Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 25 Sep 2020 16:24:40 +0200 <![CDATA[Belarus: „Kirche hat sich komfortabel eingerichtet im autokratischen Regime“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/25/belarus-kirche-hat-sich-komfortabel-eingerichtet-im-autokratischen-regime/ Alexander Lukaschenko ist seit 1994 der Präsident von Weißrussland (Belarus), der sich gegen Neuwahlen verweigerte und schließlich am Dienstag während noch laufender Proteste gegen das mutmaßlich gefälschte Wahlergebnis für seine sechste Amtszeit hat vereidigen lassen. Das Magazin Der Spiegel schreibt unter der Überschrift „Priesterprotest in Belarus: ‚Die Mächtigen verletzen die Gesetze Gottes‘“, dass sich die Mehrheit der orthodoxen Führungspersönlichkeiten nicht an den Protesten gegen Lukaschenko beteiligt.

„Wer sich im Internet oder öffentlich kritisch äußert, kommt schnell in Kontakt mit den Sicherheitsbehörden, wird überwacht oder direkt angegangen“, schreibt Spiegel-Autorin Annette Langer. „Die russisch-orthodoxe Kirche in Belarus ist traditionell ebenso regierungsfreundlich wie die große Schwester im Osten, der sie untersteht.“ Auch wenn offiziell eine Nichteinmischungspolitik bestehe, ließen sich die Geistlichen von der Regierung Lukaschenkos instrumentalisieren. Am 22. August habe Lukaschenko bei einer Massenveranstaltung klargestellt, dass sich Geistliche aller Konfessionen aus der Politik herauszuhalten hätten.

Rund 48 Prozent der Belarussen sind offiziellen Angaben zufolge orthodoxen Glaubens, sie gingen aber längst nicht alle in die Kirche. Die katholische Kirche ist mit einer Million Gläubigen die zweitgrößte Konfession im Land. Der Priester Alexander Shramko erklärt, die belarussische Gesellschaft sei jedoch säkular, und der Einfluss der Kirchen auf die Massen ist „überschaubar“. Shramko war Priester in der Kirche des Heiligen Erzengels Michael in Minsk, doch er kritisierte den Moskauer Patriarchen Kirill, und deshalb sei ihm 2017 ein Schreibverbot erteilt worden, so der Spiegel. Ein Jahr später sei er zusätzlich aus allen Ämtern entfernt worden. Die Kirche denke von sich selbst, sie stehe über der Politik, erklärt Shramko. Er kritisiert, dass sich die Kirche angesichts der angespannten Situation in Belarus zurückhält und ist überzeugt: „Die Mächtigen verletzen die Gesetze Gottes.“ Wenn die Regierung Wahlbetrug betreibe und gewaltsam gegen ihre Bürger vorgehe, „muss die Kirche aufstehen, Stellung beziehen und einen Dialog einfordern“.

Die Leiterin des Vereins „Ökumenisches Zentrum“ und der Gruppe „Christliche Vision“ beim oppositionellen Koordinationsrat, Natallia Vasilevich, sagte gegenüber dem Magazin, die Kirchenführung habe sich „komfortabel eingerichtet im autokratischen Regime, das ihr symbolische, aber auch handfeste ökonomische Privilegien eingeräumt hat“. Vasilevich ist überzeugt: „Die Kirche kann nicht mehr schweigen oder sich verstecken. Sie muss reagieren.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 25 Sep 2020 16:23:00 +0200
<![CDATA[„Fischli“ in Winterthur – NZZ-Reporterin besucht Schweizer Freikirchen-Dorf]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/25/fischli-in-winterthur-nzz-reporterin-besucht-schweizer-freikirchen-dorf/ Pastor Johannes Wirth hat „früh Karriere gemacht – als Versager“, wie er der Reporterin der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) sagt. Mit 14 Jahren schloss er sich der autonomen Jugend in Zürich an, Drogen und Alkohol gehörten zum Alltag. Wirth ging früh von der Schule ab und lebte von immer wechselnden Jobs. „Ich war voller Selbstzweifel. Ich suchte Anschluss, wollte irgendwo dazugehören.“ Als Sohn eines Pfarrers sei er zwar mit den christlichen Werten groß geworden, doch sein Umgang mit der Religion sei locker gewesen. „Als junger Rabauke war Glauben für ihn Nebensache“, schreibt NZZ-Autorin Sascha Britsko. Wirth heiratete, stürzte jedoch in eine Lebenskrise. Beide Ehepartner wandten sich wieder der Kirche zu, genauer gesagt, einer Freikirche, und das habe ihre Ehe gerettet.

Wirth hatte eine Vision, eine Jugendgruppe aufzubauen und sich um Drogensüchtige zu kümmern. Im Jahr 1990 war Wirth 35 Jahre alt und Pastor der Jugendgruppe der evangelischen Gemeinde von Christen (GvC) in Hegi. Die NZZ berichtet: „Wirth kniet vor seinem Bett und betet. ‚Jesus, was soll ich tun?‘ (...) Er hat gerade seinen gut bezahlten Job als Sportartikel-Einkäufer aufgegeben, um Drogensüchtigen beim Entzug zu helfen.“ Und es kamen viele Menschen zur Rehabilitation, und Wirth wusste nicht, wohin mit ihnen. „Also tut Wirth das, was er in so einem Moment immer tut: Er fragt Gott.“

„Erste generationenübergreifende Wohnsiedlung, erbaut von einer Freikirche“

Beim Beten habe Wirth eine Vision gehabt. „Und plötzlich sah ich viele Häuser. Ich sah ein großes Areal, mit verschiedensten Menschen aus den unterschiedlichsten Generationen, in unterschiedlichen sozialen Situationen. Gesunde, Kranke, Drogensüchtige, Kinder, Alte. Ich wusste, es gibt ein Restaurant, ich wusste, hier werden Leute gepflegt, ich wusste, es gibt psychisch kranke Leute, die den Senioren etwas vorlesen. Jeder ist von Wert, und jeder dient dem anderen mit seinen Gaben.“

30 Jahre später ist diese Vision Wirklichkeit geworden. Die NZZ-Reporterin berichtet von der „ersten generationenübergreifenden Wohnsiedlung, erbaut von einer Freikirche“, im Stadtzentrum Neuhegi bei Winterthur in der Nordostschweiz. Der Name „Townvillage“ lässt anklingen, dass es sich um ein „Dorf in der Stadt“ handelt.

Mittlerweile ist Wirth 65 Jahre alt, Seniorpastor der Freikirche GvC Hegi und Präsident der Quellenhofstiftung. Die Siedlung gehört zu 80 Prozent dieser Stiftung, die restlichen 20 Prozent gehören der Kirche. Die von Wirth gegründete Stiftung war „der Anfang eines Projektes, das es in der Schweiz so noch nie gegeben hat“, so die NZZ. Neben Wohnraum gebe es hier ein Restaurant, einen Coiffeur, eine Physiotherapeutin, eine Ernährungsberaterin, einen Finanzberater, eine ambulante Pflegeinrichtung, eine Kinderkrippe, eine 24-Stunden-Rezeption und einen Eventsaal für die Gemeinde.

Die Stadt Winterthur gelte als „Freikirchen-Mekka“, so die Zeitung. Das sei historisch bedingt, erklärt der Religionsexperte der evangelischen Informationsstelle, Georg Otto Schmid. „Das Tösstal als Zürichs ‚Bibelgürtel‘ ist Brutstätte zum Teil kurioser religiöser Groß- und Kleingemeinschaften, die das gesellschaftliche Leben der Region prägen. Jetzt besitzen sie gar eine eigene Siedlung.“ Mit der Gentrifizierung Ende der 1990er Jahre seien die „Fischli“, wie Freikirchler in der Schweiz umgangssprachlich genannt werden, in die Städte „geschwommen“. Schmid geht davon aus, dass etwa drei Prozent der Winterthurer Bevölkerung einer Freikirche angehören. Damit liegt die Stadt einen Prozentpunkt über dem Schweizer Durchschnitt.

Die Wohnungen des „Townvillage“ wurden nach einem festgelegten Schlüssel vergeben: 60 Prozent Senioren, 40 Prozent andere. Ein Drittel stamme aus dem Umfeld der Kirche, ein Drittel seien Christen aus anderen Kirchen, ein Drittel übrige. Bewerbungen habe es „einen Haufen“ gegeben, sagt Geschäftsführer Joe Leemann. Alle Bewerbenden wurden zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Die Stadt Winterthur unterstützt das Projekt mit einem Solidaritätsbeitrag von 10.000 Franken (9.257 Euro). Zusätzlich bezahlte das kantonale Sozialamt für zwei Wohnungen, die für Sozialhilfebezüger zur Verfügung stehen werden.

Wirth betont, dass alles darauf gründe, dass Gott zu ihm spreche. Durch drei aufeinanderfolgende Träume sei er von einem Tag auf den anderen von seinen Depressionen geheilt worden. Und ein Traum habe ihm vor einigen Jahren sein nächstes Projekt offenbart: Er möchte eine Firma gründen, in der Wirth Menschen in einem persönlichen Mentoring sein Wissen aus verschiedenen Bereichen weitergibt. Der Name: „Leadership Journey“. Im nächsten Monat soll ein Buch dazu erscheinen. Die NZZ: „Ohne seinen Glauben, sagt Wirth, wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 25 Sep 2020 14:09:00 +0200
<![CDATA[„Fridays for Future“: Das ist kein Journalismus mehr]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/09/25/fridays-for-future-das-ist-kein-journalismus-mehr/ Ein Kommentar von Swanhild Zacharias]]> „Fridays for Future“ ist zurück auf die Straßen. Das erste Mal nach Beginn der Corona-Pandemie sind deutschlandweit heute mehr als 400 Demonstrationen angemeldet. Allein in Berlin werden für eine Mahnwache am Brandenburger Tor 10.000 Klimastreikende erwartet. Die von der Aktivistin Greta Thunberg ins Leben gerufenen Protestmärsche waren durch Covid-19 und die damit einhergehenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zum Erliegen gekommen. Doch jetzt heißt es: „Wir sind wieder da! Wir sind nicht weg von der Bildfläche.“ So zitiert tagesschau.de Quang Paasch, den Berliner Sprecher der „Fridays for Future“-Bewegung.

In vielen Medien ist das neue Aufleben der Klimabewegung Thema. Manche gehen sogar einen Schritt über das übliche Berichten hinaus. Die aktuelle Ausgabe des Magazins Stern trägt den Titel „#keinGradweiter“ und ist in Zusammenarbeit mit der Bewegung „Fridays for Future“ entstanden. Die Journalisten des Wochenmagazins machen sich darin gemein mit der Klimabewegung und druckten in den Untertitel: „Die Klimakrise ist längst da. Was wir jetzt tun müssen, um uns zu retten.“ Auch auf den Sozialen Kanälen des Stern ging es gestern ums Klima. Die Accounts wurden zusammen mit Klimaaktivisten gestaltet.

Falsches Selbstverständnis

Man mag die Ziele der Klimabewegung wichtig und gut finden. Doch guter Journalismus geht anders. Die Aufgabe eines Journalisten ist es, unabhängig und möglichst objektiv über einen Sachverhalt zu berichten, Hintergrundinformationen zu liefern und das Thema gegebenenfalls einzuordnen. Meinungsbeiträge müssen klar gekennzeichnet sein. Sich mit einer Sache gemein zu machen und für diese zu kämpfen, ist nicht Sache des Journalismus. Das ist Aktivismus.

Dem Stern scheint dieses Verständnis abhanden gekommen zu sein. Er erntete für sein Vorgehen viel Kritik im Netz. So zitierte ein Nutzer auf Twitter zum Beispiel den legendären TV-Journalisten Hanns Joachim Friedrichs: „Ein Journalist macht sich nicht mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten.“ Ein anderer schrieb: „Mal schauen, wie viele Zeitungen ihr an FFF Anhänger verkaufen werdet. Dieses Engagement – Journalismus ist das ja nicht mehr – wird sich bestimmt für euch rechnen.“

In der Tat könnte man sich fragen, ob die Macher des Sterns nicht eher wirtschaftliche als klimapolitische Ziele verfolgen. Denn die potenziellen Leser von gedruckten Heften wie Wochenmagazinen wie des Sterns sind wahrscheinlich weniger unter den Demonstranten auf der Straße zu finden, sondern eher in Wartezimmern, in denen der Lesezirkel ausliegt, wie es der Journalist Jan Fleischhauer süffisant kommentierte. Vielleicht geht es also ganz einfach um PR-Arbeit und darum, junge Leser zu gewinnen.

Auf den Punkt brachte es kürzlich der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, Mathias Döpfner. Als er in seinem Amt als Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger bestätigt wurde, sagte er in seiner Rede: „Wenn Journalisten von Aktivisten nicht mehr zu unterscheiden sind, dann können wir einpacken. Dann braucht es uns nicht mehr. Aktivismus ist das Gegenteil von Journalismus – auch wenn es um eine gute Absicht geht.“ Medien müssten Chronisten und Zeitzeugen sein anstatt „Missionare eines bestimmten Weltbildes“.

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Fri, 25 Sep 2020 11:42:00 +0200
<![CDATA[Chinesisches Schulbuch: Jesus steinigt Ehebrecherin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/24/chinesisches-schulbuch-jesus-steinigt-ehebrecherin/ In China haben offizielle Stellen mutmaßlich einen biblischen Bericht in einem Schulbuch fälschen lassen. Das geht aus einem Bericht der Union of Catholic Asian News (UCANews) vom Dienstag hervor. Das Schulbuch, das von der staatlichen „University of Electronic Science and Technology Press“ herausgegeben wird, hat zum Ziel, Schülern der berufsbildenden Sekundarschulen „Berufsethik und Recht“ zu vermitteln.

In dem Buch wird der biblische Bericht aus dem Johannesevangelium, in dem Jesus auf die Ehebrecherin trifft und ihr vergibt, falsch wiedergegeben. Dem Bericht von UCANews zufolge steinigt Jesus in dem chinesischen Schulbuch die Frau offenbar selbst mit den Worten: „Auch ich bin ein Sünder. Aber wenn das Gesetz nur von Menschen ohne Makel ausgeführt werden könnte, wäre das Gesetz tot.“ Im Original erlaubt Jesus der aufgebrachten Menge, die eine Ehebrecherin steinigen will, dass derjenige, der ohne Sünde ist, den ersten Stein werfen darf. Daraufhin lässt die Menge von der Frau ab. Auch Jesus verurteilt im Evangelium die Sünderin nicht und entlässt die Frau mit den Worten: „Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ In dem chinesischen Lehrbuch nimmt der biblische Bericht also eine vollkommen andere Wendung.

Die Verfälschung des biblischen Berichts wurde bekannt, nachdem Passagen des Buches in Sozialen Medien veröffentlicht wurden. Dem Medienbericht zufolge wurde die Fälschung von einem chinesischen Lehrer bestätigt. Der vertritt die Auffassung, dass die Autoren die Verfälschung zur Rechtfertigung der chinesischen sozialistischen Gesetze benutzt hätten. Die Buchautoren verfolgten mit der Fälschung die Absicht, Rechtsstaatlichkeit als oberstes Gebot in China darzustellen. Der chinesischen Quelle zufolge würden Bücher vor Veröffentlichung durch staatliche Schulbuchkommissionen geprüft. Die Inhalte können demnach regional abweichen.

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 24 Sep 2020 17:17:00 +0200
<![CDATA[Klage abgewiesen: Muezzin-Gebetsrufe erlaubt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/24/klage-abgewiesen-muezzin-gebetsrufe-erlaubt/ Ein Ehepaar aus Oer-Erkenschwick sah sich angesichts der Gebetsrufe einer Ditib-Gemeinde in der Nachbarschaft gestört. Auch mit Verweis auf eine „negative Religionsfreiheit“ klagte das Paar. Wie die Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) berichtet, urteilte das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster nun, dass die über Lautsprecher übertragenen Gebete „keine rechtlich erhebliche Belästigung“ darstellen. Wie das OVG am Mittwoch mitteilte, seien die zeitlich und in ihrer Lautstärke begrenzten Gesänge den Klägern zuzumuten.

Die negative Religionsfreiheit sei zudem nicht in Gefahr, urteilte das Gericht, denn diese vermittle „kein Recht darauf, von anderen Glaubensbekundungen verschont zu bleiben, sondern bewahre den Einzelnen davor, gegen seinen Willen an religiösen Übungen teilnehmen zu müssen“. Einmal in der Woche für maximal 15 Minuten ein Gebet hören zu müssen, sei damit nicht vergleichbar.

Das Paar, das in Medienberichten als „christlich“ bezeichnet wurde, wohnt 900 Meter von einer Ditib-Gemeinde entfernt, die einmal in der Woche via Lautsprecher zum Gebet ruft. Es war gerichtlich gegen eine Sondergenehmigung der Stadt Oer-Erkenschwick aus dem Jahr 2017 vorgegangen, es fühle sich nach eigener Aussage durch die öffentlich verbreiteten Religionsbekenntnisse wie „Allah ist groß“ oder „Es gibt keinen Gott außer Allah“ gestört. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gab dem Ehepaar 2018 recht und hob die Sondergenehmigung für die Ditib-Moschee auf. Doch die Stadt Oer-Erkenschwick legte Berufung ein, und das Verfahren wurde neu aufgerollt.

Debatten auch in anderen Städten

Wegen der Corona-Krise konnte der muslimische Fastenmonat Ramadan in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. In mehreren deutschen Städten durften im April daher Muezzins die Gläubigen zum Gebet rufen. Mit dem Ruf zum Gebet solle ein „hörbares Zeichen für Zusammenhalt und Solidarität“ gesetzt werden, argumentierte der Ausländerrat der hessischen Kleinstadt Haiger und forderte eine Sondergenehmigung für die lokale Gemeinde während des Ramadan.

Auf diesen Vorschlag reagierte die CDU Haiger mit einem Facebook-Post und kritisierte: „Kirchenglocken ohne textlichen Inhalt sind nicht zu vergleichen mit einem inhaltlichen Gebetsaufruf (wertende Botschaft) durch einen Muezzin.“ Der Ausländerrat warf der Partei wiederum Intoleranz vor. Doch auch in anderen Städten kam es im April zu Debatten um Muezzin-Rufe. Auch in Bremen, Krefeld und München wurde dem Wunsch der muslimischen Gemeinden stattgegeben – selten kritikfrei.

Kritiker schreiben dem Muezzin-Ruf eine tiefere theologische Bedeutung zu – im Gegensatz zum kirchlichen Geläut. Kirchenglocken selbst gehörten nicht zum Gebet und proklamierten keine theologische Botschaft. Der muslimische Gebetsruf könne dagegen für Nichtmuslime als eine erzwungene Maßnahme an einer gottesdienstlichen Handlung empfunden werden, schreibt der Referent für Islamfragen der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Friedmann Eißler, im EZW-Newsletter. Er bezweifle außerdem, dass die Absicht der Befürworter, ein gesellschaftliches Zeichen der Solidarität zu setzen, an der Basis der Moscheegemeinden angekommen sei.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 24 Sep 2020 12:15:00 +0200
<![CDATA[Wir framen uns die Welt, wie sie uns gefällt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/09/24/wir-framen-uns-die-welt-wie-sie-uns-gefaellt/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Sprache und Denken hängen untrennbar miteinander zusammen. Unsere Gedanken und Wahrnehmung sind auf irgendeine Weise mit Bezeichnungen verknüpft und spätestens, wenn wir uns mit anderen darüber austauschen, müssen wir dafür Worte oder Zeichen finden, die das Gegenüber versteht. Manchmal fehlen uns die Worte geradezu sprichwörtlich oder das Gemeinte kommt beim anderen anders an als beabsichtigt. Kommunikation ist ein sehr störungsanfälliger Prozess, das ist ihr Wesen. Dazu kommt, dass sich Worte und Formulierungen in der Sprachgemeinschaft ändern, andere Bedeutungen oder Wertungen bekommen, oder in verschiedenen Regionen oder Kulturen unterschiedlich verwendet werden. Sprache ist ein bewegliches Ding.

Wir können Wörter und Formulierungen auch gezielt dafür einsetzen, um eine gewünschte Vorstellung oder Emotion hervorzurufen. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob ich von den öffentlich-rechtlichen Medien ständig als „Lügenpresse“ rede oder sie als „Leitmedien“ bezeichne. Werbung, aber auch Politik beherrschen das Spiel mit den Formulierungen. „Framing“ nennt das die Wissenschaft. Natürlich setzen wir auch in unserer alltäglichen Kommunikation bewusst oder unbewusst „Frames“: Wie wir über Dinge und Menschen sprechen, spiegelt etwas von dem Bild wieder, das wir im Kopf davon haben. Und gleichzeitig formt Sprache auch ein bestimmtes Bild von der Welt.

Einfluss auf den Sprachgebrauch

Der Berliner Senat macht sich dafür stark, dass in diesem Weltbild möglichst alles gerecht zugeht, dass niemand zu Unrecht pauschal abgewertet oder als Abweichung von der Normalität hingestellt wird. Zumindest will er, dass seine Verwaltung mit den Formulierungen in Dokumenten und der Öffentlichkeitsarbeit dazu beiträgt. Dazu hat er ein Diversity-Programm beschlossen, um die Vielfalt der Menschen sichtbar zu machen. Auch einen Leitfaden für angemessene Formulierungen ist darin enthalten. Dort steht zum Beispiel die Empfehlung, nicht mehr von „Asylbewerbern“, sondern von „Schutzberechtigten“ zu sprechen. Oder nicht davon, dass ein Mensch, der seine Geschlechtsidentität verändert hat, früher mal zum Beispiel ein Mann war, sondern als männlich ins Register eingetragen wurde. Menschen mit dunkler Hautfarbe sollen als „Schwarze Deutsche“ bezeichnet werden, mit großem S, auf Begriffe wie „anschwärzen“ oder „schwarz fahren“ empfiehlt der Leitfaden zu verzichten.

Die „Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung“ begründet diese Empfehlungen damit, dass Sprache bestimmte Frames und Weltsichten erzeugt. Insofern ist das Anliegen des Senats zu begrüßen, die eigene Sprache kritisch zu hinterfragen und, wo nötig, zu korrigieren. Präzision und klug gewählte Worte sind in der Kommunikation sehr wichtig, davon spricht schon die Bibel, etwa wenn Jakobus in seinem Brief von der Macht der Zunge schreibt. Der Leitfaden macht indes genau dasselbe wie das, was er problematisiert: Er sorgt dafür, dass Frames entstehen, nur eben andere. Er will ein bestimmtes Weltbild vermitteln. Dieses Bild kann man gut finden oder nicht. Tatsächlich wird hier gezielt Einfluss genommen auf den Sprachgebrauch, wenn auch nur intern. Methodisch ist das nicht weit weg von Propaganda. Die gibt es nämlich auch in Demokratien.

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Thu, 24 Sep 2020 11:58:00 +0200
<![CDATA[Gemeinsam beten für die hinduistische Welt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/24/gemeinsam-beten-fuer-die-hinduistische-welt/ Auf der Welt leben rund eine Milliarde Hindus. Dies entspricht etwa 15 Prozent der gesamten Weltbevölkerung. Christen in aller Welt möchten für die Anhänger des Hinduismus beten. Dieses Jahr stehen besonders die Frauen im Hinduismus im Mittelpunkt der Gebete, weil sie oft übersehen und weniger wertgeschätzt werden und aufgrund mancher Traditionen ein erschwertes Leben führen.

Für die Gebetsaktion hat die Deutsche Missionsgemeinschaft DMG interpersonal einen Gebetsleitfaden erstellt. Dieser beinhaltet neben persönlichen Geschichten auch viele Informationen, zum Beispiel über traditionelle hinduistische Feste, wie das „Fest der Lichter“ (Duwali), das vom 6. bis 10. November stattfindet.

Im Rahmen des Festes werden überall kleine Öllampen als Zeichen dafür entzündet, dass das Licht über die Dunkelheit siegt. Die Gebetsaktion will laut einer Pressemitteilung der DMG Christen ermutigen, sich dafür einzusetzen, dass Hindus Jesus Christus als Licht der Welt und ihren Retter kennenlernen.

Träger der Initiative sind mehrere internationale Organisationen. Die deutsche Ausgabe entstand in Zusammenarbeit mit den deutschsprachigen Evangelischen Allianzen sowie den Arbeitsgemeinschaften Evangelischer Missionen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Darin weisen die Herausgeber darauf hin, dass „uns die gemeinsamen menschlichen Erfahrungen mit einer globalen Pandemie erinnern, dass wir alle Verbundenheit und Hoffnung brauchen“.

Das Gebetsheft „15 Tage Gebet für die hinduistische Welt“ können Interessierte per E-Mail Kontakt@DMGint.de, Telefon oder Whatsapp: 07265 959-100 bestellen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 24 Sep 2020 11:50:00 +0200
<![CDATA[„Viele Beschuldigte sind überrascht von den Konsequenzen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/09/24/viele-beschuldigte-sind-ueberrascht-von-den-konsequenzen/

pro: Warum hat das Land Bayern einen Hate Speech-Beauftragten ernannt?

Klaus-Dieter Hartleb: Die offizielle Bezeichnung ist Hate-Speech-Beauftragter der bayerischen Justiz. Ziel meiner Ernennung war es, die Strukturen in diesem Bereich zu ertüchtigen. Seit 2015 und der Flüchtlingskrise gab es eine massive Zunahme von Hass im Netz. Die Bundesländer haben dann unterschiedlich reagiert und neue Strukturen geschaffen, um dem zu begegnen.

Wie sieht das konkret aus?

Seit 1. Januar 2020 haben wir bei den 22 bayerischen Staatsanwaltschaften Sonderdezernate geschaffen, die sich ausschließlich mit Hate Speech befassen. Insgesamt ist die Rechtslage kompliziert, z.B. in Bezug auf Volksverhetzung und Beleidigung. Die Grenze, welche Äußerung noch durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist, ist oft nicht leicht zu ziehen. Dafür braucht es viel Spezialwissen, ebenso für die Täterermittlung im Internet. Meine Aufgabe ist es, die Sonderdezernate zu koordinieren und für eine landesweit einheitliche Rechtsanwendung zu sorgen. Besonders gewichtige Ermittlungsverfahren im Bereich Hate-Speech führe ich selbst.

Was sind weitere Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Wir haben ein Online-Verfahren entwickelt, über das Kommunalpolitiker digitale Angriffe gegen sich anzeigen können. Die Zahlen belegen, dass die Angriffe gegen Kommunalpolitiker zunehmen, sowohl was digitale Beleidigungen als auch analoge Straftaten betrifft. Ein weiteres Projekt betrifft den Hass auf den Kommentarseiten von Medien. Hier haben sich im Rahmen der Initiative „Justiz und Medien – konsequent gegen Hass“ über 110 bayerische Medienunternehmen zusammengeschlossen, die Hassposts einfach, nämlich online, uns als Strafverfolgungsbehörden melden können.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Politik aus?

Wir haben natürlich eine Berichtspflicht gegenüber dem Justizministerium sowohl was herausgehobene Verfahren als auch konkrete Projekte betrifft.

Wie sieht Ihre typische Arbeitswoche aus?

Die gibt es natürlich nicht. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist aber das Führen eigener Ermittlungsverfahren und die Koordination der Sonderdezernate. Im Juli gab es eine bayernweite Durchsuchung, an der ich mitgewirkt habe. Meine Tätigkeit erregt auch ein öffentliches Interesse. Von daher ist damit viel Presse- und Medienarbeit verbunden. Außerdem halte ich Vorträge bei verschiedenen Behörden bzw. Institutionen.

Welche Fälle von Hate Speech im Netz sind am häufigsten?

In ca. 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Volksverhetzung. Die übrigen Straftaten sind z.B. Bedrohungsdelikte, Beleidigungen, Verleumdungen oder üble Nachrede. Ein Großteil der Straftaten sind dem rechten oder rechtsextremistischen Milieu zuzuordnen.

Mit welchen Konsequenzen müssen die Menschen rechnen, die Hate Speech verbreiten?

Das kann man natürlich pauschal nicht sagen. Sobald ein Straftatbestand erfüllt ist, müssen die Menschen mit Konsequenzen rechnen. Wann dies der Fall ist, lässt sich aber nicht pauschal sagen. Es existiert eine dezidierte Einzelfall-Rechtsprechung. Wer nicht vorbestraft ist, muss z.B. bei der Volksverhetzung mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen, also einer Größenordnung von vier Monatsnettogehältern rechnen. Zusätzlich gibt es einen Eintrag ins Führungszeugnis. Mit Vorstrafen kommen wir sogar schon in den Bereich von Vollzugsstrafen.

Was sind die Ziele Ihrer Arbeit: Geht es eher um Prävention oder eher um Reaktion?

Bei der Strafverfolgung geht es immer um den repressiven Bereich. Präventiv tätig wird die Polizei.

Erwarten Sie eine weitere Verrohung der Sprache im Internet?

Hate Speech ist gemessen an meiner 20-jährigen Tätigkeit als Richter und Staatsanwalt ein relativ neues Phänomen. Ich stelle definitiv eine Verrohung der Sprache im Internet fest. Ich habe aber auch die Hoffnung, dass das irgendwann abklingt, weil die Strafen für die Täter eine abschreckende Wirkung haben. In meiner täglichen Arbeit merke ich, dass viele der Beschuldigten überrascht sind von den Konsequenzen. Die Vorfälle in der Reichsbürger-Szene konnten wir auch durch konsequente Strafverfolgung eindämmen.

Wie fällt die erste Zwischenbilanz Ihrer Arbeit aus?

Wir haben binnen kurzer Zeit zahlreiche schlagkräftige Strukturen im Kampf gegen Hate-Speech geschaffen. Auch die Initiativen für Kommunalpolitiker und Medien sind gut etabliert. Eine Aufgabe für die Zukunft muss es sein, die große Kluft zwischen der tatsächlichen Anzahl der Hate-Speech-Straftaten und der eingeleiteten Ermittlungsverfahren zu schließen. Hier hoffe ich auf die Initiative des Bundesgesetzgebers, der eine Anzeigenpflicht bei Hasskommentaren in den sozialen Netzwerken vorsieht. Es wäre kontraproduktiv, wenn der Täter das Gefühl hat, dass er nicht belangt werden kann und die Opfer denken, dass den Tätern nichts passiert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 24 Sep 2020 10:43:00 +0200
<![CDATA[Wissenschaftler fordern: Nicht auf den Religionsunterricht verzichten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2020/09/23/wissenschaftler-fordern-nicht-auf-den-religionsunterricht-verzichten/ In einer weltweiten Krise wie jetzt sollen die Schulen die Bedeutung des Religionsunterrichts nicht unterschätzen. Das Fach biete Orientierung und Austausch. Das hat das Herausgebergremium der „Zeitschrift für Pädagogik und Theologie“ betont und 10 Thesen aufgestellt, warum der Religionsunterricht in der Corona-Zeit unverzichtbar ist.

Die online frei zugängliche Thesenreihe der Wissenschaftler betont, dass Kinder ein grundsätzliches Recht auf umfassende Bildung haben: „Besonders in Zeiten wie diesen, wenn ihr gewohntes Umfeld erschüttert ist, eine existenzielle Bedrohung im Raum steht und der Alltag aus den Fugen gerät, ist das Nachdenken darüber, was wirklich zählt, besonders wichtig“, zitiert eine Pressemitteilung der Uni Jena den Pädagogen und Theologen Ralf Koerrenz.

Religionsunterricht als gute Plattform

Wer sich mit Fragen der Religion und Ethik beschäftige, könne Schülern helfen, „Orientierung zu finden, das Geschehen einzuordnen und die Ausnahmesituationen für sich einschätzen zu lernen“. Der Religionsunterricht biete eine Gesprächsplattform, um sich über die existenziellen Erfahrungen, die mit der Pandemie einhergehen, auszutauschen. Dabei spiele es zunächst keine Rolle, um welche Religion es sich handelt.

Koerrenz hebt hervor, dass Lehrkräfte in diesem Fach oft seelsorgerisch besonders sensibilisiert seien. Diese könnten Schüler beratend durch die Krise begleiten. Im System Schule gehe es auch um einen Beitrag dazu, „wie es inmitten neuer Regelungen von Nähe und Distanz möglich sein kann, eine Schulkultur zu entwickeln, die Halt gibt“.

Der Religionsunterricht helfe im Verbund mit anderen Fächern dabei, ethische Grundfragen zu formulieren, damit verbundene Entscheidungssituationen vor Augen zu führen und nach Lösungen für aktuelle Problemstellungen zu suchen. Im Hintergrund stehe dabei immer die Frage nach dem, „was Mensch-Sein im umfassenden Sinne auch angesichts einer solchen Krise ausmacht“.

David Käbisch, Ralf Koerrenz, Martina Kumlehn, Thomas Schlag, Friedrich Schweitzer und Henrik Simojoki haben ihre Thesen gemeinsam zunächst in der Zeitschrift für Pädagogik und Theologie veröffentlicht.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 23 Sep 2020 16:10:00 +0200
<![CDATA[„Antisemiten haben Kontrolle über ihr Leben verloren“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/23/antisemiten-haben-kontrolle-ueber-ihr-leben-verloren/ Hass und Antisemitismus kennen keinen rationalen Grund. Das sagte der deutsch-israelische Autor und Psychologe Ahmad Mansour am Dienstag auf der Tagung „Antisemitismus heute“ in Schwäbisch Gmünd. Vielmehr lägen die Ursachen für Rassismus und Judenhass oftmals in der Kindheit. Hass auf andere sei der Versuch, Verantwortung abzugeben. Das sei ein kindliches Verhalten, erklärte Mansour. Wer Verschwörungstheorien und Antisemitismus anhänge, habe die Kontrolle über sein Leben verloren. Psychologisch gesehen seien Verschwörungstheorien ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Ohnmacht.

Der Schlüssel zur Lösung liegt dabei nach Ansicht des Referenten in der Erziehung. Kinder und Jugendliche müssten lernen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Dadurch würden Kinder zu starken und stabilen Persönlichkeiten reifen. Anderenfalls würden sie irgendwann Verantwortung bei anderen, wie den Juden, suchen, sagte Mansour. Weiterhin sei es wichtig, dass Kinder Empathie lernen, denn „dann haben wir Jugendliche, die nicht hassen“. Vorurteile gegen Juden würden dann immer noch existieren, aber diese ließen sich mit Bildung ausräumen.

Eine größere Rolle im Kampf gegen Antisemitismus müssten auch die Schulen spielen, sagte Mansour. Dafür brauche es allerdings Schulreformen. Es helfe nicht, ausschließlich über den Nahostkonflikt zu informieren und die Schuldfrage am Holocaust zu diskutieren. Auch Besuche von Gedenkstätten versprächen keine langfristige Veränderung. Vielmehr müsse es Begegnungen auf Augenhöhe geben, etwa mit Holocaust-Überlebenden. Eine Atmosphäre müsse geschaffen werden, in der die Jugendlichen auch ehrlich mit ihrer Einstellung und ihren Fragen sein dürfen.

„Werden Rassismus nie abschaffen können“

Weiterhin forderte Mansour ein klares Bekenntnis der Politik gegen Antisemitismus: „Wer Deutscher sein will, wer Teil dieser Gesellschaft sein will, muss die historische Verantwortung Deutschlands mittragen.“ Das sei ein elementarer Teil des „Wir-Gefühls“. Anderenfalls funktioniere Integration nicht. Insbesondere Flüchtlingen müsse vermittelt werden, dass Antisemitismus aus deren Heimatländern in Deutschland nicht willkommen ist. Wer auf Juden losgehe, habe seinen Schutzanspruch verspielt.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion gingen die Teilnehmer der Frage nach, wie Demokratie wehrhafter werden könne. Mansour forderte die Lehrer in Deutschland auf, Schüler in deren Meinungsbildung zu unterstützen. Es sei notwendig, dass Jugendliche ihre Meinung argumentativ untermauern können. Der Öffentlichkeitsdirektor der deutschen Organisation „Initiative 27. Januar“, Josias Terschüren, stimmte Mansour zu. Er vermisse außerdem die Tiefe in politischen Debatten. Dafür brauche es jedoch Menschen mit klarer Identität, die für ihre Meinung einstehen – auch wenn es unangenehm werden könne. Abschließend sagte Mansour, dass Rassismus nie abgeschafft werden könne. Durch Erziehung zu Empahtie und mit Hilfe der Schulen sei aber ein bewussterer und reflektierter Umgang möglich.

Den Antisemitismuskongress vom 20. bis 22. September im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd besuchten inklusive der geladenen Gäste rund 280 Menschen. Die Christliche Medieninitiative pro, zu der auch das Christliche Medienmagazin pro und Israelnetz gehören, ist einer der Mitorganisatoren.

Von: Martin Schlorke

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Wed, 23 Sep 2020 14:42:00 +0200
<![CDATA[Publizist und Trump-Kritiker Mark Galli jetzt katholisch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/23/publizist-und-trump-kritiker-mark-galli-jetzt-katholisch/ Der ehemalige Chefredakteur der US-amerikanischen evangelikalen Zeitschrift Christianity Today (CT), Mark Galli, ist zum katholischen Glauben übergetreten. Das berichtet der Religious News Service (RNS). Demnach wurde der evangelikal gesinnte, Trump-kritische Journalist am 13. September von Bischof Richard Pates in der Kathedrale von St. Raymond Nonnatus in Joliet, Illinois, gefirmt.

Etwa zwei Monate vor der Wahl des US-Präsidenten kehrt Galli den Evangelikalen im Land den Rücken. Nach Angaben von RNS führt Galli für seine Konversion ausschließlich persönliche Gründe an. „Ich lehne den Evangelikalismus nicht ab", erklärte Galli erst kürzlich in einem Interview.

Galli: Trump „zutiefst unmoralisch“

Der 68-jährige Medienschaffende hatte zuletzt für Aufsehen gesorgt, als er im Dezember 2019, damals noch im Amt als CT-Chefredakteur, in einem Editorial die Amtsenthebung von US-Präsident Donald Trump gefordert und den Evangelikalen im Lande vorgeworfen hatte, Gott vergessen zu haben. Galli hatte dem US-Präsidenten unter anderem vorgeworfen, „zutiefst unmoralisch“ zu handeln. Gallis Editorial in dem Magazin hatte unter US-Evangelikalen eine Debatte über die Haltung zum US-Präsidenten entfacht. Der ehemalige presbyterianische Pastor Galli war sieben Jahre lang Chefredakteur der Zeitschrift gewesen und schließlich im Januar 2020 in den Ruhestand getreten.

Der bekannte Evangelist Billy Graham hatte Christianity Today im Jahr 1956 gegründet. Die Zeitschrift genießt unter US-Evangelikalen, die nach Angaben von Deutschlandradio teilweise in Donald Trump einen „Gesalbten Gottes“ erkennen, den Ruf eines Leitmediums.

Dem RNS-Bericht zufolge war dem Übertritt Gallis zur katholischen Kirche ein längerer Prozess voraus gegangen. Demnach besuchte Galli seit zwei Jahren die tägliche Früh-Messe in der katholischen Kirche St. Michael. Er beichte dort zudem zweimal im Monat. Bereits vor zwei Jahren habe Galli sein Interesse an der Teilnahme an einem Studienkurs für Konvertiten bekundet, berichtet RNS und bezeichnet Galli als einen „Umkehrer“, da der in Kalifornien Geborene als Kind katholisch getauft worden sei und auch die Erstkommunion erlebt habe. Erst im Alter von 13 Jahren habe er gemeinsam mit seiner Mutter eine „sehr konservative" evangelische Kirche besucht. Nach einem Geschichtsstudium besuchte Galli dann das Fuller Theological Seminary, das weltweit größte theologische Seminar evangelikaler Prägung, und war danach zehn Jahre lang Pastor einer presbyterianischen Kirche, bevor er sich verstärkt dem Anglikanismus zuwendete.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 23 Sep 2020 12:34:00 +0200
<![CDATA[Jugendpastor beantwortet heikle Fragen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/09/23/jugendpastor-beantwortet-heikle-fragen/ Der aus Hamburg stammende 35-Jährige Simon Birr, der seit 2010 als Jugendpastor der Freien Evangelischen Gemeinde Ewersbach in Hessen arbeitet, hatte schon immer ein Faible für die neuen Medien. 2005 gehörte er zu den ersten 10.000 WordPress-Bloggern weltweit und kann durchaus als „Gewinner“ der Corona-Krise bezeichnet werden. Vor einem Jahr begann er damit, auf YouTube einmal wöchentlich „Fragen mitten aus dem Leben“ zu beantworten – mittlerweile hat sein Kanal mehr als 520 Abonnenten, Tendenz steigend. Die zwischen zehn und 15 Minuten langen Botschaften werden lebhaft und zum Teil kontrovers diskutiert. „So soll es ja auch sein“, sagt der Theologe, der in seinen Beiträgen lebensnah, authentisch und alles andere als pastoral rüberkommt. „Mein Ziel ist es, Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu geben.“

Seine Zuschauer sind von diesem Format begeistert. „Dieses Thema Exorzismus hat mir immer Angst gemacht, halt durch diese Verschwörungstheorien. Danke, dass du mir die Angst genommen hast, durch die Aufklärung“, schreibt einer, ein anderer macht es ganz kurz: „Cooler Typ – cooler Kanal.“

Eigentlich ist es sein beruflicher Schwerpunkt, in persönliche Beziehung mit jungen Menschen zu treten, doch das ist in Corona-Zeiten natürlich schwierig. „Heute läuft vieles digital, zum Beispiel über Videokonferenzen, Instagram oder auch Snapchat“, weiß der 35-Jährige, der jetzt von seinen Vorkenntnissen profitiert. „Mein Ziel ist es, über moderne und aktuelle Wege den christlichen Glauben nach außen zu tragen, schließlich leben die jungen Leute heute regelrecht im Internet.“

Nutzer können anonym ihre Fragen stellen

Da genau will er seine „Zuschauer“ abholen. Interessant ist dabei, wie der Jugendpastor, der von 2005 bis 2010 an der Theologischen Hochschule am Kronberg in Ewersbach studierte, an seine Themen kommt. Er nutzt die App „Tellonym“, bei der Nutzer Nachrichten ohne Absender einsenden können. Über diese Methode erhielt der Pastor seit dem vergangenen Jahr bisher knapp 800 Fragen. Anfangs beantwortete er diese nur als Text.

„Da waren banale Fragen dabei, was mein Lieblingsgericht ist oder warum ich Pastor geworden bin“, berichtet Birr. Doch irgendwann landeten immer mehr theologische Fragen in der Mailbox, und der gebürtige Hanseat begann, immer sonntags ein YouTube-Video hochzuladen, in dem eine dieser Fragen beantwortet wird. „Es sind noch 20 Themen unbeantwortet“, schmunzelt er, vermutet aber, dass es weitere klärungsbedürftige Fragen geben dürfte. Auch eher ungewöhnliche Themen sind dabei, zum Beispiel, ob Christen Schweinefleisch essen dürfen. Angesichts der Corona-Krise kommen aber auch vermehrt Fragen auf wie: „Ist das Ende der Welt nahe?“ Gestellt werden sie von überwiegend jungen Menschen, aber auch von 60-Jährigen, die ebenfalls zu Birrs Zuschauern gehören.

„Viele Menschen sind verängstigt und suchen Hilfe und Orientierung“, weiß der Pastor, der gerne an den anschließenden Diskussionen teilnimmt, sofern diese auf fairer und freundlicher Ebene ablaufen. Besonders kurios wird es, wenn Verschwörungstheorien auftauchen und Menschen überall – unter anderem im Corona-Virus – klare Zeichen „für das Ende der Welt sehen“ (Birr). „Ich sage ganz deutlich, dass ich keine vermehrten Anzeichen für ein Ende der Welt sehe und dass es schlimmere Sachen gab und gibt – gleichzeitig ist es aber gut, dass wir endlich mal drüber nachdenken.“

„Ich rede nicht nur für Fromme“

Das von Birr genutzte Konzept gab es bereits, allerdings beantworten viele Pastoren, vor allem in den USA, die Fragen oft eher in der „Sprache Kanaans“, gefiltert für einen frommen Lebensstil. Das möchte Birr vermeiden: „Ich rede nicht für Fromme, sondern in Alltagssprache für alle Menschen, die mehr wissen wollen.“ Er freut sich über Rückmeldungen von Zuschauern, die überhaupt nichts mit dem Glauben zu tun haben und ihm mitteilen, dass seine Beiträge oft eine echte Hilfe für sie sind. Einige Leute warten sonntags bereits darauf, dass ein neues Video hochgeladen wird. „Das ist wirklich schön und überraschend, schließlich war der Kanal eigentlich geplant für etwa 20 bis 30 Jugendliche aus dem Dietzhölztal.“ Birr ist es wichtig, keine tiefschürfende Theologie zu verbreiten und die Menschen mit Bibelstellen zu überrollen, sondern die Fragen spontan aus seiner ganz persönlichen Sicht zu beantworten. „Meine Antworten sollen authentisch sein, so, wie ich sie im Gespräch mit einem Gegenüber geben würde.“ Er wolle niemandem etwas aufdrücken, zu etwas überreden oder ihn gar mit Gewalt bekehren.

Natürlich müsse alles „theologisch Hand und Fuß“ haben, seine Aussagen seien aber „sicher nicht immer Mainstream“. Was auch in den teilweise kontroversen Diskussionen deutlich wird, die Birr erkennbar Spaß machen. „Es ist ein ganz großes Gut in unserer Gesellschaft, dass man eine Meinung hat und diese äußern darf, ohne dafür angegriffen zu werden.“

Maximal eine Stunde am Tag widmet sich Simon Birr seinem Hobby „YouTube und Social Media“. „Meine Beiträge sind keine vorgelesenen Predigten, sondern entstehen in Alltagssprache ohne riesige Vorbereitung, auch wenn sie natürlich fundiert sein müssen“, erklärt der Pastor, der sich ansonsten in seiner Freizeit der Fotografie und einem angesichts seiner Geschichte eher ungewöhnlichen Hobby widmet: „Ich gehe gerne raus ins Lahn-Dill-Bergland!“ Dann ist der erwiesene Multi-Media-Fan nicht mal mehr auf dem Handy zu erreichen.

Von: Ralf Triesch

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Wed, 23 Sep 2020 12:24:00 +0200
<![CDATA[Wenn Medizin zur Religion wird]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/09/23/wenn-medizin-zur-religion-wird/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Wieso kann der moderne Mensch eigentlich immer weniger akzeptieren, dass er irgendwann sterben muss? Anstatt das Unausweichliche anzunehmen, rennen viele Menschen zum Arzt in einer inbrünstigen Hoffnung, die sonst nur religiöse Menschen gegenüber Gott aufbringen. Das ist eine der Grundthesen des österreichischen Arztes Günther Loewit in „Sehnsucht Unsterblichkeit. Wie die Medizin zur neuen Religion der Menschen wird“.

„Seit ich vor vier Jahrzehnten begonnen habe, als Arzt zu arbeiten, ist die Mortalität des Menschen bei 100 Prozent geblieben“, stellt Loewit trocken fest. Und doch trat das Gesundheitssystem, traten die Ärzte in ihren weißen Kitteln und mit ihren unzugänglichen Wundermitteln an die Stelle einer Religion. Dabei gewinnt diese Religion immer mehr an Macht, so Loewit. Erst recht in der Corona-Pandemie sei ihm das bewusst geworden.

Für Loewit ist die Macht der Medizin bereits überbordend: „Zeugung, Geburt, Kindergarten, Schulwechsel, ein neuer Job, die Aufnahme in den Staatsdienst oder gar das Sterben am Ende des Lebens: Die Zustimmung der Medizin ist erforderlich.“ Acht bis zehn Prozent aller Föten würden mit Hilfe der Medizin entstehen; jede Schwangerschaft werde heutzutage medizinisch betreut, und in 33 Prozent der Fälle werde ein Kaiserschnitte vorgenommen. Und was das Sterben angeht: „Altersschwäche“ werde einfach nicht anerkannt als Todesursache. Man muss schon krank sein, um sterben zu dürfen.

Die „heil“ machen“ und die Heiligen

In der Tat gibt es viele Parallelen zwischen der Welt der Medizin und der der Kirche. Er selbst sei Agnostiker, schreibt Loewit, aber was er schon als Kind von der Katholischen Kirche und ihren Riten kennenlernte, sei ihm später als Arzt sehr vertraut vorgekommen. So wie der Priester auf mystische Weise aus Wein das Blut Christi machen könne und die Menschen vor ihm knieten beim Abendmahl in der Erwartung von Heilung und Erlösung, so werde einem Arzt eine ähnliche Ehrerbietung entgegengebracht. „Vergleichen Sie einen für das Hochamt gekleideten Bischof samt seinem Bischofsstab mit einem Gehirnchirurgen im OP-Gewand mit seinem am Kopf fixierten Operationsmikroskop, den Gummihandschuhen und dem bodenlangen blauen oder grünen Mantel“, fordert der Autor seine Leser auf. Das Wort „heil“ bedeute ursprünglich „ganz“. „Der in der Religion gebräuchliche Begriff des ‚Heiligen‘ hat also mit dem medizinischen ‚heilen‘ mehr als nur den Wortstamm gemeinsam“, so Loewit. Die Bedeutungen der Wörter finde sich im Englischen in Form von „whole“ und „holy“ wieder. Loewit hat viele solche Parallelen parat. „Die Hostie des katholischen Sonntags wird in der Medizin mehrmals täglich eingenommen. Sie heißt Tablette.“

Die „Priester“ der Medizinerkaste habe ebenfalls „Sakramente“ (oder Gebote) aufgestellt, die geradezu religiöse Züge haben: „Du sollst nicht rauchen, du sollst nicht fett essen, du sollst dich ausreichend bewegen und auf dein Gewicht achten. Du sollst keinen oder wenig Alkohol zu dir nehmen. (...) Wem das nicht genügt: Du sollst für deinen Vitamin-D-Spiegel ausreichend Sonne tanken, aber: Du sollst deine Haut nicht der Sonnenbestrahlung aussetzen.“ Wer zu viel Süßes gegessen hat, sage ja nicht umsonst „Ich habe gesündigt“. Und auch die „Lässigkeit“, mit der Jesus fast im Vorbeigehen Kranke heilte, versuchten sich Ärzte anzueignen. „Das häufig verwendete Wortspiel, Ärzte benähmen sich oft wie ‚Götter in Weiß‘, scheint leider nicht so weit hergeholt zu sein.“ Loewit fasst zusammen: „Mit den Ordensspitälern hat es schon immer eine Verschränkung von Medizin und Religion gegeben. Warum also nicht gleich die Medizin zur neuen Religion erklären?“ Und: „Wenn Glauben hilft, warum also nicht gleich an die Medizin glauben? Warum nicht die Medizinindustrie zum Kirchenstaat, Ärzte zu Priestern und Patienten zu Gläubigen der neuen Religion erklären?“

Heiligt bei Corona der Zweck die Mittel?

Besonders in der Zeit der Corona-Pandemie sei ihm die Rolle einer „vermeintlich allmächtig gewordenen Medizin“ bewusst geworden. In einer westlichen überalterten Wohlstandsgesellschaft werde die Vermeidung des Todes über alles gestellt. „Die Pandemie trifft auf eine Gesellschaft, die das Sterben als Endpunkt des Lebens aus den Augen verloren hat. Politiker werden nicht müde, jede Maßnahme, die einzelne Leben vorübergehend verlängern kann, als unabdingbar darzustellen“, schreibt Loewit und hinterfragt das Agieren der Politik in der aktuellen Krise: „Ich möchte die Frage stellen, ob tatsächlich in jeder Situation der Zweck die Mittel heiligt und ganze Volkswirtschaften lahmgelegt werden dürfen, um das Ende des Lebens noch ein wenig hinausschieben zu können.“ Heute gelte um jeden Preis: „Unsterblichkeit als Fernziel medizinischer Bemühungen? Wir arbeiten daran.“ Selbst wenn alte Menschen nur noch mittels Schutzausrüstung und Latexhandschuhen Kontakt zu anderen Menschen bekämen und schließlich an Einsamkeit stürben, werde dies in Kauf genommen.

Der Autor macht das Problem auch an einem Wegfall der Hoffnung auf einen allmächtigen Gott fest. „Inwiefern kann Hochleistungsmedizin in einer lustorientierten Gesellschaft die Rolle der Religion ersetzen? Oder übernehmen? Indem sie durch Gewährleistung von Heilung und Gesundheit das menschliche Bedürfnis nach spiritueller Anlehnung an ein höheres Wesen minimiert. Indem sie selbst zum Heilsbringer wird. Und Gesundheit zum Götzen erklärt.“ Die Medizin müsse zwangsläufig an diesen Zielen scheitern. Der menschliche Körper sei zum „Alpha und Omega“ geworden, konstatiert Loewit. „Das Leben nach dem Tod ist als Option verschwunden. Das Leben findet hier und jetzt, in einem einzigen Körper statt. Geliftet, gestrafft, mit künstlichen Gelenken und Austauschorganen versehen, aber immer noch sterblich.“

Loewit hat interessante Erlebnisse aus 40 Jahren Praxis zu erzählen, die das Buch immer wieder auflockern. Allerdings schweift er sehr häufig vom vorgeblichen Thema des Buches ab und wiederholt sich. Dennoch hat er im Kern eine interessante These vorzubringen: Der Tod muss heutzutage um jeden Preis bekämpft und das Sterben mit allen Mitteln verzögert werden. Während vormals der christliche Glaube mit seiner Ausrichtung auf ein Leben nach dem Tod im gesellschaftlichen Denken verankert war, ist nun die Unsterblichkeit das Ideal. Loewits Vergleich zwischen der Medizin und der Religion ist beachtenswert und dürfte jeden, der im Gesundheitswesen zu tun hat, interessieren. Warum nicht einfach akzeptieren, dass Menschen alt werden, was nicht gleichzusetzen ist mit Krankwerden? Und warum als Arzt nicht mal mehr Zeit für den Patienten aufbringen und ihm einfach nur zuhören? Priester können das ja auch.

Günther Loewit: „Sehnsucht Unsterblichkeit. Wie die Medizin zur neuen Religion der Menschen wird“, Goldegg, 260 Seiten, 24 Euro, ISBN 9783990601785, erscheint am 27. September 2020

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 23 Sep 2020 10:00:00 +0200
<![CDATA[„Ich bin Pietist und will es auch bleiben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/23/ich-bin-pietist-und-will-es-auch-bleiben/ pro: Herr Diener, seit Anfang September sind Sie im Sabbatical. Wie geht es Ihnen?

Michael Diener: Sehr gut, vielen Dank!

Was haben Sie in Ihrem freien Jahr vor?

Zunächst soll es eine Zeit sein, um innezuhalten, die vergangenen Jahre zu reflektieren, in die innere Stille zu gehen und mich neu auszurichten. Dann möchten meine Frau und ich eine längere Reise machen. Die steht wegen Corona im Moment noch auf der Kippe. Und ich möchte ein Buch schreiben.

Worum soll es gehen?

Wir leben in einer Zeit der phänomenalen Veränderungen, die umfasst auch die ganze christliche und evangelikale Szene. Der Begriff „evangelikal“ ist in meinen Augen spätestens seit der Unterstützung Evangelikaler für Populisten wie Trump und Bolsonaro unrettbar verloren. Aber die Inhalte sind mir wichtig. Es gibt so viele Menschen, die sich nach einem offenen Pietismus sehnen, nach einer dialogischen Form von evangelikalem Glauben. Es wird die Frage sein: Wie können wir an die wichtigen Inhalte, die noch nie so gefragt waren wie jetzt, in einer Weise anschließen, die theologisch konstruktiv ist?

Sie betonen „konstruktiv“. Haben Sie bisher das Gegenteil erlebt?

Nein, denn die allermeisten Menschen haben mich in meinem Amt wertschätzend und zustimmend begleitet. Und es gab einige, die zwar erbitterte Gegner meiner Positionen etwa zu Homosexualität gewesen sind, die aber nie die geistliche Gemeinschaft mit mir abgebrochen hätten. Damit kann ich wunderbar leben und das habe ich fast ausschließlich erlebt. Es gibt aber eine kleine Gruppe, bei denen die Bereitschaft nicht vorhanden ist, abweichende Positionen auch als geistlich gewonnen und als geistlich relevant anzuerkennen. Und leider gibt es im evangelikalen Bereich auch zu viele Beispiele für ein hierarchisches Leitungsverständnis, das eine toxische Wirkung entfalten kann, an dem dann Beziehungen und auch ganze Gemeinden zerbrechen.

Oder eine andere Beobachtung: Warum sind manche Menschen bis ins hohe Alter der Meinung, es läuft etwas schief, wenn sie nicht öffentlich ihre Meinung kundtun und aktuell Verantwortliche lautstark kritisieren? Für mich steht dahinter auch die Frage: Haben wir vielleicht teilweise problematische Strukturen in der evangelikalen Welt, die eher patriarchal oder ein bisschen chauvinistisch sind?

Sie würden im Ruhestand also schweigen?

Ich würde nicht sagen, dass ich mich nicht im Rentenalter zu irgendwelchen Fragen äußere. Aber ich würde es nicht tun in Bezug zu Äußerungen von Verantwortlichen in Organisationen, denen ich früher angehört habe. Mein Vorgänger Christoph Morgner ist mir da ein wirklich positives Beispiel. Ihm muss so manches Mal das sprichwörtliche Messer in der Tasche aufgegangen sein, weil er wohl in einigen Punkten anders denkt als ich. Aber er hat sich öffentlich immer zurückgehalten.

„Stichwort Political Correctness: Fromme Menschen werfen dem gesellschaftlichen Mainstream schnell vor, sie dürften nicht mehr sagen, was sie denken. Aber in unserer eigenen Welt machen wir doch genau dasselbe mit einem unglaublichen Druck.“

2013 hatte pro Sie interviewt zum Thema „Die Sünden der Frommen“. Damals haben Sie kritisiert, dass die Liebe oft zu kurz kommt und schnell übereinander geurteilt wird. Das haben Sie jetzt auch in Ihrem letzten Präsesbericht herausgestellt. Haben Sie mittlerweile Erklärungen dafür gefunden, warum das gerade bei den Frommen zu beobachten ist?

Eine mögliche Erklärung habe ich bei dem Soziologen Andreas Reckwitz gefunden. Er sagt, ein Kennzeichen unserer Zeit ist es, dass der Einzelne sich als eigenes Produkt sieht, seine eigene Identität entwirft und sich nicht mehr so stark in eine Gemeinschaft eingliedern lässt. Es kann sein, dass es im christlichen Bereich Menschen gibt, die mit diesem gesellschaftlichen Wandel so nicht klarkommen. Für sie wird das Festhalten an vermeintlich klaren Werten und Normen wichtiger als eine offene, christliche Grundhaltung der Liebe. Einer meiner großen Fehler war, dass ich nicht deutlicher widersprochen habe, wenn gesagt wurde: „Keine Liebe ohne Wahrheit.“ Das ist natürlich richtig. Aber was bedeutet das denn, wenn ich gleichzeitig doch eindeutig festhalten muss, dass in der christlichen Offenbarung nichts anderes so wichtig ist wie die Liebe?

Polarisierende christliche Lager und einen mitunter lieblosen Ton erleben wir auch, etwa in manchen Reaktionen auf unsere Berichterstattung oder auch auf Facebook. Aber lässt sich das in der christlichen Szene mit dem Bezug auf individuelle Lebensentwürfe erklären?

Unsere heutige Zeit mit den vielen Lebensentwürfen erzeugt auch Angst und Unsicherheit. Und wo Angst und Unsicherheit da ist, ist der Wunsch nach festen Ordnungen umso größer – der Wunsch nach klaren Übereinstimmungen, nach vermeintlichen Ordnungen, von denen ich weiß: Wenn ich mich daran halte, befinde ich mich auf dem richtigen Weg. Als wir im Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz die Diskussion um Homosexualität begonnen haben, ist für manche etwas zerbrochen an geistlicher Beheimatung, weil sie die festmachten an bestimmten ethischen Übereinstimmungen. Für wen zunehmend plurale Überzeugungen und individuelle Lebensentwürfe eine Anfechtung sind, der sucht umso mehr nach dieser Orientierung in einer festen Gemeinschaft. Und je größer der Druck von der gesellschaftlichen Mehrheit wird, desto existenzieller ist es für ihn, sich zu vergewissern, dass er mit einer Minderheitenposition nicht allein unterwegs ist.

Gerade evangelikale Christen haben den Anspruch, ein vom Glauben geprägtes, ein geheiligtes Leben zu führen. Deshalb ist ihnen die Frage, was wahr ist und welcher Lebensentwurf daraus folgt, auch wichtig.

Absolut. Wobei ich sagen würde – um beim Beispiel zu bleiben: Die meisten in der evangelikalen Bewegung sind rein statistisch gesehen nicht betroffen davon, dass durch Homosexualität Unordnung in ihr eigenes geistliches Leben kommen könnte. Sie sind aber betroffen davon, ob sie mit ökologischen Fragen richtig umgehen. Ich bin in vielen Gemeinden gewesen, die bis heute stolz darauf sind, dass sie den billigsten Kaffee kaufen, ohne sich zu fragen, woher er kommt. Will sagen: Woran mache ich denn diese Heiligung fest? Warum spielen diese sexualethischen Themen eine besondere Rolle dabei? Warum ist es nicht die Frage der Wahrhaftigkeit im Umgang mit Finanzen, mit Schwarzarbeit? Warum ist es die Lebensrettung in puncto Abtreibung, aber nicht die Rettung Geflüchteter auf dem Mittelmeer?

Sie sagen, die Spaltungen im evangelikal-pietistischen Lager vor allem beim Thema Homosexualität haben viel mit Angst zu tun, mit dem Wunsch, zu einer Gruppe zu gehören. Machen Sie es sich nicht zu einfach, wenn Sie diese Vorbehalte einfach psychologisieren? Es gibt auch Menschen, die aus theologischen Gründen zu einer anderen Überzeugung in der Sache kommen.

Natürlich nehme ich ernst, dass auf der sachlichen Ebene Menschen eine ernsthafte und begründete Überzeugung haben, die es ihnen unmöglich macht, homosexuelle Beziehungen anzuerkennen. Ich bin doch der Letzte, der kein Verständnis hat für Menschen mit konservativen Positionen in dieser Frage. Ich hatte selber mal eine.

Mir geht es darum, für unsere evangelikale, pietistische Welt zu erbitten oder auch zu mahnen, dass wir auch in dieser Frage zu einer pluralen Haltung kommen müssen, wenn wir unsere jeweiligen Glaubensüberzeugungen ernstnehmen. Denn viele Menschen in unserer Bewegung trauen sich nicht, eine abweichende, offene Haltung in der Frage der Homosexualität kundzutun. Von den homosexuellen Menschen, mit denen ich in der Gemeinschaftsbewegung in Kontakt bin, traut sich kein einziger, öffentlich seinen Namen zu sagen oder seine Geschichte zu erzählen. Stichwort Political Correctness: Fromme Menschen werfen dem gesellschaftlichen Mainstream schnell vor, sie dürften nicht mehr sagen, was sie denken. Aber in unserer eigenen Welt machen wir doch genau dasselbe mit einem unglaublichen Druck.

Frustration entsteht aber auch bei der Wahrnehmung, dass von Toleranz und Akzeptanz gesprochen wird, die eigene konservative Position – auch in kirchlichen und manchen evangelikalen Kreisen – aber nicht toleriert wird.

Das ist richtig. Dazu kommt, dass wir es hier mit einer hoch emotionalisierten Frage zu tun haben. Das führt oft dazu, dass nicht mehr rational argumentiert wird. Ich plädiere für einen unaufgeregten und sachlichen Diskurs, der es einerseits möglich macht, dass man auch eine konservative Position in der Kirche vertreten kann. Und dass es auch im konservativen Lager möglich ist, eine offene Position zu vertreten.

Historisch ist die Gemeinschaftsbewegung überhaupt erst entstanden, weil man sich von der Kirche abgegrenzt hat. Ist das nicht auch eine Erklärung dafür, warum es gerade unter Pietisten auf Widerstand stößt, wenn man sagt: Du kannst diese Meinung haben oder jene?

Bei der Entstehung des Pietismus waren mindestens drei Gründerväter entscheidend: Phillip Jacob Spener, August Hermann Francke und Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Und dann gab es noch den Bibelpietismus in Württemberg mit Johann Albrecht Bengel und andere Strömungen: Diese Bewegung, die wir heute unter Pietismus zusammenfassen, war damals schon vielgestaltig, echt plural, unterschiedlich in der Ausrichtung.

Neben lutherischen und pietistischen Einflüssen wurde später auch die Heiligungsbewegung aus dem anglikanischen Raum eine der großen Wurzeln der Gemeinschaftsbewegung. Die hat teilweise zu einem Verständnis geführt, dass wir Pietisten die Sache mit dem Glauben besonders ernstnehmen – vermeintlich ernster als andere. Dann kann es leider schnell zu einem Herabschauen, zu einer Distanzierung und Abgrenzung von Christenmenschen anderer Prägung kommen. Das ist fatal, denn die Gemeinschaftsbewegung war eben nicht primär Gegenprogramm zur Kirche, sondern Ergänzung, als tiefere geistliche Erbauung für das eigene Leben, weil man das in der Kirche vermisste. Abgesehen davon wünschten sich die Gründerväter, dass die Kirche auch eine missionarische Bewegung ist. Dass es dann immer wieder auch zu Konflikten kam, ist nicht zu bestreiten.

Die Frage bestehen bis heute: Wie ist das Verhältnis zur Kirche? Wie würden Sie es beschreiben?

Das schwankt von sehr nahe und vertrauensvoll bis eher distanziert. Oft ist das von regionalen und lokalen Faktoren abhängig. In dem Maße, wie die Kirche verstanden hat, dass sie mittlerweile nicht mehr jeden erreichen kann, ist auch ihre Bereitschaft gewachsen, die Gemeinschaften als eigenes Modell unter ihrem Dach anzuerkennen. Wir haben in allen Landeskirchen funktionierende Vereinbarungen, die ein weitgehend eigenständiges Leben der Gemeinschaften als freies Werk in der Kirche ermöglichen. In der Regel können Gemeinschaftsprediger im Auftrag der Kirche auch Sakramente und Kasualien verwalten.

In Sachsen etwa treten mittlerweile Menschen aus der Gemeinschaft aus, weil sie sich noch immer zur Kirche hält. Wie schätzen Sie das ein?

Das haben wir überall da, wo es auch grundsätzlich polarisierte Situationen gibt. In Sachsen gibt es hoch kirchliche Gemeinschaften und welche, die hoch kritisch sind gegenüber der Kirche. Wenn eine Bewegung auf die Einheit verschiedener Strömungen angelegt ist und versucht, sie zusammenzuhalten, dann gibt es immer Menschen, die an einem bestimmten Punkt sagen: Das darfst du nicht zusammenbringen und deshalb gehen wir raus. Ich befürchte, dass die Zahl derjenigen wächst, die aus ihrer Überzeugung heraus polarisieren und zugleich nicht pluralitätsfähig oder -willig sind.

Können Spannungen auch ein Stück weit an Ihrer Person liegen, daran, dass Sie auch manchmal die Auseinandersetzung suchen?

Absolut. Es ist nicht grundsätzlich so, dass ich die Auseinandersetzung suche. Aber ich bin sicherlich auch ein eher polarisierender Typ. Und ich habe schon sehr oft Lust auf eine gute, hoffentlich sachliche Auseinandersetzung, die auch heiße Eisen nicht scheut. Die Art, wie ich das Präsesamt jetzt ausgelegt habe, ist die mir entsprechende Art – sicherlich mit einem höheren Risiko, falsch zu liegen, etwas Unpassendes oder zu viel zu sagen. Trotzdem finde ich – Entschuldigung, liebe Pietisten –, die pietistisch-evangelikale Welt wäre auch arm dran, wenn es immer nur Leute gäbe, die alles ausgleichen und nur das sagen, wozu alle nicken können. Das tut uns auch nicht gut. Ob ein Amt wie meines das auf Dauer aushält, das ist eine Frage. Das ist auch ein Grund dafür, dass ich nach elf Jahren aufhöre.

Auf Facebook gehen Sie auch oft auf kritische Kommentare ein – und nicht selten zum Gegenangriff über. Spornt Sie das an?

Ich habe eine sehr differenzierte Position zu meiner eigenen Facebook-Aktivität. Ich könnte mir manchmal die Zeit auch sparen. Und dann denke ich wieder: Warum soll ich dieses Medium den anderen überlassen? Ich denke nicht, dass ich streitsüchtig bin. Aber ich glaube, dass eine argumentative Auseinandersetzung heute sehr oft fehlt und dass sie viel zu wenig geführt wird. Und es gibt auch so eine Tendenz, dass sich Christen gegen jede Form von Kritik immunisieren, indem sie sagen: Wenn die Mehrheit anderer Meinung ist, dann sind wir die verfolgte Herde.

Das zweite Argument ist oft, dass schon der Apostel Paulus gesagt hat: „Das Wissen der Welt ist Torheit“; wenn ich mich um das Wissen der Welt gar nicht kümmere, sondern nur beim Herrn Jesus bleibe und jede Diskussion mit Bibelstellen bestreite, dann habe ich das Recht auf meiner Seite. Und diese beiden Elemente, so eine gewisse Unterkomplexität, fehlende intellektuelle Redlichkeit und dieses „Wir sind die Verfolgten“, das – das gebe ich ehrlich zu – stachelt mich extrem an. Ich meine, dass Gott uns mit Verstand geschaffen hat, damit wir ihn auch gebrauchen. Deshalb macht wirklich kluges Nachdenken nicht atheistisch, sondern kann den Raum für Gott zumindest offenhalten. Ich bin manchmal entsetzt gewesen über das Niveau von Diskussionen, sei es zu Homosexualität, Seenotrettung, Islam oder anderen Streitthemen.

„Ich befürchte, dass die Zahl derjenigen wächst, die aus ihrer Überzeugung heraus polarisieren und zugleich nicht pluralitätsfähig oder -willig sind.“

Sie haben in Ihrer Amtszeit eine „Vision 2030“ entwickelt, und sehen Gnadau im Jahr 2030 als einen wachsenden Verband. Wie kann das gelingen? Es gibt ja auch Beispiele, wo Gemeinden schrumpfen, älter werden und sterben.

Seit 2009 arbeiten wir gemeinsam an einem vielgestaltigen Erneuerungsprozess. Da geht es zuallererst um geistliche Motivation, dann um Profilbildung, um Wahrnehmung der Nachbarschaft, um gesellschaftliche Verantwortung und Diakonie. Oder beim Upgrade Kongress haben wir die Digitalisierung und die Beteiligung junger Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Der Vorstand wird die Integration junger Menschen mit einem interessanten Format in den nächsten Monaten vorantreiben.

Wir haben immer gesagt, ein Drittel der Gemeinschaften wird sterben. Das gilt immer noch. Die Corona-Zeit hat das bei manchen Gemeinden beschleunigt. Trotzdem gibt es heute mehr Gemeinschaften, die wieder Wachstumspotenzial haben, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Der Liebenzeller und der Hannoversche Verband zum Beispiel wachsen, um einmal zwei ganz unterschiedliche zu nennen. In manchen Regionen wird das noch kommen. Gnadau wird das fördern und dafür sorgen, dass die Leute den Kopf heben und sagen: Wir können als Gemeinschaftschristen einen Beitrag leisten zu einem ansprechenden, einladenden christlichen Glauben und Leben im 21. Jahrhundert.

Die EKD arbeitet derzeit an einem Zukunftsprozess. Die elf Leitsätze enthalten zwar viele neue Ideen, aber so richtig nach Aufbruch lesen sie sich nicht.

Was bisher veröffentlicht wurde, ist der erste Entwurf eines Arbeitspapieres, bei dem viele mitdiskutieren sollen. Eine ergänzte und überarbeitete Fassung wird dann die Synode im November diskutieren. Ich finde das Papier relativ deutlich: Wir wollen uns weniger öffentlich äußern und werden dabei den Bezug zu unserer geistlichen Motivation deutlicher machen. Wir werden mehr Gemeindeformen neben der Parochie (Pfarrei; Anm. d. Red.) brauchen und darauf achten, dass wir Ressourcen schonen, einander ergänzen und gabenorientiert arbeiten. Auch Mission ist als Zukunftsziel benannt. Sie haben Recht, das ist noch nicht der totale Aufbruchston. Aber es steht da doch unheimlich viel drin, was ich mir für eine zukünftige Kirche wünsche.

Entscheidend für die Zukunft der Kirche sind auch die Pfarrer. Die schwinden ebenso wie die Mitglieder. Wäre es nicht auch eine Perspektive, dass die Landeskirchen die Ausbildung der Gnadauer theologischen Hochschulen anerkennen?

Aus der Perspektive von Gnadau kann ich mir das gar nicht wünschen, weil wir unsere Leute selbst brauchen. Bereits jetzt wechseln immer wieder gut aufgestellte Gemeinschaftspastoren in den kirchlichen Dienst. Jeder, der nach Tabor, Liebenzell, ans Johanneum oder zu einer anderen unserer Ausbildungsstätten geht, wird auch bei uns Arbeit finden.

Unsere Ausbildungsstätten selbst wünschen sich diese Anerkennung der Abschlüsse seitens der Landeskirchen, weil das für Studierende attraktiver ist. Allerdings hat die Kirche eindeutig eine bestimmte Erwartung, wie ihre zukünftigen Theologen und Theologinnen ausgebildet werden sollen. In dieser Erwartung kommen wir im Moment nicht vor. Bevor sich dort etwas ändert, muss noch sehr viel passieren. Ich glaube aber, dass sich in der Praxis durch die Übernahme geeigneter Gemeinschaftspastoren in den kirchlichen Dienst vieles schneller ändern wird als in der Theorie.

In welcher Funktion werden wir Sie nach Ihrem Sabbatical sehen?

Eine Variante, die ich mir sehr gut vorstellen kann, ist, dass ich Gemeindepfarrer in der Pfalz werde. Aber es gibt auch andere Überlegungen, etwa im Bereich der EKD. Oder es wäre spannend, herauszufinden, ob die Formulierung und Vertretung eines offenen, geistlich gegründeten und gesellschaftsrelevanten Pietismus eine Aufgabe sein könnte.

Ihre Amtszeit im Rat der EKD geht im November 2021 zu Ende. Werden Sie wieder kandidieren?

Wenn ich in eine Gemeinde gehe, ist eine Ratsmitgliedschaft wegen des zeitlichen Aufwands nicht sinnvoll. Wenn es irgendwo eine Aufgabe gibt, die meinen Herzschlag für die pietistische und erweckliche Bewegung am Laufen lässt und die sich mit so einem Leitungsamt verträgt, dann wäre ich begeistert davon, weiterzumachen. Aber bis dahin sind noch viele Fragen zu klären. Eine Ratskandidatur erfolgt ohnehin nur, wenn der zuständige Ausschuss der Synode einen dafür nominiert.

Wenn Sie von Gnadau sprechen, sagen Sie immer noch „wir“, auch wenn Sie schon nicht mehr im Amt sind. Bleiben Sie Pietist?

Ich bin Pietist und will es auch bleiben. Ich muss nicht unbedingt „wir“ sagen zur Struktur aus einer Leitungsaufgabe im Gnadauer Verband heraus. Aber „wir“ zur Gemeinschaft, zu uns als Pietisten auf jeden Fall.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellten Jonathan Steinert, Nicolai Franz und Christoph Irion

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Wed, 23 Sep 2020 09:16:00 +0200
<![CDATA[Ökumenischer Kirchentag will Corona trotzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/22/oekumenischer-kirchentag-will-corona-trotzen/ Auch unter Corona-Bedingungen soll der 3. Ökumenische Kirchentag im kommenden Jahr stattfinden. Eine Veranstaltung wie diese brauche es gerade angesichts der weltweiten Corona-Krise, erklärte die evangelische Präsidentin Bettina Limperg am Dienstag bei einer Pressekonferenz. „Selten haben sich den Menschen so drängende Seinsfragen gestellt“, sagte sie. Deshalb seien in dieser Zeit Austausch und Gemeinschaft wichtig. Der Ökumenische Kirchentag sei daher „lebensrelevant“, weil er Raum biete, um nach Antworten auf diese Fragen zu suchen.

Der christliche Glaube habe auf die mit der Corona-Krise verbundenen Ängste Antworten anzubieten, die sich nicht nach Konfessionen differenzieren ließen, „sondern Antworten, die wir als Christen gemeinsam zu geben haben“, sagte ihr katholischer Präsidiumskollege Thomas Sternberg. Christen könnten mit dem Ökumenischen Kirchentag zeigen, „was uns in unserem Leben trägt und auch in dieser Krise Halt gibt“.

Die Großveranstaltung ist für 12. bis 16. Mai 2021 in Frankfurt am Main geplant. Um den Risiken der Pandemie zu begegnen, sollen die Programmangebote reduziert werden. Auch die Teilnehmerzahl soll begrenzt sein – sowohl für einzelne Veranstaltungen als auch für den ganzen Kirchentag. Die Verantwortlichen planen derzeit für circa 30.000 Besucher. Ein Teil der einzelnen Angebote, etwa zehn bis 20 Prozent, soll im Livestream übertragen werden oder digital stattfinden. Die Idee ist, dass Menschen im ganzen Land als Einzelne oder auch in Gemeinden auf diese Weise am Kirchentag teilhaben.

Wie die Veranstalter mitteilten, werden die vier Hauptthemen „Glaube, Spiritualität, Kirche“, „Lebensräume, Lebenswelten, Zusammenleben“, „Schöpfung, Frieden, Weltgemeinschaft“ und „Wirtschaft, Macht, Verantwortung“ weiterhin im Programm enthalten sein, ebenso die Mischung aus Podien, Liturgien und kulturellen Angeboten. Nach wie vor ist auch ein Markt der Möglichkeiten mit Ausstellern im Messegelände geplant. Auf Privatquartiere für Besucher wird verzichtet. Die Verantwortlichen prüfen, inwiefern Gemeinschaftsunterkünfte im Rahmen der Hygienebestimmungen infrage kommen, etwa in Schulen.

Die Geschäftsstelle stehe in engem Kontakt mit den zuständigen Behörden und der Stadt Frankfurt und habe sich auch von Wissenschaftlern zu den notwendigen Hygiene-Bedingungen beraten lassen. Das ausführliche Hygienekonzept soll im Oktober vorgestellt werden. Der Ticketverkauf startet am 1. Dezember.

Von: Jonathan Steinert

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Tue, 22 Sep 2020 16:03:00 +0200
<![CDATA[Journalismus von engagierten Christen bringt allen etwas]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/09/22/journalismus-von-engagierten-christen-bringt-allen-etwas/ Hohe journalistische Qualität ermöglicht aus Sicht von Papst Franziskus ein besseres Verständnis der gesellschaftlichen Probleme und Herausforderungen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche hatte am Freitag anlässlich des 20. Geburtstags der belgischen Zeitschrift Tertio Journalisten des Landes im Vatikan empfangen. Dabei wies er auch auf die Bedeutung christlicher Medien hin.

Laut dem katholischen Nachrichtenportal Vatican News betonte der Papst, dass Journalismus von engagierten Christen allen etwas bringe. Sie würden „der Stimme der Kirche und der christlichen Intellektuellen in einer zunehmend säkularisierten Medienlandschaft Gehör verschaffen, um sie mit konstruktiven Überlegungen zu bereichern“.

Aufgabe, die frohe Botschaft zu verkündigen

Es gehe darum, eine positive Vision von Menschen zu zeichnen, Vorurteile abzulehnen und eine Kultur der Begegnung zu fördern, durch die es möglich ist, die Wirklichkeit mit einem zuversichtlichen Blick zu erkennen. Qualitätsjournalismus messe sich daran, dass man beim Lesen die Herausforderungen und Probleme der Welt besser verstehe.

Kommunikation sei seit jeher das „Kerngeschäft“ des Christentums. Christliche Medien dürften die frohe Botschaft der Bibel verkünden. Christliche Journalisten bezeichnete er als „Sä-Leute der Hoffnung auf ein besseres Morgen“. In der aktuellen Krise könnten die Medien dazu beitragen, „dass Menschen nicht vor Einsamkeit krank werden und ein Wort des Trostes erhalten können“.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 22 Sep 2020 13:35:00 +0200
<![CDATA[„Sea-Watch 4“ in Palermo von Behörden festgesetzt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/21/sea-watch-4-in-palermo-von-behoerden-festgesetzt/ Italienische Behörden haben das Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ im Hafen von Palermo festgesetzt. Das hat das Aktionsbündnis United4Rescue, an dem neben anderen Organisationen auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beteiligt ist, am Sonntag mitgeteilt. Nach Angaben des Bündnisses wurde das Schiff nach einer Hafenstaatskontrolle in der Nacht auf Sonntag im Hafen von Palermo festgesetzt.

United4Rescue wittert hinter der Aktion der italienischen Behörden mit „fadenscheinigen Beweggründen“ eine „gezielte Verhinderung ziviler Seenotrettung“ im zentralen Mittelmeer. Die italienischen Behörden hätten „keinerlei Skrupel“ davor, „Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen“, heißt es in der Pressemitteilung.

Den Angaben zufolge suchten italienische Inspekteure elf Stunden lang bei der Kontrolle nach Beanstandungen, um die Sea-Watch 4 dann festzusetzen. Als einen Grund gaben die Behörden an, dass die Rettung von Menschenleben nicht der Registrierung des Schiffes entspreche und Sicherheitsvorgaben nicht eingehalten würden. Zudem seien zu viele Rettungswesten an Bord. Eigenen Angaben des Aktionsbündnisses zufolge erfüllt das Schiff jedoch alle Sicherheitsvorgaben des deutschen Flaggenstaates. Nach Ansicht von United4Rescue sind die Inspektionen politisch motiviert und sollen dem Zweck dienen, Rettungsoperationen zu verhindern. Die Festsetzung der Sea-Watch wertet United4Rescue als weitere „Kriminalisierung ziviler Seenotrettung“. Sie zeige, dass europäische Staaten vor nichts zurückschreckten, um die Rettung von Menschenleben zu verhindern.

EKD-Chef: „Ertrinken von Menschen wird billigend in Kauf genommen“

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat die Aktion der Behörden verurteilt. „Mit der Festsetzung der ‚Sea Watch 4 – powered by United4Rescue‘ haben die italienischen Behörden nunmehr das fünfte zivile Seenotrettungsschiff in fünf Monaten blockiert“, teilte Bedford-Strohm am Montag mit und forderte die Freilassung der Schiffe.

„Wer Seenotrettung behindert, nimmt billigend in Kauf, dass Menschen ertrinken“, sagte Bedford-Strohm. Ein Europa, das sich auf christliche Werte berufe, dürfe das nicht akzeptieren. Die EU-Ratspräsidentschaft soll nach dem Willen des EKD-Chefs Druck auf die italienischen Behörden ausüben und sie von dieser „unverantwortlichen Schiffsblockierung abbringen“. Am 1. Juli 2020 hat Deutschland für sechs Monate die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union übernommen. Die „Sea-Watch 4“ ist seit August im Mittelmeer Einsatz. Jetzt liegt das Rettungschiff im Hafen von Palermo fest, nachdem es am 2. September 353 aus Seenot gerettete Menschen an eine Quarantänefähre übergeben hatte. Zuvor mussten Besatzung und Gerettete tagelang auf eine Erlaubnis zum Anlegen warten. Die Besatzung des Schiffes war wegen der Coronavirus-Pandemie im Hafen der sizilianischen Stadt in Quarantäne.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 21 Sep 2020 14:43:00 +0200
<![CDATA[Menschen nutzen weiter digitale Gottesdienst-Angebote]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/21/menschen-nutzen-weiter-digitale-gottesdienst-angebote/ 65,4 Prozent aller Befragten einer Studie im Auftrag von fünf Landeskirchen haben auch nach dem Ende des Lockdowns weiterhin an digitalen Gottesdiensten teilgenommen. Vor allem die Altersgruppe zwischen 41 und 60 Jahren möchte den „digitalen Kirchgang“ weiterhin praktizieren. Mehr als 80 Prozent der Befragten hatten mindestens vier Online-Gottesdienste besucht. Fast jeder Dritte (32,7 Prozent) war mindestens zehn Mal dabei.

Interessant dabei ist, dass 66,7 Prozent der Befragten vor Corona keine Erfahrung mit digitalen Gottesdiensten hatten. Das Gegenteil war bei 2,8 Prozent der Fall. „Die Studie zeigt deutlich, dass die Online-Kommunikation auch im gottesdienstlichen Kernbereich der Kirchen nach Corona nicht mehr wegzudenken ist“, wird der wissenschaftliche Begleiter der Studie, Holger Sievert, von der Hochschule Macromedia in Köln in einer Pressemitteilung zitiert. Besonders erfreulich im Sinne digitaler Teilhabe sei, dass diese Entwicklung auch für höhere Altersgruppen gelte.

Ein Viertel bringt sich aktiv im Gottesdienst ein

Die meisten Befragten (60,5 Prozent) schauen die digitalen Gottesdienste allein. Knapp ein Viertel der Teilnehmenden konnte sich im Gottesdienst aktiv einbringen, etwa durch Fürbitten, über einen YouTube-Chat oder per E-Mail. Etwas mehr als drei Fünftel erlebten während des Gottesdienstes keine Interaktion.

Insgesamt fühlten sich die meisten Befragten wohl im Online-Gottesdienst: Viele beschreiben die Atmosphäre vor allem als freundlich (68,2 Prozent), ermutigend (53 Prozent), einladend (49,5 Prozent), herzlich (38,3 Prozent) und lebensnah (34,6 Prozent). Nur sehr wenige erlebten eine distanzierte oder gar kühle Atmosphäre.

Studie ermutige zu weiteren Online-Angeboten

Als Hauptinformationsquelle über das Online-Gottesdienstangebot nutzten 59,9 Prozent der Befragten das Pfarramt der eigenen Gemeinde. 31,8 Prozent informierten sich über Social Media. Für den Karlsruher Oberkirchenrat Matthias Kreplin „ist die hohe Akzeptanz der Online-Angebote gerade in Bezug auf die anstehenden Weihnachtsgottesdienste von großer aktueller Bedeutung“. Die Studie ermutige dazu, Gottesdienste auch weiterhin als Online-Angebot zu gestalten, entweder mit Live-Übertragungen oder in eigens digital produzierten Formaten.

Für die Zukunft wünschen sich die Befragten zu 82,8 Prozent regelmäßige Online-Gottesdienste, selbst wenn Präsenz-Veranstaltungen wieder vollumfänglich möglich sind. Die Gottesdienste sollten kürzer als 45 Minuten sein und eine Mischung aus moderner und klassischer Musik enthalten. Zwar bevorzugen 40 Prozent der Teilnehmenden eine Live-Ausstrahlung gegenüber einer Aufzeichnung, aber die große Mehrheit von knapp 80 Prozent ist auch mit einem aufgezeichneten Online-Gottesdienst zufrieden. 61,5 Prozent der Befragten wünschen sich einen „sakralen Kirchraum“ als Ort für die Gottesdienste. Knapp 40 Prozent erhoffen sich im Gottesdienst eine Interaktion, während knapp die Hälfte der Befragten mit dem reinen Zuschauen zufrieden ist.

Spezielle Analyse der Nicht-Teilnehmer geplant

Am vergangenen Donnerstag wurden die ersten deskriptiven Ergebnisse vorgestellt. Weitere Auswertungen aus den fünf regionalen EKD-Gliedkirchen sollen durch das Studienteam folgen. Mindestens eine Veröffentlichung soll sich noch einmal speziell der Analyse der Nicht-Teilnehmenden an Online-Gottesdiensten aus der Befragung widmen.

Die Studie mit dem Namen „Rezipiententypologie evangelischer Online-Gottesdienstbesucher während und nach der Corona-Krise“ soll aus Sicht der Verfasser Gemeinden helfen, zukünftige Entscheidungen über Online-Gottesdienst-Formen und -formate zu treffen. Zwischen Mai und Juli 2020 haben sich insgesamt 4.767 Menschen daran beteiligt. Gefördert wurde die Studie vom Digitalinnovationsfond der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Teilnehmer kamen zu fast gleichen Teilen aus städtischen (50,5 Prozent) und ländlichen Regionen (46,9 Prozent). 61,9 Prozent der Teilnehmer waren Frauen und 37,7 Prozent Männer. Sechs von zehn Befragten waren zwischen 31 und 60 Jahre alt, wobei die 51- bis 60-Jährigen mit 31,0 Prozent die stärkste Gruppe darstellen.

Die wissenschaftliche Leitung der Studie hatte der Kölner Medienwissenschaftler Holger Sievert. Koordiniert hat die Studie der Internetbeauftragte der Evangelischen Kirche im Rheinland, Ralf Peter Reimann. Beteiligt waren die Evangelische Kirche im Rheinland, die Badische Landeskirche sowie die Evangelischen Kirchen von Hannover, Württemberg und Hessen-Nassau.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 21 Sep 2020 14:06:00 +0200
<![CDATA[Sonntagsruhe: Handelsverband kündigt Verfassungsbeschwerde an]]> https://www.pro-medienmagazin.de/wirtschaft/2020/09/21/sonntagsruhe-handelsverband-kuendigt-verfassungsbeschwerde-an/ HDE-Präsident Josef Sanktjohanser sagte im Welt-Interview, sein Verband wünsche sich eine Lockerung des Verkaufsverbots am Sonntag. Die Öffnung der Läden solle allerdings auf den Nachmittag beschränkt werden, sodass ein ausreichender Schutzbereich für die Sonntagsruhe gegeben ist.

Die Sonntagsruhe in Deutschland ist im Grundgesetz verankert. So heißt es dort im Artikel 139: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“ Gemäß dem Arbeitszeitgesetz dürfen entsprechend an Sonn- und Feiertagen zwischen 0 und 24 Uhr keine Arbeitnehmer beschäftigt werden. Es gibt Ausnahmen, etwa für Not- und Rettungsdienste, Krankenhäuser, Gaststätten, kulturelle Aufführungen, Veranstaltungen von Kirchen und Vereinen und in der Landwirtschaft.

Sanktjohanser kündigte im Interview eine Verfassungsbeschwerde an. Im Jahr der Corona-Pandemie drohe vielen Innenstädten der wirtschaftliche Kollaps, und die Unternehmen forderten Gegenmaßnahmen, so der Manager, der ehemals Vorstandsmitglied der Rewe Group war. Es gebe in Deutschland zu viele „Sonderregeln und Ausnahmen und Verbote bei der Sonntagsöffnung“. Sanktjohanser fügte hinzu: „Das hat mit anachronistischen Positionen von Parteien, Kirchen und Gewerkschaften zu tun.“ Er fordert daher eine „maßvolle Regelung zur Sonntagsöffnung“. Darunter stellt er sich ein begrenztes Zeitfenster von 13 bis 18 Uhr an vier bis zwölf Sonntagen pro Jahr vor. Über die genaue Anzahl könnten die Bundesländer entscheiden.

„Permanente Ungewissheit über die Sonntagsöffnung“

Der gesellschaftliche Rahmen habe sich in den letzten Jahren stark verändert, so Sanktjohanser. „Gerade an Sonntagen steht aus der Sicht der Kunden nicht der Versorgungseinkauf im Mittelpunkt, vielmehr ist Einkaufen in der Stadt heute ein Freizeiterlebnis.“ Die Sonntagsöffnung solle nach Ansicht des Handelsverbandes weiter die Ausnahme bleiben. „Aber wir möchten Verlässlichkeit.“ So gebe es zwischen den einzelnen Bundesländern Unterschiede. „Die permanente Ungewissheit über die Rechtsprechung bringt die Kaufleute zur Verzweiflung“, so Sanktjohanser.

Der Verband sei entschlossen, eine Verfassungsbeschwerde einzureichen. Auch eine Änderung des Grundgesetzes hält Sanktjohanser als „Ultima Ratio“ nicht für ausgeschlossen, für die eine Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat notwendig wäre.

Die Gewerkschaft Ver.di und die Kirchen würden dem Verband „immer wieder vorwerfen“, seine Mitglieder wollten die Sonntagsruhe abschaffen. Sanktjohanser: „Das ist nicht der Fall. Den Kirchen muss man Doppelzüngigkeit vorwerfen, denn Wallfahrtsorte werden immer wieder großzügig mit Sonntagsöffnungszeiten ausgestattet, ohne dass jemand protestiert.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 21 Sep 2020 13:53:00 +0200
<![CDATA[„Wir alle sind anfällig für Antisemitismus“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/21/wir-alle-sind-anfaellig-fuer-antisemitismus/ Keiner ist vor Antisemitismus gefeit. Das sagte der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, am Sonntag auf der Tagung „Antisemitismus heute“ im Gästezentrum Schönblick, in Schwäbisch Gmünd. Der Grund für diese Annahme liege in der Natur unserer menschlichen Psyche. Gerade die Corona-Krise zeige dies sehr deutlich. Der Religionswissenschaftler beobachte aktuell an vielen Stellen das Phänomen des „blunting“ (Verdrängung). Viele Menschen würden ihre Ängste verdrängen und stattdessen Schuldige suchen. Die Schuld falle entweder auf die Medien, die Politik oder Juden. Historisch gesehen könne dies bei jeder großen Gesundheitskrise beobachtet werden, auch während der verschieden Pestwellen im Mittelalter.

Ebenso wie jeder zum Antisemiten werden kann, könne auch jeder ins Fadenkreuz des Antisemitismus geraten, erklärte Blume. Er selbst erlebe in seinem Alltag als Antisemitismusbeauftragter immer wieder Anfeindung. Menschen, die an Verschwörungen glaubten, fänden immer einen Ansatzpunkt für ihre Ideologie. Dabei könne sich Antisemitismus gegen Juden oder andere richten.

„Israel nicht nur endzeitlich betrachten“

In der Geschichte hätten neue Medien für die Verbreitung von Antisemitismus immer eine große Rolle gespielt, sagte Blume. So habe der Buchdruck Martin Luthers Antisemitismus befördert oder der Rundfunk die Propaganda der Nationalsozialisten. Das Internet reihe sich in dieser Aufzählung ein. Im Netz gehe der Blick vom Lokalen auf das große Ganze. Damit gehe auch die Annahme einher, dass „die da oben“ an allem Schuld seien.

Blume sagte weiter, dass Antisemitismus aus allen Teilen der Gesellschaft herauskomme. Die sogenannte Querfront aus Linken im Öko-Outfit, Leuten mit Reichskriegsflaggen oder Unternehmern aus der bürgerlichen Mitte, die weder rechts noch links sein wollen, transportiert gleichermaßen Antisemitismus. Auch in christlichen Kreisen könne er Antisemitismus beobachten. Blume kritisierte Christen, die Israel ausschließlich im Kontext einer apokalyptischen und endzeitlichen Schlacht sehen und daher Israels Friedensabkommen mit seinen arabischen Nachbarn negativ gegenüber stehen. „Wer Israel für seine eigenen Phantasien von Krieg und Gewalt benutzt, ist kein echter Freund Israels“, sagte Blume.

Maßnahmen gegen Antisemitismus

In einer anschließenden Podiumsdiskussion berieten die Teilnehmer über Strategien zur Bekämpfung von Antisemitismus. Blume stellte darin den Nutzen der gängigen Holocaustpädagogik für Schüler mit Migrationshintergrund in Frage. Nur über die Vergangenheit und Gedenkstätten erreiche man die Jugendlichen nicht. Vielmehr brauche es Begegnungen mit lebenden Juden. Antisemitismus könne erst dann überwunden werden, wenn Juden mit Nichtjuden in Frieden und Gleichberechtigung zusammenlebten. Gottfried Bühler von der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) stimmte seinem Vorredner zu. Vor allem die Begegnung mit Überlebenden des Holocausts spielt für ihn eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Antisemitismus.

Der Schuldekan Thorsten Trautwein brach dennoch eine Lanze für die Aufarbeitung der deutschen Geschichte. Politische Projekte seien viel mehr als nur ein Feigenblatt. Die Grundhaltung sei anerkennenswert. Dem widersprach der Leiter des Evangeliumsdienstes „Beit Sar Shalom“, Vladimir Pikman. Er höre seit 25 Jahren die gleichen Aussagen aus der Politik. Dennoch sei keine Besserung in Sicht. Eine Veränderung müsse aus der Gesellschaft herauskommen. Außerdem plädierte er dafür, die deutsch-jüdische Geschichte nicht nur auf den Holocaust zu reduzieren. Vielmehr sollten „die positiven Dinge“ in der gemeinsamen Geschichte betont werden. Dem stimmte der messianisch-jüdische Autor Anatoli Uschomirski zu. Deutsche und Juden würden sich aber zu wenig kennen. Das müsse geändert werden.

Mehr Israel in den Kirchen

An die Kirchen gerichtet forderte Bühler, das Thema Israel und Juden nicht nur am Israelsonntag anzusprechen, sondern regelmäßig auf die Kanzel zu bringen. Den Israelsonntag begeht die Evangelische Kirche in Deutschland am 10. Sonntag nach Trinitatis, dieses Jahr war er am 16. August. Pikman betonte, dass Jesus „100 Prozent Gott, 100 Prozent Mensch und 100 Prozent Jude“ sei. Dem schloss sich Blume an und forderte daher das Thema Judentum ins Pflichtprogramm einer jeden theologischen Ausbildung aufzunehmen.

Einigkeit herrschte unter den Diskutanten beim Thema Auswanderung jüdischer Mitbürger. Das könne nicht die Lösung im Kampf gegen Antisemitismus sein, sondern würde zum Sieg des Bösen führen, sagte Blume.

Den Antisemitismuskongress vom 20. bis 22. September im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd besuchen inklusive der geladenen Gäste rund 280 Menschen. Die Christliche Medieninitiative pro, zu der auch das Christliche Medienmagazin pro und Israelnetz gehören, ist einer der Mitorganisatoren.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 21 Sep 2020 13:52:00 +0200
<![CDATA[„Du warst ein Brückenbauer“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/20/du-warst-ein-brueckenbauer/ Nach elf Jahren ist Michael Dieners Amtszeit als Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes zu Ende gegangen. Am Samstag wurde er in Marburg von seinem Dienst entpflichtet und verabschiedet. Diener betonte, dass er dankbar sei für die Jahre an der Spitze des pietistischen Verbandes und für die Menschen, die ihn begleitet und in schwierigen Phasen getragen hätten. „Es war mir wirklich eine Freude, dieses Amt ausfüllen zu dürfen. Ich habe es von ganzem Herzen getan und bin dankbar für alle Erfahrungen, auch die schwierigen“, sagte er.

Er bezeichnete es als Geschenk, dass durch seine Mitarbeit im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) das Miteinander zwischen der Gemeinschaftsbewegung und der Kirche sichtbar geworden sei. Er betonte, dass für ihn beide zusammengehörten.

Matthias Frey, stellvertretender Vorsitzender des Gnadauer Verbandes, hob Dieners Einsatz für Aufbrüche in der pietistischen Bewegung hervor. Aufbruch sei das Markenzeichen seiner Amtszeit. Dazu gehörten die Initiative „Neues Wagen“, der „Upgrade“-Kongress, die Einrichtung einer Stelle für Neugründung und Neubelebung von Gemeinden sowie die Gründung des Theologischen Studienzentrums Berlin. „Ausgangspunkt war der Mittelpunkt des Evangeliums: Jesus Christus“, betonte Frey.

Diener sei zudem ein leidenschaftlicher Prediger und habe immer wieder daran erinnert, dass der Pietismus eine Bibelbewegung sei. Zugleich habe Diener sich dafür stark gemacht, dass sich die Gemeinschaftsbewegung auch diakonisch und gesellschaftlich engagiert. Dabei sei es immer um die Frage gegangen, wie Menschen mit dem Evangelium erreicht werden können. „Deine Anstöße waren unglaublich wichtig. Wir brauchten diese Impulse. Wenn wir Erweckungsbewegung sein wollen, brauchen wir solche provozierenden Anstöße“, resümierte Frey.

„Geprägt von tiefer Christusfrömmigkeit“

Zudem bezeichnete Frey den ausgeschiedenen Präses als „Pontifex“ – lateinisch für Brückenbauer. Eine Beschreibung, die bei Dieners Abschied oft fiel. Auch Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, betonte diese Eigenschaft Dieners in seiner Predigt. Diener habe im Rat eine „von tiefer Christusfrömmigkeit“ geprägte Stimme eingebracht „und das Hören auf die Schrift ins Zentrum gerückt“, sagte Bedford-Strohm. „Man hat immer gespürt, woher du kommst. Die Heimat ist ein authentischer Pietismus, in dessen Zentrum die Liebe steht.“ Kirche gewinne Ausstrahlungskraft über die eigenen Kreise hinaus, wenn Menschen „die Liebe spüren, von der wir sprechen“. Dafür habe Diener gestanden.

Irmgard Schwaetzer, Präses der EKD-Synode, würdigte Dieners Einsatz für Mission und seine Fähigkeit, verschiedene Positionen einer Gemeinschaft zusammenzuhalten. Diener habe eine „ausgleichende Wirkung, bestimmt von einer sehr klaren Haltung“. Der Vorsitzende der Vereinigung evangelischer Freikirchen, Christoph Stiba, betonte ebenfalls, Diener sei ein Brückenbauer gewesen. Er habe schwierige Themen angestoßen und damit nicht nur im Gnadauer Verband, sondern auch in der Evangelischen Allianz und für die Freikirchen etwas in Bewegung gesetzt.

Kontroverse um Homosexualität

Diener wurde 2009 Präses des Gnadauer Verbandes, des Dachverbandes der landeskirchlichen Gemeinschaftsbewegung. Von 2012 bis 2016 war er ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz. Seit 2015 ist er Mitglied im Rat der EKD. Dort endet seine Amtszeit im November des kommenden Jahres.

In Dieners Präses-Zeit fiel unter anderem die Diskussion über eine offenere Position zu Homosexualität. Diener machte sich dafür stark, dass auch praktizierende Homosexuelle in Gemeinden mitarbeiten können – oder dass zumindest diese Meinung als eine mögliche anerkannt wird. Diese Diskussion hatte zu starken Spannungen innerhalb der pietistischen und evangelikalen Bewegung geführt. Er setzte sich zudem ein für die Denominationen übergreifende Initiative „Mission Respekt“, die Grundsätze dafür erarbeitete, wie Christen und Kirchen weltweit den Glauben im Dialog und mit Respekt vor anderen Religionen bezeugen können. Er ist Kuratoriumsvorsitzender von „midi“, der Evangelischen Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung, die 2019 ihre Arbeit aufnahm. In den vergangenen Monaten äußerte er seine Unterstützung für das Seenotrettungsschiff der EKD.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsesamt macht der 58-jährige Diener zunächst ein einjähriges Sabbatical. Wie es danach für ihn weitergeht, ist noch offen.

Von: Jonathan Steinert

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Sun, 20 Sep 2020 13:46:00 +0200
<![CDATA[Demonstranten gehen für Lebensschutz auf die Straße]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/20/demonstranten-gehen-fuer-lebensschutz-auf-die-strasse/ Es ist ein ungewöhnliches Bild in diesen Tagen: Eine Demonstration in Berlin, bei der nahezu alle Teilnehmer einen Mund-Nasen-Schutz tragen und die Abstände zueinander einhalten. Am Samstag fand in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt. Vornehmlich Christen wollten so in der Bundeshauptstadt gegen Schwangerschaftsabbrüche demonstrieren. Nach Angaben der Polizei nahmen an der Kundgebung vorm Brandenburger Tor und am Marsch durch die Stadt Teilnehmer im „unteren vierstelligen Bereich“ teil. Der Veranstalter Bundesverband Lebensrecht sprach von mehr als 3.000 Demonstranten.

Begleitet wurde der „Marsch für das Leben“ von mehreren Gegendemonstrationen. Neben größeren Kundgebungen kam es auch immer wieder zu kleineren unangemeldeten Demonstrationen, um die Veranstaltungen der Lebensschützer zu stören. Mit bunter Kleidung, Trillerpfeifen und Sprechchören versuchten die Gegendemonstranten auf sich aufmerksam zu machen. Dabei skandierten sie immer wieder „Hätt’ Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben“ oder „Kondome, Spirale, Linksradikale“. Auf Plakaten war zu lesen: „Jesus würde sich am Kreuz umdrehen“ oder „Marsch fürn Arsch“. Nach Angaben der Polizei blieben die Proteste aber weitestgehend friedlich.

Lebensschutz als Umweltschutz

Bevor die Lebensschützer zu einem drei Kilometer langen Marsch durch Berlin aufbrachen, sagte der ehemalige Vize-Präsident des Bundestages, Johannes Singhammer, dass zum Umweltschutz auch der Schutz menschlichen Lebens gehöre. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um geborenes oder ungeborenes Leben handele. In Richtung Gegendemonstranten sagte der CSU-Politiker: „Der Schutz des ungeborenen menschlichen Lebens hat nichts mit Hass und Hetze zu tun, sondern mit Versöhnung gegenüber der Schöpfung und mit Frieden.“

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht Hartmut Steeb lud die Teilnehmer anschließend zu einer Schweigeminute in Gedenken an die „viel zu früh und vor der Geburt verstorbenen Kinder“ ein.

Die Veranstalter stellten anschließend acht Forderungen für „mehr Lebensschutz“ vor. Unter anderem verlangten sie ein Ende der assistierten Sterbehilfe, das Ende von Leihmutterschaft und sogenannte ethische Impfstoffe, die ohne Verwendung von Zellen abgetriebener Kinder produziert werden.

„Lebensschutz ist Frage der Gnade“

Im abschließenden Gottesdienst sagte der Berliner Erzbischof Heiner Koch, dass Lebensschutz keine Frage von Moral oder Ethik sei. Vielmehr handele es sich um eine Frage der Gnade. Gott habe jeden Menschen einmalig geschaffen, begabt und begnadigt. Gott habe die Fülle des Lebens geschenkt. Ohne dieses Gnadengeschenk sei kein Leben möglich. Deswegen sei es gut, für Leben zu kämpfen.

Neben mehreren Rednern auf der Bühne übermittelten weitere Persönlichkeiten aus Politik und Kirche schriftliche Grußbotschaften. So forderte Philipp Amthor (CDU) starke Stimmen, die ein „werteorientiertes und lebensbejahendes Gesellschaftsbild“ vertreten. Amthor betonte, dass das Grundgesetz dem Staat den klaren Auftrag zum Schutz des Lebens gebe. Das Grundgesetz sei keine Verfassung für das Sterben.

Grußworte übermittelten weiterhin der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz Ekkehart Vetter, sowie die Journalistin Birgit Kelle.

Von: Martin Schlorke

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Sun, 20 Sep 2020 10:53:00 +0200
<![CDATA[Plakat-Aktion gegen Menschenhandel startet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/19/plakat-aktion-gegen-menschenhandel-startet/ Am Samstag hat das Bündnis „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ die Kampagne „SchattenDasein“ gestartet. Mit drei verschiedenen Plakatmotiven und einem Videoclip will das Bündnis auf das Leid vieler Prostituierter in Deutschland hinweisen und darauf aufmerksam machen, dass „das weit verbreitete Bild von der selbstbestimmten und freiwilligen Prostitution häufig trügt“. Oft seien etwa Geldnot, Drogen, Gewalt, persönliche Zwänge oder auch Menschenhandel die Ursachen dafür.

Zugleich fordern die Initiatoren der Kampagne eine „umfassende Strategie“, um Menschenhandel zu bekämpfen. Deutschland habe eine der liberalsten Gesetzgebungen zu Prostitution, heißt es in einer Pressemitteilung dazu. Es sei ein „Herkunfts-, Transit- und Zielland für Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“.

Auf den Plakaten sind die Beine einer Frau in hochhackigen roten Schuhen zu sehen, dazu ein Schatten auf der Straße, der auf die dahinterliegende Not der Prostitution hinweist. So wirft eine der angedeuteten Frauen den Schatten eines Mädchens. Der Slogan „Für Kinder kein Spiel“ macht deutlich, dass rund 1,8 Millionen Kinder weltweit zu Pornografie oder Prostitution gezwungen werden. Die beiden anderen Motive nehmen Bezug auf Zwang und wirtschaftliche Existenznot von Frauen in der „Sexindustrie“.

Die Plakatkampagne wurde am Freitag in Berlin vorgestellt, in mehreren anderen Städten finden Aktionen dazu statt. Auf der dazugehörigen Website gibt es weiterführende Informationen zum Thema Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung.

Von: Jonathan Steinert

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Sat, 19 Sep 2020 12:04:00 +0200
<![CDATA[Neuer Streamingdienst für christliche Filme]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/09/18/neuer-streamingdienst-fuer-christliche-filme/ „Saltflix“ ist ein neuer Streaming-Dienst, der englischsprachige Filme mit christlichem Bezug anbietet. Laut Gründer James Alford seien Familien und Konservative die Zielgruppe. „Saltflix ist eine multikulturelle und glaubensfreundliche Streaming-Plattform, die Kunden eine sichere und familienfreundliche Alternative zu anderen Anbietern gibt“, schreibt Alford in einer Pressemitteilung.

„Saltflix“ gebe dem Glauben einen hohen Stellenwert und garantiere Unterhaltung für die ganze Familie. Auf der Seite, die seit dem 18. September online ist, sind Filme und Serien wie bei anderen Diensten nach Kategorien geordnet. Dramen und Thriller werden durch Bibelgeschichten, internationale Filme, Dokumentationen, Kurzfilme und Musikvideos ergänzt. „Wir haben für jeden etwas, der nach christlichem Entertainment für die ganze Familie sucht“, schreibt Alford. Außer über die Internetseite soll „Saltflix“ innerhalb einer Woche auch über den Appstore verfügbar sein.

Ein Abo kostet monatlich 6,90 Euro, außerdem können Interessierte ein siebentägiges Probeabo starten. Als deutschsprachige Alternative eines christlichen Streamingdienstes gibt es „Yesflix“ von Bibel TV.

Von: Immanuel Dobrowolski

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Fri, 18 Sep 2020 17:36:00 +0200
<![CDATA[„Plötzlich Weihnachten? – Nicht mit uns!“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/09/18/ploetzlich-weihnachten-nicht-mit-uns/ Das katholische Bonifatiuswerk hat gemeinsam mit der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz eine Ideenbörse ins Leben gerufen. Bei den „Sternstunden der Menschlichkeit“ sollen in den kommenden Monaten regelmäßig neue Ideen, Projekte und Anregungen zur Gestaltung der Advents- und Weihnachtszeit vorgestellt werden. Das Netzwerk soll dabei helfen, Weihnachten auch in der Corona-Krise zu feiern, teilte das Werk am Donnerstag mit.

Die Plattform soll dazu dienen, Weihnachten 2020 als „Sternstunden der Menschlichkeit“ erlebbar zu machen. Angeboten werden dabei schon jetzt konkrete Impulse: „Die Botschaft von Jesu Geburt gibt uns auch in schwierigen Zeiten Hoffnung“, erklärt der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen. Gerade während der anhaltenden Corona-Pandemie dürften Christen das feiern und weitersagen.

Kostenlose Sonderpublikation zu Weihnachten

Die Initiatoren vernetzen sich mit evangelischen und katholischen Initiativen, Gemeinden, Vereinen und Institutionen und laden diese dazu ein, ihre Ideen online zu teilen und sich gleichermaßen von anderen guten Ideen inspirieren zu lassen: „Wir hoffen, dass viele Ideen eingestellt werden, denn davon lebt die Plattform“, betont Austen.

Die Ideenbörse solle zugleich eine Inspiration für Kirchengemeinden sein, die sich wegen Corona unter ganz anderen Bedingungen auf die Advents- und Weihnachtszeit vorbereiten müssen. Darüber hinaus plant das Bonifatiuswerk viele digitale Angebote in den sozialen Medien. Darüber hinaus gibt es eine kostenlose Sonderpublikation zum Weihnachtsfest. Diese wird in der Heftreihe „Kirche im Kleinen“ erscheinen, die bereits eine Auflage von 6,5 Millionen Exemplaren erreicht hat.

Das Heft möchte Anregungen zur Feier des Weihnachtsfestes geben und kann gezielt in der Kirche, an der Krippe, in Gemeindezentren oder an anderen Orten ausgelegt werden. Mit der Aktion „Tat.Ort.Nikolaus“ möchte das Hilfswerk zusätzlich in ganz Deutschland Orte guter Taten fördern und so zum Nikolaustag die Werte Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Respekt mehr in den Fokus der Gesellschaft rücken.

Vermutlich müssen die Menschen zu Nikolaus und Weihnachten noch die soziale Distanz wahren. Um Menschen Hoffnung zu schenken, hat das Bonifatiuswerk die „Aktion Hoffnungspost“ initiiert. Mit ihr könne man einem geliebten Familienmitglied, einem Angehörigen, Freunden, kranken, alleinstehenden oder älteren Menschen eine kleine Freude machen. Dies könne gemeinsam verbrachte Zeit, ein Gebet oder eine kleine persönliche Geste wie das Versenden einer Hoffnungspost sein, betont Austen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 18 Sep 2020 13:39:00 +0200
<![CDATA[„Facebook tötet die Demokratie“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/09/17/facebook-toetet-die-demokratie/ Nachrichten-Feeds in Sozialen Netzwerken werden durch Algorithmen erstellt. Inhalte, die die stärksten Reaktionen hervorrufen, werden dadurch häufiger angezeigt. Das erklären Tristan Harris und Roger McNamee, zwei Aussteiger aus der digitalen Industrie, in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, und warnen vor dieser Verstärkung bestimmter Nachrichten und Emotionen. Facebook kombiniere Sucht, Wut und Hass, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu binden, und gefährde damit die Demokratie.

Hass, Desinformation und Verschwörungstheorien seien laut McNamee die Inhalte, die Facebooks Algorithmus vorrangig auswähle. Videos von Verschwörungstheoretikern würden öfter empfohlen als alle seriösen Nachrichtenseiten zusammen, bemerkte Harris. Dies führe dazu, dass viele Amerikaner glaubten, der Klimawandel werde durch „Chemtrails“, im Auftrag der Regierung verbreitete Chemikalien aus Flugzeugen, verursacht. Auch die Haltung von Impfgegnern oder eine verzerrte Wahrnehmung von Politik führt Harris auf die Macht der Algorithmen zurück. „Dieses System hat uns radikalisiert. Ich versuche, den Menschen zu zeigen, dass das ein künstlicher Prozess über Jahre war, damit sie aus der Matrix ausbrechen können“, sagte er.

„Man müsste algorithmische Verstärkung abschaffen“, forderte McNamee. Nachrichten-Feeds sollten stattdessen wieder nach Thema und Veröffentlichung sortiert werden und dem Nutzer nicht mehr von Algorithmen ausgewählte Standpunkte aufdrängen. Dies sei gerade bei Wahlen wichtig. „Facebook ist eine Maschine, die die Demokratie tötet“, sagte Harris. Dagegen tue der Konzern nichts. „Er müsste den Nachrichten-Feed oder die Werbung für längere Zeit abschalten, zumindest während den Wahlkämpfen.“

„Programmierer sollten ‚hippokratischen Eid‘ ablegen“

Demokratien seien unterschiedlich anfällig. „Das Wunderbare an Kontinentaleuropa ist, dass seine politischen Institutionen stark genug sind, allen politischen Angriffen zum Trotz“, sagte McNamee. In den USA, Großbritannien, Brasilien und Indien habe die Technik aber den Ausgang von Wahlen beeinflusst. Digital-Unternehmen würden sich dieser Verantwortung entziehen. Nur Druck von außen könne helfen, das Geschäft mit der Aufmerksamkeit zu beenden, sagte Harris.

Harris und McNamee sehen die Verantwortung aber nicht nur bei den Konzernen, sondern fordern auch einen „hippokratischen Eid“ für Programmierer, die an den Algorithmen arbeiten. „Ein Bauingenieur kann zur Verantwortung gezogen werden, wenn ein Gebäude einstürzt. Programmierer gehen kein persönliches Risiko ein“, sagte McNamee. Harris fügte hinzu: „Es sollte sein wie bei den Programmierern von Boeing: Die mussten auf dem Jungfernflug des Flugzeugs, das sie programmiert hatten, mitfliegen.“

Tristan Harris hat Informatik und Verhaltenspsychologie studiert. Er arbeitete bis 2015 bei Google, zuletzt in der Position eines „Design-Ethikers“. Nach seinem Ausstieg gründete er einen gemeinnützigen Verein, das Zentrum für Humane Technologie, das sich für eine Regulation und Neuausrichtung von Sozialen Medien einsetzt. Roger McNamee ist Geschäftsmann. Er investierte früh in Facebook und beriet Marc Zuckerberg. Durch den US-Wahlkampf 2016 entwickelte er eine kritische Haltung zu Sozialen Netzwerken. Mittlerweile besitzt er keine Facebook-Aktien mehr.

Von: Immanuel Dobrowolski

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Thu, 17 Sep 2020 16:40:00 +0200
<![CDATA[Flüchtlingsbericht aus Moria, Gerd Müller tritt ab, Döpfner mahnt Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/09/17/fluechtlingsbericht-aus-moria-gerd-mueller-tritt-ab-doepfner-mahnt-medien/ Von Nicolai Franz]]> Am Mittwoch ließ das Comedy-Duo „Joko & Klaas“ Milad Ebrahimi seine Geschichte aus Moria erzählen. Der 21-jährige Afghane berichtete, wie er nach Europa fliehen wollte, weil es hier Freiheit und Menschenrechte gebe. Übrigens ist es bis heute legal kaum möglich, einen Asylantrag zu stellen. Also steigen Flüchtlinge wie Ebrahimi in die Boote. Der erste Versuch scheiterte, beim zweiten zerstörte die griechische Küstenwache den Motor des Bootes, auf dem er mit 40 anderen Menschen saß, darunter Frauen und Kinder. Mehrere Tage trieben sie hilflos auf der See, bevor die türkische Küstenwache sie aufs Festland brachte. Erst der dritte Versuch gelang, Ebrahimi freute sich auf die Freiheit. Er wurde bitter enttäuscht. Katastrophale hygienische Zustände, überforderte Behörden und etwa 18.000 verzweifelte Menschen erwarteten ihn im griechischen Lager Moria. „Wir waren gebrochen. Ist das wirklich Europa?“ Als vor Kurzem das Feuer ausbrach und Demonstrationen folgten, setzte die griechische Polizei Tränengas ein, sogar gegen Kinder. Die Bilder, die am Mittwoch auf ProSieben liefen, sind erschütternd, entsprechend findet sich im Video ein Warnhinweis. „Ist das wirklich Europa?“ Eine berechtigte Frage. Eines ist es auf jeden Fall: eine Schande.

Seit 2013 war er Entwicklungsminister, nun kündigte er seinen Rückzug an: Gerd Müller (CSU) will am Ende der Legislaturperiode aufhören. Während seine CSU-Ministerkollegen Scheuer und Seehofer immer wieder aneckten, arbeitete Müller geräuschlos und zielstrebig. Er setzte sich immer für eine humane Flüchtlingspolitik, Nachhaltigkeit und sinnvolle Entwicklungshilfe ein. Seine Überzeugungen schöpfte der gläubige Christ aus der katholischen Soziallehre. Die besten gehen oft zu früh.

Die Katholische Studierende Jugend (KSJ) sorgte diese Woche für Wirbel, weil sie Gott nun gendert: Gott*. Sie wolle „weg von dem strafenden, alten, weißen Mann mit Bart“. Ein hehres Ziel, denn Gott ist natürlich weder männlich noch weiblich. Laut Jesaja will er trösten wie eine „Mutter“, ist aber gleichzeitig „unser Vater“. Doch braucht es dazu ein nicht aussprechbares Gendersternchen am Ende des Wortes? Eine wirklich überzeugende Lösung ist noch nicht in Sicht.

Matthias Döpfner ist so etwas wie Deutschlands Ober-Journalist. Er ist nicht nur Vorstandschef des Axel-Springer-Verlags, sondern auch Präsident des Bundesverbandes der Digitalpublisher und Zeitungsverleger. „Wir Medien müssen Chronisten sein, Zeitzeugen der Realität. Und nicht Missionare eines bestimmten Weltbildes. Wenn Journalisten von Aktivisten nicht mehr zu unterscheiden sind, dann können wir einpacken. Dann braucht es uns nicht mehr. Aktivismus ist das Gegenteil von Journalismus – auch wenn es um eine gute Absicht geht“, sagte er jüngst in einem Vortrag. Döpfners Mahnung gehört eigentlich zum kleinen Einmaleins des Journalismus. Dass er sie trotzdem aussprechen muss (und zwar auch in seinen eigenen Verlag), zeigt aber, dass sie nötig ist. Gerade in Zeiten wie diesen.

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Thu, 17 Sep 2020 15:29:00 +0200
<![CDATA[Wer darf über den Tod entscheiden?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/17/wer-darf-ueber-den-tod-entscheiden/ Richard Gärtner möchte nicht mehr leben. Seine Frau ist vor drei Jahren gestorben, die letzten 18 Monate hat sie sich gequält. Gärtner bat seine Ärztin um Beihilfe zum Suizid und hat ein Medikament beantragt, das in anderen Ländern von Sterbehilfe-Organisationen eingesetzt wird. Jetzt muss der Ethikrat entscheiden, wie weiter vorzugehen ist.

In Ferdinand von Schirachs Buch „Gott“ hören sich die Mitglieder den Fall an und müssen dann ein Urteil fällen. Zunächst wird der Fall geschildert. Dann kommen die Sachverständigen zu Wort: ein Arzt, ein Jurist und ein Theologe. Aus juristischer Sicht gibt es nämlich ein Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts, das die Rechte von Herrn Gärtner garantiert. Übrig bleibt die ethische Dimension des Stücks.

Antragsteller möchte in Ruhe sterben

Dies ist der Stoff des neuen Stücks des Schriftstellers Ferdinand von Schirach. Bereits in seinem ersten Drama „Terror“ hat er das abschließende Urteil den Lesern und Zuhörern überlassen. Beim Fall von Richard Gärtner dreht sich alles um die Frage, wer über Tod von Menschen entscheidet. Richard Gärtners Frau litt an einem Hirntumor. Die Beiden waren 42 Jahre verheiratet. Er fragt sich, ob es richtig sein kann, dass er noch da ist und seine Frau nicht. Eigentlich möchte er auch nur in Ruhe sterben.

Dann treten die Sachverständigen in Erscheinung. Der Jurist erklärt die Rechtslage in Deutschland, der Arzt zeigt die Chancen der Palliativ-Medizin auf, verschweigt aber nicht, dass Gärtner Anspruch auf das Medikament hätte, der katholische Theologe weist auf das Wächteramt der Katholischen Kirche hin.

In der Debatte der Sachverständigen mit dem Richter werden viele ethische Themen gestreift. Würde es bei einer Pro-Entscheidung zu einem Dammbruch kommen und das Sterben verhandelbar werden? Muss die Entscheidung nach christlichen Werten getroffen werden? Wie würde sich das Bild eines Arztes verändern, der nicht im und beim, sondern zum Sterben hilft?

Starke Charaktere sorgen für Emotionen

Gärtners Anwalt nutzt ein Bild, um sein Plädoyer deutlich zu machen. Notausgänge seien gebaut worden, um sie zu benutzen. Auch der Patient selbst habe eine Autonomie und Würde und der Mensch sei frei genug, um über sein Leben zu entscheiden. Von Schirach gelingt es, mit den Charakteren auch Emotionen in die Debatte einzubringen.

Am Ende des Buches müssen sich Ethikrat und Leser entscheiden. Soll alleine Gott die Entscheidung über Leben und Tod treffen, weil er es geschenkt hat? Oder ist der Tod, um Gärtners Sichtweise einzunehmen, kein abstraktes Problem, sondern ein persönliches, aus dem sich Staat und Religion herauszuhalten haben? Ergänzt wird der Band um Essays von drei namhaften Wissenschaftlern, die das Thema der ärztlichen Suizidbegleitung aus medizinethischer, juristischer und theologisch-philosophischer Perspektive beleuchten.

Das Erste zeigt im November 2020 den mit Barbara Auer, Lars Eidinger, Matthias Habich, Ulrich Matthes, Anna Maria Mühe, Christiane Paul, Götz Schubert und Ina Weisse besetzten Fernsehfilm, den der mehrfach ausgezeichnete Regisseur Lars Kraume nach dem gleichnamigen Theaterstück und Buch „GOTT“ von Ferdinand von Schirach inszeniert hat. Wie bei „TERROR – Ihr Urteil“, sind auch diesmal die Zuschauer aufgerufen, multimedial abzustimmen und zu diskutieren. Nach Verkündung des Ergebnisses wird Frank Plasberg die Zuschauerentscheidung in seiner Sendung „hart aber fair" mit Experten erörtern.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 17 Sep 2020 14:36:00 +0200
<![CDATA[Berlin: Christen planen Verteilaktion evangelistischer Zeitungen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/17/berlin-christen-planen-verteilaktion-evangelistischer-zeitungen/ Mit der Aktion „Deine Nächsten sind es wert“ haben Global Outreach Deutschland, die Evangelische Allianz Berlin und Gemeinsam für Berlin eine Verteilaktion einer evangelistischen Zeitung in Berlin geplant. Der Zusammenschluss hofft auf die Unterstützung lokaler Gemeinden, um die kostenlose Zeitung „life.de print“ vom 3. bis zum 9. November 2020 in Berlin als Geschenk an alle Haushalte zu verteilen. Für die Gemeinden besteht die Möglichkeit, der Zeitung individualisierte Flyer hinzuzufügen, um durch die Verteilung auf sich aufmerksam zu machen.

Gerade in Zeiten der Corona-Krise seien Menschen verunsichert und bräuchten Hoffnung. Die Organisatoren wollen Berlinern mit der Zeitung „die Möglichkeit geben, durch lebensnahe evangelistische Geschichten die beste Nachricht zu entdecken“, heißt es auf der Website der Aktion. Dabei sei die Zeitung bewusst im Stil der „Bild“-Zeitung gehalten, um jeden anzusprechen. Auch seien das Evangelium und die Geschichten der Zeitung so geschrieben, dass jeder Nichtchrist versteht, worum es geht.

Druckkosten bereits bezahlt

Die Idee der Aktion ist, dass Gemeinden ihre Postleitzahlengebiete „adoptieren“, um dort die Zeitung zu verteilen. Nach Angaben der Organisatoren haben die meisten Postleitzahlen in Berlin weniger als 15.000 Haushalte. 15 bis 30 Personen könnten ein Postleitzahlengebiet pro Tag abdecken, die Aktion könne aber auch auf mehrere Tage verteilt werden. Nach der Verteilung kann jeder Christ Kollegen, Freunde oder Nachbarn auf die Zeitung ansprechen, um mit ihnen in ein Gespräch über Gott zu kommen.

Der Druck der Zeitung ist bereits komplett bezahlt, lediglich die Versandkosten müssen von Gemeinden gedeckt werden. Individualisierte Flyer in drei verschiedenen Designs können für einen reinen Druckkostenpreis mitbestellt werden. Bestellmöglichkeiten und weitere Informationen können auf der Aktionswebsite unter deinenächsten.de gefunden werden.

Auch Gemeinden außerhalb Berlins können die Zeitung „life.de print“ im Rahmen von „Gemeinsam Deutschland Erreichen“ bestellen. Die Aktion wurde 2016 von Global Outreach Deutschland ins Leben gerufen. Seitdem wurden nach Angaben der Verantwortlichen mehr als 16 Millionen Zeitungen bestellt, mehr als 15.000 Christen waren im Rahmen der Aktion in Deutschland aktiv.

Von: Immanuel Dobrowolski

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Thu, 17 Sep 2020 11:25:00 +0200
<![CDATA[Was, wenn wir nicht alleine sind?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/16/was-wenn-wir-nicht-alleine-sind/ „Als wir die ersten Hinweise auf Phosphin auf der Venus erhielten, war das für uns ein Schock“, berichtete Jane Greaves am Montag. Die Astronomin der Universität Cardiff hatte den Stoff als leitende Forscherin mittels eines Versuchs nachgewiesen – und die Welt der Wissenschaft in helle Aufregung versetzt. Denn Phosphin ist bisher nur als hochgiftiges Produkt von Stoffwechselabläufen bekannt. Stoffwechsel gibt es allerdings nur bei Lebewesen. Daher könnte die Entdeckung als Hinweis auf außerirdisches Leben gedeutet werden – ausgerechnet auf einem eigentlich extrem lebensfeindlichen Planeten.

Auf der Oberfläche der Venus herrschen Temperaturen um die 500 Grad, der Druck ist so hoch, dass er Gegenstände zerdrücken würde. Erst in höheren Schichten der Venus-Atmosphäre herrschen andere Bedingungen – und dort vermuten Forscher so etwas wie Leben. Doch der Beweis dafür steht, wie bisher immer bei solchen Ankündigungen, noch aus.

Wenn tatsächlich außerirdisches Leben nachgewiesen würde, könnte es für Christen ein mindestens ebenso großer Schock sein wie für die Forscherin Jane Greaves, als sie das Phosphin entdeckte. „Es wäre nicht das erste Mal“, sagt der Theologe Thorsten Dietz von der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg gegenüber pro. So sei es schockierend für Christen gewesen, als sie nach der Entdeckung der Neuen Welt von Menschen in Nord- und Südamerika erfahren hätten, die mit dem Evangelium noch nicht in Kontakt gekommen seien. Vorher seien sie davon ausgegangen, dass die Apostel „bis an die Enden der Erde gegangen“ seien.

Schon C.S. Lewis beschäftigte sich mit Außerirdischen

Dabei seien „nichtmenschliche intelligente Lebensformen“ eigentlich kein Novum für Christen – schließlich gebe es ja auch Engel – „auch wenn wir nicht wirklich erfassen können, wie sich Gottes Verhältnis zu ihrer Wirklichkeit im Detail gestaltet“. Allerdings gehe es in der Bibel nicht um die Verkündigung eines Weltbildes, sondern um Gottes Offenbarung.

Dietz weist darauf hin, dass sich schon der britische Literaturwissenschaftler und Autor C.S. Lewis in drei Science-Fiction-Romanen mit der Frage beschäftigt habe, wie man mit der Entdeckung außerirdischen Lebens umgehen könne. Der Roman „Perelandra“ etwa erzähle vom Leben auf der Venus. In den Erzählungen würden die Planeten unterschiedliche Wege gehen. Manche Geschöpfe darin seien „nie aus der Gemeinschaft mit Gott gefallen“, sie alle wollten aber den Schöpfer erkennen und ehren. „Mit C.S. Lewis glaube ich, dass wir in Jesus von Nazareth tatsächlich den Schöpfer des Universums anschauen können. Wie er sich andernorts offenbart, ist seine Sache.“

Kontakt mit intelligenten Aliens unwahrscheinlich

Ähnlich sieht es der Theologe Douglas Estes. In Christianity Today schrieb er vergangenes Jahr unter dem Titel „Liebe deinen außerirdischen Nächsten“: „Wenn und falls wir außerirdisches Leben entdecken, werden wir es ‚Alien‘ nennen. Doch vielleicht sollten Christen es auch ‚die Nächsten‘ nennen. Gott wird es aber natürlich ‚gut‘ nennen.“

Dietz hält den Kontakt mit intelligenten Außerirdischen, wenn es sie denn geben sollte, allerdings für ausgeschlossen, weil die Entfernungen zu groß seien. Zwar können die Menschen in „Star Trek“ mit „Warp-Geschwindigkeit“ mit einem Vielfachen der Lichtgeschwindigkeit reisen. Doch „wenn die Lichtgeschwindigkeit eine absolute Grenze für jede Bewegung im Universum darstellt, wird es niemals das Jahr des ersten Kontakts geben“, sagt Dietz.

Der Theologe wirbt trotzdem für eine positive Sicht, denn Außerirdische könnten für die Phantasie eine Bereicherung sein: „Wir können die Grundfragen des Lebens noch einmal neu und anders durchdenken.“

Von: Nicolai Franz

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Wed, 16 Sep 2020 17:02:00 +0200
<![CDATA[EKD rüstet sich für Weihnachtsfeiern in Stadien und auf Marktplätzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/16/ekd-ruestet-sich-fuer-weihnachtsfeiern-in-stadien-und-auf-marktplaetzen/ Angesichts andauernder Einschränkungen wegen der Corona-Epidemie rüstet sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für Weihnachtsgottesdienste in Fußballstadien und auf Marktplätzen. Auch in Autokinos werde es Gottesdienste geben, teilte die EKD am Dienstag in Hannover mit. Neben dem Einsatz von vielen Ehrenamtlichen werde es Kooperationen mit Feuerwehr und Technischen Hilfswerk geben, um auf zentralen Plätzen sicher feiern zu können. Beispielsweise in Cottbus laufen bereits seit einigen Wochen Vorgespräche für einen Weihnachtsgottesdienst im Stadion.

Die Gemeinden bereiteten sich auf mögliche Alternativen zu Gottesdiensten in Kirchen vor, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Interview mit RTL und ntv. Neben digitalen Formaten und den Übertragungen im Fernsehen und Radio wolle man raus ins Freie. „Wir wollen in die Mitte der Orte: Auf die Marktplätze, auf Fußballplätze, vielleicht auch an den Waldrand.“ Man habe Erfahrungen mit Gottesdiensten in Stadien. Die Menschen scheuten sich nicht vor Wetter und Kälte. „Die ziehen dann eine lange Unterhose an.“

Eltern als Aushilfspfarrer

Da niemand wisse, welche Regeln an Weihnachten gelten, seien auch neue digitale Formate in Vorbereitung: „Wir sind auch dabei, digitale Krippenspiele zu entwickeln und schließlich gibt es dann viele Materialien für Hausandachten“, sagte Bedford-Strohm. Man arbeite an einer Homepage mit Anleitungen für Hausgottesdienste. Eltern könnten so im Zweifel als Aushilfspfarrer tätig werden.

Viele Kirchen sollten als Ort der Stille geöffnet sein, die Weihnachtsgottesdienste fänden dann davor statt, erklärte ein EKD-Sprecher. Krippenspiele auf dem Bauernhof seien beispielsweise im Bergischen Land geplant. In vielen Pflegeheimen werde es statt eines zentrales Gottesdienstes viele kleinere Gottesdienst-Teams geben, die Andachten in den Wohngruppen feierten.

Von: dpa

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Wed, 16 Sep 2020 17:00:00 +0200
<![CDATA[Bernd Tiggemann wird neuer Leiter der Kommunikation in der EKD]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/16/bernd-tiggemann-wird-neuer-leiter-der-kommunikation-in-der-ekd/ Der 49-jährige Bernd Tiggemann wird neuer Leiter der Stabsstelle Kommunikation im EKD-Kirchenamt. Der Kommunikationsexperte tritt sein Amt am 1. Dezember 2020 an, teilte die EKD mit. Er löst seinen Vorgänger Michael Brinkmann ab, der die EKD im September 2019 verlassen hatte.

Tiggemann wurde 1970 in Gütersloh geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er studierte Evangelische Theologie in Bielefeld und Bochum. Nach einem Sondervikariat bei der Evangelischen Wochenzeitung Unsere Kirche war er drei Jahre lang Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Gütersloh. Bis 2009 war er Gemeindepfarrer in Verl, anschließend Online-Redakteur und Internetbeauftragter der Evangelischen Kirche von Westfalen. Seit 2014 leitete er den Arbeitsbereich Kommunikation im Bielefelder Landeskirchenamt. Tiggemann war von 2007 bis 2016 Autor der Radiosendung „Kirche in 1LIVE“ und ist seit Dezember 2016 Mitglied des WDR-Rundfunkrats.

Der Präsident des Kirchenamtes der EKD, Hans Ulrich Anke, hob in einer Pressemitteilung Tiggemanns Expertise und bisherige berufliche Erfahrung hervor sowie seine „hervorragende Vernetzung in der evangelischen Kirche“. So habe sich beispielsweise in Westfalen Tiggemanns Strategie bewährt, „konsequent den Einsatz digitaler Instrumente in der Kommunikation auszuweiten und dabei auf synergetische Nutzung möglichst vieler Akteure innerhalb Westfalens und auf das Zusammenwirken mit anderen Landeskirchen zu setzen“. Anke betonte, wie wichtig die Kommunikation nach innen und außen angesichts der Veränderungsprozesse sei, die die evangelische Kirche derzeit erlebe.

Tiggemann selbst sagte: „Ich freue mich sehr darauf, die Themen, Botschaften und Personen der Evangelischen Kirche in Deutschland strategisch zu positionieren und damit einen Beitrag zur Zukunft unserer Kirche zu leisten.“

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 16 Sep 2020 16:32:00 +0200
<![CDATA[„Kirche hat während Corona nicht geschwiegen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/16/kirche-hat-waehrend-corona-nicht-geschwiegen/ Während der Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise sind Geistliche dank digitaler Möglichkeiten mehr gehört worden als sonst. Das sagte der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, im Interview der Kirchenzeitung Glaube+Heimat, das am 20. September erscheint. Den Vorwurf, die Kirchen hätten während der Krise geschwiegen, wies er als Lüge zurück. „Pauschale und in der Diktion unprotestantische Vorwürfe sind rufschädigend für die Kirche und den Glauben“, betonte er und bedauerte, dass Kritik oft nicht geistlich geäußert werde. „Die Heilige Schrift sagt klar: Denk nach, bevor du sprichst, und schau, ob es auferbauend ist und ob es der Sache Jesu dient.“

Kirchenleiter hätten mit ihren Äußerungen nicht jede Erwartung erfüllt. Dennoch stellte Kramer fest: „Wir haben viele geistliche Themen eingebracht: Nächstenliebe, Geduld, Hoffnung, Tod und Auferstehung und sind unserem Auftrag nachgekommen.“ Die kirchliche Verkündigung, Seelsorge und geistliche Begleitung hätten vielen Menschen in der Zeit Halt gegeben. „Wir sind vielleicht nicht systemrelevant im Sinne von Essen, Trinken, Müllabfuhr und Gesundheit, aber wir sind himmelreichsrelevant.“

Corona-Krise ruft zur Buße

Kramer gestand ein, dass Kirchenleiter den Einschränkungen bei der Sterbebegleitung und Seelsorge in Senioren- und Pflegeheimen nicht widersprochen hätten. Mit dem Thema befasst hätten sie sich durchaus. So berichtete Kramer, dass seine Kirche Schutzkleidung für Krankenhausseelsorger bestellt habe. Die sei aber erst vier Monate später eingetroffen. „Das lag uns schwer auf der Seele, und ich frage mich: Haben wir hier versagt?“

Für ihn sei die Krise keine „Zeit der lauten Worte“, sondern der „Buße, der Stille und des Gebets“. Die Corona-Zeit rufe zur Buße auf und stelle die Menschen vor ernste Fragen: „Bin ich bereit, getröstet zu sterben? Was hat Gott mit mir und uns vor? Wie machen wir als Gesellschaft weiter?“

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 16 Sep 2020 12:33:00 +0200
<![CDATA[Wie ein Katholik mit seiner Homosexualität umgeht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/09/14/wie-ein-katholik-mit-seiner-homosexualitaet-umgeht/ Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil]]> Daniel C. Mattson wuchs in einem christlichen Elternhaus auf. Er fühlte sich schon früh zu Jungen hingezogen. Wie sich das auf seine Gottesbeziehung und seinen christlichen Glauben auswirkte, beschreibt er eindrücklich in dem Buch „Warum ich mich nicht als schwul bezeichne“. Das Buch ist nicht nur Mattsons Lebensgeschichte, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der katholischen Glaubenslehre.

Der Autor erzählt auf über 350 Seiten auch, wie er mit seiner sexuellen Neigung kämpft. Mattson beschäftigt sich dabei nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit dem, was wichtige katholische Geistliche und Theologen zu dem Thema sagen. Ihm ist eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema wichtig. Der Leser soll erfahren, welche Lektionen Mattson für sich gelernt hat.

Der Autor kommt als jüngstes seiner Geschwister zur Welt. Seine Mutter wünschte sich ein Mädchen, aber der Traum erfüllt sich nicht. Mattson schreibt, dass er schon als Sechsjähriger gerne andere Jungs beobachtet hat. Sein gesamtes Leben fühlt er sich als Außenseiter. Den Sportunterricht wollte er oft „einfach nur überstehen“, weil er sich nicht zugehörig fühlte. In der Umkleidekabine schämte er sich für seinen spät entwickelten Körper.

Zwei Visionen von Glück und Freiheit

Auf dem College reift bei ihm erstmals der Gedanke, dass er homosexuell sein könnte. Ab dann ist er hin- und hergerissen zwischen „zwei Visionen von Glück und Freiheit“. Er schreibt in dem Buch, dass er Homo- und Heterosexualität auf der Suche nach dem Glück durchwandert. Neidisch blickt er auf Männer mit gesundem Selbstvertrauen, die Erfolg bei Frauen haben.

In dieser Lebensphase wird er sich seiner eigenen Einsamkeit richtig bewusst. Trost sucht der Autor in Pornografie und beim Telefonsex. Er ist wütend auf Gott und die sexuelle Orientierung, die er ihm gegeben hat, aber nicht gut findet. Auch die ersten Partnerschaften mit Männern und eine Liason mit einer Frau bringen nicht das ersehnte Glück. Er denkt, dass er außerhalb von Gottes Plan für menschliche Sexualität liegt.

Echte Erfüllung empfindet er erst, als er sich der Katholischen Kirche zuwendet und beginnt, gemäß ihrer Lehre zu leben und homosexuelle Handlungen zu vermeiden. Für ihn ist es befreiend, seine Zukunft in Gottes Hände zu legen. Er kritisiert in seinem Buch die Lesben- und Schwulen-Bewegung. Sie benutze das Wort „homophob“ als Waffe gegen jeden, der den eigenen Zielen im Weg steht.

Glück in Gott finden – und nicht in sexuellen Beziehungen

Zusätzlich zu seiner Lebensgeschichte erfährt der Leser, wie Mattson sich an philosophischen Texte, Enzykliken und Lehrschreiben abarbeitet. Als Folge seiner Entscheidung hört er damit auf, bei Telefonsex-Diensten anzurufen. „Nicht wegen der eigenen moralischen Stärke“, sondern weil es sich um einsame Winkel handele, in denen sich Männer treffen, um vorzugeben etwas zu sein, was sie nicht sind. Sein enthaltsames Leben versucht er auch außerhalb der Sexualität einzuüben.

Mattsons wichtigste Lektion ist, „dass Gott einen Plan hat, mir mein Leben mit Glück und Segen zu erfüllen“. Er beginnt, seine Einsamkeit – vor der auch Eheleute und große Familien nicht gefeit sind – zu akzeptieren. Er möchte sein Glück in Gott finden und nicht mehr in sexuellen Beziehungen mit Männern. Auch wenn er weiß, dass er dadurch ein Leben als Single mit Zeiten großer Einsamkeit führen wird.

Mattson hat für sich erkannt, dass Gott ihn auf jedem Schritt begleitet und zur Erkenntnis der Wahrheit geführt hat. Deswegen möchte er anderen Menschen davon erzählen, „wo das lebendige Wasser zu finden ist“. Kirche müsse vermitteln, dass Jesus alle Menschen einlade und niemanden verurteile. Das Buch ist eine Mischung aus Hilferuf an andere Menschen, die ähnliche Probleme haben, und dem Gedanken, diese zu vernetzen.

Mattson hat für sich einen Weg gefunden, im Einklang mit der Lehre der Kirche zu leben. Zudem habe die Kirche ihn angenommen, wie er ist. Vielleicht möchte der Autor auch Menschen die Angst nehmen, ihre gleichgeschlechtliche Neigung zu verheimlichen. Dazu ist es ein geeigneter Debattenbeitrag. Mattson will sich nicht auf Attribute wie schwul oder heterosexuell reduzieren lassen. Letzten Endes sei jeder Mensch ein geliebtes Kind Gottes.

Ein Vorwort hat Bischof Gerhard Ludwig Müller geschrieben. Er betont, dass die „Identität im Personalausweis des Schöpfers nicht Gay oder ähnliches sei, sondern Sohn und Freund Gottes“.

Daniel C. Mattson: „Warum ich mich nicht als schwul bezeichne“, Media Maria, 384 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 9783947931170

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 15 Sep 2020 15:02:00 +0200
<![CDATA[Beckstein: „Was christlich ist, wird nicht in Rom oder in Hannover entschieden“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/09/15/beckstein-was-christlich-ist-wird-nicht-in-rom-oder-in-hannover-entschieden/ pro: Die CSU ist 75 Jahre alt. Sie selbst sind zwei Jahre älter und haben mehrere CSU-Jahrzehnte aktiv mitgestaltet. Was sind Ihre ersten Erfahrungen mit der Partei?

Günther Beckstein: In der Weimarer Republik waren die Katholiken in der Zentrumspartei und die Protestanten bei den Deutschnationalen organisiert. Noch in den Konzentrationslagern im Dritten Reich haben Christen beschlossen, eine Union zu bilden, die auf der Basis christlicher Grundwerte Politik gestaltet. Das war revolutionär in einer Zeit, in der es ein Skandal war, wenn ein Protestant eine Katholikin geheiratet hat. In meiner Jugendzeit war neben uns eine katholische Einrichtung. Am Karfreitag haben die Nonnen absichtlich die Wäsche ausgehängt, um zu zeigen, dass für sie der Ostersonntag der Feiertag ist, nicht der Karfreitag. Als evangelische Lausbuben haben wir uns revanchiert, indem wir an Fronleichnam den Teppich geklopft haben. Mitten in dieser Zerstrittenheit startete die Union in der Politik die Ökumene, als die Kirchen noch nichts davon wissen wollten. Daraus wurde eine große Erfolgsstory. Den Aufstieg Bayerns von einem rückständigen Agrarland zu einem modernen Industrieland hat die CSU entscheidend gestaltet. Heute können wir dankbar feststellen, dass die Gegensätze zwischen den Kirchen in der Politik keine Rolle mehr spielen.

Trotzdem dauerte es 60 Jahre, bis mit Ihnen der erste Protestant zum Ministerpräsidenten Bayerns gewählt wurde.

In den Anfangsjahren war ein evangelischer Ministerpräsident – dazu noch aus Franken – in Bayern unvorstellbar. Ich selber habe deswegen, als ich Ministerpräsident wurde, immer darauf geachtet, engen Kontakt mit den katholischen Bischöfen zu pflegen. Meine erste Auslandsreise ging zum Papst Benedikt nach Rom, auch als Verbeugung vor den Katholiken in Bayern.

Damals haben Sie dem Domradio gesagt: „Der Papst kennt mich noch aus seiner Zeit, als er Kardinal in München war und hat sofort gesagt, ‚Es ist für die Bayern doch auch eine eindrucksvolle Veränderung, wenn ein evangelischer Christ Ministerpräsident ist.‘“ Hat dieser Papstbesuch die katholischen CSUler versöhnt?

Dass der Papst mich so wohlwollend begrüßt hat, hat ihnen durchaus geholfen. Es gab aber schon immer einen kleinen Bodensatz von Menschen, die Schwierigkeiten mit einem evangelischen Landesvater hatten.

Heute hat Bayern wieder einen evangelischen Landesvater, woran sich keiner zu stoßen scheint.

Ich sage immer, ich war der Wellenbrecher für Markus Söder.

Was bedeutet es für Sie, dass die CSU „christlich-sozial“ ist?

Das heißt zunächst nicht, dass wir glauben, dass unsere Partei-Mitglieder bessere Christen wären als in anderen Parteien oder dass die CSU ein Monopol auf das Christentum beansprucht. Aber es heißt, dass christliche Werte die Grundlage unserer Partei bilden – und zwar in einer liberal verstandenen Weise. Außerdem legt die CSU auf die sozialen Grundwerte einen besonderen Wert. Diese Kombination hat dazu geführt, dass ich CSU-Mitglied wurde.

Wann war das?

Im Jahr 1968, nachdem ich mein juristisches Studium beendet hatte. Ich war Vorsitzender des Bezirkskonvents der Evangelischen Jugend. Wenn sich da jemand politisch engagierte, dann in der SPD. Dass ich zur CSU gegangen bin, war ungewöhnlich. Im Gegensatz zur katholischen Jugend, die jahrgangsweise in die Junge Union strömte.

Als CSU-Politiker waren Sie mit der Grünen Katrin Göring-Eckardt im Präsidium der EKD-Synode. Heinrich Bedford-Strohm ist SPD-Mitglied und sagte einmal, dass er erstaunt gewesen sei, wie gut man mit Ihnen zusammen arbeiten kann. Haben Sie sich als Christsozialer in der EKD akzeptiert gefühlt?

Damit hatte ich nie Probleme. Ich habe oft gemerkt, wie gut man mit Christen, die in anderen Parteien sind, zusammenarbeiten kann. In einem kirchlichen Amt stehen kirchliche Fragen im Mittelpunkt, nicht die Parteipolitik. Das bedeutet aber auch, dass die Kirche nicht parteipolitisch einseitig agieren darf.

Kritiker monieren, die CSU verhalte sich in manchen Fragen alles andere als christlich oder sozial, wenn sie zum Beispiel eine restriktive Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik fordert.

Ich kenne diese Meinungen, halte sie aber für falsch.

Warum?

Um Max Weber zu bemühen: Die Verantwortungsethik besagt, dass es nicht hilft, wenn etwas nur gut gemeint ist, wie es in der Gesinnungsethik der Fall ist. Es muss auch zu einem guten Ergebnis führen. Wer der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel seit 2015 uneingeschränkt zugestimmt hat, muss umgekehrt zubilligen, dass seit dieser Zeit eine starke rechtspopulistische und in Teilen rechtsextremistische Partei großen Einfluss hat. Es war völlig klar, dass wie in anderen europäischen Ländern eine neue Rechtspartei entsteht, wenn man die Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung aufgibt. Das war ein schwerer Fehler. Dazu kommt, dass Integration nur in einem bestimmten Umfang zu leisten ist.

Was Verantwortungsethik für die CSU bedeutet

Wäre die AfD also nicht so stark, wenn sich die CSU mit ihrer restriktiven Haltung durchgesetzt hätte und Deutschland zum Beispiel die seit Schengen offenen Grenzen geschlossen hätte?

Ich bin gegen Grenzschließungen. Schon früher kamen regelmäßig Hunderttausende Menschen nach Deutschland. Immer galt dabei: Wer wirklich verfolgt wird, wird aufgenommen. Aber wir wollten unterbinden, dass Menschen unter dem Deckmantel des Asylrechts hierher kommen, weil sie hier ein wirtschaftlich besseres Leben haben wollen. Ich finde es unbestreitbar, dass diese Einstellung auch für Christen ein möglicher Weg ist.

Vor kurzem wütete im Flüchtlingslager in Moria ein Feuer, schon vorher herrschten dort furchtbare Verhältnisse. Viele Christen finden, eine christlich orientierte Politik muss den betroffenen Menschen dort sofort helfen – und auch die Menschen in den Flüchtlingsbooten auf dem Mittelmeer retten.

Natürlich darf man niemanden ertrinken lassen. Allerdings liefert die Seenotrettung auch große Anreize, dass die Leute sich in gefährliche Situationen und schließlich in Seenot begeben. Ich habe mir das wiederholt in Nordafrika angesehen. Die Lage war eindeutig: Wenn ein Flüchtling auf ein seetüchtiges Schiff steigen würde, würde er zum Beispiel in Neapel beim Betreten der Europäischen Union nach einem Visum gefragt. Wenn er keines hat, wird er zurückgewiesen. Deswegen steigt er das nächste Mal für viel Geld auf ein seeuntüchtiges Schiff. Es kann nicht sein, dass man diejenigen aufnimmt, die sich über alles Recht hinwegsetzen, und die Anständigen, die um ein Visum bitten, zurückweist.

Also brauchen wir eine Lösung.

Wenn sich die evangelische Kirche an der Seenotrettung beteiligt, dann sollte sie auch konsequent sein. Diese Menschen sollten in Deutschland aufgenommen werden, und zwar auf Kosten der Kirche. Auch der Staat muss sich großzügig zeigen. Aber dass der Staat Menschen aufnimmt, die darauf keinen Anspruch haben, das kann niemand für richtig halten. Auch ein noch so liberaler Kirchenmann kann nicht erklären, wie wir die zig Millionen Menschen, die nach Europa wollen, einfach aufnehmen können. Wir können sehr wohl für unsere Politik in Anspruch nehmen, dass wir sie unter christlichen Aspekten formulieren. Allerdings wird die Frage, was christlich ist, nicht in Rom oder in Hannover entschieden, sondern im Gewissen des einzelnen Christen.

Zur Gründungszeit der CSU gehörten noch ungefähr 95 Prozent der Deutschen zu einer Kirche. Heute ist es nur noch gut die Hälfte. Ist es dann noch zeitgemäß, eine Partei explizit christlich zu nennen?

Das Attribut „christlich“ ist heute keine werbewirksame Maßnahme mehr. Es heißt immer wieder, wir würden uns christlich nennen, um Wählerstimmen zu gewinnen. Doch das stimmt nicht. Für viele muslimische Zuwanderer zum Beispiel ist „christlich“ eher eine große Hemmschwelle, uns zu wählen. Dasselbe gilt für Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Trotzdem finde ich ihn richtig, weil wir damit unseren Markenkern deutlich machen. Ich finde umgekehrt, dass die Kirchen sich viel mehr fragen müssten, warum die Zahl der Kirchenmitglieder so stark zurück geht.

Christliches Menschenbild als Grundlage

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Zum Teil hängt es natürlich mit einer Säkularisierung zusammen, die überall in Europa festzustellen ist. Aber darüber hinaus tut gerade die Leitung der evangelischen Kirche allerhand, um Leute aus der Kirche hinauszutreiben. Da gibt es viele politische Erklärungen oder auch das Flüchtlingsschiff von „United4Rescue“, das ja keineswegs auf ungebrochene Zustimmung trifft. Die evangelische Kirche stellt die Politik oft vor die Religion. Das halte ich für einen Fehler, den ich auch immer wieder kritisiert habe.

Jetzt haben wir noch gar nicht über das „christliche Menschenbild“ gesprochen, auf das sich die Unionsparteien berufen. Was bedeutet es für Sie?

Das christliche Menschenbild stellt den einzelnen Menschen als Ebenbild Gottes mit seinem Gewissen in den Mittelpunkt. Das ist ein anderes Menschenbild als etwa beim Islam, wo schon die Gebetshaltung verdeutlicht, dass der Muslim sich unterwirft. Zum christlichen Menschenbild gehört auch, zu wissen, dass der Mensch Fehler und Versagen kennt. Darauf müssen wir Rücksicht nehmen, etwa indem wir in der Zuwanderung nicht völlig unrealistische Vorstellungen zu Grunde legen, sondern darauf achten, dass auch der normale Mensch dabei noch mitkommt. Nicht nur der heilige.

Was geben Sie Ihrer Partei mit auf den Weg für die nächsten Jahre?

Wir dürfen nie vergessen, dass wir nicht durch Gottes Gnaden die Stimmenmehrheit haben, sondern dass wir uns das Vertrauen des Bürgers durch harte Arbeit verdienen müssen. Wir sind nicht die Allerhöchsten, sondern dem Allerhöchsten verantwortlich. Wir werden nur dann gewählt, wenn die Menschen uns abnehmen, dass wir ihnen und ihren Vorstellungen dienen wollen. Franz-Josef Strauß hat in Anlehnung an Luther formuliert: „Wir müssen dem Volk aufs Maul schauen, aber nicht nach dem Mund reden.“

Die Chancen stehen gut, dass es nach der nächsten Bundestagswahl eine schwarz-grüne Koalition geben könnte. Passen die Grünen zum christlichen Menschenbild der CSU?

Die Bewahrung der Schöpfung ist der CSU wichtig. Wir sind stolz darauf, dass wir in Bayern den weltweit ersten Umweltminister eingesetzt haben – auch wenn wir den Umweltschutz später vernachlässigt haben. Bei den Grünen gibt es einen atheistischen und einen kirchennahen Flügel, zu dem zum Beispiel Winfried Kretschmann und Katrin Göring-Eckardt gehören. Außerdem gibt es starke Realos und starke Fundis. Die Frage, ob wir eine Koalition mit den Grünen eingehen, mache ich davon abhängig, dass sich die christlichen Realos durchsetzen und nicht die atheistischen Fundamentalisten.

Es gibt aber auch atheistische Realos.

Auch mit atheistischen Realos werden wir zusammenarbeiten können. Und ich gestehe, dass es umgekehrt manchmal schwierig ist, mit christlichen Fundamentalisten zusammenzuarbeiten. Auch in der eigenen Partei.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Nicolai Franz

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Tue, 15 Sep 2020 14:12:00 +0200
<![CDATA[Kirchliche Digital-Projekte ausgezeichnet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/15/kirchliche-digital-projekte-ausgezeichnet/ Die ECKD KIGST GmbH ist ein Dienstleister für Kirche, Diakonie und Caritas. In dem Betrieb arbeiten über 250 Mitarbeitende an sieben Standorten in Deutschland in der Beratung, und Durchführung von Projekten, in der Verwaltung, im Bereich IT oder im Finanzmanagement. Am 7. September prämierte das Unternehmen in Kassel Projekte aus dem Bereich der Kirche während der Corona-Pandemie. Viele Pfarrer sowie Haupt- und Ehrenamtliche in Kirche und Wohlfahrt seien in dieser Zeit kreativ geworden und hätten „neue Wege gefunden, um weiterhin für ihre Gemeinden da zu sein“, teilte das Unternehmen mit.

Die Pandemie habe einen „Digitalisierungsschub“ im kirchlichen Umfeld ausgelöst, so habe es zahlreiche Online-Gottesdienste, Live-Streams, gemeinsames Online-Singen oder ähnliche innovative Ideen gegeben. „Nie waren die Chancen der Digitalisierung so offensichtlich wie jetzt, um weiterhin die Erfüllung des Auftrags in den Gemeinden sicherzustellen“, teilte die ECKD KIGST GmbH mit.

Den 1. Preis (ein iPad) bekam Pfarrer Johannes Böttner von der Evangelischen Kirchengemeinde Niedenstein-Wichdorf überreicht. „Mit dem Verbot von öffentlichen Gottesdiensten begann er, Online-Gottesdienste mit einem hohen kommunikativen Faktor auf die Beine zu stellen“, heißt es zur Begründung. Teilnehmer können an diesen Gottesdiensten mitwirken, indem sie in den Tagen vor dem Gottesdienst Audio- und Videodateien oder Textbeiträge zu einem vorgegebenen Thema einreichen. Die Inhalte werden dann in den liturgischen Ablauf eingebracht. „Die Gottesdienstzuschauer haben die Möglichkeit, andere Menschen zu sehen, ohne ihnen im Raum zu begegnen“, betonte die Jury. Der Live-Chat erzeuge ein Gemeinschaftsgefühl. Das Projekt sei mittlerweile in der ganzen Region verortet, auch nach dem Lockdown sei das digitale Angebot erhalten geblieben.

Podcast mit biblischen Kriminalgeschichten

Der 2. Preis (ein Samsung-Handy) ging an Pfarrer Michael Meyer zu Hörste von der Evangelischen Kirchengemeinde Neustadt. In dessen Gemeinde wurden in der Passionszeit in Zusammenarbeit mit den beiden Nachbargemeinden und dem lokalen Fernsehsender NECtv vier Fernsehgottesdienste aufgezeichnet und im lokalen Fernsehen ausgestrahlt. Auf einer Facebook-Seite wird zudem jeden Samstag um 12 Uhr das wöchentliche Online-Fürbittengebet direkt aus der Kirche ausgestrahlt. Damit würden oftmals vierstellige Aufrufzahlen erreicht, heißt es von den Veranstaltern. Täglich um 18 Uhr werde zudem für fünf Minuten ein Abendgebet live über Facebook gestreamt und dann auf die Internetseite der Kirchengemeinde gestellt. Das Video steht anschließend weiter auf Facebook zur Verfügung. Außerdem gibt es täglich einen zweiminütigen Impuls für den Tag, der sowohl auf Facebook als auch auf YouTube zu sehen ist.

Der 3. Preis, ein Kopfhörer, wurde zweimal vergeben. Zum einen ging der Preis an die Diakonin Birgit Görmann von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Rosenheim. Sie dachte sich einen monatlichen Podcast aus, bei dem es um biblische Kriminalgeschichten geht. Ein Jurist beantwortet im Anschluss an die Hörspiele jeweils Fragen zum Thema, und eine Theologin erläutert den Bibeltext. Zum anderen erhielt Alexandra Glaßer von der Verwaltung der EKHN den 3. Preis. Glaßer unterstützte während des Lockdowns alleinerziehende Mütter von Kindern mit Schwerstbehinderung durch Videokonferenzen. Sie sprach ihnen Mut, Zuversicht und Hoffnung zu.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 15 Sep 2020 13:45:00 +0200
<![CDATA[„glaubendenken“: Wissenschaftliche Theologie, allgemeinverständlich erklärt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/09/15/glaubendenken-wissenschaftliche-theologie-allgemeinverstaendlich-erklaert/ Bem neuen christlichen YouTube-Kanal glaubendenken geht es laut einer Pressemitteilung der Initiatoren darum, Brücken über die vermeintliche Kluft zwischen Vernunft und Vertrauen zu bauen. Die Macher wollen neu „für die Wahrheit, Schönheit und aktuelle Bedeutsamkeit des lebendigen Erbes der christlichen Botschaft“ begeistern.

Thematisch beschäftigt sich der Kanal mit Fragen nach der Entstehung und der Glaubwürdigkeit der Bibel, mit dogmatischen Fragestellungen und dem Verstehen und Wahrnehmen der Kirchengeschichte bis hin zu christlicher Ethik und Lebensgestaltung.

In der ersten Staffel, die seit dem 14. September online verfügbar ist, werden insgesamt sieben Vorträge veröffentlicht, von Bischof Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald), Guido Baltes und Roland Werner (beide Marburg), Armin Baum und Christoph Raedel (beide Gießen) Jede Woche am Montagabend sollen weitere Videos in den YouTube-Kanal glaubendenken eingestellt werden.

Getragen wird glaubendenken von einer Initativgruppe um den Ludwigsburger Gemeinschaftspastor Tobias Becker, den Publizisten und Verleger Dominik Klenk, den Filmemacher Konrad Schmid, Daniel Wilken von der Venue Church in Ludwigsburg sowie den Theologen und Sprachwissenschaftler Roland Werner. Nutzer können die Vorträge auf YouTube ansehen und abonnieren: glaubendenken. Weitere Infos und den Link zum YouTube-Kanal finden Interessierte auf glaubendenken.net.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 15 Sep 2020 10:59:00 +0200
<![CDATA[Dank für 30 Jahre Deutsche Einheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/14/dank-fuer-30-jahre-deutsche-einheit/ Am 3. Oktober sollen um 19 Uhr auf möglichst vielen öffentlichen Plätzen in Deutschland Menschen zusammenkommen, um miteinander zur Ehre Gottes zu singen. Dazu ermutigt die Deutsche Evangelische Allianz in einer Pressemitteilung. Sie lädt die Ortsallianzen dazu ein, sich an der Aktion „3. Oktober – Deutschland singt“ zu beteiligen.

Zum Auftakt des Erntedankfests sollen an diesem Abend landesweit hunderte Chöre, Bands und Gruppen singen und unter Einhaltung der lokalen Corona-Regeln zum offenen Mitsingen ermutigen. Zudem können Teilnehmer durch das Mitbringen von Kerzen an das Wunder der Wiedervereinigung erinnern und ein Zeichen der Dankbarkeit setzen. Jede Gruppe entscheidet selber, wie das Programm vor Ort ablaufen soll.

Generationsübergreifend das Wunder der Einheit feiern

Die Initiatoren möchten das Wunder der friedlichen Revolution und des Mauerfalls mit möglichst vielen Bürgern bei einer öffentlichen Veranstaltung unter freiem Himmel generationsübergreifend feiern. Durch eine gemeinsame Feier, in die Zeitzeugen eingebunden werden, könne ein bewusster Diskurs über die Einheit des Landes und die Errungenschaften und Baustellen der letzten 30 Jahre gestärkt werden.

Das offene Singen auf Marktplätzen, an dem sich Chöre, Bands oder Kapellen beteiligen können, soll möglichst alle Generationen schon in der Vorbereitung aktiv beteiligen. Unter https://3oktober.org gibt es weitere Informationen, wie man sich beteiligen kann und welche Orte bereits Veranstaltungen geplant haben.

Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz Reinhardt Schink wirbt für eine Chance, die Ortsallianzen so sichtbar und erlebbar zu machen. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung haben der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, übernommen. Außerdem unterstützen und fördern viele weitere Partner das Projekt.

Am 3. Oktober Gebetstag für unser Land

Anlässlich des 30. Jahrestags lädt die Geistliche Gemeinde Erneuerung (GGE) dazu ein, diesen Tag „im Rahmen der gegenwärtigen Situation und mit Ihren Möglichkeiten geistlich zu gestalten“. Die GGE weist darauf hin, wie notwendig gemeinsames Gebet für Land und Kirche ist. Deswegen wird am 3. Oktober in der Aegidienkirche in Hann. Münden ein „Gebetstag für unser Land“ angeboten. Referenten sind Tillmann Krüger und Astrid Eichler. Eine Anmeldung ist zwingend erforderlich.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Mon, 14 Sep 2020 11:12:00 +0200
<![CDATA[Kampagne wirbt in Schulen für sexuelle Vielfalt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/paedagogik/2020/09/12/kampagne-wirbt-in-schulen-fuer-sexuelle-vielfalt/ Mit der Kampagne „Fürchtet euch nicht!“ möchten die evangelischen Schulen in Berlin und Brandenburg das Thema sexuelle Vielfalt stärker im Unterricht einbinden. Dies teilte die Evangelischen Schulstiftung in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit. Neben acht Text-Bild-Plakaten und Postkarten gibt es zum Thema eine eigene Internetseite.

Die Plakate werden in allen 32 Schulen hängen, die dazu passenden Postkarten sowie die Sprüche-Postkarten werden verschickt und verteilt. Auch in den sozialen Medien ist die Kampagne präsent. Die Internetseite soll Hintergrundinformationen bieten.

Vielfalt sichtbar machen und Lebensrealität abbilden

Entwickelt haben die Kampagne nach Angaben der Stiftung die Schüler der Schulen. Sie richtet sich an die Mitschüler, Lehrer und Eltern. Insgesamt werden dort etwa 10.000 Schüler unterrichtet und es gibt über 1.300 Mitarbeiter.

Laut eigener Internetseite sei die Kampagne „ein klares Statement in Richtung Diversity (Diversität)“. Die Schüler wollten damit „Vielfalt sichtbar machen, die Lebensrealität junger Menschen abbilden und den Weg ebnen, um Diversity-Themen in Schule und Unterricht zu verstärken“. Hinter diesen Zielen stehe auch die Schulstiftung.

Der Stiftungsvorsitzende Frank Olie wird mit den Worten zitiert: „Vielfalt ist Teil unserer Lebensrealität und ihre Wertschätzung Botschaft unseres evangelischen Glaubens.“ Dies solle auch im Schulalltag sichtbar werden. Eine Atmosphäre der Offenheit und Toleranz sei Voraussetzung für Akzeptanz und gegenseitige Achtsamkeit, dies schließe die Sichtbarkeit sexueller Vielfalt ein. Schirmherrin der Kampagne ist EKBO-Regionalbischöfin Ulrike Trautwein.

Bestandteil der Aktion ist eine Umfrage, die die Evangelische Schulstiftung gemeinsam mit einer Bostoner Strategieberatung durchgeführt hat. Demzufolge wünschen sich knapp zwei Drittel der befragten Schüler in den beiden Ländern mehr Präsenz der Themen Liebe, Sexualität und Vielfalt im Unterricht. An der Umfrage haben sich 472 Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 13 beteiligt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sun, 13 Sep 2020 12:10:00 +0200
<![CDATA[Friedensnobelpreisträger Mukwege erhält Morddrohungen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/09/12/friedensnobelpreistraegermukwege-erhaelt-morddrohungen/ Das Leben des Friedensnobelpreisträgers und Christen Denis Mukwege wird – wieder einmal – bedroht. Der Kongolese steht deswegen unter dem Schutz der Vereinten Nation (UN). Sie sichern das Krankenhaus ab, in dem der Mediziner arbeitet. Das meldet unter anderem die Deutsche Welle.

Für Mukwege ist das nichts Neues. 2012 überlebte er einen Mordanschlag. Aktuell kritisiert er die anhaltenden Massaker im Ostkongo scharf. Auslöser für die anhaltenden Kämpfe zwischen Rebellen und Regierung sind die dortigen Bodenschätze.

Mukwege weist regelmäßig auf Menschenrechtsverletzungen und die Zustände in seinem Heimatland hin. In den vergangenen Tagen waren bei zwei Attacken mutmaßlicher Islamisten in der Provinz Ituri mindestens 58 Menschen gestorben. Laut Deutscher Welle bedankte sich Mukwege via Twitter für die Hilfe der UN-Kräfte nach den Morddrohungen. UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet bezeichnete ihn wegen seiner klaren Kritik als „einen wahren Helden – entschlossen, mutig und extrem effektiv“.

„Kirche muss für Gerechtigkeit stehen“

Mukwege hatte 2018 gemeinsam mit der irakischen Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad den Friedensnobelpreis für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt erhalten. Der Arzt operiert in seinem Krankenhaus seit 1999 Frauen, die durch Vergewaltigungen schwer verletzt wurden. Der Sohn eines Pfingstpastors ist selbst gläubiger Christ.

Mukwege ist es wichtig, dass Christen ihren Glauben authentisch leben. Die Kirche müsse für Gerechtigkeit stehen und den Schwachen eine Stimme geben, hatte er bei der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes 2017 in Namibia gefordert. Christen, die Gottes Gnade selbst erfahren haben, seien eingeladen sie weiterzugeben.

Der Vater von fünf Kindern lebt seit dem Mordanschlag 2012 auf dem schwer bewachten Krankenhausgelände. Vor allem die Kritik an den Zuständen im Kongo macht ihn immer wieder zur Zielscheibe von Angriffen. Mukwege hat neben dem Friedensnobelpreis auch schon den UN-Menschenrechtspreis und den Alternativen Nobelpreises erhalten.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 12 Sep 2020 10:57:00 +0200
<![CDATA[US-Jugendliche orientieren sich am Glauben ihrer Eltern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/09/11/us-jugendliche-orientieren-sich-am-glauben-ihrer-eltern/ US-Teenager orientieren sich stark am Glauben ihrer Eltern. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Pew Research Centers. Die 13- bis 17-jährigen Jugendlichen wurden nach ihrer religiösen Ausrichtung und der ihrer Eltern gefragt. Zur Auswahl standen „evangelikale Protestanten“, „Mainstream-Protestanten“, „Katholiken“ und „Konfessionslose“ („unaffiliated“). Ein Großteil blieb dem Glauben der Eltern treu: 80 Prozent der Kinder evangelikaler Eltern blieben evangelikal, 81 Prozent der Kinder katholischer Eltern blieben katholisch, 86 Prozent konfessionsloser Eltern schlossen sich keiner Konfession an. Nur die Kinder mainstream-protestantischer Eltern scheinen sich in großer Zahl religiös anders zu orientieren. Nur gut die Hälfte behielten das Bekenntnis ihrer Eltern, zwölf Prozent wechselten zu den Evangelikalen, vier Prozent wurden katholisch und eine verhältnismäßig große Zahl von 24 Prozent der Kinder von Mainstream-Protestanten wurde konfessionslos.

Die Forscher fragten auch die Eltern und deren Kinder, wie ernst es ihnen mit dem Glauben sei. Während 73 Prozent der Eltern der Glaube mindestens „einigermaßen wichtig“ war, waren es unter den Teenager nur 60 Prozent.

Im Gegensatz dazu ist der sonntagliche Kirchenbesuch unter Kindern und Eltern ähnlich verbreitet. 44 Prozent der Teenager und 43 Prozent der Eltern gaben an, mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst zu besuchen. Nur acht Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, dass ihr Glaube sich ziemlich von dem ihrer Eltern unterscheide – allerdings vermutete nur ein Drittel, dass Mutter und Vater darüber Bescheid wissen.

Befragt wurden 1.811 US-Teenager und jeweils ein Elternteil im Zeitraum vom 29. März bis 14. April 2019. Die Studie wurde am 10. September veröffentlicht. Sie ist nach eigenen Angaben repräsentativ für Eltern mit Kindern zwischen 13 und 17 und für die Kinder selbst.

Von: Nicolai Franz

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Fri, 11 Sep 2020 18:00:00 +0200
<![CDATA[In drei Schritten gegen gefälschte Videos]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/09/11/in-drei-schritten-gegen-gefaelschte-videos/ Eine aktuelle Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Counter Extremism Project untersucht das Gefahrenpotential von Deep Fakes für Demokratien und Gesellschaften. Bei Deep Fakes handelt es sich um technisch erzeugte Video-Fälschungen, in denen Gesichter und Stimmen beliebiger Personen täuschend echt simuliert werden können.

Mit dieser frei verfügbaren Technologie kommen laut der Studie große Gefahren auf Demokratien und Gesellschaften zu – gerade wenn sie in gezielten Desinformationskampagnen über Soziale Medien eingesetzt wird. Dort könnten gefälschte Videos mit Falschinformationen in kurzer Zeit große Teile der Bevölkerung erreichen. Staaten oder Einzelpersonen könnten damit Wahlen beeinflussen oder Unruhe in der Gesellschaft fördern.

Momentan könnten Fälschungen noch relativ leicht erkannt werden. Wie die Studie mit Beispielen in politischen Kontexten zeigt, hätten Nutzer in den Sozialen Netzwerken manipulierte Videos trotz ihrer geringen technischen Qualität als echt eingestuft und geteilt. So seien Deep Fakes beispielsweise vor den britischen Parlamentswahlen strategisch eingesetzt worden, um die Wahlaussichten prominenter Politiker zu verringern.

Diese Gefahr steige weiter, weil sich die technischen Möglichkeiten verbesserten. Dies führe einerseits zu geringeren technischen Anforderungen, um gefälschte Videos zu produzieren, andererseits steige die Qualität und damit die vermeintliche Echtheit. Fälschungen seien immer schwerer zu erkennen. Gerade „klassischen“ politischen Desinformationskampagnen, die beispielsweise mit Falschmeldungen arbeiteten, könnten vermeintlich echte Videos zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen. Die Studie verweist auf die Nachrichtendienstgemeinschaft der Vereinigten Staaten, die schon 2019 Deep Fakes als eine der größten globalen Bedrohungen eingestuft habe.

Strategie für die Politik

Um Gesellschaft und Demokratie vor den schädlichen Auswirkungen von Deep Fakes auf Information und Meinungsbildung zu schützen, schlagen die Autoren eine dreiteilige Strategie vor. Sie umfasst zunächst, die Rechtslage so anzupassen, dass sie klar zwischen legalem und illegalem Gebrauch der Technologie unterscheidet. Ein legaler Kontext sei beispielsweise die Nutzung in Bereichen der Satire, Kunst oder politischer Kritik. Illegale sei die Anwendung dann, wenn es um Betrugsversuche oder die Erstellung von nicht einvernehmlicher Pornographie gehe, bei der die Gesichter von unbeteiligten Personen in Porno-Videos eingefügt werden. Das ist bereits strafbar. Aber auch politische Falschmeldungen und Desinformationskampagnen müssten durch Gesetzesanpassungen strafrechtlich verfolgbar gemacht werden, fordern die Autoren der Studie.

Der technische Teil der Strategie hat zwei Ziele: Zertifikate für authentische Videos und technisch gestützte, zweifelsfreie Identifikation von manipulierten Videos. Die Öffentlichkeit aufzuklären und ihre Kompetenz im Umgang mit Deep Fakes zu steigern, gerade auch in Sozialen Medien, ist die dritte Empfehlung der Studie. Eine politische Debatte über geeignete Abwermaßnahmen sei dringend nötig.

Von: Immanuel Dobrowolski

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Fri, 11 Sep 2020 16:52:00 +0200
<![CDATA[Buhrow wehrt sich gegen Kritik an Corona-Berichterstattung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/09/11/buhrow-wehrt-sich-gegen-kritik-an-corona-berichterstattung/ Die öffentlich-rechtlichen Sender wie auch die Presse sind ihrer journalistischen Aufgabe während der Corona-Krise gerecht geworden. Davon ist WDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Tom Buhrow überzeugt. In einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Freitag sagte er: „Ich war selten so stolz auf das, was die Öffentlich-Rechtlichen, aber ich finde auch die gesamte Qualitätspublizistik, in der Corona-Krise, die ja noch nicht vorbei ist, an Informationsleistung gebracht haben.“ Dass die ARD und das ZDF in ihren Corona-Sondersendungen zu unkritisch gegenüber der Regierung gewesen seien oder einen verengten Blick auf die Welt gehabt hätten, wie eine Studie kürzlich feststellte, wies Buhrow als „verzerrte Wahrnehmung“ zurück.

Die Sender hätten immer nach dem aktuellen Kenntnisstand über die Corona-Krise und die Maßnahmen gegen das Virus berichtet, betonte der frühere Tagesthemen-Moderator. Dabei hätten sie auf den verschiedenen Kanälen „nach Kräften Lebenshilfe“ geleistet. Der Zuspruch, den die öffentlich-rechtlichen Sender während der Corona-Krise erhielten, wertete Buhrow als „hoffnungsvolles Zeichen für alle, die seriösen Journalismus machen wollen“. Das zeige, dass sich die Menschen in kritischen Situationen den „Quellen des Vertrauens“ zuwendeten.

Buhrow machte sich zudem dafür stark, Meinung und Kommentar in der Berichterstattung deutlicher zu trennen und Meinungsbeiträge klar zu kennzeichnen. Er betonte, ein Kommentar sei eine persönliche Meinung, nicht die Linie der Redaktion. Journalisten seien zwar der Demokratie und den Menschenrechten verpflichtet, das sei aber etwas anderes als „Haltung“ – wenn er diesen Begriff im Zusammenhang mit Journalismus höre, reagiere er empfindlich. Es sei wichtig, dass sich die Redaktionen ein handwerkliches Ethos bewahrten und keinen „impulsgetriebenen Journalismus“ machten.

Von: Jonathan Steinert

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Fri, 11 Sep 2020 14:28:00 +0200
<![CDATA[Weisheit und Augenmaß für Alaba und seine Millionen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/09/11/weisheit-und-augenmass-fuer-alaba-und-seine-millionen/ Ein Kommentar von Johannes Blöcher-Weil]]> Zugegeben: Meine Sympathien für den deutschen Fußballverein Bayern München sind nahe Null. Ich werde von Freunden und Bekannten immer wieder kritisiert, wenn ich noch nicht einmal bei internationalen Partien zu den Bayern halte. Vielleicht ist es die verletzte Kinderseele, wenn die Bayern vor 30 Jahren immer wieder die besten Spieler meines Lieblingsklubs aus dem hohen Norden zu sich gelotst haben.

Einer der wenigen Sympathieträger ist für mich (bisher) der Österreicher David Alaba. Wenn der dunkelhäutige Spieler mit seinem österreichischen Akzent vor die Kameras tritt, haben die Spielanalysen meist Hand und Fuß. Ich hatte höchsten Respekt vor ihm, als er sich nach dem gewonnenen Champions-League-Endspiel um seinen unterlegenen Kontrahenten Neymar jr. kümmerte, während seine Mannschaftskollegen feierten. Und es freut mich, wenn er die beste Botschaft der Welt – die von Jesus Christus – auffällig und prominent weitergibt.

Bei der heutigen Schlagzeile über den Fußballprofi musste ich schlucken. 25 Millionen Euro Jahressalär fordert Alaba mit seinen Beratern für die kommenden fünf Jahre. Ganz schön heftig, denke ich mir. Natürlich ist mir bewusst, dass Angebot und Nachfrage den Markt regeln. Wenn ein Verein bereit ist, ihm die Summe zu zahlen, ist das so. Da bin ich nicht naiv.

Genug Pfunde zum Wuchern

Trotzdem kommen mir Bibelstellen in den Sinn, die vor Geldgier warnen und dazu ermutigen, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben. Das gilt im großen Fußballzirkus, aber auch bei bescheideneren Gehältern im Journalismus oder anderswo. In meiner Lokalzeitung kritisiert ein Redakteur, dass er bei solchen Summen die Gefahr sieht, selbst vom Glauben abzufallen.

Bei Alaba könnte es vielen Menschen bitter aufstoßen, dass er auf der einen Seite Wasser predigt und gleichzeitig der Eindruck entsteht, dass er sich selbst Wein gönnt. Egal, welches Gehalt er letzen Endes bekommt, wünsche ich ihm die Weisheit, es sinnvoll zu verwenden, im wahrsten Sinne des Wortes mit seinen Pfunden zu wuchern und sie auch für andere einzusetzen. Das wäre einem positiven Bild von Christen dienlich und würde vor einem zu habgierigen Eindruck in der Öffentlichkeit bewahren.

Als Vorbild könnte ihm der neue Schalke-Spieler Vedad Ibisevic dienen. Vor seinem Wechsel in den Ruhrpott hatte er eigenen Aussagen zufolge wesentlich attraktivere Angebote abgelehnt. Er sorgte für Schlagzeilen, als er ankündigte, sein komplettes jährliches Grundgehalt an karitative Organisationen zu spenden. Dass es sich dabei, wie das Fußballmagazin Kicker meldet, um 100.000 Euro handelt, dementiert der Profi. Seine Aussage, dass er nicht zu Schalke gekommen ist, um Geld zu verdienen, würde ich relativieren. Er hat aber mit seiner Spende ein Zeichen gesetzt. Mehr davon!

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 11 Sep 2020 12:05:00 +0200
<![CDATA[Moria ist ein brennendes Ausrufezeichen für die EU]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/10/moria-ist-ein-brennendes-ausrufezeichen-fuer-die-eu/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Fünf Jahre ist es her, dass Angela Merkel sagte: „Wir schaffen das!“ Ein Satz, der wie kein anderer für die Flüchtlingskrise 2015/2016 steht – und auch für die gesellschaftlichen Spannungen und den Unmut, die sich an dieser Aussage und der daraus folgenden Politik entzündeten. Fünf Jahre später lässt sich zumindest feststellen, dass Deutschland unter der Zahl der Flüchtlinge nicht auseinandergebrochen ist oder von Muslimen eingenommen wurde. Es gibt zahlreiche Beispiele von Menschen, die hier Arbeit und neue Heimat gefunden haben. Freilich gibt es auch das Gegenteil, Probleme, die unsere Gesellschaft nach wie vor herausfordern.

Jetzt, fünf Jahre später, wird aber auch deutlich, dass die sogenannte Flüchtlingskrise noch keineswegs gelöst ist. Sie hat sich geografisch nur wieder an die Außengrenzen der Europäischen Union verlagert. Die Eskalation im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos – und die unmittelbar darauf einsetzenden kontroversen öffentlichen Stellungnahmen in der deutschen Öffentlichkeit – zeigen: Deutschland ist noch lange nicht fertig mit dem Thema. Die Debatte darüber, ob und wie viele Flüchtlinge aus Griechenland die Bundesrepublik aufnehmen sollte, ist in vollem Gange.

Nicht wieder überraschen lassen

Klar ist, dass den Menschen sehr schnell geholfen werden muss, denen gerade das Zelt und der Wohncontainer über dem Kopf abgefackelt sind. Denn die haben nicht nur kein Obdach mehr, sondern auch noch weniger von ihren ohnehin auf ein Minimum begrenzten Habseligkeiten. Klar ist aber auch, dass es bestimmte Regeln gibt, nach denen Menschen in der EU Asyl beantragen und bekommen können. Die müssen ganz offensichtlich korrigiert werden, weil sie statt zu Lösungen eher zu neuen Problemen führen. Sollte sich bestätigen, dass Bewohner von Moria das Lager selbst angezündet haben, darf Europa sich damit nicht erpressen lassen und Verfahren abkürzen. Das widerspräche dem Rechtsstaat.

Weiterhin klar ist allerdings, dass die Zustände in dem Flüchtlingscamp nicht haltbar waren. Die Zahlen sprechen für sich, wenn in einem solchen Lager, das für knapp 3.000 Menschen ausgelegt ist, vier- oder fünfmal so viele hausen. Sollte Deutschland jetzt doch einige von ihnen aufnehmen, linderte das für den Moment sicherlich den Leidensdruck in der Ägäis. Aber das Problem bestünde weiterhin: Über Kurz oder Lang landen in Griechenland, Italien oder Spanien weitere Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, und die bekannten Fragen stellen sich erneut. Die Eskalation in Moria sollte ein dickes rotes Ausrufezeichen an die EU sein: Es muss endlich eine Lösung geben, mit dem Asylbegehren so vieler Menschen umzugehen, die von möglichst vielen Mitgliedsstaaten getragen wird. So lange sich einer hinter dem anderen versteckt, wird keiner vorangehen. Deshalb ist die deutsche EU-Ratspräsidentschaft gefordert, hier Dinge zu bewegen, bevor Europa wieder einmal von den Ereignissen überrascht wird wie vor fünf Jahren. Am besten ähnlich entschlossen, wie es Merkel 2015 sagte: Wir schaffen das.

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Thu, 10 Sep 2020 16:00:00 +0200
<![CDATA[Leitende Geistliche appellieren nach Brand in Moria an Politik]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/09/10/leitende-geistliche-appellieren-nach-brand-in-moria-an-politik/ In der Nacht zum Mittwoch sind weite Teile des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos abgebrannt. Die leitenden Geistlichen der evangelischen Landeskirchen haben sich daraufhin in einem gemeinsamen Appell an die deutsche Politik gewandt. Adressaten sind zum einen Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und die EU-Ratspräsidentschaft, die Deutschland derzeit inne hat. Die Bischöfe und Präsides der Gliedkirchen äußern sich „erschüttert über das Leid, das erneut über die schutzsuchenden Menschen gekommen ist, und entsetzt, dass es der Europäischen Union trotz vielfacher Warnungen nicht gelungen ist, diese Eskalation der menschenunwürdigen Situation in dem Lager zu verhindern“.

Sie fordern, „umgehend“ eine europäische Lösung zu finden, um Schutzsuchende auf aufnahmebereite Länder zu verteilen. Seehofer solle zudem seinen Widerstand dagegen aufgeben, in Deutschland Flüchtlinge aufzunehmen. Die Kirchenleiter sagten ihrerseits ihre Unterstützung dafür zu. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, betonte am Mittwoch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass den Menschen „sofort und dauerhaft geholfen“ werden müsse.

Deutsche Initiative oder europäische Lösung

Als „Katastrophe mit Ansage“ bezeichnete der Hamburger Erzbischof Stefan Heße den Brand in Moria. Er ist bei der Deutschen Bischofskonferenz als Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen zuständig. Es habe bereits vor dieser Entwicklung Appelle aus Kirche und Zivilgesellschaft gegeben, für eine „menschenwürdige Aufnahme der Schutzsuchenden“ zu sorgen. Dass die Bundesrepublik einige hundert alleinreisende und kranke Minderjährige aufgenommen habe, sei ein Tropfen auf dem heißen Stein gewesen. „Die mit dem Flüchtlingslager Moria verfolgte Politik der Abschreckung geht auf Kosten der Menschlichkeit“, teilte er in einer Stellungnahme mit. Er warnte angesichts der Situation auf den griechischen Inseln davor, alle Asylverfahren zukünftig an den EU-Außengrenzen abzuwickeln. „Europa muss nun alles daransetzen, die bestehende humanitäre Krise zu überwinden, statt potenziell neue Krisenherde zu entfachen“, betonte Heße. Sollten sich die Mitgliedstaaten der EU nicht auf eine gemeinsame Lösung einigen können, müsse eine „humanitäre Koalition der Willigen“ vorangehen.

Mehrere Bundesländer und Kommunen hatten bereits vor mehreren Wochen ihre Bereitschaft signalisiert, eine begrenzte Zahl von Flüchtlingen aus Griechenland aufzunehmen. Dem hat Seehofer bislang nicht zugestimmt, weil er einen deutschen Alleingang ablehnt. Stattdessen hält er an einer europäischen Lösung fest. Diese Position haben verschiedene Unionspolitiker auch jetzt bekräftigt. Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, der kürzlich das Camp Moria selbst besucht hatte, erklärte, dass sein Bundesland 1.000 Flüchtlinge aufnehmen würde. Schnelle humanitäre Hilfe sei nötig. Gleichzeitig betonte er im ZDF, dass es eine „viel größere Lösung“ brauche „als nur einen deutschen Alleingang“. Das Problem sei „nicht damit gelöst, dass alle nach Deutschland kommen“, sonst sei es in kurzer Zeit wieder da.

Weitere Bundesländer erneuerten ihr Angebot, Menschen aus den griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil forderte ebenso wie die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken oder Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow von der Linken, die deutschen Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen.

Eskalation war abzusehen

Das Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist schon seit Langem überfüllt. Ausgelegt war es mit Wohncontainern, sanitären Anlagen und Elektrizität für knapp 3.000 Menschen. Zwischenzeitlich lebten rund 20.000 Bewohner dort, viele im angrenzenden Olivenhain in Zelten. Vor dem Ausbruch der Feuer waren es noch rund 12.600. „Es sind mehr Menschen gekommen, als Anträge bearbeitet werden konnten“, berichtet Andrea Wegener von der christlichen Hilfsorganisation Euro Relief im Gespräch mit pro. Spannungen habe es unter den Bewohnern des Camps immer gegeben – Messerstechereien und Gewalt mit Toten und Verletzten etwa. Nachts habe sich kaum jemand getraut, sein Zelt zu verlassen. „Dass etwas eskalieren wird, haben wir immer gesagt. Die Frage war nur, wann es geschieht.“

Am 2. September wurde in Moria der erste Covid-19-Fall festgestellt. Bis jetzt wurden 35 Menschen dort positiv auf das Virus getestet, 34 von ihnen ohne Symptome, sagt Wegener. Offenbar habe deren angeordnete Isolation zu Unruhe und Widerstand im Camp geführt. Für Aufregung habe auch gesorgt, dass die griechischen Behörden kürzlich für rund eine Million Euro Zaun gekauft hätten, um Moria zu einem geschlossenen Camp zu machen. Es gebe Hinweise darauf, dass Bewohner des Lagers die Feuer selbst gelegt haben. Laut Medienberichten soll es auch einzelne Angriffe auf die Feuerwehr gegeben haben. Andere Theorien gehen von Brandstiftung durch Rechtsradikale aus. „Uns war klar: Wenn das Coronavirus Moria erreicht, ist die Krankheit das kleinere Problem. Schwieriger würden die psychischen Folgen der Isolation, die Spannungen und die Gewalt sein. Das hat sich nun bestätigt.“

Wie Wegener sagt, hielten sich nach wie vor tausende Flüchtlinge in der Nähe des nun zerstörten Camps auf. Andere hätten sich auf den Weg über die Insel gemacht oder versuchten, in die Hauptstadt oder zum Hafen zu kommen. Wegener fürchtet, dass es dadurch auch zu Zusammenstößen mit den Inselbewohnern kommen kann. „Die Polizei und das Militär muss jetzt alle vor allen beschützen.“

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 10 Sep 2020 14:06:00 +0200
<![CDATA[Corona zieht sich hin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/09/10/corona-zieht-sich-hin/ pro-Kolumnist Jürgen Mette wartet zwar nicht auf Godot, aber auf ein Ende dieses Liedes und auf Menschen, denen er wieder die Hand schütteln und die er in den Arm nehmen darf. Eine leise Hoffnung setzt er ausgerechnet auf Verkehrsminister Andreas Scheuer.]]> Mir fällt auf, dass ich mich dem Corona-Regiment schon ziemlich ergeben habe. Gegen wen sollte ich auch kämpfen? Wir gelten weltweit als Musterland in der Abwehr des Virus. Das hat viel mit unserer Bundeskanzlerin und ihren zuständigen Ministern und den Länderchefs zu tun.

Der Mund- und Nasenschutz ist lästig und macht die Welt zu einer gesichtslosen Ellenbogengesellschaft, die im öffentlichen Leben maskiert und anonym unterwegs ist. Ellenbogen klatschen ist die neue Art freundschaftlicher Begrüßung. Ich weiß nie, wer wirklich hinter der Maske steckt. Jeder, der heute den Kassenbereich einer Bank betritt, könnte ein Bankräuber sein, oder ein Terrorist. Ich weiß nur, dass wir anlässlich meines – ohnehin nur in Schaltjahren stattfindenden – Geburtstages Ende Februar zuletzt als erweiterte Familie zusammen waren. Wir hatten seitdem nie mehr als zwei Gäste zum Essen im Haus. Da bewähren sich ein ausziehbarer Esstisch und eine große Terrasse.

Warten auf den Normalzustand

Seitdem warten wir auf irgendetwas: auf das Ende der Pandemie, auf Lockerungen, auf Gottesdienste, die man anfassen kann. Denn die Kirche ist auf „Koinonia“ angelegt, auf Hausgemeinschaft, auf persönliche Begegnung, auf Brot und Wein, den man riechen und das man schmecken kann, auf die Tuchfühlung und auf Handschlag, Küsschen und Umarmung. Auf normalen Schul- und Studienbetrieb und auf Restaurants ohne rot-weiß verklebte Stühle, auf Krankenbesuche in Kliniken und Altenheimen.

Eine Videokonferenz spart Reisekosten, aber sie schafft keine „Koinonia“.

Wir wollen endlich wieder Konzerte besuchen, oder ins Theater und ins Fußballstadion gehen. Wir haben alles nach hinten geschoben. Immer in der Hoffnung, dass wir bald alles nachholen können. „Im Herbst kommt wieder der Normalzustand!“, so habe ich Zuversicht verbreitet, bis einer fragte: „Herbst 2020 oder 2021?“ Sehr gute Frage! Wenn ich das wüsste, wäre ich jetzt nicht in Marburg, sondern in Berlin als Berater im Kanzleramt.

Freie Fahrt für den Imfpstoff

Keiner weiß es, auch die Pharma-Konzerne nicht, die unter enormem Druck beides leisten: mit Tempo und Sorgfalt einen Impfstoff gegen Covid-19 zu entwickeln. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sollen weltweit über 170 Impfstoffentwicklungen gegen das Coronavirus angelaufen sein. 33 Impfstoffkandidaten befinden sich derzeit in klinischen Studien (Phase 1-3), 143 werden in präklinischen Studien erprobt.

Und wenn das „Stöffche“ dann da ist, wer wacht über der weltweiten gerechten Verteilung und wer übernimmt vom „Mittel zum Leben“ in logistischer Hinsicht die ersten Chargen, bevor Trump und Putin das unter sich ausmachen. Entschuldigung, liebe CSU, aber wäre das nicht ein Job für unseren schneidigen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer? Einer, der sich mit korrupten Strukturen auskennt. Der wird sich auf internationalen Parkett stilsicher bewegen und bringt Erfahrung bei der Verhinderung von Tempolimits mit. Denn der Impfstoff muss ohne Limit und vorbei an allen Mautstellen weltweit zügig in die Arztpraxen und Kliniken kommen. Sonst laufen wir 2021 noch mit Mund- und Nasenschutz rum.

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Thu, 10 Sep 2020 13:47:00 +0200
<![CDATA[Bätzing schlägt interreligiösen Corona-Feiertag vor]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/09/09/baetzing-schlaegt-interreligioesen-corona-feiertag-vor/ Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat in einem Beitrag für Christ & Welt, die regelmäßige Beilage in der Wochenzeitung Die Zeit, vorgeschlagen, dass Christen, Juden und Muslime mit einem gemeinsamen Feiertag an die Corona-Pandemie und den Lockdown erinnern. Mit dem Lockdown während der Corona-Pandemie hätten alle Menschen eine große Unterbrechung des gewohnten Lebens erfahren. „Ein interreligiöser Feiertag, ein Sabbat-Tag der Besinnung, wäre gut für Deutschland“, schreibt Bätzing. Angesichts von drohenden Spaltungen in der Gesellschaft werde „alles kostbar, was den Zusammenhalt fördert. Wäre ein solcher Tag des Wir-Gefühls und der Besinnung für Gläubige und Ungläubige nicht ein wunderbares, heilendes Zeichen?“

Die Einschränkung weiter Teile des öffentlichen Lebens im Frühjahr vergleicht Bätzing mit dem Sonntag oder Sabbat: Diese wöchentlichen Ruhetage von Christen und Juden seien arbeits- und damit zweckfreie Tage, in denen es um geistliche Besinnung gehe. Auch der Islam habe mit dem Freitag einen heiligen Tag, der den Alltag unterbreche. Darin hätten die drei Religionen eine gemeinsame Tradition.

Das wirtschaftlich erfolgreiche Deutschland habe den Buß- und Bettag als Feiertag gestrichen – nur in Sachsen ist er noch arbeitsfrei – und auch am „Tag des Herrn“ tickten die Uhren weiter. „Wann werden die Ökonomen und Lobbyisten des Einzelhandels endlich merken, dass sich Unterbrechung und Auszeit auf lange Sicht sogar rechnen?“, fragt der Limburger Bischof. Der siebte Tag der Woche als Ruhetag gehe auf den Schöpfungsbericht im Alten Testament zurück, erklärt Bätzing und betont: „Der Tag ohne Arbeit ist das Geschenk Israels an die Menschheit.“

Von: Jonathan Steinert

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Wed, 09 Sep 2020 17:51:00 +0200
<![CDATA[Moderne Schlagzeilen treffen auf biblische Berichte]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/moderne-schlagzeilen-treffen-auf-biblische-berichte/ Eine Zeitung lebt von ansprechenden Schlagzeilen. Das gilt auch für den „Kurier der Zeit“, der seit August biblische Texte im Zeitungsformat an den Leser bringt. Da gibt es die „Celebrity Hochzeit zu Kana“; auf der nächsten Seite wird bei einem „Todesurteil gegen Unschuldigen“ angeprangert, dass ein Richter aus politischem Druck und nicht nach Recht und Gesetz entschied. Auch wird vom „Milliardenerben“ berichtet, der sich nach der Auszahlung seines Erbes und darauffolgender Pleite zurück ins Familienunternehmen begibt und dort unerwarteterweise wieder aufgenommen wird.

Der „Kurier der Zeit“ ist eine großformatig gedruckte Zeitung, die Geschichten des Neuen Testaments in einem journalistischen Format präsentiert. Moderne Schlagzeilen treffen dabei auf Jahrtausende alten Inhalt. Die Überschriften und kurzen Teaser der Berichte bilden das Gros der kreativen Freiheit. Die eigentlichen Berichte sind Bibeltexte aus der Basis-Bibel-Übersetzung. Zu diesen Texten gibt es Kommentare, deren Verfasser ihren persönlichen Blick auf die Bibelstellen preisgeben und erzählen, was sie heute für sie bedeuten. Mit dabei sind etwa Pastoren und Schriftsteller, unter ihnen die Autorin und Sexologin Veronika Schmidt. Die Theologin Ksenija Magda kommt zu Wort, ebenso wie der stellvertretender Bild-Chefredakteur Daniel Böcking. Mentalitätstrainer David Kadel schreibt über Paulus als großen Inspirator und ein begeisterter Motorradfahrer, Markus Haemmer, der durch Jesus frei von Alkohol und Drogen wurde, erzählt, was es in seinem Leben mit den Fundamenten aus Sand oder aus Fels aus einem Gleichnis von Jesus auf sich hat.

Tipps von Jesus und Paulus

Neben den Berichten und Kommentaren gibt es auch andere Darstellungsformen im Blatt, etwa ein fiktives Interview mit Paulus, der den Fragesteller erst darauf hinweisen muss, dass „Saulus“ nicht mehr die korrekte Anrede ist, oder Tippsammlungen, beispielsweise zum erfolgreichen Miteinander oder „Neun Wege zur Glückseligkeit“, selbst Wirtschaftstipps sind dabei. Angelehnt sind auch sie an der Bibel: Jesus selbst und die Apostel sind hier die Ratgeber.

Es seien zeitlose Botschaften, die ihre Aktualität auch nach über zwei Jahrtausenden nicht verloren haben, heißt es auf der Website der Zeitung. Diese Berichte in die heutige Zeit zu bringen, mit Schlagzeilen und Kommentaren in kurzweiliger und unterhaltsamer Form, das ist das Anliegen von Melanie und Kornelije Casni von der Marketingagentur Cocubu, den Initiatoren der Zeitung. Über die Website können der „Kurier der Zeit“ und Zubehör, eine Zeitungsstange und eine Emaille-Tasse, bestellt werden.

Von: Immanuel Dobrowolski

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Wed, 09 Sep 2020 14:59:00 +0200
<![CDATA[Journalistin darf Polizisten auf den Müll wünschen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/09/08/journalistin-darf-polizisten-auf-den-muell-wuenschen/ Journalistische Kritik und Meinungsäußerungen dürfen hart und heftig ausfallen. Das trifft auch auf die Kolumne „Abschaffung der Polizei: All cops are berufsunfähig“ in der Tageszeitung taz zu, die Ende Juni für Aufregung sorgte und gegen die 382 Beschwerden beim Deutschen Presserat eingingen. Doch der wies sie nun als unbegründet zurück. „Das Gedankenspiel der Autorin, der als geeigneter Ort für Ex-Polizisten nur die Mülldeponie einfällt, ist von der Meinungsfreiheit gedeckt“, teilte das Organ der journalistischen Selbstkontrolle am Dienstag mit. Der Beschwerdeausschuss befand demnach, dass es sich die Polizei gefallen lassen müsse, von der Presse scharf kritisiert zu werden. Der satirische Text habe sich auf strukturelle Probleme bei der Polizei bezogen wie Rassismus, Gewalt oder rechtsradikale Tendenzen. Darüber hatte es im Juni eine breite gesellschaftliche Debatte gegeben.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, verstoße der Text nicht gegen die Menschenwürde einzelner Polizisten. Die Kritik beziehe sich auf eine Berufsgruppe, nicht auf Einzelpersonen. Zudem falle die Polizei nicht unter den Diskriminierungsschutz, wie ihn der Pressekodex etwa für religiöse oder ethnische Minderheiten vorsieht. Dass die Autorin eine Müllhalde für den einzigen geeigneten Ort für Polizisten halte, berühre Geschmacksfragen, über die sich streiten lasse. Die seien aber keine Grundlage für eine ethische Bewertung. Aus der Formulierung zu schließen, dass Polizisten mit Müll gleichgesetzt würden, ist nach Auffassung des Presserats nicht zwingend. Der Text sei ein „drastisches Gedankenspiel“ und lasse verschiedene Interpretationen zu.

Der Artikel erschien, nachdem es Mitte Juni in der Stuttgarter Innenstadt zu Randalen gekommen war, bei denen auch Polizisten angegriffen und verletzt worden waren. Das fiel inmitten einer Debatte um Gewalt und Rassismus bei der Polizei, die durch Vorfälle in den USA ausgelöst wurde, wo Ende Mai der Schwarze George Floyd bei einer Festnahme ums Leben kam, nachdem ein Polizist ihm dabei die Luft abgedrückt hatte. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) reagierte empört auf die Kolumne der taz und kündigte zunächst an, die Autorin anzuzeigen. Das ließ er dann jedoch bleiben und wandte sich wie auch Vertreter der Polizei und andere Bürger an den Presserat.

Auch bei der Berliner Staatsanwaltschaft gingen Anzeigen gegen die Autorin des Textes ein. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur steht eine Entscheidung darüber, ob es zu einem Ermittlungsverfahren kommt, noch aus. Es habe bisher lediglich eine Art Vorprüfung gegeben. Dabei sei es vor allem um die Bedeutung der Meinungsfreiheit in der politischen Auseinandersetzung gegangen. Offenbar ist ein Ermittlungsverfahren demnach aber unwahrscheinlich.

Von: Jonathan Steinert

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Tue, 08 Sep 2020 17:04:00 +0200