Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Fri, 16 Nov 2018 03:01:26 +0100 <![CDATA[Wenn Atheisten nerven]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/15/wenn-atheisten-nerven/ Berichtet er auf einer Party, dass er ein Journalist sei, der über Religion, Kirche und Katholizismus schreibe, „entgleisen in der Regel die Gesichtszüge der Umstehenden, und ich werde als enttarnter Gläubiger auf Kreuz und Rosenkranz gescannt“, schreibt Raoul Löbbert unter der Überschrift „Atheisten nerven“ in der Wochenzeitung Die Zeit.

Laut dem Marktforschungsnetzwerk WIN-Gallup stehe Deutschland mittlerweile auf Platz sechs der atheistischsten Länder der Erde, gleich hinter Südkorea und vor den Niederlanden. In Berlin etwa gehöre der Atheismus zur „weltanschaulichen Grundausstattung des Bürgertums unter 40“, schreibt der Autor. Daher müsse er nun einmal als Christ mit der Gleichgültigkeit oder dem Befremden der anderen leben.

„Nervig bis unerträglich“ werde der Atheismus allerdings, wenn er nach einer Grundsatzdiskussion über Sinn und Unsinn von Religion verlange. „Irgendein bekennender Heide fühlt sich durch meine bloße Existenz persönlich beleidigt und schmeißt mir ein ‚Religion lässt sich heilen‘ oder ‚Katholizismus ist alimentierter Kindesmissbrauch‘ an den Kopf“, schreibt Löbbert. Auf einmal sehe die Partygesellschaft in ihm „das personifizierte Mittelalter“.

Moderne Atheisten wollen gar nicht diskutieren

Dabei sei der Atheismus doch längst auf dem Durchmarsch, wundert er sich. „Es wirkt so, als prügelten sie auf einen Toten ein.“ Bei Artikeln über den Papst müllten Atheisten die Kommentarspalten „voll mit ihrem Kirchenhass“. Sie beleidigten einen in Blogs oder auf Facebook.

Dabei habe man früher mit „Kulturatheisten“ immerhin noch diskutieren können. „Weil sie neugierig waren und dieselben Fragen stellten. Gibt es ein Leben nach dem Tod? Worauf kann man hoffen in dieser Welt?“ Der „moderne Heide“ hingegen wolle nicht diskutieren, Wissen sei ihm „schnuppe“. Löbbert notiert: „Es genügt ihm, die eigene Ignoranz bestätigt zu sehen.“ Der moderne Atheist mime den Ratio-Übermenschen nur, er interessiere sich nicht für philosophische Theorien und Beweise. Und weiter schreibt der Journalist: „Der moderne Atheist hat sich in seiner spirituellen Unbehaustheit derart häuslich eingerichtet, dass er keiner weiteren Hoffnung bedarf.“

Dabei ist sich der Autor sicher, dass jeder Mensch an einen Punkt im Leben stoßen könne, wo Hoffnung bitter nötig sei. Dann ergehe es einem vielleicht wie dem Skandal-Schriftsteller Michel Houellebecq oder dem amerikanischen Astronomen Allan Sandage, die die meiste Zeit ihres Lebens Religion abgelehnt hatten, nach Wendungen im Leben jedoch doch viel über die Gottesfrage nachdächten. „Irgendwann stellt sich doch die große Frage nach dem Sinn. Weil man in die Jahre kommt. Weil Verwandte sterben oder Freunde. Den selbstbewusstesten Heiden kann es dann auf einmal nach Trost gelüsten.“

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 15 Nov 2018 16:17:00 +0100
<![CDATA[Sexueller Missbrauch – nicht nur ein katholisches Problem]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/11/15/sexueller-missbrauch-nicht-nur-ein-katholisches-problem/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Einer meiner Nachbarn berichtete mir kürzlich, er wolle aus der (katholischen) Kirche austreten. Seine Mitgliedschaft bestand ohnehin nur auf dem Papier. So war er erstaunt, dass er sich bei der Stadtbehörde abmelden musste, nicht bei „seinem“ Pfarrer, denn dem wollte er gern persönlich erklären, dass er nicht wegen der Missbrauchsvorfälle an sich austreten wolle, sondern wegen der systematischen Vertuschung und zögerlichen Aufarbeitung der Kirche. Während die Römisch-Katholische Kirche von zu lange verheimlichten Missbrauchsfällen heftig erschüttert wird und die Verantwortlichen mühsam um die Wiederherstellung verlorengegangenen Vertrauens werben müssen, stehen wir Evangelischen nicht besser da. Der Unterschied besteht laut dem EKD-Ratsvorsitzenden in „systemisch bedingten Risikofaktoren“.

Sobald mindestens zwei Menschen miteinander zu tun haben, lauert das Risiko eines Übergriffs, besonders wenn beide in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Risiken entstehen immer, wenn die Intimsphäre Schutzbefohlener nicht sorgfältig respektiert wird. Wir sind alle geschlechtliche Wesen und stehen immer in der Gefahr eines in Gedanken durchgespielten, verbalen oder handfesten Übergriffs.

Bekennen und um Vergebung bitten

Korntal und Ahrensburg, protestantische Tatorte des Missbrauchs, sind nur geographische Marker einer tieferliegenden Not. Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche, sagte: „Eine Kirche, die solcher Gewalt nicht wehrt, ist keine Kirche mehr.“ Dass es sich in der landeskirchlichen Brüdergemeinde Korntal um ein pietistisches Diakoniewerk handelt, ist schon schwer verdaulich. Dass da versteckt, gedeckt und geschwiegen wurde, kam erst ans Licht, als die Opfer den Weg in die Öffentlichkeit wagten. Erst als Details durchsickerten, wurde der Fall an eine unabhängige Gutachter-Instanz übergeben. Die liegt nun vor. Sexueller Missbrauch sei „systematisch möglich“ gewesen.

81 Täter konnten identifiziert werden: Erzieherinnen, Heimleiter, Ärzte, Hausmeister. Auch zahlreiche Fälle von sexueller Gewalt wurden dokumentiert, die von verbaler Belästigung bis hin zu Vergewaltigungen reichen. Die Erkenntnisse fußen auf Akten und Interviews, die mit insgesamt 105 ehemaligen Heimkindern geführt wurden. Und da geht es um scheinbar ganz normale ehrenwerte Menschen, bekennende Christen, um den selbstlosen Einsatz des diakonischen Personals. Die meisten leben nicht mehr, insofern ist nicht mit strafrechtlicher Aufarbeitung zu rechnen. Der Leiter der Brüdergemeinde Korntal bekennt: „Das Verhalten damals war falsch und entspricht nicht unserem christlichen Verständnis. Wir bitten ehrlich und von Herzen um Entschuldigung.“

Im Licht wandeln

Und wir, die wir uns empört abwenden? Wir kehren verbal vor unserer eigenen Haustür, aber was in der Phantasie und in der Tat hinter der Fassade passiert, das soll nicht ans Licht kommen. Aus Sorge um den Täter, aus Sorge um seine Angehörigen wird zugedeckt, statt aufzudecken. Wir haben in der christlichen Jugendarbeit derart hohe sexualethische Standards errichtet, so viele Vorgaben für das, was uns eigentlich gar nichts angeht, nämlich das Intimleben der uns Anvertrauten, dass uns diese Anfälligkeit zum Missbrauch verunsichert und verstört.

Bei der kritischen Aufarbeitung der NS-Zeit ist in manchen pietistischen Werken auch zu lange höflich geschwiegen worden. Aus Respekt – vor den Tätern, nicht vor den Opfern. Erst als die letzten Täter tot waren, wurde mit der Vergangenheit aufgeräumt und öffentliche Schuldbekenntnisse statuiert.

Die Hebron-Diakonissen in meiner Marburger Nachbarschaft haben vor Jahren ein sehr schönes Beispiel gegeben, indem sie ehemalige Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu einer versöhnlichen Begegnung eingeladen haben.

Zurück zu meinem Nachbarn. Er hat innerhalb von zwei Tagen einen verständnisvollen und demütigen Brief des zuständigen Priesters erhalten. Ich durfte ihn lesen. Ein beispielhafter Vorgang jenseits aller Schönschreiberei. „Wandel im Licht“ nennt das der Autor des ersten Johannesbriefes.

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Thu, 15 Nov 2018 15:43:00 +0100
<![CDATA[Verbreitung von „Fake News“ über WhatsApp hat drastische Konsequenzen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/11/15/verbreitung-von-fake-news-ueber-whatsapp-hat-drastische-konsequenzen/ Wenn Nutzer über WhatsApp „Fake News“ verbreiten, kann das heftige Auswirkungen haben. Eine Studie des britischen Fernsehsenders BBC hat untersucht, was passiert, wenn Nutzer mutwillig Falschnachrichten in sozialen Netzwerken und Messengern verbreiten, ohne die Nachrichten zu verifizieren.

Laut BBC verloren in Indien Menschen dabei bereits ihr Leben. Dorfbewohner haben zwei fremde Männer gelyncht, weil sie sie fälschlicherweise für Kindesentführer hielten. Insgesamt gab es in dem asiatischen Land mehrere solcher Vorfälle. Gerüchte dieser Art kursieren in Indien häufig auf WhatsApp. „Fake News“ lassen sich dort im Gegensatz zu Facebook schwer untersuchen, weil die Nachrichten verschlüsselt und daher öffentlich nicht zugänglich sind.

Dies hat Auswirkungen, die wohl sehr lange unterschätzt wurden. Wie die Nachrichtenseite Heise meldet, hat die Analyse „Beyond Fake News“ ergeben, dass Fake News auf WhatsApp gerade deshalb so glaubwürdig erscheinen, weil sie von Bekannten oder sogar Familienmitgliedern verbreitet werden.

Rechte Netzwerke gehen deutlich organisierter vor

Indien hat etwa 200 Millionen WhatsApp-Nutzer. Dort stehe vor allem der Nationalismus als eine treibende Kraft hinter der Verbreitung von „Fake News“. Geringe Preise für Handys und erschwingliche Datentarife gewährten viel mehr Menschen Zugriff auf soziale Netzwerke als früher. Vor allem rechte Netzwerke gingen dabei deutlich organisierter vor und wiesen Überlappungen mit Netzwerken bestehend aus Anhängern von Premierminister Narendra Modi auf.

Die Auswertung ergab, dass in Kenia besonders viele Betrügereien rund um Finanzen und Technologie verbreitet wurden. In Nigeria waren es vor allem Falschmeldungen in Zusammenhang mit Terrorismus und der Armee. Statt Links zu Webseiten werden auf WhatsApp insbesondere Bilder mit Text oder Screenshots geteilt, deren Quelle noch nicht einmal klar ist. Das macht die Falschnachrichten besonders gefährlich.

Beiträge von Freunden und Familien ungeprüft weitergeleitet

Die BBC hatte die Studienteilnehmer begleitend befragt. Viele Teilnehmer waren sich sicher, dass sie „Fake News“ sicher erkennen können. Viele misstrauten auch etablierten Medien und verbreiteten „alternative Quellen“, im falschen Glauben, die „wahre Geschichte“ kundzutun. Oft hatten die Teilnehmer gar nicht versucht, Originalquellen auszumachen. Familie und Freunde schätzten sie als glaubwürdig genug ein, „um deren Beiträge ungeprüft weiterzuleiten“.

Heise schreibt, dass es in der aktuellen Version von WhatsApp bereits den Hinweis gebe, wenn eine Nachricht weitergeleitet wurde. Aus BBC-Sicht habe dies keine Auswirkungen: „Dem Nutzer sei es egal, ob die Nachricht weitergeleitet ist oder nicht – solange der Chat-Partner als vertrauenswürdig empfunden wird.“ Um die Probleme – nicht nur in Indien – zu beheben, will das Mutter-Unternehmen Facebook künftig 20 Forscherteams unterstützen, die nach Lösungsansätzen suchen. Für Indien und 18 weitere Länder steht dafür eine Million Dollar zur Verfügung.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 15 Nov 2018 15:38:00 +0100
<![CDATA[Frühe Jesus-Abbildungen in Wüste Negev entdeckt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/11/15/fruehe-jesus-abbildungen-in-wueste-negev-entdeckt/ „Plötzlich sah ich ein Auge. Und dann erschien Jesu Gesicht.“ Die Szene klingt wie eine wundersame Bekehrung zum Christentum. Doch handelt es sich um eine archäologische Entdeckung in Schivta, im Süden Israels.

Die „wundersame Erleuchtung“ kam der Kunsthistorikerin Emma Ma'ajan-Fanar, als sie die Apsis von einer der drei alten Kirchen in Schivta genauer untersuchte. „Sein Gesicht steht genau da und schaut uns an“, sagte sie, als sie das Wandbild ein Jahrhundert nach der Entdeckung und Freilegung des Kirchengebäudes bemerkte.

Schivta liegt im Herzen des Negev, etwa 40 Kilometer südwestlich von Be'er Scheva. Das Dorf wurde im 2. Jahrhundert vor Christus gegründet und überlebte etwa 650 Jahre. In der frühislamischen Zeit wurde Schivta verlassen.

Kaum Jesus-Abbildungen aus dem alten Israel

Das erste stark erodierte Gemälde von Jesus in Schivta war in der südlichsten Kirche bemerkt worden. Es zeigte Jesu Verklärung, aber sein Gesicht überdauerte die Jahrhunderte nicht. Das zweite Bild zeigt Jesu Taufe und sein Gesicht.

Die Evangelien beschreiben nicht das Aussehen Jesu. Alle Darstellungen sind spätere Künstlerimpressionen. Während Darstellungen von Jesus in alten Klöstern und Kirchen anderswo reichlich vorhanden sind, hat man im alten Israel praktisch nichts gefunden. Überhaupt haben nur wenige frühchristliche Kunstwerke im Heiligen Land überlebt.

Das neu entdeckte Gesicht aus dem Schivta des 6. Jahrhunderts zeigt Jesus mit kurzem lockigem Haar, einem langen Gesicht und einer verlängerten Nase, während im Westen Jesus meistens mit fließendem Langhaar und Bart dargestellt wurde.

Die Ruinen von Schivta wurden erstmals 1871 vom Linguisten und Entdecker Edward Henry Palmer gefunden und haben seitdem viel archäologische Aufmerksamkeit erregt. Aber die Archäologen von einst haben wohl die Wandmalereien nicht beachtet. Das jetzt bemerkte Wandbild ist stark beschädigt und weist jahrhundertelange Schmutzschichten auf. Frühere Archäologen dachten, sie hätten etwas gesehen, aber diese Sichtung wurde nie verfolgt, sagt die Kunsthistorikerin. Sie war mehrmals vor Ort und hatte es ebenfalls nicht bemerkt.

„Ich war zur richtigen Zeit da, am richtigen Ort mit dem richtigen Lichtwinkel, und plötzlich sah ich Augen“, sagt Ma'ajan-Fanar. „Es war das Gesicht Jesu bei seiner Taufe, das uns ansah.“ Ihr Mann, Dror Ma'ajan, machte hochauflösende Fotos von der Stätte. So wurde das seit über 1.500 Jahren verlorene Bild sichtbar: „Wir können ihn jetzt wirklich sehen.“

Jesu Aussehen variiert

Wie Jesus aussah, war Gegenstand von heftigen wie sinnlosen Debatten, da es keine zeitgenössischen Beschreibungen seines Aussehens gibt. Das älteste bekannte Jesusbild fand man im syrischen Dura an der Grenze zum Iran. Es wird auf die Zeit von 233 bis 256 datiert. Vor etwa 1.800 Jahren war Dura eine multikulturelle Metropole, in der Juden, Heiden und Christen alle Gotteshäuser für sich beanspruchten.

Eine Wandmalerei im Baptisterium der Dura-Europos-Kirche zeigt Jesus als den treuen Hirten, der ein Schaf auf seiner Schulter trägt, im ausgesprochen östlichen Stil. Diese Bilder überlebten, weil Mitte des 3. Jahrhunderts die Stadt zerstört wurde, aber die Wandmalereien mit Sand und Steintrümmern aufgefüllt wurden. So blieben sie erhalten. Die Schivta-Bilder entsprechen dem östlichen Stil.

Im Allgemeinen wird Jesus mit braunen Augen dargestellt, basierend auf der allgemeinen (und wahrscheinlich richtigen) Annahme, dass er ausgesehen haben muss wie die Menschen im Nahen Osten vor 2.000 Jahren. Tatsächlich war aber die Küsten-Levante von blauäugigen Menschen bevölkert. Vor etwa 6.500 Jahren kamen arische Migranten aus dem Iran und der Südtürkei. Sie vermischten sich mit den Einheimischen. Deshalb hätten Jesu Augen von blau über haselnussgrün bis braun sein können.

Was sein Haar betrifft, so ist sein Stil in der christlichen Kunst eine Frage von Zeit und Ort – und das unter der Annahme, dass er kein Kahlkopf war. In den ersten Jahrhunderten des Christentums wurde Jesus auf vielfältige Weise dargestellt: mit kurzen Haaren, langen Haaren, bärtig oder rasiert. Es gab kein Konsensbild. Zum Beispiel zeigen Katakomben in Rom aus dem 4. Jahrhundert Jesus mit kurzen Haaren. So auch die Bilder Jesu, wie sie koptische Christen in Ägypten und frühe Byzantiner in Syrien gezeichnet hatten. Im 6. Jahrhundert wurde Jesus im Westen mit langen Haaren und Bart gezeichnet, während er im Osten noch einige Zeit kurze Haare trug.

Weitere Figuren entdeckt

Die Fotos der Apsis von Schivta seien für Laien nicht sehr hilfreich, merkte Ma'ajan-Fanar weiter an. Die Wandgemälde müssten restauriert werden, was Zeit und viel Geld benötige. In der Zwischenzeit könne man in der Apsis stehen und Verfärbungen sowie rote Linien sehen. Die Hightech-Fotografie half, in der Antike gezeichnete Gesichtszüge zu zeigen und zwei weitere Figuren zu erkennen.

Eine Figur wurde als Johannes der Täufer interpretiert. Er ist groß gezeichnet, während der junge Jesus kleiner dargestellt ist, wie in der byzantinischen Kunst üblich. Das Wandbild befand sich im Baptisterium, nahe dem Taufbecken, was diese Interpretation nahelegt. Die genaue Datierung der Kirchen in Schivta und die Wandmalereien bedarf noch einer Bestätigung.

Das zweite Bild von Jesus in Schivta wurde vor einem Jahr bemerkt. Es ist außergewöhnlich, weil es die „Verklärung“ Jesu zeigt, göttlich strahlend, beim Besteigen des Berges Tabor (alias Kfar Tavor). Bis zum vergangenen Jahr waren nur zwei Darstellungen seiner Verklärung bekannt: Eine im italienischen Ravenna und die andere im Katharinenkloster auf dem Sinai. Dann, im vergangenen Jahr, wurde ausgerechnet in Schivta ein drittes Bild gefunden. Ma'ajan-Fanar meint, dass die frühchristlichen Künstler diese Szene durchaus aufgegriffen hätten, doch die Bilder hätten nicht überlebt.

Nähe von Moschee und Kirche kein Ausdruck von Toleranz

Aus der islamischen Zeit stammt eine Moschee nahe der südlichen Kirche. Einige betrachten ihre Nähe als Beweis für religiöses Zusammenleben und Toleranz. Tepper hält das für eine „sentimentale Interpretation“. Denn die Moschee sei vermutlich errichtet worden, nachdem die Kirche schon verlassen war. „Es gibt undatierte arabische Graffiti in der nördlichen Kirche", sagt Tepper. Arabische Graffiti wurden auch in anderen alten Kirchen im Negev gefunden. Sie beweisen nicht unbedingt ein gutes Zusammenleben.

Die gesamte Anlage erlebte im späten 8. oder frühen 9. Jahrhundert ihren Untergang, durch Erdbeben oder andere Naturkatastrophen. Übrig blieben nur Ruinen und zwei verwitterte Gemälde von Jesus.

Möglicherweise gibt es noch weitere Bilder, aber die müssten erst noch entdeckt werden. Tatsache ist, dass die Jesus-Abbildungen ein halbes Jahrhundert lang nicht ausgemacht worden sind, obgleich sie nach der Freilegung der Kirchenreste zugänglich waren. Erst mit Spezialkameras wurden die verwitterten Striche und Farben wieder sichtbar.

Von: Ulrich W. Sahm

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Thu, 15 Nov 2018 12:13:00 +0100
<![CDATA[EKD investiert in Digitalisierung, Jugend und Missbrauchsaufarbeitung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/14/ekd-investiert-in-digitalisierung-jugend-und-missbrauchsaufarbeitung/ Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat am Mittwoch einstimmig den Maßnahmenkatalog „Kirche im digitalen Wandel“ angenommen. Dieser stellt dem Rat der EKD 2,2 Millionen Euro für das Haushaltsjahr 2019 zur Verfügung. Unter anderem haben die Synodalen bei ihrer Tagung in Würzburg dazu einen Innovationsfonds mit rund einer Million Euro ausgestattet.

Ziel soll es sein, im digitalen Bereich „ethisch verantwortlich zu gestalten, um nicht gestaltet zu werden“. Dazu richtet die Kirche unter anderem drei Stellen ein. Eine unbefristete, zentrale Vernetzungsstelle soll die Verantwortung für den Gesamtprozess verantworten. Diese wird ergänzt um zwei befristete Stellen, die den Bereichen „Theologie und Ethik" und „Prozesse und Standards" zugeordnet sind. Der Innovationsfonds wird neue Projekte und Ideen fördern und soll „Erprobungsräume mit Lab-Charakter" ermöglichen. „Um digitale Entwicklung wirklich gestalten zu können, braucht es die vernetzten Vielen. Und wer ganz genau hinschaut, erkennt schnell, dass darin auch die Chance liegt, Kirche neu zu beleben“, begründete Volker Jung, Kirchenpräsident von Hessen und Nassau und Mitglied des Rates der EKD, die Einbringung vor der Synode. Die EKD zielt mit den Beschlüssen auf strategische Ziele in den Handlungsfeldern „Kommunikation und Kultur", „Prozesse und Standards" sowie „Theologie und Ethik".

Jugend soll mehr Gewicht in Gremien erhalten

Die Synode hat in Würzburg ebenfalls beschlossen, dass in den EKD-Gliedkirchen die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten junger Menschen im Alter von unter 30 Jahren in kirchlichen Gremien in Zukunft stärker in den Blick genommen werden. Dazu sollen die Landeskirchen bei einer Überarbeitung verfassungsrechtlicher und kirchengesetzlicher Grundlagen prüfen, wie sie junge Menschen für die Arbeit in Gremien der Kirchengemeinden, Kirchenkreise und auf landeskirchlicher Ebene gewinnen können. Zudem sollen die EKD-Gliedkirchen feststellen, wie jungen Menschen neben den Wahlen und der Berufungen zur Landessynode möglicherweise über einen gesonderten Zugang die Mitgliedschaft in der Landessynode – einschließlich des Stimmrechts – eröffnet werden kann. Die Landeskirchen sollen über Diskurse den jungen Menschen verbesserte Möglichkeiten zum Mitwirken schaffen und zu einer verstärkten Beteiligung in den kirchlichen Gremien durch entsprechende Beschlüsse, Impulse und Initiativen eintreten.

Eine Million Euro für Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Zudem hat die Synode auf ihrer Tagung beschlossen, die Maßnahmen zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der EKD deutlich auszuweiten und einem Elf-Punkte-Handlungsplan einstimmig zugestimmt, der unter anderem eine Studie über das Dunkelfeld sowie eine unabhängige zentrale Ansprechstelle vorsieht. Am Mittwoch erklärte die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer: „Das ist eine hohe Selbstverpflichtung.“ Der Beschluss zeige auch, dass ein sehr starker Wille vorhanden sei, sich diesem Thema zu stellen. Die Synode stelle sich damit, „dem Leid und dem Schmerz derer, die im Raum der evangelischen Kirche und der Diakonie sexualisierte Gewalt und Missbrauch erlitten haben“ und bekennt „gegenüber allen Betroffenen die Schuld der ganzen Institution“.

Bei der Einbringung des Antrages hatte Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, unterstrichen, dass bereits seit 2010 Kirche und Diakonie Maßnahmen der Prävention, Intervention und Hilfe ergriffen hätten mit dem Ziel, „sich mit dem Leid der Betroffenen auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Verfehlung der Institution zu übernehmen“. Für die die Arbeit des Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt stellt die Synode nach eigenen Angaben 1,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Am letzten Tag hat die Synode auch einstimmig der Haushalt der EKD für 2019 verabschiedet. Der sieht insgesamt Ausgaben in Höhe von 218 Millionen Euro vor. Wichtigste Finanzierungsquelle der EKD ist nach eigenen Angaben die sogenannte allgemeine Umlage der Landeskirchen. Sie soll für kommendes Jahr um rund vier Prozent auf 94,5 Millionen Euro (2018: 90,8 Millionen Euro) steigen.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 14 Nov 2018 17:48:00 +0100
<![CDATA[Mit Smartphone und YouTube Glaubensthemen vermitteln]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/11/14/mit-smartphone-und-youtube-glaubensthemen-vermitteln/ Mit dem „YoungClip Award“ möchte die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Jugendliche zur sinnvollen Nutzung ihrer Smartphones bewegen. Sie will mit Hilfe des Wettbewerbs junge Menschen im Alter von 13 bis 19 Jahren „motivieren, sich mit Lebens- und Glaubensthemen zu beschäftigen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Teilnehmern stehe es frei, allein oder in kleinen Teams mitzumachen, wie zum Beispiel als Konfirmandengruppe. Ab März 2019 haben Teenager die Möglichkeit, mit einem kurzen Clip ihre Gedanken zum Thema Liebe, Leben, Glauben festzuhalten.

Bekannte YouTuber wie Markus Schneider, Jana Highholder, Christoph Schacht und Mirko Drotschmann begleiten das Projekt. Sie werden als Mentoren und Fachjury agieren. Aber auch Medienvertreter der Kirche, Videoexperten und Medienpädagogen konnte die EKHN für das Projekt gewinnen.

Jeden Monat wird ein neues Thema vorgegeben, welches die Teilnehmern kreativ bearbeitet können. Gegenstand sollen Erfahrungen und Probleme sein, die nah am Leben der Jugendlichen sind. So geht es im April um nervige Eltern, einen Monat später um die berufliche Zukunft.

Entstandene Projekte sollen nachhaltig sein

Die jeweiligen Monatsgewinner dürfen am „YoungClip Sommercamp“ 2020 teilnehmen. Dort werden sie ein ganzes Wochenende rund um das Thema Social Media und Video geschult und können sich mit den Mentoren austauschen. Höhepunkt des Wochenendes soll die Verleihung des „YoungClip Awards“ unter allen Monatsgewinnern sein. Die Veranstaltung findet in der Frankfurter Jugendkirche St. Peter statt. Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN, zeigt sich begeistert von den Plänen. Er bezeichnet den Preis als „spannendes Digitalprojekt der Kirche“ und begrüßt die Idee, Jugendlichen „einen eigenen Raum zum Experimentieren“ zu bieten.

Um einen weiteren Anreiz zum Mitmachen zu schaffen, werden die Videos der Teilnehmer auf YouTube veröffentlicht. So könne neben der Fachjury auch ein breites Publikum für die besten Videos abstimmen. Außerdem, so der Plan der EKHN, seien die Filmchen für Interessierte langfristig auffindbar. Man erhoffe sich weiterhin eine Nutzung der Videos in Jugendgottesdiensten oder im Konfirmandenunterricht. Auch sollen Unterrichtseinheiten mit dem Religionspädagogischen Institut und dem Medienhaus erarbeitet werden.

Hintergrund des „YoungClip Award“ sei neben der Heranführung von Jugendlichen an das Thema Glauben auch die Einladung an Pfarrer, Pädagogen und Jugendleiter, „jugendrelevante Themen [...] über das Medium Video umzusetzen“.

Von: Martin Schlorke

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Wed, 14 Nov 2018 17:11:00 +0100
<![CDATA[Forscher: Prominente beeinflussen Meinung zur Evolutionstheorie]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/14/forscher-prominente-beeinflussen-meinung-zur-evolutionstheorie/ Eine Gruppe von Forschern der Nipissing University in der kanadischen Provinz Ontario wollten herausfinden, inwiefern Menschen die Evolutionstheorie ablehnen, befürworten oder neutral einschätzen, wenn eine entsprechende Meinung zuvor von einem Prominenten, und anschließend von einem Biologie-Experten geäußert wurde.

Die Evolutionstheorie werde unter Wissenschaftlern kaum noch angezweifelt, erklären die Autoren der Studie. Eine Umfrage des PEW-Meinungsforschungsinstitutes von 2015 habe gezeigt, dass 98 Prozent der Wissenschaftler diese Theorie zur Entwicklung des Lebens für richtig halten. Im breiten Volk jedoch seien nur 65 Prozent der Amerikaner davon überzeugt, dass die Evolutionstheorie stimmt. Bei den Kanadiern waren es 61 Prozent, und ähnlich verhielt es sich bei Briten und Australiern.

Chuck Norris: Gott hat das Leben geschaffen

Immer wieder gäben Prominente ihre Meinung zur darwinschen Theorie von der Entstehung der Arten kund, schreiben die Autoren der Studie. Die amerikanische Sängerin Miley Cyrus etwa hatte 2012 bei Twitter eine Äußerung des atheistischen Wissenschaftlers Lawrence Krauss zur Entstehung des Lebens ausgehend vom Staub von Sternen gepostet. Sie schrieb: „Wie können Menschen so einfach die Liebe aus der Wissenschaft entfernen und Hass in die Religion bringen?“ Der Kommentar sei 4.500 Mal geteilt worden. „Manche von Prominenten gemachten Äußerungen lassen eine Akzeptanz grundlegender Fakten zur menschlichen Evolution vermissen“, prangern die Autoren an.

Auch der amerikanische Schauspieler Kirk Cameron habe im Fernsehen gesagt, dass es keine Fossilien gebe, die einen Übergang zwischen den Arten zeigen könnten. Der Schauspieler Chuck Norris habe im Jahr 2006 geschrieben: „Die Evolution hat nicht stattgefunden. Das Leben auf diesem Planeten gehört zu den Dingen, die Gott erschaffen hat. Wir sind kein Produkt des Zufalls.“ Der kanadische Popsänger Justin Bieber habe 2015 in einem Interview mitgeteilt, dass er die Schöpfung der Welt durch einen Schöpfergott für plausibler halte als den Zufall. Bieber sagte: „Man stelle sich vor, man steckt ein wenig Gold in eine Kiste, schüttelt sie, und heraus kommt eine Rolex. Es ist absurd, wenn Leute so etwas behaupten.“

Prominente Meinung zählt

Wenn viele Menschen in der Bevölkerung Zweifel an der Evolutionstheorie haben, seien sie eventuell nicht durch eigenes Nachdenken dazu gekommen, sondern durch Beeinflussung durch Prominente, lautet die These der kanadischen Forscher. Sie führten deshalb vier Experimente durch. Studenten sollten einen von drei fiktiven Magazin-Artikeln lesen, in dem ein Buch empfohlen wurde. Ein fiktives Buch trug den Titel „Warum die Evolution wahr ist“ und enthielt Argumente für die Evolutionstheorie. Ein anderes Werk trug den Titel „Der Darwin-Mythos: Das Leben und die Lügen von Charles Darwin“, und darin wurden die Argumente von Evolutionsbiologen kritisiert. Ein drittes Buch hieß „Das Licht, das wir nicht sehen können“ und handelte nicht von Evolution, sondern vom Zweiten Weltkrieg.

Man sagte den ersten Versuchsteilnehmern, der Autor des Artikels sei der bekannte amerikanische Schauspieler George Clooney. Einer anderen Gruppe sagte man, es handele sich um einen Biologie-Professor namens George Rooney. Das Ergebnis war, dass die Skepsis gegenüber der Evolutionstheorie bei religiös eingestellten Studenten weiter verbreitet war. Aber vor allem ergab die Studie, dass der prominente Autor mehr Einfluss auf die Meinung der Studenten hatte als der Biologie-Professor.

Die Forscher wiederholten den Versuch mit zufällig in Einkaufszentren und Bibliotheken ausgewählten Versuchspersonen jeden Alters. Das Ergebnis war das gleiche wie bei den Studenten. In einer weiteren Studie wollte man herausfinden, ober der Einfluss mit dem Geschlecht zu tun hat. „Männer sind grundsätzlich einflussreicher als Frauen, weil ihnen meistens mehr Glaubwürdigkeit entgegengebracht wird“, zitieren die Autoren Studien anderer Forscher aus dem Jahr 2001. Außerdem werde Wissenschaft traditionell mehr mit Männern in Verbindung gebracht als mit Frauen, bemerken die Autoren. Doch das Ergebnis zeigte, dass es egal war, ob die Person, die sich zur Evolutionstheorie äußerte, männlich oder weiblich war. Die Prominenz der Person machte den größeren Unterschied aus. Auch wenn bei einem weiteren Experiment die berühmte Person weiblich war (in diesem Fall: die britische Schauspielerin Emma Watson), konnten die Forscher keinen eindeutigen Unterschied erkennen. Beide hatten ungefähr denselben Einfluss auf die Versuchspersonen.

„Die Evolution erklärt viele Prozesse, die wichtige Fortschritte auf den Gebieten Medizin, Landwirtschaft und Computerwissenschaft verursacht haben“, schreiben die Autoren. „Öffentlich gemachte Äußerungen von Prominenten gegen die Evolutionstheorie können dazu beitragen, dass die Evolution in der Öffentlichkeit weniger akzeptiert wird“, stellen die Forscher fest.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 14 Nov 2018 16:08:00 +0100
<![CDATA[RTL und Kirchen machen Show zu Zehn Geboten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2018/11/14/rtl-und-kirchen-machen-show-zu-zehn-geboten/ Der Privatsender RTL geht der Frage nach, welche Bedeutung die Zehn Gebote in der heutigen Zeit für uns haben. In „10 Gebote – 10 Geschichten: Gelten die ältesten Regeln der Welt noch?“ werden wie in einer Ranking-Show zu jedem Gebot aktuelle Geschichten erzählt, die für Schlagzeilen sorgten. Prominente aus der Politik, der Fernsehbranche und der Kirche kommentieren diese. Mit dabei sind unter anderem Gregor Gysi (Die Linke), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Moderatorin Birgit Schrowange, Schauspieler Ben Ruedinger („Unter uns“), der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, und der katholische Pater Lukas Rüdiger.

Die Gemeinschaftsproduktion von der RTL-Tochter infoNetwork und der Evangelischen und Katholischen Kirche in Deutschland will zeigen, „wie relevant die Zehn Gebote gerade in der heutigen Zeit sind“. In einer Mitteilung des Senders heißt es: „,Du sollst nicht töten‘ oder ,Du sollst Vater und Mutter ehren‘, fast jeder kennt zumindest einzelne der Zehn Gebote, die Moses im Alten Testament von Gott erhalten hat.“ Und fragt: „Können sie uns aber in Zeiten von Internet-Piraterie, der Diskussion um Ladenschlusszeiten und Sterbehilfe oder den schon alltäglichen öffentlichen Liebesskandalen von Prominenten auch heute noch ein moralischer Leitfaden sein? Oder haben sie längst ihre Gültigkeit verloren?“

Gebot hochaktuell

Beim ersten Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ geht es etwa um Menschen in Not oder Trauer, die verführt sind, einen Guru oder Wunderheiler wie einen Gott zu verehren. Auf Kinder, die ihre bedürftigen Eltern pflegen, blicken die Macher beim vierten Gebot „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“.

In dem Beitrag über das fünfte Gebot, „Du sollst nicht töten“, geht es um das britische Baby Charlie, das nur noch Maschinen am Leben hielten. Die Ärzte sahen keine Hoffnung auf Heilung und rieten den Eltern, die Geräte abzuschalten – doch das wollten Connie und Chris nicht. Es kam zum Prozess. Die Geräte müssen ausgeschaltet werden, entschieden die Richter schließlich.

„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib“ – „Das Gebot mag verstaubt wirken, doch wenn man es unter dem Aspekt der #metoo-Debatte betrachtet, wird es plötzlich hochaktuell“, erklärt RTL. Laut einer aktuellen Studie sei jede dritte Frau in Deutschland von sexueller Belästigung oder Machtmissbrauch am Arbeitsplatz betroffen. „Eigentlich sollten Frauen heutzutage den Schutz durch ein 3.000 Jahre altes Gebot nicht mehr nötig haben. Doch der Fall des amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein, der die Debatte auslöste, belegt die Aktualität des Gebots sehr anschaulich.“ Durch diese und weitere Geschichten will die Sendung die Zehn Gebote den Zuschauern erklären.

RTL strahlt die Doku am Sonntag, dem 2. Dezember, um 23.30 Uhr aus. Die Sendung läuft im Anschluss an den RTL-Jahresrückblick.

Von: Martina Blatt

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Wed, 14 Nov 2018 16:00:00 +0100
<![CDATA[Kirchenasyl: Protestanten wollen Gespräche mit Innenministerium]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/14/kirchenasyl-protestanten-wollen-gespraeche-mit-innenministerium/ Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland will Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zum Thema Kirchenasyl. Davon erhofft sie sich eine Lockerung der derzeitigen Regeln für Gemeinden und Asylsuchende. Das geht aus einem Beschluss vom Mittwoch hervor. Die Synode tagt derzeit in Würzburg.

So soll das Bundesamt nach dem Willen der Protestanten direkte Kontakte zu kirchlichen Ansprechpartnern suchen. Dossiers der Asylsuchenden sollen von den Behörden nicht rein formal, sondern im Einzelfall beurteilt werden und der Gesichtspunkt der besonderen humanitären Härte einbezogen werden. Die Synode wünscht sich „angemessene Fristen“ zur Begründung der besonderen Härte und betont außerdem, dass sie die Verlängerung der sogenannten Überstellungsfrist für Menschen im Kirchenasyl auf 18 Monate für rechtswidrig hält.

Hintergrund sind die strengeren Regeln für das Kirchenasyl seit Sommer dieses Jahres. Bis dahin galt eine sechsmonatige Überstellungsfrist für Migranten, die unter die Dublin-Regelung fallen. Die Überstellungsfrist ist die Zeitspanne, die dem Staat, in dem der Flüchtling eigentlich hätte Asyl beantragen müssen, bleibt, um seiner Rücknahme zuzustimmen. Tat er das nicht, ging die Zuständigkeit auf Deutschland über und der Flüchtling konnte hier regulär Asyl beantragen.

Konflikte zwischen Kirche und Behörden

Für Kirchenasylanten schuf die Innenministerkonferenz der Länder im August eine Ausnahme: Sollten die Kirchgemeinden zum Beispiel nicht innerhalb eines Monats ein Härtefalldossier zur Begründung des Kirchenasyls einreichen, verlängert sich die Abschiebungsfrist für Migranten von sechs auf 18 Monate. Damit behandeln die Behörden sie so wie einen Asylsuchenden, der untergetaucht ist. Die Betreffenden können nun also länger ohne Verfahren in die Länder zurückbeordert werden, in denen sie erstmalig nach Europa eingereist sind. Für die Kirchen bedeutet das unter anderem, das sie Schutzsuchende im Zweifel länger beherbergen.

Vorangegangen war auch ein Fall innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland, bei dem das BAMF die besondere Härte einiger von der Kirche vorgebrachter Fälle in Frage stellte und den Anstoß zu Ermittlungsverfahren gegen Pfarrer und Flüchtlinge gab. Das Kirchenasyl werde kriminalisiert, kritisierte daraufhin die zuständige Landeskirche.

Die Tageszeitung Die Welt hatte hingegen kurz zuvor darüber berichtet, dass sich Kirchengemeinden in Deutschland häufig nicht an rechtliche Regelungen zum Asyl hielten: In rund der Hälfte aller Fälle seien die Härtefalldossiers nicht eingereicht und den Behörden kein kirchlicher Ansprechpartner genannt worden.

Von: Anna Lutz

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Wed, 14 Nov 2018 14:20:00 +0100
<![CDATA[Israel und die Presse: Von Aktivisten und Journalisten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/11/14/israel-und-die-presse-von-aktivisten-und-journalisten/ Ron Paz ist Leiter der Abteilung für die ausländische Presse beim israelischen Pressebüro (GPO). Bei einem Besuch in den Büros der Regierungsbehörde sagt der Israeli, welchen Herausforderungen der Staat Israel bei der Berichterstattung gegenübersteht und wie seine Behörde Presse-Visa für den Gazastreifen vergibt.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 14 Nov 2018 09:17:00 +0100
<![CDATA[EKD will sexuellen Missbrauch aufarbeiten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/13/ekd-will-sexuellen-missbrauch-aufarbeiten/ Mit einer unabhängigen wissenschaftlichen Studie will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) analysieren lassen, welche speziellen Risiken für sexualisierte Gewalt es in der Evangelischen Kirche gibt. Grundlage dafür sollen Aufarbeitungsstudien der verschiedenen Landeskirchen sein. Damit dies auch in der Fläche umgesetzt wird, hat die EKD einen fünfköpfigen Beauftragtenrat gebildet, der diese Maßnahmen voranbringen soll. Darüber hinaus ist eine Studie geplant, um das Dunkelfeld von Fällen sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie auszuloten. 479 Fälle sind bei Unabhängigen Kommissionen bekannt geworden. Aber der Beauftragtenrat geht von deutlich mehr Fällen aus. Einen Zeitplan für die Studien gibt es noch nicht.

Insgesamt elf Punkte mit konkreten Maßnahmen hatte die Kirchenkonferenz und der Rat der EKD erarbeitet. Bischöfin Kirsten Fehrs, die dem Rat angehört, stellte diese Punkte der Synode vor. „Aufarbeitung heißt, sich auch emotional der Schuld zu stellen, als Institution, die in systematisch bedingter Blindheit Tätern und Täterinnen zugespielt und Opfer nicht geschützt hat“, sagte sie. Die Folgen für Betroffene von sexualisierter Gewalt seien oft lebenslänglich quälend. Der Verlust des Glaubens gehöre dabei oft zu „den grausamsten Folgen“.

Diakonie gibt eigene Studie in Auftrag

Die EKD will eine zentrale, unabhängige Anlaufstelle außerhalb der Kirche einrichten, an die sich Betroffene wenden können. „Bitte melden Sie sich“, so der ausdrückliche Appell an Betroffene, den auch Heinrich Bedford-Strohm, der Vorsitzende des Rates der EKD, bekräftigte. Für die Aufarbeitung und Prävention setzt die EKD auch auf deren Erfahrungen, um Standards und Qualitätsmerkmale dafür zu diskutieren. Die Landeskirchen sind angehalten, ebenfalls zentrale Meldestellen für Betroffene zu schaffen und eine Meldepflicht für kirchliche Mitarbeiter einzuführen, wenn sie Anzeichen wahrnehmen, dass es zu Übergriffen kommt. Zudem sei zu überprüfen, ob Seelsorger vom Beichtgeheimnis entbunden werden sollten, wenn sie von erlittener Gewalt erfahren.

Weiterhin möchte sich die EKD mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs abstimmen. Mit der Diakonie strebt die EKD ebenfalls eine Zusammenarbeit für die Aufarbeitung an. Diakonie-Präsident Ulrich Lilie hat auf der Synode seinerseits eine unabhängige Studie angekündigt.

Fehrs machte deutlich, dass Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt die Voraussetzung dafür ist, ihr vorzubeugen. „Man muss wissen, was genau passiert ist, um zu lernen, wie man genau das zukünftig verhindern kann.“ Dabei gehe es nicht nur um Konzepte, sondern „Menschen, die verstanden haben, wie ein Umfeld entsteht, in dem Grenzen missachtet werden und Täter und Täterinnen ihr System etablieren“, sagte Fehrs.

„Eine Kirche, die sich solcher Gewalt nicht wehrt, ist keine Kirche mehr“, betonte die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Christen seien durch dieses Thema in ihrem Grundverständnis herausgefordert. „Es ist eindeutig: Wir haben uns gegenüber Menschen, die sich uns anvertraut haben, schuldig gemacht.“

„Existenzielles Thema“

Für die Einbringung zur Verantwortung und Aufarbeitung bei sexualisierter Gewalt in der Evangelischen Kirche gab es stehenden Applaus von der Synode. In zahlreichen Wortmeldungen bekundeten Synodale „abgrundtiefe Scham für meine Kirche“. Henning von Wedel, Synodaler aus der Nordkirche, in der es auch zu Missbrauchsfällen kam, betonte: „Der Skandal ist, wie wir als Kirche damit umgegangen sind. Es haben sehr viele davon gewusst. Wir dürfen die Verantwortung nicht auf andere schieben. Der jeweilige Kirchenvorstand, Propst, Personalreferent ist zuständig.“

Am Dienstagabend wird der zuständige Ausschuss das Thema beraten, bevor die Synode am Mittwoch einen Beschluss dazu fasst. Die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, sagte vor Journalisten: „Die Synodalen stellen sich der Schuld, die die Kirche auf sich geladen hat.“ Das Thema der sexualisierten Gewalt berühre die Kirche existenziell. Sie gestand außerdem ein, dass es besser gewesen wäre, wenn sich das Kirchenparlament früher damit befasst hätte.

Von: Jonathan Steinert

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Tue, 13 Nov 2018 15:55:00 +0100
<![CDATA[In bester Verfassung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/13/in-bester-verfassung/ Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg prägte gesellschaftliche Umwälzungen. Die Menschen fragten, wie es mit ihnen und ihrem Land weitergehen sollte. Vier Jahre nach dem Ende des Kriegs trat 1949 das Grundgesetz in Kraft. Die Wanderausstellung „In bester Verfassung“ nimmt das Vertragswerk unter die Lupe und macht trockene Gesetzestexte erlebbar.

Kurator der Wanderausstellung ist Tim Behrensmeier. Der Pastor aus der Nähe von Heilbronn ist mit 10 Prozent seiner Stelle vom Süddeutschen Gemeinschaftsverband für die Konzeption der Ausstellung beauftragt worden. Darüber hinaus hat er noch die Ausstellung „MinIsrael" entwickelt, in der die Besucher mit allen Sinnen erleben können, was sich zu biblischen Zeiten ereignet hat.

Staat auf drei Hügeln errichten

Ein roter Teppich weist den Besucher in den ersten von mehreren Räumen. Filmausschnitte führen den Besucher auf eine Zeitreise bis ins Jahr 1945. Benjamin Carstens, Pressesprecher des Bibellesebundes führt die Besucher durch die Ausstellung, die gerade bei der Organisation zu Gast ist. Er erklärt, dass die Gründerjahre der Bundesrepublik Deutschland von Krieg und Zerstörung gekennzeichnet waren. Das Land hatte zudem mit der organisierten Vernichtung der Juden eine große Schuld auf sich geladen.

Hinter dem samtschwarzen Vorhang enthüllt Carstens Bilder von drei Hügeln. Der spätere Bundespräsident Theodor Heuss (FDP) habe sich gewünscht, dass sich Deutschland und die deutsche Verfassung auf drei Hügel gründen sollten. Golgatha, der biblische Ort der Kreuzigung von Jesus Christus, die Akropolis, als Sinnbild für die griechischen Wurzeln der Demokratie, und das römische Kapitol, als Zeichen des römischen Rechstssystems.

Im guten Gleichgewicht sollte das Verhältnis von Mensch, Mitmensch und Gott stehen

Die Besucher erfahren, wie weit die Wurzeln der Menschenwürde zurückreichen – nämlich bis zu den Zehn Geboten der Bibel. Für Carstens prägen diese bis heute die freie Gesellschaft: „Die Bibel und die Zehn Gebote vermitteln, dass jeder Mensch wertvoll ist.“ Dieser Satz wird von einem Strahler an die Decke projiziert.

Eine Weltkarte zeigt mit Punkten die großen Demokratien der Welt. Auf einer weiteren Weltkarte sind die Bereiche der Welt zu sehen, in denen das Christentum vorherrscht. Beide Karten sollen zeigen, dass die Schnittmenge zwischen Demokratie und christlich geprägten Ländern groß ist. In einem weiteren Raum können die Besucher aktiv werden. Sie müssen einen an vier Schnüren befestigten Tennisball in eine Eierschale balancieren: Ein interessantes Bild, um die Balance zwischen den Gewalten Exekutive, Legislative und Judikative erfahrbar zu machen.

In die Debatten einmischen

Carstens geht dann auf wichtige Paragraphen des Grundgesetzes ein, die aktuell in der Diskussion sind. Der Schutz der Ehe, die Debatte um Waffenexporte und die Diskussion um die Abtreibung zeigten, wie wichtig es sei, dass ein Staat mit dem Grundgesetz eine solide Grundlage habe. Die Besucher lädt Carstens ein, sich in die gesellschaftlichen Debatten einzumischen. Im letzten Raum verdeutlicht Behrensmeier an einer Installation, wie sensibel die Balance zwischen Mensch, Mitmensch und Gott auf Störungen reagiert. Sobald das Dreieck mit Mensch, Mitmensch und Gott auf einer Seite belastet wird, befindet es sich nicht im Gleichgewicht.

Ausstellungsstücke gibt es auch zum Thema Menschenwürde

Behrensmeier hat sich für die Ausstellung intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Das Grundgesetz ist ein enormer Schatz, den wir haben. Den vorgegebenen Rahmen dürfen wir nutzen und dankbar gestalten“, sagt er im Gespräch mit pro. Zur Vertiefung erhält jeder Besucher noch ein Grundgesetz. Benjamin Carstens ermuntert die Besucher, sich „fröhlich für die Gesellschaft zu engagieren“ und der „Stadt Bestes" zu suchen.

Tim Behrensmeier hat interessante Ansätze gefunden, die Relevanz der Ausstellung für die heutige Zeit zu verdeutlichen. Dafür hätten noch mehr „aktive" Stationen gut getan. Trotzdem hat sie auch einige Überraschungsmomente: das Dreieck mit dem Gleichgewicht von Mensch, Mitmensch und Gott hat den bleibenden, letzten Eindruck hinterlassen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 13 Nov 2018 15:27:00 +0100
<![CDATA[Gospel-Film mit Aretha Franklin nach 46 Jahren veröffentlicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2018/11/13/gospel-film-mit-aretha-franklin-nach-46-jahren-veroeffentlicht/ Die am 16. August 2018 verstorbene Sängerin Aretha Franklin war eine der bekanntesten Gospel-Sängerinnen der Welt. Ende der 1960er Jahre gelang ihr mit „Respect“ der Aufstieg zum Megastar, sie wurde zudem ein Gesicht der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Ihr Vater war nicht nur ihr Mentor, sondern auch Pastor. Er gründete die New Bethel Baptist Church in Detroit, Michigan, und war mit Martin Luther King befreundet.

Im Jahr 1972 beauftragte das Filmstudio Warner Bros. den Filmregisseur Sydney Pollack („Tootsie“, „Eyes Wide Shut“, „Jenseits von Afrika“) damit, einen Konzertfilm über die bekannte Sängerin zu drehen. Die Dreharbeiten in der New Temple Missionary Baptist Church in Los Angeles dauerten zwei Tage. Franklin sang Lieder wie „How I Got Over”, „Precious Memories” und eine ganze elf Minuten dauernde Interpretation von „Amazing Grace”.

„Doch Sydney Pollack hat versagt“, schreibt das amerikanische Magazin The Daily Beast. Der Regisseur habe keine Filmklappen benutzt, die jedoch notwendig sind, um Ton und Bild später im Schnitt synchronisieren zu können. In all den Jahren fasste niemand das Material an. Erst im Jahr 2007, ein Jahr vor Pollacks Tod, kaufte der Musikproduzent Alan Elliott das Rohmaterial von Warner Bros. Denn er wollte den Film bearbeiten und veröffentlichen. Dank Digital-Technik war es mittlerweile einfacher geworden, das Material zu bearbeiten.

„Gänsehaut“

Aretha Franklin selbst versuchte zeit ihres Lebens die Veröffentlichung des Films zu verhindern. Im Jahr 2011 erklärte sie, der Film wolle ihre Popularität ohne ihr Einverständnis ausnutzen. Im Jahr 2015 vereitelte sie über ihre Anwälte die Aufführung auf dem „Telluride and Toronto International Film Festival“.

Dies löste Spekulationen darüber aus, ob Franklin etwas verbergen wolle oder warum sie sonst etwas an dem Filmmaterial auszusetzen habe. „Nachdem wir den Film bei der Pressevorführung am Montag gesehen haben, können wir versichern, dass an ihm nichts Skandalöses ist“, schreiben die Autoren von The Daily Beast. Franklin selbst spreche in dem Film kaum, und sie verhalte sich in keinster Weise auffällig.

Die Dokumentation „Amazing Grace“ feierte am Montag Premiere auf dem Dokumentarfilm-Festifal „DOC NYC“ in New York. Zu sehen ist vor allem die singende Aretha Franklin, von der Kirche, den anderen Beteiligen sowie vom anwesenden Pastor James Cleveland sei eher wenig zu sehen. Ein Rezensent des Films von The Daily Beast schreibt: „Von der Art wie sie bewusst und geduldig das erste ‚ah...‘ von ‚Amazing Grace‘ schnurrt, bis hin zur mächtigen Wand aus Klang, die vom Chor der Southern California Community kommt, die Franklins Stimme immer noch höher treibt, das alles ruft eine Gänsehaut hervor.“

Aretha Franklins Nichte und Erbin der Rechte am Nachlass der Sängerin, Sabrina Owens, sagte in einem Interview der New York Times: „Ihre Fans müssen diesen Film sehen, der so echt und fröhlich ist. Die ganze Welt sollte ihn sehen. Unser Land braucht das, gerade in dem Zustand, in dem es sich derzeit befindet.“

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 13 Nov 2018 15:13:00 +0100
<![CDATA[Kein Sex vor Ehe: Bento-Autorin kritisiert Kandidatenvorstellung bei „The Voice“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/11/13/kein-sex-vor-ehe-bento-autorin-kritisiert-kandidatenvorstellung-bei-the-voice/ Die Jugend-Plattform von Spiegel Online, Bento.de, kritisiert, wie sehr sich die Castingsendung „The Voice of Germany“ für das Liebesleben einer Kandidatin interessiert. Die gläubige Sängerin Amanda Jakucs interpretierte vergangenen Donnerstag in der Show das Lied „Stargazing“ von Kygo. In einem Einspielvideo wurde das Talent vorgestellt. Darin sprach sie über ihre Beziehung zu ihrem Mann Patrick Jakucs, den sie vor drei Monaten heiratete. Basis ihrer Beziehung sei ihre gemeinsame Liebe zu Jesus. Dass die beiden mit dem Sex bis zur Ehe gewartet haben, war ein prominenter Punkt im „The Voice“-Einspieler.

Frage der Klatschsüchtigen

Die Bento-Autorin Helene Flachsenberg betont, dass es in der Show eigentlich um die Gesangskünste der Teilnehmer und nicht vordergründig um deren Privatleben gehen sollte. Der Vorstellungsclip helfe dem Zuschauer, seine Sympathien zu sortieren. „Aber muss man dazu wirklich ihre intimsten Details kennen?“, fragt sie im Artikel.

Sie schreibt: „Dass Kandidatin Amanda sehr gläubig ist, war interessant zu wissen – es gab einen Einblick in ihre Einstellung zum Leben (hoffnungsvoll), und auch in die Art von Musik, die sie gern macht (Worship, also Lobpreisungslieder).“ Doch: „Es ist die neugierige Frage, die Klatschsüchtige auf einer Party stellen, über die sich Bekannte hinter ihrem Rücken lustig machen. Es ist die Frage, die du deinen engen Freunden beantwortest – aber nicht die Frage, die dir ein Fernsehsender stellt, bevor du ein Lied auf einer Bühne singst.“

Flachsenberg lobt, dass das Paar offen mit seiner Sexualität umgehe. Die Autorin fragt sich aber auch: „Ob sie das Thema von sich aus vor so einem großen Publikum ansprechen wollten, oder ob das ,The Voice‘-Team sie dazu gedrängt hat? Weiß man nicht.“ Die Frage, ob der Umgang mit Sex irgendetwas mit der Stimme der Kandidatin zu tun habe, sei leicht zu beantworten, schreibt Flachsenberg: „Nein, das hatte es nicht.“

Von: Martina Blatt

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Tue, 13 Nov 2018 12:49:00 +0100
<![CDATA[EKD stimmt über den Weg in die digitale Zukunft ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/13/ekd-stimmt-ueber-den-weg-in-die-digitale-zukunft-ab/ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will ihre Digitalstrategie voranbringen, 2,2 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. Das Geld ist geplant für sechs konkrete Maßnahmen, die der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung auf der Synode in Würzburg vorstellte. So soll beim Kirchenamt eine „Stabsstelle Digitalisierung“ eingerichtet werden, die den Prozess anleitet und ihn zwischen EKD, ihren Gliedkirchen wie auch der Diakonie koordiniert. Weiterhin sind zwei Projektstellen für zunächst drei Jahre geplant. Im Projekt „Theologie und Ethik“ geht es darum, den Einsatz digitaler Technologien im kirchlichen Bereich ethisch zu reflektieren und sich dazu auch in der öffentlichen Debatte einzubringen. Eine zweite Projektstelle soll digitale Prozesse in der Verwaltung unterstützen.

Darüber hinaus will die EKD innovative und kreative digitale Projekte finanziell fördern. Dafür steht ein Fonds mit einer Million Euro zur Verfügung. Auch das Projekt „Kirche bei dir“ soll weiterentwickelt werden: eine interaktive App, die einen bundesweiten Überblick über Kontakte, Gottesdienste, Veranstaltungen und andere Angebote der evangelischen Kirche bietet. Dazu ist in den vergangenen Monaten ein Prototyp entwickelt worden. Vorbild ist ein Digitalprojekt der Kirche von England, „a church near you“. „Wir wollen eine einzige Lösung schaffen, wo man alle Kirchen findet. Die Grenzen der Landeskirchen spielen in Social Media keine Rolle,“ sagte Christian Sterzik, der als Projektkoordinator für Digitales beim EKD-Kirchenamt diese App vorstellte.

Schließlich soll es einen Medienpool geben mit Medienbeiträgen zu kirchlichen Themen, aus dem sich Gemeinden für ihre Webseiten, Social-Media-Auftritte oder auch den Gemeindebrief bedienen können. „Menschen werden von Kirche im digitalen Raum erreicht“, formuliert die EKD eines der Ziele. Für ihre Kernaufgaben, die Verkündigung des Evangeliums, Gottesdienste, Seelsorge oder Diakonie will die EKD digitale Möglichkeiten nutzen. Verwaltung und Organisation der Kirche soll durch digitale Technik effizienter und nutzerfreundlicher werden.

„Chance, Kirche neu zu beleben“

Die EKD will sich auch theologisch und ethisch den gesellschaftlichen Veränderung durch digitale Technologien stellen. Besonders Künstliche Intelligenz fordere die Diskussion heraus, erklärte Jung: Die alte theologische Frage „Was ist der Mensch?“ müsse neu gestellt werden. „Ziel muss es sein, ethisch verantwortlich zu gestalten, um nicht gestaltet zu werden.“

Die eingebrachte Beschlussvorlage ist das Ergebnis der Synode im vorigen Jahr, die den Rat der EKD damit beauftragt hatte, einen Strukturvorschlag zu erarbeiten. Jung betonte, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen ein Einstieg auf diesem Weg seien und weiterentwickelt werden könnten. In der digitalen Kommunikation liege die Chance, Kirche neu zu beleben: „Indem wir mit Menschen weit außerhalb der Kirchenmauern ins Gespräch kommen. Indem wir junge digital natives für unsere Kirche gewinnen“, sagte Jung. „Wir müssen nicht digitale Kirche werden, aber Kirche in der digitalen Welt.“

Bei den Synodalen gab es geteiltes Echo auf den Vorschlag des Rates. Während die meisten, die sich zu Wort meldeten, die ausgearbeiteten Punkte ausdrücklich lobten, warnten andere vor zu viel Euphorie. Besonders die Frage, wie sich die einzelnen Gemeinden an diesem Prozess beteiligen können, wurde angesprochen. So sei es schon jetzt oft schwierig, die eigene Webseite aktuell zu halten. Anderen ging der Vorschlag wiederum nicht weit genug. „Das reicht nicht. Das ist digitale Schminke für unsere Amtskirche“, kritisierte einer der Synodalen. Er regte an, etwa die Ausbildung der Theologen und kirchlichen Mitarbeiter in dieser Hinsicht zu verändern. Die Kirche sollte in größeren Dimensionen denken, etwa an Formate wie Internetbeichte oder virtuelle Gemeindestrukturen.

Der Beschlussvorschlag liegt nun bei den Fachausschüssen der Synode, bevor sie am Mittwoch darüber abstimmt.

Von: Jonathan Steinert

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Tue, 13 Nov 2018 11:52:00 +0100
<![CDATA[Kirche streitet mit AfD über Integration]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/11/13/kirche-streitet-mit-afd-ueber-integration/ Die Termine, bei denen AfD-Politiker öffentlich und auf großer Bühne mit Kirchenvertretern diskutieren, sind rar gesät. Auf dem kommenden Kirchentag soll die Partei auf Geheiß der Organisatoren nicht bei Podien mitwirken. Wegen rassistischer Aussagen und verfassungsfeindlicher Inhalte wolle man den Rechten keine Bühne bieten, teilte das Präsidium im September mit. Der Berliner Bischof Markus Dröge lieferte einen denkwürdigen Auftritt auf dem letztjährigen Kirchentag in Berlin, bei dem er auf die damalige Vorsitzende der Christen in der AfD, Anette Schultner, traf. Seitdem verweigert auch er den publikumswirksamen Streit mit den Rechten. Er begründet das mit einer „verzerrenden Kommunikationsstrategie" der AfD und mangelnder Distanz der Leitungsebene zum „rechtsextremen Flügel“.

Umso bemerkenswerter ist, was sich am Montagabend in einer der Liegenschaften des Deutschen Bundestages mitten in Berlin abspielte. Auf Einladung der AfD-Bundestagsfraktion diskutierte der Kulturbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, mit Vertretern der Partei. Marc Jongen, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, und Martin E. Renner, deren medienpolitischer Sprecher, wollten mit ihm über das Thema Integration sprechen. Mit dabei war auch der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, nach eigenen Angaben ebenfalls Christ. Er betonte, er habe der Debatte zugestimmt, weil man miteinander reden müsse „auch dann, wenn es weh tut“.

Thema des Abends war eine 2017 von ihm angeregte Initiative zur „kulturellen Integration". In 15 Thesen stellen die Unterstützer ihre Sicht auf das Thema vor. Sie fordern einerseits, dass das Grundgesetz und Geschlechtergerechtigkeit Grundlage des Zusammenlebens in Deutschland sein müssen, stellen aber auch fest, dass kulturelle Vielfalt in ihren Augen eine Stärke ist und kulturelle Gepflogenheiten dem Wandel unterliegen. Einwanderung und Integration gehören zur deutschen Geschichte, so eine weitere These. Und: Religion gehöre in den öffentlichen Raum. Zu den Unterstützern zählen neben verschiedenen Ministerien auch die Evangelische Kirche in Deutschland, die Deutsche Bischofskonferenz und der Zentralrat der Juden.

„Zuvörderst das Land der Deutschen"

Ein entsprechender Arbeitskreis der AfD-Fraktion wandte sich mit einer Stellungnahme gegen die Thesen der Initiative. Darin kritisieren die Politiker die Nutzung des Wortes Geschlechtergerechtigkeit als ein aus der „Ideologie des Gender Mainstreaming" hergeleitetes Konzept der „Gleichmacherei". Auch Religionen dürften nicht gleichgesetzt werden, ein fundamentalistischer Islam biete keinen Raum für Freiheit. Jongen und Renner werfen der Initiative vor, Integrations- und Einwanderungsprobleme nicht zu benennen und zu verharmlosen. Deutschland sei „zuvörderst das Land der Deutschen". Willkommen sei, wer sich vorbehaltlos in die deutsche Kultur integriere.

Jongen kritisierte am Montag, dass unterschiedliche Kulturen in dem Papier als gleichwertig angesehen würden und der deutschen keine besondere Stellung eingeräumt werde. Für problematisch halte er es, dass eine „Assimilation“ der Zugezogenen für die Verfasser kein Wert an sich sei. Das Papier blende Probleme mit dem Islam aus, indem es die Religionen generell als gleichwertig ansehe. Renner kritisierte, dass der Islam selbst in den Thesen nicht benannt werde, dabei stehe er in „konträrem Verhältnis“ zur Integration. Er sei nicht gleichwertig mit etwa dem Christentum, weil er keine Aufklärung durchlebt habe und die Freiheit des Individuums nicht zulasse. Renner plädierte deshalb für Einschränkungen bei der Freiheit von Muslimen, ihre Religion in Deutschland auszuüben.

Religionsfreiheit ist spezifisch deutsch

Claussen von der Evangelischen Kirche sagte, Deutschland sei ein Einwanderungsland und mit dieser Diversität sei umzugehen. Wege der Verständigung müssten gefunden werden. Die AfD hingegen verschwende Zeit darauf, „die bösen Linken darauf hinzuweisen, dass sie verblendet sind“. Es gelinge der Partei nicht, klar zu machen, was deutsche Kultur denn überhaupt sei. Er selbst halte es für „spezifisch deutsch“, Religionen die Gelegenheit zu geben, sich öffentlich zu entfalten und als Teil der Zivilgesellschaft aufzutreten. Das sei „eine besondere Lernerfahrung des 30-jährigen Krieges“. Das Problem ist seiner Meinung nach der Fundamentalismus, nicht die Religion selbst. Die AfD hingegen erkläre deterministisch, dass Muslime sich generell nicht positiv integrieren könnten.

Zimmermann erklärte: „In den letzten 2.500 Jahren leben wir hier in Deutschland mit Einwanderung.“ Nur so habe das Land werden können, was es heute ist. Zuwanderung sei also „richtig und wichtig“. Zu dieser Entwicklung gehöre es, dass Deutschland Religionen anerkenne, „besonders die der anderen“. Christen, Juden und Muslime müssten in ihren Gotteshäusern beten können. „Das dürfen Sie nicht einfach, nur weil es Ihnen Spaß macht, beiseite schieben“, sagte er in Richtung der AfD-Vertreter. In Richtung von Jongen und Renner sagt er, es sei frech, dem Islam vorzuwerfen, nicht verfassungskonform zu sein, „wenn Sie selbst kurz davor stehen, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden“. Bei aller Kritik und gelegentlichen Zwischenrufen aus dem Publikum stellte er noch einmal fest, was auch als Fazit unter den 15 Integrationsthesen stehen könnte und den Hergang des Abends besser erklärt als jede theoretische Entscheidung von Präsidien und Leitungsgremien: „Wir müssen miteinander reden."

Von: Anna Lutz

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Tue, 13 Nov 2018 11:19:00 +0100
<![CDATA[Parzany: „Kirchen demontieren Grundlagen des Glaubens“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/13/parzany-kirchen-demontieren-grundlagen-des-glaubens/ Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis um den Pfarrer und ehemaligen proChrist-Hauptredner Ulrich Parzany ruft Pfarrer, Pastoren und Gemeindeleitungen dazu auf, die Autorität der Bibel als Wort Gottes neu anzuerkennen. „Setzt euch dafür ein, dass in den Gemeinden die Autorität der Bibel als Wort Gottes anerkannt wird und dass in den heute kontroversen Fragen biblische Positionen gelehrt werden! Erklärt öffentlich, dass ihr keine Segnung oder Trauung gleichgeschlechtlicher Paare durchführen werdet", fordert Parzany in dem Bekenntnis-Aufruf.

Polarität von Mann und Frau infrage gestellt

In den evangelischen Kirchen würden „die Grundlagen des Glaubens zunehmend demontiert", heißt es in dem Aufruf. Parzany wirf den Synoden und Kirchleitungen „schwere Fehlentscheidungen" in den vergangenen Jahren vor. Unter anderem werde die Autorität der Bibel als Wort Gottes infrage gestellt, und „dass zur Offenbarung Gottes die Gottebenbildlichkeit des Menschen und die Polarität und Gemeinschaft von Mann und Frau" gehörten. Parzany ruft zum Widerspruch auf und „zum mutigen Bekenntnis". Er schreibt: „Bekennt euch in Kirche und Gesellschaft dazu, dass die Bibel Gottes Wort ist, völlig zuverlässig und darum Maßstab für Glauben, Leben und Lehre! Vertraut Gottes Zusagen und gehorcht seinen Geboten!"

Verantwortliche in Kirchen, Gemeinden, Gemeinschaften, Verbänden und Werken sollen sich durch öffentliche Stellungnahmen zur Autorität der Bibel als Wort Gottes in den heute kontroversen Fragen öffentlich zu biblischen Positionen bekennen, fordert Parzany. Nachdem der Staat und viele Kirchenleitungen gleichgeschlechtliche Partnerschaften als Ehe anerkannt haben, halte es das Netzwerk Bibel und Bekenntnis für notwendig, „dass Gemeindeleitungen öffentlich erklären, dass sie gleichgeschlechtliche Partnerschaften trotzdem nicht segnen oder trauen werden, weil sie dem Wort Gottes vertrauen und gehorchen." Der Aufruf würdigt „die Freiheit, die wir in unserem Land haben", allerdings habe Jesus seinen Nachfolgern nicht versprochen, dass sie ihren Glauben „immer unter komfortablen Rahmenbedingungen" leben könnten. Die Veröffentlichung des Aufrufs haben die 83 Teilnehmer der Konsultation des Netzwerks Bibel und Bekenntnis am 3. November 2018 in Kassel einstimmig beschlossen.

Von: Norbert Schäfer

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Tue, 13 Nov 2018 09:54:00 +0100
<![CDATA[Israelische Nachrichten für Evangelikale]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/11/13/israelische-nachrichten-fuer-evangelikale/ Von: Jörn Schumacher

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Tue, 13 Nov 2018 08:44:00 +0100
<![CDATA[Mehr Geld durch Kirchensteuern – noch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/12/mehr-geld-durch-kirchensteuern-noch/ Auch im kommenden Jahr bekommt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wieder mehr Geld aus Kirchensteuern als im Vorjahr. Durch die gute wirtschaftliche Lage rechnet die EKD mit einem Plus von etwa vier Prozent aus dieser Quelle – obwohl immer weniger Menschen Mitglied der Kirche sind und Kirchensteuern zahlen.

Wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland einmal verschlechtert, könnte sich „dieses Bild drastisch verändern“, erklärte Ratsmitglied Andreas Barner vor den Synodalen. Geht der Trend bei den Mitgliederzahlen so weiter wie bisher, würden die Kirchensteuern nach Angaben Barners bis 2030 – im günstigen Fall – um rund 16 Prozent sinken. Aber auch die demographische Entwicklung bereitet Sorge: Denn die Kirchenmitglieder werden nicht nur weniger, sondern auch immer älter, haben im Rentenalter ein geringeres Einkommen und werden daher auch weniger zum Steueraufkommen beitragen.

„Ein Rückgang der Kirchensteuereinnahmen ist also in hohem Maße wahrscheinlich. Veränderungen stehen an“, sagte Barner. Darauf will sich die EKD vorbereiten und prüfen, welche Ziele zukünftig Priorität haben und was eher nachgeordnet ist. Dazu hat sie einen „begleitenden Ausschuss zur Neuausrichtung der Finanzstrategie“ gegründet, dem Barner selbst vorsitzt. Im Mai hat er seine Arbeit aufgenommen und soll zur Synode im kommenden Jahr Ergebnisse vorlegen. Überprüft werden soll unter anderem, wie die EKD und ihre Gliedkirchen wie auch die Landeskirchen untereinander stärker zusammenarbeiten können, um knappe finanzielle Mittel und Kräfte zu schonen.

Eine Million Euro für Aufarbeitung sexueller Gewalt

Der von der Synode verabschiedete Haushalt sieht für das kommende Jahr ordentliche Aufwendungen von 216 Millionen Euro vor. Davon soll ein Million in die Aufarbeitung und Prävention von sexueller Gewalt in der Kirche fließen. Bei ihrer vorigen Synode hatte die EKD einen Fonds für evangelikale Medienprojekte beschlossen. Der Ausschuss, der über die Vertilung dieser Gelder entscheidet, wird im März kommenden Jahres tagen.

Von: Jonathan Steinert

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Mon, 12 Nov 2018 21:02:00 +0100
<![CDATA[„Vocaris“ soll Kompass fürs Leben werden]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2018/11/12/vocaris-soll-kompass-fuers-leben-werden/ Mit eiiner App will die Katholische Kirche Jugendlichen zu mehr Orientierung für ihr Leben helfen. Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj) hat die Berufungsapp „Vocaris“ im Anschluss an die Jugendsynode im Oktober dieses Jahres in Rom vorgestellt. Mit ihrer Hilfe sollen Nutzer Anleitung „zu einem gelingenden Leben und zum Entdecken ihrer Einmaligkeit und Berufung in Christus“ finden, erklärte der Vorsitzende der afj, Bischof Stefan Oster.

Der Weg zu einem Leben als Christ sei allerdings für viele Jugendliche nicht leicht, sagte Oster. Doch Gott teile die Vision eines erfüllten Lebens und rufe Menschen dazu auf. „Vocaris“ soll nach seiner Ansicht dabei helfen, einen persönlichen Weg zu finden. Umso passender sei daher auch der Name der App. „Vocaris“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet: Du wirst gerufen.

Die App ist in drei Bereiche unterteilt: Berufung, Engagement und Gebet. Mit interaktiven Fragebögen sollen die Nutzer darin ihre eigenen Talente und Stärken herausfinden. Dabei werden Fragen des sozialen Lebens bis hin zu technischen Fähigkeiten gestellt. Die App wertet die Fragebögen automatisch aus und schlägt dann einen Beruf aus einer Datenbank mit rund 1.500 Berufen vor, mit der die App verknüpft ist. So bekommt der Nutzer Hinweise auf einen möglichen, für ihn geeigneten Beruf. Mit der App sollen Jugendliche auch lernen, Entscheidungen zu treffen. Tipps dafür erhalten sie durch praktische Übungen und Beispiele aus der Bibel.

Mit dem Programm sollen die Jugendlichen nicht nur einen geeigneten Beruf finden, sondern auch ihre Berufung in der Kirche. Dabei hilft ein Fragenkatalog zum Themenfeld Engagement. Der dritte Fragenkomplex zum Thema Gebet erläutert Formen und verschiedene Arten des Gebets. Dabei wird der Nutzer mit Höranleitungen unterstützt. Die sollen bei ersten Schritten im christlichen Glauben helfen oder als neue Anregung für „erfahrene Beter“ dienen. Auch Gebetsvorschläge für spezielle Lebenssituationen gibt es.

Ignatius weist den Weg

Der virtuelle Tutor Ignatius bekleitet Nutzer in der App. Er erklärt Funktionsweisen und gibt Tipps. Paul Metzlaff, Referent für Glaubensbildung der afj, erklärt auf Nachfrage, dass es sich beim Tutor der „Vocaris"-App um den historischen Ignatius von Loyola handele. Der sei als junger Mensch selbst auf der Suche nach Sinn und Gott gewesen. Deswegen kann er „auch heute noch ein großes Vorbild für junge Menschen sein". Außerdem habe er Anteil daran gehabt, dass der Jesuiten-Orden „konkrete Schritte zur Entscheidung der Berufung“ entwickelt habe.

Die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge sieht in der App eine gute Möglichkeit, die Katholische Kirche und sich selbst besser kennenzulernen, und die eigene Berufung in der Kirche zu finden. Entstanden ist die App aufgrund einer Umfrage unter Jugendlichen auf der Vorsynode zur XV. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode in Rom im März. Die Umfrage hatte ergeben, dass sich die Jugendlichen eine „bessere Hinführung“ in den Bereichen des Gebets und der Selbstreflexion wünschen. „Vocaris“ soll dafür eine moderne Möglichkeit sein.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 12 Nov 2018 17:27:00 +0100
<![CDATA[„Kirche muss mehr Zeugnis geben“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/12/kirche-muss-mehr-zeugnis-geben/ Die Synodalen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben sich am Sonntag und Montag mit dem Glauben junger Menschen beschäftigt. Das ist das Schwerpunktthema der diesjährigen Synode in Würzburg. In wissenschaftlichen Vorträgen dazu wurde deutlich, was eigentlich schon bekannt ist: Die Lebenswelt junger Erwachsener kommt in der Kirche kaum vor. Gleichzeitig ist die Generation zwischen 18 und 26 Jahren auch weniger traditionell an Kirche gebunden.

„Es gibt keine Defizite, die die Kirche füllen, oder Fragen, die sie beantworten müsste. Der Bezug zur Kirche ist überhaupt nicht selbstverständlich gegeben", sagte Gerhard Wegner, der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD, über diese Generation. Er stellte auf der Synode eine Studie seines Instituts zur „Lebens- und Glaubenswelt junger Menschen heute“ vor. Die zeigt, dass sich junge Menschen dafür verantwortlich sehen, ihre Lebenswünsche zu erfüllen. „Junge Menschen empfinden sich als selbstbestimmt und erwarten keine konkrete Unterstützung von Institutionen“ – wie etwa der Kirche. Der Glaube an sich selbst sei stark. Zwar sei auch „eine transzendente Basis vorhanden“, aber wie die genau aussieht, bleibe oft unklar, erklärte Wegner. Persönlicher Glaube werde oft losgelöst von Kirche oder Religion gesehen.

Deshalb müsste die Kirche ihrem eigentlichen Auftrag wieder stärker nachkommen und mehr „Zeugnis von einem Leben mit Christus geben“. Es brauche Geschichten von Menschen, „die ihr Leben als Abenteuer mit Gott erlebt haben“.

Mehr neue Musik, mehr digitales Evangelium

Ähnliche Befunde präsentierte Ulrich Schneekloth von der Shell-Jugendstudie. Für immer weniger junge Menschen habe der Glaube an Gott wesentliche Bedeutung für ihr Leben und ihr Handeln. Der Wissenschaftler empfahl den Synodalen, das aber „nicht als Absage Jugendlicher an Gottesglaube zu interpretieren, sondern als Aufgabe, Gottesglaube jugendkonformer zu kommunizieren“.

Die Präses der EKD, Irmgard Schwaetzer, räumte ein, dass der Kontakt der Kirche zu Jugendlichen nach der Konfirmation oft verlorengehe. „Das ist nicht neu, aber wir haben keine Konsequenzen gezogen. Diese Zeit ist definitiv vorbei.“ Grundlage für neue Schritte sollen zehn Thesen sein, die ein Vorbereitungsausschuss zu dem Thema entwickelt hat und über die die Synodalen am Montag in Arbeitsgruppen berieten. Die leitende Frage dabei war: Was brauchen junge Menschen, um sich mit ihrem Glauben und Engagement in der Evangelischen Kirche zu Hause fühlen zu können?

In den Thesen empfiehlt der Ausschuss zum Beispiel verständliche Bibelübersetzungen wie auch eine größere Vielfalt in der Kirchenmusik. „Das Gesangbuch ist eine Sammlung von Popmusik von über tausend Jahren. Aber Musikgeschichte endet nicht 1950. Bis in 15 Jahren sollten noch mehr Pastoren aus Textverliebtheit herauskommen und sich trauen, Zeugnis abzulegen vor der Gemeinde mit ihrer ganzen Person“, sagte ein Ausschussmitglied. Auch neue Formen für Gottesdienste und Gemeinschaft regte der Ausschuss an. Kirche sollte das Evangelium stärker auf digitalen Kanälen verbreiten. Diese digitale Kompetenz bräuchten auch Mitarbeiter im kirchlichen Dienst. Darüber hinaus sollten junge Menschen mehr Möglichkeiten bekommen, Kirche und Gemeindeleben aktiv mitzugestalten.

Die Synode, das Kirchenparlament der EKD, tagt noch bis Mittwoch. Thematisch geht es am Dienstag unter anderem um die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche und den digitalen Wandel.

Von: Jonathan Steinert

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Mon, 12 Nov 2018 17:06:00 +0100
<![CDATA[Tausende feiern Israel und das „Reich Gottes“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2018/11/12/tausende-feiern-israel-und-das-reich-gottes/ Was bedeutet heute die Aussage „Dein Reich komme!“ aus dem „Vater unser“-Gebet für Christen, das Land Israel und die gesamte Welt? Dieser und anderen Fragen gingen von Donnerstag bis Samstag mehr als 1.200 Teilnehmer auf dem dritten Gemeinde-Israel-Kongress in Berlin nach. Über den Internet-Livestream von Gott24.tv waren allein am Donnerstag 3.300 weitere Zuschauer virtuell dabei. 40 christliche Organisationen und Werke – darunter auch Israelnetz – begleiteten die Konferenz mit Ständen. Einer der emotionalen Höhepunkte war am Freitag der öffentliche Gedenkabend zur Reichspogromnacht mit Holocaust-Überlebenden.

Der israelische Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, schickte ein Grußwort an die Kongressteilnehmer am Donnerstag: „Ihre Unterstützung ist nicht nur für Israel, sondern auch für ein vereintes Jerusalem, wo jeder seine Religion ausüben kann.“ Der Botschafter sprach über den diesjährigen Regierungsbesuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Jerusalem und betonte, dass es gerade die christliche Gemeinschaft im Nahen Osten sei, die derzeit aufblühe.

Knesset-Abgeordneter Glick in Berlin

„Israel hat mehr als 23.000 Israelis in Kriegen verloren“, sagte der israelische Knesset-Abgeordnete Jehuda Glick am Donnerstag über den noch jungen jüdischen Staat. „Das passierte an einem Tag in Auschwitz“, erinnerte er im Zusammenhang mit dem anstehenden Jahrestag der Reichspogromnacht. Die Stärke der Liebe in der Konferenzhalle heute sei aber hundertmal stärker als der Hass von damals. Um das Wunder der heutigen Zeit zu unterstreichen, erinnerte Glick an zwei Prophetien in der Bibel: Gott habe gesagt, er werde die Juden über die ganze Welt verstreuen. Aber er habe auch gesagt, dass er die Juden wieder aus allen Nationen nach Hause führen werde. Genau diese unmöglich scheinenden Prophetien seien in Israel erfüllt worden.

Als weiteres Wunder beschrieb der Likud-Politiker die Tausenden Menschen, die in der Kongresshalle in Berlin oder vor dem Internet saßen und den Gott Israels priesen. Glick betrachtet die Zahl 70 immer im Verhältnis von Juden und Nichtjuden. Nach dem 70. Jahr im Babylonischen Exil habe der Perserkönig Kyros II. die Juden Jerusalem wieder aufbauen lassen. Im 70. Jahr der israelischen Staatsgründung – und da spielte Glick auf die Botschaftsverlegung der USA an – beginne die Welt wieder, Jerusalem anzuerkennen. „Jeder Jude, der heiratet, schwört, dass, wenn er Jerusalem vergesse, ihm seine Hand abfaulen solle“, sagte Glick. Mit dem jüdischen Gebetsbuch beteten Juden drei Mal am Tag, dass Jerusalem wieder aufgebaut werde.

Der Israeli, der in Berlin auch sein neues Buch „Kommt und zieht hinauf“ bewarb, das jetzt auf Deutsch erschienen ist, erinnerte sich selbst daran, dass Anlass der Konferenz das Königreich Gottes war. „Die Welt muss sich mit Jerusalem verbinden. Der Prophet Jesaja sagt, dass alle Nationen nach Jerusalem kommen und den einzig wahren Gott erkennen werden. Jesus hat zu der Welt gesagt, dass es nur einen Gott gibt. Der Prophet Mohammed hat gesagt, dass es nur einen Gott gibt.“ Heute strömen in den Augen Glicks tatsächlich alle Nationen nach Jerusalem. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu telefoniere mit den USA und Russland, mit Deutschland und Frankreich.

Sein eigenes Leben bezeichnete Glick auch als großes Wunder. Vor vier Jahren sei er bei einer Veranstaltung gleich viermal angeschossen worden – von jemandem, der ihn für einen Gegner der Al-Aqsa-Moschee hielt. Die Ärzte hätten ihm nur geringe Überlebenschancen gegeben. „Aber irgendwie haben Millionen Menschen für mich gebetet“, sagte Glick. Nicht, weil er besonders sei, sondern weil der Mensch, der auf ihn schoss, ihn zu einem Symbol für die Verbindung von Jerusalem gemacht habe. „Wir sind alle Instrumente in einem großen Konzert. Gott hat die Juden nicht ausgewählt, weil wir überlegen wären. Wir sind nur gesegnet, wenn wir die Nationen segnen“, sagte Glick. Gott habe dafür die Stadt des Schaloms gewählt.

Christen sollen dem jüdischen Volk näher kommen

Harald Eckert von dem Werk „Christen an der Seite Israels“ (CSI) befand das Motto des Kongresses, „Dein Reich komme!“, als ein „gewaltiges Thema“. Es sei Teil des Vaterunser und gleichzeitig ein zutiefst jüdisches Gebetsanliegen. „Wir Christen verbinden es mit der Erwartung, dass Jesus wiederkommen möge in die Stadt Davids, nämlich Jerusalem.“ Evangelikale seien im Bewusstsein aufgewachsen, dass das Königreich Gottes im Heiligen Geist wiederzufinden sei. Eckert nannte das die „inwendige Dimension des Reichs Gottes“. Die äußere Dimension sei die Frage, wann das Reich für Israel anbrechen werde. Über die inwendige Dimension sollen Christen dem jüdischen Volk näher kommen.

„Wir wurden auf dem Berg eingepflanzt, weil es dort nicht viele messianische Juden gab. Vor 27 Jahren waren wir in der Gemeinde 15 Menschen, heute sind wir ein Netzwerk von unterschiedlichen Organisationen.“ So beschrieb am Donnerstag in einer Zweistunden-Predigt Peter Tsukahira seine Mission von Gott in Israel. Über sich sagt er, er sehe aus wie ein Japaner, klinge wie ein Amerikaner, sei aber ein israelischer Staatsbürger. Denn der messianische Pastor wanderte aus Boston nach Haifa aus. Der 68-Jährige, der am Abend vom Theologen Johannes Gerloff ins Deutsche übersetzt wurde, verliebte sich zur Zeit von Woodstock und der Flower-Power-Bewegung in eine jüdische Amerikanerin. Nachdem Gott klar zu ihnen gesprochen habe, seien sie 1987 nach Israel gezogen.

Messianischer Pastor sieht Wandel

Tsukahira will in Israel sowohl Juden als auch Araber mit seinen Worten vom Evangelium erreichen. „Wir sehen aktuell einen Wandel in den Organisationen und Gemeinden, die für Israel einstehen. Als Menschen, die Zion lieben, wollen wir dem israelischen Volk und der Nation unsere Liebe zeigen“, sagte der Pastor. Sehr freute er sich darüber, dass israelische Führungskräfte in der Politik heute öffentlich sagen, dass evangelikale Christen die besten Freunde Israels weltweit seien.

„Momentan sind wir der jüngste und kleinste Stamm in Israel“, erzählte Tsukahira. „Wir müssen dort um Anerkennung kämpfen. Deswegen ist es wichtig, dass ihr auch zu euren messianischen Brüdern und Schwestern steht.“ Aber es sei auch wichtig, als Christ das Alte Testament genauso wertzuschätzen wie das Neue Testament. „Mir ist klar geworden, dass es so ist, als käme man in einem Film, aber nicht am Anfang, sondern plötzlich in der Mitte. Man bekommt noch irgendwie heraus, wer die Hauptfiguren sind. Aber es fehlen die Motivationen und die Details des Reiches Gottes. Das Reich fängt mit dem Volk namens Israel an.“ Er habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass Israel das Vorbild für das Königreich Gottes sei. Gott habe ein Volk für alle anderen Völker ausgewählt.

Thema Alijah im Mittelpunkt

Am Freitag stand die Alijah, die Einwanderung nach Israel, im Mittelpunkt des Kongresses. Erfrischend erzählte zum Beispiel die aus der Ukraine eingewanderte Orly Wolstein ihre Lebensgeschichte. „Ich stehe hier nicht als Mitarbeiterin der Jewish Agency, sondern als ein Zeugnis von der Alijah und als Beispiel der Zusammenarbeit von jüdisch-christlichen Organisationen“, sagte Wolstein. Als jemand aus der dritten Generation von Holocaust-Überlebenden in Berlin vor den deutschen Teilnehmern stehen zu können, empfinde sie als Wunder. Sie wuchs in der Ukraine auf. Der alleinerziehenden Mutter einer Tochter wurde bei der Einwanderung nach Israel von der Organisation „Christen an der Seite Israels“ geholfen.

Dass sie mit ihrer Tochter ausgerechnet am 11. November 2011 im Flugzeug nach Tel Aviv saß, hält sie für ein Zeichen Gottes. Die beiden zogen in einen Kibbutz. Vergangenes Jahr holte sie noch ihre Mutter aus der Ukraine dazu. Bei der Einwandererorganisation Jewish Agency arbeitet sie in einem Projekt, das ukrainische Einwanderer in 44 verschiedene Kibbutzim vermittelt und betreut. Eigentlich sollte diese Abteilung vor vier Jahren geschlossen werden, weil das nötige Geld fehlte. Dann seien aber christliche Organisationen eingesprungen und hätten das Projekt finanziell unterstützt. Wolstein strahlte eine große Dankbarkeit, aber auch Zuversicht aus, dass ihr Leben in die richtigen Bahnen gelenkt wurde.

Gedenken an Reichspogromnacht

Eine der einprägsamsten Veranstaltungen war sicherlich der Freitagabend, an dem der Reichspogromnacht gedacht wurde. Die Organisation Zedakah und „Zeugen der Zeitzeugen“ hatten sich eine so einfache wie wirkungsvolle Idee für das Gespräch mit Holocaust-Überlebenden ausgedacht. Der 89-jährige Herr Aron wurde an der Hand der neunjährigen Carina auf die Bühne geführt, weil er 1938, als Scheiben von jüdischen Geschäften im Dritten Reich eingeschmissen und Synagogen angezündet wurden, genau so alt gewesen war. Der 84-jährige Michalski hatte den 4-jährigen Timon an seiner Seite.

Aron wuchs als Einzelkind behütet in Berlin auf. Sein Vater war Diplomkaufmann. In der Reichspogromnacht hatte er schon geschlafen. Sein Vater weckte ihn und sagte, dass es brennen würde. Aron dachte zuerst, dass der „Feind“ gekommen sei, von dem er bei den Fliegerübungen in seiner Volksschule gehört hatte. Er erinnert sich, dass er sich mit seinem Vater den roten Himmel angeschaut hat.

In der Schule erhielten er und die sechs anderen jüdischen Kinder Briefe und wurden aufgefordert, nach Hause zu gehen. Bei seiner Mutter habe er dann angefangen zu weinen, erzählte Aron. Er sei sich keiner Schuld bewusst gewesen. Seine Mutter öffnete den Brief und sagte, dass er keine Schuld habe. „Man hat dich nach Hause geschickt, weil du jüdischen Glaubens bist“, sagte seine Mutter. Er habe das Judentum nur durch die hohen Feiertage gekannt und habe kein Hebräisch gekonnt.

Scho'ah-Überlebender brachte Berliner Polizei Bürotechnik

Aufrichtige Skatfreunde, mit denen sein Vater im Ersten Weltkrieg gedient hatte, warnten die Familie nach der Reichspogromnacht, nicht mehr aus dem Haus zu gehen. Herr Aron erzählte aus seinem bewegten Leben, wie sein Vater versuchte, in die USA auszureisen, wie sie dann nach Shanghai kamen, wo er den zionistischen Gedanken aufgriff. Als illegaler Einwanderer kam er nach Palästina unter britischem Mandat, kämpfte als Pilot im Unabhängigkeitskrieg Israels und arbeitete anschließend in der israelischen Polizei. So kam er auch wieder nach Deutschland, als er in den 1980er-Jahren der Berliner Polizei auf Wunsch des Oberbürgermeisters die neuartige Bürotechnik aus Israel näherbrachte. Heute sei er sehr aktiv in der jüdischen Gemeinde Berlins.

Für Michalski, der in Görlitz aufwuchs, war der Abend in Berlin bereits die dritte Veranstaltung des Tages. Weil er nicht mehr so gut sprechen könne, ließ er seine Frau seine Geschichte erzählen. Herrn Michalskis Mutter war Jüdin, sein Vater Katholik. Mit vier Jahre habe er die Reichspogromnacht überhaupt nicht mitbekommen. Eine der Folgen davon war aber, dass er sich von seinem Kindermädchen trennen musste, das er heiß und innig liebte. Es gab einen SS-Mann, der gegen seinen Vater so hetzte, dass der sein Geschäft aufgeben musste. Sein Vater ging von Görlitz nach Berlin, Michalski und seine Mutter reisten nach Breslau. Er erinnert sich, dass er als Jude im Kindergarten nicht mit den anderen Kinder spielen durfte. Dass die Familie überlebte, konnte nur durch die Hilfe verschiedener Personen passieren: zum Beispiel das Kindermädchen, das ihn und seinen Bruder versteckte, ein Zeuge Jehovas oder ein befreundeter Polizist, die alle ihr Leben aufs Spiel setzten.

Aktueller Antisemitismus in Berlin

Michalskis Ehefrau berichtete auch von aktuellem Antisemitismus in Deutschland. Das Paar sind die Großeltern des jüdischen Schülers, der als „Junge von Friedenau“ in die Schlagzeilen kam. Sie schilderte, wie sie ihren Enkel bei einer gemeinsamen Reise mit auf die selbe Flüchtlingsroute nahmen, die Herr Michalski im Zweiten Weltkrieg ging. Im Schulunterricht sammelte die Klasse des Enkels die Gotteshäuser der verschiedenen Religionen. Die Synagoge wurde vergessen. Da meldete sich der Enkel und ergänzte. Seine Lehrerin habe ihn dann gefragt, ob er Jude sei, was er bejahte. Sein bester türkischstämmiger Freund habe ihm daraufhin die Freundschaft gekündigt. Schüler aus höheren Klassen hätten ihn verprügelt, es habe sogar eine Scheinhinrichtung gegeben. „Wir gingen damit an die Öffentlichkeit, weil das Problem nicht in der Schule ernst genommen wurde“, erzählte Frau Michalski. Andere jüdische Familien hätten sich dann auch getraut, etwas zu antisemitischen Übergriffen zu sagen.

Bei der Veranstaltung waren insgesamt 14 Holocaust-Überlebende aus Berliner Gemeinden. Sie erhielten einen aus Holz gefertigten hebräischen Buchstaben „Chai“, der für das Leben steht. Die Holocaust-Überlebende Frau Gorban, die seit 26 Jahren wieder in Berlin lebt und in der Reichpogromnacht fünf Jahre alt war, sagte auf der Bühne: „Das darf es in Deutschland nie wieder geben. Wir sind gewohnt, dass jüdische Kindergärten und Schulen von der Polizei beschützt werden müssen. Aber das sollte nicht so sein.“

Die Holocaust-Überlebende Frau Genin zeigte sich vom Abend „tief beeindruckt“. Nachdem sie im Jahr 1939 aus dem Dritten Reich nach Australien geflohen war, kam sie 1958 wieder zurück – und zwar in die DDR. Da stieß sie unter Mitschülern auf Desinteresse und Verdrängung, was die Scho'ah anging. Aber seit 1989 stellt sie ein größeres Bewusstsein dafür in Deutschland fest. „Ich habe die Hoffnung, dass wir jetzt gerade im öffentlichen Bewusstsein einen Umbruch erleben“, sagte Genin, die sich in den vergangenen Tagen über gute Dokumentationen zum Thema im Fernsehen gefreut hatte.

Kritik an öffentlich-rechtlichen Sendern

„Menschen sollen sich auf Liebe und nicht auf Hass konzentrieren“, wünschte sie sich. Deswegen kritisierte sie auch den Deutschlandfunk und die öffentliche-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die den Hass gegenüber Israel mit ihrer Berichterstattung beförderten: „Zuerst kommt die Nachricht, dass Israel attackiert hat, dann erst die Erwähnung, dass davor Raketen aus Gaza auf Israel geschossen wurden. Ich finde das eine solche Frechheit“, sagte Genin.

Der israelische Sänger Yoed Sorek begleitete mit zwei Kollegen den Abend musikalisch. Sie spielten mit Akkordeon und Klarinette unter anderem das jüdische Lied „Es brennt“, das 1938 angesichts eines Pogroms in Polen geschrieben wurde. Ein Grußwort des EVP-Spitzenkandidaten, Manfred Weber, wurde auch verlesen. Darin formulierte er Europa als Ausweg aus dem Hass, den es im Zweiten Weltkrieg gegeben hat. Am Samstag sprach der Theologe und Journalist Johannes Gerloff in seiner Bibelarbeit anhand der Apostelgeschichte über „Das Reich für Israel“. Am Samstagnachmittag waren die Teinehmer eingeladen, am Brandenburger Tor bei einer Demonstration gegen Antisemitismus und für Israel und Jerusalem teilzunehmen.

Das Christliche Forum für Israel (CFFI) organisierte die Konferenz, die auf dem Campus der Gemeinde auf dem Weg veranstaltet wurde. Das CFFI ist ein Dachverband für Israelwerke und dient der Vernetzung von Israelfreunden auf nationaler Ebene. In den Jahren 2006 und 2013 gab es die ersten beiden Gemeinde-Israel-Kongresse. Die Moderatoren des Kongresses waren Luca Hezel von Israel Connect (IC) und Wilfried Gotter von den Sächsischen Israelfreunden, der es verstand, mit Humor und Witz die ernsten Thematiken gelegentlich aufzulockern.

Von: Michael Müller

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Mon, 12 Nov 2018 14:25:00 +0100
<![CDATA[Brinkhaus: „Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/11/11/brinkhaus-jeder-mensch-ist-ebenbild-gottes/ Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, hat zu einer Belebung der Debatte über Werte in Politik und Gesellschaft aufgerufen. In einem Gastbeitrag unter dem Titel „Wir müssen über Werte reden" in der Welt am Sonntag (WamS) konstatiert Brinkhaus, dass „die Bindung an traditionelle Institutionen wie Kirchen oder Gewerkschaften" abnehmen, „nicht aber die Suche nach Halt und Orientierung". Brinkhaus schreibt: „In der Medizin verschieben sich die Grenzen für Leben und Tod. Die Biotechnologie hat den Menschen zum Schöpfer der Natur gemacht. Die künstliche Intelligenz wird in vielen Bereichen Menschen ersetzen.“ Das bereite Sorgen und werfe tiefe ethische Fragen auf. „Um Antworten auf diese Entwicklungen zu geben, müssen wir über Werte reden", schreibt Brinkhaus in dem Gastbeitrag.

Für die Union biete das christliche Menschenbild hier Orientierung. Die Kernaussage darin sei und bleibe „eine großartige Richtschnur: Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes und damit mit einer unveräußerlichen Würde ausgestattet." Demnach soll der Mensch sein Leben in Freiheit leben können, diese Freiheit in Solidarität mit seinen Mitmenschen ausüben. „Das christliche Menschenbild schützt das Individuum, es fordert die Menschen aber gleichzeitig zum Zusammenstehen auf zu einer Abkehr von einem radikalen Individualismus", schreibt der Unions-Fraktionschef in der WamS und weiter: „Auch in der Union sollten wir uns wieder mehr auf diesen Kompass besinnen, anstatt Debatten zu führen, die in einem Rechts-links-Mitte-Schema verlaufen. Wir sollten das ‚C‘ neu verorten."

Von: Norbert Schäfer

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Sun, 11 Nov 2018 18:21:00 +0100
<![CDATA[Wiederentdeckung einer Erklärung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/11/wiederentdeckung-einer-erklaerung/ Die Balfour-Deklaration, die am 2. November 1917 durch den britischen Außenminister Lord Arthur James Balfour im Namen des British Empire in einem Brief an den prominenten Zionisten Lord Walter Rothschild verfasst wurde, ist ohne Zweifel eines der profundesten und geschichtlich bedeutsamsten politischen Dokumente des vergangenen Jahrhunderts. Wesentlichster Teil der aus 67 kurzen, aber inhaltsschweren Worten bestehenden Erklärung war folgender: „Die Regierung Seiner Majestät betrachtet mit Wohlwollen die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina.“

Noch heute schlägt die Erklärung hohe Wellen. So versuchte beispielsweise Palästinenserpräsident Mahmud Abbas die Feierlichkeiten zu Ehren des 100. Jahrestages der Erklärung einzuschränken oder gar zu unterbinden. Er kündigte an, Großbritannien wegen der Balfour-Erklärung vor dem Internationalen Strafgerichtshof anklagen zu wollen. Wiederholt rief er die britische Regierung dazu auf, sich für die Deklaration zu entschuldigen. Die britische Premierministerin Theresa May lehnte das in ihrer Rede während der Feierlichkeiten in Gegenwart von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu rundheraus ab.

Erklärung spaltet die Gemüter

Der Geschichtsprofessor und Nahost-Experte Martin Kramer weist in seinem Essay „The Forgotten Truth about the Balfour Declaration“ („Die vergessene Wahrheit über die Balfour-Erklärung“) auf diese die Gemüter spaltende Wirkung der Erklärung hin: „Die Erklärung gelangte dazu, entweder als der Zeugungsmoment Israels (und was der pro-zionistische Parlamentarier Richard Crossman als ‚einen der größten Akte westlicher Staatskunst im 20. Jahrhundert‘ bezeichnete) oder als die Ursünde gegen die palästinensischen Araber (und was der palästinensische Gelehrten-Aktivist Walid Chalidi vor kurzem als ‚das mit Abstand zerstörerischste politische Dokument bezüglich des Nahen Ostens im 20. Jahrhundert‘ bezeichnete) zu gelten. [...] Gemäß verschiedener Ankündigungen wird [das Jubiläum] im November von Israel gefeiert, von den Palästinensern reklamiert und von Großbritannien ‚begangen‘ werden.“

Um die Bedeutung der Balfour-Deklaration für die Entstehung des modernen Staats Israel und dessen Rechte am Land Israel zu erklären und in einen größeren Kontext einzubetten, möchte ich auf eine Geschichte aus dem Tanach (Hebräische Bibel) zurückgreifen, von der ein jüdischer Priester, in dem nach ihm benannten Buch Esra, berichtet. Zur Vorgeschichte sei gesagt, dass die Israeliten nach 70 Jahren in babylonischem Exil ins Land ihrer Vorväter zurückgekehrt waren. Dort bauten sie zunächst Jerusalem wieder auf; all das in einer Zeit wachsenden Widerstands und Angriffen vonseiten ihrer Feinde.

Die ausgewählte Passage ist Teil eines Briefes der Statthalter Persiens im Land Israel an den damaligen Weltherrscher, den persischen König Darius. Darin berichten sie davon, wie die Juden den Tempelbau den Verboten und Erlässen des Königs zum Trotz wieder aufgenommen haben. Nach den Gründen gefragt, erklären die Juden: „Aber im ersten Jahr des Kyrus, des Königs von Babel, befahl der König Kyrus, dies Haus Gottes wieder zu bauen.“ 

Dem gehen die Statthalter nach und schreiben dem König: „Und nun: Gefällt es dem König, so lasse man suchen im Schatzhaus des Königs, das dort in Babel ist, ob es von dem König Kyrus befohlen sei, das Haus Gottes zu Jerusalem wieder aufzubauen, und man sende uns des Königs Meinung da-rüber. Da befahl der König Darius, dass man nachforschen sollte im Haus der Schriften, wo in Babel die Schätze aufbewahrt wurden. Da fand sich in Achmeta in der Festung, die in der Provinz Medien liegt, eine Schriftrolle, auf der geschrieben stand: Aufzeichnung. Im ersten Jahr des Königs Kyrus befahl der König Kyrus, das Haus Gottes in Jerusalem wieder aufzubauen.“

Ein antiker Vorläufer Balfours

Lassen Sie mich deutlich machen, dass es mir hier in keiner Weise um den Tempelbau geht. Das ist in dieser Passage zwar der Kontext, aber ich möchte einen anderen Punkt herausstellen: Dies ist das erste Mal in der Geschichte Israels, dass das Volk Israel, aus dem Exil zurückgekehrt, seinen Anspruch am Land Israel nicht (nur) an den Verheißungen Gottes an Stammvater Abraham festmachte, sondern sich ausdrücklich auf das brieflich zugesicherte Wort eines heidnischen Herrschers berief.

Die Berufung auf geltendes internationales Recht war nötig, um die infrage gestellte Rechtmäßigkeit der Wiederansiedlung der Juden im Land ihrer Väter und ihrer Bautätigkeit zu beweisen und die Unterstützung des Königs zu erlangen. Kyrus war hier eine Art antiker Vorläufer Lord Balfours! Auch er hatte ein Edikt zum Wiederaufbau erlassen. Auch in seinem Fall geriet brieflich zugesichertes Wort vonseiten der Herrschenden der Nationen in Vergessenheit. Sie verfolgten vielmehr eine Politik entgegen dem Wortlaut und Geist des Briefes.

Womit wir wieder in die Moderne wechseln können: Die Balfour-Deklaration, deren Entstehung jahrelange diplomatische Anstrengungen und Bemühungen der zionistischen Bewegung vorausgingen, diente als legaler Grundstein des zionistischen Projekts in Palästina. Am Anfang war sie nicht mehr als eine Absichtserklärung der britischen Regierung, zumindest formell. Zustimmungsbekundungen von US-Präsident Woodrow Wilson, dem Papst, Italien und Frankreich lagen vor.

In den Archiven versunken

Aber durch ihre wortwörtliche Implementierung in die San-Remo-Resolution der Gewinnermächte des 1. Weltkriegs von 1920 und durch das darauf fußende Britische Mandat Palästina des Völkerbundes von 1922 erhielt sie den Status internationalen Rechts. Artikel 80 der UNO beinhaltet, dass besagte Erklärungen auch unter der UNO weiterhin Bestand haben. Doch gleich wie ihr antiker Vorgänger versank auch die Balfour-Erklärung in den Archiven und bestimmte fortan die Politik der Weltmächte vis-à-vis dem zionistischen Projekt und später nicht mehr.

Vielmehr standen den Bemühungen der Juden, sich im Land getreu der Verträge anzusiedeln und dort zu bauen, wachsende Antipathie und zunehmend restriktive Maßnahmen derjenigen entgegen, die ihnen ursprünglich größte Anstrengungen zur Unterstützung zugesagt hatten. Dabei hielt sich der Staat Israel stets an seine von Lord Balfour vertraglich festgesetzten Verpflichtungen, weder die zivilen, noch die religiösen Freiheiten der Nicht-Juden im Land zu beschneiden.

Auch wenn die westliche Welt aktuell in ihrer Politik gegenüber Israel selten weiter als ins Jahr 1967 (Resolution 242) und so gut wie nie über das Jahr 1947 (Resolution 181 „UN-Teilungsplan“) hinausgeht und jüdische Aktivitäten und Bautätigkeiten deshalb stets als illegitim oder gar illegal ansieht (Resolution 2334), reichen die jüdischen Rechte am Land Israel und an Jerusalem im internationalen Recht weiter zurück, bis in die Zeit um die 1920er Jahre herum.

Doch der Erlass des Kyrus in seiner modernen Form der Balfour-Erklärung fristet sein Dasein noch immer in den Archiven und entfaltet keine tagespolitische Wirkung mehr. Der Zeitgeist ist auf anderes aus. Angestachelt durch die lokalen Widersacher der Juden schäumen die Herrscher in den europäischen Hauptstädten ob der Dreistigkeit der Juden, ihre Vorgaben und Erlässe zu übertreten.

Das 100-jährige Jubiläum der Balfour-Deklaration ist ein passender Anlass, das verbriefte Recht der Juden, im ganzen Land Israel zu bauen und zu siedeln, wieder aus den Archiven zu kramen. Wann werden die politischen Leiter der Nationen dazu kommen, den Widersachern jüdischen Wiederaufbaus zu sagen: „So haltet euch nun fern von dort [...] Lasst sie arbeiten [...] wieder aufbauen.“ Esra 6,6–7. Wir kennen den modernen Kyrus, aber wer wird der moderne Darius?

Josias Terschüren ist Theologe und arbeitet als Direktor für Öffentlichkeitsarbeit bei der Initiative 27. Januar.

Von: Josias Terschüren

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Sun, 11 Nov 2018 16:41:00 +0100
<![CDATA[Asia Bibi möchte gerne nach Deutschland ausreisen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/11/asia-bibi-moechte-gerne-nach-deutschland-ausreisen/ Nach der Aufhebung des Urteils und der Entlassung aus der Haft will die pakistanische Christin Asia Bibi das Land verlassen und mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen. Das berichtet die Bild am Sonntag (BamS). „Meine Mandantin wäre glücklich, wenn sie mit ihrer Familie nach Deutschland ausreisen könnte", erklärte Bibis Rechtsanwalt, Saif-ul-Malook, gegenüber der Zeitung.

Die 51 Jahre alte fünffache Mutter Asia Bibi war 2010 wegen angeblicher Gotteslästerung im überwiegend muslimisch geprägten Pakistan zum Tode verurteilt worden. Ende Oktober hob der Oberste Gerichtshof des Landes das Urteil auf, die Frau wurde aus der Haft entlassen. Gegen die Entlassung hatten radikal-islamische Gruppen in dem Land protestiert. Aus Angst vor Übergriffen hielt sich die Familie Bibis daher an einem unbekannten Ort versteckt. Nach Angaben der BamS zieht ein „radikal-islamischer Mob" durch die Straßen und fordert die Hinrichtung der Christin.

Auswärtiges Amt hilft

Bibis Anwalt schätzt die Lage seiner Mandantin weiterhin als riskant ein. Bibi habe zwar keine gerichtlichen Auflagen zu erfüllen und könne gehen, wohin sie wolle, jedoch werde die Zeit „knapp". Dem Artikel zufolge bemüht sich das Auswärtige Amt in Berlin um Hilfe für die pakistanische Christin. Die Behörde sei „mit der pakistanischen Regierung" und Partnern „im Gespräch". Dem BamS-Artikel zufolge ist eine „Reihe von europäischen Ländern" gegenüber einer Aufnahme Bibis und ihrer Familie aufgeschlossen. „Dazu gehört selbstverständlich auch Deutschland“, zitiert die Zeitung das Außenministerium.

Politiker und Journalisten in Deutschland hatten gefordert, dass die Christin in Deutschland Schutz findet. Am Montag hatte der Journalist Henryk M. Broder in der Tageszeitung Die Welt verlangt: „Frau Merkel, retten Sie Asia Bibi!" Nach Meinung des Journalisten sollte die Bundesregierung der pakistanischen Christin und ihrer Familie Asyl anbieten, selbst wenn das zu einer diplomatischen Krise führe. Michael Brand, der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, teilte am Dienstag mit, es müsse alles unternommen werden, um Freiheit und Sicherheit für Bibi zu ermöglichen.

Für den 11. November ruft die Weltweite Evangelische Allianz zum „Internationalen Gebetstag für verfolgte Christen“ auf. Daran nehmen Christen und Gemeinden aus mehr als 100 Ländern auf allen Kontinenten teil.

Von: Norbert Schäfer

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Sun, 11 Nov 2018 08:50:00 +0100
<![CDATA[Evangelische Frauen attackieren Kirchenleitung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/10/evangelische-frauen-attackieren-kirchenleitung/ Kurz vor Beginn ihrer Synode, die vom 11. bis zum 14. November in Würzburg stattfindet, muss sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) Kritik gefallen lassen. Grund ist ihr Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch. Die Vorsitzende des Vereins Evangelische Frauen in Deutschland (EFiD), Susanne Kahl-Passoth, hat am Samstag gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger erklärt: „Es gibt immer noch Leute, den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm eingeschlossen, die mit dem Thema Missbrauch am liebsten nichts zu tun hätten und sich nicht ein bisschen in die Situation der Opfer einfühlen.“

Bei der Tagung des Kirchenparlamentes in Würzburg wird unter anderem auch Missbrauch in der Kirche ein zentrales Thema sein. Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, hatte eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema angekündigt.

In einer Pressemitteilung des Vereins hat Kahl-Passoth die fehlende Aufmerksamkeit vieler Landeskirchen für „diese lange ignorierte Gewaltform“ kritisiert. Es mangele zudem an einer selbstkritischen Reflexion der strukturellen Bedingungen, die Missbrauch ermöglichten. „In Bezug auf Prävention sind die meisten Landeskirchen auf einem guten Weg“, erklärte die Vorsitzende des Vereins, dem eigenen Angaben zufolge 39 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 3 Millionen Mitgliedern angehören. In der Begleitung der Betroffenen und der Aufarbeitung des Geschehenen seien viele Landeskirchen unzureichend engagiert. Der Verein fordert eine zentrale unabhängige Anlauf- und Beschwerdestelle. Diese müsse „angemessen ausgestattet" sein.

Von: Norbert Schäfer

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Sat, 10 Nov 2018 18:18:00 +0100
<![CDATA[Kirchen fehlen 2030 etwa 14.000 Pfarrer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/10/kirchen-fehlen-2030-etwa-14000-pfarrer/ Den beiden großen Kirchen in Deutschland werden einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus zufolge bis zum Jahr 2030 insgesamt etwa rund 14.000 Pfarrer fehlen. Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, geht davon aus, dass bis 2030 etwa 7.000 der aktuell rund 13.500 Priesterstellen in den katholischen Bistümern nicht mehr besetzt werden können. Sternberg nannte diese Entwicklung in der aktuellen Ausgabe des Focus „katastrophal“. „Wir werden die gewohnten Strukturen nicht mehr halten können", erklärte Sternberg gegenüber dem Nachrichtenmagazin. Seiner Ansicht nach müssen in Zukunft mehr Aufgaben von Laien übernommen werden.

Nicht besser geht es der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Der Pfarrerverband erwartet, dass von derzeit rund 21.000 Pfarrstellen bis zum Jahr 2030 ebenfalls rund 7.000 Stellen nicht mehr besetzt werden können, berichtet der Focus. Als Grund für den drohenden Pastorenmangel wird in dem Artikel der demografische Wandel angeführt. Die Nordkirche hat nach Focus-Angaben auf den zu erwartenden Personalnotstand bereits reagiert und ermöglicht seit 2016 ein Vikariat im Ehrenamt. Damit soll bereits berufstätigen Theologen die Ausbildung zum Pastor ermöglicht werden.

Von: Norbert Schäfer

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Sat, 10 Nov 2018 16:13:00 +0100
<![CDATA[Sechs Menschen, die wichtig waren im Ersten Weltkrieg]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/10/sechs-menschen-die-wichtig-waren-im-ersten-weltkrieg/ Von: Johannes Blöcher-Weil

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Sat, 10 Nov 2018 15:14:00 +0100
<![CDATA[„Jesus ist meine Kraftquelle“: DJ legt in Kirche auf]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2018/11/10/jesus-ist-meine-kraftquelle-dj-legt-in-kirche-auf/ Vor St. Thomas stehen sie Schlange. Alle wollen zu Robert Hood, der in der Nacht im legendären „Tresor“, einem Techno-Club ganz in der Nähe, auflegt. Im Innenraum einer der größten Kirchen Berlins schicken blaue Scheinwerfer ihr kühles Licht in die Kuppel. Im Altarraum brennen vier lange Kerzen, neben dem Pult mit der aufgeschlagenen Bibel steht das DJ-Mischpult. Als sich die Kirche gefüllt hat, erinnern zunächst die Kreuzberger Pfarrerin Rebecca Marquardt und Stefanie Hoffmann, Pfarrerin für Digitale Verkündigung, an die zwei historischen Ereignisse des 9. November, an die Pogromnacht und den Mauerfall. „Lasst uns Brücken der Liebe bauen“, ist ihr Appell und die Überleitung zu Robert Hood lautet: „Techno baut Brücken.“

Jeder soll Gottes Liebe kennenlernen

Kaum tritt der Afroamerikaner hinter sein Mischpult, brandet Beifall auf. Bald bebt der Boden im wummernden 4/4-Takt, Robert Hood zieht die Regler hoch, spielt unter anderem Klänge seines Gospel-House-Tracks „We Magnify His Name“. Das überwiegend junge Publikum tanzt begeistert mit. Nach rund zehn Minuten ist allerdings erstmal Schluss, Hood nimmt die Bibel zur Hand und tritt ans Mikrofon. Er fordert die Besucher auf, für den Herrn zu klatschen. Sein Gebet sei, dass jeder hier Gottes Liebe sehe und Gott kennenlerne, sagt er. Er selbst kenne ihn, Gott sei real. „Er ist die Quelle meiner Kraft, meines Lebens“, bekennt der DJ und Prediger. In der Musik sei ein „Plug-in“ wichtig, betont Hood und zeigt auf sein Equipment. „Auch von uns braucht jeder eine Kraftquelle. Jesus Christus ist die Quelle meiner Kraft, ich könnte nichts tun ohne ihn, und ich habe es lange versucht.“

Einiges erzählt der 1965 in Detroit geborene Hood aus seinem Leben. Dass sein Vater umgebracht wurde, als er selbst sechs Jahre alt gewesen sei. Von einem Traum, in dem sein Großvater zu ihm von Jesus geredet habe. Er habe gedacht zu wissen, was Leben sei, habe jedoch immer als Stiefkind außerhalb der Gnade Gottes gelebt. „Ich liebe Techno, ich liebe House, ich liebe Disco, aber am Ende des Tages brauche ich Christus in meinem Leben“, macht der DJ und Komponist deutlich. Lange habe er sich selbst nicht lieben können, sei sehr deprimiert gewesen und habe keinen Grund gesehen, weiterzuleben. Gott habe ihm einen anderen Weg gezeigt. Jeder habe diese Wahl.

„Lest die Bibel“

Eindringlich redet Hood von Gottes Liebe: „Du hast keine Vorstellung davon, wie sehr Gott dich liebt. Jesus hat sein Leben gegeben. Mein Gebet ist, dass ihr seine Liebe und Gnade empfangt. Es geht nicht um mich, sondern um Jesus.“ Zum Ende der knapp halbstündigen Predigt ruft er dazu auf, das Leben Jesus zu übergeben. „We have to plug in“, so sein Appell an die Hunderten Zuhörer. Er betet ein Gebet vor, das viele in der Kirche nachsprechen. Lest die Bibel, fordert er sie auf, „dieses Wort ist Leben, das verspreche ich euch“. Nachdem der Berliner Chor der Kulturen der Welt unter Leitung von Esmeralda Conde Ruiz gesungen hat, legt der DJ noch einmal auf, die Menge jubelt und tanzt. Hood hebt die Hand mit ausgetrecktem Zeigefinger zur Decke: Es geht um Gott.

Hood sei ein überzeugter, frommer Mann, hatte vor der Techno-Andacht bereits die Pressesprecherin des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Stadtmitte, Christiane Bertelsmann, gegenüber pro erklärt. Sie könne sich weitere Aktionen wie die Techno-Andacht für die Zukunft vorstellen. Zustande gekommen war dieser Abend eher durch Zufall auf Initiative von „Tresor“-Betreiber Dimitri Hegemann, der auch am Gottesdienst teilnahm. Hood stand für den 9. November im „Tresor“ auf dem Programm und Hegemann wusste, dass Hood in seiner Heimat Alabama auch predigt. „Wir haben ihn gefragt, ob er Lust habe, in St. Thomas zu sprechen, und er willigte spontan ein“, teilte Hegemann pro mit.

Die Techno-Andacht ist vorbei, die Menschen strömen nach draußen. Eine Handvoll junger Leute unterhält sich über den Abend. Einer der Männer fand es bewegend, er sei noch ganz aufgekratzt, erzählt er. „Also bei mir hat es gar nichts bewirkt“, gesteht eine Frau. Ein anderer wiederum findet die Verbindung von Kirche und Techno etwas problematisch, so eine Veranstaltung ziehe ja ein ganz bestimmtes Publikum an. Na und, findet ein anderer der jungen Männer, wenn es schon nur ein oder zwei zum Nachdenken gebracht habe, hätte es was genutzt. Er selbst mag das Wort „Gott“ nicht so gern in den Mund nehmen, erklärt er und spricht lieber von „Spiritualität“. Aber auch bei ihm habe dieser Gottesdienst etwas bewirkt, etwa schöne Erinnerungen geweckt an seine Großmutter, die manchmal an seinem Bett gebetet habe. Es sei ein guter Weg, meint der erste wieder. „Es muss ja nicht jeder Gottesdienst eine Techno-Party sein, aber wenn jemand so seine eigene Geschichte erzählt, ist das inspirierender, als wenn man nur stur aus der Bibel vorliest.“

Von: Christina Bachmann

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Sat, 10 Nov 2018 11:32:00 +0100
<![CDATA[Beten für Verfolgte: Abseits des Blicks der Welt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/11/10/beten-fuer-verfolgte-abseits-des-blicks-der-welt/ In vielen Ländern der Welt werden Christen aufgrund ihres Glaubens geächtet, bedroht verfolgt und sogar getötet. Über die Lage von Christen in Pakistan liest man aktuell immer wieder, auch wegen der Berichterstattung über Asia Bibi. Der Richterspruch gegen die zum Tode verurteilte pakistanische Christin wurde vor knapp zwei Wochen aufgehoben. Doch das Geschehen in manch anderen Ländern, in denen Christen auch in Not leben, wie etwa in Nepal, Somalia oder Turkmenistan findet selten Eingang in den Nachrichten und Magazinen.

Die Deutsche Evangelischen Allianz (DEA) hat es sich zum Anliegen gemacht, „die um ihres Glaubens willen Leidenden nicht zu vergessen, nur weil sie nicht im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stehen“, sagt Hartmut Steeb, der DEA-Generalsekretär. Anlass ist der bevorstehende internationale Gebetstag für die verfolgten Christen am 11. November. So habe man sich in den deutschsprachigen Allianzen dazu entschieden, einmal den Fokus auf diese Länder zu richten. In einem zu diesem Anlass von der Allianz bereitgestellten Informationsheft finden sich Fakten zu diesen Ländern.

Nepal – Zeit der Religionsfreiheit könnte zu Ende gehen

Im Oktober 2017 unterzeichnete die Präsidentin Nepals ein Gesetz, das Religionswechsel sowie die „Verletzung religiöser Gefühle“ unter Strafe stellt. Noch sei es zu früh, um die Folgen dieses Gesetzes abzuschätzen, heißt es von der Allianz. Tatsache sei aber, dass die stark wachsende Zahl der Christen (offiziell 1,4 Prozent, aber eher geschätzte vier Prozent) der hinduistischen Mehrheit ein Dorn im Auge sei. Darum seien nun die Christen verunsichert. Vieles spreche dafür, dass radikale Hindu-Gruppierungen, die, bestärkt von der BJP-Regierung des indischen Premierministers Narendra Modi im benachbarten Indien, einen Aufschwung erleben, Hassgefühle gegen die Christen schüren und das Gesetz für ihre Zwecke missbrauchen.

Somalia – eines der gefährlichsten Länder für Christen

Somalia ist eines der weltweit gefährlichsten Länder für Christen. Beobachter berichten davon, dass der Besitz einer Bibel zur sofortigen Hinrichtung führe. Auch das Reden am Telefon über den christlichen Glauben werde als todeswürdig erachtet. Eine vom Rat der Imame erlassene Fatwa hat das Todesurteil für alle somalischen Christen erlassen, nicht nur in Somalia selbst, sondern weltweit. Die Verfolgung somalischer Christen reiche bis nach Westeuropa. Man geht davon aus, dass Somalia inzwischen die geringste christliche Präsenz aller Länder weltweit habe.

Turkmenistan – repressiver Staat für religiöse Menschen in Zentralasien

Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, ist Turkmenistan nach Usbekistan der repressivste Staat für religiöse Menschen in Zentralasien. Auch die muslimische Bevölkerungsmehrheit unterliegt strenger Überwachung. Alle nicht gemeldeten religiösen Aktivitäten, einschließlich christlicher Feiern wie Hochzeiten oder Weihnachtsfeiern, gelten als illegal. Privater Religionsunterricht ist gesetzlich verboten. Polizei und Geheimdienst überwachen Moscheen, Kirchen und Gemeinden.

Der Gebetstag für die verfolgten Christen wird jährlich von der Weltweiten Evangelischen Allianz ausgerufen. An ihm nehmen Christen und Gemeinden aus mehr als 100 Ländern auf allen Kontinenten teil, in „freien“ Ländern ebenso wie in den betroffenen Ländern selbst. Die Deutsche Evangelische Allianz erarbeitet seit 1996 in jedem Jahr Vorbereitungsmaterial, das zur Gestaltung eines Gottesdienstes und ergänzender Veranstaltungen dient.

Von: Martina Blatt

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Sat, 10 Nov 2018 10:11:00 +0100
<![CDATA[Götterdämmerung]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/09/goetterdaemmerung/ Der Erste Weltkrieg veränderte die Theologie an den Universitäten. Der deutsche Nationalismus und das Preußentum vereinnahmten die „liberale Theologie“ für sich. In dieser Zeit suchte der Schweizer Theologe Karl Barth mit seinen Mitstreitern in der „dialektischen Theologie“ einen neuen Weg zu Gott. Dabei fanden sie zurück zur Bibel.

Im 18. Jahrhundert steckte die Theologie in einer Krise. Die Deutschen suchten im Zuge der Aufklärung Wege, wie der Glaube und das Christentum auch für moderne Menschen relevant bleiben konnten. Einen Ansatz dafür lieferte der wohl berühmteste Theologe des 19. Jahrhunderts, Friedrich Schleiermacher. In seinen Hauptwerken, den „Reden über die Religion“ und der „Glaubenslehre“, stellte er die protestantische Theologie auf ein neues Fundament.

Er schuf seinen Zeitgenossen neue, authentische Wege zum Glauben. Die Religion sei nicht „Metaphysik und Moral“, sondern „Anschauung und Gefühl“. Wahrer Glaube bedeute nicht, bestimmte Aussagen über die Natur der Realität („Metaphysik“) für wahr zu halten oder bestimmte Verhaltensregeln zu befolgen („Moral“), sondern das echte, authentische Erleben des Göttlichen. Der Mensch solle Gott nicht durch von außen oktroyierte Wahrheitsansprüche, sondern in seine Innersten erleben.

Glaube wurde wieder salonfähig

Was bei Evangelikalen Proteste auslösen könnte, war für die Menschen dieser Zeit eine Erlösung. Schleiermacher machte den Glauben salonfähig und deutete das Fundament der Theologie um. Er wird deshalb oft als „Kirchenvater des 19. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die Erlösung forderte aber einen Preis: sie ging weg von externen Wahrheitsansprüchen, hin zum Menschen und seinem frommen Bewusstsein. Das Christentum war für ihn die wahre Religion, weil der Mensch Gott in dieser Religion in den reinsten Gefühlen begegnen konnte.

Für Schleiermacher war dem Menschen die Möglichkeit, Gott zu hören, quasi in die Wiege gelegt. Sünde und Gottferne klammerte er eher aus. Das griffen andere auf.

Wenn der Mensch schon ein funktionierendes Gottesbewusstsein hat, dachten manche Theologen, brauche es auch keine jenseitige Rettungstat eines transzendenten Gottes mehr. Für Albrecht Ritschl etwa war vor allem das ethische Handeln der Christen wichtig. „Christ und „Bürger“ wurden beinahe zu Synonymen. Für Deutschland bedeutete das, dass die liberale Theologie patriotisch wurde. Gott baute sein Reich in der preußisch-bürgerlichen Gesellschaft.

Als sie diese Gesellschaft bedroht sahen, meldeten sich die Theologen zu Wort. Im „Manifest der 93“ richteten sich führende deutsche Wissenschaftler 1914 einen „Aufruf an die Kulturwelt“. Er richtete sich gegen die „Lügen und Verleumdungen“, mit denen die Feinde Deutschland beschmutzten. Deutschland habe den Krieg weder verschuldet noch gewollt. Das Manifest rühmt die Friedensliebe des Kaisers. Unterzeichnet haben es namenhafte Theologen der liberalen Schule wie Adolf von Harnack. Für manchen von ihnen war das Projekt des Reiches Gottes selbst gefährdet, das sie mit dem liberalen, bürgerlichen Projekt identifizierten.

Erste Zweifel an der liberalen Theologie

Der Schweizer Karl Barth kam als entschiedener Anhänger der liberalen Theologie zum Studium nach Berlin und Marburg, zwei Hochburgen der liberalen Theologie. Schleiermacher sah er als „wahren Erben der Reformatoren“. Nach seinem Studium übernahm Barth seine erste Pfarrstelle in der Schweizer Arbeitergemeinde Safenwil. Dort kamen ihm erste Zweifel an der dieser Tradition. Er sah, wie seine Gemeindemitglieder um das tägliche Überleben kämpften. Barth erlebte „eine Bekehrung zur Sache des Sozialismus“ und trat der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz bei.

Entsetzt war Barth, dass ein Teil seiner Lehrer das „Manifest der 93“ unterzeichnet hatte. Er brach mit der liberalen Theologie, weil er nicht glauben konnte, dass sich Intellektuelle mit der „Kriegspolitik Kaiser Wilhelms II.“ identifizierten: „Ich habe eine Götterdämmerung erlebt (…) wie Religion und Wissenschaft restlos sich in geistige 42 cm Kanonen verwandelten“, schreibt er in seinen Erinnerungen. „(Ich wurde irre) an der Lehre meiner sämtlichen Theologen in Deutschland, die mir durch das, was ich als ihr Versagen gegenüber der Kriegsideologie empfand, rettungslos kompromittiert erschienen.“

Für Barth hatte die liberale Theologie ethisch versagt. Auch ihre exegetischen und dogmatischen Voraussetzungen konnten also nicht in Ordnung sein, schloss er. Was er bisher grundsätzlich für glaubwürdig hielt, kam bis auf die Grundlagen ins Schwanken. Die liberale Theologie hatte nicht verhindern können, dass bürgerliche und sogar völkische Ideologie in ihre Rezeption des Evangeliums eindrangen. Polemisch und vernichtend fällt die Kritik aus, die er gegenüber seinem Freund Eduard Thurneysen an ihr formulierte: „Die absoluten Gedanken des Evangeliums werden einfach bis auf weiteres suspendiert, und unterdessen wird eine germanische Kampftheologie in Kraft gesetzt…“

Barth war nicht der Einzige, aber der Lauteste

Die liberale Theologie als solche war nicht diese Kampftheologie, aber sie hatte nichts, womit sie sich gegen die, die sie zu ihr machen wollten, verteidigen konnte. Ihr Fundament war für Barth porös – es musste niedergerissen werden.

Gelegt hatte diese Fundament Schleiermacher, wenn auch unabsichtlich. Barth war sich sicher, dass Schleiermacher das Manifest nie unterschrieben hätte. Deswegen nahm er ihn von der ideologischen Kritik aus, sah aber doch in sei Theologie „vom Menschen her“ die Wurzel allen Übels. Barth war nicht der einzige, aber der lauteste Kritiker.

Seine Gedanken waren federführend für die neue Bewegung der „dialektischen Theologie“. Gemeinsam mit Theologen wie Eduard Thurneysen, Emil Brunner, Friedrich Gogarten und Rudolf Bultmann entwickelte er einen neuen Zugang zu Gott. Dabei half ihm paradoxerweise auch der Krieg. Dessen verheerende Folgen zerstörten den deutschen Fortschrittsoptimismus. Das Projekt des „Reiches Gottes auf Erden“ schien gescheitert. Stattdessen waren die unterlegenen Deutschen radikal mit ihrer eigenen Gebrochenheit und der Unvollkommenheit der Welt konfrontiert.

Der Krieg und seine Folgen bedeuteten für Deutschland eine Krise. Unter anderem deshalb wird die dialektische Theologie auch die „Theologie der Krisis“ genannt. Besser bekannt ist sie als „Theologie des Wortes Gottes“. Barths Grundgedanke war, dass Gott radikal anders ist und mit dem Menschen nichts gemein hat. Der Mensch kann ihn nicht von sich aus erschließen. Sollte er es versuchen, wird er immer nur auf seine eigene Gebrochenheit und Sündhaftigkeit zurückverwiesen. „Religion ist Unglaube“, erklärte Barths. Schleiermacher habe verkannt, dass Religion „nur von einer Realität [redet]: von der Realität der Sünde“.

Der Mensch kann Gott nicht erkennen. Er ist in seiner Gebrochenheit gefangen. Doch es folgt das entscheidende Aber. In dieser Situation macht sich Gott selbst dem Menschen bekannt. Wenn der Mensch erkennt, dass er nicht zu Gott kommen kann, kommt Gott zu ihm und spricht sein rettendes Wort in die Unerlöstheit hinein, das Jesus Christus heißt.

Gottes Wort kommt „senkrecht von oben“

Der vielleicht berühmteste Ausspruch Barths lautet, dass das Wort Gottes „senkrecht von oben“ zu den Menschen kommt. Der Mensch kann dazu nichts beitragen. Wo Schleiermacher noch dachte, dass der Mensch nur von Gott sprechen könne, indem er von sich selbst spreche, war Barth noch radikaler: Nur Gott kann von Gott sprechen. Menschen können es erst in zweiter Linie, weil Gott in Gnade sein Wort gegeben habe. Aber dieses Wort steht zuerst. Es setzt sich selbst. Der Mensch kann es nicht selbst sprechen. Er kann nur antworten.

In dieser Spannung verortet Barth die Theologie radikal neu. Er macht gerade diese Spannung zu ihrem Gegenstand. In seinem berühmten Aufsatz „das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie“ schreibt Barth 1922: „Wir sollen als Theologen von Gott reden. Wir sind aber Menschen und können als solche nicht von Gott reden. Wir sollen Beides, unser Sollen und unser Nicht-Können, wissen und eben damit Gott die Ehre geben“. In der Spannung von Sollen und Nicht-Können hat Barth den Krieg erlebt.

Mit seinem berühmten Kommentar zum Römerbrief löste er ein „wissenschaftliches Erdbeben“ aus. Der Weg führte ihn und die dialektische Theologie radikal zurück zur Bibel. Er selbst nahm es so wahr, dass er der bürgerlich-deutschen Theologie den Römerbrief „ins Gesicht schmetterte“. Auch Paulus, so Barths Tenor, habe die Andersartigkeit Gottes gesehen und in seinen Briefen beschrieben. „Gott ist im Himmel, du bist auf Erden“, lautete die Kernaussage. Gott habe sich zwar in seinem Wort Jesus Christus offenbart, aber die Offenbarung Gottes sei eine negative.

Bombe der Gottesoffenbarung in unserer Welt geplatzt

Barth beschreibt die Gottesoffenbarung in einer Kriegsmetaphorik. Für ihn hinterlässt sie in unserer Welt nur „Einschlagstrichter und Hohlräume“. Die Bombe der Gottesoffenbarung sei in unserer Welt geplatzt, aber sichtbar zurück bleibe nur der Krater. Nur diese Leere verweise in der Welt selbst auf Gott.

Nur durch die Auferstehung Jesu Christi können wir von Gott reden, meinte Barth. Aber auch sie ist eine negative Offenbarung. Sie geschieht zwar in unserer Welt, aber sie berührt sie nur „wie die Tangente den Kreis. Sie berührt sie, indem sie sie nicht berührt, und gerade darin berührt sie sie als andere, als neue Welt“, erklärt Barth. Das leere Grab ist der Krater.

In der Welt selbst findet der Mensch also nur das „Nein“, das ihn immer neu auf das „Ja“ Christi verweist. Das „Ja“ hört er durch das „Nein“ hindurch. Diesen Gegensatz, diese Dialektik, muss der Mensch aushalten. Der Krieg war für Barth die höchste Ausformung des „Nein“. Doch er und seine Mitstreiter haben gerade darin das „Ja“ Gottes gehört.

Die dialektische Theologie als einheitliche Bewegung existierte nur bis 1933. Dann gingen ihre Mitglieder, konfrontiert mit dem Nationalsozialismus, getrennte Wege. Barth schrieb seine monumentale 30 Bände umfassende „Kirchliche Dogmatik“. Bis heute unbestritten ist die Bedeutung des streitbaren Theologen.

Seine Stellung als einer der wichtigsten protestantischen Theologen des 20. Jahrhunderts festigte er in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Theologie des Wortes Gottes war die einzige, die der Gleichschaltung der Kirchen durch die Nationalsozialisten effektiven Widerstand leisten konnte. Sie hatte keinen Platz für einen „deutschen Jesus“. Barth wurde so zum „Kirchenvater des 20. Jahrhunderts“ – und steht damit doch wieder in Kontinuität zu Schleiermacher.

Von: Martin Jockel

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Fri, 09 Nov 2018 14:46:00 +0100
<![CDATA[Junge Menschen wählen demokratisch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/11/09/junge-menschen-waehlen-demokratisch/ Vergangenen Dienstag haben in den USA die wichtigen Midterm-Wahlen stattgefunden. Während die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen konnten, behalten die Republikaner ihre Mehrheit im Senat. Wer die Zahlen analysiert, stellt große Unterschiede bei der Stimmverteilung fest.

Jeder Dritte der unter 30-jährigen Amerikaner gab seine Stimme am Sonntag einem Kandidaten der Demokraten. Dies geht aus der Analyse des Fernsehsenders CNN hervor. Ausgeglichen ist dieses Bild bei den älteren Wählern. 50 Prozent der Amerikaner ab 50 Jahren wählen Republikaner. Das deckt sich mit den vorangegangenen Midterm-Wahlen. Auffällig ist der Unterschied bei den beiden Geschlechtern. Während bei den Männern 48 Prozent für Demokraten und 50 Prozent für die Republikaner votierten, gibt es bei den Frauen eine deutliche Tendenz: Sechs von zehn wählten die Demokraten, dagegen nur 39 Prozent die Republikaner. Das ist eine starke Verschiebung gegenüber den letzten Zwischenwahlen 2014. Damals waren beide politischen Lager noch gleichauf.

Alle ethnischen Minderheiten votierten mit großer Mehrheit für die Demokraten. Vor allem Afroamerikaner (90 Prozent), aber auch Asiaten (77 Prozent) und Hispanics (69 Prozent) gaben ihnen ihre Stimme. Bemerkenswert ist auch das Wahlverhalten im Blick auf die Bildung. Weiße ohne Hochschulabschluss wählen mehrheitlich, zu 61 Prozent, Republikaner, während Weiße mit Universitätsabschluss tendenziell, zu 53 Prozent, Demokraten wählen. Bei nicht-weißen Wählern spielt die Bildung dagegen keine Rolle im Wahlverhalten. Sie sind dem demokratischen Lager zugeneigt.

Demokraten sind in Städten beliebt. Hier erhielten sie 65 Prozent der Stimmen. Die Hauptwählerschaft der Republikaner ist dagegen im ländlichen Raum zu finden. Dort werden sie von 56 Prozent der Bevölkerung gewählt. Einkommensstärkere Haushalte wählen mehrheitlich Republikaner. Wie bereits in früheren Wahlen stimmte auch diesmal ein Großteil (80 Prozent) der Evangelikalen für die Republikaner.

Von: Martin Schlorke

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Fri, 09 Nov 2018 12:41:00 +0100
<![CDATA[Theologe: Gottvertrauen bewahrt vor Angst und Populismus]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/09/theologe-gottvertrauen-bewahrt-vor-angst-und-populismus/ Die Kirche habe die Aufgabe, die christliche Tradition und dessen Lebensentwürfe an die junge Generation weiterzugeben. Das sagte der Theologe Christian Wolff in einem Interview der Zeitung Die Welt. Besonders in einer multireligiösen Welt ermögliche es der christliche Glaube, sich „angstfrei" und mit einem „gläubigen Selbstbewusstsein“ zu bewegen. Wolff stellte besonders den Gedanken der Gnade heraus: Der Glauben daran, dass der Mensch aus Gnade heraus lebe, ermögliche es, mit Ängsten umzugehen, „gibt Zuversicht und Orientierung und löst Aufbruchimpulse aus". So könne man sich sowohl im Gelingen als auch im Scheitern der Zusage Gottes sicher sein.

Wirkliche Freiheit könne zudem nur derjenige erleben, der ein festes Fundament verpüre. Genau das schenke der Glauben an Gott. Wolff, der bis 2014 an der Thomaskirche in Leipzig wirkte, erklärte, wie er seinen Konfirmanden den Glauben nahe gebracht habe. Wichtig sei es, zu schauen, wo die Anliegen der Jugendlichen vorkämen. Dazu habe er sich mit den Konfirmanden bei jedem Unterricht zu Beginn den biblischen Wochenspruch und das Wochenlied unter diesem Aspekt genauer angeschaut. Motiviert habe er sie durch den Gedanken, dass die biblischen Texte und Lieder die Jahrhunderte überdauerten – im Gegensatz zu Justin-Bieber-Songs, die in 500 Jahren wahrscheinlich kaum jemand mehr kennen werde, sagte Wolff. „Jugendliche entwickeln sehr schnell ein Gefühl für Werthaltigkeit. Das macht sie neugierig und empfangsbereit." Die Grundfrage von Jugendlichen in der Pubertät sei: Wer interessiert sich für mich? Der Konfirmandenunterricht biete einen geschützten Raum, um sich auszuprobieren, alles infrage zu stellen und nach Orientierung zu suchen. Das Wichtigste sei es, die Jugendlichen in ihren Fragen ernst zu nehmen.

Mit Gott durch die Krise

Wolff erklärte zudem banalen Inhalten auf Social-Media-Kanälen der Kirchen eine Absage. Es sei zum Beispiel „geistlos“, den Menschen bei Twitter einfach nur einen „schönen Tag“ und „gesegneten guten Morgen“ zu wünschen, wie es die Nordkirche manchmal mache. „Kirche muss deutlich machen: Die digitale Kommunikation darf die analoge nicht ersetzen." Die Menschennähe dürfe nicht verloren gehen. Dass die Kirche zum Teil schon die Verbindung zu ihren Mitgliedern verloren habe, zeige zum Beispiel, dass sich im ganzen Land 25 Prozent der Mitglieder der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nicht mehr kirchlich bestatten ließen, in Leipzig seien es sogar 50 Prozent.

Wer gläubig sei und Gottvertrauen habe, sei zudem nicht so empfänglich für rechtspopulistische Inhalte, sagte Wolff. „Vielen Menschen mangelt es an einem Krisenmanagement.“ Die Menschen wüssten nicht mehr, wie sie mit Niederlagen, Krankheiten oder Beziehungskonflikten umgehen sollten. Wer in solchen Situationen kein Gottvertrauen besitze, der verfalle leicht „den simplen Erklärungen der Populisten“. Dann werde „der Schwächere für meine Probleme verantwortlich gemacht“. Wolff stellte klar, dass „rechtsradikal ausgerichtete Gruppen wie Pegida/AfD mit der Kirche nichts zu tun haben". Kirche verkündige „die Botschaft von der Friedfertigkeit und von der Achtung des schwachen und gekränkten Lebens".

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 09 Nov 2018 12:08:00 +0100
<![CDATA[Lauren Daigle: „Keine Grenzen ziehen, sonst leben wir an Gottes Herz vorbei“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2018/11/09/lauren-daigle-keine-grenzen-ziehen-sonst-leben-wir-an-gottes-herz-vorbei/ Der Sängerin Lauren Daigle gelingt derzeit etwas, was nur wenige christliche Künstler schaffen: Sie feiert Erfolge in der säkularen Musikszene. Ihr Album „Look Up Child“ landete im September von null auf drei in den US-Billboard-Charts. Ende Oktober war die 27-Jährige in der beliebten „The Ellen DeGeneres Show“, kurz Ellen, zu Gast. Die Sendung ist eine Art „Institution“ in der amerikanischen Fernsehlandschaft. Sie läuft wochentags und hat stets mehrere Millionen Zuschauer. Bei Ellen sang Daigle ihr Lied „Still Rolling Stones“, welches die Botschaft des Evangeliums aufgreift.

Im Internet bekommt sie nun Kritik für ihren Auftritt bei DeGeneres. Manche Menschen störten sich an dem Lebensstil der Moderatorin. Sie lebt seit zehn Jahren mit einer Frau verheiratet und setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein. Die Sängerin nimmt auf Nachfrage zu dieser Kritik in einem Radiointerview der „The Wally Show“ Stellung: „Ich denke, in dem Moment, in dem wir anfangen, Grenzen zu ziehen, welche Menschen wir ansprechen und welche nicht, leben wir vollkommen am Herzen Gottes vorbei.“

Erste christliche Künstlerin bei Ellen

Weiter sagte Daigle, sie habe nicht alle Antworten im Leben. Aber eine Sache wisse sie und verweist auf Nächstenliebe: „Ich kann mir aussuchen, zu wem ich freundlich bin und zu wem nicht, weil das doch der Auftrag ist, richtig? Sei so, wie Christus zu allen war.“

Der Moderator der Radiosendung erwähnte zudem, dass Daigle es geschafft hat, als erster „CCM-Artist“ bei der Ellen-Show zu sein. CCM steht für Contemporary Christian Music, also für zeitgenössische christliche Musik.

2010 und 2012 nahm Daigle an der Castingshow „American Idol“ teil, dem amerikanischen Pendant zu „Deutschland sucht den Superstar“. Bei ihrer ersten Teilnahme saß DeGeneres ist der Jury der Show. Am Donnertag trat Daigle zudem in der bekannten Latenight-Show von Jimmy Fallon auf, „The Tonight Show Starring Jimmy Fallon“.

Von: Martina Blatt

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Fri, 09 Nov 2018 12:04:00 +0100
<![CDATA[Heftige Diskussion um Migrationspakt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/11/09/heftige-diskussion-um-migrationspakt/ Der Deutsche Bundestag hat in seiner Sitzung am Donnerstag über einen Antrag der AfD-Fraktion zum „Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration“ (GCM) der Vereinten Nationen (UN) beraten. Die AfD-Fraktion fordert, dem sogenannten UN-Migrationspakt nicht beizutreten. Ihrer Ansicht nach stellt der „Globale Pakt zur Migration einen Angriff auf die Verfassungsordnung Deutschlands und das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes“ dar. In der Debatte erntete die AfD fraktionsübergreifend heftige Kritik. Eine Abstimmung über den Antrag gab es nicht, die Abgeordenten verwiesen die weitere Debatte an den Auswärtigen Ausschuss.

Seit Österreichs Bundeskanzler Ende Oktober bekanntgab, auch sein Land werde den Pakt nicht unterzeichnen, bekam das Thema auch in der deutschen Öffentlichkeit Aufwind. Rechtsgerichtete Plattformen warnen vor dem Pakt, 19 Petitionen gegen das Abkommen wurden Medienberichten zufolge beim Deutschen Bundestag eingereicht.

Worum geht es?

Der „Globale Vertrag für sichere, geordnete und geregelte Migration" soll unter der Ägide der Vereinten Nationen die erste globale, zwischen Regierungen ausgehandelte Übereinkunft sein, die alle Aspekte internationaler Migration abdeckt. Das UN-Abkommen basiert auf einer Initiative aus dem Jahr 2017 und soll auf einer Regierungskonferenz im Dezember 2018 in Marokko verabschiedet werden. Als oberstes Ziel soll erreicht werden, dass die Staaten auf dem Gebiet der internationalen Migration stärker kooperieren.

Nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) gibt es weltweit rund 258 Millionen Migranten. Migration wird aufgrund demografischer Entwicklungen und den Auswirkungen des Klimawandels weltweit tendenziell zunehmen, prognostiziert die UN. Der Pakt hat zum Ziel, Migration effektiv und zum Nutzen von Herkunfts-, Transit- und Zielländern zu steuern und irreguläre Migration zu vermeiden. Das 32-seitige Abkommen betont in seinen Leitprinzipien unter anderem die nationalstaatliche Souveränität und den völkerrechtlich nicht-bindenden Charakter des Dokuments, die Universalität der Menschenrechte und bereits bestehende völkerrechtliche Instrumente.

In 23 Punkten werden Ziele für eine sichere, geordnete und reguläre Migration beschrieben. So soll eine bessere Datenerhebung dabei helfen, die Politik besser anhand der Faktenlage zu gestalten und zu einem aufgeklärten öffentlichen Diskurs beitragen. Sichere, geordnete und reguläre Zuwanderungswege sollen gestärkt, Menschenschmuggel und -handel bekämpft werden. Eine bessere internationale Zusammenarbeit soll zudem die sichere und würdevolle Rückkehr in Herkunftsländer ermöglichen.

Das Dokument ist umstritten. Neben den USA haben Australien, Ungarn und Österreich erklärt, dem Pakt nicht beizutreten. Andere Staaten haben Vorbehalte angemeldet, darunter Polen und die Schweiz. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz befürchte den Verlust österreichischer Souveränität in der Migrationspolitik, berichtet Die Zeit. Zudem verwische das Abkommen Unterschiede zwischen legaler und illegaler Migration.

Abzugrenzen ist das Dokument vom Globalen Pakt für Flüchtlinge (Entwurf), der sich ausschließlich auf Flüchtlinge bezieht, also Menschen, die nach geltendem Völkerrecht, regionalen rechtlichen Rahmenwerken oder nationalem Recht einen Schutzanspruch haben. Ziel des Globalen Pakts für Flüchtlinge ist es, eine Grundlage für eine gerechtere Verantwortungsteilung in Flüchtlingsfragen zu schaffen. Der Globale Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration bezieht sich ausschließlich auf Migranten, nicht auf Flüchtlinge.

„Wir brauchen gemeinsame Regeln“

Der CDU-Politiker Frank Heinrich erklärt zum UN-Migrationspakt auf Anfrage: „Besonders möchte ich darauf hinweisen, dass wir mit unserer Politik darauf angewiesen sind, dass es weltweit im Bereich der Migration gemeinsame Regeln gibt, und damit auch Anstoßgeber waren, einen solchen Migrationspakt zu entwickeln." Der Prozess zur Entstehung des Migrationspaktes sei maßgeblich durch die Ereignisse des Jahres 2015 angeheizt worden, konstatiert das stellvertretende Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages.

Die ganze Welt habe auf Deutschland und andere Zielländer gesehen. Mit dem Migrationspakt solle die Verantwortung der Herkunfts- und Transitländer wieder stärker in den Fokus gerückt werden. Dazu sollen unter anderem Rücknahmeabkommen geschlossen, zur Fluchtursachenminderung aufgerufen und die „Zusammenarbeit im Grenzmanagement verbessert" werden. Heinrich betont: „Im Migrationspakt wird das souveräne Recht der Staaten, ihre nationale Migrationspolitik selbst zu regeln, ebenso wie das Recht auf einen effektiven Grenzschutz bekräftigt."

DEA-Beauftragter begrüßt Ziel des Paktes

Mit dem Pakt werde zugleich die Verpflichtung jedes Staates zur Rückübernahme eigener Staatsangehöriger als wesentliches Element der Staatenzusammenarbeit verankert, erklärte Heinrich. „Zudem wird auch der Minderung von Flucht- und Migrationsursachen im Migrationspakt ein großer Stellenwert zugeschrieben", erklärt Heinrich, der sich gegen internationalen Menschenhandel und Versklavung von Menschen engagiert.

Der Politikbeauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Uwe Heimowski, begrüßt, „dass die Weltgemeinschaft den Versuch startet, Migration zu ordnen." Kein Land könne dieses Problem alleine lösen. „Die Stärke des Migrationspaktes liegt darin, abgestimmt zu handeln und Migration langfristig und nachhaltig zu steuern", erklärte Heimowski auf Anfrage.

Dass der Pakt keine Rechtsverbindlichkeit besitzt, wertet Heimowski als gleichermaßen als Stärke und Schwäche. „Einerseits kann er als Leitlinie verstanden werden, auf deren Grundlage völkerrechtlich bindende Verträge folgen, die sich an die jeweiligen nationalen Situationen anpassen, andererseits droht er gerade dadurch auch zur Makulatur zu werden", erklärte Heimowski. Willenserklärungen alleine helfen seiner Ansicht nach den Menschen nicht. Erst durch konkrete Ziele entfaltenten sie ihre politische Wirkung.

„Die AfD verbreitet Lügen zum Migrationspakt“

In der Bundestagsdebatte am Donnerstag warf der SPD-Politiker Christoph Matschie der AfD vor, Lügen über den Migrationspakt zu verbreiten. Je größer die Angst, desto größer die politische Möglichkeit der AfD. In Deutschland lebten heute rund 20 Millionen Menschen, „die eine Zuwanderungsgeschichte" hätten. „Sie hetzen Menschen gegeneinander auf", erklärte Matschie in Richtung der AfD, die „eine Kampagne“ in den Sozialen Medien gegen den Pakt führe.

AfD-Fraktionschef Alexander Gauland befüchtet mit dem Pakt eine schleichende Rechtsumwandlung. Der Vertrag würde zum Gewohnheitsrecht und befördere die „Einwanderung in die Sozialsysteme". Gauland bemängelte, dass Migration „ausschließlich als Quelle des Wohlstandes" dargestellt werde. Die Bundesregierung habe zu wenig über den Pakt informiert, die Regierung halte die Wähler für „dumm". In dem Abkommen stehe „kein Wort davon" von den Schattenseiten der Migration und vertrete ausschließlich die Sicht der Zuwanderer. Der Vertrag diene nicht deutschem Interessen und fördere die „Preisgabe der Souveränität unseres Landes".

„Pakt verringert Migrationsdruck“

Dass das Gegenteil der Fall sei, argumentierte Stephan Harbarth von der CDU/CSU-Fraktion. Er verteidigte den UN-Migrationspakt. Wer dagegen stimme, handle gegen das nationale Interesse Deutschlands. Migration sei nur mit einem internationalen Ansatz zu bewältigen. Der Unionspolitiker warf der AfD „totales Unverständnis internationaler Zusammenhänge" vor.

Auch Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Nordrhein-Westfalen warf der AfD falsche Behauptungen vor. Gauland „verunsichere" die Bevölkerung, in dem sie behaupte, es gäbe ein Menschenrecht auf Migration, der Einwanderung aus Afrika Tür und Tor öffne. Die sei „völlig falsch“. Der Pakt helfe dabei, den Migrationsdruck nach Deutschland zu verringern. „Sie entlarven sich als reine Verschwörungstheoretiker", sagte Stamp in Richtung AfD.

Sevim Dagdelen (Die Linke) konstatierte, dass „Rechtsaußen eine regelrechte Angstkampagne" führe. Die AfD-Politiker hätten die Möglichkeit an den Debatten in der UN nicht wahrgenommen. Grünen-Politiker Filiz Polat (B90/Grüne) erkannte Rassimus bei der AfD, die „suggeriere, dass eine Elite unter Führung der USA und Israel" die weiße Rasse ausrotten wolle.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 09 Nov 2018 10:39:00 +0100
<![CDATA[Marx: „Ein Christ ist verpflichtet, solidarisch mit Juden zu sein“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/09/marx-ein-christ-ist-verpflichtet-solidarisch-mit-juden-zu-sein/ Zum 80. Mal jährt sich am Freitag die Reichspogromnacht von 1938, die vom nationalsozialistischen Regime organisierten Übergriffe gegen Juden. Deutliche Worte zu Antisemitismus und Gewalt gegen Juden fand am Donnerstagabend der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, während einer Gedenkveranstaltung der Stadt Würzburg und der jüdischen Gemeinde: Die Reichspogromnacht markiere „den Übergang von der rechtlichen Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung der Juden zur offenen Verfolgung; ein Weg, der schließlich zur Schoah geführt hat“. Weiter sagte er: „Dass damals so viele – die meisten von ihnen waren Christen – weggeschaut oder tatenlos zugeschaut haben, erfüllt uns bis heute mit Scham.“

Der 9. November sei einer der denkwürdigsten Tage der deutschen Geschichte, erklärte Marx. Es ist nicht nur das Datum für die Ausschrietungen gegen Juden. Zwanzig Jahre davor wurde in Berlin die Republik ausgerufen, am Tag zuvor in München der Freistaat Bayern gegründet; am 8. und 9. November 1923 versuchte Hitler mit einem Putsch die parlamentarische Demokratie in bayern zu beseitigen; 1989 wurde in Berlin die Mauer geöffnet.

Demokratie eine gefährdete Staatsform

Wenn man die Reichspogromnacht im Zusammenhang mit den anderen Ereignissen sehe, werde deutlich, dass auch heute ein Gedenken sinnvoll und notwendig sei. „Die Ereignisse des 9. November zeigen, dass Rechtsstaat und Demokratie keine Errungenschaften sind, die einmal erworben werden und dann selbstverständlich sind. Die rechtsstaatliche Demokratie war und ist eine gefährdete Staatsform“, sagte der Kardinal. Der demokratische Rechtsstaat setze voraus, dass sich die Bürger im Alltag mit Respekt, Fairness und Wohlwollen begegnen, dass sie füreinander Verantwortung übernehmen und sich auch im Streit um Wahrheit und Wahrhaftigkeit bemühen. „Wo diese Werte missachtet werden, gerät das friedliche Zusammenleben in Gefahr. Es sind nicht erst Taten oder offenkundige Rechtsverstöße, die den Grundkonsens angreifen und beschädigen. Die letzten Jahre der Weimarer Republik zeigen uns deutlich: Die Verrohung der Sprache führt zur Verrohung der Sitten“, betonte der Kirchenmann.

Gemeinsam mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, dem Würzburger Regierungspräsidenten Paul Beinhofer und Oberbürgermeister Christian Schuchardt würdigte er das jüdische Leben in Deutschland. Es sei ein Seismograph der deutschen Gesellschaft: „Gottlob drohen heute keine staatlich organisierten Pogrome. Heute stehen Polizeiwagen vor Synagogen, jüdischen Gemeindezentren, Kindertagesstätten und Schulen. Das ist beruhigend, aber normal ist es nicht.“

Bedford-Strohm: Juden gilt Gottes Verheißung

Eindringlich forderte Marx dazu auf, aus den Ereignissen von vor 80 Jahren zu lernen: „Wir dürfen nicht wegschauen, wenn Juden in welcher Form auch immer angegriffen werden. Wir sind verpflichtet, antijüdischen Vorurteilen zu widersprechen und antijüdischen Angriffen zu widerstehen. Das ist nicht nur eine Bürgerpflicht, es ist auch eine Christenpflicht.“ Papst Franziskus sage, dass ein Christ nicht Antisemit sein könne; Kardinal Marx fügte hinzu: „Ein Christ ist verpflichtet, solidarisch mit Juden zu sein.“

Auch Bedford-Strohm betonte am Abend, dass Antisemitismus geächtet werden müsse, und sieht auch die Kirche in der Verantwortung: „Wir werden einfach nicht zulassen, dass sich Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land nicht zu Hause oder sich gar bedroht fühlen. Uns als Kirchen, die wir selbst viel Schuld im Hinblick auf unseren Umgang mit unseren jüdischen Geschwistern in der Vergangenheit auf uns geladen haben, kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu.“

Für den Landesbischof resultiert „aus der unzweifelhaften Schuld der Christen damals“ eine klare Aufgabe: Christen dürften es nicht zulassen, dass Juden hierzulande in Unsicherheit, Gefahr und Angst leben. „Wir müssen alles tun, damit das dumme antisemitische Denken, Reden und Handeln von Alt- und Neonazis, aber auch aus der Mitte der Gesellschaft, bei uns keinerlei Chance und keinerlei Einfluss hat.“ Die Aufgabe sei es, Kinder und Jugendliche im Respekt vor allen Menschen, „auch und gerade vor den Menschen jüdischen Glaubens, die unter uns leben“, zu erziehen. Ihnen gelte weiterhin „Gottes Verheißung, dass sie zu dem Volk gehören, das Gott erwählt hat. Darum sind sie unsere Schwestern und Brüder.“

Von: Martina Blatt

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Fri, 09 Nov 2018 10:16:00 +0100
<![CDATA[An Gottes Seite durch den Nazi-Terror]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2018/11/09/an-gottes-seite-durch-den-nazi-terror/ Eine Rezension von Jörn Schumacher]]> Es gibt viele Berichte von Überlebenden des Nazi-Horrors. „Geborgen im Schatten deiner Flügel“ sticht insofern heraus, dass es der Bericht einer Jüdin ist, die fest an Jesus glaubt. In ihrem lebendig erzählten Bericht verfolgt der Leser den beginnenden Terror der systematischen Drangsalierung von Juden und schließlich das fanatische Morden an Millionen von unschuldigen Menschen unmittelbar mit.

Anita Dittman schreibt über den zwölf Jahre andauernden „Albtraum“: „Unter all diesen unglücklichen und flüchtenden Juden war ich eine der wenigen, die ein wahres Zuhause besaß. Denn ich lernte Jesus kennen, der inmitten dieses ganzen schrecklichen Chaos’ seinen Frieden bot. Nicht umsonst wird er auch der ‚Friedefürst‘ genannt.“

Ihre Mutter war auf eine christliche Schule in Deutschland gegangen und hörte so zum ersten Mal von Jesus. Außerdem lud die katholische Familie, die über ihnen wohnte, die kleine Anita ein, mit zum Gottesdienst zu kommen. Später bekehrte sich das Mädchen dann ganz zu Jesus. Eindrücklich erfährt der Leser, wie sich währenddessen die finstere Macht des Demagogen Adolf Hitler mehr und mehr im Land ausbreitete. „Die Sozialisten und Sozialdemokraten waren davon überzeugt, dass sich schon bald zeigen würde, wie inkompetent Hitler tatsächlich war.“ Doch alle sollten sich täuschen. Bis zum letzten Tag muss es offenbar Menschen gegeben haben, die ihre Hoffnung auf Hitler setzten wie auf einen göttlichen Erlöser.

Das Bild Hitlers hing überall, schreibt Dittman. „In unserem Klassenzimmern, auf Straßenplakaten, und später sogar in der Kirche. Jeden Morgen betete unsere Lehrerin, Frau Kinzel, in Richtung seines Bildnisses. Ihre Worte klingen noch immer in meinen Ohren nach: ‚Lieber Gott, schütze unseren Führer. Mach ihn stark. Lehre uns, ihn zu lieben. Möge er viele Jahre siegreich regieren.‘“ Eine besondere Rolle in jener Zeit spielte für das verängstigte Mädchen der Pastor der lutherischen Bethanien-Schule in ihrem Wohnort Breslau, Ernst Hornig. Er und seine Frau „waren besonders bemüht, jüdischen Gläubigen zu helfen. Sie versuchten auch, sie für ein Leben mit Jesus Christus zu gewinnen und ihnen zu helfen, Deutschland zu verlassen.“ Ein einzelner Lichtblick in einer Welt der Finsternis, die von Hass gegen Juden durchtränkt war. Er gab ihr vor allem geistlichen Rückhalt und bestärkte sie in ihrem Glauben.

Auch wenn der Leser bereits andere persönliche Berichte aus jener Zeit kennen mag, so macht jede einzelne neu betroffen. Auch in Dittmans Buch muss man mehrmals schlucken. Doch hier strahlt zusätzlich über allem eine unbezwingbare und stetig wachsende Hoffnung eines kleinen, jüdischstämmigen Mädchens auf Jesus und Gottes Zusage, ihr auch im finsteren Tal beizustehen. Und in der Tat stellt sich der (Über-)Lebensbericht als eine einzige Ansammlung von göttlichen Wundern dar.

So traf sie oft in brenzligen, und eigentlich ausweglos erscheinenden Situationen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Menschen, die ihr helfen konnten. Im Arbeitslager hatte sie Freunde, die ihr mit ihren eigenen kargen Essensrationen aushalfen, als sie zunächst an Gelbsucht erkrankte und später an einer Entzündung ihres Beines litt. Als sie in einem Krankenhaus eigentlich von einer Nazi-Krankenschwester durch Gift langsam getötet werden sollte, entkam sie dem Tod nur durch die Hilfe einer Freundin, die zufällig ebenfalls dort lag. Und wie durch ein Wunder traf sie nach Kriegsende einen jungen deutschen Soldaten, der ebenalls gläubig war und ihr half, den heranstürmenden Russen zu entkommen.

Judenverfolgung aus Sicht einer Christin

Immer wieder fällt in dem Buch die Willkür auf, mit der die Nazis die Juden drangsalierten. Während einige Mitglieder einer jüdischen Familie verhaftet wurden, blieben andere unbehelligt. Der Horror sollte wohl dadurch perfektioniert werden, dass jeder Betroffene ein Fünkchen Hoffnung behalten sollte, dass es ihn eventuell nicht erwischt – nur um am Ende dann doch enttäuscht zu werden. Niemals erfuhren die Hinterbliebenen, wohin eine (völlig grundlos) verhaftete Person gebracht wurde. Dittman schreibt: „Kamen die Gefangenen in ein Gefängnis oder ein Konzentrationslager? In ein Arbeitslager oder in eine Gaskammer oder in einen Wald zu einem Erschießungskommando? Da man nicht wusste, wohin, war die Angst in Verbindung mit den Verhaftungen geradezu lähmend." Anitas Mutter wurde ins KZ Theresienstadt gebracht, sie selbst ins Arbeitslager Schmiegrode. Die bange Frage, ob sie ihre Mutter jemals wiedersehen wird, zieht sich als roter Faden durch das Buch.

Abgesehen vom fesselnden Sprachstil ist das Buch besonders deswegen wertvoll, weil hier eine gläubige Christin all das erlebt, was Millionen Juden angetan wurde, von denen viele ihren Glauben an Gott verloren. „Es war, als ob Dämonen aus der Hölle in der Luft über Deutschland tanzten. Manchmal dachte ich, Gott wäre so traurig über den Hass der Menschen, dass er Deutschland für eine Weile verlassen hatte. Vielleicht sah er in der Art auf die Erde und dieses Land hinab, wie er es einst bei der Kreuzigung seines Sohnes getan hatte – er ließ dem Bösen seinen Lauf.“ Jene Zeit muss den Opfern damals – wie dem Leser heute –vorgekommen sein wie ein absurdes, grausames Theater, das man nicht versteht, aber in dem man selbst mitten drin steckt. Der für das Buch titelgebende Vers Psalm 57,2 bewahrheitet sich jedenfalls für Anita Dittman auf fast unglaubliche Weise: „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig! Denn auf dich traut meine Seele, und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe.“

Zur Mahnung können die Worte des besagten Pastors Hornig herausgehoben werden: „Wie könnte ich mich gegen dieses Volk wenden, das meine kostbare Bibel geschrieben hat und aus dem mein Erlöser hervorkam? Die Juden sind Gottes Augapfel. Deutschland hat Gottes Volk Schaden zugefügt und deshalb wird es nie mehr so sein wie zuvor.“

Anita Dittman/Jan Markell: „Geborgen im Schatten deiner Flügel Die wahre Geschichte eines jüdischen Mädchens, das auf der Suche nach seiner Mutter durch Hitlers Hölle ging“, Gerth Medien, 256 Seiten, 18 Euro, ISBN 3957344972

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Fri, 09 Nov 2018 09:05:00 +0100
<![CDATA[Mein WLAN ist ein Botschafter]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/11/09/mein-wlan-ist-ein-botschafter/ Wolfram Heidenreich entdeckte überraschende Nachrichten.]]> Wenn man sich in ein Netzwerk einloggt, werden in der Regel ganz viele andere WLAN-Netze angezeigt, je nachdem wo man sich gerade befindet. Dabei kann man überraschende Entdeckungen machen.

Viele der Netzte haben kryptische Bezeichnungen oder Ziffern. Oft tragen sie einfach einen Vornamen und man fragt sich dann, wer in der Umgebung Arthur heißt, weil mein Gerät mir ein WLAN mit Namen „Smartphone Arthur“ anzeigt.

Irgendwann war ich mal als Beifahrer im Auto in Hamburg unterwegs und beim Versuch online zu gehen tauchten in der Liste über zwanzig WLAN-Netze von den Wohnungen auf, an denen ich vorbei fuhr.

Ein Netzname sprang mir dabei sofort ins Auge, es hieß „God bless you“. Was für ein schöner und unerwarteter Zuspruch. Vor ein paar Tagen im Bahnhof in Bochum erreichte mich auf gleichem Weg eine ganz andere Botschaft: „Ich hasse dich“.

Schon damals nach der Fahrt in Hamburg habe ich angefangen, meinen Netznamen als Botschafter zu verwenden. Bisher bin ich nie darauf angesprochen worden aber ich bin sicher, mancher wird es wahrgenommen haben und es als Segenszuspruch verstanden haben.

Hier einfach mal ein paar gesammelte Ideen und Anregungen für Namen mit guten Botschaften:

Hallo Nachbar // Nur Mut! // DANKE // Heute schon mal DANKE gesagt? // Dankbarkeit tut gut // Vertraue einfach // Gott segne Dich // Schalom // Gottes Friede sei mir Dir // Beten hilft // Frohe Weihnachten // Gesegnete Ostern // Du bist geliebt // I like you // Jesus liebt Dich //

Und wie geht das praktisch? Ganz einfach: In iOS-Geräten zu „Einstellungen“ dann zu „Allgemein“ und zu „Info“ gehen. In die erste Zeile unter „Name“ die neue Bezeichnung eingeben, dann auf „fertig“ tippen. In Android-Geräten „Einstellungen“ öffnen. Im Bereich „System“ auf „Geräteinformationen“ tippen. Den neuen Namen eingeben und mit „Ok“ bestätigen. Man kann den Namen übrigens beliebig oft ändern und man kann auch Emoticons verwenden. Das sorgt für zusätzliche Aufmerksamkeit. Am Besten sofort umsetzen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Als Geschäftsführender Gesellschafter der Gute Botschafter GmbH berät Wolfram Heidenreich Wirtschaftsunternehmen, insbesondere aber auch NGO’s, Kirchen und Sozialunternehmen, sinnstiftende Markenpositionierungen zu finden. Im Christlichen Medienverbund KEP engagiert er sich als Vorstandsmitglied ehrenamtlich für das Anliegen: „Mehr Evangelium in den Medien".

Von: Wolfram Heidenreich

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Fri, 09 Nov 2018 08:47:00 +0100
<![CDATA[Fußballprofis packen für „Weihnachten im Schuhkarton“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/08/fussballprofis-packen-fuer-weihnachten-im-schuhkarton/ Profikicker und Fans verschiedener Fußballklubs engagieren sich in diesem Jahr für die Geschenkaktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Der FC Red Bull Salzburg und seine Fanklubs riefen bereits vor Wochen zum Mitpacken auf. Im Rahmen einer Stadionaktion am Wochenende wurde das Projekt von „Weihnachten im Schuhkarton“-Leiter Rainer Saga in der Halbzeitpause präsentiert. Zuvor hatten bereits die Profis des Klubs gemeinsam mit Angestellten der Geschäftsstelle eine eigene Packparty veranstaltet.

Der Geschäftsführer des FC Red Bull Salzburg, Stephan Reiter, erklärt: „Als Fußballverein mit einem der größten Kinderclubs und vielen Familien im Stadion stehen wir zu unserer sozialen Verantwortung. Wir hoffen, dass wir so auch viele unserer Fans dazu motivieren können, mit einem gefüllten Schuhkarton bedürftigen Kindern zu Weihnachten eine kleine Freude zu bereiten.“

Auch der FC Wacker Innsbruck will noch für die Aktion werben. In Deutschland hatten Fanklubs des VfL Wolfsburg zum Mitpacken aufgerufen und an mehreren Heimspielen Pakete angenommen.

Die Geschenke kommen unter anderem nach Georgien, Litauen, Lettland, Montenegro, Serbien oder in die Ukraine. Dieses Jahr gibt es zudem eine technische Neuerung. „Weihnachten im Schuhkarton“ ermöglicht es den Spendern in einem Pilotprojekt, die Schuhkartons per Live-Tracking zu verfolgen.

Kinder in 100 Ländern erreicht

Noch bis zum 15. November können mit Geschenken befüllte Schuhkartons für bedürftige Kinder zu rund 5.000 offiziellen Abgabestellen gebracht werden. Als Teil der internationalen Aktion „Operation Christmas Child“ werden Kinder in rund 100 Ländern erreicht. Das christliche Werk „Geschenke der Hoffnung“ trägt „Weihnachten im Schuhkarton“ und koordiniert die Aktion seit 1996 im deutschsprachigen Raum.

Kommenden Donnerstag eröffnet „Weihnachten im Schuhkarton“ zudem einen neuen Standort in Birkenfeld bei Pforzheim. Er wird laut Angaben von „Geschenke der Hoffnung“ die zweitgrößte „Geschenkewerkstatt“ der Aktion werden. Bis zu 90.000 Päckchen werden von der Weihnachtswerkstatt nach der Durchsicht direkt auf die Reise zu bedürftigen Kindern in Osteuropa geschickt. Wie viele Geschenke bislang dieses Jahr zusammengekommen sind, konnte der Träger auf Anfrage von pro noch nicht benennen.

Lesen Sie in der Weihnachtsausgabe (6/18) des Christlichen Medienmagazins pro eine Reportage, wie die Pakete in Bulgarien den Kindern übergeben werden. Bestellen Sie pro kostenlos und unverbindlich unter 06441/915-151, per E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder online hier.

Von: Martina Blatt

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Thu, 08 Nov 2018 16:45:00 +0100
<![CDATA[Rauswurf für Journalisten]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2018/11/08/rauswurf-fuer-journalisten/ Was war passiert?

Der CNN-Journalist Jim Acosta hat seine Akkreditierung für Pressekonferenzen im Weißen Haus verloren. Er hatte nicht aufgehört, dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump Fragen zu stellen, auch nicht, nachdem dieser den Journalisten als „unverschämte, fürchterliche Person“ und als „Feind des Volkes“ bezeichnet hatte.

Der Journalist berührte mit seinem Handrücken eine Praktikantin im Weißen Haus, als diese ihm das Mikrofon aus der Hand nehmen wollte. Acosta hielt es fest und drehte sich weg. Weil Acosta nach Darstellung der Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, die junge Frau „angefasst“ habe, hat er seine Akkreditierung verloren.

Wie reagierte der Arbeitgeber von Acosta?

CNN stellte sich hinter seinen Korrespondenten., der seinerseits den Vorwurf, er habe die Frau angefasst, als Lüge bezeichnete. Der Sender CNN sprach von einer „Bedrohung für unsere Demokratie“, wenn derartige „Vergeltungsmaßnahmen“ gegen hartnäckig nachfragende Journalisten umgesetzt würden. Auch die Vereinigung der aus dem Weißen Haus berichtenden Korrespondenten kritisierte den Entzug von Acostas Akkreditierung als „Mittel, einen Journalisten zu bestrafen“ und forderte, die Entscheidung rückgängig zu machen.

Ist der Streit eine neue Bedrohung für die Pressefreiheit?

Journalistenverbände in den USA und anderen Ländern sehen in dem Schritt eine Bedrohung für die Pressefreiheit. Völlig neu ist die Sachlage allerdings nicht. Die aktuelle US-Regierung hat schon häufiger bestimmte Medien von den Pressekonferenzen im Weißen Haus ausgeschlossen. Im vergangenen Jahr waren unter anderem die New York Times, Los Angeles Times, Politico und auch CNN betroffen.

Wie begründete das Weiße Haus den Schritt?

Damals äußerte die Regierung unter Trump, dass trotz des Ausschlusses der eher links gerichteten Medien ein breiter Pool an Meinungen vorhanden sei. Tatsächlich hatten einige kleinere Medien wie Breitbart News einen Platz ergattert, die vorher nicht an Pressekonferenzen des Weißen Hauses teilgenommen hatten.

Wer entscheidet, wer an Pressekonferenzen im Weißen Haus teilnehmen darf?

Alle akkreditierten Journalisten dürfen grundsätzlich teilnehmen. Die Akkreditierungen stellt die Vereinigung der aus dem Weißen Haus berichtenden Korrespondenten (WHCA) aus. Die WHCA ist nicht vom Weißen Haus oder dessen Pressevertretern abhängig. Da die Konferenzen im Weißen Haus stattfinden, hat dieses das Hausrecht und ist somit berechtigt, von ihm Gebrauch zu machen und Menschen auszuschließen.

Ist so ein Vorgehen auch in Deutschland möglich?

In Deutschland kümmert sich die Bundespressekonferenz um die Organisation von Pressekonferenzen. Diese lädt auch als Gäste Regierungssprecher, Sprecher der Ministerien und weitere ein. Die Regierung oder deren Vertreter könnten also keinen Journalisten ohne weiteres von einer Pressekonferenz ausschließen. Auf Länderebene funktioniert das System analog, hier lädt in den meisten Ländern die Landespressekonferenz ein.

Aber wurden nicht auch in Deutschland schon Journalisten von politischen Veranstaltungen ausgeschlossen?

Ja, allerdings handelte es sich dabei um Parteiveranstaltungen. Konkret war beispielsweise eine von der AfD selbst organisierte Pressekonferenz in Brandenburg betroffen. Einladender war die AfD, die folglich auch das Hausrecht genoss. Journalisten können also auch in Deutschland ausgeschlossen werden, allerdings nur dort, wo die Partei auch das Hausrecht hat, etwa bei einem Landesparteitag. Versuche, sich kritischen Nachfragen unliebsamer Journalisten zu entziehen, kann es immer geben. Ein Fall wie der in den USA ist nicht so einfach denkbar.

Warum erzeugt der Fall um Acosta in den USA so großen Wirbel?

In der Verfassung der USA spielt der Begriff der Freiheit eine so große Rolle wie in kaum einem anderen Land. Der Gründungsvater Benjamin Franklin sagte, dass „in der Liebe zur Freiheit und ihrer Verteidigung“ die Staatengründung erfolgt sei. In einem Land, das in vielerlei Hinsicht als Vorreiter für Freiheitsrechte dienen will, empören Vorfälle wie der um den Journalisten Acosta besonders stark. Offiziell fühlt sich Präsident Trump der Pressefreiheit aber verpflichtet. So hat er, wie es üblich ist, einen Eid auf das in der Verfassung festgeschriebene Recht auf freie Presse geleistet.

Warum ist die Freiheit der Presse so wichtig?

Pressefreiheit ist, genau wie Religionsfreiheit, ein Menschenrecht. Sie ist deswegen in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben und sie ist die Basis demokratischer Gesellschaften. Da Medien über Unrecht, Machtmissbrauch oder ähnliche Tabus berichten, kontrollieren sie diejenigen die Macht haben, tragen zur Meinungsbildung bei und ermöglichen es so den Bürgern, sich politisch einzubringen.

Von: Stefanie Ramsperger

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Thu, 08 Nov 2018 16:27:00 +0100
<![CDATA[Schweigen lernen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2018/11/08/schweigen-lernen/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> Eigentlich bin ich für mein Alter immer noch ziemlich vorlaut. Aber solche Erfahrungen wie diese halten mir den Spiegel vor. Da treffe ich doch neulich einen alten Kumpel, den ich lange nicht gesehen hatte. Er hatte wohl von meiner chronischen Erkrankung, Parkinson, gehört und fragte mich mitten im Gewühl und der Geräuschkulisse eines Sektempfangs: „Na, Mette, wie geht’s dir denn?“

Die Art, wie er fragte, ließ mich vermuten, dass er gar keine Zeit für meine Antwort hatte und dass es ihn eigentlich auch gar nicht interessierte. So erzählte ich ein paar Sätze zu meinem Ergehen, aber er schaute bald an mir vorbei und grüßte geistesabwesend und gestenhaft umstehende Gäste. Er war physisch noch bei mir, aber geistig bereits weggetreten. Er hatte Sorge, etwas zu verpassen. Ich habe dann nach einer Minute meinen kleinen Gesundheitsreport beendet. Er war ins Leere gelaufen. Aber jetzt kam der Hammer. Er haute mir auf die Schulter und beendete die flüchtige Konversation mit einem treuherzigen: „Hauptsache gesund!“ Und weg war er. Das Buffet …

Dieser Phrasendrescher hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Manchmal wünschen mir gutmeinende Leute „gute Besserung“, so, als hätte ich Husten. Und ganz übel wird es, wenn mir Menschen makabre Geschichten erzählen von „der Oma seiner Großtante, von der die Schwester, die auch elendig an Alzheimer zugrunde gegangen“ sei.

Und dann immer wieder die fromme Gott-macht-keine-Fehler-Phrase. Ich ertrage diese Vereinnahmung Gottes nicht. Wer sind wir, dass wir Gott Fehlerlosigkeit attestieren? Ich habe mich selbst oft mit solchen Sprüchen scheinheilig um das unfassbare Heilige gedrückt. Wir sind oft sprachlos – und das sollten wir aushalten. Schweigender Fürglaube, stumme Gebete, lautlose Empathie, das tröstet mehr als „alles wird gut“.

Nein, ich brauche angesichts unsäglichen Leides auf der Welt Gott nicht zu bemühen, dass er die Sinnhaftigkeit des himmelschreienden Elends erklärt. Wir wissen nichts. Früher habe ich oft gesagt: „Die Ewigkeit wird es einmal offenbaren!“ Die Hoffnung stirbt zuletzt. So gesehen bieten wir dem Atheismus volle Breitseite. Wer mir mit der Theodizeefrage kommt, dem habe ich nichts Plausibles entgegenzusetzen. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich ein Kind des Gottes bin, der in Jesus Mensch geworden ist und mich befreit hat zur ewigen Gemeinschaft mit ihm. Viele Menschen sprechen ihn mit „Herr“ an, aber das wird seinem Wesen nicht gerecht. Andere sprechen ihn mit „König“ an, aber auch das geht an seiner Selbstauskunft „Ich bin, der ich für dich bin“ vorbei.

Das auszuhalten und nicht alles mit unserer kleinen Logik bedienen zu müssen, das ist eine entlastende Freiheit. Ich muss das Unerklärliche nicht erklären. Darum kann Schweigen manchmal das Gebot der Stunde sein. Und wenn wir reden, dann soll das pure Wort Gottes zur Geltung kommen, nicht meine Interpretation. Die Wirkkraft biblischer Texte ist nicht zu toppen. Angesichts schwerer Grenzerfahrungen in der Heiligkeit Gottes ruhen und heil werden, das wünsche ich allen Angefochtenen und Geprüften, allen Verzweifelten und Überforderten.

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Thu, 08 Nov 2018 15:11:00 +0100
<![CDATA[Manfred Weber Spitzenkandidat der Konservativen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2018/11/08/manfred-weber-spitzenkandidat-der-konservativen/ Manfred Weber führt die konservative EVP-Fraktion in die Europawahl 2019. 79 Prozent der 730 Delegierten entschieden sich für den Deutschen. Damit setzte er sich deutlich gegen seinen finnischen Konkurrenten Alexander Stubb durch. Die EVP schickt Weber damit auch in das Rennen um das Amt des EU-Kommissionspräsidenten. Aktueller Amtsinhaber ist Jean-Claude Juncker.

Der 46-jährige Weber steht seit vier Jahren an der Spitze der Europäischen Volkspartei im Europaparlament. Falls die EVP nach der Europawahl die stärkste Fraktion bleibt, darf sich Weber berechtigte Hoffnungen auf das Amt des EU-Kommissionspräsidenten machen. Dazu benötigt er dann auch noch die Unterstützung der EU-Staats- und Regierungschefs, die das Recht zur Nominierung des Kommissionschefs haben.

Die EU-Kommission kann Gesetze vorschlagen, Verträge aushandeln und die Einhaltung von EU-Recht überwachen. Das Amt gilt als das wichtigste in der Europäischen Union. In der Behörde sind 32.000 Menschen beschäftigt. Der bisher einzige deutsche Kommissionschef war Walter Hallstein in den Sechzigerjahren.

Anhänger des gemäßigten CSU-Flügels

Weber gehört zum gemäßigteren, europafreundlichen CSU-Flügel. Im Interview des Christlichen Medienmagazins pro betonte Weber, dass es ihm Mut mache, dass sich viele Menschen in Europa zum christlichen Glauben bekennen: „Für mich gibt es daher überhaupt keinen Zweifel, dass die Identität dieses Kontinents vor allem christlich ist.“ Wer das bestreite, betreibe „Realitätsverweigerung“.

Skeptisch war Weber gegenüber einem EU-Beitritt der Türkei. „Neben der Grundrechtecharta ist auch die Geografie eine wichtige Frage, ob ein Land zur Europäischen Union gehören kann. Ansonsten würden wir Europa deutlich überdehnen“, sagte der CSU-Politiker. Niemand würde behaupten, die Kurdengebiete an der irakischen Grenze würden zu Europa gehören: „Konkret heißt das: Die Türkei kann kein Mitglied der Europäischen Union werden.“

Auf seiner eigenen Internetseite bezeichnet Weber Religion als hochmodern. Die Werte, die der christliche Glaube vermittele, seien in der technisierten und ökonomisierten Welt aktueller denn je. Religion empfindet er als etwas zutiefst Privates: „Die Frage, ob ich an Gott glaube, ob er mich in meinem Leben trägt, muss jeder für sich beantworten. Ich sage ja, andere nein.“ Die christlichen Werte hält er für feste Leitplanken politischen Handelns.

Weber hat nach dem Ingenieurstudium in München Karriere in der CSU gemacht. 2002 wurde er Mitglied des Bayerischen Landtags. 2004 wechselte er ins Europäische Parlament nach Brüssel. Zudem war er Landesvorsitzender der Jungen Union Bayern. Weber gehört aktuell dem CSU-Präsidium an.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 08 Nov 2018 14:52:00 +0100
<![CDATA[CVJM im Märkischen Viertel: „Kindern zeigen, wie Jesus sie liebt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/08/cvjm-im-maerkischen-viertel-kindern-zeigen-wie-jesus-sie-liebt/ pro: Herr Schmidt, am 14. Oktober ist in Ihrem Viertel ein achtjähriger Junge von einem Baumstumpf erschlagen worden. Wie haben Sie von dem Todesfall erfahren?

Torsten Schmidt: Ich war vor Ort. Es ist sonntags passiert und wir hatten geöffnet. Als ich zur Arbeit kam, sah ich Rettungskräfte und Krankenwagen. Ich habe mich zunächst nicht gewundert, das kommt bei uns öfter mal vor. Als aber dann auch noch Polizeiwagen kamen, war mir klar, dass da etwas Ungewöhnliches im Gange war. Die Kinder haben mir dann auch gleich alles Mögliche über den Vorfall erzählt. Sie müssen sich vorstellen: Wer hier in den Häusern wohnt, bekommt schnell mit, was im Viertel passiert. Geschichten verbreiten sich schneller als im Internet. Die Stimmung in der Baracke, unserem CVJM-Haus, war entsprechend gedrückt an dem Tag. Es kamen auch viele Eltern bei uns vorbei und haben das Gespräch gesucht. Hinzu kam das Rätselraten, es wusste ja noch niemand, was passiert war.

Heute wissen wir es. Ein Teenager hat einen Baumstumpf von einem Balkon im 15. Stock geworfen und damit einen Jungen namens Ibrahim erschlagen. Offenbar war das ein Unfall. Kannten Sie das Opfer?

Ich kannte ihn flüchtig, er war selten bei uns. Aber seine Cousins kommen regelmäßig.

Die meisten, die an die Hochhaussiedlung im Märkischen Viertel denken, haben ein recht bestimmtes Bild vor Augen: Vernachlässigte Kinder, die sich zwischen den Häusern herumtreiben, überforderte Eltern, Gewalt, immer mal wieder Zwischenfälle. Wie ist es wirklich in Ihrem Viertel?

Ich glaube, wer nie in einer Hochhaussiedlung gelebt hat, kann sich das auch nicht vorstellen. Es gibt Vor- und Nachteile. Die Kinder haben alle ihre Freunde direkt bei sich. Das ganze Leben ist ein Spielplatz. Man kann seine besten Freunde treffen und muss nicht einmal das Haus verlassen. Man bekommt fast alles von allen mit. Das ist schon etwas anderes als in einer Einfamilienhaussiedlung. Alles ist dicht beieinander. Deshalb gibt es aber auch schnell Konflikte und die werden auch ausgetragen. Was die vernachlässigten Kinder angeht: Die gibt es doch überall. Der eine parkt sein Kind vor Playstation, der andere schickt es mit zwei Euro in der Hand vor die Tür und sagt „Komm erst am Abend wieder“ – beides sind Formen von Vernachlässigung. Das Märkische Viertel ist sehr bunt gemischt. Es gibt hier auch viele bürgerliche Anwohner. Aber ja, es stimmt, die Kinder sind hier öfter alleine draußen unterwegs. Das hängt aber damit zusammen, dass es hier kaum befahrene Straßen gibt, dafür aber viele Spielplätze.

Sie haben von Konflikten gesprochen. Woher kommen die?

Berlin an sich ist ja schon bunt durchmischt, aber das Märkische Viertel ist an sich nochmal sehr einzigartig und vielfältig in seiner Struktur. Hier leben 107 verschiedene Nationalitäten. Hier prallen Kulturen aufeinander. Zugleich leben die Menschen so eng beieinander, dass sie sich nicht so aus dem Weg gehen können, wie das in bürgerlichen Siedlungen vielleicht der Fall ist.

„Natürlich gibt es auch Ablehnung"

Was ist die Aufgabe des CVJM dort?

Uns gibt es hier schon seit 1970. In all der Zeit haben wir drei Schwerpunkte: Als erstes wollen wir Menschen von Jesus erzählen. Deshalb sind wir da, das ist unsere Motivation. Zweitens betreiben wir hier eine offene Jugendarbeit. Wir bieten einen Raum, den Jugendliche selbst gestalten können. Sie können hier ihre Freizeit verbringen und eigene Angebote machen. Natürlich sind wir immer als Berater da und helfen auch mit. Die Baracke soll ein Experimentier- und auch ein Schutzraum sein. Drittens wollen wir Kindern Dinge beibringen, die ihnen helfen, mit sich selbst und in der Gesellschaft besser zurecht zu kommen. Wir machen Sport, Hausaufgabenbetreuung, unternehmen Ausflüge, machen Musik, kochen, schulen die Kinder in gewaltfreier Kommunikation, also allerhand pädagogische Angebote.

Wie unterscheidet sich die christliche von der nichtchristlichen Jugendarbeit?

In erster Linie ist das die Motivation. Wir wollen den Kindern gerne zeigen, wie Jesus Menschen liebt, dass Gott sie wertschätzt und dass sie auch andere so wertschätzen können. Wir hoffen, dass sich diese Werte in unserer Arbeit zeigen und dass wir darüber ins Gespräch kommen. Wir bieten Andachten an und Gottesdienste. Es gibt bei uns auch eine christliche Gesprächsgruppe.

Wird das angenommen?

Ja. Zu uns kommen viele Muslime, orthodoxe Christen aus Osteuropa und Atheisten. Unser Raum ist so gestaltet, dass sich alle dort zuhause fühlen und auf Augenhöhe kommunizieren können. Ich sage unseren Mitarbeitern immer: Wenn ihr den Jugendlichen zuhört und euch für das interessiert, was in deren Leben eine Rolle spielt, dann erkauft ihr euch damit auch das Recht, von den Dingen zu erzählen, die in eurem Leben eine Rolle spielen. So entsteht ein Austausch über Glaubensdinge. Das gelingt mal besser und mal schlechter. Aber jeder sitzt bei uns mal in der Andacht oder redet über Glaubensfragen.

Gibt es auch Ablehnung?

Natürlich. Wir haben einen Raum, darin hängen Kreuze und da finden auch die Andachten statt. Manche Kinder dürfen den wegen der Kreuze nicht betreten. Es gibt aber auch neutral gestaltete Räume, damit jeder kommen kann, auch solche Kinder, deren Eltern nicht wollen, dass sie zu Christen gehen. Wie viele das sind, kann ich nicht sagen. Die bekomme ich ja nicht mit. Ich denke, insgesamt ist die Akzeptanz groß. Die, die nichts mit Glauben zu tun haben, akzeptieren uns dennoch als sozialer Akteur im Viertel. Wir erleben eigentlich kaum Widerstand.

Jüngst hat ein Reporter der Zeit Sie besucht. Er zitiert Sie mit den Worten: „Ich bin Christ. Ich behandle Menschen so, wie Gott sie liebt. Er macht keinen Unterschied zwischen ihnen.“ Wo zeigt sich diese Haltung in Ihrer täglichen Arbeit?

Ich denke konkret an das Thema Bildung. Es gibt in unserer Gegend viele Kinder, deren Eltern sich nicht sehr dafür interessieren, ob sie gut in der Schule sind oder nicht. Viele können auch nicht so gut Deutsch. Wir versuchen den Kindern dann zu helfen, ihren Weg zu finden. Wir wollen ihnen helfen, ihr Leben zu gestalten – mit ihren Grenzen und mit ihren Gaben. Wir behandeln sie unabhängig von Religion und Herkunft. Jeder ist willkommen. Jeder soll sich wohlfühlen. Wir wollen niemanden vereinnahmen, sind aber offen für das Gespräch über den Glauben.

Hat sich seit dem Unfall, bei dem Ibrahim starb, etwas verändert im Märkischen Viertel?

Mich hat beeindruckt, dass bei allem Trubel, der auch durch die Presse verursacht wurde, die Anteilnahme und das Interesse aneinander über kulturelle Grenzen hinweg da war. Alle haben zusammengestanden und versucht, den Eltern des Opfers zu helfen. Es herrscht jetzt ein achtsameres Miteinander.

Herr Schmidt, vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Anna Lutz

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Thu, 08 Nov 2018 14:50:00 +0100
<![CDATA[„Kirchen wollten ihre patriotische Pflicht erfüllen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/08/kirchen-wollten-ihre-patriotische-pflicht-erfuellen/ pro: Was bewegte die Deutschen 1914?

Brandl: Anders als 1939 zogen die Menschen enthusiastisch und begeistert in den Krieg. Niemand ahnte, wie mörderisch und zerstörerisch die modernen Waffen den Krieg machten. Europa hatte im 19. Jahrhundert eine lange Phase des Friedens. Viele Kriege waren eher lokal und wurden noch mit alten Waffen und Mann gegen Mann ausgefochten. Die Dimension eines modernen Krieges mit Giftgas und U-Booten kannte bis dahin noch keiner.

Hatten die Menschen Sehnsüchte und Erwartungen zu Beginn des Ersten Weltkriegs?

In Deutschland erwarteten die Menschen einen schnellen Sieg. Sie wähnten sich auf der gerechten Seite und meinten, Gott würde für Deutschland kämpfen und dabei helfen, die Feinde des Vaterlandes niederzuringen.

Führte der Krieg die Menschen in die Kirchen oder eher nicht?

Die Kirchen veranstalteten besondere Gottesdienste für die Soldaten, die in den Krieg zogen. Pfarrer segneten nicht nur Soldaten, sondern auch Waffen. Zu Beginn des Krieges waren die Gottesdienste gut besucht. Noch hatten die Kirchen einen tiefgreifenden Einfluss auf die Seelen der Menschen. Staat und Kirche traten als Einheit auf. Die Kirchen gaben den Kriegszielen des Kaisers die religiöse Weihe und Tiefe. „Am deutschen Wesen“ sollte wirklich die Welt genesen, wie ein Sprichwort der Zeit hieß. Vor allem die evangelischen Kirchen waren eng mit dem Staat und dessen Zielen verbunden. Die Verbindung von „Thron und Altar“ war täglich erfahrbare Realität.

Warum war der Nationalismus auch in den Kirchen so stark?

Seit den Befreiungskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand ein starker deutscher Nationalismus. Er wurde durch die philosophische Strömung des Idealismus und von Teilen der Erweckungsbewegung beeinflusst; dadurch bekam der Nationalismus auch eine religiöse Färbung. Später wurde dieser Nationalismus für viele zu einer Art Ersatzreligion. Die Revolution 1848 lehnten die Kirchen weitgehend ab, weil sich diese gegen die gottgewollte Ordnung richtete; vor allem die evangelischen Kirchen waren seit der Reformation eng mit den herrschenden Kreisen und Fürstenhäuser verbunden. Während die Evangelische Kirche die Politik Bismarcks unterstützten, blieb die Katholische Kirche distanziert zum neuen Reich.

Wie ging es dann weiter?

Nach dem Sieg gegen Frankreich 1871 gab es nationale Strömungen in allen kirchlichen Kreisen. Thron und Altar standen fester denn je zusammen. Der Kaiser war unbestrittenes Oberhaupt der Evangelischen Kirche. Aber nicht nur in den Landeskirchen, sondern auch im Pietismus und in den Gemeinschaften, den diakonischen Werken und den Freikirchen waren Christen von diesen nationalen Stimmungen nicht ausgenommen. Viele Adelige beteiligten sich aktiv an missionarischen und diakonischen Werken und prägten diese. Das bekannteste Beispiel ist wohl Friedrich von Bodelschwingh, aber auch Eva von Tiele-Winckler (Förderin der Liebenzeller Mission, Anm. d. Red.) oder Graf Eduard von Pückler (Vorsitzender des Gnadauer Verbandes) seien hier genannt.

Wie bewerten Sie insgesamt die Rolle der Kirchen?

Beim Ausbruch des Krieges schlug in den Kirchen aller europäischen Nationen der Nationalismus noch einmal hohe Wellen. Mit Ausnahme der Quäker und Teilen der Mennoniten riefen sie ihre Mitglieder auf, ihre patriotische Pflicht zu erfüllen und in den Krieg zu ziehen. Sie nutzten jedes Mittel, um der eigenen Nation zu dienen: durch Gottesdienste, (Militär-)Seelsorge und vor allem in diakonischen Diensten in den Lazaretten und Krankenhäusern. In den Kirchen hörten die Menschen keine Friedensappelle, sondern Aufrufe, den Krieg zu unterstützen. In den Kriegspredigten wurden unbefangen nationale Wünsche mit Forderungen des Reiches Gottes gleichgesetzt. Nicht von ungefähr stand auf dem Leibgurt der Soldaten „Mit Gott für Volk und Vaterland“.

Der Papst hatte ja versucht zu vermitteln, war aber gescheitert …

Die Nationen schlugen den Friedensplan des Papstes aus, weil sie sich dadurch benachteiligt sahen. Papst Benedikt XV. ächtete den Krieg als Mittel zur Fortsetzung der Politik. Er wollte weitgehend die Vorkriegsordnung wiederherstellen. Ein internationales Schiedsgericht sollte strittige Territorialfragen klären. Keine der beiden Kriegsparteien wollte jedoch von ihren Maximalforderungen ablassen. So geriet der Papst zwischen die Fronten und musste erleben, dass der Vatikan bei den Friedensverhandlungen 1919 ausgeschlossen wurde. Es schmerzte ihn besonders, dass sich die deutschen, katholischen Bischöfe nicht von ihrer Überzeugung eines „heiligen Krieges“ abbringen ließen. In ihrer Theologie setzten sie den Willen und den Weg Gottes mit dem Willen und Weg des deutschen Volkes gleich.

Bestand die Chance, gegen den Krieg anzupredigen?

Natürlich hätte es diese Option gegeben. Aber wer konnte sich der offensichtlichen Kriegsbegeisterung der Massen entgegenstellen? Niemand wollte eines mangelnden Patriotismus beschuldigt werden. Von daher gelang es nur wenigen, sich dieser religiös gefärbten Kriegsbegeisterung zu entziehen. Keiner wollte als „vaterlandsloser Geselle“ dastehen. Eine Zeitschrift wie „Licht und Leben“, die vor allem im Pietismus gern gelesen wurde, war teilweise verboten. Herausgeber Joseph Gauger hatte kritisiert, dass der Kaiser den Genozid an den Armeniern verschweige.

Viele Theologen verwendeten das Vokabular vom „heiligen“ oder „gerechten“ Krieg.

Als Beispiel möchte ich das sogenannte „Kriegsvaterunser“ des Religionspädagogen Dietrich Vorwerk in seinem Kriegsliederheft „Hurra und Halleluja“ nennen. Theologische Konzepte für den gerechten Krieg gibt es schon im Mittelalter und in der Reformationszeit. Neu war lediglich die bruchlose Identifizierung des Deutschen Reiches mit dem Reich Gottes. Deswegen wurde auch der Begriff „Heiliger Krieg“ aus Texten des Alten Testamentes übernommen. Allerdings gibt es bis in die Gegenwart hinein Beispiele, wie Christen der Versuchung erliegen, die biblische Theologie des Reiches Gottes auf politische und innerweltliche Ziele, Mächte und Konzepte zu übertragen. Die Theologie des Ersten Weltkrieges ist dafür ein abschreckendes Beispiel. Dass Jesus vor Pilatus sagte „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, wurde schlicht ignoriert und ausgeblendet.

Wie war die Theologie des Krieges?

Der Domprediger Ernst von Dryander hat beim Ausbruch des Krieges im Berliner Dom zu einem Kampf gegen die Unkultur, die Barbarei und die Instinkte der ungeordneten Massen aufgerufen. In diesem „religiösen Kriegsfuror“ erlosch „jedes Verständnis für Jesus, für Demut, Feindesliebe“, bedauerte ein Zeitgenosse. Katholische wie Evangelische Kirchen werteten den Krieg als Möglichkeit, den neuzeitlichen Umbrüchen in der Wissenschaft Paroli zu bieten und der wachsenden Entkirchlichung entgegenzuwirken. Ob die Kirche Gott für ihre eigene Politik missbraucht hat, ist schwer zu sagen. Bewusst war ihnen das bestimmt nicht. Man wähnte Gott auf seiner Seite auf dem Weg zum Sieg. Die deutsche Sache wurde mit Gottes Willen identifiziert. Die Niederlage war nicht nur eine politisch-militärische Katastrophe, sondern für die Protestanten brach das gesamte Weltbild zusammen.

Der Kirchenhistoriker Martin Greschat spricht von einer „erschreckenden Preisgabe der christlichen Substanz in den Voten der europäischen Kirchen“. Wo hat die Kirche am meisten preisgegeben?

Vor allem aus der Perspektive der Völker des globalen Südens war dieser europäische Krieg eine geistige Katastrophe. Wie konnte es sein, dass sich die christlich wähnenden europäischen Völker auf den Schlachtfeldern gegenseitig umbrachten? Missionare hatten das europäische Christentum als die höchste und allen anderen überlegene Weltreligion verkündigt. Der 1. Weltkrieg zerschoss buchstäblich diesen europäischen, christlich unterfütterten Überlegenheitsdünkel nachhaltig. Eine Folge davon war, dass die nichtchristlichen Weltreligionen erstarkten.

Warum waren die nationalen Kirchen nicht fähig, Friedensinitiativen zu unterstützen?

Es mag Gründe geben, die im Sinne einer recht verstandenen Zwei-Reiche-Lehre einen Verteidigungskrieg als „gerechten“ Krieg rechtfertigen können. Aber für Kirchen, die sich auf Jesus und seine Verkündigung in der Bergpredigt gründen, kann es keine Kriegsbegeisterung geben. Für sie sollte der Friede immer die wichtigste und erste Option sein. Sich mit Waffengewalt zur Wehr setzen und sich zu verteidigen sind immer nur letzte Mittel, nur dann legitim, wenn alle Friedensbemühungen scheitern. Christen sind sich bewusst, dass sie im Kriegsfall nicht schuldlos bleiben können. Dieses Bewusstsein fehlte den Kirchen fast völlig. Die Nähe zur jeweiligen eigenen Nation hatte sie blind gemacht für den Geist und die Verkündigung Jesu.

In welchen Bereichen gab es größeren nennenswerten Widerstand von Theologen?

Eine Wurzel war die Bewegung für internationale Freundschaftsarbeit und für das praktische Christentum. Sie wurde nach der Missionskonferenz von Edinburgh 1910 ins Leben gerufen. Den Initiatoren ging es um soziale Gerechtigkeit und den Erhalt des Friedens über konfessionelle und nationale Grenzen hinweg.

Wie sah das konkret aus?

Deutsche und englische Kirchenvertreter blieben regelmäßig im Austausch. Sie gründeten die „Vereinten kirchlichen Komitees zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem britischen und dem deutschen Volk“. Die Zeitschriften „Peacemaker“ und „Die Eiche“ informierten durch ihre Beiträge die Leser in den anderen Ländern und sollten Vertrauen aufbauen. Diesen Bemühungen schlossen sich weitere Länder an. Im August 1914 trafen sie sich in Konstanz zu einer internationalen Friedenskonferenz. Die Konferenz wurde nach Ausbruch des Krieges abgebrochen. Die britischen Vertreter konnten Deutschland geradeso verlassen. Die Stimme des „Weltbundes für Freundschaftsarbeit“ verstummte auch im Krieg trotz aller nationalistischen Töne nicht. Sie organisierten eine Kriegsgefangenenhilfe und dachten über das Völkerrecht nach. Der schwedische Erzbischof Nathan Söderblom versuchte 1917 und 1918 eine internationale Friedenskonferenz einzuberufen. Er scheiterte aber an den Kirchenführern der Kriegsparteien, die nicht miteinander reden wollten.

Es gab Bestrebungen in den Militärs, den Krieg frühzeitig zu beenden. Wäre das aus Ihrer Sicht möglich gewesen?

Alle Friedensbemühungen von verschiedenen Seiten scheiterten an den erklärten Kriegszielen der Kriegsparteien, die diese nicht aufgeben wollten. Deutschland brach die Verhandlungen mit dem Westen ab, weil sie Belgiens Unabhängigkeit nicht zustimmen wollten. Auch ein deutscher Separatfrieden mit Russland gelang nicht, weil Frankreich und England Bedenken hatten. Die Niederlage wurde durch den massiven Truppeneinsatz Amerikas und die Erschöpfung der deutschen Soldaten besiegelt.

Haben die Deutschen das Kriegsgeschehen zu wenig aufgearbeitet?

Die massive Kriegspropaganda ließ eigentlich nur einen Sieg Deutschlands zu. Deswegen verstanden die Menschen in Deutschland nicht, warum es zur Niederlage kam. Die Dolchstoßlegende war mit dafür verantwortlich, dass die Agitation der Nationalsozialisten bei der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden fiel. Das Kriegsgeschehen wurde in der Weimarer Republik nicht wirklich aufgearbeitet. Die Zeit zwischen den Weltkriegen konnte man als kurzes Atemholen begreifen, um nicht bezahlte Rechnungen im nächsten Krieg zu klären.

Haben die christlichen Kirchen im Ersten Weltkrieg versagt?

Wer die Kriegspredigten liest und sich die Durchhalteparolen der Kirchen anschaut, kommt zu diesem Schluss. Es gab keine Antwort auf die Frage, was passiert, wenn Deutschland den Krieg verliert. Wo ist dann Gott in der Niederlage? Mit ihrer fehlgeleiteten Geschichtstheologie rutschten die Kirchen nach dem Zusammenbruch in ein tiefes geistiges und theologisches Loch. Die ungelöste Frage nach dem geistigen und geistlichen Sinn der Niederlage (hat Gott uns verlassen?) wurde zur Schicksalsfrage der neu gegründeten Weimarer Republik. Die Antworten auf diese Frage blieben unbefriedigend. Auch das war ein Grund, warum die radikalen Kräfte sich 1933 mit ihrer Deutung des Krieges durchsetzen konnten.

Was bleibt für die Kirchen bei der Rückschau auf den 1. Weltkrieg?

Die Kirche sollte sich hüten, dem gängigen Zeitgeist nachzulaufen und sich von ihm bestimmen zu lassen. Während der Zeitgeist rechts, kaisertreu und kriegsbegeistert war, weht heute der „Mainstream-Zeitgeist“ aus einer entgegengesetzten Richtung. Egal, aus welcher Himmelsrichtung er jedoch blasen mag: Ihm gilt es zu widerstehen, weil Kirche nicht dem Zeitgeist, sondern Jesus Christus verpflichtet ist. Zweitens war es ein schmerzlicher Prozess, bis sich die Kirche dazu durchrang, dem zuzustimmen, was in der ersten These der Barmer theologischen Erklärung betont wird: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Wort Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ Diese These gilt im Rückblick auch schon für das Versagen der Kirchen im Ersten Weltkrieg, wo die Stimme des guten Hirten im Getöse des Krieges unterging. Drittens sollte sich Kirche hüten vor einer Geschichtstheologie, die das Reich Gottes vorschnell mit Mächten, Gestalten und Wahrheiten wie Volk, Nation oder Rasse zusammenbindet und Gottes Wille und Reich bruchlos als Gottes Offenbarung mit politischen Zielen der eigenen Nation gleichsetzt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 08 Nov 2018 11:07:00 +0100
<![CDATA[Entführte Schüler in Kamerun wieder frei]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2018/11/08/entfuehrte-schueler-in-kamerun-wieder-frei/ Am frühen Montagmorgen hatten bewaffnete Separatisten der englischsprachigen Minderheit Kameruns etwa 80 Schüler einer kirchlichen Schule in Bamenda entführt. Nach Regierungsangaben sind die Schüler nun wieder frei. „Alle Schüler sind befreit“, sagte Kommunikationsminister Issa Bakary Tchiroma nach Informationen von tagesschau.de. Zwei von drei Lehrern, die ebenfalls gekidnappt wurden, befänden sich allerdings noch in der Gewalt der Entführer. Sie seien in eine Kirche in der Nähe von Bamenda im Westen des Landes gebracht worden, sagte Fonki Samuel Forba von der presbyterianischen Kirche Kameruns. Die Schüler seien in der Stadt Bafut wieder freigelassen worden – 18 Kilometer vom Entführungsort entfernt.

Forba forderte die Entführer auf, auch die Lehrer wieder freizulassen. Außerdem werde die Kirche in der Region ihre Schulen dort aus Sicherheitsgründen schließen. „Es ist unglücklich, dass wir die Schule schließen und 700 Kinder nach Hause schicken müssen", sagte Forba. Doch „ihre Sicherheit wird vom Staat nicht garantiert und bewaffnete Gruppen greifen sie immer wieder an und entführen sie".

Identität der Entführer weiter unklar

Forba warb dafür, weiter für die entführten Lehrer zu beten, berichtet Christianity Today. Der 17-jährige Alain, einer der Entführten, sagte, die Entführer seien nicht gewalttätig geworden und hätten die Schüler auch mit Lebensmitteln versorgt. „Sie haben uns Kontchap (ein Mix aus Mais und Bohnen) zu essen gegeben. Es war nicht genug, aber etwas. Sie haben uns außerdem Wasser gegeben."

Der Sprecher des kamerunischen Militärs sagte, die Kinder seien freigelassen worden, als die Armee den Aufenthaltsort der Entführer lokalisiert habe. Das Militär hatte am Dienstag eine großangelegte Suche gestartet, die zunächst erfolglos geblieben sei, berichtet tagesschau.de. Armee und Separatisten, die im Westen des zentralafrikanischen Staates Krieg führen, hatten sich gegenseitig vorgeworfen, für die Entführung verantwortlich zu sein. Die Schule in Bamenda sei nach Angaben der Missionsgesellschaft Mission 21 bereits Ende Oktober das Ziel einer Entführung gewesen. Die Identität der Entführer sei weiterhin unklar.

Hintergrund der Entführung könnte der Konflikt im Westen des Landes zwischen der englischsprachigen Minderheit und der französischsprachigen Mehrheit im Land sein. Der anglophobe Teil Kameruns wirft der Regierung vor, sie bevorzuge den französischsprachigen Teil des Landes.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 08 Nov 2018 09:55:00 +0100
<![CDATA[Strukturen der Evangelischen Kirche förderten Missbrauch]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2018/11/08/strukturen-der-evangelischen-kirche-foerderten-missbrauch/ In der Evangelischen Kirche und ihren Einrichtungen hat sexueller Missbrauch nach Angaben der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs auch strukturelle Ursachen. Wie die Kommission in einer Stellungnahme mitteilte, verweisen die Berichte Betroffener auf Strukturen, „die täterschützend gewirkt haben“. Deshalb sei es notwendig, „die eigenen institutionellen Strukturen konsequent zu reflektieren und zu verändern, die den Missbrauch zu einem systemischen Problem haben werden lassen“.

Die Kommission emfiehlt der Kirche, eine wissenschaftliche Studie zu sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in ihren Einrichtungen in Auftrag zu geben, ähnlich derjenigen in der Katholischen Kirche. Unabhängige Fachleute sollten dafür ohne Einschränkungen Zugang bekommen zu Archiven und Akten der Landeskirchen. Für die Aufarbeitung innerhalb der Landeskirchen brauche es verbindliche Kriterien.

Es sei zudem notwendig, auf „Täter und Täterinnen mit allen Mitteln des Strafrechts“ zu reagieren. Interne kirchliche Disziplinarverfahren zu solchen Fällen müssten extern daraufhin überprüft werden, ob die angemessenen Konsequenzen gezogen wurden. Die Kommission mahnte zudem an, die seelsorgerliche Praxis zu überprüfen, damit nicht Täter, sondern Kinder geschützt werden.

EKD berät Missbrauch zur Synode

Sexueller Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen „und vor allem dessen Verschweigen und Vertuschen hat die moralische Integrität auch der evangelischen Kirche schwer beschädigt“, stellte die Kommission fest. Nur wenn sie ihre Schuld anerkenne und die Vorfälle konsequent aufarbeite, könne sie Vertrauen zurückgewinnen. Die Anhörungen der Kommission zeigten, dass gerade Betroffene innerhalb der evangelischen Kirche Missbrauch bisher nicht angezeigt hätten.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird in der kommenden Woche auf ihrer Synode unter anderem zum Thema sexueller Missbrauch beraten. Unter anderem geht es dabei um eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene. Auch Studien zur Aufarbeitung seien geplant, erklärte Präses Irmgard Schwaetzer in dieser Woche. Die EKD beabsichtige zudem, mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, zusammenzuarbeiten.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs wurde 2016 nach einem Bundestagsbeschluss vom Beauftragten der Bundesregierung ingesetzt. Ursprünglich war ihre Tätigkeit bis März 2019 vorgesehen. Im Oktober verlängerte die Regierung die Laufzeit der Kommission bis 2023.

Von: Jonathan Steinert

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Thu, 08 Nov 2018 09:49:00 +0100
<![CDATA[Playboy-Umfrage zu Vorbildern: Jesus auf Platz zwei]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/07/playboy-umfrage-zu-vorbildern-jesus-auf-platz-zwei/ An wem sollte sich Ihr eigener Sohn orientieren? Diese Frage stellte das Männermagazin Playboy in einer repräsentativen Umfrage mehr als 1.000 Deutschen. Auf Platz eins landete Barack Obama, der bis vor zwei Jahren US-Präsident war. Mehr als jeder fünfte Mann (21,4 Prozent) und jede fünfte Frau (21,9 Prozent) wählten den Demokraten als Vorbild für den eigenen Sprössling, geht aus der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Mafo.de hervor. Auf Platz zwei landete kein geringerer als Jesus Christus: Rund 14 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen sehen Gottes Sohn als perfekte Orientierung. Auf Platz drei bis fünf landeten Microsoft-Gründer Bill Gates, Moderator Günther Jauch und Nationaltorwart Manuel Neuer.

Der letzte Platz von 36 erfragten bekannten Männern geht an den deutschen Rapper Bushido. Wie aus der Dezember-Ausgabe des Playboy hervorgeht, reiht sich auf dem viertletzten Platz ein weiterer US-Präsident ein: der Republikaner Donald Trump. Nur noch der kanadische Sänger Justin Bieber, der ehemalige Tennisprofi Boris Becker und der bereits genannte Bushido taugen nach Ansicht der Befragten schlechter als Vorbild.

Eltern dienen als Vorbild

Vier von fünf Deutschen (83 Prozent) geben Ehrlichkeit als wichtigste Eigenschaft eines Vorbilds an. Hilfsbereitschaft (69,7 Prozent), Freundlichkeit (59 Prozent) und Loyalität (58,2 Prozent) folgen. Erfolg sieht nur jeder Vierte (27,8 Prozent) als wichtige Vorbildseigenschaft.

Die eigenen Eltern sind die Nummer-Eins-Vorbilder: Frauen nehmen vor allem die eigene Mutter als Vorbild (24,9) und Männer ihre Väter (30 Prozent). Etwa zwei Drittel der Deutschen vertreten laut Umfrage die Meinung, dass es „heute schwieriger als früher“ sei, „echte Vorbilder zu finden“.

Viele Menschen streben ein lauteres Verhalten an: 57,5 Prozent der Frauen und 53 Prozent der Männer gaben an, im eigenen Verhalten darauf zu achten, ein Vorbild zu sein. Rund 22 Prozent der Frauen und etwa 28 Prozent der Männer verneinen die Frage.

Von: Martina Blatt

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Wed, 07 Nov 2018 11:48:00 +0100
<![CDATA[Wütende Anklage gegen Männer und Religion]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2018/11/07/wuetende-anklage-gegen-maenner-und-religion/ Eine Filmkritik von Michael Müller]]> Einem anderen Menschen zuzuhören, löst noch keine Probleme. Aber es ist fast immer der beste Weg, sich einer Problemlösung zu nähern. „Die Kirche war meine Heimat. Jetzt ist sie für mich die Räuberhöhle, von der Jesus sprach“, erzählt Doris Wagner vor der Kamera des Dokumentarfilms „Female Pleasure“, der am Donnerstag in den deutschen Kinos anläuft. Mit 19 Jahren trat Wagner der katholischen Ordensgemeinschaft „Das Werk“ bei und wollte Nonne werden. In Rom vergewaltigte sie dann ein Pater, der Hausvorsteher der Gemeinschaft war, mehrere Male einen Sommer lang.

Wagner und vier andere Frauen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Kontinenten erzählen in „Female Pleasure“ von ihren persönlichen Erfahrungen. Sie eint, dass sie heute selbstbewusste Menschen sind, denen aber in der Vergangenheit auf die ein oder andere Weise Gewalt angetan wurde. Sie führen das auf eine männerdominierte Welt zurück, in der Frauen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert werden.

„Jungfrau Maria – ein Ideal, dem keine Frau gerecht werden kann“

„Die Bibel ist lange Zeit genutzt worden, um das Bild der Frau als Sünderin zu festigen – und dass sie weniger wert als der Mann sei“, sagt Wagner. In ihrer gemischten Ordensgemeinschaft galt eine strikte Kleidungsvorschrift. Für sie habe in der Gemeinschaft gegolten: Je weniger man sehe, dass sie eine Frau sei, umso besser sei das. „Es gibt eine weibliche Identifikationsfigur in der Bibel: Maria, deren Wesen aber die völlige Hingabe ist“, führt Wagner aus. Maria sei Jungfrau und gleichzeitig die beste Mutter der Welt, die Mutter Gottes. „Das ist ein Ideal, dem keine Frau gerecht werden kann.“

Der Dokumentarfilm „Female Pleasure“ verleiht dieser wütenden Anklage gegen das kritisierte System eine Stimme. Alle fünf Frauen vor der Kamera sind Aktivistinnen: Deborah Feldman floh aus einer ultra-orthodoxen Gemeinde in den USA, Leyla Hussein wurde genital verstümmelt, die Inderin Vithika Yadav betreibt eine Sexualaufklärungsplattform, während die japanische Künstlerin Rokudenashiko Kunstwerke mit ihrer Vagina macht. Beim Zeigen dieser Kämpfe gegen die Unterdrückung der Frau und für eine freie und selbstbestimmte Sexualität neigt der Film zu einer sehr antireligiösen Haltung.

Die Amerikanerin Feldman, die in einer jüdischen Gemeinde in New York aufwuchs, bezeichnet ihre Hochzeitsnacht mit einem fremden Ehemann in der durch ihre Eltern arrangierten Ehe als eine Art Vergewaltigung. „In der Welt, in der ich gelebt habe, war ich als Frau eine Gefahr“, sagt sie. „Frauen in einer ultra-orthodoxen Gemeinschaft wachsen mit einem schwer gestörten Verhältnis zu ihrem Körper auf. Männer müssen sich in dieser Kultur vor der Unreinheit der Frau schützen“, führt Feldman weiter aus. Schon ihr Großvater habe erzählt, dass Frauen immer alles in Frage stellen wollen. Deswegen sollten sie auch keine Bücher lesen.

Mit Knete Grausamkeiten verdeutlichen

Leyla Hussein wurde in einer muslimischen Familie in Mogadischu geboren. Mit sieben Jahren ließ ihre Familie sie im Namen der Religion genital verstümmeln. „Als Frau verliert man durch die Beschneidung nicht seinen Körper, aber sein Vertrauen“, stellt sie fest. Es ist eine der stärksten Szenen der Dokumentation, als die erwachsene Leyla in London eine Gruppe von muslimischen jungen Männern einlädt, welche Beschneidung allgemein für ein sinnvolles Ritual halten.

Anhand eines überlebensgroßen Knetmodells bekommen sie jetzt von ihr demonstriert, welche unterschiedliche Arten der Genitalverstümmelung es gibt. Beim Anblick der herunterfallenden Knete können einige der Männer irgendwann vor eigenen körperlichen Schmerzen nicht mehr hinsehen. Es ist eine der wenigen Szenen in „Female Pleasure“, in denen nicht gepredigt, sondern schlicht etwas gezeigt wird. Wer kann angesichts solcher Grausamkeiten an seinen sozial erlernten Prinzipien festhalten?

Undifferenziert anklagend

Leider ist der Film selten so gelungen in der Umsetzung, was in Anbetracht des Themas zugegebenermaßen auch nicht leicht ist. So klagen fünf Frauen das patriarchale System der vergangenen Jahrtausende an. Es sind starke, bewegende Geschichten, die Beachtung finden sollten. Dass der Film der Regisseurin Barbara Miller dabei so religionsfeindlich geraten ist, ist der Stoßrichtung der Botschaft geschuldet.

Warum sollte die Filmemacherin zum Beispiel eine Nonne zeigen, die bei ihrem Dienst für Gott im Kloster völlig aufgeht? Das wäre kontraproduktiv für die vor der Produktion gefasste These, dass die Männerwelt immer noch Angst vor der Sexualität der Frau habe und sie deshalb in der Gesellschaft unterdrücken müsse. Die aktuelle Studie zu sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche zeigt, dass kirchliche Machtstrukturen dringend hinterfragt werden müssen, die Verbrechen wie bei der interviewten Doris Wagner möglich machen. Umso wichtiger ist es aber auch, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass größtenteils Jungen zu den Opfern in der Katholischen Kirche zählen.

„Female Pleasure“ ist kein Werk, das differenzieren will. Es will anklagen. Und so passt es zur gegenwärtigen #MeToo-Bewegung, in der zuerst Aufschreie gesammelt und Erfahrungen geteilt wurden. Dazu haben diese Frauen jedes Recht. Ob das darüber hinaus einen Mehrwert für die Zuschauer bietet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn der Film ist nicht an den schönen und guten Seiten von Glaube und Religion interessiert. Es ist ein einseitiger Thesenfilm, der nur genau mit den Menschen spricht, die seine Weltsicht stützen.

„Female Pleasure – Fünf Kulturen, fünf Frauen, eine Geschichte“, Regie: Barbara Miller, 97 Minuten, ab 12 Jahren freigegeben, am 8. November in den deutschen Kinos.

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Wed, 07 Nov 2018 11:39:00 +0100
<![CDATA[Der Friedenspapst]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/11/07/der-friedenspapst/ Der Erste Weltkrieg überschattete das Pontifikat von Benedikt XV. Weil er sich vehement gegen den Krieg wandte, wurde er als „Friedenspapst“ bekannt. Er konnte nicht nachvollziehen, warum die Nationen für den Krieg schwärmten. Der Theologe und promovierte Jurist, der mit bürgerlichem Name Giacomo della Chiesa hieß, wurde 1878 zum Priester geweiht.

Den größten Teil seiner kirchlichen Laufbahn verbrachte Benedikt XV. im Vatikan. Als Erzbischof von Bologna wurde er am 25. Mai 1914 Kardinal. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, hielt er eine Rede, in der er die Position und Aufgabe der Kirche angesichts der Weltlage beschrieb. Neutralität und der Wille zum Frieden waren für ihn notwendig. Außerdem sollte so viel Leid wie möglich vermieden werden.

Strikte Neutralität und Friedensverhandlungen

Bei seiner Wahl zum Papst am 3. September setzte er sich im 10. Wahlgang mit 38 zu 18 Stimmen gegen Domenico Serafini durch. Die kommenden Kriegsjahre und deren Auswirkung prägten seine Amtszeit. In seinen Äußerungen wahrte Benedikt XV. strikte Neutralität, organisierte humanitäre Hilfe und unternahm mehrere erfolglose Versuche zu Friedensverhandlungen.

Das erste Rundschreiben „Ubi primum“ erließ er wenige Tage nach seinem Amtsantritt am 8. September 1914. Er wandte sich an die kriegsführenden Nationen und alle Katholiken dieser Welt. Äußerst scharf klagte er den Kriegsausbruch an. Bitter und entsetzt stellte er fest, dass in diesem Krieg das Blut der Christen fließe und dass Teile Europas vom Feuer verwüstet werden würden. Damit stellte sich der schmächtige Mann der Meinung des gesamten Kontinents entgegen.

Der Papst bezeichnete sich in dem Schriftstück als Vater und Hirte und rief zur Rettung des Friedens auf. Er wollte alle ihm zur Verfügung stehende Macht nutzen, um „dieses Unheil von seiner Herde“ abzuwenden. Er schrieb: „Deshalb werden wir Gott mit den Augen und Händen zum Himmel erhoben anflehen. Wir mahnen und beschwören alle Kinder der Kirche und besonders die Regierenden. Wir bitten zu Gott, damit er die Geißeln der Wut, durch seine Barmherzigkeit und Gerechtigkeit von den Sünden der Völker entferne.“ Benedikt XV. beschwor diejenigen, denen das Schicksal der Völker anvertraut worden sei, und forderte sie auf, den Zwist im Interesse der menschlichen Gesellschaft einzustellen.

Grauenhafte Schlächterei

1915 wandte er sich erneut in seiner „Exhortatio Allorché fummo chiamati“ (deutsch: „Als Wir gerufen wurden“) an die Nationen. Mit drastischen Worten bezeichnete er den Krieg als grauenhafte Schlächterei („orrenda carneficina“). Besonders bekannt wurde seine Friedensnote „Dès le début", die er am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns erließ. Darin bot der Papst sich als neutraler Vermittler aller Mächte an. Er forderte Abrüstung, eine effektive internationale Schiedsgerichtsbarkeit, um Kriege zu vermeiden und den Verzicht auf Gebietsabtretungen.

Damit griff der Vatikan wesentliche Grundzüge der internationalen Friedensbewegung der Vorkriegszeit auf. Fast alle Kriegsparteien sahen sich durch die Pläne benachteiligt. Der Vatikan wurde sogar von den Verhandlungen zum Waffenstillstand ausgeschlossen. Am 23. Mai 1920 veröffentlichte der Papst eine weitere Enzyklika „Pacem dei munus“. Sie war ein Plädoyer für die Versöhnung der Völker. Benedikt XV. wandte sich darin gegen die harten Maßnahmen der Sieger im Friedensvertrag von Versailles. Nach dem Krieg überwies er bei einer Hungersnot in Russland eine Million Lire als Hilfsmaßnahme.

Die Friedensdoktrin Benedikts XV., der am 22. Januar 1922 im Alter von 67 Jahren an einer Lungenentzündung starb, wurde Bestandteil des kirchlichen Lehramts seiner Nachfolger. Er hatten seinen Priestern eingeschärft, nie „in der Sprache des Hasses“ zu reden. Das zweite vatikanische Konzil forderte dann, einen Zustand der Welt herbeizuführen, in dem der Krieg völlig untersagt wird. Joseph Ratzinger stellte sich mit seiner Namenwahl als neuer Papst 2005 bewusst in die Tradition des Friedenspapstes und seinen Einsatz für den Frieden.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Wed, 07 Nov 2018 11:24:00 +0100
<![CDATA[Mit Gott in den Krieg ziehen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2018/08/29/mit-gott-in-den-krieg-ziehen/ Vier Jahre, 17 Millionen Opfer und 40 beteiligte Staaten sind die nüchternen Fakten des Ersten Weltkriegs. Ein kompliziertes Bündnissystem und das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand entwickelten eine Eigendynamik auf dem Weg in eine lange und sinnlose Katastrophe. Die europäischen Staaten strebten auch in den Kolonien nach Macht. Damit verschärfte sich das gegenseitige Misstrauen der Staaten. Deutschland paktierte mit Österreich-Ungarn, dem Osmanischen Reich und Bulgarien.

Auf der anderen Seite stand die „Entente“ mit Frankreich, Großbritannien und Russland sowie ab 1917 noch den USA. Allein dies verdeutlicht das Ungleichgewicht der Kontrahenten. Deutschland und seine Verbündeten hatten 33 Millionen wehrfähige Männer, die Gegner fast 138 Millionen. Ähnliches gilt für die Rüstungsausgaben.

„Kirche so blind wie die gesamte Bevölkerung“

Als der serbische Nationalist Gavrilo Princip Erzherzog Franz Ferdinand ermordete, stellten viele Nationen ihren Partnern Blankoschecks aus: Ohne die genauen Umstände zu prüfen, schworen sie bedingungslose Bündnistreue. Binnen kürzester Zeit wurde aus einem lokalen Krisenherd ein Kontinentalkrieg. In Deutschland herrschte auch in den Kirchen große Begeisterung für den Krieg. Der Theologe Ernst Dryander animierte im Berliner Dom die Menschen: „Wir ziehen in den Kampf für unsere Kultur – gegen die Unkultur! Für die deutsche Gesittung – gegen die Barbarei! Für die freie, an Gott gebundene Persönlichkeit – wider die Instinkte der ungeordneten Massen. Und Gott wird mit unseren gerechten Waffen sein!“ Der damalige Berliner Domprediger Bruno Doehring erklärte die Deutschen sogar zum „Erlöservolk“.

Weil alle Nationen meinten, dass sie den Krieg zu Recht führten, wähnten sie auch Gott an ihrer Seite. Der Berliner Professor für Kirchengeschichte, Christoph Markschies, relativiert diese Euphorie. Die Kirche sei damals so „blind gewesen“, wie die gesamte Bevölkerung: „Das ist für Nachgeborene schmerzlich nachzuvollziehen.“ Die Gruppe der Mahner innerhalb der Kirchen war 1914 klein und nur wenige positionierten sich eindeutig gegen den Krieg. Als sich 2014 der Beginn des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal jährte, gab die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ein klares Schuldeingeständnis ab. Als Kirche rufe sie zu Frieden und Versöhnung auf, aber genau bei dieser Aufgabe hätten sie und ihre Theologie 1914 versagt. Die Kirchen hätten nicht dazu beigetragen „sich zu Anwälten der Menschlichkeit und des Lebens zu machen“.

Auch gegen Ende des Krieges, 1918, habe der deutsche Protestantismus nicht dazu beigetragen zu versöhnen, heißt es in dem Schuldeingeständnis. 1933 habe sich die Kirche nicht dem „Gift des wieder aufkommenden Nationalismus“ entziehen können: „Zu sehr dem nationalistischen Zeitgeist verhaftet war ihre Theologie und zu schwach war ihr ökumenisches Bewusstsein.“ Einen Tag nach der Kriegserklärung durch Wilhelm II. versammelten sich vor dem Berliner Stadtschloss rund 40.000 Menschen. Der Monarch versicherte ihnen, dass er „keine Parteien und auch keine Konfessionen mehr“ kenne.

Pfarrer predigten den Krieg

Die deutschen Truppen marschierten – gegen bestehendes Völkerrecht – Anfang August 1914 in Frankreich und Belgien ein. Die Landeskirchen glaubten, einen gerechten Krieg im Namen Gottes zu führen. Sie fürchteten auch die Gefahr, als „vaterlandslose Gesellen“ dazustehen. Zudem waren die Protestanten eng mit dem Monarchen verbunden. Der Kaiser war zugleich Oberhaupt der Evangelischen Kirche in Preußen. Er regierte aus Gottes Gnaden. Das war nur schwer in Frage zu stellen. Der Theologe Paul Althaus bekannte damals: „Wir stehen mit Gott in diesem Krieg als seine Diener. Darum ist es ein heiliger Krieg und für jeden von uns ein Gottesdienst.“

Der Theologe Reinhold Seeberg ging noch einen Schritt weiter. Bei der Tötung eines gegnerischen Soldaten werde „das Werk der Nächstenliebe Christi“ an diesem vollstreckt. Der Vergleich zwischen Jesu Opfertod und dem des Soldaten war allgegenwärtig. Der Krieg wurde zum Kampf des Christlichen gegen den Teufel stilisiert. Der Teufel waren die Anderen. Die meisten Soldaten sahen es als ihre Pflicht gegenüber Gott an, für das eigene Land einzutreten. Zu Beginn des Krieges waren die Gottesdienste voll und viele Pfarrer predigten, auch um ihren Einfluss in der Kirche nicht zu verlieren, für den Krieg und dafür, sein Leben für das Vaterland zu opfern.

Um Deutschlands „große Stunde“ zu unterstützen, sollten die Menschen ihr Geld dem Vaterland zur Verfügung stellen und Anleihen zeichnen. Andernfalls könne der Einzelne schwer vor seinem Vaterland, seinem Gewissen und seinem Gott bestehen, hieß es in einem Gemeindebrief. Kleriker drängten junge Männer, sich freiwillig zur Armee zu melden. „Gott braucht dich“, verkündeten englische Pfarrer.

Die Kriegsparteien sprachen sich sogar gegenseitig den christlichen Glauben ab. Und gegen Nicht-Christen konnten sowohl Katholiken als auch Protestanten guten Gewissens ins Feld ziehen. Der Theologe Karl Barth sieht in dieser Zeit ein hoffnungsloses Durcheinander von „Vaterlandsliebe, Kriegslust und christlichem Glauben“. Dass die deutschen Soldaten bei den Kampfhandlungen ein Feldgesangbuch mit christlichen Chorälen im Gepäck hatten, veranschaulicht die Situation.

An der Front die „Feinde Gottes“ bekämpfen

Katholische Geistliche ließen sich auch von den Friedens­appellen ihres Papstes Benedikt XV. nicht von der Überzeugung eines „heiligen Krieges“ abbringen. Wiens Kardinal Friedrich Piffl forderte die Gläubigen dazu auf, an die Front zu gehen und die „Feinde Gottes“ zu bekämpfen. Die katholische Zeitschrift La Croix dichtete das Glaubensbekenntnis um: „Ich glaube an die Macht des Rechts, an den Kreuzzug der Zivilisierten und an das ewige Frankreich.“

Britische Politiker waren überzeugt, dass das deutsche Volk von Gott abgefallen und der Krieg deswegen in dessen Sinne sei. Ähnlich interpretierte die russisch-orthodoxe Kirche den Krieg. Kirchenobere stuften Kaiser Wilhelm II. als Antichristen ein. Der Kirchenhistoriker Martin Greschat konstatiert „eine erschreckende Preisgabe der christlichen Substanz“ in den Stellungnahmen der europäischen Kirchen. Weil sie Gott für ihre Politik in Anspruch nahmen, hätten die Kirchen erheblich zur Radikalisierung des Krieges beigetragen. Jeder Tag des Krieges belege, wie wenig das Leben eines Menschen gezählt habe und wie wenig Christentum und Kirchen dagegen ausgerichtet hätten.

Strafen für fromme Kriegsdienstverweigerer

Doch es herrschte nicht überall Kriegsbegeisterung. Eine kleine Gruppe von Mahnern traf sich Anfang August 1914 in Konstanz, um den „Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen“ zu gründen. 153 Delegierte aus zwölf Ländern hatten sich angemeldet, aufgrund der Kriegswirren kam nur etwa die Hälfte. Ergebnis der Beratungen, an denen auch wenige Deutsche teilnahmen, war ein eindeutiger Friedensappell. Per Telegramm wurde dieser an die Staatsoberhäupter in Europa und den USA gesandt. Leitgedanke war, dass das Werk der Versöhnung und Förderung von Freundschaft eine wesentliche christliche Aufgabe sei. Die Kirchen aller Länder sollten Einfluss auf Volk, Volksvertretung und Regierung nehmen, um gute und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Völkern herzustellen. In London gründeten britische und amerikanische Delegierte den Weltbund formell einige Tage später.

Dem Vorstand gehörte auch der deutsche Theologe Friedrich Siegmund-Schultze an. Dieser appellierte sehr deutlich an die Kirchen, „kein Schwert in die Hand“ zu nehmen. Der Theologe war sich sicher, dass der Krieg umso mehr „gegen Freunde Christ (sic!) verboten sein“ müsse. Europaweit ergriff der schwedische Erzbischof Nathan Söderblom am deutlichsten Partei gegen den Krieg. Die „Götter des Nationalismus“ stünden „dem Gott Jesu Christi und dem Gott der Feindesliebe“ entgegen. Die Kirchen müssten Hass und Feindschaft tilgen und dem Blutvergießen ein Ende setzen. Noch konsequenter waren die Freikirchen. Mennoniten und Quäker verweigerten den Kriegsdienst, riskierten Gefängnisstrafen und blieben streng pazifistisch.

In der „Bewegung für internationale Freundschaftsarbeit und für das praktische Christentum“ sieht auch der Bad Liebenzeller Kirchenhistoriker Bernd Brandl einen wichtigen Ansatzpunkt. Sie wurde nach der Missionskonferenz von Edinburgh 1910 ins Leben gerufen. „Den Initiatoren ging es um soziale Gerechtigkeit und den Erhalt des Friedens über konfessionelle und nationale Grenzen hinweg.“ Auch während des Krieges blieben deutsche und englische Kirchenvertreter regelmäßig im Austausch. Sie gründeten die „Vereinten kirchlichen Komitees zur Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen dem britischen und dem deutschen Volk“. Die Zeitschriften Peacemaker und Die Eiche sollten Vertrauen aufbauen. Auch wenn die Konferenz in Konstanz wegen des Krieges abgebrochen werden musste, verstummte die Stimme des „Weltbundes für Freundschaftsarbeit“ auch im Krieg trotz aller nationalistischer Töne nicht, erklärt Brandl: „Sie organisierten eine Kriegsgefangenenhilfe und dachten über das Völkerrecht nach.“

Weihnachten feiern unter Feinden

Derweil wurden die Kampfhandlungen immer heftiger. Manchmal lagen die Schützengräben der Soldaten nur 50 Meter auseinander. Ein kurzer Lichtblick war das Weihnachtsfest 1914. An einigen Abschnitten der Front feierten Soldaten auf beiden Seiten gemeinsam. Ohne die Zustimmung ihrer Befehlshaber stellten sie die Kämpfe ein und verbrüderten sich. Doch schon bald wurde sinnlos weiter gemetzelt. Dafür steht keine andere Schlacht so sehr wie Verdun. Rund um die französische Stadt rieben sich deutsche und französische Soldaten auf. Die Schlacht wurde zur „Blutmühle“, in der etwa 300.000 Menschen starben.

Paul Tillich, Militärpfarrer zur Zeit des Krieges, blickte später nüchtern auf die Ereignisse zurück: „Das vierjährige Erleben des Krieges riss den Abgrund für mich und meine ganze Generation so auf, dass er sich nie mehr schließen konnte.“ Im Trommelfeuer Verduns irrte er zwischen Sterbenden umher und schlief zwischen den Toten ein: „Als ich erwachte, sagte ich mir: Das ist das Ende der idealistischen Seite meines Denkens!“

Die Evangelische Kirche löste reformatorische Texte aus dem Zusammenhang, um den Kriegswillen zu verdeutlichen. Das 400. Reformationsjubiläum im Kriegsjahr 1917 kam ihnen gerade recht, um Martin Luther zum deutschen Nationalhelden zu stilisieren und dessen „Kampfesmut“ umzudeuten: „Erhalt uns Herr, bei deinem Wort / und steure deiner Feinde Mord, / die Jesus Christus, deinen Sohn, / wollen stürzen von deinem Thron.“

Nach dem Krieg: Feindbild Deutschland

Der Krieg hatte die Länder finanziell ausgesaugt. Außerdem wurden Deutschland und seine Verbündeten in den Versailler Verträgen als „Urheber aller Verluste und aller Schäden“ gesehen. Diese Sichtweise belastete die junge „Weimarer Republik“ und vergiftete die innenpolitische Atmosphäre. Das Deutsche Reich verlor 70.570 Quadratkilometer Fläche und 7,3 Millionen Einwohner. Die Zahl der Hungertoten wird zwischen 430.000 und 733.000 Menschen geschätzt. Deutschland wurde 1918 zum allgemeinen Feindbild stilisiert.

Nach dem Kriegsende 1918 wurde das Bündnis von Thron und Altar aus der Weimarer Verfassung entfernt. Dennoch: Auch im Zweiten Weltkrieg stellten sich die Kirchen auf die Seite der Kriegsparteien. Erst nach 1945 lehnten sie die Glorifizierung des Krieges ab und suchten eine verantwortungsvolle Friedensethik.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 06 Nov 2018 14:43:00 +0100