muslimischen Angreifer richteten sich gezielt gegen Christen. Muslime würden zumeist gewarnt und verließen dann „ganz still“ am Abend vor der Attacke das Dorf.

Irak: Ohne Sicherheitsgarantien keine Rückkehr von Christen

In einer anderen Veranstaltung berichteten Kirchenvertreter, dass die meisten irakischen Christen ohne Sicherheitsgarantien nicht in ihre Heimat zurückkehrten. Die Terrororganisation „Islamischer Staat“ habe viele christliche Dörfer verwüstet und Tausende Kirchenmitglieder ermordet. Betroffen war vor allem die nordirakische Ninive-Ebene mit der Hauptstadt Mossul. Etwa 40 Prozent der Häuser seien dort zerstört worden, berichtete der dortige katholische Priester Georges Jahola. Am Wiederaufbau beteiligten sich Hilfsorganisationen aus aller Welt.

Etwa 40.000 der mehr als 500.000 aus der Ninive-Ebene Vertriebenen seien inzwischen zurückgekehrt, die Übrigen lebten in anderen Landesteilen oder in den Nachbarländern Türkei, Libanon und Jordanien sowie im westlichen Ausland. Am wichtigsten sei das Gefühl, ohne Angst vor neuen Angriffen planen zu können. Außerdem brauche man Arbeitsplätze in Fabriken, Handwerksbetrieben und der Landwirtschaft. Die irakische Regierung unterstütze den Wiederaufbau nur zögerlich. Der Geistliche forderte mehr internationalen Druck, um die Korruption im Land wirkungsvoll zu bekämpfen.

Türkei: Es gibt Druck und Probleme, aber keine Christenverfolgung

Der Generalsekretär der Türkischen Evangelischen Allianz, Umit Sahin aus Izmir, sagte, in der Türkei könne man nicht von Verfolgung sprechen. Er gebe aber Druck und Probleme. So könne es passieren, dass die Polizei, nachdem beispielsweise ein Student Christ geworden sei, die Familie anrufe, sie darüber informiere und vor einer möglichen „Gehirnwaschung“ durch Missionare warne. Andere Christen hätten nach ihrem Übertritt ihren Arbeitsplatz verloren.

Kauder: Einsatz für verfolgte Christen ist eine „geschwisterliche Pflicht“

Für den Schirmherr des Kongresses, den früheren Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder, ist der Einsatz für Religionsfreiheit und verfolgte Christen eine „geschwisterliche Pflicht“. Christen in Deutschland trügen die Verantwortung, dass Glaubensfreiheit auch in Zukunft bestehen könne: „Wenn es die Religionsfreiheit nicht gibt, gibt es auch keinen Schutz für Christen.“

Der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel, sagte in der Auftaktveranstaltung, das Thema Religion gewinne für die Bundesregierung zunehmend an Bedeutung. So sei eine Veranstaltungsreihe „Religion matters“ (Religion zählt) ins Leben gerufen worden, und im Auswärtigen Amt gebe es ein Referat zum Thema „Religion und Außenpolitik“.

Kongress begann 2009 mit zehn Kooperationspartnern

Das Christliche Gästezentrum Schönblick und die Evangelische Nachrichtenagentur idea veranstalten den viertägigen Kongress in Zusammenarbeit mit mehr als 30 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Er geht am Mittwoch zu Ende. Es ist laut der Veranstalter der größte Kongress dieser Art in Deutschland.

Ziel des Kongresses ist es, bedrängten Christen eine Stimme zu geben, die Netzwerke zwischen ihnen und den Christen in der „freien Welt“ auszubauen und Initiativen zum Handeln aufzuzeigen. Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress begann 2009 mit zehn Kooperationspartnern und 250 Teilnehmern.

Von: Martina Blatt

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Wed, 13 Nov 2019 15:20:00 +0100
<![CDATA[Massiver Fachwerkbau rettet Kirche weitgehend]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/11/13/massiver-fachwerkbau-rettet-kirche-weitgehend/ Am Montagmorgen ist ein Lastwagen von der Straße abgekommen und in die eingerüstete Kirche im mittelhessischen Dautphetal-Hommertshausen gekracht. Der 30-Tonner war mit Altmetall beladen. Die Kirche wurde um einige Zentimeter verschoben. Das bewegliche Holzgerippe des Fachwerkbaus hat die Energie des Aufpralls sehr gut abgefangen und Schlimmeres verhindert.

Bauleiter Franziskus Hartmann lobte in der Hessenschau das kleinteilige Gefüge des Fachwerks: „Wenn ein Bauteil versagt, wird das benachbarte mithelfen die Last zu tragen.“ Die Kirche war gerade unter anderem mit Hilfe des Fördervereins saniert worden. Eine Stunde später wäre der Unfall wohl nicht so glimpflich ausgegangen. Im Laufe des Vormittags waren Bauarbeiten am Dach der Kirche geplant. Die Schieferplatten sollten ersetzt werden.

„Insgesamt eine stabile Geschichte“

Die Empore der Kirche wurde durch die Fassade gedrückt. In der Giebelwand klafft ein Loch. Auch die Scheune neben der Kirche wurde in Mitleidenschaft gezogen. In ihr stecken Schrottteile, die sie einsturzgefährdet machen, heißt es im Hessenschau-Beitrag. Der Grund für den Unfall war am Dienstag noch nicht klar. Das Technische Hilfswerk (THW) sicherte die Gebäude behelfsmäßig ab.

1956 musste das Gotteshaus wegen der Verbreiterung der Durchfahrtsstraße schon einmal um zwei Meter verschoben werden: „Es ist halt insgesamt eine sehr stabile Geschichte“, sagt Bauleiter Hartmann. „Es ist verformt, wird aber nicht umfallen.“ Dem Hinterländer Anzeiger erklärte er, dass er in seinem Berufsleben noch nichts Vergleichbares erlebt habe. Er sieht die Kirche nicht akut einsturzgefährdet. Das werde durch die Verstrebungen des Fachwerks verhindert.

Eigentlich sollte das Dach der alten Kirche in dieser Woche saniert werden. Die genaue Höhe des Schadens konnte noch nicht beziffert werden. Positiv ist, dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist - und die Erkenntnis, dass Bauteile die Last des anderen gegenseitig tragen. Damit steht die 1656 erbaute Barock-Kirche sinnbildlich für das Bild einer funktionierenden Gemeinde.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 13 Nov 2019 13:25:00 +0100
<![CDATA[Kanye West besucht Joel Osteens Lakewood-Kirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2019/11/13/kanye-west-besucht-joel-osteens-lakewood-kirche/ Dass der US-Rapper Kanye West seit einigen Monaten seinen eigenen Sonntags-Gottesdienst an verschiedenen amerikanischen Orten veranstaltet, ist mittlerweile vielen bekannt. Der Schauspieler Brad Pitt und der Sänger Justin Bieber haben diesem bereits einen Besuch abgestattet. Und nun besucht Wests „Sunday Service“ die Lakewood Church in Houston und dessen berühmt-berüchtigten Pastor Joel Osteen. Das berichtet das amerikanische Onlinemagazin Relevant Magazine. Kritiker sehen den Geistlichen als Vertreter eines Wohlstandsevangeliums.

Am Sonntagmorgen findet im Gottesdienst eine Fragerunde mit dem Pastor und dem Künstler, der sich kürzlich zum christlichen Glauben bekehrt hat, statt. Osteen will West zu seiner „Reise zum Glauben“ interviewen, heißt es beim Relevant Magazine. Der Gottesdienst soll online übertragen werden. Abends tritt der Musiker zusammen mit seinem „Sunday Service“-Gospelchor auf. Dieser ist auch auf der aktuellen Platte „Jesus is King“ zu hören und im gleichnamigen Film zu sehen.

Der Chor begleitet den Rapper derzeit immer wieder. In der Sendung „The Late Late Show with James Corden“ war er auch am Start. Corden ist in der Regel mit seinen Gästen im Auto unterwegs und sie singen gemeinsam Auto-Karaoke. Bei dem Gespräch mit West war das etwas anders, denn die beiden fuhren nicht im Auto, sondern flogen im Flugzeug – zusammen mit dem aus zig Sängern bestehenden Gospelchor. Das knapp 20 Minuten lange „Flugzeug-Karaoke“-Video mit mittlerweile fast 13 Millionen Klicks glich immer wieder einem Gottesdienst, wenn die Gospelsänger zusammen mit West und Corden geistliche Lieder sangen und der Rapper von seinen Erlebnissen mit Gott berichtete.

Von: Martina Blatt

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Wed, 13 Nov 2019 11:53:00 +0100
<![CDATA[Ein Ausgebrannter brennt für Jesus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/11/13/ein-ausgebrannter-brennt-fuer-jesus/ Die Fußball-Karriere von Michael Sternkopf verläuft geradlinig. Seine erste sportliche Station absolviert der „Badener Bub“ beim Karlsruher SC. Im Winter 1990 sitzen Bayern-Boss Uli Hoeneß und der damalige Trainer Jupp Heynckes im Wohnzimmer der Eltern. Der deutsche Rekordmeister will Sternkopf verpflichten. Ein halbes Jahr später wechselt er zum FC Bayern: Er ist der bis dahin teuerste Transfer der Fußball-Bundesliga.

„Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Wenn ich am Wochenende gespielt habe, waren sie wie selbstverständlich dabei“, erzählt der 49-Jährige. Das Ziel, Profi zu werden, hatte er für sich selbst nie ausgegeben: „Ich hatte weder einen hohen Selbstwert noch großes Selbstbewusstsein.“ Das zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: „Ich hatte Angst davor, erdrückt zu werden. Ich hatte Angst davor, gesteckte Ziele nicht zu erreichen.“

Strahlkraft der Bayern wurde zum Verhängnis

Diese Angst sollte sich intensivieren. Er verlässt sein „Wohnzimmer“, das Wildpark-Stadion, und wechselt 1990 als 20-Jähriger nach München. „Ich hatte kaum Lebenserfahrung und Bayern München hatte viel Strahlkraft.“ Die 3,4 Million D-Mark Ablösesumme vergrößert den Druck. In München landet er erstmal auf der Ersatzbank: „Wenn du in der Jugend erfolgreich bist, hast du oft mehr als 90 Prozent deiner Spiele gewonnen. Jetzt wirst du mit persönlichen und sportlichen Niederlagen konfrontiert.“

Während der Karlsruher SC nach drei Siegen in Folge schon von höheren sportlichen Weihen träumt, ist der Anspruch bei Bayern ein anderer. „Nach einer Niederlage kam Hoeneß in die Kabine und sagte: ‚Zwei Niederlagen in Folge genügen nicht dem Anspruch des Vereins.‘“ Viele Profis können damit umgehen. Sternkopf fällt das schwer. Die ersten Rückschläge lassen ihn daran zweifeln, ob seine mentale Stärke reicht. 1991 schickt ihn Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt zu einem Spezialisten, der ihm Anti-Depressiva verschreibt.

Spieler werden schnell be- und verurteilt

Seine gesundheitlichen Probleme bleiben Verschlusssache: „Der Druck wurde für mich dadurch nicht kleiner.“ Fußballer dürfen keine Schwäche zeigen, meint er. Heute betont er: „Profi­sportler sind keine Maschinen. Keiner kann 365 Tage Höchstleistung bringen. Weil Fußballer so viel verdienen, setzen es die Menschen voraus.“ Leistung habe aber nichts mit dem Gehalt zu tun.

Dass Medien und Zuschauer trotzdem schnell be- und ver­urteilen, erhöht den Druck für ihn. Sternkopf zieht eine Parallele zum Ausscheiden der Nationalspieler bei der WM 2018: „Das war demütigend und verletzend. Jeder versagt einmal, aber dadurch ist er kein Versager“, kritisiert er die schreibende Zunft: „Journalisten können das nicht nachvollziehen.“

„Seit Gründung der Bundesliga hat noch kein Profi zugegeben, dass er Angst hat zu versagen. Heute muss er sich gnadenlos dem Urteil der Sozialen Medien aussetzen“, glaubt Sternkopf. Spieler würden sehr schnell von den Medien zerrissen. Gerade von ehemaligen Mitspielern und heutigen TV-Experten wünscht er sich mehr Empathie: „Die Experten dürfen gerne sagen, unter welchem Druck die Sportler stehen. Das wäre wichtiger, als noch mehr Druck aufzubauen.“

Gegen Maradona auf dem Platz

Wirklich befreit kann Sternkopf nicht mehr spielen. „Ich saß nassgeschwitzt im Bus auf dem Weg zum Stadion, weil ich Angst hatte zu versagen. Wenn du dann den ersten Zweikampf verlierst und die Zuschauer raunen, fängst du an zu überlegen und spielst Alibi.“ Sein volles Potenzial ruft er nie mehr ab: „Kein Mensch macht seinen Job ohne Angst so, wie er ihn mit Angst macht“, verdeutlicht er.

Und natürlich redet Sternkopf auch über den Torwart Robert Enke. Der Fußballprofi hat sich 2009 wegen seiner Depressionen das Leben genommen. „Er war Deutschlands Nummer 1 und hätte auch bei der WM 2010 gespielt. Und die Journalisten schreiben, dass er ‚nur‘ die Nummer 2 beim FC Barcelona ist. Das ist der Traum von Millionen Kindern auf der Welt. Wer das schreibt, versteht gar nicht, wie lange und anstrengend der Weg dorthin ist und wie viel Wille und Talent es braucht.“

Sternkopf darf gegen Stars wie Diego Maradona auflaufen, „den Fußballer meiner Jugend und Kindheit schlechthin“. Er darf die Meisterschale in den Händen halten. Trotzdem bleibt er immer hinter den eigenen Ansprüchen und den gefühlten Anforderungen anderer zurück. Die letzten Jahre als Profi in Bielefeld ist Sternkopf von Verletzungen gebeutelt. Der Übergang in das Leben danach gelingt. Er steigt als Mitarbeiter bei Kickers Offenbach ein. Er hilft dem Verein bei der Sponsorensuche und in der Vermarktung.

Nie gelernt Nein zu sagen

2011 wagt er die Herausforderung. Er beerbt Andreas Möller bei den Offenbacher Kickers als sportlicher Leiter. Die Schwäche, nicht Nein sagen zu können, wird ihm zum Verhängnis. Ihm wächst alles über den Kopf: die Arbeit und private Schwierigkeiten bringen das Fass zum Überlaufen. Besonders Menschen zu kritisieren und durch Entscheidungen zu enttäuschen, fällt ihm schwer. Sternkopf leidet unter Panikattacken.

Vor fünf Jahren schickt ihm der „Body-Guard und Herzenskämpfer“ Michael Stahl über Facebook eine Nachricht. Der Christ hat eine Lebensgeschichte voller Verletzungen und Demütigungen. Er hat heilsame Vergebung erfahren. Mit seiner Sportschule und seinen Selbstverteidigungskursen möchte er Menschen stärken und sie auf Gottes bedingungslose Liebe hinweisen. Stahl hatte das Gefühl, Sternkopf „fehle etwas“.

Sternkopf und Stahl bleiben in losem Kontakt. Bis sie sich persönlich kennenlernen, dauert es noch vier Jahre. Am 26. März 2018 besucht der Fußballspieler den Kampfsportler in dessen Heimat Bopfingen: „Obwohl wir uns nicht wirklich kannten, war die Atmosphäre herzlich.“ Stahl erzählt Sternkopf seine Geschichte: „Ein Mann, der über seine Schwächen redet. Das beeindruckte mich.“

Stahl fällt nicht mit der Tür ins Haus. Er weiß, dass in Sternkopfs Umfeld niemand gläubig ist. Dennoch versorgt Stahl den Fußballer täglich mit Bibelstellen und Sprüchen. Genau einen Monat später ist sich Sternkopf sicher, dass er ein Leben mit Gott ausprobieren möchte. Am 26. April beschließt er gemeinsam mit seinem damals zwölfjährigen Sonn Lenni, sein Leben Jesus anzuvertrauen. „Ich habe mich wie neu gefühlt.“ Er sagt: „Ich bin weder bibelfest, noch Profi-Christ. Ich habe ihn in meinem Herzen. Er hat in den letzen 18 Monaten Unfassbares bewirkt. Ich war ein körperliches und psychisches Wrack.“

Sternkopf hat seine Berufung gefunden

„Ich muss keine Leistung bringen, um zu wissen, dass ich geliebt bin.“ Mittlerweile hält Sternkopf Vorträge zu seiner Biografie. Dabei ist ihm eines besonders wichtig: „Wenn Menschen anderen von ihren Erfolgen erzählen, fühlen diese sich klein. Aber auch vermeintlich erfolgreiche Menschen haben Ängste: Der Fußballprofi genau wie der Arbeiter einer Firma.“

Sternkopf möchte Hoffnung geben, weil er weiß, wie es Menschen geht, die sich über Leistung und Erfolg definieren. „Ich habe mich schlecht und klein gefühlt, obwohl ich beim FC Bayern München war.“ Heute kann er mit Druck viel besser und befreiter umgehen. Er glaubt, seine Berufung gefunden zu haben: „Gott nutzt mich, um anderen Menschen die Augen zu öffnen.“

Der Beitrag über Michael Sternkopf ist im Christlichen Medienmagazin pro erschienen. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5667751, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 13 Nov 2019 10:51:00 +0100
<![CDATA[Lob und Preis – ein Erdbeereis!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/11/13/lob-und-preis-ein-erdbeereis/ pro-Kolumnist Jürgen Mette.]]> Warum sind unsere Politiker oft so humorlos und verbiestert? Jüngstes Beispiel aus dem Berliner Sauerkrautbottich: Markus Söder berichtet von der nächtlichen Verhandlung zur Grundrente und lässt nebenbei raus, es sei in einer Sitzungspause Erdbeereis serviert worden. Was für ein schönes Detail der Menschlichkeit mitten im oft beinharten Zoff des Regierungsalltags! Solange im Kanzleramt Erdbeereis serviert wird, kann es gar nicht so schlimm um die Regierung stehen. Danke, Markus Söder. Allerdings hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer alias AKK gleich vom Verdacht der süßen Völlerei distanziert: „Ich lege Wert auf die Feststellung, dass Markus Söder Erdbeereis gegessen hat.“ Darauf Söder: „Ja. Na, die anderen auch. Du hast keins gegessen?“ Humor hat sie nicht, die CDU-Vorsitzende.

Am gleichen Tag: Die an MS leidende SPD-Ko-Vorsitzende Malu Dreyer hakt sich auf dem Weg zur Verkündigung der GroKo-Einigung zur Grundrente bei Markus Söder unter. AKK wirkte etwas irritiert. Aber so könnte es öfters zugehen. Über alle parteipolitischen Differenzen hinweg muss Raum sein für heitere Gelassenheit, für Spontanität, für Witz und Humor.

Besser entscheiden nach gutem Schlaf

Unvergessen sind die geistreichen und von gegenseitiger Wertschätzung getragenen Rededuelle zwischen Gregor Gysi und Norbert Lammert: wunderbarer Klamauk außerhalb des Protokolls zwischen zwei Männern, die von der politischen Überzeugung her ein eher angespanntes Verhältnis gehabt haben. Die beiden Originale fehlen im Hohen Haus.

Im Übrigen ist den Politikern ausreichend Schlaf zu wünschen. Jedoch verhandeln und tagen sie mitunter bis spät in die Nacht hinein oder gar bis zum nächsten Morgen. Ausgeschlafen denkt es sich aber meist besser. Ein süßes Betthupferl sei den Mächtigen gegönnt.

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Wed, 13 Nov 2019 10:42:00 +0100
<![CDATA[„Auch in Korea kann die Mauer fallen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/11/12/auch-in-korea-kann-die-mauer-fallen/

pro: Sie wurden 2012 in Nordkorea verhaftet. Was war der Auslöser dafür?

Kenneth Bae: Ich habe zu der Zeit als Missionar in China gearbeitet. Ich konnte Nordkorea auf Einladung eines Freundes besuchen, der in Nordkorea arbeitete. Zum ersten Mal war ich 2010 da. Ich habe dann andere Christen mit ins Land genommen, um in Nordkorea zu beten und Gottesdienste zu feiern. Zwischen 2011 und 2012, also innerhalb eines Jahres, konnte ich 300 Christen aus 17 Ländern nach Nordkorea bringen. Am 3. November 2012 wurde ich verhaftet. Ich hatte einen Fehler gemacht: Ich hatte eine Festplatte dabei, auf der ein westlicher Dokumentarfilm über Nordkorea war. Die Behörden fühten sich von dem Inhalt des Filmes angegriffen, deswegen wurde ich verhaftet. Auf der Festplatte waren aber auch meine Missionsberichte und Newsletter über meine Tätigkeiten in China und Nordkorea.

Waren Sie sich des Risikos bewusst, als Sie nach Nordkorea gegangen sind?

Ich wusste um das Risiko, dass in Nordkorea alles passieren kann. Aber die nordkoreanische Verfassung garantiert Religionsfreiheit, jeder darf zu seinem Gott beten. Das haben wir uns bei den Reisen zu Nutze gemacht. Solange wir unter uns blieben und beteten, war das okay. Es hat auch nie Probleme gegeben deswegen. Aber als ich verhaftet wurde, beschuldigten die Behörden mich, die Regierung mit Gottesdiensten und Gebeten stürzen zu wollen – auch weil ich 300 Menschen ins Land gebracht hatte, um zu beten. Sie haben das Gebet als Waffe gegen sich verstanden. Ich wurde zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt – als erster Amerikaner seit dem Koreakrieg. Ich wurde aber nach zwei Jahren freigelassen.

Hatten Sie auch Kontakt zu Christen in Nordkorea?

Nein. Der Zweck unserer Reisen war es, Menschen nach Nordkorea zu bringen, damit sie das Land sehen und dafür beten. Wir hatten dabei keinen Kontakt zu Christen dort. Aber wir wissen, dass es Untergrundkirchen gibt.

Wie hat die Zeit in Haft Ihren Glauben geprägt?

Jeder Tag war unterschiedlich. Aber ich habe immer unter Schmerzen gelitten. Ich musste sehr hart arbeiten. Ich habe Gott gefragt: „Wie lang wird das Leiden andauern?“ Und Gott hat mir gesagt: „Das Leiden bringt dich weiter, es ist gut für dich.“ Das war nicht die Antwort, die ich gesucht habe. Aber er hat mir gesagt: „Ich bin mit dir, meine Gnade ist ausreichend für dich.“ Diese Worte beschäftigten mich, als ich in Haft war. Durch das Leiden habe ich gelernt, meinen Blick noch stärker auf Gott zu richten und ihm noch mehr zu vertrauen – denn ich hatte ja gar niemanden anderes, dem ich vertrauen konnte. Wenn mein Glaube schwächer wurde und ich die Hoffnung verlor, gab es immer wieder besondere Momente von Gottes Gegenwart, Schutz und Fürsorge, um mich wissen zu lassen, dass er mit mir ist. Insgesamt war es trotz allem eine Zeit, die meinen Glauben gestärkt hat. Auch meine wahre Berufung für die Mission habe ich dadurch neu entdeckt. Ich musste verstehen, dass ich nicht als Gefangener dort war, sondern als Missionar, als jemand, der Gottes Reich verkündet. Es hat ungefähr ein Jahr gedauert, bis ich das wirklich begriffen habe.

Gab es Situationen im Gefängnis, die Ihnen geholfen haben, so zu denken?

Da gab es verschiedene Situationen. Am dritten Tag meiner Gefangenschaft, als ich Tag und Nacht verhört wurde, zwangen sie mich, den ganzen Tag mitten im Raum zu stehen. Wenn ich mich bewegte, kamen sie herein und schrien mich an. Ich musste stundenlang absolut still stehen. Mein Rücken hat geschmerzt, mein Bein hat wehgetan, ich war müde. Ich war sehr besorgt, habe mir selbst Vorwürfe gemacht und mich gefragt: „Wo ist Gott? Hat er mich verlassen?“ Plötzlich ist meine linke Hand ganz warm geworden. Ich habe meine Handfläche geöffnet und da hat irgendetwas golden geglänzt und die Wärme hat sich im ganzen Arm ausgebreitet. Und da wusste ich: Gott ist ein guter Gott, der gerade ganz nah bei mir ist und für mich sorgt, deshalb brauche ich mich nicht zu fürchten. Der Heilige Geist stand neben mir und hat mich an die Hand genommen. Mir kamen die Worte in den Sinn: „Gott ist mit mir, wer kann gegen mich sein?“ (Römer 8,30).

Eines Tages habe ich mich nach Essen gesehnt – Schokolade, amerikanisches Beef Jerky und so Sachen. Dafür hab ich gebetet. Drei Monate später wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Meine Mutter aus den USA durfte mich später besuchen und brachte genau die Dinge mit, nach denen ich mich so gesehnt hatte. Ich hatte sie nicht angerufen oder irgendjemandem davon erzählt. Das war auch so ein Beispiel, wo ich merkte: Gott sorgt für mich, er ist an meiner Seite. Das hat meine Perspektive auf den geistlichen Dienst und die Mission verändert: Es geht nicht darum, Dinge zu tun und zu erreichen, sondern mit Gott zu leben, in seiner Gegenwart, daran zu glauben, dass wir in Christus alles tun können.

Sie arbeiten unter Flüchtlingen, die aus Nordkorea nach Südkorea kommen. Was berichten die über die Lebensverhältnisse dort?

Als ich in Nordkorea in Haft war, hat mich einer beim Verhör gefragt: „Ich habe schon von Gott gehört, aber nie von Jesus. Wo lebt dieser Jesus – in China oder in Korea?“ Er war in der Hauptstadt geboren, war auf dem College, und hat nie den Namen Jesus gehört. Das ist eine Tatsache, die heute auf 25 Millionen Menschen in Nordkorea zutrifft. Der Name Jesus ist für die meisten Menschen dort kein Allgemeinwissen. Es gibt keine Kirchen, keine Pfarrer, keine Bibel, kein Fernsehen, keien Bücher oder Filme, die von Jesus erzählen. Ich habe hunderte Menschen getroffen, die aus Nord- nach Südkorea gekommen sind. Aber noch niemanden, der bis dahin von Jesus gehört hatte. Allerdings: Als es in den Neunzigerjahren eine Hungersnot gab, verließen viele Menschen Nordkorea Richtung China. Dort hörten einige das erste Mal von Jesus. Manche wurden Christen und gingen später zurück – ob freiwillig oder nicht. Es gibt also heute insgesamt mehr Christen in Nordkorea als je zuvor. Aber man kann nicht einfach herausfinden, wer Christ ist. Denn die Strafe dafür, Christ zu werden, ist der Tod. Die ältere Generation, die über 70 ist, hat vielleicht in ihrer Jugend mal was von Jesus gehört. Aber diejenigen, die 50 Jahre oder jünger sind, haben in Nordkorea praktisch keine Cahnce dazu, etwas von Jesus zu erfahren. Das ist die verzweifelte Situation in Nordkorea. Es ist das Land, in dem Christen am stärksten verfolgt werden.

Seit 2018 haben sich US-Präsident Donald Trump und Diktator Kim Jong-un mehrmals getroffen. Gibt es dadurch Chancen, dass Nordkroea offener wird und sich die Lebensbedingungen für Christen verbessern?

Es war schon ein Lichtblick, dass sich die beiden getroffen haben. Aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich die Situation in Nordkorea verbessert. Im Gegenteil: Sie wird derzeit eher schlechter.

Gibt es irgendeinen Weg, wie man den Christen in Nordkorea von außen helfen kann?

Um das Evangelium zu hören, müssen die Menschen eigentlich außerhalb von Nordkorea sein. Aber was wir tun ist zum Beispiel Folgendes: Einmal im Monat senden wir Bibeln per Flaschenpost über den Ozean nach Nordkorea. Der Wind bläst sie dorthin. Auf diese Art haben wir bisher rund 2.000 Bibeln verschickt. Aber der beste Weg ist, so viele Menschen wie möglich aus Nordkorea herauszubekommen. Das wird die Mauer in Korea zum Einsturz bringen, so wie es auch in Deustchland 1989 war. Zuvor waren tausende aus der DDR geflohen. Ich denke, so etwas kann sehr bald auch in Nordkorea geschehen. Deshalb helfe ich dabei, dass Menschen aus Nordkorea nach China und nach Südkorea kommen.

Sie haben in diesen Tagen auf einem Kongress für verfolgte Christen gesprochen. Was ist Ihre Botschaft für die Christen in Deutschland?

Ich bitte die Christen in Deutschland, sich an die Menschen in Nordkorea zu erinnern. Denn bevor die Mauer in Deutschland fiel, haben auch Christen rund um die Welt für eine Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland gebetet. Und durch die Kraft des Gebetes ist die Mauer gefallen, Deutschland wurde vereinigt. Das kann auch auf der koreanischen Halbinsel geschehen. Wir sind in Korea seit 70 Jahren geteilt. Menschen in Nord- und Südkorea haben schlimme Schwierigkeiten durchlebt: Familien wurden getrennt und durften sich nicht besuchen. Sie haben in Deutschland ganz ähnliche Erfahrungen gemacht. Christen in Deutschland können beten für Erlösung, für Freiheit, Wiedervereinigung, dass Menschen nicht länger leiden müssen, sondern befreit werden. Gebete können Wunder bewirken und an einem Wunder werden wir auf der koreanischen Halbinsel Gottes Herrlichkeit sehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kenneth Bae wurde 1968 in Südkorea geboren. Mit 16 Jahren kam er in die USA. Er hat die Organisation Nehemiah Global Initiative gegründet und arbeitet selbst am Standort der Organisation in Südkorea. Die Organisation betreibt unter anderem ein Gebetsnetzwerk für Nordkorea und ein Hilfsangebot für Flüchtlinge aus Nordkorea. Auf Einladung der Hilfsaktion Märtyrerkirche war Bae im November in Deutschland und sprach unter anderem beim Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd.

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

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Tue, 12 Nov 2019 17:09:00 +0100
<![CDATA[Betroffene sollen beim Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der Kirche beraten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/12/betroffene-sollen-beim-kampf-gegen-sexuellen-missbrauch-in-der-kirche-beraten/ Die evangelische Kirche will zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen die Zusammenarbeit mit Betroffenen weiter ausbauen. Das geht aus dem Synodenbericht des Beauftragtenrates zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an die Synode in Dresden hervor. Nach Angaben der Sprecherin des Beauftragtenrates, Bischöfin Kirsten Fehrs, soll ein zwölfköpfiger Betroffenenbeirat im Frühjahr 2020 eingesetzt sein und seine Arbeit aufnehmen. Dieser Beirat soll sich kritisch in den Aufarbeitungsprozess in der Kirche einbringen. „Wir wollen der Forderung nach indivdueller Aufarbeitung nachkommen", erklärte Fehrs vor der Synode.

Bei der zentralen unabhängigen „Anlaufstelle.help“, die am 1. Juli 2019 ihre Arbeit aufgenommen hatte, sind dem Bericht zufolge bislang 210 Anrufe eingegangen. Weil zudem die Vereinzelung der Betroffenen in der evangelischen Kirche ein Problem ist, soll ein Betroffenen-Netzwerk Hilfe und Beratung anbieten. Für den weiteren Prozess der Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt hat die EKD rund 1,3 Millionen Euro für die Maßnahmen des Elf-Punkte-Handlungsplans beschlossen, zudem seien nach Angaben von Fehrs zusätzliche Mittel für diesen Bereich in Höhe von rund einer Million Euro in Aussicht gestellt worden.

770 Fälle sind bekannt

In dem Synodenbericht erklärte Nikolaus Blum, Leiter des Landeskirchenamtes der Evanglisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Mitglied im EKD-Beauftragtenrat, dass derzeit in der evangelischen Kirche und der Diakonie rund 770 Fälle bekannt seien. Auf der Herbstsynode vor einem Jahr waren es noch 479 Fälle. „Aufarbeitung ist nicht nur eine Frage synodaler Beschlüsse“, erklärte Fehrs, und weiter: „Wir wollen nicht die Täter schützen, sondern die Betroffenen.“

Mittels einer Gewaltschutzrichtlinie will die EKD nun erreichen, dass in allen Landeskirchen verbindliche Maßnahmen festgelegt werden, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen und zu bekämpfen. Auf einer Pressekonferenz am Dienstag sagte Fehrs dazu: „Die Kritik an der unterschiedlichen Herangehensweise ist verständlich. Das ist für viele Betroffene nicht nachvollziehbar." Die Richtlinie sieht auch vor, dass in allen Landeskirchen entsprechende Meldestellen geschaffen werden, die im Verdachtsfall angerufen werden können.

Erinnerung: „Null-Toleranz" bei sexuellem Missbrauch

Kerstin Claus, Missbrauchsopfer und Mitglied im Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM), hat vor der Synode daran erinnert, dass der Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm auf der Synode vor einem Jahr zu „Null-Toleranz" im Fall sexuellen Missbrauchs aufgerufen hatte. Nach Claus’ Einschätzung sind die Täter in den Reihen der EKD jedoch bislang kaum belangt worden. In einem ihr bekannten Fall sei ein Täter – es handele sich um einen Pfarrer – mit Tauffragen und der Seelsorge in einer Gemeinde betraut.

Claus forderte, dass Tätern der Verkündigungsdienst versagt wird. Sie sprach sich gegen die Stigmatisierung als Opfer aus. „Um Prozesse in der Kirche und der Gesellschaft voranzubringen, braucht es das Fachwissen der Betroffenen", erklärte sie. Konzepte ohne die Expertise der Betroffenen können ihrer Ansicht nach nicht funktionieren. Die Synode habe zugelassen, dass dieses Wissen innerhalb der Kirche nun greifen könne.

Den Prozess, in den man getreten sei, wertete Claus zunächst höher als die Frage nach Entschädigungszahlungen. „Die Lebenslasten der Betroffenen ab dem Zeitpunkt, ab dem über sie verfügt wurde, hat auch wirtschaftliche und gesundheitliche Folgen“, sagte Claus. Über Zahlungen müsse im Zuge des Dialogs zwischen Kirche und Betroffenen daher debattiert werden. Als problematisch erachtet Claus, dass der Nachweis der Taten schwer sei. Vor diesem Problem stehe auch das staatliche System, jedoch müsse die Kirche aus ihrem Selbstverständnis heraus an einer Lösung des Problems gelegen sein. Claus bemängelte zudem, dass bei der EKD und in den Landeskirchen ein organisatorischer und fachlicher Unterbau zur Prävention bislang fehlten.

„Entschlossenheit für eine umfassende Aufarbeitung“

Um den tatsächlichen Umfang des Missbrauchs in den eigenen Reihen zu ergründen, plant der Beauftragtenrat die Durchführung einer Dunkelfeldstudie. Nach Blums Angaben wünscht der Beauftragtenrat dazu die Zusammenarbeit mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) und anderen interessierten Verbänden und Organisationen. Ein Ziel der Aufarbeitung soll sein, das Schweigen über sexualisierte Gewalt zu brechen. Dazu strebt der Beauftragtenrat der EKD unter anderem eine stärkere Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Institutionen an.

Die Mitglieder des Kirchenparlaments stellten sich auf der Synode und in Workshops mit Betroffenen der Aufarbeitung und Prävention sexualisierter Gewalt. „Damit wurde ein sehr erfreulicher Meilenstein gesetzt", sagte Johannes-Wilhelm Rörig, der Beauftragte der Bundesregierung. „Ich sehe Ihre Entschlossenheit für eine umfassende Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch, von sexuellem Missbrauch im Verantwortungsbereich der EKD, im Verantwortungsbereich der Landeskirchen, der Kirchengemeinden und auch der diakonischen Einrichtung“, sagte Rörig am Dienstag in einem Vortrag vor der Synode.

Auch im Jahr 2009 sei sexuelle Gewalt für viele Mädchen und Jungen in Deutschland trauriger Alltag, zumeist in ihren Familien. Betroffene litten oft wegen der Untätigkeit aus dem Umfeld. Rörig erklärte, dass sexuelle Gewalt im sozialen Umfeld vermehrt durch Gleichaltrige erfolge. „Viele neue Komplexe und Gefährdungen sind jetzt durch die digitalen Medien hinzugekommen", sagte der Beauftrage. Im Internet gebe es bislang keinen wirksamen Kinder- und Jugendschutz. Rörig fordert, dass Kinder während ihrer gesamten Schulzeit „auf ihrem Weg in die digitale Welt unbedingt medienpädagogisch stärker begleitet werden“ müssen. Dabei gehe es auch um die Vermittlung grundlegender Werte wie Menschlichkeit und Respekt.

In diesem Jahr steht die Herbstsynode der EKD unter dem Motto: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Bei der Tagung des Kirchenparlamentes in Dresden beraten die 120 Delegierten vier Tage lang über Gerechtigkeit und Frieden sowie die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den EKD-Gliedkirchen. Die Synode in Dresden tagt noch bis zum Mittwoch.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 12 Nov 2019 16:57:00 +0100
<![CDATA[Künstler kehrt charismatischer Bewegung den Rücken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2019/11/12/kuenstler-kehrt-charismatischer-bewegung-den-ruecken/ Arne Kopfermann ist nach eigener Aussage ein „Kind der charismatischen Bewegung“. Sein Vater Wolfram prägte die Bewegung in Deutschland nachhaltig. Er war unter anderem zehn Jahre Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). 1988 verließ er die EKD wegen ihres „unerträglichen Pluralismus“ und gründete die Anskar-Kirche.

Jetzt möchte sein Sohn Arne die charismatischen Wurzeln hinter sich lassen. Dies meldet die Evangelische Nachrichtenagentur idea. Sie beruft sich auf einen Beitrag Kopfermanns im sozialen Netzwerk LinkedIn. Gegenüber idea erklärt der Künstler, der „christliche Glaube brauche Weite. Eine Engführung, die dem Leben nicht gerecht wird, würde verletzend wirken“.

Gottesbild hinterfragt

Kopfermann geht in seinem Beitrag auch auf die Schattenseiten der charismatischen Bewegung ein. Der 52-Jährige hat infolge eines Autounfalls vor fünf Jahren seine zehnjährige Tochter Sara verloren. Kopfermann saß selbst am Steuer. Die Geräte im Krankenhaus wurden erst nach zehn Tagen abgestellt. Dieser Einschnitt habe ihn sein Gottesbild hinterfragen lassen.

Gott habe trotz zahlreicher Gebete kein Wunder getan. Die charismatische Theologie gehe aber davon aus, dass Gott jeden heilen wolle, der im Glauben darum bitte. Wenn dies nicht geschehe, werde es oft mit mangelndem Glauben begründet. Der Leidende verspüre eine doppelte Last. Er müsse sich fragen, warum Gottes Zusagen nicht bei ihm griffen, zitiert idea den Künstler.

Mit Gott in Krisensituationen im Vorteil

Im Gespräch mit pro hatte Kopfermann erklärt, dass er demgegenüber kritischer geworden sei, „was zu vollmundig daher kommt“. In dem Aufatmen-Beitrag kritisiert der Künstler „die Autoritätshörigkeit mancher charismatischer Gemeinden“, schreibt idea. Etliche Pastoren pflegten ein „mitunter recht gebieterischen Umgangsstil“. Wer dies hinterfrage, gelte es als Rebell. Geistliche Mündigkeit werde so nicht gefördert, finde er. Geistliche Leiter bräuchten aber das Korrektiv der Gemeinschaft.

Gegenüber pro hatte Kopfermann erklärt, dass er trotz des Unfalls nicht bereit sei, „zukünftig voller Angst zu leben“. Ein eingeübter Glaube erweise sich in Krisensituationen als Vorteil: „Ich halte viel von der Kraft des Gebets. Aber ich glaube nicht an ein Reiz-Reaktions-Schema, nach dem Muster ‚Wenn du betest, dann bekommst du ...‘. So funktioniert Gebet nicht.“ Der Satz „Wer bittet, dem wird gegeben“ gelte aus seiner Sicht nicht im Sinne einer Verfügbarkeit.

Gottes Vollkommenheit steht nicht infrage

Kopfermann ist mit zwölf Jahren zum Glauben gekommen. Damals sei Jesus für ihn ein verlässlicher Freund gewesen. Nach dem Unfall habe er sich an einem Gott gerieben, der den Tod seiner Tochter nicht verhindert hat. Andererseits sei Gott das einzige Bindeglied zu ihr. Dieses Bewusstsein habe ihm die vertrauensvolle Seite seiner eigenen Gottesbeziehung wieder neu vor Augen geführt. Gottes Vollkommenheit stellt er nicht in Frage: „Ich hatte niemals Zweifel daran, dass es Sara gut geht.“

Er fühle sich heute, genau wie seit seinem zwölften Lebensjahr, als Kind eines barmherzigen und liebevollen Gottes. Als Künstler achte er aufmerksamer auf seine und fremde Liedtexte. Er wolle differenzierte Texte schreiben, die dem Unsicheren, Unvollkommenen und Nicht-Perfekten mehr Raum geben. „Ich ertrage Orte nicht gut, an denen Glaube als leicht dargestellt wird“, bekennt er.

Der Künstler ging im Gegensatz zu seiner Frau offen mit seiner Trauer um. Er hat diese in Liedern und einem Buch verarbeitet. Auch therapeutische Hilfe hat er in Anspruch genommen: „Meine Verarbeitung dieses Verlustes ist nicht abgeschlossen. Er ist wie eine Amputation – die Lücke wird immer bleiben“, erklärte er gegenüber pro.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 12 Nov 2019 15:06:00 +0100
<![CDATA[150 Journalisten beim Mediengipfel in Israel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/11/12/150-journalisten-beim-mediengipfel-in-israel/ Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu begrüßte seine internationalen Gäste im „Friends of Zion Museum“ zu Beginn der Konferenz, anders als vorher angekündigt, zwar nur über eine Videoleinwand, dennoch war ihm anzumerken, dass ihm der „Christliche Mediengipfel“ sehr wichtig war. Der vom Wahlkampf müde wirkende Netanjahu sprach in seinem Grußwort über die Bedeutung der christlich-israelischen Freundschaft. Israel habe „keine besseren Freunde in der Welt als unsere christlichen Freunde“.

Das Programm beinhaltete erstmalig auch separate Veranstaltungen für den christlichen Nachwuchs in der Medienwelt. Insbesondere die Vernetzung der jungen Leute untereinander stand im Mittelpunkt. Es gab aber auch Zeit, sich als Journalist auszuprobieren. So bestand eine Aufgabe für die Nachwuchsjournalisten darin, in der Altstadt Jerusalems miteinander und mit fremden Menschen kurze Interviews zu führen und diese mit dem Smartphone aufzuzeichnen. Die so entstandenen Videos wurden von der israelischen Nachrichtenagentur TPS bearbeitet und geschnitten und den Konferenzteilnehmern gezeigt.

Gemeinsam gegen Israels Feinde

Die Konferenz-Referate drehten sich oft um Israels nicht-militärische Feinde. So sagte Reuven Azar, der stellvertretende Sicherheitsberater für Außenpolitik, dass der „Kampf“ gegen die anti-israelische BDS-Bewegung bedeutsam sei. Die Rückkehr der Juden nach Judäa und Samaria sei kein Fluch, sondern „ein Segen für alle Bewohner der Region“ und die „Erweckung des jüdischen Volkes im Land Israel eine göttliche Verheißung“. Wer einen Rückzug jüdischen Lebens aus dieser Region fordere, stehe für „Zerstörung und Chaos“. Azar verwies auf die Situation in Gaza und appellierte an die Anwesenden: „Helft uns, Boykotte zu bekämpfen. Sie sind ungerecht und sie verletzen uns. Noch mehr verletzen sie aber unsere Nachbarn.“ Wer Israel segne, werde selbst gesegnet.

Auf die Frage, wie Israel den US-Wahlkampf verfolgt, gab sich der Sicherheitsberater diplomatisch. Die Regierung werde mit jeder gewählten US-Regierung zusammenarbeiten und keinerlei Einfluss auf die Wahl nehmen. Allerdings werde man sich mit seinen Freunden entschieden gegen BDS und Antisemitismus der politisch Linken stellen.

Die Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Menschenrechte und Antisemitismus, Laurie Cardoza Moore, sieht vor allem Christen in einer besonderen Rolle. Wo Israel delegitimiert werde, delegitimiere man auch den christlichen Glauben. Daher sei Schweigen keine Option. Vielmehr wünsche sie sich, dass „wir als Christen die Wahrheit über Israel sagen und gegen Lügner angehen“. Diese Wahrheit stehe in Gottes Wort.

„Wir brauchen einen palästinensischen Willy Brandt“

Die ehemalige Knesset-Angehörige Einat Wilf thematisierte in ihrem Vortrag das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge in Nahost (UNRWA). Die UNRWA führe gegen Israel einen „Krieg der Rückkehr“. In der Vergangenheit hätten die Palästinenser genügend Möglichkeiten gehabt, einen eigenen Staat zu gründen. Alle Vorschläge hätten sie jedoch abgelehnt, denn sie wollten einen Staat vom „Fluss (Jordan; Anm. d. Red.) bis zum Meer“, ohne jüdische Präsenz. Da dieses Ziel militärisch nicht umsetzbar ist, nutze man die UNRWA. Laut deren Statuten ist der Flüchtlingsstatus vererbbar. Deswegen gebe es mittlerweile 5,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge. 1948 waren es 700.000. Diese Definition des Flüchtlingsstatus sei weltweit einmalig und nicht nachvollziehbar – der Rückkehrwunsch verstoße außerdem gegen internationales Recht, erklärte die Politikexpertin. Wilf hoffe auf einen „palästinensischen Führer wie Willy Brandt“. Der ehemalige Bundeskanzler verzichtete 1970 gegenüber Polen auf Gebietsansprüche und auf den Rückkehrwunsch deutscher Vertriebener im Zweiten Weltkrieg.

Am Abend stand ein Besuch des Shalva Centers auf dem Programm. Die gemeinnützige Organisation kümmert sich um Menschen mit Behinderungen und deren Familien. Die 1990 von Kalman Samuels gegründete Organisation betreut wöchentlich tausende Menschen, entwickelt Therapielösungen und versucht, Menschen mit Behinderung besser in die Gesellschaft zu integrieren. Abschließend gab die Shalva-Band ein Konzert. Sie trat bereits im Rahmen des Eurovision Songcontests 2019 in Tel Aviv auf.

Israels Feinde begehen „doppeltes Kriegsverbrechen“

Der vorletzte Tag des Mediengipfels war ganz dem Golan gewidmet. Nach einem ‚Abstecher‘ an die syrische Grenze, inklusive Präsentation zweier Kampfpanzer, wurden die Journalisten vom Internationalen Sprecher der Israelischen Verteidigungsarmee (IDF), Jonathan Conricus, in Sicherheitsfragen informiert. Dabei unterstrich der Armeesprecher vor allem die Gefahr, die vom Iran ausgehe. Dieser versuche besonders, in Syrien Militärbasen zu errichten. Im Libanon sei dies bereits durch die Hisbollah geschehen. Dass dieser Verstoß gegen die UN-Resolution 701 keine Sanktionen nach sich ziehe, sei nicht akzeptabel. Die Resolution verbietet nicht-staatliche militärische Einheiten im Libanon. Dennoch lagere die Hisbollah mehr als 100.000 Raketen im Süden des Landes – mehr als die meisten europäischen Staaten besäßen. Somit mache sich die Hisbollah „eines doppelten Kriegsverbrechens“ schuldig, erklärte Conricus. Zum einen sei sie eine Gefahr für die israelische Zivilbevölkerung und auf der anderen Seite nutze sie das libanesische Volk als Schutzschild. Trotz aller Gefahren an den Grenzen sei das Land allerdings sehr gut aufgestellt. Israel sei in der Lage, sich und seine Bevölkerung zu schützen.

Ein Besuch der „Trump Heights“ und einer Proklamations-Zeremonie standen ebenfalls auf dem Programm. Nach Gebeten von Bischof Robert Stearns, Rabbiner Aharon Eisental und Sheik Abu Salach (geistliches Oberhaupt der Drusen) unterzeichneten die drei und alle Teilnehmer des Mediengipfels ein gemeinsames Gebet für die Sicherheit des Golan.

„Wir sind bereit zu teilen“

Am Abschlusstag besuchten die Medienvertreter Staatspräsident Reuven Rivlin in dessen Amtssitz in Jerusalem. Der Staatschef sprach über die unmittelbare Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und dem Land. „Wir sind in unsere Heimat zurückgekehrt. Wir haben nicht ihre Heimat genommen.“ Diese Wahrheit müsse man erkennen. US-Präsident Donald Trump habe dies mit der Botschaftsverlegung getan. Israel sei „bereit zu teilen“. Dennoch brauche es Zeit, um in Koexistenz mit den Palästinensern zusammenzuleben.

Abschließend warnte der Staatspräsident vor den größten Bedrohungen, denen Israel und das jüdische Volk ausgesetzt seien: Antisemitismus und Antizionismus, den Rivlin als Antiisraelismus bezeichnete. Dass diese Phänomene weltweit weiter anstiegen, lasse sich nur mit Bildung bekämpfen, erklärte der Staatschef. Stolz sei er, dass in Israel Christen in Freiheit leben. Er wolle sich weiterhin bemühen, „die Freiheit der Anbetung und die Achtung von heiligen Stätten zu fördern“. Schließlich werde der „christliche Zustrom sowohl für Israel als auch für Palästinenser gut sein.“

Bitte um Entschuldigung

Vor Rivlins Rede sorgte Josias Terschüren, Öffentlichkeitsdirektor der deutschen Organisation „Initiative 27. Januar“, für einen emotionalen Moment. Als Deutscher sei er nicht für das verantwortlich, was sein Volk während des Holocausts getan habe, wohl aber für die Zukunft und den Umgang mit dieser Vergangenheit. Terschüren zitierte dazu Jesaja 60,14:

„Es werden gebückt zu dir kommen, die dich unterdrückt haben und alle, die dich gelästert haben, werden niederfallen zu deinen Füßen und dich nennen ,Stadt des Herrn', ,Zion des Heiligen Israels'.“

Anschließend kniete sich Terschüren nieder, entschuldigte sich im Namen Deutschlands und versprach, dass man zukünftig an der Seite des jüdischen Volkes und Staates Israels stehen wolle.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 12 Nov 2019 14:50:00 +0100
<![CDATA[„Klimawandel wirkt sich negativ auf den Frieden aus“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/11/klimawandel-wirkt-sich-negativ-auf-den-frieden-aus/ „Religiöse Konflikte werden in der Folge des Klimawandels zunehmen.“ Diese Ansicht hat Kira Vinke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Montag vertreten. In landwirtschaftlich geprägten afrikanischen Ländern seien Berufsgruppen sehr stark an die jeweiligen Ethnien gebunden, die wiederum oft unterschiedlichen Religionen angehörten.

Dürrekatastrophen und Ernteausfälle hätten beispielsweise in Burkina Faso zu direkten Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Ehtnien und Religionen geführt. „Der Klimawandel hat die Entwicklungsfortschritte der letzten Jahre zunichte gemacht", sagte die Klimaforscherin in einem Vortrag vor den Teilnehmern der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Dresden.

140 Millionen im Subsahara-Gebiet betroffen

„Wir sind mitten drin im Klimawandel", sagte Vinke. Extreme Hitze, anhaltende Dürre und Versalzung veränderten die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen weltweit. Der Klimawandel zwinge schon heute viele Menschen zur Migration. Die Weltbank rechne nach Angaben eines Berichtes damit, dass bis 2050 bis zu 140 Millionen Menschen in der Sub-Sahara-Region von Migration betroffen sind. „Möglicherweise wird es Gebiete geben, die unbewohnbar sein werden.“ Vinke ist Mitglied im Beirat Zivile Krisenprävention und Friedensförderung der Bundesregierung.

„Humanitäre Notsituationen können sich sehr schnell mit schlummernden religiösen Unterschieden verbinden und zu religiösen Konflikten führen", erklärte der Direktor „Engagement und Kommunikation“ von Brot für die Welt, Michael Stahl, am Rande der Synode gegenüber pro. Nach Meinung des Synodalen der Nordkirche ist es deshalb wichtig, vor Ort in armen Ländern interreligiöse Dialoge zu stärken. Dem Gespräch zwischen den Religionen werde eine Schlüsselfunktion zur Wahrung des Frieden zufallen angesichts sich verschärfender Konflikte durch den Klimawandel.

Klimawandel zwingt zum Strategiewechsel

„Brot für die Welt ist dabei, seine Entwicklungshilfestrategie wegen des fortschreitenden Klimawandels zu überdenken“, sagte Stahl am Rande der Synodentagung. „Unsere Projektpartner in den Ländern des Südens haben immer stärker unter den Folgen der Klimaveränderung zu leiden.“ Ernteausfälle aufgrund von Dürren, Überschwemmungen und Stürmen wirkten sich unmittelbar auf Dörfer, Kommunen und ganze Regionen aus. „Die Menschen vor Ort müssen sich überlegen, wie sie sich dagegen zur Wehr setzen", sagte Stahl, und weiter: „Wir müssen überlegen, wie wir die Menschen stark machen gegen die Folgen des Klimawandels."

Menschen stark machen gegen die Resilienz

Die Programme von Brot für die Welt sollen deshalb noch stärker die Widerstandskraft der Menschen in den Entwicklungsländern in den Fokus nehmen. Für die Kirche bedeute das, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden müsse, dafür auch die entsprechenden Gelder zur Verfügung zu stellen. „Ähnlich wie die Staaten internationale Fonds auflegen, um die Resilienz von Ländern des Südens zu stärken, so werden es auch die Kirchen tun müssen“, erklärte Stahl.

Nach seiner Wahrnehmung wachse in den Kirchengemeinden die Einsicht, dass die Situation in Partnerländern der Kirche prekär sei und Menschen im Süden besonders betroffen seien von den Folgen des Klimawandels. „Meine Erwartungen an die Synode ist, dass in einer Kundgebung, einer öffentlichen Äußerung der Synode, der Zusammenhang von Klimawandel und Frieden deutlich benannt wird. Dass wir tatsächlich den Klimaschutz betreiben müssen, um dazu beizutragen, damit es weltweit weniger Konflikte gibt und Frieden wird."

In diesem Jahr steht die Herbstsynode der EKD unter dem Motto: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Bei der Tagung des Kirchenparlamentes in Dresden beraten die 120 Delegierten vier Tage lang über Gerechtigkeit und Frieden sowie die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den EKD-Gliedkirchen.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 11 Nov 2019 18:12:00 +0100
<![CDATA[Gospel-Clips im Imax-Kino: Kanye Wests „Jesus is king“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2019/11/11/gospel-clips-im-imax-kino-kanye-wests-jesus-is-king/ Eine Filmkritik von Jörn Schumacher]]> Der Rapper und Sänger Kanye West, der durch rätselhafte Äußerungen etwa über Sklaven in Amerika und eine enge Verbindung zum US-Präsidenten Donald Trump auffiel, spricht seit einigen Monaten davon, dass er sich zu Jesus bekehrt hat. Sein neues Album handelt davon. Parallel dazu brachte West einen Film heraus, der nur in Imax-Kinos zu sehen ist.

Der Film „Jesus is King“ ist gerade einmal 30 Minuten lang. Dabei handelt es sich um ein großes Musikvideo. Zwischen den Musikstücken, die größtenteils von einem Gospelchor eingesungen sind, werden Bibelstellen eingeblendet. Um die Aufzeichnung eines Gottesdienstes mit Kanye West, wie zuvor oftmals vermutet wurde, geht es nicht.

Kanye West gilt gemeinhin als talentierter Musiker und Komponist. Die Bekehrung zum christlichen Glauben ging allerdings bei Musikern schon oft mit einer Hinwendung zum Gospel einher. So, als versage die eigene kreative Kraft auf einmal, sobald sich jemand an das Thema Glaube heranwagt. Auch für Kanye West steht der Gospel nun im Mittelpunkt, gerappt wird im Film „Jesus ist King“ quasi gar nicht. Und wirklich neu ist das, was man sieht und hört, leider kaum.

Schön anzusehen sind die Aufnahmen, die der Künstler und Fotograf Nick Knight machte. Ein kreisrundes Gebäude beim Roden Krater im US-Bundesstaat Arizona diente als Kulisse. Diese geometrische Form bestimmt den Film künstlerisch. Die Aufnahmen sind alle in einen runden Rahmen gesetzt, meistens in einen Kreis, manchmal eine Ellipse. Vielleicht dient der Kreis ja als Symbol für das Vollkommene, das Göttliche. Der Gospelchor steht also meistens in dem futuristischen Gebäude, direkt über ihm öffnet sich ein rundes Fenster zum Himmel.

Kanye West tritt selbst nicht auf

Das Album (und der Film) sollen seine Begeisterung dafür zeigen, was Jesus für ihn getan hat, sagte Kanye West in Interviews vorab. Allerdings fragt man sich, warum man für dieses Zeugnis und letztendlich eine Aneinanderreihung von Musik-Clips in einem Imax-Kino Eintritt bezahlen soll. Musikliebhaber, die von einem Künstler wie Kanye West mehr erwarten als eine Sammlung von Gospel-Stücken, könnten enttäuscht werden. Kanye West selbst tritt nicht in Erscheinung, er singt nicht, vom Rappen ganz zu schweigen. Einzig die längere Nahaufnahme einer mitreißenden jungen Sängerin bringt in einem Track etwas mehr menschliche Nähe in den Film, der ansonsten sehr von der Kühle der modernen Architektur geprägt ist.

Heutzutage verfügt eigentlich jedes nicht gänzlich veraltete Kino über eine digitale Projektionstechnik, die mit Imax mithalten kann – einem Kino-System mit breitem Filmformat und hoher Auflösung. Hob sich diese Technik vielleicht noch bis vor fünfzehn Jahren von den anderen Kinosälen ab, so kann sie heute eigentlich kaum noch beeindrucken.

Es ist erstaunlich mit anzusehen, wie begeistert der Rapper Kanye West von Jesus Christus ist und wie er seinen Glauben nach außen trägt. Seine privat durchgeführten Gottesdienste sind mittlerweile legendär. Der Film „Jesus is King“ verbreitet die Botschaft des christlichen Glaubens, reißt aber als Kinoerlebnis nicht unbedingt mit. Er ist vor allem für Fans, die ohnehin alles von Kanye West aufsaugen, für Gospel-Liebhaber und für alle, denen ein Kinoeintrittspreis nicht zu viel ist für nette Aufnahmen aus einem interessanten kreisrunden Gebäude in einem Krater in Arizona.

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 11 Nov 2019 14:44:00 +0100
<![CDATA[„Vor jeder Behandlung spreche ich ein Gebet“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/11/11/vor-jeder-behandlung-spreche-ich-ein-gebet/ Der 77-jährige Mannschaftsarzt des FC Bayern München, Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, stammt aus einer ostfriesischen Pastorenfamilie. Nach dem Willen seines Vaters sollte er eigentlich Theologie studieren. In einem Gespräch über Medizin und Glaube mit Abt Johannes Eckert in München betonte er, dass er auf Gott setze.

Der Mediziner ist bekannt dafür, dass er seine Diagnosen meistens nur mit den Fingern erspürt – und auf Computer- oder Kernspintomografien verzichtet. Wie Müller-Wohlfahrt den 200 Gästen bei der Veranstaltung erklärte, brauche es dafür viel Übung, Selbstvertrauen und eine hohe Konzentration. „Ich lebe in der Vorstellung: Ich kann immer helfen“, zitiert die Süddeutsche Zeitung den FCB-Arzt.

„Ich habe absolutes Gottvertrauen"

Bevor der weltweit bekannte Sportmediziner seine Behandlungen beginne, spreche er in „Gedanken ein Gebet dafür, dass ich Erfolg habe“. Seine Patienten dächten oft, er würde sich nur konzentrieren: „Ich habe das noch nie jemandem erklärt.“ Mit seinen Fingern nehme er Dinge wahr, die man mit Apparaten nicht darstellen könne. Die Maschinen nutze er erst später, weil die Versicherung in der Regel nicht glaube, dass man nur mit Händen diagnostizieren könne. Er sehe in seinem Können Gottes Hand und habe absolutes Gottvertrauen.

Müller-Wohlfahrt, der 2018 seine Autobiographie „Mit den Händen sehen“ geschrieben hat, habe in allen persönlichen Tiefen die Hoffnung gehabt, wieder ins Leben zurückzukommen.

Die katholische Arbeitnehmer-Bewegung und das katholische Medienhaus hatten am Freitag zu einem gemeinsamen Gespräch mit Abt Johannes Eckert eingeladen. Im Gespräch betonten der Theologe Eckert und der Mediziner Müller-Wohlfahrt die Gemeinsamkeiten zwischen Glauben und Medizin. Beide müssten gute Zuhörer sowie Seelsorger sein und sich Zeit für ihr Gegenüber nehmen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 11 Nov 2019 14:08:00 +0100
<![CDATA[„Pressefreiheit in Deutschland ist uneingeschränkt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/11/11/pressefreiheit-in-deutschland-ist-uneingeschraenkt/ Die Pressefreiheit in Deutschland „ist vollkommen uneingeschränkt“. So zumindest erlebt der Journalist Claus Kleber es. In einem Interview der Süddeutschen Zeitung von Sonntag fordert er Kollegen, aber auch alle anderen dazu auf, sich selbst mit Journalisten in der Türkei zu vergleichen, bevor sie die eigene Situation beklagten: „Ich habe Freunde in der türkischen Presse, für die ein einzelner Satz in einer Glosse Haft bedeuten kann. Die fahren jeden Tag mit einer gepackten Notfalltasche zur Arbeit, weil sie damit rechnen müssen, dass sie die Nacht hinter Gittern verbringen“, sagte Kleber.

Journalisten würden heute zwar „häufiger geprügelt“. Das sei aber „manchmal auch durchaus berechtigt“. In Zeiten von Mediatheken und non-linearem Fernsehen müsse jede Formulierung im TV auf die Goldwaage gelegt werden können. „Dadurch wird unser Job vielleicht ein bisschen schwieriger. Aber das macht unsere Arbeit auch besser“, sagte Kleber.

Er kritisierte außerdem Streits um politisch korrekten Sprachgebrauch: Niemand sollte sich in Debatten darüber stürzen, ob man nun Studierende oder Studentinnen und Studenten sage, wenn er nicht bereit sei, das eigentliche Problem zu bekämpfen: Also tatsächlich etwas gegen die Benachteiligung weiblicher Studierender zu tun. Kleber: „Man streitet sich gerne über die Worte, wo man sich eigentlich um die Sache kümmern sollte.“

Von: Anna Lutz

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Mon, 11 Nov 2019 11:19:00 +0100
<![CDATA[Kirche hilft, schweigt aber beim Thema Christenverfolgung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/11/kirche-hilft-schweigt-aber-beim-thema-christenverfolgung/ Der Synodale Friedemann Kuttler, Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, hat die knappen Ausführungen des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zur Lage der verfolgten Christen weltweit bemängelt. Im schriftlichen Bericht des Rates komme dieses Thema zu kurz. „Wegen der Wichtigkeit des Themas und auch darum, weil es um viele Christen geht, die verfolgt werden, hätte es mehr sein müssen“, erklärte Kuttler am Sonntag gegenüber pro.

Unter dem Punkt „Religionsfreiheit und Einsatz für bedrängte Christen“ heißt es im schriftlichen Bericht des Rates an die Synode: „Zum 2. Sonntag der Passionszeit, Reminiszere, ruft die EKD ihre Gliedkirchen zur Fürbitte für bedrängte und verfolgte Christen auf. Die dazugehörige Publikation mit Gottesdienstmaterialien und Hintergrundinformationen nimmt jedes Jahr eine andere Region in den Fokus; das aktuelle Heft behandelt die Situation von Christinnen und Christen in Syrien. Die Nachfrage nach solchen Materialien für Gemeinden steigt ebenso wie das Interesse am Thema Religionsfreiheit insgesamt und dem damit verbundenen Engagement der EKD.“

Der Rat der EKD engagiere sich für die Belange verfolgter Glaubensgeschwister, bestätigte Kuttler. Seiner Ansicht nach müsse aus dem Bericht deutlicher hervorgehen, dass in vielen Ländern Christen massiv verfolgt würden. „Weil Deutschland mit manchen dieser Länder in teilweise engen wirtschaftlichen Beziehungen steht, ist es Aufgabe der EKD, sich für die Anliegen der Glaubensgeschwister in diesen Ländern bei der Bundesregierung massiv einzusetzen“, erklärte Kuttler. Auch müssten die Gemeinden und Synodalen viel stärker dafür sensibilisiert werden, dass sie für die Verfolgten beten sollen. „Als evangelische Kirche müssen wir für die verfolgten Christen weltweit einstehen!“, sagte Kuttler.

Evangelikale und Pietisten haben Nachholbedarf

Der Württemberger sieht bei Evangelikalen und Pietisten Nachholbedarf im sozial-missionarischen Bereich. Zum Engagement der EKD bei der Seenotrettung erklärte Kuttler, dass es gut sei, wenn die Finanzierung der Seenotrettung nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern stattdessen durch Spenden erfolgen solle. Pietisten und Evangelikale sollten sich seiner Meinung nach jedoch an dem sozialen Engagement der EKD ein Beispiel nehmen und im Sinne August Hermann Franckes und Friedrich von Bodelschwinghs Glauben noch mehr im sozialen Bereich in die Tat umsetzen. Kuttler hat die Erwartung, dass sich die Synode in Dresden noch einmal intensiv mit den Zukunftsthemen der Kirche auseinandersetzt „und in eine Spur findet, die zu einer geistlichen Erneuerung führt“.

Die Ausführungen des Ratsvorsitzenden zum Thema Frieden haben Kuttler erstaunt. „Dass der Ratsvorsitzende in seinem Bericht das Dilemma zwischen militärischer Gewalt und Pazifismus so deutlich dargestellt hat und dabei militärische Gewalt als eine Art ‚Ultima Ratio‘ in den Blick nimmt, überrascht mich.“ Wenn Bedford-Strohm erkläre, dass sich die Friedensethik an der Realität messen lasse müsse, empfinde er dies als ungewohnte Töne innerhalb der EKD.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 11 Nov 2019 11:11:00 +0100
<![CDATA[Plan zur Seenotrettung nimmt Fahrt auf]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/10/plan-zur-seenotrettung-nimmt-fahrt-auf/ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat in seinem Bericht an die Synode den Beschluss des Rates der EKD verteidigt, sich in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis für ein zusätzliches Schiff für die Seenotrettung im Mittelmeer einzusetzen. Dazu will die EKD im Dezember eine Spendenkampagne starten.

„Seit Jahren warten wir auf überzeugende Lösungen der europäischen Regierungen“, erklärte der bayerische Landesbischof am Sonntag vor den 120 Synodalen der EKD-Herbstsynode in Dresden. Seinem Bericht zufolge habe auch die EKD-Synode wiederholt gefordert, legale und sichere Zugangswege für Schutzsuchende zu eröffnen und ein solidarisches Verteilsystem in Europa zu schaffen. Dazu gehöre auch die Gewährleistung fairer Asylverfahren. „An all diesen Forderungen halten wir weiter fest“, sagte Bedford-Strohm.

Auf einer anschließenden Pressekonferenz erklärte Bedford-Strohm, dass die geplante Spendenaktion zur Seenotrettung am 3. Dezember startet und nicht in Konkurrenz treten soll mit anderen Spendenaktionen in der Kirche, etwa den Sammlungen für „Brot für die Welt“. Bei beiden Aktionen stehe die Menschlichkeit im Fokus. Es gehe um die Unterstützung von Menschen in Not. „Wir wollen die zivile Seenotrettung unterstützen. Das ist der Grundgedanke“, sagte der Ratsvorsitzende. Ein Engagement als Reederei habe nie zur Debatte gestanden. Für die geplante Spendenaktion soll noch im November ein eigener Verein gegründet werden.

Bedford-Strohm: „Evangelium hat mehr Kraft als wir glauben“

Zuvor hatte der Ratsvorsitzende in seinem Bericht an die Verdienste der Kirche im Zusammenhang mit dem Fall der Mauer erinnert. „30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es gut, sich an die Quellen zu erinnern, die diese große geschichtliche Wende ermöglichten“, sagte Bedford-Strohm. Die Kirchen in der DDR hätten den Glauben nicht mit religiöser Innerlichkeit verwechselt, sondern das Beten, das Tun des Gerechten und das Warten auf Gottes Zeit als untrennbar zusammengehöriges Zeugnis des Glaubens verstanden. „Das Evangelium und die Kirche, die es weitergibt, haben auch heute viel mehr Kraft, als wir es selbst manchmal glauben. Das sollten wir in der Zukunft noch viel besser zeigen“, sagte Bedford-Strohm.

In seinem Bericht an die Synode warnte der Ratsvorsitzende davor, die Auswertung von wissenschaftlichen Studien und Publikationen zum Klimawandel zu ignorieren. Wer das tue, leide unter Realitätsverweigerung und verabschiede sich aus einer ernsthaften demokratischen Debatte. Bedford-Strohm übte in seinem Bericht Kritik an der Bundesregierung. Das Klimapaket der Bundesregierung reiche nicht aus, die geplante CO2-Bepreisung erzeuge nach Ansicht von Ökonomen keine „nennenswerte Lenkungswirkung“.

Von: Norbert Schäfer

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Sun, 10 Nov 2019 18:01:00 +0100
<![CDATA[„Sächsische Landeskirche blieb Antworten schuldig“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/10/saechsische-landeskirche-blieb-antworten-schuldig/ Am Sonntag hat in Dresden die Herbstsynode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) begonnen. Im Mittelpunkt des Auftakt-Gottesdienstes zur Synode in der Kreuzkirche der Stadt stand die Suche nach Frieden.

In seiner Predigt über Philipper 4,7 („Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren.“) ging der Oberlandeskirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Thilo Daniel unter anderem auf den Rücktritt des ehemaligen Landesbischofs seiner Kirche, Carsten Rentzing, ein. „Wie könnte ich wohl über den Frieden predigen? Was wüsste ich mehr und besseres als andere dazu zu sagen – gerade hier und heute“, sagte Daniel und weiter: „Viele wissen, wie aufgewühlt und auf der Suche nach Frieden wir sind – Friede und Sicherheit. Nach dem Rücktritt unseres Landesbischofs ist der Wunsch nach Frieden obenauf.“

Kirche für Unfrieden mitverantwortlich

Die Frage, wofür jemand stehe oder wogegen, habe viel Unfriede unter den Mitgliedern der Landeskirche gestiftet. „Unfrieden hat es gestiftet, dass wir für viele die Antwort auf diese Frage schuldig geblieben sind“, sagte Daniel, der den zurückgetretenen Landesbischof bis zur Wahl eines Nachfolgers 2020 vertritt. Rentzing war zum 31. Oktober auf eigenen Wunsch hin aus dem Dienst ausgeschieden, nachdem er wegen seiner Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung und Texten aus seiner Studienzeit in die öffentliche Kritik geraten war.

Göttlicher Friede sei mehr als die Abwesenheit von Unfrieden, sagte Daniel in seiner Predigt. Der Glaube sei die Botschaft des Friedens und der Versöhnung, auch wenn Christen nicht immer die besseren Menschen seien. Das Kreuz sei nicht ein Symbol der Gewalt geblieben, sondern am Ostermorgen zum Lebensbaum geworden, erklärte der Theologe.

In diesem Jahr steht die Herbstsynode der EKD unter dem Motto: „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Bei der Tagung des Kirchenparlamentes in Dresden beraten die 120 Delegierten vier Tage lang über Gerechtigkeit und Frieden sowie die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den EKD-Gliedkirchen.

Von: Norbert Schäfer

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Sun, 10 Nov 2019 16:03:00 +0100
<![CDATA[„Geteiltes Deutschland war für mich das Unnormalste überhaupt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/10/geteiltes-deutschland-war-fuer-mich-das-unnormalste-ueberhaupt/ pro: In ideaSpektrum haben Sie in den Siebziger- und Achtzigerjahren für die Wiedervereinigung geschrieben. Was hat Sie daran glauben lassen, dass es eine Wiedervereinigung geben wird?

Helmut Matthies: Damals herrschte in der Theologie und in der Evangelischen Kirche vielfach die Ansicht, die Teilung Deutschlands sei nach der nationalsozialistischen Barbarei ein Gericht Gottes, das man hinzunehmen hätte. Das habe ich immer abgelehnt, denn dann wäre Gott ungerecht. Warum hätte Gott die beiden übrig gebliebenen Teile Deutschlands so unterschiedlich behandeln sollen? Deshalb habe ich geschrieben: Das muss ein Ende haben. Auch bei meinen vielen Besuchen und Gesprächen in der DDR habe ich immer erlebt, dass die Menschen das Bewusstsein hatten: Wir sind ein Volk. Wir haben 1989 dramatische Briefe bekommen bei idea. Beispielsweise schrieben uns Zahnärzte aus dem Erzgebirge: Wir bekommen kein Anästhesiemittel mehr, sodass wir ohne Betäubung Zähne ziehen. Nach dem, was ich alles erlebt habe, schien es mir sehr realistisch zu sein, dass das System zusammenbrechen musste. Und wenn es zusammenbricht, war doch logisch, dass Deutschland sich wieder vereint.

Sie haben ein Jahr vor der Wiedervereinigung, fünf Wochen vor dem Mauerfall einen Kommentar geschrieben: „Wiedervereinigung, was sonst?“ Daraufhin bestellte der Kirchenpräsident Sie ein. Ging es da allein um diese theologische Argumentation?

Der Grund für diese Zurückhaltung der Kirche war politisch. Der Kirchenpräsident rief mich an und sagte, es sei friedensgefährdend, wenn man die Wiedervereinigung fordere. Ein Pfarrer der hessen-nassauischen Kirche, wie ich einer bin, dürfe so etwas nicht schreiben. Ich wurde dann in die Kirchenverwaltung einbestellt. Da wurde mir gesagt, was ich geschrieben hatte, sei rechtsradikal. Bei der EKD-Synode Anfang November 1989 fuhr mich der damalige EKD-Ratsvorsitzende an: „Bruder Matthies, hören Sie endlich auf, von der Wiedervereinigung zu schreiben. Die gibt es nicht.“ Fünf Tage später fiel die Mauer.

Konnten Sie das Argument, dass die Einheit friedensgefährdend sei, nachvollziehen?

Warum sollte sie das sein? In der Sowjetunion regierte zu der Zeit schon Gorbatschow. Unter Breschnew und Chruschtschow hätte man damit rechnen können, dass jede Forderung nach Wiedervereinigung im Osten dazu führen würde, dass Panzer aufmarschieren, dass möglicherweise ein Dritter Weltkrieg bevorstehen könnte. Aber Gorbatschow selbst hat das Ende von Honecker geradezu provozierend herbeigeführt. Zu der Zeit wurden DDR-Bürger mit Zügen aus der Prager Botschaft über Plauen in die Bundesrepublik gebracht. In vielen Städten begannen Massendemonstrationen. Dass mein Kommentar den Frieden gefährden sollte, habe ich überhaupt nicht verstanden.

In Ihrem neuen Buch „Gott kann auch anders“ schreiben Sie, dass Sie in Interviews fast mit allen Kirchenleitern über die Frage der Wiedervereinigung gesprochen haben. Warum?

Es war für mich das Unnormalste überhaupt, dass Deutschland geteilt war. Daher habe ich immer erwartet, dass Bischöfe als die Hirten der Gemeinde ein Interesse daran haben, dass Menschen, die – wie es Joachim Gauck formulierte – wie in einem Gefängnis leben, daraus befreit werden und wir wieder ein Land werden. Deshalb habe ich jeden Kirchenleiter danach gefragt und bin ihnen damit auf die Nerven gegangen. Manche schnappten geradezu nach Luft: „Muss das sein?“ Oder sie haben es mir rausgestrichen. Nur Landesbischof Hans von Keler hat geradezu prophetisch gesagt: „Die Wiedervereinigung könnte schneller kommen als wir ahnen. Und die Frage ist, ob wir darauf vorbereitet sind.“

Sie kritisieren in Ihrem Buch, dass die Kirche die bedrängten Christen der DDR bis heute nicht genug würdigt. Was erwarten Sie von der Kirche?

Ich erwarte, dass zum Beispiel die EKD-Synode, die in diesem Jahr kurz nach dem Mauerfall-Jubiläum stattfindet, einen ganzen Tag den Christen widmet, die in Haft waren, die an der Spitze des Widerstandes standen, die dafür gesorgt haben, dass keine Gewalt ausgeübt wird. Dass die Kirche Zeitzeugen zu Wort kommen lässt: Wie war es? Was haben sie erlebt? Was können wir daraus lernen? Dass im kirchlichen Rahmen insgesamt wenig dergleichen passiert, halte ich für eine Missachtung vieler Christen in der DDR. Bis dahin, dass von 15 Mitgliedern im Rat EKD, keiner eine Ost-Biografie hat.

Seit ich Sie kenne, habe ich den Eindruck, dass sie ein Herz für Ossis haben. Woher kommt das?

Meine Großmutter und ihre Schwester lebten im Havelland, bei Rathenow, westlich von Berlin. Die habe ich bis zu meinem 13. Lebensjahr 1963 regelmäßig besucht. Die Erlebnisse, die ich da hatte, haben mich mehr geprägt als die ganze West-Zeit.

Was zum Beispiel?

Das erste Erlebnis in meinem Leben überhaupt, an das ich mich erinnere, hatte mit der DDR zu tun. Ich war etwa fünf Jahre alt und besuchte mit einer Tante aus meinem Heimatdorf unsere Verwandten im Havelland. Am Grenzübergang Marienborn mussten wir alle den Zug verlassen und uns am Bahnsteig aufstellen. Und dann passierte das Drama für ein Kind: Meine Tante musste zur Leibesvisitation. Das ging alles wahnsinnig schnell. Sie konnte mir nicht sagen, dass sie gleich wiederkäme. Ich stand da plötzlich allein und sie war weg. Deshalb schrieb ich wie am Spieß, weil ich meinte, sie hätte mich verlassen. Dann hielt mir ein Grenzpolizist seine Waffe ins Gesicht und blaffte: „Hör endlich auf zu schreien.“ Als ich nach den Ferien wieder zu Hause im Westen war, sagte mein Vater nur zu mir: „Junge, das ist eben Kommunismus.“

Das hat mein Weltbild sehr stark geprägt. Ich war dann später als Reisekorrespondent oft in der DDR und schon als Student auch in der Sowjetunion. Besonders geprägt haben mich Besuche bei Familien von inhaftierten Baptisten in Leningrad, aber auch Treffen im sowjetisch besetzten Baltikum. So habe ich das ganze Elend des Kommunismus immer wieder neu erfahren. Das führte bei mir zu einer großen Liebe für den Osten, weil ich dort erlebt habe, dass Gott auch seinen leidenden Nachfolgern beisteht.

Welche Begegnungen hatten Sie mit der Stasi?

Insgesamt sollen über zehn IMs (Inoffizielle Mitarbeiter; Anm. d. Red.) auf idea und auf mich angesetzt gewesen sein. Das weiß ich aus meiner Akte. Von einem weiß ich den richtigen Namen. Er war der Schlimmste. Er hat auch bei anderen Organisationen viel Schaden angerichtet. Gegen mich hatte er einen Haftbefehl erwirkt, der aber wegen des Mauerfalls nicht vollstreckt werden konnte. Er war ein Doppelagent für den KGB und für die Stasi – offiziell war er Pfarrer einer Ost-Berliner Kirchengemeinde. Angesetzt war er auf die Organisation „Licht im Osten“, auf das Diakonische Werk und auf idea. Er hat angeboten, idea bekannt zu machen und in die DDR zu bringen. Er kam dann zu mir und machte auf unglaublich fromm. Das war eine Beterei, die mir furchtbar auf die Nerven ging. Er war charismatisch hoch zehn, Mitglied der Evangelistenkonferenz in der DDR, früher ein Methodist. Ich bin auf ihn reingefallen.

Nachdem ich später die Akten gelesen hatte, habe ich ihn besucht und ihn gefragt: Warum hast du das gemacht? Seine Antwort: „Ich brauchte Geld.“ Ich konnte nur erwidern: „Das nehme ich dir nicht ab.“ Denn er bekam Geld von der Kirche, von den Geheimdiensten, für die er arbeitete, und Reisekosten von den Organisationen, die er bespitzelte. Dann kam die nächste Ausrede: Er sei schwul und deswegen sei er erpresst worden. Da konnte ich auch nur lachen, weil in der DDR auf sexuellem Gebiet wesentlich größere Freizügigkeit herrschte als im damaligen Westen. Und dann sagte er schließlich als dritten Grund, der möglicherweise der wahre war: Er sei überzeugt gewesen, dass der Sozialismus das bessere System sei.

Eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap zeigt, dass ein Viertel der Ostdeutschen findet, die Meinungsfreiheit habe sich seit dem Mauerfall verschlechtert. Sie leben seit ein paar Jahren in Brandenburg an der Havel. Wie nehmen Sie das Lebensgefühl wahr?

Dieses Gefühl ist hier sehr stark. Die Leute haben den Eindruck, sie können nicht sagen, was Sie empfinden. Wenn in einzelnen Städten tausende Asylbewerber untergebracht werden, haben die Einheimischen das Gefühl: Unsere Heimat geht uns verloren. Dass man das nicht ausdrücken kann, ohne dass sofort die Nazikeule geschwungen wird, ist ein Grund für den Wahlerfolg der AfD. In der Hauptstraße in Brandenburg an der Havel hing wochenlang an jedem Mast ein Plakat: „AfD wählen ist ein Verbrechen“. So etwas führt dazu, dass man schweigt. Aber aus Protest wählt man die Partei erst recht. Viele Leute haben einfach die Nase voll. Sie mussten sich alles neu aneignen ab 1990. Es blieb ja kein Stein auf dem anderen – im Versicherungswesen, in der Verwaltung, im Geldverkehr wurde alles anders. Das ist eine unvorstellbare Leistung, die die Menschen in den neuen Bundesländern vollbracht haben. Und jetzt fürchten sie: Es kommt schon wieder was Neues. Das ist einfach eine Überforderung.

In dem Buch „Mauer.frei“, für das Sie auch ein Kapitel beigesteuert haben, heißt es im Vorwort, dass noch ein Weg vor uns liegt, was die Wiedervereinigung angeht. Wie können die Menschen in Deutschland die Wiedervereinigung weiterführen?

Das Wichtigste ist, dass wir aufeinander hören. Wir wissen zu wenig voneinander. Um es mal provokativ zu sagen: Im Westen kennen viele jeden Baum auf Mallorca, aber wissen nicht, dass die schönste Stadt Deutschlands Görlitz ist.

Die östlichste Stadt Deutschlands ist tatsächlich die schönste?

So hat sie der Chef der Stiftung Denkmalschutz, Gottfried Kiesow, einmal bezeichnet. Ich bin selbst schon über 30 Mal in dieser schlesischen Stadt gewesen und muss sagen: Sie ist nicht schön, sie ist wunderschön.

Vielen Dank für das Gespräch.

Helmut Matthies, Jahrgang 1950, ist Pfarrer der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Von 1978 bis 2017 war er Leiter der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, seitdem ist er Vorstandsvorsitzender. Er lebt in Brandenburg an der Havel.

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

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Sun, 10 Nov 2019 06:53:00 +0100
<![CDATA[EKD-Synode erinnert an Mauerfall vor 30 Jahren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/09/ekd-synode-erinnert-an-mauerfall-vor-30-jahren/ Mit einem Gottesdienst in der Kreuzkirche Dresden beginnt am Sonntag die 6. Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Bis zum 13. November beraten die 120 Delegierten im Dresdener Tagungszentrum unter anderem das diesjährige Schwerpunktthema „Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens“. Der Eröffnungsgottesdienst, in dem der sächsische Oberlandeskirchenrat Thilo Daniel predigt, wird live ab 9.30 Uhr vom ZDF übertragen.

Am selben Vormittag wird der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, seinen Ratsbericht halten, heißt es in einer EKD-Pressemitteilung. Im Anschluss daran bringt die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, den Bericht des Präsidiums in die Synode ein. Am Abend führt eine Podiumsdiskussion unter der Überschrift „Gewaltfrei(e) Veränderungen schaffen“ in das Schwerpunktthema ein. Im Mittelpunkt des Gespräches steht dabei der Mauerfall vor 30 Jahren. „Dass die Grenze geöffnet wurde, und dass es dabei friedlich blieb, haben wir den mutigen Menschen in Ostdeutschland zu verdanken“, daran erinnert die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, anlässlich des Mauerfall-Jubiläums.

Am Montag werden die friedensethischen Positionen innerhalb der Evangelischen Kirche aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und diskutiert. Dazu wird ein Kundgebungsentwurf vorgestellt, der bis zum Abschluss der Synodentagung weiterentwickelt werden soll.

Thema: Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt

Weitere wichtige Themen der Synode sind die Weiterarbeit an den laufenden Zukunftsprozessen sowie ein Zwischenbericht zur Aufarbeitung und Prävention von sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche. Auf ihrer vergangenen Tagung in Würzburg hatte die Synode einen Elf-Punkte-Handlungsplan verabschiedet, über dessen Umsetzung die Synode am Dienstag gemeinsam mit Betroffenen diskutieren wird.

Außerdem beraten und beschließen die Mitglieder der Synode im Laufe der Tagung den Haushaltsplan sowie weitere Gesetze, darunter auch ein Gesetz zur Förderung der Mitgliedschaft junger Menschen in der Synode.

Der Abschlussgottesdienst der 6. Tagung der 12. Synode findet am Mittwoch 13. November um 18.45 Uhr in der Unterkirche der Dresdener Frauenkirche statt. Die Predigt hält Bischof Markus Dröge.

Von: Martina Blatt

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Sat, 09 Nov 2019 11:20:00 +0100
<![CDATA[Mit Kerzen und Gebeten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/11/09/mit-kerzen-und-gebeten/ Von Egmond Prill]]> Wir waren dabei, als am Silvesterabend 1989 spontan Zehntausende am Brandenburger Tor feierten, meine Frau Heidrun und ich. Nahe der S-Bahn-Station Ostkreuz hatten wir noch unsere Berliner Wohnung, obwohl wir seit 1986 bereits nahe Aue im Erzgebirge wohnten und arbeiteten. Aber diesen Moment der Geschichte wollten wir in Berlin erleben, denn so etwas gibt es nur einmal im Leben. Wenige Wochen zuvor war daran nicht zu denken.

Am 5. Oktober schaute ich aus unserer Berliner Wohnung und sah, wie Polizei und Militärfahrzeuge parallel zur Frankfurter Allee Stellung bezogen. Es war bereits später Abend. Mir liefen Tränen wie Wasserbäche über die Wangen. Denn das war kein Manöver, das war Ernst. Das war die Vorbereitung der Staatsmacht für den 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober und die erwarteten Proteste. Und dann war es an jenem Abend so, dass im „Palast der Republik“ Erich Honecker und seine Getreuen feierten und draußen viele Menschen das Ende dieser Regierung forderten. Die Staatsmacht knüppelte und verhaftete.

Stasi, Stacheldraht und Staatsmacht

„Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Das war im Herbst 1989 die hilflose Antwort des SED-Politbüros in Ostberlin auf die Ereignisse in Dresden, Plauen, Chemnitz und Leipzig. Mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ waren Zehntausende bei Montagsdemonstrationen auf der Straße. Höhepunkt war die große Demo am 9. Oktober 1989 auf dem Leipziger Ring. Die Staatsmacht griff nicht ein, obwohl sie sich Jahrzehnte auf den Tag vorbereitet hatte, da das Volk noch einmal aufstehen würde.

Seit dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 hatte die DDR das Ziel, einen zweiten Aufruhr des Volkes zu verhindern. Es entstand das perfekteste Spitzelsystem der Welt in Form eines Ministeriums für Staatssicherheit mit hunderttausenden großen und kleinen Spitzeln bis hinein in Briefe, Häuser und Gehirne. Und dann erhob sich das Volk – und es fiel kein Schuss. Von keiner Seite. Alle bewaffneten Organe der DDR waren scheinbar entwaffnet. Sie hatten alle die Hand am Abzug, aber der lebendige Gott hatte längst die Hand am Sicherungshebel jeder Waffe. Wie ein Kartenhaus brach zusammen, was 40 Jahre lang gegen das Volk aufgebaut worden war.

Glaube, Gebete und Gottvertrauen

Anfang der Achtzigerjahre bildeten sich im Lande kleine Kreise, die Veränderungen in der DDR als Gebetsanliegen in die Mitte rückten. Aus Montagsgebeten wurden bescheidene Andachten. Wir glaubten oft nicht, was wir beteten, ich zumindest. Rief ich doch anfangs still und später laut und öffentlich: „Herr, zerbrich die Macht derer, die uns regieren“, frei nach Psalm 37,17. Ich fand nicht nur Zustimmung. Es gab große Augen und Verwunderung, als ich 1987 nach einer Andacht die Leute fragte: „Und ihr betet nicht für das Ende der DDR und die deutsche Einheit?“

Schon in den Siebzigerjahren wurden innerhalb vor allem der Evangelischen Kirche Stimmen laut, die den sozialistischen Staat in dieser zunehmend totalitären Form ablehnten. In Ostberlin und auch in der Provinz wurden die Kirchen zu einem Raum für den offenen Austausch von Gedanken und Meinungen auf der Grundlage des Glaubens an Jesus Christus. Interessant ist, dass mit dem gleichen Anspruch des Glaubens sich die offizielle Kirche mit dem von Pfarrer Horst Kasner geprägten Begriff „Kirche im Sozialismus“ identifizierte. Bischof Albrecht Schönherr formulierte 1971: „Wir wollen Kirche nicht neben, nicht gegen, sondern im Sozialismus sein.“ Im Spitzengespräch mit Schönherr und anderen am 6. März 1978 wurde diese Standortbeschreibung von Honecker und der SED-Führung bestätigt.

In den Gemeinden freilich wuchs die Opposition zu dieser Stellungnahme und zum Staat. In Ostberlin waren es Kreise um Pfarrer Rainer Eppelmann, Wehrdienstverweigerer, Umweltschützer und Friedensbewegte, die sich organisierten. Oft waren es vom schlichten Bibelglauben geprägte Menschen, die sich gegen den totalitären Staat, dessen Anspruch auf Allmacht und Alternativlosigkeit, stellten. Herausragend war das Fanal von Pfarrer Oskar Brüsewitz, der sich am 18. August 1976 vor seiner Kirche öffentlich verbrannte. Weniger spektakulär war das Zeugnis tausender junger Christen, die sich der staatlichen Jugendweihe verweigerten und in ihrer Konfirmation nicht nur ein Bekenntnis zu Jesus sahen, sondern auch die Absage an die allumfassende SED-Herrschaft. Ab 1978 wurde mit dem „Wehrkunde-Unterricht“ die Militarisierung der Jugend verstärkt. Mit dem Aufruf „Schwerter zu Pflugscharen“ wuchs der Widerstand gegen diese Politik. Dies alles mündete in die großen Gottesdienste mit vollen Kirchen im Herbst 1989.

Die Nacht, als die Glocken schwiegen

Dreißig Jahre danach fragen viele: Was ist daraus geworden? Waren die Kirchen nicht zu schnell wieder leer? Am 3. Oktober 1990 wurde die Einheit Deutschlands und damit das Ende der sozialistischen DDR gefeiert. Landesweit blieben die Kirchenglocken stumm. Die größten Ereignisse unserer jüngeren Geschichte, das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und die friedliche Revolution, blieben ohne Echo der Kirchen. Das Schweigen der Glocken war 1990 der Sündenfall der offiziellen Kirche.

Wir dürfen fragen: War das am Ende doch der Triumph der „Kirche im Sozialismus“? Gott hatte diesem Land und Volk, diesem schuldbeladenen Deutschland, ein Wunder geschenkt und so der Welt gezeigt, ER ist ein gütiger Gott. Denn der 9. November 1989 ist das Wunder der Geschichte vor dem Hintergrund jenes 9. November 1938. Die Bibel zeigt uns Gott als den Herrn und Heiland der Geschichte, doch die Kirche blieb sprachlos, ist es bis heute und so gehen die Leute weg.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 5/2019 des Christlichen Medienmagazinr pro. Sie können die pro hier bestellen.

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Sat, 09 Nov 2019 10:43:00 +0100
<![CDATA[Kongress befasst sich mit „Christenverfolgung heute“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2019/11/09/kongress-befasst-sich-mit-christenverfolgung-heute/ In zahlreichen Ländern der Welt werden Christen bedrängt oder verfolgt: Mit ihrer Situation beschäftigt sich der 6. ökumenische Kongress „Christenverfolgung heute“ in Schwäbisch Gmünd. Er beginnt am Sonntag und dauert bis Mittwoch. Das Christliche Gästezentrum Schönblick und die Evangelische Nachrichtenagentur idea veranstalten ihn in Zusammenarbeit mit mehr als 30 evangelischen, katholischen und freikirchlichen Hilfswerken sowie Menschenrechtsorganisationen. Ziel ist es laut Veranstalter, „mit bedrängten und verfolgten Christen ins Gespräch zu kommen, ihnen eine Stimme zu geben, die Netzwerke zwischen ihnen und den Christen in der ,freien Welt‘ auszubauen und Initiativen zum Handeln aufzuzeigen“.

Schirmherr der Veranstaltung ist der frühere Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder. Er soll am Sonntag zum Thema „Wachsende Christenheit – warum bedrohte Christen mutige Zeugen sind“ sprechen. Zum Auftakt wird auch der Beauftragte der Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel (CDU), ein Referat zum Zustand der Religionsfreiheit halten.

Geistliche berichten über die Situation in der Türkei, Indien und China

Dabei sein wird mit Nazira Goreya auch eine Christin aus Nordsyrien. Sie ist Ko-Vorsitzende des Exekutivrates des Kantons Cizire und Mitbegründerin der Suryoye Frauen Union in Rojava und wird über die Situation in Nordsyrien nach dem Einmarsch der Türkei berichten. Ebenfalls vor Ort sind die pakistanische Menschenrechtsanwältin Aneeqa Maria Anthony, die von ihrer Arbeit – etwa über den Umgang mit Blasphemievorwürfen gegen Christen – erzählen wird, sowie der Kirchenpräsident der „Evangelical Church Winning all“ (ECWA) im nigerianischen Jos, Stephan Panya Baba. Missionare und Geistliche berichten über die Situation in der Türkei, in Indien, China, im Irak und in Lateinamerika. Neben den Plenumsveranstaltungen gibt es thematische Foren.

In einem spricht Yassir Eric. Der Nordsudanese war militanter Islamist, wünschte Juden und Christen den Tod. Wie durch ein Wunder kam er zum Glauben an Jesus. Er musste fliehen und erlebte Höllenqualen. Sein Thema beim Kongress lautet: „ Glaube, Identität und Gemeinde: Bewegung der ersten Generation Christen aus dem Islam – Hoffnung und Wachstum trotz Verfolgung“.

In einer bereits vorher aufgezeichneten Videobotschaft an die Kongressteilnehmer spricht Oberkirchenrätin Sabine Dreßler, Referentin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Menschenrechte, Migration und Integration, über die dramatische Situation von Christen in vielen Ländern, etwa in Syrien und im Irak. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe versucht, ganze Gemeinden systematisch auszulöschen. Es sei gut, beim Kongress zusammenzukommen und zu überlegen, wie man den Christen dort helfen könne. Anschließend könnten Maßnahmen getroffen werden.

Kongress startete 2009 mit zehn Kooperationspartnern

Der alle zwei Jahre stattfindende Kongress startete 2009 mit zehn Kooperationspartnern und 250 Teilnehmern. Er will für bedrängte und verfolgte Christen eintreten und ihnen eine Stimme geben. Unter den Referenten seien nach eigenen Angaben deswegen auch betroffene Christen, die aus ihren Heimatländern berichten, in denen Verfolgung aus Glaubensgründen zum Alltag gehört.

Von: Martina Blatt

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Sat, 09 Nov 2019 10:18:00 +0100
<![CDATA[Weltweiter Gebetstag für verfolgte Christen am Sonntag]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/09/weltweiter-gebetstag-fuer-verfolgte-christen-am-sonntag/ Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) lädt auch in diesem Jahr wieder christliche Gemeinden dazu ein, weltweit verfolgte Christen mit einer Gebetsaktion zu gedenken. Die Intention des weltweiten Gebetstags für verfolgte Christen am Sonntag ist es, den „bedrückten, bedrängten und verfolgten Geschwistern im Gebet beizustehen“, erklärte die DEA in einer Pressemitteilung.

Ekkehart Vetter, der DEA-Vorsitzende, machte deutlich: „Gemeinde Jesu Christi ist international, sie gehört zueinander über Ländergrenzen hinweg. Darum geht uns die in vielen Regionen dieser Welt bedrängte und verfolgte Gemeinde unmittelbar etwas an.“ Der weltweite Gebetstag für verfolgte Christen solle dieses Bewusstsein schärfen und gleichzeitig dafür sensibilisieren, „dass auch Angehörige anderer Religionen von Verletzungen der Religionsfreiheit betroffen sind“.

China: Christen gelten als Gefahr, weil Jesus ihr Leben bestimmt

Schwerpunktländer beziehungsweise -regionen sind in diesem Jahr China, Nigeria und die Ostukraine. Die DEA hat zu diesem Anlass ein Gebetsheft mit einer Auflage von ca. 26.000 Exemplaren gedruckt und versandt. Darin heißt es über China: „Christen gelten als mögliche Gefahr, weil sie ihr Leben von Jesus Christus bestimmen lassen wollen, nicht von der kommunistischen Partei. Der weitaus größere Teil der Christen im Land versammelt sich in den nichtregistrierten Haus- beziehungsweise Untergrundkirchen.“ Das Heft ist online einseh- und downloadbar. An der Gebetsaktion beteiligt sich auch die Hilfsorganisation Open Doors.

Seit vielen Jahren gibt es aus diesem Anlass auch zwei umfangreiche Jahrbücher. Sie befassen sich mit den Themen „Religionsfreiheit" und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen“. Diese Dokumentation gibt Thomas Schirrmacher für den Arbeitskreis „Religionsfreiheit – Menschenrechte – Verfolgte Christen“ gemeinsam mit der „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte“ und weiteren Kooperationspartnern heraus.

Die Weltweite Evangelische Allianz begeht jährlich einen Gebetstag für verfolgte Christen. Seit 1996 beteiligt sich die Deutsche Evangelische Allianz unter anderem mit ausführlichem Informationsmaterial zu dem jeweiligen Schwerpunkt daran.

Von: Martina Blatt

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Sat, 09 Nov 2019 09:28:00 +0100
<![CDATA[Tausende Schüler schreiben Bibel per Hand ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/08/tausende-schueler-schreiben-bibel-per-hand-ab/ Eine im Frühjahr veröffentlichte Studie besagt, dass sich Lehrer und Bildungspolitiker Sorgen um die Handschrift der Schüler machen. Im Bistum Passau wird diese allerdings derzeit gepflegt: Im Projekt „Heilig.Schüler.Schrift“ schreiben tausende Jungen und Mädchen aus 45 Schulen in den kommenden Monaten mit der Hand eine Bibel.

Der Leiter der Hauptabteilung Schulen und Hochschule im Bistum Passau, Hans-Peter Eggerl, erklärt in einem Video-Interview des Bistums Passau die Aspekte des Projekts: Das Abschreiben des Bibeltextes der vier Evangelien soll zum einen meditativ sein – die Schüler bekämen einen „ganz anderen Zugang zu diesem heiligen Buch“. Zudem sei es „frohbotschaftlich“. Es gehe um Bibeltexte, die eigentlich nicht im Lehrplan vorkommen, „die vielleicht fremd sind, Fragen aufwerfen und Interesse wecken an diesem Buch“. Als drittes sei das Projekt „ästhetisch“: „Das Buch wird von vielen Kindern schöngeschrieben. Es wird schön aufgemacht. Das ist am Ende auch eine Prachtbibel.“

Das Projekt beginnt im Januar 2020 und die Schreibphase dauert bis April. Eine Schule hat bereits jetzt mit der Pilotphase begonnen. Isabella aus der zweiten Klasse sagt im Video des Bistums: „Das ist einfach interessant das Thema. Ich finde das schön und deshalb mach ich da auch gerne mit. Es macht mir einfach Spaß, mit der Bibel zu arbeiten.“

Jede Schule erhält drei Papierbögen, das entspricht zwölf Seiten der Bibel. Im Mai wird die Bibel gebunden. Einen Monat später soll Bischof Stefan Oster das rund 750 Seite dicke Buch segnen, heißt es aus dem Bistum.

Von: Martina Blatt

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Fri, 08 Nov 2019 15:30:00 +0100
<![CDATA[Eine Revolution sieht anders aus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/11/08/eine-revolution-sieht-anders-aus/ Ein Gastbeitrag von Lukas Reineck]]> Es ist Revolution im Libanon. Banken, Schulen und Universitäten sind vorübergehend geschlossen, die Hauptverkehrsstraßen blockiert, die Zufahrt zum Flughafen zeitweise komplett gesperrt. Es gibt wenige Ausnahmen: Für 100 Dollar können Menschen auf dem Rücksitz eines Motorrollers vom Flughafen nach Beirut fahren. Ein Schnäppchen versteht sich: bei drei Kilometern Entfernung.

Seit Beginn der Revolution Mitte Oktober demonstrierten eine Million Menschen friedlich auf den Straßen. Bei etwa sechs Millionen Einwohnern ist das eine beachtliche Zahl. Am 27. Oktober zog sich eine Menschenkette durch die Hauptstadt Beirut. Sie war ein klares Statement für friedliche Proteste. Für den Libanon ist das eine Sensation.

Politische Elite zum Abdanken bewegen

In den wichtigsten Städten waren die Menschen Tag und Nacht auf den Beinen. „Wir wollen, dass die Regierung uns eine Grundversorgung bietet. Wir brauchen eine funktionierende Müllentsorgung, verlässliche öffentliche Verkehrsmittel und eine durchgängige Elektrizität“, wünscht sich eine Beiruter Demonstrantin. Den Menschen geht es aber um mehr, viel mehr. Sie wollen das politisch-konfessionelle System im Zedernstaat verändern. Die politische Elite soll abdanken. Stattdessen soll es eine technokratische Regierung geben.

Die Regierung hat ihr Vorhaben zurückgenommen, die sozialen Medien mit 6 Dollar monatlich zu besteuern. An der miserablen Gesamtsituation des Landes ändert das wenig. Der Libanon hat enorme Schulden. Die Waldbrände in den Bergen zerstören die Umwelt, die syrischen Flüchtlinge sind eine weitere Herausforderung.

Der Staat ist seit seiner Gründung in den 1920er Jahren multi-konfessionell. Mehr als 18 Religionsgemeinschaften leben hier. Ungefähr 30 Prozent der Bevölkerung sind Christen, darunter maronitische, griechisch-orthodoxe, armenische und protestantische Christen. Die Verfassung sieht vor, dass der Präsident maronitischer Christ, der Regierungschef Sunnit und der Parlamentspräsident Schiit ist.

Präsident hat einen Drei-Punkte-Plan

Am 29. Oktober 2019 trat Sa'ad al-Hariri als Regierungschef zurück. Der Druck der landesweiten Proteste war ihm zu hoch. Al-Hariri produzierte Negativschlagzeilen, als bekannt wurde, dass er einem südafrikanischen Supermodel 16 Millionen Doller aus seinem Privatvermögen überwies. Angeblich ohne Gegenleistung, sagte die Begünstigte.

Der libanesische Präsident Michel Aoun sprach am 3.November während seiner Fernsehansprache von einem Drei-Punkte-Plan für den Zedernstaat. Der 84-Jährige möchte Korruption bekämpfen sowie eine libanesische Zivilgesellschaft und Wirtschaft aufbauen. „Das ist ein Witz. Jedem ist klar, dass die Fernsehansprache zusammengeschnitten war. Bei seiner Ansprache ist er mehrmals eingeschlafen. Unser Präsident ist nicht handlungsfähig“, belustigt sich ein Demonstrant in Beirut über den Fernsehauftritt.

Die islamisch-schiitische Hisbollah-Partei hielt sich bisher weitgehend zurück. Sie steht hinter der Regierung. Ihre Anhänger gingen nur einmal gewalttätig gegen die Demonstranten in der Beiruter Innenstadt vor. Die geistlichen Leiter der katholischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen haben eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht: das „Bikri-Statement“. Es richtet sich an die Protestierenden, die Regierung und die internationale Gemeinschaft.

Preise für Grundnahrungsmittel haben sich verdoppelt

Auch auf dem Land demonstrieren die Menschen. Die Bekaa-Ebene im Grenzgebiet zwischen Syrien und Libanon konnte tagelang niemand bereisen. Mancherorts dienten brennende Autoreifen als Straßensperren. Mal sind die Straßen offen, mal gibt es kein Durchkommen. Nanor Kelenjian-Akbasharian leitet dort ein armenisch-evangelisches Internat. Sie schildert die Konsequenzen: „Die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich verdoppelt. Wir hatten Probleme, mit unserem Budget für die Küche auszukommen. Die Schule ist seit Beginn der Revolution geschlossen. Die Internatskinder konnten keinen Unterricht besuchen. Wir mussten sie wieder zu ihren Eltern schicken, obwohl nicht immer klar war, ob die Straßen offen sind.“

Welche Richtung nimmt die Revolution, die bis heute keinen Namen oder einen Revolutionsführer hat, in den nächsten Wochen? Ihre Anhänger fordern Veränderungen. Doch wer aus dem Volk Verantwortung übernimmt, darauf kann keiner eine Antwort geben. Ein Abendspaziergang durch Beirut bietet ein unerwartetes Bild. Überall rauchen Menschen Wasserpfeife, verteilen kostenlos Essen und verschenken libanesische Flaggen an Passanten.

Demonstranten blockieren die Straßen mit Sofas. Darauf sitzen sie und lesen gemütlich Zeitung. Man sieht Stände von Umweltinitiativen, die über Recycling aufklären. Arabische Rap-Musik ist zu hören. Ein UN-Gebäude ist wegen des starken Straßenverkehrs von einer hohen Mauer umgeben. Jetzt ist diese zu einem Gesamtkunstwerk geworden. Streetart mit politischen Botschaften schmückt das ansonsten graue Bauwerk.

Konfessionelles System des Landes hat die Menschen getrennt

Die Menschen sind fröhlich, tanzen und flirten. Wer es nicht besser weiß, könnte denken, der Libanon habe die WM gewonnen oder feiere ein riesiges Volksfest. Eine Revolution sieht anders aus. „Die arabischen Worte für Party und Revolution klingen sehr ähnlich. Vielleicht ist das der Grund, warum die Revolution wie eine große Party wirkt oder wir Libanesen einfach gerne feiern“, sagt eine junge Frau über die Proteste und schmunzelt.

Doch noch ist nichts gewonnen. Der Premierminister ist zurückgetreten. Aber das heißt nichts. Al-Hariri hat während seiner Saudi-Arabien-Reise schon einmal den Rücktritt vom Rücktritt erklärt. „Das konfessionelle System hat die Menschen getrennt. Trotz der multi-konfessionellen Gesellschaft kennen sich die Menschen nicht. Beirut ist das beste Beispiel. Jede Konfession hat ihre eigenen Stadtteile und jeder lebte vor sich hin. Jetzt rücken die Menschen zusammen und lernen sich erstmals kennen“, erzählt eine palästinensische Ärztin in einer Bar. Sie lebt schon seit einigen Jahren im Libanon.

Bei der Fahrt durch Beirut fällt eines besonders auf: Es sind fast nur junge Menschen auf den Beinen. Obwohl die meisten älteren Menschen auch für die Revolution sind, halten sie sich bedeckt. Die Angst ist groß, wieder in einen blutigen Bürgerkrieg zu geraten. Die Erinnerung daran ist bei älteren Libanesen noch lebhaft im Gedächtnis. Für sie wäre es das schlimmste Szenario, was dem Libanon passieren könnte. Das kann niemand wollen.

Christen und Muslime stehen vor den gleichen Herausforderungen. Wie sollen sie mit dieser korrupten Regierung fertig werden? Zum ersten Mal in der modernen libanesischen Geschichte trennt sie nicht die konfessionelle Zugehörigkeit, sondern die libanesische Identität eint sie. Die libanesische Flagge ist dabei das wichtigste Symbol in diesen Tagen. Vielleicht ist das schon ein wichtiger Zwischenschritt hin zur Veränderung: Gemeinsam auf die Straße zu gehen und zu spüren, dass man gemeinsam meist mehr erreichen kann als getrennt.

Lukas Reineck arbeitet für die Hilfsorganisation Christlicher Hilfsbund im Orient e.V.

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Fri, 08 Nov 2019 14:52:00 +0100
<![CDATA[Der Tag, an dem die Mauer fiel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2019/11/08/der-tag-an-dem-die-mauer-fiel/ von Christoph Irion]]> Am Tag, als die Mauer fällt, da steht sie noch. Doch als am späten Abend des 9. November 1989 der DDR-Grenzkommandant Manfred Sens am „Sektorenübergang“ Bornholmer Straße die Schlagbäume öffnen lässt, da hat die Berliner Mauer, die seit 1961 mitten durchs Herz der geteilten Spree­metropole verlief, für immer ihre trennende Funktion verloren.

Meine Frau Dagmar und ich sind frisch verheiratet. Und das soll unser erster Kurzurlaub sein? Mitten in der Nacht zu Samstag stehen wir im Stau. Es ist zwei Uhr früh. Seit einer Stunde hängen wir in unserem roten Golf Memphis fest, im A111-Zubringertunnel im Berliner Nordwesten, Nähe Scharnwebertraße. Wir sind total k.o. – aber richtig gut drauf. Wie alle hier im Tunnel. Keiner ist genervt. Die Leute lachen, sind aus ihren Autos gestiegen, einige haben Sekt dabei. Wildfremde Menschen umarmen sich, prosten sich zu. Vorhin war Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper im Radio zu hören: „Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk der Welt“, rief er tausenden Menschen zu. Und wir gehören zu den Hunderttausenden, für die an diesem Wochenende gilt: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“

Der Startschuss zu all dem ist bereits am vorherigen Donnerstag gefallen: Es ist 18.53 Uhr. Günter Schabowski, Politbüromitglied der sozialistischen DDR-Einheitspartei SED, langweilt die internationale Journalistenmeute auf einer Pressekonferenz. Im typischen Verlautbarungs-Kauderwelsch der DDR-Politbürokratie „informiert“ er über die jüngste Krisensitzung des SED-Zentralkomitees (ZK). Nebulös redet er von Reformen. Ach ja, und da wäre auch noch eine neue Reiseverordnung.

Folgenreicher Versprecher

Die entscheidende Frage stellt der Italiener Riccardo Ehrman. Schabowskis Redeschwall dauert mehrere Minuten. Dann der Satz: „Und deshalb, äh, haben wir uns entschlossen, heute, äh, eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, äh, über Grenzübergangspunkte der DDR, äh, auszureisen.“ Ein anderer setzt nach: „Ab wann? Wann tritt das in Kraft?“ Schabowski kratzt sich. Ihm ist entfallen, dass das ZK die Regelung erst am kommenden Tag „geordnet durchführen“ lassen will. Und es folgt der folgenreichste Versprecher der jüngeren Geschichte: Verwirrt antwortet Schabowski, seines Wissens trete die Regelung „sofort, unverzüglich“ in Kraft.

Vor allem deutsche Journalisten begreifen anfangs gar nicht, was diese Worte bedeuten. Die Bewohner Ostberlins, die Schabowskis Auftritt live am Fernseher verfolgt haben, verstehen umso besser: Tausende strömen zu den Grenzübergängen. „Der Schabowski hat gesagt, wir können jetzt reisen, nun lasst uns mal durch“, rufen sie den ahnungslosen Grenzposten zu. Tumultartige Szenen spielen sich ab. An den Kontrollstellen stauen sich die Massen, die Autoschlangen der Trabanten und Wartburgs werden immer länger. Schließlich beugen sich die Grenzer an der Bornholmer Straße dem Druck: „Es ist nicht mehr zu halten“, meldet ein Oberstleutnant. Ein Untergebener ruft: „Wir fluten.“

Bürgermeister Momper erfährt das Unfassbare um 22.25 Uhr, als er gerade in einer Talkrunde des damaligen Senders Freies Berlin (SFB) sitzt: „Mein Platz ist jetzt woanders“, sagt der Regierende und verlässt das Studio Richtung Brandenburger Tor – dort tanzen die Menschen auf der Mauer. In diesen Tagen erlebt ganz Berlin einen euphorischen Ausnahmezustand. Millionen Menschen strömen aus allen Himmelsrichtungen in die Hauptstadt. Sie sind fassungslos und besoffen vor Freude.

In Berlin ereignet sich Weltgeschichte

Vorgärten werden zu Parkplätzen, Ausfallstraßen zu Fußgängerzonen. Übernachtet wird bei Wildfremden, und überall gibt es Blumen und Sekt. Uns treibt es zum Brandenburger Tor, zum Potsdamer Platz, dann in die Bernauer Straße im Wedding und auch auf den Ku’damm. Ein Trabi-Fahrer kurbelt die Scheibe runter und ruft winkenden Passanten zu: „Ick fass’ mir pausenlos an’ Kopp. Ick fahr’ mit der Karre übern Kurfürstendamm.“ Hunderte Zweitakter verstopfen und verstänkern den ganzen Ku’damm – statt Genörgel ernten sie Szenenapplaus. Westberliner Taxifahrer chauffieren Ostgäste gratis durch die Stadt, zum Dank gibt es Bussis. Geschäfte, Kneipen, Restaurants haben rund um die Uhr geöffnet. Vor Banken bilden sich Menschenschlangen, selbst am Sonntag: Jeder „Ossi“ darf sich dort 100 Mark „Begrüßungsgeld“ zum Einkaufen abholen, Kanzler Helmut Kohl (CDU) hat das Geld locker gemacht.

Weltgeschichte hat sich in diesen Tagen in Berlin ereignet. Der Traum von Freiheit wurde wahr. Und möglich wurde er durch die friedliche Revolution der Ostdeutschen. Die Kirchen haben, so scheint es, inmitten dieses Freudentaumels nicht viel zu melden. Christen und ihre Kirchen waren in der DDR ebenso begrenzt und verstrickt wie andere gesellschaftliche Gruppen. Ihr Image im real­sozialistischen Einheitsstaat war miserabel. Vor allem waren sie zahlenmäßig in der Defensive.

Doch haben vor dem Mauerfall gerade die Kirchen eine einzigartige Rolle gespielt, die ursächlich und elementar mit der christlichen Freiheits-, Friedens- und Versöhnungsbotschaft von Jesus Christus zu tun hat: Denn nicht nur in Leipzig und Berlin, sondern überall zwischen Zinnowitz und Zittau waren es mutige Pfarrer und Gemeindemitglieder, die Regimekritikern in ihren Kirchen Zuflucht gewährten. Der rabiaten Stasi-Staatsmacht setzten sie Kräfte entgegen, die transzendent wirken: Gibt es ein Mittel gegen „Friedensgebete“?

30 Jahre nach dem Mauerfall könnten im heutigen Deutschland manche Spaltungen, Wunden und Risse in den Biographien und in der Gesellschaft heilen, wenn wir aus der jüngeren Geschichte lernen. Angesichts von Brexit, Klimakrise, Flüchtlings- und Terrordebatten haben Christen auch heute nicht den Auftrag, alles besser zu wissen und die Machthebel in der Hand zu haben. Im Sinne der Bergpredigt Jesu, wie sie im Matthäus- evangelium steht, können und sollen sie „Salz“ und „Licht“ (5,13–14) sein – nicht mehr und nicht weniger. Wie damals die Christen in der DDR.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 5/2019 des Christlichen Medienmagazinr pro. Sie können die pro hier bestellen.

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Fri, 08 Nov 2019 12:28:00 +0100
<![CDATA[„Empfundenes Unrecht kann Hass provozieren“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2019/11/06/empfundenes-unrecht-kann-hass-provozieren/ Eine TV-Kritik von Johannes Blöcher-Weil]]> Steven Spielberg beschäftigt sich in einer Dokumentation mit Facetten des Hasses. „Warum wir hassen“ heißt die sechsteilige Serie, die ab 10. November bei ZDF info und am 12. November als zusammenfassende Dokumentation im ZDF läuft. In den Beiträgen kommen Täter und Opfer von Hass zu Wort, aber auch Wissenschaftler mit neuesten Erkenntnissen der Verhaltens- und Sozialforschung.

Die Folgen fragen danach, woher Hass kommt, wie er sich verbreitet und eigedämmt werden kann. Sie nehmen jeweils einen speziellen Aspekt in den Blick. Die 45-minütigen Beiträge beschäftigen sich mit dem evolutionären Ursprung von Hass, der Wahrnehmung von anderen als Fremden, der Wirkung von Propaganda, dem Abgleiten in Extremismus, der Eskalation bis zum Völkermord und schließlich der Hoffnung auf ein besseres Selbst.

Vor allem die erste Folge verdeutlicht, wie schwer eine hasserfüllte Atmosphäre zu ändern ist. Dies werde dadurch beeinflusst, dass Menschen nach Status und Dominanz strebten. Zudem wird dem Zuschauer deutlich, dass Moral nicht durch Kultur, Erziehung und Lernen geprägt ist, sondern weitgehend das Ergebnis biologischer Entwicklung ist. Eine unfaire Behandlung könne schnell die dunkle Seite von Menschen hervorrufen: „Empfundenes Unrecht kann Hass provozieren.“ Amokschützen zum Beispiel sammelten Ungerechtigkeiten und horteten sie über Monate, bis sie den entwickelten und aufgestauten Hass mit tödlicher Gewalt herausließen.

Menschen können verlernen zu hassen

Als Beispiel wird die amerikanische Westboro Baptist Church genannt. Ihre Gemeindemitglieder erzeugten Hass, indem sie in öffentlichkeitswirksamen Aktionen bestimmte Personengruppen wie Juden und Homosexuelle ausgrenzten. Megan Phelps-Roper, Enkelin des Gründers, kommt in der Dokumentation zu Wort. Ihre familiäre Prägung habe sie die Menschen hassen lassen - ohne irgendwelche Gründe dafür zu haben. Jetzt hat sie die Kirche verlassen und die Opfer ihres Hasses um Verzeihung gebeten. Am Ende des ersten Teils steht die These: „Wir können verlernen zu hassen!“ Das menschliche Gehirn könne durchaus Recht und Unrecht unterscheiden und müsse nicht zwangsläufig Fremdes als etwas Feindliches wahrnehmen.

In der Folge „Fremde“ erklärt Psychologin Laurie Santos die Zusammenhänge, warum Menschen polarisieren und was sie dazu bringt, Angehörige anderer Gruppen zu hassen. Wissenschaftliche Untersuchungen hätten gezeigt, dass eine extreme Polarisierung zwischen zwei Lagern es nahezu unmöglich mache, auf der Basis von Fakten mit einander zu reden. Jede Seite sehe sich als Opfer der anderen – seien es verfeindete Staaten oder Sportvereine.

Eine Gruppe bestimme das menschliche Verhalten stärker als das eigene Erleben. Dies veranschaulicht die Dokumentation anhand sportlicher Rivalität. Ein englischer Fußballfan bekennt, dass die Mannschaft seine Religion ist. Das Reden über Fußball sei für ihn, wie für andere das Beten. Die Doku macht deutlich: Jede Seite sieht die Welt durch ihre Brille. Der Wunsch, prinzipiell positiv vor anderen Menschen dazustehen, mache darüber hinaus empfänglich für Fake News, Propaganda und Hetze und vertiefe Gräben.

Es entsteht ein Wettstreit, wer mehr Opfer ist

In den sozialen Netzwerke sorgten Algorithmen dafür, dass Menschen in der realen Welt aggressiver reagieren. Menschen sähen in ihren Filterblasen nur das Unrecht, dass ihnen selbst angetan wird, aber nicht das, was anderen angetan wird. Es geht aus Sicht des Neurowissenschaftlers Emilie Bruneau dabei um den Wettstreit, wer mehr Opfer sei. Als Beispiel wird der bis heute nicht gelöste „tragisch wie komplexe“ Konflikt in Israel genannt.

Das Konzept der Sendung sieht es vor, dass in jeder Folge wissenschaftliche Experten zu Wort kommen. In der Folge „Extremismus“ etwa erklärt Konfliktforscherin Sasha Havlicek, wie Rassismus, religiöser Eifer oder nationalistischer Wahn entstehen können. Sie verdeutlicht, was es Menschen bringt, sich hasserfüllten Ideologien anzuschließen und gegen Andersdenkende mit Gewalt vorzugehen. Dabei hebt sie auch die Bedeutung der Sprache bei populistischen Politikern hervor. Die Folge „Völkermord“ hat stärker die Rolle von Anführern, Mittätern und Mitläufern bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Blick. Völkermord sei kein „spontanes Phänomen, sondern organisiert“ und brauche blinden Gehorsam. Ein Zitat über Völkermord bleibt besonders haften: „Wenn wir uns daran beteiligen, vernichten wir nicht nur die Opfer, sondern zerstören unsere eigene Menschlichkeit.“

Es kann gelingen das „Wir gegen die“ zu überwinden

Die Dokumentation zeigt viele Facetten des Hasses. Gut, dass es die letzte Folge gibt: Darin verdeutlicht Bruneau Strategien, um die Fähigkeit zu kritischem Denken, Dialog und Empathie zu stärken und Hass zu widerstehen. Er stellt Beispiele der Versöhnung von ehemaligen Todfeinden vor, die den Kreislauf aus Hass und Gewalt aufgebrochen haben. Es ist ein versöhnliches Ende, das aufzeigt, wie es gelingen kann, das „Wir gegen die“ zu überwinden.

Genau diese Bandbreite, die Spielberg und Gibney abbilden, macht die Dokumentation sehenswert. Sie thematisieren Hass-Mails und Mobbing genauso wie ethnisch-religiöse Konflikte. Die zahlreichen Wissenschaftler, die ihre Thesen verständlich erläutern, wie auch die Aussagen von Tätern und Opfern verschaffen dem Zuschauer einen guten Überblick über die Auswüchse von Hass. Die Dokumentation fordert den Zuschauer auf, sein Umfeld für Hass zu sensibiliseren und dagegen zu mobiliseren. Und ganz nebenbei helfen die Beiträge dabei, so manche Konflikte um populistsche Hetze im Netz oder das Verhalten gegenüber Fremdem besser zu verstehen. Von daher machen die Beiträge nicht nur betroffen, sondern fordern den Zuschauer auch zum eigenen Tun heraus.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Steven Spielberg/Alex Gibney: „Warum wir hassen“. Die sechs Folgen sind am 10. November 20.15 Uhr und 21 Uhr, am 11., 12., 13. und 18. November jeweils um 20.15 Uhr auf ZDFinfo zu sehen. Das ZDF-Hauptprogramm zeigt die daraus zusammengefasste Doku am 12. November um 20.15 Uhr.

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Fri, 08 Nov 2019 11:20:00 +0100
<![CDATA[„Warum meldet sich meine Kirche nicht?“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/08/warum-meldet-sich-meine-kirche-nicht/ pro: Herr Wiesenberg, C.S. Lewis hat einmal gesagt: „Wenn das Christentum falsch ist, ist es bedeutungslos; wenn es stimmt, ist es von unendlicher Bedeutung. Was es nicht sein kann: ein bisschen wichtig.“ Müsste es nicht ziemlich einfach sein, ein Produkt mit unendlicher Bedeutung an den Mann zu bringen?

Markus Wiesenberg: Der philosophische Kern von Lewis’ Satz stimmt. Aber wenn dies auf die aktuelle Realität trifft und damit auf eine geringe Nachfrage, stoßen wir auf das Spannungsfeld, dass Religion in der westlichen Welt nicht mehr so stark verankert ist. Daher steht die Kirche vor der großen Herausforderung, dass sie überhaupt gehört wird. In einer zunehmend säkularisierten Welt ist es schwieriger für Kirche, in der Medienwelt durchzudringen. Denn auch Algorithmen sind hier ja nicht neutral in der digitalen Medienwelt.

Sie schreiben: „Es wird deutlich, dass mit einer De-Institutionalisierung der christlichen Institutionen bzw. einem Rückgang der Kirchenbindung die Frage nach einem christlichen Mehrwert für alle zum Beispiel durch die Verkündigungssendungen im öffentlich-rechtlichen TV und Rundfunk, zumindest kritisch zu betrachten ist.“ Was bedeutet das?

Die Volkskirche ist eigentlich insofern keine Volkskirche mehr, als sie eben für große Teile der Bevölkerung keine Rolle mehr spielt. Inwiefern ein Anspruch der Kirchen auf Verkündigungssendungen in TV und Rundfunk weiterhin gesellschaftlich legitimierbar bleibt, wenn die Mehrheit der Gesellschaft nicht mehr kirchlich gebunden ist, wird in Zukunft diskutiert werden.

Bedeutet das, dass Kirche Ihrer Ansicht nach zu viel in den Medien vorkommt?

Das bedeutet erstmal nur, dass sich die Kommunikation der Kirche ändern muss und man sich stärker auf die Eigenmedien konzentrieren sollte. Mit klassischen Pressemitteilungen werden Kirchen weniger durchkommen: Früher wurden ganze Textpassagen von Predigten abgedruckt – auch in überregionalen Printmedien. Das gibt es immer seltener. Entsprechend haben sich auch Pressemit­teilungen geändert, sodass die christliche Botschaft nicht mehr der entscheidende Kern ist. Das ist schade für die christliche Botschaft an sich, aber es ist noch nie Aufgabe von säkularen Medien gewesen, christliche Botschaften zu verbreiten. Solange es noch eine christliche Mehrheitsgesellschaft gab, war es aus Sicht der Medien noch ein Nachrichtenwert. Aber das scheint immer weniger der Fall zu sein. Das ist aus christlicher Perspektive zu bedauern. Für die Kirchen bedeutet es, dass der Weg zur Direktkommunikation sinnvoller und ein konsequenter Schritt ist. Jedoch tut man sich hier derzeit noch schwer und probiert das ein oder andere eher halbherzig aus.

Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund die EKD-YouTuberin Jana Highholder?

Wenn Sie sich die Logik von Influencern anschauen, sind das erstmal diejenigen, die ein persönliches Interesse daran haben, Einfluss zu gewinnen. Ich habe den Eindruck, dass die Kirche das ein bisschen okkupieren will. Bei der Zusammenarbeit von Influencern und Unternehmen buchen sich Unternehmen bei Influencern ein. Bei der Kirche ist das eher so eine Art Influencer-Relation, also eine gegenseitige Beziehung. Die Frage ist letztlich, ob das, was Jana Highholder macht, am Ende auf die Evangelische Kirche zurückfällt und ob es insofern strategisch eingesetzt ist. Das sehe ich in diesem Fall eher nicht.

„Es gibt keine Blaupause für Kirche, wie sie kommunizieren muss, damit es am Ende zum Erfolg wird.“

Warum haben Sie begonnen, sich mit kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit zu beschäftigen?

Ich bin in der Evangelischen Kirche aufgewachsen und habe dort in der Jugendarbeit angefangen, Öffentlichkeitsarbeit zu machen. Ich bin also über die Kirche zur Öffentlichkeitsarbeit gekommen und habe dann bei Unternehmen und Non-Profits PR und Marketing gemacht. Mit dem Thema kirchliche Öffentlichkeitsarbeit habe ich mich dann im Studium wieder beschäftigt; was dann Anlass für die Promotion zur strategischen Ausrichtung der gesamten Kirchenkommunikation war.

Sind Sie gläubig?

Ja, ich würde mich durchaus als gläubigen Christen bezeichnen.

Welche Kirchenaktion hat Sie zuletzt überzeugt oder gar begeistert?

Das Bistum in Köln hat zur Computerspiele-Messe Gamescom im vorletzten Jahr den Dom mit Lichtinstallation und Virtual Reality ausstaffiert. Das hat auch viele junge Menschen wieder einmal in eine Kirche geführt. Auch die Kampagnen der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) wie „Die Bibel auf einem Bierdeckel“ erscheinen mir sehr zeitgemäß und von der Zielgruppe her gedacht.

Welche Ideen haben Sie für Gemeinden, die ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern möchten?

Ich berate ja auch Gemeinden und wir klären immer zunächst die grundlegenden Fragen: Wer sind wir als Gemeinde und was zeichnet uns besonders aus? Wer sind unsere Gemeindemitglieder und was sind unsere Ziele? Wen wollen wir erreichen? Dann muss man Ehrenamtliche finden, die Spaß daran haben, in dem Bereich aktiv mitzuarbeiten. Wenn das Team steht, kann man aus dem Leitbild und den Zielen sowie Zielgruppen konkrete Kommunikationsmaßnahmen einleiten und dafür Ziele setzen, die man in regelmäßigen Abständen überprüft. Zum Beispiel machen wir eine Leserbefragung zum Gemeindebrief: Von wem wird der Gemeindebrief analog gelesen? Wer möchte lieber einen Newsletter digital?

Auf welchen Social-Media-Kanälen sollten Gemeinden aktiv sein?

Gemeinden müssen die Kanäle nutzen, wo ihre Mitglieder unterwegs sind. Ich empfehle keinen blinden Aktionismus, sondern strategisches Herangehen: Wenn keiner aus der Gemeinde bei Instagram aktiv ist, brauche ich den Kanal nicht. Ich muss nicht Facebook machen, nur weil es scheinbar alle machen, wenn die Mitglieder es nicht nutzen und das nicht aktiv unterstützen – also als Botschafter Inhalte teilen. Das muss ich zunächst herausfinden. Dazu kommt: Diese Kanäle kann man nicht kontrollieren und sie sind nicht statisch, sondern sie leben vom Austausch und der Interaktion. Überregional und insbesondere national müssen Protestanten und Katholiken überall präsent sein. Denn der Auftrag ist ja klar: Gehet hin in alle Welt.

Und die Freikirchen?

Freikirchen haben als Bünde kaum Ressourcen, um die Kommunikation strategisch anzugehen. Deshalb werden sie auch nicht wahrgenommen oder sogar als Sekten oder Fundamentalisten gebrandmarkt. Entsprechend findet Kommunikation in der Regel nur lokal auf Gemeindeebene statt. Das bewegt sich aber bis auf wenige Ausnahmen unter der Wahrnehmungsschwelle.

Welches sind die größten Herausforderungen von Kirchenkommunikation heute?

Dass man überhaupt einen strategischen Ansatz findet und dass man Leute involviert, die Erfahrung im Kommunikationsmanagement haben. Für die kirchliche Publizistik bedeutet es, dass sie Mitglieder stärker einbinden sollte, beispielsweise durch Online-Foren. Eine große Herausforderung stellen zudem die Ressourcen für Kommunikation sowie die Ausbildung der Pfarrerschaft dar.

Sie kritisieren, dass Theologen in ihrer Ausbildung nicht lernen, strategisch zu kommunizieren. Was würden Sie gern ändern?

Die Pfarrerschaft sollte ein Grundverständnis von Kommunikation und Medien erhalten. Sie sollten sich ausführlich mit Kommunikations- und Medienwissenschaft beschäftigen. Gerade weil wir sehen, dass Medien zunehmend die Gesellschaft verändern. Kommunikation findet immer mehr durch digitale Medien statt. Deswegen muss ich die grundlegenden Ansätze von Kommunikation kennen und ein Verständnis von unterschiedlichen Medien sowie deren Wirkung haben.

Wozu brauchen sie konkret solche Kenntnisse?

Denjenigen, die in den Pfarrdienst gehen wollen, muss klar sein, dass sie Personen des öffentlichen Lebens sind und ihre Aussagen auch ein mediales Echo erzeugen können. Sie müssen wissen, was sie zu tun haben, wenn Presse­anfragen kommen, und wie Krisenkommunikation erfolgreich umgesetzt werden kann. Wie wichtig eine mit der Landeskirche abgestimmte Kommunikation ist und welche Rolle die unterschiedlichen Ebenen in der Kommunikation spielen. Das alles müssen Pfarrerinnen und Pfarrer nicht selbst machen, aber sie müssen wissen, was zu tun wäre und an wen sie sich zu wenden haben. Das gilt auch bei der Weiterbildung von Ehrenamtlichen in diesem Bereich.

Kirchen agieren auf verschiedenen Organisationsebenen. Welche kommunikativen Inhalte sollte zum Beispiel die EKD einzelnen Gemeinden bereitstellen?

Das Prinzip der Subsidiarität, wie es in der Katholischen Kirche stark betont wird, ist sehr sinnvoll: Jede Ebene soll das tun, was sie tun kann. Bei Einsparungsprozessen kann professionelle Öffentlichkeitsarbeit auf der lokalen Ebene häufig nicht mehr geleistet werden. Dann muss ich das auf der Dekanatsebene stärker in den Blick nehmen. Das bedeutet, man braucht auf Dekanatsebene mindestens eine halbe Stelle für Öffentlichkeitsarbeit, die auch die Gemeinden im Blick hat. In der Evangelischen Kirche ließe sich das gut mit der alle vier Jahre stattfindenden Supervision koppeln und diese nicht nur theologisch, sondern auch auf Kommunikationsebene durchführen.

Die Landeskirche beziehungsweise Bistümer sind die nächsthöhere Ebene. Hier kann man viele Dinge vordenken und sich überlegen: Wie können wir Gemeinden und Pfarreien so unterstützen, dass professionelle Kommunikation fast automatisch passiert? Ich muss Hilfsmittel zur Verfügung stellen, die Kirchengemeinden unkompliziert nutzen können. Die EKD vertritt ja primär die Landeskirchen auf der Bundesebene und zwischen EKD und den Gemeinden vor Ort gibt es nur wenige Schnittmengen.

Wie könnte das konkret aussehen?

Viele Landeskirchen bieten den Gemeinden Baukästen an, um eigene Webseiten zu erstellen. Das kann die Arbeit vor Ort vereinfachen. Wenn die Inhalte noch in eine gemeinsame Datenbank laufen, sodass auch lokale News es auf die Webseite der Landeskirche schaffen, dann ist es umso erfreulicher und spornt an. Darüber hinaus könnte man aus diesem Tool auch gleich den Gemeindebrief oder Newsletter erstellen. Durch Rahmenverträgen mit Agenturen und Druckereien spart man Geld und kann ebenfalls eine gewisse Professionalität erhalten. Die Landeskirchen müssen darüber hinaus Aus- und Weiterbildungsmodule bereithalten. Die EKD muss natürlich die großen Themen bespielen, beispielsweise durch den Ratsvorsitzenden. Hier sehe ich viel Bedarf: Wenn sich die Kommunikationsleiter besser abstimmen würden, könnten sie stärker und gemeinsam nach vorne gehen. Da gibt es noch viel zu wenig gemeinsame Standards unter den Landeskirchen.

Wie bewerten Sie die EKD-Ratsvorsitzenden der vergangenen Jahre im Hinblick auf ihre Medientauglichkeit?

Aus Sicht der Medientauglichkeit ist der aktuelle Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm ein Segen für die EKD. Frau Käßmann war und ist ebenfalls sehr medienaffin.

Und dennoch sind die Katholiken medial sehr viel präsenter als die Protestanten. Woran liegt’s?

Vor allem daran, dass sie in den vergangenen Jahren besonders durch das Missbrauchsthema medial sehr präsent waren. Außerdem gibt es bei den Katholiken die zentrale Figur des Papstes.

Sie schreiben: „In jenen Städten, in denen auf der Dekanats­ebene eine PR-Stelle vorhanden ist, gibt es signifikant mehr traditionell-innenorientierte und weniger wachstumsorientierte Kongregationen als dort, wo eine solche Stelle auf der Dekanatsebene nicht vorhanden ist.“ Wie erklären Sie diesen Widerspruch?

Die PR-Verantwortlichen auf der Dekanatsebene berichten häufig von einer sehr zähen und schwierigen Zusammenarbeit mit der Pfarrerschaft und machen dann häufig die Sachen lieber selber, als es sich mit der Pfarrerschaft zu verderben. Das scheint wiederum für die Gemeinden ein Signal zu sein, um sich diesbezüglich weiter zurückzuziehen. Die Dekanate sollten jedoch nicht die Arbeit einfach übernehmen, sondern die Gemeinden ebenfalls befähigen.

Der Kirche laufen die Menschen weg. Die jüngsten Mitgliederstatistiken zeigen, dass immer weniger Menschen dabei sind. Was kann Kirche dieser Entwicklung entgegensetzen?

Vor allem den Großkirchen laufen die Menschen nicht davon, sondern sie sterben weg. Dass zu wenig nachkommen, ist auch eine demografische Geschichte. Nichtsdestotrotz muss sich Kirche stärker auf unterschiedliche Zielgruppen einstellen, ohne die Stammmitglieder abzuschrecken. Also einerseits beispielsweise stärker auf jüngere Familien zugehen und andererseits ältere Menschen nicht vernachlässigen. Sie sollte von Anfang an mit ihren Mitgliedern kommunizieren, und zwar an allen Lebenswendepunkten: Wenn ein Kind zum Beispiel in einem Krankenhaus in evangelischer Trägerschaft geboren wird, wo ist dann die Kirche? Inwiefern bekommen hier die Kinder schon etwas mit, das sie später daran erinnert, dass sie in einem evangelischen Haus geboren wurden? Wie wurde vor, während und anschließend mit den Eltern kommuniziert? Das Krankenhaus könnte sich zum ersten Geburtstag nochmal melden und ein Foto schicken. Wenn ich heutzutage Kunde oder Mitglied bei einer Organisation bin, melden die sich bei mir – ob es sich um den Handyvertragsanbieter, Versicherungen, Automobil- oder Sportverein handelt. Alle melden sich bei mir. Warum meldet sich meine Kirche nicht? Die Kirche muss in allen Lebensphasen auf die Menschen zugehen. Deswegen ist die Direktkommunikation mit den Mitgliedern heute so wichtig und wird in Zukunft noch viel wichtiger.

Vielen Dank für das Gespräch!

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 5/2019 des Christlichen Medienmagazinr pro. Sie können die pro hier bestellen.

Die Fragen stellte Stefanie Ramsperger

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Fri, 08 Nov 2019 10:42:00 +0100
<![CDATA[Prediger unterm Stasi-Regime]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/07/prediger-unterm-stasi-regime/ Dieses Gespräch hat pro bereits 2014 mit dem Evangelisten Theo Lehmann geführt. Heute ist Lehmann 85 Jahre alt.

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 07 Nov 2019 14:48:00 +0100
<![CDATA[Trauerverse online finden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2019/11/07/trauerverse-online-finden/ Biblische Worte können Trost spenden, der Trauer Ausdruck verleihen oder Hoffnung geben. Doch die wenigsten kennen sich mit der Heiligen Schrift so gut aus, dass sie in tragischen Situationen sofort das passende Geleitwort parat haben. Abhilfe will jetzt ein Angebot des Portals evangelisch.de und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern schaffen. Auf trauervers.de soll jeder anhand von drei Fragen den passenden Trauervers finden.

In einem ersten Schritt fragt die Seite die Persönlichkeit der verstorbenen Person ab. War sie lebensfroh oder eigenbrötlerisch? Gesellig oder eher verschlossen? Sozial engagiert? Die zweite Frage zielt auf die Todesumstände. Nutzer können angeben, ob der Tod unerwartet kam, nach Krankheit oder langem Leiden oder gewaltsam. Als drittes klicken sie an, was der von ihnen gewünschte Vers ausdrücken soll: Hoffnung, Trost, Glaube oder Versöhnung zum Beispiel. Anschließend liefert ein Algorithmus passende Bibelverse in vier verschiedenen Übersetzungen: Luther, Gute Nachricht, Einheitsübersetzung und Zürcher Bibel und die dazu passenden Erläuterungen.

Trauervers.de ist nicht das erste Angebot dieser Art. Nach demselben Prinzip arbeiten bereits Internetseiten, die Tauf-, Konfirmations- und Trausprüche liefern. Auch sie sind Angebote von evangelisch.de und der bayerischen Lutheraner.

Von: Anna Lutz

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Thu, 07 Nov 2019 14:17:00 +0100
<![CDATA[Kabinett beschließt Deutschpflicht für Imame]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/11/07/kabinett-beschliesst-deutschpflicht-fuer-imame/ Ausländer, die vorwiegend aus religiösen Gründen in Deutschland beschäftigt sind, sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig vor der Einreise hinreichende deutsche Sprachkenntnisse nachweisen. Das hat das Kabinett nach Angaben einer Presseinformation des Bundesinnenministeriums vom Mittwoch beschlossen. Dazu will sie die Beschäftigungs- und Aufenthaltsverordnung ändern. Einen Entwurf dafür hat die Bundesregierung nun verabschiedet und setzt demnach eine Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag um. Darin heißt es: „Wir erwarten, dass Imame aus dem Ausland Deutsch sprechen." Für eine Übergangszeit soll jedoch zunächst der Nachweis einfacher Deutschkenntnisse genügen.

„Kenntnisse der deutschen Sprache sind für eine erfolgreiche Integration unerlässlich", erklärte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Dies gelte umso mehr, wenn Geistliche für viele andere Zuwanderer Bezugs- und Orientierungspunkt seien. „Mit der Regelung leisten wir einen wichtigen Beitrag für erfolgreiche Integration in Deutschland“, sagte der Innenminister.

Verordnung zielt auf Muslime

Nach Angaben des Nachrichtensenders n-tv soll die neue Verordnung für Geistliche aller Religionen gelten. „Obwohl die Verordnung für Geistliche aller Religionen gelten werde, etwa auch katholische Priester, nenne der Koalitionsvertrag ausdrücklich muslimische Imame“, berichtet der Sender und beruft sich auf einen Sprecher des Innenministeriums.

Nach Angaben der Pressemeldung stellen religiöse Gemeinden für viele Zugewanderte einen „Anlauf-, Referenz- und Identifizierungspunkt“ dar. Damit komme den Geistlichen neben der Leitung religiöser Handlungen oder seelsorgerischer Tätigkeiten „wegen ihres Amtes eine Vorbild- und Beraterfunktion“ zu. Die ist nach Ansicht des Ministeriums „für ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen sowie für eine erfolgreiche Integration neu Zugewanderter in Deutschland wichtig“. Eine integrative Vorbildfunktion gelinge am ehesten, wenn religiöse Bedienstete selbst gut integriert seien. Bevor die neue Verordnung in Kraft treten kann, muss der Bundestag darüber abstimmen.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 07 Nov 2019 14:15:00 +0100
<![CDATA[Wer oder was ist ein Evangelist?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2019/11/07/wer-oder-was-ist-ein-evangelist/ pro-Kolumnist Jürgen Mette. Aber ein Evangelist muss auch andere Fragen beantworten können. Und da wäre noch die Sache mit der Sprache.]]> „Wir möchten Sie gern zu Vorträgen einladen, welche Themen haben Sie denn in petto?“ So beginnt oft der Einstieg zu einer meistens guten Zusammenarbeit vor Ort. Und dann geht es häufig so weiter:

Ich: „Zielgruppe Gemeinde intern oder öffentlich?“

Der andere: „Ja beides, wie immer! Warum fragen Sie?“

Weil ich zweisprachig predige: In internen Veranstaltungen spreche ich gern in unserem typischen Dialekt. Phrasen, Apelle, eben eine Sprache, die unter den Heiligen keine Übersetzung braucht. Es ist fromm, echt und dicht, aber für neue „ungläubige und unheilige Gäste aus dieser unserer Welt“ irgendwie codiert. Man braucht einen Schlüssel oder einen Code, um das heilige Vokabular zu verstehen. Ich liebe diese Sprache, darum führe ich hier keine Beispiele an. Aber wenn ich allein manche Themen von sogenannten Evangelisationen lese, dann weiß ich vorher, was kommt: Ein wenig Gesellschaftskritik, reichlich Kirchenkritik, vorzugsweise gegen „Rom“, der „Zeitgeist“ ist immer der Feind, wie der Gärtner immer der Mörder war. Auf dieser dunklen Folie breiten wir dann das Evangelium aus: Einfach glauben!

Und dann gibt es eine normale weltliche, gepflegte Sprache, die jeder (gute) Evangelist beherrscht, weil er mitten in diesem sprachlichen Milieu lebt. ProChrist hat hier von Anfang an anspruchsvolle Maßstäbe gesetzt.

Gestern Abend in einer Veranstaltung der örtlichen Evangelischen Allianz irgendwo im Siegerland verabschiedete sich ein älterer Herr mit den Worten: „Sie haben den Leuten aufs Maul geschaut. Sie haben die uralte biblische Geschichte in Worte gefasst, als wären Sie selbst dabeigewesen!“ Ich bedankte mich artig und schob nach, dass das richtige Arbeit bedeutet und dass ich lieber bequem in meinem gewohnten Sprachmilieu bleibe. Wie am Stammtisch: Man kennt sich, duzt sich und schwatzt über die, die nicht zum Stammtisch gehören.

Die wichtigsten Fragen

Evangelisten sind Männer und Frauen mit dem Talent der öffentlichen Rede vom Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, die fragenden Menschen die Liebe Gottes vor Augen malen und anhand der Evangelien von Jesus erzählen. Und das nicht in Denglisch, sondern auf Hochdeutsch und auf Augenhöhe.

Als eine der besten A-capella-Formationen hat das Männerquartett „Maybebop“ mit seinem Lied „Vom Nichtverstehen“ eigentlich alle Fragen gestellt, die die Evangelisten unser Zeit beantworten müssten.

Warum gibt es unsere Erde? Warum kreist um sie der Mond? Warum dreht sie um die Sonne ihre Bahn? Warum hat der Mensch das Glück, dass er auf dieser Erde wohnt? Ist das Zufall oder folgt es einem Plan? Warum fühl’n wir inn’ren Frieden, wenn wir Kinder schlafen seh’n? Warum ist ein Tag am Meer so tröstend schön? Warum rührt Musik uns oft zu Trän’n? All das würde ich so gerne mal versteh’n. So viel kann ich mir nicht recht erklär’n, all das würde ich so gerne mal versteh’n.

Warum gibt es Konferenzen über Klimapolitik in den’n man sich gegenseitig nur blockiert? Warum führ’n Verstand und Weitblick äußerst selten nur zum Sieg? Woran liegt’s, dass viel zu oft das Geld regiert? Warum gilt als höchstes Gut in uns’rer Zivilisation, sich von allem viel mehr, als man braucht, zu nehm’n, gerad’ so, als würd’s noch ’ne Erde geb’n? All das würde ich so gerne mal versteh’n. Der Mensch will stets nur sich selber seh’n. Doch warum? Das kann ich einfach nicht versteh’n

Warum glauben manche Menschen, Glaube gebe ihnen das Recht, zu behaupten, Glauben anderer sei nichts wert? Warum stürzt man sich im Namen eines Gottes ins Gefecht und glaubt, dadurch würde Töten ehrenwert? Warum nutzt man Religionen für den Terror und die Angst, wo sie eigentlich doch für den Frieden steh’n? Wer kommt auf so dämliche Ideen? Das kann ich beim besten Willen nicht versteh’n. Dass sich alle Götter ihrer schäm’n, können diese Vollidioten wohl nicht seh’n.

Warum gibt es dies und jenes? Wie kann mancherlei passier’n? Warum ist so vieles schräg und wunderlich? Solche Fragen kann man stellen und darüber debattier’n, doch die Antworten behält die Welt für sich. Mit Verstand und Überlegung ist nicht allem beizukommen. Manchmal hilft nur, Dinge staunend anzunehm’n . Wir sind, ganz egal, wie wir es dreh’n, nicht dafür gemacht, um alles zu versteh’n. Wir sind kleinste Teilchen im System, nicht dafür gemacht, um alles zu versteh’n, doch das macht das Leben nicht weniger schön.

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Thu, 07 Nov 2019 13:35:00 +0100
<![CDATA[Kampf um den DNS-Supercomputer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2019/11/06/kampf-um-den-dns-supercomputer/ Eine Rezension von Siegfried Scherer]]> Wolfgang Eckstein siedelt seinen von der ersten Seite an fesselnden Roman souverän an der Schnittstelle zwischen Realität und Science Fiction an. Der Plot entwickelt sich in einem atemberaubenden Wechsel zwischen drei Erzählsträngen aus dem dritten und dem 21. Jahrhundert, die sich später überraschend zusammenfügen. Der Leser taucht ein in das antike Alexandria mit dem historischen Bischof Dionysius und seinen Schülern, wird aber auch Zeuge einer schnellen, mit vielfältigen Details versehenen weltumspannenden Verfolgungsjagd nach den beiden Hauptakteuren des Thrillers: Für den begabten deutschen Mikrobiologen und Bioinformatiker Lennard und die südamerikanische Geologin Robin aus dem Volk der Maya geht es um Leben oder Tod.

Lennard hat einen biologischen, DNS-basierten Superrechner auf der Basis fremdartiger Archaebakterien konstruiert, mit dem machtbesessene Firmen oder Staaten die Welt beherrschen könnten. Ein skrupelloses, global agierendes Computer- und Biotech-Unternehmen stiehlt diesen DNS-Supercomputer, um das private und öffentliche Leben aller Menschen zu kontrollieren. Lennard als Erfinder des Computers soll schließlich ausgeschaltet werden. Der Kampf scheint aussichtslos, doch da kommen drei verschollene Codices, also antike Bücher, des genialen Mathematikers Diophantos aus Alexandria auf verschlungenen Wegen in die Hände von Lennard. Könnten die in ihnen enthaltenen Gleichungen für Lennard und seine Freunde zum entscheidenden Schlüssel im Kampf gegen die übermächtige Maschine werden?

Fragen nach den Grenzen der Erkenntnis

Eckstein verarbeitet in seinem Roman drei Trends unseres Jahrhunderts, die besonders geeignet sind, unsere Gesellschaft tiefgreifend zu verändern: Biotechnologie, Cyber-Sicherheit und Künstliche Intelligenz. Zu Recht mahnt die stürmische Entwicklung in diesen Bereichen zur Vorsicht, nicht selten ruft sie Ängste hervor. Eckstein ist promovierter Informatiker, damit ausgewiesener Fachmann und zugleich ein außergewöhnlich begabter Autor. Mit „Die Codices“ legt er einen rasanten Thriller vor, der mögliche Perspektiven vorzeichnet, die sich aus der Kombination von Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz ergeben könnten.

Auf meisterhaft spielerische und leicht verständliche Weise vermittelt Eckstein spannende Informationen über faszinierende mathematische Probleme, von denen einige bis heute die Grenzen des Berechenbaren markieren. Darüber hinaus werden dem Leser am Beispiel der antiken alexandrinischen Lebenswelt zwanglos und auf anziehende Weise wichtige Grundlagen des christlichen Glaubens nahegebracht. Diese regen nicht nur zum Nachdenken an, sondern sind der Ausgangspunkt für die entscheidenden Fragen nach einem übertriebenen Wissenschaftsglauben, nach ungebremstem Wachstum und den Grenzen der Erkenntnis.

Ein außergewöhnlicher, bis zuletzt spannender Roman, dessen Verständnis übrigens keinerlei Fachkenntnisse erfordert. Man möchte ihn nicht mehr aus der Hand legen, wenn man erst einmal mit der Lektüre begonnen hat.

Wolfgang Eckstein: „Die Codices“, Verlag A TREE & A VALLEY, 672 Seiten, 24 Euro, ISBN 9783947357154

Prof. Dr. Siegfried Scherer leitet den Lehrstuhl für Mikrobielle Ökologie an der Technischen Universität München. Er war Vorsitzender der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ und ist Co-Autor des Buches „Evolution. Ein kritisches Lehrbuch“.

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Wed, 06 Nov 2019 17:55:00 +0100
<![CDATA[Das erwartet die Leserinnen im ersten christlichen Mädchen-Magazin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2019/11/06/das-erwartet-die-leserinnen-im-ersten-christlichen-maedchen-magazin/ pro-Redakteurin Martina Blatt nach der Lektüre.]]> Mit der Zeitschrift Sis ist das erste christliche Magazin für Mädchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf dem Markt. Die neue Publikation aus der Redaktion der Frauenzeitschrift Lydia möchte jungen Leserinnen ab zwölf Jahren wie eine große Schwester zur Seite stehen. Unter dem Motto „Sisters inspire Sisters“ – Schwestern inspirieren Schwestern – berichten unter anderem Gleichaltrige, aber auch ältere Autorinnen, persönlich aus ihrem Leben. Auf den 52 Seiten der Erstausgabe erfahren die Mädchen Ermutigung und Erlebnisberichte aus dem Ausland. Zudem stehen Themen wie Selbstwert, der Umgang mit Zweifeln, Begabung, biblischer Input, der Glaube an Gott auf der Agenda – aber auch Beauty- und Kreativ-Tipps sowie Rezepte. Eine kreativ gewählte Artikel- und Beitrags-Mischung, die die Zielgruppe mit Sicherheit anspricht.

Instagram-Star: „Christen sind doch die Coolsten überhaupt!“

Die Titelgeschichte über die Instagram-Zwillinge Lisa und Lena ist ein gelungener Start und passt auch zur Leitlinie des Magazins: „Starke Mädchen. Starker Glaube“. Hier strahlen zwei gläubige Schwestern mit Millionen Followern in den Sozialen Medien vom Sis-Cover. Im Interview sagt Lisa: „Christen sind doch die Coolsten überhaupt! Die haben Hoffnung und einen Halt im Leben. Die Bibel ist die beste Lebensgrundlage.“ Auf die Frage, wie sie damit umgehen, dass viele Mädchen sie als Vorbilder sehen, erklären sie, dass sie das nicht mögen. Es sei zwar eine Ehre, löse aber viel Druck aus, nichts falsch zu machen. Lisa freue sich mehr darüber, wenn jemand zu ihr sage: „Du bist eine Inspiration für mich.“

Eine fröhliche, leicht verspielte Art der Aufmachung zeigt sich im Layout. Es ist farblich abwechslungsreich, aber nicht aufdringlich. Blumen- und Pflanzenmotive, ein beliebtes Gestaltungselement in Publikationen für Frauen, finden sich – wie auch im erwachsenen Vorbild Lydia – auf einigen Seiten in der Sis. Als kleines Extra gibt es vier Handlettering-Postkarten. Auf der ersten Doppelseite der Zeitschrift ermutigt der Poetry-Slam-Text „Licht sein“ von Chanel Czerlinski die Leserinnen.

Ellen Nieswiodek-Martin, Chefredakteurin von Sis, erklärt die Absicht hinter der Zeitschrift: „Wir wollen Mädchen in der turbulenten Zeit des Erwachsenwerdens unterstützen, ihnen die Hilfe erfahrener Autorinnen geben.“ Zugleich will die Redaktion „aber auch eine Plattform bieten, auf der sich die Mädchen gegenseitig austauschen und ermutigen können. So wie es Lydia schon seit 33 Jahren tut.“ Sis kann man quasi als eine jüngere Schwester von Lydia sehen.

Deborah Pulverich aus dem Redaktionsteam erklärt im Gespräch mit pro, wie es zu der Idee kam: In dem freien Redaktionsteam des Magazins Lydia gab es den Wunsch, eine ähnliche Zeitschrift für eine jüngere Zielgruppe zu starten. Die persönlichen Lebensberichte, die es in der Frauenzeitschrift gibt, sollten in der neuen Publikation genauso enthalten sein. Wichtig war den Verantwortlichen zudem, dass ältere Autorinnen ihre Lebenserfahrung an die jüngere Generation weitergeben und die Leserinnen davon profitieren.

Das Magazin gibt praktische Tipps für Alltagssituationen, in denen sich die Teenagerinnen befinden. Auf der Doppelseite des „Sis-Chats“ stellt eine Leserin eine Frage und sechs andere antworten darauf, erklären ihre Meinung zum Thema und geben Hinweise. In der aktuellen Ausgabe geht es darum, ob man dem Druck nachgeben soll, Markenklamotten zu tragen, um dazuzugehören. In einem Selbsttest „Bist du eine gute Freundin?" können die Mädchen herausfinden, wie sie in einer Freundschaft ticken und ob sie sich vielleicht sogar ausgenutzt fühlen.

In einem anderen Beitrag berichtet eine junge Autorin über ihre Erfahrungen mit Alkohol. Sie analysierte ihr Verhalten, wenn sie trinkt, und entschloss sich schließlich, ganz auf Alkohol zu verzichten. Solche Einblicke in die Gedankenwelt Gleichaltriger sind wertvoll und können der Leserschaft Hilfestellung geben. Und das gerade bei Themen, die viele Mädchen nicht einmal mit ihrer engsten Freundin besprechen.

Für manche Fragen, die junge Mädchen sich stellen, gibt es nicht die eine richtige Antwort. Das könnte hier und da noch klarer aus den Artikeln hervorgehen. Dennoch können die zahlreichen Ratschläge und Einblicke in die junge Lebenswelt in dem Mädchen-Magazin eine wichtige Leitplanke zur Orientierung im jungen Leben sein. Deswegen empfiehlt sich Sis für die Zielgruppe von 12 bis 18 Jahren als Lektüre mit Gehalt. Auch die Themen- und Formatevielfalt ist eine Stärke des Magazins.

Die erste Ausgabe gibt es als kostenloses Probeexemplar bei der Redaktion. Die jungen Leserinnen können also unverbindlich reinschnuppern.

Von: Martina Blatt

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Wed, 06 Nov 2019 16:49:00 +0100
<![CDATA[Die Brückenbauerin im Klimastreit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2019/11/06/die-brueckenbauerin-im-klimastreit/ Bei Katharine Hayhoe kommt manches zusammen, was für viele Menschen nicht ins Schema passt: Sie ist Kanadierin, wohnt aber in Texas. Sie ist eine von wenigen Frauen in ihrem Berufszweig. Sie ist eine enorm erfolgreiche Klimaforscherin. Und evangelikale Christin. Damit gehört sie, zumindest in den USA, einer Minderheit an. Nur 28 Prozent der weißen Evangelikalen sind der Meinung, es gebe einen menschengemachten Klimawandel. Hayhoes Botschaft ist: Klimaschutz ist nicht sozialistisch, sondern biblisch.

Glaube und Wissenschaft waren für Hayhoe nie ein Widerspruch. Sie kommt aus einer gläubigen Familie. Ihr Vater war Lehrer für Naturwissenschaften. „Wissenschaft war für mich schon als Kind das Aufregendste überhaupt. Es war eine Möglichkeit, herauszufinden, was Gott sich bei der Erschaffung dieses wunderbaren Universums gedacht hat.“ Mit Mitte 20 studierte sie Astrophysik und belegte einen Kurs zum Klimawandel. „Erst da habe ich festgestellt, dass Klimawandel ein riesiges Thema ist, das alle anderen Umweltthemen berührt.“ Durch ihr Physikstudium hatte sie alle Werkzeuge erlernt, um Klimamodelle zu entwickeln. Von Anfang an war ihr klar, dass ihre Forschung zu einem tatsächlichen Nutzen führen sollte. An möglichst vielen akademischen Veröffentlichungen, die keiner liest, war sie nicht interessiert. Mittlerweile ist sie in den USA mit die bekannteste Klimaforscherin. Das Time Magazine zählte sie 2014 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt.

Viele Forscher sind gläubig

In einem ihrer Vorträge versucht sie zu erklären, woher die Klima­skepsis vieler US-Evangelikaler kommt. „Seit Galileo wurde uns erzählt, Glaube und Wissenschaft stünden im Konflikt miteinander“, beginnt Hayhoe. Dabei sei dies schon damals falsch gewesen. Wenn es zwischen Glaube und Wissenschaft Widersprüche gebe, heiße das nicht, dass die Bibel, „Gottes geschriebenes Wort“, falsch sei. Stattdessen liege es oft daran, dass wissenschaftlich noch nicht genügend Erkenntnisse vorliegen oder dass die Bibel nicht richtig interpretiert würde. Das sei etwas anderes, als in der Bibel oder in der Wissenschaft „Fehler“ nachzuweisen. Auch radikale Atheisten wie der Biologe Richard Dawkins hätten zu einer Spaltung zwischen Wissenschaft und Glaube beigetragen. Nach Dawkins stünden auf der einen Seite die Forscher, die nach strengen Kriterien und mit scharfem Verstand die Welt untersuchen. Demgegenüber stünden dumme Gläubige, die ihre unaufgeklärte Weltsicht mit einer antiken Wüstenreligion begründen. Dawkins versuche so, einen Keil zwischen Gläubige und Wissenschaft zu treiben.

Diese Spaltung gibt es aber gar nicht, sagt Hayhoe. Sie untermauert das mit erstaunlichen Zahlen. Die Soziologin Elaine Ecklund habe den Glauben von Naturwissenschaftlern im akademischen Kontext untersucht. Etwa 50 Prozent von ihnen bezeichneten sich selbst mit einem religiösen Etikett: Christ, Jude, Muslim. Bei denen, die in sonstigen naturwissenschaftlichen Berufen arbeiten, zum Beispiel die Ingenieure, sind es ganze 76 Prozent. Die Erzählung von den atheistischen Naturwissenschaftlern ist ein Märchen.

Trotzdem gibt es seitens der US-Christen erhebliche Vorbehalte. Umgekehrt sei dies nicht der Fall: Hayhoe nimmt von ihren Kollegen in der Wissenschaft so gut wie keine Ablehnung gegen den Glauben wahr. Unter ihren Glaubensgeschwistern stellt sie hingegen umso mehr Skepsis gegen die Klimaforscher fest. Sie spricht von einem Verhältnis von 999:1.

Wie kann das sein? Laut Hayhoe liegt das an einem geschickten Schachzug politisch motivierter Gegner der Klimaforschung: Sie machten sie verächtlich, indem sie die Klimawissenschaft selbst als „Religion“ darstellen. Forscher wie Hayhoe würden als „climate scientologists“ dargestellt, als ob es sich bei ihrem Wissenschaftszweig um eine Sekte handle. Anderswo, auch in Deutschland, ist von „Klimareligion“ die Rede. Das stelle die Christen vermeintlich vor eine Wahl, welchem Glauben sie anhängen sollten: Dem Christentum oder der „Klimareligion“. Interessanterweise sind andere Gläubige nicht so skeptisch wie die weißen US-Evangelikalen. Während nach einer Studie des Pew-Institutes von letzteren nur 28 Prozent an menschengemachten Klimawandel glauben, sind es unter schwarzen Protestanten 56 Prozent, unter weißen Katholiken 45 Prozent und unter katholischen Hispano-Amerikanern ganze 77 Prozent.

Hayhoe macht die politische Ausrichtung weißer Evangelikaler dafür verantwortlich, die mehrheitlich den Republikanern anhängen. 2016 wählten 81 Prozent von ihnen die Republikaner und damit Donald Trump. Einen anderen Grund sieht Hayhoe in der Gemeindestruktur vieler Freikirchen: Die Katholiken hätten ihren Papst, die Anglikaner ihre Erzbischöfe, während die vielen Freikirchen oft für sich seien. Sie hätten schlicht keine Zeit, sich mit solchen Themen zu befassen. Die Folge ist laut Hayhoe, dass sie sich daher auf republikanische Politiker oder Medien verlassen, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten. Ob jemand an den Klimawandel glaubt oder nicht, wird nach Hayhoes Auffassung somit zu einer politischen Frage.

Klimawandel trifft die Schwächsten

„Ich bin evangelikal. Also kann sich das Klima nicht ändern, denn Gott ist der Herrscher, nicht wir“, spricht eine lächelnde Katharine Hayhoe in die Kamera. „Und selbst wenn es so ist: Was soll’s? Die Welt geht sowieso ihrem Ende entgegen.“ Die gläubige Klimaforscherin betreibt auf YouTube den Kanal „Global Weirding“, ein Wortspiel aus „global warming“ (Erderwärmung) und „weird“ (komisch). Dort geht sie auf typische Argumente gegen den Klimawandel ein. Sie will damit Menschen ansprechen, die den menschengemachten Klimawandel für Spinnerei halten. Mit Animationen und ansprechend gestalteten Grafiken schafft sie es, auch komplizierte Zusammenhänge einfach zu erklären. Wenn sie über Meeresspiegel, Methan und CO2 spricht, wirkt sie eher wie eine Freundin, die auf einer Party eine Geschichte erzählt, als wie eine dröge Wissenschaftlerin.

Mit ihrem Engagement will Hayhoe die Gesellschaft zum Handeln motivieren – und zwar jetzt. Sie vergleicht das mit dem Rauchen: Wenn jemand täglich Zigaretten inhaliere, schade er sich damit. Womöglich werde er kurzatmig, bekommt einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder Lungenkrebs. „Wann ist wohl der beste Zeitpunkt, um mit dem Rauchen aufzuhören?“, fragt Hayhoe. „Natürlich heute. Und wenn nicht heute, dann morgen.“ Für Hayhoe sind Glaube und Engagement für das Klima keine Widersprüche, im Gegenteil. Gott habe dem Menschen auch den Auftrag gegeben, die Schöpfung zu bewahren, auch wenn sie vergänglich ist. Klimawandel treffe vor allem die Armen, ob in Afrika oder Nordamerika. Wer sich also für Klimaschutz einsetze, übe nichts anderes als Nächstenliebe.

Diese gewinnende Art ist der Grund, warum sie auch bei Skeptikern ankommt. Bei einem hatte sie besonders viel zu tun: Ihrem eigenen Ehemann. Andrew Farley kommt aus Virginia, ging in eine sehr konservative Kirchengemeinde und kannte niemanden, der den Klimawandel für real hielt. Bei seiner Frau war es genau andersherum: Sie kannte niemanden, der den Klimawandel nicht für real hielt. Sie kommt zwar auch aus einem gläubigen Elternhaus, wuchs aber im liberaleren Kanada und in Südamerika auf, wo diese Frage weniger politisiert ist als in den Vereinigten Staaten. Die beiden lernten sich kennen, heirateten – und erst nach sechs Monaten Ehe stellten sie fest, dass sie entgegengesetzte Meinungen zum Klimawandel hatten. Am Intellekt konnte es nicht liegen, war Hayhoe überzeugt. „Ich wusste, dass mein Ehemann wirklich schlau war: Er ist promovierter Linguist, er hatte eine Stiftungsprofessur, er kannte sich mit Statistik aus, er wusste also, wie Wissenschaft funktioniert.“

Ist die NASA Teil einer Verschwörung?

Die beiden setzten sich zusammen, tauschten ihre Argumente aus, drangen tief in die Materie ein. Der eifrige Farley verbrachte Stunden auf den Websites von Zweiflern des Klimawandels und sammelte Material, um in der nächsten Diskussion mit seiner Ehefrau genug „Munition“ zu haben, wie er heute sagt. „Wir gingen dabei sehr respektvoll miteinander um und wussten, dass der andere jeweils wirklich gute Gründe hatte, anders zu denken“, erinnert sich Hayhoe. Irgendwann setzten die beiden sich zusammen an den Computer und riefen die Website der NASA auf. Für Andrew ein Schlüsselerlebnis. Er lud die Daten für die globale Temperaturentwicklung herunter, fügte sie in eine Excel-Tabelle ein – und er sah, wie die Temperatur eindeutig stieg. Ihm wurde klar: Entweder war sogar die NASA, die schon Menschen auf den Mond gebracht hat, in eine weltweite Verschwörung verstrickt. Oder seine Frau Katharine hat vielleicht doch recht.

Trotz ihres Erfolges fühlt sich die lebenslustige Frau manchmal traurig und mutlos. Vor allem weil sie trotz allem viel Gegenwind erfährt. Wenn sie morgens ihre E-Mails öffnet, schlägt ihr oft Hass entgegen: „Du bist eine Idiotin“, „such dir einen Job bei McDonald’s“, „stirb einfach“.

„Es ist die Sonne!“

Die Argumente, die Hayhoe begegnen, sind immer dieselben. So wie am 27.4.2015. Der Stadtrat von Texas hat Hayhoe als Expertin geladen, die über den Klimawandel spricht. In der Anhörung geht es darum, wie die Politik auf Naturkatastrophen reagieren soll. Der Republikaner Don Zimmerman ist verärgert. Er sitzt eine Ebene höher als Hayhoe, er stellt die Fragen. „Die Wissenschaft ist sehr, sehr kompliziert.“ Die Erde sei ja „womöglich Millionen Jahre alt und wir schauen nur auf 30 Jahre an Daten“. In den 1980ern sei durch Satellitendaten nachgewiesen worden, dass sich die Atmosphäre sogar abgekühlt habe, es gebe also keine Erwärmung. Außerdem habe sich das Klima doch schon immer verändert, das zeige ein Blick in die wissenschaftlichen Daten. „Klimawandel ist normal!“ Es wäre dann doch eher ungewöhnlich, wenn jetzt die Politik versuchen sollte, das Klima auf einem bestimmten Status festzunageln. Die These des Klimawandels sei für ihn „nebulös“ und „dumm“. Und außerdem sei doch klar, dass nicht CO2 die Erde erwärme. „Sie müssen nicht einmal so schlau wie ein Fünftklässler sein, um zu wissen, dass die Sonne das Klima bestimmt. Die Sonne!“

Hayhoe hat diese Vorwürfe schon hundertfach gehört. Sie reagiert trotzdem nicht genervt, sondern verständnisvoll. „Ich schätze Ihre Ausführungen, da sind viele gute Fragen dabei“, sagt sie in das Mikrofon. Um zu Zimmerman zu sprechen, muss sie nach oben schauen. Für dessen Argumente gegen den Klimawandel empfiehlt sie die Website „skepticalscience.com“, die deutsche Entsprechung dazu ist „klimafakten.de“. Dort würden alle seine Fragen beantwortet. Trotzdem geht sie in Windeseile auf Zimmermanns Wutrede ein: Natürlich habe es immer Klimawandel gegeben, natürlich sei die Sonne für das Klima hauptverantwortlich. Doch wenn es nur nach der Sonne ginge, müsste sich die Erde eigentlich abkühlen, denn die Sonnenaktivität habe in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen.

Ja, Satellitendaten in den Achtzigern hätten eine Abkühlung gezeigt – „bis sie feststellten, dass sie ein Plus und ein Minus vertauscht hatten“. Außerdem bezögen sich Klimawissenschaftler natürlich nicht nur auf Daten in einem Zeitraum von 30 Jahren. „Stattdessen erkennen wir 26.000 Indikatoren für einen sich erwärmenden Planeten, viele davon können wir in unseren eigenen Gärten sehen.“ Dazu kämen Messungen, mit denen man Jahrmillionen erforschen könne. Vor 1.000 Jahren habe man auf steigende Temperaturen und Meeresspiegel einfach seine Sachen gepackt und sei nach Norden gezogen. „Das Problem beim Klimawandel ist: Wir können das heute nicht mehr ohne Weiteres. Wir mögen es schön beständig.“ Mit dieser Sprache trifft sie auch den Nerv der Konservativen, die das Gute bewahren wollen.

Im Oktober 2016 diskutierte sie mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama im Weißen Haus über Klimawandel. Hollywoodstar Leonardo DiCaprio moderierte. „Katharine ist neben ihrer Rolle als herausragende Klimawissenschaftlerin auch eine Person mit einem sehr tiefen Glauben“, sagte Obama. „Sie hat sehr viel dafür getan, ein eher ungewöhnliches Publikum zu erreichen, um eine breite Koalition in diesem Thema zu bilden.“ Drei Jahre später sind die USA weit von einem breiten Bündnis gegen den Klimawandel entfernt. Katharine Hayhoe hat noch Einiges zu tun.

Von: Nicolai Franz

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Wed, 06 Nov 2019 16:17:00 +0100
<![CDATA[Mit blauem Haar zum Altar]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/06/mit-blauem-haar-zum-altar/ In Karlsruhe wollen zwei evangelische Pfarrer die Wahlbeteiligung für die anstehende Wahl der Kirchenältesten erhöhen. Dazu haben sich Andreas Rennig (Hagsfeld) und Pascal Würfel (Neureut-Nord) eine besondere Wette ausgedacht: Die Gemeinde mit der niedrigeren Wahlbeteiligung schickt ihren Pfarrer mit blauen Haaren zu einem Adventsgottesdienst in die andere Gemeinde.

Mit ihrer Aktion wollen die beiden Pfarrer die Wahlbeteiligung ankurbeln. Nach Angaben einer Presseinformation vom Mittwoch konnten sie dazu auch die Ältestenkreise für ihre Idee gewinnen. „Der frisch gewählte Ältestenkreis wird den Verlierer-Pfarrer begleiten und den Kirchenkaffee nach dem Adventsgottesdienst übernehmen“, erklärt Rennig. Der Geistliche ist seit einem Jahr Pfarrer in Hagsfeld, einem Stadtteil von Karlsruhe.

Keine Ablenkung von der frohen Botschaft

„Wir möchten mit den blauen Haaren nicht von der friedvollen Weihnachtsbotschaft ablenken, aber aufmerksam darauf machen, wie wichtig eine starke Wahlbeteiligung für unser gemeinsames Arbeiten ist“, erklärt sein Amtskollege Würfel die Motivation für diese Wette.

Zwischen dem 17. November und 1. Dezember werden in der Evangelischen Landeskirche in Baden (EKiBa) per Briefwahl die neuen Kirchenältesten gewählt. In der EKiBa gibt es rund eine Million Wahlberechtigte für die kommende Kirchenwahl. Etwa 4.500 Kirchenälteste werden dann in Baden gewählt. Bei der letzten Kirchenwahl 2013 hat sich nur jeder Fünfte für die Wahl der Kirchenvorstände interessiert.

Durch den Wettstreit erhoffen sich die Pfarrer eine deutlich stärkere Beteiligung und damit Rückenwind für die Arbeit vor Ort. Neben der Wette wollen die beiden Pfarrer auch durch Veranstaltungen in ihren Ortsgemeinden auf die Wahl hinweisen und um Wähler werben. Unter anderem planen sie eine Tour mit Bollerwagen und Wahlbriefkasten durch den Stadtteil, sie führen Aktionen in Schulen und Kindergärten durch. Auch im Internet und in den Sozialen Medien werben die Pfarrer um mehr Wahlbeteiligung. Das Ergebnis der Wahl wird am Abend des 1. Dezember 2019 feststehen.

Wahlen auch in anderen Landeskirchen

Auch in anderen Landeskrichen stehen demnächst Wahlen an. Die Evangelische Kirche von Westfalen wählt im März 2020, bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche Württemberg werden am Ersten Advent 10.000 Kirchengemeinderäte und 90 Synodale gewählt. Bei der Evangelischen Kirche im Rheinland finden die Presbyteriumswahlen am 1. März 2020 statt. Auch die Mitglieder der Sächsischen Landeskirche und der Evangelischen Kirche der Pfalz sind im kommenden Jahr aufgerufen, Kirchenvorstände und Synodale zu wählen.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz hatte am 2. November Gemeindekirchenrats-Wahlen. Die Landeskirche in Braunschweig hat zuletzt im März 2018 gewählt. Bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern war die Wahl im Oktober 2018. Die Wahlbeteiligung war mit 27 Prozent um 7 Prozent höher als 2012. Als Grund nennt die Landeskirche, dass in allen Gemeinden per Briefwahl gewählt wurde.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 06 Nov 2019 15:28:00 +0100
<![CDATA[„Kirchen haben große Rolle gespielt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2019/11/06/kirchen-haben-grosse-rolle-gespielt/ pro: Sie haben in diesem Jahr eine Auseinandersetzung mit DDR-Oppositionellen und Historikern darüber geführt, wer maßgeblich für die Friedliche Revolution verantwortlich ist. Worum ging es Ihnen?

Detlef Pollack: Es ist historisch nicht genau, wenn man sagt, dass die DDR-Oppositionellen die Revolution angeführt und die Massenproteste initiiert hätten, im revolutionären Umbruch also gewissermaßen vorangegangen seien. Die historische Wahrheit ist differenzierter. Man muss unterscheiden zwischen den Massenprotesten – das war in meinen Augen eine Volksbewegung – und den Oppositionsgruppen. Diese waren vor allem daran interessiert, in den Dialog zu kommen mit allen Kreisen der Gesellschaft, den Trägern des Systems und der Bevölkerung. In diesem Sinne wurde das „Neue Forum“ gegründet, „Demokratie jetzt“, der „Demokratische Aufbruch“, die SPD. Hätten sie sich für Demonstrationen ausgesprochen, hätten sie leicht als Verfassungsfeinde kriminalisiert werden können. Sie wollten aber eine Veränderung der DDR auf der Grundlage der in der Verfassung garantierten Rechte.

Die Oppositionellen haben sich auch unter dem Dach der Kirche getroffen. Wie ist da die Rolle der Kirche für die Friedliche Revolution einzuordnen?

Die Bedeutung der Kirchen kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Denn sie boten die einzigen Strukturen, die nicht in den staatlichen Zentralismus eingebettet waren. In ihren Räumen gab es ein gewisses Maß an Eigenständigkeit. Das war wichtig für alle, die das freie Gespräch gesucht und kritische Diskussion angestrebt haben. Die Kirche war der einzige Ort in der DDR außerhalb des Privaten, wo das möglich war. Das hat eine große Rolle für die Friedliche Revolution gespielt.

Spielten dafür auch kirchliche Inhalte, die christliche Botschaft, eine Rolle?

Ich würde nicht sagen: Weil es das befreiende Evangelium von Jesus Christus gibt, war es möglich, dass die Menschen auf die Straße gegangen sind. Entscheidend war vor allem, dass die Kirche einen strukturellen Freiraum bereitstellte. Ungefähr ab dem 9. Oktober – das war die große Demonstration in Leipzig, zu der 70.000 Menschen auf die Straße gegangen sind – beginnt sich die Kommunikationskultur in der DDR zu öffnen. Sie wird liberaler. Dadurch kommen die Argumente, die bisher unter dem Dach der Kirche diskutiert worden sind, in die Öffentlichkeit und bestimmen sehr stark die Diskussionen in der sich entwickelnden Umbruchsgesellschaft. Da ging es um Umweltprobleme, Probleme der Demokratisierung, der Selbstbestimmung der Menschen – Themen, über die vorher nur im Raum der Kirche frei diskutiert worden war.

Nach der Friedlichen Revolution haben viele Pfarrer und Menschen mit kirchlichem Hintergrund politische Verantwortung übernommen – Rainer Eppelmann, Ulrich Kasparick oder die frühere Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht. Hängt das auch damit zusammen, dass die Kirche vorher schon so eine Plattform für freie Meinungsäußerung war?

Ich würde sogar noch weitergehen: Man hat in der Kirche schon sehr frühzeitig Formen von Demokratie eingeübt, wenn man zum Beispiel an die Synoden denkt. Pfarrer und die Angestellten der Kirche waren artikulationsfähig, sie konnten öffentlich auftreten. Das war nicht selbstverständlich in der DDR.

Im Herbst 1989 waren die Kirchen zu den Friedensgebeten rappelvoll, und auch Theologen und Prediger wie Theo Lehmann haben tausende Menschen angezogen bei ihren Evangelisationen. Mittlerweile ist der Osten Deutschlands eine der Regionen Europas mit der geringsten Kirchenbindung. Woher kommt dieses Missverhältnis?

Damals hatten die Kirchen eine politische Funktion. Auch Theo Lehmann hat das sehr stark bedient. Er war ein evangelikaler Prediger, trat ein für ein bestimmtes Verständnis des Evangeliums. Aber dass er eine solche Wirkung erzielen konnte, dass die Menschen zu Tausenden hingeströmt sind, hängt vor allen Dingen damit zusammen, dass die Kirchen eine Ersatzfunktion für die fehlende politische Öffentlichkeit wahrgenommen haben. Man war interessiert an einem freien, an einem offenen, ehrlichen Wort. Das hatte möglicherweise weniger mit den Inhalten des Evangeliums zu tun.

Was war der stärkste Grund dafür war, dass es im Osten zu einem Abbruch der christlichen Tradition und zur Entfremdung von der Kirche kam?

Der Anteil der Kirchenmitglieder betrug 1949, als die DDR und die Bundesrepublik gegründet wurden, in beiden Teilen Deutschlands weit über 90 Prozent. Nach 40 Jahren waren es im Westen immerhin noch rund 80 Prozent, im Osten zwischen 25 und 30 Prozent. Das muss man auf die politischen Verhältnisse in der DDR zurückführen. Die Repression in der DDR war entscheidend für die Verluste. In den Fünfzigerjahren war die Repression am schärfsten, und in dieser Zeit waren auch die Austrittszahlen am höchsten. Allerdings haben die Kirchen nicht allein durch die Austritte verloren, sondern vor allem dadurch, dass die Eltern ihre Kinder nicht mehr haben taufen lassen und auch nicht christlich erzogen haben. Sie wollten nicht, dass die Kinder deshalb Nachteile in der Schule, in der Ausbildung haben.

In einem Aufsatz stellen Sie fest, dass die erwartete Rückkehr der Religion nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in Ostdeutschland ausblieb. Dafür machen Sie auch das Verhalten der Kirche selbst verantwortlich. Wie meinen Sie das?

Die Kirchen waren eigentlich die einzigen Institutionen nach 1989, die überlebt haben. Sie haben sich über Jahre hinweg für die Belange der Bevölkerung eingesetzt, haben den Umbruch moderiert. In dieser Zeit standen sie auf der Seite des Volkes. Nach dem Umbruch aber standen sie auf einmal gewissermaßen der Bevölkerung gegenüber. Dadurch, dass die Kirchen im Osten auch von den westlichen Kirchen finanziell, personell und strukturell unterstützt worden sind, kamen sie auf der Seite derjenigen zu stehen, die das System überlebt haben, und wurden als Siegerinstitutionen wahrgenommen.

Eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap zeigt, dass ein Fünftel der Ostdeutschen findet, die Meinungsfreiheit habe sich seit dem Mauerfall verschlechtert. Immer wieder ist auch zu hören, das Klima heute erinnere an die DDR, wo man aufpassen musste, was man sagt, um nicht in Konflikt mit dem Staat zu kommen. Ist aus Ihrer Sicht was dran?

Diejenigen, die das sagen, wissen ganz genau, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Damit wird ein Signal an die Öffentlichkeit gesendet: Hört auf uns, nehmt uns ernst. Man möchte die Öffentlichkeit provozieren. Aber ich halte solche Äußerungen für massiv übertrieben. Der Unterschied zwischen einer Diktatur und der Demokratie ist jedem bewusst. Und auch diejenigen, die das sagen, wissen das, denn was sie jetzt sagen, hätten sie vor 30 Jahren niemals sagen können. Sie instrumentalisieren damit in meinen Augen die Freiheit.

Sie sagten, das sei ein Signal „Hört auf uns, nehmt uns ernst!“. Werden die Ostdeutschen nicht genug ernst genommen?

Dahinter steht eine Erfahrungsgeschichte von mehreren Jahrzehnten. In den Neunzigerjahren gab es schon mal so etwas wie eine Rückwendung zur DDR. Diese nachholende Identifikation hatte sehr viel mit der Kommunikation zwischen West und Ost zu tun. Viele von den Ostdeutschen haben sich unterschätzt und nicht ernst genommen gefühlt, hatten den Eindruck, ihre Biografien seien weniger wert. Das hat sich bei manchen zu einer bestimmten Haltung verfestigt. Es hat sich inzwischen vieles geändert. Man sieht, dass der Westen, die Medien, die Politik, die Parteien, auch der Bundespräsident viel stärkere Aufmerksamkeit auf die besonderen Schwierigkeiten des Veränderungsprozesses im Osten Deutschlands legen. Das nehmen aber manche der ehemaligen DDR-Bürger jetzt nicht mehr wahr. Sie hatten über Jahre hinweg das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Und jetzt beharren sie gewissermaßen auf dieser Haltung und möchten sich nach wie vor als Opfer stilisieren.

Noch eine persönliche Frage. Sie waren bis Oktober 1989 selbst in Leipzig und sind dann für ein Stipendium nach Zürich gereist. Wie haben Sie die Demonstrationen und Friedensgebete bis dahin erlebt?

In den Jahren vor 1988 war es immer nur ein ganz kleiner Kreis, der sich zu den Friedensgebeten getroffen hat. Manchmal waren es einige Dutzend, in der Regel nicht mehr als hundert. Die Friedensgebete sind nach 1988 sehr stark politisiert worden, vor allem dadurch, dass Ausreisewillige sie besucht haben. Es brauchte in der heißen Phase ab September 1989 einen gewissen Mut, um da überhaupt hinzugehen. Man konnte ja gesehen werden. Ich habe diese Zeit so wahrgenommen, dass die Demonstranten sehr vorsichtig waren, sehr viel Angst hatten, sehr genau ausprobiert haben, bis wohin sie gehen konnten. Nach den Friedensgebeten stand die Polizei auf dem Nikolaikirchhof, die Polizeiketten waren geschlossen, und man wollte mit denen besser nichts zu tun haben. Der Einzelne war aber auch geschützt durch die große Masse. Dass es dann zu den Demonstrationen gekommen ist, war in meinen Augen das Ergebnis eines vorsichtigen Ausprobierens. Schritt für Schritt ist man losgegangen. Keiner hat die Führung übernehmen wollen. Das war für mich spontan und nicht so, dass einige mutig vorangegangen wären und vielleicht noch einen Choral gesungen hätten. Ganz im Gegenteil: Einer hat sich hinter dem anderen versteckt. Aber so kam man eben doch voran.

Haben Sie dann, als Sie in die Schweiz abgereist sind, damit gerechnet, dass in einem Monat die Mauer fallen könnte?

Nein, überhaupt nicht. Ich habe erwartet, dass diese DDR über Jahre und Jahrzehnte bestehen bleiben wird. Und ich habe immer damit gerechnet, dass die Demonstrationen niedergeschlagen werden. Das war für mich und für viele in meinem Umkreis vollkommen klar, dass das System nach dem 40. Jahrestag am 7. Oktober 1989 zuschlagen wird.

Wäre es damals denkbar gewesen, dass eine Art Dialog entstehen könnte, um den Sozialismus zu reformieren?

Nein, nicht mal das. Die flächendeckende Erfahrung war: Hier ändert sich nie etwas. Es war ein Gefühl der Ohnmacht, ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit, der Aussichtslosigkeit, das alles dominierte.

Wie haben Sie vom Mauerfall erfahren?

Ich war ja in der Schweiz, und als am 9. November die Mauer fiel, habe ich das gar nicht gemerkt. Am nächsten Morgen schlug ich die Neue Zürcher Zeitung auf und las, die Mauer sei gefallen. Das war für mich unvorstellbar. Ich konnte das gar nicht glauben. Ich hatte das Gefühl, die Welt ist eine andere, irgendwie öffnet sich der Horizont.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

Detlef Pollack, Jahrgang 1955, ist Professor für Religionssoziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Der religiöse Wandel in Ost- und Westeuropa sowie DDR-Forschung gehören zu seinen Schwerpunkten. Studiert und promoviert hat er an der Universität Leipzig.

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Wed, 06 Nov 2019 15:18:00 +0100
<![CDATA[Für verfolgte Christen in China und Nigeria beten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2019/11/06/fuer-verfolgte-christen-in-china-und-nigeria-beten/ Das Hilfswerk Open Doors ruft zum Gebet für verfolgte Christen auf. Am 10. November, also dem kommenden Sonntag, sollen sich Gemeinden gezielt mit Glaubensgeschwistern in China und Nigeria beschäftigen. Dazu stellt Open Doors Informationsmaterial bereit. Der Gebetstag findet jährlich statt und widmet sich jeweils anderen Schwerpunktländern.

China liegt beim Weltverfolgungsindex von Open Doors auf Platz 27. Laut den Experten hat sich die Lage für Gläubige in dem Land im vergangenen Jahr verschlechtert. Einerseits versuche die kommunistische Regierung, religiöse Bewegungen zu kontrollieren. Andererseits müssten aus dem Islam oder Buddhismus konvertierte Christen in bestimmten Regionen Verfolgung fürchten. Drohungen, körperliche Angriffe und ein offizielles Vorgehen von Behörden gegen die Konvertiten seien an der Tagesordnung. Es komme auch vor, dass Ehepartner zur Scheidung gezwungen oder Kinder ihren christlichen Eltern weggenommen würden. Im März 2018 sei zudem der Online-Verkauf von Bibeln verboten worden.

Nigeria liegt noch vor China auf Platz 12 des diesjährigen Weltverfolgungsindex. Hier leiden Christen laut Open Doors besonders unter Druck durch Muslime, etwa der radikalen Bewegung Boko Haram. Gewalt gehe zudem von muslimischen Fulani-Viehhirten aus, die im zentralen Gürtel des Landes Überfälle auf christliche Häuser durchführten. Besonders angespannt sei die Lage aber im Norden. In zwölf Bundesstaaten gelte Scharia-Recht. Eine Konversion weg vom Islam sei dort illegal.

Von: Anna Lutz

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Wed, 06 Nov 2019 10:50:00 +0100