Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 21 Jan 2020 10:36:18 +0100 <![CDATA[„TheoPodcast“ der Uni Münster startet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/01/20/theopodcast-der-uni-muenster-startet/ Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Münster startet in dieser Woche einen Podcast über katholische Theologie. Am Mittwoch, dem 22. Januar, soll das Angebot um 16 Uhr freigeschaltet werden. Dann sollen die weiteren Folgen unter dem Titel „TheoPodcast“ im Rhythmus von zwei Wochen veröffentlicht werden. Anhören und Herunterladen kann man den Podcast auf der Webseite der Fakultät sowie auf den großen Streamingportalen wie Spotify, iTunes und Deezer. Die Beiträge sind zwischen zehn und zwanzig Minuten lang, teilte die Fakultät mit.

Im Bereich der wissenschaftlichen Theologie gebe es in Deutschland bisher keine Angebote, schreiben die Initiatoren des Podcasts. „Die Katholisch-Theologische Fakultät startet hier nun ein Pionierprojekt und möchte mit der Einrichtung des ‚TheoPodcast’ einen Theologietransfer in die breite Öffentlichkeit ermöglichen.“

Folgen von Professoren und Studierenden

Die Folgen sollen von Professoren, Mitarbeitern und Studierenden gestaltet werden. Thematisch soll sich der Podcast nicht nur mit rein theologischen Fragen befassen, sondern „auch mit Dingen, die gesellschaftlich interessant sind“, sagte der Projektleiter Ludger Hiepel gegenüber der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Damit wolle man neue Wege des „Theologietransfers in die Gesellschaft“ gehen. „Im anglo-amerikanischen Bereich gibt es bereits einige Podcasts zum Thema Theologie“, sagte Hiepel, in Deutschland sei ein solches Angebot aber einzigartig.

Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter sprechen über ihre aktuellen Forschungsthemen, die Autoren nehmen aber auch zu theologischen Fragen Stellung. Außerdem präsentieren Studierende Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Theologie, also etwa ihre Abschlussarbeiten. In den ersten acht Folgen geht es unter anderem um das Thema Nachhaltigkeit in der Bibel und um die kirchliche Situation in der Ukraine. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln der „Stiftung zur Ausbildung katholischer Geistlicher im Bistum Münster“.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Mon, 20 Jan 2020 16:30:00 +0100
<![CDATA[Die Passionsgeschichte live auf RTL]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/01/20/die-passionsgeschichte-live-auf-rtl/ Erzählformate der Ostergeschichte gibt es viele: Spielfilme, Theateraufführungen, den klassischen Bibeltext und vieles mehr. Der Kölner Privatsender RTL plant nun in Deutschland etwas ganz Neues: Ein Musik-Live-Event für „die größte Geschichte aller Zeiten“. Gespickt mit bekannten Schauspielern und Sängern soll „Die Passion“ die „über 2.000 Jahre alte Geschichte zum Leben erwecken und die dramatischen Ereignisse in unsere heutige Zeit transportieren“.

Als Bühne für die Inszenierung der letzten Tage Jesu wird das gesamte Stadtgebiet von Essen genutzt. Auf einer Hauptbühne im Zentrum der Ruhr-Metropole wird Thomas Gottschalk als Erzähler durch die Passionsgeschichte führen. Für ihn persönlich sei die „Erlösungsgeschichte mehr als eine fromme Legende“, sagte der Entertainer gegenüber RTL. Da er bereits als Jugendlicher die Passion als Vorbeter vorgetragen habe, könne er heute sagen, dass er noch nie so gut wie jetzt auf einen TV-Auftritt vorbereitet war.

Unterstützt wird Gottschalk von verschiedenen Sängern und Schauspielern, die mit Hilfe deutscher Musikhits die Geschehnisse von damals zu neuem Leben erwecken sollen. Sie werden an mehreren Schauplätzen in Essen auftreten. Parallel plant RTL Live-Schalten zu einer Passions-Prozession, die durch die Stadt führen wird. Teilnehmer aller Konfessionen und Glaubensrichtungen sind dazu eingeladen, ein leuchtendes Kreuz durch die Straßen Essens zu tragen. „Die Grundgedanken der Passionsgeschichte gehen weit über einen religiösen Hintergrund hinaus und handeln von menschlich universellen und zeitlosen Themen“, erklärt der RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm dazu. Bei der Passionsgeschichte gehe es „um Respekt und Liebe für den Nächsten – unabhängig von Herkunft und Religion“.

In den Niederlanden ein TV-Highlight

„Die Passion“ ist außerhalb Deutschlands kein unbekanntes Format. In den Niederlanden läuft „Die Passion“ schon seit 2011. Gestartet mit einem Marktanteil von 17,6 Prozent, lag sie 2015 bei bereits 46,2 Prozent und gehört jährlich so zu den erfolgreichsten TV-Events.

Produziert wird „Die Passion“ im Auftrag von RTL Television von der Firma Mediawater in Kooperation mit Kimmig Entertainment. Musikalischer Direktor ist Michael Herberger, der unter anderem auch für Musik und Ton in der Vox-Sendung „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ verantwortlich ist und mit den Söhnen Mannheims viele Erfolge gefeiert hat.

Von: Martin Schlorke

]]>
Mon, 20 Jan 2020 13:57:00 +0100
<![CDATA[Baseball-Star lädt zum Bibelstudium ein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/01/19/baseball-star-laedt-zum-bibelstudium-ein/ Der 38-jährige dreifache All-Star Pitcher Adam Wainwright hat über das soziale Netzwerk Twitter seine 285.000 Anhänger eingeladen, mit ihm ein Jahr lang die Bibel zu lesen. Der Werfer der amerikanischen Baseball-Mannschaft St. Louis Cardinals twitterte, dass der christliche Glaube ein wichtiger Bestandteil seines Lebens sei. Er ermutigte interessierte Anhänger, seinem anderen Twitter-Account „Walking With Waino“ zu folgen. Das meldet das amerikanische Online-Portal The Christian Post.

Die Zahl der Follower auf diesem Konto hat sich binnen weniger Tage auf 14.000 verdoppelt. In der Beschreibung des Accounts heißt es: „Studiere Gottes Wort in der Gemeinde.“ „Walking With Waino“ sei für ihn eine „coole Gelegenheit, in Gemeinschaft mit euch durch Gottes Wort zu gehen“. Er bete dafür, dass die Aktion ein Segen und eine tägliche Ermutigung für die Beteiligten sein werde.

„Aufschlüsseln, was mir aufgefallen ist“

Er sei „aufgeregt und nervös“, mit anderen Menschen das Ganze durchzuarbeiten. Er wolle dabei sehr transparent auf seine eigenen Kämpfe hinweisen. Der Studienplan sei chronologisch geordnet: „Das ist kein Plan, bei dem man monatelang in ein Buch eintaucht“, erklärte der Sportler. „Es soll dich motivieren, jeden Tag sein Wort zu öffnen!“

In einem Video erklärt Wainwright das Programm. Die Teilnehmer sollen jeden Morgen eine E-Mail mit einem Text aus dem Alten und einem aus dem Neuen Testament oder einen Psalm erhalten: „Ich werde aufschlüsseln, was mir aufgefallen ist. Es wird große Themen geben, auf die ich gestoßen bin“, betont er.

Wainwright hat die Initiative im „Jahr der Bibel“ gestartet. Dieses haben mehrere Missionsorganisationen ausgerufen. Ziel der Bewegung ist es, die Bibel weltweit bekannter zu machen. Während seiner Karriere hat der Baseball-Profi seinen Glauben offen bekannt. 2017 sagte Wainwright in einem Interview, dass Gott ihm die Fähigkeit gegeben habe, mit Menschen über seinen Glauben zu sprechen.

Im Interview der Zeitschrift Sports Spectrum sagte er 2019, dass er seine Karriere vermutlich früher beendet hätte, wenn er nicht Mentor für jüngere Spieler auf dem Feld und in Glaubensangelenheiten wäre. Vergangenen November unterzeichnete er einen neuen Ein-Jahres-Vertrag bei den St. Louis Cardinals für die Saison 2020.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Sun, 19 Jan 2020 13:45:00 +0100
<![CDATA[Wie Kommunikation über den Glauben gelingt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/01/18/wie-kommunikation-ueber-den-glauben-gelingt/ Das Thema von Erik Flügges Vortrag lautete: „Kann man uns noch glauben?“ Seine Antwort: „Nein!“ Flügge erklärte seine provokante Antwort damit, dass seiner Ansicht nach „das gesamte System christlicher Kommunikation (nicht wisse), wie die Regeln des Kommunizierens funktionieren“. Der Politikberater ist unter anderem Autor der Bücher „Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt“ und „Nicht heulen, sondern handeln“, in denen er die kirchliche Kommunkation ins Visier nimmt.

Es gebe gemeinsame Regeln für Quantität, Qualität, Relevanz und Stil, erklärte Flügge bei seinem Vortrag. Weder die Evangelische noch die Katholische Kirche hielten sich an die Regeln, die dafür sorgten, dass Kommunikation gelingen könne. So sei kirchliche Kommunikation viel zu oft eine reine Senderbeziehung. Frage sich ein Mensch, ob die Botschaft der Kirche glaubwürdig sei, mache er dies nicht an den reinen Inhalten fest, sondern am Einhalten der kommunikativen Regeln.

Quantität, Qualität, Relevanz, Stil

Die Maxime der Quantität besage, dass sich der Sender so informativ äußern sollte, wie für den Zweck des Gesprächs nötig, zugleich aber nicht ausschweifend, also informativer als nötig. Als Negativ-Beispiel nannte er die Bierdeckelaktion der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Die Maxime der Qualität fordere vom Sender, einen Gesprächsbeitrag zu liefern, der wahr ist. Er solle nichts sagen, wovon er glaube, dass es falsch ist, oder wofür nicht genügend Anhaltspunkte bestehen. Der Automat „Jesus to go“ des Erzbistums Köln ist Flügges Ansicht nach ein Beispiel, bei dem es nicht gelungen ist, diese Maxime einzuhalten: „Dafür muss man katholischer Insider sein, um die Geschichte zu dechiffrieren“, glaubt Flügge.

Zur Maxime der Relevanz erklärte Flügge: „Sage nichts, was nicht zum Thema gehört, wechsele nicht das Thema. Beachte den Gesprächskontext vorangegangener Kommunikation und das Vorwissen deines Kommunikationspartners.“ In Bezug auf die Maxime des Stils riet Flügge dazu, „Unklarheiten, Mehrdeutigkeit, unnötige Weitschweifigkeit und Ungeordnetheit“ in der Kommunikation zu vermeiden. Wie unterschiedlich die Deutungsmöglichkeiten sind, wenn sich ein Sprecher nicht an diese Maxime hält, veranschaulichte Flügge anhand der Weihnachtspredigt eines Landesbischofs. Die Form der Predigt hält Flügge ohnehin für überholt.

Studiengang für Glaubenskommunikation

Am von ihm selbst angestoßenen Projekt „Valerie und der Priester“ beschrieb Flügge dagegen, wie Glaubensthemen verständlich öffentlich kommuniziert werden können. Kommunikation gelinge immer dann, wenn man sie um den Fragenden, nicht um den Sender herum baue. Dies sei eine Frage des Wie, weniger der Ressourcen: „Ein System, das seltsam spricht, lauter sprechen zu lassen, funktioniert nicht.“ Stattdessen müssten Sender darauf achten, das „Kooperationsprinzip der Kommunikation“ nicht zu verletzen.

Abschließend kündigte Flügge an, an einem universitären Modell zu arbeiten und einen entsprechenden Studiengang etablieren zu wollen: „Glaubenskommunikation muss eine eigenständige Profession werden.“

Austausch für christliche Medienschaffende

Mit Flügges Vortrag endete der 6. Christliche Medienkongress am 18. Januar in Schwäbisch Gmünd. Der Kongress versteht sich als Gesprächsforum für christliche Medienschaffende. Vor zwei Jahren fand der vorige Kongress statt. Rund 130 Medienschaffende berieten in Seminaren und Diskussionsveranstaltungen im Christlichen Gästezentrum Schönblick darüber, wie Journalismus glaubwürdiger und wie die christliche Botschaft wirkungsvoll in den Medien verbreitet werden kann.

Träger des Christlichen Medienkongresses sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), Bibel.TV, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Agentur Media Vision, die SCM Verlagsgruppe, die Stiftung Marburger Medien, ERF Medien, die Christliche Medieninitiative pro, CFF – Forum für Christen in Film und Fernsehen und die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Von: Stefanie Ramsperger

]]>
Sat, 18 Jan 2020 16:30:00 +0100
<![CDATA[„Messiah“: Von Nutzern geliebt, von Kritikern gehasst]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/18/messiah-von-nutzern-geliebt-von-kritikern-gehasst/ Eine Rezension von Nicolai Franz]]> In Damaskus taucht plötzlich ein langhaariger Mann im gelben Hemd auf. Er predigt, die Menschen sollten sich nicht ängstigen, Gott habe alles in der Hand. Die Massen bleiben ungläubig. Bis ein Sturm die syrische Stadt einen ganzen Monat lang in Sand und Staub einhüllt und den Terroristen damit den Nachschub abschneidet. Die Terrorgruppe Islamischer Staat zieht sich zurück, Damaskus ist frei. Für die Menschen in der syrischen Hauptstadt ist das der Beweis: Der Prediger ist „Al-Masih“, der Messias!

Wirklich? Tatsächlich bleibt in „Messiah“ unklar, wer „Al-Masih“ eigentlich ist. Er zieht mit hunderten Jüngern durch die Wüste an die israelische Grenze. Er taucht mal in Tel Aviv, mal in Amman und dann in Texas auf. Er rettet eine pubertierende Jugendliche vor einem Tornado, läuft vor dem Lincoln Memorial über das Wasser, zieht mehrfach eine Gefolgschaft ahnungsloser Jünger hinter sich her. Und vor allem weiß er verblüffend viel, selbst intimste Geheimnisse von Mossad- und CIA-Agenten scheint er wie selbstverständlich zu kennen.

Die haben es nämlich auf ihn abgesehen. Sie fürchten, dass er Unruhe und Chaos stiften will. Deswegen jagen sie ihn um die halbe Welt. „Al-Masih“, der „Messias“ – eine Gefahr für die öffentliche Ordnung?

Platt, aber unterhaltsam

Beachtlich ist, wie „Messiah“ es dabei schafft, Gegensätze zu vereinen, sowohl geografische, als auch kulturelle und religiöse. Denn „Al-Masih“ ist nicht eindeutig der Jesus Christus, der auf die Erde zurückkehrt, er ist auch nicht der Isa des Koran, sondern eine Mischung daraus – plus allem Möglichen, was Menschen sich über eine endzeitliche Retterfigur ausdenken können.

Trotz dieses ungewöhnlichen Ansatzes hat „Messiah“ vor allem im Storytelling große Schwächen. Gleichzeitig hat die Serie auf anderen Ebenen viel zu bieten: Schauspieler, Drehbuch-Idee, Kameraführung, Spezialeffekte. Das führt beim Publikum zu einer interessanten Polarisierung zwischen professionellen Kritikern und Konsumenten. Nirgends wird das so deutlich wie auf dem Filmbewertungsportal „Rotten Tomatoes“. Dort gibt es neben einem zusammengefassten Kritiker-Ranking auch eine gesonderte Bewertung durch Nutzer. In den meisten Fällen liegen die beiden Werte nicht sonderlich weit auseinander. Ganz anders bei „Messiah“: Während die Serie bei den Kritikern nur zu 41 Prozent gefiel, kam sie bei den Konsumenten auf satte 89 Prozent.

Doch offenbar ist das, was die Profis an „Messiah“ kritisieren, gerade das, was die Massen – zumindest in den USA – gerade so schätzen: Die Handlung, die dermaßen platt erzählt wird, dass es bisweilen weh tut. Viel zu häufig meint man schon am Beginn einer Szene ihren Ausgang zu kennen. Und liegt damit richtig. Trotz einer äußerst ungewöhnlichen Story bietet „Messiah“ wenig wirklich Überraschendes, wie beispielsweise Al-Masih einen verletzten Hund nicht etwa heilt, sondern mit einem Gewehr von seinen Leiden erlöst. Doch solche Szenen bleiben die große Ausnahme. Stattdessen gerät die Geschichte größtenteils zu einer Sammlung von Klischees und verliert sich in allzu vielen Nebenschauplätzen, die die Handlung nicht voranbringen. Raum für Subtilität fehlt vollkommen.

Wer das gut ertragen kann und Interesse an ungewöhnlichen Erzählstoffen hat, wird mit „Messiah“ durchaus gut unterhalten. Tiefe geistliche Erkenntnisse sollte allerdings niemand erwarten. Im „faith based“, also religiös offenen, amerikanischen Publikum kommt die Serie trotzdem an. Fraglich ist, ob dies auch für das hiesige Streaming-Volk gilt.

]]>
Sat, 18 Jan 2020 11:39:00 +0100
<![CDATA[Neues Netzwerk christlicher Influencer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/01/18/neues-netzwerk-christlicher-influencer/ Jana Highholder bekommt Verstärkung. Sie ist das Gesicht des YouTube-Kanals „Jana glaubt“. Den Kanal gibt es seit 2018, er hat rund 18.200 Abonnenten. Sein Ziel ist es, junge Menschen für Glaubensthemen zu sensibilisieren.

Jetzt möchte das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) mit dem Evangelischen Content-Netzwerk christliche Influencer vernetzen. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte sich gewünscht, „Sinnfluencer“ aus allen Bereichen der Evangelischen Kirche zu unterstützen und ihre Präsenz auf YouTube und weiteren sozialen Netzwerken auszubauen.

„Mehrstimmiges Angebot“

Wie das GEP mitteilt, sind die Beiträge der sogenannten Sinnfluencer ab dem 18. Februar auf den Kanälen YouTube, Instagram und weiteren Plattformen zu sehen. Die Arbeit solle junge Menschen zwischen 14 und 29 Jahren erreichen und verstehe sich „als mehrstimmiges Angebot, das vom individuellen Glaubensverständnis der Sinnfluencerinnen und Sinnfluencer geprägt sein soll“.

Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) ist das zentrale Mediendienstleistungsunternehmen der EKD, ihrer Landeskirchen und Werke sowie der evangelischen Freikirchen. Zum GEP gehören neben evangelisch.de unter anderem das Monatsmagazin chrismon und die Zentralredaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd). Auch die jährliche Fastenaktion „7 Wochen Ohne“ wird dort entwickelt.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Sat, 18 Jan 2020 09:38:00 +0100
<![CDATA[„Überwältigende Unterstützung zur Seenotrettung“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/17/ueberwaeltigende-unterstuetzung-zur-seenotrettung/ Mehr als 2.500 Einzelspender und 250 Bündnispartner wollen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bei ihren Bemühungen zur Seenotrettung im Mittelmeer unterstützen. Aus Sicht des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm mache dies deutlich, „dass die Hilfsbereitschaft für Menschen in Not in der Bevölkerung tief verankert ist“.

Im November wurde das Bündnis „United 4 Rescue“ gegründet und mit der Spendensammlung begonnen. Laut EKD gebe es jetzt bereits genug Spenden, um bei der Ersteigerung eines Schiffes zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer mitbieten zu können. Dies meldet der Evangelische Pressedienst und beruft sich dabei auf EKD-Pressesprecher Joachim Lenz.

In Kiel habe sich eine EKD-Delegation das Forschungsschiff Poseidon angeschaut. Es soll im Januar im Zuge eines Gebotsverfahrens verkauft werden. Die Kosten dafür könnten bei rund einer Million Euro liegen. Bedford-Strohm bezeichnete den Spendenverlauf als „überwältigende Unterstützung“. Diese stimme ihn „zuversichtlich, ein zusätzliches Schiff in den Einsatz im Mittelmeer zu bringen und die Seenotrettung zu unterstützen, solange eine dringend notwendige europäische Lösung nicht in Sicht ist“.

Aus Mitteln des Erzbistums hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, 50.000 Euro zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus hat unter anderem die Evangelisch-reformierte Kirche die Sammlung mit 15.000 Euro, die oldenburgische Kirche mit 20.000 Euro und die Evangelische Kirche im Rheinland mit 100.000 Euro unterstützt.

Kirchentags-Resolution als Auslöser

Basis für die Gründung der Initiative „United4Rescue – Gemeinsam Retten“ war eine Resolution des Evangelischen Kirchentages in Dortmund im Juni. Dort hatten Kirchentagsbesucher die Entsendung eines Rettungsschiffes der Evangelische Kirche ins Mittelmeer gefordert. 40.000 Personen unterstützten das Ansinnen.

Die EKD beschloss daraufhin, sich mit einem eigenen Fahrzeug in der Seenotrettung im Mittelmeer zu engagieren. Das Rettungsschiff soll dann von der Organisation Sea-Watch im Laufe des Jahres 2020 eingesetzt werden. Zu den Bündnispartnern gehören neben kirchlichen Organisationen unter anderem die AWO, Diakonische Werke, ProAsyl und Privatpersonen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Fri, 17 Jan 2020 14:59:00 +0100
<![CDATA[Für Wahrheit im Internet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/01/17/fuer-wahrheit-im-internet/ „Wer sich auf Gott beruft, muss anständig miteinander umgehen“, sagte Markus Bräuer, Medienbeauftragter des Rates der EKD, zur Eröffnung des 6. Christlichen Medienkongresses in Schwäbisch Gmünd. Dazu gehöre es, dass Christen sich nicht an Shitstorms beteiligen sollten. „Wir sind aufgefordert, Gutes übereinander zu reden, auch wenn wir in der Sache unterschiedlicher Meinung sind.“ Einen Umgang zu pflegen, der „ausstrahlt und ansteckend ist“, sei der Weg für Christen, ihren Glauben authentisch zu leben. Das gelte auch gegenüber Journalisten und Politikern, die im Netz zunehmend beschimpft würden.

Corinna Buschow, Berliner Chefkorrespondentin des Evangelischen Pressedienstes (EPD), beleuchtete die andere Seite der Medaille: „Was machen wir Journalisten, um Glaubwürdigkeit zu gewinnen, glaubwürdig zu bleiben oder es wieder zu werden?“ Ihr Statement: „Wie sorgfältig wir unser Handwerk machen, davon hängt unsere Glaubwürdigkeit ab.“ Als Richtlinie gelte deswegen beim EPD die Maßgabe: Genauigkeit vor Schnelligkeit vor Stil.

„Wir steuern auf eine Hyperinflation der medialen Glaubwürdigkeit zu“

Jörg Dechert, Vorstandsvorsitzender von ERF Medien, erklärte, dass Glaubwürdigkeit immer etwas ist, „was sich zwischen Menschen entspinnt: Eine von uns Menschen erfundene Ordnung.“ Seine These: „Wir steuern auf eine Hyperinflation der medialen Glaubwürdigkeit zu.“ Die Digitalisierung setze die Glaubwürdigkeit von Medien massiv unter Druck. Einerseits sorge die Digitalisierung dafür, dass Menschen erkennen, wie komplex die Welt ist, andererseits erlebten die Menschen diese nicht in ihrem Alltag. Er veranschaulichte seine These anhand des Klimawandels: Es gebe einzelne warme wie einzelne extrem kalte Winter, das Phänomen Klimawandel lasse sich aus dem einzelnen Erleben aber nicht ableiten. Das mache Skeptiker anfällig für Populisten.

Glaubwürdigkeit hänge ab von der „Überzeugungskraft des Storytelling“ und dem „Andocken im persönlichen Alltag“, erklärte Dechert. Dazu komme ein immer professioneller werdendes Handwerk: „Wir können häufig Realität und Fälschung gar nicht mehr auseinanderhalten.“ Fotos zu fälschen ist möglich, seit einiger Zeit gibt es auch gut gefälschte Videos. „Das Wort ‚Beweisfoto‘ hat heute keinen Sinn mehr“, sagte Dechert. Wer Original und Fälschung nicht mehr auseinanderhalten könne, müsse Medien entweder alles oder nichts glauben. Wer Medien nichts glaube, ziehe sich in seine eigene Filterblase zurück: „Im Internet findet man für jede Meinung jemanden, der sie vertritt.“

Hanno Terbuyken, Head of Communications von ChurchDesk, sieht in der „Community“ das größte Korrektiv für einzelne im Internet vertretene Meinungen. Aus diesem Grund plädierte er dafür, die eigenen Quellen immer transparent zu machen. Auf das achte Gebot bezogen sagte er: „Ich fände es sehr wünschenswert, wenn ‚Du sollst nicht lügen‘ als Maßstab im Netz wieder wichtiger wird.“

Austausch für christliche Medienschaffende

Der Christliche Medienkongress will ein Gesprächsforum für christliche Medienschaffende sein und diese in ihrer Arbeit ermutigen. Vor zwei Jahren fand der vorige Kongress statt. Die sechste Auflage der Veranstaltung in Schwäbisch Gmünd geht bis zum 18. Januar. Rund 130 Medienschaffende beraten in Seminaren und Diskussionsveranstaltungen im Christlichen Gästezentrum Schönblick darüber, wie Journalismus glaubwürdiger werden kann, und wie die christliche Botschaft wirkungsvoll in den Medien verbreitet werden kann.

Träger des Christlichen Medienkongresses sind die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), Bibel.TV, die Evangelische Landeskirche in Württemberg, die Agentur Media Vision, die SCM Verlagsgruppe, die Stiftung Marburger Medien, ERF Medien, die Christliche Medieninitiative pro, CFF – Forum für Christen in Film und Fernsehen und die Evangelische Nachrichtenagentur idea.

Von: Stefanie Ramsperger

]]>
Fri, 17 Jan 2020 14:51:00 +0100
<![CDATA[Regeln gegen Cybergrooming verschärft]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/01/17/regeln-gegen-cybergrooming-verschaerft/ Der Bundestag hat schärfere Regeln beim Vorgehen gegen Kinderpornografie im Internet beschlossen. Künftig soll schon der Versuch des Cybergroomings strafbar sein. Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD und AfD haben für die entsprechende Änderung des Strafgesetzbuchs votiert. Die übrigen drei Fraktionen enthielten sich.

Auf der Seite des Deutschen Bundestags heißt es zum Gesetzentwurf: Cybergrooming sei laut Strafgesetzbuch bereits strafbar. Der Straftatbestand greife jedoch dann nicht, wenn der Täter lediglich glaubt, auf ein Kind einzuwirken, tatsächlich aber zum Beispiel mit einem Erwachsenen kommuniziert. Denn der Versuch, also auch Fälle, in denen ein Täter auf ein „Scheinkind“ einwirkt, sei nicht strafbar.

Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren

Der Beschluss sieht vor, dass der strafrechtliche Schutz von Kindern auch dann effektiv sein müsse, wenn Täter, insbesondere in der Anonymität des Internets, versuchten, missbräuchlich auf Kinder einzuwirken. Eine Strafbarkeit des Täters könne nicht davon abhängen, ob das von ihm über das Internet kontaktierte Tatopfer seinen Vorstellungen entsprechend tatsächlich ein Kind ist oder nicht.

Der Abstimmung lag eine Beschlussempfehlung des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz zugrunde. Die Täter nutzen den anonymen Raum des Internets, um ungestört Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzubauen, ihr Vertrauen zu gewinnen und so die Tat zu ermöglichen. Bei einer Festnahme müssen die Täter mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.

Wenn verdeckte Ermittler sich als Kind ausgaben, um den Täter zu überführen, blieb der Täter bisher straffrei. Diese Lücke hat der Beschluss geschlossen. Das ZDF veröffentlicht dazu Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik. Demnach waren 2018 1.391 Kinder in Deutschland Opfer von Cybergrooming und damit 28,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Fri, 17 Jan 2020 11:19:00 +0100
<![CDATA[Theologische Tage: „Die Bibel enthält Widersprüche“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/01/16/theologische-tage-die-bibel-enthaelt-widersprueche/ Biblisch gesehen sei es nicht möglich, eine klare Wertung über Homosexualität abzugeben. Zu diesem Ergebnis kommen der Alttestamentler Stefan Schorch (Halle) und der Neutestamentler Eckart Reinmuth (Rostock). Im Rahmen der Theologischen Tage an der Martin-Luther Universität Halle/Wittenberg widmeten sich beide dem Thema Sexualethik aus bibelwissenschaftlicher Sicht.

Der Grund für diese Annahme liege in erster Linie an der Uneindeutigkeit der Bibel, erklärte Reinmuth. Es sei „Blödsinn“ zu behaupten: „Die Bibel sagt das und das zu einem Thema.“ Vielmehr spiegele sich in den Texten eine Vielfalt an Perspektiven im Bezug zur Sexualität wider. Deshalb müsse man als Leserschaft gemeinsam einen Dialog aufnehmen. Dieser müsse „reflektiert, verständlich und informiert“ geführt werden. So könne man den Widersprüchen innerhalb der Bibel begegnen – beispielsweise bei der biblischen Bewertung der Homosexualität.

Bibelwissenschaft als Schlüssel

Eindeutige Antworten werde man innerhalb dieser Debatte jedoch nicht finden, so der Alttestamentler Schorch. Dabei stehe nicht die Heilige Schrift selbst in Frage – diese sei unstrittig. Vielmehr gebe es stattdessen große Unterschiede in der Auslegung der Bibel. Ursache dafür sei, dass kaum ein Bewusstsein für die „Vielfalt und Tiefe der Texte“ existiere.

Die Betrachtung des historischen Kontextes damals und des kulturellen heute würde nicht in eine Bewertung des Textes einfließen. Das Problem in aktuellen Diskussionen liege darin, dass immer gewisse Schwerpunkte gesetzt und Gewichtungen biblischer Texte vorgenommen würden – sowohl in Freikirchen als auch in Landeskirchen. Eine Rolle bei der Bewertung der Bibeltetxte spiele beispielsweise der unterschiedliche Stellenwert von Alten und Neuem Testament. Dabei existiere keine Grenze zwischen den beiden Teilen der Bibel. Kirchliche Herausforderungen benötigten immer eine theologische Betrachtung. Die Bibelwissenschaften würden diese gewährleisten und die Brücke zwischen den Testamenten schlagen.

„Lesen Bibel harmonistisch“

Reinmuth schlägt daher vor, die Bibel „ganz wörtlich“ zu nehmen. Das bedeute nicht, sie salopp zu lesen, so der Neutestamentler. Vielmehr fordere er ein genaues Lesen, ohne Auslassen und unter Berücksichtigung der verschiedenen Kontexte. Christen heute hätten sich „eine harmonistische Leseart angewöhnt“. Das heiße, dass Gläubige Widersprüchen in der Bibel aus dem Weg gingen. Dies sei schädlich für das Schriftverständnis. Daher plädiere er, wieder mehr über Widersprüche der Bibel zu sprechen. Das sei keine Beeinträchtigung, sondern vielmehr eine Bereicherung.

Die Theologischen Tage 2020 werden vom Institut der Bibelwissenschaften organisiert. Sie finden jedes Jahr im Januar statt.

Von: Martin Schlorke

]]>
Thu, 16 Jan 2020 16:27:00 +0100
<![CDATA[Nach der Offenbarung geht es weiter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/16/nach-der-offenbarung-geht-es-weiter/ Buch für Buch haben sie die Inhalte der Bibel in verständlichen Videos erklärt. Etwa zweieinhalb Jahre nach dem Startschuss konnten die Macher des Bibel Projekts jetzt die Fertigstellung dieser „Read Scripture“-Serie feiern. Das Video über die Offenbarung geht nächste Woche online.

Die beiden hauptamtlichen CVJM-Jugendreferenten Philipp Kruse und Luca Drexhage hatte die Idee, um das Interesse junger Menschen an der Bibel zu wecken und sie sprachfähig für den Glauben zu machen: „Wir haben etwas gesucht, womit wir die jungen Leute schulen können“, erzählt er damals im Gespräch mit pro.

Vorbild war die Idee „Bible Project“ eines amerikanischen Theologen und Grafikdesigners. Das Team aus Lemgo sicherte sich die deutschsprachige Lizenz und machte sich an die Arbeit. Comic-ähnliche Figuren und ein Off-Erzähler erklären das jeweilige Buch und dessen Handlung. Die Filme wurden im Videoportal YouTube hochgeladen sowie in Gottesdiensten, im Schulunterricht und in der Kinder- und Jugendarbeit genutzt.

Zurück zu den Wurzeln

Am Samstag haben die Macher die Fertigstellung der „Read Scripture“-Serie gemeinsam mit Wegbegleitern und Unterstützern in Detmold gefeiert. In einem animierten Video blickten die Filmemacher zurück auf die Entstehungsgeschichte des Projekts, mit seinen Wurzeln im amerikanischen Portland.

Nachdem die Idee gereift war, die Videos auf Deutsch zu produzieren, gründeten die Lemgoer die Medienagentur visio:media. Das Team wuchs und das Projekt wurde bekannter, gewann stetig an Unterstützern und konnte die Serie erfolgreich abschließen. Dafür waren auch eine Delegation aus drei Mitarbeitern des amerikanischen Teams angereist. Die Gründer des „Bible Project“ Timothy Mackie und Jonathan Collins sendeten eine Videobotschaft.

Die Feier war verbunden mit einem Ausblick auf die nächsten Projekte. Neben der „Read Scripture“-Serie veröffentlicht das Bibel Projekt weitere Videos zu den Evangelien und zu verschiedenen biblischen Themen. Außerdem sind Serien zur Weisheitsliteratur, der Tora sowie einzelnen Schlüsselbegriffen der Bibel geplant. Eine „How to Read the Bible“-Serie soll verdeutlichen, wie Menschen die Bibel lesen und was sie dabei entdecken können.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Thu, 16 Jan 2020 14:59:00 +0100
<![CDATA[Palastrevolution im Vatikan ist abgesagt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/01/16/palastrevolution-im-vatikan-ist-abgesagt/ pro-Kolumnist Jürgen Mette.]]> Es sollte ein dickes Brett werden, was die Medien dem emeritierten Papst Benedikt XVI. vor den Kopf nageln wollten: der 92-jährige gebrechliche Sohn Bayerns, auch „Professor Papst“ genannte Gelehrte und Ex-Papa der größten Kirche der Welt, als Erzkritiker seines Nachfolgers Papst. Und zwar ausgerechnet beim umstrittensten Thema der Kirche überhaupt: Wie lange kann Rom den Zölibat für Priester durchhalten?

Am 28. Februar 2013 hatte seit gut 500 Jahren mal wieder ein Papst sein Dienstende selbst bestimmt. Im Normalfall ist es Gott selbst, der seinen „Stellvertreter auf Erden“ durch Entzug der Vitalfunktionen vom Pontifikat erlöst. Benedikt hatte damals angekündigt, sich aus der Tagespolitik des Vatikans rauszuhalten.

Es hätte alles so schön gepasst und das Klischee vom Seniorchef als zornigem alten Mann, der hinter dicken Klostermauern Munition gegen seinen Nachfolger erfindet, wäre mal wieder bedient worden. Ich hatte mir das auch so zurechtgelegt. Der alte Mann in Weiß aus Marktl am Inn, den ich wegen seiner überragenden Jesus-Trilogie besonders schätze, flankiert die Reformpläne des beliebten Oberhirten Franziskus aus Buenos Aires mit Querschüssen zu einer der empfindlichsten Sollbruchstellen des mächtigen Lehramtes: Ist der Verzicht auf Ehe, Sexualleben und Familie als Eingangsvoraussetzung für das Priesteramt noch relevant, oder ist es als Alleinstellungsmerkmal – gerade auch gegenüber der Orthodoxen Kirche – unverzichtbar?

Und immer wieder schlägt ungeduldig die Frage der Massen ins Kontor der Glaubenskongregation, ob nicht der Zölibat die Kirche im Blick auf den sexuellen Missbrauch an Schutzbefohlenen mehr geschadet als genutzt hat.

Alles nur ein Missverständnis?

Benedikt XVI. hat seinen Nachfolger Franziskus I. bereits zuvor indirekt, aber öffentlich kritisiert – und sich skeptisch gegenüber einer Lockerung des Zölibats geäußert. Damit konnte sein Nachfolger gut leben. Das neue Buch war die fünfte öffentliche Meinungsbekundung des Emeritus seit seinem Abtritt:

Benedikt hatte mit Kurienkardinal Robert Sarah aus Guinea, dem neben ihm selbst wohl bekanntesten Verfechter des konservativen Lagers, lange über den beklagenswerten Zustand der Kirche disputiert. Das Ergebnis ist kürzlich als Buch unter dem französischen Titel „Des profondeurs des nos coeurs“ (deutsch: Aus der Tiefe unserer Herzen) beim französischen Verlag Fayard erschienen. Inzwischen hat sich Benedikt nach starker Kritik von der Verantwortung für dieses Buch distanziert. Er bestreitet aber nicht, dass das Gespräch mit Sarah so stattgefunden hat.

Zeit Online titelte am 14. Januar „Papa Emeritus taugt nicht zum Revoluzzer“ und die Tagespost kommentiert den Medienhype so: Bendikt XVII. liefere ein ernstes, ja trockenes theologisches Traktat, das sich an wenigen Stellen mit dem Verhältnis von Weihepriestertum und Zölibat befasst – vor allem in historischer Perspektive. „Geifernde Angriffe auf den regierenden Papst finden sich darin jedenfalls genauso wenig wie Stellungnahmen zu aktuellen innerkirchlichen Debatten. Gepfefferter oder – wohlwollender gesagt – prophetischer sind Vor- und Nachwort Kardinal Sarahs.“ Der Papa Emeritus hat seine Unterschrift unter diese Texte zurückgezogen – oder nie gegeben. Jedenfalls macht er sie sich nicht zu eigen.

Was uns der Fall lehrt

Wie auch immer sich die Wahrheit durchsetzen wird: Wir Ex-Verantwortlichen von Kirchen, kirchlichen Einrichtungen und freien Werken sollten für unsere Nachfolger beten und uns grundsätzlich nur dann äußern, wenn wir um Rat gefragt werden. Und wenn es um gravierende Kurswechsel gehen sollte, können wir uns die Freiheit nehmen, direkt mit unseren Nachfolgern zu sprechen, nicht mit den Mitarbeitern. Mit Vertretern der Aufsichtsgremien sollten wir nur im äußersten Fall einer zerrütteten Leiterschaft das Gespräch suchen. Und die breite Öffentlichkeit über unsere Kritik am Vorgänger zu unterrichten, sollte sowieso nicht das erste Mittel der Wahl sein.

]]>
Thu, 16 Jan 2020 14:19:00 +0100
<![CDATA[Organspende-Entscheidung: Um Haaresbreite in die Irre]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/01/16/organspende-entscheidung-um-haaresbreite-in-die-irre/ Ein Kommentar von Nicolai Franz]]> Um Haaresbreite hätte der Deutsche Bundestag am Donnerstag in Sachen Organspende eine Entscheidung gegen Ethik und Recht getroffen. Anders kann man es nicht bezeichnen, was Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) und weitere Abgeordnete die „doppelte Widerspruchslösung“ nennen. Demnach wäre jeder Bürger automatisch „Organspender“ – es sei denn, er hätte zeitlebens gegenüber den Behörden oder seinen Angehörigen widersprochen. Die Anführungszeichen um das Wort „Organspende“ wären nötig geworden. Denn eine Spende ist immer freiwillig und sichtbar gewollt. Das wäre mit Spahns Gesetz entfallen.

Ja, eine Organspende ist ein Akt der Nächstenliebe. Viele Menschen warten monatelang auf ein lebensrettendes Organ – oft vergeblich. Es ist gut, dass unsere Gesellschaft schon seit Monaten über das Thema diskutiert und es in Erinnerung ruft.

Mehr als 80 Prozent der Menschen würden ihre Organe spenden, doch nur die Hälfte hat einen entsprechenden Ausweis. Haben sie keinen, entscheiden die Angehörigen im Sinne des Sterbenden. In 75 Prozent der möglichen Fälle kommt es dann zur Organspende, wie Hermann Gröhe (CDU) in der Debatte sagte. Das ist beachtlich.

Wenn die dokumentierte Spendenbereitschaft erhöht werden soll, müssen die Spendenwilligen also gebeten werden, ihre – bereits getroffene – Entscheidung schriftlich festzuhalten. Deswegen ist es gut, dass der Bundestag für Annalena Baerbocks (Grüne) Antrag stimmte. Künftig sollen Hausärzte regelmäßig über Organspenden aufklären.

Schweigen ist keine Zustimmung

Die „doppelte Widerspruchslösung“ hätte die Leitplanken unseres Miteinanders verschoben. Der SPD-Politiker Georg Nüßlein irrte, als er heute im Bundestag sagte: „Man wird doch verlangen können, dass man sich in diesem Land entscheidet.“ Nein, kann man nicht. Körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht. Jeder besitzt es. Er muss es sich nicht erst vom Staat durch Widerspruch zurückholen.

Auch ist die Entscheidung zur Organspende keine leichte. In Deutschland gilt das Hirntod-Kriterium für Organspender. Sein Herz schlägt noch. Manche Ärzte narkotisieren die Patienten, weil nicht zweifelsfrei geklärt ist, dass der Hirntote keine Schmerzen empfindet. Wer zum Thema Organspende schweigt, zweifelt vielleicht noch. Auch deswegen darf Schweigen niemals als Zustimmung gedeutet werden.

Ausgerechnet die Schwächsten hätte es womöglich am schlimmsten getroffen: Die, die gar nicht verstehen, worum es bei dem Thema geht. Die ohnehin Angst vor Behörden haben, die nicht gut Deutsch können, die psychisch krank sind. Es wäre unverantwortlich, diesen Menschen Organe zu entnehmen, ohne sicher zu sein, dass sie dem wissentlich zugestimmt hätten. Und umgekehrt: Wie fühlt sich wohl ein Mensch mit transplantiertem Herz, der nicht weiß, ob sein Retter es freiwillig gegeben hat? Wie muss sich eine Ehefrau fühlen, die vermutet, dass ihr verschwiegener Mann einer Organspende nicht zugestimmt hätte, es aber nicht durch eine klare Aussage belegen kann?

All dem steht nur ein einziges Argument entgegen: Dass es in Ländern mit Widerspruchslösung mehr Organspenden gibt und damit mehr Leben gerettet werden können. Dafür dürfen wir aber nicht unsere grundlegenden Werte aufgeben. Die gottgegebene Menschenwürde gilt. Auch in der letzten Stunde.

]]>
Thu, 16 Jan 2020 13:54:00 +0100
<![CDATA[Fußballstar: „Größter Titel ist Jesu Liebe“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/01/16/fussballstar-groesster-titel-ist-jesu-liebe/ Roberto Firmino hat sich für ein Leben mit Jesus entschieden und sich taufen lassen. Das Online-Portal der britischen Boulevard-Zeitung Daily Mail berichtet, dass die Taufe im Schwimmbad von Firminos Wohnhaus stattgefunden hat. Demnach sei es eine sehr emotionale Zeremonie gewesen. Taufpate war Firminos Mannschaftskollege, der brasilianische Torwart Alisson Becker.

Im Internet kursieren Videos, die weinende Fußballer zeigen. Die Zeremonie wurde vom brasilianischen Gospel-Sänger Isaias Saad geleitet. Die Mehrheit der Anwesenden trug T-Shirts mit dem Logo „Cross-Equals-Love“ (Kreuz gleich Liebe). Dieses wird mit der weltweiten Hillsong-Kirche in Verbindung gebracht. Auch Mittelfeldspieler Fabinho und ein Teil der Familie schauten bei der Taufe zu.

„Jesus ist Liebe. Es gibt keine Erklärung“

Auf dem Video sieht der Zuschauer, wie Firmino in den Pool geht. Dann bekommt er ein Mikrofon gereicht. Firmino sagt: „Jesus ist Liebe. Es gibt keine Erklärung. Glauben Sie einfach daran. Glauben Sie einfach und fühlen Sie den Heiligen Geist.“ Danach wird er untergetaucht. Mitspieler Alisson steht ebenfalls im Pool.

Im Anschluss an die Taufe umarmt der überwältigte Fußballprofi seine Frau Larissa, mit der er seit Juni 2017 verheiratet ist. Auch Alisson versucht, die Tränen zurückzuhalten. Der Torhüter veröffentlicht regelmäßig Beiträge über die Hillsong-Kirche auf seinen Online-Profilen. Über das soziale Netzwerk Instagram erklärte Firmino zu seinem Schritt: „Ich gebe dir meine Fehler und ich gebe dir auch meine Siege. Mein größter Titel ist deine Liebe, Jesus!“

Roberto Firmino kam am 2. Oktober 1991 zur Welt. Mit 18 Jahren debütierte er in der brasilianischen Serie B. Später wechselte er zum Klub des Unternehmers Eduardo Uram, Tombense FC. In 36 Einsätzen erzielte er sieben Tore und wurde zum besten Spieler der Saison gewählt. Er wechselte 2011 in die Bundesliga zur TSG 1899 Hoffenheim. In 140 Bundesligaspielen erzielte er 38 Tore.

Dadurch wurden die großen Vereine auf ihn aufmerksam. Zur Saison 2015/16 unterschrieb er einen Vertrag beim FC Liverpool in der Premier League. Mit dem Verein gewann er 2019 die Champions League und die FIFA-Klubweltmeisterschaft. Aktuell führt der Verein unangefochten die Tabelle an. Es wäre der erste Meistertitel seit 30 Jahren. In der Nationalmannschaft debütierte Firmino 2014 beim 4:0-Sieg gegen die Türkei. 2019 gewann er mit Brasilien die Südamerika-Meisterschaft Copa America.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Thu, 16 Jan 2020 12:50:00 +0100
<![CDATA[Bundestag lehnt Widerspruchslösung ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/01/16/bundestag-lehnt-widerspruchsloesung-ab/ Jeder, der nicht ausdrücklich widerspricht, soll automatisch Organspender sein, dafür hatte die Gruppe um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plädiert. Das hat der Bundestag am Donnerstag mit 379 zu 292 Stimmen bei drei Enthaltungen abgelehnt. Einen anderen Entwurf von Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock und weiteren Abgeordneten hat er mit 432 Stimmen hingegen angenommen. Dieser will die Menschen vermehrt zur Organspende ermutigen. So soll zum Beispiel jeder mindestens alle zehn Jahre mit dem Thema Organspende konfrontiert werden, wenn er seinen Ausweis auf dem Amt abholt. Ebenso wie Spahns Entwurf sieht auch dieser ein zentrales Online-Register vor.

Die Debattenbeiträge hatten sich pro und contra Widerspruchslösung quer durch die Parteien aufgeteilt. Der Fraktionsdisziplin war aufgehoben, jeder Abgeordnete konnte für sich entscheiden und entsprechend abstimmen. Deutschland braucht mehr Organspender, da waren sich im Grunde alle einig. Es sei kein Streit um das Ziel, sondern um den Weg dorthin, so brachte es Bundestags-Alterspräsident Hermann Otto Solms (FDP) im Plenum auf den Punkt.

Kirchen waren gegen Widerspruchslösung

„Wir sind Schlusslicht in Europa“, bemängelte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, einer der Initiatoren der Widerspruchslösung. Deren Gegner betonten wiederum, die Einführung der Widerspruchslösung habe in keinem Land zu einer Erhöhung der Organspenden geführt. Vielmehr hielten organisatorische Defizite die Zahl niedrig. „Freiwillig“ und „selbstbestimmt“ waren die Schlagwörter der Widerspruchsgegner, der Mensch gehöre nicht dem Staat, sondern sich selbst. Die Spendenbereitschaft an sich sei groß, es müsse vielmehr zur Zustimmung ermutigt werden.

Zwei Unionspolitiker hatten zum Ende der Debatte noch einmal für beide Seiten das Wort. „Spende muss Spende bleiben“, sprach sich Ex-Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe gegen die Widerspruchslösung aus. Sein Nachfolger im Amt, Jens Spahn, warb für dieses Modell, auch wenn es keine „Wunderwaffe“ sei. Organspende dürfe nicht die Ausnahme, sondern müsse die Regel sein.

Bei den Kirchen hatte die Widerspruchslösung stark in der Kritik gestanden. Für Uwe Heimowski, den Politikbeauftragten der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), hätte sich dabei vor allem die Frage gestellt, wie weit der Staat in die Würde des Einzelnen verpflichtend eingreifen darf. Spenden sei gut, aber freiwillig, sagte er im Vorfeld der Debatte im pro-Interview. Die Evangelische und die Katholische Kirche begrüßten die Entscheidung des Bundestages: „Das Gesetz gewährt weiterhin eine möglichst große Entscheidungsfreiheit bei der Organspende und trifft dennoch Maßnahmen, die dazu führen, dass die Menschen sich verstärkt mit der Frage der Organspende befassen“, teilten sie in einer Erklärung mit.

Von: Christina Bachmann

]]>
Thu, 16 Jan 2020 12:44:00 +0100
<![CDATA[Oscar-Nominierung für Filmsong aus „Breakthrough“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/16/oscar-nominierung-fuer-filmsong-aus-breakthrough/ Die erstaunliche Geschichte soll sich so im Jahr 2015 im US-Bundesstaat Missouri zugetragen haben: Der Teenager John Smith war in einem Eissee ertrunken und fast tot, doch durch viele Gebete und Gottes Gnade kam er wieder ins Leben zurück. So zumindest erzählt es die Mutter des Jungen. Im medizinischen Bericht stand später: „Patient tot, Mutter betet, Patient erwacht wieder zum Leben.“ Der Basketball-Star Stephen Curry produzierte den Stoff für die Leinwand. Der Film kam in Deutschland am 16. Mai 2019 in die Kinos.

Der Song zum Film, „I’m Standing With You“, stammt aus der Feder der amerikanischen Komponistin Diane Warren. Von ihr stammen über 70 Songs, die man aus Filmen und Fernsehserien kennt, und die bereits mehrfach ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem Grammy und dem Golden Globe. Bekannt sind etwa „I Don’t Want to Miss a Thing“ von Aerosmith aus dem Film „Armageddon“ und „You Haven’t Seen the Last of Me“ aus dem Musicalfilm „Burlesque“. Ihr Lied „Faith of the Heart“, das sie ursprünglich für den Film „Patch Adams“ komponierte, wurde der Titelsong der Fernsehserie „Star Trek: Enterprise“.

Gesungen von der Hauptdarstellerin

Den Filmsong „I’m Standing With You“ singt die Schauspielerin Chrissy Metz, die im Film „Breakthrough“ die Mutter des verunglückten Teenagers spielt. Sie ist die Hauptperson des Films, die inbrünstig und anhaltend für ihren adoptierten Sohn betet und damit eine Welle der Begeisterung in der Stadt auslöst. Im Lied heißt es: „Wenn du Schmerzen hast, sollst du wissen, dass du niemals alleine damit bist. Und wenn dein Glaube schwindet, sollst du wissen, dass ich niemals meinen Glauben in dich verliere.“

Die Verleihung der Oscars findet am 9. Februar in Los Angeles statt. In der Kategorie „Musik (Original-Song)“ sind neben „I'm Standing With You“ nominiert: „I Can't Let You Throw Yourself“ von Randy Newman im Film „Away“, „(I'm Gonna) Love Me Again“ von Elton John im Film „Rocketman“, „Into The Unknown“ in „Frozen II“ sowie „Stand Up“ im Film „Harriet“.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Thu, 16 Jan 2020 12:00:00 +0100
<![CDATA[Udo Lindenberg und der Glaube: Hinterm Horizont geht’s weiter!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/menschen/2020/01/16/udo-lindenberg-und-der-glaube-hinterm-horizont-gehts-weiter/ Uwe Birnstein sprach mehrmals mit dem „Panik-Rocker“ und begab sich auf Glaubens-Spurensuche in den Liedern und im Leben Lindenbergs.]]> 1955. Ums Taufbecken der evangelischen Kirche im westfälischen Gronau stehen die vier Kinder des alkoholkranken Klempners Gustav Lindenberg und seiner Frau Hermine: Erich, die Zwillingsschwestern Erika und Inge – und Udo, gerade mal neun Jahre alt, im schicken Anzug mit kurzer Hose. In den Kirchenbänken kichern einige Spielkameraden. Die Oma – „streng gläubig“ – hingegen ist selig. Ihr inniger Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Ihre Enkelkinder endlich getauft. „Ich war mir nicht sicher, ob es den alten Mann mit dem weißen Bart, der alles sieht und alles hört und alles kann, nicht doch irgendwo auf Wolke Sieben gab“, erinnert sich Udo Lindenberg später, „außerdem war ich zufrieden, nun wie alle anderen ein Christenmensch zu sein“. Zumal Udo ja schon gerne den evangelischen Kindergarten besucht und dort Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelt bekommen hatte. Nun macht er sogar bei den Gronauer christlichen Pfadfindern mit – als Wölfling Udo.

Das Ziel seiner Sehnsucht nach Leben und Freiheit wird er in seinem Elternhaus, in der Kirche, ja in ganz Gronau nicht finden – das steht nach der Schule schnell für ihn fest. Seine Suche beginnt. Von den Büchern Hermann Hesses ist er begeistert. Schnell entdeckt er seine Liebe für Musik, wird Jazz-Schlagzeuger. Er zieht nach Hamburg, sein Ziel: Rockstar werden. Vielen Menschen begegnet er, die „leider nur ein Vakuum“ im Kopf haben. Auch Frauen befriedigen nicht seine wahre Leidenschaft: mit Musik das auszudrücken, was ihm am Herzen liegt. Mit nahezu missionarischem Eifer möchte er Menschen aus der Lethargie zurück ins pralle Leben führen. Dazu nutzt er die deutsche Sprache. Aber anders als in den Schlagern der seichten Hitparaden-Szene schreibt Lindenberg ehrliche Texte. Er schaut dem Volk aufs Maul. „Alles klar auf der Andrea Doria“: Die so liebevolle wie derbe Schilderung Hamburger Kneipengestalten macht ihn 1973 auf einen Schlag berühmt. Selbstironisch beschreibt er sich als gottgesandten „neuen Messias“, der nicht recht weiß, wie er diese Aufgabe nun ausfüllen soll. Seine Band nennt er „Panik-Orchester“ – dabei lautet Lindenbergs Botschaft eigentlich: „Keine Panik!“

Die Folge eines Klosterbesuchs: Lindenberg entschärft Text

Die heillose Liaison mit „Lady Whisky“ führt ihn in Abgründe, seinen Lebensmut bricht sie aber nicht. 1988 beschreibt er sich als „pessimistisch oft im Denken, optimistisch in der Tat“ – und gesteht: „Ganz rührend finde ich den Ausspruch von Martin Luther (sic): Selbst wenn morgen nichts mehr ginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Es gibt keine Alternative zum Optimismus für mich. Die Alternative ist Resignation, Sodom und Gomorrha. Das können wir nicht verantworten, uns selber gegenüber nicht und allen Generationen, die nach uns kommen.“ Den US-Baptistenprediger und Bürgerrechtler Martin Luther King zählt er zu seinen Vorbildern.

Auch Glaubensthemen verarbeitet er in seinen Songs. 1984 ein freches Lied über Nonnen. Zwei Franziskanerinnen laden daraufhin Lindenberg zu sich ein. „Die haben mir gleich ein paar Sachen erzählt, die ich noch nicht bedacht hatte“, erzählt er danach und lobte die „freundschaftliche Atmosphäre“. Eine Folge des Klosterbesuchs: Lindenberg entschärft den Text. In einem unveröffentlichten Songtext stellt er sich vor, dass „irgendwo in einem Bretterhaus“ Jesus erneut zur Welt kommt – „die tollsten Wunder gescheh’n“ und „man kann wieder übers Wasser geh’n“. „Wenn das nicht passiert, dann ist das Loblied bald verhallt, dann wird die Kirche abgeschafft, Scheinchristen sind so abgeschlafft!“ Lindenbergs Analyse der Christenheit würden wohl viele Fromme teilen.

Kunst von Lindenberg: Bildzyklus über die Zehn Gebote

Ziemlich unbekannt bleibt seine Vertonung des biblischen Hohelieds („Salomon“, 1995) mit lasziv dahinplätschernder Jazz-Melodie und einem Chor, der sogar hebräisch singt. Der Paniker bleibt dem biblischen Text treu: „Die Liebe ist stark wie der Tod.“ Und schließlich sein größter Hit: „Hinterm Horizont geht’s weiter“. Mit diesem Lied verarbeitet er 1986 seine Trauer um eine nahe Freundin, die verstorben war. Dass mit dem Tod alles aus sein soll, kann er nicht glauben.

2006 ein tiefer Bruch in Lindenbergs Leben. Der Tod seines Bruders und engen Vertrauten Erich wirft Udo Lindenberg aus der Bahn. Er beschließt, sein Leben zu ändern, besiegt den Alkohol und setzt an zum Comeback. Mit überwältigendem Erfolg bis heute.

Nicht nur als Musiker, auch als Kunstmaler. Sein Markenzeichen: Flink gezeichnete Figuren, mal lustig, mal derb. Zu seinen bekanntesten Werken gehört ein Bildzyklus über die Zehn Gebote, der 2018 beim Katholikentag und in Kirchenausstellungen zigtausende Menschen an das Thema heranführte.

„Exklusiv-Interview“ mit Gott

Die Sache mit Gott lässt ihn nicht los. In einem seiner neueren Lieder trifft er Gott in einem „Exklusiv-Interview“. „Ey, wieso lässt du uns so lange hängen?“, fragt Lindenberg Gott, „wenn du doch der liebe Gott bist, warum lässt du dann Kriege zu?“ Und was antwortet Gott? „Ihr wisst doch, ich habe eure Welt so schön für euch erschaffen. Doch ihr, ihr habt sie vollgeknallt mit Waffen. Ja, wenn der Mensch nicht weiter weiß, dann macht er mir den Himmel heiß. Doch es nützt kein Beten – kümmert euch jetzt mal selber um euern Planeten!“

Dann wieder beschreibt er Gott, der Menschen „so wie ein Schatten“ durch schwere Zeiten trägt. Ein anderer Song entwickelt sich zum Wunschlied auch bei kirchlichen Beerdigungen. „Wenn du gehst“ heißt er und schildert den Abschied von einem geliebten Menschen: „Ein anderer nimmt dich an die Hand … doch eines fernen Tages sehen wir uns wieder.“

Gegenüber dem Hamburger Abendblatt outete sich Lindenberg 2015 als religiöser „Freiglauber“: „Wenn es sowohl die eine wie auch die andere Möglich- (oder auch Unmöglichkeit) gibt, freunde ich mich mit der mir angenehmeren Version an. Also glaube ich.“ Hinterm Horizont wird Oma Lindenberg sich freuen auf ihren Enkel.

Aktuelles Buch: „Udo Lindenberg – Mach Dein Ding. Die frühen Jahre – wie aus dem kleinen Matz der große Udo wurde“ von Peter Feierabend, Udo Lindenberg, Frank Bartsch, Edel, Hamburg 2019

Aktueller Film: „Lindenberg! Mach Dein Ding“ (Kinostart 16.1.2019)

Autor Uwe Birnstein und Gitarrist Werner Hucks präsentieren in Kirchengemeinden das Programm „Luther & Lindenberg – Zwei Deutsche für ein Halleluja“. Infos gibt es unter www.birnstein.de.

Von: Uwe Birnstein

]]>
Thu, 16 Jan 2020 10:07:00 +0100
<![CDATA[„China will die Zahl der Christen klein halten“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/15/china-will-die-zahl-der-christen-klein-halten/ pro: Die Punktzahl Chinas auf dem Weltverfolgungsindex ist seit 2018 von 57 auf 70 gestiegen. Wie kam es dazu?

Markus Rode: Am 1. Februar 2018 ist in China eine neue Religionsverordnung in Kraft getreten. Sie sieht eine starke Kontrolle und Einschränkung aller christlichen Aktivitäten im Land vor. Die Freiheit für Christen, ihren Glauben zu leben, wird seitdem immer mehr eingeschränkt. Allein im letzten Jahr wurden mehr als 5.500 Kirchen und kirchliche Einrichtungen geschlossen oder zerstört.

Xi Jinping ist erst seit 2013 Staatspräsident der Volksrepublik China, gilt aber schon jetzt als wichtigster Politiker seit Mao. Welche Rolle spielt er bei der Verfolgung von Christen?

Kein anderer Politiker seit Mao hat sich selbst so viele Machtbefugnisse angeeignet wie Xi Jinping. Er regiert wie ein Diktator und zielt dabei auf Erhalt und Ausbau dieser Macht. Um das kommunistische System zu stärken, will er alle Bürger des Landes unter dieses System zwingen. Besonders die Christen, die sich in der Vergangenheit nicht unter das kommunistische Regime gebeugt haben, stehen im Fadenkreuz der digitalen Überwachungstechniken, mit der sich die kommunistische Partei Zugriff auf ihren persönlichen Glaubens- und Lebensbereich verschaffen will. Wer sich den Direktiven von Xi nicht beugt, muss damit rechnen, in Umerziehungslagern interniert zu werden.

Die „Sinisierung“, wie Xi sie will, bedeutet die Anpassung an die chinesische Kultur. Christen leiden darunter. Passt der christliche Glaube nicht zur chinesischen Kultur?

Seit der Kulturrevolution unter Mao ist die Anzahl der Christen explosionsartig gestiegen. Mit mehr als 90 Millionen gibt es im Land mehr Christen als Mitglieder der kommunistischen Partei. Da Xi Jinping 90 Millionen Christen nicht einfach beseitigen oder ins Gefängnis stecken kann, versucht er den Glauben der Christen und die Kirchen so zu verändern, dass sie Teil der kommunistischen Ideologie werden – dazu gehört eine neue, vom Regime nach kommunistischen Vorgaben interpretierte Bibelübersetzung. Kreuze in den Kirchen müssen abgehängt und durch Portraits von Mao und Xi ersetzt werden. Zu Beginn des Gottesdienstes muss die Nationalhymne gesungen werden.

Bei Teilen der Mitglieder der Kommunistischen Partei und der Behörden gab es über viele Jahre die Erkenntnis, dass Christen für das Land wertvolle Mitbürger sind; sie sind ehrlich, arbeitsam und zuverlässig und oft sozial engagiert. Xi sieht in ihnen aber eine Gefahr für seine Machtposition. Er verlangt völlige Unterordnung. Weil die Christen jedoch Jesus als ihren Herrn und Gott verehren, werden sie als Feinde betrachtet.

Offiziellen Angaben zufolge sind 2,5 Prozent der Chinesen Christen, das entspricht knapp 35 Millionen. Open Doors spricht von mindestens 90 Millionen. Wie kommt es zu den Angaben?

Mehr als zwei Drittel der Christen in China gehören zu den nicht-registrierten Haus- oder auch Untergrundkirchen, die zur Zeit der großen Christenverfolgung entstanden sind, als die Christen unter Mao ihren Glauben heimlich leben mussten. Daneben gibt es die staatlich registrierten Kirchen der protestantischen Drei-Selbst-Bewegung, und die katholische Patriotische Vereinigung. Bei den offiziellen Angaben werden anscheinend nur die Mitglieder der staatlichen Kirchen berücksichtigt. Das Regime will die Zahl der Christen klein halten.

Hat die kommunistische Führung Angst vor einem zu großen Christentum?

Die Christen sind auch unter größter Verfolgung Jesus treu geblieben. Ihre Anzahl ist sogar gewachsen. Das Regime versucht dieses Wachstum zu stoppen. Zukünftig soll nach dem neuen „social credit system“ jeder einzelne Bürger komplett digital durchleuchtet und bewertet werden. Auf diese Weise will das Regime mittels Belohnungen oder Sanktionen Zugriff auf die Menschen bekommen, um deren Haltungen und Denken in seinem Sinne zu steuern. So wurden etwa Rentner in mehreren Provinzen angeschrieben mit der Androhung, ihre staatliche Rente würde empfindlich gekürzt werden, sollten sie sich weiter zu Jesus bekennen. Gerade auch Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird verboten, an christlichen Veranstaltungen teilzunehmen, da die Möglichkeit, sie zu prägen, in diesem Alter am stärksten ist.

Es mehren sich Berichte über staatliche Überwachungsprogramme in China, die wie aus einem Science-Fiction-Film wirken. Welche Techniken setzt die Regierung ein?

Die Überwachung in China ist zum Beispiel mit Millionen von Kameras beinahe allgegenwärtig und wird ständig weiter ausgebaut und optimiert. Das erleben auch die Christen, die gezwungen werden, in ihren Gottesdiensträumen Kameras anzubringen. Nun soll dort vermehrt auch biometrische Gesichtserkennungssoftware eingesetzt werden. Das hört sich für mich nicht wie Science-Fiction, sondern wie die Vorstufe der Erfüllung der Prophetie aus Offenbarung 13,16–18 an. Dort heißt es, dass die Menschen sich ein Zeichen an ihre rechte Hand oder Stirn machen lassen müssen, ohne das niemand kaufen oder verkaufen kann.

Deutsche Politiker dürfen nicht verstummen

Was bedeutet das für die Christen in China?

Seit 2017 hat die Regierung viele Kirchen und ihre Einrichtungen geschlossen; im vergangenen Jahr waren das mehr als 5.500. Pastoren werden überwacht und unter Druck gesetzt, ihren Dienst einzustellen. Etliche wurden verhaftet. Das Gemeindewachstum soll mit allen Mitteln begrenzt werden. Mehrere große Hauskirchen haben ihre Sonntagsgottesdienste eingestellt, die Christen treffen sich wieder in kleinen Gruppen. Eine Christin hat das so beschrieben: „Diese neue Zeit der Kontrolle und der Einschüchterung ist auch eine Gelegenheit für die Kirche. Die Christen müssen lernen, im Sinn der Bibel auf Verfolgung zu reagieren. Die jüngere Generation hat noch nie zuvor einen solchen Druck erlebt. Außerdem müssen wir in kleinen Gruppen neu lernen, Jesus nachzufolgen. Es ist, als ob Gott die Fundamente der Gemeinde neu kalibriert, um sie auf eine Zeit des weiteren Wachstums mitten in zunehmender Verfolgung vorzubereiten.“

Deutsche Unternehmer und Politiker mahnen China regelmäßig, die Menschenrechte zu achten. Geschäfte machen sie trotzdem mit ihnen – auch weil sie Arbeitsplätze in Deutschland erhalten wollen. Haben Sie dafür Verständnis? Was wünschen Sie sich von der Politik in Bezug auf China?

Die deutsche und chinesische Wirtschaft sind so eng miteinander verflochten, dass ein Rückbau dieser Beziehungen kaum möglich ist. Entscheidend ist, dass die Wirtschaftsmacht von China nicht so großen Einfluss auf unsere Politiker und Regierung nimmt, dass deren Stimmen immer leiser werden oder verstummen.

Deshalb ist es umso wichtiger, gerade in der Dynamik einer zunehmenden Verfolgung, auch deutlich lauter und gezielter auf die zunehmende Verfolgungssituation hinzuweisen und die Einhaltung der Religionsfreiheit einzufordern. Denn China hat als Wirtschaftsmacht großes Interesse daran, in der Weltöffentlichkeit gut da zu stehen.

Was können Christen in Deutschland tun, um ihre Glaubensgeschwister in China zu unterstützen?

Viele Christen in China kennen Verfolgung noch aus der Zeit unter Mao. Sie haben gelernt, in härtester Verfolgung das Gebet zu intensivieren. Deshalb bitten sie uns, mit ihnen zusammen zu beten. Dazu müssen wir über ihre Situation informiert bleiben. Hierzu hat Open Doors auf der Website aktuelle Gebetsanliegen und entsprechende Informationen bereitgestellt. Hilfreich ist es auch, an Politiker zu schreiben und Redakteuren für unterstützende Artikel zu danken.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde schriftlich geführt.

Die Fragen stellte Nicolai Franz.

]]>
Wed, 15 Jan 2020 14:03:00 +0100
<![CDATA[Weltverfolgungsindex: In diesen Ländern leiden Christen besonders]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/01/15/weltverfolgungsindex-in-diesen-laendern-leiden-christen-besonders/ Silgadji im Norden von Burkina Faso, 28. April 2019: Christen feiern ihren Sonntagsgottesdienst, als mehrere Unbekannte die Gemeinde angreifen. Sie beschlagnahmen Telefone und Ausweise, sammeln die Bibeln ein und verbrennen sie. Den Pastor und sechs weitere Gläubige zerren sie nach draußen, um sie zu erschießen. Eine Person überlebt. Die Täter fliehen auf Motorrädern.

Der Anschlag von Silgadji ist symptomatisch für instabile Staaten Afrikas, wie Open Doors im diesjährigen Bericht zum Weltverfolgungsindex erklärt. 2011 wurde der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi gestürzt, ein Machtvakuum entstand. Danach habe sich „der islamistische Einfluss wie eine Welle“ in mehreren Staaten Subsahara-Afrikas ausgebreitet. In Ländern wie Burkina Faso oder Kamerun gibt es immer wieder islamistische Angriffe auf Christen. Neben bekannten Terrormilizen wie Boko Haram treiben noch viel mehr islamistische Organisationen in afrikanischen Ländern ihr Unwesen. Open Doors zählt 27 Gruppen, die in verschiedenen Teilen von Subsahara-Afrika Kirchen zerstören, Eigentum vernichten, brandschatzen, vergewaltigen, morden.

So belegen mehrere afrikanische Staaten auch die oberen Plätze auf dem Weltverfolgungsindex 2020. In Somalia (3) ist christliches Leben so gut wie unmöglich, auch die Christen in Libyen (4), Eritrea (6) und im Sudan (7) leiden unter starker Verfolgung. In zwei afrikanischen Ländern wurden besonders viele Christen um ihres Glaubens willen ermordet. Im Berichtszeitraum vom 1. November 2018 bis zum 31. Oktober 2019 registrierte Open Doors 924 Morde an Christen in der Zentralafrikanischen Republik. Nur in Nigeria, im Weltverfolgungsindex auf Platz 12, starben mit 1.395 Opfern mehr Christen aufgrund ihres Glaubens, gibt das Hilfswerk an. Mehrere bewaffnete und kriminelle Gruppen würden „marodierend durch die Dörfer“ ziehen und etwa Mädchen ab zehn Jahren entführen, um Lösegeld zu erpressen. Häufig würden die Opfer berichten, sie würden umgebracht, wenn sie sich nicht zum Islam bekehrten.

________________________________________________________

Die ersten zehn Plätze des Weltverfolgungsindex'

1. Nordkorea (94 Punkte)

2. Afghanistan (93 Punkte)

3. Somalia (92 Punkte)

4. Libyen (90 Punkte)

5. Pakistan (88 Punkte)

6. Eritrea (87 Punkte)

7. Sudan (85 Punkte)

8. Jemen (85 Punkte)

9. Iran (85 Punkte)

10. Indien (83 Punkte)

________________________________________________________

Im vom Bürgerkrieg erschütterten Syrien und im Irak schwindet laut Open Doors die christliche Gemeinschaft. 2003 lebten im Irak noch 1,5 Millionen Christen, heute sind es nur noch 200.000 – „ein Rückgang von 87 Prozent innerhalb einer Generation“. In Mossul, vor zweieinhalb Jahren noch eine Hochburg der IS-Miliz, lebten im Sommer wieder 50 bis 75 Christen. Aus Angst vor Verfolgung und einer korrupten Elite schreckten christliche Flüchtlinge davor zurück, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. In Syrien sind von den 2,2 Millionen Christen noch 744.000 übrigen geblieben. Vor allem die jüngere Generation fehlt.

Rode: Abschiebungen christlicher Konvertiten sofort stoppen

Vor allem Konvertiten werden von ihren eigenen Familienmitgliedern oder Angehörigen ihrer Ursprungsreligion verfolgt. Ehemalige Muslime, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, müssen in Ländern wie dem Iran oder Afghanistan mit dem Tod rechnen. „Unverantwortlich“ nennt Open-Doors-Leiter Markus Rode solche Abschiebungen. Christliche Konvertiten erhielten vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und von Verwaltungsgerichten immer seltener Asylschutz. „Die Bundesregierung muss Abschiebungen von Konvertiten sofort stoppen und sich wesentlich entschlossener für verfolgte Christen einsetzen“, forderte Markus Rode in einer Pressemitteilung.

Indien und die Volksrepublik China haben zusammen fast 2,8 Milliarden Einwohner – gleichzeitig sind sie laut Open Doors am „aktivsten im Bereich digitaler Überwachung“. Das Hilfswerk zählte Indien 2019 erstmals zu den zehn für Christen gefährlichsten Ländern der Welt. Premierminister Narendra Modi und seine hindu-nationalistische Regierung lassen extremistische Hindus „weitgehend straffrei gegen Christen agieren“. In China setzt die kommunistische Führung auf Hightech zur digitalen Überwachung. Jeder Einwohner wird mit einem Punktesystem bewertet, unter anderem kommen dort biometrische Überwachungstechniken wie Gesichtserkennung zum Einsatz. Kirchen müssen ihre Kreuze abnehmen und sie durch Porträts des langjährigen Staatschefs Mao Zedong und dem aktuellen Machthaber Xi Jinping ersetzen. Außerdem zwingt die chinesische Regierung die Kirchen dazu, Kameras aufzuhängen, mit denen sie das Gemeindeleben der nach Open-Doors-Schätzungen mehr als 90 Millionen Christen möglichst lückenlos überwachen will. „Die kommunistische Partei verlangt absolute Unterordnung und ließ im vergangenen Jahr mehr als 5.500 Kirchen und kirchliche Einrichtungen schließen“, berichtet Open Doors.

Wie schon in den Vorjahren liegt Nordkorea auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex'. Die Herrscherdynastie der Kims lasse sich dort „wie ein Gott“ verehren. Wer eine Bibel besitzt, kann mit dem Tode bestraft werden. Zehntausende Christen müssten in Straflagern schwerste Zwangsarbeit leisten und würden gefoltert. In Afghanistan, das den 2. Rang belegt, gibt es laut Open Doors keine Kirchen. Christliche Konvertiten müssten unentdeckt bleiben, da sie sonst umgebracht würden.

Insgesamt hat die Gewalt gegen Kirchen und Christen weltweit laut Open Doors „dramatisch zugenommen“. 9.500 Kirchen und kirchliche Einrichtungen seien im Berichtszeitraum attackiert, zerstört oder geschlossen worden – fast doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

260 Millionen Christen seien starker bis extremer Verfolgung ausgesetzt. Open Doors analysiert mit Hilfe von Fragebögen verschiedene Lebensbereiche von Christen: das Privat- und Familienleben, das Leben in Gesellschaft und Staat sowie das kirchliche Leben. Zudem erfasst das Hilfswerk physische Gewalt gegen Christen. Mit einem Punktesystem ermittelt Open Doors dann den Grad der Verfolgung von Christen. Die Fragebögen werden nach Angaben von Open Doors von Fachleuten aus drei Bereichen beantwortet: von Forschern von Open Doors, die mit lokalen Kirchengemeinden zusammenarbeiten, von Analysten des Weltverfolgungsindex-Teams sowie von externen Experten. Der Weltverfolgungsindex umfasst 50 Länder, zu denen das Hilfswerk detaillierte Berichte veröffentlicht. In weiteren 23 Ländern seien Christen einem hohen Maß von Verfolgung ausgesetzt.

Von: Nicolai Franz

]]>
Wed, 15 Jan 2020 13:59:00 +0100
<![CDATA[Organspende: Akt der Nächstenliebe oder Grenzüberschreitung?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/01/15/organspende-akt-der-naechstenliebe-oder-grenzueberschreitung/ Der Fraktionszwang ist aufgehoben: Jeder Abgeordnete kann für sich entscheiden und entsprechend abstimmen. Einig sind sich im Grunde alle: Es muss sich etwas ändern, damit mehr Menschen ihre Organe nach dem Tod zur Verfügung stellen, um Leben zu retten. Doch wie das erreicht werden soll, ist fraglich.

Zuerst steht die sogenannte „doppelte Widerspruchslösung“ von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag im Bundestag zur Abstimmung. Erhält sie die einfache Mehrheit, wird nicht weiter abgestimmt. Sie sieht vor, dass jeder, der nicht aktiv widersprochen hat, automatisch als Spender gilt. Doppelt heißt: Gibt es keinen Widerspruch, würden im konkreten Fall zusätzlich die Angehörigen nach dem Willen des Verstorbenen befragt. Eine Gruppe um Grünen-Chefin Annalena Baerbock will dagegen mit ihrem Entwurf die Entscheidungsbereitschaft in Sachen Organspende stärken.

Bei den Kirchen steht die Widerspruchslösung stark in der Kritik. Für Uwe Heimowski, den Politikbeauftragten der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), stellt sich dabei vor allem die Frage, wie weit der Staat in die Würde des Einzelnen verpflichtend eingreifen darf. Spenden sei gut, aber freiwillig, sagt er im pro-Interview (siehe unten). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) weist vor dem Hintergrund der Debatte auf eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD von 2016 hin. Ein Ergebnis war unter anderem: Menschen, die sich viel über soziale Themen austauschen, sind spendenbereiter. Außerdem seien 50 Prozent der konfessionell gebundenen Menschen (evangelisch/katholisch) bereit, ein Organ zu spenden, dagegen nur 39 Prozent der nicht konfessionell Gebundenen.

Herr Heimowski, von Seiten der Kirchen kam vermehrt Kritik an der Widerspruchslösung von Jens Spahn. Was genau sind die Knackpunkte?

Zuerst einmal muss ich sagen: Es ist für mich eine tolle Erfahrung, dass wir uns als Christen – EKD, Katholische Kirche und Deutsche Evangelische Allianz – in der Sache ziemlich einig sind. Was die Knackpunkte angeht: Zum einen ist überhaupt nicht erwiesen, dass eine doppelte Widerspruchslösung zu mehr Organspendern führt. In Griechenland etwa gibt es diese Lösung und da sind nur halb so viele Leute zu Organspenden bereit wie zurzeit hier in Deutschland.

Der zentrale Knackpunkt ist: Wie weit darf der Staat in die Würde des Einzelnen verpflichtend eingreifen? Da haben wir ein großes ethisches Problem. Wenn der Mensch als Ebenbild Gottes frei geschaffen ist oder – wie das Grundgesetz sagt – wenn die Würde des Menschen in jedem Individuum liegt, dann kann der Staat nicht übergriffig werden. Doch wenn er am Ende des Lebens die Organe entnimmt, ohne ihn zu fragen, muss man überlegen: Wo wird der Staat außerdem übergriffig? Man hat den Eindruck, dass sich da grundsätzlich eine Tür öffnen könnte.

Dann gibt es noch religiöse Argumente. Juden, Zeugen Jehovas und auch bestimmte christliche Gruppen sind wegen ihrer Vorstellung von Auferstehung der Überzeugung, dass sie unversehrt beerdigt werden müssen. Widersprechen diese Leute nicht, etwa weil sie unaufgeklärt sind, dann wird etwas getan, dem sie nie zustimmen würden, wenn sie es verstanden hätten. Nicht zuletzt gab es im April 2019 bereits eine Gesetzesänderung, nach der ein Register für Organspender eingeführt werden soll. Jetzt das nächste Gesetz dranzuhängen, bevor das erste wirkt, halte ich für einen ziemlichen Übereifer.

Ist Organspende für Sie ein Akt der Nächstenliebe oder ein Überschreiten der Grenzen Gottes?

Es ist wichtig, dass eine Gesellschaft nicht dem Irrglauben erliegt, der Tod sei durch Medizin oder Technik aufhaltbar. Der Tod darf kein Tabu sein, er gehört zum Leben. Andererseits sollten wir alles tun, was einem Menschen das Leben verlängern könnte. Das tun wir an anderen Stellen ja auch, indem wir zum Beispiel Blut oder Stammzellen spenden. Insofern halte ich auch die Organspende für einen Akt der Nächstenliebe. Allerdings sagt schon das Wort „Organspende“: Es sollte etwas Freiwilliges sein, nicht etwas, wozu ich verpflichtet werde.

„Ich habe da keine endgültige Antwort“

Hirntod oder Herztod – wird bezüglich der Organspende der Tod mit zweierlei Maß gemessen?

Wir merken daran, dass uns selbst der Tod entzogen ist. Wir können Definitionen formulieren, aber der Tod bleibt etwas, was in Gottes Hand liegt, egal, wie wir das medizinisch definieren. Weil bei Herzstillstand das Organ schnell nicht mehr zu benutzen ist, hat man bei uns die Hirntodregelung eingeführt, denn dann können die Organe noch weiterbelebt werden. Manche sagen allerdings, dieser Mensch lebe noch, habe auch noch Gefühlsregungen. In vielen Ländern gibt es die Herztodregelung, da besteht natürlich die Gefahr, dass jemand gar nicht erst reanimiert wird, sondern zügig die Organe entnommen werden. Ich habe da keine endgültige Antwort, aber es ist ein riesengroßes Dilemma und wir wagen uns in Bereiche vor, die wir medizinisch eigentlich nicht erfassen können.

Letztlich wird sich jeder mit dem Thema Organspende auseinandersetzen müssen. Was ist im Hinblick auf eine Entscheidung zu bedenken?

Ich finde es gut, dass wir damit konfrontiert werden, denn jeden Tag sterben drei Menschen, die leben könnten, wenn sie ein Spenderorgan bekämen. Neben allen formalen Informationen sollte man aber auch wissen, dass zum Beispiel der Sterbeprozess ein ganz anderer ist. Wenn man am Sterbebett eines Menschen sitzt, ist es normalerweise ein schleichender Prozess. Bei der Organentnahme wird der Tote sofort an Geräte angeschlossen und wirkt noch lebendig. Man hat einen ganz anderen Abschiedsprozess. Das muss man wissen und am besten vorher mit einem Seelsorger besprechen. Wenn man darauf nicht vorbereitet wird, ist das schon ein ziemlicher Schock. Insofern sollte so eine seelsorgerliche Vorbereitung eigentlich verpflichtend sein.

„Freiwillig etwas Gutes tun, aber nicht dazu verpflichtet werden

Es ist also auch eine Überlegung, die immer die Angehörigen einschließen sollte?

Auf jeden Fall! Die Hälfte der Entscheidungen zur Organentnahme treffen schon heute die Angehörigen. Deshalb ist es sehr wichtig, das vorher zu besprechen und eine Patientenverfügung zu machen, um die Angehörigen zu entlasten. Der Sterbeprozess betrifft ja nicht nur den Sterbenden.

Haben Sie persönlich einen Organspendeausweis?

Ich selbst habe schon seit Jahren einen. Ich halte es für einen großen Akt der Nächstenliebe, anderen an so einer Stelle noch helfen zu können, wenn es geht. Ich habe lange mit meiner Frau darüber gesprochen und wir sollten jetzt auch mit den Kindern, die groß genug sind, darüber reden. Ich glaube, es ist eine Chance, anderen etwas Gutes zu tun, und das möchte ich freiwillig sehr gerne tun. Dazu verpflichtet werden möchte ich nicht.

Die Fragen stellte Christina Bachmann

]]>
Wed, 15 Jan 2020 12:58:00 +0100
<![CDATA[Käufliche Boulevardzeitung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/01/15/kaeufliche-boulevardzeitung/ Raffael Reithofer]]> Jeden Tag lesen mehrere hunderttausend Österreicher eine Zeitung namens Österreich, knapp als 570.000 Examplare umfasst die Gesamtauflage der Zeitung, deren etwas abgespeckte Gratisversion praktischerweise schon am frühen Morgen etwa an den Wiener U-Bahnstationen ausliegt und aus diesem Grund von zahlreichen Pendlern gern in die Hand genommen wird. In Fernseh-Werbespots bezeichnet sich die Zeitung gerne selbst als „unabhängig“ und „wirklich kritisch“, eine Recherche der neuesten Ausgabe des Investigativmagazins Dossier jetzt allerdings einmal mehr in Deutlichkeit, dass man diese Selbstbeschreibung mit gutem Grund als Lüge bezeichnen kann.

Schlimmer noch, die von Dossier-Chefredakteur Florian Skrabal zusammengetragenen Erkenntnisse zeichnen ein Bild des journalistischen Machtmissbrauchs in Österreichs drittgrößter Tageszeitung. Es scheint dabei die folgende Strategie zu gelten: Wenn ein Politiker oder Wirtschaftsboss in der Zeitung Österreich beziehungsweise auf oe24.at ausreichend inseriert, wird er oder das jeweilige Unternehmen dafür im journalistischen Teil der Zeitung gelobt, macht er das nicht, kann er hingegen mit negativer bis vernichtender Berichterstattung rechnen.

Wie eine Zeitung eine Außenministerin und einen Bundeskanzler vor sich her trieb

Um diese These zu untermauern, zitiert Dossier mehrere, teils anonyme Zeugen – allen voran die ehemalige Außenministerin der vergangenen ÖVP-FPÖ-Regierung, Karin Kneissl (parteifrei, von der FPÖ nominiert), – einst selbst Journalistin –, die ihre Erfahrung mit der Zeitung Österreich gar „an Mafiamethoden der 1930er-Jahrer in Chicago“ erinnert. Kneissl hatte, so Dossier, gleich nach Beginn ihrer Amtszeit die Werbeausgaben des Außenministeriums drastisch reduziert, wodurch es auch für die Publikation Österreich viel weniger Geld gab. Kurz darauf wurde sie in der Zeitung als „Ablösekandidat“ bezeichnet, Herausgeber Wolfgang Fellner – das von vielen gefürchtete Mastermind der Zeitung gründete bereits als 14-Jähriger eine fortan äußerst erfolgreiche Jugendzeitschrift – schrieb in einem Kommentar: „Karin Kneissl wirkt zu Beginn schräg, wirr, teilweise ahnungslos im Politgeschäft. Ein Risiko.“

Weitere versteckte Angriffe seien gefolgt, nachdem Kneissl erkrankte: So habe die Zeitung Reporter ins Ministerium geschickt, die dort fragten: „Ist sie schon tot?“ Ähnliches erzählt auch Christian Kern (SPÖ), der zu Beginn seiner Karriere ebenfalls Journalist und von 2016 bis 2017 österreichischer Bundeskanzler war. Nach seinem Amtsantritt habe er zusammen mit dem damaligen Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) geplant, das Inseratenbudget der österreichischen Bundesregierung zu kürzen. Dazu muss man wissen, dass die österreichische Regierung 2016 mehr Geld für Inserate ausgegeben hat als die deutsche, nämlich 16,2 im Vergleich zu 15,6 Millionen Euro – und das, obwohl Deutschland von der Einwohnerzahl über neunmal so groß ist wie Österreich.

Kern erinnerte sich im Interview von Dossier an ein Treffen mit Österreich-Herausgeber Fellner: „[I]n der Sache hat Herr Fellner das als unfreundlichen Akt gesehen.“ Nachdem sich Ex-Bundeskanzler Kern weigerte, den finanziellen Interessen des Boulevards Folge zu leisten, spürte er die publizistischen Auswirkungen: „Im Grunde ging es um die Frage: Wer regiert das Land? Österreich und die Krone (Anm. d. Red.: die Kronen Zeitung, Österreichs größte Boulevardzeitung) oder die Politik? […] Mein Verhältnis zu beiden Zeitungen war restlos zerrüttet. Das war vermutlich auch wahlentscheidend.“ Damit spielt er auf die Nationalratswahl 2017 in Österreich an, die Kern gegen die von Sebastian Kurz neu aufgestellte ÖVP verloren hat: Einerseits habe die Zeitung Österreich eine „Pro-Kurz-Kampagne“ gefahren, andererseits den Kontrahenten Kern aber mit immer persönlicheren Angriffen schlechtgeschrieben.

Der mutmaßliche Tiefpunkt: „Österreich hat meine Frau und mich mitten im Wahlkampf mit einem mutmaßlich georgischen Kriminellen in Verbindung gebracht. Den Mann haben wir weder gekannt noch von seiner Existenz gewusst“, erinnert sich der inzwischen aus der Politik ausgeschiedene Kern, der die Zeitung zwischenzeitlich als Inseratenkunde und Interviewpartner boykottierte. Es sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass Herausgeber Fellner die erwähnten Vorwürfe bestreitet, ohne sie jedoch im Detail zu entkräften. Auch ist klar: Kneissl, Kern, Mitterlehner – der in seiner Biographie Ähnliches berichtet hat – und zahlreiche anonyme Quellen müssten allesamt lügen, wenn die Vorwürfe gegen Fellner tatsächlich „jeder Grundlage entbehren“ würden, wie dieser gegenüber Dossier behauptete.

Journalistische Erpressungsversuche sind in Wien unterdessen keine Neuheit. Der 2018 verstorbene Historiker Gerhard Jagschitz erinnert in einem Aufsatz zur österreichischen Zeitungsgeschichte an die Machenschaften der sogenannten Revolverjournalisten der 1920er-Jahre: „Ihr Handwerk war die politische Korruption und Erpressung, die meist nach einem Schema ablief: man kündigte Artikelserien gegen Firmen und einflußreiche (sic) Personen an, ließ aber durchblicken, eine finanzielle Entschädigung könnte die Veröffentlichung verhindern.“

Boulevardzeitungen als spezifisch-österreichischer Machtfaktor

Ob die Boulevardberichterstattung tatsächlich wahlentscheidend für Sebastian Kurz‘ Sieg über die SPÖ unter Christian Kern war, lässt sich natürlich nicht beweisen. Ein gewichtiger Machtfaktor sind Boulevardmedien im kleinen Österreich aber allemal – allein schon aufgrund ihrer – etwa im Vergleich zu Deutschland – enorm hohen Verbreitung: So hat die Kronen Zeitung trotz des Größenunterschieds zwischen beiden Ländern die halb so große Auflage wie die deutsche Bild-Zeitung (700.000 zu 1,4 Millionen Exemplare), dazu kommt Österreich mit der am Anfang erwähnten Auflage von knapp 570.000 Stück und die Gratistageszeitung „heute“ mit knapp 580.000 Exemplaren. Umso bedenklicher ist es natürlich aus demokratiepolitischer Sicht, wenn sich Amtsträger und solche, die es werden wollen, positive Berichterstattung mithilfe von Inseraten kaufen können und mit negativer Berichterstattung zu rechnen haben, wenn dieselben Inserate ausbleiben.

Auch für Satiriker ist es ein gefundenes Fressen, dass in Österreich viele Millionen Euro an öffentlichen Geldern über Werbeeinschaltungen an Boulevardzeitungen fließen. Im Video ist das Duo Christoph & Lollo mit „Bettelmafia“ zu sehen.

Ein Zeitungsmacher, ein Silberschmied und die eigene Geldtasche

Das dahinterliegende Prinzip ist leicht zu durchschauen: Wer sich geschäftsschädigend verhält, muss mit dem Gegenwind derer rechnen, die ihren Verdienst in Gefahr sehen – nötigenfalls mit moralisch fragwürdigen Mitteln. Bereits im Neuen Testament der Bibel findet sich eine denkwürdige Episode, in der sich dies manifestiert: Gleich nach Beginn seiner dritten Missionsreise bleibt der Apostel Paulus ganze zwei Jahre in Ephesus, einer griechisch-römischen Stadt in der heutigen Türkei, die vor allem für ihren Artemistempel berühmt war: Der heute weitgehend zerstörte Tempel gehörte damals sogar zur berühmten Liste der sieben Weltwunder, dem wohl berühmtesten „Architekturführer“ der Antike. In diesem Kontext kann man es sich gut vorstellen, dass man sich im antiken Ephesus mit religiösem Merchandising eine goldene – oder in diesem Fall wohl eher: silberne – Nase verdienen konnte.

Das wusste auch Silberschmied Demetrius, der „silberne Artemistempel herstellte und den Künstlern viel zu verdienen gab“, wie in Apostelgeschichte 10,24 berichtet. Nachdem allerdings Paulus in seiner Missionstätigkeit sehr erfolgreich war – laut Apg. 19,10 hörten „alle Bewohner der Provinz Asien (Anm. d. Red.: damals das Gebiet rund um Ephesus in einem Teilgebiet der heutigen Türkei), Juden wie Griechen, das Wort des Herrn“ – bangte Demetrius um sein Geschäft. Er fürchtete wohl: Wenn sich so viele Leute zum neuen Christusglauben bekehrten, würde niemand mehr seine Tempelminiaturen kaufen wollen. Daraufhin rief Demetrius seine Arbeiter zusammen und hielt eine flammende Rede (Apg. 26-27), durch die letztlich „[d]ie ganze Stadt in Aufruhr“ (Apg. 19,29) geriet. Dass Demetrius wegen des von ihm in den Weg geleiteten Aufruhrs den Zorn der herrschenden Römer und eine Anklage wegen Aufruhrs provozierte (Apg 19,34), nahm der Geschäftsmann damals offenbar in den Kauf.

Nun ist es natürlich ein gewagter Vergleich, den antiken Silberschmied Demetrius und den österreichischen Zeitungsmacher Fellner in einen Zusammenhang zu bringen. Doch bei allen Unterschieden ist beiden offenbar gemein, dass sie – wie unzählige andere seit Anbeginn der Geschichte natürlich auch – im Sinne der eigenen Geldbörse dazu bereit sind, auf moralisch fragwürdige Handlungen zu setzen: Setzte Demetrius mit seinen Handlungen das Wohlergehen seiner Landsleute aufs Spiel, gefährden Fellner und die Seinesgleichen mit ihrer Inseratenpublizistik über kurz oder lang die Möglichkeit einer kritischen Öffentlichkeit und damit das Funktionieren der Demokratie. „In der Medienbranche sind Fellners Praktiken ein offenes Geheimnis. Viele erzählen davon hinter vorgehaltener Hand, trauen sich aus Angst vor seinen Methoden aber nicht an die Öffentlichkeit“, heißt es unterdessen in Dossier. Es ist der Rechercheplattform um Chefredakteur Skrabal zu verdanken, dass die Praktiken der Zeitung Österreich nun auch für eine breitere Öffentlichkeit erkennbar sind.

]]>
Wed, 15 Jan 2020 12:30:00 +0100
<![CDATA[Benedikts Streit um Co-Autorenschaft: Buch erscheint unverändert]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/15/benedikts-streit-um-co-autorenschaft-buch-erscheint-unveraendert/ Der ehemalige Papst Benedikt XVI. sorgt für Schlagzeilen. Am Mittwoch soll das Buch „Aus der Tiefe unserer Herzen“ erscheinen. Geschrieben hat es Kardinal Robert Sarah aus Guinea. Als Co-Autor steht dort auch Joseph Ratzinger. Der französische Figaro veröffentlichte erste Auszüge aus dem Werk. Darin stellt er sich gegen Franziskus' Reformbemühungen zum Zölibat.

Am Dienstag meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass Ratzinger seinen Namen als Mitautor des Buches über die Frage des priesterlichen Zölibats entfernt haben will. Erzbischof Georg Gänswein habe Sarah im Auftrag Ratzingers gebeten, sich mit dem Verlag in Verbindung zu setzen, um die notwendigen Änderungen vorzunehmen.

„Nicht beeindrucken lassen von üblen Plädoyers und Theateraufführungen“

Gänswein stellt es öffentlich dar, dass Ratzinger nicht darüber aufgeklärt worden sei, dass sein Name auf dem Cover zu sehen sein werde. In den vorab veröffentlichten Zitaten äußert sich Ratzinger, er könne nicht dazu schweigen, dass sein Nachfolger plane, verheiratete Männer als Priester zuzulassen. Dort heißt es: „Es ist dringend notwendig, dass alle, Bischöfe, Priester und Laien, sich nicht beeindrucken lassen von üblen Plädoyers, Theateraufführungen, teuflischen Lügen und modischen Verirrungen, die den priesterlichen Zölibat entwerten wollen.“

Nur so könne laut Ratzinger und Sarah „dem Geist der Teilung, der Gleichgültigkeit und des Relativismus Einhalt geboten werden“, schreibt Spiegel Online. Papst Franziskus hatte auf der Amazonassynode im Oktober 2019 den Weg frei gemacht für eine Ausnahmeregelung. Sie soll es verheirateten, erprobten Männern in der Katholischen Kirche erlauben, Priesteraufgaben wahrzunehmen. In Kürze möchte der aktuelle Papst in einem postsynodalen Schreiben seine Sicht der Dinge darlegen.

Die Medien diskutieren gerade darüber, ob Benedikt tatsächlich nichts von der Publikation gewusst hatte. Der Herausgeber schreibt in dem Buch, dass Ratzinger und und Sarah als „enge Freunde“ zusammenarbeiten wollten und zwei Texte gemeinsam verfasst hätten. Sein formaler Rückzieher verschlimmere „das PR-Desaster“ eher.

Kardinal Sarah wies die Vorwürfe der Medien zurück, er habe den Namen Benedikt unbefugt benutzt. Über das soziale Netzwerk Twitter schrieb er: „Ich bestätige feierlich, dass Benedikt XVI. wusste, dass unser Projekt die Form eines Buches annehmen würde. Ich kann sagen, dass wir mehrere Texte ausgetauscht haben, um die Korrekturen festzulegen.“

Sarah: Schriftliches Einverständnis lag vor

Er legte auch detailliert Korrespondenz und Informationen zu Treffen mit Ratzinger dar. Am 12. Oktober habe dieser ihm ein langes Stück zum Zölibat zukommen lassen. Sarah habe vorgeschlagen, es in einem Buch zu veröffentlichen. Am 19. November habe er dem emeritierten Papst ein komplettes Manuskript des Buches zukommen lassen, einschließlich des Ratzinger-Textes sowie eigener Beiträge. Am 25. November habe dieser schriftlich sein Einverständnis zur Veröffentlichung seines Beitrags gegeben, „in der Form, die Sie angekündigt haben“, zitiert Sarah.

Anschuldigungen, er würde Benedikt manipulieren, seien „verachtenswert“, die Loyalität zu Franziskus „total“. Sarah veröffentlichte laut Reuters auch einen unterschriebenen Brief von Benedikt, in dem der ehemalige Papst in italienischer Sprache schrieb: „Meinerseits kann der Text in der von Ihnen vorgesehenen Form veröffentlicht werden.“

Buch erscheint mit Papstbild auf Cover

Viele Experten fürchten, dass es durch die Debatte zu einer Polarisierung zwischen Konservativen und Progressiven in der 1,3 Milliarden Mitglieder zählenden Kirche kommt. Ratzinger hat sich nach seinem Rücktritt 2013 immer wieder öffentlich geäußert. Damals hatte er betont, „verborgen vor der Welt“ zu leben. 2019 führte er in einem Aufsatz den Skandal um den sexuellen Missbrauch der Kirche auf die Auswirkungen der sexuellen Revolution in den 1960er Jahren zurück. Dafür erntete er heftige Kritik. Er versuche, die Schuld von der Kirche abzuwälzen.

Am Mittwoch ist das Buch in Frankreich ohne angeforderte Änderungen und mit dem Papstbild auf dem Cover erschienen. Italienische Medien berichteten, dass der französische Verlag Fayard erst bei der nächsten Ausgabe die Änderungen vornehmen werde. Auch der englische Verlag Ignatius Press will vorerst an dem Cover festhalten. Auf Englisch soll das Buch am 20. Februar erscheinen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Wed, 15 Jan 2020 11:42:00 +0100
<![CDATA[Film „Die zwei Päpste“ für drei Oscars nominiert]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/14/film-die-zwei-paepste-fuer-drei-oscars-nominiert/ Seit Dezember ist der Film „Die zwei Päpste“ von Regisseur Fernando Meirelles in ausgewählten Kinos zu sehen. Die Netflix-Produktion erzählt den Wechsel von Papst Benedikt XVI., der 2013 von seinem Amt zurücktrat, zu Jorge Mario Bergoglio, der seitdem als Papst Franziskus Chef im Vatikan ist.

Wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences in Los Angeles mitteilte, ist der Film „Die zwei Päpste“ in drei Kategorien für die Oscar-Preisverleihungen nominiert: Der britische Schauspieler Jonathan Pryce steht in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ auf der Liste für seine Rolle als Papst Franziskus. Der Brite Anthony Hopkins darf auf den Oscar für den „Besten Nebendarsteller“ für seine Rolle als Papst Benedikt XVI. hoffen. Außerdem ist der Neuseeländer Anthony McCartens für das „Beste adaptierte Drehbuch“ nominiert. Die Oscarverleihung findet am 9. Februar in Los Angeles statt.

Seit dem 20. Dezember ist „Die zwei Päpste“ auch auf der Streamingplattform Netflix zu sehen. Im Laufe des Films treffen die beiden Persönlichkeiten als Vertreter bewahrerischer und reformatorischer Tendenzen immer wieder aufeinander und arbeiten sich an kirchlichen Themen ab.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Tue, 14 Jan 2020 17:04:00 +0100
<![CDATA[„Amtierender Papst braucht keine Nachhilfe“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/14/amtierender-papst-braucht-keine-nachhilfe/

pro: Wie bewerten Sie die Äußerungen des emeritierten Papstes Benedikt zum Zölibat?

Andreas Püttmann: Als Politologe steht mir ein theologisches Urteil nur begrenzt zu. Als katholischer Christ habe ich Joseph Ratzingers Publikationen immer mit Bewunderung gelesen, mich gerne von ihm belehren lassen und ihn in vielen „Schlachten“ verteidigt. Seine Haltung zum Zölibat entspricht der Wertschätzung, die das Konzil für diese priesterliche Lebensform zum Ausdruck bringt. Es ist die Lebensform Jesu. Sie stellt grundsätzlich einen hohen Grad an Hingabe, Zeugnis für eine überirdische Wirklichkeit, Verfügbarkeit und Unabhängigkeit dar. Letzteres kann besonders unter antichristlichen Regimen relevant werden. Das tatsächlich vom Klerus gelebte Zölibat darf aber nicht zu stark vom Ideal abweichen. Sonst wird aus dem Zeugnis ein Antizeugnis. In pastoralen Sonder- und Notsituationen muss mit anderen Gütern, etwa dem Zugang zur Eucharistie, abgewogen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Amazonas-Synode und Papst Franziskus hier gewissenhaft, differenziert und behutsam agieren. Sie brauchen keine Nachhilfe, auch nicht vom ehemaligen Papst. (Anm. d. Red.: Bei der Amazonas-Synode haben sich ranghohe Theologen im Oktober 2019 getroffen, um über neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie zu sprechen. Eine Mehrheit der Teilnehmer sprach sich dabei auch dafür aus, in entlegenen Amazonasregionen ausnahmsweise auch verheiratete Männer als Priester einzusetzen.)

Hat Benedikt damit eine Grenze überschritten?

Benedikt XVI. sagte in seiner Abschiedsansprache zu den Kardinälen: „Unter Euch ist der künftige Papst, dem ich meinen bedingungslosen Gehorsam und Ehrfurcht verspreche.“ Er sei „nur noch ein einfacher Pilger, der die letzte Etappe seiner Pilgerreise auf dieser Erde beginnt“. Er wolle „verborgen vor der Welt leben“. Gemessen an diesen Worten hat er schon früher Grenzen überschritten. Inwieweit das für das Buch Kardinal Sarahs gilt, an dem Benedikt möglicherweise nicht willentlich mitwirkte, wie jüngste Äußerungen seines Sekretärs nahelegen, muss sich noch zeigen.

Inwiefern kann und darf sich ein Papst in die Belange seines Vorgängers einmischen?

Kraft seiner apostolischen Weihegewalt kann ein Papst auch von seinem zurückgetretenen Vorgänger Gehorsam und Loyalität verlangen. Er wird sich einem Rat und auch einer Kritik nicht verschließen. Aber die müssen diskret und nicht medienöffentlich erfolgen, wenn die Kirche sich nicht selbst säkularisieren, als zerstritten und ratlos vorführen oder gar spalten soll.

Wieviel Rückhalt hat der ehemalige Papst mit dieser Äußerung? Wie laut sind die Stimmen innerhalb der katholischen Entscheidungsträger, die eine Reform des Zölibats fordern?

Das ist schwer zu quantifizieren. Klar ist nur, dass die Lautstärke der Kontrahenten mit ihrem Fanatismus steigt und dass die Amazonas-Synode tendenziell eine begrenzte Öffnung der Zölibatspflicht ermöglicht hat. Es gibt ja auch heute schon verheiratete Priester in unierten Kirchen und durch Konfessionsübertritte von Geistlichen.

Wie schätzen Sie ein, dass es mit den Vorgängen weitergeht?

Das hängt davon ab, wie sich die Mitwirkung Benedikts an dem Buch nach der Aufklärung über dessen Zustandekommen darstellt. Kardinal Sarah wird sich rechtfertigen müssen. Nicht für seine theologische Meinung. Die ist legitim. Sondern in der Frage, wie er hier vorgegangen ist und Benedikt womöglich instrumentalisiert hat.

Welche Erwartungen haben Sie an das postsynodale Schreiben von Papst Franziskus, in dem es auch um die Ehelosigkeit von Priestern gehen soll?

Ich erwarte das in Vertrauen und Gelassenheit. Gerade weil ich Argumente beider Seiten in dieser Frage nachvollziehbar und gewichtig finde, fehlt mir die Inbrunst, mit der manche Wahrheitsbesitzer deshalb aufeinander einschlagen. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

]]>
Tue, 14 Jan 2020 15:49:00 +0100
<![CDATA[Hunderte nutzen Online-Gebetsangebot des Rappers Joey Vantes]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2020/01/14/hunderte-nutzen-online-gebetsangebot-des-rappers-joey-vantes/ Von wegen Hip-Hopper sind immer hart und cool: Ein besonders empathisches Angebot machte der amerikanische Rapper Joey Vantes zu Weihnachten über Facebook an alle, die mit Verlust, Einsamkeit, Herzschmerz oder Depression zu kämpfen haben: „Schickt mir eine Nachricht, wenn ihr jemanden zum Reden braucht oder einen, der für euch betet.“ pro erzählte er, wie es zu dieser Gebetsaktion kam: Er habe gespürt, dass besonders während der Festtage auf Menschen, die aus irgendeinem Grund isoliert leben, eine schwere Last liege. Vantes erfuhr in schweren Zeiten selbst Hilfe von Menschen, die für ihn da waren und für ihn beteten. Das wollte er zurückgeben: „Ich wollte – im übertragenen Sinn – die gleiche Hand ausstrecken, die mir gereicht wurde.“

Der Künstler kämpfte vor einigen Jahren mit Depressionen und Alkoholmissbrauch. Um aus seiner Depression zu fliehen, versuchte er, sich das Leben zu nehmen und wollte mit seinem Auto eine Böschung hinunterfahren. Doch das Lenkrad blockierte, er kam langsam zum stehen und überlebte. „Sofort überkam mich der Geist Gottes – genau dort, wo ich war, in meinem Auto“, beschreibt er die Situation von damals der christlichen Internetseite für Hip-Hop-News rapzilla.com. „Ich spürte, wie diese intensive Liebe über mich kam und sagte: ,Ich liebe dich und ich vergebe dir. Rufe einfach nach mir.“

pro erklärte er dazu: „Ich lernte in dieser Zeit meines Lebens, was am bedeutsamsten und die größte Hilfe war: jemanden zu haben, mit dem ich reden konnt und der für mich betete.“ Das habe er nun an die Besucher seiner Facebook-Seite weitergeben wollen: „Mir lag es auf dem Herzen, dass jeder weiß, dass er nicht alleine ist und dass ich ähnliche Situationen durchgemacht habe. Und wenn Gott mit mir durch den Sturm gegangen ist, tut er dasselbe mit jedem anderen auch.“

Vantes wusste nicht, was auf ihn zukommen würde. Er rechnete damit, dass sich fünf bis zehn Leute an ihn wenden. „Doch was passierte, war umwerfend: Innerhalb von 24 Stunden nachdem ich meine Message gepostet habe, hatte ich 250 Nachrichten. Darunter waren Sprachnachrichten, Video-Gebetsanfragen und geschriebene Geschichten, die meine Augen mit Tränen füllten – und zu Stunden des Gebets vor dem Herrn für die Bedürfnisse seiner Leute führten.“

„Es gibt ewige Herrlichkeit für alle, die Jesus ihre Sünden bekennen“

Eine Gebetsanfrage sei ihm besonders aufgefallen und habe sein Herz gebrochen: Ein junges Mädchen sendete ihm ein Bild seiner Mutter, die wenige Monate vor Weihnachten verstorben war. „Sie versuchte zu verstehen, dass sie ihre Mutter auf der Erde nie wieder sehen, berühren, sprechen wird.“ Vantes weinte, als er diese Nachricht las. „Aber ich war im Herzen bewegt, sie daran zu erinnern, dass sie eines Tages mit ihrer Mutter im Himmel wiedervereinigt sein wird. Wir sprachen fast eine ganze Stunde lang und beteten. Und was das Potential hatte, ein dunkler Moment zu werden, wurde zu einer strahlenden Erinnerung daran, dass wir als Gläubige nicht verlieren können. Es gibt ewige Herrlichkeit, die uns erwartet, die wir daran glauben, dass Jesus für unsere Sünden gestorben und zu unserer Erlösung auferstanden ist.“

Auch über die Weihnachtsfeiertage hinaus sei Vantes weiterhin mit „einigen wunderbaren Menschen in Verbindung, die mir von ihren Erlebnissen schreiben, wie eine dunkle Phase durch Gebet und eine Schulter zum Anlehnen erleuchtet wurde“. Sein Ziel sei es gewesen, einfach für die Menschen da zu sein, schildert er pro. „Aber Gott hat so viel mehr getan, und mein Herz für die nächsten 365 Tage im neuen Jahr ergriffen, um jeden Tag für Menschen zu beten und die Last ihres Herzens vor den Gnadenthron zu bringen.“

Vantes ist als christlicher Künstler seit mehreren Jahren im Musikbusiness unterwegs und trat früher unter dem Namen Joey Jewish auf. Laut des Musikstreaming-Dienstes Spotify konnte er bislang mehr als 52 Millionen Streams verzeichnen. 2019 landete er in den Top 50 der amerikanischen Billboard-Charts. Als unabhängiger Künstler ist es ihm bereits gelungen, Lizenzverträge mit Starbucks, Nike, HBO und Christian Dior abzuschließen.

Von: Martina Blatt

]]>
Tue, 14 Jan 2020 14:16:00 +0100
<![CDATA[„Klimahysterie“ ist „Unwort des Jahres“ 2019]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/01/14/klimahysterie-ist-unwort-des-jahres-2019/ „Klimahysterie“ sei zum „Unwort des Jahres“ 2019 gewählt worden, weil es Bemühungen zum Schutz des Klimas diffamiere, sagte die Sprecherin der Jury der Initiative, Nina Janich, am Dienstag. „Er pathologisiert pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als Art kollektiver Psychose.“

Der Ausdruck sei im Jahr 2019 von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien verwendet worden, „von der F.A.Z. über Unternehmer bis hin insbesondere zu AfD-Politikern“, heißt es in der Begründung der Initiative. Der AfD-Politiker Alexander Gauland hatte im Juni vergangenen Jahres etwa gesagt: „Die Klimahysterie der anderen Parteien wird die AfD nicht mitmachen.“ Der Ausdruck „Klimahysterie“ war der Jury neunmal vorgeschlagen worden.

Kabarettist Urban Priol in der Jury

Ein weiteres „Unwort“ des Jahres sei „Umvolkung“, so die Jury. Der Ausdruck habe 2019 durch ein ZDF-Interview mit dem neuen AfD-Vorsitzenden Tino Chrupalla größere Aufmerksamkeit erhalten. „Es handelt sich um einen Schlüsselbegriff einer rechtsextremen Verschwörungstheorie.“ Diese behaupte, die weiße Mehrheitsbevölkerung in Europa oder in den USA werde durch Flüchtlinge ausgetauscht. Sie sei fester Bestandteil der Ideologie der AfD. Der Ausdruck „Umvolkung“ wurde zweimal eingesandt, teilte die Jury mit.

Auch das Wort „Ethikmauer“ kritisiert die Jury als ein „Unwort“ aus dem Jahr 2019. Es stehe „exemplarisch für Ausdrücke, die jede moralisch-ethische Argumentation als ein Zeichen naiver Fortschrittsverweigerung diskreditieren“. Das Wort sei in einem Kommentar der Zeitung Die Welt am 1. August 2019 verwendet worden. Darin ging es um japanische Forschungen zur Züchtung menschlicher Organe in Tieren zu therapeutischen Zwecken. Der Autor hatte geschrieben: „Bei dieser Forschung zum Wohl des Menschen kann man sich nicht hinter einer Ethikmauer verstecken.“ Eine Person hatte das Wort als „Unwort“ der Jury vorgeschlagen.

Insgesamt gab es 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen. Die Häufigkeit der Einsendung eines Wortes hat keinen Einfluss auf die Entscheidung der Jury. Im November hatte Sprecherin Janich mitgeteilt, dass viele Vorschläge zunächst mit Migration zu tun gehabt hätten, zum Beispiel „Asyltourismus“ oder „Flüchtlingsdeal“. Doch dann sei die Klimadiskussion zunehmend in den Fokus geraten. Viele davon hätten mit Glauben zu tun: „CO2-Jünger“, „CO2-Glaube“, „Klimakirche“ oder „Tesla-Jünger“ seien unter den Vorschlägen.

Das Unwort des Jahres 2018 war „Anti-Abschiebe-Industrie“, das aus 2017 lautete „alternative Fakten“. Das Unwort wird seit 1991 gekürt und soll auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. In der Jury der ehrenamtlichen Aktion „Unwort des Jahres“ sitzen vier Sprachwissenschaftler und ein Journalist. Als jährlich wechselndes Mitglied war in diesem Jahr der Kabarettist Urban Priol beteiligt.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Tue, 14 Jan 2020 14:00:00 +0100
<![CDATA[Umfrage: Eltern wollen mehr Schutz für Kinder im Internet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/01/13/umfrage-eltern-wollen-mehr-schutz-fuer-kinder-im-internet/ Mehr als die Hälfte – 55 Prozent – der Eltern hat bei einer Studie angegeben, dass ihr Kind bereits negative Erfahrungen bei der Online-Mediennutzung gemacht hat. Der Umfrage zufolge berichteten 19 Prozent der befragten Eltern, dass ihr Kind schon einmal mit ungeeigneten Inhalten, wie Gewalt und Pornografie im Internet konfrontiert worden sei.

Die Befragten fordern von den Online-Anbietern fast einhellig Maßnahmen zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen. Jeweils 93 Prozent der Eltern fordern „härtere Strafen bei Verstößen“ und ein „effizientes Melde- und Beschwerdesystem“. 91 Prozent der Eltern wünschen sich „funktionierende und anwenderfreundliche Jugendschutzeinstellungen“ für die sichere Begleitung ihres Kindes im Internet. 88 Prozent der Eltern erachten „verständliche, einheitliche Alterskennzeichnungen“ dafür als hilfreich. Damit die Kinder sicherer im Internet und in den sozialen Medien unterwegs sein können, wünschen sich 87 Prozent der Befragten „Unterstützung durch Kita und Schule“.

Beleidigung, Hass und „übermäßiger Medienkonsum“

Um zu erfahren, wie Eltern minderjähriger Kinder den Schutz von Kindern und Jugendlichen bei der Nutzung von Online-Medien wahrnehmen und bewerten, hatte das Meinungsforschungsinstitut Mauss Research eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks durchgeführt. Dafür wurden von Mitte Juni bis Anfang August 2019 1.003 Erziehungsberechtigte mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren telefonisch befragt.

Von Beleidigungen und Hassrede konnten 15 Prozent der Eltern bei der Umfrage berichten. Knapp ein Drittel der Befragten gab demnach an, dass ihr Kind bei der Online-Nutzung bereits mit Kettenbriefen in Berührung gekommen ist. 28 Prozent der Befragten nannten „übermäßigen Medienkonsum“ als eine negative Erfahrung der Kinder im Bezug auf die Nutzung von Internet und sozialen Medien. Kostenfallen (14 Prozent) oder Mobbing im Internet (11 Prozent) wurden von den Eltern seltener angeführt. Von besonders gravierenden Problemen wie etwa Datenmissbrauch berichteten sechs Prozent der Eltern, von extremistischen Inhalten oder Radikalisierung fünf Prozent. Von sexueller Belästigung ihrer Kinder berichteten vier Prozent der befragten Eltern.

Medienkompetenz ist gefragt

Drei Viertel der Eltern gaben an, dass ihr Kind ein digitales Endgerät nutzt. Von den Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren benutzen fast alle ein digitales Endgerät. Bei Kindern unter sechs Jahren ist es rund eines von dreien. Der größte Teil der Befragten (40 Prozent) stufte die Medienkompetenz ihres Kindes als „eher durchschnittlich“ ein. Etwa ein Drittel (35 Prozent) schätzt die Kompetenz ihres Kindes im Umgang mit den digitalen Medien als „sehr hoch“ oder „hoch“ ein. Jeder fünfte Elternteil (20 Prozent) war der Meinung, dass sein Kind über eine „geringe“ oder „sehr geringe“ Medienkompetenz verfügt.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert „wirksamere gesetzliche Maßnahmen für einen effektiven Kinder- und Jugendmedienschutz“. Dazu müsse für Anbieter von Medieninhalten im In- und Ausland „ein klarer Rechtsrahmen“ geschaffen werden. „Wir brauchen einen am realen Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen orientierten, ganzheitlichen Kinder- und Jugendmedienschutz“, erklärte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger. Kinder- und Jugendmedienschutz sollte sich seiner Auffassung nach „den aktuellen und zukünftigen Phänomenen und Technologien anpassen“ und „für Eltern und Kinder transparent sein“. Gleichzeitig dürfe der Schutz vor den Gefahren im Netz „eine altersangemessene Teilhabe [...] in der digitalen Welt“ nicht behindern. Krüger fordert die Stärkung der Medienkompetenz: „Eltern brauchen ebenso wie ihre Kinder mehr Unterstützung für eine sichere und kompetente Internetnutzung."

Von: Norbert Schäfer

]]>
Mon, 13 Jan 2020 13:43:00 +0100
<![CDATA[Philipp Amthor im Interview: Warum er sich für die katholische Kirche entschied]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/01/12/philipp-amthor-im-interview-warum-er-sich-fuer-die-katholische-kirche-entschied/ Der Jurist und CDU-Bundestagsabgeordneter Philipp Amthor hatte sich kurz vor Weihnachten taufen lassen und damit für einige Medienaufmerksamkeit und auch Gehässigkeit gesorgt. „Jetzt auch katholisch“ schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er selbst habe den Akt nicht „an die öffentliche Glocke“ hängen wollen, sagt der Politiker nun in einem Interview von Domradio.

Amthor, der seit der Bundestagswahl 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages ist, spricht davon, dass die Taufe ein „sehr berührender, emotionaler und wichtiger Moment“ gewesen sei. Seine Heimat, Vorpommern, könne man als „katholische Diaspora“ bezeichnen, und der Glaube habe bei seiner Erziehung keine große Rolle gespielt. Der CDU-Politiker weiter: „Ich selbst aber habe in den letzten Jahren immer stärker zum Glauben gefunden. Vor allem in den letzten zwei Jahren habe ich mich verstärkt mit dem katholischen Glauben beschäftigt. Mit Unterstützung habe ich die klassischen Inhalte eines Glaubenskurses absolviert. Dann kam die ganz bewusste Entscheidung für die Taufe.“

Er gehe sowohl in Berlin, als auch auf seinen vielen Reisen regelmäßig in den Gottesdienst, sagte Amthor. „Das ist ja das Gute an der katholischen Kirche. Das kann man ja nicht nur an einem Ort praktizieren, sondern ist als Weltkirche ortsunabhängig.“

Auf die Frage, warum er sich speziell für die katholische Kirche entschieden habe, sagte Amthor: „Wenn man im Erwachsenenalter zum Glauben findet, spielen auch rationale Gesichtspunkte eine Rolle. Ich schätze und bewundere die Regelhaftigkeit der katholischen Kirche.“ Ihm erscheine etwa der „Überbau“ des Katechismus' eine wichtige Rolle. Außerdem spreche ihn die Liturgie in der katholischen Messe an. Er fügte hinzu: „Ich habe mich in der katholischen Kirche einfach wohler gefühlt, als in der evangelischen.“

Der christliche Glaube stelle auch so etwas wie sein „politisches Fundament“ dar, so Amthor. „Es war schon immer vom christlichen Menschenbild geprägt. Der Glaube gibt einem privat Halt und Demut und als Politiker auch wichtige Koordinaten. Dass man Politik vom christlichen Menschenbild her macht, war schon immer meine Überzeugung.“

Von: Jörn Schumacher

]]>
Sun, 12 Jan 2020 12:53:00 +0100
<![CDATA[Netflix-Film über schwulen Jesus nun doch erlaubt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/10/netflix-film-ueber-schwulen-jesus-nun-doch-erlaubt/ Die brasilianische Comedy-Gruppe „Porta dos Fundos“ (Hintertür) hat den 46 Minuten langen Satirefilm „A Primeira Tentação de Cristo“ produziert. Seit dem 3. Dezember ist er auf dem Film-Streamingdienst Netflix zu sehen. Die Gruppe ist auf YouTube aktiv, wo ihr Kanal rund 16 Millionen Abonnenten hat.

Der Film handelt von einem schwulen Jesus. Über zwei Millionen Menschen bezeugten bei mehreren Unterschriftenaktionen auf der Plattform change.org ihren Protest gegen Netflix. Der brasilianische Richter Benedicto Abicair ordnete am Mittwoch in Rio de Janeiro an, dass Netflix den Film aus dem Programm nehmen müsse.

Wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, hat der Oberste Gerichtshof in Brasilien das Verbot nun wieder aufgehoben. Der Gerichtspräsident José Antonio Dias Toffoli schrieb am Donnerstag in seiner Begründung: „Es ist nicht davon auszugehen, dass eine Satire die Macht hat, die Werte des christlichen Glaubens zu untergraben, die mehr als 2000 Jahre alt und in der Überzeugung der Mehrheit der Brasilianer verwurzelt sind.“

dpa/Jörn Schumacher

]]>
Fri, 10 Jan 2020 10:24:00 +0100
<![CDATA[Jesus-Film für Gehörlose]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/09/jesus-film-fuer-gehoerlose/ Bisher gibt es kaum glaubensbasierte Filme in Gebärdensprache. Das wollen zwei Organisationen nun ändern: Die Missionsgesellschaft „Deaf Missions“ und das „Jesus Film Project“ sammeln Geld für einen Jesus-Film in Gebärdensprache. Benötigt werden mindestens 4,8 Millionen Dollar, bislang sind davon eine Million Dollar zusammengekommen.

Wie das amerikanische Magazin Mission Network News (MNN) berichtet, soll der Film vom Leben Jesu handeln, und alle Darsteller kommunizieren nur in Gebärdensprache. Weltweit gibt es rund 70 Millionen gehörgeschädigte Menschen. Zwischen den Gebärdensprachen der Länder gibt es gewisse Unterschiede; im Film soll vornehmlich die amerikanische Version (ASL) benutzt werden.

Spenden und Gebete erwünscht

Chad Entinger von „Deaf Missions“ sagte gegenüber MNN über die Gebärdensprache: „Es ist die Herzenssprache, sie gehört unmittelbar zur Identität eines Menschen. Für jemanden, der etwas in Gebärdensprache sieht, geht es direkt ins Herz, und er fühlt sofort: ‚Meine Güte, sie kommunizieren direkt mit mir! Das ist meine Sprache!’“ Die Autorin des MNN-Artikels kommentiert: „Viele taubstumme Menschen denken, das Evangelium von Jesus sei nichts für sie, denn es gibt so wenig Quellen für sie, abgesehen vom Lesen der Bibel. Predigten sind für ein hörendes Publikum.“

Mit-Initiator Entinger erklärte: „Wir glauben daran, dass Gott mit einem solchen Film in Gebärdensprache gehörlose Menschen erreichen kann.“ Neben Spenden seien auch Gebete höchst erwünscht, sagte Entinger. Das Film-Projekt werde voraussichtlich vier Jahre benötigen. Entinger ist selbst seit einer Hirnhautentzündung im Baby-Alter gehörlos.

Bereits jetzt ist ein zehnminütiger Clip zu sehen, der einen Eindruck vermitteln soll, wie der Film am Ende aussehen soll. Darin ist die Szene zu sehen, in der Jesus eine ertappte Ehebrecherin beurteilen soll. Der Ausschnitt hat zwar eine Audiospur, in der die Geräusche zu hören sind, aber niemand der Darsteller spricht hörbar.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Thu, 09 Jan 2020 16:41:00 +0100
<![CDATA[Netflix-Film über schwulen Jesus nach Protesten gestoppt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/09/netflix-film-ueber-schwulen-jesus-nach-protesten-gestoppt/ Auf dem Film-Streamingdienst Netflix war seit dem 3. Dezember ein Film zu sehen, der Jesus als schwul darstellt. Bei mehreren Unterschriftenaktionen auf der Plattform change.org hatten sich zahlreiche Menschen organisiert, die den Stopp der Satire forderten. Über zwei Millionen Unterschriften kamen so zusammen. An Heiligabend wurde das Bürogebäude der Produzenten zum Ziel einer Molotowcocktail-Attacke, bei der allerdings niemand verletzt wurde. Zudem empörten sich Politiker und Geistliche Brasiliens über den Netflix-Film.

Der Film „A Primeira Tentação de Cristo“ (Die erste Versuchung Christi) ist 46 Minuten lang und wurde produziert von der brasilianischen Comedy-Gruppe „Porta dos Fundos“ (Hintertür), die auf YouTube aktiv ist. Der Comedy-Kanal wurde 2012 in Rio de Janeiro gegründet und hat rund 16 Millionen Abonnenten.

Wie die Nachrichtenagentur The Associated Press berichtet, ordnete der brasilianische Richter Benedicto Abicair am Mittwoch in Rio de Janeiro an, dass Netflix den Film aus dem Programm nehmen müsse. Richter Abicair erklärte, die Streichung der Sendung sei „von Vorteil nicht nur für die Christen, sondern auch für die brasilianische Gesellschaft, die größtenteils christlich“ sei. Laut BBC sagte der Richter bei seinem Urteil: „Das Recht auf Meinungsfreiheit ist nicht absolut.“

Netflix wollte sich bislang nicht zu dem Fall äußern. Auch die Comedy-Gruppe Porta dos Fundos gab bislang keinen Kommentar zu der Entscheidung ab.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Thu, 09 Jan 2020 14:59:00 +0100
<![CDATA[Typisch evangelikal: Allianzgebetswoche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/01/09/typisch-evangelikal-allianzgebetswoche/ Jürgen Mette ist ein überzeugter und begeisterter Allianzler. Auch wenn scheinbar so manches dagegen spricht, hält er an der von Jesus geschenkten Einheit des „Leibes Jesu“ fest.]]> … damit die Welt glaubt

Ich bin von Kindesbeinen ein Allianzmensch. Meine Eltern haben die Sorge um die Einheit der Christenheit in die Wiege gelegt. Ich bin zwar im Pietismus „stationiert“, aber 45 Jahre ambulant (umherziehend) hauptberuflich gemeindeübergreifend um Brückenbau bemüht unterwegs. Weil die Einheit der Kirche, die Einheit des Leibes Christi längst da ist, wir müssen sie nur noch ernst nehmen. Und das gegen und trotz der Wirklichkeit, die ich ganz anders wahrnehme: Die Methodisten, eine weltweit große, in Deutschland eher kleine Freikirche, stehen nach jahrelangem Ringen mitten in einem schmerzhaften „einvernehmlich geordneten“ Trennungsprozess. Das ist kein methodistisches Phänomen, es betrifft die Kirchen und evangelikale Bewegung insgesamt.

In der Allianzgebetswoche bekommen wir einen Vorgeschmack auf das Finale der geeinten und vollendeten Gemeinde Jesu Christi. Wir müssen das, was Jesus als HERR der Kirche längst gestiftet hat, nicht mehr erfinden, wir müssen es einfach nur noch überzeugt leben. Damit die Welt endlich glaubt, dass Christus der Gesalbte Gottes, der Messias der Welt ist. Damit endlich klar wird, dass wir nicht zu einer zersplitterten Rückzugstruppe von Rechthabern und Frömmlern werden, die bald von der Welt nicht mehr wahrgenommen wird.

Irgendwann läuft jede Ermahnung ins Leere: Dann hilft nur noch beten

Jesus betet auf dem Weg zum Kreuz, um Einheit seiner Jünger, seiner Fans und seiner Schüler, um Einheit der Enthusiasten und Bedenkenträger, um Einheit der Zweifler und der Draufgänger, der Verräter und der letzten wahren Freunde unterm Kreuz. Jesus betet! Er debattiert nicht mehr, er appelliert nicht mehr. Irgendwann läuft jede Ermahnung ins Leere. Dann hilft nur noch beten. Laut beten, dass es die Weggefährten hören.

Jesus betet um Einheit derer, die Gott ihm anvertraut hat, weil er ahnt, dass im Jüngerteam ein hochgradiges Spaltpotenzial steckt. Diese Männer könnten das Evangelium kaputt machen, bevor es richtig zum Laufen kommt. Das ist die eigentliche Sorge Jesu, selbst im Angesicht des nahen Todes.

... dann wird Kirche wirkungslos sein

Eine zertrennte, auf Separation und Isolation bedachte Gemeinde wird eine harmlose Kirche sein, wirkungslos, kraftlos und mit sich selbst beschäftigt. Der Gedanke der Allianz soll uns dafür begeistern, dass das Reich Gottes vielfältiger und bunter ist, als uns bewusst ist. Und dass die Vielfalt und Buntheit lutherischer, römisch-katholischer, reformierter, freikirchlicher, charismatischer, liberaler, hochkirchlicher und „bibeltreuer“ Ortsgemeinden nur dafür gut ist, dass wir von unseren unterschiedlichen Traditionen und Prägungen lernen. Einfach nur staunen und lernen und wertschätzen, was Gott anderen Gemeinden an geistlichem Erbe anvertraut hat. Damit die Welt erkennt, dass Christus die Hoffnung der Welt ist.

Das ist Evangelische Allianz: einander wahrnehmen, einander wertschätzen, einander ertragen, miteinander beten, miteinander theologischen Disput pflegen und miteinander dienen. Die „MEHR“-Konferenz in Augsburg war ein gutes Beispiel für diese Christus-Ökumene. Allianz und Ökumene im Sinne Jesu bedeutet, keine Ruhe zu geben, bis alle Christen, die Jesus Christus als HERRN bekennen, wenigstens einmal im Jahr konkurrenzlos zusammenkommen und Gottesdienst feiern. Damit die Welt erkennt, dass Jesus keine hölzerne Krippenfigur ist, die gerade mit Lametta für die nächsten elf Monate verstaut wird, sondern der lebendige, auferstandene HERR ist, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden.

Jürgen Mette

]]>
Thu, 09 Jan 2020 11:19:00 +0100
<![CDATA[Senioren in Armenien: Tosya Harutyunyan – Die Leidenschaftliche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/01/09/senioren-in-armenien-tosya-harutyunyan-die-leidenschaftliche/ Theresa Tröndle]]> Am Rand von Gjumri, der zweitgrößten Stadt Armeniens, steht ein verwitterter Verkaufsstand, eingelassen in eine steinerne Mauer, die das Grundstück von Tosya Harutyunyan umgibt. Mehr als drei Jahrzehnte verkaufte die 77-Jährige hier selbstgebackenes Lavasch, armenisches Fladenbrot. Das jahrelange Teigkneten hat ihre Hände verkrümmt.

Mit schwieligen Fingern, die nicht zu ihrem zierlichen Körper passen, streicht sie über ein Foto, das sie der Krankenschwester zeigt: ihre zwei Söhne. Sie sind zum Studieren nach Moskau gegangen und geblieben, wie viele andere junge Menschen, geflohen vor Arbeitslosigkeit und korrupten Politikern. Auch das Paar und die junge Familie, die neben Harutyunyan wohnten, sind vor drei Jahren ins Ausland gezogen.

Mit 30.000 Quadratkilometern ist Armenien ungefähr so groß wie Belgien, hat aber nur etwa ein Viertel der Einwohner: Drei Millionen. Direkte Nachbarn hat Harutyunyan keine mehr. Die Häuser stehen leer. „Immerhin hat mir das Paar vor der Auswanderung seinen Fernseher geschenkt“, sagt sie. Wenn sie grinst, schauen zwei Zähne aus ihrem Mund. Sie ist ein großer Bollywood-Fan, hat ihre Katzen nach ihren Lieblingsschauspielern benannt: Michti und Muchta.

Gerade läuft die Übertragung einer Pressekonferenz mit Nikol Pashinjan. Am 8. Mai 2018 wurde er Premierminister, nachdem sich Sersch Sargsjan den friedlichen Protesten beugte und zurücktrat. Gebannt sitzt die alte Frau vor dem Fernseher. „Gott hat uns Pashinjan gesendet“, sagt sie, den rechten Arm nach oben gestreckt. Sie glaubt daran, dass Pashinjan die Alten nicht vergisst. Anfang des Jahres hat seine Regierung die Mindestrente von knapp 30 Euro auf rund 47 Euro erhöht.

Aus einer Schublade zieht sie eine Bibel

Harutyunyan bekommt 74 Euro Rente, davon versucht sie, jeden Monat ein wenig auf die Seite zu legen. Für Bücher – neben Bollywood-Filmen ihre zweite Leidenschaft. Aus einer Schublade zieht sie eine Bibel und eine Leseliste mit Büchern, die sie Schwestern und Sozialarbeitern empfiehlt und ein Buch mit dunkelgrünem Einband. Die Seiten sind speckig, wurden schon von vielen Fingern umgeblättert. Sie beginnt mit der Krankenschwester über den Roman zu reden, in dem es um das Erdbeben von 1988 geht.

Als sich Krankenschwester und Sozialarbeiterin aufmachen, umarmt Harutyunyan beide ein bisschen zu lange. Sie lässt ab, als eine ihrer Katzen um die Beine streicht, dann trottet sie zurück ins Haus.

]]>
Thu, 09 Jan 2020 10:53:00 +0100
<![CDATA[„Arche“ fordert 600 Euro Kindergrundsicherung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/01/08/arche-fordert-600-euro-kindergrundsicherung/ „Wir fordern 600 Euro ab dem ersten Lebenstag bis zum 27. Lebensjahr", sagte Arche-Sprecher Wolfgang Büscher im „ntv Frühstart“ am Mittwoch. Kinder bräuchten Nachhilfeunterricht, Förderung, Kinder müssten auch einmal in ein Restaurant gehen oder in den Urlaub fahren können. Viele würden dies laut Büscher nie erleben. Das Geld solle ausschließlich den Kindern zugute kommen – und nicht etwa den neuen Flatscreen-Fernseher im Wohnzimmer bezahlen. „Eltern würden sich strafbar machen, wenn sie das Geld für andere Dinge ausgeben“, erklärt Büscher. Eine Grundsicherung löse nicht alle Probleme, sei aber ein „kleines Rädchen im Getriebe“.

Nach Zahlen des Kinderschutzbundes lebten 4,6 Millionen Kinder in Deutschland in Armut. Bis zum 25. Lebensjahr bekämen Kinder aus armen Haushalten keine eigene Unterstützung nach Hartz-IV. „Die Kinder lernen jeden Tag: Mama steht nicht auf. Wenn ein Papa da sein sollte: Der steht auch nicht auf.“ Viele Kinder in den Archen würden sagen: „Wenn ich groß bin, werde ich Hartzfünf!“ Um diesem Kreislauf zu entfliehen, müssten Kinder aus den Familien frühzeitig herausgeholt werden, um Kontakt zu Bezugspersonen in Kitas und Schulen zu bekommen.

Dem Sozialsystem droht der Kollaps

Büscher beklagte zudem fehlendes Personal, wenn es um den Kampf für gleiche Teilhabe gehe. Es seien dringend mehr Lehrer nötig. Nur so könnten Kinder individuell gefördert werden. Zwar koste das mehr Geld, auf lange Sicht senke es aber die Kosten für den Staat. Für einen Sozialhilfeempfänger zahle der Staat in seinem Leben etwa 600.000 Euro, rechnete Büscher vor. Das deutsche Sozialsystem werde in sich zusammenbrechen, wenn der Staat nicht jetzt investiere.

Positiv äußerte sich Büscher zu den Plänen, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Sollte das Vorhaben die nötige Zweidrittelmehrheit im Bundestag erreichen, heißt es künftig in der Verfassung: „Jedes Kind hat das Recht auf Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit in der sozialen Gesellschaft.“ Zwar gebe es bereits jetzt das Recht und die Pflicht, eine Schule zu besuchen. Mit grundgesetzlich verankerten Kinderrechten könnten Familien aber auch künftig klagen, wenn es etwa zu wenige Lehrer gebe oder es an individueller Förderung mangele. Viele Konservative sehen das Vorhaben kritisch, da der Staat dadurch zu stark in Familien eingreifen könne. Dem entgegnete Büscher, der Staat müsse da eingreifen, wo die Eltern ihrer Pflicht nicht nachkämen. „Wir müssen den Filter ,Eltern‘ abschaffen.“

Von: Nicolai Franz

]]>
Wed, 08 Jan 2020 17:48:00 +0100
<![CDATA[„Tatort“ über Mobbing und „Hatespeech“ im Internet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/01/08/tatort-ueber-mobbing-und-hatespeech-im-internet/ Der Kölner „Tatort“ mit dem Titel „Kein Mitleid, keine Gnade“, der am Sonntagabend ausgestrahlt wird, handelt davon, wie Menschen im Internet oder auch im öffentlichen Leben beschuldigt werden. Der eine soll ein Mädchen begrapscht haben, der andere soll schwul sein. In der Schule werden oft Waffen benutzt, die über das Internet funktionieren und erst dadurch ihre Sprengkraft entwickeln.

Zu Beginn des Krimis „Kein Mitleid, keine Gnade“ mit den „Tatort“-Ermittlern Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) wird die Leiche eines 17-jährigen Jungens namens Jan Sattler gefunden. Bald stellt sich heraus, dass er schwul war und ein Verhältnis mit seinem Mitschüler Paul hatte. Deswegen wurden beide in der Schule gehasst und gemobbt. Vor allem die Mitschüler Emma, Lennart und Robin halten fest zusammen. Emma nutzt die Macht eines schnell mit dem Handy gedrehten Videos, um den Kommissar Schenk persönlich in die Schusslinie zu bringen: Der Polizist soll das Mädchen unsittlich angefasst haben, behauptet sie. Zwar zeigt das dazugehörige Handy-Video kaum etwas, das die Behauptung stützt, doch schnell macht die Anschuldigung die Runde, und Kommissar Schenk kommt in die Bredouille. „So geht das heute mit Cyber-Mobbing“, sagt Schenk. „Die setzen das einfach in die Welt.“ Und ein Kollege fügt hinzu: „Hast Du die Scheiße einmal an den Hacken, wirst Du sie nicht mehr los.“

„Mobbing findet vor unser aller Augen statt“

Seine Homosexualität konnten die Mitschüler des 17-jährigen Jan nicht akzeptieren. In einem Nebenstrang des „Tatorts“ geht es um einen jungen Mann, dessen Vater strenggläubiger Moslem ist. Auch er kommt mit der Homosexualität seines Sohnes nicht klar und greift zu drastischen Mitteln.

„Hatespeech, häusliche Gewalt und Mobbing finden vor unser aller Augen statt“, sagte der Autor der „Tatort“-Folge, Johannes Rotter, vorab der Presse. „Im Netz, bei der Arbeit und zu Hause. Sie können jede Person treffen.“ Er fügte hinzu: „In einer Gesellschaft, die sich so rasant ändert wie unsere, müssen wir gut aufeinander aufpassen, damit unsere Kinder diese Formen der Gewalt nicht als normal ansehen oder gar akzeptieren. Davon erzählt dieser Tatort.“ Schenk-Darsteller Dietmar Bär sagte: „Mobbing geht gar nicht. Im Film erleben wir Mobbing auf ganz unterschiedlichen Ebenen – unter Schülern, in der Familie und auch unter Kollegen.“

„Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade“, Sonntag, 12. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste

Von: Jörn Schumacher

]]>
Wed, 08 Jan 2020 16:58:00 +0100
<![CDATA[Politiker fordern Stopp für RTL-Dschungelcamp in Australien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/01/08/politiker-fordern-stopp-fuer-rtl-dschungelcamp-in-australien/ Will der Sender RTL Entertainment und Einnahmen um jeden Preis? Diese Frage stellen sich derzeit zahlreiche Vertreter aus Politik und der Unterhaltungsbranche. Ab Freitag heißt es auf dem Sender wieder: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“. Zwölf mehr oder weniger prominente Teilnehmer ziehen dann in das australische Dschungelcamp ein, berichten Pikantes aus ihrem Privatleben und müssen in den berüchtigten Dschungelprüfungen Dinge wie Känguru-Anus und gekochten Krokodilpenis essen. So passierte es zumindest in den vergangenen 13 Staffeln. Die derzeit verheerenden Buschbrände in Australien, durch die zahlreiche Menschen und Tiere ihr Leben und ihren Lebensraum verloren haben, führen nun zu der Forderung aus der Politik, die Show abzusagen.

Das Konzept der Sendung hatte in der Vergangenheit bereits immer wieder Fragen aufgeworfen. Etwa, wie sich Menschen für solch ein Format hergeben können. Ein Grund ist sicherlich das Preisgeld von 100.000 Euro. Aufgrund der Buschbrände steht „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ nun zudem wegen dieser Aspekte im Fokus.

So erklärte der evangelische CDU-Politiker Johannes Selle der Bild-Zeitung: „Die Geschmacklosigkeit, im Dschungel um Kochstellen zu lümmeln und rauchende Gestalten rumlaufen zu sehen, wird nur noch vom Titel der Sendung ‚Holt mich hier raus‘ an Sarkasmus übertroffen.“ Selle ist Mitglied des Unterausschusses Neue Medien des Bundestages.

„Erinnert an den Tanz auf dem Vulkan“

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach (konfessionslos) fordert, die Sendung vorerst zu stoppen. Der Bild-Zeitung sagte er: „Ich finde es angemessen, während dieser Brände die Sendung Dschungelcamp, die ich persönlich aber auch grundsätzlich entbehren könnte, dort nicht weiter zu drehen. [...] Das Ganze erinnert an den Tanz auf dem Vulkan.“

Ein Teilnehmer der aktuellen 14. Staffel des Dschungelcamps, Schauspieler Raúl Richter, schreibt auf Instagram: „Aus gegebenem Anlass ist es tatsächlich paradox, dass wir für eine Unterhaltungsshow in ein Land fliegen, in dem gerade Menschen um ihr Leben kämpfen und viele, viele Tiere diesen Kampf bereits verloren haben.“ Er wolle seine aktuell gute Reichweite nutzen, um die Besucher seiner Seite für das Thema Klimawandel zu sensibilisieren. „Wir tragen alle unseren Teil dazu bei, die Klimapolitik in Australien verschlimmert das ganze leider noch.“ Er ruft dazu auf, für unterschiedliche gemeinnützige Organisationen in Australien zu spenden.

In einem weiteren Video-Post erklärte der Kandidat, er habe sich mit einigen Australiern unterhalten. Diese sagten sinngemäß: Egal ob die Sendung stattfinde oder nicht, es lösche nicht die Brände. Viele Gesprächspartner befürworteten laut Richter die Ausstrahlung der Sendung. Auch Bob McCarron, bekannt als der australische Dschungel-Arzt „Dr. Bob“, der Teil der Sendung ist, meldete sich zu Wort. Er habe laut Richter gesagt, es stehe „außer Frage“, dass er diesen Job macht. Die Produktion schaffe Arbeitsplätze, 400 Beteiligte verdienten damit ihr Geld. Die Show bringe Aufmerksamkeit für das Thema und generiere Tourismus. Laut Bild sagte McCarron: „Die Feuer, die uns hier am nächsten sind, sind zwei bis drei Autostunden, also Hunderte Kilometer entfernt.“

Preisgeld spenden und Brände thematisieren

Ein ehemaliger Teilnehmer und Gewinner der Show, Peer Kusmagk, betont laut Bild: „Ein Fernsehsender wie RTL hat in diesen Tagen eine sehr große Verantwortung. Wenn man mit so einer Monsterproduktion aus Australien live sendet, sollte man darauf achten, etwas zurückzugeben.“ Er befürwortet, dass das Preisgeld gespendet werde und Gespräche im Camp über die prekären Zustände im Land zu senden – auch wenn diese nicht „100 Prozent Unterhaltungswert“ hätten.

Der Sender RTL erklärte in einer Pressemitteilung, dass dieses Jahr verschärfte Sicherheitsregeln für die Bewohner gelten sollen. Es gebe etwa zwei Alarmsysteme, die alle Personen im Dschungelcamp warnen sollen. Die Campteilnehmer seien unter anderem aufgeklärt worden, wie durch welches Verhalten sie einen Brand verhindern können. Es soll zudem kein Lagerfeuer geben, dieses werde durch eine Gaskochstelle ersetzt. Raucher dürften nur im Zentrum des Camps rauchen. „Der Teamchef hat als Einziger ein Spezialfeuerzeug, das von Sicherheitskräften freigegeben wurde. Zigarettenstummel wandern direkt in eine verschließbare Box.“

Am Mittwoch sagte ein RTL-Sprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dass eine Verschiebung der Sendung nicht geplant sei: „Wir nehmen die Situation in Australien sehr ernst. Wir haben uns auch mit teils direkt betroffenen australischen Crewmitgliedern ein persönliches Bild von der Situation gemacht". Und weiter: „Die Buschbrände werden in der Sendung thematisiert.“

Von: Martina Blatt

]]>
Wed, 08 Jan 2020 15:03:00 +0100
<![CDATA[Senioren in Armenien: Kazine Kotsinyan – Die Geheimnisvolle]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/01/08/senioren-in-armenien-kazine-kotsinyan-die-geheimnisvolle/ Theresa Tröndle]]> Von der Decke hängt ein Kronleuchter-Imitat ohne Glühbirnen. Es ist dunkel. Das Blechdach verleiht der Stimme von Kazine Kotsinyan einen metallischen Ton. Immer wieder schüttelt die 62-Jährige den Kopf, als könnte sie es 30 Jahre danach immer noch nicht glauben. Sie erzählt der Krankenschwester, die neben ihr sitzt, vom 7. Dezember 1988, dem Mittwoch, der ihres und das Leben vieler Armenier änderte. Das Erdbeben von Spitak tötete 25.000 Menschen. Unter ihnen: ihr Mann. Seitdem lebt sie in Wanadsor in einer der rund 2.800 Notunterkünfte, sogenannte Domiks, die nach dem Erdbeben als Übergangslösung in der Region gebaut wurden.

Auf den Besuch der Krankenschwester freut sich Kotsinyan die ganze Woche. Sie zieht ihre Strickweste enger um den Körper. Neben ihr steht ein kleiner Ofen, dekoriert mit einem Strauß Schlüsselblumen in einer Mokkakanne. Die Fenster sind mit durchscheinenden Tüchern verhangen – die Wärme soll nicht entweichen. Trotzdem ist es drinnen kälter als draußen. Von den 84 Euro Rente, die Kotsinyan monatlich bekommt, gibt sie im Winter rund 34 Euro für Holz aus. Obst und Gemüse kann sie sich dann nicht mehr leisten. Das letzte Stück Fleisch hat sie vor Jahren gegessen.

Fließendes Wasser gibt es in der Behausung oft nicht

Die Schwester vom Roten Kreuz bringt eine Tasse Wasser, die Tabletten, die sie seit ihren zwei Herzinfarkten nehmen muss und das Medikament gegen hohen Blutdruck. Kotsinyan schluckt und starrt ins Leere, als wüsste sie nicht, wo sie ist. Eine Autostunde entfernt lebt ihre Tochter, zwischen Wanadsor und der Hauptstadt Jerewan. Ihre Heimat besucht sie selten. Ein Porträt von ihr hängt an der Wand gegenüber, leicht erhöht zwischen zwei Jesusbildern. „Ich hoffe, meinen Enkeln geht es gut“, haucht Kotsinyan mehr als dass sie spricht. Sie redet behutsam, tastet sich Wort für Wort, Satz für Satz voran, als hätte sie Angst, ein Geheimnis zu verraten.

Ihre Besuche muss die Krankenschwester dokumentieren. Sie notiert das Datum und welche Medikamente die alte Frau erhalten hat. Nach 50 Minuten verabschieden sich die Krankenschwester und die Sozialarbeiterin. Sie nehmen Kotsinyans Wäsche mit. Fließendes Wasser gibt es in ihrer Behausung oft nicht.

Kotsinyan greift nach dem Gehstock. Ohne ihn kann sie kaum laufen, seit sie sich vor zwei Jahren ein Bein gebrochen hat und mehrere Stunden auf dem Boden lag. Im Türrahmen bleibt sie stehen. Als das Auto des Roten Kreuzes verschwindet, hebt sie die Hand.

In der Porträt-Reihe über alte Menschen in Armenien veröffentlicht pro am Donnerstag eine weitere Geschichte. Hier lesen Sie Teils eins „Senioren in Armenien: Die Vergessenen“.

]]>
Wed, 08 Jan 2020 10:25:00 +0100
<![CDATA[Ruhe, lärmende Pauken!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/01/08/ruhe-laermende-pauken/ Ein Kommentar von Stefanie Ramsperger]]> Michael Diener kandidiert nicht für eine dritte Amtszeit als Präses des Gnadauer Verbandes. In einem vertraulichen Schreiben hatte Diener Mitglieder des Verbandes vor deren Mitgliederversammlung vom 13. bis 15. Februar über seine Entscheidung informiert. Zu früh offenbar, denn seit Dienstag diskutieren weit mehr Christen darüber als beabsichtigt. Die Information hat ihren Weg aus dem nicht ganz so vertrauenswürdigen Empfängerkreis wie Diener wohl gehofft hatte gefunden, direkt hin zur Nachrichtenagentur idea, die es als ihre journalistische Aufgabe interpretierte, ihre Leser über den Sachverhalt zu informieren. Und die in einem weiteren Beitrag eine Einordnung des Geschehens anbietet, falls beim Leser Zweifel hinsichtlich der Deutung offengeblieben sein sollten.

Die Nachricht ist korrekt: Verantwortliche des pietistischen Spitzenverbandes bestätigten am Dienstag, dass Diener nicht für eine erneute Kandidatur zur Verfügung stehe. Weitere Kommentare will der Verband nicht vor der Mitgliederversammlung im Februar abgeben. Im Netz wird schon jetzt fleißig bilanziert, gemutmaßt und beleidigt. Die Person Michael Diener erhitzt die Gemüter.

Auch bei Konflikten: als Leib Christi zusammenhalten

Diener ist seit 2009 Präses von Gnadau, dem Dachverband regionaler Verbände und Werke, diakonischer Einrichtungen, Missionen und zur Gemeinschaftsbewegung zählenden Ausbildungsstätten. Der Verband gilt als größte Laienbewegung in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Seit fünf Jahren sitzt Michael Diener im Rat der EKD. Ungefähr so lange liegen auch seine größten Verwerfungen mit einigen konservativen Christen zurück. In zwei Interviews hatte Diener seinerzeit evangelikale Christen dazu ermuntert, in Fragen der Sexualethik selbstkritischer zu sein und sich aufgeschlossen mit den kirchlichen Entwicklungen zu dieser Thematik auseinanderzusetzen. Später hatte sich Diener bei denjenigen entschuldigt, die seine Sichtweise als unangemessene und verletzende Kritik verstanden haben. Er habe niemals einer „subjektivistischen oder die Wahrheit der Heiligen Schrift relativierenden“ Bibelauslegung das Wort geredet und es läge ihm fern, Menschen durch seine Äußerungen zu verunsichern oder zu enttäuschen. Auch seine klar positive Haltung zur Zuwanderungspolitik fand ihre Kritiker, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. „Wenn wir uns von Notleidenden abwenden, verhalten wir uns nicht dem Evangelium gemäß“, sind Sätze, die einige Fromme nicht gern auf aktives Engagement in der Seenotrettung angewendet hören möchten.

Schädlich: Mangelnde Liebe

Klare Aussagen sind Dieners Ding. Und klar ist, dass solche starken Sätze provozieren, Diskussionen anfachen und auch nicht gefallen müssen. Gegen sachliche Debatten ist nichts einzuwenden. Man darf auch Dieners vermittelnde Fähigkeiten mehr oder weniger schätzen, seinen theologischen Ansichten zustimmen oder auch nicht.

Problematisch wird es, wenn das Christentum als solches unglaubwürdig durch zur Schau gestellte Lieblosigkeit wird. Im Hohenlied der Liebe heißt es in der Bibel (1. Korinther 13): „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“ Zu viele Menschen, die von sich sagen, dass sie Christus folgen, klingen im Netz wie lärmende Pauken. Man fragt sich: Was ist deren Anliegen? Andere Menschen zu Christus zu führen oder einzelne „Brüder“ verbal niederzumetzeln? Letzteres ist kein Aushängeschild für den christlichen Glauben. Es ist peinlich, beschämend und gänzlich unchristlich.

Kein Mensch ist perfekt, jeder sagt mal ein falsches Wort, ist vielleicht vorschnell oder ungerecht, kurz: sündigt. Als Dauerzustand ist Netzhass unter Christen aber inakzeptabel. Christus mahnt uns dazu, liebevoll miteinander umzugehen. „Ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält“, heißt es im Epheserbrief, und weiter hinten: „Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einander, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Oder im 1. Petrusbrief 4, 10: „Fördert euch gegenseitig, jeder mit der Gabe, die ihm Gott geschenkt hat.“ Die Liste gleichbedeutender Bibelworte ist lang und die Aussage eindeutig.

Wer Menschen für den Glauben gewinnen möchte, kann nur inständig hoffen, dass kein Interessierter abfällige Äußerungen im Netz liest, getippt von jenen, deren Profilbild ein frommer Spruch ziert. Denn wenn es das ist, was den Leib Christi ausmacht, dann ist es unattraktiv. Wenn Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderklaffen, verwundert es nicht, wenn Menschen in Glaubenskrisen ihren Glauben verlieren, wenn Interessierte abgeschreckt werden und selbst Glaubensriesen Zweifel kommen. Kommentatoren und Plaudertaschen tragen Verantwortung! Vorgelebte Rücksichtslosigkeit, Hass und Eifersucht haben noch niemanden für den christlichen Glauben begeistert.

Michael Diener bleibt zukünftig ein liebevolles Umfeld zu wünschen, auch wenn er nach einjähriger Auszeit auf neuer Bühne tätig wird.

]]>
Wed, 08 Jan 2020 09:32:00 +0100
<![CDATA[Kirchen und Papst büßen an Vertrauen ein]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/01/07/kirchen-und-papst-buessen-an-vertrauen-ein/ Zur Jahreswende 2019/2020 vertrauten 36 Prozent der Deutschen der Evangelische Kirche. Das sind zwei Prozent weniger als im Vorjahresvergleich. Das zeigt eine Forsa-Umfrage für das RTL/ntv-Trendbarometer vom Montag. Der Katholischen Kirche vertraut demach nur etwa jeder siebte Deutsche (14 Prozent).

Gegenüber dem Vorjahr hat die Katholische Kirche damit vier Prozentpunkte eingebüßt. Die Umfrage zeigt auch, dass der Vertrauensschwund auch vor dem Papst nicht Halt gemacht hat. Papst Franziskus (29 Prozent) büßte in einem Jahr fünf Prozentpunkte an Glaubwürdigkeit ein. Das ist der höchste Vertrauensverlust in der Umfrage. Neben dem Papst verloren nur die Sparkassen (33 Prozent) ebenso deutlich an Vertrauen bei den Deutschen.

Gewinner: Der Zentralrat der Juden

Den größten Glaubwürdigkeitsgewinn verbuchte hingegen der Zentralrat der Juden. Er landet mit einem Plus von sechs Prozentpunkten bei insgesamt 40 Prozent. Auch der Islam hat mit einem Zuwachs von zwei Prozent unter den Deutschen an Vertrauen gewonnen. Die Umfrage zeigt: Der evangelischen Kirche vertrauen 36, dem Papst 29, der katholischen Kirche 14 und dem Islam neun Prozent der Deutschen.

Polizei, Ärzten und Universitäten führen das Vertrauens-Ranking an. Hier zeigte sich zur Jahreswende 2019/2020 ein ungebrochenes Vertrauen. Demnach schenken 80 Prozent der Bundesbürger der Polizei und den Ärzten, 77 Prozent den Hochschulen ihr Vertrauen. Das Vertrauen in Polizei und Ärzteschaft ist bei dem alljährlich ermittelten Institutionen-Ranking für das RTL/ntv-Trendbarometer sogar gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen (Polizei: +2, Ärzte: +3). Die Umfrage zeigt, dass 15 der 25 wichtigsten nicht-politischen Institutionen das gleiche oder sogar etwas größeres Vertrauen genießen als vor zwölf Monaten.

Für das Institutionen-Ranking hatte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut forsa zwischen dem 18.12.2019 und dem 3.1.2020 2.505 Personen im Auftrag der Mediengruppe RTL befragt.

Von: Norbert Schäfer

]]>
Tue, 07 Jan 2020 15:08:00 +0100
<![CDATA[Senioren in Armenien: Die Vergessenen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/01/07/senioren-in-armenien-die-vergessenen/ Theresa Tröndle]]> Nina Kizakosyan – Die Sehnsüchtige

Das Leben draußen liegt für Nina Kizakosyan 36 Stufen weit weg. Achtzehn nach unten, achtzehn wieder hinauf – zu viele für die 70-Jährige. Sie ist blind, traut sich nicht mehr alleine hinaus. An ihrem Fenster im ersten Stock sitzt sie auf drei Decken, eine davon legt sie sich im Winter um die Schultern. An diesem Tag im Mai braucht sie keine, es ist einer der ersten Tage des Jahres, an denen die Sonne in Wanadsor wärmt. Wenn sie sich durch die Wolken schiebt, breitet sich ein Kribbeln in Kizakosyans Gesicht aus. Sie mag das. Es ist einer der wenigen Momente, in denen sie sich lebendig fühlt.

Aus dem Wohnzimmer plärrt ein Radio. Die alte Frau kann keine Stille mehr ertragen, seit sie vor drei Jahren erblindete. Alles um sie herum wurde dunkler. Die Ärzte vermuteten einen Zusammenhang mit ihrer Diabetes-Erkrankung und operierten sie. Dabei verlor sie die restliche Sehkraft. Seitdem schaut sie jeden Tag aus dem Fenster und wartet. Auf die Nachbarin oder das Rote Kreuz, das sie zwei Mal pro Woche besucht.

Im Radio singt ein Priester. Kizakosyan hört die Steine des Schotterwegs, die aneinander reiben, das Platschen der Reifen in die Schlaglöcher, die vom letzten Regen noch voller Wasser stehen – ein Auto nähert sich. Sie weiß: noch achtzehn Stufen.

Viele suchen ihr Glück im Ausland

Die alte Frau wuchs in Rustawi auf, einer Stadt im Südosten Georgiens. Ihr erster Mann starb früh, sie verliebte sich noch einmal, heiratete einen Armenier und folgte ihm in seine Heimat Wanadsor. Zu Sowjetzeiten lebten in der Stadt im Norden des Landes mehr als 150.000 Menschen, heute sind es etwa halb so viele. Knapp jeder fünfte Armenier hat keine Arbeit, unter Jugendlichen sogar jeder dritte. Viele suchen ihr Glück in Russland, Frankreich und den USA. In die Nachbarländer zieht es nur wenige, sie sind mehrheitlich islamisch geprägt. Die Kriege in der Vergangenheit waren auch religiös bedingt. Bis heute ist das Verhältnis zu den Nachbarn Aserbaidschan und Türkei schwierig. Die Grenzen sind geschlossen.

Quietschend hebt sich der Einstieg. Keine Tür, sondern eine Luke wie auf einen Dachboden führt in Kizakosyans Wohnung. Eine Krankenschwester und eine Sozialarbeiterin kommen die Treppe hinauf. Die Krankenschwester dreht das Radio leiser, wirft sich den weißen Kittel mit dem eingestickten roten Kreuz über und fährt der alten Frau über ihren lieblos gestutzten aber pflegeleichten Kurzhaarschnitt, den Friseure grauhaariger Kundschaft oft verpassen.

Seit Ende 2016 arbeiten fünf Krankenschwestern beim Aufbau eines Hauspflegedienstes im Norden des Landes, ein Pilotprojekt, das vom Schweizerischen und dem monegassischen Roten Kreuz finanziert wird. Mehrmals pro Woche besuchen Krankenschwestern, Sozialarbeiter und Freiwillige 123 ältere Menschen, um sie medizinisch zu versorgen und ihnen im Alltag zu helfen. Bis 2020 wollen sie sich um 200 Menschen kümmern.

Kizakosyan ist stolz auf ihren Glauben, wie alle Armenier

„Gurken, Käse, Paprika, Kohl und fünf Tomaten“, ruft Kizakosyan der Sozialarbeiterin in der Küche zu. Es ist der einzige Raum, in dem Tapete die Betonwände bedeckt, sie ist vergilbt und an manchen Stellen so aufgeweicht, dass sie Falten wirft. Ein hölzernes Kreuz ist mit Staub bedeckt. Kizakosyan ist stolz auf ihren Glauben, wie alle Armenier. Das kleinste Land auf dem Balkan erhob vor rund 1.700 Jahren, als erstes Land, das Christentum zur Staatsreligion. Bis sie erblindete, ging Kizakosyan jeden Sonntag in die Kirche. Neben dem Herd steht ein Teller mit Linsen und Reis – Kizakosyans Mittagessen, wenn das Geld knapp wird. Erst vor wenigen Tagen wurde ihre Rente überwiesen: 37.000 Dram, umgerechnet knapp 70 Euro – zwei bis drei Euro kostet ein Mittagessen in einem günstigen Restaurant.

Während die Sozialarbeiterin einkaufen geht, krempelt die Krankenschwester einen Ärmel von Kizakosyans Pullover hoch und legt ihr eine Manschette um den Arm. Die alte Frau tippelt mit den Füßen. Sie soll nicht sprechen, während der Blutdruck gemessen wird. Erst danach erzählt sie. Von ihrem kranken Bruder, ihrem verstorbenen Mann, der Renovierung des Hauses und dem Alleinsein: „Wenn ich einsam bin, wasche ich Geschirr ab“, sagt sie. Sie spricht schnell, lässt raus, was sich in den letzten Tagen Einsamkeit angestaut hat. Sie möchte in Georgien begraben werden, in Tiflis, dort hat sie Verwandte. Sobald sie von ihrer Heimat erzählt, mischt sich ein Hauch Melancholie in ihr verschmitztes Lächeln. Versunken summt sie ein berühmtes Volkslied ihrer Heimat: „Wo sonst ist der Himmel so blau und rein und tief? Tiflis ohne dich fehlt meinem Leben die Süße.“

Klingeln. Die Sozialarbeiterin ist am Apparat. Ein Kilo Tomaten kostet 1,60 Euro. Teurer als noch vor einer Woche. Kizakosyan bittet sie, doch nur vier Tomaten mitzubringen.

In der Porträt-Reihe zu Armenien veröffentlicht pro am Mittwoch und Donnerstag jeweils eine weitere Geschichte.

]]>
Tue, 07 Jan 2020 11:38:00 +0100
<![CDATA[„Ohne den Maßstab Bibel wird alles maßlos“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/01/07/ohne-den-massstab-bibel-wird-alles-masslos/

pro: Vor 40 Jahren wurden die Christlichen Bücherstuben gegründet. Wie gut konnten sie das Ziel erreichen, christliche Literatur zu verbreiten?

Hartmut Jaeger: Wir sind für die Entwicklung der Christlichen Bücherstuben GmbH sehr dankbar. 1977 haben Christen aus Memmingen die Christliche Verlagsgesellschaft in Dillenburg angesprochen, ob sie dort einen Bücherladen einrichten kann. Sie wollten gerne vor Ort missionarisch arbeiten und ihnen fehlte dafür die christliche Literatur. Das war der Startpunkt für den ersten Buchladen dieses Modells. Christen vor Ort haben Mitarbeiter gesucht und den Laden ehrenamtlich betreut. Die 1957 gegründete Christliche Verlagsgesellschaft hat dabei geholfen, die Filiale einzurichten.

Mittlerweile gibt es 29 solcher Bücherstuben. Wie kam es dazu?

Das Modell sprach sich schnell herum. Bereits binnen kürzester Zeit gab es in Siegen und Krefeld weitere Buchläden. Wenig später hat das Finanzamt uns aufgefordert, die Arbeit nicht auf Basis des gemeinnützigen Verlages zu machen, sondern eine eigene Firma zu gründen. Dies geschah 1980 mit der Christlichen Bücherstuben GmbH. Aktuell haben wir 29 Läden mit 450 Mitarbeitern. Alle Läden sind durch die Initiative örtlicher Christen entstanden. Sie sehen die Läden vor Ort als Missionsstation und arbeiten dort ehrenamtlich. Die GmbH ist dafür da, sich um Mietverträge zu kümmern und dafür, dass alles rund läuft.

Gibt es geographische Schwerpunkte?

Die sind zweifellos da, wo es viele christliche Gemeinden gibt, etwa im Sieger- oder im Sauerland. Die Läden sind verteilt in ganz Deutschland: von Ravensburg bis Rendsburg und von Bautzen bis Aachen.

Wo setzen Sie in Ihrem Verlagsprogramm Schwerpunkte? 

Sie müssen unterscheiden zwischen der verlegerischen Arbeit und der Arbeit der Bücherstuben GmbH. Letztere ist eine Art Barsortimenter, der mit Büchern – natürlich auch aus unserem eigenen Programm – handelt. Die Christliche Verlagsgesellschaft konzentriert sich stark auf die Bibel, Bücher zur Bibel und Literatur zur Lebenshilfe. Die Bücherstuben haben Literatur aus allen christlichen Verlagen, die unserem Anliegen entsprechen. Bücher, die in unsere Läden kommen, werden vorher rezensiert. Danach entscheiden wir, ob wir die Bücher in unsere Läden stellen oder nicht. Die Inhalte sollen Menschen den Weg zu Jesus Christus zeigen und ihnen helfen, im Glauben zu wachsen. Dabei ist die Bibel unser Maßstab.

Hören Sie auch den Vorwurf, dass Sie eine zu enge Auswahl bei den Büchern treffen?

Im Jahr 2000 hatte ich als neuer Geschäftsführer ein Schlüsselerlebnis. Ein Freund hat mir vorgeworfen, dass wir unsere Kunden mit unseren Auswahlkriterien entmündigen. Einige Jahre später kam er zu mir und hat sich entschuldigt. Er sagte: „Wenn ich in euren Laden komme, habe ich Orientierung. Ich weiß, dass hier Bücher stehen, die ich mit meinem biblischen Standpunkt gut vertreten kann.“ Es gibt mittlerweile so viele Neuheiten, dass Kunden dankbar sind für unsere Einordnungen. Nicht so dankbar sind die Verlage, deren Bücher wir nicht in unsere Läden stellen.

Welche Bücher kommen denn auf den „Index“?

Der Begriff „Index“ ist zu scharf. Wir verbieten ja keine Bücher. Wir haben lediglich eine Nicht-Verkaufsliste, aber die gibt es in fast jeder Buchhandlung. Bei uns landen Bücher zu 99 Prozent aus inhaltlichen Gründen auf der Liste. Es geht uns nicht darum, bestimmte Verlage auszuschließen. Wir wollen inhaltlich bewerten, ob das Buch hilfreich ist und es unserer biblischen Sicht entspricht. Wir wollen einfach keine Bücher verkaufen, deren Inhalte wir nicht teilen.

Welche Bücher und Verlage betrifft dies?

Ein pauschale Auswahl ist schwierig. Wir wollen auch niemanden verurteilen und erst recht nicht bestimmte Verlage in Verruf bringen. Ich möchte es trotzdem konkretisieren. Das bekannteste Beispiel ist die VOLX-Bibel. Sie verdient nicht den Titel Bibel. Ich habe damals dem Autor Martin Dreyer gesagt, dass er das Buch ‚Martin erzählt Jesus Geschichten‘ hätte nennen können. Aber den Titel Bibel verdient dieses Werk nicht. Ein anderes Beispiel ist Rob Bells Buch „Das letzte Wort hat die Liebe“. Hier wird dem Leser eine Form der Allversöhnungslehre schmackhaft gemacht, die nicht dem Gottesbild der Bibel entspricht. Auch Thorsten Dietz’ Verständnis von Sünde in seinem Buch „Weiterglauben“ widerspricht dem historischen Bericht in 1. Mose 3. Thorsten Hebel serviert in seinem Buch „Freischwimmer“ seine Zweifel an Gott wie auf einem silbernen Tablett. Das findet in unseren Buchläden keinen Platz. Jürgen Mettes Publikation „ Die Evangelikalen“ ist ebenfalls nicht förderlich für den kindlichen Glauben an Gottes Wort. Es gab weltlichen Medien Stoff für eine sehr unschöne Sendung über die Evangelikalen. In dem Buch Thomas Jeising „Knapp daneben ist auch vorbei“ haben wir diese Titel besprochen und unsere Sichtweise dargelegt.

Was waren die schwierigsten Phasen in der Geschichte der Bücherstuben?

Zweifellos ist die Situation des Buchhandels schwierig und die Umsätze rückläufig. Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es das gedruckte Buch trotz Online-Shops und E-Books noch. Ich bin überzeugt, dass das auch so bleiben wird. Gott hat sich durch ein Buch offenbart. Deswegen wird es auch weiterhin existieren. Manchmal bekomme ich mit, dass die Anonymität des Internets die Menschen in den Laden treibt. Dort werden sie persönlich beraten. Das ist unsere große Chance. Die persönliche Beratung kann auch Beziehungsarbeit sein.

Sind die Mitarbeiter gelernte Buchhändler?

Ganz selten. Es sind engagierte Christen, die ehrenamtlich mitarbeiten, um in unseren „Missionsstationen“ Botschafter Christi zu sein. Bei unseren früheren Jahrestagungen haben wir immer wieder auch Verkaufsschulungen angeboten. Noch wichtiger ist, dass wir unsere Mitarbeiter zum missionarischen Dienst motivieren. Wenn Herzen für Jesus brennen, ist im Laden eine warme Atmosphäre, die Kunden anzieht.

Sie haben aber auch Läden schließen müssen ...

Die Geschäftsleitung hat entschieden, keinen Laden aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen. Wenn wir Läden geschlossen haben, war dies der Wunsch der örtlichen Mitarbeiter. Fünf Läden haben wir wegen Personalmangel aufgegeben. Unser Leitsatz ist: Wir arbeiten nicht gewinnorientiert, sondern auftragsorientiert. Wir möchten, dass durch unsere Bücherstuben Menschen zum Glauben an Jesus Christus finden. Das ist uns mehr wert als alles andere. Deshalb haben unsere Läden in der Regel Gesprächsecken, wo die Kunden Fragen stellen können. Unsere Mitarbeiter sind auch gehalten, möglichst mit Menschen ins Gespräch zu kommen. In diesem Zusammenhang hatten wir ein beschämendes Erlebnis.

Was ist passiert?

Wir wollten einen Laden schließen – dann bei unserem Jahrestreffen der Christlichen Bücherstuben berichtete ein Besucher, dass er, ausgelöst durch Kontakte zu genau diesem Laden, Christ geworden ist. Er war vorher Zeuge Jehova. Sein Zeugnis hat dazu geführt, dass noch elf weitere Menschen Christen geworden sind. Das war für uns ein deutliches Signal, Läden nicht mehr aus wirtschaftlichen Gründen zu schließen.

Wo sehen Sie beim Blick in die Zukunft die größte Herausforderung?

Die Buchläden sind in die Jahre gekommen und die Mitarbeiter werden älter. Ich hoffe, dass das Feuer der ersten Stunde auch in die nächste Generation getragen wird. Das ist die erste Herausforderung. Einzelne Läden wurden geschlossen, weil die Leute vor Ort andere missionarische Schwerpunkte gesetzt haben. Die zweite Herausforderung ist es, inhaltlich Kurs zu halten. Ich glaube, dass wir alle Kinder unserer Zeit sind. Es wird immer schwieriger, gute geistliche, biblische Literatur auf den Markt zu bringen. Drittens müssen wir wirtschaftliche Herausforderungen meistern. Wir haben nie große Gewinne gemacht. Bei kleinen Überschüssen wurde diese immer wieder in die missionarische Arbeit gesteckt. Bisher hat Gott im wirtschaftlichen Bereich immer wieder Gnade geschenkt.

Von welchen Zahlen reden wir?

Wir machen etwas über 2,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr. In diesem Jahr konnten wir den Umsatz über die verschiedenen Vertriebswege um vier Prozent steigern. Es ist immer eine neue Herausforderung, die schwarze Null zu erreichen. Wir nutzen die anderen Vertriebswege, wie etwa unseren Buch-Shop www.cb-buchshop.de, Versandhandel und die Büchertische, um die Arbeit in den Läden aufrechtzuerhalten.

Was meinen Sie damit, „als Kinder unserer Zeit inhaltlich Kurs zu halten“?

Die Bibelfrage ist für mich die Schicksalsfrage für die Zukunft der Gemeinden. Ist die Bibel für mich uneingeschränkt Gottes Wort? Oder enthält sie, wie man das heute vielfach meint, nur göttliche Gedanken und der Mensch legt dann fest, was von ihr historischer Bericht oder nur Erzählung ist? Für uns ist und bleibt die Bibel der absolute Maßstab und wenn wir diesen Maßstab verlieren, werden wir maßlos.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die „Christliche Bücherstuben GmbH“ (CB) wurde gegründet, um christliche Literatur zu verbreiten. Über dem wirtschaftlichen Interesse stand das missionarische Anliegen. Christen vor Ort richteten die Bücherstuben als „Missionsstationen“ ein, um die biblische Botschaft weiterzugeben und mit Menschen in Kontakt zu kommen. Neben den Mitarbeitern in der Zentrale in Dillenburg arbeiten über 400 Ehrenamtliche in den 29 Bücherstuben. Ein weiterer Zweig ist die Einrichtung und Betreuung von Büchertischen in den Gemeinden. Außerdem gibt es einen Direktversand und einen Internetshop. Das Werk wird von über 35 Gesellschaftern aus Brüdergemeinden in ganz Deutschland getragen. Geschäftsführer sind Hartmut Jaeger und Klaus Velleuer.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

]]>
Tue, 07 Jan 2020 11:20:00 +0100
<![CDATA[„MEHR“-Konferenz: Etwas mehr von (fast) allem]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/01/06/mehr-konferenz-etwas-mehr-von-fast-allem/ „Eigentlich ist die Konferenz nicht das Große“ – verblüffende Worte von Johannes Hartl, dem Gründer des Gebetshauses Augsburg. Bedenkt man, dass die „MEHR“ 2020 sämtliche Rekorde bricht: 12.000 Teilnehmer, 170 Aussteller, mehr als 600 Helfer und das gesamte Messegelände in „christlicher Hand“. Doch es sind die leisen und eher unscheinbaren Töne, die Hartl in den Vordergrund rücken will. Die Konferenz sei der „Ausfluss einer inneren Haltung“, die das Gebetshaus die restlichen 361 Tage im Jahr ausstrahle, erklärt der katholische Theologe. Das versuche die „MEHR“ zu transportieren.

Dass diese Aussagen keine leeren Phrasen sind, bestätigt ein Blick ins Programmheft der Konferenz. Von morgens bis abends finden Lobpreiszeiten statt, die nur gelegentlich von Vorträgen unterbrochen werden. Es gibt „Räume der Stille“, in denen man dem Trubel der Messehallen entfliehen, sich die Beichte abnehmen lassen kann und Ruhe für Gebet findet. Wer diese Räumlichkeiten sucht, muss einfach seiner Nase folgen – im wahrsten Sinne des Wortes. Je näher man dem Gebetsraum kommt, desto intensiver wird der Weihrauchgeruch.

Generell hat das Thema Gemeinschaft einen sehr hohen Stellenwert. Nicht nur mit Gott, auch mit anderen Besuchern. Um die Kontaktaufnahme zu erleichtern, wurden bei der Eröffnungsveranstaltung Kärtchen mit kleinen Aufgaben verteilt. So müssen die Besucher füreinander beten, sich umarmen oder sich gegenseitig Gottes Liebe zusprechen – Zeit dafür hat man an allen vier Konferenztagen.

Ökumene mit kleinem Abstrich

Beim Thema Abendmahl/Eucharistie muss dann aber die konfessionsübergreifende Gemeinschaft kurz unterbrochen werden. Katholiken und Protestanten feiern getrennt die Kommunion. Das tut dem Miteinander aber keinen Abbruch. Jeder solle das Abendmahl so feiern, wie es seine religiöse Überzeugung ist, betonte Hartl zu Beginn der Konferenz – und das ist auch richtig so.

Einer der im Vorfeld bereits angekündigten Höhepunkte war das Forum „MEHR-Theologie“. Zwar hielt die dreieinhalbstündige Veranstaltung die in sie gesetzten Erwartungen, beanspruchte aber auch im hohen Maß die Ausdauer und Gehirnzellen der Zuhörer. Im Laufe der Debatte schrumpfte die Zuhörerschaft zusehends – obwohl die Dozierenden sich alle Mühe gaben, eine gutverständliche Sprache zu finden. Das Ziel des Veranstalters, eine (wissenschaftliche) Debatte über die Kluft zwischen akademischer Theologie und Gemeinde loszutreten, dürfte dennoch geglückt sein – auch wenn das Forum eindrücklich zeigte, wie herausfordernd die Debatte für alle Beteiligten wird.

Von: Martin Schlorke

]]>
Mon, 06 Jan 2020 16:58:00 +0100
<![CDATA[Evangelisch-methodistische Kirche steht vor Spaltung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/06/evangelisch-methodistische-kirche-steht-vor-spaltung/ Sie wollen sich lieber respektvoll trennen, als endlos weiter zu streiten. Die Evangelisch-methodistische Kirche reagiert damit auf eine lange Debatte über den Umgang mit dem Thema Homosexualität. Zum Umgang mit der Frage hat eine international besetzte Arbeitsgruppe einen Bericht vorgelegt. Die endgültige Entscheidung über das Papier fällt die Generalkonferenz. Das oberste Kirchenparlament der Bewegung tagt im Mai in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota.

Nach jetzigem Stand wird damit die weltweite Evangelisch-methodistische Kirche (United Methodist Church) als Kirche fortbestehen, teilte die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) am Sonntag mit. Dort soll es wie bisher Platz für verschiedene Frömmigkeitsausprägungen und Überzeugungen geben. In Bezug auf die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und die Ordination Homosexueller wird sich die bestehende Kirche öffnen. Dazu sollen aus der weltweit gültigen Kirchenordnung die bisherigen restriktiven Passagen entfernt werden.

Neue methodistische Kirche soll 22,4 Millionen Euro erhalten

Die Teile der Kirche, die sich nicht mit dieser Öffnung anfreunden können, sollen künftig die neue, traditionell orientierte methodistische Kirche („new traditionalist Methodist denomination“) bilden. Diese wird sich von der EmK trennen und unabhängig strukturieren. Aus dem bisherigen gemeinsamen Kirchenvermögen erhält diese neue methodistische Kirche 25 Millionen Dollar (umgerechnet 22,4 Millionen Euro).

Dem Vorschlag zur Lösung des Konflikts waren internationale Gespräche vorausgegangen. Daran waren seit August 2019 16 Vertreter der Kirche beteiligt. Neben acht Bischöfen waren acht weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe als Meinungsführer von in den USA aktiven Gruppierungen entsandt worden, die in theologischen Fragen weit auseinanderliegende Überzeugungen vertreten. Mediator Kenneth Feinberg moderierte den Prozess.

Die Gruppe einigte sich einstimmig auf den Vorschlag einer geordneten und einvernehmlichen Trennung. Diese sei „das beste Mittel, um unsere Differenzen zu lösen“, heißt es in der veröffentlichten Erklärung. Damit könne jeder Teil der Kirche „seinem theologischen Verständnis treu bleiben und gleichzeitig Würde, Gleichheit und Integrität anerkennen sowie den Respekt gegenüber jeder Person bewahren“.

Trennung als „unausweichliche Realität“

Der für Deutschland zuständige Bischof, Harald Rückert, hob die Einmütigkeit hervor. Der Konflikt könne damit befriedet werden. Er empfinde „viele Schmerzen, weil es um die Trennung unserer Kirche geht, aber es ist wohl die unausweichliche Realität“. Für die aktuell in Deutschland an einem Runden Tisch diskutierte schwierige Lage der Kirche sei dieser Vorschlag eine gute Nachricht, „weil wir Teil der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche bleiben können“. Im Entscheidungsprozess sei es erstmals gelungen, stärker die Sicht von Teilen der Methodisten von außerhalb der Vereinigten Staaten zu Gehör zu bringen.

Der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Pastor Klaus Ulrich Ruof antwortete auf pro-Anfrage: „Es ist schwer vorhersehbar, wie die Spaltung ausfallen wird. Unsere Kirche ist weltweit strukturiert. Von daher wird die Trennung nicht entlang von Landesgrenzen verlaufen.“ Überrascht habe ihn die Einmütigkeit des 16-köpfigen Gremiums, das eine extreme theologische Bandbreite abdecke. Für die Abstimmung im Mai hoffe er, dass die Mitglieder des Gremiums die gefundene Position in ihrem Umfeld unterstützten.

Die endgültige Entscheidung trifft die Generalkonferenz im Mai. Außerdem sollen dann die Strukturen in und außerhalb der USA so angepasst werden, dass vermieden werden kann, dass sich regional bedingte konfliktträchtige Themen zu weltweiten Kirchenkonflikten auswachsen. Der jetzige Konflikt schwelt schon seit 1972. Damals hatte die Generalkonferenz restriktive Kirchenordnungsparagrafen beschlossen, wonach „Homosexualität unvereinbar mit der christlichen Lehre“ sei.

Kirchenparlament bestätigt Lehrgrundsatz von 1972

Im Februar 2019 wurde eine außerordentliche Generalkonferenz einberufen. Ihre Mitglieder lehnten den vom Bischofsrat der Kirche favorisierten Vorschlag einer Öffnung der Kirche durch Streichung der restriktiven Kirchenordnungs-Passagen mit 438:384 Stimmen ab. Außerdem wurde der 1972 beschlossene Lehrgrundsatz bestätigt, dass Homosexualität als „unvereinbar mit der christlichen Lehre“ bezeichnet wird.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Mon, 06 Jan 2020 12:34:00 +0100
<![CDATA[„Fakultäten müssen das Beten wieder lernen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/06/fakultaeten-muessen-das-beten-wieder-lernen/ Nachdem auf der ökumenischen „MEHR“-Konferenz 2018 die Initiative „Mission-Manifest“ vorgestellt wurde, stand in diesem Jahr eine andere theologische Herausforderung auf dem Programm: Wie kann Theologie zur Erneuerung der Kirche beitragen? In dem Forum „MEHR-Theologie“ hielten zehn evangelische und katholische Theologen aus dem deutschsprachigem Raum Kurzreferate.

Darin wurde deutlich, dass die akademische Theologie ein unverzichtbarer Bestandteil christlichen Glaubens ist. „Ohne Theologie ginge es gar nie“, fasste Walter Dürr von der Universität Fribourg in der Schweiz die Debatte zusammen. Die akademische Theologie habe den Auftrag, Kirche und Glauben zu reflektieren. Diese Reflexion sei der Schlüssel zum Verständnis der Heiligen Schrift und könne darüber hinaus die Theologie erneuern.

Kirche war innovativ und soll es wieder sein

Die Innovationskraft, die alte Kirche ausgezeichnet hat, müsse heute wieder neu entdeckt werden, forderte der Neutestamentler Benjamin Schliesser (Bern). Die ersten Christen hätten sich von ihrem Umfeld unterschieden und seien neue Wege gegangen. Dies müsse beispielsweise im Bezug zu den neuen Medien auch heute geschehen. Optimistisch stimme ihn, dass er viele Parallelen zwischen der „prä-christlichen Zeit damals und der post-christlichen Zeit heute“ sehe.

In der Debatte widmeten sich die Theologen ebenfalls dem Gebet. Heute würden viele dem Gebet misstrauen, erklärte Ralph Kunz (Zürich). Die Ursachen dafür lägen in der Aufklärung. Emanuel Kant habe dagegen angekämpft, dass Gebet die Moral und das Denken ersetzt. Dabei gehörten Beten und Nachdenken eng zusammen. Gewissermaßen schloss sich Veronika Hoffman (Fribourg) dieser Kritik an. Auch Anbetung könne das Denken nicht ersetzen. Eine solche Annahme sei grundfalsch. Das habe nichts mit Frommheit zu tun, sondern sei denkfaul. Vielmehr könne Nachdenken in Anbetung münden.

Zweifel ist für Gläubige wichtig

Zum Glauben gehöre ebenso das Zweifeln, erklärte die Dogmatik-Professorin. „Ist Zweifeln gefährlich? – Ja, für die eigene Naivität, Bequemlichkeit und innere Unsicherheit.“ Wer zweifelt, mache sich über seinen Glauben Gedanken – das sei gut.

Gute Theologie müsse am Schluss ein „Diener des Wortes Christi, der Bibel und der Wissenschaft sein", erklärte Gregor Emmenegger von der Universität Fribourg. Wer die Wahrheit suche, werde zwangsläufig Jesus finden. Diese demütige Haltung müsse die Theologie wieder neu entdecken und Buße tun, forderte Kunz. Sie sei von einer knienden Theologie zu einer sitzenden geworden. Daher „müssen die Fakultäten das Beten wieder lernen“, schloss Joachim Negel (Fribourg) die Debatte.

Von: Martin Schlorke

]]>
Mon, 06 Jan 2020 10:56:00 +0100
<![CDATA[Woche für Einheit der Christen startet Mitte Januar]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/01/06/woche-fuer-einheit-der-christen-startet-mitte-januar/ Die Allianzgebetswoche der Deutschen Evangelischen Allianz befasst sich in diesem Jahr mit dem Thema „Wo gehöre ich hin?“. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Reinhard Schink, verknüpft damit auch den Wunsch, einzelne Menschen zu ermutigen, aber auch gezielt für unser Land zu beten.

In einer Pressemitteilung der Deutschen Evangelischen Allianz vom Samstag heißt es, das schließe die konstante Fürbitte für Verantwortungsträger aus allen gesellschaftlichen Bereichen mit ein. In der Verantwortung vor Gott, auf den sich aller Glaube gründe, sei die Allianzgebetswoche geradezu wie „ein Prisma, im dem die fünf Grundaufträge der Deutschen Evangelischen Allianz sichtbar werden: Gebet, Wort Gottes, Evangelisation, Einheit und gesellschaftliche Verpflichtung“. Alle fünf Aufträge griffen ineinander und kennzeichneten die Allianzgebetswoche als ein Kernstück der Arbeit der Deutschen Evangelischen Allianz.

„Schönheit des Glaubens sichtbar machen“

Schink ist seit Juli 2019 Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz. Er wird selbst bei verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Gebetswoche dabei sein. „Ich wünsche mir, dass die Schönheit des Glaubens während der Allianzgebetswoche an vielen Orten sichtbar und erlebbar wird“, teilte er mit. Er könne auf die Frage, wo er hingehöre, antworten: „Zur Allianzgebetswoche natürlich! Ich gehöre doch zu meinen Geschwistern.“

Die Deutsche Evangelische Allianz stellt für die Gemeinden umfangreiches Material für die Gebetswoche zur Verfügung. In den vergangenen Jahren haben sich in ganz Deutschland etwa 1.000 örtliche Allianzgruppen beteiligt. Seit 1847 findet im internationalen Kontext die Allianzgebetswoche der Evangelischen Allianz statt. Damit ist sie weltweit sowie auch in Deutschland die älteste christliche Einheitsbewegung.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Mon, 06 Jan 2020 10:22:00 +0100
<![CDATA[Schupelius sieht Probleme mit der Meinungsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/01/05/schupelius-sieht-probleme-mit-der-meinungsfreiheit/ Der Journalist Gunnar Schupelius mag den Meinungsaustausch „im Sinne einer intellektuellen Auseinandersetzung“. Die Meinungsfreiheit in Deutschland sieht er jedoch als gefährdet an, sagte der Kolumnist der Berliner Boulevardzeitung B.Z. im Interview der Neuen Zürcher Zeitung. Schupelius’ Auto war an Silvester von linksextremen Kräften angezündet worden.

Natürlich dürfe Meinungsaustausch Reibungen erzeugen. Die Täter der linksextremen Szene hätten mit dem Brandanschlag aber die Diskussionsebene verlassen. Bereits 2014 war Schupelius Opfer eines Brandanschlags geworden: „Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass es verirrte Geister gibt, die das Mittel der Gewalt wählen“, sagte der Journalist der schweizer Zeitung. Dabei habe er eigentlich gehofft, dass sich Deutschland auf den Weg in eine „bürgerliche und ordentliche Auseinandersetzung“ begeben könne.

Hoher Rechtfertigungsdruck

Erstmals angefeindet worden sei er bereits 2005, kurz nachdem er seine Kolumne „Mein Ärger – der gerechte Zorn von Gunnar Schupelius“ begonnen habe. Ihn irritiere, dass die Linken einerseits Toleranz und freie Meinungsäußerung forderten, die Meinung von Andersdenkenden aber oft nicht tolerierten: „Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Diskussion eingeengt wird“, meint er.

Wer Abtreibung kritisch sehe, müsse sich sofort dafür rechtfertigen. Wer für ihre bedingungslose Freigabe sei, habe diesen Rechtfertigungsdruck nicht. Eine kleine Gruppe nehme für sich in Anspruch, festzulegen, was moralisch höherwertig sei. Für jede Aussage jenseits der Mehrheitsmeinung werde man schnell als „rechts“ eingeordnet. Auch die Zuschreibung „konservativ“ sei negativ assoziiert.

Klare Meinungsäußerungen dürfen nicht stigmatisiert werden

„Die Bereitschaft, sich mit abweichenden Meinungen zu befassen, nimmt meiner Ansicht nach ab – und zwar so sehr, dass man sich fragen muss, ob es überhaupt noch eine sinnvolle öffentliche Auseinandersetzung geben kann.“ Wer seine Meinung klar äußere, dürfe nicht stigmatisiert werden, fordert Schupelius. Zudem wolle er mit seinen Meinungsäußerungen verhindern, „dass die Ideologie die Macht ergreift“.

Er fühle sich auch nicht in der Minderheit, nur weil Linke „ihre Ansichten zweifellos gern als Mehrheitsmeinung“ verkauften. In der Auseinandersetzung mit der Berliner Linksextremistenszene wirft er der Politik mangelndes Rückgrat vor. Schupelius bedauert, dass kaum noch öffentliche Debatten über heikle Thema stattfänden: „Ein SPD-Abgeordneter, der das Problem angehen wollte, musste jedenfalls schon Erfahrung mit Gewalttätern machen“, sagte Schupelius.

Bei dem Anschlag am 31. Dezember wurde das Auto des Journalisten nahezu vollständig zerstört. Die „Feministische Autonome Zelle“ bekannte sich auf der Plattform de.indymedia.org zu der Tat. Die Unterzeichner kritisieren unter anderem die christlichen Wertvorstellungen des Journalisten und seine Sympathien für den „Marsch für das Leben“.

Schupelius absolvierte die Axel-Springer-Journalistenschule. Anschließend arbeitete er für verschiedene Medien der Springer-Presse. Aktuell ist er Chefkolumnist der Berliner Boulevardzeitung B.Z. Dort veröffentlicht er regelmäßig seine Kolumne „Mein Ärger – der gerechte Zorn von Gunnar Schupelius“, in der er sich kritisch zu aktuellen gesellschaftlichen Themen äußert.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Sun, 05 Jan 2020 12:26:00 +0100
<![CDATA[„Ich bin wertvoll – einfach, weil ich bin“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/ich-bin-wertvoll-einfach-weil-ich-bin/ Auf der ökumenischen „MEHR“-Konferenz in Augsburg hat der querschnittsgelähmte Schauspieler Samuel Koch die Teilnehmer aufgefordert, sich selbst mehr anzunehmen. Alles funktioniere nach dem Prinzip: „tun, haben, sein“. In der Gesellschaft sei man erst jemand, wenn man etwas schaffe, was Ansehen, Geld oder ein großes Haus zur Folge habe. Diese Annahme halte er für grundverkehrt. Errungenschaften und Leistungen könnten nicht den eigenen Wert bemessen, denn diese seien vergänglich.

In seinem Leben habe Koch gelernt, dieses Prinzip einfach umzudrehen. Er sei wertvoll, einfach weil er existiere. Ihn fordere es jeden Tag aufs Neue heraus, mit dieser Einstellung zu leben. Aber es lohne sich.

„Ihr braucht nichts zu tun, aber tut etwas!“

Interessant sei für Koch dazu ein Blick in die Bibel. Er verwies auf eine Stelle im Zweiten Korintherbrief: „Lass dir an meiner Gnade genügen“ (2. Korinther 12,9). Dürfe man also einfach nur „sein, rumliegen und chillen?“, fragte der Referent. Die Bibel sage nämlich auch, dass ein Glaube ohne Taten tot sei. Der Schauspieler sah in den beiden Bibelstellen keinen Widerspruch: „Sie können parallel stattfinden.“ Daher empfehle er allen Teilnehmern der Konferenz, etwas zu tun, auch wenn man es nicht müsse.

Dies gelinge am einfachsten, wenn man das Prinzip „sein, haben, tun“ auf seine Mitmenschen anwende. In Zeiten der Digitalisierung könne jeder etwas verändern, egal unter welchen Umständen. Koch nannte den Social-Media-Onlinedienst Instagram. Er nutze die Plattform, um Menschen Mut zuzusprechen und sie zum Nachdenken anzuregen: „Denken beeinflusst das Handeln, Handeln die Gewohnheiten, und die Gewohnheiten formen den Charakter.“ Gewissermaßen betreibe er also Charakterbildung.

Von: Martin Schlorke

]]>
Sun, 05 Jan 2020 12:14:00 +0100
<![CDATA[Mehr Menschen, Mehr Farben: „MEHR“-Konferenz gestartet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/04/mehr-menschen-mehr-farben-mehr-konferenz-gestartet/ Am Freitag hat in Augsburg die „MEHR“-Konferenz begonnen. Nach Angaben des Veranstalters, des ökumenisch ausgerichteten Gebetshauses Augsburg, nehmen in diesem Jahr rund 12.000 Menschen an der Konferenz teil. Damit ist sie zum ersten Mal ausverkauft. Hauptredner der viertägigen Veranstaltung ist der katholische Theologe und Gebetshausgründer Johannes Hartl.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehe, liege dem Motto der Konferenz „Colors of hope“ (Farben der Hoffnung) ein Bibelvers zugrunde. Hartl verwies dabei auf den Brief an die Epheser. Darin ist von der vielfältigen Weisheit Gottes die Rede. Richtig übersetzt stehe da allerdings „vielfarbige Weisheit Gottes“. Die Konferenz versuche daher Ästhetik, Schönheit und Glauben zusammenzubringen.

In der heutigen, immer schnelllebigeren Zeit sehnten sich die Menschen nach harmonischen Beziehungen, sagte der katholische Theologe. Gott biete den Menschen eine solche an. Dieses „dreifaltige Liebesangebot Gottes“ richte sich an die Beziehung zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zu Gott.

Gottes Kreativität und Liebe spüren

Hartl machte den Christen Mut, die Liebe Gottes auszustrahlen: „In der Vergangenheit haben wir zu wenig das Evangelium von der Liebe Gottes erfahren und ausgestrahlt.“ Dabei sei Gott „Liebe, Annahme, Kreativität und pulsierendes Leben“. Diese Eigenschaften Gottes sollten auf der „MEHR“ zu spüren sein.

Ein Höhepunkt der Konferenz werde die Veranstaltung „MEHR-Theologie“, erklärte Hartl. Passend zum diesjährigen Thema solle die Frage nach der Theologie der Zukunft diskutiert werden. In einem großen Forum werden verschiedene Theologen Konzepte skizzieren und erörtern, inwieweit eine solche Theologie zur Erneuerung der Kirche beitragen könne. Es sei Zeit, für „frischen Wind in der akademischen Theologie“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Veranstalters. Ziel sei es, „Theologie in einer Perspektive der Hoffnung“ zu betreiben.

Neuerungen angekündigt

Ab dem Jahr 2020 soll die „MEHR“-Konferenz künftig alle zwei Jahre stattfinden, verkündete Hartl am Freitag. In den Jahren dazwischen würden neue Formate angeboten, die sich an spezifische Zielgruppen richteten. So soll es beispielsweise ein Jugendfestival geben. Dieses werde „wie Rock im Park sein, nur eben mit einer christlichen Botschaft“.

Von: Martin Schlorke

]]>
Sat, 04 Jan 2020 12:10:00 +0100
<![CDATA[Moderne Gemeindeprojekte wecken Interesse der Medien]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/01/03/moderne-gemeindeprojekte-wecken-interesse-der-medien/ Auch heute noch gelingt es Gemeinden, junge Menschen für den Glauben zu begeistern. Darauf haben in den vergangenen Tagen auch säkulare Medien hingewiesen. Der Deutschlandfunk lobt in einem Beitrag die Saddleback Church Berlin. Sie sei modern und alltagsnah. Trotz konservativer theologischer Ansichten wie sexueller Enthaltsamkeit bis zur Ehe schaffe sie es, Menschen jedes Alters zu erreichen.

Der Gottesdienst am Sonntagmorgen verbreite fröhliche und ausgelassene Stimmung und eine Willkommenskultur. Deutschlandfunk-Autorin Nana Brink findet die Botschaft an diesem Sonntag „etwas verschwommen“. Es bleibe hängen, dass Jesus die Menschen liebe. Die Gemeinde lebe ihren Glauben modern und sei eine der erfolgreichsten religiösen Neugründungen in Berlin.

Austausch über spirituelle Bedürfnisse erwünscht

Die Gemeinde ist im bürgerlichen Stadtteil Charlottenburg angesiedelt. Über 1.000 Mitglieder seien eine beachtliche Zahl für Berlin, wo sich viele Menschen nicht mehr religiös gebunden fühlten. Ein Erfolgsrezept sei, dass die Menschen ein spirituelles Zuhause geboten bekämen. In Kleingruppen würden die spirituellen und religiöse Bedürfnisse thematisiert.

Der Gemeinde gelinge es, Menschen da abzuholen, wo ihre Probleme liegen. Etwas kritisch sieht die Redakteurin die exponierte Stellung von Kirchengründer Rick Warren. Dessen Predigt werde per Video sonntags nach Berlin übertragen. Der Bochumer Religionswissenschaftler Martin Radermacher sieht darin die Gefahr großer Abhängigkeit. Trotzdem gelinge es der Gemeinde, populärkulturelle Stile mit konservativen christlichen Inhalte zu verknüpfen und die Menschen zu erreichen.

Der Redakteur der Süddeutschen Zeitung Matthias Drobinski hat für seine Reportage das „Raumschiff Ruhr“ in Essen und die Gebetsbewegung in Augsburg besucht. Beiden Gemeinden gelinge es aus Drobinskis Sicht auf sehr unterschiedliche Weise, junge Menschen zu begeistern. In Essen findet das Angebot in der Marktkirche statt, in Augsburg im Industriegebiet nahe der Messe.

Anlaufstelle bei Trauer und Zweifel

Für die Arbeit des Raumschiffs Ruhr ist Pfarrerin Hanna Jacobs verantwortlich. Das Angebot richtet sich vor allem an junge Menschen, die auf der Suche sind. Jacobs möchte zudem den Gestressten und Getriebenen einen Ort der Ruhe bieten. „In Essen sind es die Individualisten, die den Mittwochabend zum Sonntag machen“, schreibt Drobinski. Manche nutzten die spirituellen Angebote fast immer. Hier fänden Trauernde und Zweifler eine Anlaufstelle. Jacobs sieht das Projekt als Pionierarbeit. Gerade für junge Menschen auf der Suche habe die Kirche kaum Angebote.

In Augsburg ist der katholische Theologe Johannes Hartl die prägende Figur. Er hatte als Student die Vision für einen Ort, an dem 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche gebetet wird. 2005 gründete er das Gebetshaus in Augsburg. Mittlerweile beten in einem ehemaligen Fitnessstudio mehr als 100 Freiwillige und 49 Hauptamtliche, finanziert durch Spenden und CD-Verkäufe.

An einem normalen Dienstagnachmittag beten 60 Menschen für ihr Umfeld und für Europa und geraten dabei „in religiöse Ekstase“, beschreibt Drobinski die Szenerie. Immer im Januar veranstaltet das Gebetshaus die Mehr-Konferenz mit über 10.000 Teilnehmern. Die Gebetsbewegung kann man als „Gebetshausmissionar“ unterstützen und sich vollzeitlich dem Gebet widmen und sich ihr Gehalt durch einen Spender finanzieren.

Keine fromme Sonderwelt

Auch bei Hartl seien alle Mitbeter willkommen. Dieser wünsche sich von ihnen eine „emotional entschiedene und freudige“ Glaubensfestigkeit und eine „persönliche Gottesbeziehung“. Hartl wehrt sich in dem Artikel gegen den Vorwurf, eine „fromme Sonderwelt“ geschaffen zu haben. Der Katholischen Kirche wirft er vor, zu viel Geld auszugeben und zu wenig zu beten und über Gott zu reden.

Viele der Mitarbeiter stammen aus evangelikalen oder katholisch-charismatischen Gemeinschaften. Einige sagen, dass sie im Gebetshaus „ihren Traum leben“ können, andere finden dort „Erfüllung, Leben, Sinn, Spaß“. Genau wie das Raumschiff Ruhr in Essen setzen sie auf die Beteiligung der Menschen, die kommen. Im Vorjahr hatte eine Studie herausgefunden, dass sich die Zahl der Kirchenmitglieder der beiden großen Kirchen bis 2060 halbiert. Die drei vorgestellten Gemeinden und Initiativen wachsen gegen den Trend: mit ganz unterschiedlichen Ansätzen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

]]>
Fri, 03 Jan 2020 15:02:00 +0100
<![CDATA[Jamie Foxx: Jeden Tag „Kirche, Kirche, Kirche“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/01/03/jamie-foxx-jeden-tag-kirche-kirche-kirche/ Bryan Stevenson kämpfte im US-Bundesstaat Alabama für arme, schwarze Angeklagte, die aufgrund ihrer Hautfarbe oft zu Unrecht und vorschnell angeklagt wurden. Der Aktivist initiierte zudem den Bau des Nationaldenkmals für Frieden und Gerechtigkeit in Montgomery (Alabama). Es soll an die 4.400 Lynchmorde erinnern, die in der Zeit zwischen 1877 und 1950 in den Südstaaten an Schwarzen verübt wurden. Das Denkmal wurde 2018 errichtet und besteht aus über 800 Stahlquadern. Heute arbeitet Stevenson als Professor an der New York University School of Law.

An seine Arbeit als Anwalt erinnert nun ein Spielfilm, der am 10. Januar 2020 in den USA in die Kinos kommt. In Deutschland ist der Kinostart am 30. Januar. Der Film behandelt auch den christlichen Hintergrund Stevensons, der in einer Familie aufwuchs, die regelmäßig in eine Episkopal-Kirche ging. Er sang im Kirchenchor und spielte in der Gemeinde Klavier. Als er 16 Jahre alt war, wurde sein Großvater bei einem Raubüberfall erstochen. Stevenson sagte damals an die Mörder gerichtet: „Ich komme aus einer Welt, in der Erlösung wichtiger als Rache ist.“ Gegenüber dem amerikanischen Magazin Christian Post sagte Stevenson einmal, sein Einsatz für die Entrechteten sei seinem Glauben geschuldet. Ihm sei besonders die Bibelstelle Micha 6,8 wichtig, wo es heißt: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

„Ich wuchs quasi in der Kirche auf“

Der Film „Just Mercy“ zeigt Stevensons Kampf für Gerechtigkeit. Die Hauptrolle übernimmt darin der Schauspieler Michael B. Jordan („Creed: Rocky’s Legacy“, 2015). Außerdem zu sehen: Brie Larson („Raum“, 2015). Einen der Angeklagten spielt Jamie Foxx, bekannt für seine Rolle als Ray Charles im Film „Ray“ (2004) und als Sklave in „Django Unchained“ (2012). Für seine Darstellung in „Collateral“ wurde Foxx für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert, für „Ray“ gewann er den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Foxx spielt Walter McMillian, der im Jahr 1987 wegen eines Mordes an einer 18-Jährigen zum Tode angeklagt und von Stevenson vor Gericht verteidigt wurde. Im Interview mit der Christian Post sagte Foxx, er selbst sei christlich erzogen worden. Der Gottesdienstbesuch habe fest zu seinem Leben dazu gehört, sagte der Schauspieler, der als Baby adoptiert wurde. Foxx, der in Texas aufwuchs und wie Stevenson in der Gemeinde Klavier spielte, sagte, er sei nicht nur jeden Sonntag zur Kirche gegangen, sondern auch an vielen anderen Tagen. „Ich wuchs quasi in der Kirche auf. Kirche jeden Tag. Kirche, Kirche, Kirche“, so Foxx.

„Regenschirm-Christentum“ seiner Großmutter

Ihm sei aber aufgefallen, dass viele der Kirchgänger unter der Woche nicht den selben Eifer im Glauben aufgebracht hätten und nicht mehr so freundlich waren, wie Jesus selbst es an den Tag gelegt habe. Er fand es seltsam, dass manche derer, die in die Kirche gingen, ihn trotzdem schlecht behandelten. „Es waren Menschen, die uns die Bibel lehrten, aber sie nannten mich Nigga.“ Ihm sei klar gewesen: „Da stimmt etwas nicht. Wenn es einen Himmel gibt, werde ich mit denen bestimmt nicht abhängen.“

Vor allem seine Großmutter habe ihn gelehrt, was in der Bibel steht sowie, dass man freundlich zu Menschen sein müsse, auch wenn man deren Meinung nicht teile. Foxx erinnert sich: „In einer Predigt sagte der Pastor einmal, dass Gott Homosexuelle nicht mag, denn er habe Adam und Eva als Paar erschaffen. Meine Großmutter stand und und sagte: ‚Hör auf damit. Gott hat auch Schwule gemacht.‘“ Von ihr habe er eine Art „Regenschirm-Christentum“ gelernt. Das bedeute, dass darunter eigentlich jeder Mensch auf diesem Planeten Platz haben sollte. Seine Vision sei es, selbst einmal in seinem Haus Gottesdienst abzuhalten mit Menschen aller möglichen Abstammungen. „Ob schwarz, ob weiß oder hispanisch, alle kommen in der Kirche zusammen“, sagte Foxx. Er habe ein Problem mit einer Kirche, in der Menschen das Christentum dazu missbrauchten, sich von anderen abzugrenzen.

Foxx gefällt an dem Film „Just Mercy“, dass er vom Kampf für „die Geringsten unter ihnen“ handele, also von unschuldigen Menschen ohne Lobby. „Es ist ein notwendiger Film, der hoffentlich dazu beiträgt, dass Mauern der Vorurteile und des Rassismus niedergerissen werden“, sagte der Schauspieler. „Es ist einer der wichtigsten Filme, in denen ich bisher mitgespielt habe“, fügte er hinzu.

Von: Jörn Schumacher

]]>
Fri, 03 Jan 2020 13:48:00 +0100