Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Thu, 18 Jan 2018 12:35:06 +0100 <![CDATA[Kirchliche Pressestellen auf dem Prüfstand]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/01/17/kirchliche-pressestellen-auf-dem-pruefstand/ „Sollen muslimische Schüler am christlichen Religionsunterricht teilnehmen? Oder haben sie das Recht auf einen eigenen Religionsunterricht?“ Mit diesen Fragen richtete sich das vom Medienfachverlag Rommerskirchen herausgegebene prmagazin an 16 Pressestellen der evangelischen und katholischen Kirche. Für die Bearbeitung dieser Anfrage vergab es Punkte.

Die besten Bewertungen erzielte dabei das Erzbistum Freiburg. Beim ersten Telefonkontakt habe Pressesprecher Michael Hertl aufgrund einer Großveranstaltung befürchtet, die Antwort nicht pünktlich übermitteln zu können. „Dass es am Ende doch klappt, verdankt er hervorragendem Teamplay“, schreibt das Magazin.

Nicht nur das Tempo entscheidet

Mit ebenfalls „erstklassigen“ Ergebnissen errangen die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Platz zwei und drei. Sechs weitere Kirchen erhielten die Note „sehr gut“. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schaffte es lediglich auf den vorletzten Platz – eine Woche vor dem Reformationsjubiläum kamen von dort „weder Antworten noch eine Absage".

Beurteilt wurde nicht nur das Reaktionstempo der Pressestellen, sondern auch deren Kontaktangaben, Erreichbarkeit sowie Umfang und Qualität der erteilten Auskunft. Sowohl die Pressesprecher der evangelischen, als auch der katholischen Kirchen seien zu Höchstleistungen fähig, urteilt prmagazin.

Von: Deborah Müller

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Wed, 17 Jan 2018 16:48:00 +0100
<![CDATA[Trump will Religionsfreiheit im In- und Ausland stärken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/01/17/trump-will-religionsfreiheit-im-in-und-ausland-staerken/ Die USA sehen sich als den weltweit größten Verteidiger der Religionsfreiheit. So steht es in einem Papier, das Präsident Donald Trump am Dienstag unterzeichnet hat. „Wir werden weiterhin Extremismus, Terrorismus und Gewalt gegen Menschen des Glaubens verurteilen und bekämpfen“, heißt es darin. Dabei spiele es keine Rolle, ob etwa die Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat gegen Jesiden, Christen oder schiitische Muslime gerichtet sei.

In der Erklärung wird zudem die Religionsfreiheit als wichtiges, verfassungsgemäßes Recht innerhalb der USA betont. Das beinhalte nicht nur, zu glauben, sondern seinen Glauben auch ausleben zu können. Dies werde derzeit leider nicht immer berücksichtigt. Beispielsweise würden Menschen ohne ausreichende Grundlage gezwungen, den Kern ihrer religiösen Überzeugungen zu verletzen, um nicht mit geltenden Gesetzen in Konflikt zu geraten. Gemeint sind damit unter anderem Fälle von Dienstleistern wie Bäckern, die zu Geldstrafen verurteilt wurden, weil sie sich nicht an der Ausrichtung gleichgeschlechtlicher Hochzeiten beteiligen wollten. In den kommenden Monaten wird dazu ein Urteil des Obersten Gerichtshofes erwartet.

„Stück für Stück können solche Verletzungen das Fundament der Freiheit und Demokratie untergraben“, heißt es in dem Dokument. Amerikaner müssten ihrem Gewissen folgen können, ohne dass die Regierung sich einmische. „Kein Amerikaner – ob Nonne, Bäcker oder Geschäftsinhaber – sollte dazu gezwungen werden, zwischen den Lehren seiner Religion oder der Gesetzestreue wählen zu müssen.“

Anlass für die Veröffentlichung der Erklärung war der Nationale Tag der Religionsfreiheit, der in den USA immer am 16. Januar begangen wird.

Von: Moritz Breckner

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Wed, 17 Jan 2018 15:42:00 +0100
<![CDATA[Der Islamhasser, den es nicht gab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/17/der-islamhasser-den-es-nicht-gab/ Ein Leitartikel von Anna Lutz]]> War es die Schuld der Medien oder die der Polizei? Hat eine elfjährige Muslima es ganz alleine geschafft, Premierminister Justin Trudeau zu täuschen? Oder war sie Teil einer geplanten Aktion? Darüber mutmaßt gerade die kanadische Öffentlichkeit. Die verwirrende Geschichte begann am vergangenen Freitag.

An diesem Tag nämlich gab Khawlah Noman bei der Polizei zu Protokoll, dass sie auf ihrem Schulweg im Ort Scarborough nahe Toronto von einem Mann überfallen worden sei. Dieser habe versucht, ihr Kopftuch mit einer Schere zu zerschneiden, wie kanadische Medien unter Berufung auf die Behörden berichteten. Auch die Mutter des Mädchens trat noch am selben Morgen vor die TV-Kameras und erklärte, sie sei froh, kanadische Staatsbürgerin zu sein, und eine solche Tat habe nichts mit dem kanadischen Selbstverständnis zu tun.

Trudeau äußerte sich umgehend

Es dauerte nicht lange und die ersten Reaktionen auf den Fall wurden öffentlich. Der Nationale Rat kanadischer Muslime verurteilte die Tat; Wissenschaftler erklärten, die Zahl sogenannter Hasstaten, die sich etwa gezielt gegen Angehörige bestimmter Kulturen oder Religionen richten, habe um 60 Prozent zugenommen. Und auch der kanadische Premierminister Justin Trudeau äußerte sich via Twitter: „Mein Herz ist bei Khawlah Noman, wenn ich heute Morgen von dem feigen Angriff auf sie in Toronto höre. Kanada ist ein offenes und gastfreundliches Land, Vorfälle wie dieser können nicht toleriert werden.“

Das ist viel Wirbel für eine Tat, die es gar nicht gab. Denn nur drei Tage später – am Montag dieser Woche – räumte die Polizei ein, es gebe keinerlei Belege für das Verbrechen. „Nach detaillierten Untersuchungen hat die Polizei ermittelt, dass die Vorgänge, die in der ursprünglichen Nachrichtenveröffentlichung beschrieben wurden, nicht geschehen sind", zitiert etwa der Sender Fox News die Behörden. Außerdem erklärte die Polizei, das Mädchen werde für ihre Falschaussage nicht belangt. Der Grund dafür dürfte ihr Alter sein.

Wirbel um nichts – aber mit Konsequenzen

Viel Wirbel um nichts, könnte man nun sagen und den Fall ad acta legen. Tatsächlich aber bleibt die Frage nach dem Schuldigen. Einige Medien mutmaßen nun, die Familie des Mädchens stecke hinter der Lüge. Immerhin habe es auch ein durch Stiche ramponiertes Kopftuch gegeben, das der Polizei als Beweisstück vorgelegt worden sei. Alles in allem erscheine die Tat als zu ausgeklügelt, um sie allein einer Elfjährigen anzulasten.

Es bleibt auch die Frage nach der Verantwortung der Medien. Die Toronto Sun veröffentlichte nach Bekanntgabe der Falschmeldung einen selbstkritischen Artikel, in dem der Autor einräumt, selbst Zweifel gehabt zu haben, ob die breite Berichterstattung gleich nach den Anschuldigungen gerechtfertigt gewesen sei – immerhin habe die Polizei ihre Ermittlungen da erst begonnen. Der Autor wirft auch die Frage auf, ob die große Aufmerksamkeit für diesen einzelnen Fall nicht übertrieben sei – immerhin gebe es täglich Überfälle auf Menschen in Kanada, auch wenn diese kein Kopftuch trügen.

Zurückhaltung bitte!

Tatsächlich haben Medien in einem solchen Fall keine andere Wahl, als zu berichten, immer mit Verweis auf den aktuellen Ermittlungsstand natürlich. Denn bis zum Ende solcher Verfahren vergehen Monate oder Jahre, manche werden nie aufgelöst. Das darf kein Grund für mediale Zurückhaltung sein. Wohl aber sollten Berichterstatter sich mit der Deutung solcher Fälle zurückhalten – und Staatschefs ebenso. Wer verfrüht und an falscher Stelle Islamophobie beklagt, läuft Gefahr, beim nächsten Mal auf taube Ohren zu stoßen. Und dann handelt es sich vielleicht um einen echten Fall von Islamfeindlichkeit.

Von: Anna Lutz

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Wed, 17 Jan 2018 14:04:00 +0100
<![CDATA[30 Jahre katholisch-protestantischer Krieg: „Eine europäische Katastrophe“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/01/17/30-jahre-katholisch-protestantischer-krieg-eine-europaeische-katastrophe/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Am 23. Mai 1618 widersetzten sich protestantische Adelige in Prag dem katholischen Kaiser, der nicht willens war, dem protestantischen Glauben im Heiligen Römischen Reich die gleichen Rechte zu gewähren wie dem katholischen. Sie warfen die Statthalter von Kaiser Ferdinand II. aus dem Fenster der Prager Burg und lösten damit einen Krieg aus, der sich tief ins Gedächtnis Europas gebrannt hat. Nach und nach versanken immer mehr Länder in einem Strudel aus Gewalt, Hunger und Seuchen; ein Drittel der Bevölkerung fand den Tod, das Land benötigte Jahrzehnte, um sich von den Folgen zu erholen. Daher ist es wichtig, sich gerade in diesem Jahr des 400. Jahrestages an diesen schrecklichen europäischen Krieg zu erinnern, und umso willkommener ist da ein Buch wie das des Geschichtsexperten Herfried Münkler, das streckenweise so spannend ist wie ein Krimi.

Wer einen Überblick über den doch sehr komplexen Dreißigjährigen Krieg bekommen will und gleichzeitig die Möglichkeit, Details bis hinein zu einzelnen Schlachten zu verstehen, ist mit dem Buch „Der Dreißigjährige Krieg. Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648“, das bei Rowohlt erschienen ist, goldrichtig. Allerdings ist bei einer Gesamtlänge von 976 Seiten Durchhaltevermögen oder große geschichtliche Neugier vonnöten.

Wer einmal in die Zeit des Krieges und in Münklers leicht zu verstehende Beschreibungen eingetaucht ist, lernt viel über die Geschichte Deutschlands und Europas. Doch gerade wer die kirchenhistorischen Probleme zwischen Katholischer und Protestantischer Kirche verstehen möchte, erkennt bei der Lektüre des Buches Zusammenhänge, deren Nachwirkungen auch heute noch sichtbar sind. Münkler versteht es, treffsicher genau jene Fragen, die beim Lesen aufkommen, als nächstes zu beantworten. Wer sich für die vielen Details einzelner Schlachten dann doch weniger interessiert, kann diese ja getrost überfliegen.

Gott auf beiden Seiten?

Zur Übersicht könnte man den Dreißigjährigen Krieg grob in drei Abschnitte einteilen: Da ist zunächst der erfolgreiche Eroberungszug der katholischen Liga unter den Feldherren Albrecht von Wallenstein und Graf von Tilly, der die protestantischen Heere bis an die norddeutsche Küste drängt. Es folgt der Kriegseintritt des schwedischen protestantischen Königs Gustav II. Adolf, der das Kernland Europas nicht komplett rekatholisiert sehen wollte und wohl auch eine Chance sah, seinen Einfluss im Ostseeraum gegenüber Dänemark auszubauen. Der „Löwe aus dem Norden“ wurde von den zunächst vernichtend geschlagenen Protestanten in Deutschland geradezu als Erlöser angesehen, von Gott persönlich geschickt. Nach dem Tod Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen 1632 kam der erfolgreiche Wiedereroberungsfeldzug der protestantischen Seite bald zum Erliegen. Es folgten Jahre kleinerer Schlachten, die, so Münkler, eher „irgendwann und irgendwie“ zu Ende gingen als nach einem bestimmten Ereignis an einem bestimmten Tag.

Münkler, eigentlich Professor für Politikwissenschaft an der Berliner Humboldt-Universität, und – trotzdem – regelmäßig Bestsellerautor von Standardwerken vor allem für Historiker (etwa über Niccolò Machiavelli, Thomas Hobbes, oder mit „Der Große Krieg“ über den Ersten Weltkrieg) streift bei aller militärischer Expertise auch immer wieder den eigentlichen Hintergrund dieses komplexen, langen und brutalen Krieges: die christliche Religion.

Der schwedische König Gustav Adolf etwa sah sich sehrwohl auch als überzeugter Protestant, der Deutschland vom Katholizismus und der „Abgötterei des Papsttums“ befreien wollte. Ebenso waren ihrerseits viele Heerführer der katholischen Liga fest überzeugt, im Dienste der Kirche und ihres christlichen Glaubens zu stehen. Das Abschlachten von Zivilisten, das regelmäßig vor allem bei den Eroberungen von Städten vorkam, nahmen viele Heerführer dabei in Kauf. Denn nur durch das Plündern, die „Kontributionen“, die sich die zahlreichen Söldner laut Kriegsrecht von den Bauern, Dörfern und Stadtbewohnern anstatt eines Solds nehmen durften, wurde die Kriegsmaschinerie am Leben gehalten, mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung.

Gottvertrauen trotz unendlichen Leids

Der Autor ruft ins Gedächtnis, wie sehr die Menschen zur damaligen Zeit trotz allen Leids auf Gott vertrauten. Im Lied „Threnen des Vaterlandes“ beschrieb der Dichter Andreas Gryphius im Jahr 1632 etwa die Schande, die der jahrelange Krieg in Deutschland hinterlassen hatte. Er stellt aber zum Schluss fest: „Was grimmer den die pest / vndt glutt vndt hungers noth Das nun der Selen schatz / so vielen abgezwungen“. Münkler erklärt: „Damit macht er geltend, dass es in seiner Sicht noch etwas Schlimmeres gibt als Gewalt und Elend, Not und Tod: Durch den Zwang zum Glaubenswechsel oder zum geheuchelten Bekenntnis wird das Seelenheil verspielt.“

Der evangelische Pfarrer Paul Gerhardt habe in seinem bekannten „Sommer-Gesang“ („Geh aus mein Herz, und suche Freud“) eine Antwort „auf die apokalyptischen Ängste des Andreas Gryphius und vieler anderer Zeitgenossen“ gegeben, schreibt Münkler. „Gerhardt setzte den Bildern des Krieges also nicht nur idyllische Natur entgegen, sondern auch ein Gottvertrauen, das der Krieg bei vielen zerstört hatte: Einem Gott, der solches zuließ, konnte man nicht vertrauen, und wenn es keinen Gott gab, dem man vertrauen konnte, dann gab es wahrscheinlich überhaupt keinen Gott. Das Wiederaufleben der Natur ist Paul Gerhardts Zeugnis wider solches Verzweifeln.“

Der Westfälische Frieden schließlich, in zähen, scheinbar endlosen Verhandlungen in Osnabrück und Münster errungen, machte vor allem das spanische katholische Königshaus zu einem der großen Verlierer des Krieges. Für die Protestanten indes bedeutete das „cuius regio, eius religio“ fortan, dass ein Konfessionswechsel des Landesherrn nicht mehr die Zwangsbekehrung der Landeskinder nach sich zog. Münkler stellt zusammenfassend fest: „Deutschland wurde zum Vorreiter einer – freilich auf die christlichen Bekenntnisse beschränkten – Religionsfreiheit in Europa.“

Gefährliche Verbindungen aus Religion und Politik auch heute

Wertvoll ist Münklers Einordnung des Krieges im letzten Kapitel, wo er die Frage behandelt, was man aus dem Dreißigjährigen Krieg für heute lernen kann. Die Formen der Kriegführung dieses Krieges seien „im großen Stil in die Praxis der Kriege zurückgekehrt“, etwa was die Gewalt gegen die zivile Bevölkerung angeht. Die Beschäftigung mit dem Dreißigjährigen Krieg eröffne die Möglichkeit, in aktuellen Konflikten „Eskalationsdynamiken“ und „mögliche Stoppmechanismen“ zu erkennen, schreibt Münkler. Religion und Politik seien auch heute in vielen Ländern „Verbindungen eingegangen, die Gewalt befördern.

Der Politikwissenschaftler ist überzeugt, unter Vorbehalt könne man etwa auch die Haltung auswärtiger Mächte miteinander vergleichen, die Länder Spanien, Frankreich, England damals mit den USA, der EU und Russland heute. Wann ist es richtig, in einen Konflikt einzugreifen? Wann macht man sich schuldig, wenn man nicht eingreift?

Auch die „Entstehung großer Flüchtlingsbewegungen, die teilweise auf systematische Vertreibungen zurückgehen, mit denen bestimmte Gebiete religiös vereinheitlicht werden sollen“, begegnen einem sowohl im Krieg vor 400 Jahren als auch heute. In diesem Lichte betrachtet, kann man daher vielleicht tatsächlich auf einen „Westfälischen Frieden“ im Nahen Osten hoffen.

Herfried Münkler: „Der Dreißigjährige Krieg“, Rowohlt, 976 Seiten, 39,95 Euro, ISBN 9783871348136

von: Jörn Schumacher

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Wed, 17 Jan 2018 11:01:00 +0100
<![CDATA[ERF Medien baut neues Medienhaus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/01/16/erf-medien-baut-neues-medienhaus/ Das christliche Medienhaus ERF in Wetzlar möchte bis 2020 ein neues Medienhaus bauen. Das hat der Aufsichtsrat beschlossen. Grund dafür sei der hohe Sanierungsbedarf des bestehenden Gebäudes, der unter anderem durch die Brandschutzauflagen unumgänglich wäre. Die klare Entscheidung des Aufsichtsrats sei im Hinblick auf die laufende Modernisierung des Werkes ein wichtiger Wegweiser für die Zukunft, sagte der Vorstandsvorsitzende von ERF Medien, Jörg Dechert. Insgesamt 20 Millionen Euro soll das gesamte Projekt kosten.

„In der Summe ist es wirtschaftlich vernünftiger und haushalterisch besser und vertretbarer, das Ganze neu zu bauen als es im Bestand zu sanieren“, begründet Dechert die Entscheidung für den Neubau. Würde das Gebäude im Bestand saniert, koste dies in den kommenden Jahren ebenfalls 20 Millionen Euro, die dann allerdings ein Gebäude von 1970 konservierten.

„ERF als Glaubenswerk, das Gottvertrauen erfordert“

Dass die nötigen Mittel für das Projekt zusammenkommen, hält Dechert für realistisch. Das Finanzierungsmodell sei solide gerechnet und enthalte verschiedene Puffer, um Spendenausfälle oder Kostensteigerungen auffangen zu können. Außerdem sehe es verschiedene Finanzierungselemente über einen Zeitraum von mehreren Jahren vor, davon drei mit der Finanzierungsart „Spenden“. „Dabei rechnen wir unter anderem mit der finanziellen Unterstützung der vielen Menschen in Deutschland, die seit dem Jahr 1971 auch schon den Aufbau des heutigen ERF-Medienhauses tatkräftig unterstützt haben.“

Das Bauprojekt könne online mitverfolgt werden. Dazu will der ERF auf seiner Internetseite Pläne, Videos und Fotos hochladen, damit Interessierte den Baufortschritt miterleben können. Dechert freue sich am meisten auf die neuen Möglichkeiten, die mit dem modernen Neubau verbunden sind und die der ERF in dem alten Gebäude von 1970 nicht habe. So solle es beispielsweise auch einen Raum für Besuchergruppen geben.

Von: Jennifer Adam

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Tue, 16 Jan 2018 16:38:00 +0100
<![CDATA[Muss der Staat beim Töten helfen?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/01/16/muss-der-staat-beim-toeten-helfen/ Der Bundestag soll mit einem neuen Gesetz Klarheit bei der Hilfe zur Selbsttötung schaffen. Das fordert der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vom Parlament. „Eine staatliche Behörde darf niemals Helfershelfer einer Selbsttötung werden“, sagte der CDU-Politiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Im Herbst 2015 habe der Bundestag die organisierte Sterbehilfe mit großer Mehrheit verboten und zugleich die Versorgung Sterbenskranker verbessert, betont Gröhe in der Debatte. Diese hatte der frühere Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio noch einmal befeuert, in dem er die Rechtmäßigkeit des Urteils in einem Gutachten in Frage stellt.

83 Anträge eingegangen

Die Leipziger Richter hatten entschieden, dass Schwerstkranke „in Extremfällen“ ein Recht darauf haben, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ihnen erlaubt, eine tödliche Dosis des Schlafmittels Natrium-Pentobarbital zu beziehen, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Inzwischen seien 83 solcher Anträge eingegangen, die Bonner Behörde wehrt sich jedoch dagegen.

Di Fabio äußert „erhebliche Zweifel“ daran, dass das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts korrekt ist. Er wirft ihm „erhebliche Mängel“ und „formale Versäumnisse“ vor. Aus dem Recht auf Selbsttötung lasse sich keine Pflicht des Staates ableiten, bei einem Suizid zu helfen. Er rät dem Minister zu einem „Nichtanwendungserlass“ oder einem Normenkontrollverfahren. Auch Gröhe hat Zweifel an der Richtigkeit des Urteils. Er möchte lieber eine schnelle Lösung durch das Parlament.

Von: Johannes Weil

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Tue, 16 Jan 2018 14:10:00 +0100
<![CDATA[Heinrich: „Es wird ein neues Bewusstsein geschaffen"]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/01/16/heinrich-es-wird-ein-neues-bewusstsein-geschaffen/ Der Bundestag hat 2016 ein Prostituiertenschutzgesetz verabschiedet. Laut eines Berichts im NDR kommt das Gesetz, das seit dem 1. Juli 2017 gilt, nur schleppend in Gang. In Hamburg habe sich bisher nur ein Zehntel der Prostituierten wie vorgeschrieben bei der Sozialbehörde gemeldet. Der Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich ist trotzdem froh, dass es das Gesetz gibt.

pro: Wie bewerten Sie den Stand der Umsetzung durch die Länder ein halbes Jahr nach Einführung des Gesetzes?

Frak Heinrich: Zunächst einmal bin ich froh, dass das Gesetz überhaupt verabschiedet wurde. Es gibt ja auch in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Voraussetzungen. Die Zahlen sagen daher noch nicht so viel aus.

Wie sieht es in Ihrem Wahlkreis aus?

Ich habe gerade gestern mit der zuständigen Behörde in Chemnitz telefoniert. Dort sind prozentual schon mehr Frauen gemeldet als in Hamburg. Bildlich gesprochen wurde mit dem Gesetz eine Decke weggezogen. Auf das, was da zum Vorschein gekommen ist, können wir jetzt aufbauen. Aber auch in den Behörden gibt es noch viele Klippen, die umschifft werden.

Was meinen Sie konkret?

Generell merkt man, dass mit dem Gesetz etwas in Bewegung gekommen ist. Jetzt müssen wir noch herausfinden, was den Personen hilft, die sich bei ihrer Behörde oder den Sozialarbeitern melden. Da tauchen erste Schwierigkeiten auf. Etwa die Frage: Was passiert, wenn die Meldung in den Bundesländern unterschiedlich teuer sind? Dann könnte es zu einer Fluktuation kommen.

Sehen Sie konkreten Nachbesserungsbedarf?

Damit müssen wir uns leider noch etwas gedulden. Wir können in ein bis zwei Jahren schauen, wo wir nachbessern. Bei uns in Chemnitz hat das Gesetz dazu geführt, dass wir nach einem halben Jahr nicht mehr von einer Zahl von 250 bis 500 Prostituierten ausgehen, sondern dass es sich eher um 800 bis 1.000 Menschen handelt. Von daher sorgt das Gesetz auch gerade für eine Bewusstseins-Schaffung. Es muss sich auf jeden Fall jemand konstruktiv um diese Sachen kümmern. Generell hat die CDU in den Verhandlungen aber mehr gefordert, zum Beispiel das Mindestalter von Prostituierten auf 21 Jahre heraufzusetzen. Und diese Forderungen halte ich weiterhin für sinnvoll.

Vielen Dank für das Gespräch!

Frank Heinrich ist seit 2009 Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Chemnitz. Der Theologe und Sozialpädagoge leitete bis 1995 als Sozialarbeiter den sozialmissionarischen Dienst. 1997 wurde Heinrich ordiniert als Heilsarmeeoffizier und war Chef des Korps in Chemnitz. Der Vater von vier Kindern hat als zwei politische Themenschwerpunkte die Bereiche Menschenhandel und Religionsfreiheit.

Von: Johannes Weil

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Tue, 16 Jan 2018 12:16:00 +0100
<![CDATA[Entführte Chibok-Geiseln äußern sich]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/01/16/entfuehrte-chibok-geiseln-aeussern-sich/ „Wir sind die Chibok-Mädchen, nach deren Rückkehr ihr euch sehnt“. Mit diesen Worten beginnt ein 20-minütiges Video, das von der Islamistengruppe Boko Haram veröffentlicht wurde. Die Mädchen, die alle blaue oder schwarze Hijab-Schleier tragen, betonen darin, dass sie nicht zu ihren Eltern zurückkehren wollen. Ob sie diese Aussagen freiwillig machen, ist unklar.

Mindestens drei von ihnen haben Säuglinge auf dem Arm. Es ist das erste Video der Gruppe seit Mai vergangenen Jahres. In dem Video, von dem unter anderem die New York Times und Spiegel Online berichtet, ist auch Boko Haram-Anführer Abubakar Shekau zu sehen, wie er mit einem Maschinengewehr feuert. Zudem hält er eine 13-minütige Ansprache. Die Mädchen hätten „die Torheit“ weltlicher Bildung verstanden, sagt Shekau.

Rückkehr zur Ungläubigkeit

Die bereits zurückkehrten Mädchen werden von der Sprecherin des Videos als „arme Seelen“ bezeichnet, die aber die „Rückkehr zur Ungläubigkeit“ gewählt hätten. Islamisten hatten im April 2014 insgesamt 276 Schülerinnen aus einer Schule im mehrheitlich christlichen Ort Chibok im Nordosten Nigerias entführt. Weltweit demonstrierten Menschen unter dem Motto „Bring Back Our Girls“ für die Freilassung der Entführten.

Der Vorfall wurde zum Symbol für das brutale Vorgehen von Boko Haram in dem westafrikanischen Land. 57 der Schülerinnen flohen während der Entführung, 107 weitere Mädchen wurden seitdem gefunden, gerettet oder freigelassen. Laut Spiegel Online habe die nigerianische Armee am 4. Januar mitgeteilt, eine weitere Schülerin befreit zu haben.

Boko Haram bedeutet übersetzt „Westliche Bildung ist Sünde“. Die Miliz benutzt Entführungen als Kriegswaffe, um im Norden Nigerias einen islamischen Staat zu errichten. In dem Konflikt wurden bisher mindestens 20.000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen vertrieben.

Von: Johannes Weil

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Tue, 16 Jan 2018 11:39:00 +0100
<![CDATA[Ganz Deutschland mit dem Evangelium erreichen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/01/16/ganz-deutschland-mit-dem-evangelium-erreichen/ pro: Was ist Ihre Vision für 2018?

Bastian Decker: Wir möchten 2018 fünf Bundesländer mit dem Evangelium erreichen: Saarland, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Vision ist, dass das Evangelium durch die Zeitung in jeden privaten Briefkasten kommt und dass Christen aus der Umgebung, die diese mitverteilen, nach der Verteilung im Alltag mit den Menschen ganz niedrigschwellig über die Zeitung ins Gespräch über den Glauben kommen.

Wann haben Sie sich für die Bundesländer für dieses Jahr entschieden? Nach welchen Kriterien haben Sie die Bundesländer für das jeweilige Jahr ausgewählt?

2016 ging es erst einmal nur um Nordrhein-Westfalen. Da waren es gleich 8,3 Millionen Haushalte. Als es dort ganz erfolgreich gelaufen ist und es hieß „Lasst uns weitermachen“, um ganz Deutschland zu erreichen, haben wir einfach gerechnet und gesagt, dass wir jedes Jahr Zeitungen für acht Millionen Haushalte drucken müssen. So haben wir bis 2020 40 Millionen Haushalte in ganz Deutschland erreicht. Dann haben wir gerechnet, wie viele Haushalte in welchen Bundesländern sind und kamen so auf die genannten Bundesländer.

Sie erwähnen auf Ihrer Homepage, dass sich in Bremen 600 Menschen für Jesus entschieden haben. Wie kommen Sie auf diese Zahlen?

Das war eine Kooperation mit dem Missionsbeauftragten der bremisch-evangelischen Kirche, Johannes Müller. Er hat über die deutsche evangelische Allianz dazu aufgerufen, gemeinsam Bremen zu erreichen und es mit der evangelistischen Aktion „The Turning“ (Die Wendung, Anm. d. Red.) verknüpft, die dann ein Monat nach der Verteilung stattfand. Dadurch, dass das Verteilen der Zeitung und die Aktion miteinander verknüpft waren, war die Zeitung ein großartiger Katalysator, um Menschen zu erreichen.

Was waren die Rückmeldungen von Gemeinden, wie die Verteilaktionen gelaufen sind?

Unterschiedlich, aber bisher durchweg positiv. Es gab Leute, die es mit einem evangelistischen Event verbunden haben, also einen Sprecher eingeladen haben. In der Zeitung war dann auch ein Flyer mit einer Einladung dabei, sodass dann wirklich komplett neue Leute in der Veranstaltung dabei waren und dadurch auch nochmal von Gott gehört haben, sodass auch Leute in Gemeinden gelandet sind. In den vergangenen zwei Jahren haben schon über 400 Gemeinden überkonfessionell mitgemacht. Einige haben gesagt, dass eine Einheit in der Stadt dadurch gewachsen ist – das ist auch unser großes Anliegen. Trotz theologischer Kontroversen innerhalb der Konfessionen haben sie gemerkt, dass sie sich beim Thema Mission im Prinzip einig sind. Wir bekamen die Rückmeldung, dass manche Gemeinden mit solchen kooperiert haben, mit denen sie davor noch nie zusammen gearbeitet hatten. Das kann man auf jeden Fall als Erfolg der Aktion verbuchen.

Wer finanziert Ihr Projekt?

Es gibt einen Geschäftsmann, der das Projekt auch gestartet hat und es jedes Jahr als einziger Sponsor finanziert.

Was wird 2018 anders als bisher?

Wir bieten die Zeitung in diesem Jahr schon etwas früher an, ab Ende Februar. Wir haben festgestellt, dass manche Gemeinden nicht so lange warten wollen. Wir hatten sonst immer den Global Outreach Day – einen weltweiten Missionstag mit evangelistischen Aktionen – am letzten Wochenende im Mai als Startschuss, aber viele würden die Zeitschrift gerne früher verteilen. Auch die Mobilisation ist in diesem Jahr enger mit der evangelischen Allianz verknüpft. Wir haben also zuerst die Leiter der evangelischen Allianz mit einem Brief und der beigelegten Zeitung informiert, um mit den Leitern in Kontakt zu sein. In den vergangenen Jahren hatten wir hauptsächlich die Gemeinden angeschrieben.

Wie geht es für jemanden weiter, der sich durch die Zeitschrift für Jesus entscheidet? Wird er in irgendeiner Form an Christen in seiner Umgebung vermittelt?

Wir haben in der Zeitung selbst einiges eingebaut, damit Leute direkt in der Zeitung etwas finden. Wir haben Apps angeboten, dass man sich die Bibel oder auch eine Kinder-Bibel aufs Handy laden kann. Auch der Alphakurs ist für uns ein starker Partner geworden. Darüber können die Leser Gemeinden finden und dann auch gleich den Kurs machen. Das Hauptinstrument, das wir haben, ist der Link www.life.de/start. Dort gibt man seine Postleitzahl ein und kann dann Gemeinden finden, die mitgemacht haben. Trotzdem muss man immer wieder sagen: Das Effektivste ist es wirklich, wenn wir Christen die Chance nutzen, nach der Verteilung mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Wie unterscheidet sich Ihr Projekt von vorhandenen religiösen Publikationen?

Das ist eine spannende Frage. Ohne jemanden, der etwas anderes gemacht hat, irgendwie abzustempeln, glaube ich, dass es gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig ist, wie man mit Druckmedien umgeht. Ich glaube, die Zeit von Faltblättern ist einfach vorbei. Ich glaube auch, dass eine Broschüre erst mal skeptisch macht. Eine Zeitung ist zumindest aktuell noch ein sehr gewohntes Medienprodukt. Daher passt es ganz gut in den Alltag hinein. Durch unser Cover und den bewusste Bildzeitung-Stil fallen wir auch auf und können die breite Masse erreichen. Außerdem zielen wir ganz konkret darauf ab, dass wir Christen, Gemeinden, Allianzen mobilisieren, dass sie selbst die Zeitung mit verteilen und für ihre Heimatstadt Verantwortung übernehmen und sie erreichen wollen.

Was verbirgt sich hinter der 3-steps-Schulung, die Sie anbieten, um zum Evangelisieren zu ermutigen?

Die meisten Christen trauen sich nicht, im Alltag über den Glauben zu reden, vielleicht wollen manche auch nicht. Das Ziel dieser Schulungen ist es, dass die Leute merken, dass sie keine Evangelisten sein müssen. Sie müssen nicht auf die Straße gehen und wildfremde Menschen ansprechen, sondern jeder hat eine Stärke, wo er selber mit Menschen sprechen kann, ob das bei der Arbeit ist, im Kindergarten mit den Müttern, oder in Seniorenheimen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Bei der Schulung geht es um die Grundlagen, wie man in der heutigen Sprache mit Menschen über den Glauben sprechen kann. Man kann erst einmal über ein ganz normales Thema mit den Leuten ins Gespräch kommen und muss nicht gleich mit Jesus ins Haus fallen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Von: Jennifer Adam

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Tue, 16 Jan 2018 11:18:00 +0100
<![CDATA[So christlich ist Deutschland]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/so-christlich-ist-deutschland/ Das Video ist nur kurz, umso prägnanter sind die Zahlen: Wie viele Deutsche haben eine Bibel? Wie viele davon lesen auch tatsächlich darin? Mit diesen Fragen hat sich das Facebook-Team von Tagesschau beschäftigt.

Dem Video liegen Zahlen zugrunde, die auf dem diesjährigen Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd präsentiert wurden. Der Chef des Marktforschungsinstituts Insa Consulere, Herrmann Binkert, gab dort unter anderem an, 17 Prozent der Deutschen würden gerne mehr über den christlichen Glauben erfahren. 26 Prozent seien sich sicher, dass es keinen Gott gebe. Im vergangenen Jahr habe besonders das Reformationsjubiläum Reichweiten erzielt: 71 Prozent der Deutschen hätten den 500. Jahrestag der Reformation wahrgenommen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, forderte angesichts dieses Potenzials für die Medien: „Wir brauchen eine neue Evangelisierung.“

Von: Nicolai Franz

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Tue, 16 Jan 2018 11:15:00 +0100
<![CDATA[Werbung für Abtreibungen muss verboten bleiben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/01/15/werbung-fuer-abtreibungen-muss-verboten-bleiben/ „Ein Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche halte ich für richtig“, erklärte Heinrich Bedford-Strohm gegenüber dem Christlichen Medienmagazin pro. Dass darüber informiert werden könne, sei legitim, nicht aber Werbung für entsprechende Eingriffe.

Eine Debatte darüber war entbrannt, nachdem sich Chrismon-Chefredakteurin Ursula Ott in einem Meinungsbeitrag für die Abschaffung des Paragrafen ausgesprochen hatte. „Die Debatte darüber sehe ich als Teil der pluralistischen Kultur unserer Evangelischen Kirche“, sagte der Ratsvorsitzende. „Es muss möglich sein, eine profilierte Meinung in so einer Sache zu vertreten, auch wenn ich an dieser Stelle anderer Meinung bin.“

Die Grundfrage müsse lauten, ob so etwas vom christlichen Glauben her verantwortbar sei. Über Für und Wider dürfe gestritten werden. „Ich schätze Frau Ott über die Maßen. In dieser Sache ist sie innerhalb der möglichen Meinungsäußerungen im Bereich des Protestantismus eben anderer Ansicht als ich.“

Bedford-Strohm betonte, dass er „nichts davon halte“, das als Kompromisslösung nach mühsamen Diskussionen errungene Gesetz nun zu verändern.

Von: Stefanie Ramsperger

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Mon, 15 Jan 2018 21:53:00 +0100
<![CDATA[Christ gesteht öffentlich Mord]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/15/christ-gesteht-oeffentlich-mord/ Der 44-jährige Amerikaner Brian Hawkins hat dem TV-Sender KRCR in einem Interview einen Mord gestanden, der 1993 an dem 19-jährigen Frank McAlister in Shingletown, Kalifornien, verübt wurde. Hawkins Bekehrung zum christlichen Glauben habe ihn zum Bekennen seiner Tat gebracht. Nach seinem öffentlichen Geständnis stellte er sich sofort der Polizei. Zwei weitere Täter wurden verhaftet.

„Gott, Christus – diese Sachen, die in meinem Leben seitdem passiert sind seit 25 Jahren, haben mich angetrieben und dazu gedrängt, das Richtige zu tun“, sagte Hawkins im Interview, wie CNN berichtete. Er wisse, dass Falsches nicht rückgängig gemacht werden könne, aber damit komme er dem am nächsten, was das richtige sei.

Brian Hawkins und Curtis Culver sind nun wegen Mordes und Diebstahls angeklagt. Die Schwester von Curtis Culver, Shanna Culver, wurde ebenfalls verhaftet. In den vergangenen 25 Jahren beharrten alle drei in Befragungen auf ihrer Unschuld. Hawkins sagte, er sei seit der Tat durch die Hölle gegangen.

Von: Jennifer Adam

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Mon, 15 Jan 2018 16:52:00 +0100
<![CDATA[Richter hängt Kreuz ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/15/richter-haengt-kreuz-ab/ Ein 21-jähriger afghanischer Asylbewerber musste sich vergangene Woche vor dem Amtsgericht Miesbach in Oberbayern vor Gericht verantworten: Er soll einem christlichen Landsmann im Asylbewerberheim mit dem Tod gedroht, ihn angegriffen und verletzt haben; außerdem wurde ihm vorgeworfen, mit den Taliban zu sympathisieren. Der vorsitzende Richter Klaus-Jürgen Schmid nahm für diese Verhandlung das Kreuz im Gerichtssaal ab, das üblicherweise dort hängt, meldete die lokale Nachrichtenplattform tz. Nach Einschätzung des Mediums „eine Aktion mit Signalwirkung, die durchaus polarisiert“.

Deshalb fragte tz bei Pressesprecher Thomas Pfeiffer vom bayerischen Justizministerium nach, wie das zu bewerten sei. Der verwies auf die „Empfehlungen für den Bau von Justizgebäuden“, die sein Ministerium gemeinsam mit der Obersten Baubehörde im Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr herausgegeben hatte. Darin ist vorgesehen, in Gerichtssälen an einer geeigneten Stelle ein abnehmbares Kreuz aufzuhängen. Das widerspreche nicht der gebotenen Neutralität des Staates und der Justiz gegenüber verschiedenen Weltanschauungen.

Im Einzelfall sei es aber Sache des Gerichtes, eine Verhandlung mit oder ohne Kreuz durchzuführen. So entschied das Bundesverfassungsgericht bereits 1973. Damals hatte ein jüdischer Anwalt geklagt, weil ein Gericht in Nordrhein-Westfalen sich weigerte, die Verhandlung in einem Raum ohne Kruzifix durchzuführen. Das Bundesverfassungsgericht stellte fest, dass der Zwang, „unter dem Kreuz“ zu verhandeln, für manche Menschen „eine unzumutbare innere Belastung“ sei und ihre Glaubens- und Bekenntnisfreiheit verletzen könne.

Der Angeklagte in Miesbach wurde im Übrigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung sowie drei Wochen Arrest und fünf Beratungsterminen in der Jugendgerichtshilfe verurteilt, meldete die Nachrichtenseite Merkur.

Von: Jonathan Steinert

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Mon, 15 Jan 2018 14:37:00 +0100
<![CDATA[Die letzten ihrer Art]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/15/die-letzten-ihrer-art/ Ein Kommentar von Johannes Weil]]> Deutschland rühmt sich gerne mit Spitzenplätzen. Allerdings gibt es auch Ranglisten, in denen das hoch entwickelte und technisierte Land auf einem Abstiegsplatz steht. Bei der Zahl der Organspender zum Beispiel. Dort ist Deutschland 2017 auf ein historisches Tief gefallen und liegt auf Augenhöhe mit Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Albanien.

Auf eine Million Einwohner kommen in Deutschland nur 9,3 Spender. Zum Vergleich: Spitzenreiter Spanien kommt auf den fünffachen Wert mit 46,9 Spendern pro einer Million Einwohner.

Kritische Marke erreicht

Die Zahlen hat die Süddeutsche Zeitung aufgegriffen. Sie beruft sich dabei auf den noch unveröffentlichten Jahresbericht der Stiftung Eurotransplant. Von den Fachleuten wird ein Wert von zehn als kritische Marke angesehen, unterhalb der man nicht mehr von einem ernstzunehmenden Organspendesystem reden kann.

Für Bedenkenträger ist es schwer denkbar, dass nach dem eigenen Ableben noch am eigenen Körper rumhantiert wird. Andere möchten gerne selbst darüber entscheiden, wem das gespendete Organ zu Gute kommt. Skandale über Organspende-Vergabe tragen ein Übriges dazu bei, bei dem Thema kritisch zu sein.

Aber es gibt noch die andere Sichtweise: nämlich die Möglichkeit, mit einer Organspende das Leben eines anderen Menschen zu retten. Im besten Fall sogar mehrere Leben mit mehreren Organen. So können Menschen auch über den eigenen Tod hinaus „nachhaltig“ Nächstenliebe üben. Bei einer Organspende nach dem eigenen Tod stören auch operative Eingriffe und verbleibende Narben nicht mehr.

Doch die gesellschaftliche Gemütslage scheint eine andere zu sein. Das historische Tief aus dem Jahr 2016 wurde noch einmal um acht Prozent unterschritten. Das führt dazu, dass teilweise Organe aus anderen Ländern eingeführt werden müssen. Laut Erhebung von Eurotransplant waren dies rund 200 zusätzliche Organe aus europäischen Ländern gewesen. Andere Patienten werten vergeblich. Die Zahlen sollten ein Weckruf für alle diejenigen sein, für die eine Organspende bis dato gar nicht in Frage kam.

Von: Johannes Weil

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Mon, 15 Jan 2018 13:57:00 +0100
<![CDATA[Umstrittener KiKa-Film: Propaganda oder Aufklärung?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/01/14/umstrittener-kika-film-propaganda-oder-aufklaerung/ Ein Film aus der Sendereihe „Schau in meine Welt“ des Kinderkanals sorgt seit Tagen für gewaltigen Wirbel in den Medien. Der Hessische Rundfunk hat deswegen am Samstag den Film noch einmal gezeigt und mit Kritikern und Befürwortern in der Sendung „Engel fragt – Spezial: Malvina, Diaa und die große Aufregung über einen KiKa-Film“ darüber diskutiert.

Größter Kritiker der Sendung war der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel. Er bezeichnete den Film als Skandal, der Propaganda für eine Beziehung mit muslimischen Flüchtlingen betreibe. In dem 30-minütigen Beitrag werde einiges unkritisch wiedergegeben („Es ist ein Lehrstück, dass sie nicht von Unterordnung spricht“), verharmlost und verniedlicht.

„Film gaukelt eine schöne heile Welt vor“

Aus Spaniels Sicht werde eine schöne heile Welt vorgegaukelt, die es so nicht gebe. Die Gesellschaft müsse darüber reden, „ob andere Leute in unser Land kommen und anderen Vorschriften machen können“. In dieser Tatsache sah er eine bedenkliche Entwicklung. Anderer Meinung war die Medienpädagogin Maya Götz. Der Film kläre auf, sei pädagogisch sehr gut und rege zu einer kritischen Auseinandersetzung an. Ziel müsse es sein, Kinder in solchen Fragen kompetent zu machen. „Der Film eignet sich, um Diskussionsprozesse in Gang zu setzen.“

Die Religionspädagogin Lamya Kaddor fand, dass der Film ausgewogen über die Sichtweisen und Positionen von Malvina und Diaa berichte. Malvina sei kein Opfer. Sie und Diaa brächten die Bereitschaft mit, sich mit beiden Positionen zu befassen und Kompromisse auszuhandeln. Dem stimmte der Pädagoge Thomas Mücke zu, der in der Präventionsarbeit aktiv ist. „Das Selbstbestimmungsrecht des anderen wird akzeptiert.“

Sorgen bereite ihm allerdings, dass im Internet unkommentiert ganz viel unreflektierter Hass verbreitet werde: „Davon dürfen wir uns nicht leiten lassen.“ Mücke war froh, dass der Film nicht kommentiert werde. Junge Menschen machten sich genug Gedanken über das Thema und ordneten sich nicht diskussionslos unter. Die aktuelle Art der Politisierung halte er für unzulässig.

Irritiert über späte Diskussion

Die HR-Fernsehdirektion Gabriele Holzner räumte Fehler ein. So sei das Alter des Jungen in der Tat falsch angegeben gewesen. Auch die Tatsache, dass Diaa ein Beitrag des Salafisten Pierre Vogel bei Facebook „geliket“ habe, sei zu spät aufgefallen. Das mache den Jungen aber nicht zum Salafisten und Gefährder. Irritiert zeigt sich Holzner, dass die Diskussion erst sechs Wochen nach der Erstausstrahlung begonnen habe und jetzt alles hinterfragt werde.

Malvina gehe nicht in allen Punkten Kompromisse ein. Sie ordne sich nicht unter, sondern handele alle Punkte in Diskussionen aus, wie dies üblich in Beziehungen sei. Holzner betonte, dass Diaa mittlerweile massive Drohungen aus der extremistischen Szene erhalte. Der Vorwurf laute, dass er sich zu viel von seiner Freundin habe sagen lassen. Holzner bewertet den Film eingebettet in die gesamte Themenwoche im November, die unterschiedliche Facetten beleuchtet habe. Der Film lief im Rahmen der KiKa-Reihe „Schau in meine Welt“.

Von: Johannes Weil

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Sun, 14 Jan 2018 15:31:00 +0100
<![CDATA[Mehr Jesus in evangelischen Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/14/mehr-jesus-in-evangelischen-medien/ Ein Leitartikel von Christoph Irion]]> Kirchliche und christliche Medien in Deutschland sollen nicht nur aktuell über Politik, Soziales und Mitmenschlichkeit berichten, sondern auch über Jesus Christus, sein Wirken und seine Lehre. Diese Überzeugung vertrat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, beim Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd. Wörtlich sagte der bayerische Landesbischof bei dem Journalistentreffen im Gästezentrum Schönblick: „Die evangelische Publizistik weiß sich dem Auftrag verpflichtet, das Evangelium in den Medien zu bezeugen.“

Was sich für Millionen Kirchenmitglieder in Deutschland wie eine publizistische Selbstverständlichkeit anhört, ist in Wahrheit in der protestantischen Medienwelt über Jahrzehnte höchst umstritten gewesen. Medienanbieter wie die Nachrichtenagentur epd (Evangelischer Pressedienst), das Magazin Chrismon oder der Onlineauftritt evangelisch.de, die unter dem Dach der EKD erscheinen, fokussieren seit jeher ihre Berichterstattung neben kirchlichen und kirchenpolitischen Fragen mit unterschiedlicher Gewichtung zum Teil auch auf gesellschaftspolitische und soziale Themen.

Für Christliche Medienwerke, die auf pietistische oder evangelikale Prägungen zurückgehen, wie die Evangelische Nachrichtenagentur idea, ERF-Medien oder die Buch- und Zeitschriftenverlage von SCM, ist die Verbreitung des Evangeliums in den Medien jedoch schon hinsichtlich ihrer christlichen Hauptzielgruppen zentrales Anliegen. Für den Christlichen Medienverbund KEP – mit pro und Israelnetz – gibt es darüber hinaus einen ausdrücklichen Satzungsauftrag, „mehr Evangelium“ in den säkularen Medien zu fördern.

Evangelische Publizistik soll Jesu Liebe für die Welt bezeugen

Beim Fachkongress in Schwäbisch Gmünd forderte Bedford-Strohm gegenüber rund 170 protestantischen Medienschaffenden: „Wir brauchen eine neue Evangelisierung.“ Kirchenleute und Journalisten hätten bislang zu wenig begriffen, wie groß die Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität sei. „Gott lieben und die Menschen lieben“ gehörten zusammen. Die „Bezeugung der Liebe Jesu Christi“ für diese Welt und „Mitmenschlichkeit“ als journalistische Themen seien daher für Journalisten, die in der evangelischen Publizistik arbeiten, „untrennbar miteinander verbunden“. Dies sei schon deshalb logisch, weil Christen „von der Auferstehung Jesu leben. “ Und wer diese Kraft kenne, die Gutes bewirke und den Menschen Hoffnung gebe „wider alle Realitäten“, sollte dies auch in der evangelischen Publizistik immer wieder deutlich machen.

Nie zuvor hat ein EKD-Ratsvorsitzender die evangelistischen Ziele als publizistischen Anspruch evangelischer Qualitätsmedien derart deutlich betont. Die Äußerungen Bedford-Strohms haben daher für die künftige Ausrichtung der protestantischen Medienpolitik im digitalen Zeitalter durchaus Signalcharakter.

Kirche bekennt sich ausdrücklich zur Pressefreiheit

Ausdrücklich bestätigte Bedford-Strohm zunächst die Leitlinien, durch die der evangelische Pfarrer und Medienpionier Robert Geisendörfer (1910-1976) die Nachkriegspublizistik der evangelischen Kirche geprägt hat. Wie die Kirche insgesamt müsse auch ihre Publizistik „Fürsprache üben, Barmherzigkeit vermitteln und Stimme leihen für die Sprachlosen“. Die „Macher“ der kirchlichen Publizistik müssten professionelle, gut ausgebildete Journalisten sein.

Diese Grundprinzipien gelten bis heute für die Arbeit des 1973 von Geisendörfer gegründeten Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP) in Frankfurt, wo epd, Chrismon, evangelisch.de und weitere Medienangebote produziert werden. Zugleich sei es für evangelische Publizisten gerade im digitalen Zeitalter wichtig, so Bedford-Strohm, den Mediennutzern „die große Kraft des Glaubens so zu vermitteln, dass sie die Menschen erreicht“.

Der Ratsvorsitzende hat deutliche Duftmarken für die evangelische Publizistik gesetzt. Sie dürften die Mediendebatten unter dem Dach und im Umfeld der Kirche konstruktiv befeuern – unmittelbare Auswirkungen auf Publikationskonzepte sind dennoch nicht sofort zu erwarten: Denn im Publizistischen Gesamtkonzept der EKD steht ausdrücklich: „Die evangelische Publizistik ist eine Lebensäußerung der Kirche. Sie ist nur ihrem eigentlichen Mandat verpflichtet und an amtliche Weisungen nicht gebunden. Ihr Mandat ist zugleich ihre Freiheit.“ Die Autoren hatten mit dieser Formel ihrer eigenen Kirche seinerzeit ausdrücklich die Achtung der Pressefreiheit ins Stammbuch geschrieben – eine elementare Säule unserer Demokratie, wie sie im Artikel 5 des Grundgesetzes festgeschrieben ist.

Bedford-Strohms aktuelle Äußerungen, die sowohl auf den Anspruch von Qualitätsjournalismus und Pressefreiheit zielen als auch eine evangelistische Orientierung betonen, stehen jedoch nicht im Widerspruch zu den ausdrücklichen Zielen des GEP. Bereits in dessen Statzungs-Präambel wird die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, „dass evangelische Publizistik in der Bindung an das Evangelium eigenständige Entscheidungsfreiheit und kirchliche Verpflichtung in gleicher Weise umfasst“.

Von: Christoph Irion

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Sun, 14 Jan 2018 12:57:00 +0100
<![CDATA[YouTube-Videos liefern Basiswissen über Ökumene]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/14/youtube-videos-liefern-basiswissen-ueber-oekumene/ Weil Internet-Recherchen zum Thema Ökumene oft viel zu lange Texte oder auch Falschinformationen liefern, hat die österreichische katholische Arbeitsgemeinschaft Pro Oriente jetzt ein „Kompendium Ökumene“ geschaffen. Büroleiterin Regina Augustin sagte dem ORF, dass die Videos Antworten zu wichtigen Fragen der Ökumene geben sollten: „auf einen Klick, in fünf Minuten“.

Damit wolle die Stiftung der Unwissenheit über den Dialog christlicher Kirchen entgegenwirken und Basiswissen vermitteln. Das Projekt heißt „Kompendium Ökumene“. Die ersten YouTube-Videos beschäftigen sich mit der „Verschiedenheit der Kirchen“, dem Thema „Christentum und die Ökumene“ sowie „Persönlichkeiten und Highlights aus der Ökumene“. Die Videos seien auch gut geeignet für Religionslehrer und andere Multiplikatoren.

Erzbischof: Die Andersartigkeit respektieren

Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner hob bei der Vorstellung des Projekts den Beitrag der Ökumene für die pluralistische Gesellschaft hervor. Sie könne „Vorbild dafür sein, das Gegenüber in seiner Andersartigkeit zu respektieren, zu akzeptieren und zu schätzen“, sagte der Erzbischof. Es sei „gut, dass es zwischen uns so viele Übereinstimmungen gibt“ und ebenso auch „schön, wenn wir uns mit dem je Eigenen in die Gesellschaft einbringen“, zitiert der ORF den Theologen.

Die Stiftung Pro Oriente ist eine österreichische Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. Sie hat das Ziel, die Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen zu fördern. Gegründet hat sie 1964 der damalige Wiener Erzbischof Franz Kardinal König.

Dem Vatikanischen Konzil ging es um eine Öffnung der Türen zu den anderen christlichen Kirchen. Ein wesentlicher Teil der Tätigkeit ist der Beziehungsaufbau zu verschieden Kirchen im Osten. Außerdem gibt die Stiftung unterschiedliche Publikationen heraus, die sich auch mit ökumenischen Fragen beschäftigen.

Von: Johannes Weil

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Sun, 14 Jan 2018 12:05:00 +0100
<![CDATA[„Wir brauchen eine neue Evangelisierung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/01/13/wir-brauchen-eine-neue-evangelisierung/ „Vertraut den neuen Wegen!“ Das hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bei der Abschlussveranstaltung des Christlichen Medienkongresses am Samstag in Schwäbisch Gmünd gesagt. Bedford-Strohm bezog sich damit auf die „Verkündigung des Evangeliums in digitalen Zeiten“, was das Thema seines Vortrags war.

Der EKD-Ratsvorsitzende wünscht sich generell mehr Selbstbewusstsein bei der Verkündung von Gottes Gnade: „Wir brauchen eine neue Evangelisierung.“ In der heutigen Welt hätten viele Menschen mehr Sehnsucht nach Spiritualität, als die Medienschaffenden und Kirchenoffiziellen manchmal dächten. Die Kirche biete den Menschen die Dankbarkeit für die Schöpfung, die freie Gnade Gottes und die Kraft durch Jesus Christus an. Die große Aufgabe sei es, diese frohe Botschaft in die Welt hineinzutragen und nahe an den Menschen zu sein.

Junger Generation Glaubensinhalte vermitteln

Starke, einprägsame Sätze, wie sie das Reformationsjubiläum 2017 geprägt hätten, seien eine gute Möglichkeit, die Botschaft des Evangeliums weiterzusagen. „Diese Sätze sollen nicht nur ins Gedächtnis, sondern in die Seele der Menschen einsickern“, sagte Bedford-Strohm. Als Beispiel nannte er aus Martin Luthers Denkschrift „Aus der Freiheit eines Christenmenschen“ den Satz: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.“

Bedford-Strohm sieht bei der Vermittlung des Glaubens vor allem ein Problem bei den nachkommenden Generationen in Deutschland: „Der Glaube geht in der jüngeren Generation dramatisch verloren.“ Dabei erinnerte er auch an die „erschreckenden Zahlen“ der Insa-Studie, die auf dem Christlichen Medienkongress vorgestellt wurde. Diese zeigt ein schwindendes Interesse jüngerer Menschen am Christentum. Die Bibel bietet in den Augen des Ratsvorsitzenden alle Werkzeuge, auch die jungen Menschen heute noch zu erreichen. Er habe sich intensiver mit der Glücksforschung beschäftigt. Die zentralen Themen in dieser Forschung seien dieselben wie die der Bibel: Vergeben zu lernen, dankbar zu leben, auf soziale Beziehungen zu achten und im Hier und Jetzt zu leben.

Im Zuge des Reformationsjubiläums lobte Bedford-Strohm vor allem die starken Sätze, die im Zusammenhang mit Prominenten wie dem Fußballtrainer Jürgen Klopp, dem Schauspieler Samuel Koch oder der Nachrichtensprecherin Gundula Gause geprägt wurden. So hätten sich diese Sätze und die frohe Botschaft des Evangeliums auch über digitale Kanäle an Menschen verbreitet, die ansonsten nichts davon gehört hätten.

Authentizität allein reicht nicht

Um die jüngeren Menschen in den Sozialen Medien zu erreichen, brauche es vor allem zwei Dinge: „Wir müssen ausstrahlen, was wir sprechen“, sagte Bedford-Strohm. Es sei aber genauso wichtig, dass es eine Übereinstimmung mit einem bestimmten Inhalt gebe. Nur authentisch zu sein, reiche nicht aus. Für die Kirchen müssten beide Aspekte zusammenkommen.

Zum Reformationsjubiläum merkte der EKD-Ratsvorsitzende an, dass dieses besondere Jahr kein abgeschlossenes Ereignis sei: „Wir machen jetzt keinen Punkt, sondern einen Doppelpunkt.“ Die Kirche müsse in Bewegung bleiben und die digitalen Medien zur Selbstverständlichkeit werden lassen. Das funktioniere nur dann, wenn christliche Journalisten authentisch berichteten. Sie hätten eine „ungeheuere Kraft und Verantwortung durch das Wort“.

Größte Erfolge auf den Marktplätzen der Republik

Am erfolgreichsten hätten im Reformationsjahr solche Formate funktioniert, bei denen Kirche auf Marktplätzen, in Museen und Schulen erlebbar gemacht worden sei. Der 31. Oktober des vergangenen Jahres habe der Kirche Rückenwind gegeben.

Der 5. Christliche Medienkongress, auf dem der EKD-Ratsvorsitzende Bedford-Strohm gesprochen hat, fand vom 11. bis 13. Januar in Schwäbisch Gmünd statt. Rund 170 Medienschaffende haben in Seminaren und Diskussionsveranstaltungen im Christlichen Gästezentrum Württemberg darüber beraten, wie die christliche Botschaft wirkungsvoll in den Medien verbreitet werden kann. Zu den Referenten der Fachtagung gehört neben der Redaktionsleiterin Religion und Gesellschaft beim NDR, Anja Würzberg, auch der stellvertretende Chef von bild.de, Daniel Böcking.

Träger des Christlichen Medienkongresses sind die EKD, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), Bibel.TV, ERF Medien, die Stiftung Christliche Medien, die Stiftung Marburger Medien, der Christliche Medienverbund KEP, CFF – Forum für Christen in Film und Fernsehen, das Gütersloher Verlagshaus, der Schönblick und die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Von: Michael Müller

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Sat, 13 Jan 2018 13:35:00 +0100
<![CDATA[Ein Plädoyer für die Sensiblen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/01/13/ein-plaedoyer-fuer-die-sensiblen/ Eine Rezension von Johannes Weil]]> Es ist kein schönes Gefühl, sich in einem vertrauten Umfeld fremd zu fühlen. Debora Sommer kennt dieses Gefühl. Sie gehört zu den Menschen, die als introvertiert gelten. Die Theologin hier stand erst Pfarrfrauschreibt in ihrem Buch „Die leisen Weltveränderer - Von der Stärke introvertierter Christen“ offen und ehrlich über die Vor- und Nachteile dieses Wesenszuges.

Begegnungen mit anderen Menschen kosten sie unglaublich viel Kraft. Die Autorin fühlt sich unsicher, unwohl, überfordert und begrenzt. Trotzdem möchte sie mit ihrem Buch eine Lanze für die Introvertierten brechen. „Introvertiert zu sein ist keine Schande, sondern vielmehr eine wunderbare Gabe, die es zu entdecken und zu entfalten gilt“, schreibt Sommer.

Viel Wertvolles zur Gemeinschaft beitragen

Introvertierte Christen sollen ein Ja zu ihrer Art zu finden. Mit ihrem Buch gibt sie einen Einblick in deren Denk- und Lebensweise. Die Autorin möchte sich um die Zurückhaltenden und Stillen kümmern, „die unglaublich viel Wertvolles zu einer Gemeinschaft beitragen könnten“. Auch die christliche Gemeinde sei für viele von ihnen ein Spannungsfeld.

Sommer verdeutlicht deren Lage mit einem gängigen Bild der Wissenschaft. Extrovertierte Menschen vergleicht sie mit einem Schiff, Introvertierte mit einem U-Boot: „Beide halten ihren eigenen, bevorzugten Lebensraum für den wichtigeren, entscheidenden oder im Extremfall sogar für den einzig richtigen.“ Ängste, Selbstkritik und Selbstzweifel hinderten Introvertierte, ihre innere Stärke zu finden.

Sie rät ihnen, sich aktiv einen Mentor oder Coach zu suchen. Zugleich dürften sie darauf vertrauen, dass Gott die Lebensfäden zusammenführt und sie zu einem festen Strang verbindet: „Bei Gott darf ich unverkrampft und entspannt in seiner Liebe ruhen.“ Viele Probleme Introvertierter seien für andere nicht nachvollziehbar. Deren Verhalten würde oft als Gleichgültigkeit oder Passivität fehlinterpretiert.

Wichtige Nischen zur Regeneration

Schul- und Berufswelt gelten als „Biotop für Extrovertierte“: In Beziehung und Familie seien die Introvertierten auf Annahme, Freiheit, Kompromisse und Unterstützung angewiesen. Auch das Elternsein erweise sich oft als Heraus- und manchmal sogar als Überforderung. Deswegen bräuchten Introvertierte ihre Nischen zur Regeneration.

Vor allem in Megakirchen bestehe die Gefahr, dass Introvertierte untergingen und die Gemeinden verließen. Während sie sich nach Ruhe, Stille und tieferen Gesprächen sehnten, gingen ihre Bedürfnisse dort unter. Sie setzten sich gerne für die Gemeindearbeit ein, auch wenn dies viel Energie kostet. Die Autorin hofft, dass Introvertierte die christlichen Gemeinden durch ihre Stärken prägen können.

Beide Wesenszüge sollten sich gut ergänzen und unterstützen. Extrovertierte dürften Introvertierte aktiv nach ihrer Meinung fragen und aus der Reserve locken. „Es gehört zu den großen Lebensaufgaben introvertierter Christen, dass sie Menschen dienen, statt vor ihnen zu fliehen“, findet Sommer. Introvertierte sollen als besonderes Geschenk Gottes an ihre Gemeinden wahrgenommen werden. Sie seien als „U-Boote" berufen, die Welt zu verändern: nicht mit Taten und Aktionen, sondern in der Stille.

Autorin kehrt ihr Innerstes nach außen

Introvertierte müssten nach und nach ihre Grenzen erweitern. Sie sollten zu ihrer Verletzlichkeit stehen. Menschen mit diesen Wesenszügen müssten lernen, weniger an sich zu zweifeln und sich überzeugter zu vermarkten. Dazu gehöre die innere Selbstfürsorge mit dem entscheidenden Wort „Nein“ und die äußere Selbstfürsorge, indem sie genau auf ihren Körper hören und verantwortlich mit den von Gott erhaltenen Ressourcen umgehen.

Mit dem Buch kehrt die Autorin ihr Innerstes nach außen. Gleichzeitig spürt der Leser auch, dass ihr diese Öffnung gut tut. Ihr Buch endet mit dem Vorsatz, einige Dinge konkret umzusetzen. Der aufmerksame Leser weiß, wie schwer dies Introvertierten fällt. Der Ausflug mit der Familie ist oft eine ebenso große Herausforderung wie das Abo im Fitnessstudio zu verlängern. Sie selbst dankt für das Geschenk des Lebens und dafür, dass der lebendige Gott an ihrer Seite ist. Die Introvertierten lädt sie dazu ein, sich zu vernetzen. Zugleich hält sie praktische Tests und Fragen zum Weiterdenken bereit, auch im Umgang mit dem jeweiligen Gegenüber. Mich hat sie mit diesem Buch sensibilisiert.

Debora Sommer: Die leisen Weltveränderer - Von der Stärke introvertierter Christen. SCM Hänssler, 336 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 9783775158282

Von: Johannes Weil

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Sat, 13 Jan 2018 10:25:00 +0100
<![CDATA[Die Deutschen wollen Kinder – nach wie vor]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/12/die-deutschen-wollen-kinder-nach-wie-vor/ In Deutschland leben deutlich weniger Familien in einem Haushalt als noch vor einem Vierteljahrhundert. Das geht aus Zahlen des Mikrozensus hervor, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch veröffentlicht hat.

Demnach ist die Zahl der „Lebensformen mit Kindern“ zwischen 1991 und 2016 von 13,6 Millionen auf 11,6 Millionen gesunken. Darunter fallen alle Haushalte, in denen mindestens ein lediges Kind lebt. Nicht berücksichtigt wurden also Familien, bei denen die Kinder das Elternhaus schon verlassen haben. Gleichzeitig stieg die Anzahl der „Lebensformen ohne Kinder“ – von 22,4 auf 30,4 Millionen.

Deutsche werden immer später Eltern

Sind Kinder also nicht mehr erwünscht? Sind gar Karrieredruck und gesellschaftliche Rollenbilder der Grund für den Rückgang? Tim Hochgürtel vom Statistischen Bundesamt warnt vor allzu schnellen Schlussfolgerungen. „Dies bedeutet aber keinesfalls einen generellen Abschied von der Elternschaft.“

Der Familienschwund könnte einen simplen Grund haben: Sowohl Frauen als auch Männer werden immer später Eltern. Waren Ende der 1990er noch 29,5 Prozent der 25-jährigen Frauen bereits Mutter, war es 15 Jahre später mit 19,9 Prozent nur noch knapp ein Fünftel.

Besser vergleichbar sind Werte um das 40. Lebensjahr. In diesem Alter haben die meisten Frauen bereits mindestens ein Kind geboren, das zudem immer noch zusammen mit den Eltern im Haushalt lebt. Hier gibt es zwischen den unterschiedlichen Geburtenjahrgängen zwar Unterschiede: 1991 waren um die 80 Prozent der 40-jährigen Frauen Eltern, 2016 waren es aber nur wenige Prozentpunkte weniger. Nach wie vor ist es also für den überwiegenden Teil der Deutschen normal, Kinder zu haben – zumindest irgendwann.

Nur wenige Schlüsse lässt die Statistik über die jüngeren Jahrgänge ab 1980 zu – schließlich haben sie das besonders aussagekräftige 40. Lebensjahr noch nicht erreicht. Klar ist nur, dass sich diese Jahrgänge immer später für Kinder entscheiden.

Insgesamt ist die Geburtenrate in den vergangenen Jahren gestiegen. 2015 waren es 1,5 Kinder pro Frau. Über die Ursachen für den Anstieg sind sich die Forscher noch nicht sicher.

von: Nicolai Franz

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Fri, 12 Jan 2018 15:40:00 +0100
<![CDATA[Heiße Debatte um Jesus Christus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/12/heisse-debatte-um-jesus-christus/ Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger ]]> Ursula Ott hat sich in einem Kommentar für die Abschaffung des Paragrafen 219a ausgesprochen. Ihr Kommentar wäre mit Sicherheit auf weniger Kritik gestoßen, wenn die Chefredakteurin von chrismon ihre These nicht einseitig aus Sicht betroffener Frauen vorgetragen hätte. Sondern wenn sie auch die Opferperspektive, nämlich die der potenziell zu tötenden Kinder, berücksichtigt hätte. Ihre Andeutung, dass bessere Informiertheit bei Frauen zu weniger Abtreibungen führe, hätte auch flankiert werden können durch den Hinweis, dass eine Abschaffung des Werbeverbots möglicherweise das Bewusstsein für das Töten von Kindern senken könnte.

Dies macht Ursula Otts Kommentar für einige zu einem großen Skandal. Gleichzeitig hat Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks Evangelischer Publizistik, recht, wenn er sagt, dass die Definition darüber, was christlich und was unchristlich sei, nicht durch Bots, Kommentare und Rausschmiss-Forderungen erfolgen sollte.

Aber gerade da liegt der Hase im Pfeffer: Was ist denn sonst der Gradmesser, an dem sich Christliches von Unchristlichem unterscheidet? Das ist Jesus Christus.

Es stimmt, die Erkenntnis der Reformation, die Freiheit des Christenmenschen, ist ihr großer Gewinn. Allerdings darf dieses Verständnis nicht gänzlich ins Private, Individualistische aufgelöst werden. Das ist zwar postmodern, aber nicht das Entscheidende.

Der Dialog muss einen überpersönlichen Bezugspunkt haben. Glaube als Beziehung zu Gott ist eben nur dann reformatorischer Glaube, wenn gewährleistet ist, dass der Glaubende mit Gott und nicht nur mit seinem persönlichen Gottesbild kommuniziert. Denn dann wäre es kein Dialog mit Gott, sondern in Wirklichkeit ein Monolog.

Dabei ist das Orientierung geben durch die Amtskirche hilfreich. Als Angebot, nicht als Zwang. Im Mittelpunkt der Argumentation der Reformatoren steht die Bibel. Diese wird aber nicht zur Abwehr kirchlicher Autoritätsansprüche generell eingebracht, sondern nur solcher, die der Bibel widersprechen. Der chrismon-Kommentar wird sicherlich von vielen Lesern aufgrund seiner Positionierung als akzeptierte Verlautbarung der EKD verstanden, auch wenn das gar nicht zutrifft.

Deswegen ist es gut, dass das Thema beim Christlichen Medienkongress diskutiert wird und dass dafür sensibilisiert wird. Und deswegen sind auch die rauen Töne der Veranstalter untereinander als gute und wertschätzende Diskussionen zu verstehen. Oder wie Bollmann formulierte: „Fest verbunden im Auftrag für Jesus Christus!“

Von: Stefanie Ramsperger

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Fri, 12 Jan 2018 15:06:00 +0100
<![CDATA[Das Reformationsjubiläum war super, aber ...]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/12/das-reformationsjubilaeum-war-super-aber/ Das Reformationsjubiläum wurde zwar mit Großveranstaltungen und bekannten Persönlichkeiten medienwirksam gefeiert. Die umfassende Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Reformation fand jenseits des Themenressort Religion aber seltener statt. Das ist die Erkenntnis der Studie des Marktforschungsinstituts aserto, das am Freitag auf dem Christlichen Medienkongress in Schwäbisch Gmünd eine mediale Bilanz zum Reformationsjubiläum gezogen hat.

Auch fiel aserto auf, dass es über das gesamte vergangene Jahr eine umfangreiche Medienberichterstattung zum Reformationsjubiläum gab. Am meisten wurde im Oktober berichtet: aserto zählte 38.218 verschiedene Beiträge im Print- und Online-Bereich. Radio- und TV-Beiträge wurden bei der Studie nicht mit erhoben. Etwa 235.000 Beiträge seien in einem Jahr zum Reformationsjubiläum veröffentlicht worden. Neben dem eigentlichen Jubiläumstag verzeichneten der Deutsche Evangelische Kirchentag in Berlin vom 24. bis 28. Mai und der Reformationstag 2016 die größten Ausschläge nach oben bei der Berichterstattung.

Bei der medialen Wirkung stellt die Studie die bedeutende Position des Evangelischen Pressedienst (epd) heraus. Laut aserto waren die „epd-Meldungen das Fundament der Berichterstattung über das Reformationsjubiläum“. Während epd auf 5.662 Agenturmeldungen kam, steuerte etwa die Katholische Nachrichten-Agentur (kna) 1.116 Meldungen bei. Auf Platz drei folgte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) mit 871 Meldungen.

Zielgruppe bewegte sich in eng abgestecktem Milieu

Doch die Ansprache neuer Zielgruppen, zum Beispiel über die sozialen Netzwerke, sei weniger gelungen. Kirchenfernere Bevölkerungsschichten seien nicht wie erhofft erschlossen worden. aserto-Geschäftsführer Lars Harden sagte am Freitag: „Die mediale Berichterstattung bewegte sich in einem bürgerlichen Milieu, in dem sich christliche Medienschaffende besonders gut auskennen.“ Als Botschafter des Reformationsjubiläums fehlten ihm Persönlichkeiten, die auch „ein bisschen mehr anecken und damit andere Gesellschaftsschichten erreichen“.

Als Fazit hält die Studie fest: Das Reformationsjubiläum habe eine „gestärkte Ökumene“ und eine „starke evangelische Gemeinschaft“ hervorgebracht. Aber ein einheitliches Bild aufgrund der unterschiedlichen Akteure sei nur teilweise geglückt. Harden sprach von einer „unfassbaren Absenderfixierung“, womit er die hohe Anzahl von unterschiedlichen Akteuren meinte, die jeweils ihre eigenen Logos besitzen. Das sei für Außenstehende schwer nachzuvollziehen gewesen. Teilweise hätten sich Veranstaltungen auch gegenseitig die Besucher weggenommen.

Insa: Viel brachliegendes Potenzial für christliche Medienschaffende

Auch das Marktforschungsinstitut Insa Consulere befragte die Deutschen zum Reformationsjubiläum im Dezember 2017. 71 Prozent der Menschen haben demnach den 500. Jahrestag der Reformation wahrgenommen. Durch das Ereignis hätten sich zehn Prozent der Bevölkerung mit Glaubensfragen befasst. Interessant ist, dass in diesem Zusammenhang 17 Prozent der Bevölkerung sagten, dass sie prinzipiell mehr über den christlichen Glauben erfahren wollen. Der Insa-Geschäftsführer Herrmann Binkert sieht darin viel Potenzial, auf das christliche Medienschaffende aufbauen können.

Ein weiteres Ergebnis der Umfragen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten im vergangenen Jahr gemacht wurden: 26 Prozent der Deutschen glauben, dass es keinen Gott gibt. Der größere Anteil, 39 Prozent, widerspricht dieser Aussage. 26 Prozent sind bei dieser Frage noch unentschieden, 9 Prozent enthielten sich. Nach Geschlechtern aufgegliedert, ist der weibliche Anteil, der denkt, es gebe keinen Gott, mit 22 Prozent noch geringer als der Durchschnittswert.

Nach Religionszugehörigkeiten differenziert, widersprechen der Aussage „Ich bin mir sicher, dass es keinen Gott gibt“ am häufigsten die evangelisch-freikirchlichen Bürger mit 59 Prozent. Dicht gefolgt von dem Überbegriff „sonstige Religionen“ (58 Prozent), römisch-katholischen Bürgern (53 Prozent) und evangelisch-landeskirchlichen Bürgern (47 Prozent).

Wie halten es die Deutschen mit der Religion?

46 Prozent aller Deutschen besitzen laut Insa Consulere eine Bibel. Am häufigsten ist das bei evangelisch-landeskirchlichen Menschen (68 Prozent) der Fall. Regelmäßig schauen laut Eigenaussage vor allem evangelisch-freikirchliche Menschen in die Heilige Schrift. Mit 32 Prozent sind das mehr als ein Drittel dieser Menschen. Bei landeskirchlichen Protestanten sind es 7 Prozent. Binkert betonte, dass nur 6 Prozent der Deutschen regelmäßig in der Bibel lesen. Er sieht großen Handlungsbedarf.

Ob sich die Evangelische und die Katholische Kirche vereinigen sollen, ist dem größten Teil der Bevölkerung egal (45 Prozent), nur 20 Prozent wünschen sich das. Aufgegliedert sprechen sich am stärksten römisch-katholische Bürger mit 33 Prozent dafür aus. Mit 27 Prozent Zustimmung folgen die evangelisch-freikirchlichen Bürger. 22 Prozent der evangelisch-landeskirchlichen Bürger halten diese Vereinigung für eine gute Idee. Aber selbst in diesen Konfessionsgruppen überwiegt die „Ist mir egal“-Haltung. Binkert sieht anhand seiner Umfragen vermehrt Aufklärungsbedarf, was die Funktion der Kirche in der Gesellschaft angeht.

Von: Michael Müller

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Fri, 12 Jan 2018 13:08:00 +0100
<![CDATA[Schlagabtausch unter christlichen Journalisten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/01/12/schlagabtausch-unter-christlichen-journalisten/ Heiß her ging es beim Vortrag von Jörg Bollmann, Direktor des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), und der anschließenden Podiumsdiskussion in Schwäbisch Gmünd. Bei seinem Versuch, das Christliche vom Unchristlichen zu trennen, differenzierte Bollmann zwischen vorreformatorischem Verständnis und nachreformatorischen Haltungen. Vor der Reformation habe die Katholische Kirche darüber entschieden, was richtig und was falsch sei. Nach der Reformation habe der Glaube des jeweiligen Landesfürsten eine entscheidende Rolle gespielt, „was ja im reformatorischen Sinne schon ein Fortschritt war. Und was ist nach unserem heutigen Verständnis unchristlich? Wer definiert das im 21. Jahrhundert?“, fragte Bollmann.

Bei seinem Versuch, diese Frage zu klären, nahm Bollmann auf einen in ideaSpektrum erschienenen Kommentar Bezug, der seinerseits als Reaktion auf einen Meinungsbeitrag von chrismon-Chefredakteurin Ursula Ott formuliert wurde. Ott hatte gefordert, den Paragrafen 219a, in dem Werbung für Abtreibungen verboten wird, abzuschaffen. In ihrem Kommentar hatte sie unter anderem argumentiert, dass es für Frauen wichtig sei, sich im Internet über entsprechende Beratungsangebote informieren zu können. Auf die Perspektive der potenziell abzutreibenden Kinder war Kommentatorin Ursula Ott nicht eingegangen. Allerdings hatte sie bessere Informiertheit der Frauen mit einer geringeren Zahl von Abtreibungen in Verbindung gebracht.

Idea hatte daraus geschlussfolgert: „Einen so unsäglichen Kommentar wie den von Chefredakteurin Ott hätte es in einem katholischen Medienhaus niemals gegeben – und wenn, wäre es ihr letzter in dieser Funktion gewesen.“

Bollmann kritisierte diese Schlussfolgerung scharf: „Wenn ich den idea-Kommentar richtig verstanden habe, soll die Definition (was christlich und was unchristlich ist) der jeweiligen Amtskirche vorbehalten sein.“ Richtig sei aus seiner Sicht stattdessen: „Wir dürfen unseren Glauben in stetigen Vergewisserungsprozessen und im stetigen Gebet mit Gott entwickeln. Gern eingebettet in die christliche Gemeinschaft (...), gern auch der Amtskirche.“ Und weiter: „Aber nicht durch Dekret oder Befehl der Amtskirche. Nicht durch Einschüchterung und Entzug des beruflichen Amtes.“

Bollmann argumentierte, dass die Forderung nach Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche nicht zwingend als unchristlich betrachtet werden solle. Dies grenzte er klar von Paragraph 218 ab, in dem es um die Straffreiheit von Schwangerschaftsabbrüchen geht. Stattdessen könne die Sorge dafür, dass Frauen im Zweifel die Möglichkeit hätten, sich zu informieren, wo sie gute Beratung bekommen könnten, durchaus im Sinne christlicher Nächstenliebe interpretiert werden. Neben diesem Thema bezog sich Bollmann auf die Dauerbrenner Sterbehilfe, Familiennachzug und Auslandseinsätze.

Beispiel Familiennachzug: Handle derjenige christlicher, der sich als Befürworter des Familiennachzugs für das menschliche Schicksal von Flüchtlingen einsetze, als derjenige, der politisch für eine Obergrenze eintrete?

Bollmann fordert sachliche Fairness unter christlichen Publizisten

„Wir sind in der evangelischen Publizistik verpflichtet zu einer unabhängigen Berichterstattung über das kirchliche Leben und die christliche Lebenswirklichkeit sowie zu einer kritischen Begleitung kirchlicher Vorgänge“, definierte Bollmann die Aufgabe evangelischer Publizistik. Dazu gehöre auch die kritische Auseinandersetzung um Ursula Otts Kommentar. „Natürlich ist es Aufgabe der evangelischen Publizistik, in dieser Frage um den rechten christlichen Weg zu streiten. Aber bitte in Anerkennung der Freiheitsgrade, die der evangelischen Publizistik im Besonderen durch die Definition im publizistischen Gesamtkonzept und der Presse im Allgemeinen durch die grundgesetzlichen Bestimmungen eingeräumt werden. Und (...) in sachlicher Fairness liebevoll einander zugewandt in der gegenseitigen Achtung, dass alle von uns auf Grundlage ihrer Glaubensüberzeugungen handeln, kommunizieren und kommentieren.“

In diesem Zusammenhang sparte Bollmann auch nicht an dem Seitenhieb, warum sich beispielsweise Journalist Peter Hahne „unlängst lautstark für Meinungs- und Pressefreiheit eingesetzt“ habe, als es um die Finanzierung von idea ging, sich aber nicht positioniert habe, „wenn es um die Forderung nach Entlassung der chrismon-Chefredakteurin“ gehe, die noch dazu derzeit systematisch per Computer-Bot die Server der Kirche beschäftige. „Ist dies kein Anschlag auf die Meinungsfreiheit? Ist die dann zu Ende, wenn – wer auch immer – den Stempel ‚unchristlich‘ auf eine veröffentlichte Meinung platziert? Vorsicht! Das könnte jedem von uns, jedem Produkt der evangelischen Publizistik passieren. So kommen wir ganz nah ran an Zensur.“

In der anschließenden Podiumsdiskussion reagierte der ehemalige Leiter von idea, Helmut Matthies, auf Bollmanns Kritik mit Entrüstung: „Wenn die Chefredakteurin des einflussreichsten Organs der EKD in einer fundamentalen Frage der Meinung der EKD widerspricht, dann ist das für mich ein Thema der Amtsführung.“ Und weiter: „Nicht die Kirche entscheidet, was christlich ist und was nicht, sondern Jesus Christus selbst.“

Von: Stefanie Ramsperger

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Fri, 12 Jan 2018 12:47:00 +0100
<![CDATA[Komik, die das Leben kosten kann]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/12/komik-die-das-leben-kosten-kann/ Ein Kommentar von Anna Lutz]]> Das war sicher lustig beim Kasseler Verwaltungsgericht. Als ein Dolmetscher bei einem Asylverfahren, in dem es um die Aufenthaltsgenehmigung eines christlichen Konvertiten aus dem Iran ging, dessen Aussagen zu (Martin) Luther und dem Matthäus(-Evangelium) nicht richtig verstand und annahm, der Iraner spreche von der Fußball-Legende Lothar Matthäus. Zugetragen hat sich die Posse laut Nachrichtenagentur AFP am vergangenen Dienstag. Demnach hatte der Richter den Asylsuchenden zu seinem neuen christlichen Glauben befragt und wollte wissen, was am Sonntag in seiner Kirche gepredigt worden sei. „Von Lothar Matthäus“, antwortete der Übersetzer. Die Folge war Gelächter im Saal und eine schlagfertige Nachfrage des Richters, ob Matthäus denn nun eine neue Trainerstelle habe.

Das Schmunzeln vergeht einem freilich schnell, wenn man sich vor Augen führt, was hier tatsächlich geschehen ist und nach Angaben von Insidern immer wieder bei Anhörungen Geflüchteter, die sich aufgrund ihres Glaubens in ihrer Heimat als verfolgt sehen, passiert: Letztere sollen, so will es das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), die Echtheit ihrer Glaubensüberzeugung belegen. Etwa dadurch, dass sie Bibelstellen nennen, die ihnen etwas bedeuten, indem sie glaubhaft von ihrem letzten Kirchenbesuch berichten oder indem sie zu erkennen geben, dass sie sich schon einmal mit historischen Persönlichkeiten des Christentums beschäftigt haben.

Kritiker dieses Verfahrens wie Margot Käßmann nennen das Glaubensprüfung. Das BAMF selbst verwies in einem pro-Interview darauf, nicht der Glaube werde geprüft, sondern die Behörde versuche herauszufinden, wie intensiv der Betreffende seine Überzeugung in seiner Heimat denn auch ausleben werde, sollte er zurückkehren. Davon hänge ab, ob eine tatsächliche Gefahr für ihn bestehe und er deshalb in Deutschland bleiben dürfe. Ein Glaubensauslebungstest also. Oder so ähnlich.

Kein Einzelfall

Die Tatsache, dass das BAMF trotz anhaltender Kritik vonseiten der Kirchen und aus der Politik nicht von der Praxis solcher Befragungen abrückt, ist schon schlimm genug. Dass es bei Anhörungen, seien sie vor Gericht oder bei der Behörde selbst, zu Übersetzungsfehlern wie dem um Lothar Matthäus kommen kann, ist ein unhaltbarer Zustand. Denn die Verwechslung von Fußballer und Evangelisten ist bei weitem kein Einzelfall. Seit Jahren berichtet etwa der Berliner Pfarrer Gottfried Martens von haarsträubenden Wissenslücken bei Befragern und Übersetzern, was den christlichen Glauben angeht. Dabei sollen gerade sie prüfen, ob selbiger denn aufrichtig gelebt wird.

Martens Evangelisch-Lutherische Dreieinigkeitskirche betreut und tauft seit Jahren Flüchtlinge. Der Pfarrer begleitet sie zu Anhörungen des BAMF und während des Asylverfahrens. pro hat er bereits im vergangenen Jahr eine Sammlung der absurdesten Fragen durch die Behörde zur Verfügung gestellt. Einige Zitate aus seinen Aufzeichnungen:

  • „Die Bibel ist auch im Islam eine heilige Schrift und frei erhältlich; warum versuchten Sie nie, sich eine zu kaufen?“

  • „Was ist die weltliche Hauptstadt des christlichen Glaubens?“

  • „Kennen Sie die Namen der Söhne aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn?“

  • „Martin Luther ist eine wichtige Person im Evangelium. Was wissen Sie über ihn?“

  • „Was steht Ostern in der Kirche auf dem Tisch?"

„Völlig inkompetente Übersetzer"

Auch auf die Unkenntnis der Übersetzer in Fragen des christlichen Glaubens weist Martens in seinen Aufzeichnungen immer wieder hin. So habe einer seiner Schützlinge etwa das Vaterunser vorbeten sollen. Die deutsche Übersetzung des Gesagten klang laut Protokoll so: „Oh du Vater im Himmel, deine Engel legen es fest. Sie kommen ins Erdreich. Nimm unsere Gebete entgegen. Gib uns Brot.“ Martens selbst benennt unter anderem zwei Probleme bei den Anhörungen des BAMF: Die Anhörer selbst hätten keine Ahnung vom christlichen Glauben und die Dolmetscher seien „völlig inkompetent“.

Diese Protokolle veröffentlichte Martens im Jahr 2016. Nun schreiben wir 2018. Zwei Jahre und einige Skandale um das BAMF später bleiben die Probleme für aus Glaubensgründen Geflüchtete in Deutschland dieselben: Sie müssen die Wahrhaftigkeit ihres Bekenntnisses durch Wissensfragen zum Glauben belegen, die zum Teil noch nicht einmal Sinn ergeben. Diejenigen, die über Asyl oder Abschiebung entscheiden oder in solchen Verfahren mitwirken, kennen sich mit der Materie, die sie abfragen, nicht aus. So kommt es zu Anekdoten wie der von Lothar Matthäus. Der Mann, um den es bei diesem Verfahren ging, soll Medienberichten zufolge wohl dennoch Asyl erhalten. Anderen ergeht es schlechter. Für vom Islam konvertierte Christen, die etwa in den Iran abgeschoben werden, kann eine solche Entscheidung lange Haftstrafen oder gar ein Todesurteil bedeuten. Da sollte den Prozessbeteiligten in Kassel und auch den Verantwortlichen beim BAMF das Lachen im Halse stecken bleiben.

Von: Anna Lutz

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Fri, 12 Jan 2018 12:30:00 +0100
<![CDATA[Hoffentlich Allianz versichert]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/12/hoffentlich-allianz-versichert/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> „Geht es denn der Versicherung so schlecht, dass man schon für sie beten muss?“ Ich hatte einem nicht so ganz religiös sprachfähigen Freund erzählt, dass ich mich gerade auf eine Predigt zur Eröffnung der Allianzgebetswoche vorbereite.

Nein, nicht diese Allianz. Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA). „Muss man die kennen? Was machen die so?“ „Die kümmern sich um die Einheit der Christen und ums Gebet.“ Der Satz war draußen, ich hatte meine Ruhe. Der ahnungslose Frager war bedient und zog von dannen. Aber dann hatte ich ein Problem. Was hatte ich da gesagt? Die Deutsche Evangelische Allianz stehe für Einheit der Christen? Wie werden wir tatsächlich wahrgenommen?

Als Mitglied des Hauptvorstands der DEA stelle ich fest, dass wir im zurückliegenden Jahr eher mit unserer Vielfalt alle Hände voll zu tun hatten. Und da habe ich gelernt, dass die Vielfalt nicht der Feind der Einheit ist, sondern ihr Verbündeter. Biblisch begründete Einheit ist der ständige Versuch, die produktive Meinungspluralität in theologischen und gesellschaftlichen Fragen so zu ordnen, dass sie dem Ganzen dienen, als das, „was Christum treibet“ (Martin Luther). Und das in einem Stil, in dem „ein jeder dem anderen mit Ehrerbietung zuvor kommt“. Im Gebet wird die zuweilen entfesselte Dynamik der Vielfalt so gezähmt, dass sie dienstbar und fruchtbar wird.

Eine zeitlose Initiative

Ich will mich auf keine Seite schlagen, sondern vermittelnd das Gemeinsame suchen. Was interessiert mich, wer zu welchem Netzwerk gehört? Man kommt ja kaum noch hinterher, sich für oder gegen eine Initiative zu entscheiden. Hier noch eine Petition gegen etwas, da eine Kampagne für etwas. Nun noch ein Missionsmanifest mit Thesen zum Comeback der Kirche. Na klar bin ich dafür. Wo soll ich unterschreiben? Die Kampagne „Zeit zum Aufstehen“ war breit aufgestellt und ist zum Ende des Reformationsjubiläums mit 20.000 Unterschriften in aller Stille beendet worden. Die Thesen waren ein deutliches Bekenntnis, aber zu was habe ich mich mit meiner Unterschrift nachhaltig verpflichtet?

Gibt es nicht eine zeitlose Initiative, wo ich nichts versprechen muss und wo es nicht um steile Thesen geht und wo ich mich von nichts distanzieren muss?

Doch, gibt es. Ich gehe seit meiner Kindheit zur Allianzgebetswoche. Leute, die miteinander beten, bekämpfen sich nicht, stoßen sich nicht gegenseitig vom Sockel, beschädigen sich nicht öffentlich. Wo sich zwei oder drei im Gebet vor Gott einig werden, da wird die Hackordnung der frommen Eitelkeiten außer Kraft gesetzt. In einer Gebetsgemeinschaft kann sich keiner profilieren. Beten eint. Lutheraner und Reformierte, Baptisten und Methodisten, Freikirchler und hier und da sogar Katholiken zusammen in der Gegenwart Gottes. Wer diese Disziplin im Januar im Stillen und Kleinen geübt hat, kann das Jahr über nicht gegen Glaubensgeschwister verbal randalieren. Das ist es, was ich an der Allianzgebetswoche so schätze. Im gemeinsamen Gebet verlieren die Differenzen ihre Macht (nicht ihre Bedeutung!). Die Mühe um Einheit der Christen ist kein Schwächeanfall der Kirche, sondern ein Attest ihrer Vitalität.

Eine Chance für die Einheit

Das ist kein frömmelndes Kaffeekränzchen, wo am Ende einer sagt „Du mr noch bäde!“ und dann nicht zum AMEN findet. Das kirchenüberschreitende gemeinsame Gebet ist eine anspruchsvolle Leibesübung zur Einheit des Leibes Christi. Getrennt überzeugen wir nicht.

Was wäre das für ein Befreiungsschlag gegen alle verhärteten Fronten, wenn wir die Allianzgebetswoche als Modell der Einheit in Christus erleben würden. Und das nicht erst im Himmel. Die Hölle würde in Depressionen versinken, weil wir uns auf den besinnen, der uns vereint: Jesus Christus. Wenn die Mitte stimmt, kann man an den Rändern tolerant sein. Wenn die Mitte nicht stimmt, muss man an den Rändern kämpfen. Allerdings haben wir Evangelischen zur Bestimmung der Mitte aus gutem Grund kein zentrales Lehramt. Wer das will, muss nach Rom emigrieren, um seine Ruhe zu haben. Der Diskurs um die Mitte (Christus, Gnade, Schrift und Glaube) bleibt uns als Gabe und Aufgabe erhalten. Wenn das in der Sache und im Ton fair abgeht, bekommt die Einheit eine Chance.

In der Allianzgebetswoche treten alle Differenzen zwischen den Kirchen für eine Woche in den Hintergrund. Es wird gebetet. Zeit zum Beten ist umkämpfte Zeit. Gehen wir weise damit um. Es steckt so viel Verheißung drin.

Von: Jürgen Mette

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Fri, 12 Jan 2018 12:21:00 +0100
<![CDATA[Neuer Ratgeber: Hilfe für „unperfekte Eltern“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2018/01/12/neuer-ratgeber-hilfe-fuer-unperfekte-eltern/ Eine Rezension von Jonathan Steinert]]> Der Untertitel von „Frei erziehen – Halt geben“ nimmt Vätern und Müttern den Druck, den sie sich vielleicht selber machen oder von außen verspüren: Das Buch will ein Ratgeber für „unperfekte Eltern“ sein, ihre Kinder christlich zu erziehen. Darin schließen sich die Herausgeber und Autoren selbst mit ein. „Es gibt nicht immer den goldenen und schon gar nicht den einfachen Weg in der Erziehung“, schreiben die Herausgeber Tobias Künkler, Tobias Faix und Damaris Müller von der CVJM-Hochschule in Kassel. Das Buch knüpft an eine großangelegte Familienstudie von Künkler und Faix an. Darin untersuchten sie, wie christliche Familien ihr Familienleben heute gestalten, welche Werte ihnen in der Erziehung wichtig sind und vor welchen Fragen sie stehen.

Das nun vorliegende Buch ist weniger ein Ratgeber im Stil eines Lehrbuchs à la „So erziehen Sie Ihr Kind zum christlichen Glauben“. Sondern, und das macht es sehr authentisch und anregend, hier thematisieren verschiedene Autoren, die selbst Eltern sind und fachlich zumeist einen theologischen oder pädagogischen Hintergrund haben, Fragen der christlichen Erziehung – und das zum Teil sehr persönlich anhand eigener Erfahrungen. Dabei geht es ausführlich um Spannungsfelder etwa zwischen dem Glauben der Eltern und dem der Kinder, zwischen Grenzen setzen und mitbestimmen lassen, und dem eigenen Glauben im Kontext der pluralistischen Gesellschaft.

Erziehung als Beziehung

Die Beiträge sind jeweils nur wenige Seiten lang und gehen daher inhaltlich auch nicht so in die Tiefe, wie es manche Fragestellungen nötig hätten. So appelliert etwa das Kapitel über digitale Medien an Eltern, sich selbst mit den technischen Möglichkeiten und Funktionen von Smartphones und sozialen Netzwerken zu befassen und viel mit den Kindern zu sprechen, bleibt aber sonst recht allgemein. Andere Kapitel bieten konkrete Tipps für die Praxis, etwa zum Umgang mit christlichen Ritualen. Das Buch gibt viele interessante Anregungen, eigene Vorstellungen vom Glauben und Erziehungsstile zu diskutieren und zu hinterfragen, etwa wie sinnvoll Lob und Strafen sind und ob es alternative Erziehungsmittel gibt. Es sind Vor- und Ratschläge für Eltern, pädagogisch fundiert und theologisch untermauert. Für ein Praxisbuch, als das es sich ausweist, hätte es an manchen Stellen aber noch mehr Praxis sein dürfen.

Die Herausgeber verweisen öfter auf Ergebnisse aus ihrer Familienstudie. Eines davon ist, „dass sich der allgemeine Erziehungsstilwandel relativ stark auf die christliche Erziehung niedergeschlagen hat“: hin zu einer „warmen und demokratischen Erziehung“, die das Kind als Persönlichkeit und in seinen Bedürfnissen ernstnimmt. Die Auffassung von Erziehung als Beziehung liegt den verschiedenen Beiträgen des Buches zu Grunde. „Entscheidend ist nicht die Methode, die ich anwende, entscheidend ist, wie ich die Beziehung zu meinem Kind gestalte und lebe und welche Beziehung zu mir selbst ich meinem Kind vorlebe.“ So sei auch die Erziehung im und zum christlichen Glauben nicht in erster Linie eine Vermittlung von Wissen sondern von einer Haltung, einer Beziehung. Daher ist „vorleben“ auch ein zentrales Stichwort in diesem Ratgeber – der Eltern auf diese Weise von dem Druck entlastet, dass sie für das Seelenheil ihrer Kinder verantwortlich seien.

Von: Jonathan Steinert

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Fri, 12 Jan 2018 11:15:00 +0100
<![CDATA[Diakonie fordert: AfD-Wählern zuhören]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/11/diakonie-fordert-afd-waehlern-zuhoeren/ „Unerhört! Diese Obdachlosen!", steht auf dem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Plakat der Diakonie Deutschland. Es soll nur eines von vielen Motiven sein, die im Laufe der kommenden drei Jahre nach und nach veröffentlicht werden und auf diejenigen aufmerksam machen sollen, die nach Meinung der Diakonie in der Gesellschaft zu selten gehört werden. Um Flüchtlinge geht es zum Auftakt ebenfalls, Homosexuelle, Hartz IV-Empfänger oder auch alte Menschen sollen zum Thema werden – und bald auch AfD-Wähler. Das verrieten die Verantwortlichen am Donnerstag auf Nachfrage von pro.

„Mit AfD-Wählern ins Gespräch kommen"

„Wir verstehen AfD-Wähler zum großen Teil als Protestwähler", erklärte dazu Diakoniesprecher Stephan Röger. Wer seinem Unmut derart Ausdruck verleihe, gehöre ebenfalls zu den „Unerhörten", auf die das Diakonische Werk aufmerksam machen wolle. „Ziel der Kampagne ist es, ins Gespräch zu kommen", betonte Röger. Man wolle von den AfD-Wählern wissen, wo ihrer Meinung nach die Probleme im Land liegen. „Miteinander reden, statt übereinander", sagte Röger. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie teilte dazu bereits am Mittwoch mit, er sehe in der ganzen Gesellschaft einen Bedarf, einander stärker zuzuhören. „Und das bedeutet ausdrücklich nicht immer nur Zustimmung, sondern auch, den Weg eines strittigen Diskurses zu gehen", erklärte er.

Dabei schließt die Diakonie nicht aus, dass sich der ein oder andere AfD-Wähler durch ein solches Plakat auch provoziert fühlen wird. Man rechne mit kontroversen Diskussionen und scheue sie nicht, heißt es dazu. Erst im Dezember gerieten AfD und eine Einrichtung der Diakonie aneinander. Wie die Bildzeitung damals berichtete, wollte der AfD-Abgeordnete Anton Friesen dem evangelischen Diakoniewerk Sonneberg 100 Euro für die dortige Tafel zukommen lassen – die Protestanten lehnten ab. „Das Menschenbild von Diakonie und Kirche ist nicht mit dem der AfD vereinbar und wir möchten uns klar davon abgrenzen“, erklärte die Einrichtung in Sonneberg damals zur Begründung.

Kein Zusammenhang mit abgelehnter Spende

Dafür gab es Lob, etwa von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Kritische Stimmen kamen von Diakoniepräsident Ulrich Lilie oder auch von DDR-Bürgerrechtler Rainer Eppelmann. Zur aktuellen Kampagne stellt Röger klar, es gebe keinen Zusammenhang zu diesem Fall: „Die Motive standen damals schon fest."

Von: Anna Lutz

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Thu, 11 Jan 2018 15:24:00 +0100
<![CDATA[Menschenrechtler kritisieren Ökumenischen Rat]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/menschenrechtler-kritisieren-oekumenischen-rat/ Die Kritik am Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) durch die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ ist deutlich: Das aus verschiedenen Kirchen zusammengesetzte internationale Gremium ignoriere die Christenverfolgung in China, teilten die Menschenrechtler am Mittwoch mit. Der norwegische ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit, der sich derzeit im Land aufhält, habe keinen Kontakt zu nicht offiziell anerkannten kirchlichen Stellen aufgenommen. Stattdessen huldige er der chinesischen Regierung, „während zeitgleich von den Behörden Kirchen niedergerissen und protestierende Gläubige unter Hausarrest gestellt werden", erklärte die Organisation.

Evangelikale Megakirche zerstört

Traurige Aktualität erhält der Vorwurf durch die Zerstörung einer chinesischen Megakirche im Norden des Landes. Wie die New York Times am Donnerstag berichtete, haben Polizeikräfte die „Golden Lampstand Church" in der Stadt Linfen im wahrsten Sinne in die Luft gesprengt. Die Kirche zählt mehr als 50.000 Mitglieder. Vorangegangen waren Auseinandersetzungen zwischen den Christen und der regierenden Kommunistischen Partei. Offenbar wurde das Kirchengebäude im Wert von drei Millionen US-Dollar durch Sprengstoff in Trümmer gelegt. Bereits im Eröffnungsjahr 2009 war es Medienberichten zufolge zu einem Übergriff der Polizei auf die Gläubigen gekommen. Mehrere Kirchenleiter waren danach zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Auch die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ verweist auf den jüngsten Übergriff. „Für den ÖRK-Generalsekretär scheint diese Verfolgung kein Problem zu sein", erklärte der Direktor der Organisation, Ulrich Delius, und weiter: „Chinas Christen ist nur mit deutlichen Worten geholfen, die die Machthaber der Volksrepublik an die verfassungsrechtlich garantierten Rechte der Gläubigen erinnern.“

Ökumenischer Rat reagiert zurückhaltend

Laut dem christlichen Hilfswerk Open Doors, das sich gegen Christenverfolgung stark macht, stehen in China besonders Christen kleinerer Hauskirchen unter Druck. Die Behörden legten es darauf an, Kirchen zu kontrollieren. Dabei ist zwischen offiziell registrierten und nichtregistrierten Kirchen zu unterscheiden. Hauskirchen würden etwa immer wieder bedrängt, der vom Staat kontrollierten „Drei-Selbst-Kirche" beizutreten, so Open Doors in seinem am Mittwoch erschienenen jährlichen Bericht. „Die Hauptlast der Verfolgung liegt auf den kleinen Minderheiten von Christen mit muslimischer oder buddhistischer Herkunft", heißt es dort.

Auf Anfrage von pro bestätigte der Ökumenische Rat der Kirchen den Aufenthalt des Generalsekretärs in China. Auf die Kritik, er vernachlässige die dortigen verfolgten Glaubensgeschwister, reagierte die Pressestelle schriftlich. Die Reise diene lediglich dem Zweck eines Besuchs der ÖRK-Mitgliedskirche vor Ort: „Unsere Arbeit tun wir in Verbindung mit ihr. Das ist der Hauptfokus dieses Besuchs." Der Ökumenische Rat ist ein weltweiter Zusammenschluss hunderter Kirchen. Sein Hauptsitz liegt in Genf. In Deutschland sind ihm unter anderem alle Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland angeschlossen sowie die Vereinigung der Deutschen Mennonitengemeinden, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und das Katholische Bistum der Alt-Katholiken.

Von: Anna Lutz

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Thu, 11 Jan 2018 15:14:00 +0100
<![CDATA[Beauftragter für Religionsfreiheit gefordert]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/11/beauftragter-fuer-religionsfreiheit-gefordert/ Die neue Bundesregierung sollte einen Beauftragten für Religionsfreiheit ernennen. Das fordert die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). In einer Mitteilung vom Mittwoch bekräftigte die Organisation das Anliegen, das sie bereits länger verfolgt. Sie betonte, religiöser Extremismus wie auch Spannungen zwischen Religionsgruppen „verursachen oder verschärfen weltweit Diskriminierung, Gewalt und zum Teil schwerste Menschenrechtsverletzungen an Minderheiten“. Das seien wesentliche Gründe für Elend und Flucht von Millionen Menschen, etwa aus Myanmar, dem Iran, Pakistan und Eritrea. Ein Beauftragter für Religionsfreiheit könne wichtige Impulse für religiöse Toleranz geben. Das könne zudem dabei helfen, Fluchtursachen zu beseitigen.

Auch die Deutsche Evangelische Allianz fordert einen Beauftragten für Religionsfreiheit. „Die Außenpolitik Deutschlands muss das Thema Religionsfreiheit zum Hauptthema in den politischen Kontakten machen. Verfolgung von Christen ist eine nicht hinnehmbare Menschenrechtsverletzung, die thematisiert werden muss, auch im Bereich zwischenstaatlicher Hilfen“, betonte Generalsekretär Hartmut Steeb in einer Reaktion auf den aktuellen Weltverfolgungsindex des Hilfswerkes Open Doors. Auch Kirchen und Gemeinden sollten sich stärker für Verfolgte engagieren. Es sei „katastrophal, dass Verfolgung nicht auf Einzelfälle beschränkt ist, sondern Massen von Menschen und ganze Gesellschaften erfasst“. Steeb forderte außerdem einen Abschiebestopp von christlichen Flüchtlingen aus Deutschland in Staaten, in denen Christen unterdrückt werden.

Kauder will Gründe für Konversion im Asylverfahren überprüfen

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte wünscht sich „besseres Fingerspitzengefühl“ im Umgang mit religiösen Menschen. Das Leid unterdrückter religiöser Minderheiten verdiene mehr Aufmerksamkeit auf politischer Ebene. Die Ursachen von Konflikten und Verfolgung seien vielschichtig. „Auffällig ist aber, dass Islamisten im Mittleren Osten und Nordafrika nach wie vor Religion missbrauchen und Menschen bedrohen, wenn diese nicht den ‚rechten Glauben‘ haben.“

Hirte leitet den Stephanuskreis innerhalb der Unionsfraktion, ein überkonfessionelles Gesprächsforum für Toleranz und Religionsfreiheit, das sich insbesondere für verfolgte Christen einsetzt. Im neuen Bundestag hat sich der Kreis noch nicht konstituiert. Hirte kündigte an, auch EU-Abgeordnete mit in das Forum aufzunehmen. Zudem hofft auch er auf die Unterstützung seitens eines Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit auf Regierungsebene. Die Forderung hatte die Union auch ins Wahlprogramm für die vergangene Bundestagswahl aufgenommen.

Der Fraktionsvorsitzende, Volker Kauder, bekräftigte dies am Mittwoch ebenfalls. Mit Blick auf die Abschiebepraxis von konvertierten Flüchtlingen sagte Kauder, dass zwar geprüft werden müsse, ob im Heimatland Verfolgung drohe. „Dabei muss aber auch untersucht werden, ob ein Religionsübertritt unter Umständen nur zum Schein erfolgt ist.“ Das Recht müsse „ohne Wenn und Aber“ eingehalten werden. Dies gelte für Christen wie für Muslime oder Angehörige anderer Religionen.

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 11 Jan 2018 14:39:00 +0100
<![CDATA[Warum Protestanten Johannes Hartl danken können]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/11/warum-protestanten-johannes-hartl-danken-koennen/ Ein Kommentar von Moritz Breckner]]> Wenn der katholische Theologe Johannes Hartl zur „Mehr“-Konferenz seines Gebetshauses nach Augsburg einlädt, folgen tausende evangelische und evangelikale Protestanten diesem Ruf. Sie singen und beten gemeinsam mit den Katholiken, sie lauschen den Vorträgen katholischer und evangelischer Redner. Bei kaum einer anderen Gelegenheit wird die Ökumene der Gläubigen so greifbar gelebt wie auf der „Mehr“ – soweit eben möglich. Abendmahl und Eucharistie finden getrennt statt, und das ist auch gut so.

Welche Gruppen die Bewegung um Hartl mehrheitlich gut oder schlecht finden, wird schnell unübersichtlich. Positive Worte kommen vom Bistum Augsburg und erstaunlicherweise von konservativen katholischen Medien, außerdem von der Deutschen Evangelischen Allianz, von teils charismatischen Freikirchlern sowie Evangelikalen in den Landeskirchen. Kritik gibt es von jenen Katholiken und Evangelikalen, die die Ökumene ablehnen. Auf Twitter meldeten sich Stimmen, die in der römisch-katholischen die einzig wahre Kirche sehen. Auf der anderen Seite warnt der evangelikale Bibelbund vor den Sonderlehren der Katholischen Kirche, in die Hartl alle Christen führen wolle.

Hartl spricht klarer als manch Evangelikaler

Die Vorträge von Hartl haben auf der diesjährigen „Mehr“ erneut eine Theologie vermittelt, die auch für evangelische und evangelikale Christen lehrreich, hilfreich und glaubensstärkend ist. Hartls Schwerpunkte sind nicht Marienverehrung oder die Unfehlbarkeit des Papstes, es geht ihm um leidenschaftliche Jüngerschaft und das Heil, das nur im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus zu finden ist. Intellektuell brillant wie nur wenige andere Zeitgenossen predigt Hartl ein Festhalten an der absoluten Wahrheit in einer postmodernen Welt, in der bereits der Begriff der Wahrheit zum Anstoß wird. Der katholische Charismatiker verteidigt das Christentum als alleinigen Heilsweg und die biblische Ethik mit einer Klarheit, wie sie auch in vermeintlich evangelikalen Gemeinden, Werken und Ausbildungsstätten längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Dafür verdient Hartl Dank von Christen aller Konfessionen. Das bedeutet mitnichten, dass Protestanten und Katholiken die Grenzen zwischen den Konfessionen leugnen oder kleinreden sollten. Aus protestantischer Sicht gesprochen: Kritische Fragen an katholische Lehren und Institutionen haben nach wie vor ihre Berechtigung, solche Fragen sollten nicht als die Nörgelei irgendwelcher Auf-die-Bremse-Treter abgetan werden. Aber: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, sagt Jesus in der Bergpredigt. Hartl und das Gebetshaus Augsburg führen Menschen zum christlichen Glauben und festigen Tausende darin. Diese Früchte sind erkennbar, und sie sind ein Grund zur Freude.

Von: Moritz Breckner

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Thu, 11 Jan 2018 08:44:00 +0100
<![CDATA[„Der indische Staat muss Verfolgte schützen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/01/10/der-indische-staat-muss-verfolgte-schuetzen/ pro: Ihr Fraktionsvorsitzender Volker Kauder kündigte im Dezember an, von der Bundesregierung einen neuen Bericht zur Lage der Religionsfreiheit weltweit zu verlangen und in diesem Jahr auch eine Debatte im Deutschen Bundestag dazu zu führen. Was bringt es unterdrückten Christen im Nahen Osten, wenn deutsche Politiker über Religionsfreiheit debattieren?

Christian Hirte: Weltweit nehmen religiöse Spannungen zu. Vor allem in den autokratischen Regimen im Nahen und Mittleren Osten; auch in Indien und Myanmar; wir haben etliche Probleme in Osteuropa, in China. Deshalb tun wir gut daran, intensiv darüber nachzudenken, wie wir zur Deeskalation beitragen können. Wir sind ein Land, das ökonomisch und politisch in der Lage ist, Einfluss zu nehmen. Diesen müssen wir nutzbar machen, um denjenigen zu helfen, die in anderen Ländern unter Verfolgung leiden – indem wir dort darauf hinweisen, dass die universalen Menschenrechte, zu denen Religionsfreiheit gehört, aus unserer Sicht geschützt werden müssen.

Sie sind auch Mitglied der deutsch-indischen Parlamentariergruppe. Wie nehmen Sie die Situation der Christen in Indien wahr?

Es gibt definitiv Probleme. Das Besondere in Indien ist, dass die Verfolgung nicht vom Staat ausgeht, sondern von der Bevölkerung. Indien ist eine stabile, etablierte Demokratie, die für sich den Anspruch hat, rechtsstaatlichen Grundsätzen zu entsprechen. An genau diesen Maßstäben muss es sich messen lassen. Gerade weil Indien eine Demokratie ist und eine Verfassung hat, in der Religionsfreiheit geschützt ist, muss es dafür sorgen, dass die staatlichen Institutionen effizient die Verfolgten schützen, wenn es aus der Bevölkerung heraus zu Übergriffen kommt. Das trifft nicht nur Christen, sondern auch Muslime. Ich habe im Übrigen den Eindruck, dass Muslime aufgrund der Geschichte sogar noch stärker unter Druck sind.

Seit 2014 stellt die Partei Bharatiya Janata Party (BJP) die Regierung und die Parlamentsmehrheit. Die Partei ist der politische Arm der hindu-nationalistischen Bewegung. Das christliche Hilfswerk Open Doors beobachtet, dass sich seitdem die Situation der Christen verschlechtert. Hat der Staat also doch etwas mit der Verfolgung zu tun?

Mein Eindruck ist eher, dass es Strömungen innerhalb der BJP gibt, die nicht unproblematisch sind, etwa die RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh, „Nationale Freiwilligenorganisation“, Anm. d. Red.), die tatsächlich etwas hindu-nationalistisch ausgerichtet ist. Das eigentliche Problem ist, dass man nicht effizient staatliche Strukturen nutzt, um in Verfolgungssituationen Einhalt zu gebieten. Indien hat ein Justizsystem, das auf der höchsten staatlichen Ebene allerhöchsten Ansprüchen genügt. Allerdings gibt es bei unteren staatlichen Behörden und Gerichten auf lokaler Ebene große Schwierigkeiten. Das indische Justizsystem ist in der Fläche des Landes ineffizient und korruptionsanfällig. Das ist übrigens nicht nur ein Problem bei der Christenverfolgung, sondern ich nehme das auch durch Hinweise aus der Wirtschaft wahr. Zur Wahrheit gehört, dass Indien, auch wenn es die größte Demokratie der Welt ist, in vielen Bereichen noch ein Dritte-Welt-Land ist. Die eigentlich große Herausforderung für Indien ist es, den Rechtsstaat in der Fläche des Landes mit 1,3 Milliarden Einwohnern bei extremer Heterogenität zu gewährleisten.

Inwiefern thematisieren Sie dieses Problem innerhalb der Parlamentariergruppe und im Austausch mit den indischen Kollegen?

Ich habe in den vergangenen Jahren einige Vertreter der indischen Politik kennengelernt. Manche von ihnen habe ich so häufig getroffen, dass ich ihnen gegenüber auch offen solche Themen ansprechen kann. Sie sagen auch, dass es Probleme gibt, aber manches sehen sie natürlich anders. Sie sagen etwa, dass der Hindu-Nationalismus kein allgemeines Problem des Staates oder der BJP sei. In den Berichten von Open Doors, der Evangelischen und Katholischen Kirche sieht das etwas anders aus.

Hatte es konkrete politische Konsequenzen, dass Sie die Probleme bei der Religionsfreiheit angesprochen haben?

Es ist unsere Aufgabe als Politiker in Deutschland, solche Themen anzusprechen, damit den Politikern dort klar und bewusst ist, dass sie international bei diesen Fragen beobachtet werden. Ob das konkret sofort hilft, kann ich nicht sagen. Da muss man schauen, wie es sich entwickelt. Der jetzige Premierminister Narendra Modi war zum Beispiel international sehr umstritten. 2002 gab es im Bundesstaat Gujarat gewalttätige Ausschreitungen gegen Muslime mit über 1.000 Toten. Aus Sicht vieler internationaler Beobachter ist Modi in seiner damaligen Funktion als Chefminister (Regierungschef des Bundesstaates, Anm. d. Red.) zu wenig eingeschritten, um das zu unterbinden und nachher die Täter vernünftig und effektiv abzuurteilen. Er stand deshalb auf der Liste derjenigen indischen Politiker, die nicht in die USA einreisen durften.

Wie bewerten Sie Modi jetzt in seinem Amt als Premierminister?

Mein Eindruck ist, dass das Hindu-Nationale eine deutlich untergeordnete Rolle spielt hinter der gesellschaftlichen Modernisierung des Landes. Es ist klar erkennbar, dass die Agenda von Modi eher darauf gerichtet ist, das Land ökonomisch, infrastrukturell und unter dem Gesichtspunkt der Bildung voranzubringen. Es ist nur ein Teilaspekt seiner Politik, die gesellschaftliche, kulturelle Identität in den Blick zu nehmen. Der Schwerpunkt von Modi ist nach meiner bisherigen Einschätzung eher wirtschaftlich-progressiv.

Im November haben Sie zusammen mit Nalin Kohli, Sprecher der BJP und Anwalt am Höchsten Gericht, ein indisch-deutsches Bündnis zur Kooperation in Rechtsfragen ins Leben gerufen. Welche Rolle spielen in der Zusammenarbeit auch Fragen der Menschenrechte?

Zunächst wollen wir überwiegend Anwälte an Bord haben, damit es eine geschäftlich getriebene Motivation gibt, die Zusammenarbeit voranzubringen. Das wollen wir dann ausweiten, den Rechtsstaatsdialog in den Blick nehmen und dabei Wissenschaftler, Politiker und auch Verfassungsrichter mit einbinden. Rechtsstaatsdialog meint, auch über ganz grundsätzliche Themen zu sprechen, wie Menschenrechte und Religionsfreiheit.

Kann das Netzwerk dazu beitragen, den Rechtsstaat auf unteren Verwaltungsebenen in Indien effektiver umzusetzen?

Da darf man sich selbst nicht überbewerten. Aber das gleiche, was auf politischer Ebene gilt, gilt auch bei den professionell juristisch Tätigen: Man muss ein Bewusstsein schaffen, dass Rechtsstaatsverstöße im Ausland als Problem gesehen werden. Wenn das auf möglichst vielen Ebenen kommuniziert wird, dann entsteht nach meiner Überzeugung auch der Wille, das abzustellen.

Haben Sie auch noch andere politische Möglichkeiten Druck auszuüben, oder bleibt es eher beim Appell?

Die Frage ist, in welcher Weise man politischen Druck ausüben kann. Das ist im Konkreten oft schwierig. Es ist ein Thema in Gesprächen bei Regierungskonsultationen, es ist Thema bei Gesprächen auf parlamentarischer Ebene. Wir sind weit davon entfernt, irgendwelche Sanktionen zu initiieren. Ich glaube, dass wir deutlich machen müssen, dass wir es im Blick haben. Ich bin optimistisch, dass sich die Situation nicht weiter verschlechtert, sondern mit der zunehmenden Modernisierung des Landes, und vor allem mit der zunehmenden Bildung eine positive Entwicklung eintreten könnte.

Sie engagieren sich im Stephanuskreis der Unionsfraktion im Bundestag für Religionsfreiheit. Warum ist Ihnen das Thema wichtig?

Das Christentum ist weltweit eine der stark verfolgten Religionen. Ich bin selbst praktizierender Christ. Daher ist es nur folgerichtig, sich für die eigenen Glaubensgeschwister zu engagieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

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Wed, 10 Jan 2018 14:02:00 +0100
<![CDATA[Hinduismus bedroht Christen immer stärker]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/01/10/hinduismus-bedroht-christen-immer-staerker/ Die hindu-nationalistische Bewegung in Indien wird immer stärker – und mehr und mehr zur Gefahr für Christen und andere Minderheiten. Diesen Trend zeigt der diesjährige Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks Open Doors auf, den die Organisation am Mittwoch veröffentlichte. Vor vier Jahren lag Indien, das mehr als eine Milliarde Einwohner hat, auf Platz 28 derjenigen Länder, in denen Christen am meisten verfolgt werden. Seitdem ist es immer weiter nach vorn gerückt und liegt jetzt auf dem elften Rang. „Im Jahr 2017 wurde mit über 600 eine Rekordzahl an Übergriffen gegen Christen registriert“, heißt es im Bericht von Open Doors. Eingerechnet sind bei dieser Zahl Bedrohungen, gesellschaftliche Ausgrenzungen, Verhaftungen, Missbrauch und andere Formen der Diskriminierung.

Indien durchlaufe einen „Prozess der Hinduisierung“ in Verbindung mit wachsendem Nationalismus. Basis dafür sei die Hindutva-Ideologie, derzufolge jeder Inder ein Hindu zu sein habe. Radikale Hindus wollten das Land bis 2021 von Muslimen und Christen befreien. Auch der politische Arm der hinduistischen Bewegung, die Bharatiya Janata Partei (BJP), habe an Einfluss gewonnen. Sie regiert in mehreren Bundesstaaten, ist seit 2014 auch im Parlament die stärkste Partei und stellt den Premierminister Narendra Modi. Dieser leugne, dass Minderheiten in seinem Land verfolgt würden. „Gewalt gegen Christen wird vom Staat unterstützt, indem die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden oder nur geringe Strafen bekommen. Das ermutigt die Anhänger von Modi, solche Übergriffe zu begehen, weil sie nicht viel zu befürchten haben“, erklärt Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, im Gespräch mit pro.

Nepal erstmals auf dem Index

„Sehr viele Dalits, die sogenannten Kastenlosen auf der untersten Ebene der gesellschaftlichen Hierarchie, sind Christen geworden. Der christliche Glaube wächst also“, erklärt Rode. Extremisten verfolgen jedoch einen konkreten Plan, wie Christen zurück in die Hindu-Gemeinschaft gebracht werden sollen, heißt es im Bericht der Organisation. Das beginne damit, dass der Pastor einer Gemeinde vertrieben werde. Christen würden dann daran gehindert, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, etwa Lebensmittel zu kaufen oder Handel zu treiben. Schließlich komme es auch zu gewaltsamen Übergriffen bis dahin, dass Christen gezwungen würden, in hinduistischen Tempeln zu beten, und sie mit den Fäkalien einer Kuh, dem heiligen Tier, „gereinigt“ würden.

Ähnliche Entwicklungen gibt es laut Open Doors auch in Nepal, dem nördlichen Nachbarland im Himalaya. Dieses Land steht dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Index – an 25. Stelle. „2017 war ein schwarzes Jahr für Indien und Nepal, und wenn der Trend anhält, wird 2018 schlimmer“, resümiert der Bericht. Auch in vorwiegend buddhistischen Ländern wie Sri Lanka und Myanmar gebe es einen Trend zu religiösem Nationalismus. Christen würden zum Teil aus Dorfgemeinschaften ausgeschlossen oder bei politischen Entscheidungen benachteiligt.

Islamischer Staat breitet sich nach Asien aus

In zahlreichen Ländern – in Nordafrika, im Mittleren und Nahen Osten, in Zentralasien, Indonesien und auf den Philippinen – bedroht nach Angaben von Open Doors nach wie vor und in zunehmendem Maße der politische Islam die Freiheit und das Leben von Christen. Allein unter den zehn Ländern, wo Christen am stärksten verfolgt werden, sind acht wesentlich vom Islam geprägt. Die islamistische Bewegung mit ihrer politischen Agenda einer islamischen Herrschaft unter der Scharia-Gesetzgebung sei „eine Bedrohung für die Religionsfreiheit und auch für ganze Staaten“.

Die Terrororganisation Islamischer Staat etwa versuche, verstärkt in Asien Fuß zu fassen und ihre extremistische Ideologie zu verbreiten, etwa auf den Philippinen, in Afghanistan und Bangladesch. Jedoch seien fast alle Länder Asiens von der Zunahme des militanten Islam betroffen. Saudi-Arabien könne durch Investitionen seinen Einfluss in anderen Ländern wie den Malediven und Indonesien stärken. Das trage zur Verbreitung des fundamentalistisch geprägten wahabbitischen Islams bei. „So entstehen von Intoleranz geprägte Gesellschaften, die nur den Islam zulassen und somit Religionsfreiheit mit Füßen treten“, schätzt Open Doors diese Entwicklung ein. In Indonesien wollten Muslime Christen mit Kampagnen zum Islam bekehren, finanziell unterstützt von der Regierung.

Dass in diesem Jahr die muslimischen Rohingya aus Myanmar vertrieben wurden, könnte „für Dschihadisten auf der ganzen Welt wie ein Aufruf zum Kampf wirken. Das gilt umso mehr, je stärker im Nahen Osten der Druck auf sie steigt.“ Zudem beobachtet Open Doors in mehreren Ländern südlich der Sahara, beispielsweise im Sudan, in Nigeria oder im Nordosten Kenias, „eine ethnische Säuberung auf Basis von Religionszugehörigkeit“. Dahinter stehe die Auffassung, dass sich Christen auf „muslimischen Territorium“ befänden.

Nordkorea ist auf dem Index unverändert das Land, in dem Christen am stärksten unterdrückt werden. Insgesamt geht Open Doors von mehr als 200 Millionen Christen aus, die wegen ihres Glaubens ausgegrenzt, unterdrückt oder verfolgt werden. Gleichzeitig stellt das Hilfswerk fest, dass christliche Gemeinden im Untergrund wachsen. Auch Christen in Gefängnissen würden dort ihren Glauben bezeugen.

Abschiebepraxis „verantwortungslos“

Kritik übt Open Doors Deutschland daran, dass hierzulande konvertierte Christen aus Afghanistan und dem Iran abgeschoben werden. „Sie werden zurück in die Hände ihrer Henker geliefert“, sagte Rode zu pro. „Man weiß, dass gerade in den Gefängnissen im Iran viele Konvertiten auf brutalste Weise gefoltert werden.“ Dies zu ignorieren, sei „unfassbar verantwortungslos“.

Mit Blick auf die Situation von Flüchtlingen in Deutschland sagte Rode: „Man muss sehen, dass es in Deutschland massive Menschenrechtsverletzungen gegen christliche Flüchtlinge gegeben hat. Ich wünsche mir, dass Politiker dieses Thema mutiger in der Öffentlichkeit ansprechen und dass Menschenrechte nicht von Political Correctness überlagert werden.“ Zudem appellierte Rode an Christen, enger zusammenzustehen, um verfolgten Glaubensgeschwistern Beistand zu leisten.

Open Doors veröffentlicht den Weltverfolgungsindex jedes Jahr. Mit dem Begriff der Christenverfolgung orientiert sich das Hilfswerk nach eigenen Angaben an der Definition der Vereinten Nationen. Jeder Mensch erlebe Verfolgung jedoch subjektiv. Die Organisation, die in 60 Ländern mit eingeschränkter Glaubensfreiheit tätig ist, versteht den Index daher auch nicht als Statistik, sondern als Instrument, die „persönliche Dimension der gegenwärtigen Christenverfolgung besser erfassbar zu machen“. Für den Index werden verschiedene Lebensbereiche analysiert, in denen Verfolgung erlebt werden kann: privates Leben, Familie, gesellschaftliches Leben, Leben im Staat, kirchliches Leben sowie die Erfahrung physischer Gewalt.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 10 Jan 2018 14:00:00 +0100
<![CDATA[Kritik an Kika: Sender reagiert]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/01/09/kritik-an-kika-sender-reagiert/ Wegen einer Folge der Dokumentations-Sendung „Schau in meine Welt!" steht der Sender Kika in der Kritik. Politiker der AfD und zahlreiche Nutzer sozialer Netzwerke empören sich über den Beitrag. Die Folge „Malvina, Diaa und die Liebe" zeigt die Beziehung zwischen einer heute 17-jährigen Deutschen und einem nach heutigen Angaben des Senders 19-jährigen Syrer, der als Flüchtling in die Bundesrepublik kam. Darin sprechen die Protagonisten offen über ihre Sicht der Welt und der Liebe. So erklärt der Moslem Diaa, er möge es nicht, wenn seine Freundin kurze Röcke trage und er wolle sie möglichst schnell heiraten. Malvina hingegen beschwert sich über bestimmte Sichtweisen ihres Partners, erklärt, sie sei Christin und wolle kein Kopftuch tragen, verzichte aber seinetwegen etwa auf Schweinefleisch. Auch einer raschen Heirat erteilt sie eine klare Absage und bezeichnet sich selbst als „Emanze".

„Propaganda der Staatsmedien“

Als Reaktion auf die bereits im November ausgestrahlte Sendung kommentierte der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel laut Bild nichtöffentlich auf seiner Facebookseite, die Folge verbreite eine „unerträgliche und gefährliche Propaganda der Staatsmedien". Konkret erklärte er, der Kika manipuliere Minderjährige, indem er eine problembesetzte Liebesgeschichte als „Rührstück" zeige. Spaniel stellt außerdem eine Verbindung zu dem Mord eines afghanischen Flüchtlings an seiner 15-jährigen Freundin in der Stadt Kandel im Dezember her. Zudem mutmaßt er, Diaa sei in Wirklichkeit älter als vom Kika ausgewiesen.

Kika räumt Fehler ein, aber verteidigt Sendung

Inzwischen hat sich auch der Kika zu den Vorwürfen geäußert. Er räumte ein, Diaa sei tatsächlich zwei Jahre älter als in der Dokumentation angegeben. Weiter erklärt der Sender, Ziel des Formats sei es, kulturelle Unterschiede unkommentiert zu zeigen. „Diese kulturellen Unterschiede auch im Frauenbild werden sehr früh in der Dokumentation thematisiert. Konservative Wertevorstellungen werden grundsätzlich als Standpunkte von Diaa gekennzeichnet. Sehr selbstbewusst vertritt Malvina dabei ihre Weltsicht und ihre Standpunkte, etwa wenn sie deutlich macht, dass weder eine Konversion zum Islam noch das Tragen eines Kopftuches für sie in Frage kommen", erklärt der Kika weiter und stellt fest: „Wir halten gerade den Umgang mit diesen verschiedenen Vorstellungen zwischen gleichberechtigten Partnern für eine wertvolle Dimension dieser Dokumentation." Zugleich verwehren sich die Verantwortlichen gegen die Kritik an der Sendung: Die Beziehung werde weder idealisiert noch als unmöglich dargestellt.

Von: Anna Lutz

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Tue, 09 Jan 2018 12:46:00 +0100
<![CDATA[Interaktiv über den Glauben diskutieren]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/01/09/interaktiv-ueber-den-glauben-diskutieren/ Zwei christliche Partner starten ein neues theologisches Internetprojekt. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg und der CVJM senden an vier Sonntagen „Theo Livestream“. Dort können Jugendliche im eigenen Wohnzimmer, Studentenwohnheim oder Gemeindehaus mit anderen über theologische Fragen diskutieren.

Das Projekt startet am 14. Januar 2018 mit dem Livestream „#Gott #Beziehung #Trinität“. Die vier Abende sollen herausfordern, sich intensiver mit theologischen Fragen auseinanderzusetzen und den Glauben biblisch-theologisch zu reflektieren. Der Livestream wird von 18:30 bis 19:30 Uhr interaktiv gestaltet.

Aha-Erlebnisse im Glauben schaffen

Gesendet wird aus dem Zentrum für Medienkompetenz der Uni Tübingen. „Für viele junge Erwachsene ist es völlig normal, sich Themen und Inhalte über YouTube anzueignen. Also nutzen wir diesen Kanal bewusst, um christlichen Inhalten dort Raum zu geben“, erklärt der Fachliche Leiter des EJW, Dieter Braun, in der Pressemitteilung. Die Partner wollten den alltäglichen Lebensraum der Jugendlichen nutzen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Die Teilnehmer können mit ihrem Smartphone direkt Fragen stellen und an Umfragen teilnehmen. Für Braun wäre es das „bestmögliche Ergebnis, wenn irgendwo, irgendein junger Mensch plötzlich so was wie ein Aha-Erlebnis in Sachen Glauben hat“. Er wünscht sich, dass ihnen ein Licht aufgeht, sie Zusammenhänge verstehen oder sie plötzlich erkennen, dass es Gott tatsächlich gibt und man, um an ihn zu glauben, keineswegs den Verstand ausschalten muss.

Die Referate sollen die vier Themen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Dies machen Fachleute aus der evangelischen Jugendarbeit. Das EJW und der CVJM möchten mit diesem Format dazu beitragen, dass junge Menschen zu mündigen Christen und in ihrem Glauben sprachfähig werden. „Theo Livestream ist so konzipiert, dass Gruppen mit geringem Aufwand daran teilnehmen können“, erläutert Björn Büchert vom CVJM Württemberg. Zusammen mit Alma Ulmer (EJW) und einem fünfköpfigen Team hat er das Format weiterentwickelt.

Um das Angebot vor Ort zu nutzen, sind nur ein Internetzugang, ein PC und für Gruppen ein Beamer nötig. Die Teilnahme ist kostenlos. Die einzelnen Livestreams sind in sich thematisch abgeschlossen. Die Veranstalter empfehlen jedoch an allen vier Abenden teilzunehmen. Flyer und Anzeigenformate für Facebook, Newsletter und Co. gibt es auch bei den beiden Partnern oder man kann sie im Internet herunterladen.

Von: Johannes Weil

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Tue, 09 Jan 2018 12:12:00 +0100
<![CDATA[Journalistenverband: NetzDG ist „Gaga-Vorschrift“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/01/08/journalistenverband-netzdg-ist-gaga-vorschrift/ Wurde der geschäftsführende Justizminister Heiko Maas (SPD) Opfer seines eigenen Gesetzes? So fragten am Montag zahlreiche Medien. Nutzer hatten zuvor beobachtet, dass ein Tweet von Maas gelöscht worden war, in dem er seinen Parteifreund Thilo Sarrazin als „Idiot“ bezeichnet. Ob ein Mitarbeiter von Maas oder Twitter selbst den Eintrag gelöscht hat, sei unklar, berichtet der Branchendienst Meedia.

Seit Anfang Januar gilt das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG), wonach Netzwerke wie Facebook und Twitter „Hassrede“ innerhalb von 24 Stunden löschen müssen. Das Gesetz ist hochumstritten: Journalisten sprechen von „Erdoganismus in Reinkultur“, Zeitungsverbände warnen vor einer „Löschorgie“. Die Forderung, das NetzDG gehöre abgeschafft, kommt von Politikern aus FDP und AfD, von Vertretern der Grünen und der Linkspartei. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles verteidigte hingegen das Gesetz.

Dass es Fälle gibt, in denen es wünschenswert ist, wenn Äußerungen in den Sozialen Medien gelöscht werden, ist unter den meisten Diskutanten des Gesetzes unumstritten – zum Beispiel bei strafrechtlich relevanten Beleidigungen oder bei Volksverhetzung. Kritisch wird am NetzDG vor allem bewertet, dass eine solche strafrechtliche Relevanz nun nicht mehr von Gerichten, sondern den Mitarbeitern privater Unternehmen festgestellt werden soll. Als Kollateralschaden sind in der Vergangenheit immer wieder auch Nutzer von Löschungen und Sperren betroffen, deren Veröffentlichungen zwar polemisch, unbequem und politisch inkorrekt sein mögen – aber nicht illegal. Oder es werden Einträge gelöscht, die ironisch gemeint sind – so erging es vor wenigen Tagen dem Satiremagazin Titanic, als Twitter einen Tweet löschte und die Redaktion zeitweise blockierte.

Journalistenverband warnt mit deutlichen Worten

Seit Beginn des Jahres können Nutzer sozialer Netzwerke Inhalte melden, die ihrer Meinung nach unter das NetzDG fallen und gelöscht werden sollten. Betroffene Gemeldete reagierten in den vergangenen Tagen, in dem sie die entsprechenden Mails von Twitter veröffentlichten. Darin heißt es oftmals: „Wir haben die gemeldeten Inhalte untersucht, jedoch keine Verstöße gegen die Twitter Regeln oder geltende Gesetze gefunden. Wir haben daher diesmal keine Maßnahmen ergriffen.“ Viele Nutzer schreiben, dass sie das Wort „diesmal“ als Einschüchterung empfinden.

Der CDU-Nachwuchspolitiker Felix Maximilian Leidecker berichtet auf Facebook, dass viele seiner Äußerungen gemeldet werden: „Spannend ist, dass es sich dabei nie um auch nur ansatzweise justiziable Äußerungen handelt – die es von mir ja auch nicht gibt. Es geht lediglich darum, dass den Denunzianten eine Meinung inhaltlich nicht passt. Frei nach dem Motto: Es darf nicht sein, was nicht sein darf.“

Andere Nutzer berichten von ähnlichen Erfahrungen, darunter der Chef von Bild.de, Julian Reichelt. Seine Tweets werden offenbar auch reihenweise ohne inhaltlichen Anlass gemeldet – die Vermutung liegt nahe, dass solche Meldungen meist durch politische Gegner erfolgen.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall, teilte am Montag mit, es sei nicht sinnvoll, „aus blindem Gehorsam gegenüber einer Koalition, die es nicht mehr gibt, an der Gaga-Vorschrift des NetzDG festzuhalten“.

„Das NetzDG schiebt die Macht über das Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit an Privatunternehmen wie Twitter und Facebook ab“, sagte Überall laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa). In diesen Unternehmen gebe es Angst vor den drohenden staatlichen Bußgeldern. Initiativen der kleineren Fraktionen des Bundestags für eine Abschaffung des Gesetzes sollten laut DJV ohne Fraktionszwang das Parlament passieren.

Von: Moritz Breckner

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Mon, 08 Jan 2018 16:54:00 +0100
<![CDATA[Heinrich Heine: Jude, Kirchenkritiker, Christ]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/01/08/heinrich-heine-jude-kirchenkritiker-christ/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> „Heinrich Heine gilt weithin in erster Linie als Glaubensskeptiker, wo nicht gar als Atheist“, schreibt Christian Liedtke. Er ist Autor mehrerer Heine-Bücher, darunter einer Biografie, und als wissenschaftlicher Archivar am Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf verantwortlich für den handschriftlichen Nachlass des Dichters. Der damalige Bundestag begründete 1835 das Generalverbot von Heines Schriften unter anderem damit, dass er mit ihnen „die christliche Religion auf die frechste Art angreife“. Der Düsseldorfer Autor stand sogar beim Vatikan auf dem Index der verbotenen Bücher. Heine sei kein „Gottsucher“ gewesen, schreibt Liedtke, und doch habe er kein anderes Buch in seinen Werken so oft zitiert wie die Bibel.

All das erfährt der Leser (erst) im Nachwort des Buches „Heinrich-Heine-Katechismus“, das bei Hoffmann und Campe erschienen ist, dem Verlag, dem schon Heine selbst sein Leben lang treu geblieben war. Zum besseren Verständnis der vorangestellten Texte Heines sollte man das Nachwort vielleicht zuerst lesen. Herrscht doch bei vielen eine gewisse Ratlosigkeit bei der Frage, ob und wie gläubig Heine eigentlich war. Zudem sind die Textfragmente nicht chronologisch geordnet, sondern thematisch, was eine Einschätzung der zeitlichen Entwicklung von Heines Beziehung zur Religion schwerer macht.

Das Verhältnis Heines zur Religion war ambivalent. Er wurde in eine angesehene jüdische Familie in Düsseldorf geboren, ging jedoch auf eine katholische Schule, die einen nachhaltigen positiven Eindruck bei ihm hinterließ. Er studierte schließlich Rechtswissenschaften und konvertierte später zum Christentum. Als Jude hatte er wenig Chancen auf eine Karriere als Jurist. Und so sind beide Religionen in Heines Werk sowohl in der Kritik, als auch in einer lebenslangen Sehnsucht miteinander vereint.

Ein persönlicher Glaube war Heine nicht fremd, besonders in seiner „Matratzengruft“, in der er acht Jahre bis zu seinem Tod krank verbrachte. Die institutionalisierte Religion indes schonte er in seiner Kritik nicht. So geht etwa der bekannte Ausspruch von Karl Marx von Religion als „Opium für‘s Volk“ auf Heine zurück, der schrieb: „Heil einer Religion, die dem leidenden Menschengeschlecht in den bitteren Kelch einige süße, einschläfernde Tropfen goss, geistiges Opium, einige Tropfen Liebe, Hoffnung und Glauben!“ Marx muss diese Worte ironisch verstanden haben.

„Gott war immer der Anfang und das Ende aller meiner Gedanken“

In einem Brief schrieb Heine 1827: „Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.“ Und acht Jahre später: „Gott war immer der Anfang und das Ende aller meiner Gedanken.“ Bei all seiner Kritik an der Kirche ließ er es nie an Respekt für den christlichen Glauben vermissen: „Diese Religion war eine Wohltat für die leidende Menschheit während achtzehn Jahrhunderten.“ Besonders der leidende Christus hat es dem Dichter angetan, der selbst mit zunehmendem Alter unter Krankheit litt. „Ewiger Ruhm gebührt dem Symbol jenes leidenden Gottes, des Heilands mit der Dornenkrone, des gekreuzigten Christus, dessen Blut gleichsam der lindernde Balsam war, der in die Wunden der Menschheit herabrann“, schrieb Heine 1835.

Auch für Martin Luther hat der Dichter nur lobende Worte übrig. So attestiert er dem Reformator, bei allen politischen und gesellschaftlichen Unruhen rund um seine Schriften damals wohl als einziger nicht an sich oder an irdische Gewinne gedacht zu haben, sondern nur an die göttlichen Interessen. „Die Franzosen verstehen Luther nicht, weil er nicht nur der größte, sondern auch der deutscheste Mann unserer Geschichte ist“, stellt Heine fest und lobt: „Der Protestantismus hatte den günstigsten Einfluss auf jene Reinheit der Sitten und jene Strenge in der Ausübung der Pflichten, welche wir gewöhnlich Moral nennen.“

Dass er aus beruflichen Gründen zum Christentum konvertierte, bereute גקר Dichter später. Der Jude in ihm sei „nie abzuwaschen“. Und doch hegte er stets und mit zunehmendem Maße Sympathie für den christlichen Glauben. Einige Jahre vor seinem Tod schrieb er im Nachwort zum „Romanzero“ über seine Rückkehr zum Glauben: „Wie mit der Kreatur, habe ich auch mit dem Schöpfer Frieden gemacht, zum größten Ärgernis meiner aufgeklärten Freunde, die mir Vorwürfe machten über dieses Zurückfallen in den alten Aberglauben, wie sie meine Heimkehr zu Gott zu nennen beliebten.“ Seine Zerrissenheit in Sachen Glaube war dem Dichter durchaus bewusst. „Man hat mir vorgeworfen: ich hätte keine Religion“, schrieb Heine. „Nein, ich habe sie alle.“

Christian Liedtke (Hrsg.): „Heinrich-Heine-Katechismus“, Hoffmann und Campe, 256 Seiten, 18 Euro, ISBN: 9783455001846

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 08 Jan 2018 16:45:00 +0100
<![CDATA[Filmtrailer zu Bibelheld „Samson“ erschienen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/01/08/filmtrailer-zu-bibelheld-samson-erschienen/ Es sind erste Bilder zu dem neuen Bibel-Film „Samson“ im Internet aufgetaucht. Die Produktionsfirma Pure Flix Entertainment hat den offiziellen Trailer zu dem Monumentalepos mit Rutger Hauer („Blade Runner“) und Billy Zane („Titanic“) veröffentlicht. Den titelgebenden Samson spielt Taylor James, ein aufstrebender britischer Newcomer. Der amerikanische Kinostart des Films ist der 16. Februar. Ein deutscher Kinostarttermin ist bislang noch nicht bekannt.

„Wenn du jemals großen Widrigkeiten im Leben ausgesetzt warst und dich gefragt hast, ob Gott groß genug ist, um dir beizustehen, dann ist das dein Film“, sagte Pure-Flix-Chef Michael Scott zur Veröffentlichung des Trailers. Seine Firma fasst den Inhalt von „Samson“ so zusammen: Der Film basiert auf dem starken biblischen Helden, den Gott auserwählt hat, um Israel zu befreien. Seine übernatürlichen Kräfte und impulsiven Entscheidungen bringen ihn schnell in einen Konflikt mit dem unterdrückenden Reich der Philister. Nachdem er durch den Betrug eines niederträchtigen Prinzen und einer wunderschönen Verführerin erblindet, ruft Samson Gott an. Er befreit sich mit seiner Hilfe aus Gefangenschaft und Blindheit.

Glaubensreise im Fokus

Die Außenaufnahmen der Produktion „Samson“ wurden in Südafrika gedreht. Regisseur Bruce Macdonald betonte, dass Menschen heute nur eine rudimentäre Vorstellung der Figur Samson hätten: „Die meisten Menschen denken, dass Samson lange Haare hatte, Delilah sie abschnitt und er dadurch seine Kraft verlor. Dass er aber auch ein widerwilliger Held war, dessen Reise sich darum drehte, seinen Glauben zurückzuerhalten, wird schnell vergessen – aber gerade das ist auch im Jahr 2017 noch relevant.“

Der Bibelheld aus dem Buch der Richter wurde das erste Mal von Hollywood im Jahr 1949 verfilmt. Damals führte der legendäre Produzent Cecil B.DeMille („Die zehn Gebote“) Regie. In dessen Film „Samson & Delilah“ spielten Hedy Lamarr und Victor Mature die Hauptrollen.

Von: Michael Müller

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Mon, 08 Jan 2018 14:05:00 +0100
<![CDATA[Die Ehe zurückerobern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/08/die-ehe-zurueckerobern/ Kirchenfenster, zwei aufwändig verzierte Holzstühle, ein roter Teppich, zwei Gebetsbänke mit weißen Schleifen und Blumendeko sowie echte Kerzen auf dem Altar: Der gemeinsame Stand der Evangelischen und Katholischen Kirche auf der sogenannten „Hochzeitswelt" in Berlin, einer Fachmesse für alles rund ums Heiraten, vermittelt den Eindruck, es könne eigentlich sofort losgehen, mit dem Eheversprechen. Das Erzbistum Berlin und die Evangelische Kirche in Berlin und Brandenburg stellen keine Brautkleider oder Trauringe aus, wie so viele andere hier. Sie haben eine ganze Kirche mitgebracht. Aus Pappe zwar, aber die kleine stilisierte Kapelle ist schon von weitem erkennbar und eröffnet eine Dimension, die sich auf dieser Messe zwischen freien Traurednern, Standesamtvertretern, Hochzeitssängern und Reiseanbietern sonst kaum findet: Die sakrale. Eine kirchliche Trauung, das wünschen sich viele. Die christlichen Hintergründe zum Thema Heiraten hingegen kennen nur noch wenige. Nur noch ein Viertel der Haupstädter ist Teil einer der großen Volkskirchen, ergab jüngst eine Erhebung.

Um diese Zahlen wissen auch die evangelische Pfarrerin Michaela Fröhling und ihre katholische Kollegin, die Theologin Ute Eberl. Sie vertreten ihre Kirchen an diesem ersten Januarwochenende am Messestand. „Wir sind mit dem Thema Ehe viel zu wenig in der breiteren Öffentlichkeit", sagt Fröhling. Tatsächlich kann man weiter gehen und sagen: Die Kirchen haben die Deutungshoheit beim Heiraten verloren. Hochflexible und professionelle nichtkirchliche Veranstalter bieten Paaren für das richtige Geld einen Service, den die Kirchen mit zu knapp besetzten Pfarrstellen und genauen Vorstellungen von Form und Inhalt einer Trauung oft nicht vorweisen können. Stattdessen wollen sie mit spiritueller Tiefe punkten. Die sollen Suchende so niedrigschwellig wie möglich finden. Heiratswillige dürfen sich am Stand etwa einen Trauvers losen. „Gestern hat hier eine Frau tatsächlich ihren Konfirmationsspruch gezogen", sagt Fröhling, und weiter: „So etwas berührt.“

Auch zwei Männer seien kürzlich am Stand gewesen, um sich zu erkundigen, ob sie kirchlich getraut werden könnten. Diese Frage müssen Eberl und Fröhling unterschiedlich beantworten. Während die Berliner Landeskirche homosexuelle Paare verheiratet, steht schwulen und lesbischen Katholiken dieser Schritt nicht offen. Freilich gibt es noch andere Hindernisse auf dem Weg zur Ehe für all jene, die diesen mit kirchlichem Segen vollziehen wollen. Mindestens einer der Partner muss Kirchenmitglied sein. „Alle Türen sind offen", sagt Fröhling zu einem Paar um die 40, das sich genau danach erkundigt, und reicht dem Mann eine Broschüre zum Thema Kircheneintritt. Die meisten Gespräche, das verraten Eberl und Fröhling, führen sie hier zu genau dieser Frage: Unter welchen Vorraussetzungen sind kirchliche Eheschließungen möglich? Viele halten sich erst gar nicht damit auf, sondern wenden sich an eine der vielen Organisationen, die Trauungen auch dann ermöglichen, wenn keiner der Partner getauft oder in einer Gemeinde aktiv ist.

Harte Konkurrenz für die Kirchen

„Bei uns sind 90 Prozent der Paare konfessionslos", sagt ein Mann mit hipp gemustertem Hemd und Glatze. Er ist zum Fachsimpeln und Kennenlernen an den Kirchenstand gekommen. Denn er selbst vertritt die Rednervermittlung „Pastor2Go" auf der Messe. Wer heiraten will, findet hier Theologen, die christliche Trauung durchführen – auch, wenn die Paare keinen frommen Hintergrund vorweisen können. Viele der Redner sind Pastoren in Freikirchen. Auf der hauseigenen Internetseite bietet „Pastor2Go" einen Rednerausfallschutz, Basis- und Luxuspakete und Qualitätssicherheit an.

Eins sei klar, die Zeiten hätten sich geändert, bekennt Eberl, die ihr Bistum seit 20 Jahren auf Hochzeitsmessen vertritt. Als sie mit dieser Arbeit angefangen habe, sei die Kirche noch ganz selbstverständlich Teil der Eheschließung gewesen. „Heute heiratet niemand mehr kirchlich, nur, weil man das im Dorf so macht", sagt sie. Die Veränderungen hätten eine große Freiheit gebracht: „Wer heute kirchlich heiratet, der meint es ernst", ist sie überzeugt. Fröhling ergänzt, was sie in ihren Augen von allen Anbietern unterscheidet: „Wir haben ein spirituelles Mehr!"

Das führe auch dazu, dass die Ehegespräche auf der Messe nicht selten in Glaubensgespräche mündeten. So erinnert sich Fröhling an eine Mutter, der ein Pfarrer einst die Taufe des Kindes verweigerte, weil dieses nicht ehelich geboren wurde. Das habe tiefe Wunden hinterlassen. „Aber da gab es auch eine große Sehnsucht", sagt Fröhling. Die Pfarrerin hat auch diese Frau damals mit Wiedereintrittsmaterial ihrer Kirche versorgt. Eberl und Fröhling verbindet der Wunsch, die Kirche als Anbieter von Trauungen in der Öffentlichkeit wieder präsenter werden zu lassen. Durch eine breitere Präsenz im Internet zum Beispiel. Oder eben durch Messestände in Kapellenform. Zum Schluss fragt Fröhling: „Wie wäre es denn, wenn wir bei einer Messe auch mal Trauungen anbieten. Gleich hier in unserer kleinen Kapelle am Stand?"

Von: Anna Lutz

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Mon, 08 Jan 2018 13:43:00 +0100
<![CDATA[Kirchenasyl wird rechtlich überprüft]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/08/kirchenasyl-wird-rechtlich-ueberprueft/ Der 31-jährige Asylbewerber Ian Onwuka kommt aus Nigeria. Nach der Flucht aus seiner Heimat hat er mehrere Monate im Kirchenasyl der Freisinger Kirchengemeinde St. Jakob verbracht. Sein Fall beschäftigt die Justiz und könnte zum Präzedenzfall werden. Es geht um die Prüfung, ob Kirchenasyl rechtlich zulässig ist.

Die Süddeutsche Zeitung zitiert den Sprecher der Staatsanwaltschaft Landshut, Thomas Steinkraus-Koch: „Im deutschen Recht gibt es das Kirchenasyl als Rechtsinstitut gar nicht.“ Das Blatt schreibt weiter: „Demnach könnten aus seiner Sicht im Kirchenasyl befindliche Flüchtlinge auch nicht von der Prämisse ausgehen: Solange ich mich dort befinde, mache ich mich – obwohl ausreisepflichtig – nicht des illegalen unerlaubten Aufenthalts strafbar“.

Sein Anwalt Franz Bethäuser bemängelt, dass es die Behörden „faktisch hingenommen“ hätten, dass sich sein Mandant ins Kirchenasyl begeben habe. Onwuka war in erster Instanz vom Amtsgerichts Freising freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft Landshut möchte ein bundesweit relevantes Grundsatzurteil herbeiführen. „Es handelt sich hier um eine ungeklärte Rechtsfrage“, sagt Oberstaatsanwalt Steinkraus-Koch. Das unklare Rechtsverhältnisse gehöre auf den Prüfstand.

Enorme Belastungsprobe für alle

Onwuka hatte vom 15. Juli bis zum 19. Oktober 2016 Schutz beim Freisinger Pfarrer Peter Lederer gesucht. Dort lebte er im Pfarrheim in Vötting. Trotz der Unterstützung vor Ort habe er unter der Einsamkeit gelitten: „Ich war da, ohne ein Verbrechen begangen zu haben“, nimmt er Bezug auf das selbst auferlegte Ausgangsverbot. Die Zeit auf dem Mittelmeer, die Unterbringung in Italien und die eigenen Depressionen seien weit schlimmer gewesen.

Hans-Günther Schramm vom Ökumenischen Kirchenasylnetz betont gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass Kirchenasyl auch die involvierten Pfarrer und Gemeinden stets vor eine extreme Belastungsprobe stelle. Es gebe auch Ermittlungsverfahren gegen Geistliche. Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) begründet dies damit, dass es sich „in Fällen sogenannten Kirchenasyls“ ja um eine „strafbare Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt handeln“ könne. Die Staatsanwaltschaften seien verpflichtet, dann zu ermitteln.

Tabubruch, gegen Pfarrer zu ermitteln

Auch Lederer könnte aufgrund des von ihm gewährten Kirchenasyls ein Konflikt mit der Justiz drohen. Stephan Theo Reichel, Sprecher des Vereins „Matteo – Kirche und Asyl“, sagt: „Es ist ein Tabu-Bruch, gegen Pfarrer zu ermitteln.“ Dem Justizministerium liegen laut Zeitung keine konkreten Zahlen vor, wie häufig gegen Geistliche ermittelt werde. Auch über die Zahl der derzeitigen Kirchenasyle im Freistaat gebe es nur Schätzungen.

Von: Johannes Weil

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Mon, 08 Jan 2018 12:48:00 +0100
<![CDATA[Besucherrekord bei ökumenischer „Mehr“-Konferenz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/01/06/besucherrekord-bei-oekumenischer-mehr-konferenz/ Am Donnerstag hat in Augsburg die „Mehr“-Konferenz begonnen. Nach Angaben des Veranstalters, des ökumenisch ausgerichteten Gebetshauses Augsburg, nehmen in diesem Jahr rund 11.000 Menschen an der Konferenz teil. Das sind rund 1.000 mehr als im Vorjahr und ist ein neuer Rekord. Die Konferenz in der Augsburger Messe mit dem katholischen Theologen und Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl als dem Hauptredner dauert noch bis zum Sonntag. Neben Hartl predigt noch der Gründer der ICF-Bewegung, der Schweizer Leo Bigger.

„Die konfessionelle Vielfältigkeit der Besucher und die ökumenische Ausrichtung der Konferenz sind ein zentrales Anliegen", erklärte Hartl auf einer Pressekonferenz am Freitag. Seinen Angaben zufolge kämen mittlerweile sogar konfessionslose Menschen zu der Konferenz. Hartl hofft, dass auf der Konferenz unter dem Motto „Open Up The Gates“ viele Menschen von Gott berührt werden. In seinem Vortrag am Eröffnungsabend sagte Hartl, dass zu viele Christen oftmals traurig und deprimiert seien, obwohl Gott ein Gott der Freude sei und eben diese schenken wolle. Christen sollten im Gottesdienst mehr jubeln.

Zehn Thesen für missionarischen Aufbruch

Bei der ökumenisch geprägten Veranstaltung, bei der sich rund 700 ehrenamtliche Helfer engagieren, werden das evangelische Abendmahl und die katholische Eucharistie getrennt gefeiert. Der Großteil der Besucher an diesem Wochenende ist katholischen Glaubens, aber auch viele Christen aus evangelischen Landes- und vor allem Freikirchen nehmen teil.

Am Freitag stellte Hartl im Rahmen der Konferenz die Initiative „Mission Manifest“ samt des zugehörigen gleichnamigen Buches, erschienen im Herder-Verlag, vor. Darin stellen die Herausgeber, neben Hartl noch die katholischen Theologen Karl Wallner und Bernhard Meuser, zehn Thesen für einen missionarischen Aufbruch innerhalb der katholischen Kirche vor. In einer „Präambel" des Buches heißt es dazu: „Nach menschlichem Ermessen wird die Kirche in Deutschland, Österreich und der Schweiz in wenigen Jahren kaum mehr eine gesellschaftlich wahrnehmbare Rolle spielen. Das ist weniger schade um die Kirche als schlimm für die Menschen, die Gott verlieren oder Jesus nie kennenlernen." Meuser nannte die Initiative eine „Frucht der Mehr-Konferenz“. Die Besucher in Augsburg seien im Schnitt 30 Jahre jünger als die auf dem Katholikentag. Diese junge Generation möchte die Initiative erreichen.

Christen sollen sich zur Mission verpflichten

„Unsere Heimatländer sind Missionsländer geworden“, erklärten die Herausgeber. „Wir sind bereit für Mission. Wir wünschen, dass unsere Länder zu Jesus finden.“ Karl Wallner bemängelte, dass die kulturelle Form des Christentums zu einem Skelett in der Gesellschaft verkommen sei. Die Kirche müsse dafür sorgen, dass wieder Fleisch an das Skelett komme. „Die Kirche hat keine andere Existenzberechtigung, als Menschen in eine Beziehung zu Jesus Christus zu führen“, sagte der österreichische Ordenspriester. Die Initiatoren von „Mission Manifest“ wollen erreichen, dass sich viele Christen dazu verpflichten, missionarisch aktiv zu werden oder entsprechende Projekte zu unterstützen.

Von: Moritz Breckner

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Sat, 06 Jan 2018 14:09:00 +0100
<![CDATA[Wie viel Politik gehört auf die Kanzel?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/05/wie-viel-politik-gehoert-auf-die-kanzel/ Ein Gastkommentar von Uwe Heimowski]]> Ulf Poschardt muss in eine offene Wunde gestochen haben. Sein Tweet zum Heiligen Abend jedenfalls verursachte einen gehörigen Aufruhr. Der Chefredakteur der Welt hatte getwittert: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“

Der Journalist hatte die Christmette der Gemeinde Nikolassee im Südwesten Berlins besucht. Die Predigt von Pfarrer Steffen Reiche war ihm gegen den Strich gegangen. Reiche hatte darin viele politische Themen angesprochen: von den Steuererhöhungen in den USA, über die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, über Putin und das Doping im russischen Sport, den Marshallplan bis zum Islam und dem Terror durch den IS.

Die Wochenzeitschrift „Christ und Welt“ hat die beiden nun für ihre aktuelle Ausgabe interviewt. Sie will damit den Konflikt versachlichen, der sich in hässlichen Retweets immer weiter aufgebauscht hat, und zu üblen Beschimpfungen bis hin zu Nazi-Vergleichen gegenüber Poschardt führte. Eine traurige Wirklichkeit im Zeitalter der Sozialen Medien.

Die Debatte selber ist es wert, weiter geführt zu werden. Wieviel Politik gehört auf die Kanzel?

Für mich steht fest: Predigten sind immer politisch. Ein Prediger verkündet das Wort Gottes. Er predigt das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus. Er spricht davon, dass Gott in die Welt gekommen ist, und dass damit das Reich Gottes angebrochen ist. Diese Botschaft besitzt Relevanz für das Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft. Warum sonst sagen wir sie weiter?

Eine Theologie, die sich nur um sich selber dreht, ist bedeutungslos, sie wird zum geistlichen Elfenbeinturm. Wenn Theologie und Verkündigung aber relevant sind für unser Leben und unser Zusammenleben, dann sind sie natürlich auch politisch. Die zehn Gebote, die Bergpredigt, Jeremia und Amos – das sind hochpolitische Texte. Es braucht schon einige exegetische Verrenkungen, um Begriffe wie Gerechtigkeit und Frieden, oder um Werte wie Treue und Ehrlichkeit ihrer politischen Dimension zu entkleiden. Martin Luthers Verkündigung war tief geistlich, und hat damit zugleich die Gesellschaft verändert. Das machte sie politisch. Eine biblische Predigt bezieht Positionen, und auch das ist immer politisch. Wer – um nur ein Beispiel zu nehmen – heute über die Ehe als gute Ordnung Gottes spricht, ist hochpolitisch, ob er will oder nicht. Insofern kann ich Steffen Reiche zustimmen, wenn er sagt: „Wenn eine Predigt keine Wirkung im politischen Raum hat, dann ist es auch nicht die Botschaft Jesu.“

Evangelium ist kein Parteiprogramm

Vorsicht allerdings ist geboten, wenn die Verkündigung zur (verkappten) Parteipolitik wird. Der Prediger hat sich mit Wahlempfehlungen einerseits oder Parteienschelte andererseits bitte vornehm zurückzuhalten. Suspekt ist mir auch, wenn ein Prediger auf politische Fragen pauschale, vermeintlich biblische Antworten gibt. Bewahrung der Schöpfung? Natürlich. Aber wie? Mit Windkraft oder Kohle? Brauchen wir die Kernenergie: ja oder nein? Meine Bibel sagt dazu nichts. Frieden stiften? Natürlich, Jesus fordert dazu auf. Aber wie? Mit oder ohne Waffen? Das beantworten Christen sehr unterschiedlich – obwohl sie die gleiche Bibel lesen. Als Christ und als Prediger habe ich eine Meinung. Auch eine politische Meinung. So sollte es sein. Das Evangelium ist aber nicht nur eine Meinung. Es ist keine Philosophie und kein Parteiprogramm. Es ist das Wort Gottes. Und das hat sich nicht nach mir zu richten, sondern ich mich nach ihm.

Was in einer Predigt übrigens gar nichts zu suchen hat, sind Beleidigungen. Und da ist Reiche am Heiligabend weit über das Ziel hinausgeschossen: „Aber man muss schon so blöde sein wie dieser Staatsverführer und Trampel (ergänze: Donald Trump), der nicht mal seine Haftcreme für seine x-ten Zähne richtig zu verwenden weiß...“. Wer politisch ernstgenommen werden möchte, der sollte Argumente nicht durch Polemik ersetzen.

Und noch eines: Das Evangelium ist mehr als Politik. Das Wort Gottes besitzt eine andere, weit über das gesellschaftliche und politische Tagesgeschäft hinausgehende Dimension. Ulf Poschardt trifft des Pudels Kern, wenn er sagt: „Die unsichtbare Trennwand in der Debatte war eine metaphysische.“ Mit anderen Worten: Es geht in der Kontroverse nach seinem Tweet nicht nur um die Frage, ob der Prediger Grün oder Rot ist, ob konservativ oder liberal, politisch oder unpolitisch, sondern darum, welche Rolle Gott eigentlich in der Verkündigung spielt. Macht der Prediger ein geistliches Angebot, das über Tagesschau und Spiegel Online hinaus geht? Poschardt erzählt von seinem Studium bei den Jesuiten. „Die klugen, umfassend gebildeten Patres haben mich schwer beeindruckt. Sie haben mich – etwas philosophisch formuliert – aus meiner transzendentalen Obdachlosigkeit immer wieder befreit.“

Das Evangelium spricht vom lebendigen Gott, vom Schöpfer des Himmels und der Erden. Von Jesus Christus, vom Kreuz und von der Auferstehung. Das Evangelium bringt eine Perspektive der Ewigkeit in die Zeit. Ein Prediger, der das Wort Gottes ohne diese Aspekte verkündigt, der predigt eigentlich gar nicht. Er mag eine kluge Rede halten, aber eben keine Predigt. Die Kanzel ist nicht das Katheder für die Theorien der ideologischen Weltverbesserer, sie ist nicht die Psycho-Couch für Seelenmasseure, nicht das Podium für angesagte Erfolgsrezepte von Promitrainern, und sie ist auch nicht das Pult für politische Reden. Die Kanzel ist der Ort, an dem das Wort Gottes zu Gehör gebracht wird. Das hat politische Konsequenzen, aber eine Predigt darf sich in der Politik nicht verlieren.

Von: Uwe Heimowski

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Fri, 05 Jan 2018 16:15:00 +0100
<![CDATA[Olympia: Atempausen, um Kraft zu tanken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/01/05/olympia-atempausen-um-kraft-zu-tanken/ Die Evangelische und die Katholische Kirche haben gemeinsam ein geistliches Trainingsheft für die deutschen Sportler der Olympischen Winterspiele veröffentlicht. Die Wettkämpfe finden vom 9. bis 25. Februar in der südkoreanischen Stadt Pyeongchang unter dem Motto „Passion. Connected“ (Leidenschaft verbindet) statt. Das Begleitheft ist ebenso für die Teilnehmer der Paralympics gedacht, deren Wettbewerbe vom 9. bis 18. März abgehalten werden.

Die Sportler sollen bei aller Leidenschaft für den Wettkampf auch an die Bibel und die dort eingeforderten notwendigen Atempausen erinnern, um neue Kraft zu tanken, heißt es im Begleitheft. In diesem Zusammenhang wird Psalm 116,7 zitiert: „Komm wieder zur Ruhe, meine Seele, denn der HERR hat dir Gutes erwiesen.“ Das Heft wird jedem Sportler des olympischen Teams bei der Einkleidung ausgehändigt.

Spiele da, um Frieden zu stiften

Das Heft ist als geistliches Trainingsbuch gedacht. Es bietet biblische Texte, Gebete und Meditationen sowie Kurzinformationen zum Christentum in Südkorea. Darin steht etwa, dass 30 Prozent der Koreaner einer christlichen Kirche angehören. Unter dem Themenpunkt „Ankommen“ heißt es zur Erbauung zum Beispiel: Der Herr mache hell deinen Tag. Er lenke einen Sonnenstrahl in dein Herz, wenn das Dunkel dich ängstigt.

Die Spiele seien von der Idee getragen, bei fairem Wettkampf Grenzen zu überschreiten, feindliche Auseinandersetzungen ruhen zu lassen und Frieden zu stiften, sagen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Auch in diesem Jahr werden Seelsorger beider Kirchen die Sportler begleiten. Pfarrer Thomas Weber aus Gevelsberg, der seit dem Jahr 2006 mitreist, ist für die Evangelische Kirche vor Ort. Der evangelische Pfarrer Christian Bode begleitet die Paralympics. Die Katholische Kirche wird von Hochschulpfarrer Jürgen Hünten aus Düsseldorf und Wuppertal vertreten. Für Hünten ist das der erste Einsatz. Seit 1972 entsenden beide Kirchen Seelsorger zu den Olympischen Spielen.

Von: Michael Müller

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Fri, 05 Jan 2018 13:48:00 +0100
<![CDATA[Egoismus nimmt zu: „Ich höre den Aufschrei nicht laut genug“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/01/05/egoismus-nimmt-zu-ich-hoere-den-aufschrei-nicht-laut-genug/ Camping in der Rettungsgasse, Gassi gehen mit dem Hund mitten auf der Autobahn, Wenden am Stauende und als Geisterfahrer weiterfahren – was wie nach einem schlechten Film klingt, ist Anfang September bei einem Unfall auf der Autobahn 5 bei Frankfurt passiert. Die Rettungskräfte hatten kaum eine Chance, zum Unfallort vorzudringen. Ein anderer Fall: Im Frühjahr blockierten Autofahrer eine Rettungsgasse so massiv, dass die Einsatzkräfte zu Fuß weitergehen mussten und dementsprechend viel zu spät an der Unfallstelle eintrafen. Auf dem Weg dorthin wurden sie von Autofahrern angepöbelt und ausgelacht. Nur dem Glück war es geschuldet, dass die Unfall-opfer von anderen Verkehrsteilnehmern erstversorgt wurden und nicht lebensgefährlich verletzt waren.

Berichte wie diese häufen sich und werfen die Frage auf: Was läuft falsch in einer Gesellschaft, in der Menschen, die Leben retten und Gutes tun wollen, immer öfter an der Arbeit gehindert werden? Nicht nur Rettungskräfte, auch die Polizei ist vermehrt mit gewaltsamen Angriffen konfrontiert. Die aktuelle Statistik des Bundeskriminalamtes zu Gewalt gegen Polizeibeamte zeigt: Elf Prozent mehr Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt gab es im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Fälle von versuchten und vollendeten Gewalttaten gegen Polizisten stieg um fast zehn Prozent.

Leben wir in einer Gesellschaft, die immer mehr verroht, rücksichtloser und egoistischer wird?

Gewalt gegen Helfer

„Die Schwere der Taten hat zugenommen“, sagt der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Frank Hachemer. Er hat den Eindruck, dass die Menschen „bereit sind, ihre Interessen viel stärker mit den Ellenbogen durchzusetzen“. Hachemer erinnert sich an einen nächtlichen Einsatz in einem Wohngebiet, bei dem ihm nur knapp eine Bierflasche am Kopf vorbeiflog. Der Grund: Ein Anwohner fühlte sich von den lauten Maschinen wie Pumpen und Stromaggregat der Rettungsfahrzeuge gestört. So ein Verhalten sei völlig unverständlich. „Man ist irritiert, denn wir wollen doch nur Schaden abwenden“, sagt Hachemer. Weil Feuerwehrleute oft ehrenamtlich arbeiteten und eine hohe Motivation mitbrächten, seien Angriffe oder Behinderungen im Dienst besonders verletzend.

Anders als zur Gewalt gegen Polizeibeamte gibt es bis jetzt nur wenige Statistiken über die Situation von Rettungskräften. Die Hamburgerin Janina Dressler versuchte für ihre Doktorarbeit am Kriminologischen Seminar der juristischen Fakultät der Uni Bonn, die Entwicklung zumindest im Ansatz abzubilden. Ihre Befragung im Jahr 2014 von mehr als 1.000 Rettungskräften der vier größten Berufsfeuerwehren Deutschlands in Hamburg, Berlin, Köln und München zeigt, dass viele Einsatzkräfte mit Gewalt konfrontiert werden. Jeder dritte Befragte sei demnach während eines Einsatzes schon geschlagen oder getreten worden. Jeder Fünfte erlebte schon den Angriff mit einer Waffe. 70 bis 80 Prozent wurden schon geschubst und angerempelt. Insgesamt stellte die Hamburgerin mehr als 4.000 Fälle von Übergriffen fest.

„Selbstlosigkeit hat einen schlechten Beigeschmack

Der Psychiater und Neurowissenschaftler Raphael Bonelli beobachtet in den vergangenen Jahren eine „ganz klare Steigerung“, was egoistisches Verhalten betrifft. Bonelli zieht dafür eine Studie der San Diego State University heran. Von 1976 bis 2006 beobachteten Forscher etwa 17.000 Studenten und ermittelten deren „Narzissmuswerte“, also wie sehr sich die jungen Menschen übermäßig um sich selbst drehten. Im Jahr 2006 lagen zwei Drittel der Studenten über dem Durchschnitt der Jahre 1979 bis 1985. Seit den Achtzigerjahren steige bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der krankhafte und grenzwertige Narzissmus stetig an, sagt Bonelli. Er spricht daher von einem zunehmenden Narzissmus in der Gesellschaft.

Der Wissenschaftler macht das auch daran fest, dass „Worte wie Selbstlosigkeit einen schlechten Beigeschmack“ bekommen hätten. Die Fähigkeit zur selbstlosen Hingabe werde abgewertet oder lächerlich gemacht. Auch das Wort „Dienst“, das eine wichtige Rolle für das psychologische Funktonieren des Menschen spiele, werde kaum noch gebraucht

„Der Narzisst kann nichts Höheres anerkennen. Er ist sich selbst der Größte, der Wahrste und der Schönste.“

Berufsbezeichnungen würden umbenannt, häufig in englische Begriffe, sodass der Eindruck entstehe, jeder sei in irgendeiner Weise Chef. Auch der zunehmende Bedeutungsverlust der Religion in der westlichen Welt sei ein Zeichen für zunehmenden Narzissmus. „Religion ist die Königsdisziplin der Selbsttranszendenz“, sagt Bonelli. Selbsttranszendenz bedeute, auf ein Ziel hinzuleben, das höher ist, als man selbst. Das sei wichtig für die psychische Gesundheit. „Der Narzisst kann nichts Höheres anerkennen. Er ist sich selbst der Größte, der Wahrste und der Schönste.“

Der zunehmende Narzissmus zeige sich auch beim Thema Familie. Kinder würden weniger und später geboren, oft, weil Menschen sich zunächst selbst verwirklichen wollten. Partnerschaften seien unverbindlicher. Es gehe nicht mehr um das Zusammensein „in guten wie in schlechten Tagen“. Stattdessen heiße es: „Solange es mir guttut, bleibe ich bei dir.“ Die Frage nach dem eigenen Vorteil stehe im Zentrum.

So lassen sich auch Fälle wie der des Essener Rentners erklären, dem im Oktober 2016 niemand zur Hilfe kam, als er an einem Überweisungsautomaten einer Bank stürzte und reglos liegenblieb. Vier andere Kunden der Bank schenkten ihm keine Beachtung, erst ein fünfter rief den Rettungsdienst. Der Rentner starb eine Woche später an seinen Verletzungen. Drei der vier Kunden müssen sich nun wegen unterlassener Hilfeleistung vor Gericht verantworten.

Ein aktueller Fall: In Rheinland-Pfalz wurde Anfang November ein Mann von einem Auto angefahren und lag mit einer Kopfverletzung auf dem Bürgersteig. Der Unfallverursacher fuhr einfach weiter. Passanten, die der Verletzte um Hilfe bat, gingen weiter und halfen nicht. Der Verletzte hatte Glück: Es gelang ihm schließlich, mit dem Handy selbst Hilfe zu rufen.

Generation Selfie

Auch die Sozialen Medien seien verantwortlich für mehr Egoismus. Dass Plattformen wie Facebook und Instagram selbstdarstellerisches Verhalten förderten, sei „keine Frage“, ist sich Raphael Bonelli sicher. Vor allem auf Instagram gehe es darum, Fotos von sich ins Netz zu stellen und dann Beifall zu erwarten.

Zunehmend egoistisch wirkt auch das Verhalten in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke. Dass der Umgangston dort in den vergangenen Jahren rauer geworden ist und es an Rücksicht und Mitgefühl mangelt, ist offensichtlich. Der Bielefelder Kommunikationswissenschaftler Andreas Zick beobachtet, dass „eine soziale Norm fehlt“. Viele Menschen wüssten nicht, wie man sich im Netz angemessen verhalte. Das zeigten Hasspostings und vorurteilsbeladene Äußerungen. Im direkten Gespräch würde so etwas seltener unbedacht geäußert. Hinzu komme, dass, wer hasserfüllte Äußerungen im Netz tätige, sofort eine „soziale Verstärkung“ bekomme. Andere Nutzer zollten in Form von Lob oder Zustimmung Anerkennung. Es entstehe eine regelrechte „Hate-Community“. Zick beobachtet außerdem eine Wechselwirkung zwischen der realen Welt und der Netzwelt. Die Grundstimmung der Bevölkerung und das Verhalten im Netz beeinflussten dasjenige in der analogen Welt und andersherum. Vor allem für junge Menschen sei die Netzwelt genauso bedeutsam wie die analoge.

Rechtspopulismus kann Egoismus fördern

Das vom Bund geförderte Forschungsprojekt „Nohate – Bewältigung von Krisen öffentlicher Kommunikation im Themenfeld Flüchtlinge, Migration, Ausländer“ gegen Flüchtlings- und Migrantenhetze im Social Web will Hass im Netz eindämmen. Ziel ist eine automatisierte Analyse von Hasskommentaren im Netz in Echtzeit. Ein spezielles Hilfsprogramm soll Webseiten-Betreuern anschließend direkte Handlungsempfehlungen geben, wie sie auf die Beschimpfungen richtig reagieren können. Beteiligt an dem Versuch sind das Social-Monitoring-Unternehmen Vico, das die Software liefert, die Freie Universität Berlin und die Beuth Hochschule für Technik. Das Projekt startete im Oktober und soll drei Jahre laufen.

Verantwortlich für zunehmend egoistisches und rücksichtsloses Verhalten im Netz sei unter anderem die Welle des Rechtspopulismus, sagt Kommunikationswissenschaftler Zick. Seit Beginn der Flüchtlingskrise und von Pegida hätten hasserfüllte Äußerungen im Netz deutlich zugenommen. „Hatepostings sind Teil ihrer Identität“, sagt er zum Beispiel über einen Teil der Pegida-Demonstranten. Das Äußern von Hass schaffe Zugehörigkeit.

Bonelli bestätigt, dass zunehmender Rechtspopulismus wie zum Beispiel durch Parteien wie die „Alternative für Deutschland“ (AfD) für mehr Egoismus in der Gesellschaft sorgen kann, besonders beim Thema Flüchtlinge. „‚Wir sind wir, wozu sollen wir helfen‘ hat sicher eine narzisstische Dimension“, sagt er. Der Psychiater warnt jedoch davor, nur eine Seite schlecht zu machen. Auch das Gegenteil, sich „hemmungslos als Gutmensch zu präsentieren“, zeuge von Narzissmus.

Bonelli beobachtet die aktuelle Entwicklung der Gesellschaft mit Sorge. „Die Menschen werden immer bindungsunfähiger“, sagt er. Das habe zur Folge, dass „man auf sich selbst zurückfällt, auf das eigene Ego, die eigene Leistung“. Der Psychiater spricht von einer „Entsolidarisierung“. Denn die Gesellschaft basiere auf einem Miteinander und darauf, dass es Menschen gebe, die einander dienten. Eine unsolidarische Gesellschaft zerfalle auf Dauer.

„Christen haben einen Sendungsauftrag“

Feuerwehrverbandsvize Hachemer plädiert dafür, bestehende Gesetze konsequenter anzuwenden. Härtere Strafen würden vor allem nur dazu führen, dass über das Problem geredet werde. Letztendlich aber müssten die Menschen selbst zur Einsicht kommen. „Nur Druck machen, geht auf Dauer schief“, sagt er. Hachemer sieht da auch besonders Christen und die Kirche in der Pflicht. „Als Christen haben wir einen Sendungsauftrag.“ Sie sollten sich deshalb ganz besonders für eine solidarischere Gesellschaft einsetzen. Auch von den Kirchen als gesellschaftlicher Kraft erwartet Hachemer mehr. „Die Kirche ist zu leise. Sie muss lauter und deutlicher werden“, sagt er. Die Kirchen kümmerten sich zu sehr um ihre eigene Neu-Aufstellung, statt um die Entwicklung der Gesellschaft.

Bonelli bemängelt, dass zu wenig über das Problem der narzisstischen Gesellschaft gesprochen werde. „Ich höre den Aufschrei noch nicht laut genug“, sagt er. Klares Profil wünscht auch er sich von den Kirchen. Sie würden oft falsche Prioritäten setzen. Bonelli betont ebenso wie Hachemer, dass das Ziel sein müsse, den Einzelnen dazu zu bringen, an sich selbst zu arbeiten. Nur dann verändere sich wirklich etwas. „Die Kirchen sollten es besser wissen“, sagt der Psychiater. Er beobachte jedoch „eine Tendenz, im Mainstream zu schwimmen und sich anzupassen“, um bei den Menschen zu punkten. Die christliche Botschaft „Verleugne dich selbst, nimm dein Kreuz auf dich und folge mir“ stehe dem Zeitgeist aber entgegen. Sie sei nur dann überzeugend, „wenn man es verinnerlicht hat, es selbst glaubt, lebt und verkündet“.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 6/2017 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter Telefon 06441-915-151, per E-Mail an info@kep.de oder online.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 05 Jan 2018 13:13:00 +0100
<![CDATA[Konservativer Islam „keine Bereicherung“ für Deutschland]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/01/05/konservativer-islam-keine-bereicherung-fuer-deutschland/ CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn kann mit den konservativen und reaktionären Strömungen im Islam wenig anfangen. „Nicht alles, was kulturell anders ist, ist per se bereichernd. Ich kann ein rückständiges Frauenbild, Zwangsheirat oder Ehrenmord nicht als bereichernd empfinden“, sagte der Spitzenpolitiker der Rheinischen Post. Diese Form des konservativen, teils reaktionären Islams sei allerdings auch in der Bundesrepublik „weit verbreitet“ und werde „in zu vielen Moscheen in Deutschland jeden Freitag gepredigt“.

Spahn forderte von Linken und Grünen deutlichere Kritik an solchen Ausprägungen des Islams. „Religionskritik war früher eher etwas Linkes. Heute gilt man als rechts, wenn man den Islam kritisiert. Wenn Grüne und Linke so kritisch mit dem Islam umgehen wie mit der katholischen Kirche, wäre ich schon zufrieden“, sagte er.

Von: dpa

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Fri, 05 Jan 2018 12:15:00 +0100
<![CDATA[Christentum, das „Schweizer Taschenmesser unter den Religionen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/01/04/christentum-das-schweizer-taschenmesser-unter-den-religionen/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Im Grunde sei die Bibel einfach nur „verwirrend“. Das stellt schon der GEO-Chefredakteur Christoph Kucklick im Vorwort fest. Die beiden Autoren Kai Michel und Carel van Schaik hätten „Die wahre Bedeutung der Bibel“ erkannt, und daher sei es „höchste Zeit“, die Bibel neu zu lesen, heißt es in GEO.

Die neue Sicht des Literaturwissenschaftlers Michel und des Evolutionsbiologen Schaik auf die Bibel stellt in der Tat einiges auf den Kopf. Die Bibel ist nach ihrer Interpretation ein einziger großer Versuch, ein Volk des Altertums zusammenzuhalten. Sie erfuhr dabei immer wieder „Updates“, weil die vorherigen Versionen Lücken aufwiesen. Auch Gott ist demnach eine Erfindung von schlauen Menschen, um Gesetze durchzudrücken und für Ordnung im Volk zu sorgen.

Die These, die Michel und Schaik in der Titelgeschichte der GEO-Ausgabe darlegen, beginnt mit der Vertreibung aus dem Paradies. Die sei im übertragenen Sinne der Schritt des Menschen zur Sesshaftigkeit vor rund 12.000 Jahren gewesen. Denn wo die Jäger und Sammler noch direkt von den Früchten der Natur lebten, schufen sich Siedler einen Raum, in dem Arbeit, Leid, Krankheit, Missgunst und Streit das Leben zunehmend bestimmten. Also musste diese neue Art des Zusammenlebens organisiert und geregelt werden. Was eignete sich da besser als eine Religion und ein Gott, der bei Zuwiderhandlung straft?

„Karrierevorteil für Israel“

So erklären Michel und Schaik die komplette Bibel. Der Religionskritiker Richard Dawkins habe die Bibel für „grotesk“ erklärt, stellen sie fest. Da überrasche es nicht, „dass die Bibel allenfalls noch an Weihnachten hervorgeholt wird“. Erstaunlich, dass die Autoren all jene Millionen von Gläubigen auf der Welt missachten, die die Bibel durchaus auch an anderen Tagen aufschlagen. Es soll sogar Menschen geben, die geradezu täglich in der Bibel lesen – seien es Juden oder Christen. Und sie gehören keineswegs einem altertümlichen Volk des Nahen Ostens an, das sich gegen die Imperien Ägypten, Assyrien und Babylon zur Wehr setzen muss.

Es ist schwierig, nach der Sichtweise Michels und Schaiks zu erklären, warum auch heute noch viele Menschen den Gott der Bibel für existent und bedeutend für ihr Leben halten. Und so kommen sie in der Tat zu Schlüssen wie: „Gottes Zorn mag Gläubige heute befremden“. Allerdings ignorieren sie, dass auch heute noch Millionen Menschen die Bibel ernst nehmen und also auch einen Zorn Gottes nicht ausschließen können oder wollen. Doch eventuell ordnen sie ihn im Lichte des Evangeliums theologisch ohne Reibungsverluste ein.

Der Monotheismus habe dem kleinen Israel „den entscheidenden Karrierevorteil“ gebracht, behaupten die Autoren. Erstaunlich aber ist, dass historisch betrachtet die Entwicklung („Karriere“) jenes Volkes der Bibel alles andere als erfolgreich verlief. Wer wurde in den Jahrtausenden mehr bekriegt, zerstreut und verfolgt als die Juden?

Die Bibel bessert nach

Michels und Schaiks drehen die biblische Sichtweise um 180 Grad. Nicht Gott hat den Menschen erschaffen, sondern der Mensch Gott; die Gebote sind nicht von Gott zum Wohle des Menschen aufgestellt, sondern vom Menschen zum Wohle des Glaubens an Gott; die Bibel beschreibt nicht Gottes Weg mit den Menschen, sondern den Weg, den die Menschen mit ihrem erfundenen Gott bestreiten. Die Bibel ist nicht länger eine Geschichte von einer Beziehung eines Gottes zu seinem Volk, sondern die Bedienungsanleitung für eine Religion. Die Autoren sind überzeugt: „Deshalb bessert die Bibel nach. Sie ist lernfähig! In den späteren Psalmen tritt uns ein barmherziger Gott entgegen, der auf die spirituellen Bedürfnisse der Individuen Rücksicht nimmt.“

Alle jene Menschen, die laut der Bibel mit Gott zu tun hatten, von Abraham über Mose und König David bis Jona, all der Aufwand der Chroniken, Psalmen und Gesetze – alles wurde im Dienste einer Gemeinschaft erfunden, die sesshaft geworden war. Die Autoren bemerken an einer Stelle selbst ein Problem, das sich aus dieser Sichtweise ergibt. Wenn Gott, wie in der Bibel dargestellt, für Gerechtigkeit sorgt, und Leid eine Prüfung ist, warum bleibt die Gerechtigkeit dann im realen Leben so oft aus? Noch schlimmer: Wieso gab es Märtyrer, die sich opferten? Die Antwort: Die Bibel musste hier erneut nachbessern. Diesmal wurde das Leben nach dem Tod erfunden. Auf das konnten jene hoffen, die in diesem Leben keine Gerechtigkeit erfuhren. Das Christentum schließlich sei dann so weit entwickelt, dass die Autoren vom „Schweizer Taschenmesser unter den Religionen“ sprechen. „Da ist für jeden Bedarf etwas dabei.“

von: Jörn Schumacher

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Thu, 04 Jan 2018 16:42:00 +0100
<![CDATA[Mehr Gemeinsames als Trennendes: Katholiken und Evangelikale]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/01/04/mehr-gemeinsames-als-trennendes-katholiken-und-evangelikale/ Ein Plädoyer für die Ökumene von Pfarrer Gerrit Hohage]]> Ab Donnerstag werden in Augsburg bei der MEHR-Konferenz Angehörige der verschiedensten Konfessionen und Gemeinschaften zusammenkommen, um gemeinsam zu beten und Gott zu loben. Ihre Triebfeder: Das Einssein in der gelebten Jüngerschaft Jesu Christi. Was sie verbindet ist die Erfahrung seiner realen Gegenwart, ist der Glaube an ihn, den wahren und lebendigen Sohn Gottes nach dem Wortlaut der Schrift und den altkirchlichen Bekenntnissen. Es ist die Wirksamkeit seines Heiligen Geistes, der ganz offensichtlich nicht an Konfessionsgrenzen halt macht. Und gerade deshalb gibt es das: Eine Erfahrung der Geschwisterlichkeit, deren Grundlage tiefer liegt als die Unterschiede zwischen den Konfessionen. Sie ist nämlich biblisch – sie entstammt dem hohepriesterlichen Gebet Jesu, aufgeschrieben in Johannes 17, und dem Ruf zur Einheit in 1. Korinther 1.

Evangelikale Christen als Ökumene-Kritiker

Dass es heute solche Treffen gibt, ist keineswegs selbstverständlich. Vor rund hundert Jahren waren die Fronten zwischen katholischen und reformatorischen Christen noch völlig unversöhnlich. Und es ist gerade fünfzig Jahre her, dass unter evangelikalen Christen vor dem „Zusammenschluss der Kirchen“ gewarnt wurde. So lautete der Titel eines damals sehr bekannten Büchleins von Hellmuth Frey. Hierbei handelte es sich vor allem um eine Reaktion auf die Arbeit des 1948 gegründeten „Ökumenischen Rates der Kirchen“, in dem die Katholische Kirche übrigens genau wie die Weltweite Evangelische Allianz lediglich Gaststatus hat.

Dieser „Ökumene“ standen evangelikale Christen stets skeptisch gegenüber: Augenzeugenberichten zufolge scheinen ihre Gremien über Jahrzehnte durch neomarxistisch geprägte Seilschaften dominiert gewesen zu sein, und so sahen mitunter auch die Inhalte aus, über die gesprochen wurde.

Wenn heute manche Evangelikale angesichts des offensichtlich stark verbesserten Miteinanders zwischen Evangelikalen und Katholiken erschrocken die Frage stellen, ob das denn so sein darf oder ob man sich hier am Ende in dasselbe liberale Fahrwasser begibt oder sich mit dem Antichristen oder der Hure Babylon einlässt, dann muss man genau hinsehen. Denn hier gibt es einige Fäden, die entwirrt werden müssen, und es muss geprüft werden, ob die damaligen Gründe für den traditionellen evangelikalen Konfessionalismus heute wirklich noch zutreffen. Vier Fäden aus dem Knäuel sollten dringend freigelegt werden:

Erstens: Textstudium reicht nicht

Vor hundert beziehungsweise fünfzig Jahren haben sich Evangelikale mit der Katholischen Kirche vor allem durch das Studium dogmatischer Verlautbarungen beschäftigt. Persönliche Begegnungen waren selten, kamen aber vor. Denn einige der evangelikalen Vorväter (und –Mütter!) haben intensive persönliche Kontakte zu Katholiken gehabt und dabei dieselbe Erfahrung tiefer geistlicher Verbundenheit gemacht wie in überkonfessionellen Bewegungen heute.

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf zum Beispiel waren konfessionelle Grenzen angesichts der Nachfolge Jesu nachgeordnet. Anna Schlatter, die Urgroßmutter des Tübinger Theologen Adolf Schlatter, war im 18. Jahrhundert für ihre überkonfessionellen Kontakte bekannt. Warum ist das wichtig? In der persönlichen Begegnung spürt man den Geist, der da weht. Wenn zwei Menschen zu Jesus gehören, dann sagt der Heilige Geist im einen dem Heiligen Geist im anderen „guten Tag“. Diese Erfahrung kann man nicht machen, wenn man sich lediglich mit Texten beschäftigt und keinen Anhaltspunkt hat, wie diese zu verstehen sind.

Zweitens: Gemeinsame Überzeugung – Christus ist das Fundament

In der Begegnung mit Katholiken kann man vieles lernen, zum Beispiel, welch erhebliche Bedeutung das zweite Vatikanische Konzil für sie hat. Es gibt Katholiken, die sagen: Das war unsere Reformation. Dieses Konzil markiert tatsächlich einen Wendepunkt: Wir haben es heute mit einer Katholischen Kirche zu tun, die eine tiefgehende geistliche Erneuerung durchlaufen hat, und zwar eine christozentrische. Christus das Fundament, Christus in der Mitte.

Hier an dieser zentralen Stelle stehen sich Katholiken und Evangelikale viel näher als vor hundert Jahren und auch näher als evangelische Christen, die aus dem Liberalismus hervorgegangen sind. Denn der Christus, der bei uns gemeinsam in der Mitte steht, ist der geglaubte und verehrte Jesus Christus der Schrift und der Bekenntnisse und nicht der rekonstruierte multiple „historische Jesus“ kritischer Wissenschaftler – der wahre Christus und nicht das individuelle Christusbild des Einzelnen. Nicht wir verbinden uns, sondern unser lebendiger Herr Jesus Christus: Das ist gemeinsame Überzeugung.

Drittens: Bemerkenswertes Dokument der Geschwisterlichkeit

Die Weltweite Evangelische Allianz (WEA) und der Vatikan (als Leitung der katholischen Weltkirche) haben in den vergangenen Jahren intensive Begegnungen im Sinne von „Lehrgesprächen“ durchgeführt. Das Ergebnis ist ein Dokument mit dem Titel „,Schrift und Tradition’ und ,Die Rolle der Kirche für das Heil‘“, das zu Jahresende herausgekommen ist und an dem vieles bemerkenswert ist. Zum Beispiel, mit welcher Hochachtung und Wertschätzung beide Seiten miteinander umgehen, dabei Unterschiede nicht zudecken, sondern sie auf Basis der gefundenen gemeinsamen Grundlage als geschwisterliche Fragen einander stellen. Möglich macht dies die Erkenntnis: Beide Seiten erkennen das alles Entscheidende, nämlich dass Jesus Christus für unsere Sünde am Kreuz gestorben ist, uns mit Gott versöhnt und uns persönlich in seine Nachfolge ruft, als gemeinsame Grundlage ihres Glaubens an. Das verbindet mehr als Trennendes trennen kann.

Man staunt beim Lesen, wie weit die Gemeinsamkeiten reichen. Die „geschwisterlichen Fragen“, die gestellt werden, heben denn auch nicht einfach Unterschiedlichkeiten hervor, sondern weisen auf tatsächlich vorhandene Sachprobleme hin, vor denen wir alle in einer Zeit des um sich greifenden Säkularismus und Relativismus stehen. Eine davon ist, wie wir Evangelikale es schaffen wollen, angesichts zunehmender einander widersprechender Auslegungen der Heiligen Schrift auch in zentralen Themen die Einheit des Glaubens zu wahren, ohne dabei auf die „Tradition“ (z.B. die Glaubensväter, und seien es die aus unserer eigenen Bewegung) oder ein Lehramt zurückzukommen. Kann die evangelikale Auffassung der Heiligen Schrift als „höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung“ (Glaubensbasis der Ev. Allianz) diese Glaubenseinheit aus sich selbst heraus noch gewährleisten? Welche Methode haben wir dafür?

Solche Überlegungen wie diese geben Anlass zu einem gemeinsamen, zutiefst geistlichen Fragen an den Herrn der Kirche und darum sind sie ein geschwisterlicher Dienst aneinander. Freilich ist der Themenkreis dieses Dokumentes begrenzt. Der evangelikale Theologieprofessor Thomas Schirrmacher, der für die WEA bei den Gesprächen mit dabei war, hat gesagt, dass die Marienverehrung, die wohl das größte Hindernis bei der evangelikal-katholischen Geschwisterlichkeit sein dürfte, noch nicht zur Sprache gekommen ist. Das zeigt nur: Es gibt noch viel zu entdecken und einander zu fragen auf dem Weg gemeinsamer Geschwisterlichkeit.

Viertens: Gemeinsam leiden, gemeinsam loben

Manchen Evangelikalen gehen solche Gespräche allerdings viel zu weit. Ist nicht die Katholische Kirche die „Hure Babylon“ aus der Offenbarung des Johannes, hat der Papst nicht die „666“ auf der Tiara? Solche und ähnliche Gedanken kommen aus den vielen Endzeitbewegungen und -Überlegungen, die untrennbar Teil der evangelikalen Bewegung sind. Und sie sind, mit einem katholischen Begriff gesprochen, „Tradition“, die nach reformatorischer Lesart an der Schrift zu prüfen ist. Nun löst die Schrift das Rätsel, wer genau der Antichrist oder die Hure Babylon ist, bekanntlich nicht selbst auf. Aber sie mahnt die, die an den wahren Herrn Jesus Christus glauben, zur Einheit.

Heute werden katholische Christen genauso verfolgt wie evangelikale und orthodoxe (die sogar am meisten). Katholische Christen bangen wie evangelikale in den westlichen Ländern um die Religionsfreiheit und möchten evangelisieren, damit Menschen durch Christus gerettet werden. Ich glaube, es steht uns gut an, sagen zu können: Vielleicht haben sich unsere Glaubensväter an diesem Punkt ganz einfach geirrt. Es gibt keinen geistlichen, vom Heiligen Geist gewirkten Grund mehr, das heute noch so zu sagen. Und selbst wenn die Katholische Kirche das Potenzial dazu einmal gehabt haben sollte, so zu werden, sieht die Situation heute anders aus: Wir haben die für uns entscheidenden Grundlagen des Glaubens und viele ethische Ansichten gemeinsam. Wir sind als Jünger desselben Herrn Jesus Christus auf je unsere Weise unterwegs. Und immer mehr gemeinsam, in überkonfessionellen Projekten wie der MEHR 2018, zum Lob und zum gemeinsamen Zeugnis für unseren Herrn.

Von: Gerrit Hohage

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Thu, 04 Jan 2018 15:16:00 +0100
<![CDATA[Was uns der Mordfall von Kandel lehrt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/03/was-uns-der-mordfall-von-kandel-lehrt/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Ein junger Afghane, als Flüchtling nach Deutschland gekommen, ersticht in einem Drogeriemarkt der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Kandel ein einheimisches Mädchen. Sie war 15, ihr Mörder mutmaßlich auch. Diese Nachricht sorgt seit kurz vor dem Jahreswechsel für Aufregung. Nicht nur wegen der furchtbaren Tat selbst und weil nicht klar ist, ob der Täter wirklich minderjährig ist, sondern auch weil die ARD in ihren Nachrichten zunächst nicht darüber berichtete.

Täter und Opfer kannten sich, sie waren einmal ein Paar gewesen, die Familie des Mädchens hatte den Jugendlichen bei sich aufgenommen. Nach dem Ende der Beziehung stellte er ihr trotzdem noch nach, wurde wegen Bedrohung, Nötigung und Beleidigung angezeigt, von der Polizei vorgeladen. Es ist nicht der erste Fall dieser Art. Kurz vor Weihnachten wurden zwei ähnliche Mordversuche von jungen Afghanen an ihren Verflossenen bekannt. Nicht zuletzt ruft die Tat den Mord an einer Freiburger Studentin im Oktober vor einem Jahr in Erinnerung, auch dort wurde ein Flüchtling zum Täter.

Bei jenem Fall hatte die ARD ebenfalls zunächst nicht berichtet und deswegen heftige Kritik auf sich gezogen. Zu lokal, hieß es damals; die Tagesschau berichte nicht über Beziehungstaten, so die Begründung im aktuellen Fall. Und regelmäßig steht die Frage im Raum: Muss die Herkunft des Täters genannt werden? Reflexartig mahnen nach solchen Vorfällen die einen, Flüchtlinge dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden; auf der anderen Seite des politischen Spektrums wird genau das getan. Die einen leugnen, dass die Tat etwas mit der Herkunft zu tun habe, die anderen sehen sie als Beleg dafür, dass von Flüchtlingen aus muslimischen Ländern eine Gefahr ausgehe.

Ein Mensch wird nicht wegen seiner Nationalität zum Mörder

Die Einschätzung der Redakteure von ARD-aktuell, dass es sich in Kandel um eine Beziehungstat handelte, ist nicht völlig verkehrt. Aber in dem Fall ist die Sachlage doch komplexer, sodass es natürlich ein überregionales, bundesweites öffentliches Interesse gibt. Und in dem Zusammenhang ist auch die Herkunft des Täters eine wichtige Information, weil die Hintergründe der Tat offensichtlich etwas damit zu tun haben, dass er als Flüchtling nach Deutschland kam, hat er doch zeitweise bei der Familie seines Opfers gelebt. Schwere Kriminalfälle mit Flüchtlingen als Täter oder Opfer haben fast automatisch eine politische Dimension. Trotzdem – und das bleibt die Herausforderung – darf man es sich nicht zu leicht machen und eine einfache Kausalität herstellen: Als hätten die jungen Afghanen in den genannten Fällen gemordet, weil sie aus diesem Land kommen oder weil sie Muslime sind. Die Gründe, zum Mörder zu werden, sind in jedem Fall vielschichtig.

Das zeigt eine aktuelle Studie, die der Kriminologe Christian Pfeiffer und seine Kollegen Dirk Baier und Sören Kliem für das Bundesfamilienministerium durchführten. Sie wiesen einen Zusammenhang nach zwischen mehr Gewalttaten und der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen in Deutschland. Einen Grund dafür sehen die Forscher darin, dass unter den Flüchtlingen nur wenige Frauen seien. Flüchtlinge lebten häufig in Männergruppen zusammen und orientierten sich „an gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen“. Frauen zivilisierten die Männer, sagte Pfeiffer im Gespräch mit dem ZDF. Deshalb plädiert er aus kriminologischer Sicht unter anderem dafür, dass auch die Familien von Flüchtlingen nach Deutschland kommen können. Auch fehlende Lebensperspektiven von denen, die nicht hierbleiben dürfen, führten zu Frustration und eher zu Gewaltbereitschaft. Hier sieht der Forscher Bedarf, stärker vorbeugend aktiv zu werden – etwa mit besseren Bildungsmaßnahmen hier oder auch mit Rückkehrprogrammen, die in den Heimatländern Perspektiven vermitteln.

Die Frage der Ausländerkriminalität wird von deutschen Medien und Behörden oft mit spitzen Fingern angefasst, weil sie Angst haben, fremdenfeindliche Einstellungen zu fördern. Aber diese Fälle zu relativieren und die Bevölkerung zu beschwichtigen, hilft ebensowenig dabei, Kriminalität von Migranten einerseits wie auch Hass gegenüber Migranten andererseits in den Griff zu bekommen. Ob die Vorschläge von Pfeiffer dem Mädchen aus Kandel tatsächlich das Leben gerettet hätten? Das bleibt offen. Eine Aufgabe bleibt es, sich von politischer Überkorrektheit zu befreien und Kriminalität von Flüchtlingen samt ihren Ursachen auch als solche zu benennen. Denn nur dann kann man konkret dagegen vorgehen – bestenfalls schon bevor etwas passiert. Und nur dann kann man auch glaubhaft einer generellen Fremdenfeindlichkeit entgegentreten. Das ist es, was Deutschland aus dem Mordfall von Kandel lernen kann.

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 03 Jan 2018 17:58:00 +0100
<![CDATA[USA: Identitätskrise der Evangelikalen?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/01/03/usa-identitaetskrise-der-evangelikalen/ „Die evangelikalen Christen in den USA durchleben gerade eine Identitätskrise“, schreibt der Journalist Tom Gjelten vom National Public Radio (NPR) unter der Überschrift „2017 war ein schweres Jahr für Evangelikale“. „Anders als andere Religionsgemeinschaften umfasst die evangelikale Bewegung eine Spanne von unterschiedlichen Perspektiven und Tendenzen und ist deshalb anfällig für Zersplitterung und Meinungsverschiedenheiten“, erklärt der Autor.

Die derzeitige Krise basiere etwa darauf, dass einige selbsternannte Evangelikale Präsident Donald Trump oder auch den mittlerweile gescheiterten Senatskandidaten Roy Moore öffentlich unterstützen. Dabei seien beide bekannt dafür, eher Ressentiments gegenüber andere Gruppierungen zu schüren anstatt Einheit zu schaffen. „Bei einigen Evangelikalen beschädigt ein Muster aus Narzissmus, Lügen, Frauenfeindlichkeit und Verunglimpfung von Immigranten und Flüchtlingen ihre religiöse Tradition.“

Viele prominente evangelikale Vertreter hätten inzwischen öffentlich gesagt, dass sie das Label evangelikal ablegen wollten wegen der politischen Konnotation, die das Wort mittlerweile habe. Dabei stamme das Wort „evangel“ aus dem Altgriechischen und bedeute in etwa „gute Nachricht“, erinnert Gjelten.

Die Bedeutung des Wortes „evangelikal“

Der Journalist zitiert Collin Hansen von der Organisation „Gospel Coalition“ mit den Worten: „Für alle diejenigen unter uns, die sich wünschen, dass unsere Nachbarn die Liebe Jesu Christi kennen lernen, ist das ein tragischer Moment. Dabei bedeutet das Wort ‚evangel‘, das uns zu Evangelikalen macht, die Gute Nachricht, aber unsere Nachbarn hören nur eine bestimmte politische Agenda oder eine bestimmte Art von Angst und Frustration.“

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes „LifeWay Research“ habe ergeben, dass weniger als die Hälfte der so genannten evangelikale Christen in Amerika überhaupt die Autorität der Bibel anerkennt oder glaubt, dass Jesus Christus der Weg zur Vergebung der Sünden sei. „In den vergangenen Jahren bekam das Label evangelikal zunehmend eine politische Konnotation“, schreibt Gjelten.

Ebenso habe Mark Galli, Chefredakteur von Christianity Today, festgestellt: „Die Wahrnehmung ist, dass Evangelikale vor allem politisch konservative Menschen sind, und ihre Religion nur der Anstrich.“ Stephen Strang, der in seinem neuen Buch „God and Donald Trump“ versucht zu erklären, warum etwa 80 Prozent der weißen Evangelikalen Trump bei der Wahl unterstützt haben, stimmt der Ansicht zu, dass Amerika auf dem Weg in eine zunehmende Säkularisierung sei. Aber das Mittel dagegen sei nicht die Politik. „Die Leute denken: ‚Wenn ich nur noch dieses kleine Gesetz durchbringe, kommen wir dem Himmelreich ein kleines bisschen näher.‘ Ich glaube, das ist ein riesiger Irrtum.“

Scott McConnell, der die Umfrage von „LifeWay“ durchführte, ist überzeugt, dass die Zukunft eine Öffnung von Evangelikalen zu anderen Kulturen mit sich bringe. Jüngere Evangelikale hätten viel eher Beziehungen auch zu Menschen anderer Ethnien, und das führe dazu, dass die evangelikale Bewegung immer weniger politisiert werde.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 03 Jan 2018 15:07:00 +0100
<![CDATA[Europa reagiert falsch auf die Proteste im Iran]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/01/03/europa-reagiert-falsch-auf-die-proteste-im-iran/ Ein Kommentar von Moritz Breckner]]> Seit einer Woche gehen im Iran zehntausende Menschen auf die Straße. Ihre anfängliche Kritik an den hohen Lebenshaltungskosten und der Wirtschaftspolitik hat sich zu Protesten gegen das gesamte Establishment ausgeweitet. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet von Parolen wie „Mullahs, schämt euch, lasst unser Land in Ruhe", „Tod den Diktatoren" oder „Tod den Taliban“. Teilweise arteten die Proteste in Gewalt aus, beispielsweise gegen Polizeiwachen und Kasernen – bislang gab es mindestens 19 Tote. Die Demonstranten, die sich in Städten im ganzen Land versammeln, fordern mehr Freiheit und kritisieren etwa, dass der Iran die Hamas im Gazastreifen oder die Regierung von Syriens Machthaber Baschar al-Assad unterstützt.

Die Anliegen der Demonstranten verdienen Solidarität und Unterstützung. Der islamische Klerus um Präsident Hassan Rohani und Ajatollah Ali Chamenei unterdrückt Meinungs- und Religionsfreiheit, verfolgt Minderheiten wie Homosexuelle mit Folter und Todesstrafe. Der Wechsel der Religion – etwa vom Islam zum Christentum – kann mit dem Tode bestraft werden. Die Regierung des Iran gehört zu den stärksten Finanziers von Terrorismus im Nahen Osten. All das muss ein Ende haben.

Wie reagiert Europa auf die Situation? Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini gab am Mittwoch bekannt, dass die EU das Geschehen „aufmerksam verfolge“, und doch bitte die Versammlungsfreiheit zu respektieren sei. Das Statement ist ein bedeutungsloser Allgemeinplatz, weniger geht kaum. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron äußerte Ähnliches in einem Telefonat mit Rohani, für Deutschland mahnte der geschäftsführende Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Gewaltfreiheit.

Die USA und Israel haben den richtigen moralischen Kompass

Zwei andere Staaten zeigen, wie eine angemessene Reaktion auf die Proteste aussehen kann: Die USA mit Präsident Donald Trump und Israel mit Premierminister Benjamin Netanjahu. Trump zollte den Demonstranten öffentlich Respekt und lobte auf Twitter, diese stünden endlich gegen ein korruptes Regime auf. Auch bei den Vereinten Nationen setzen sich die USA für Solidarität mit den Demonstranten ein.

Israels Premierminister Netanjahu veröffentlichte ein Video, in dem er erklärt: „Es ist traurig, dass viele europäische Regierungen schweigend dabei zusehen, wie mutige junge Iraner auf den Straßen verprügelt werden.“ Er wolle nicht schweigen, und erklärt: „Ich wünsche den Menschen im Iran Erfolg bei ihrem gerechten Streben nach Freiheit.“ Wenn das iranische Regime falle, das weltweit Streit säe, könnten Israel und die Islamische Republik Freunde werden. Derzeit sieht sich Israel wegen Drohungen aus dem Iran massiv gefährdet.

Natürlich birgt die Situation im Iran auch Risiken. Einige Reformer befürchten, nach einem Fall der Regierung Rohani könnten Hardliner die Macht ergreifen. Andere verweisen auf die Revolutionen in Ägypten, Syrien oder dem Libanon – dort folgten ein blutiges Chaos und Flüchtlingsströme auf das Ende der Unterdrücker.

Diese Risiken rechtfertigen aber nicht die Unterstützung einer Diktatur, die das eigene Volk unterdrückt und Terror in ihre Nachbarstaaten exportiert. Zudem: Im Iran handelt es sich allem Anschein nach um einen liberalen Protest gegen eine islamistische Regierung, nicht um islamistischen Protest gegen ein säkulares Regime.

Die USA und Israel haben in dieser Sache den richtigen moralischen Kompass – Europa druckst mal wieder herum.

Von: Moritz Breckner

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Wed, 03 Jan 2018 14:45:00 +0100
<![CDATA[Spender retten katholische Wochenzeitung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/01/03/spender-retten-katholische-wochenzeitung/ Die katholische Wochenzeitung Die Tagespost im Bistum Würzburg rief im November ihre Leser zu einer Spendenaktion auf. Mit dem Aufruf „Rettet die Tagespost“ konnte die Zeitung ihr Ziel von knapp 300.000 Euro erreichen. Der Johann-Wilhelm-Naumann-Verlag in Würzburg, Herausgeber der Tagespost, beschrieb die Reaktion auf den Spendenaufruf als „beispiellose Welle der Solidarität“.

Beteiligt hätten sich an der Aktion „Rettet die Tagespost“ ausschließlich Einzelspender und keine institutionellen kirchlichen Geldgeber, wie Chefredakteur und Geschäftsführer Oliver Maksan mitteilte. Nicht nur das Erscheinen der Zeitung im kommenden Jahr sei gesichert, sondern es seien auch erste Zukunftsinvestitionen etwa für die neue Internetredaktion getätigt worden.

Zehn Prozent zusätzliche Abonnenten bis 2018

In Zukunft werde die Zeitung nur noch einmal pro Woche in gedruckter Form erscheinen. Auch die Leser seien durch eine Umfrage in die Neuausrichtung mit eingebunden worden. 99 Prozent aller Befragten hätten die Einführung weiterer Schwerpunkte wie etwa Glaubensvermittlung, Familie und Bildung befürwortet.

Derzeit erscheint die Zeitung nach eigenen Angaben mit rund 9.500 Exemplaren. Bis 2018 müssten noch mindestens zehn Prozent zusätzliche Abonnenten gewonnen werden, um das nötige Wachstum zu erreichen.

Von: Jennifer Adam

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Wed, 03 Jan 2018 14:18:00 +0100