Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 27 Jun 2017 14:21:38 +0200 <![CDATA[Kanzlerin rückt vom klaren Nein ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/06/27/kanzlerin-rueckt-vom-klaren-nein-ab/ In den vergangenen Wochen war die „Ehe für alle“ eines der bedeutendsten Themen im Bundestags-Wahlkampf. SPD, Grüne und FDP möchten einen Koalitionsvertrag, in dem die „Ehe für alle“ schriftlich fixiert ist. Jetzt ist auch Bundeskanzlerin Angela Merkel von dem klaren Nein ihrer CDU zur Ehe für alle abgerückt. Bei einer Veranstaltung mit der Zeitschrift „Brigitte“ sagte Merkel am Montagabend in Berlin, sie wünsche sich eine Diskussion, die „eher in Richtung einer Gewissensentscheidung geht“.

Wenn der Fraktionszwang aufgehoben werden sollte, gilt eine Mehrheit für die Ehe für alle als sicher. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat die Bundeskanzlerin die Linie mit CSU-Chef Horst Seehofer abgesprochen. Merkel sagte, sie habe natürlich zur Kenntnis genommen, wie jetzt alle Parteien außer der Union zu dem Thema stünden.

Wunsch nach Respekt und Achtung

Sie sei „bekümmert“, sagte die Kanzlerin, dass diese sehr individuelle Frage Gegenstand von „Parteitagsbeschlüssen und plakativen Dingen“ sei. Sie wolle mit der CDU und der CSU „anders darauf reagieren“. Sie selbst und viele Mitglieder in der Union beschäftigten sich intensiv mit dem Thema. Sie wünsche sich, dass die Debatte trotz Wahlkampfs mit Respekt und Achtung geführt werde – auch vor den Menschen, die sich schwer mit der Frage tun und kirchlich gebunden seien.

Sie finde es aber seltsam, dass in der Koalition in vier Jahren darüber nicht richtig gesprochen worden sei und es „plötzlich holterdiepolter“ gehen solle. Mit ihrem Abrücken von ihrer bisherigen Linie könnte eine wichtige Hürde für eine Koalitionsbildung nach der Bundestagswahl im September fallen.

Beck: "Erneuten Wahlkampf zum Thema ersparen"

Ihr Herausforderer, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, hatte beim Parteitag der Sozialdemokraten am Sonntag in Dortmund gesagt, Merkel und die Union drückten sich vor inhaltlichen Aussagen und nähmen damit eine geringere Wahlbeteiligung in Kauf: „Ich nenne das einen Anschlag auf die Demokratie.“ Dies hatte für Empörung bei der Union gesorgt. Die SPD hatte die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften am Sonntag auf ihrem Parteitag in Dortmund zur Bedingung für eine Koalition gemacht - so wie zuvor bereits die FDP und die Grünen. Die Union hatte dies bislang abgelehnt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann hatte am Montagabend getwittert: „Danke Angela Merkel! Wie befreiend! Von mir aus könnten wir gerne noch diese Woche abstimmen!“ Der Grünen-Politiker Volker Beck forderte diese Abstimmung am besten noch in dieser Woche. Damit könne die Kanzlerin der Bevölkerung einen erneuten Wahlkampf zu dem Thema ersparen. „Wir können diese Woche abstimmen. Auf geht’s!" twitterte der gleichstellungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Sönke Rix. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christina Lüders, wünscht sich ebenfalls diese Vorgehensweise. Laut einer Umfrage seien 83 Prozent der Deutschen für die Ehe-Öffnung.

Homosexuelle Paare in Deutschland können ihre Lebenspartnerschaft seit 2001 offiziell eintragen lassen. Inzwischen wurden diese Paare in vielen Bereichen, etwa bei Unterhaltspflicht, im Erbrecht oder beim Ehegattensplitting, verheirateten heterosexuellen Paaren gleichgestellt. In Fragen des Adoptionsrechtes werden homo- und heterosexuelle Paare derzeit nicht gleichgestellt. So dürfen Homosexuelle nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2013 in einer Lebenspartnerschaft zwar Adoptivkinder des Partners adoptieren. Die gemeinsame Adoption eines Kindes ist jedoch nicht möglich.

SPD, Grüne und FDP haben die völlige Gleichstellung von Homosexuellen bei der Ehe zur Bedingung für eine Koalition gemacht. Auch die Linke fordert die Ehe für alle. (pro/dpa)

Von: jw

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Tue, 27 Jun 2017 10:17:00 +0200
<![CDATA[„Religionsfreiheit gilt nur für eine islamische Konfession“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/06/26/religionsfreiheit-gilt-nur-fuer-eine-islamische-konfession/ Bei einem Gespräch im Fahrradladen kommt der Ladenbesitzer mit seinem Kunden auf Religion zu sprechen. Dabei sagt er, dass Christen glaubten, Jesus sei der entscheidende und letzte Prophet. Darüber entflammt ein Streit, der immer mehr Menschen aus der Nachbarschaft anzieht. Diese Behauptung sei respektlos gegenüber dem islamischen Propheten Mohammed, der 600 Jahre nach Jesus lebte, lautet der Vorwurf gegen den 28-jährigen Fahrradhändler Ashfaq Masih. Doch der bleibt bei seiner Position. Als die Polizei verständigt wird, nimmt sie den Mann fest. Seine Familie flieht. Der Anwalt will eine Freilassung auf Kaution erwirken.

Das soll sich laut der christlichen Menschenrechtsorganisation „World Watch Monitor" vor wenigen Tagen in Pakistan zugetragen haben. In der islamischen Republik herrscht offiziell Religionsfreiheit, solange sich die Religionsgemeinschaften an Gesetz, öffentliche – islamische – Ordnung und Moral halten. Doch immer wieder gibt es Berichte darüber, dass Christen verhaftet oder gar gelyncht werden. Auf der Rangliste der Länder, in denen Christen am stärksten verfolgt werden, steht laut der Organisation „Open Doors“ Pakistan an vierter Stelle.

Christen haben es auf dem Land schwerer

Der christliche pakistanische Journalist Asif Aqeel sagte im Gespräch mit pro: „Ich sehe überall Religionsfreiheit. Wir als Christen halten Kampagnen und Gottesdienste auf offener Straße ab.“ Doch das sei nur eine Seite des Bildes. Vor allem in abgelegenen Dörfern sei es für Christen schwieriger als in Städten. Dort könne es sein, dass sie gar keinen Gottesdienste feiern könnten, weil das die Muslime des Ortes beleidigen würde.

Solche Erfahrungen machten auch andere Religionsgruppen. Hindus könnten in der Provinz Sindh im Südosten freier ihre religiösen Treffen durchführen, während das nördlich davon in der Region Punjab schwierig sei. Ahmadis, Angehörige einer islamischen Sekte, dürften ihre Versammlungsorte nicht Moschee nennen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ dürfen Ahmadis bei Strafe ihren Glauben gar nicht ausüben. Außerdem sei es gängig, hinduistische Mädchen mit muslimischen Männern zu verheiraten.

„Es kommt darauf an, wen man fragt und in welchem Teil des Landes man die Menschen fragt“, erklärt Aqeel, der sich vor allem mit religiösen Minderheiten beschäftigt. „Ich selbst genieße Religionsfreiheit als Journalist und kann mich oft äußern. Aber dieselbe Freiheit können Christen, die in einem abgelegenen Dorf wohnen, nicht genießen.“

Blasphemievorwurf vor allem gegen Christen

Das Land, das zwischen dem Iran, Afghanistan, China und Indien liegt, ist zweieinhalb Mal so groß wie Deutschland. Von seinen geschätzt rund 200 Millionen Einwohnern sind 2,8 Millionen Christen, 96 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Der Islam ist Staatsreligion. Und wer etwas gegen den Islam sagt, kann schlimmstenfalls mit dem Tod bestraft werden. Die meisten Christen in den Städten leben und arbeiten zusammen mit Muslimen, sagt Aqeel. „Aber wenn sie mit religiösen Fragen konfrontiert werden, schweigen sie, weil sie Vergeltung befürchten.“

Das Blasphemie-Gesetz werde durchaus auch missbräuchlich angewandt – gegen Muslime genauso wie gegen Angehörige einer anderen Religion. Gemessen am Bevölkerungsanteil seien Christen jedoch am häufigsten von dem Vorwurf betroffen, schreibt der Präsident des katholischen Hilfswerkes „missio“, Klaus Krämer, in einem Länderbericht über Pakistan. „Das Perfide am Blasphemiegesetz ist, dass in zahlreichen Fällen, in denen diese Vorschriften angewandt worden sind, überhaupt keine entsprechenden konkreten Handlungen gegeben waren. Es ist das allgemeine, von islamischen Fundamentalisten bestimmte Klima, das die leichtfertige und willkürliche Anwendung des Blasphemiegesetzes so leicht macht.“

„In Pakistan bedeutet Religionsfreiheit Freiheit für eine einzige islamische Konfession. Alle anderen leiden“, sagt der Journalist Aqeel. Religion und Politik seien in Pakistan miteinander vermischt, die Politik habe die Religion in die Öffentlichkeit gebracht – jedoch mit der Folge, dass Minderheiten mit einem anderen Glauben Probleme haben, diesen zu leben und öffentlich zu zeigen. Religionsfreiheit, die allen Religionen die gleichen Rechte garantiert? „In meinem Land läuft das nicht so.“ (pro)

Von: jst

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Mon, 26 Jun 2017 18:24:00 +0200
<![CDATA[Warum drei Luther besser sind als einer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2017/06/26/warum-drei-luther-besser-sind-als-einer/ Eine Rezension von Michael Müller]]> Drei Darsteller spielen gleichzeitig verschiedene Persönlichkeiten Martin Luthers im Bühnenstück „Luther – Der Anschlag“. Geplant waren ursprünglich sogar vier Schauspieler, um Luthers biografische Facetten darzustellen. Aber am vergangenen Mittwoch war es bei den Bad Hersfelder Festspielen zu einem Eklat gekommen. Der als Luther-Darsteller eingeplante Paulus Manker vom Wiener Burgtheater verkrachte sich in der Probe vor der Uraufführung mit Regisseur Dieter Wedel. Manker hätte Luther als Wutbürger darstellen sollen. Die Aufgabe kam dann dem Schauspieler Christian Nickel zu, der im Stück bereits Luther als Reformator darstellt. Nicht nur deshalb war es eine denkwürdige Weltpremiere in der Stiftsruine, die als größte romanische Kirchenruine der Welt gilt.

Schon der Titel des dreistündigen Stücks kann als Provokation verstanden werden. Heute liegt bei dem Wort „Anschlag“ die Assoziation zum Terrorismus näher als zum Thesenanschlag an die Schlosskirche in Wittenberg. Damit spielen Regisseur Wedel und die beiden Dramaturgen Hans-Joachim Ruckhäberle und Michael Propfe bewusst. So finden sich vor dem eigentlichen Stück Bilder aus Kriegsgebieten wie Syrien, die auf zwei großen Bildschirmen am Bühnenrand laufen. Der Tagesschau-Sprecher Jan Hofer bringt die Bilder im Off-Text mit „religiösem Wahn“ in Verbindung.

Teufel in roten Pumps

„Luther – Der Anschlag“ hat acht Kapitel. Immer thront auf der Bühne im Hintergrund ein großes Kreuz, das mal nächtlich blau, goldgelb oder gar nicht angestrahlt ist. Das Stück von Wedel, der in den 1990er-Jahren TV-Straßenfeger wie „Der Schattenmann“ inszenierte und jetzt Intendant der Bad Hersfelder Festspiele ist, wirft Schlaglichter auf die unterschiedlichen Lebensstationen des Reformators. Das zweite Kapitel, „Das schwarze Kloster“, das um Luthers Zeit im Augustinerkloster in Erfurt kreist, durchleuchtet etwa seine junge Psyche.

Der Teufel sucht Luther in Person einer jungen Frau (Corinna Pohlmann) heim, die ein rotes Abendkleid trägt und unentwegt raucht. Bei ihrem ersten Auftritt steigt sie lasziv aus einer Luke im Bühnenboden. „Du hast dich eingegraben in meinen Unterleib“, schreit der überforderte Luther, der mit dem Teufel auf der Bühne ringt und der Selbstbefriedigung entsagt. Die Erkenntnis zu Gottes Gnade kommt Luther auf dem Donnerbalken. So, wie das Stück überhaupt eine eigenartige Faszination mit Luthers Verdauung pflegt.

Luther trifft seinen Vater (Joern Hinkel). „Wo ist deine Freude?“, hinterfragt der die Entscheidung Luthers, ins Kloster gegangen zu sein. Während Maximilian Pulst als Luther im Zentrum der Bühne mit dem Vater agiert, kniet auf einem abseits am Boden liegenden Kreuz Janina Stopper. Auch sie ist Luther. Genau genommen spiegelt die zierliche Schauspielerin mit der aufgeklebten Tonsur die reinen Emotionen Luthers, etwa Angst oder Verzweiflung. Stoppers größtenteils pantomimische Luther-Interpretation hat die Aufgabe, als Übersetzerin der Gefühle zu dienen und gleichzeitig die Emotionen der anderen beiden Luther-Darsteller visuell zu verstärken.

Starke Kritik an der Katholischen Kirche

So sehr sich das Stück auch kritisch mit Luther auseinandersetzt: Die Katholische Kirche trifft es häufiger und härter. Das fängt mit dem Dominikaner Johann Tetzel (Claude-Oliver Rudolph) an, der seinen Ablasshandel aus einem Papamobil heraus betreibt und von Anzugträgern mit Sonnenbrillen begleitet wird. Kardinal Cajetan (toll: Robert Joseph Bartl) schlemmt am Buffet und beklagt sich über Luther: „Kannst du nicht mal mit dieser Rechthaberei aufhören!“

Papst Leo X. (Erol Sander) hat Reitstiefel an, vergnügt sich in einer Badekabine und wirkt mit seinen Assistenten, die totes Getier umgehängt haben, eher wie ein Großwildjäger denn als Oberhaupt der Katholischen Kirche. Die erscheint im Austausch mit dem Fugger-Vertreter Johannes Zink (Rudolf Krause) wie ein Wirtschaftsunternehmen, in dem der Glaube nur noch eine gewinnbringende Funktion erfüllt.

Luther verprügelt Wachen mit jüdisch klingenden Namen

Regisseur Wedel wollte auch die negativen Seiten Luthers wie seine Obrigkeitshörigkeit, den Judenhass und Rassismus zeigen, sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wenn Luther im Stück die Bevölkerung dazu aufruft, fortan auf Deutsch zu singen, zeigen die Videowände Naziaufmärsche. Im Kapitel, wo Luther das erste Mal als Wutbürger auftritt, sieht der Zuschauer auf den Bildschirmen einen Reichsbürger, der seinen Personalausweis verbrennt. Luther hält im Stück eine längere Hasstirade auf die Juden, greift Wachen, die ihn auf der Wartburg beschützen, an, nur weil sie einen jüdisch klingenden Namen haben. Im späteren Verlauf trägt Luther einen Militärmantel und einen Sturmhelm.

Die Inszenierung des Stückes ist vor allem eine spektakuläre Bühnenshow geworden. Am eindrucksvollsten ist sicherlich der Reichstag zu Worms aus dem Jahr 1521 geglückt. Die ganze Tiefe der Bühne wird eingesetzt, um die Machtkonstellation zwischen Kaiser Karl V. und den Vertretern der Katholischen Kirche zu beschreiben. Karl V. sitzt schweigend in seinem prunkvollen Thron. Zwei Bühnenflügel sind hochgeklappt. Auf den künstlichen Podesten stehen schwer bewaffnete Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren, die dem Zuschauer den Rücken zugedreht haben. Später stehen an diesen erhöhten Positionen der Kardinal und Johann Tetzel, die das Wort führen und über Luthers Schicksal richten.

Konzept verleiht Luther-Figur Lebendigkeit

„Luther – Der Anschlag“ überfordert den Zuschauer: Das gilt für seine Länge von drei Stunden, das zahlreiche Bühnenpersonal, aber auch die ständige Bewegung, die auf der Bühne durch Darsteller und Statisten und in der Luft wirbelnde Flugblätter herrscht. Ständig sucht die Inszenierung Berührungspunkte zur gegenwärtigeren Geschichte, zieht in Dialogen oder Videoausschnitten Vergleiche zum Dritten Reich oder den 68er-Protesten. Wedel leistet sich sogar eine weniger geglückte Metaebene: In boulevardesken Einspielern über Martin Luther berichtet die Brisant-Moderatorin Mareile Höppner „live“ vom Geschehen vor Ort. Insgesamt ist es aber eine gute Form der Überforderung, weil die Assoziationsketten die eigenen Gedanken in Bewegung bringen.

Luther von drei unterschiedlichen Darstellern spielen zu lassen, die teils gleichzeitig auf der Bühne agieren, ist ein Coup. Das Konzept verleiht der Figur eine Lebendigkeit und Dreidimensionalität. Auch die Lebensstationen Luthers erscheinen dadurch plastischer vor dem inneren Auge. „Ich, Martin Luther, habe alle Bauern totschlagen lassen“, sagen einmal alle drei Luther-Darsteller gleichzeitig in einem Videoausschnitt, bei dem sich die Gesichter von Nickel, Stopper und Pulst in einer Überblende ineinander auflösen und zu einem werden.

„Luther – Der Anschlag“ ist ein Kraftakt für alle Beteiligten, wie auch die Zuschauer. Aber das Stück schafft etwas, was im 500. Jubiläumsjahr der Reformation für Kunstwerke nicht selbstverständlich ist: Es macht Lust, sich aufs Neue mit Luther zu beschäftigen. (pro)

Vom 23. Juni bis 20. August läuft das Bühnenstück „Luther – Der Anschlag“ bei den Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine. Zu einzelnen Vorführungen sind noch Restkarten verfügbar.

Von: mm

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Mon, 26 Jun 2017 17:28:00 +0200
<![CDATA[Journalist: Das Jüngste Gericht findet bei Facebook statt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2017/06/23/journalist-das-juengste-gericht-findet-bei-facebook-statt/ Das Jüngste Gericht findet bei Facebook statt. Diese Ansicht vertrat der Journalist Hannes Grassegger bei einer Tagung der Kommission für Jugendmedienschutz und der EKD-Medienarbeit am Donnerstag in Berlin. Sie beschäftigt sich mit dem Thema „Hasse deinen Nächsten wie dich selbst? Auf der Suche nach einer Kultur des Digitalen“. Grassegger zufolge hat das soziale Netzwerk Facebook das weltweit einflussreichste Gericht geschaffen. Seine Moderatoren entschieden wie Richter darüber, welche Videos und Beiträge gelöscht werden. Dazu zählten etwa Vergewaltigungen, Kinderpornografie und Hinrichtungsvideos sowie Gewaltandrohungen, die Ankündigung von Selbstverletzungen, Selbstmorden und Terroranschlägen sowie die Leugnung des Holocausts.

Facebook beschäftigt 19.000 Mitarbeiter. Darunter sind 4.500 Moderatoren, von denen 700 in Berlin arbeiten. Das Unternehmen hat angekündigt, die Zahl seiner Moderatoren auf 7.500 aufzustocken. Nach Worten Grasseggers entscheidet ein Moderator etwa 4.000 Fälle pro Tag. Pro Fall blieben ihm durchschnittlich acht Sekunden Zeit. Die Mitarbeiter müssten „seelische Fließbandarbeit“ leisten und würden davon traumatisiert. Facebook hat weltweit 1,9 Milliarden Nutzer und gehört zu den meistbesuchten Internetseiten der Welt. 98 Prozent seines Jahresumsatzes in Höhe von umgerechnet 7,9 Milliarden Euro macht das Unternehmen mit Werbeeinnahmen.

Digitalverband Bitkom gegen „Löschorgie“ im Internet

Laut dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), Bernhard Rohleder, sind digitale Unternehmen in der Lage, „allen Unrat aus den Netzen zu sieben“. Allerdings führe das zu „Kollateralschäden“. Massenhafte Löschungen im Schnellverfahren seien kein geeignetes Mittel. Rohleder kritisierte das von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) geplante Gesetz gegen Hasskriminalität in den sozialen Netzwerken. Der Entwurf sieht Strafen von bis zu 50 Millionen Euro vor, wenn Plattformen illegale Inhalte nicht schnell genug löschen. Die könne zu einer „Löschorgie“ führen, so Rohleder. Es sei für Unternehmen unmöglich, in kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen, die vor Gerichten Bestand hätten.

Selbst Richter täten sich bei Abwägungen über Satire, Beleidigung und Volksverhetzung schwer und kämen oft zu überraschenden Ergebnissen, sagte Rohleder. So habe er nicht damit gerechnet, dass die AfD-Politikern Alice Weidel von der NDR-Satiresendung „extra 3“ ungestraft als „Nazischlampe“ bezeichnet werden darf. Überraschend sei auch die Gerichtsentscheidung über das Schmähgedicht des Satirikers Jan Böhmermann gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Das Landgericht Hamburg hatte entschieden, dass Böhmermann große Teile des Gedichts nicht erneut veröffentlicht darf. Bitkom vertritt mehr als 2.500 Unternehmen der digitalen Wirtschaft, darunter auch Facebook.

Wie Richard Gutjahr Opfer einer Verschwörungstheorie wurde

Der Journalist Richard Gutjahr (München) berichtete, wie er und seine Familie Opfer von Verschwörungstheorien im Internet wurden. Gutjahr filmte während eines Urlaubs in Nizza am 14. Juli 2016 mit seinem Smartphone vom Hotelzimmer aus das mit einem Lkw verübte Terrorattentat in Nizza, bei dem 86 Menschen starben. Die Aufnahmen wurden weltweit ausgestrahlt.

In den sozialen Netzen wurde das Gerücht gestreut, Gutjahr sei ein Agent des israelischen Geheimdienstes und sei vorab von dem Anschlag informiert gewesen. Er habe Drohungen per E-Mail, Twitter, YouTube und auf Facebook erhalten, so Gutjahr. Die Videos und Nachrichten würden sich im Netz schnell verbreiten und seien kaum noch aus der Welt zu schaffen. Der Versuch, gegen die Veröffentlichung von Falschnachrichten auf Facebook und YouTube vorzugehen, sei bisher weitgehend erfolglos geblieben.

Gutjahr sagte: „Ich habe endgültig mein Gottvertrauen verloren.“ Geholfen habe ihm schließlich der Rat eines US-Amerikaners, der seit fünf Jahren unter Falschnachrichten gegen seine Person leidet. Er habe Gutjahr dazu aufgefordert, mit aller Härte gegen „Troll-Attacken“ im Netz vorzugehen. Bisher seien knapp 20.000 Euro Anwaltskosten entstanden, um mit einstweiligen Verfügungen gegen Falschnachrichten vorzugehen. Gutjahr: „Ich habe gelernt, dass Menschen unfassbar brutal sein können.“ (pro)

Von: Karsten Huhn/idea

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Fri, 23 Jun 2017 14:39:00 +0200
<![CDATA[Bedford-Strohm verteidigt Kuppelkreuz für Berliner Schloss]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/bedford-strohm-verteidigt-kuppelkreuz-fuer-berliner-schloss/ Der Ratsvorsitzende der Evangeschen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hat sich für das Kuppelkreuz auf dem neu erbauten Berliner Schloss, das das Humboldt Forum beherbergen soll, ausgesprochen. „Es besteht kein Grund, auf der Kuppel des nun wiedererrichteten Berliner Stadtschlosses auf das Kreuz zu verzichten“, sagte er am Donnerstag beim traditionellen Johannisempfang der EKD vor hochrangigen Vertretern aus Politik und Gesellschaft in Berlin.

Wer das Kreuz noch immer als Symbol des Bündnisses von Thron und Altar wahrnehme, sei im 19. Jahrhundert stehengeblieben, so Bedford-Strohm. Es sei falsch, aus dem heutigen religiösen und weltanschaulichen Pluralismus die Konsequenz zu ziehen, die christlichen Glaubenssymbole aus der Öffentlichkeit zu verbannen: „Wir würden uns damit der Erinnerungszeichen berauben, die wir brauchen, um die Rede von der Menschenwürde nicht zu einer in feierlichen Reden benutzten Routinephrase verkommen zu lassen, sondern immer wieder neu mit Leben zu füllen.“

Neue Bedeutung des Kreuzes verstehen

Das Kreuz stehe nicht länger für die Gewaltgeschichte des Christentums. Vielmehr sei es Ausdruck von Gottes Parteinahme für die Armen und an den Rand Gedrängten: „Ich wünsche mir, dass diese längst vorgenommene Neubestimmung des Kreuzes als christlichem Symbol endlich wahrgenommen wird – auch von den Kritikern des Christentums.“ Deshalb freue er sich über den aktuellen Beschluss des Stiftungsrates des Humboldt Forums, das Kreuz auf die Kuppel des Stadtschlosses zu setzen.

Zum Hintergrund: Um das Kuppelkreuz ist eine Debatte entbrannt. Vertreter der Linken und der Grünen hatten gefordert, bei der Rekonstruktion des Berliner Schlosses auf das Symbol zu verzichten, weil es die Neutralität des Bauwerks gefährde und andere Religionen benachteilige. Das Schloss, auf dem sich auch ein Kreuz befand, war 1950 auf Befehl des DDR-Politikers Walter Ulbricht, dem damaligen Vorsitzenden des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, gesprengt worden.

Christen im Nahen Osten vor der Ausrottung

Christen sind nach Bedford-Strohms Worten gerufen, Gottes Liebe in die Welt zu tragen: „Sie ist eine radikale Liebe – und das ist die einzige Weise, in der wir Christinnen und Christen radikal sein wollen – eine radikale Liebe, weil sie sich nach dem Vorbild Jesu ganz hingibt an die Menschen.“ Was in der Aufnahme von Flüchtlingen, der Betreuung von Kindern und Jugendlichen, der Pflege Kranker, der Begleitung alter Menschen, der Nachbarschaftspflege oder im Trost für Trauernde und Verzweifelte getan werde, das sei das kraftvollste Zeugnis der Liebe, das sich denken lasse: „Und darin sind wir – auf eine Weise, die unser Verstehen übersteigt – verbunden mit allen, die so handeln, seien sie Christen, Angehörige einer anderen Religion oder auch keiner Religionsgemeinschaft.“

Ferner warnte Bedford-Strohm vor einer zunehmenden Christenverfolgung: „Mit Schrecken sehen wir, wie die orientalischen Kirchen an den Ursprungsorten des Christentums Gewalt und Verfolgung und – man muss es befürchten – bald der vollständigen Vertreibung oder Ausrottung ausgesetzt sind.“

Mehr Einsatz für Klimaschutz gefordert

Mit Blick auf den bevorstehenden G20-Gipfel in Hamburg Anfang Juli sagte der Ratsvorsitzende, es komme darauf an, alles daran zu setzen, um den Klimaschutz oben auf der Agenda der internationalen Staatengemeinschaft zu halten: „Wir brauchen gerade jetzt mutige Schritte. Ich möchte heute Abend all jenen, die sich darum bemühen, unseren vollen Rückenwind zusagen.“ Die Ankündigung der US-Administration, das Paris-Abkommen zu kündigen, wertete der Bischof als Rückschlag.

Am Johannisempfang nahmen rund 800 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil, darunter Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), die Fraktionsvorsitzenden Thomas Oppermann (SPD) und Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Zu den Gästen gehörten auch der Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, Michael Diener, die Beauftragte für Kirchen- und Religionsgemeinschaften der SPD-Bundestagsfraktion, EKD-Ratsmitglied Kerstin Griese, sowie Volker Beck, religionspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag. (pro)

Von: Matthias Pankau

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Thu, 22 Jun 2017 20:27:00 +0200
<![CDATA[Die Vorgänge beim WDR bleiben im Dunkeln]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/22/die-vorgaenge-beim-wdr-bleiben-im-dunkeln/ Eine TV-Kritik von Daniel Frick]]> Die Geheimniskrämerei um die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“ sollte am Mittwochabend ein Ende finden. Das Erste hatte sich zu einer Ausstrahlung mit Kommentaren entschieden, Sandra Maischberger zu einer Vertiefung der Thematik. Ein guter Ansatz, dessen Umsetzung aber misslungen ist.

Denn eine ernsthafte Diskussion um den Film konnte gar nicht entstehen, weil die Betroffenen nicht eingeladen waren. Allein ein Gespräch, bei dem zumindest einer der Autoren und die zuständige WDR-Redakteurin Sabine Rollberg mit dabei sind, hätte Sinn ergeben. Doch so gab es keine Antwort darauf, was es mit dem anfänglichen Verschluss des Films wirklich auf sich hatte. Und ob es in den vergangenen Monaten Gespräche zwischen Sender und Autoren gegeben hat, wie WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn behauptet, oder doch nur Schweigen, wie die Autoren sagen.

Der Film drängt sich auf

Wenig ergiebig war dann auch Maischbergers Vorgabe, nicht über den Film selbst, sondern über den „neuen Antisemitismus“ zu reden. Warum nicht über dieses Thema, aber anhand des Films? Immerhin wirft er die wichtigen Fragen auf: Befeuern schräge Schlagzeilen wie „Israelische Sicherheitskräfte erschießen vier Palästinenser“ oder die Rede vom Gazastreifen als „Freiluftgefängnis“ die Dämonisierung Israels? Tut selbiges auch die UNRWA, die den Flüchtlingsstatus der Palästinenser aufrechterhält?

So musste Maischberger während der Sendung immer wieder einschreiten, wenn einer der Gäste den Film ansprach – weil es sich eben aufdrängte. Und der Zuschauer musste einem Norbert Blüm zuhören, der zwar betonte, beide Seiten zu kritisieren, dem aber seltsamerweise nur Beispiele einfielen, bei denen die Israelis schlecht wegkommen.

Wichtige Fragen vernachlässigt

Die Journalistin Gemma Pörzgen stellte allen Ernstes die These auf, über die israelische „Besatzung“ werde zu wenig geredet. Aber warum nicht einmal über die gegen Israel gerichteten Vernichtungsfantasien in der arabischen Welt reden? Diese haben immerhin zum Sechs-Tage-Krieg und damit zur militärischen Kontrolle des Westjordanlandes geführt; und diese Vernichtungsfantasien sind heute noch lebendig (siehe Dokumentation).

Wäre es in der Maischberger-Diskussion stärker um den Film gegangen, wäre den Beteiligten an dieser Stelle sicher jene junge Palästinenserin aus dem Gazastreifen eingefallen, die gedanklich schon viel weiter ist als Pörzgen: Es gehe nicht an, meint sie, die Schuld für die Misere der Palästinenser immer nur bei den anderen (sprich: bei den Israelis) zu suchen.

Anstelle dieser Stimme erhielt der Psychologe Jörg Verleger das Wort. Das frühere Mitglied des Zentralrats der Juden, dort allerdings in Ungnade gefallen, wurde als „kritischer Jude“ dazu eingeladen, die Schuld bei Juden und Israelis zu suchen. Dies tat er dann auch pflichtbewusst, woraufhin der Psychologe Ahmed Mansur die entscheidende Frage stellte, wie und warum er eigentlich von den Juden hierzulande auf Israel zu sprechen komme.

Fehlerliste mit Aussage

Zu Beginn der Sendung ging es immerhin einige Minuten um die Vorgänge rund um den Film. Zur Sprache kamen unter anderem die Aufstellung von „Mängeln“ der Dokumentation, die der WDR als Kommentar im Internet publik gemacht hatte. Der Historiker Michael Wolffsohn antwortete darauf mit angemessener Polemik: „Wenn Sie diese Standards überall anlegten, würden Sie nur Testbilder senden.“

Diese Doppelmoral des WDR spricht tatsächlich Bände. Bemerkenswert ist auch, dass sich die WDR-Redakteure nicht vorstellen können, den Anschlag auf den Pariser Musikklub „Bataclan“ am 13. November 2015 als antisemitisch einzuordnen. Der Klub hat jüdische Vorbesitzer und war in den vergangenen Jahren mehrmals von Islamisten bedroht worden.

Sicher: In einigen Punkten sind tatsächliche Mängel aufgeführt, etwa wenn es darum geht, Stellungnahmen der kritisierten Organisationen einzuholen. Aber hier wäre eben wichtig gewesen, die Autoren selbst dazu zu befragen, ob und warum dies versäumt wurde. Zudem handelt es sich um Dinge, die behoben werden können. Wie Schönenborn am Anfang der Sendung sagte, wollte der WDR den Film „in dieser Form“ nicht senden. Das ist nach den Vorgängen der letzten Monate schlicht nicht glaubwürdig. Denn offenkundig ist, dass WDR und Arte den Film ohne den öffentlichen Druck niemals bearbeitet, also in eine andere Form gebracht hätten, um ihn dann auszustrahlen.

Letztlich haben die Verantwortlichen nicht erkannt, oder nicht erkennen wollen, dass der Film seine Brillanz aus der Stoßrichtung schöpft, die verschiedenen Spielarten des Antisemitismus bündig darzustellen: Sowohl von rechter, linker und muslimischer Seite sowie die antizionistische Dimension. Sonst hätten sie den Film mit einiger Verve in Form gebracht und gezeigt. Das einzige Gute an dieser traurigen Episode deutscher Fernsehgeschichte ist, dass der Film nun wesentlich mehr Aufmerksamkeit erhalten hat, als das ursprünglich der Fall gewesen wäre.

Von: Daniel Frick

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Thu, 22 Jun 2017 15:16:00 +0200
<![CDATA[Ein Stück Realismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/20/ein-stueck-realismus/ Eine Filmkritik von Daniel Frick]]> Nach einer skurrilen Debatte um das Für und Wider der Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ zeigt die ARD den Film am Mittwoch um 22.15 Uhr. Im Anschluss folgt eine Diskussion bei Sandra Maischberger. Auch der Sender Arte will den Film nun für das französische Publikum zeitversetzt ausstrahlen, berichtete Bild.de. Es ist gut, dass der Film der Autoren Joachim Schroeder und Sophie Hafner nach der Veröffentlichung auf Bild.de nun auch im Fernsehen läuft. Es geht nicht nur darum, dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Vor allem ist eine Dokumentation dieser Art schlicht überfällig – auch und gerade wegen des Fokus auf den Nahen Osten, und trotz der Schwächen und formalen Fehler, die der Film ohne Zweifel hat.

Dieser Fokus auf den Nahen Osten war ein zentraler Einwand, den der deutsch-französische Sender Arte gegen die Ausstrahlung angeführt hatte. Dem pflichten auch andere Stimmen bei, etwa die jüdische Schriftstellerin Mirna Funk, die beklagt, der Film entspreche nicht „ihren“ Erwartungen. Sie moniert, es fehle überhaupt eine Dokumentation, in der die Stimmen der Opfer des alltäglichen Antisemitismus in Deutschland zu Wort kommen. So, als ob es die SWR-Dokumentation „Jude. Deutscher. Ein Problem?“ von Uri Schneider, die im vergangenen Jahr in der ARD lief, nicht gegeben hätte – und in der Funk selbst zu Wort kommt.

Dokumentarische Vorarbeit

Auch wenn das sicher nicht die Absicht der Macher war, lässt sich „Jude. Deutscher. Ein Problem?“ doch als „Vorfilm“ zur aktuellen Dokumentation begreifen. Denn dieser Film, der übrigens auch Stimmen von Juden in Frankreich einholt, belässt es bei Andeutungen, dass der Antisemitismus in Deutschland etwas mit den Vorgängen im Nahen Osten zu tun hat. Er erwähnt etwa das Gerichtsurteil zum Anschlag auf eine Wuppertaler Synagoge während des Gaza-Konfliktes 2014. Die Richter sahen darin keine antisemitische Tat, sondern Ausdruck von „Israel-Kritik“. In einem Gastbeitrag für den „Tagesspiegel“ bewerten zwei jüdische Vertreter das Urteil völlig zurecht als „Skandal“.

So gesehen war die Zeit reif, dem Phänomen vor Ort nachzuspüren. Der Fokus auf den Nahen Osten drängt sich allerdings auch in der Dokumentation selbst auf. Kein Geringerer als Martin Schulz, SPD-Vorsitzender und Kanzlerkandidat, hat am am 23. Juni 2016 dafür gesorgt. Wie am Anfang des Films zu sehen ist, applaudierte er als Präsident des EU-Parlaments einer Rede von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, in der dieser vor EU-Abgeordneten nicht nur behauptete, dass Israelis Schuld hätten am Unglück der Welt, sondern dass die Israelis auch Brunnen der Palästinenser vergiften würden. Für Martin Schulz eine „inspirierende Rede“.

Was die Dokumentation an dieser Stelle nicht zeigt: Der Vorfall ist umso bemerkenswerter, als Schulz erst drei Monate zuvor, am 10. März, beherzt eingegriffen hatte, als der griechische Abgeordnete Eleftherios Synadinos Türken rassistisch beschimpfte. Schulz warf den Abgeordneten aus der Sitzung und bewertete dies als „grundsätzliche Entscheidung“ – um zu verhindern, dass Rassismus im EU-Parlament salonfähig wird. Geht es aber um Israel, scheinen andere Regeln zu greifen.

Nach diesem bemerkenswerten Anfang beschäftigt sich die Dokumentation mit antisemitischen Haltungen in Deutschland. So schräg die eingefangenen Stimmen auch sind, Neues zeigt der Film hier nicht. Es ist längst bekannt, dass in Europa wirre Theorien über Israel im linken wie im rechten Milieu, unter Eliten und auf der Straße Applaus finden.

Neuigkeiten aus Nahost

Wirklich Erstaunliches hört der Zuschauer dann aber in den Szenen im Nahen Osten: Jugendliche im Gazastreifen geben ihrer Regierung (und nicht den Israelis) die Schuld an der Misere in dem Gebiet; ein Palästinenser im Westjordanland zeigt sich dankbar, dass er bei Israelis eine Arbeitsstelle gefunden hat (was die Frage beantwortet, wem der oft geforderte Boykott von Siedlungsprodukten wirklich schaden würde). Diese Stimmen sind hierzulande selten zu hören.

Bemerkenswert ist dieser Teil auch, weil er in aller Deutlichkeit zeigt, welchem politischen Zweck die „palästinensischen Flüchtlinge“ dienen: Sie sind „Faustpfand“, so drückt es der Film aus, für weitere Finanzhilfen aus dem Ausland. Eigentlich könnte man es noch drastischer formulieren: Sie sind dazu da, um den weltweiten Argwohn gegen Israel lebendig halten.

Das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) ist der Agent dieser zynischen Politik, denn die Organisation ist so konzipiert, dass der Flüchtlingsstatus über Generationen hinweg aufrecht erhalten wird – dieses „Privileg“ haben andere Flüchtlinge nicht, auch nicht diejenigen Juden, die Mitte vergangenen Jahrhunderts aus arabischen Ländern wegen Antisemitismus nach Israel fliehen mussten. Und die Europäer fördern die UNRWA mit ihren Geldern – deren Verwendung dann auch noch keiner Kontrolle unterliegt. Auch davon ist hierzulande kaum etwas zu hören.

Spurensuche unter Christen

Die Dokumentation spürt dem Phänomen des Antisemitismus auch bei christlichen Organisationen nach. Hier zeigt sich ebenfalls, dass der Fokus auf den Nahen Osten richtig ist. Der Aufwand, mit dem manche Christen gegen Israel vorgehen, etwa mit Boykott-Kampagnen, hat Züge der Besessenheit. In diesem Aspekt zeigt sich aber eine Schwäche der Dokumentation: Im Sinne einer Einordnung fehlt der Hinweis, dass es auch Christen gibt, die sich für Israel einsetzen oder zumindest um einen ausgewogenen Blick auf die Vorgänge in der Region bemüht sind.

Zu ungenau ist dann auch die Beschreibung der „christlichen Kultur“ als „Mutter allen Judenhasses“. Judenhass tritt nicht erst mit dem Christentum in Erscheinung – auch wenn dieser durch christliche Denker große Verbreitung fand. Zudem ist die in der Dokumentation zitierte Stelle aus einem Brief des Paulus, der als 1. Thessalonicher bekannt ist, nicht vollständig wiedergegeben. So erscheint es, dass Paulus in dem Abschnitt 2,14-16 gegen „die Juden“ wettert. Gemeint sind aber diejenigen, die nicht zu den Jesusgläubigen gehören und die Gemeindearbeit behindern.

Aufklärerischer Film

Im letzten Teil zeigt sich der Vorteil, dass der Film für „Arte“ produziert wurde: Nun rückt der Antisemitismus der letzten Jahre in Frankreich ausführlich in den Mittelpunkt. Die schauerlichen Vorfälle, von Boykott-Kampagnen in Supermärkten bis hin zu grausamen Morden, sind den in Deutschland lebenden Menschen sicher nicht so präsent wie den Franzosen. Das gilt auch für die Lebensumstände im Pariser Vorort Sarcelles, in dem Juden um ihr Leben fürchten müssen. Schauerlich ist jedoch auch die dokumentierte Weigerung vieler Medien bei ihrer Berichterstattung über Hassverbrechen gegen Juden, Antisemitismus auch als solchen zu benennen.

Mit seiner Aufmachung zeichnet der Film ein realistisches Bild von Vorgängen im Nahen Osten und deren Bezug zu Europa. In diesem Sinne ist er zutiefst aufklärerisch. Das düstere Fazit lautet: „Antisemitismus ist ein unzivilisiertes Herzstück europäischer Kultur.“ Das erinnert an den Satz aus der Dokumentation „Jude. Deutscher. Ein Problem?“: „Antisemitismus ist integraler Bestandteil der deutschen Kultur“, den der Historiker Julius H. Schoeps dort so formuliert. Er fügt an, dass es „extrem schwierig ist, den Antisemitismus zu bekämpfen“. Das mag stimmen. Aber wenn nun zu hören ist, dass selbst Bewohner im Gazastreifen in Israel nicht immer den Sündenbock sehen, ist die aktuelle Dokumentation eine wertvolle Hilfe in diesem Kampf. (pro)

Von: df

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Tue, 20 Jun 2017 16:57:00 +0200
<![CDATA[Nachrichten als Snack zwischendurch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/06/20/nachrichten-als-snack-zwischendurch/ Die Suche nach Informationen und die Nachfrage nach Nachrichten haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv verändert. Hätten sich die Menschen vor einigen Jahren eher stärker zielgerichtet informiert, gehe es heute darum, die Nachricht zu checken und zu „snacken“, erklärte die Siegener Medienwissenschaftlerin Dagmar Hoffmann bei der Fachtagung für Medienpädagogik und Medienbildung in Bielefeld. „Nachrichten werden entwertet zwischen Selfies und Essensbildern“, sagte sie.

Das treffe vor allem auf die jüngere Generation zu: „Jugendliche mögen es bei Nachrichten nicht, wenn viel Wissen vorausgesetzt wird“, sagte Hoffmann; sie hätten ihre Nachrichten am liebsten häppchenweise oder in Schlagzeilen. Jugendliche wollten zudem gerne sofort informiert werden, wenn es etwas Neues in der Welt gebe. Das ideale Nachrichtenmedium berichte von einem neutralen Standpunkt aus, sei abwechslungsreich und formuliere seine Beiträge in einfacher Sprache.

„Fake News fördern Radikalisierung“

Hoffmann stellte fest, dass „die Minderheit, die erhebliches Misstrauen gegenüber den Medien äußert, viel Aufmerksamkeit erfährt“. Es sei „sehr problematisch, wenn immer wieder Fake News gestreut werden” und diese Kampagnencharakter hätten.

Fake News würden Schuld zuweisen und Menschen vorverurteilen. Sie werteten häufig soziale Gruppen und Persönlichkeiten ab und führten zu Hassreden, Radikalisierung und Propaganda. Aus Hoffmanns Sicht seien dafür vor allem Menschen ohne gefestigtes Wertekonzept anfällig. „Es sind Menschen, die wollen, dass gerne mal jemand durchgreift, und die eine große Sehnsucht nach klaren Antworten haben.“

Im Internet könne jeder Inhalte und Nachrichten produzieren und verbreiten. „Wir können das Internet nicht bereinigen. Wir können aber aufklären über die Nachrichtenproduktion und die Anfälligkeit von Fehlern“, bilanzierte Hoffmann. Sie forderte eine selbstkritische Überprüfung des eigenen Informationsmanagements.

Humor hilft

Zahlen aus aktuellen Studien hat die Wissenschaftlerin Angela Tillmann von der Technischen Hochschule Köln vorgestellt. 52 Prozent der Kinder sähen demnach allein fern, 24 Prozent mit ihren Eltern. Die wichtigste Informationsquelle sei das Internet. Bei den Jugendlichen ab 14 Jahren bleibe das wichtigste Informationsangebot zur politischen Meinungsbildung die „Tagesschau“. Jedoch: „Eine häufige Nutzung geht nicht zwangsläufig mit hoher Glaubwürdigkeit einher“, sagte Tillmann.

Für Kinder und Jugendliche spiele eine humorvolle Aufbereitung von Informationen eine wichtige Rolle, damit sie sich Videos anschauten. Humor mache auf die Unzulänglichkeiten der Welt aufmerksam, helfe dabei, Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags gelassener zu begegnen und sie nicht so tragisch zu nehmen. Neben Entspannung und Perspektivwechsel gebe Humor auch ein Gefühl der Überlegenheit.

Mit dem Aufkommen des Internets hätten Jugendliche neue Kanäle, durch die sie an gesellschaftlichen Fragen und Diskussionen teilhaben können. Studien zeigten, dass sich Jugendliche positionieren, einbringen und andere aktivierten, etwa indem sie Petitionen verbreiteten. Im Durchschnitt suchten Jugendliche den aktiven Diskurs eher online als offline. Das Engagement steige mit dem Alter.

Zu dem Fachtag hat der Fachverband für Medienpädagogik und Medienbildung eingeladen. (pro)

Von: jw

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Tue, 20 Jun 2017 16:10:00 +0200
<![CDATA[„Es fühlt sich an wie eine Amputation ohne Betäubung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/20/es-fuehlt-sich-an-wie-eine-amputation-ohne-betaeubung/ Nach einer ALS-Diagnose haben Patienten durchschnittlich eine Lebenserwartung von drei Jahren. Fünf Prozent leben länger als zehn Jahre. Grunwalds Diagnose liegt nun schon 16 Jahre zurück. Seither verlieren alle ihre Muskeln ständig an Kraft. Anfangs waren dies kleine Einschnitte. „Es ging damit los, dass ich die Pausenbrote meiner Kinder nicht mehr schmieren konnte, weil mir die Kraft in den Muskeln fehlte.“ Die Krankheit schreitet unaufhaltsam voran. Mittlerweile muss Grunwald ihrerseits versorgt werden. Die Schriftstellerin hat die Krankheit auch in ihren Büchern zum Thema gemacht.

Lesen Sie die Geschichte von Irmgard Grunwald auch in der aktuellen Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro. Das können Sie kostenlos und unverbindlich unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online bestellen. (pro)

Von: jw

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Tue, 20 Jun 2017 14:22:00 +0200
<![CDATA[Endlich frei!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/06/20/endlich-frei/ Am Ende des Gottesdienstes in einer Kirche in einer hessischen Stadt plaudern einige Besucher noch bei Kaffee, Tee und Keksen miteinander. Auch Daniel Dehghan ist dabei. Der gebürtige Iraner geht fast jeden Sonntag in den evangelischen Gottesdienst, meist sitzt er in einer der letzten Reihen. Im August vergangenen Jahres hat er sich hier taufen lassen. Der 29-Jährige genießt die Freiheit in Deutschland. „Freiheit ist wichtiger als Geld und Essen“, sagt er. „Wirklich!“

Vor gut einem Jahr ist der Journalist aus seinem Heimatland geflohen. Freiheit gibt es in der islamischen Republik Iran nicht. Der Iran ist eine totalitäre religiöse Diktatur und ein Folterstaat. „Die Menschen leben immer unter Druck, islamische Regeln einhalten zu müssen oder bestraft zu werden“, sagt Dehghan. Der Staat reguliert das Alltagsleben seiner Bevölkerung nach islamischen Gesetzen bis ins Private hinein.

Wer Alkohol trinkt und dabei erwischt wird, wird mit Peitschenhieben bestraft, mehrfache Wiederholungstäter im schlimmsten Fall hingerichtet. Frauen müssen ihr Haar komplett verhüllen, Mann und Frau dürfen nicht unverheiratet zusammenleben, küssen dürfen sie sich in der Öffentlichkeit erst recht nicht. Als Dehghan und seine damalige Freundin sich einmal auf der Straße küssten, haben Anwohner die Polizei gerufen.

Es ist verboten, andere Sender als einen der staatlichen zu empfangen. Und wer nicht Muslim ist, hat im Iran ohnehin nichts zu lachen, auch wenn Christen, Juden und Zoroasten offiziell anerkannte Minderheiten sind. Christen dürfen sich zum Beispiel nicht in Hauskreisen treffen, das Regime lässt solche potenziellen Keimzellen des Widerstandes nicht zu. Die christlichen Parlamentsabgeordneten hätten diese Posten nur symbolisch, ist sich Dehghan sicher. Einfluss hätten sie nicht.

Atheisten und Konvertiten verfolgt der Staat

Dehghan war kein Muslim, er war religionslos. Gewusst hat das in seiner Heimat keiner. „Es hat niemand gefragt und ich habe den Mund gehalten, sonst wäre es schwierig geworden.“ Max Klingberg von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erklärt: „Atheisten haben es neben den Konvertiten im Iran am schwersten. Sie werden verfolgt, besonders, wenn sie nach außen aktiv werden und andere auffordern, den Islam zu hinterfragen.“

Dazu muss man wissen, dass der Iran seit der Revolution 1979, die zum Sturz des Schahs führte, eine theokratische Republik ist. Klingberg erklärt: „Die islamischen Geistlichen haben sich den Staat selbst auf den Leib geschneidert.“ So muss beispielsweise der Leiter des Geheimdienstes ein islamischer Geistlicher sein. Der mächtigste Mann im Staat ist der geistliche Führer, Ajatollah Chamenei. Mit religiöser Legitimierung hat er fast uneingeschränkte Macht, definiert die Politik des Staates, überwacht deren Ausführung, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt den obersten Richter, Staatsanwalt und Ordnungskräfte.

Kurz: Der Islam ist das Fundament der Herrschaft, mit der die islamischen Geistlichen weltliche Macht ausüben.

Keine freie Presse geduldet

Indem sie den Islam in Frage stellen, rütteln Atheisten an diesem Fundament. Atheisten oder auch Christen, die missionarisch aktiv werden, sind die schlimmste Gefahr für die eigene Macht. Denn sie verbreiten ihre (regierungskritische) Botschaft und tragen sie nach außen. Aus demselben Grund duldet die geistliche Führung auch keine freie Presse. Eine unabhängige Presse, die sich gegen Korruption und Alleinherrschaft wendet und die Regierenden kontrolliert, ist unverzichtbar für eine Demokratie. Eine Regierung, die dominieren will, duldet solche „Angriffe“ auf ihre autoritäre Herrschaft nicht.

Da ist der Iran kein Einzelfall. Sei es Recep Tayyip Erdogan in der Türkei, der seit dem Putschversuch im Juli 2016 hart durchgegriffen und rund 775 Presseausweise annulliert und mehr als 100 Journalisten verhaftet hat. Oder sei es der russische Staatschef Wladimir Putin, unter dessen Regime Oppositionelle, vor allem auch Journalisten, totgeprügelt werden.

In der iranischen Verfassung steht: Die Medien dienen dazu, die islamische Kultur und den Kurs der Islamischen Revolution zu verbreiten; sie sollen streng davon Abstand nehmen, anti-islamische Inhalte weiterzugeben. Unter dieser Bedingung gewährt die Verfassung auch Pressefreiheit. Was das bedeutet, hat Daniel Dehghan in seinem Beruf erfahren.

„Kein Ziegel am Bau des Systems sein“

Er arbeitete für eine Nachrichtenagentur des Justizministeriums. Dort schrieb er vor allem über wirtschaftliche Themen. Kritisch über den Islam oder die Regierung zu berichten, konnte den Tod bedeuten. Manchmal wurden seine Artikel oder Sätze daraus gelöscht. Einmal schrieb er einen kritischen Text darüber, wie viel Geld iranische Muslime dafür ausgeben, um nach Mekka zu pilgern, sieben Runden um die Kaaba, das islamische Heiligtum, zu laufen – wie es die Pflicht jedes frommen Muslims ist – und teure Souvenirs mitzubringen. „Sie reisen ja nicht, um sich das Land anzuschauen, sie laufen dort um ein Bauwerk. Das hat doch keine Bedeutung.“

Sein Chef drohte ihm: Es sei leicht, ihm ein Verfahren anzuhängen und ihm zum Beispiel vorzuwerfen, Propaganda gegen das Regime und den Islam zu betreiben oder Kontakt mit ausländischen Journalisten zu haben – auch das ist verboten, es gilt als Spionage und kann mit dem Tod bestraft werden.

„Pressefreiheit bedeutet für mich, dass die Presse ein Spiegel der Gesellschaft ist und diese unvoreingenommen und ohne Zensur reflektiert.“

Hatte er Angst? „Natürlich“, sagt er, in einem Ton, als wolle er fragen, wie man das in Zweifel ziehen könne. „Ich habe gesagt: Okay, ich akzeptiere alles. Aber in meinem Herzen habe ich mich anders entschieden.“ Als Journalist, erklärt er, müsse man den staatlichen Vorgaben folgen. Eine freie oder private Presse gibt es im Iran nicht. Die Medien sind in staatlicher Hand oder werden von dieser kontrolliert. Wird der Eigentümer finanziell unter Druck gesetzt, ändert sich auch der Ton des Mediums ruckzuck hin zu einem handzahmen Staatsorgan.

Das wollte Dehghan irgendwann nicht mehr mitmachen, er wollte kein „Ziegel am Bau des Systems“ mehr sein, wie er sagt. „Der Staat gibt alles vor. Aber ich will selber entscheiden, wie ich mein Leben lebe.“ Er floh nach Frankreich, von dort kam er nach Deutschland und hat hier Asyl bekommen. Er schreibt jetzt hin und wieder Analysen und Berichte für die Online-Magazine „Voice of Iranian Christians“ und „Kayhan London“. Sie arbeiten außerhalb des Iran. In seinem Heimatland sind sie verboten.

Facebook ist verboten – nur nicht den Herrschenden

Kontakt zu Journalisten im Iran darf Dehghan nicht haben, das wäre für sie zu gefährlich. Dreien seiner Arbeitskollegen, mit denen er in der Nachrichtenagentur zusammengearbeitet hatte, wurde mittlerweile gekündigt. Dehghan vermutet, dass das etwas mit seinem Verschwinden zu tun hat.

Auf Facebook ist er mit einigen früheren Kollegen befreundet, obwohl das Netzwerk im Iran verboten ist, genauso wie Twitter. „Es gibt im Iran immer wieder medienwirksame Zerstörungen von Satellitenschüsseln“, erzählt Max Klingberg. Allerdings sei Teheran trotzdem voll von ihnen. Genauso ist es mit Facebook: Das Netzwerk sei „vom Satan“, aber Chamenei hat ein eigenes Konto mit fast 170.000 Followern. Weil es ihnen offiziell nicht erlaubt ist, nutzen die Bürger einen verschlüsselten Zugang über das Tor-Netzwerk, um die Sperre zu umgehen. Das Bildungsniveau im Iran ist hoch, der Eifer, die staatlichen Filter zu umgehen, auch.

„Denken ist gefährlich im Iran“, sagt Dehghan. Alle müssten die Regeln befolgen, wer sie hinterfragt, bekommt Probleme. Die führenden Politiker haben Angst vor Journalisten, vor Berichten über Reformer oder gegen den Islam, weil sie das System destabilisieren und ihre eigene Macht untergraben könnten. Auch viele Universitätsprofessoren säßen im Gefängnis, sagt Dehghan.

Selbstzensur und Islamkritik

Dehghan hat es im Iran gelernt, sich selbst zu zensieren. „Es gibt eine rote Linie, was man sagen kann und was nicht. Aber niemand weiß genau, wo sie verläuft. Man muss jederzeit auf alles vorbereitet sein.“ Symptomatisch seine erste Gegenfrage im Gespräch: „Darf ich alles sagen? Auch etwas Kritisches über den Islam?“ Ja, lautet die Antwort, und er legt los: Er möchte die Menschen in Deutschland warnen vor dem Islam, der den Menschen die Freiheit nimmt. Er glaubt, dass die Deutschen zu wenig darüber wissen.

Dass er hier auf so viele Muslime stieß, hat ihn überrascht. „Ich bin nach Deutschland gekommen, weil ich vom Islam weg wollte“, sagt er. Die islamischen Regeln seien ein Feind der Freiheit und der Menschenwürde. Er hat kein Verständnis dafür, dass Muslime, die nach Deutschland kommen, fordern, dass hier die Regeln und Vorschriften akzeptiert werden wie in ihrem Heimatland – kein Schweinefleisch essen, Kopftuch tragen, Sonderregeln beim Schwimmunterricht, Kinderehen, Polygamie. „Das geht nicht. Sie hätten in ein muslimisches Land gehen können, nach Saudi-Arabien oder in die Emirate. Warum sind sie hier?“

Kurz nach seiner Ankunft in Deutschland besuchteDehghan eine Freikirche. „Da habe ich den riesigen Unterschied zwischen Islam und Christentum gesehen. Ich konnte wieder atmen.“ Der Islam nahm ihm seine Freiheit, durch Christus bekommt er sie geschenkt. (pro)

Von: str/jst

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Tue, 20 Jun 2017 11:00:00 +0200
<![CDATA[Ein Mann der Geschichte lebt nicht mehr]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/06/19/ein-mann-der-geschichte-lebt-nicht-mehr/ Im Frühsommer 1983 besuchte eine 25-köpfige Journalisten-Delegation den damaligen Staatsminister Friedrich Vogel im Bundeskanzleramt in Bonn. Ich leitete die Fahrt, die das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (BPA) für die Konferenz Evangelikaler Publizisten (KEP) anbot. Diese trägt heute den Namen Christlicher Medienverbund KEP, und ich war damals ihr Geschäftsführer. Als wir nach dem Gespräch mit Staatsminister Vogel das Kanzleramt verließen, fuhr gerade eine schwarze Limousine vor, aus der Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl stieg. Der Kanzler erkundigte sich bei uns, wer wir seien. Ich berichtete ihm von uns und dass wir bei Staatsminister Vogel zum Gespräch gewesen seien. Darauf Helmut Kohl: „Und warum besucht ihr mich nicht?“ Meine Antwort: „Weil Sie uns bisher noch nicht eingeladen haben.“ „Einladung ist hiermit ausgesprochen“, sagte Helmut Kohl.

Ich versicherte mich sofort beim Abteilungsleiter des BPA, Dr. Wolfgang Bergsdorf, einem sehr engen Vertrauten des Bundeskanzlers, ob er diese Einladung gehört habe. Nachdem er mir das bestätigte, vereinbarten wir einen Gesprächstermin im BPA, bei dem wir die Vorbereitungen für ein erstes Gespräch beim Bundeskanzler durchgingen und wichtige Einzelheiten klärten. Dies war der Anfang einer Reihe persönlicher Begegnungen mit Helmut Kohl, die mich sehr geprägt haben, und die zu den Höhepunkten meines journalistischen Dienstes zählen.

Evangelikale hatten im Kabinett einen Fürsprecher

Wer das Misstrauen des Kanzlers kannte, das er Journalisten immer wieder entgegenbrachte, versteht, dass diese Einladung eine Sensation war. Auf meine spätere Nachfrage an Wolfgang Bergsdorf, warum der Kanzler uns wohl so spontan eingeladen habe, berichtete dieser, dass die Evangelikalen im Bundeskabinett einen großen Fürsprecher hätten. Dieser Vertraute des Kanzlers sei selbst Pietist und er habe dem Kanzler viel über die Evangelikalen berichtet. Die Rede war vom Parlamentarischen Staatssekretär, Dr. Horst Waffenschmidt, der im Bundesinnenministerium zuständig für den Kontakt zu den Kirchen war.

Einige Wochen später fand der Besuch im Rahmen einer weiteren Tagung mit dem BPA beim Bundeskanzler und weiteren Bundesministern und Parlamentarischen Staatssekretären statt. Natürlich waren wir alle sehr gespannt, wie dieser Besuch ablaufen würde. Denn alle Teilnehmer waren zum ersten Mal im Kanzleramt und hatten auch zum ersten Mal ein Gespräch mit dem Bundeskanzler. Wir trafen Helmut Kohl im kleinen Kabinettsaal im Kanzleramt in Bonn. Ich stand mit einem Mitarbeiter des BPA und dem Pressereferenten des Kanzleramtes an der Tür des Kabinettsaales, um den Kanzler zu begrüßen. Kaum hatte er mich gesehen, rief er sofort einen Fotografen zu sich, der ein Foto vom Kanzler und mir machen sollte. Denn dieses Foto, mit einem Mann „seiner Gewichtsklasse“, so der Bundeskanzler, wollte er unbedingt seiner Frau zeigen.

Bei den folgenden Zusammenkünften mit dem Bundeskanzler wurden immer Fotos gemacht, die Helmut Kohl seiner Frau tatsächlich zeigte. Das hat mir Hannelore Kohl bei einer späteren Begegnung erzählt. Diese kleine Episode bestimmte ab sofort die Atmosphäre der Gespräche und sorgte für einen vertraulichen Umgangston zwischen uns. Die Chemie zwischen dem Kanzler und mir stimmte einfach. Der Bundeskanzler bat das Servicepersonal im Kanzleramt, „nur die besten Plätzchen, Zigarren, Zigaretten und Getränke“ zu servieren, denn, so Helmut Kohl: „Das sind die Guten, die mich jetzt besuchen." Das Gespräch dauerte fast zwei Stunden.

Gespräch unter vier Augen

In den folgenden Jahren stellte ich noch weitere Gruppen zusammen, die im Bundeskanzleramt von Helmut Kohl empfangen wurden. Das war zum einen der Kreis der Nachwuchsjournalisten der KEP und zum anderen der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA).

Der damalige Vorsitzende der DEA, Dr. Fritz Laubach, begann das Gespräch mit einem Bibelwort und Gebet. Zum Ende der Begegnung betete Laubach erneut. Bundesjustizminister Hans Engelhard sagte später zu mir: „Ich habe ja schon viele Gespräche mit kirchlichen Vertretern hier im Kanzleramt mitgemacht. Aber zum ersten Mal habe ich erlebt, dass das Gespräch mit dem Verlesen eines Bibelwortes und einem Gebet begonnen wurde und dass der Allianzvorsitzende am Ende des Gesprächs noch für die Bundesregierung, den Kanzler und die Politiker im Allgemeinen gebetet hat und uns den Segen Gottes zugesprochen hat." Gerade dieses Gespräch mit dem Hauptvorstand der DEA hat die Verbindung des Kanzlers zu den Evangelikalen in den folgenden Jahren bestimmt. Ich selbst hatte die Möglichkeit, Helmut Kohl die Glaubensgrundlagen der Evangelikalen zu erläutern. Dies ergab sich im Rahmen zweier Vier-Augen-Gespräche, zu denen der Kanzler mich eingeladen hatte.

Kohl folgt Einladung zu Christentreffen

Die Einladungen waren aber nicht einseitig: In unregelmäßigen Abständen führte die evangelikale Bewegung in Deutschland den „Gemeindetag unter dem Wort“ durch. 1992 war der nächste Gemeindetag auf dem Killesberg in Stuttgart geplant. Ich lud den Bundeskanzler und seine Ehefrau, wie auch den Parlamentarischen Staatsekretär Dr. Horst Waffenschmidt, als Teilnehmer ein und freute mich sehr, dass beide zusagten. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel nahm an dem Treffen von 35.000 Christen teil. Wie mir der Kanzler wenige Tage später bei einer Begegnung in Bonn erzählte, hatten ihn die Atmosphäre auf dem Gemeindetag, die Lieder und vor allem die Predigten sehr angesprochen.

Festmahl im Königspalast

Im Frühjahr 1995 erhielt ich einen Anruf aus dem Kanzleramt, mit der Frage, ob ich Interesse hätte, den Kanzler auf einer Reise im Juni 1995 nach Ägypten, Jordanien und Israel als Journalist zu begleiten. Sehr erfreut und dankbar habe ich meine Reisezusage gegeben. Vom 2. bis 8. Juni 1995 war ich als Delegationsmitglied mit dem Bundeskanzler im Nahen Osten. Dabei waren auch Vertreter der Wirtschaft, darunter der größte Schuhunternehmer Europas, Dr. Heinz-Horst Deichmann. Er schenkte jedem Mitreisenden eine Bibel.

Am 4. Juni besuchten wir Jordanien. Der Kanzler hatte Gespräche mit König Hussein. Für den Abend sprach der König eine Einladung zum Abendessen im Königlichen Palast aus, an dem auch einige wenige Medienvertreter teilnehmen durften. Ich hatte das Vorrecht, aufgrund der Vermittlung der deutschen Delegationsleitung mit auf der Gästeliste dieses Essens zu stehen. Wann kommt man schon einmal in den Genuss, in einem Königspalast gemeinsam mit einem König und einem Bundeskanzler zu speisen?

Ein weiterer Höhepunkt dieser Reise war die Einladung zu einem Abendessen, ausgesprochen von Israels Premierminister Rabin in seiner Residenz. Auf dem Programm standen auch ein Besuch der Palästinensischen Autonomiegebiete und ein Gespräch mit Jasser Arafat. Den Weg von Israel nach Jericho legten wir auf Wunsch von Helmut Kohl mit einem Omnibus zurück. Leidenschaftlich gern reiste der Kanzler per Bus. Auf der Fahrt nach Jericho erklärte uns ein Begleiter die Landschaft und bezog sich dabei auch auf die Bibel. Nach einiger Zeit unterbrach Helmut Kohl die Erklärungen, da sie nicht mit der Bibel übereinstimmten, wie der Kanzler korrekt festgestellt hatte. Auf Wunsch einiger Journalisten erklärte ich ihnen später diese Bibelstellen. Sie hatten ja, Deichmann sei dank, alle eine Bibel zur Hand.

Diese Bibelstunde wurde zwei Jahre später zur Initialzündung für das Israel-Projekt des Christlichen Medienverbundes KEP. Und dies hatte ich der Bibelkenntnis Helmut Kohls zu verdanken, weil er die falschen Informationen, die im Bus gegeben wurden, unterbrochen hatte.

Im Privaten treu

Ich lernte Helmut Kohl aber nicht nur als Politiker kennen. Im Januar 1996 erlitt ich einen Herzinfarkt und lag auf der Inneren Station im Klinikum Wetzlar. Bei der Chefarztvisite fragte er mich nach meiner Verbindung zu Helmut Kohl. Ich war überrascht, als er mir sagte, dass ein enger Mitarbeiter des Kanzlers bei ihm angerufen und sich nach meinem Gesundheitszustand erkundigt habe. Der Chefarzt wollte wissen, ob er Auskunft geben dürfe. Ich habe ihm gern meine Einwilligung gegeben und später erfahren, dass es Horst Waffenschmidt war, der den Kanzler über meine Krankheit informiert hatte.

Der größte Verdienst Helmut Kohls auf der großen Weltbühne war die Wiedervereinigung. Der Kanzler wünschte sich, dass beim Staatsakt der Wiedervereinigung das Lied „Nun danket alle Gott!“ gesungen werden sollte. Mit diesem Vorschlag konnte sich Helmut Kohl nicht gegenüber dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (ehemaliger Präsident des Evangelischen Kirchentages) und der damaligen Präsidentin des Deutschen Bundestages, Rita Süßmuth, durchsetzen. Stattdessen wurde das Lied „Freude schöner Götterfunke“ (Ludwig van Beethoven / Friedrich Schiller ) gesungen.

Das hat Helmut Kohl sehr geschmerzt. Denn für ihn war immer klar: „Ohne Gottes Hilfe wären Freiheit und Einheit nie erreicht worden.“

Von: Wolfgang Baake

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Mon, 19 Jun 2017 13:54:00 +0200
<![CDATA[Die neue pro ist da]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/06/19/die-neue-pro-ist-da/ Wenn autoritäre Regierungen ihre Macht verteidigen wollen, wird jegliche Opposition zum Feind. Betroffen sind meist vor allem Journalisten, aber auch Angehörige religiöser Minderheiten. Zum Titelthema Presse- und Religionsfreiheit gibt es einen Beitrag, in dem internationale Journalisten erklären, was ihnen dieses hohe Gut bedeutet. Zu Wort kommen der gebürtige Iraner Daniel Dehghan, der als Journalist aus seinem Heimatland nach Deutschland floh und hier Jesus fand, sowie der Osteuropa-Korrespondent von Die Welt, Gerhard Gnauck, der sich zur Meinungsvielfalt in Russland äußert.

Redakteurin Anna Lutz hat den Deutschen Presserat besucht und nachgefragt, wie er mit dem Vorwurf der Lügenpresse gegenüber Journalisten umgeht. Ein weiterer Artikel untersucht den Plan der Bundesregierung, mit einem drastischen Gesetz gegen Fake News vorzugehen. Der Theologe Wolfgang Beck sagt Predigern, was sie heute von YouTube-Stars lernen können, und die Journalistin Doro Plutte gibt Tipps, wie man mit Gottes Liebe Haltung zeigen kann.

Exklusiver Vorabdruck von Ulrich Parzanys neuem Buch

Der kanadische Sänger und Produzent Danny Plett verrät, was für ihn schlechte Lobpreislieder sind. Irmgard Grunwald leidet an der motorischen Nervenkrankheit ALS, ist aber trotzdem voller Hoffnung. Ulrich Parzany bezieht in seinem Buch „Was nun, Kirche?“ Stellung zur Gründung vom „Netzwerk Bibel und Bekenntnis“. Daraus gibt es in der pro einen exklusiven Vorabdruck.

Redakteur Moritz Breckner hat sich bei seiner Reise in den USA mit der Frage beschäftigt, wie sich das Land unter dem neuen Präsidenten Donald Trump verändert hat. Norbert Schäfer hat untersucht, warum die Reformation auch ein bedeutendes Bildungsereignis ist. Außerdem erzählt der Erfinder der christlichen Jugendbuch-Reihe „Der Schlunz“, Harry Voß, woher er die Ideen für seine Figur nimmt.

Bestellen Sie das Christliche Medienmagazin pro kostenlos und unverbindlich unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online. (pro)

Von: pro

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Mon, 19 Jun 2017 13:45:00 +0200
<![CDATA[Jesus: der beste Weg, hier und jetzt zu leben]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/19/jesus-der-beste-weg-hier-und-jetzt-zu-leben/ pro: Die württembergische „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“ hat an Fronleichnam zu „Christustagen“ eingeladen. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?

Rainer Holweger: Um mir als Haupt-Organisator einen Eindruck zu verschaffen, besuche ich jeweils mehrere Konferenzen. Ich war dieses Jahr in Heilbronn, Ludwigsburg, Stuttgart und dann noch gegen Ende in Reutlingen. Die Begegnung mit Bischof Singh sowie die Bibelarbeiten von Maité Gressel und Peter Hahne waren meine drei persönlichen Höhepunkte dieses Jahr; in Reutlingen waren die Besucher bereits am Gehen, aber ich hatte noch sehr gute Gespräche mit dem Team vom Albrecht-Bengel-Haus.

Erklären Sie uns kurz das Konzept dieser Veranstaltungen?

Wir wollen Christen zur engagierten Nachfolge ermutigen, zum Vertrauen in die Bibel einladen und überregionale Begegnungen ermöglichen. Über 400 Ehrenamtliche bereiten mit uns an verschiedenen Orten die Konferenzen in Baden und Württemberg vor. An jedem Ort gibt es eine Mischung aus Bibelarbeiten, Interviews, Musik und Informationen aus der Landeskirche sowie freien Werken und Verbänden. Wir planen gemeinsam die Auswahl der Texte und die Aufteilung der Referenten, ansonsten gibt es eine breite Vielfalt, wie die einzelnen Orte die Konferenz jeweils gestalten.

Warum finden die „Christustage“ an verschiedenen Veranstaltungsorten statt?

Dieses Konzept hat sich im Laufe der Zeit entwickelt und sehr bewährt. Der Wunsch war nach und nach in verschiedenen Regionen vorhanden, schließlich sogar über die Grenzen der Landeskirchen in Baden und Württemberg hinweg. Überall, wo es möglich ist, helfen wir als Geschäftsstelle dabei, so eine Konferenz aufzubauen. Wir feiern an unterschiedlichen Orten und sind doch über das gemeinsame Format und die gemeinsamen Texte verbunden.

Sie haben das Glaubenstreffen auch schon als zentrale Großveranstaltung angeboten. Wieso sind Sie von diesem Konzept wieder abgerückt?

Das Konzept der zentralen Veranstaltung gibt es nach wie vor. Die riesigen Großveranstaltungen mit zuletzt über 20.000 Besuchern sind jedoch deutlich aufwändiger zu organisieren. Deshalb finden sie nur in unregelmäßigen Abständen statt.

In diesem Jahr haben Sie die „Christustage“ nicht nur als Bibelkonferenz, sondern explizit als „Bibel- und Missionskonferenz“ ausgerichtet. Warum?

Berichte aus der Mission spielten schon immer eine Rolle. Wir wollen jedoch, dass die hervorragende Arbeit unserer Missionswerke noch stärker in das Bewusstsein rückt. Uns ist es dabei vor allem wichtig, die Perspektive der Christen aus anderen Ländern zur Sprache zu bringen. Deshalb haben wir zum einen den Bereich der Informationsstände ausgebaut und zum anderen zum Beispiel in Heilbronn Gäste aus Indien eingeladen, in Stuttgart eine Übersetzung in Arabisch und Farsi angeboten hatten und noch weitere Referenten aus anderen Ländern zu Gast.

Nennen Sie uns Beispiele, die Sie besonders überzeugen.

Da gibt es sehr viele Begegnungen, die in Frage kommen. Von den Geschwistern aus Indien können wir unglaublich viel lernen, was Nachfolge bedeutet. Wie diese Partnerschaft zwischen Christen aus Württemberg und der Nethanja-Kirche in Indien zustande kam, ist faszinierend. Für die Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten setzen sich der blinde Theologe Dr. Hanna Josua und seine Frau Heidi seit Jahrzehnten hochprofessionell und hochengagiert ein. Ihre interkulturelle Kompetenz und Mehrsprachigkeit ist für uns gerade in der Begegnung mit Geflüchteten ein unverzichtbarer Schatz. Und wer Menschen wie Yassir Eric kennt, der im Sudan in einer streng muslimischen Familie aufwuchs und dann zum Glauben an Jesus Christus fand, der weiß, wie bereichernd solche Freundschaften zu Christen aus anderen Kulturen sind.

Seit Ende Mai gibt es in Baden-Württemberg heftige Kontroversen rund ums Thema gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Dies wurde auch im Rahmen der Christustage thematisiert. Warum ist dieses Thema so ein Dauerbrenner? 

Wie überall ist das Thema „Ehe für alle“ gesellschaftlich hoch umstritten. In der Württembergischen Landeskirche ist die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare verboten. Aktuell liegt ein Antrag in der Synode vor, solche Segnungen zu ermöglichen und die Trauagende entsprechend zu ändern. Die mit unserer Bewegung verbundene Synodalgruppe Lebendige Gemeinde kann dafür jedoch keinen biblischen Auftrag erkennen. In den letzten Monaten gab es verschiedene Beratungen und Gesprächen auch mit Betroffenen. Ende Juni soll ein interner Studientag der Synodalen stattfinden. Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold hat sich in einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung Ende Mai öffentlich für die Einführung solcher Segnungen ausgesprochen, ohne die Ergebnisse des Studientags und des weiteren synodalen Prozesses abzuwarten. Wenige Tage später wurde bekannt, dass sie als Mitglied der Kirchenleitung ohne jede Rücksprache mit Bischof oder Kollegium die Schirmherrschaft des Stuttgarter Christopher-Street-Days übernimmt. Das hat auf allen Ebenen intensive Gespräche und Debatten ausgelöst.

Welche Botschaft können Christen bundesweit aus dem Christustag mitnehmen?

Der blinde Theologiestudent Sascha Wössner hat zum Thema „Jesus sehen“ in Bad Liebenzell den wunderbaren Satz formuliert: „Jesus ist nicht nur der eine und beste Weg einmal zu sterben und in den Himmel zu kommen. Jesus ist jetzt und heute der beste Weg, hier und jetzt zu leben.“

Der 43-jährige Theologe Rainer Holweger aus Herrenberg ist Geschäftsführer der „ChristusBewegung Lebendige Gemeinde“. Er organisierte die „Christustage“ 2014 in der Mercedes-Benz-Arena, auf den Kirchentagen 2015 und 2017 sowie an den dezentralen Orten in Baden und Württemberg. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Stefanie Ramsperger. (pro)

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Mon, 19 Jun 2017 10:52:00 +0200
<![CDATA[Die Menschenrechte sind Frucht des säkularisierten Christentums]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/05/26/die-menschenrechte-sind-frucht-des-saekularisierten-christentums/ Sind die Menschenrechte christlichen Ursprungs oder sind sie es nicht? Diese Frage wird immer wieder diskutiert, meistens, ohne dabei in der Sache zu argumentieren, sondern die Pfründe der jeweiligen Gruppe zu sichern, die für sich die Urheberschaft auf die Menschenrechte der Aufklärungsepoche reklamiert. Dabei geht es bei den Menschenrechten nicht um eine Institution, die im Widerstreit mit einer anderen per Dekret die Menschenrechte erlassen oder qua Offenbarung aufgefunden hätte. Der Formulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gehen Jahrhunderte der Philosophie- und Geistesgeschichte voraus. Ihr In-die-Welt-treten ist mit konkreten geschichtlichen Ereignissen verbunden, die die Entwicklung und Reife der Denkenden in ein Programm und ein Manifest für künftige Formen des Regierens übersetzte.

Werte der Aufklärung = Werte des Christentums?

Die Rede ist von den Gedanken und Überzeugungen des Humanismus und den politischen Umstürzen der französischen und amerikanischen Revolution. Beide sind eingebettet in die Programmatik dessen, was wir heute die Moderne nennen. Eine Moderne, die gekennzeichnet ist durch eine neue Trennlinie, die die geistlichen und irdischen Dinge voneinander unterscheidet. Mit der Moderne bricht das Zeitalter des Säkularismus an. Es beschreibt den Weg der Annahmen des Denkens weg von einem religiösen zu einem wissenschaftlich-empirischen Weltbild. Die Erzählungen der Moderne bleiben dennoch weiterhin auf das Engste mit der Bild- und Wortsprache des Christentums verbunden. Die christliche Philosophie wird nicht über Nacht vollends überholt oder abgeschlossen. Vielmehr bleibt sie in der einen oder anderen Weise Stichwortgeber für alle Aufklärer und Religionskritiker der europäischen Moderne.

Da die Verflechtung der christlichen Erzählungen in den Bereichen des Geistlichen und des Weltlichen wegen der gemeinsamen Wurzeln bis auf den heutigen Tag in Europa so eng ist, hat bis dato eine abschließende Definition von Religion und Säkularismus verhindert. Daraus folgt, dass, wenn heute von der "Wiederkehr der Religion" die Rede ist, unklar bleibt, was damit gemeint ist: eine Betonung der Wichtigkeit der Werte des Christentums für unsere Gesellschaft, die in der Debatte um eine Leitkultur und um das Abendland in den Vordergrund drängt? Oder eine Wiederbelebung des kirchlichen, spirituellen Lebens? Für Europa können wir nur vom ersteren sprechen. Die Werte der Aufklärung werden zumindest bis zu einem gewissen Punkt als Werte des Christentums mit interpretiert und es war schließlich kein anderer als der große Aufklärer deutscher Zunge, Immanuel Kant, der in Religion keinen anderen Wert als den zur ethischen Zurüstung zu moralischem Handeln der menschlichen Person erkennen wollte.

Wer ist Urheber der Menschenrechte?

Das wissenschaftlich-empirische Paradigma hat den vormodernen Primat der theoretischen Spekulation der Theologie und Metaphysik nachhaltig abgelöst. In den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts konstatierte der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Elias Canetti in seinem Meisterwerk "Masse und Macht" trocken: eine Mobilisierung durch das Christentum werde es in Europa nicht mehr geben, weil die Menschen den Glauben an das Jenseits verloren hätten. Das ist im Bereich des Politischen mehr als richtig beobachtet: Die res publica, der moderne Staat, kennt kein Ziel mehr, das räumlich und zeitlich über ihn hinauswiese, er glaubt an kein summum bonum (höchstes Gut) mehr, das er propagieren würde. Ihm ist lediglich ein inner-zeitliches bonum commune (allgemeines Wohlergehen der Gemeinschaft) vertraut.

Dennoch hat religiöses Sprechen und Denken einen Ort in der Welt der Gegenwart: Der Sprachphilosoph Alfred Jules Ayer (1910-1989) hat sich in seiner akademischen Laufbahn vor allem dem Wunsch gewidmet, metaphysisches Reden als Unsinn zu entlarven. Hier mag ein Gegeneinander von religiösem und säkularem Weltbild anklingen, das ja auch den Hintergrund des Streits über den Ursprung der Menschenrechte bildet, wie eingangs erwähnt.

So simpel denkt Ayer allerdings nicht: Solange Religion keine Seins-Aussagen über die Bestandteile einer objektiv erachteten Wirklichkeit macht, so Ayer, seien ihre Wortbeiträge als legitime poetische Sprachäußerungen zu verstehen und zu gestatten. Geistliches und Weltliches haben demnach ihren Ort, auch in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts, in der der Himmel gemeinhin, ein Gemeinplatz, als entzaubert gilt. Wenn Religion sich als nicht-wissenschaftliches Sprechen über die Welt und den Menschen legitim äußert, dann sind ihre Überlegungen und Aussagen zum Wesen und Ort des Menschen legitim. Religion, in Ayers Weltsicht, spricht dabei nicht normativ sondern assoziativ. Leistet das Säkulare nun den komplementären Part, teilen sich Welt und Religion die Urheberschaft über die Menschenrechte? So einfach ist es nicht!

Wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden

Die großen Identitätsfragen unserer Zeit werden in vielen Teilen der Welt vor allem unter dem Rückgriff auf das religiöse Erbe und die Traditionen des Glaubens, kurz religiöse oder quasi-religiöse Narrative, geführt. Autokraten wie Herr Putin oder Herr Erdogan tun dies: Sie okkupieren das russisch-orthodoxe Christentum und den türkisch-sunnitischen Islam für ihre Herrschaftsansprüche. Dabei sind ihnen die Gläubigen nur so lange recht, wie sie gewillt sind, die Verschränkung von politischer Herrschaft mit der Mehrheitsreligion zu akzeptieren. Sollte jemand aber auf die Idee kommen, dissidentische Abweichung mit dem Glauben an Christentum oder Islam zu begründen, was beides möglich wäre, dann kann es sehr schmerzhaft werden: Prügelattacken, Inhaftierung, Ermordung gar.

In der Türkei waren Ende 2016 rund 80 Journalisten inhaftiert, einer von ihnen der Journalist Deniz Yüzcel, der für die Welt-Gruppe des Axel-Springer-Verlages über die Türkei schreibt. In einem Jahr in dem weltweit rund 260 Journalisten inhaftiert waren, entfällt somit rund ein Drittel auf den autokratischen Staat, den Recep Erdogan am Bosporus errichtet hat. Schlimmer noch als in der Türkei geht es in Russland zu, wo Journalisten und andere Regimekritiker mitunter auch ermordet werden. Religiös-national verbrämte Narrative, mit denen die Herren Erdogan und Putin ihre Politik rechtfertigen, führen ihre Länder weg vom Modell einer freien, liberalen und aufgeklärten Demokratie. Vielmehr soll durch ihre Propaganda ihre autoritäre Herrschaft als gottgewollt legitimiert werden.

Aber auch die Rhetorik, die zu Brexit und Donald Trump geführt hat, war durchtränkt von herausgebrochenen Versatzstücken aus dem Inventar der Religion: der Glaube an Erwählung zum Beispiel, der die angelsächsische Welt bis heute prägt, und der dem biblischen Glauben an die Erwählung der zwölf Stämme Israels entlehnt ist. Dieser Glaube wurde im Bauch der Mayflower aus der Alten Welt an die Gestade der Neuen gespült. In anderen Teilen des Westens fragen Länder wie Frankreich und Deutschland nach ihrer Identität, ihrer "Leitkultur", und verwenden Schlagworte wie Christliches Abendland oder jüdisch-christliches Erbe für diese Bestimmung.

Menschenrechte als Frucht christlicher Weltanschauung

Das Christentum der uns vorangegangenen Jahrhunderte hat die Säkularisierung erst ermöglicht, sie ist auf seinem geistigen Fundament gewachsen. Gegen eine natürliche Religion, deren Anhänger sich in archaischer, atavistischer Weise dem Verdikt eifersüchtiger Götter oder den unberechenbaren Kräfte der Natur entziehen möchten, setzt es gegen die totale Jenseitigkeit die Menschwerdung Gottes. Der italienische Philosoph Gianni Vattimo drückt das in seinem Essay über "Glauben – Philosophieren" so aus: Das Christentum sei als Opposition zur natürlichen Religion in die Geschichte eingetreten. Die Entäußerung Gottes, auf Griechisch kenosis, ist der Bruch mit dem Aberglauben der Vorzeit an Opfergaben und Schicksal. Eine säkulare Welt ist die Konsequenz dieser Entäußerung, eine Welt, die nicht von Abergläubischem bestimmt wird, sondern von Empirisch-Rationalem.

Christus wird in dieser Lesart zu einem Paten von Humanismus und Aufklärung, in einer gewissen Überhöhung, sogar zu deren Urheber. Denn die Erkenntnis der Menschenrechte, die Ablehnung von Krieg, der soziale Gedanke, sind für Vattimo allesamt Früchte der innerweltlichen, auf den Menschen bezogenen Verankerung der christlichen Weltanschauung.

Aufklärung von Ansprüchen und Widersprüchen des Christentums inspiriert

Aber Früchte welches Christentums? Des säkularisierten Christentums? Des politischen Christentums? Eines spirituellen, erweckten Christentums? Etablierte Religionen, anders als natürliche, tragen einen zivilisationsbildenden Kern in sich. Sie sind nie nur Spiritualität und Gotteserfahrung, sondern haben die Kodifizierung dieser Erfahrung erlebt und die institutionelle Verstetigung durch die Auslegung diesen Quellen gefestigt. Die Menschenrechte wurden innerhalb eines solchen etabliert-religiösen Rahmens zu Tage gefördert und ins Wort gefasst. Politisch werden sie daher heute verfochten und wird ihnen zur Durchsetzung verholfen nicht mittels einer religiösen Agenda oder Autorität, sondern durch den Konsens zivilisierter Nationen, die den Menschen als Menschen anerkennen und sehen und nicht als Mittel zu anderen Zwecken missbrauchen. Die Sprache der deutschen Aufklärung sticht ins Auge. Eine Aufklärung, die sicher insgesamt von den Ansprüchen und Widersprüchen des Christentums inspiriert war.

Auf den Anruf des Göttlichen wird in der Geschichte der Religion vielfältig reagiert. Kräfte der Beharrung stehen dabei stets denen des Wandels gegenüber. Die Spannkraft, mit der etablierte Religion Wandel bedingen oder erdulden kann, entscheidet über ihre Überlebensfähigkeit. Die lutherische Reformation kann auch in diesem Sinne gedeutet werden: weg von dem Aberglauben einer natürlichen Religion, deren Spuren sich tief in die universale lateinische Kirche das Spätmittelalters eingraviert hatten, hin zu einer erneuerten Praxis und modernisierten Theologie.

Christentum hat Vielfalt und Varianz erzwungen

Das Heil des Menschen wurde nach dem Reformationszeitalter nicht mehr exklusiv in sakramentaler Praxis, die als Auswuchs der natürlichen Religion von den Reformatoren abgelehnt wurde, gesehen, sondern im Blick auf das Wort, das man, in der Weise wie Humanismus und Aufklärung voranschritten, nicht mehr bei Gott, sondern völlig in der Welt wähnte: als auszulegendes und zu kontextualisierendes. In dem Moment, in dem Varianz in die Interpretation des Wortes kommt, in dem Moment, wo politische Herrschaft nicht mehr durch Zwang die Fiktion eines monolithisches Gemeinwesen aufrecht erhalten kann, da begingt die Freiheit des Christenmenschen, sola fide, sola scriptura. In diesem Sinne sind Meinungs- und Pressefreiheit Sprösslinge, zumindest aber doch Artverwandte des religiösen Ringens um eine neue Anschauung der Welt.

Humanismus, Reformation und Aufklärung haben das Christentum mit der Vielfalt menschlicher Existenz und der Varianz von Gotteserfahrung zuerst bekannt und dann vertraut gemacht. Das Christentum hat somit Vielfalt und Varianz erzwungen gegen das Christentum selber. Nicht nur in der Weise, dass Dissidenten gegen eine mächtige Kirche aufbegehrten (das auch), sondern durch das Durchdenken der Konsequenzen der christlichen Theologie von der Menschwerdung und Entäußerung. So wurde der Nährboden bereitet für eine politisch-religiöse Weltanschauung, die den Menschen am Ende auch auf der weltlichen Bühne als Hauptakteur in Freiheit setzen würde.

Die Freiheit des Christenmenschen besteht seither nicht mehr nur darin, dass der Mensch innerlich frei im Glauben sei. Sie geht weiter, in die Welt, und mündet dort in "Heldenmut für Königsthronen", wie Schiller das in der "Ode an die Freude", die eigentlich "Ode an die Freiheit" getauft werden sollte, nennt, als insofern, dass der Mensch erst als autonomes Subjekt zum Mittelpunkt politisch-philosophischer Reflexion und dann, ab der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, zum Nukleus für alles politische Handeln wird, das sich seit diesem Moment, in der freien westlichen Welt, exklusiv aus der Würde und den Rechten dieses Menschen ableitet.

Von: Alexander Görlach

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Mon, 19 Jun 2017 10:17:00 +0200
<![CDATA[Friedensmarsch der Muslime dürftig besucht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/18/friedensmarsch-der-muslime-duerftig-besucht/ Am Samstag haben mehr als 1.000 Menschen in Köln an einem Friedensmarsch von Muslimen gegen Gewalt und islamistischen Terror teilgenommen. Das Motto der Demonstration lautete „Nicht mit uns“. Die Mit-Initiatorin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sagte auf der Kundgebung, dass es nach den Anschlägen in Berlin, Manchester, London und in der islamischen Welt an der Zeit gewesen sei, ein deutliches Zeichen gegen den Terror zu setzen.

Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, seien zunächst einige hundert Menschen in der Kölner Innenstadt für die Demonstration zusammengekommen. Während des zweistündigen Marsches seien dann weitere Hunderte Menschen hinzugestoßen. Damit kamen deutlich weniger Teilnehmer, als sich das die Veranstalter erhofft hatten. Diese hatten bei der Stadt offiziell bis zu 10.000 Teilnehmer angemeldet. Auf Transparenten der Demonstranten stand beispielsweise „Muslime sind nicht schuld“ oder „Hass macht die Erde zur Hölle“.

Ditib: Sisyphusarbeit Friedensdemonstration

Im Vorfeld des Marsches war es zu einer Debatte gekommen, weil der Islamverband Ditib und der Islamrat ihre Teilnahme abgesagt hatten. Beide repräsentieren laut eigenen Angaben ungefähr die Hälfte der Moschee-Gemeinschaften in Deutschland. „Wir haben das Gefühl, dass Friedensdemonstrationen zu einer Sisyphusaufgabe geworden sind“, erklärte der Generalsekretär des Islamrats, Murat Gümüş. Die Aktion im Fastenmonat Ramadan sei zudem unzumutbar für fastende Muslime.

Die Mit-Initiatorin des Marsches, Kaddor, kritisierte dieses Verhalten während der Demonstration: „Es ist ein Fehler, bei einem solchen Friedensmarsch nicht dabei zu sein.“ Die Tageszeitung Die Welt kommentierte den Marsch zugespitzt: „Die Prediger eines liberalen Islam haben gerufen, und die Gläubigen sind nicht gekommen.“ Es sind weitere Friedensmärsche von Muslimen geplant. Der nächste findet am 23. Juni in Berlin statt. (pro)

Von: mm

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Sun, 18 Jun 2017 15:34:00 +0200
<![CDATA[„Christen im Irak brauchen Schutzzone“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/06/18/christen-im-irak-brauchen-schutzzone/ Ermagan flog mit der Organisation Gishru (Die Brücke) in den Irak, die junge Assyrer an unterschiedlichen Orten auf der Welt miteinander in Kontakt bringt, um Kultur und Identität der Glaubensgemeinschaft zu stärken. Die Schülerin brachte einerseits Spenden in die Krisenregion, andererseits nahm sie viele Eindrücke von dort wieder mit nach Hause. (pro)

Von: js

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Sun, 18 Jun 2017 13:46:00 +0200
<![CDATA[Prägender Machtpolitiker und Mensch mit Macken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2017/06/17/praegender-machtpolitiker-und-mensch-mit-macken/ Ein Essay von Christoph Irion]]> Sechzehn Jahre lang regierte er die Bundesrepublik Deutschland, so lange wie kein anderer Bundeskanzler. Als Helmut Kohl nach der verlorenen Wahl im Herbst 1998 die Amtsgeschäfte an Gerhard Schröder (SPD) übergeben musste, da hatten die damals Jungen das kollektive Empfinden: Kanzleramt ohne Kohl – das geht doch gar nicht.

Helmut Kohl, der jetzt im Alter von 87 Jahren in seinem Bungalow im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim gestorben ist, ist ein Politiker von epochaler und im mehrfachen Sinne des Wortes von kolossaler und prägender Bedeutung gewesen. Für Deutschland und Europa. Hierin sind sich inzwischen begeisterte Begleiter, kritische Beobachter, einstige politische Freunde und Gegner weitgehend einig.

Nicht nur Kanzlerin Angela Merkel, deren Verhältnis zu ihrem Förderer bis zuletzt nicht ungetrübt war, sieht Kohl als „Glücksfall für die deutsche Geschichte“. Auch Sozialdemokraten wie Außenminister Sigmar Gabriel bescheinigen dem „großen Staatsmann“ ein historisches „Vermächtnis“ von kontinentaler Wirkung. Führende Linke erinnern in ihrer „Trauer um einen großen Europäer“ zwar auch an dessen widersprüchliches Erbe. Dennoch zollen sie der prägenden Persönlichkeit Kohl Respekt, wenn sie heute sagen: „Er hat die soziale Spaltung des Landes nie so groß werden lassen wie seine Nachfolger und es vermieden, die Bundesrepublik in militärische Abenteuer zu stürzen.“

Der historischen Verantwortung Deutschlands stets bewusst

Hierin mag historisch gesehen womöglich eines der wichtigsten politischen Verdienste Kohls zu finden sein: Denn der in fast jeder Hinsicht gewichtige Machtmensch Kohl, der in der politischen Auseinandersetzung in der Wahl seiner taktischen Mittel nie zimperlich war, war zugleich immer ein ziviler Kämpfer: Kohl mochte die Bundeswehr – aber er sah sie als Friedensarmee, nicht als Speerspitze für militaristische Ambitionen. In Kohls Regierungszeit hat sich die Bundesregierung mehrfach per Scheck von militärischen Verpflichtungen freigekauft – zum Beispiel 1991 während des Golfkriegs. Kohl hat nie den Tod seines Bruders im Zweiten Weltkrieg vergessen. Politisch erinnerte er beim Thema Militäreinsätze stets an die besondere historische Verantwortung Deutschlands. Und genau so haben ihn auch die europäischen Verbündeten erlebt: zwar als zielstrebig und interessenorientiert, zugleich aber nie als teutonischen Kraftmeier und Ellenbogen-Politiker. Stets wusste der promovierte Historiker Kohl, dass Deutschland seine neue Rolle unter den europäischen Nachbarn in Europa vor dem Hintergrund der Nazi-Katastrophe finden muss.

Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur des Tagesspiegel, schrieb schon vor sieben Jahren: „Es war vielleicht das größte Glück Deutschlands, dass es in der Zeit der Vereinigung im Westen von einem Kanzler regiert wurde, der die Geschichte im Kopf hatte.“

Neue Blüte der jüdischen Gemeinschaft ermöglicht

Und der Zentralrat der Juden erinnert in diesen Tagen daran, dass der Altkanzler der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland eng verbunden gewesen sei: Ende der 80er-Jahre war es in der ehemaligen Sowjetunion zu einer starken Welle des Antisemitismus gekommen: „Im Bewusstsein der historischen Verantwortung Deutschlands machte Helmut Kohl damals den Weg frei für die Einwanderung“ Tausender Juden. Dies habe eine „neue Blüte der jüdischen Gemeinschaft“ in Deutschland ermöglicht, schreibt Zentralratspräsident Josef Schuster.

Die folgenreichste und glücklichste politische Aktivität Helmut Kohls begann im stillen Kämmerlein. Am 28. November 1989 stellte der Kanzler im Bundestag sein „Zehn-Punkte-Programm“ vor. Völlig überraschend für Parteifreunde, den FDP-Koalitionspartner, Oppositionelle, aber auch unabgestimmt mit internationalen Partnern präsentierte Kohl drei Wochen nach dem Mauerfall in Berlin seine Vorstellungen, wie Deutschland im europäischen Rahmen wiederzuvereinigen sei. Kohl hatte seine Ideen zu Hause entwickelt. Ehefrau Hannelore hatte sie auf einer Reiseschreibmaschine abgetippt. Nur wenige der Punkte haben später im Vereinigungsprozess eine Rolle gespielt. Aber der Plan hatte eine andere Wirkung: Der Kanzler hatte die Wiedereinigung der beiden deutschen Staaten offiziell auf die Tagesordnung gesetzt. Der Zug Richtung Einheit setzte sich in Bewegung und wurde trotz vieler Widerstände nicht mehr aufgehalten. Der „Spiegel“ bezeichnete Kohls „Zehn Punkte“ später als ein „Dokument von welthistorischer Bedeutung“.

Der gravierende Unterschied zwischen Kohl und Bismarck

Wenn manche Historiker inzwischen sogar Parallelen zwischen der Politik des „Kanzlers der Einheit“ und dem Wirken von Otto von Bismarck ziehen, der 1871 das Deutsche Kaiserreich gründete, dann mag das zumindest teilweise begründet sein: Bismarck wie Kohl haben aktiv durch ihre virtuose Vereinigungs- und Bündnispolitik sowie durch Diplomatie erheblich die Landkarte und Geschichte Europas in ihrem jeweiligen Zeitalter mitgestaltet. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied: Während sich Kohl niemals martialischer Aussprüche oder Gesten bediente, beschrieb der kernige Preuße Bismarck Politik zwar als die „Kunst des Möglichen“. Aber im Zweifel würden die „großen Fragen der Zeit“ nicht durch Reden oder Mehrheitsentscheidungen entschieden – „sondern durch Eisen und Blut“.

Die historische Bildung Kohls hatten politische Beobachter über viele Jahre eher als Handicap gedeutet: Kohl wurde als „Generalist“ belächelt. Für Heiterkeit sorgte zudem, wenn er in seinem Pfälzer Singsang-Dialekt etwa forderte, Deutschland müsse „aus der Gechichte“ lernen. Besonders zu Beginn seiner Kanzlerschaft wurde Kohl ungezählte Male als „Birne“ karikiert und als dumm schwätzender Saumagen-Provinzpfälzer persifliert. Viele Intellektuelle übersahen sein geistiges Potenzial und ignorierten seinen historisch begründeten Weitblick. Wer Kohl in Hintergrundgesprächen kennenlernte, konnte hingegen erleben, wie belesen der Kanzler war – er hatte viele der Bücher gelesen, von denen andere nur berühmte Zitate aufgeschnappt hatten. Kaum präsent war auch, dass Kohl bereits 1969 erstmals Regierungsverantwortung übernommen hatte: Im Alter von nur 39 Jahren wurde er Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Innerhalb von sieben Jahren realisierte er zusammen mit Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf mutige Reformen.

Kohl und die Journalisten

Aus der Sicht von Medienschaffenden war Helmut Kohl ein herausforderndes Phänomen: Der große Kanzler war einerseits omnipräsent. Andererseits kümmerte er sich einen Dreck um die vermeintlichen Spielregeln im spannungsreichen Mit- und Gegeneinander von Politik und Presse. Seine Verachtung für Journalisten ließ er die Betreffenden direkt spüren, indem er sich in aller Öffentlichkeit auf deren Kosten lustig machte. Besonders bitter traf es den Spiegel und dessen legendären Herausgeber Rudolf Augstein (1923-2002): Der „Journalist des Jahrhunderts“ hatte es sich schon vor Beginn von Kohls Kanzlerschaft im Jahr 1982 mit dem bodenständigen Pfälzer verscherzt. Und zwar für immer: Nie wieder hat Kohl dem mächtigen Nachrichtenmagazin trotz zahlreicher Anfragen ein Interview gewährt. Augstein, der brillante zeithistorische Essays schrieb, zeigte immerhin Größe: Als einer der ersten großen Intellektuellen erkannte er im Sommer 1990 öffentlich Kohls historische Leistung im Vereinigungsprozess an und schrieb: „Glückwunsch, Kanzler!“

Kohl war bereits in vordigitalen Zeiten ein Dinosaurier der Mediengesellschaft. Seine Rhetorik und stilistische mediale Präsentation galten als grauenhaft. In seinen ungeschliffenen Interviews war nicht wichtig, wie er etwas sagte. Sondern, was er sagte. Auf der Bühne war Kohl ein schlechter Redner. Wer ihn allerdings nicht nur am Fernseher beobachtete, sondern live erlebte, der spürte sofort und immer die geradezu raumgreifende Präsenz und Ausstrahlung dieses gewichtigen Mannes. Hierin begründete sich auch seine Machtbasis innerhalb der CDU, deren Vorsitzender er 25 Jahre lang war: Kohl hatte ein „Elefantengedächtnis“, wie er selbst sagte. Er kannte viele Hunderte Parteifreunde und Ortsvereinsvorsitzende persönlich – und pflegte diese Kontakte vor allem mit dem Telefonhörer in der Hand. Dieses „System Kohl“, wie er es selber nannte, sicherte über Jahrzehnte die starke Unterstützung der Parteibasis.

Werte von Jesus Christus durchziehen sein Denken

Zu Recht haben Vertreter der katholischen Kirche, Freunde Kohls und Repräsentanten der Deutschen Evangelischen Allianz in diesen Tagen daran erinnert, dass Kohl ein gläubiger Katholik gewesen sei. Werte und Ethik von Jesus Christus sowie die Prinzipien der katholischen Soziallehre durchziehen sein Denken, sein Reden und Handeln auf allen Ebenen. Eindrucksvoll schilderte das jetzt auch der langjährige Chefredakteur und Herausgeber der Bild-Zeitung, Kai Diekmann. Als enger Freund besuchte er Kohl auch nach dessen schwerem Unfall im Jahr 2008 regelmäßig zu Hause. Diekmann berichtet, wie viel Vertrauen der Altkanzler bis zum Schluss in den „lieben Gott“ setzte und jeden Sonntag seinen Pfarrer zur Hausandacht empfing.

Bei einem Menschen, der über Jahrzehnte eine derart große Präsenz in der Öffentlichkeit hatte, werden aber auch dunkelste Schatten öffentlich sichtbar: Schlimmste Narben, Wunden, zwischenmenschliche und politische Verwerfungen sowie Schicksalsschläge haben Kohls Leben bis zum Schluss begleitet.

Sturheit in der Spendenaffäre

Ende 1999, gut ein Jahr nach dem Ausscheiden aus dem hohen Amt, holte Kohl die CDU-Spendenaffäre ein. Zwar gelang es nicht, dem Altkanzler nachzuweisen, dass er und seine Regierung „käuflich“ gewesen seien. Auch kritische Begleiter, die ihn gut kannten, kämen nicht auf die Idee, dass Helmut Kohl je bestechlich war. Aber er war stur und eigensinnig. Und das hatte zur Folge, dass er sich als Bundeskanzler wissentlich nicht an die Spielregeln des Parteiengesetzes gehalten hat: Er hatte von mehreren Großspendern Geld in Millionenhöhe für die CDU erhalten. Weil diese verlangten, anonym zu bleiben, verschwieg der Kanzler deren Namen, die er nach dem Gesetz hätte melden müssen. Vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages erklärte Kohl seine eigene Rechtsauffassung: Er habe sich nicht persönlich bereichert, sondern Gutes für die Partei getan. Sein Versprechen werde er halten und die Namen nicht preisgeben. Dieses Wissen werde er mit ins Grab nehmen – und dabei ist es geblieben.

2001 nahm sich seine erste Ehefrau Hannelore im Alter von 68 Jahren das Leben. Offiziell, weil sie an einer Krankheit litt. Längst ist bekannt, dass sie ihr Leben in Pflichterfüllung und Selbstverleugnung an der Seite des großen Helmut Kohl einfach nicht mehr weiterführen mochte. Kohl heiratete 2008 seine frühere Mitarbeiterin Maike Richter. Aber nach dem Tod seiner ersten Frau zerbrachen auch die Beziehungen zu seinen Söhnen Walter und Peter. Der heute 53-jährige Walter stand jetzt am Totenbett seines berühmten Vaters. Hinterher würdigte er ihn als einen, der „viel für den Frieden in Europa getan“ habe. Er selbst sei „sehr traurig“. Vor sechs Jahren habe er zuletzt mit seinem Vater telefoniert. Danach habe er ihn nicht mehr besuchen dürfen. (pro)

Von: Christoph Irion

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Sat, 17 Jun 2017 18:44:00 +0200
<![CDATA[ARD strahlt Antisemitismus-Doku aus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/17/ard-strahlt-antisemitismus-doku-aus/ Die Antisemitismus-Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf die Juden in Europa“, die Arte nicht ausstrahlen will, läuft jetzt doch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Die ARD gab bekannt, die Dokumentation am kommenden Mittwoch um 22.15 Uhr im Ersten zu zeigen.

Mit der Begründung, der Film weiche „gravierend von dem verabredeten Sendungskonzept“ ab, hatte Arte abgelehnt, die selbst in Auftrag gegebene Dokumentation über Antisemitismus in Europa auszustrahlen. Das brachte dem deutsch-französischen Sender anhaltende Kritik ein. Die Nachrichtenseite Bild.de entschloss sich dann, den Film einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für 24 Stunden war „Auserwählt und ausgegrenzt“ am Dienstag auf Bild.de zu sehen. Laut der Nachrichtenseite sahen inzwischen rund 650.000 Menschen den Film.

„Transparent zur Diskussion stellen“

„Das Thema der Dokumentation war und ist uns wichtig“, sagte WDR-Intendant Tom Buhrow: „Wir haben den Film intensiv geprüft, und ich habe entschieden, die Dokumentation und unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen.“ Im Anschluss an die Ausstrahlung am Mittwoch folgt eine Diskussionsrunde mit der Moderatorin Sandra Maischberger.

Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres, sagte zur Entscheidung, den Film im Ersten auszustrahlen: „Ich halte es für richtig, die umstrittene Dokumentation jetzt einem breiten Publikum zugänglich zu machen, auch und trotz ihrer handwerklichen Mängel. Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen.“ (pro)

Von: mm

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Sat, 17 Jun 2017 12:49:00 +0200
<![CDATA[Feministische Moschee in Berlin eröffnet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/06/16/feministische-moschee-in-berlin-eroeffnet/ In Berlin gibt es seit Freitag eine in Deutschland einzigartige Moschee: Im Stadtteil Moabit sollen Frauen gemeinsam mit Männern beten, das Gebet anleiten und auch predigen. Acht Jahre lang habe sie auf die Eröffnung hingearbeitet, sagte Seyran Ates bei der Eröffnung. Andere Gemeinden diskriminierten Frauen, indem sie sie in einem seperaten Raum beten und nicht predigen ließen. Deshalb habe sie selbst bisher keine Glaubenseinrichtung regelmäßig besucht.

Viele Mitstreiter seien aus Angst, „dass etwas passieren könnte", abgesprungen, beschrieb sie den Protest, den ihr Projekt unter Muslimen ausgelöst hat. Denn die Moschee ist nicht nur feministisch ausgerichtet. Sie soll auch alle muslimischen Richtungen vereinen. Sunniten, Schiiten, Aleviten und Sufis sollen hier zusammenkommen. „Wir suchen ausdrücklich auch den Dialog und Kontakt zu anderen Religionen und Weltanschauungen", sagte Ates. Damit meine sie ausdrücklich auch Atheisten. Auch der Lesben- und Schwulenverband in Berlin will künftig mit der Moschee zusammenarbeiten.

Ates will mit ihrem Projekt Gesicht zeigen „gegen alles, was im Namen unserer Religion Böses betrieben wird". Dafür hat sie zunächst aus eigener Tasche Gelder vorgelegt, hofft allerdings, dass sich die Moschee künftig durch Spenden finanzieren kann. Ihre Vision für die Zukunft: Ein großes eigenes Gebäude für alle Denominationen zusammen.

Protest aus der Kirchgemeinde

Denn bisher hat sich die sogenannte Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten eingemietet. Die Pfarrerin der Gemeinde, Sabine Röhm, erklärte, ihre Gemeinde lebe „in der Tradition des multikulturellen Zusammenlebens". Deshalb habe man gerne Starthilfe gegeben für eine liberale Moschee. Im Fokus der Zusammenarbeit soll stehen, die friedensstiftenden Gemeinsamkeiten der verschiedenen Glaubensrichtungen zu betonen.

Sorgen aus der Gemeinde hätten vor allem Sicherheitsfragen betroffen. Gleich neben der Kirche liegt eine Kita. Ein Erzieher aus der Einrichtung äußerte während der Eröffnung die Angst, Terroristen könnten die Moschee ins Visier nehmen. Röhm hingegen ist sich sicher, was die Kooperation mit den liberalen Muslimen angeht: „Das muss sein." Es habe im Vorfeld Gespräche mit Sicherheitsbehörden gegeben, die derzeit keine Gefahr sähen. Auch Ates beschwichtigte: Drohungen habe sie bisher keine erhalten, lediglich einige unangenehme Twitternachrichten.

Ich stehe hier und kann nicht anders

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakam Ourghi unterstützte die Pfarrerin: „Heute wird Geschichte geschrieben und zwar auf der Grundlage der reflektierenden Vernunft", sagte er in Anlehnung an Martin Luther: „Ich bin hier und ich kann nicht anders." Der Islam befinde sich in einer Identitätskrise. Es sei nötig eine Form der Moschee anzubieten für eine schweigende Mehrheit, die sich einen liberalen Islam wünsche. Seiner Meinung nach machten diese 85 Prozent aller Muslime aus. Er kritisierte die Islamverbände in Deutschland: Immer zu betonen, der Islam habe nichts mit dem Terror zu tun, helfe nicht weiter. „Der Islam hat mit Gewalt zu tun", sagte er. Aufgabe islamischer Theologen sei es, dies aufzuarbeiten, damit sich die Dinge langfristig änderten.

Zur Eröffnung gab es neben der Vorstellung ein Freitagsgebet, das von einer Frau und einem Mann gemeinsam angeleitet wurde. (pro)

Von: al

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Fri, 16 Jun 2017 11:33:00 +0200
<![CDATA[Esoterik schröpft die Menschen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/16/esoterik-schroepft-die-menschen/ „Wer nach Halt sucht, greift auch nach den Sternen“. Mit diesen Worten moderiert Christian Nitsche den Beitrag des Politmagazins PlusMinus im Rahmen der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ an. Der Beitrag macht deutlich, wie schamlos und einfach potenzielle Interessenten dabei benutzt werden. Die Redaktion hat dies im Selbstversuch getestet.

Die Bandbreite ist weit und reicht von Aura-Sprays und Engelskarten bis zum Heilen im heimischen Wohnzimmer. Auf einer Messe in München hat die Redaktion des Magazins versucht, ein eigens erfundenes Produkt vor der Halle zu überteuerten Preisen zu verkaufen. Die Zweifel der Konsumenten waren gering.

Mehr Umsatz in der Esoterik als in der Baubranche

Zu Besuch waren die Redakteure auch bei einer Messe für spirituelle Heilung im Saarland. Dort erfährt der Besucher, dass die Preise für die jeweiligen Produkte nicht fix sind. Vielmehr würden sie - angeblich - von einem übernatürlichen Wesen durch ein Medium mitgeteilt.  Ein lukratives Standbein für die Esoterik ist der Verkauf von Büchern. Der Psychologe Johannes Fischler, der ein Buch zum Thema geschrieben hat, beziffert den Umsatz zwischen 20 und 25 Milliarden Euro - mit steigender Tendenz.

Zu Wort kommt auch die Aussteigerin Silvia A. Sie war Mitglied einer Esoterik-Gruppe, weil sie sich einst davon angesprochen fühlte und sich Energie aus dem Jenseits erhoffte. „Ich habe viel Geld dort gelassen“, resümmiert auch sie. Auch ihre Familie ist an ihrer Nähe zur Esoterik zerbrochen.

„Haben jetzt wieder die Erlaubnis, glücklich zu sein“

Matthias Pöhlmann, Sektenausstiegsberater der bayerischen Landeskirche, betont, dass sich viele Anbieter von Haftungsansprüchen entbinden lassen: „Damit trägt der Einzelnutzer das Risiko.“ Pöhlmann beobachtet einen Trend, dass Menschen nicht mehr nur über den Verstand erreicht werden sollen, „sondern etwas erleben möchten“. Für Silvia A. besteht die Währung der Esoterik-Branche aus leeren Versprechungen. Sie hat den Ausstieg geschafft und wieder mit ihrem Mann zusammen gefunden. (pro)

Von: jw

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Fri, 16 Jun 2017 11:15:00 +0200
<![CDATA[Warum sich ein Junge konfirmieren lassen will]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/15/warum-sich-ein-junge-konfirmieren-lassen-will/ Eine Filmkritik von Johannes Weil]]> Ben ist 15 Jahre jung. Er hat sich in aller Stille taufen lassen und will nun konfirmiert werden. Was dies für Probleme bei seinen ahnungslosen Eltern mit sich bringt, und wie sich deren Unverständnis später wandelt, beschreibt der Film „Die Konfirmation“, den die ARD am Freitag im Rahmen der Themenwoche „Was glaubst Du?“ ausstrahlt.

Was ist mit dem Kind los? Diese Frage stellt sich vor allem Bens Mutter. Während des Films nennt sie offen ihre Vorurteile über Kirche und Glaube. Für sie ist klar, dass Pfarrer nur sonntags arbeiten, und dass ein 15-jähriger Junge sicher nicht entscheiden kann, was er glauben möchte. Der Vater nimmt die gesamte Entwicklung eher gelassen und mit einem Augenzwinkern zur Kenntnis. Der Buddhismus sei doch viel toleranter als das Christentum, sagt er.

Offenen Dialog mit dem Jungen suchen

Der Film zeigt auch eine Pfarrerin, die den Eltern versucht klarzumachen, dass sie einen Jungen haben, auf den sie stolz sein können, weil er sich mit den wichtigen Fragen des Lebens beschäftigt. Sie wünscht sich, dass die Eltern ihrem Sohn einen offenen Dialog anbieten – auch über die Dinge, die den menschlichen Verstand überschreiten.

Statt die Chance für ihren Sohn zu sehen, sieht die Mutter die finanzielle Belastung einer Konfirmation. Doch die Eltern begeben sich auf die Suche nach dem Leben, das über die Bewältigung des Alltags hinausgeht. Am Ende sind sie Ben sogar näher, als sie es jemals waren.

Der 90-minütige Film ist ein Plädoyer für den Mut, sich in Fragen der Sinnsuche auf sich selbst zu verlassen und offen zu sein für die Wünsche und Bedürfnisse anderer. Das Drehbuch schrieb Beate Langmaack, Regie führte Stefan Krohmer. (pro)

„Die Konfirmation“ läuft am Freitag, 16. Juni 2017, um 20:15 Uhr, im Ersten.

Von: jw

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Thu, 15 Jun 2017 10:33:00 +0200
<![CDATA[Presse- und Religionsfreiheit: Ein zerbrechliches Gut]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/14/presse-und-religionsfreiheit-ein-zerbrechliches-gut/ Lesen Sie mehr zur Religions- und Pressefreiheit im Titelthema des Christlichen Medienmagazins pro 3/2017. Ab sofort kostenlos und unverbindlich zu bestellen unter der Telefonnummer 06441/915151, via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online.

Von: lms/js

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Wed, 14 Jun 2017 10:49:00 +0200
<![CDATA[Mehr Käßmann geht nicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/14/mehr-kaessmann-geht-nicht/ Eine TV-Kritik von Moritz Breckner]]> Ein junger Türke guckt irritiert, als Margot Käßmann sich in sein Auto hineinbeugt. „Na, die machen ’nen Film über mich, und ich bin hier aufgewachsen“, klärt Käßmann auf und deutet auf ihr Elternhaus, dass nun von dem jungen Mann und seiner Familie bewohnt wird. Der Fahrer und seine Frau nicken anerkennend, als Käßmann erzählt, dass sie nun in Berlin lebt, und laden sie ins Haus ein, was diese aber höflich ablehnt und sich verabschiedet. „Und Sie heißen nochmal?“, ruft ihr der junge Mann hinterher.

Szenen wie diese gibt es reichlich in der Dokumentation „Margot Käßmann – Freiheit wagen“, die am 14. Juni im WDR und am Reformationstag im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wird. Filmemacherin Renata Schmidtkunz begleitet die Luther-Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland auf Reisen zu Orten ihrer Vergangenheit und erzählt so die Biografie der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden.

Käßmanns Beziehung zu den Medien ist ein roter Faden der Geschichte. Der Zuschauer sieht die Theologin in einem Ordner blättern, in dem sie all die Schlagzeilen und Karikaturen nach ihrer berüchtigten Fahrt mit 1,3 Promille, die zu ihrem Rücktritt vom EKD-Ratsvorsitz führte, aufbewahrt. Bei ihrer Rücktrittserklärung habe sie die Tränen zurückgehalten, um den Medien keine Genugtuung zu geben. „Nach vielen Jahren der öffentlichen Kritik bin ich gelassener geworden“, sagt sie an anderer Stelle. „Lass sie doch schreiben“, sage sie sich.

Dass es die Autorin zahlreicher Bücher dennoch fuchst, was über sie in der Presse steht, wird immer wieder deutlich. Den Dokumentarfilmern, die sie begleiten, erklärt sie: „Manchmal muss ich sagen, finde ich auch Ihre journalistischen Kollegen fast lustig, die sagen: ‚Ich möchte gern ein Interview mit Ihnen’, und dann fragen sie in dem Interview: ‚Warum geben Sie eigentlich so viele Interviews, sind Sie ehrgeizig? Müssen Sie dauernd in der ersten Reihe stehen?’“

Politische Motivation des Theologiestudiums

Filmemacherin Schmidtkunz zeigt Käßmann bei den Proben für einen Fernsehgottesdienst, Käßmann beim Wäscheaufhängen in ihrem Haus auf Usedom, Käßmann in der Kirche ihrer ersten Pfarrstelle, und Käßmann beim Autofahren durch Ortschaften, in denen sie mal gewohnt hat. Das Scheitern ihrer Ehe wird in dem 45-minütigen Porträt ebenso erwähnt wie ihre Krebserkrankung und der Ärger, den sie für die in den Medien verkürzte Darstellung ihres Satzes „Nichts ist gut in Afghanistan“ bekommen hat.

Die Vermischung von Theologie und Politik erklärt Käßmann selbst, als es um ihren Studienbeginn geht. „Also es waren für viele glaube ich schon politische Motive, Theologie zu studieren“, erinnert sie sich. „Und die Kirche war was mitten in der Gesellschaft, in den politischen Debatten und Umbruchprozessen, und es war nicht so, dass du allein aus Glaubensmotiven, weil du Glauben verbreiten willst, Theologie studiert hast, sondern ich würde schon sagen, weil du die Welt verändern willst.“

Die spannendste Frage überlassen die Dokumentarfilmer einem Nachbarn der Kirchenfrau, der die öffentliche Spekulation ins Spiel bringt, Käßmann könne eines Tages die erste Bundespräsidentin werden. Die winkt ab: „Ich könnte nicht unter ständiger Beobachtung leben, das würde ich nicht wollen.“ Man mag es ihr fast glauben. Aber nur fast. (pro)

„Margot Käßmann – Freiheit wagen“ läuft am 14. Juni um 23.25 Uhr im WDR und am 31. Oktober im BR. Er ist auch in der Mediathek des Senders abrufbar.

Von: mb

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Wed, 14 Jun 2017 09:13:00 +0200
<![CDATA[„Kultur-Rabatt“ für muslimische Straftäter?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/13/kultur-rabatt-fuer-muslimische-straftaeter/ Der Asylbewerber hatte auf seine Ehefrau eingestochen, sie aus dem Fenster geworfen und ihr die Kehle durchgeschnitten, berichtet die Welt. Der Grund: sie soll ihn betrogen haben. Das Landgericht Cottbus verurteilte den 32-Jährigen zu 13 Jahren Haft wegen Totschlags. In der Begründung heißt es, Eifersucht sei zwar nach hiesigen Wertvorstellungen ein „niedriger Beweggrund“ für einen Mord, nicht aber nach den Vorstellungen des Tschetschenen.

Die Welt hat die Rechtsanwältin Brigitta Biehl befragt, die zweite Vorsitzende des Vereins Peri ist, der Menschen betreut, die von Zwangsheirat und „Ehrenmord“ bedroht sind. Sie sei „etwas fassungslos“ angesichts des Urteils, sagt sie. Das Gericht habe offenbar unhinterfragt die Behauptung des Täters übernommen, er als Mann habe das Recht, seine Frau zu töten, sollte sie fremdgegangen sein. Das sei in Tschetschenien geltendes Recht, und der Koran erlaube es auch.

Auf die Frage, ob der Täter also einen „kulturellen Rabatt“ erhalten habe, antwortet Biehl: „Die Strafbarkeit setzt sich immer zusammen aus dem objektiven Tatbestand und der persönlichen Schuld.“ Die Rechtsexpertin verweist auf eine Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes aus dem Jahr 2006, wonach die Frage anhand der hiesigen Wertvorstellungen beantwortet werden müssten. Allerdings müsse der Täter in der Lage gewesen zu sein, die hiesige Wertvorstellung zu kennen. Biehl: „Genau das macht diesen Fall so schwierig: Der Täter war erst seit sechs Monaten in Deutschland, hatte ein niedriges Bildungsniveau, keine sozialen Kontakte. Umso wichtiger wäre es gewesen, seinen kulturellen Hintergrund zu untersuchen.“

Biehl ist der Meinung, dass ein Gericht sich immer schwer damit tun werde, einen Täter, der erst vor kurzem aus seinem Land nach Deutschland gekommen ist, wegen Mordes aus „niedrigen Beweggründen“ zu verurteilen, wenn in seinem Land Ehrenmorde Praxis sind. In der kurzen Zeit habe er noch keine Möglichkeit, sich mit den hiesigen Rechtsvorstellungen zu beschäftigen.

„Richter mit Mangel an frischer Luft“

Der Publizist und Autor Henryk M. Broder kommentiert in der Welt: „Zu welchem Zeitpunkt der komplexen Tat sollte er überlegt haben, ob er möglicherweise aus ,niederen Beweggründen' handelte? Vor dem ersten Stich oder erst nach dem Fenstersturz? Und mal angenommen, er habe sich die Frage gestellt und sie mit einem Nein! beantwortet, würde das die ,niederen Beweggründe' aufheben?“

Broder zitiert ältere Fälle, in denen Menschen brutal getötet wurden und fragt, ob die Richter naiv seien, die einen Mordversuch zu einer gefährlichen Körperverletzung herabstufen. „Kann es etwas Heimtückischeres geben als den Versuch, einen schlafenden Menschen anzuzünden? Heimtücke gilt, ebenso wie niedere Beweggründe, als ein Mordmerkmal.“

Doch auch bei Alltagsdelikten wie wenn ein Ladendieb in einem Supermarkt Lebensmittel klaut, weil er hungrig ist, lägen „mit Sicherheit kein 'niederer', sondern ein elementarer Beweggrund vor“, schreibt Broder. Und wenn er gar klaut, um hungernde Obdachlose zu versorgen, „dann sind seine Beweggründe ausgesprochen edel“. Er schreibt weiter: „Es kann sein, dass die Richter ihre Entscheidungen in einem Zustand der Weltfremdheit und Abgewandtheit gefällt haben, herbeigeführt durch den Mangel an frischer Luft und Sonnenlicht in den meist fensterlosen und vollklimatisierten Gerichtssälen. Es müssen ja nicht gleich niedere Beweggründe oder Heimtücke sein.“

„Es geht nicht primär um die Religion“

Der Vorsitzende des Vereins Christ und Jurist, David Kästle-Lamparter, erklärte gegenüber pro, die Bezeichnung „kultureller Rabatt“ sei polemisch und aus seiner Sicht nicht hilfreich. „Es geht nicht um einen Strafrabatt, sondern zunächst einmal um die Frage, ob eine Tötungshandlung aus juristischer Sicht ein Totschlag oder ein Mord aus niedrigen Beweggründen ist.“ Solche niedrigen Beweggründe könnten auch bei persönlicher Rache, Blutrache, Tötungen aus Gründen der Familienehre (also sogenannte Ehrenmorde) und Selbstjustiz vorliegen. Ob der Täter aufgrund niedriger Beweggründe gehandelt hat, müssten die Gerichte im Einzelfall entscheiden. Dies geschehe auf Grund „einer Gesamtwürdigung, welche die Umstände der Tat, die Lebensverhältnisse des Täters und seine Persönlichkeit einschließt“. Kästle-Lamparter erklärte weiter, es gehe bei der Entscheidung nicht primär um die Religion, sondern um die Wertvorstellungen in Deutschland – also dass Blutrache und „Ehrenmorde“ von der Rechtsgemeinschaft missbilligt werden – gegenüber abweichenden kulturellen Vorstellungen. Ein deutscher fundamentalistischer Christ hätte wohl „Pech gehabt“, geriete er in eine vergleichbare Situation, „weil er die Wertvorstellungen in Deutschland jedenfalls kennt und sich dann bewusst darüber hinwegsetzen würde“, sagte der Jurist. (pro)

Von: js

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Tue, 13 Jun 2017 16:33:00 +0200
<![CDATA[Bild.de zeigt Antisemitismus-Doku]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/13/bildde-zeigt-antisemitismus-doku/ Die Nachrichtenseite Bild.de hat die von WDR und Arte unter Verschluss gehaltene Dokumentation über Antisemitismus in Europa für 24 Stunden online gestellt. Der Film „Auserwählt und ausgegrenzt: Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner ist seit Dienstag, 00.00 Uhr bis Mitternacht auf der Seite zu sehen.

Arte hatte den Film aus formalen Gründen abgelehnt. Er „entspricht nicht dem angemeldeten Programmvorschlag“, teilte Programmdirektor Alain Le Diberder mit. Demnach wollten die Programmverantwortlichen einen stärkeren Fokus auf Antisemitismus in Europa, etwa Schweden, Großbritannien oder Ungarn. Der Film behandelt Antisemitismus in Deutschland und Frankreich, und geht dem Phänomen zu einem erheblichen Teil im Nahen Osten nach. Der WDR gab bekannt, die Begründung von Arte nachvollziehen zu können. Der Sender schließt nicht aus, den Film nach einer „journalistischen Prüfung“ zu zeigen.

FAZ: Sender sind feige

Verschiedene Medien haben die Ablehnung aus formalen Gründen als fadenscheinig beurteilt. „Der Verdacht liegt bitter nah, dass diese Dokumentation nicht gezeigt wird, weil sie politisch nicht genehm ist, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belegt, das erschütternd ist“, heißt es auf Bild.de. „Der Kampf gegen Antisemitismus ist in Deutschland ein überragendes Interesse.“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung attestierte Arte und WDR „Feigheit“. „Es ist die Feigheit davor, sich mit dem wachsenden Antisemitismus auseinanderzusetzen, der die Wurzeln der deutschen wie der französischen Gesellschaft berührt.“ Die Zeitung fordert die Ausstrahlung des Films. Es „wäre die zwingende Aufgabe des von uns allen finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der sich so gern als Demokratiegarant geriert (vor allem wenn es ums Geld geht), an dieser Stelle nicht zu kneifen“.

Die Zeitung Die Welt führt an, dass der Antisemitismus im Nahen Osten in dem Film einen breiten Raum einnehme, dies habe jedoch „inhaltlich zwingende Gründe“. „Denn der Judenhass von heute, der sich etwa im Sommer 2014 bei Protestdemonstrationen in Deutschland gegen die israelischen Luftangriffe auf Stellungen der Hamas in Gaza in Parolen wie ,Hamas, Hamas, Juden ins Gas' auf schockierende Weise äußerte, stützt sich weitestgehend auf Propagandalügen über Israel.“

Unterdessen haben sich auch jüdische Vertreter in Deutschland zu Wort gemeldet. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte die Ausstrahlung des Films. Ihm erschließe sich nicht, warum formale Gründe die Ausstrahlung einer so wichtigen Dokumentation verhindern, schrieb er in einem Brief an Alain Le Diberder.

Lob von Historikern

Für den Film haben sich auch namhafte Historiker ausgesprochen. „Das ist die mit Abstand beste und klügste und historisch tiefste, zugleich leider hochaktuelle und wahre Doku zu diesem Thema“, findet Michael Wolffsohn. Götz Aly weist den Vorwurf der Einseitigkeit, den Arte ebenfalls erhoben hatte, zurück. „Der Film dokumentiert die korrupte, Hamas-gesteuerte ,Selbstverwaltung‘ von Uno-Hilfsgeldern in Gaza. Nun behauptet Arte-Programmdirektor Le Diberder, dem Film mangele es an ,Multiperspektivität‘. Das Gegenteil ist richtig.“

Den Film hatte Arte im April 2015 nach einem Programmvorschlag des WDR genehmigt. Ende 2016 nahm die zuständige Redakteurin beim WDR, Sabine Rollberg, den Film ab. Laut Welt ging er dann an die Arte-Zentrale in Straßburg. Dort habe es dann geheißen, der Film sei „einseitig pro-israelisch“ und gieße angesichts der Terrorismusgefahr in Frankreich „Öl ins Feuer“. (pro)

Von: df

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Tue, 13 Jun 2017 14:01:00 +0200
<![CDATA[Todesstrafe wegen Blasphemie im Netz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/06/13/todesstrafe-wegen-blasphemie-im-netz/ Der 30-jährige Taimoor Raza soll in einer Facebook-Diskussion den muslimischen Propheten Mohammed beleidigt haben. Ein Gericht hat ihn jüngst für schuldig erklärt und zum Tod durch Erhängen verurteilt. Das berichtet die britische Tageszeitung The Guardian. Raza ist demnach bereits im vergangenen Jahr gemeinsam mit 14 Anderen inhaftiert worden. Ein pakistanischer Agent hatte die Facebook-Debatte verfolgt und blasphemische Äußerungen gemeldet. Medienberichten zufolge gehört Raza zur Minderheit der Shia-Muslime.

Bereits Anfang des Jahres machte das Vorhaben des pakistanischen Ministerpräsident Nawaz Sharif Schlagzeilen, Internetpräsenzen zu sperren, in denen gotteslästerliche Inhalte auftauchen. Er kündigte damals bereits an, wer Blaspehmie online äußere, werde strikt verfolgt und entsprechend bestraft - in Pakistan kann wegen Beleidigung des Propheten Mohammed die Todesstrafe verhängt werden. Der Politiker bat damals auch die Betreiber Sozialer Medien um Mithilfe beim Finden und Löschen gotteslästerlicher Einträge. Plattformen wie YouTube sind dort bereits durch die Behörden über längere Zeiträume komplett gesperrt worden.

Menschenrechtler beklagen schon seit Jahren die Blasphemiegesetze des Landes. Häufig, so der Vorwurf, würden persönliche Streitigkeiten durch Beschuldigungen ausgetragen. Schlagzeilen machte etwa der Fall der wegen Blasphemie inhaftierten Christin Asia Bibi. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode, die Strafe ist bisher nicht vollstreckt, Bibi sitzt noch immer in Haft. (pro)

Von: al

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Tue, 13 Jun 2017 13:25:00 +0200
<![CDATA[Wachstumsmotor für Kirchengemeinden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/06/13/wachstumsmotor-fuer-kirchengemeinden/ „Für immer mehr christliche Gemeinden ist ,Weihnachten im Schuhkarton‘ und der anschließende Glaubenskurs ‚Die größte Reise’ ein Wachstumsmotor.“ Dies bilanziert der Geschäftsführer des christlichen Werks Geschenke der Hoffnung, Bernd Gülker. Weltweit hätten im vergangenen Jahr mehr als 3,5 Millionen Kinder in 97 Ländern an dem Nachfolgeprogramm teilgenommen. Diese Zahl lag um 28,6 Prozent höher als im Vorjahr, teilte die Organisation mit.

Fast 2,6 Millionen Mädchen und Jungen schlossen das zwölfteilige Programm auch ab. Rund 1,6 Millionen Kinder entschieden sich für ein Leben als Christ. Diese Zahl lag so hoch wie noch nie. Etwa 1,8 Millionen gaben an, für Personen in ihrem Umfeld beten zu wollen und ihnen vom Glauben weiterzuerzählen. „Vielerorts entstehen im Nachgang der Geschenkaktion und des angebotenen Kursprogramms neue Angebote für Kinder. Kirchengemeinden wachsen und gründen weitere Gemeinden. Dies hat nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft vor Ort“, beschreibt Gülker.

Neue Perspektiven für das Leben

„Wenn Menschen ihr von Gott gegebenes Potenzial entdecken, entwickeln sich neue Perspektiven für ihr Leben. Sie werden ermutigt, sich nicht mit ihrer Situation zufrieden zu geben, sondern aktive Schritte aus dem Kreislauf von Armut, Sucht und Bildungsmangel heraus zu gehen. In vielen Fällen machen Kirchengemeinden und christliche Organisationen auch weitergehende Angebote, um sie dabei zu unterstützen“, findet der Geschäftsführer.

Insgesamt konnte das Werk 2015/2016 11,2 Millionen Kinder im Rahmen von „Weihnachten im Schuhkarton“ in 108 Ländern erreichen. „Fast jedes vierte beschenkte Kind nimmt die Einladung an, das Leben mit Gott zu gestalten und nach seinem Willen auszurichten.“ Im Rahmen der Weihnachtsfeiern laden immer mehr Kirchengemeinden zu dem Nachfolgeprogramm ein, das ein internationales und überkonfessionelles Team aus Theologen, Pädagogen und Pastoren entwickelt hat.

Es soll nach Angaben der Organisation kindgerecht und interaktiv biblische Inhalte vermitteln und deren Relevanz für das eigene Leben aufzeigen. Dafür werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter von Kirchengemeinden vorher geschult. Im vergangenen Jahr waren das fast 160.000 Personen. Seit das Programms 2010 gestartet ist, haben nun schon 7,8 Millionen Kinder den Kurs absolviert und 5,1 Millionen sich für ein Leben als Christ entschieden.

„Weihnachten im Schuhkarton“ ist Teil der internationalen Aktion „Operation Christmas Child“ des christlichen Hilfswerks „Samaritan’s Purse“. In etlichen Ländern füllen Bürger die Schuhkartons mit Geschenken. Geschulte Verteilpartner verteilen diese in mehr als 100 Ländern zielgerichtet an bedürftige Kinder. Träger der Aktion im deutschsprachigen Raum ist das christliche Werk Geschenke der Hoffnung. (pro)

Von: jw

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Tue, 13 Jun 2017 12:35:00 +0200
<![CDATA[Studie: Fundamentalistische Tendenzen bei Österreichs Muslimen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2017/06/13/studie-fundamentalistische-tendenzen-bei-oesterreichs-muslimen/ Österreichische Muslime, die keine aktiven Mitglieder in islamischen Organisationen sind, zeichnet zweierlei aus: Bei über einem Drittel findet sich ein großes Potenzial für fundamentalistische Einstellungen. Gleichzeitig befinden sich aber auch viele Muslime in einem Säkularisierungsprozess. Das besagt eine neue Studie des Instituts für Islamische Studien in Wien. Der Leiter Ednan Aslan konzentrierte sich mit den beiden Soziologen Jonas Kolb und Erol Yildiz laut der Tageszeitung Die Presse bewusst auf diese Bevölkerungsgruppe außerhalb der Moscheevereine, weil sie die muslimische Mehrheit in Österreich darstellt.

40 Prozent dieser Muslime schätzt die Studie als „eher säkular“ lebend ein. Zum einen sind das Muslime, die Religiosität nur aufgrund der kulturellen Gewohnheit leben oder Muslime, bei denen die Studie nur einer „ungebundenen Restreligiosität“ festgestellt hat. Demnach wächst diese Gruppe. Der größte Teil der befragten Muslime betrachtet sich allerdings weiterhin als religiös.

Studienleiter Aslan überraschten die teils fundamentalistischen Einstellungen der Befragten, die bei über einem Drittel (34,6 Prozent) zu finden waren. Als fundamentalistisch wurde beispielsweise die Aussage gewertet, dass im Verhältnis zu anderen Religionen nur die eigene Religion Recht hat. Aus den Antworten der Befragten lasse sich laut der Studie aber kein Hang zur Gewalt gegenüber Nichtmuslimen herauslesen.

Dürfte ihr Kind jemanden heiraten, der eine andere Religion ausübt?

Die Studie fragte die Teilnehmer auch, ob sie Probleme damit hätten, wenn ihr Kind jemanden mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten würde. Ein Drittel der Befragten schätzte dieses Szenario als „sehr bedrohlich“ ein. Bei der Frage, ob die eigenen Kinder am gemeinsamen Schulunterricht teilnehmen dürfen, gab es wiederum eine hohe Zustimmung. Auch wies der Soziologe Yildiz daraufhin, dass bei einer solchen Umfrage unter Christen insgesamt ähnliche Ergebnisse herauskommen würden. (pro)

Von: mm

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Tue, 13 Jun 2017 11:09:00 +0200
<![CDATA[Wie NDR- und Spiegel-Journalisten über Evangelikale denken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/06/12/wie-ndr-und-spiegel-journalisten-ueber-evangelikale-denken/ „Wer wissen will, wie man Schwule heilen kann, ist hier richtig“, sagt der Redakteur des politischen Magazins Panorama, Robert Bongen, der das Journalistengespräch moderiert. Im kleinen Nebenhaus auf dem Gelände des Norddeutschen Rundfunks in Hamburg-Lokstedt sind alle Sitzplätze besetzt. Einige der 35 Journalisten treffen teils verspätet aus vorangegangenen Veranstaltungen der Netzwerk-Recherche-Jahrestagung ein, die traditionell beim NDR stattfindet. Die Veranstaltung am 9. Juni trägt den Titel: „Unterschätzte Fundamentalisten – Recherchen im christlichen Milieu“.

Auf dem Podium sitzen der Spiegel-Journalist Peter Wensierski, der unter anderem das Buch „Schläge im Namen des Herrn“ über Heimkinder in Deutschland geschrieben hat. Dazu geben die beiden NDR-Journalisten Christian Baars und Oda Lambrecht Auskunft, die zusammen das umstrittene Buch „Mission Gottesreich – Fundamentalistische Christen in Deutschland“ im Jahr 2009 veröffentlicht haben.

„Verbindung zwischen christlicher und politischer Rechte immer stärker“

Wensierski spricht am meisten. Er legt den anwesenden Journalisten, die auf der Suche nach neuen Recherchethemen sind, nahe, sich mit dem Themenkomplex Kirche zu beschäftigen: „Das ist so ein intransparenter Bereich und somit ideal für Journalisten, die recherchieren wollen.“ Seine Hauptthese lautet, dass christliche Fundamentalisten in Deutschland die Wegbereiter für den politischen Fundamentalismus seien: „Gerade im Wahljahr wird die Verbindung zwischen christlicher und politischer Rechte immer stärker.“

Der Spiegel-Journalist erklärt den Zuhörern, warum zum Beispiel eine kritische Berichterstattung über Evangelikale wichtig ist. „Die Evangelikalen stellen heute einen Großteil der Gottesdienstbesucher“, sagt er zu deren Einfluss in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er zitiert den Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb: „Alle Evangelikalen sollen bereit sein, politische Verantwortung zu übernehmen.“ Wensierski bezeichnet die Nachrichtenagentur Idea als „großen Namen“ und „Dachverband der Evangelikalen“, der in Gießen sitze. Richtig ist dies nicht: Dachverband der Evangelikalen ist die Deutsche Evangelische Allianz mit Sitz in Bad Blankenburg, die Evangelische Nachrichtenagentur idea sitzt in Wetzlar.

„Bewegung will wieder ein einfaches Leben“

Für Wensierski stehen die Evangelikalen vor allem für fünf Werte, die er problematisch findet: Gegen Abtreibung zu sein, für ein traditionelles Familienbild und gegen den Gender-Begriff einzustehen, „homophob“, „antiislamisch“ und „antifeministisch“ zu sein. Wensierski sieht eine große Schnittmenge zwischen Themen der Evangelikalen und einer Partei wie der AfD: „Kampfbegriffe wie die ,Frühsexualisierung' von Kindern gibt es auch bei der AfD.“

Es gebe einen Teil der deutschen Gesellschaft, der sich in die alte Zeit, also die 1950er-Jahre, zurücksehne: „Diese Bewegung will wieder ein einfaches Leben in einer immer komplizierter gewordenen Welt.“ Deswegen gelte es, die AfD oder die Pegida-Bewegung nicht nur auf ihre Islamophobie zu beschränken: „Im Themenkomplex, die gute alte Zeit zurück zu wollen, kommen die religiöse und die politische Rechte zusammen.“

„Für uns ist das fundamentalistisch“

Auf die Nachfrage, wie die drei Journalisten christlichen Fundamentalismus definieren, sagt Wensierski: „Wenn jemand heute die Bibel wörtlich nimmt, dann ist das unmöglich.“ Für ihn seien fromme Menschen aber nicht automatisch fundamentalistisch. Christian Baars, der seit dem Jahr 2014 im Ressort Investigation beim NDR arbeitet, ergänzt: „Die meisten Evangelikalen beziehen sich auf das Glaubensbekenntnis der Evangelischen Allianz. Für uns ist das fundamentalistisch.“

„Gewalt in evangelikalen Familien ist weit verbreitet“, sagt Baars. Er zitiert den Kriminologen Christian Pfeiffer: „Je streng gläubiger, umso mehr werden Kinder geschlagen.“ Die Erziehung bei Evangelikalen sei komplett auf Gehorsam ausgerichtet. Erziehungsratgeber, die er ausgewertet hat, zeigten, dass das systematisch passiere.

„Aber Radikale gibt es auch in den Landeskirchen“, sagt Baars. Auf Lehrplänen von christlich-fundamentalistischen Schulen, die staatliche Unterstützung erhalten, sei zum Beispiel Selbstbefriedigung eine Sünde. Der NDR-Journalist beklagt sich über eine fehlende Kontrollinstanz: „In der Kirche findet keine staatliche Kontrolle statt, die Sektenberatung ist von der Kirche finanziert.“ Dort gebe es selten ein kritisches Wort.

Beißhemmungen unter Journalisten

Die drei Podiumsteilnehmer sehen sich als Teil einer kleinen Gruppe in Deutschland. Nach Schätzungen von Wensierski gebe es nur fünf bis 15 Journalisten, die kritisch über die Kirche schreiben. „Man kriegt deutlich mehr Gegenwind als bei anderen Themen“, sagt Baars. Seine Co-Autorin bei „Mission Gottesreich“, Oda Lambrecht, die aktuell vor allem für Panorama arbeitet, sieht das ähnlich: „Kirche gilt in der Gesellschaft als etwas Gutes.“ Deswegen gebe es unter Journalisten gewisse Beißhemmungen. Man könne aber über sie berichten, ohne Theologe zu sein.

Die Podiumsteilnehmer schildern einige drastische Einzelfälle: Lambrecht berichtet von einem schwulen Kollegen, der einen Hamburger Arzt zu Recherchezwecken besuchte. Der streng gläubige Pflingstkirchler habe am Kollegen einen Dämonenaustreibung durchführen wollen. „Teufelsaustreibungen gibt es bei den Evangelikalen zuhauf“, ergänzt Baars.

Nach Zahlen zu Evangelikalen in Deutschland gefragt, sagt Lambrecht, dass es in den 1960er-Jahren einen großen Anstieg gab. Allerdings gebe es wenige seriöse Zahlen, weil auf diesem Gebiet wenig geforscht werde: „Der Einfluss der Evangelikalen wächst aber allein dadurch, dass Fundamentalisten deutlich mehr Kinder als der Durchschnitt bekommen.“ (pro)

Von: mm

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Mon, 12 Jun 2017 15:50:00 +0200
<![CDATA[Heiko Herrlich wegen „christlicher Werte“ in Kritik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/panorama/2017/06/12/heiko-herrlich-wegen-christlicher-werte-in-kritik/ Herrlich, der von 1989 bis 2004 in der Fußball-Bundesliga für Bayer 04 Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund spielte, ist mittlerweile Trainer. Ab 2009 war er Cheftrainer beim VfL Bochum, danach beim SpVgg Unterhaching, ab 2015 dann beim SSV Jahn Regensburg. Der Verein stieg 2016 mit Herrlich erst in die 3. Liga, dann in die 2. Liga auf.

Zwei Tage vor dem Hinspiel der Relegation zur 2. Bundesliga war in der Bild-Zeitung ein Interview erschienen, in dem Herrlich ankündigte: „Ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall Trainer in Regensburg.“ […] Mich erfüllt es einfach mit einer großen Dankbarkeit und Demut, dass ich Trainer in diesem Verein sein kann. Diese beiden christlichen Werte will ich vorleben.“ Sechs Tage später war er mit Regensburg aufgestiegen und gab in der ARD ein Interview, in dem er der Frage nach seiner persönlichen Zukunft auf einmal auswich.

Der 45-Jährige kam über den brasilianischen Fußballer Jorginho in Kontakt mit dem Glauben. Der lud Herrlich in eine Bibelstunde ein, wo er sich 1990 bekehrte. Im Alter von 28 Jahren erkrankte der Fußballprofi an Krebs. In einem Interview mit der Abendzeitung München sagte er später, sein christlicher Glaube habe ihm in dieser Zeit Halt gegeben. „Der Glaube ist mir das Wichtigste im Leben. Ich lebe diesen Glauben permanent aus, lasse ihn auch in meine Arbeit einfliessen. Ich hinterfrage mich jeden Tag neu. Ich gehe auch oft in die Kirche. Ich war schon vor meiner Geschichte damals gläubig, diese Werte sind für mich elementar.“ Als der Krebs nach sechs Wochen besiegt werden konnte, sagte Herrlich auf einer Pressekonferenz, dass Gott ihm in der schweren Zeit „Trost und Kraft und inneren Frieden“ gegeben habe.

Empörung bei Twitter

Am vergangenen Mittwoch holte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler Herrlich aus dem Urlaub und bot ihm den Trainerposten an. Am Freitag wurde die Entscheidung öffentlich mitgeteilt. Das Magazin Focus schreibt dazu: „Diese überraschend schnelle zeitliche Abfolge verstört viele, gerade wegen der riesigen christlichen Fallhöhe, die Herrlich selbst aufgebaut hatte.“ (pro)

Von: js

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Mon, 12 Jun 2017 14:16:00 +0200
<![CDATA[„Konfessionslos ist das neue Normal“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/12/konfessionslos-ist-das-neue-normal/ Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR sind viele Menschen vollkommen gottlos aufgewachsen. Das prägt die Region bis heute. Im Rahmen der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ zeigt die ARD am Montag um 22.45 Uhr die 45-minütige Dokumentation „Land ohne Glauben?“. Zu Wort kommen darin Pfarrer, bekennende Atheisten und Menschen, die die Theologen von morgen ausbilden.

Die dargestellten Zahlen belegen: 1950 waren nur fünf Prozent der Bevölkerung konfessionslos. Diese Zahl hat sich schon bis 1961 verzehnfacht. Mittlerweile sind es im Ostdeutschland 80 Prozent, während es im Westen mit 25 Prozent jeder Vierte ist. „Konfessionslos ist das neue Normal. Die Menschen wachsen nicht damit auf und vermisst es auch nicht“, heißt es in der ARD-Reportage über das Christentum.

Arbeit mit Kindern und Familien ein Schlüssel

Die Dokumentation begleitet unter anderem die Journalistin Anja Köhler. In ihrer Familie waren Kirche und Religion kein Thema. Mit der DDR-Ideologie habe sie sich nicht auseinandergesetzt. Ein Wertgefüge habe es gegeben, aber dieses nicht zwangsläufig mit Religion zu tun gehabt. „Das Grundwissen über die Religion ist vorhanden, aber es bewirkt bei mir emotional nichts.“

Dem Theologieprofessor Gert Pickel ist es wichtig, seinen Studenten zu vermitteln, dass ganz viele Menschen ohne wirkliches Verständnis dafür aufwachsen, was in der Kirche vor sich geht. Horst Groschopp ist Atheist und Kulturwissenschaftler. Er fordert einen stärkeren Einsatz der Politik für die Konfessionsfreien. Einem angeblichen Wiederaufleben der Religion widersprächen die soziologischen Erkenntnisse.

Der Beitrag verdeutlicht: Wer in Ostdeutschland zur Kirche geht, gehört wirklich dazu. Während jeder zweite Westdeutsche an Gott glaubt, sind es im Osten 23 Prozent. Die Pastorin Esther Fauß wünscht sich in diesem Prozess viel Geduld. In ihrer Heimatregion habe der Glaube noch selbstverständlich zum Leben gehört. Die Arbeit mit Kindern und Familien sieht sie als Schlüssel zu den Menschen. Die Kirche sei schließlich das einzige Gebäude, das in den leeren Ortskernen noch offen ist. Kirche könne Türen aufmachen und verbinden.

Freiraum für neue Ideen und Partnerschaften

Vorgestellt wird auch die konfessionelle Norbertus-Schule in Magdeburg. Längst nicht alle ihre Schüler und Lehrer seien konfessionell gebunden. Die Schule bietet als Alternative zu Jugendweihe und Konfirmation eine Lebenswende-Feier an. Dieses Ritual soll konfessionslose Familien und ihre Kinder sensibilisieren, aber aus Sicht der Lehrer niemanden missionieren und nichts aufsetzen.

Die Reportage lenkt auch einen Blick auf die leerstehenden Kirchen. In Naumburg werde sie einmal im Monat nachmittags zum Kaffeetrinken geöffnet. Pfarrerin Petra Karrasch und die – oft nicht-konfessionellen Mitglieder des Kirchenbauvereins – spüren ein neues Gefühl für Verantwortung und Gemeinschaft. Die Kirche werde allmählich von der gesamten nicht-konfessionellen Umwelt als Dorfzentrum und offenes Haus anerkannt, betont sie.

Der Film bilanziert, dass Religion oft keine Bindungskraft mehr entfaltet. In der heutigen Zeit brauche es andere Ansatzpunkte. Beispielhaft wird eine Privatkapelle für Brautpaare gezeigt, die ein Ehepaar in ihrem eigenen Garten errichtet hat. Dies sei symbolisch für die Entwicklung. Menschen bedienten sich aus Bruchstücken der Tradition und setzt sie wieder neu zusammen. Die Verhältnisse würden wieder neu verhandelt: Ort für Ort. Die Quintessenz des Beitrags lautet, dass überlieferter Glaube abhanden gekommen sei. Was auf der einen Seite Verlust bedeute, schaffe auch Freiraum für neue Ideen und Partnerschaften.

Land ohne Glauben? - Die Story im Ersten, ARD, Montag, 12. Juni um 22.45 Uhr

Von: jw

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Mon, 12 Jun 2017 14:15:00 +0200
<![CDATA[Stellenwert von Familie sinkt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2017/06/12/stellenwert-von-familie-sinkt/ Die Umfrage „Junge Familien 2017" ergab: Nur die Hälfte der Väter und Mütter hält Deutschland für ein familienfreundliches Land. Knapp 90 Prozent wünschen sich ein besseres Bildungsangebot für ihren Nachwuchs. Rund 70 Prozent bemängeln, der Stellenwert der Familie sei in den vergangenen zehn Jahren gesunken. Für die Untersuchung ließ die Krankenkasse Pronova BKK im März 1.000 Deutsche mit mindestens einem Kind unter zehn Jahren online befragen.

Wenig Familienfreundlichkeit auf der Arbeit

Demnach findet etwas über ein Drittel aller Eltern, Arbeitsleben und Kindererziehung seien leicht miteinander zu vereinbaren. Der Wert hat sich in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert. Seit 2015 fiel er von 41 auf 36 Prozent. Weniger als die Hälfte der Eltern gab an, sich im Notfall auf familienfreundliches Verhalten der Kollegen verlassen oder die Arbeitszeiten variabel einteilen zu können. Auch hier sind die Umfragewerte seit 2015 gefallen.

Etwas über ein Drittel alle arbeitenden Eltern kann Teilzeitregelungen nutzen, etwas weniger als zuvor. Home-Office-Möglichkeiten hat knapp ein Fünftel, hier ist der Wert leicht gestiegen. Ein Viertel der Eltern gab an, Einfluss auf die eigenen Dienstpläne im Unternehmen nehmen zu können. Jeder sechste Befragte sagte, keinerlei Entgegenkommen des Arbeitgebers erfahren zu haben. (pro)

Von: al

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Mon, 12 Jun 2017 13:53:00 +0200
<![CDATA[Deutsche Evangelische Allianz wehrt sich gegen SZ-Artikel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/deutsche-evangelische-allianz-wehrt-sich-gegen-sz-artikel/ Die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) hat die Chefredakteure der Süddeutschen Zeitung (SZ) um Klarstellung zum Artikel „Alternative Fakten für die Gläubigen“ vom 19. Mai 2017 ersucht. Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Ekkehart Vetter, und sein Stellvertreter Siegfried Winkler bemängelten dabei in einem gemeinsamen Schreiben die vermeintlich schlechte Recherche mit der Folge unzutreffender Behauptungen. Dabei geht es unter anderem um die „verleumderische Behauptung“ gegenüber Christen mit russlanddeutschem Hintergrund zur vermeintlichen grundsätzlichen Ablehnung von Flüchtlingen, die Behauptung der „Homophobie“ als Markenzeichen der Evangelikalen und die Beleidigung „Fundamentalisten aller Religionen“ unter das „Niveau von Menschenaffen“ zu klassifizieren. Eine Antwort der Süddeutschen Zeitung liegt der Deutschen Evangelischen Allianz bisher nicht vor.

„Auch an den Rändern der evangelikalen Szene gibt es 'schwarze Schafe' und sehr merkwürdige Phänomene“, schreiben Vetter und Winkler. Was Martin Urban in seinem Artikel „Alternative Fakten für die Gläubigen“ in der Süddeutschen Zeitung allerdings berichtet habe, sei „schlecht recherchiert“. Der Text werfe „viele Phänomene in einen Topf“. Die DEA-Verantwortlichen werfen dem Autoren vor, „alternative Fakten“ produziert zu haben. Sie fordern neben einer Richtigstellung, dass die Zeitung den ursprünglichen Artikel löscht.

Im Einzelnen ging es um die dargestellte Verbindung zwischen dem südafrikanischen Pastor Sipho Mphakathi, der seine Anhänger zum Trinken von Reinigungsmitteln aufgerufen hatte, und dem Pastor des Stuttgarter Gospelforums, Peter Wenz. Kein Mitglied des Hauptvorstands der DEA habe jemals dazu aufgerufen, Domestos zu trinken. „Wir verurteilen diese Praxis eines Einzelnen aufs Schärfste und weisen diesen verleumderischen Vergleich zurück.“

Generalverdacht nicht gerechtfertigt

Die Unterzeichner fragen zudem kritisch: „Was aber haben ein 'innerkirchlicher Kampf' in den Evangelischen Landeskirchen und russlanddeutsche Evangelikale miteinander zu tun?“ Der SZ-Autor hatte einen solchen Kampf in Zusammenhang gestellt mit dem gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften, den Biologieunterricht und Flüchtlinge. Diesen würden vor allem „russlanddeutsche Evangelikalen“ betreiben. Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz habe im März 2014 Stellung zu Fragen der Integration und Migration in Deutschland Stellung bezogen, und erklärt, es gehöre selbstverständlich zum christlichen Leben und Glauben, „sich der Menschen auf der Flucht und bei der Migration anzunehmen und Gäste freundschaftlich aufzunehmen“.

Die DEA-Verantwortlichen distanzieren sich zudem von der Betitelung „Extremisten unter den Sektierern“. Sie antworten darauf: „Ein Großteil der Evangelikalen ist in traditionellen Kirchen und Freikirchen beheimatet, auch freie Gemeinden und Werke verdienen diesen Generalverdacht nicht.“ Auch die Bezeichnung der Mitglieder der Britischen Evangelische Allianz als „Fundamentalisten“ sei falsch. Die sogenannten „Fundamentals“, in denen die „Irrtumslosigkeit der Bibel“ festgehalten wird, seien gerade nicht Grundlage der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz.

Die Behauptung, das Nachrichtenmagazin idea sei das Magazin der Evangelischen Allianz, sei falsch, schreiben Vetter und Winkler. Sie stellen klar. „Das offizielle Organ der DEA ist das EiNS-Magazin, idea ist ein unabhängiger Informationsdienst und Magazin innerhalb der Bewegung der Evangelischen Allianz, aber nicht deren Organ (neben anderen).“

Abschließend distanzieren die sich Unterzeichner von der Darstellung, „Homophobie“ sei eien Art Markenzeichen der deutschen Evangelikalen. „Die DEA hat weder Angst vor Lesben und Schwulen noch steht sie ihnen feindselig gegenüber. Die DEA setzt sich für die traditionelle Ehe von einem Mann und einer Frau ein. Damit steht sie auf dem Boden des Grundgesetzes.“ (pro)

Von: js

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Sun, 11 Jun 2017 13:38:00 +0200
<![CDATA[Ein stimmgewaltiges Glaubensbekenntnis]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2017/06/11/ein-stimmgewaltiges-glaubensbekenntnis/ Die von Marc Chagall gestalteten Kirchenfenster der Pfarrkirche St. Stephan in Mainz wurden von der Abendsonne großartig in Szene gesetzt, als der Rundfunkchor Berlin und das Deutsche Symphonie-Orchester am Samstagabend zu einer ganz besonderen Premiere ansetzten. Es war die Uraufführung der Deutschen Messe, vertont von Stefan Heucke. Im Mittelpunkt standen für viele der zahlreichen Besucher die Texte: Bundestagspräsident Norbert Lammert hat das Ordinarium missae frei aus dem Lateinischen übertragen, inklusive seiner bereits vertonten und viel beachteten Übertragung des Vaterunsers.

Rund 90 Minuten dauerte die Aufführung der sechs Stücke des Oratoriums. Die Pfarrkirche präsentierte sich dabei nicht nur optisch, sondern auch akustisch als perfekter Rahmen für den gewaltigen Klang der Musiker unter der Leitung von Dirigent Steven Sloane. Hervorzuheben ist besonders die Sopranistin Juliane Banse, doch auch Birgit Remmert (Alt), Tilman Lichdi (Tenor) und Michael Nagy (Bariton) konnten voll überzeugen.

Übertragung ins eigene Glaubensverständnis

Bei einer Podiumsrunde in Berlin wenige Tage vor der Premiere hatten Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Bochumer Komponist Stefan Heucke erzählt, wie es zur Zusammenarbeit gekommen war. Heucke hatte eine große symphonische Messe im Sinn mit den musikalischen Mitteln von Bach bis Bruckner. Texte in moderner, verständlicher Sprache suchte er allerdings vergebens. Im Gespräch mit dem Katholiken Lammert fiel diesem ein Vaterunser-Text ein, den er aus privatem Anlass einmal verfasst hatte. Daraufhin habe ihn Heucke gefragt, ob er nicht auch die weiteren Texte des Messordinariums übertragen könne, sagte Lammert: „Ich war leichtfertig genug, das zu versuchen.“ Gemeinsam habe man im weiteren Verlauf daran gefeilt.

Einer musikalischen Messe liegen liturgische Texte zugrunde, es gibt somit feste Bestandteile. Im Sinne Martin Luthers, Gottes Wort auch dem Laien zugänglich zu machen, war in der Reformationszeit die Deutsche Messe entstanden. Lammert betonte in Berlin, seine Texte seien keine Neuübersetzung der lateinischen Texte, sondern „eine Übertragung in ein Glaubensverständnis, das meins ist“. In diese Übertragungen hat er Stolpersteine eingebaut. Da heißt es im Vaterunser zum Beispiel: „Dein Reich kommt, wenn dein Wille geschieht, auch auf Erden“ oder „Vergib uns, wenn wir Böses tun und Gutes unterlassen.“ Routine erzeuge Verschleißeffekte, meinte der 68-Jährige, seine Texte sollten deshalb erkennbar, aber nicht vertraut sein. Denn er ertappe sich selbst dabei, wie er gedankenlos vertraute Texte benutze.

Konfessionelle Einseitigkeit kann man dem Katholiken Lammert bei seiner Übertragung nicht vorwerfen. „Ich habe nirgendwo mit mir zu kämpfen gehabt, ob irgendetwas zu katholisch oder zu protestantisch sei“, so der Bundestagspräsident. Es sei ein sehr subjektiver Text. „Ich konnte ihn als christlich gläubiger Mensch unterschreiben“, bestätigte der Protestant Heucke. Was die Komposition angeht, hat er musikalische „Fenster“ in die Vergangenheit eingebaut, unter anderem zu Bachs h-Moll-Messe. Doch nach seiner Ansicht schade es auch nicht, wenn der Durchschnittszuhörer die ganzen Kunstgriffe nicht bemerke. „Ich hoffe, es ist mir gelungen, dass man von der Musik auf einer ganz emotionalen Ebene berührt wird. Der strukturelle Aufwand ist nur nötig, um das Ganze zusammenzuhalten.“

Er wolle niemanden missionieren, betonte der Komponist, aber: „Ich bin ein gläubiger Mensch und das Stück bekennt das.“ Mit seinem Librettisten ist er sich einig darin, dass jeder Zuhörer selbst entscheiden müsse, inwieweit er mit der Aussage mitgehe. Lammerts Texte sind bereits 2011 in Buchform („Ich glaube an Gott“) erschienen. „Es gibt ein paar empörte Reaktionen, was ich mir eigentlich einbilde. Andere sagen: ‚Damit beschäftige ich mich jetzt zum ersten Mal ernsthaft.‘ Der Text hat offenbar eine gewisse Wirkung.“, sagte Lammert. Heucke zeigte sich im Vorfeld der Uraufführung gespannt auf die Reaktionen. Ihm sei zwar vollkommen bewusst, dass man durch die Kunst die Menschen nicht zu besseren Menschen mache. Was ihn aber freuen würde: „Wenn während des Konzerts die Menschen etwas anweht, was ihnen bewusst macht, es gibt etwas zwischen Himmel und Erde, was man nicht sehen und anfassen, sondern nur spüren kann, und was etwas mit mir und womöglich mit meinem Verhalten zu tun hat.“

Mit den Reaktionen in Mainz kann Heucke zufrieden sein: Lang anhaltender Applaus zeugte vom Erfolg des Abends. Gewidmet war die Veranstaltung dem emeritierten Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann. Der hielt sein Grußwort kurz und sagte anerkennend zu Lammert: „Gut, dass wir einen Bundestagspräsidenten haben, der auch ein Dichter und Denker ist.“ (pro)

Weitere Aufführungen der Deutschen Messe finden am 11. Juni in Halle und am 12. Juni in Berlin statt. Das Berliner Konzert wird aufgezeichnet und ist am 13. Juni ab 20.03 Uhr auf Deutschlandradio Kultur zu hören.

Von: Christina Bachmann und Moritz Breckner

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Sun, 11 Jun 2017 10:40:00 +0200
<![CDATA[Gläubiger Christ wechselt zu Borussia Dortmund]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/10/glaeubiger-christ-wechselt-zu-borussia-dortmund/ Nachdem Borussia Dortmund die Position des Cheftrainers am Dienstag mit Peter Bosz geklärt hat, heißt die neueste Errungenschaft Maximilian Philipp. Er kommt vom SC Freiburg und unterschrieb diese Woche bei Dortmund einen Vertrag, der bis 2022 dauert, wie das Magazin Goal berichtet.

Philipp soll in den ersten Monaten der Saison Marco Reus ersetzen, heißt es weiter. „Philipp ist ein weiteres Exemplar der guten Freiburger Fußballschule“, schreibt Goal. Besonders wichtig sei ihm die Bindung zu seiner Familie, sehr gut sei das Verhältnis etwa zu seiner Mutter, die für ihn die wichtigste Bezugsperson sei, sagte der Spieler. Die Geburtsdaten und Namen seiner Eltern habe er als Tattoo eingraviert.

Weiter heißt es im Bericht: „Er selbst vertraut in Gott, ist sehr gläubig. Das zeigt er nach jedem Tor, wenn er gen Himmel ein kurzes Gebet sendet.“ Die Badische Zeitung lies im Februar seine Leser dem Fußballer Fragen stellen. Ein Leser sprach den Torjubel des Spielers an und fragte: „Manche deiner Torjubel und dein Ritual beim Betreten des Rasens lassen vermuten, dass du gläubig bist - was ich toll finde. Wie wichtig ist dir der Glaube in deinem Leben?“

Philipp antwortete: „Extrem wichtig. Ohne meinen Glauben hätte ich es nicht so weit geschafft. Ohne Gott wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich jetzt stehe. Klar, es gibt Schicksalsschläge, da zweifelst du an Gott. Aber ich glaube, damit will Gott uns zeigen, dass uns solche Erlebnisse auch stärker machen können. Glück und Pech liegen nah beieinander. Ich habe gemerkt, dass mir nichts geschenkt wird." (pro)

Von: js

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Sat, 10 Jun 2017 14:17:00 +0200
<![CDATA[Jungen Menschen erklären, was seriöse Quellen sind]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/jungen-menschen-erklaeren-was-serioese-quellen-sind/ Soziale Medien werden als Quelle für Nachrichten und Bildung der Nutzer gesehen. „Über soziale Netzwerke gelangen die Nutzer an Informationen von Absendern, die sie für relevant halten.“ Dies hat Sabrina Gaisbauer von der Bundeszentrale für politische Bildung bei den Südwestdeutschen Medientagen in Neustadt betont. Die Tagung läuft unter dem Motto „Medien und Politik in Zeiten des Wahlkampfes“. Eine aktuelle Studie der Hans-Bredow-Stiftung habe ergeben, dass die Nutzer ihren Kontakten in den sozialen Netzwerken ein sehr hohes Vertrauen entgegenbringen. In einem abgesteckten Raum hört man immer die gleichen Meinungen ­ und keinen Widerspruch, wies die Soziologin auf die Entwicklung der so genannten „Filterbubbles“ hin.

Für die politische Bildung bedeutet dies, jungen Menschen einen niedrigschwelligen Einstieg zu ermöglichen und ihnen Orientierung zu bieten. „Wir sollten jungen Menschen erklären, was seriöse Quellen sind und was nicht.“ Ganz wichtig sei es auch, Diskussionsstränge darzustellen. Es müsse möglich sein, öffentlich eine gewaltfreie Auseinandersetzung zu ermöglichen und zur Teilhabe anzuregen. „Diskussionen, die sich in Hatespeech auswirken, sind ja auch die Diskussionen, die im realen Leben stattfinden. Das müssen wir kritisieren.“ Gaisbauer beobachtet eine Tendenz hin zum bewussteren Umgang mit der Quellenwahl: „Und wir dürfen den analogen Austausch nicht vergessen“, mahnt die Referentin.

Der Medienethiker Christian Schicha befasste sich mit der Kommunikationskultur im Wahlkampf. „In der politischen Praxis geht es um strategisches Handeln.“ Die Talkshows in den deutschen Medien bezeichnete er teilweise als „Klamauk und Schlagabtausch“. Bei manchen Titeln der Diskussionssendungen habe man den Eindruck, dass sich Deutschland am Abgrund befinde.

Aus Schichas Sicht solle Wahlwerbung für Aufmerksamkeit sorgen, komplexe Sachverhalte vereinfacht darstellen, Themen setzen, informieren, Versprechen artikulieren und Alternativen aufzeigen. Anhand von Plakaten machte er deutlich, wie kollektive Muster in Kampagnen und Plakaten eingebaut werden, um Wählerstimmen zu holen. „Dabei geht es darum, komplexe Inhalte zu reduzieren.“ Er warb für die Einhaltung argumentativer Mindeststandards und daum Ziele und Konzepte darzelgen sowie Alternativen zu verdeutlichen. (pro)

Von: jw

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Fri, 09 Jun 2017 15:58:00 +0200
<![CDATA[„Lindenstraße“-Schöpfer wurde „mit Frömmigkeit überschüttet“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/09/lindenstrasse-schoepfer-wurde-mit-froemmigkeit-ueberschuettet/ Die Serie „Lindenstraße“ läuft seit 1985 jeden Sonntag in der ARD. Seit Anfang 2015 produziert ihr Erfinder Hans W. Geißendörfer sie gemeinsam mit seiner Tochter Hana. Am 11. Juni zeigt die ARD die Folge „Nachspiel“, die eigens für die ARD-Themenwoche „Woran glaubst du?“ (11.–17. Juni) produziert wurde.

In der Serie will sich die 13-Jährige Antonia, Tochter von Iffi (Rebecca Siemoneit-Barum) und Momo Zenker (Moritz Zielke), konfirmieren lassen. Die Zuschauer konnten bis Mitte Mai online darüber abstimmen. Die Antwort A lautete, die Eltern sollten ihre Tochter unterstützen mit der Begründung: „Christliche Werte sind wichtig. Auf dem Christentum beruht unsere Kultur.“ Antwort B dagegen mahnte einen kritischen Umgang mit Religion an, da diese „in aller Welt zu Konflikten führt“. Antwort C besagte, dass die Eltern Antonia nicht so ernst nehmen sollen: „Schließlich steckt sie mitten in der Pubertät.“ Geißendörfer sagte im Interview mit Christ & Welt, der Beilage der Wochenzeitung Die Zeit: „Wir waren neugierig. Wir wollten wissen, wie unser Publikum zur Religion steht, welche Werte es vertritt.“

Das Ergebnis: 63 Prozent der Zuschauer entschieden sich für Antwort A, 31 Prozent für Antwort B und 6 Prozent für die Antwort C. Geißendörfer ist vom Ergebnis überrascht, freut sich aber: „Offenbar finden noch immer viele Menschen, dass die Religion ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur ist.“

Der 76-Jährige findet die Themenwoche der ARD „prima“. „Es ist ein Anstoß, über das christliche Leben in unserem Land nachzudenken.“ Die meisten Menschen sprächen fast nie über ihren Glauben. „Das heißt aber nicht, dass sie keine religiöse Bindung haben. Diese ist nur nach außen unsichtbar.“

Auf die Frage, ob seine Serie eine Botschaft vermitteln wolle, antwortet Geißendörfer: „Wenn Sie so wollen, treibt mich der Glaube an das Gute an. Ich bin ein alter 68er.“ Im Jahr 1986 war in der Lindenstraße erstmals ein homosexueller Kuss zu sehen. Dass die katholische Kirche damals protestierte, habe ihn gefreut. „Es ist schön, wenn mal einer schimpft. Denn nur so kann man sich verändern. Wenn Sie keinen Dialog, keine Kritik haben, dümpeln Sie herum.“ In den vergangenen 31 Jahren habe die Serie „sehr widersprüchliche Geschichten“ zum Thema Gott und Religion erzählt. So habe es einen Priester gegeben, „eine junge, interessante Figur“.

Kirche bedeutete Geborgenheit

Religion sei „eine der Säulen, auf denen unsere Politik, unsere Beurteilung anderer Menschen fußen“, ist der Regisseur überzeugt. „Auch wenn es immer mehr Atheisten gibt. Übrigens finde ich: Auch ein Atheist ist ein religiös orientierter Mensch.“

Geißendörfers Vater war Wehrmachtspfarrer. Über seine Erziehung sagt er: „Ich wurde mit Frömmigkeit überschüttet. Ich durfte erst essen, wenn ich das Gebet gesprochen hatte. Sonntags ging es in die Kirche. Es war eine sehr frühzeitige, oberflächliche Erfahrung von Geborgenheit.“ Später habe er sich davon gelöst, heute glaube er eher „an die geistigen Leistungen des Menschen“. Der Regisseur fügt hinzu: „Mir persönlich sind die Philosophen wichtiger als die Bibel.“ Die Zeit, in der er auf ein christliches Internat ging, habe ihn „sehr geprägt“. Insgesamt urteilt er darüber: „Es war eine wunderbare Zeit. Eine tolle kirchliche Einrichtung.“

Geißendörfer ist überzeugt, dass sich jeder Mensch im Alter auf das Religiöse der Kindheit zurückbesinne. „Ein 14-Jähriger, der heute zur Konfirmation geht, wird in 40, 50 Jahren noch Details aus dieser Zeit herumschleppen.“ (pro)

von: js

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Fri, 09 Jun 2017 14:50:00 +0200
<![CDATA[Herausforderung: Wahlkämpfe in der Online-Welt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/06/09/herausforderung-wahlkaempfe-in-der-online-welt/ Im klassischen Journalismus existiert eine zu starke Homogenität. Dies hat der Landauer Politologe Thomas Leif bei den Südwestdeutschen Medientage in Neustadt beklagt. Er bemängelte, dass viele Journalisten „nichts vom Leben wissen und sich häufig nur aus Sekundärquellen“ bedienten. Medienkompetenz dürfe nicht mehr nur alibimäßig gebraucht werden, sondern müsse auch wirklich gelebt und umgesetzt werden.

In manchen Mediengruppen gebe es den Ansatz, dass Politiker, die zum Interview kommen, auch „etwas mitbringen“ müssten. Aus Leifs Sicht scheitere Journalismus nicht an fehlendem Geld, sondern an fehlendem Journalismus. „Ein Oberbürgermeister kann ohne den guten Draht zu einer Monopol-Zeitung nicht existieren. Landräte können ohne ein gutes Verhältnis zur Lokalzeitung ihre Wahl nicht gewinnen“, sagte Leif.

Professionelle Publikationsarbeit brauche professionelle Leute. Auf der einen Seite gebe es viel sehr gutes journalistisches Material in Deutschland. Hier nannte er als Beispiel den Deutschlandfunk und das Deutschlandradio. Auf der anderen Seite würden Moderatoren wie Markus Lanz Medienpopulismus betreiben. Erst in dieser Woche habe dieser „eine Art Interview“ mit dem CDU-Politiker Jens Spahn geführt, das man kaum noch journalistisch sauber nennen könne. Kritik übte er auch an Blogs wie die „Achse des Guten“, die populistische Strömungen verbreiteten.

„Das ist der Rhythmus, wo jeder mit muss“

Der Düsseldorfer Kommunikationswissenschaftler Gerhard Vowe beleuchtete Wahlkämpfe in der Online-Welt. Früher sei es ausgesprochen übersichtlich gewesen, wer mit wem kommuniziert habe. Die politischen Gruppen seien stark segmentiert gewesen. Heute beteiligten sich gewisse Schichten stärker, weil es durch die sozialen Netzwerke nichts koste: „Die Organisationsformen sind flexibler.“

Zudem seien die Wahlkämpfe mit ihren Botschaften viel stärker auf den Wähler zugeschnitten. „Insgesamt wird die Auseinandersetzung rauer.“ Der Horizont des Kommunizierens erweitere sich. Aktuell seien die Wähler weniger gebunden als bisher. Auch das Risiko unvorhergesehener Ereignisse wachse. Vowe zitierte den Musiker Udo Lindenberg, der schon 1976 geschrieben habe: „Das ist der Rhythmus, wo jeder mit muss.“

Früher seien die etablierten Medien die Nadelöhre gewesen, durch die die Nachrichten hindurch gemusst hätten. Heute seien das die sozialen Netzmedien. „Früher wurden Wahlkämpfe intuitiv geführt. Heute wird möglichst exakt gemessen und mit den Ergebnissen gearbeitet.“ Vor allem die AfD bestimme mit kurzen Nachrichtentweets die Erregungsreflexe und beackere diese Reflexe effektiv.

Der Wahlkampf der Zukunft sei digital basiert und allgegenwärtig, dadurch, dass er computerisiere, vernetzte und algorithmisiere. In den Massenmedien werde die AfD abgelehnt. Durch die Sozialen Medien würden ihre Thesen jedoch verbreitet: Das stärke denjenigen den Rücken, die sich bisher als Minderheit gefühlt hätten. Beim Blick in die Zukunft zeigte der Kommunikationswissenschaftler, dass die künstliche Intelligenz Einzug in die politische Kommunikation halten wird. „Wir werden den Dialog mit dem Computer suchen.“ (pro)

Von: jw

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Fri, 09 Jun 2017 12:45:00 +0200
<![CDATA[Ach, wenn doch allezeit Pfingsten wär']]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2017/06/08/ach-wenn-doch-allezeit-pfingsten-waer/ Eine Presseschau von Jonathan Steinert]]> Seit dem Pfingstwochenende ist der größte Feiertagsrummel des Frühjahrs erst einmal vorbei. Wie fast jedes Jahr ist – verbunden mit diesem christlichen Fest, dem immerhin ein gesetzlicher Feiertag gewidmet ist –, die Behauptung zu hören, kaum einer wisse mehr etwas mit Pfingsten anzufangen.

Das mag so sein. An den Medien aber liegt das nicht. Denn in Presse, Internet und Rundfunk war in diesem Jahr wieder mehr über Pfingsten zu lesen und zu sehen als nur der Wetterbericht und die Verkehrsmeldungen – und auch mehr als die Berichte über die Pfingstpredigten des Papstes und anderer Kirchenvertreter.

Die Wochenzeitung Die Zeit etwa postete zu dem Anlass auf Facebook einen Beitrag, in dem sich der Jesuit Eberhard von Gemmingen dafür stark macht, dass der Staat die christlichen Wurzeln seiner Kultur schützen sollte – auch wenn es den Kirchen nicht mehr gelänge, „Grundinformationen über das Christentum als Kulturgut zu vermitteln“. Der Artikel ist zwar schon zwei Jahre alt, aber nach wie vor aktuell. Das haben die Social-Media-Redakteure der Zeit offenbar auch so gesehen.

Was war da nochmal mit Taube, Feuer und Wein?

Am Pfingstsonntag erzählte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in einem fast ganzseitigen Stück die Pfingstgeschichte nach und verdeutlichte, was sie für das Verhältnis von Juden und Christen bedeutet. Der Mitteldeutsche Rundfunk sendete „Gedanken zu Pfingsten“ und ging der Frage nach Bräuchen, Herkunft und der Bedeutung des Ereignisses für heute nach.

Die Stuttgarter Zeitung testete das Wissen ihrer Leser auf ihrer Webseite mit einem Quiz zum Feiertag. Mit Fragen wie: Was bedeutet Trinität? Wer sind die Pfingstler? In welchem biblischen Buch steht die Geschichte vom Pfingstwunder und wie sah das aus? Da musste man sich schon auskennen, um alle 20 Fragen richtig zu beantworten.

Hilfe konnte der geneigte Feiertagsinteressierte beim NDR oder auch beim ZDF finden. Die Norddeutschen erklärten in einem Beitrag, dass die Jünger 50 Tage nach Ostern den Heiligen Geist bekamen, und warteten mit einem eigenen Quiz zum Fest auf.

Traum von einem Wunder: Verstehen und verstanden werden

Das Zweite beschrieb auf der Internetseite seiner Nachrichtensendung „heute“ Pfingsten als den „Geburtstag der Kirche“ und erklärte ebenfalls die biblischen Hintergründe des Festes. Bezogen auf das Pfingstwunder, dass die Apostel plötzlich in verschiedensten Sprachen reden konnten und verstanden wurden, zieht der Autor das Resümee: „Mehr internationale Verständigung und etwas zusätzlicher Geist können gerade unserer Zeit sicher nicht schaden.“

Die Hoffnung auf ein solches Wunder äußerte so ähnlich auch Claudia Möllers von der Münchener Lokalzeitung Merkur. Denn: „Sich zu verstehen und sich zu verständigen sind eigentlich die großen Aufgaben, die anzugehen sind“, schrieb sie – im Privaten und in Bezug auf den Umgang mit Flüchtlingen ebenso wie auf internationaler politischer Ebene im Kampf gegen den Terrorismus oder um die EU vor dem Zerfall zu bewahren.

Auch wenn laut Umfragen die Hälfte der Deutschen nichts mehr mit Pfingsten anfangen kann: Gut, dass es Journalisten offenbar nicht so geht. (pro)

Von: jst

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Thu, 08 Jun 2017 16:51:00 +0200
<![CDATA[Danny Plett: Lobpreislieder sollten keine Liebeslieder sein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2017/06/08/danny-plett-lobpreislieder-sollten-keine-liebeslieder-sein/ Der kanadische Sänger erklärt im Interview mit pro, dass er es im Gottesdienst vermeidet, Lobpreislieder auszuwählen, die auch ein Liebeslied für eine Frau oder einen Mann sein könnten. Das Liedgut soll das Gemeindeleben widerspiegeln. Plett berichtet auch von seiner Arbeit als Musikpastor, und welche besonderen Ansprüche er an sein Team hat.

Wir verlosen fünf Exemplare von Danny Pletts aktuellem Album „Tanz durch den Sturm“. Wenn Sie gewinnen wollen, schreiben Sie uns bis zum Freitag, den 9. Juni, 16 Uhr, eine E-Mail an verlosung@pro-medienmagazin.de mit dem Betreff „Danny Plett“ und Ihrer Postadresse. Die Gewinner werden im Laufe der kommenden Woche benachrichtigt.

Lesen Sie das ganze Interview mit Danny Plett in der Ausgabe 3/2017 des Christlichen Medienmagazins pro. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich online, unter der Telefonnummer 06441/915 151 oder per E-Mail an info@kep.de.

Von: mab

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Thu, 08 Jun 2017 16:40:00 +0200
<![CDATA[Ethikrat: Kein Anspruch auf staatliche Unterstützung bei Suizid]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2017/06/08/ethikrat-kein-anspruch-auf-staatliche-unterstuetzung-bei-suizid/ Anfang März hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, das allgemeine Persönlichkeitsrecht erlaube es auch, „für einen schwer und unheilbar kranken Patienten, zu entscheiden, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben beendet werden soll, vorausgesetzt, er kann seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln“. Daraus könne sich im extremen Einzelfall ergeben, dass der Staat den Zugang zu einem Betäubungsmittel nicht verwehren darf, das dem Patienten eine „würdige“ und schmerzlose Selbsttötung ermögliche.

Jetzt hat sich der Deutsche Ethikrat in einer Ad-hoc-Erklärung mehrheitlich gegen eine staatliche Unterstützung beim Suizid ausgesprochen. Das Urteil widerspreche ethischen Grundwerten. Es zwinge es das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dazu, „Suizidwünsche anhand bestimmter materieller Kriterien zu überprüfen und gegebenenfalls ihre Umsetzung durch eine Erlaubnis zum Erwerb einer tödlich wirkenden Substanz zu unterstützen“, anstatt nur das Selbsttötungsverlangen der Betroffenen zu achten.

Staatliche Instanz wird zum Verpflichtungsadressaten

Auf diese Weise werde eine staatliche Instanz zum „Verpflichtungsadressaten der Selbsttötungsassistenz und diese von einer staatlichen Bewertung und Erlaubnis abhängig gemacht“. Das widerspreche der zuletzt noch einmal im Strafgesetzbuch zum Ausdruck gebrachten und dem gesamten System des rechtlichen Lebensschutzes zugrunde liegenden ethischen Leitidee der staatlichen Neutralität gegenüber Lebenswertvorstellungen, und stelle zugleich die höchstpersönliche Natur von Suizidwünschen infrage.

Die Vorstellung, diese könnten staatlich bewertet und legitimiert werden, sei geeignet, diejenigen sozialen Normen und Überzeugungen zu schwächen, in denen sich der besondere Respekt vor jedem menschlichen Leben ausdrücke. Sie laufe damit auch der zentralen Forderung einer Stärkung suizidpräventiver Maßnahmen und Strukturen zuwider.

Minderheit hält Urteil für ethisch wohl erwogen

Eine Minderheit des Deutschen Ethikrates hält das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts dagegen für ethisch wohl erwogen und begrüßenswert. Ihr zufolge stehe es im Einklang mit der dem Notstandsprinzip zugrunde liegenden Moralpflicht, vor allem in existenziellen Grenzfällen ein generell begründbares Verbot nicht zum Gebot der Unmenschlichkeit werden zu lassen. Nach Auffassung der Minderheit sollte dies im Sinne einer klarstellenden und präzisierenden Regelung in das Betäubungsmittelgesetz aufgenommen werden.

Ungeachtet dieses Dissenses bekräftigt der Deutsche Ethikrat die Forderung nach einer Stärkung suizidpräventiver Maßnahmen sowie nach einem Ausbau nicht nur der Hospiz- und Palliativversorgung im ambulanten und stationären Bereich, sondern allgemein der Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase. Mehrheitlich empfiehlt er, entgegen der vorgeschlagenen Neuausrichtung des normativen Ordnungsrahmens an dem zuletzt noch einmal legislativ bekräftigten ethischen Grundgefüge festzuhalten und nicht der gebotenen Achtung individueller Entscheidungen über das eigene Lebensende eine staatliche Unterstützungsverpflichtung zur Seite zu stellen. (pro)

Von: jw

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Thu, 08 Jun 2017 16:38:00 +0200
<![CDATA[„Nachtcafé: Glaube versetzt Berge“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/08/nachtcafe-glaube-versetzt-berge/ „Ob in Krankheits- oder Trauersituationen: Vielen hilft der Glaube an Gott, um in fast ausweglosen Lagen nicht den Lebensmut zu verlieren. Schwerkranke sehen in ihrer Not oft den letzten Strohhalm in dubiosen Heilmethoden“, heißt es in der Sendungsankündigung des SWR. Im „Nachtcafé“ am Freitag soll es aber auch um angebliche Heilkräfte von Kristallen, Engeln oder des Vollmonds gehen. „Den Patienten werden wahre Wunder versprochen, geboten wird aber häufig nur fauler und teurer Zauber.“

Zu den Gästen im „Nachtcafé“ gehört Bruder Martin Berni, der nach eigener Aussage seine Kraft für viele soziale Projekte im Glauben findet. Der Glaube an einen liebenden, barmherzigen Gott bestimme sein Denken und Handeln, sagt Bruder Martin, ein ehemaliger Franziskanerpater, der sich seit zwölf Jahren täglich für Obdachlose in Ingolstadt einsetzt. Er sagt: „Das Gebet ist für mich eine Kraftquelle, ohne meinen festen Glauben könnte ich das gar nicht so intensiv machen.“

Andreas Schutti baute sich bereits in jungen Jahren ein Diskotheken-Imperium auf, doch sein Geschäft ging zugrunde. Trotz Ehe hatte er ständig Affären, war pornosüchtig und verschleuderte sein Geld, berichtet er. Am Boden zerstört fand er in seiner Not zum Glauben: „Durch Gott habe ich mein Leben um 180 Grad gedreht und wurde ein anderer Mensch.“

Auch die Gospelsängerin Siyou ist von der Wirkungskraft des Glaubens überzeugt. Sie ist die Tochter eines evangelischen Pfarrers aus Kamerun. Ihr Vorname heißt übersetzt: „Gott hat gehört“, und dieser Name habe für sie Bedeutung, sagt sie: „Der Glaube ist ein farbenfrohes Fest, er ist mein innerer Anker und ja, er versetzt auch Berge.“

Außerdem spricht der Philosoph und Bestseller-Autor Markus Gabriel darüber, wie für ihn der Glauben zwar ein menschliches Grundbedürfnis sei, er selbst aber nicht an einen Gott glauben könne. Der Bonner Universitätsprofessor will jedoch nicht ausschließen, dass es einen Gott gibt. Unter den Gästen ist zudem Brigitte Voss, die als Medium und Trance-Heilerin arbeitet. Nach dem Tod ihrer großen Liebe hatte sie in einer Kirche das Gefühl, Gott zu erfahren.

Gast ist außerdem Christa Benz, die sich aufopferungsvoll um ihren kranken Ehemann kümmert. Vor fünf Jahren erlitt er eine Gehirnblutung und lag wochenlang im Koma. Die Ärzte sahen kaum Hoffnung, dass er jemals wieder ins Leben zurückfindet. Doch die Stuttgarter Klavierlehrerin war von Anfang an fester Überzeugung: Marcus wird wieder gesund. (pro)

„Nachtcafé: Glaube versetzt Berge“ am Freitag, 9. Juni, 22 Uhr im SWR Fernsehen

Von: js

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Thu, 08 Jun 2017 13:50:00 +0200
<![CDATA[Matthias Pankau wird neuer idea-Leiter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2017/06/07/matthias-pankau-wird-neuer-idea-leiter/ Die evangelische Nachrichtenagentur idea hat in ihrer Mitgliederversammlung am Mittwoch personelle Weichenstellungen vorgenommen. Matthias Pankau wird neuer Leiter des Hauses. Er wird damit Nachfolger des Theologen Helmut Matthies, der seit 1977 bei idea tätig ist. 1978 übernahm dieser die Leitung, entwickelte 1979 das Wochenmagazin ideaSpektrum und baute die idea-Gruppe zu einem Betrieb mit insgesamt über 50 Mitarbeitern aus. Der Leitungswechsel soll zum 1. Januar 2018 vollzogen werden. Matthies wird ab dann dem Vorstand von idea angehören, in den ihn die Mitgliederversammlung wählte.

Der designierte idea-Leiter Matthias Pankau wurde 1976 in Leipzig geboren. Er wuchs in der DDR in einer bekennenden christlichen Familie auf. Seine Eltern durften nicht studieren, weil sie Christen waren. Auch Pankau wäre das Abitur verwehrt geblieben, weil es seine Eltern ablehnten, dass er in die sozialistische Parteiorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) eintritt. Die Friedliche Revolution ermöglichte es ihm dann aber doch, 1995 sein Abitur zu machen.

Jüngere Leser sind das Ziel

Danach volontierte Pankau bei der Nachrichtenagentur idea. Währenddessen erhielt er seine journalistische Ausbildung auch in New York bei dem Journalisten Uwe Siemon-Netto. Ab 1997 studierte Pankau Evangelische Theologie in Oberursel (Hochschule der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche), Heidelberg und Leipzig. Nach Vikariat und Zweitem Theologischen Examen begann er 2006 als Redakteur bei idea. Dort ist der verheiratete Vater zweier Töchter bis heute verantwortlich für das Redaktionsbüro Ost mit Sitz in Leipzig.

2008 wurde er zum Pfarrer im Ehrenamt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ordiniert. Unter anderen hält er regelmäßig Gottesdienste in der Nikolaikirche Leipzig.

Pankau dankte auf der Mitgliederversammlung für das ihm entgegengebrachte Vertrauen: „idea wird auch in Zukunft einen engagierten, christuszentrierten Journalismus betreiben“, kündigte er an. Zudem werde es darum gehen, eine jüngere Leserschaft zu gewinnen. Pankau wird offiziell am 16. Januar 2018 in sein Amt eingeführt.

Vater vieler evangelikaler Werke gibt sein Amt ab

Auch im ehrenamtlichen Vorstand von idea gibt es einen Wechsel. Der bisherige Vorsitzende Horst Marquardt gründete die Nachrichtenagentur 1970 und war seitdem im Vorstand aktiv. Jetzt wurde er in der Mitgliederversammlung verabschiedet. Sie wählte den 60-jährigen Pfarrer Johannes Holmer zu dessen Nachfolger bis zum Jahresende. Er war bisher Stellvertreter Marquardts.

Auf das Bestreben des heute 87-jährigen Marquardts geht nicht nur die Gründung der Nachrichtenagentur idea, sondern auch die des Christlichen Medienverbundes KEP und anderer Werke zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss er sich als junger Mann zunächst der kommunistischen Bewegung an und arbeitete als Rundfunkredakteur in Potsdam.

Nachdem er Christ wurde, studierte er in Berlin Theologie und war als Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Berlin, Wien und Wetzlar tätig. Als Direktor war er ab 1960 maßgeblich am Aufbau des Evangeliums-Rundfunks (ERF) in Wetzlar beteiligt, den er bis Ende 1993 leitete. Bis 1997 war Marquardt als Internationaler Direktor der Radio-Mission Trans World Radio (TWR) tätig, das für eine Verbreitung der christlichen Botschaft in Afrika, dem Nahen Osten und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sorgte.

Von 1973 bis 1986 war Marquardt Sprecher der ARD-Fernsehsendung „Das Wort zum Sonntag“. Er engagierte sich zudem im Hauptausschuss Rundfunk und Fernsehen des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP). Außerdem gehörte er bis zum Erreichen der Altersgrenze zum Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz.

Weitere „Kinder“ Marquardts sind die Lausanner Bewegung, die sich für mehr Evangelisation in den Kirchen und Gemeinden einsetzt, und der Kongress christlicher Führungskräfte. 1998 wurde der Vordenker der evangelikalen Publizistik in Deutschland mit dem „Brückenbauer-Preis“ der Vereinigung Europäischer Medienorganisationen ausgezeichnet. Marquardt ist verheiratet mit Irene und Vater von vier Kindern.

idea-Spitze aus den neuen Bundesländern

Sein Nachfolger Johannes Holmer ist seit einem Vierteljahrhundert Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Bülow in Mecklenburg-Vorpommern. Damit stammt er wie Pankau aus den neuen Bundesländern. Er ist eines von zehn Kindern von Uwe Holmer. Dieser hatte für Schlagzeilen gesorgt, als er nach dem Mauerfall Erich Honecker und dessen Ehefrau Margot in seinem Pfarrhaus aufgenommen und zehn Wochen lang mit ihnen unter einem Dach gelebt hatte.

Holmer engagiert sich zudem bei dem christlichen Medienunternehmen ERF Medien, sowie bei der Deutschen Zeltmission und im Vorstand des „Netzwerkes Bibel und Bekenntnis“. (pro)

Von: pro

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Wed, 07 Jun 2017 18:22:00 +0200
<![CDATA[Salafistische Missionare verteilen wieder Bücher]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/07/salafistische-missionare-verteilen-wieder-buecher/ Die Koran-Verteilaktion „Lies!" wurde vergangenen November verboten. Doch nun gibt es ein neues Missionierungsprojekt der Salafisten auf deutschen Einkaufsstraßen. Dieses Mal verteilen die Anhänger nicht den Koran, sondern eine Biographie Mohammeds, des wichtigsten Propheten im Islam. Die Kampagne läuft unter dem Titel „We love Muhammad“ (Wir lieben Mohammed).

Zu den Organisatoren zählen laut Verfassungsschutz zwei führende Vertreter der salafistischen Szene in Deutschland, schreibt die Tageszeitung Die Welt: Pierre Vogel und Bilal Gümüs. Laut Erkenntnissen von Verfassungsschutzämtern in Bund und Ländern beteiligen sich nach Angaben der Zeitung an der neuen Verteilaktion etliche frühere „Lies!“-Akteure.

Das Ziel von „We love Muhammad“ sei nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz die Verbreitung der salafistischen Ideologie und die Vernetzung der Szene. Der Behörde lägen jedoch noch wenige Erkenntnisse vor, wie „We love Muhammad“ organisiert ist. Die Personen hinter der Kampagne versuchen, um ein Verbot herumzukommen.

Brauchen keine Genehmigung für Aktionen

Während die Beteiligten bei der „Lies!“-Kampagne Stände in Einkaufsstraßen hatten, verzichte „We love Muhammad“ darauf. Deswegen müssten sich die Aktivisten keine Genehmigungen einholen. Stattdessen tragen sie eine Art Plakat auf dem Rücken. „We love Muhammad“ sei zudem kein Verein, berichtet Die Welt. Hinter der Aktion „Lies!“ stand der Verein „Die wahre Religion“.

Bereits kurz bevor dieser im Herbst 2016 verboten wurde, sei „We love Muhammad“ mit einer Ankündigung auf Facebook an den Start gegangen. Auf ihrer Facebook-Seite präsentieren die Organisatoren Personen, die sie für ihre Kampagne gewinnen konnten. Ein Mann kommt in dem Video „Deutscher Opa wird Muslim im Alter von 59 Jahren“ zu Wort, der sagt, er komme aus der Katholischen Kirche und habe in Freikirchen „gelebt und gearbeitet“. Nun habe er „durch die Brüder zum Islam gefunden“.

Die Aktionen beschränken sich laut der Zeitung bisher auf Metropolen und größere Städte wie Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Bremen, München, Nürnberg, Düsseldorf und Köln. In mindestens sechs Bundesländern, sowie in Österreich und der Schweiz seien sie im Einsatz. (pro)

Von: mab

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Wed, 07 Jun 2017 17:02:00 +0200
<![CDATA[„Täuschungen nur in Ausnahmefällen möglich“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2017/06/07/taeuschungen-nur-in-ausnahmefaellen-moeglich/ Bei Flüchtlingen, die als Asylgrund Verfolgung aus Glaubensgründen angeben, überprüft das Bundesamt für Migration (BAMF) mit Fragen zur Religion die Wahrhaftigkeit des Bekenntnisses. Grundsätzlich sei das legitim, sagte Meister gegenüber pro. „Ich warne da allerdings vor Fragestellungen, die ein Fachwissen und sprachliche Kenntnisse erfordern, die man auch unter idealen Integrationsbedingungen und bei intensiver Beschäftigung mit dem christlichen Glauben nur schwer beantworten kann.“

Nach Meisters Erfahrung liege bei den meisten Flüchtlingen, die sich taufen ließen, eine ehrliche Bereitschaft zugrunde, Christ oder Christin zu werden. Zum Beispiel, weil eine Taufe im Herkunftsland nicht oder nur unter großen persönlichen Gefahren möglich gewesen wäre. „Oder weil die Menschen hier die Erfahrung von christlicher Hilfsbereitschaft, Gastfreundschaft und Spiritualität gemacht haben, also von gelebtem Christentum, und gemerkt haben, dass sie sich damit identifizieren können“, sagte Meister.

Seit vielen Jahren kämen zum Beispiel Menschen aus dem Iran in die Landeskirchen, um sich taufen zu lassen. In den Gemeinden gebe es dann eine entsprechende Taufvorbereitung. In den Kursen würden die Inhalte des christlichen Glaubens erarbeitet und die Taufbewerber auf ihrem Weg begleitet. „Und dabei ist dann aus meiner Überzeugung nur in wirklichen Ausnahmefällen eine Täuschung möglich.“ Deshalb sei bei Prüfungsverfahren wie dem des BAMF auch die Einschätzung von Pastorinnen und Pastoren, die solche Taufkurse begleiten, wichtig.

„Lebenssituation muss genau bekannt sein“

Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sprach sich Meister gleichzeitig gegen missbräuchliche und erschlichene Taufen aus. Die Kirche solle kritisch prüfen, wenn Flüchtlinge zum Christentum konvertieren wollten, sagte er. Der Landesbischof reagierte damit auf den Fall eines afghanischen Asylbewerbers, der vergangene Woche in einer Asylunterkunft im bayerischen Arnschwang einen fünfjährigen Jungen tötete.

Das Motiv für die Bluttat war wohl Lärmbelästigung. Nach Angaben der Mutter soll sich der Mann in seiner Ruhe gestört gefühlt haben. Der mutmaßliche Täter war nach eigenen Angaben als Muslim zum Christentum übergetreten und hatte sich demnach im Falle einer Abschiebung nach Afghanistan als bedroht gesehen. Während des Polizeieinsatzes hatte ein Beamter acht Schüsse auf den Täter abgegeben und ihn tödlich getroffen. Der Mann war ein verurteilter Straftäter und trug eine elektronische Fußfessel. Nach Angaben der Regierung der Oberpfalz sollte er eigentlich abgeschoben werden. Doch er hatte sich rechtlich dagegen gewehrt, sodass 2014 ein Abschiebeverbot ausgesprochen wurde.

Die jeweilige Lebenssituation von Taufwilligen müssten genau bekannt sein, sagte Meister in dem Interview mit dem RND. „Es ist klar, dass die Beurteilung des Sakraments der Taufe nicht einer weltlichen Gerichtsbarkeit untersteht“, sagte er nach Angaben der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ). Dabei dürften sich Pastoren nicht unter Druck setzen lassen. Dennoch könne es im Einzelfall zu Missbräuchen kommen. Für Sanktionen sei nicht die Kirche, sondern der Staat zuständig. „Es ist die Aufgabe staatlicher Gerichte, gegen diese Form von Missbrauch entschieden vorzugehen", sagte Meister. (pro)

Von: sz/dpa

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Wed, 07 Jun 2017 16:36:00 +0200
<![CDATA[Eine Familie wächst mit der Anzahl ihrer Eltern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/07/eine-familie-waechst-mit-der-anzahl-ihrer-eltern/ Eine TV-Kritik von Jörn Schumacher]]> Der ARD-Zweiteiler handelt von der Familie Jansen–Balzer, die einen ungewöhnlichen Weg einschlägt: Vater Jonas (Benno Fürmann) und Mutter Marit (Maja Schöne) einigen sich darauf, dass jeder, wenn er will, einen anderen Sexualpartner haben darf. Jonas nutzt die neue Freiheit sofort aus, als er auf einer Party in Köln ist. Und er stellt die neue Bettbekanntschaft auch gleich seinen Eltern vor. Ab hier wird es etwas abstrus.

Die Familie Jansen–Balzer wird in dem Zweiteiler als coole, moderne, Rockmusik spielende Familie vorgestellt. Strenge Erziehung ist nicht angesagt, praktisch alle spielen ein Instrument. Die Kinder der beiden Unverheirateten, Tochter Selma und Sohn Luis, machen Rockmusik, und anstatt die Kinder dazu anzuleiten, auch mal bei der Arbeit im Haushalt mit anzupacken, greifen die Eltern kurzerhand ebenfalls zum Instrument und singen „Sweet Home Alabama“ mit.

Als Vater Jonas aus Köln seine neue Zweit-Frau Johanna mitbringt, sind die Kinder sehr schnell vollkommen einverstanden. Und auch als dann Mutter Marit ebenfalls ihren neuen Geliebten (Henning Baum) in der Familie vorstellt, herrscht große Einigkeit: Das wird super. Schnell ist klar: Hier wohnt die coole, aufgeschlossene Familie, nebenan wohnen die unfreundlichen Spießer.

Jeder mit jedem

Dann passiert etwas, was eigentlich dazu führen könnte, die traute Viersamkeit zu zerbrechen: Marit wird von ihrem neuen Lover schwanger. Doch auch das reicht nicht aus, um die Begeisterung über die ungewöhnliche Familienkonstellation zu erschüttern. Alle sind glücklich, Marit soll das Kind bekommen, und alle vier Elternteile leben mitsamt den Kindern zusammen. Die Geliebte Johanna freundet sich zudem bestens mit Jonas' Eltern an, die Familie wird einfach immer mehr erweitert. Und selbst Jonas' Eltern sind nur überrascht, aber keineswegs entsetzt über die Experimente ihres Sohnes.

„Ihr neues Beziehungskonzept eröffnet beiden Freiräume – ohne Lügen, aber nach Regeln“, heißt es in der Sendungsankündigung der ARD. „Wie das funktionieren soll, das müssen sie mit ihren Kindern erst noch herausfinden.“ Regisseur Stefan Krohmer und Autor Daniel Nocke verabschiedeten sich „in ihrer unkonventionellen Fernsehkomödie von gängigen Vorstellungen“, heißt es weiter.

Schwer vorstellbar, dass der Film bei den Konservativen und Christen nicht Kopfschmerzen und mehr verursacht, denen vor allem die Familie mit Vater, Mutter und Kind(ern) schützenswert erscheint. Und sicher wird sich damit die Frage stellen: Wie weit kann so ein „Beziehungskonzept ohne Lügen“ eigentlich getrieben werden? Warum sollte man nur einen Liebhaber haben, warum nicht zwei? Oder drei? Warum nicht noch mehr Kinder mit anderen Partnern zeugen? Und warum sollte nicht eigentlich auch die Liebhaberin des Vaters etwas mit dem Liebhaber der Mutter anfangen? Warum machen nicht einfach alle mit allen rum?

Der Film denkt die aufgeworfenen Fragen nicht wirklich durch. Mögliche Kritiken an einer derartigen Aufweichung des klassischen Familienbildes greift er nicht auf. Auch mögliche Konflikte bei den Kindern, die in einer vergleichbaren Situation in der Realität aufkommen könnten, sprechen die Filmemacher nicht an. Selbst wenn in diesem Zweiteiler alle Beteiligten offen miteinander reden, die Frage bleibt: Welchen Wert hat das Wort „Familie“ dann noch? (pro)

„Neu in unserer Familie – Zwei Eltern zu viel“ am 7. Juni 2017, 20:15 Uhr, ARD „Neu in unserer Familie – Ein Baby für alle“ am 9. Juni 2017, 20:15 Uhr, ARD

Von: js

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Wed, 07 Jun 2017 16:00:00 +0200
<![CDATA[Eine deutsche Kamera in Hebron]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2017/06/06/eine-deutsche-kamera-in-hebron/ Eine TV-Kritik von Daniel Frick]]> Anlässlich des 50-jährigen Jubliäums des Sechs-Tage-Krieges von 1967 widmet sich eine ZDF-Dokumentation der Stadt Hebron. Dort zeige sich die „Fieberkurve des Nahostkonflikts“, wie es die Autorin Nicola Albrecht beschreibt. Der 45-minütige Film, den das ZDF in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 00.45 Uhr zeigt, bemüht sich zwar um Ausgewogenheit, lässt in vielen Punkten jedoch wichtige Informationen weg.

Grundsätzlich fährt die Dokumentation gut: Sie lässt Vertreter beider Seiten zu Wort kommen, und zeigt, dass es auf beiden Seiten Extremisten gibt. Sie hält die jüdischen und muslimischen Ansprüche auf die Machpelah-Höhle fest, wo der Überlieferung zufolge der Stammvater Abraham begraben liegt, und wo das israelische Militär für die Sicherheit sorgt. Soweit erfüllt die Dokumentation ihren eigenen Anspruch, beide Seiten zu behandeln.

Offene Fragen

Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch einige Merkwürdigkeiten in der Aufmachung des Films. Da ist zum einen eine nicht gestellte Frage. Der Zuschauer erfährt am Anfang, dass in Hebron 200.000 Palästinenser leben – und 850 Juden, die von 650 Soldaten bewacht werden. Die Frage kommt unweigerlich auf, warum die Palästinenser bei diesem niedrigen Anteil der jüdischen Bewohnern mit diesen ein Problem haben – im Verlauf der Dokumentation wird sie aber nicht gestellt.

Merkwürdig mutet auch die Einordnung des Sechs-Tage-Krieges an. „Mit Beginn der Besatzung 1967 hat sich etwas geändert im Land und in Hebron“, erzählt Albrecht. „50 Jahre israelische Kontrolle haben dafür gesorgt, dass das Verhältnis zwischen den Menschen außer Kontrolle geraten ist.“

An dieser Stelle fehlt der Hinweis auf die arabischen Revolten gegen Juden vor der Staatsgründung Israels. Im Jahr 1929 ermordeten Araber 67 Juden in Hebron. Dieses Massaker führte zur Vertreibung der jüdischen Bewohner. Hebron war erstmals seit tausenden Jahren „judenrein“. Diesen Einschnitt zu verschweigen ist die eine Sache. Abwegig ist es jedoch zu behaupten, dass erst aufgrund der Besatzung ab 1967 das Verhältnis zwischen Juden und Arabern „außer Kontrolle“ geraten sei.

Die Kamera als Waffe

Der rote Faden, der sich durch die Dokumentation zieht, ist die Bedeutung von Videokameras, die angeblich als „neue Waffe“ im Konflikt dienen. Aktueller Aufhänger ist dabei der Vorfall um den Soldaten Elor Asaria, der einen am Boden liegenden Attentäter erschossen hat. Der Vorfall wurde von einem Palästinenser gefilmt und sorgte weltweit für Aufsehen. Ein Militärgericht hat den Soldaten inzwischen zu 18 Monaten Haft verurteilt.

Im Lauf des Films erfährt der Zuschauer, dass Schüler bei einem Videokurs explizit lernen, mit der Kamera umzugehen. Sie werden aufgefordert, Konflikte festzuhalten. Nicht erwähnt wird hier allerdings, dass die Kameras von „B’Tselem“ zur Verfügung gestellt werden. Gegen diese linksgerichtete Organisation wurde schon oft der Vorwurf erhoben, die Fakten zu verzerren und gegen Israel zu hetzen. Mit den Kameras werden die Schüler sicherlich keine palästinensischen Provokationen festhalten.

Friedensrede in der Klasse

Neben den engagierten Schülern lernt der Zuschauer auch Mohannad Dschabari kennen, einen 28-jährigen, arbeitslosen Ingenieur, der Mitglied der Fatah-Partei ist und für die Fortsetzung des „Aufstandes“ plädiert – seiner Aussage zufolge akzeptiert er nur gewaltfreien Widerstand. Für einen angeblichen Beleg tritt er vor Schülern einer palästinensischen Schule auf – die in der israelischen Enklave in Hebron beheimatet ist – und erzählt: „Wenn ihr Ärzte, Ingenieure oder Fotografen werdet, also das erreicht, was ihr werden wollt, zeigt ihr das wirkliche Bild von uns. Dann zeigt ihr, dass wir nicht Terroristen sind.“

Sätze wie diese hören sich gut an. Offen bleibt aber, ob Dschabari das nur für die deutsche Kamera erzählt. Auch hier wäre es angebracht gewesen, nachzuhaken. Wie steht es eigentlich um die Friedensbemühungen in palästinensischen Schulbüchern? Dem ZDF-Studio in Tel Aviv dürfte nicht entgangen sein, dass dort Terroristen als Märtyrer verherrlicht werden. Anstatt Dschabari damit zu konfrontieren – als „friedlicher Aktivist“ hat er dazu sicher eine Meinung –, lässt das ZDF-Team ihn reden. So darf dieser dem deutschen Publikum eine heile palästinensische Schulwelt verkaufen.

Bedenkliche Abstraktion

Zum Schluss gibt die Dokumentation dem Zuschauer ein merkwürdiges Fazit mit auf den Weg. Zu sehen ist ein jüdischer Zauberkünstler, der Soldaten an einem Wachposten mit Zaubertricks unterhält. Dazu gesellen sich Araber, denen der Zauberkünstler ebenfalls seine Tricks zeigt. „Es ist keine große Show, sondern nur ein kurzer Moment, in dem alle den Konflikt vergessen und miteinander lachen – weil sie Menschen sind, und sich als solche begegnen“, ist dazu zu hören.

Eine derart abstrahierende Sichtweise auf die Bewohner vor Ort – frei nach dem Motto: Es sind doch alles Menschen! – ist sicherlich gut gemeint. In Wirklichkeit ist sie aber bedenklich. Der Zuschauer könnte auf die Idee kommen, dass es zum Beispiel besser wäre, wenn die Juden von ihrem Judentum lassen würden – dann gäbe es auch keinen Konflikt. Der Gedanke an diesen abstrakten Humanismus am Ende der Dokumentation ist alles andere als hilfreich und hat an dieser Stelle nichts verloren.

Das ZDF legt eine Dokumentation vor, die streckenweise sehenswert und interessant ist, letztlich aber mit Vorsicht gesehen werden muss. Denn in wichtigen Punkten wird sie der Lage nicht gerecht – historische Einordnungen greifen zu kurz, und mitunter geht es zu unkritisch zu. Nur auf diese Weise kann sie das Bild von der israelischen Besatzung als Quelle aller Spannungen in der Region zeichnen. (pro)

„Hebron – die zerrissene Stadt. 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg“, Donnerstag, 8. Juni, 00.45 Uhr, ZDF

Von: df

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Tue, 06 Jun 2017 16:07:00 +0200
<![CDATA[Was die RAF zum Verständnis der aktuellen Terrorwelle beiträgt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/06/was-die-raf-zum-verstaendnis-der-aktuellen-terrorwelle-beitraegt/ Ob der Islam ein Problem für die Gesellschaft ist, fragen sich die Journalisten Reinhard Mohr und Thorsten Krauel angesichts des Terroranschlags in London in der Tageszeitung Die Welt. Bei ihren Pro- und Contra-Kommentaren ziehen beide Vergleiche zum Terror der Roten-Armee-Fraktion (RAF) in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er- und 1980er-Jahre.

Der Journalist Reinhard Mohr beschreibt ein deutsches linksliberales Bildungsbürgertum in den 1970er-Jahren, das den RAF-Terror „teils aktiv unterstützte, mit ihm sympathisierte und rechtfertigte“. Dieses „ideologische Umfeld“ von Millionen Menschen sieht Mohr heute auch im Islam. Er vermisst unter Muslimen den „Aufstand der Anständigen“. Er sehe lieber Tausende auf den Straßen Neuköllns oder Kreuzbergs demonstrieren, als wenige islamische Verbandsvertreter am Brandenburger Tor ihre Solidarität mit Terror-Opfern ausdrücken.

Thorsten Krauel bezeichnet dagegen pauschale Vorwürfe gegen islamische Gemeinschaften als „immer falsch“. Um das deutlich zu machen, dreht er den Spieß rum: Es sei so, als sage man „Alle AfD-Wähler sind Nazis“. Nicht jeder Rechtsintellektuelle habe automatisch ein Hitler-Bild im Portemonnaie. Auch Krauel vergleicht die aktuelle Terrorwelle in Berlin, Nizza, Manchester und London mit der RAF. Nur sei in seinen Augen in den 1970er-Jahren besser differenziert worden. Die Reaktion auf die RAF-Morde sei gewesen: „Nicht das Linkssein ist am Terrorismus schuld, sondern die Terroristen müssen weg.“ (pro)

Von: mm

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Tue, 06 Jun 2017 14:52:00 +0200
<![CDATA[Mit dem Tablet durch die Kita]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2017/06/06/mit-dem-tablet-durch-die-kita/ Die digitale Welt vernetzt sich immer mehr. Die Marketingexperten der Spielwarenindustrie haben die Kinder schon lange für sich entdeckt. Spielsachen enthalten wie selbstverständlich W-LAN. Und auch in den Kindergärten sind die technischen Geräte angekommen. Politiker und Pädagogen diskutieren darüber. Eine der zentralen Fragen ist: Wie viel Digitalisierung ist im frühen Bildungssystem wichtig und richtig?

Eva Reichert-Garschhammer, Institutsleiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München, sieht vor allem die Chancen der Digitalisierung. Sie plädiert für einen frühen verantwortungsvollen Umgang mit dieser Technologie. Immerhin sei die digitale Bildung neben Lesen, Schreiben und Rechnen als vierte Kulturtechnik anerkannt. Frühe digitale Bildung könne Menschen integrieren, die sonst schwieriger an Bildung teilhaben.

Helfen, die digitale Kluft zu überwinden

Flüchtlingskindern etwa könnten mehrsprachige Apps die Kommunikation erleichtern. Bestimmte computergestützte Technologien ermöglichen eine Kommunikation mit behinderten Menschen, die sich sonst nicht oder nicht mehr artikulieren können. Für Reichert-Garschhammer könnte dies gerade bei diesen Personengruppen dabei helfen, die digitale Kluft zu überwinden, und für höhere Chancengerechtigkeit zu sorgen: „Es wäre schön, wenn die Kita ein erster professioneller Bildungsort wäre, der auch Familien mit formal niedriger Bildung erreicht.“

Allerdings gibt es auch Gegenwind für eine „digitalisierte Kita“. Vor allem der Psychiater und Autor Manfred Spitzer („Digitale Demenz“) gehört zu den Kritikern des frühen Medienkonsums. Er hat gemeinsam mit anderen eine Petition gestartet, die den „Entwicklungsraum Kindheit“ vor digitalen Einflüssen schützen möchte. Die Kinder lernten Geschicklichkeit, Laufen, Sprechen und Denken am besten durch eigene Aktivitäten und im direkten Kontakt mit anderen. „Alles, was ein Mensch tut, und vor allem wie eigenständig er es tut, aktiviert das Gehirn und entwickelt es täglich weiter“, heißt es in der Petition. Zu früher Konsum könne zu Sprachstörungen und schlechteren Noten im Lesen und Schreiben führen. Zudem fehlten wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse, die den Nutzen frühen Medienkonsums belegen können.

Kinder im Netz begleiten

Das Wissen und die Informationen des Internets dürfe man der nachkommenden Generation nicht verschließen, betont Reichert-Garschhammer. Jedoch müssten Erwachsene die Kinder dabei begleiten: „Kinder brauchen jemand, mit dem sie das Erlebte gemeinsam verarbeiten.“ Wichtig seien zudem klare Zeitvorgaben mit maximal zwei bis drei Stunden in der Woche. Und: „Download ist immer Erwachsenen-Sache.“

Die Universität Mainz begleitet Einrichtungen, die digitale Medien in ihre Pädagogik einführen, mit dem Programm „KitAb Rheinland-Pfalz“ wissenschaftlich. Sie möchten medienpädagogische Basis-Kompetenzen zu vermitteln und prüfen, wie Eltern und Erziehern eine sinnvolle Medienerziehung gelingen kann. Ergebnisse stehen noch aus, denn die Initiative steckt in den Kinderschuhen. Deutlich wird aber: Bevor Tablet-Computer zum Einsatz kommen, sind wichtige Fragen zu klären: Was sind geeignete Apps für Kinder? Wie können Kinder ihren Umgang mit Medien verarbeiten? Wie können sie davon profitieren? Wie werden die technischen Geräte in der Einrichtung finanziert?

Ein weiteres Vorzeige-Projekt gibt es in der Schweiz. „My Pad“ hat das Ziel, maßgeschneiderte pädagogische und technische Beratungen zum Einsatz von Tablets zu entwickeln. Sie schulen Erzieher und Lehrer, die die Tablets dann didaktisch passend einsetzen können. Davon waren auch Pädagogen in Kindertagesstätten so angetan, dass es mittlerweile auch dort oft umgesetzt wird. Auch hier geht es darum, das Tablet als Lernwerkzeug zu nutzen. Ursprünglich für Schüler entwickelt, sollen auch Kindergartenkinder von einem didaktisch sinn- und wertvollen Einsatz der Tablets profitieren.

Sinnvolle Nutzung erweitert pädagogische Gestaltungsmöglichkeiten

Der ergänzende Charakter digitaler Medien ist Reichert-Garschhammer wichtig: „Wenn es sinnvoll genutzt wird, erweitert es die pädagogischen Gestaltungsmöglichkeiten und damit die Lebensräume der Kinder.“ Die Wald-App solle nicht den Waldspaziergang ersetzen. Das Tablet könne aber helfen, in der Natur Tierstimmen aufzunehmen und Pflanzen zu bestimmen. Die Kinder sollten mindestens zwei Jahre alt sein, um wirklich einen Nutzen davon haben zu können.

Auch Kirsten Bresch vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg hat ganz praktische Ideen mitgebracht. In Ich-Büchern können die Kinder ihre Erlebnisse in der Kita dokumentieren. Dadurch lernten sie den spielerischen Umgang mit der Kamera und könnten kreativ ihre individuellen Eigenschaften und Merkmale entdecken und darstellen. Es biete sich aber auch eine Geräusche-Safari durch die Einrichtung an. Mit dem Tablet nehmen die Erzieherinnen typische Geräusche auf, die die Kinder in der Einrichtung hören. Die Kinder müssen diese dann an verschiedenen Stationen suchen.

In der Praxis hat Bresch noch zwei weitere Dinge beobachtet: „Die Kinder haben sich im Umgang mit dem Tablet enorm viel gegenseitig geholfen. Zudem haben sie die vorgegebenen Tablet-Zeiten nie überschritten.“ Die Angst, dass die Kinder auch in der Kita nur noch vor dem Computer sitzen, teilt auch Reichert-Garschhammer vom Staatsinstitut für Frühpädagogik nicht. Im Gegenteil: „Sie merken, wie sie das Potenzial von Tablets und Apps auch zu Hause nutzen können. Das ist für die Familie eine Herausforderung, kann sie aber auch als Bildungsort stärken.“

Technik allein schafft keine Pädagogik

Für die Kindertagesstätten bedeuten Tablet und Co., dass sie die Art, zu lernen, Wissen anzueignen und weiterzugeben, verändern müssen. Reichert-Garschhammer ermutigt die Kitas und Schulen zu einem dosierten und kreativen Einsatz. Sie warnt aber auch: „Technik allein schafft noch keine Pädagogik!“ Die Pädagogen bräuchten gute digitale und medienpädagogische Kompetenzen. „Außerdem sind klare Spielregeln – auch für die Erzieher – wichtig.“

Martina Groß, Religionspädagogin an der Stiftungsfachhochule München-Benediktbeuern, sieht in der technischen Entwicklung auch Möglichkeiten für die religiöse Bildung. Schuld, Vergebung und Liebe seien zentrale Themen, die spielerisch mit Videos umgesetzt werden könnten. Aber sie macht auch klar, dass die digitale Bildung nicht das Erzählen von biblischen Geschichten ersetze: „Wir müssen erst den Nährboden schaffen, dann können die digitalen Medien eine gute Ergänzung sein.“

Was Kinder mit digitalen Medien alles lernen können, listet Kirsten Bresch alles auf: Sie erlangen Wissen, lernen es, technische Geräte sachgemäß zu bedienen, sie finden Ideen, stellen Pläne auf, treffen Absprachen, gehen Kompromisse ein, übernehmen Aufgaben und präsentieren Ergebnisse. „Das sind greifbare Lernspuren, die sie in den Entwicklungstagebüchern und Portfolios der Kinder aufnehmen können“, sagt sie. Kinder lernten Fähigkeiten, die auch in den staatlichen Bildung- und Orientierungsplänen vorgesehen sind. „Es wäre schon grob fahrlässig, wenn man dies nicht unterstützen würde.“ (pro)

Die vollständige Geschichte können Sie in der Ausgabe 2/2017 des Christlichen Medienmagazins pro nachlesen. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich online, unter der Telefonnummer 06441/915 151 oder per E-Mail an info@kep.de.

Von: jw

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Tue, 06 Jun 2017 11:28:00 +0200
<![CDATA[Frischer Wind]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2017/06/04/frischer-wind/ Ein Impuls von Egmond Prill]]> Menschengewühl auf dem Flughafen. Lange Rolltreppen, verwinkelte Gänge und hunderte Abfertigungsschalter. Dazwischen Ansagen über Lautsprecher: deutsch, englisch, spanisch. Menschen vieler Völker drängen mit Koffern und Kindern. Hier geht es hoch her und das in allen Sprachen.

Der Volksmund hat dafür einen Begriff: „Babylonische Sprachverwirrung“. Nicht nur, dass alle laut durcheinander reden. Es redet auch jeder und jede in anderer Sprache. Verwirrung total. So beschreibt es die Bibel. Mit einem Turm, dessen Spitze in den Himmel ragen sollte, wollten die Leute Gott übertrumpfen. Eine vermessene Idee. Gott muss sich am Ende weit von oben herab beugen, um das Werk überhaupt zu sehen. Und das Ergebnis für die Menschen: Babylonische Sprachverwirrung. Die so hoch steigen wollten sind tief zerstritten. Manchmal passiert das auch in unserem Alltag, obwohl wir eigentlich eine Sprache sprechen. Missverständnis und Streit, einer redet am anderen vorbei.

Heute steht das Pfingstfest im Kalender. Das ist der fünfzigste Tag nach Ostern „pentekoste“: Pfingsten eben. Damals feierten tausende Pilger aus dem ganzen Orient in Jerusalem das Wochenfest. Petrus sprach zu den Leuten. Vielen gingen die Augen auf und sie glaubten. Die erste christliche Gemeinde war entstanden. Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Die Bibel schildert, dass es nicht schöne Worte waren, sondern die Kraft Gottes, die Menschen zu Christen machte.

Ein neuer Geist verbindet Menschen

„Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ (Apostelgeschichte 2).

Das hatte die Welt noch nicht erlebt! Leute aus aller Herren Länder verstehen den Fischer Petrus und hören Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache. Gott selber überwindet die babylonische Sprachverwirrung. Frischer Wind weht über unsere Sprachgrenzen und Denkbarrieren. Ein neuer Geist verbindet Menschen, die sich vorher nicht kannten und nicht verstanden. Eine weltumspannende Gemeinde der Christen entsteht. Herkunft und Hautfarbe, Sprache und Sparbuch, Beruf und Behinderung spielen keine Rolle. Die Unterschiede werden nicht aufgehoben, aber sie trennen nicht mehr. So sitzen im Gottesdienst der Unternehmer neben dem Arbeiter, die Büroleiterin neben der Frau vom Reinigungsdienst. Alle Schranken sind überwunden.

Freilich: So ganz ohne Probleme geht es nicht. Es gibt auch Kirchenstreit. Und doch: Jesus Christus will allen Menschen helfen. Er will, dass wir zueinander finden: in den Familien und Häusern, in den Büros und Altenheimen, in den Dörfern und Städten. Lassen wir den frischen Wind von Pfingsten in unsere Beziehungen. Öffnen wir die Fenster und unser Leben für einen neuen Geist und neue Gedanken. Bitten wir um Kraft, damit unsere Konflikte gelöst werden. Gehen wir mit Gottes Hilfe auf die Anderen, die Fremden und selbst auf Feinde zu. Feiern wir gemeinsam Pfingsten. Es wird interessante Entdeckungen und Begegnungen geben. Frohe Feiertage! (pro)

Von: Egmond Prill

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Sun, 04 Jun 2017 09:00:00 +0200