Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de Die aktuellen News bei Medienmagazin pro de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Christliches Medienmagazin pro https://www.pro-medienmagazin.de 18 16 Die aktuellen News bei Medienmagazin pro TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 07 Jul 2020 16:10:48 +0200 <![CDATA[Latzel ist kein Märtyrer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/07/07/latzel-ist-kein-maertyrer/ pro-Kolumnist Jürgen Mette findet: Ihn als verfolgten Künder der Wahrheit zu stilisieren, trifft nicht. Als Mann des Wortes sollte er besser auf seine Worte achten.]]> Was ist passiert, dass ein einzelner Pastor wie Olaf Latzel in Bremen so viel öffentliche Haue bekommt, dass seine Landeskirche ihn in einem Dienstgespräch die Predigtkanzel für sechs Wochen sperrt und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Volksverhetzung einleitet? War es der Griff in die Kasse, der Griff zur Flasche oder der Griff unter den Rock? Nein, nichts von diesen drei typischen Gefahren. Olaf Latzel hat gepredigt und gelehrt, wie sich das für einen guten Pastor gehört. Er hat auch keine Irrlehren vertreten, jedenfalls nicht öffentlich.

Ich kenne Olaf Latzel als einen engagierten Pastor und leidenschaftlichen Evangelisten, damals noch in Trupach bei Siegen, wo wir zusammen eine Jugendevangelisation durchgeführt haben. Der Mann hat ohne Zweifel dort im Segen gewirkt. Er war immer in Rufweite. Er war ein unverschämter Rufer, im besten Sinne des Wortes ohne falsche Scham. Ich vermute, dass seine Gemeinde St. Martini ihm heute dasselbe Zeugnis ausstellen würde. Aber sie täte gut daran, ihrem Pastor beizustehen und ihn gleichzeitig in die Pflicht zu nehmen, auf seine Worte zu achten.

Olaf Latzel ist ja dafür bekannt, dass er hier und da gern mal verbal überzieht, besonders wenn es um Minderheiten geht, zum Beispiel gegen Muslime oder Homosexuelle. Wer im Namen Jesu predigt, kann eine Abwertung von Mitmenschen nicht akzeptieren, geschweige selbst aussprechen. Man bezeichnet Homosexuelle einfach nicht als „Verbrecher“. Basta! Auch wenn er sich für die Verwendung des Begriff entschuldigt hat und uns wissen lässt, dass er damit nur die aggressiven gemeint hat, die seine Kirche angegriffen hatten, und dass zudem in St. Martini Homosexuelle immer willkommen seien. Da bleibt ein eigenartiger Beigeschmack. Wie wäre es stattdessen mit „Segnet, die euch fluchen!“ gewesen?

Besonnenheit statt Provokation

Es ist nicht das erste Mal, dass Pastor Latzel verbal auffällig wurde. Wer immer mal wieder über das Ziel hinausschießt, bleibt so in der Öffentlichkeit präsent. Dass sich dann aber 20.000 empörte Menschen aus dem ganzen Land per Petition mit ihm identifizieren und solidarisieren, weil sie klare Kante zeigen wollen und in Pastor Latzel einen letzten Vertreter ihrer Sorgen sehen, das fordert uns heraus.

Vandalismus und Schmierereien an religiösen Versammlungsräumen sind völlig inakzeptabel. Für die Bearbeitung von Sachbeschädigung auf dem Anwesen Latzel oder St. Martini ist die Polizei zuständig. Dennoch frage ich mich ganz schlicht, was Jesus getan hätte. Hätte er die Sprayer vielleicht noch zu einer Wand geführt, die dringend auf Anstrich wartet? Oder gilt für diesen Vorgang nicht das Wort Jesu von der „anderen Wange“, die man den Angreifern hinhalten soll?

Dass man aber Olaf Latzel jetzt mit dem Thema Christenverfolgung in Verbindung bringt, ist ihm hoffentlich selbst unangenehm. Christenverfolgung wäre, wenn Christen um Jesu willen existentiell bedroht werden. In Bremen gibt es tolle evangelikale Gemeinden, die unspektakulär ihre Arbeit machen. Werden die nicht „verfolgt“, weil sie nicht so schneidig auftreten wie der Pastor von St. Martini? Und sollten ihm die bösen Sprüche nur so „rausgerutscht“ sein, dann muss man befürchten, dass sich dieses Menschenbild längst in seinem Kopf fest etabliert hat. Wer solchen Gefühlen Raum gibt, der braucht einen engen Freund, der sagt: „Es reicht!“, und der ihn dann freundlich, aber zielbewusst nach Backstage führt. Ich wünsche meinem Glaubensbruder und Kollegen einen solchen Freund, der ihn begleiten und korrigieren darf.

Allerdings halte ich eine Klage gegen Olaf Latzel wegen Volksverhetzung für völlig übertrieben und vor allem kontraproduktiv, denn das würde denen, die ihm huldigen, nur in die Hände spielen. Ich vermute und hoffe, dass ein Verfahren wegen Volksverhetzung nicht zustande kommen wird.

Olaf Latzel wird hoffentlich bald wieder gute Predigten halten, das kann er nämlich, die Aufregung würde sich bald legen. Nur die Stadtmusikanten würden weiter tonlos erstarrt rumstehen. Und vielleicht, dafür bete ich, öffnet Gott selbst ihm die Augen dafür, dass es mit Besonnenheit immer besser geht als mit der Holzhammer-Methode. Die lautesten Empörer haben oft reichlich Scheinheiliges im Gepäck.

Schöne Grüße von der Lahn an die Weser.

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Tue, 07 Jul 2020 11:21:00 +0200
<![CDATA[Video-Andachten in Wort und Stift]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/07/06/video-andachten-in-wort-und-stift/ Die Idee, Andachten mit Zeichnungen zu untermalen, hatte der Berliner Pastoralreferent und geistliche Mentor für Theologiestudierende in der katholischen Berliner Studierendengemeinde, Helmut Jansen, bereits im vergangenen Jahr. Damals wollte er einen Gottesdienst „ohne großen Medienkram“ wie Laptop und Beamer gestalten, sagte er kürzlich der Nachrichtenseite katholisch.de. Er nahm die Predigt auf und fügte anschließend verschiedenen Zeichnungen in die Predigtaufnahme ein - fertig war der erste „Sketch Bibel“-Clip. Nach wenigen Videos stellte Jansen die Produktion allerdings ein.

Im Zuge des Coronavirus griff der Pastoralreferent die Idee der visualisierten Andachten erneut auf. Seit drei Monaten entstehen neue Kurzandachten, die jeden Sonntag und an Feiertagen auf YouTube erscheinen. Unterstützt wird Jansen dabei von seiner Kollegin Esther Göbel. Beide sehen sich dabei nicht als „Religionsfanatiker oder Halleluja-Schlümpfe“. In den Videos wollen sie sich kritisch mit Glaubensaussagen auseinandersetzen und diese „auf ihre Alltagsrelevanz hin abklopfen“. Dem Zuschauer solle klar werden, wo in den biblischen Texten die Relevanz für das eigene Leben sei. „Meine Überzeugung ist, dass Menschen auf Freiheit hin geschaffen sind und nicht zu allem Ja und Amen sagen müssen. Freiheit müsse in Verantwortung gelebt werden, „nicht im Nachplappern oder Erfüllen irgendwelcher Pflichten“, sagte Jansen gegenüber katolisch.de. Das sei der inhaltliche Leitfaden seiner Clip-Predigten.

Jedes Video hat eine Länge von drei bis vier Minuten und widmet sich einer Glaubensaussage. So gibt es bereits Videos zum Thema Nachfolge oder Dreifaltigkeit.

Kürze als Schlüssel

Vor allem die Dauer der Clips sei ein wichtiger Faktor. Die „Sketch Bibel“ bringe das auf den Punkt, was „oft in viel zu langen Predigten zerredet wird“, erklärt Jansen in einem Video auf YouTube. Die Herausforderung bestehe darin, in den Predigten das Unnötige wegzulassen und sich nur auf das Nötige zu beschränken. Die Zeichnungen und Skizzen seien für ihn und die Zuschauer eine Hilfestellung. „Ich will mich selbst in die Pflicht nehmen, eine bildreichere Sprache zu verwenden und nicht zu theoretisch zu sein, sondern anschaulich.“

Mittlerweile gibt es 22 Andachtsvideos. Ab Juli pausiert die „Sketch Bibel“. Nach der Sommerpause soll es aber weitergehen. „Unser vorläufiges Ziel ist es, ein Lesejahr durchzuhalten", kündigt Jansen an.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 06 Jul 2020 13:49:00 +0200
<![CDATA[Unterschriftenaktionen gegen Jesus-Film mit lesbischer Schauspielerin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/07/06/unterschriftenaktionen-gegen-jesus-film-mit-lesbischer-schauspielerin/ Paris Jackson, das zweite Kind und die einzige Tochter des Popstars Michael Jackson, soll in dem Film „Habit“ Jesus spielen. Die 22-jährige Tochter des 2009 verstorbenen Sängers ist Model und selbst Sängerin. Viel wurde noch nicht über „Habit“ (Angewohnheit) bekannt. Es soll ein Thriller werden, und auf einem ersten veröffentlichten Foto ist Jackson als Jesus mit langen blonden Haaren in einem weiß-roten Umhang und mit einem Nasenring zu sehen.

Auf dem Portal Change.org werden nun Unterschriften gegen das Filmprojekt gesammelt. Die Petition, die sich an die Filmunternehmen Warner Bros und Lionsgate richtet, protestiert dagegen, dass der geplante Film „blasphemisch“ sei und Jesus von einer lesbischen Frau dargestellt werde. Paris Jackson hat in der Vergangenheit öffentlich mitgeteilt, dass sie sich eher zu Frauen hingezogen fühlt. Die Petition nennt den geplanten Film „christenphobischen Müll“. Bislang haben über 300.000 Personen unterschrieben.

Zweite Petition von besorgten Müttern

Schon zuvor hatte die amerikanische Organisation „One Million Mums“ eine ähnliche Unterschriften-Aktion gegen den Film auf ihrer eigenen Webseite gestartet. Die Organisatorinnen bezeichnen das Machwerk als „Sakrileg“, das sich „über Gläubige lustig mache“. Die Aktion unterstützen bislang über 77.000 Personen. An die Filmproduktionsfirma Elevated Films gerichtet unterzeichnet der Teilnehmer eine Erklärung, in der es heißt: „Ich bin geschockt und zutiefst traurig über die Entscheidung Ihres Unternehmens, den Film ‚Habit‘ zu produzieren, in dem ein Jesus Christus mit undefiniertem Geschlecht („gender-bending“; Anm. d. Red.) vorkommt. Das ist eine abstoßende Widerspiegelung einer Arroganz und der Verachtung des christlichen Glaubens. Sie verunglimpfen Jesus und beleidigen dadurch den Glauben von Millionen Christen.“

Von: Jörn Schumacher

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Mon, 06 Jul 2020 13:40:00 +0200
<![CDATA[Söder: Es ist ein Privileg, glauben zu können]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/07/05/soeder-es-ist-ein-privileg-glauben-zu-koennen/ „Ich habe es bis heute als Privileg empfunden, dass ich glauben kann“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Podcast „Wickert trifft.“ im Gespräch mit dem Journalisten Ulrich Wickert. Sein persönliches Lebensmotto sei: „Vertrau' auf Gott, er wird dich leiten.“ Auch in der Politik spiele die christliche Haltung für ihn eine Rolle. „Christsein für einen Politiker bedeutet, dass er Respekt vor dem anderen hat. Dass er den anderen wertschätzt wie sich selbst und den Menschen und seine Probleme in den Mittelpunkt rückt“, sagte Söder. Als Beispiel nannte er die Sozialpolitik in Bayern und das Pflegegeld, das er eingeführt habe. In einem bewegenden Brief habe eine Frau, die für ihren demenzkranken Mann den Zuschuss erhalten habe, einmal berichtet, wie sie mit ihm noch einmal eine letzte Reise an die Nordsee machen konnte – an einen Ort, an den er sich durch die Reise wieder erinnern konnte. „Bei aller großen Politik merkt man an kleinen Ereignissen, dass man etwas bewegen kann“, sagte Söder.

Christsein bedeute für ihn auch, Hoffnung zu haben. „Ein Leben ohne Hoffnung ist für mich schwierig“, findet der Politiker.

„Ohne Luther hätte es die Kirche wie heute nicht gegeben“

Er gestand außerdem ein, bei der Kruzifixentscheidung in der Vergangenheit Fehler gemacht zu haben. Der Ministerpräsident hatte im Jahr 2018 verordnet, dass in jeder Behörde der bayerischen Staatsverwaltung ein Kreuz im Eingangsbereich hängen soll. Das hatte zu einer umfassenden Debatte geführt. „Manches würde ich heute sicherlich anders machen“, sagte Söder. Er habe damals kurz vor der Wahl gestanden und es sei „sicher nicht alles optimal“ gelaufen. Doch seine Entscheidung sei aus dem Grundgedanken entsprungen, dass der christliche Glaube „Teil eines Wertebewusstseins“ ist und in Bayern häufig immer noch zur Alltagskultur gehöre.

Jesus Christus ist für Söder „die spannendste Figur in der Geschichte“. Doch auch Martin Luther findet er beeindruckend. „Ich glaube, ohne das Wirken Luthers hätte es die Kirche, wie wir sie heute haben, nicht mehr gegeben. Luther hat dazu beigetragen, dass sich jeder auf sich besinnt. Die Aufrichtigkeit des Geistes und die Fähigkeit, Glaube und Rationalität besser zusammen zu bringen, haben eine große Rolle gespielt. Mit seiner Übersetzung der Bibel hat er dafür gesorgt, dass die Kirche zur Volkskirche wurde. Auch wenn Luther „Fehler gemacht und Sachen gesagt hat, die wir heute zu Recht hinterfragen“.

Im Podcast „Wickert trifft.“ interviewt der Journalist Politiker, Künstler und Autoren. Markus Söder war Gast der ersten Folge. Der Podcast findet sich bei allen gängigen Anbietern wie Spotify, Deezer, Apple Podcasts oder Google Podcasts.

Von: Swanhild Zacharias

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Sun, 05 Jul 2020 12:23:00 +0200
<![CDATA[Papst bedankt sich bei Corona-Helfern]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/07/04/papst-bedankt-sich-bei-corona-helfern/ Die christliche Hilfsorganisation Samaritan's Purse hatte von Anfang März bis Ende Mai ein Notfallfeldlazarett in der besonders stark betroffenen Region Lombardei in Norditalien betrieben. In einer Privataudienz bedankte sich Papst Franziskus nach einer Ansprache persönlich nun bei allen medizinischen Helfern während der Krise. Als Vertretung von Samaritan's Purse nahm die aus den USA stammende Medizinerin Kristin Hummel an dem Treffen teil, die zuvor einen Monat lang in dem Notfallfeldlazarett im Einsatz war. Bereits kurz nach dem Ende des Einsatzes in Cremona hatte die italienische Stadt Samaritan's Purse die Ehrenbürgerschaft verliehen. In dem Notfalllazarett der Organisation wurden 218 Patienten behandelt.

Die Organisation arbeitet derzeit in auch in mehreren anderen Ländern an der Bekämpfung des Coronavirus, unter anderem durch medizinische Nothilfe, Wasser- und Sanitärprojekte und Lebensmittelverteilungen.

Von: Swanhild Zacharias

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Sat, 04 Jul 2020 11:16:00 +0200
<![CDATA[Neue Termine für Martin-Luther-King-Musical]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/veranstaltungen/2020/07/04/neue-termine-fuer-martin-luther-king-musical/ Am 8. und 9. Oktober 2021 soll das Martin-Luther-King-Musical nun in Wetzlar aufgeführt werden. „Auch vor uns macht Corona nicht halt: Daher haben wir schweren Herzens die Entscheidung getroffen, die Aufführungen des Chormusicals Martin Luther King nochmals zu verschieben und erst im Herbst 2021 durchzuführen“, sagt Projektleiter Marcel Volkmann vom Veranstalter Stiftung Creative Kirche, die das Projekt mit der Evangelischen Kirche in Hessen und in Nassau (EKHN) und weiteren Partnern durchführt.

Die Veranstalter gehen davon aus, dass Chorveranstaltungen wie das Musical auch nach Oktober dieses Jahres weiter eingeschränkt seien, weil dort viele Menschen eng beieinander ständen. „Der Charakter des Events würde aufgrund der notwendigen Regelungen verloren gehen. Mit Mundschutz und Abstandsregel lässt sich ein solches Projekt kaum realisieren“, sagte Volkmann.

In Wetzlar hatten sich für das Mitmach-Stück bereits über 1.200 Sängerinnen und Sänger aus 30 Chören der Region angemeldet, die das Leben und Wirken des US-amerikanischen Befreiungskämpfers Martin Luther King gemeinsam mit Musical-Profis und einer Big-Band auf die Bühne bringen wollten.

Aufführungsort bleibt die Rittal Arena in Wetzlar. Die Zuschauertickets werden übertragen und behalten ihre Gültigkeit.

Auch für andere Städte gibt es neue Termine. In Bayreuth soll das Musical nun am 16. und 17. Oktober und in Lemgo am 13. November 2021 gespielt werden und in Rostock am 2. April 2022.

Von: Swanhild Zacharias

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Sat, 04 Jul 2020 08:00:00 +0200
<![CDATA[„Hass und Hetze gegen Polizisten darf nicht salonfähig werden“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/07/03/hass-und-hetze-gegen-polizisten-darf-nicht-salonfaehig-werden/ Bei Ausschreitungen mit mehr als 400 Beteiligten um den Schlossplatz in Stuttgart waren vor rund zwei Wochen mehrere Polizisten verletzt worden. Der Schock über das Ausmaß der Gewalt gegen die Polizei war groß. Bereits Mitte Juni hatte die taz-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah Polizisten auf eine Müllhalde gewünscht. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte daraufhin eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung erwogen, letztlich aber verworfen. Der Vorwurf war laut geworden, dass Seehofer mit der Anzeige die Pressefreiheit missachte. Im Interview mit pro wünscht der Bundesvorsitzende der Christlichen Polizeivereinigung, der Erste Kriminalhauptkommissar Holger Clas, mehr Rückhalt für die Arbeit der Polizei und fordert Christen auf, regelmäßig für die Regierung und Ordnungskräfte zu beten.

pro: Herr Clas, in einer taz-Kolumne von Mitte Juni wünscht die Autorin Polizisten auf die Müllhalde. Wie denken Sie über den Artikel?

Holger Clas: Diese sogenannte Kolumne trieft von einem hasserfüllten, menschenverachtenden Bild der Polizei und ist – salopp gesagt – unterirdisch. Jedem objektiven Betrachter wird deutlich, dass hier die Grenzen der Meinungsfreiheit weit überschritten wurden. Ein Gedankenspiel: Würden Sie einen anderen Begriff als „Polizisten“ dort einsetzen - zum Beispiel „Migranten“, „Journalisten“, „Homosexuelle“ – dann bin ich mir sicher, dass die deutsche Medienlandschaft völlig anders reagiert und wir aus Protest von München bis Kiel Lichterketten gehabt hätten.

Schon die These, dass ein gesellschaftliches Zusammenleben ohne Polizei möglich wäre, und die formale Auflösung der Polizei in Minneapolis zu fordern, finde ich sehr sportlich. In seinem Brief an die Römer im 13. Kapitel macht der Apostel Paulus deutlich, dass Gott die Polizei (wörtlich die „Obrigkeit“, die „das Schwert“ trägt, d. Red.) eingesetzt hat, um damit den Menschen ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. Und ergänzt: „Sie trägt ihr Schwert nicht umsonst!“ Nicht die, die Gutes tun, müssen die Polizei fürchten, sondern nur die, die Recht und Gesetz missachten. Schade, dass Frau Yaghoobifarah diese simple Einsicht nicht hat.

Polizeibeamte in dieser Form zu entmenschlichen, Ihnen die grundgesetzlich garantierte Menschenwürde abzusprechen und sie wie Dreck auf den Müll schmeißen zu wollen, sprengt alle Grenzen des menschlichen Miteinanders. Menschenverachtender geht es gar nicht mehr. Diese unsägliche Wortwahl erinnert mich an tiefste RAF-Zeiten, als Sicherheitskräfte als „System-Schweine“ entwürdigt wurden, die zu töten nicht verwerflich war.

Welche Reaktionen hätten Sie sich als Polizist gewünscht?

Ich bin zunächst schockiert über zwei Dinge: Erstens über diesen menschenverachtenden Text und zweitens die Tatsache, dass sich eine deutsche Zeitung gefunden hat, die ihn veröffentlicht. Da laufen alle bundesgesetzlichen Maßnahmen gegen „hate speech“ in den sozialen Netzwerken ins Leere, wenn hier Hass und Hetze salonfähig gemacht werden sollen.

Und ich war sehr erstaunt, dass diese Entgleisung von einem kleinen Teil der Medien sogar noch entschuldigt wurde. Beispielsweise der Satiriker Jan Böhmermann hat sich ganz klar hinter die Autorin gestellt. Das finde ich schon deswegen erschütternd, weil er als Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks besonderen ethischen Ansprüchen genügen sollte. Es waren ganz Wenige in den Medien, die klar gesagt haben: Hier wurde eine rote Linie überschritten! Die Bevölkerung ist offensichtlich deutlich sensibler in der Wahrnehmung. Es gab eine Flut von Kritik in den sozialen Netzen und in Leserbriefen. Es waren letztendlich Bürger und die Chefs der Polizeigewerkschaften, die Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet haben.

Es handelt sich um ein Offizialdelikt, das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft von selber tätig werden muss. Es ist daher rechtlich völlig egal, ob der Bundesinnenminister das nochmal zur Anzeige bringt, weil schon diverse Anzeigen vorlagen. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen denken: Es wäre ein symbolisches Zeichen gewesen, wenn der Minister mit einer eigenen Anzeige gezeigt hätte: Ich stelle mich vor meine Leute, so könnt ihr nicht über die deutschen Polizisten hetzen, das ist inakzeptabel. Das wäre ein deutliches, politisches Signal gewesen.

Als Bundesinnenminister Horst Seehofer öffentlich eine Anzeige gegen die Kolumnistin erhob, war schnell von einem Eingriff in die Pressefreiheit die Rede ...

Das ist natürlich Quatsch. Niemand möchte in die Pressefreiheit eingreifen. Das kann der Minister auch gar nicht. Es ging darum, einen umstrittenen Artikel durch die Justiz auf strafrechtliche Relevanz hin prüfen zu lassen. Das muss in einem Rechtsstaat möglich sein, ohne dass allein dieses Ansinnen schon kritisiert wird. Der Vorwurf ist an den Haaren herbeigezogen. Die Medien stehen nicht über dem Gesetz. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, es gibt aber auch noch andere Rechtsgüter im grundgesetzlichen Wertekanon, die es abzuwägen gilt.

Wie würden Sie Stuttgart und die taz-Kolumne aus Ihrem christlichen Glauben heraus bewerten?

Als Christen wissen wir aus Psalm 127: „Wenn der Herr nicht die Stadt bewacht, dann wachen die Wächter vergeblich.“ Davon bin ich überzeugt, dass das so ist. Das macht uns als Christen aber auch deutlich, dass das Gebet für unser Land so wichtig ist. Gebet für unser Land, Gebet für die Regierung, für die Justiz und eben auch für die Polizei. Es ist meine Aufgabe, die Kollegen und Kolleginnen der Polizei zu ermutigen, dass sie ihren christlichen Glauben leben und nach christlichen Wertmaßstäben leben und handeln – nicht Politik und Medien zu kritisieren. Jedoch stellt sich schon die Frage, welche Mitschuld Teile der Medien mit ihrer Stimmungsmache gegen die Polizei tragen. Es ist Aufgabe der Politik, sich hinter die Polizei zu stellen und die rechtlichen Möglichkeiten zu schaffen, dass die Polizei ihre hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen kann, sodass sie der Lage ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten.

Sie sind selbst Polizist. Haben Sie schon mal eine Gewalterfahrung gemacht?

Ich bin seit 1983 bei der Polizei und habe in den vielen Jahrzehnten meiner Laufbahn mehrfach am eigenen Leibe erfahren, dass auch gegen Polizeibeamte Gewalt eingesetzt wird. Polizisten werden dafür besonders geschult, in der Fachsprache spricht man von „Eigensicherung“. Letztendlich kann man sich im Einsatz nur bedingt Gefahren entziehen. Die schlimmste Gewalterfahrung, die ich in den 1990er Jahren hatte, führte dazu, dass ich mit blutverschmierter Lederjacke nach einem langen Dienst nach Hause kam. Ich hatte mir fest vorgenommen, zu kündigen, da ich mir das nicht länger antun wollte. Aber am nächsten Morgen, als ich darüber geschlafen hatte, sah die Welt wieder anders aus. (lacht)

Sie sind Polizist in Hamburg, wo es beim G20-Gipfel 2017 zu Gewaltausbrüchen gekommen ist. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Das war eine besondere Herausforderung. Einerseits aufgrund der Vielzahl hoher Staatsgäste, die auf verschiedensten Wegen angereist sind und die es zu schützen galt. Dazu kamen massive Straftaten aus Teilen des linksextremistischen Spektrums. Es waren damals in der Spitze rund 32.000 Polizeibeamte in der Stadt – eine unglaubliche Zahl. Auch ohne die extremistische Kriminalität wäre das schon eine sehr große Herausforderung gewesen.

Hat Sie das Ausmaß der Gewalt beim G-20-Gipfel überrascht?

Wir wussten von den Gipfeln der Vorjahre, dass es zu massiver Gewaltanwendung, Krawallen und Plünderungen kommen kann. Im Vorfeld von G-20 kursierten bereits Videos im Internet mit genauen Anleitungen, wie Brandsätze und Sprengkörper gebaut werden, so dass sich allen Sicherheitskräften abzeichnete, was da auf sie zukommt. Innerhalb der Polizei gab es großen Respekt vor dieser Aufgabe, die die Politik da verordnet hatte.

Was hat Sie am meisten schockiert?

Meine Kollegen und mich hat besonders erschüttert, dass sich Teile der öffentlich-rechtlichen Medien in ihrer Berichterstattung überaus parteiisch gezeigt haben. Es gipfelte in der absurden Überschrift: „Will die Polizei die Stadt in Schutt Asche legen?“ Also, so eine verquere Sichtweise muss man erst mal entwickeln, dass Täter und Opfer dermaßen verwechselt werden. Und es gab erschreckenderweise offensichtlich auch Vorfälle, in denen öffentlich-rechtliche Medien Videoaufnahmen manipuliert haben sollen, um ein negatives Bild der Polizei zu zeichnen. Aber besonders gefreut hat mich in diesem Zusammenhang, dass der Polizei aus der Bevölkerung sehr viel Sympathie und Dankbarkeit für die schwere Einsatzbewältigung entgegen gebracht wurde.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer.

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Fri, 03 Jul 2020 17:32:00 +0200
<![CDATA[Wird die Hagia Sophia bald wieder eine Moschee?]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/07/03/wird-die-hagia-sophia-bald-wieder-eine-moschee/ Die Hagia Sophia (Griechisch für „Heilige Weisheit“) war einmal die größte Kirche der Welt. Mit ihrer großen, über dem freien Hauptraum schwebenden Kuppel, die früher vergoldet war, galt sie als achtes Weltwunder. Byzanz, Zentrum des oströmischen Reiches und damit Nachfolger als Sitz eines Weltreiches nach Rom, war eine Mischung aus griechischer Kultur und christlicher Religion. Die Hagia Sophia war fast ein Jahrtausend lang das prächtigste Gotteshaus der Christenheit, in der auch die byzantinischen Kaiser gekrönt wurden. Heute zieht die Hagia Sophia im Jahr rund 3,7 Millionen Besucher an; seit 1985 gehört sie gemeinsam mit der Istanbuler Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe.

Im Jahr 1453 eroberten die Osmanen Byzanz, und aus der Hagia Sophia machte Sultan Mehmet II. eine Moschee. Um die neue Funktion zu unterstreichen, wurden außen vier Minarett-Türme hinzugefügt. Im Jahr 1934 machte der türkische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk aus dem Gebäude ein Museum.

Forderungen nach Umfunktionierung zur Moschee

Im Jahr 2016 forderte ein Verein laut der türkischen staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu in einer Klage die Annullierung der damaligen Umfunktionierung zu einem Museum durch Atatürk. Die Vertreter des Vereins führen nach Angaben des türkischen Fernsehsender TRT an, die Unterschrift Atatürks unter dem damaligen Beschluss sei fehlerhaft und damit ungültig. Nach ihrem Verständnis sollte die Hagia Sophia wieder eine Moschee werden.

Nun beschäftigt sich das Oberste Verwaltungsgericht der Türkei mit der Frage. Die Staatsanwaltschaft hält dagegen, dass die damalige Entscheidung des Ministerrats rechtens sei und fordert eine Ablehnung der Klage. Wie der staatliche Sender TRT berichtet, wollen die Richter erst Mitte Juli ihr Urteil bekanntgeben. Sollten die Richter am 15. Juli bekanntgeben, dass das Gebäude wieder eine Moschee werden soll, wäre dies ein Datum mit Symbolkraft: An diesem Tag jährt sich der Putschversuch von Teilen des Militärs gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum vierten Mal.

Erdogan hat sich für eine Umwandlung zu einer Moschee ausgesprochen. Anhänger der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP fordern seit langem eine Umwandlung. Die orthodoxen Christen vor allem im Nachbarland Griechenland hingegen betonen die Bedeutung des Gebäudes für ihre Religionsgemeinschaft. Die US-Regierung hatte sich gegen eine Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee ausgesprochen. US-Außenminister Mike Pompeo hatte am Mittwoch die türkische Regierung gemahnt, die Hagia Sophia müsse weiterhin ein Musterbeispiel bleiben für das Engagement, die Glaubenstraditionen und die vielfältige Geschichte des Landes zu respektieren.

Von: Jörn Schumacher

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Fri, 03 Jul 2020 14:30:00 +0200
<![CDATA[Zufriedenheit mit Trump schwindet – auch unter Evangelikalen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/07/03/zufriedenheit-mit-trump-schwindet-auch-unter-evangelikalen/ Unter religiösen Gruppen schwindet die Unterstützung für US-Präsident Donald Trump zusehends. Das zeigt eine Umfrage des Pew Research Centers, die in der Zeit vom 16. bis 22. Juni durchgeführt wurde. So sagen derzeit noch 72 Prozent der weißen Evangelikalen, sie seien damit einverstanden, wie Trump seinen Job macht. In einer gleichen Umfrage im April waren das noch 78 Prozent. Die Zahl der weißen Evangelikalen, die Trump „sehr stark“ unterstützen, sank ebenfalls von 67 auf 59 Prozent.

Unter schwarzen Protestanten ist die Zustimmung zu Trump weiter niedrig. Sie sank von elf auf sieben Prozent. Alle Protestanten, zu denen sowohl Evangelikale als auch Nicht-Evangelikale zählen, stimmen zu 40 Prozent Trumps Amtsführung zu. Im April waren das 44 Prozent. Auch Katholiken sind immer weniger mit Trumps Politik einverstanden. 31 Prozent von ihnen sagen, sie fänden es gut, wie er seine Arbeit mache. Im April lag der Wert bei 40 Prozent. Bei weißen Katholiken ist die Zustimmung mit 43 Prozent derzeit noch etwas größer. Hispanische Katholiken hingegen sind nur zu zwölf Prozent mit der Amtsführung des US-Präsidenten einverstanden.

Die Umfrage führt auch alle Christen gesammelt auf. Betrachtet man diesen Wert, sind 49 Prozent von ihnen mit Trump zufrieden. Im April waren das 55 Prozent. Im Vergleich: Betrachtet man die gesamte US-Bevölkerung, stimmen 39 Prozent Trumps Amtsführung weiterhin zu. Im April waren das 44 Prozent.

Wenn die US-Wahl jetzt wäre, würden 55 Prozent der Christen für Trump stimmen und 43 Prozent für Joe Biden. Bei den Protestanten teilt es sich auf 58 zu 40 Prozent auf. Der Wert der weißen Evangelikalen weicht enorm ab. 82 Prozent würden Trump wiederwählen, 17 Prozent für Biden stimmen. 2016 hatten 77 Prozent der weißen Evangelikalen für Trump und 16 Prozent für Hillary Clinton gestimmt. Trotz sinkender Zufriedenheit würden also prozentual sogar mehr weiße Evangelikale für den Amtsinhaber votieren als noch bei der letzten Wahl. Unter den schwarzen Protestanten ist der Wert fast genau spiegelverkehrt: acht Prozent für Trump und 88 Prozent für Biden. Bei den Kaholiken liegt Biden mit 52 Prozent leicht vorne. Trump würden von ihnen 47 Prozent wählen. Unter allen US-Amerikanern schneidet Trump schlecht ab und würde Stand jetzt verlieren, was die bundesweite Zustimmung angeht: 54 Prozent würden für Biden stimmen, 44 Prozent für Trump. Allerdings entscheiden am Ende die Ergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten. Doch auch dort liegt Biden vorne.

Die Forscher fragten auch, ob Trump bisher ein „guter Präsident“ gewesen sei. Unter allen Christen stimmten dem 44 Prozent zu. Biden würden dagegen nur 24 Prozent für einen guten Präsidenten halten. Ähnlich sieht es bei den Protestanten insgesamt aus: 47 Prozent fanden Trump gut, nur 23 Prozent glauben, dass Biden einen guten Job machen würde. Bei den weißen Evangelikalen verstärkt sich das noch: 69 Prozent halten Trump für einen guten Regierenden, Biden trauen das nur 9 Prozent zu. Elf Prozent der schwarzen Protestanten urteilen rückblickend positiv über Trump. Dagegen sind sie zu 54 Prozent bei Biden optimistischer.

Bei den Katholiken erhalten beide Politiker nicht einmal die Hälfte der Stimmen. 36 Prozent von ihnen finden, Trump habe einen guten Job gemacht. 29 Prozent würden das Biden für die Zukunft zutrauen. Für die gesamte US-Bevölkerung gilt: Nur 34 Prozent beurteilen Trumps Leistung als gut. Aber auch nur 26 Prozent trauen Biden zu, einen guten Präsidenten abzugeben.

Von: Swanhild Zacharias

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Fri, 03 Jul 2020 11:55:00 +0200
<![CDATA[Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung angeklagt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/07/02/pastor-olaf-latzel-wegen-volksverhetzung-angeklagt/ Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Anklage gegen den Bremer Pastor Olaf Latzel wegen Volksverhetzung erhoben. Latzel habe am 19. Oktober 2019 in der St.-Martini-Gemeinde ein Eheseminar gehalten. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass „einzelne Ausschnitte dieser Äußerungen als volksverhetzend“ zu bewerten seien, da sie geeignet seien, den öffentlichen Frieden zu stören, heißt es in einer Pressemitteilung. Außerdem werde darin zum „Hass“ aufgestachelt gegen Menschen, „die in Bezug auf ihre Geschlechtsidentität und/oder sexuelle Orientierung, von der angeblich allein richtigen zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Norm abweichen“.

Außerdem sieht die Staatsanwaltschaft die Menschenwürde Homosexueller angegriffen. Latzel bezeichne Homosexuelle „generalisierend als Verbrecher“ und Homosexualität als „Degenerationsform“ der Gesellschaft. Latzel habe Menschen, die in ihrer Geschlechtsidentität von der „angeblichen Norm“ abweichen, als „Genderdreck“ und als „Angriff auf die göttliche Schöpfungsordnung“ bezeichnet.

Latzel hatte zuvor erklärt, er habe mit seinen Äußerungen nicht Homosexuelle im Allgemeinen gemeint, sondern „Aggressoren“, die seine Kirche immer wieder angegriffen hätten. In der Vergangenheit wurden zum Beispiel Parolen an die Wände der Kirchengebäude gesprüht und Gottesdienste gestört. Die Bremische Evangelische Kirche hatte Mitte Mai ein Disziplinarverfahren gegen Latzel eingeleitet, das derzeit ruht.

Von: Nicolai Franz

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Thu, 02 Jul 2020 18:37:00 +0200
<![CDATA[Corona-Verordnung sorgt für Disharmonie zwischen Berlin und Landeskirche]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/07/02/corona-verordnung-sorgt-fuer-disharmonie-zwischen-berlin-und-landeskirche/ Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) ist derzeit nicht gut zu sprechen auf das Land Berlin. Der Grund: Berlin verbietet in seiner aktuellen SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung vom 23. Juni das Singen in geschlossenen Räumen. Also auch das Singen in Kirchen und in Gottesdiensten.

Die Verordnung des Landes Berlin sieht unter Paragraf 5 „Weitere Hygiene- und Schutzregeln für besondere Bereiche“ vor, dass „in geschlossenen Räumen nicht gemeinsam gesungen werden darf“. Wer gegen die Verordnung verstößt begeht demnach eine Ordnungswidrigkeit. Nach der Maßgabe von Paragraf 73 Absatz 2 des Infektionsschutzgesetzes können Ordnungswidrigkeiten in diesem Zusammenhang mit Geldbußen zwischen 2.500 Euro und 25.000 Euro geahndet werden.

Für die EKBO ist die Verordnung des Landes nicht nachvollziehbar. „Mit Unverständnis und Missbilligung haben wir die neue SARS-CoV-2-Infektionsschutzverordnung des Berliner Senates zur Kenntnis genommen“, erklärten die Pröpstin der EKBO, Christina-Maria Bammel, und der Theologische Referent, Clemens W. Bethge, am vergangenen Freitag. In der Erklärung heißt es, dass „nicht nachvollziehbar sei, wie angesichts eines Gesangsverbots in geschlossenen Räumen die Frage der Verhältnismäßigkeit von den Verantwortlichen des Berliner Senats beantwortet“ werde.

„Verhältnismäßigkeit nicht mehr erkennbar“

Die EKBO sieht sich durch „fortdauernde Einschränkung“ in ihrem Recht auf freie Religionsausübung behindert. „Allein die Möglichkeit des Singens auf Abstand und unter freiem Himmel kann da überhaupt nicht hinreichen“, lautet es in der EKBO-Erklärung. Singen und Musizieren sei ein „wichtiges Moment“ des gottesdienstlichen und gemeindlichen Lebens der Kirche und Ausdruck des Glaubenslebens. Für die Kirche ist die „Verhältnismäßigkeit in den Entscheidungen nicht mehr erkennbar“.

Der Erklärung auf der EKBO-Webseite zufolge hat sich die Landeskirche mehrfach in der Angelegenheit an das Land gewandt. Allerdings offenbar erfolglos, wie die Erklärung der Pröpstin erkennen lässt. „Die wiederholt vorgetragenen Bitten der Landeskirche gegenüber dem Senat wurden an dieser Stelle nicht berücksichtigt“, lautet es darin, und weiter: „Nicht berücksichtigt wurden ebenfalls die vorgelegten Gutachten und die landeskirchlichen Selbstverpflichtungen zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen.“

Was Berlin verbietet, ist in Brandenburg und Sachsen erlaubt

Die Pröpstin hält mit ihrem Unmut über die Verordnung des Landes Berlin nicht hinter dem Berg und spricht offen von „Unverständnis“ über die Verordnung des Berliner Senats. Im Gegensatz zu Berlin sei in Brandenburg und in Sachsen das Singen mit den geltenden Hygiene-Vorgaben möglich. Das Gebiet der EKBO umfasst im Wesentlichen die Bundesländer Berlin und Brandenburg sowie den nordöstlichen Teil des Bundeslandes Sachsen. Folglich müssen Verordnungen mehrerer Bundesländer von der Landeskirche berücksichtigt werden.

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg teilte auf Anfrage von pro am Donnerstag mit, dass eine seit dem 15. Juni gültige SARS-CoV-2-Umgangsverordnung des Landes „das gemeinschaftliche Singen nicht explizit“ regele und verwies auf „relevante Einzelvorschriften“.

Da die Kontaktbeschränkungen, zuletzt noch bis zehn Personen aus zwei Hausständen, entfallen seien, dürfte sich ein Chor auch in größerer Zahl grundsätzlich wieder treffen. Der weiter gültige Mindestabstand von 1,5 Metern muss gewährleistet sein. „Im Innern definiert sich die Teilnehmerzahl also nach der Größe des Probenraumes einhergehend mit dem Abstandsgebot“, teilte das Ministerium mit. Außerdem müsse durch regelmäßiges Lüften die Raumluft „erneuert" werden und für später eventuell notwendige Kontaktnachverfolgung Listen mit allen anwesenden Teilnehmern angelegt werden.

Die Einschätzung der Kirche, „was beim Singen und Musizieren in geschlossenen Räumen, im Gottesdienst und bei Proben, beim Gemeindegesang, bei Chören und Posaunenchören möglich ist“, deckt sich demnach nicht mit der Einschätzung der Berliner Senatsverwaltung.

„Aufgrund der benannten Unverhältnismäßigkeit stellen wir eine massiv schwindende Akzeptanz der Verordnungsvorgaben in der gemeindlichen Arbeit fest“, schreiben Bammel und Bethge. Dies gelte insbesondere in der Chorarbeit. Die Kirche hält die Beschränkung des religiösen und kulturellen Lebens durch den Berliner Senat für „überzogen“ und verweist auf andere Möglichkeiten, den Gesundheitsschutz angemessen umzusetzen. Die EKBO erwägt Rechtmittel gegen die Verordnung des Landes und „prüft die Erfolgsaussichten eines gerichtlichen Verfahrens".

Von: Norbert Schäfer

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Thu, 02 Jul 2020 17:03:00 +0200
<![CDATA[Erdogan will Soziale Medien stark einschränken]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/07/02/erdogan-will-soziale-medien-stark-einschraenken/ Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will so bald wie möglich einen Gesetzesentwurf ins Parlament einbringen, der eine stärkere Kontrolle von Sozialen Medien fordert. „Diese Kanäle, in denen es von Lügen, Beleidigungen, Angriffen auf das Persönlichkeitsrecht und Rufmorden wimmelt, müssen reguliert werden“, sagte er in einer Videokonferenz mit Vertretern seiner islamisch-konservativen Regierungspartei. Das berichten unter anderem Spiegel Online, die Süddeutsche Zeitung (SZ) und das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Sozialen Medien sollten „vollständig aufgehoben und kontrolliert werden“, sagte er weiter. Erdogan kündigte Zugangssperren, rechtliche und finanzielle Sanktionen an. Er wolle außerdem die Konzerne hinter Facebook, Twitter und Co. dazu verpflichten, Ansprechpartner in der Türkei zu nennen, die auf rechtliche Anfragen reagieren.

Twitter-User mit Terroristen verglichen

Auslöser für Erdogans Pläne war ein Tweet seines Schwiegersohnes und Finanzministers Berat Albayrak. Der hatte am Dienstag die Geburt seines vierten Kindes verkündet. Neben vielen Glückwünschen habe es auch einige „Niederträchtige“ gegeben, „die keine Moral und Menschlichkeit besitzen“. Einige Nutzer hatten angezweifelt, dass Albayrak wirklich der Vater des Neugeborenen sei.

Nach Erdogans Aussage seien Polizei und Justiz bereits damit beschäftigt, die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. „Versteht ihr jetzt, was es bedeutet, dass wir gegen YouTube, Twitter, Netflix und ähnliche soziale Medien sind? Eben um solche Unanständigkeiten zu beseitigen“, sagte der Präsident. Nach SZ-Informationen rückte er die betroffenen Nutzer sogar in die Nähe des Terrorismus: „Wir akzeptieren nicht, dass 83 Millionen Bürger sich gegen den Terror der Sozialen Medien nicht wehren können.“

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 02 Jul 2020 16:01:00 +0200
<![CDATA[Weiter Kritik an Abschaffung des EU-Beauftragten für Religionsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/07/02/weiter-kritik-an-abschaffung-des-eu-beauftragten-fuer-religionsfreiheit/ Die EU-Kommission will das Thema beim Menschenrechtsbeauftragten verankern. Künftige Verletzungen der Religionsfreiheit sollen vom EU-Delegierten und dem EU-Menschenrechtsbeauftragten, Eamon Gilmore (Irish Labour Party), dokumentiert und angesprochen werden. Um Religionsfreiheit kümmere sich zudem explizit das „Europäische Instrument für Demokratie und Menschenrechte“ (EIDMR), hieß es aus Brüssel.

Die österreichische katholische Nationalrätin Gudrun Kugler (ÖVP) forderte mit ihrem Parteifreund Reinhold Lopatka und der grünen Abgeordneten Ewa Ernst-Dziedzic die österreichische Bundesregierung schriftlich dazu auf, sich auf allen Ebenen für die Wiedereinführung des Amtes des Sonderberichterstatters für Religions- und Weltanschauungsfreiheit einzusetzen. Auch der CDU-Politiker Volker Kauder hatte die Entscheidung der EU-Kommission kritisiert.

ojcos-Stiftung und Evangelische Allianz in Deutschland

Nun haben auch die ojcos-Stiftung und die Evangelische Allianz in Deutschland Kritik an der Entscheidung geäußert, das Amt nicht weiter zu besetzen. Die ojcos-stiftung setzt sich nach eigener Aussage für den Erhalt ethisch-kultureller Errungenschaften ein und will „insbesondere innovative Ideen und Projekte fördern, die den Friedensschluss zwischen den Geschlechtern, Generationen und Nationen zum Ziel haben“.

Die Unterzeichner der gemeinsamen Mitteilung sind der Politische Fürsprecher für Religionsfreiheit im Irak von der ojcos-Stiftung, David Müller, sowie der Beauftragte am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung der Deutschen Evangelischen Allianz, Uwe Heimowski. Sie betonen die Bedeutung der Religionsfreiheit als ein Menschenrecht gemäß der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Doch die Verfolgung religiöser Minderheiten nehme weltweit zu: „Allein bis zu 200 Millionen Christen müssen mit Einschränkungen und Verfolgungen leben, aber auch Yeziden, Ahmadiyya, Buddhisten, Juden, Bahai oder Muslime sind betroffen“, heißt es in der Erklärung. Mit der Einsetzung eines Beauftragten für weltweite Religionsfreiheit habe die Bundesregierung ein deutliches Zeichen gesetzt, dass sie diese Menschenrechtsverletzungen nicht toleriert. Damit dieser Einsatz zu Erfolgen führen kann, müsse auch Europa eine deutliche Stimme gegen Verfolgung religiöser Minderheit haben. Dieses Amt habe bislang der Slowake Ján Figeľ von 2016 bis 2019 ausgeführt. Ein Auslaufen seines Mandates sei „mehr als kontraproduktiv für das Anliegen und für die Verfolgten ein Schlag ins Gesicht“.

Die beiden Organisationen begrüßen daher ausdrücklich die fraktionsübergreifende Resolution von 135 Mitgliedern der Fraktionen von CDU/CSU-, SPD- und FDP im Deutschen Bundestag, die sich für die Beibehaltung des Amtes des Sonderbeauftragten einsetzen. „Gemeinsam mit den Parlamentariern fordern wir als Nichtregierungsorganisationen die EU-Kommission auf, bei Ihren Beratungen in den nächsten Tagen umzudenken, und das Amt schnellst möglich wieder zu besetzen sowie es nachhaltig im Haushalt zu verankern und mit entsprechenden Mitteln auszustatten“, heißt es in der Erklärung. Ein starkes Europa sei „ein Europa als christliche Wertegemeinschaft, die sich an Menschen- und Freiheitsrechten orientiert“.

Von: Jörn Schumacher

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Thu, 02 Jul 2020 15:13:00 +0200
<![CDATA[Hör auf, im Namen Gottes aufzutreten!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/07/02/hoer-auf-im-namen-gottes-aufzutreten/ Jürgen Mette.]]> Kaum eins der Zehn Gebote wird so häufig missbraucht wie das dritte: „Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!“ Dabei denke ich zuerst an uns, die wir einen heißen Draht nach „oben“ haben und beruflich und privat ständig von und über ihn schreiben und reden, und dann erst an die gedankenlosen Dampfplauderer, die den heiligen Namen Gottes mit „Ach-Gottchen“ , „Oh Gott, oh Gott“ und „Um Gottes willen“ auf das Niveau des Boulevards gezogen haben.

So frage ich uns: Was haben wir mit Gott gemacht?

Einen saisonalen Weihnachtsmann und Rauschgoldengel? Einen, der über den Bösen die Rute schwingt und die Lieben mit Äpfeln und Backwerk belohnt? Eine letzte Instanz, die mal verurteilt und mal Gnade walten lässt? Einen Besitzstandswahrer unseres mittelständischen und mitteleuropäischen Lebensstils?

Einen Sittenwächter unserer scheinheiligen Moralvorstellungen? Einen Schönwettergaranten für unsere Grillfeste und Strandurlaube? Einen christlich-sozialen Landrat und einen linken Oppositionellen? Sein Name musste herhalten für Krieg und Terror, für die Waffenlobby und die Aufrüstung, für pazifistische Schwärmereien und Bio- und Öko-Ideale.

Wir haben sein Wort geprüft und ihm völlige Irrtumslosigkeit attestiert. Ohne uns wäre Gott schon längst untergegangen, könnte man meinen. Wir haben ihn zu einem Bastler gemacht, der auf die Sechs-Arbeitstage-Woche besteht, der mit Erde hantiert und einen Klumpen Erde beatmet und ansonsten von Astrophysik und Humangenetik keine Ahnung hat. Wir haben ihn für unseren kleinbürgerlichen Lebensstil vereinnahmt und ihn zu einem zornigen alten Mann gemacht, der im Gestern stecken geblieben ist und den Anschluss an die Moderne verpasst hat. Wir haben ihn in unsere Verlautbarungen gesperrt, in seinem Namen Menschen in die Enge getrieben und sie ihrer Freiheit beraubt.

Was haben wir mit dem heiligen Gott gemacht?

Wir haben ihn bei unseren hochkalorischen Frauen-Verwöhn-Buffets und den zünftigen Männerstammtischen betenderweise zum „Gast“ degradiert, der gefälligst das segnen soll, was wir uns selbst bescheret haben. Wir haben ihn zur Ikone unserer vorhersagbaren, langweiligen Gottesdienste gemacht. In seinem Namen haben wir Predigten gehalten, die im Gutmenschentum stecken geblieben sind. Wir haben ihn zum Guru gemacht, der in allen Religionen zu finden sei, aber nichts zu melden habe. Was haben wir mit dem heiligen Gott gemacht?

Wer sich in diesen Gedanken wiederfindet, der darf sich seiner Hybris und Scheinheiligkeit schämen und im „Wehe mir, ich vergehe!“ zurück zu dem finden, der gesagt hat: „Wer mich sieht, der sieht den Vater!“ Ich wünsche uns Schreibenden und Predigenden ein neues Bewusstsein für die Heiligkeit Gottes.

Von: Jürgen Mette

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Thu, 02 Jul 2020 13:48:00 +0200
<![CDATA[Endlich bekommt Facebook seine Grenzen aufgezeigt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/07/02/endlich-bekommt-facebook-seine-grenzen-aufgezeigt/ Ein Kommentar von Nicolai Franz]]> Facebook lebt seit jeher davon, dass Firmen dort bezahlte Anzeigen schaffen, die genau auf die Nutzer zugeschnitten sind. Lange stand es außer Frage, die auf Facebook schlummernden Chancen nutzen zu müssen, konnte man doch nirgends so individuell potenzielle Käufer ansprechen wie auf der Plattform mit dem weißen „f“ auf blauem Grund, das es wie kein anderes verstand, persönliche Daten nicht nur zu sammeln, sondern auch zu Geld zu machen.

Doch Facebook hat sich mittlerweile auch zu einem Medium entwickelt, auf dem nicht mehr nur Freundschaften von früher aufrecht erhalten werden – sondern wo auch Hass, politische Agitation und gezielte Desinformation immer größeren Einfluss bekommen. Facebook reagierte mit einem Beschwerdemanagement, löschte Posts und sperrte Nutzer. Doch die Kritik blieb. Noch immer sind Löschkriterien undurchsichtig. Wer klar hetzerische, sogar antisemitische oder grob beleidigende Posts meldet, wird oft mit einer maschinellen Antwort abgespeist, dass der gemeldete Inhalt nicht gegen die Gemeinschaftsstandards verstoße. Auch Gesetze wie das NetzDG in Deutschland oder die Zusammenarbeit mit Faktencheckern wie „Correctiv“ haben Facebooks Probleme nicht völlig gelöst. Doch weil Unternehmen weiter Anzeigen schalteten, stellte Facebook das nicht vor Existenzprobleme. Zuckerbergs Gelddruckmaschine lief weiter.

Bis jetzt. Denn nun ist sie ins Stocken geraten, nachdem sich die Boykottinitiative „stop hate for profit“ (Schluss mit Hass um des Profites willen) gegründet hatte. Ziel: Facebook soll wirksam gegen Hass vorgehen. Bis das nicht umgesetzt ist, sollen so viele Firmen wie möglich ihre Werbung bei Facebook pausieren. Es begann mit einzelnen Unternehmen, bis die Liste immer schneller wuchs. Zum Redaktionsschluss waren es weit mehr als 200, darunter solche Giganten wie Unilever, Starbucks, Coca Cola oder Volkswagen.

Propaganda und Fake News bekämpfen

Die Facebook-Aktie verlor zwischenzeitlich mehr als acht Prozent. Doch Facebook wäscht seine Hände in Unschuld. Laut tagesschau.de erklärte ein Pressesprecher: „Die Menschen von rechts und links schreien sich an.“ Facebook sei hier eben ein Spiegel der Gesellschaft. „Wir sind ein privates Unternehmen, wir betreiben diese Plattform, auf der sich die amerikanische Demokratie mit all ihren rühmlichen und auch hässlichen Eigenschaften darstellt.“

Facebook gibt also offen zu, die Augen vor Hass und Hetze zu verschließen, die Menschen seien nun mal so. Deswegen ist es so wichtig, dass die Wirtschaft Facebook nun die Grenzen aufzeigt. Denn natürlich kann das Unternehmen zu einem zivilisierten Diskurs beitragen. Facebook sollte sich schleunigst etwas einfallen lassen, um einerseits Meinungsfreiheit zu wahren und andererseits Hass, Desinformation, staatlich gesteuerte Propaganda und Fake News zu bekämpfen. Im Interesse aller.

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Thu, 02 Jul 2020 13:47:00 +0200
<![CDATA[China reißt 500 Kreuze von Kirchen ab]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/weltweit/2020/07/01/china-reisst-500-kreuze-von-kirchen-ab/ Nach Angaben des asiatischen katholischen Pressedienstes UCANews haben die Behörden in China seit April mehr als 500 Kreuze von Kirchengebäuden und öffentlichen Plätzen entfernt. Vor allem in der Provinz Anhui nahe Shanghai werde gegen die Kirchen vorgegangen. So seien in der Stadt Suizhou zum Beispiel alle Kreuze aus der Öffentlichkeit verschwunden bis auf eines, das schon Jahrhunderte alt sei.

Weder die regierungstreue Katholisch-Patriotische Vereinigung noch die Bischöfe hätten aus Angst vor der Regierung beim Abriss der Kreuze Widerstand geleistet, berichtete der protestantische Prediger Paul Lee der Nachrichtenagentur. Ein katholischer Gemeindepriester habe den Bischof von Anhui, Liu Xinhong, über den geplanten Abriss des Kreuzes von seiner Kirche unterrichtet. Der Bischof habe jedoch lediglich erklärt, dass vom Abriss Fotos gemacht werden sollten und man sich nicht gegen die Behörden stellen könne.

Mit dem Abreißen von Kreuzen begann China bereits im Jahr 2018. In Anhuis Nachbarprovinzen Zhejiang, Henan, Hebei und Guizhou seien seitdem Tausende Kreuze zerstört worden, weil sie angeblich gegen Stadtplanungsgesetze verstießen.

Christen systematisch bedrängt

Auch Foxnews und die Christian Post berichten von Chinas Vorgehen gegen Christen. So seien im März Kreuze in mehreren Provinzen mit der Begründung entfernt worden, sie dürften nicht höher als die chinesische Nationalflagge hängen.

Der Leiter des christlichen Hilfswerks Open Doors, Markus Rode, berichtete im Interview Anfang des Jahres ebenfalls davon, dass China die Zahl der Christen im Land klein halten wolle. Staatspräsident Xi Jinping verfolge eine sogenannte „Sinisierung“, was die Anpassung an die chinesische Kultur bedeutet. Neben dem Abreißen und Abhängen von Kreuzen liefen in Kirchen zum Beispiel Überwachungskameras und Kindern und Jugendlichen werde verboten, an christlichen Veranstaltungen teilzunehmen.

Die Corona-Pandemie nutzt das Land zudem dazu, Religionsgemeinschaften wie Christen zu diffamieren. Bewegungsprofile von Gläubigen würden erstellt und Internetauftritte von Hauskirchen systematisch von Zensurbehörden geahndet.

Von: Swanhild Zacharias

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Wed, 01 Jul 2020 13:14:00 +0200
<![CDATA[Neue Single von Kanye West: Weiter christlich, aber düsterer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2020/07/01/neue-single-von-kanye-west-weiter-christlich-aber-duesterer/ Das letzte Album Kanye Wests „Jesus is King“ (Jesus ist König) war sehr vom Glauben des Musikers beeinflusst. Es erschien im Herbst 2019. Dazu veröffentlichte der Musiker einen experimentellen Film, der nur in Imax-Kinos zu sehen war. Demnächst soll ein neues Album erscheinen mit dem Titel „God‘s Country“, kündigte der Rapper per Twitter an. West gehört weltweit zu den erfolgreichsten lebenden Künstlern.

Zu diesem Album veröffentlichte der Musiker per Twitter zunächst nur ein Bild des Covers. Darauf ist der Titel zu lesen: „Wash us in the Blood“ (Reinige uns im Blut). Fast zeitgleich irritierte er seine Follower mit dem Hinweis über Twitter, dass seine Frau Kim Kardashian West nun offiziell Milliardärin sei. Dazu schrieb er, dass er sie liebe.

Nun veröffentlichte West das erste Lied aus dem neuen Album. Musikalisch ist Kanye vom Gospel weggekommen, die Musik ist aggressiver und düsterer. Der Text bleibt weiterhin explizit christlich. Im Refrain heißt es: „Regne auf uns. Heiliger Geist, komm herab.“ Das Video enthält unter anderem wackelige Handy-Aufnahmen von handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Schwarzen und einem weißen Polizisten, am Corona-Virus erkrankte schwarze Patienten sowie Ausschnitte aus einem Computerspiel, in dem ebenfalls hauptsächlich Afroamerikaner zu sehen sind. Am Ende ist ein schwarzes Mädchen zu sehen, und ein Mann (eventuell Kanye West persönlich) betet im Off: „Wasche uns im Blut Jesu. Heiliger Geist, komm herab. Wir brauchen dich jetzt.“ Das Video wurde bereits in den ersten 20 Stunden nach Veröffentlichung 3,5 Millionen Mal angeklickt.

Von: Jörn Schumacher

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Wed, 01 Jul 2020 13:11:00 +0200
<![CDATA[Streamingdienst Yesflix als TV-App]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/07/01/streamingdienst-yesflix-als-tv-app/ Den christlichen Streamingdienst Yesflix gibt es jetzt auch als App für das Smart-TV. Die App des Dienstes, den der Sender Bibel TV im vergangenen Jahr startete, steht über Apple TV und Amazon Fire TV zum Download bereit. Das Angebot gilt auch in Österreich und in der Schweiz. Insgesamt seien mehr als 700 Sendungen verfügbar, teilte Bibel TV mit.

Yesflix kostet im Monat 7,99 Euro. Es kann nun von allen digitalen Empfangsgeräten wie PC, Smartphone und dem Smart-TV abgerufen werden.

Von: Swanhild Zacharias

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Wed, 01 Jul 2020 11:26:00 +0200
<![CDATA[Baptisten melden leichten Rückgang der Mitgliederzahlen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/06/30/baptisten-melden-leichten-rueckgang-der-mitgliederzahlen/ Die Mitgliederzahlen des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) waren 2019 leicht rückläufig. Das geht aus der aktuellen Mitgliederstatistik hervor. Demnach gehörten 2019 insgesamt 80.195 Mitglieder der Freikirche an. Im Jahr zuvor waren es noch 961 mehr. Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem die Mitgliederzahlen rückläufig sind.

Zum erneuten Rückgang um 1,18 Prozent haben dem Bericht zufolge mehrere Faktoren beigetragen. Zum einen seien die Taufen im Vergleich zu 2016 (2.692) und 2017 (2.140) deutlich zurückgegangen. 2019 lagen sie bei 1.610. Ein anderer entscheidender Faktor in der Statistik seien die Gemeindewechsel innerhalb des BEFG, heißt es in der Erklärung zur Mitgliederstatistik. Bei 191 der insgesamt 818 Gemeindewechsel würden die Mitglieder aus der Statistik verschwinden und nicht mehr als Mitglieder in der neuen Gemeinde auftauchen. Diese „unvollendeten Mitgliederüberweisungen“ seien für 19,1 Prozent des gesamten Mitgliederrückgangs verantwortlich. Gemeindeverantwortliche werden daher angehalten, bei Gemeindewechseln genau hinzuschauen und Rücksprache mit dem Mitglied und dessen früherer Gemeinde zu halten. So soll zukünftig verhindert werden, dass Mitglieder aus der Statistik fallen.

Trotz des leichten Rückgangs der Mitglieder hat sich die Zahl der Gemeinden (725) im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert.

Pfingstgemeinden wachsen kontinuierlich

Der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) gibt die Mitgliederzahl für 2019 mit 62.872 an. Das entspricht einem Zuwachs von 6.597 im Vergleich zu 2017. Für die Freien evangelischen Gemeinden (FeG) liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. 2017 hatten 41.787 Mitglieder zu der Freikirche gehört, 584 mehr als 2015.

Obwohl für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) ebenfalls keine aktuellen Zahlen für 2019 bekannt sind, bestätigte Pressesprecher Klaus Ulrich Ruof gegenüber pro, dass „Vorgänge nicht in dem Maße austrittsrelevant sind, wie das bei den evangelischen Landeskirchen oder der römisch-katholischen Kirche der Fall ist“. Kirchensteuer, Missbrauchsdiskussionen oder das Zölibat beeinflussten nicht die Mitgliederzahlen. Diese lagen 2018 bei 49.367.

Von: Martin Schlorke

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Tue, 30 Jun 2020 14:16:00 +0200
<![CDATA[Denzel Washington: „Begegnung mit dem Heiligen Geist erdete mich“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/film/2020/06/30/denzel-washington-begegnung-mit-dem-heiligen-geist-erdete-mich/ Denzel Washington, der als Schauspieler, aber auch als Regisseur und Filmproduzent arbeitet, sprach in einem live übertragenen Interview via Instagram mit dem Pastor Alfonso R. Bernard vom Christian Cultural Center in Brooklyn, New York. In dem halbstündigen Gespräch sagte der Schauspieler, er habe sein Leben bereits drei Mal Jesus übergeben. Einmal habe er dabei eine übernatürliche Begegnung mit Gott gehabt, die ihn nachhaltig beeinflusste. Das sei in den 80er Jahren in einer Gemeinde gewesen, und er habe damals auf einen Aufruf reagiert, nach vorne zum Altar zu kommen. Er sei in einen Gebetsraum gegangen und habe sich gedacht: „Ich schaue einfach mal, was passiert und lass es mal geschehen. Ich erlebte etwas, was ich vorher nie im Leben erfahren habe.“ Es habe sich angefühlt, als erhebe er sich hoch in die Luft. „Es war übernatürlich, und ich wusste damals nicht so recht damit umzugehen.“

Der Schauspieler erklärte: „Ich wurde vom Heiligen Geist erfüllt, und das hat mir Angst eingejagt. Ich dachte: Moment mal, so weit will ich nicht gehen. Ich will doch Party machen.“ Erst Jahre später habe er sich bewusst dazu entschieden, ein Leben gemeinsam mit Gott zu führen.

In einem Interview des Magazins Christian Post hatte der Schauspieler im Jahr 2017 gesagt, als er 20 Jahre alt war, habe jemand eine Prophetie über sein Leben ausgesprochen. Er werde in seinem Leben viel in der Welt herumreisen und zu Millionen von Menschen predigen, hieß es. Heute verstehe er, dass er dies durch seine Arbeit als Schauspieler tue. Die Erfahrung mit dem Heiligen Geist damals habe ihn durch all die Jahre des Erfolgs bei Gott gehalten. „Es hielt mich auf dem Boden. Damals war ich noch jung und wusste nicht, wie ich danach leben sollte. Ich denke, ich bin nicht der einzige, der eine solche Erfahrung gemacht hat.“

Eine solche Begegnung mit Gott bedeute indes nicht, dass das Leben automatisch so verlaufe, wie es sollte. „Man kann nicht sagen: Oh, ich hatte diesen Moment, ich wurde erfüllt mit dem Heiligen Geist, und jetzt wird alles toll und perfekt." Jeder Mensch sei auf seiner eigenen, individuellen Reise. Die Erfahrung habe ihm gezeigt, dass er auf der richtigen Spur sei. Auch die Bibel habe ihm geholfen, herauszufinden, wohin sein Weg gehen sollte.

Denzel Washington gehört zu den erfolgreichsten Schauspielern Hollywoods. Für seine Nebenrolle im Film „Glory“ (1989) erhielt er einen Oscar, ebenso 2001 für seine Hauptrolle in „Training Day“. Zusätzlich war er bislang sechs Mal für einen Oscar nominiert. Er erhielt zudem bereits drei Mal den Golden Globe.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 30 Jun 2020 13:50:00 +0200
<![CDATA[„God TV“ verliert vorerst Senderechte in Israel]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/06/30/god-tv-verliert-vorerst-senderechte-in-israel/ Israel hat dem evangelikalen Sender „God TV“ die Ausstrahlungsrechte entzogen. Die Entscheidung traf der Rat für Kabel- und Satellitenfernsehen am Sonntag für den hebräischsprachigen Ableger „Schelanu TV“. Grund dafür sind Vorwürfe, der Sender betreibe Judenmission. Das entspreche nicht den Lizenzbedingungen; bei seiner Bewerbung habe der Sender Christen als Zielpublikum angegeben.

„God TV“ weist die Vorwürfe zurück. Geschäftsführer Ward Simpson erklärte bereits Anfang Mai, man habe nicht vor, aus Juden Christen zu machen: „Wir predigen einfach nur, lehren und teilen christliche Inhalte – und überlassen dem Herrn (d. h. Gott oder Jesus, Anm. der Redaktion) den Rest.“ Messianische Juden würden auch weiterhin nach jüdischem Brauch leben, nur dass sie in Jesus den Messias sähen.

Seltene Entscheidung

Der evangelikale Sender hatte Ende April „Schelanu TV“ („Unseres“) über den israelischen Kabelanbieter „Hot“ gestartet. Nach der Entscheidung vom Sonntag muss er das Angebot innerhalb von sieben Tagen beenden, kann sich aber mit einer „ehrlicheren“ Bewerbung um eine neue Lizenz bemühen. Laut der Zeitung „Ha'aretz“ geschieht es äußerst selten, dass der Rat einen Sender verbietet; außerdem ist es das erste Mal, dass es einen christlichen Sender betrifft.

Nach Sendestart erreichten den Fernsehrat eine Reihe von Beschwerden. Ausschlaggebend für den Lizenzentzug war nach Darstellung des Vorsitzenden Ascher Biton jedoch ein Video mit einem Spendenaufruf. Darin sagte der „God TV“-Geschäftsführer Simpson: „Gott hat uns auf übernatürliche Weise die Tür geöffnet, das Evangelium von Jesus in die Häuser und Herzen des jüdischen Volkes zu bringen.“

Eine Frage des Publikums

Das Video löste offenbar Unmut aus und wurde noch am selben Tag heruntergenommen. Anstattdessen folgte die Erklärung von Ward, aus Juden keine Christen machen zu wollen. Zudem entschuldigte er sich für mögliche Beleidigungen, die seine Formulierung ausgelöst habe. Bezüglich der Lizenz sagte Moderator Ron Cantor, diese erlaube ein „israelisches“ Publikum; der Text unterscheide nicht zwischen christlichen oder jüdischen Zuschauern.

In Israel ist es nicht grundsätzlich verboten, zu missionieren. Es gibt dafür aber strenge Auflagen. So darf ein „Religionswechsel“ nicht durch Werbegeschenke bewirkt werden. Missionierung unter Minderjährigen ist ohne das Einverständnis der Eltern verboten. Letzterer Punkt sorgte auch für Bedenken beim Fernsehrat: Wäre der „wahre Charakter“ des Sender bekannt gewesen, hätte man vor der Lizenzvergabe überprüft, ob es auch Sendungen für Kinder gibt.

„Beweis für Religionsfreiheit“

Aktuell findet sich auf der Seite von „God TV“ der Hinweis: „Schelanu TV braucht Ihre Unterstützung, jetzt mehr denn je.“ In einem dazugehörigen Video erklärt Simpson, der Sender habe sich an die Lizenzvereinbarungen gehalten. Er zeigte sich zuversichtlich, dass „Schelanu TV“ weiterhin seinen „christlichen Inhalt“ ausstrahlen darf. Die Lizenz selbst sei der Beweis dafür, dass in Israel Religionsfreiheit herrsche.

Als weiteres Argument gibt Ward an, „God TV“ sei eine „pro-israelische“ Plattform und unterstütze Israel in jeglicher Hinsicht. „Das letzte, was wir wollen, ist dort Probleme auszulösen. Wir alle lieben Israel.“ Dies zeige sich etwa in Hilfe für Bedürftige, Waisen oder für Holocaust-Überlebende. Er verstehe, dass die Verkündigung des Evangeliums eine sensible Angelegenheit sei. „Aber das ist es, was wir tun – wir sind Christen.“ Der Auftrag, „Israel zu segnen und zu lieben“, bestehe dabei weiter – unabhängig davon, wie es mit „Schelanu TV“ ausgehen wird.

Busfahrer entlassen

Die Frage der Mission in Israel hat zuletzt auch in einem anderen Fall für Aufmerksamkeit gesorgt: Ein Busfahrer des Unternehmens Kavim hat seine Arbeitsstelle verloren, weil er mit seinen Fahrgästen über Jesus geredet hatte. Videos dokumentieren die Szene. Darin sagt der Fahrer, die Hebräische Bibel und das Neue Testament gehörten zusammen und vervollständigten einander, und das Christentum könne nicht in eine Schale mit dem Koran geworfen werden.

Auf dem Video ist zu hören, wie die Passagiere den Fahrer bitten, mit seinen Ausführungen aufzuhören. Doch der erwiderte nur, wer es nicht hören möchte, möge sich die Kopfhörer aufsetzen. Laut des Busunternehmens ist es bereits wiederholt zu solchen Szenen gekommen.

Von: Daniel Frick

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Tue, 30 Jun 2020 09:38:00 +0200
<![CDATA[„Weichspül-Orgie der Sprache – als wären die Predigten in Lenor gewaschen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/06/30/weichspuel-orgie-der-sprache-als-waeren-die-predigten-in-lenor-gewaschen/ Das Thema Sterblichkeit habe in den vergangenen Monaten zu wenig Raum in der öffentlichen Debatte gefunden, sagt Lewitscharoff, trotz Corona. Auch die Kirchen hätten zum Thema Tod nicht viel gesagt. „Die Kirchen sind ja so was von lendenlahm im Predigen“, sagt Lewitscharoff im Interview von DLF für die Sendung „Tag für Tag“.

Lewitscharoff: „Die verstehen ja vom Tod eigentlich gar nichts mehr. Das ist ja schrecklich. Die sind ja so aufs Diesseits fixiert, die Protestanten noch schärfer als die Katholiken. Aber die Katholiken sind ganz auf diesem Wege auch. Im Grunde hat sich eine areligiöse Gesellschaft in den Kirchen breitgemacht, weil sie vom Jenseits überhaupt keine Vorstellung mehr haben.“ Sie fragt: „Haben Sie mal eine Predigt gehört, die irgendwie von da oben überhaupt handelt? Also, ich wüsste nicht.“

Predigten im „Kaugummiton“ oder „wie Eismasse“

Öfter höre sie Predigten im Radio oder gehe in die Kirche. „Es gibt die Hoffnung auf Erlösung nicht in irgendeiner Form“, sagt die Schriftstellerin. „Das Gottvertrauen wird beschworen. Ja. Aber worauf vertraut man denn, wenn es nicht ein wirkliches Leben und ein erfülltes Leben nach dem Tod gibt? Und was bedeutet überhaupt Erlösung? Das ist doch eine interessante Frage. Darüber kann man doch predigen.“

Allerdings gebe es natürlich auch einzelne gute Prediger, gibt Lewitscharoff zu verstehen. Und die kirchliche Bindung sei ihr wichtig, denn sonst gerate man „in die Fänge einer Privatreligion“. Deswegen sei sie auch nie aus der evangelischen Kirche ausgetreten, sagt Lewitscharoff. „Ich fühle mich eher aufgerufen, mal was zu sagen, aber nicht den Zusammenhalt zu verlassen. Das möchte ich nicht.“

Zu den Predigten sagt sie: „Sie dürften sich nicht immer gedanklich an den Allerdümmsten wenden.“ Natürlich müsse eine Predigt verständlich sein. Aber: „Die Sprache ist auch so verkommen. Und das ist bei den Protestanten ja schlimm, denn die sind ja stärker auf die Predigt angewiesen als die Katholiken. Bei den Protestanten ist es wie Hagelwetter, wenn jemand dumm predigt oder es einfach nicht kann, ja. Und das ist sehr häufig der Fall.“

Sie störe sich zudem am „Kaugummiton“, so Lewitscharoff. Das sei „wie eine verhübschte Eismasse“. So habe auch die Religion selbst „jede Form von Schärfe eingebüßt, also, dass man das Leben auch verwirken kann, dass es Sünde gibt“. Von Sünde rede „kein Mensch mehr“, kritisiert die Schriftstellerin. „Es ist einfach so eine Weichspül-Orgie der Sprache. Als wäre die Predigt in Lenor gewaschen. Das regt mich so auf. Es hat nicht die verbindliche Konkretion mehr. Der Begriff der Sünde ist vollkommen verwaschen, ja. Es gibt aber Mord und Totschlag. Es gibt doch alles nach wie vor.“

Die 1954 in Stuttgart geborene Sibylle Lewitscharoff ist seit rund 20 Jahren als Schriftstellerin tätig. Ihre 1998 veröffentlichte Erzählung „Pong“ wurde mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, 2013 erhielt sie den Georg-Büchner-Preis. Seit 2005 ist sie Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Sie studierte Religionswissenschaft, und Religion, der Tod und das Jenseits spielen immer wieder eine Rolle in ihrem Werk. „Ich war ein sehr frommes Kind“, sagt sie im Interview des DLF. „Ich habe immer sehr gerne zu Jesus und Gott gebetet.“ Dieser Kinderglaube sei ihr abhanden gekommen, aber eine „spekulative Gottsuche“ habe „wieder begonnen“.

Von: Jörn Schumacher

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Tue, 30 Jun 2020 06:33:00 +0200
<![CDATA[Gnadauer Verband: Aus für das „Wir“-Magazin]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/06/29/gnadauer-verband-aus-fuer-das-wir-magazin/ Der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband stellt zum Ende des Jahres sein „Wir“-Magazin ein. Das hat der Dachverband landeskirchlicher Gemeinschaften Ende Juni in einem Brief mitgeteilt. Demnach soll die letzte Ausgabe zum Dezember erscheinen. Nach „exakt 100 Jahren“ sieht sich der Gnadauer Verband gezwungen, das Magazin aus Kostengründen einzustellen.

Die jährlichen Defizite sind nach Angaben aus der Gnadau-Zentrale in Kassel inzwischen in einem „fünfstelligen Bereich“ angekommen. In Absprache mit den Gemeinschaftsverbänden, die an dem Magazin beteiligt sind, habe es keine Alternative zu dem Schritt mehr gegeben. „Alle Bestrebungen, das Gnadauer Magazin zu einem flächendeckenden Verbandsmagazin für die Gemeinschaftsbewegung in Deutschland werden zu lassen, waren leider erfolglos“, heißt es in dem Brief. Das Magazin wird demnach ersatzlos eingestellt.

Zuletzt noch 3.500 Abonnenten

In dem Brief von Präses Michael Diener und Generalsekretär Frank Spatz heißt es, dass die Abonnentenzahl nie eine „kostendeckende Größenordnung“ erreicht hätte. „Die Druckauflage lag zuletzt noch bei 3.500 Exemplaren“, teilte Spatz auf pro-Anfrage hin mit. Davon hätten „nur knapp die Hälfte“ solche Abonnenten ausgemacht, die das Magazin direkt vom Gnadauer Verband erhielten. Der Rest sei über Kooperationspartner vertrieben worden, die das Magazin jeweils mit zusätzlichen Seiten und Informationen aus dem eigenen Gemeinschaftsverband ergänzt hätten. Zu der Dachorganisation der landeskirchlichen Gemeinschaftsbewegung in Deutschland, in Österreich und in den Niederlanden gehören nach eigenen Angaben unter anderem 34 regionale Gemeinschaftsverbände, sechs Jugendverbände, 13 Bibelschulen und 16 Diakonissenmutterhäuser.

Unter der Redaktionsleitung von Heidrun Sinning-Fan und Spatz, der auch Geschäftsführer des Gnadauer Verlags ist, war ein Redaktionskreis für die Inhalte der jährlich sechs Ausgaben von „Wir“ verantwortlich. Für die Verbandskommunikation sollen „ab 2021 andere Kommunikationswege“ genutzt werden. Von den Sparmaßnahmen ist dem Brief zufolge nur das Magazin betroffen. Alle anderen Produkte des verbandseigenen Verlages wie beispielsweise die Bibellesehilfe „Leben aus dem Wort“ will der Gnadauer Verband „unverändert weiterführen“.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 29 Jun 2020 16:05:00 +0200
<![CDATA[90 Unternehmen stoppen Werbung auf Facebook]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/06/29/90-unternehmen-stoppen-werbung-auf-facebook/ Im Zusammenhang mit der Rassismus-Debatte gerät Facebook immer mehr unter Druck. Aus Protest gegen den Umgang mit Hasskommentaren auf der Plattform haben dutzende Unternehmen beschlossen, keine Werbung mehr auf Facebook zu schalten. Laut der Mitte Juni ins Leben gerufenen Initiative #StopHateForProfit haben sich in den vergangenen Wochen 90 internationale Unternehmen dem Boykott angeschlossen. In einer Liste auf ihrer Website führt die Initiative unter anderem Coca-Cola, Honda, Levi’s und der Konsumgüterriese Unilever als Unterstützer auf. Ziel der Initiative ist es, Unternehmen abzuhalten Werbung auf dem sozialen Netzwerk zu schalten. Facebook soll so angehalten werden, Hassbotschaften effektiver zu bekämpfen.

Am Freitagnachmittag reagierte Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf den wachsenden Druck. Er kündigte an, zukünftig stärker gegen Hassnachrichten vorzugehen und Falschmeldungen schneller zu löschen. „Ich stelle mich gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt“, sagte er in einer Video-Nachricht. Außerdem wolle er ebenfalls die Standards für Werbung erhöhen. Dazu gehöre, dass hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Sexualität blockiert würden.

Trotz der Ankündigungen äußerten einige Unternehmen Zweifel an der Umsetzung dieser Maßnahmen. „Wir glauben nicht, dass Facebook gewalttätige und spalterische Reden auf seinen Plattformen effizient verwalten wird“, teilte der Schokoladenhersteller Hershey der amerikanischen Tageszeitung USA Today mit.

Auch Instagram und Twitter in der Schusslinie

Andere Unternehmen kündigten an, Werbemaßnahmen auch bei der Facebook-Tochter Instagram auszusetzen. So will Honda im Juli auf keinen der beiden Plattformen Werbung schalten, um ein Zeichen gegen „Hass und Rassismus“ zu setzen. Unilever will sogar das gesamte restliche Jahr auf Werbung verzichten – auch bei Twitter. Der Kurznachrichtendienst steht ebenfalls in der Kritik, zu wenig gegen die Verbreitung von Falschinformationen zu unternehmen.

Die Aktien von Facebook gerieten mit dem sich ausweitenden Boykott stark unter Druck. Am Freitag verlor Facebook fast acht Prozent an Wert. Das entspricht einen Wert von etwa 53 Milliarden Euro.

Von: Martin Schlorke

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Mon, 29 Jun 2020 13:56:00 +0200
<![CDATA[Wie ein anglikanischer Priester zur Internetsensation wurde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/06/29/wie-ein-anglikanischer-priester-zur-internetsensation-wurde/ Die Kamera läuft, das Video beginnt, die drei Briten Josh, Ollie, und Chris begrüßen ihre weltweiten Zuschauer – vor allem die aus Korea. Seit rund zwei Jahren tritt Lee als Priester mit Kollar auf dem YouTube-Kanal seines Schwagers Ollie Kendal und dessen Freundes Josh Carrott auf. Auch in den Videos des zweisprachigen Hauptkanals seiner Freunde, „Korean Englishman“ (deutsch: koreanischer Engländer), der der englisch-koreanischen Völkerverständigung dient, ist Lee mittlerweile zu einem berühmten und beliebten Gast der Videos geworden. Daraus ist auf dem Kanal eine eigene Kategorie geworden, deren Beiträge millionenfach geklickt werden.

Egal ob sich der 36-Jährige vor laufender Kamera weltweit bekannte, aber kontroverse Musikvideos wie „God is a Woman“ (deutsch: Gott ist eine Frau) der US-amerikanischen Sängerin Ariana Grande ansieht oder die depressive Musik der 18-jährigen viermaligen Grammy-Gewinnerin Billie Eilish kommentiert: Seine Devise lautet dabei stets „don’t judge“ (deutsch: „richte nicht“). „Man muss Menschen dort abholen, wo sie sind“, erklärt Lee in einem der Videos. „Wenn wir richten, müssen wir uns selbst zuerst prüfen.“ Dennoch ist er davon überzeugt, dass man als Christ zur liebevollen Unterweisung berufen ist.

Neben Musikvideos reagiert Lee aus seiner Sicht als Christ auch auf weitere mediale Trends. So auch auf Memes, Internetphänomene, bestehend aus kleinen Medieninhalten wie Bildern, die mit einer oftmals ironischen oder satirischen Aussage verbunden werden. Über deren christliche Variante, sogenannte „Christian Memes“, die von manchen Christen eher kritisch beäugt werden, kann der Priester lachen: „Wenn man sich seines eigenen Glaubens sicher ist, kann man das.“ Auch bewertet der Priester auf humorvolle Weise, wie Christen und Pastoren in Film und Fernsehen dargestellt werden – und erreicht damit ein breites Publikum. Allen voran junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren, die seinem Empfinden nach in der Kirche fehlen.

In einem seiner Videos kommentiert Chris Lee „Christian Memes“, die sich mit Ostern beschäftigen

Im neuesten Video der drei Briten sitzt Lee nicht wie gewohnt bei Kendal und Carrot im „Jolly-Studio“, sondern zu Hause im Pfarrbüro. Die dabei aufgezeichnete Videokonferenz zeigt den Priester, wie er Memes beurteilt, die sich thematisch mit Ostern und dem Leben in Zeiten von Corona beschäftigen. Mit der Auferstehung Jesu habe ein neues Leben begonnen, erklärt Lee etwa zu einem Meme mit Jesus vor dem offenen Grab. Sein Tod sei nicht nur eine Pause vom Leben gewesen. Und er rät dazu, in Zeiten der Quarantäne, anstatt sich nur auf sich selbst und seine Angst zu konzentrieren, seinen Nächsten zu lieben, ihm gerade in dieser Zeit mit Anrufen oder Einkäufen zu dienen und auf Gott zu schauen. Lee betont: „Gott sagt zu seinen Leuten immer und immer wieder: ‚Fürchte dich nicht.‘“

Evangelium in 60-Sekunden-Predigten

Als Christ bewegt sich der Kleriker ganz bewusst in der säkularen Medienwelt. „Wenn man die Brille aufzieht, dass Gott alles erschaffen hat, kann man Musik hören oder Filme ansehen und sich dabei fragen: Wie spricht der Herr dadurch zu mir?“, erklärt der Pastor in einem Video. „Ich mache das immer so“, meint Lee, der gerne weltliche Musik mit christlichen Bezügen hört.

Auf Instagram hält der Pastor Kurzpredigten

Als er bemerkte, dass ihm aufgrund seiner Auftritte in den YouTube-Videos immer mehr Menschen auf seinem eigenen Instagram-Kanal folgen, begann der Pastor, „60-second sermons“ auf Instagram und Twitter hochzuladen. In den nur eine Minute langen „Predigten“ erzählt Lee von der Liebe Gottes und ermutigt andere, indem er ihnen sagt, dass sie aus Gottes Sicht wertvoll und geliebt sind. Der Geistliche erlebt, dass viele junge Menschen seelisch leiden und solche Botschaften ganz besonders brauchen. In der Morgensendung „Good Morning Britain“ bemerkte er: „Wir leben in einer Welt, die laut und aggressiv ist und dich konstant, jeden Tag, jeden Moment, mit Millionen von anderen Menschen vergleicht.“

Damit spricht er in das Leben vieler junger Menschen, die eine Welt erfahren, die ganz wesentlich von digitalen Medien geprägt ist. Während viele soziale Netzwerke wie Instagram hauptsächlich der Selbstdarstellung dienen, zeigt Lee nicht auf sich, sondern von sich weg. Er erzählt seinen Zuschauern, wie sie zu Gott, zu Jesus kommen und Christ werden können. Außerdem ermutigt er junge Christen, sich eine Gemeinde zu suchen.

Nur ein „heißer Priester“?

Der gläubige Vater zweier Töchter, Rose und Saoirse, wuchs nach eigenen Angaben nicht in einer christlichen Familie auf. Mit 21 Jahren absolvierte Lee sein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Kingston Universität in London und lebte ein „wildes“ Leben mit Alkohol, Frauen und Drogen, erzählte der Pas­tor der Daily Mail. Eines Tages dachte er über die Zukunft nach: „Da muss es mehr geben, als nur die Jagd nach Geld und einem Leben fürs Wochenende“, sagte Lee im Magazin Askew.

Irgendwann bekam er Träume, die er sich nicht erklären konnte. Er kehrte seinem alten Leben den Rücken zu und ging nach Tansania, um dort bei einer kleinen Missionsgesellschaft einer ostafrikanischen Volksgruppe, den Massai, Englisch zu unterrichten. Als Basis für seinen Unterricht nutzte er eine englisch-swahilische Bibel. Je mehr er darin las, desto mehr erlebte er Gottes Liebe und wurde schließlich ein Nachfolger Jesu. Er fühlte sich von Gott zum Pastor berufen, schloss ein theologisches Fernstudium ab und wurde im Alter von 24 Jahren Diakon. Insgesamt drei Jahre lebte er als Missionar in Tansania, bis er nach England zurückkehrte. Am Queen’s College der Universität Cambridge, wo er auch seine Frau Jenny kennenlernte, beendete er seine Ausbildung zum Priester. Heute ist er in der anglikanischen St. Saviour’s Church im Westen Londons tätig.

Auch auf Twitter ist Lee als Pastor unterwegs

Durch seine Auftritte und Kurzpredigten wurde er zur Internetsensation, seine mediale Reichweite wird immer größer. Mittlerweile folgen ihm über 166.000 Menschen auf Instagram. Er erhält Fernsehauftritte wie etwa bei BBC oder der Morgensendung „This Morning“ beim Sender ITV, um über seinen Glauben und seine Aktivität als Priester in sozialen Netzwerken zu reden. Mehrmals durfte er dabei kurze geistliche Impulse geben, in denen er zu einem Leben mit Gott und einer persönlichen Beziehung mit ihm einlud. Trotz viel medialem Trubel bleibt der Familienvater aber auf dem Boden. „Ich bin keineswegs perfekt: Ich sündige, ich stolpere und ich falle“, betonte er im Interview der Daily Mail.

Unter anderem bei BBC sprach Lee über seine Aktivitäten in den Sozialen Netzwerken

Immer wieder wurde Lee mit dem „Hot Priest“, einem attraktiven katholischen Priester aus der britischen Dramedyserie „Fleabag“, verglichen. Von diesem Vergleich distanziert Lee sich deutlich. Wer seinen Internetaktivitäten dauerhaft folge, tue das aufgrund der Inhalte und nicht wegen seines Aussehens. In der ITV-Sendung „Good Morning Britain“ stellte er klar: „Ich glaube, da gibt es deutlich hübschere Menschen als mich.“

Im November erscheinen Lees Kurzpredigten als Buch

Im November erscheint sein erstes Buch „The OMG Effect: 60-Second Sermons to live a Fuller Life“ (deutsch: „Der Oh-mein-Gott-Effekt: 60-Sekunden-Predigten für ein erfüllteres Leben“), in dem er seine Kurzpredigten als Texte zusammengestellt hat.

Dieser Text erschien zuerst in der Ausgabe 3/2020 des Christlichen Medienmagazins pro, das Sie hier bestellen können

Von: Tabita Prochnau

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Mon, 29 Jun 2020 13:54:00 +0200
<![CDATA[„Politik ist für viele an die Stelle der Religion getreten“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/06/28/politik-ist-fuer-viele-an-die-stelle-der-religion-getreten/ Mark Galli ist einer, der die evangelikale Szene in den Vereinigten Staaten kennt. 20 Jahre lang war er für das evangelikale Magazin Christianity Today tätig, die letzten sieben als Chefredakteur. Nach eigenen Angaben erreicht das Magazin monatlich 4,3 Millionen Menschen online, eine halbe Million lesen die Printausgabe. Gegründet hat es 1956 der Evangelist Billy Graham. Bevor Galli in den Journalismus ging, war er Pastor, studiert hat er am evangelikalen Fuller Theological Seminary in Los Angeles. Seit Januar ist er im Ruhestand – „nicht wegen des Editorials“, betont er gleich zu Beginn des Gesprächs mit pro und lacht dabei. Der Ruhestand sei schon länger im Voraus geplant gewesen, schiebt der 68-Jährige hinterher.

Bei „dem Editorial“ handelt es sich um einen Leitartikel, den Galli im Dezember 2019 auf der Website von Christianity Today veröffentlichte. Darin unterstützte er das Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump wegen Macht­missbrauchs. „Dass er aus seinem Amt entfernt werden sollte, ist, so glauben wir, keine Frage von parteiischer Loyalität, sondern der Loyalität gegenüber dem Urheber der Zehn Gebote“, schrieb Galli. „Bedenkt, wie eure Rechtfertigung Mr. Trumps euer Zeugnis von eurem Herrn und Erlöser beeinflusst“, ermahnte er die evangelikalen Unterstützer des Präsidenten, und fragte, ob Christen ernsthaft Abtreibung als das größte, nicht zu tolerierende Übel ansehen und gleichzeitig den „gebeugten und gebrochenen Charakter des Anführers der Nation“ herunterspielen könnten.

Der Artikel war ein Paukenschlag. An besonders erfolgreichen Tagen sind drei- bis viertausend Leser gleichzeitig auf der Nachrichtenwebsite, sagt Galli. Doch nachdem dieser Text online ging, brach die Seite zusammen: Rund 15.000 Nutzer wollten den Artikel gleichzeitig lesen, berichtet Galli. Säkulare Medien in den USA berichteten über den Artikel, auch deutsche Medien wie Zeit Online oder Deutschlandfunk. Fünf Monate später stehen unter dem Beitrag auf Facebook über 42.000 Kommentare. Trump wurde mittlerweile freigesprochen.

Galli hatte damit gerechnet, dass sein Text in der evangelikalen Szene Kontroversen auslösen würde, schließlich haben 81 Prozent der Evangelikalen Trump gewählt, aber dass er eine solche Aufmerksamkeit erregen könnte, hätte er nicht gedacht. Natürlich habe es auch negative Reaktionen gegeben, sagt er. Scharf angegriffen wurde Galli etwa von Frank­lin Graham, dem Sohn des Gründers: Christianity Today sei von den Linken für ihre politische Agenda benutzt worden; es sei unbegreiflich, wie das Magazin sich bei dieser Attacke gegen Trump auf die Seite der Demokraten schlagen konnte, sein verstorbener Vater wäre sehr enttäuscht von diesem Kommentar. Der überwiegende Teil der Reaktionen sei jedoch zustimmend gewesen, sagt Galli. 3.000 verlorenen stünden 9.000 gewonnene Abonnenten gegenüber.

„Wir sollten dafür beten, dass Gott Trumps Leben verändert.“

Aber um solche Zahlen geht es Galli nicht. Er sieht sich selbst als eher unpolitischen Menschen. Eigentlich wollte er es vermeiden, über Trump und das Impeachment zu schreiben. Aber es sei an der Zeit gewesen, Stellung zu beziehen. Es nicht zu tun, wäre unverantwortlich gewesen, fand er. Auch bei den Amtsenthebungsverfahren gegen die früheren Präsidenten Richard Nixon und Bill Clinton hatte sich Christianity Today geäußert. Galli argumentierte bewusst aus einer theologischen Perspektive heraus, nicht politisch, und formulierte seine Sorge um die Glaubwürdigkeit des christlichen Zeugnisses, wenn fromme Evangelikale einem Präsidenten huldigen, für den Moral ein Fremdwort zu sein scheint.

Dass die meisten evangelikalen Christen 2016 für Trump stimmten, sei im Grunde nicht verwunderlich, erklärt Galli, denn Evangelikale wählten schon seit Jahrzehnten ganz überwiegend republikanisch. Und es gebe auch viele, die Trump mit Bauchschmerzen gewählt hätten, weil sie die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, für die schlechtere Option gehalten hätten. Was Galli vor allem kritisiert, ist, wie ergeben manche Christen Trump unterstützen und ihn geradezu als Erlöserfigur stilisieren. „Trump ist ihr Champion, er wird sie und Amerika vor der Zerstörung der Linken retten“, erklärt er die Haltung, die dahinter steht. Denn viele fromme Evangelikale, die von biblischen Moralvorstellungen geprägt seien, fühlten sich durch die gesellschaftliche Liberalisierung immer mehr an den Rand gedrängt: sei es beim Thema Homo-Ehe, bei der Diskussion um Abtreibung oder Gender-Fragen; aber auch die Globalisierung und die technische Entwicklung habe viele Menschen wirtschaftlich abgehängt.

„Dieses Gefühl kann ich verstehen“, sagt Galli. „Ich bin als Christ sehr traurig darüber, dass die Moral auf vielen Ebenen nachlässt. Die Unfähigkeit unserer Behörden und des Rechtsstaats, die Ausbreitung der Pornografie zu stoppen, die Scheidungsrate, die Zahl der Abtreibungen, immer mehr Drogenabhängige; auch die immer größere Spanne zwischen Armen und Reichen ist ein riesiges Problem. Aber ich glaube nicht, dass allein die Säkularen und Linken daran schuld sind.“ Die Konservativen und die Kirchen sieht er ebenso in der Verantwortung für diese Entwicklung.

Christen haben Gott vergessen

Dass viele der Evangelikalen sich so stark mit republikanischer Politik identifizieren, Kirche und Nation nahezu gleichsetzen, ist für Galli ein Zeichen für die Krise, in der die Glaubensbewegung seiner Meinung nach steckt. „Politik ist für viele Menschen an die Stelle der Religion getreten. Dort finden sie Bedeutung und Sinn. Auch Christen stehen in dieser Versuchung“, sagt Galli. Das eigentliche Problem sieht er deshalb darin: Evangelikale haben ihre Beziehung zu Gott vernachlässigt. Das analysiert er in seinem neuen Buch „When did we start forgetting God?“ (Wann haben wir angefangen, Gott zu vergessen?), das im März im amerikanischen Tyndale-Verlag erschien. Darin führt er aus, dass die vertikale Orientierung, also die zu Gott, und die horizontale, auf die Welt und die Menschen bezogene Ausrichtung vieler Evangelikaler aus dem Gleichgewicht gekommen sei – zu Ungunsten der Beziehung nach oben.

„Wir sind sehr gut darin, unseren Nächsten zu lieben. Aber das tritt an die Stelle der Liebe zu Gott“, macht er im Gespräch seinen Punkt deutlich. Im Doppelgebot der Liebe, das Jesus formulierte, steht aber die Liebe zu Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele und allen Kräften an erster Stelle. Die Sehnsucht nach Gott hat die evangelikale Bewegung in Gallis Augen einmal ausgezeichnet. Aber sie sei nicht mehr das, was sie charakterisiere. Galli kritisiert, dass Evangelikale ihren Fokus immer stärker auf Mission oder gesellschaftliche Transformation legen. Darin sieht er die Gefahr, dass sich Christen vor allem um sich selbst und ihre Aktivitäten drehen, Gott werde zu einem Mittel zum Zweck, die Welt zu verändern.

„Der Auftrag der Kirche ist es nicht, hinauszugehen und die Welt zu einem besseren Ort zu machen, ein Segen zu sein, die Kultur zu verändern, Gerechtigkeit auf die Erde zu bringen, für das menschliche Gedeihen zu arbeiten. Die Bestimmung der Kirche und ihr Zweck ist es, in Liebe in Christus zusammenzuleben zum Lob von Gottes Ehre.“ Gemeinde ist der Ort, an dem Heilige gemacht werden, schreibt Galli, ein „Labor der Liebe“, wo Menschen miteinander und mit Gott Gemeinschaft haben und im Vorbild Jesu wachsen – trotz aller Unterschiede und Fehler. Zu diesem Ort sollen Christen andere Menschen einladen. Die Aufgabe der Kirche ist es dabei, ihre Mitglieder zu ermutigen und dazu zu befähigen, ein geheiligtes Leben zu führen und so ein Werkzeug Gottes in der Welt zu sein.

Trump als Ebenbild Gottes

Jeder Christ könne in seinem Umfeld ein Zeuge von Gottes Liebe sein. Aber nicht jeder aus der Gemeinde sei dazu berufen, als Missionar in die Welt zu gehen. Genauso könnten sich Christen politisch engagieren, in sozialen Organisationen oder im Umweltschutz. Zur Kernaufgabe der Kirche gehörten diese Themenfelder jedoch nicht, stellt Galli klar, denn dafür gebe es Experten. Sollte sich die Kirche dann überhaupt politisch zu Wort melden? „Ja und nein“, findet er. „Es gibt Zeiten, wo es wichtig ist, dass sich die Kirche äußert.“ Das Impeachement Trumps sei so ein Zeitpunkt gewesen, weshalb er entschieden habe, sein Editorial zu schreiben. Als besonders gewichtiges Beispiel nennt er auch die Barmer Theologische Erklärung von 1934, in der sich deutsche Kirchenvertreter gegen eine Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus positionierten. „Wir könnten uns etwas mehr Gedanken darüber machen, wozu und wie wir uns äußern. Es gibt so viele politische Themen. Die Kirche könnte ihre ganze Kraft darauf verwenden, zu jedem einzelnen politischen Feld Stellung zu beziehen. Aber ist das das beste, was sie beitragen kann?“

Galli befürchtet, dass auch die Theologie der Kirchen säkularer wird, wenn sie vor allem „gesellschaftlich relevant“ sein wollen. Aber damit werde die Kirche noch weiter an Bedeutung verlieren, prophezeit er. Dann würden die Volkskirchen mehr und mehr aussehen wie die „Demokratische Partei beim Gebet und die evangelikalen Gemeinden wie die Republikanische Partei beim Lobpreis“. Diese politischen Tendenzen bei den amerikanischen Evangelikalen sind durch ihre Haltung zu Trump besonders sichtbar geworden, sie bestimmen auch das Bild, das in der deutschen Öffentlichkeit vielfach von ihnen gezeichnet wird.

Für die einen Hassfigur, für die anderen Erlöser. Galli sagt: „Trump ist moralisch verwirrt, zutiefst narzisstisch und hat seine Zunge nicht unter Kontrolle. Aber er ist ein Mensch, der zum Bilde Gottes geschaffen wurde. Er ist kein Idol, dem wir uns unterwerfen müssen. Er ist auch nicht die Inkarnation des Bösen, dem wir uns entgegenstellen müssen, koste es, was es wolle.“ Ob der Präsident den Glauben instrumentalisiert, um die konservativen Christen auf seine Seite zu bekommen? Ja, sicherlich, meint Galli. So wie jeder Politiker die Interessen seiner Klientel bedient. Vielleicht aber finde er im Glauben der evangelikalen Christen auch etwas, was ihm in seinem Leben fehlt. „Wir sollten dafür beten, dass Gott sein Leben verändert.“

Von: Jonathan Steinert

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe 3/2020 des Christlichen Medienmagazins pro, das sie hier bestellen können.

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Sun, 28 Jun 2020 18:01:00 +0200
<![CDATA[Segen und Hoffnung in der Krise]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2020/06/27/segen-und-hoffnung-in-der-krise/ „Vor zwei Monaten sangen wir The Blessing zum ersten Mal in unserer Kirche, seitdem hat Gott dieses Lied genutzt, um Familien und Gemeinden in der ganzen Welt zu dienen“, erklären die Produzenten Kari Jobe, Cody Carnes, Steven Furtick und Chris Brown. „Schon lange hatte ich ein Lied über den aaronitischen Segen schreiben wollen“, sagt Pastor Steven Furtick, der sich für die Komposition nur einen Abend mit drei Musikern zusammensetzte. „Die Melodie kam total schnell. Es ist so kraftvoll. Es ist direkt aus der Bibel, es ist wie das Herz Gottes, wir sollten es so sehen, als wenn Gott das über uns singt“, sagt Kari Jobe. „Und wir singen diesen Segen über uns gegenseitig“, ergänzt Cody Carnes. „Ich konnte kaum so schnell mitschreiben, was Gott uns da so schnell an Ideen gab“, sagt Pastor Furtick. „Es ist ein Generationensong, den man immer wieder von vorne singen kann.“ „Gott wusste, was da auf uns zukam“, sagt Kari über die globale Krise, „er weiß auch, was jetzt als nächstes kommt und wir vertrauen darauf, dass er uns versorgt, so wie die Kinder Israels auch darauf vertrauten, dass jeden Tag wieder Manna da war. Und es war da!“

„The Blessing“ verband während des Lockdowns Nationen aus aller Welt: In der Neuaufnahme „Global Choir“ vom 11. Mai wird jede Liedzeile in einem anderen Land gesungen. Es beginnt mit „The Lord bless you“ in Südafrika, „and keep you“ in England, während bei „make his face shine upon you“ eine australische Sängerin eingeblendet wird – „Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir“. Es folgen Indonesien, Russland, Deutschland, Brasilien, die Philippinen und zwölf weitere Länder sowie ein Dutzend US-Staaten. Außerdem gibt es zahlreiche nationale Aufnahmen, in denen sich die Kirchen einer Stadt oder eines Landes verbinden – so zum Beispiel aus Lausanne (in Französisch), Simbabwe, Hawaii, Südamerika (in Spanisch), Südafrika, Kanada, Malaysia, England.

„Die Kirchen in England sind zusammengekommen, um einen Segen über ihr Land zu singen“, heißt es in der britischen Version mit 65 teilnehmenden Kirchen. „Gottes Salbung liegt auf diesem Song“, erklärt der Pastor und Sänger Tim Hughes von der Gas Street Church Birmingham in einem Interview dem Magazin „Premier Christianity“ die große Verbreitung. Durch das „Pittsburgh-Blessing-Lied“ fühlte er sich zusammen mit anderen Pastoren inspiriert, so etwas auch in England zu machen. Dass es dann so schnell klappte, findet er unglaublich: „Wissen Sie, Musiker sind nicht die Organisiertesten. Wir schickten die Aufforderungen Freitag, Samstag an alle möglichen Gemeinden los und sagten, die Aufnahmen müssten Dienstag da sein. Und jeder sagte ja.“ Dann wurden alle Einzelaufnahmen zu einem einzigen Video zusammengeschnitten. „Gott ist für uns und er möchte seine Leute segnen. Ich glaube, das ist nur ein kleiner Vorausblick auf viel mehr, was wir noch sehen werden.“ Zur globalen Krise sagt er: „Das ist jetzt eine Gelegenheit, dass Kirche überall stattfindet, auch auf der Straße, die Kirchen haben während Covid schon 400.000 Mahlzeiten an Hungernde ausgeteilt. Viele rufen uns an und bedanken sich.“ Allgemein bemerke er eine große Offenheit für den Glauben. „Wir sehen jetzt viel mehr Menschen zum Glauben kommen.“

„Möge seine Gunst auf dir sein – und auf tausend Generationen und deiner Familie und deinen Kindern und ihren Kindern“, heißt der Refrain der Liedes. Seit dem 1. Mai wird „The Blessing“ in christlichen amerikanischen Radiosendern gespielt und nimmt in den USA den Platz drei in den christlichen Charts ein. Manche Familien, auch in Deutschland oder der Schweiz, spielen das Lied als Ritual am Abend ab, bevor sie ein Gebet um Schutz und ein baldiges Ende der globalen Krise sprechen.

Von: Bettina Hahne-Waldscheck

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Sat, 27 Jun 2020 18:41:00 +0200
<![CDATA[Kirchen verlieren Mitglieder in Rekordhöhe, Einbruch bei Einnahmen befürchtet]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/06/26/kirchen-verlieren-mitglieder-in-rekordhoehe-einbruch-bei-einnahmen-befuerchtet/ Nur noch jeder Vierte in Deutschland ist Mitglied in der Evangelischen Kirche an. Das zeigen Zahlen der Mitgliederstatistik, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag in Hannover für das Jahr 2019 bekanntgegeben hat. Demnach gehörten zum Stichtag 31. Dezember 2019 insgesamt 20.713.213 Menschen einer der 20 Gliedkirchen der EKD an. 2018 hatte die EKD noch rund 21.141.000 Mitglieder verzeichnet. Das bedeutet einen Rückgang von rund zwei Prozent.

Aufgrund der Corona-Pandemie rechnet die EKD zudem mit einem „deutlichen Rückgang der Kirchensteuereinnahmen“. Der könnte je nach wirtschaftlicher Entwicklung zwischen zehn und 25 Prozent liegen.

In der EKD-Pressemitteilung lautet es: „Langfristig ist davon auszugehen, dass sich die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen halbieren werden.“ Das zeigt auch eine Studie zur langfristigen Entwicklung der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens bis 2060, die das Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwig-Universität Freiburg durchgeführt hat.

Ursache für den Mitgliederrückgang war nach EKD-Angaben auch im Jahr 2019 die hohe Zahl an Austritten. Demnach haben sich 2019 etwa 270.000 Menschen aus ihrer Kirche verabschiedet. Das sind rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Verstorbenen beziffert die Statistik für 2019 mit rund 340.000. Das entspreche der Größenordnung des Vorjahres. Ähnliches gilt für die Zahl der neuen Mitglieder: Die ist mit rund 160.000 Taufen und 25.000 Aufnahmen 2019 auf etwa gleichbleibendem Niveau, heißt es in der Pressemitteilung.

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, will „angesichts dieser Herausforderungen nicht tatenlos bleiben“. Die Kirche wolle sich verändern und tue dies jetzt schon, sagte Bedford-Strohm. So seien im Zuge der Digitalisierung der Kirche bereits jetzt viele neue Formate entstanden. „Um Menschen künftig für den Glauben und die Kirche zu gewinnen oder zurückzugewinnen, braucht es neben geistlicher Ausstrahlung und orientierender Kraft auch einen selbstkritischen Blick auf gewachsene Formate und Strukturen“, erklärte der Ratsvorsitzende.

Für den Mitgliederschwund macht Bedford-Strohm auch die „Zersplitterung der Gesellschaft“ mitverantwortlich. „Starke Kirchen können Zusammenhalt fördern und Brücken bauen. Beides wird oft leichtfertig von den politischen Rändern in Frage gestellt“, sagte Bedford-Strohm.

Katholische Kirche mit hohen Austrittszahlen

Warum sich die Austrittszahlen erhöhen, will die EKD in einer Studie vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD (SI) erforschen lassen.

Auch die Katholische Kirche vermeldet hohe Austrittszahlen. Waren 2018 noch 216.078 Menschen ausgetreten, waren es 2019 272.771 Menschen. 233.937 Mitglieder verstarben. Insgesamt sank die Zahl der Mitglieder der Katholischen Kirche von 23.002.128 (2018) auf 22.600.371 (2019).

Das teilte die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Freitag mit. Deren Vorsitzender Georg Bätzing erklärte dazu: „An den heute vorgelegten statistischen Zahlen 2019 gibt es nichts schönzureden.“ Besonders schmerze ihn die hohe Zahl der Kirchenaustritte. Trotz hohen Engagements gelinge es der Kirche nicht, eine Vielzahl von Menschen für das kirchliche Leben zu motivieren. „Wir bedauern jeden Kirchenaustritt und wir laden jeden, der gegangen ist oder gehen will, ein, mit uns zu sprechen.“

Den „Synodalen Weg“, den Reformprozess der Kirche, will Bätzing weitergehen. Nötig seien „bisweilen auch mutige Veränderungen in den eigenen Reihen“. Die Ergebnisse würden auf der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz besprochen. „Gleichzeitig müssen wir uns auch die Frage stellen, wie Evangelisierung unter den konkreten Zeitzeichen gelingen kann, die uns alle in einer freiheitlichen Gesellschaft prägen.“

Von: Norbert Schäfer und Nicolai Franz

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Fri, 26 Jun 2020 16:53:00 +0200
<![CDATA[Deutschland und die (verpassten?) Chancen einer EU-Ratspräsidentschaft]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/06/26/deutschland-und-die-verpassten-chancen-einer-eu-ratspraesidentschaft/ Uwe Heimowski, Politik-Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz, erklärt in einem Gastbeitrag, welche Chancen er darin sieht, welche Fragen diskutiert werden sollten und was er vom Motto der deutschen Ratspräsidentschaft hält.]]> Am 1. Juli 2020 übernimmt Deutschland die Präsidentschaft des Rates der Europäischen Union. Der Rat, der aus verschiedenen Ministerräten besteht, ist eines der höchsten Gremien der Staatengemeinschaft. Der Vorsitz rotiert unter den Mitgliedern und dauert jeweils ein halbes Jahr. Die Präsidentschaft besteht nicht nur pro forma, sondern besitzt eine prägende Kraft. Das Land, welches den Vorsitz inne hat, vertritt den Rat gegenüber den anderen Organen der EU, zum Beispiel dem Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission. Die jeweiligen Fachminister leiten die Sitzungen und führen Verhandlungen, etwa mit Drittstaaten und internationalen Organisationen.

Der wichtigste Punkt ist vor allem das „Agenda-Setting“: Die Ratspräsidentschaft stellt die Tagesordnungen auf. Und da blickt nicht nur Europa dieser Tage auf Deutschland. Welche Themen will Deutschland setzen? Dabei geht es um nicht weniger als die Frage, wie ist es um die Zukunft der Europäischen Union bestellt ist. Und auch: Wie sieht das europäische Erbe der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel aus?

Störungen stehen an erster Stelle

Über die Krisen der EU wurde genügend diskutiert. Die Eurokrise war noch nicht einmal im Ansatz bewältigt, da folgte die Flüchtlingskrise. Der Brexit war noch nicht vollzogen, da machten die Nationalstaaten angesichts des Coronavirus reihenweise ihre Schotten dicht. Tiefe Risse zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd gehen durch die Union. Nicht nur EU-Skeptiker stellen fest: Ohne grundlegende Reformen ist diese Europäische Union nicht handlungsfähig. Und doch hat Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, nicht zu Unrecht formuliert: „Europa ist die Zukunft“. Nur ein geeintes Europa könne die Herausforderungen bestehen. Dafür, möchte ich ergänzen, muss sich Europa aber die richtigen Fragen stellen – und sich auch auf seine christlichen Wurzeln besinnen.

Über ihre Ratspräsidentschaft hat die Bundesregierung das Motto gestellt: „Gemeinsam. Europa wieder stark machen.“

Folgende Leitgedanken hat sie dafür formuliert:

  • die nachhaltige Überwindung der Corona-Krise sowie die wirtschaftliche und soziale Erholung

  • ein stärkeres und innovativeres Europa

  • ein gerechtes Europa

  • ein nachhaltiges Europa

  • ein Europa der Sicherheit und der gemeinsamen Werte

  • ein starkes Europa in der Welt

Das sind natürlich nur Überschriften, hinter denen sich ausführliche Programme verbergen. Und doch zeigen sie einiges auf. Ruth Cohn, die Gründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI), war es, die das Postulat „Störungen haben Vorrang“ einführte. So in etwa liest sich für mich auch diese Agenda. Corona-Krise und wirtschaftliche wie soziale Erholung stehen ganz vorne. Das ist richtig und falsch zugleich.

Die Chance liegt in einem Rückbesinnen und Neuentdecken der Wurzeln, aus denen Europa erwachsen ist.

Natürlich sind das die dringendsten Themen, und natürlich darf man die Menschen in dieser Zeit nicht alleine lassen. Aber es sind nicht unbedingt die wichtigsten. Denn eins dürften uns die vergangenen Jahre gelehrt haben: Auf die eine Krise folgt die nächste. Wenn also in der aktuellen Krise eine Chance liegen soll, dann nur, wenn wir mehr tun, als nach einer schnellen Lösung zu suchen. Wir müssen – um es mit Jesus zu sagen (Matthäus 23,23) – das eine tun und das andere nicht lassen. Die Chance liegt in einem Rückbesinnen und Neuentdecken der Wurzeln, aus denen Europa erwachsen ist. Europa muss nicht nur „wieder stark“, sondern möglicherweise ganz anders werden. Für meinen Geschmack ist hier zu viel „Weiter so“ und zu wenig Vision, zu viel Pragmatismus und zu wenig Fragen nach den Ursachen.

Fragen, die gestellt werden müssen

Die wesentlichen Begriffe für eine grundlegende Debatte sind ja in den Leitgedanken der Bundesregierung genannt: Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, gemeinsame Werte. Und auch: Innovation. Allesamt Werte, die in der christlichen Tradition Europas wurzeln.

Wie sieht es aus, wenn wir diese Werte praktisch umsetzen? Wir brauchen dazu eine breite Debatte, in der Fragen wie diese diskutiert werden müssen:

  • Wie ist eine Gerechtigkeit zu denken, die allen Mitgliedern der EU die gleichen Chancen, Rechte und Verantwortlichkeiten einräumt (oder auch zumutet)? Welche Rechte sollen bei den Nationalstaaten bleiben, welche müssen kollektiv gedacht werden? Braucht es beispielsweise eine europäische Armee? Wie ist Gerechtigkeit im globalen Kontext zu verstehen, wenn EU-Subventionen den Weltmarkt verzerren, wenn Lieferketten intransparent und ausbeuterisch gestaltet sind, wenn große Teile des Finanzmarktes und internationaler Konzerne sich den Kontrollen entziehen?

  • Wie steht es um die Nachhaltigkeit, wenn wir unsere Klimaziele wieder und wieder verfehlen? Wenn wir die Wirtschaft mit Milliardenkrediten versorgen, ohne die Hilfen an Innovationen zu binden? Wenn unsere Bildungssysteme im weltweiten Vergleich zurückfallen?

  • Was macht es kollektiv mit unsere Seele als christlich geprägter Kontinent, wenn wir dem Flüchtlingselend auf den griechischen Inseln und am Balkan einfach zusehen? Wie wollen wir andererseits die Probleme bei der Integration von Migranten bewältigen? Wie gehen wir mit dem aufflammenden Rassismus und den antisemitischen Ausfällen und Straftaten um?

  • Welche Signale senden wir in die Welt, wenn wir angesichts der weltweit steigenden Zahlen religiös Verfolgter das Mandat des EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit außerhalb der Europäischen Union nicht verlängern, das erst 2016 geschaffen wurde? Wie wollen wir uns in internationalen Beziehungen und bei technischen Entwicklungen generell zu Menschenrechtsfragen verhalten?

  • Wo und unter welchen Vorraussetzungen wollen wir die großen ethischen Fragen nach dem Menschenbild, nach dem Wert des Menschen, nach der Bedeutung von Familie, von Alten und Kranken debattieren?

Fragen über Fragen. Mehr als in einem halben Jahr Ratspräsidentschaft zu beantworten sind. Die Chance besteht aber darin, sie jetzt zu stellen. Historisch ist gerade angesichts der Corona-Krise der richtige Zeitpunkt. Für mich ist das Friedensprojekt Europa ein Herzensanliegen. Und genau deswegen erwarte ich nicht weniger, als dass die Weichen so gestellt werden, dass es zukunftsfest werden kann.

Uwe Heimowski ist der Politik-Beauftragte der Deutschen Evangelischen Allianz. Er ist außerdem Mitglied des Vorstands der Christlichen Medieninitiative pro, die auch das Christliche Medienmagazin pro herausgibt.

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Fri, 26 Jun 2020 13:49:00 +0200
<![CDATA[QAnon – Explosive Mischung aus Trump, Apokalypse und Xavier Naidoo]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/06/26/qanon-explosive-mischung-aus-trump-apokalypse-und-xavier-naidoo/

pro: Herr Blume, was verbirgt sich hinter QAnon?

Michael Blume: QAnon ist ein apokalyptisch-messianischer Glaube. Die „Qultisten“ glauben, dass sie in einer Endzeit leben – in einer letzten Schlacht zwischen Gut und Böse. Und dass Donald Trump dabei der Messias ist, derjenige, der die Verschwörung von Juden und Frauen vor allem aufdecken wird.

Wo ist der Nährboden für diese Sekte?

QAnon ist eine Digitalsekte und findet vor allem im Internet statt. Angefangen hat es auf Twitter mit einem Account, der sich „Q“ nennt und der sogenannte „drops“, eine Art Hinweise, begonnen hat zu twittern. „Q“ gibt sich aus als einer, der aus dem inneren Kreis dieses endzeitlichen Kampfes berichtet. Dabei deutet er immer wieder an, dass es hinter der offiziellen Geschichte, dem was wir in den Nachrichten sehen und hören, eine verborgene Endzeitgeschichte gibt. Das Ganze hat 2017 in den USA begonnen und hat dann schnell viel Zulauf erhalten. Mittlerweile hat „Q“ auch in Deutschland eine sehr große Anhängerschaft und erfreut sich am zunehmenden Interesse.

Warum hat der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg diese Sekte auf dem Schirm?

Wir haben hier in Baden-Württemberg beispielsweise den Sänger Xavier Naidoo, der in diesem Duktus verkündet hat, dass Juden und Frauen Kinder foltern würden und aus Menschen den Stoff Adrenochrom gewinnen. Dabei handelt es sich um die gleichen Verschwörungsmythen, die bereits im 15. und 16. Jahrhundert auch in Süddeutschland aufgetaucht sind. Damals hat man Juden und Frauen vorgeworfen, dass sie den Hexensabbat begehen. Da wurden Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit kombiniert. Der Glaube war, dass aus Kindern eine Art Hexensalbe gewonnen wird. Ich muss leider sagen, dass die Mythen von vor 600 Jahren durch die Digitalisierung eine Renaissance erleben und wieder voll da sind.

Was ist Adrenochrom?

Dabei handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, das in Apotheken erworben werden kann. Der Stoff hat keine magischen Eigenschaften. Aber in diesem QAnon-Verschwörungsglauben wird behauptet, das Juden und Frauen, Demokratinnen wie Angela Merkel und Hillary Clinton, dieses Adrenochrom aus Kindern gewinnen, um unsterblich zu werden und besondere Mächte zu erlangen.

Spielt die Corona-Situation dieser Sekte in die Karten?

Wenn schlimme Dinge passieren, dann stellt sich unmittelbar die Frage: Wer ist daran schuld? Ein reflektierter Christ würde in dieser Situation auf Gott vertrauen. Auch im Judentum und dem Islam lernen die Gläubigen das Vertrauen in eine gute Gottheit. Aber im Verschwörungsglauben lernt man, dass dort böse Mächte am Werk sind. Teuflische Mächte, im Antisemitismus eben jüdische Mächte. Deshalb kann man bei jeder Krise, sei es Bankenkrise, Flüchtlingskrise oder jetzt Corona, diesen Aufbruch von Verschwörungsglauben beobachten. Interessanterweise hieß es im Januar noch bei QAnon, dass das Coronavirus eine Biowaffe der Juden und Chinesen sei. Da galt das Virus also noch als supergefährlich. Jetzt wird behauptet, es sei völlig harmlos und alles sei lediglich aufgebauscht. Die Erzählung ändert sich, die Feindbilder dahinter bleiben gleich.

Können Sie etwas über die Zahl der Anhänger sagen?

Eigentlich nicht. Wir wissen, dass es im deutschen Sprachraum große Unterstützer gibt. Oliver Janich, ein Journalist und Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender der „Partei der Vernunft“, gehört mit zum Kreis derer, die solche Mythen via Telegram-Gruppen propagieren, in denen sich viele Tausend Anhänger von QAnon sammeln. Die Zahl der Anhänger ist nicht unerheblich. Wir beobachten bei dieser Sekte aber auch bereits Anzeichen des Zerfalls. Was mich besorgt ist, dass sich viele dieser Anhänger jedoch auf einem Weg der Radikalisierung befinden.

Woran kann man einen Anhänger dieser Sekte erkennen?

Wenn jemand nur und ausschließlich noch digitalen Medien vertraut – in der Engführung diesem einen „Q“-Twitteraccount und den Telegram-Kanälen – und alle anderen Medien ablehnt, dann sollte man hellhörig werden. Auch wenn eigentlich alles und jeder als nicht mehr vertrauenswürdig abgestempelt wird und nur noch den Verlautbarungen von „Q“ vertraut werden darf, dann müssen alle Alarmglocken anschlagen. Es ist ein Angebot, sich die Welt zu erklären über eine Apokalyptik und Messianismus, der mit einem vernünftigen Christentum im Konflikt steht.

Bei QAnon wird offenbar vieles miteinander vermischt – eben auch christliche Anleihen, wie der Glaube an den Messias. Wie kann man sich gegen Verschwörungsmythen wie QAnon imprägnieren?

Im Kern geht es dabei um Seelsorge. Deshalb sehe ich da eine große Verantwortung für die Kirchen und Religionsgemeinschaften. Es wäre schlecht, wenn der Staat die Seelsorge übernehmen müsste. Letztlich geht es um die Frage: Habe ich Gottvertrauen, habe ich Vertrauen zu anderen Menschen? Oder lasse ich mir einreden, die Welt stünde am Abgrund und ich kann mich nur noch einem Führer anvertrauen. Deswegen ist meine Bitte, dass gerade die christlichen Gemeinden jetzt für die Menschen da sind und ihnen Gott- und Selbstvertrauen vermitteln. Wenn ich das Evangelium richtig verstehe, ist es keine Botschaft der Panik und des Hasses, sondern eine Botschaft der Hoffnung und der Liebe.

Gibt es ein bestimmtes Denken, das die Zugänglichkeit zu solchen Mythen wie QAnon begünstigt?

Das ist eindeutig der Dualismus und gilt über alle Religionen und Weltanschauungen hinweg. Aus psychologischer Sicht bedeutet das, dass ein Mensch alles Böse von sich abspaltet und einer anderen Gruppe zuschiebt. Damit hat die Person eine vermeintliche Antwort auf alles. Was im Leben schief geht, kann die Person dann einem Superbösen unterschieben. Im Mittelpunkt steht nicht mehr eine gute Gottheit, sondern der Glaube an die Weltherrschaft des Bösen. Die Menschen glauben, sie gehörten zu den Auserwählten, hätten endlich den Durchblick, meinen, die ganze Welt entschlüsseln zu können, und dass plötzlich alles Sinn ergibt. Dass man sich damit in eine Weltsicht von Angst, Hass und Isolation begibt, wird den meisten Menschen erst klar, wenn sie Wochen oder Monate dort drin sind. Dann kann es bereits zu spät sein, sich selber einzugestehen, dass man da auf dem Holzweg ist.

Warum lassen sich auch Christen davon ansprechen?

Das war auch in Krisenzeiten im Christentum immer wieder so. Man hat gedacht, das Ende ist nahe, der Teufel hat jetzt noch eine Zeit der Herrschaft und dann kommt das Armageddon. Diese Endzeiterwartung setzt Christen massiv unter Druck. Sie glauben, dass jetzt die Endschlacht bevorsteht. Viele begehen dann wirklich grandiose Fehler, indem sie Beziehungen an die Wand fahren, sich wirtschaftlich ruinieren. In den USA ist es dadurch auch bereits zu Gewalt gekommen. Das ist eine Sorge: dass ein Teil der Anhänger sich bis zur Gewaltbereitschaft radikalisiert, wenn die Prophezeiungen nicht eintreten. Da müssen Kirchen und Sicherheitsorgane helfen, dass das am Ende nicht in Gewalt endet.

Sehen Sie das Potenzial für Gewalt auch in Deutschland?

Wir konnten bereits sehen, dass bei Gewalttaten in Deutschland die Verschwörungsmythen eine große Rolle gespielt haben. Denken Sie an die Anschläge in Halle, Hanau und Celle. Ich würde nicht so weit gehen und Anhänger von QAnon für paranoid halten, aber wer psychisch anfällig ist und hinein rutscht in eine solche digitale Blase, diese digitale Sekte, den kann das endgültig aus der Bahn werfen und zu Gewalttätigkeit führen. Ich rechne nicht wie bei den Pestpogromen damit, dass hier ein aufgewiegelter Mob die Synagogen niederbrennt, aber dass Einzelne sich so weit radikalisieren und denken, sie müssten jetzt losschlagen, ist leider nicht auszuschließen. Aus meiner Sicht ist Wachsamkeit geboten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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Fri, 26 Jun 2020 13:27:00 +0200
<![CDATA[Thomas Rachel: „Das ‚C‘ hat versöhnenden Charakter“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/06/26/thomas-rachel-das-c-hat-versoehnenden-charakter/

pro: Herr Rachel, vor 75 Jahren wurde die CDU gegründet. War es richtig, das „C“ mit in den Namen und das Kürzel zu packen?

Thomas Rachel: Die CDU-Gründung vor 75 Jahren war geradezu ein revolutionäres Projekt. Denn unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und bereits drei Jahre vor der Gründung des Ökumenischen Rats der Kirchen 1948 gab es mit der Gründung der CDU die erste interkonfessionelle politische Zusammenarbeit zwischen Katholiken und Protestanten. Die Grundidee einer „Christlich Demokratischen Union“ – und das „C" als Klammer – ist in den Konzentrationslagern, in den Gefängnissen entstanden, von Menschen, die im Nationalsozialismus brutal unterdrückt wurden. Sie hatten die Erfahrung gemacht, dass einer der vielen Gründe für das Erstarken der Nationalsozialisten war, dass die Demokraten aus unterschiedlichen konfessionellen Hintergründen sich in dieser Zeit getrennt engagiert hatten. Der Grundimpuls nach der moralischen Katastrophe des Nationalsozialismus war, ganz bewusst den Menschen als Geschöpf Gottes in den Mittelpunkt zu stellen, der in seiner Einzigartigkeit und Würde anerkannt wird. Das macht den Identitätskern der CDU aus. Auch der dritte Buchstabe, das „U“ für Union, ist wichtig, weil damit der Volksparteiencharakter deutlich ist: Die Union der unterschiedlichen Konfessionen, aber auch der unterschiedlichen sozialen Hintergründe.

Grenzt man mit dem „C“ nicht andere Glaubensüberzeugungen aus?

Hinter dem „C“ steht ein versöhnender, brückenbauender Charakter, der Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen und Lebenshintergründen zusammenführen will. Die CDU und auch die CSU sind keine Konfessionsparteien. Beide bekennen sich zu einer lebendigen christlichen Wertegrundlage: Das christliche Menschenbild ist die Grundlage, der Kompass und die gelebte Wertvorstellung, anhand der wir politische Fragen diskutieren, entwickeln und dann auch versuchen, verantwortliche Entscheidungen zu treffen. Um das zu bejahen, muss man nicht zwingend Christ sein.

Ist die CDU für andere Glaubensüberzeugungen interessant?

Wir stellen in vielen Gesprächen fest: Weil wir ein klares Wertegerüst haben, ist die CDU auch für Menschen anderer religiöser Überzeugungen interessant, wenn sie die grundlegenden Werteentscheidungen teilen. Das bemerken Sie beispielsweise bei der Familienpolitik, oder den Diskussionen zum Anfang und zum Ende des Lebens. Bei Themen wie Sterbehilfe und Organspende hilft ein klares Wertegerüst.

Sie sind Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises in einer christlich geprägten Partei. Warum braucht es die Engführung auf das Evangelische hin?

Das hat nichts mit Engführung zu tun, sondern mit Identität. Die jeweiligen Konfessionen und Kirchen sind auf ihre je eigene Art und Weise Heimat und Bezugspunkt für die Menschen. Auch das Gesamtverständnis von Kirche ist im Protestantismus ein anderes als in der Katholischen Kirche. In der Gründungsphase der CDU kamen viele aus dem „Zentrum“, der früheren katholischen Partei. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten natürlich etwas verändert, auch durch die neuen Bundesländer, die hinzugekommen sind. Trotzdem ist der Anteil der Protestanten immer noch eine Minderheit in der CDU. Deshalb war und ist es richtig und wichtig, dass die Partei den Themen, die uns als Protestanten bewegen, einen eigenen Raum gibt. Der Evangelische Arbeitskreis der CDU/CSU ist insofern eine Brücke in die Kirche und aus der Kirche in die Union hinein.

Bei den Grünen liegt der Altersdurchschnitt bei 49 Jahren, bei der CDU liegt er um die 60. Was könnte aus Ihrer Sicht die CDU für junge, politikinteressierte, ökologisch-denkende, sozial-verantwortliche Menschen attraktiv machen?

Glücklicherweise ist es so, dass wir auch guten Zulauf bei ganz Jungen haben. Aber wahr ist natürlich, dass in den vergangenen Jahrzehnten viele Mitglieder altersbedingt ausgeschieden sind. Die demografische Herausforderung ist ganz klar da. Die CDU hat sich programmatisch weiterentwickelt, und das muss sie auch in Zukunft, indem sie Themen wie die Frage des Klimaschutzes oder der Generationengerechtigkeit weiter in den Blick nimmt. Auch das Engagement für Menschenrechte. Ich denke, wir haben Themen, wo wir gemeinsam mit vielen jungen Menschen unterwegs sind.

Manche ehemaligen Wähler der CDU werfen der Partei vor, dass sie zurzeit weder konservativ, noch christlich ist, und haben sich nach rechts verabschiedet. Was sagen Sie diesen Kritikern?

Dass das „C“ in unserem Namen eine glasklare Abgrenzung nach Rechtsaußen ist. Ausgrenzungen von Menschengruppen akzeptieren wir nicht, genauso wenig wie eine völkische Überheblichkeit. Wer sich insofern politisch nach Rechtsaußen entwickelt hat, der findet in der Union keine Heimat. Dann muss man auch über konkrete Themen sprechen. Es gibt Kritiker, die sagen: Ich habe eine konservative Position, deswegen bin ich für Atomkraft. Das ist eine inhaltliche Frage, wo es Dissens gibt. Damit muss man in einer demokratischen, offenen Partei – wie auch in der Gesellschaft – dann leben.

Was hat nach Ihrer Einschätzung die CDU anderen Parteien voraus, wo hängt sie anderen Parteien hinterher?

Ich glaube, dass andere Parteien sehr viel agiler und schneller unterwegs sind in den digitalen und Sozialen Medien. Die haben in dem Bereich ganz andere Kampagnenfähigkeiten. Wir haben da erheblich Nachholbedarf und müssen daran arbeiten.

Was wir anderen Parteien voraushaben, ist gleichzeitig eine Herausforderung. Wir sind Volkspartei, und als solche haben wir den Anspruch, nicht nur für einzelne Gruppen in der Bevölkerung Einzelinteressenpolitik zu machen. Wenn Sie in einer anderen Partei sind, die vielleicht zehn, acht, 14 Prozent der Wähler vertritt, dann können Sie eine Politik machen, die auf bestimmte Wählerinteressen ausschließlich abhebt, und damit in gewisser Weise sehr erfolgreich sein. Aber unser Grundgedanke als Union ist es, bereits in der Partei als Volkspartei Meinungsbildungs- und Kompromissfindungsprozesse durchzuführen, wo man nicht die eine Position durchsetzt, die vielleicht medial interessant ist, weil sie so knallhart und profiliert ist, sondern wo wir versuchen, zu verantwortlichen Lösungen zu kommen. Wo sie Arbeitnehmer, Lehrer, Landwirte, Wissenschaftler, Beamte beisammen haben, ist es sehr viel schwieriger, zu Mehrheitspositionen zu kommen. Es ist mühsamer. Aber ich finde, das ist gerade in dieser Zeit, wo die Gesellschaft immer mehr auseinanderdriftet und die individuellen Interessen in den Vordergrund rücken, umso wichtiger.

Konrad Adenauer spielt in der Parteigeschichte noch immer eine zentrale Rolle. Auch Helmut Kohl, seine Kanzlerschaft, aber auch die Spendenaffäre. Wie wird Angela Merkel als Parteivorsitzende, als Kanzlerin irgendwann der CDU in Erinnerung bleiben?

Die Frage ist natürlich zu früh, um sie zu beantworten. Denn die wird sich frühestens Ende 2021 stellen. Ich glaube, die CDU hat bisher das große Glück gehabt, interessante und starke Persönlichkeiten sowohl als Vorsitzende wie auch als Bundeskanzler zu stellen, die in entscheidenden, oft sehr schwierigen historischen Situationen das Land geführt und es auch aus Krisen herausgeführt haben. Das war bei Konrad Adenauer so, das ist bei Helmut Kohl so gewesen, und das ist auch bei Angela Merkel der Fall. Die Kanzlerin hat ein sehr hohes Renommee, nicht nur in den europäischen Nachbarstaaten, in der Europäischen Union insgesamt, sondern weltweit. Die letzten 14 Jahre waren ausgesprochen gute Jahre für Deutschland, mit einer positiven wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und Stabilität in einer unruhigen Welt. Angela Merkel hat die Geschicke der Bundesrepublik in einer Art und Weise geführt, die Respekt gegenüber anderen Ländern deutlich gemacht hat; ihre politischen Grundlinien hat sie dabei immer am Gemeinwohl der Menschen orientiert und entwickelt. Das geht von Fragen, wie die Europäische Union zusammenwächst, über die Frage einer neuen Verantwortung gegenüber Afrika bis zum Klimaschutz.

Was empfinden Sie anlässlich des Geburtstages und stoßen Sie mit Sekt oder mit Kölsch an?

(**lacht***) Ich würde ein Kölsch nehmen. Zum Geburtstag habe ich ein Gefühl der Dankbarkeit und freue mich auf Neues, was wir gemeinsam als Christdemokraten anpacken werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

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Fri, 26 Jun 2020 11:45:00 +0200
<![CDATA[Menschen gehören nicht auf die Müllhalde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/06/25/menschen-gehoeren-nicht-auf-die-muellhalde/ Ein Kommentar von Jonathan Steinert]]> Nun also doch nicht: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat keine Anzeige wegen einer Kolumne in der Tageszeitung taz erstattet. Stattdessen will er sich an den Presserat wenden, teilte er am Donnerstag mit. Am Montag noch hatte er angekündigt, Strafanzeige gegen die Zeitung zu stellen. Grund dafür war ein Meinungsbeitrag gegen die Polizei, der bereits vorige Woche erschienen war. Anlass seiner Ankündigung waren jedoch die gewaltsamen nächtlichen Ausschreitungen am vergangenen Wochenende in Stuttgart, bei denen hunderte Randalierer Teile der Innenstadt verwüsteten und sich eine Straßenschlacht mit der Polizei lieferten.

Einige Aussagen der Kolumne „Abschaffung der Polizei: All cops are berufsunfähig“ ebneten Weg dafür, dass sich Menschen der Polizei entgegenstellten, sagte Seehofer der Bild-Zeitung. „Ich bin ein großer Anhänger der Meinungsfreiheit, ich nehme sie auch für mich in Anspruch, aber es gibt Grenzen. Diese Kolumne überschreitet an verschiedenen Stellen die Grenze.“ Dass er strafrechtlich dagegen vorgehen wollte, löste eine breite Diskussion darüber aus, ob damit nicht die Pressefreiheit durch die Politik beschnitten würde. Seehofer wurde zu Bundeskanzlerin Angela Merkel zitiert und verschwand vorübergehend aus der Öffentlichkeit – bis er nun seine Alternative präsentierte.

Wer Menschen entsorgen will, hat das Grundgesetz nicht verstanden

Den Presserat, das Kontrollorgan der Branche, anzurufen, ist zweifellos der bessere Weg. Er ist die Stelle, die Beschwerden gegen die Presseberichterstattung entgegennimmt, bearbeitet und ahndet. Selbst wenn ein Gericht feststellen sollte, dass die Aussagen in der Kolumne strafbar sind: Wenn einer der wichtigsten Bundespolitiker auf dem Rechtsweg gegen einen Meinungsbeitrag vorgeht, dann wird immer der Vorwurf damit verbunden bleiben, die Politik greife in die freie Meinungsäußerung und die Freiheit der Presse ein. Denn es geht nicht um falsche Behauptungen oder Lügen – und andere Urteile zeigen, dass die Meinungsfreiheit im deutschen Recht sehr weit reicht. Auch der Presserat selbst begrüßte das Vorgehen und hat aufgrund von mehr als 300 Beschwerden bereits ein Verfahren eingeleitet.

Mit Journalismus hat der umstrittene Beitrag tatsächlich so gut wie nichts zu tun: Er spielt den Gedanken durch, was mit den Polizisten geschehen sollte, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Das Fazit: Auf die Müllhalde mit ihnen, wo sie unter ihresgleichen seien. Das ist, auch wenn es satirisch gemeint ist, entwürdigend und menschenverachtend. Ganz abgesehen davon, dass der Beitrag alle Polizisten als unfähig und als verkappte Nazis hinstellt.

Natürlich muss untersucht und sanktioniert werden, wo Polizisten unverhältnismäßige Gewalt ausüben, Minderheiten diskriminieren oder mit rassistisch-rechten Ideen sympathisieren. Aber wer als Journalist davon spricht, Menschen entsorgen zu wollen, hat das Grundgesetz und die Bedeutung der Presse für die Demokratie nicht verstanden.

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Thu, 25 Jun 2020 16:14:00 +0200
<![CDATA[Wir haben es gewusst!]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/06/25/wir-haben-es-gewusst/ Eine Kolumne von Jürgen Mette]]> „Habt ihr denn das nicht kommen sehen…?“ So habe ich oft die älteren Herrschaften gefragt, die das Hitlerdeutschland bis zum bitteren Ende miterlebt hatten. Als dieser Schurke anfing, „Heil Hitler“ als Begrüßungsformel einzuführen, ist vielen eifrigen Bibellesern offensichtlich nicht das Predigt-Zitat des Apostel Petrus „Es ist keinem anderen Heil!“ in den Sinn gekommen. Und als am Abend des 20. Juli 1944 die Nachricht vom gescheiterten Attentat auf Hitler bekannt wurde, hat die Mehrheit der Christen in Deutschland vor Gott die Knie gebeugt und für das Überleben des grausamen Despoten gedankt, der den Tod von 60 Millionen Menschen zu verantworten hat. Und als der junge Theologe Dietrich Bonhoeffer am 9. April 1945 in Flossenbürg auf persönliche Anweisung von Adolf Hitler hingerichtet wurde, wurde das kaum wahrgenommen. Sie haben es gewusst!

Was fällt uns in diesen Tagen zu Putins kindlicher Freude an pompösen Militärparaden ein? Vielleicht würde er selber mal gern richtig Krieg spielen. Zigtausende Tonnen von Kriegsgerät und 14.000 wie ferngesteuerte Soldaten, die im Stechschritt am Podest des mächtigen Kriegsherrn vorbei balzen, währenddessen im Polarkreis das Bersten eines 20.000-Liter-Öltanks das empfindliche Ökosystem der Arktis für die kommenden Generationen schwer belastet. Ursache: Durch die Erderwärmung bedingte Auflösung des Permafrostes lässt Straßen, Schienen und Industrieanlagen im Morast versinken. Sie haben es gewusst. Aber sie haben nichts gelernt.

Wie abfällig wurden die Ökos zu Beginn des dritten Jahrtausends verhöhnt, die auf das Waldsterben aufmerksam machten. Der Wald sah doch nicht krank aus. Jetzt aber, nach den Hitzeperioden der letzten beiden Jahre, wird das Baumsterben für jeden sichtbar. Allein die Wälder um Frankfurt sind zu 97 Prozent krank. Wir haben es gewusst.

Und wenn der amerikanische Präsident das von vielen erfahrenen Diplomaten entwickelte Vertrauen unter den Großmächten niedertrampelt und auf raubeinige Weise mit anderen Staatschefs umgeht, Berater feuert, und dem jedes Mittel recht ist, um seine Präsidentschaft für die nächste Runde zu sichern; der vortrefflich die Themen zu flöten weiß, die vielen frommen Wählern gefallen: Sie haben es gewusst, aber nichts gelernt.

Als vor einem Jahr die im nordhessischen Berndorf ansässige Wurst-Fabrik Wilke wegen desaströser Hygienezustände geschlossen werden musste, hatten die Aufsichtsbehörden bundesweit Zeit, die fleischverarbeitenden Großbetriebe ins Visier zu nehmen. Jetzt erst im Zuge der Corona-Pandemie zeigt sich, dass alle informiert waren, aber nichts passiert ist, denn dann wären die Arbeitsbedingungen in den Großschlachtereien und ihre besonderen Anfälligkeit für das Corona-Virus bekannt gewesen. Sie haben es gewusst, aber nichts unternommen. Corona deckt auf. Meine Freude an Fleischgerichten verzehrt sich – und das mitten in der Grillsaison.

Da fällt mir ein Bibelvers ein, den Paulus in seinem zweiten Brief an seinen Mitarbeiter Timotheus geschrieben hat: „Die Menschen lernen ständig und kommen doch nicht zur Erkenntnis der Wahrheit.“ (Kapitel 3,7). Wir haben kein Bildungsproblem, wir haben ein Erkenntnisproblem.

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Thu, 25 Jun 2020 13:58:00 +0200
<![CDATA[„Mangelnde Bibelkenntnis bedroht Christenheit“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/06/25/mangelnde-bibelkenntnis-bedroht-christenheit/ pro: Wenn es in der deutschen Öffentlichkeit um Evangelikale geht, dann meist um die im eigenen Land oder um Evangelikale in den USA und Brasilien, die vor allem mit einer politisch konservativen, rechtspopulistischen Richtung in Verbindung gebracht werden. Inwiefern sind diese politischen Verquickungen repräsentativ für die weltweite evangelikale Bewegung?

Thomas Schirrmacher: Als Weltweite Evangelische Allianz stehen wir nicht für „die Evangelikalen“, wo jeder definieren kann, wer da eigentlich dazugehört, sondern für die organisierten Evangelikalen. Der evangelikale Flügel in den USA, der Donald Trump sehr nahesteht, oder in Brasilien dem Präsidenten Jair Bolsonaro, repräsentiert schon dort nicht alle Evangelikalen. Das Problem wächst auch in anderen Ländern. In Australien regiert ebenfalls ein evangelikaler Ministerpräsident, der herzlich wenig für Flüchtlinge übrig hat. Aber was die Sache natürlich verzerrt, ist, dass wir auf der anderen Seite sehr positive Entwicklungen haben, für die aber der Begriff „evangelikal“ nicht benutzt wird. Zum Beispiel ist der Premierminister von Äthiopien Abiy Ahmed, der Friedensnobelpreisträger von 2019, ein bekennender Evangelikaler, und das ist kaum irgendwo erwähnt worden. Die Nationale Evangelische Allianz USA hat sich kürzlich zusammen mit der Weltweiten Allianz sehr dezidiert nicht nur gegen Rassismus, sondern gegen die ganze rechtspopulistische Entwicklung ausgesprochen. Das kommt hier nicht an. Eine evangelikale Position ist eine theologische Position. Da haben wir erstaunlich viele Gemeinsamkeiten. In politischen Fragen sind sich Evangelikale noch nie einig gewesen.

Sie haben in der Vergangenheit betont, man muss den Pluralismus in der Bewegung anerkennen und aushalten. Was ist der Kern, der nicht verhandelbar ist für Evangelikale?

Als die Weltweite Evangelische Allianz 1846 gegründet wurde, war das ein gewaltiger Pluralismus der Kirchen. Man hat gesagt: Um der Mission willen ist es ein Hindernis für das Evangelium, dass die Menschen nur all diese verschiedenen Theologien und Kirchen sehen; wir müssen im Kern der Sache zusammenarbeiten. Dieser Kern ist: das Evangelium, das Heil in Jesus Christus; die Bibel als die „Verfassung“ der Kirche als einziger Text, der alle Kirchen verbindet und auf den sich alle berufen; und die Religionsfreiheit für alle – die Gründer der Bewegung sahen es schon damals als christliche DNA an, dass die Verkündigung des Evangeliums völlig friedlich und ohne jeden Zwang geschehen muss. 1846, auf dem Höhepunkt des Kolonialzeitalters, war das eine frontale Kritik daran, wie das Christentum weltweit auftrat.

Sie haben sehr viele Beziehungen auch außerhalb der Evangelischen Allianz in katholische, orthodoxe und andere Kirchen. Was sagen Sie Kritikern, die Ihnen vorwerfen, Sie machen gemeinsame Sache mit Christen, die diesen „Kern“ des christlichen Glaubens so nicht teilen?

Von der Geschichte der Evangelischen Allianz her war die Einheit aller Christen das Ziel – das ist es bis heute. Es kann uns nur wehtun, wenn wir das noch nicht erreicht haben. Nur: Das muss natürlich eine Einheit im Glauben, eine theologische Einheit sein. Wir müssen mit den anderen Kirchen um die DNA des Christentums ringen – indem wir deutlich Farbe bekennen, aber indem wir auch sichtbar die Hand ausstrecken und zeigen, dass wir der Meinung sind, mit der Bibel in der Hand können wir zueinander finden. Ein Beispiel dafür ist für mich das Dokument „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt“, erarbeitet 2006 bis 2011. Ich bin überzeugt, es gibt eine DNA des Christentums. Und die, das sage ich ganz offen, teile ich zum Beispiel mit Papst Franziskus. Ich teile überhaupt nicht seine Marienverehrung – die erscheint mir heute als ein größeres Problem, als sie es zu Luthers Zeiten war. Aber wenn ich nehme, was er sagt und was er schreibt, was das Evangelium ist, dann sind wir weltweit bei einem breiten Konsens angekommen.

In der katholischen Kirche gibt es auch die Lehre, dass sie die allein seligmachende sei. Evangelikale sagen, das Heil liegt in Jesus.

Die Frage ist: Messen wir die katholische Kirche an Dokumenten, die sie früher verabschiedet hat und die formal noch rechtsgültig sind? Oder messen wir sie an der heutigen Realität? Papst Franziskus hat einmal ganz banal zu mir gesagt: „Ein getaufter Katholik, der nicht an Jesus als Erlöser glaubt, ist nicht errettet, und ein nicht katholisch getaufter Christ, der an Jesus als Erlöser glaubt, ist gerettet.“ Über die Rolle des Papstes, das Verständnis der Bibel, die Marienverehrung müssen wir diskutieren. Das haben wir ja in unserem Dokument „‚Schrift und Tradition‘ und ‚Die Rolle der Kirche für das Heil‘“ von 2018 mit dem Vatikan sehr deutlich erneut formuliert. Aber ich möchte alle Protestanten daran erinnern: Selbst Luther, der in seinen Äußerungen über die katholische Kirche nichts zu wünschen übrig ließ, war zutiefst davon überzeugt, dass sie mit der Bibel reformiert werden kann. Und das tun wir nur, wenn wir im Gespräch sind, und nicht, wenn wir Krieg gegeneinander führen.

Mit Blick auf Deutschland nimmt die Bedeutung der Religion insgesamt ab, wenn man sich die Mitgliedszahlen bei den Kirchen anschaut. Wie verhält es sich nach Ihrer Beobachtung weltweit?

Die Bemerkung zu Deutschland würde ich nicht ganz so teilen. Bei uns nimmt die Religion im Alltagsleben der Einzelnen ab. Aber ich würde sagen, dass sie unter Entscheidern in Wirtschaft und Politik zunimmt. Helmut Kohl zum Beispiel war in seiner Alltagspraxis sicher viel christlicher als Angela Merkel, aber extrem zurückhaltend, das Christentum öffentlich mit ins Spiel zu bringen. Frau Merkel sagt fast im Vorbeigehen: „Wir heißen CDU, weil wir auf dem christlichen Menschenbild stehen.“ Oder, ob man das nun teilt oder nicht, als sie die Flüchtlinge aus Ungarn hat kommen lassen, sagte sie: „Als überzeugter Christ konnte ich gar nicht anders.“ Das hätte Kohl nie gemacht. Weltweit haben wir natürlich den Trend, dass der Anteil der Nichtreligiösen kleiner wird. Der Anteil der Atheisten ist aber fast schon verschwindend gering. Und es gibt noch einen zweiten Trend: Die Weltreligionen haben einen enormen Zulauf. In Afrika zum Beispiel ist heute fast jeder, zumindest offiziell, Muslim oder Christ. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren noch rund 40 Prozent der Einwohner keines von beiden, sondern gehörten etwa einer ethnischen Religion an.

In Deutschland fürchten sich auch fromme Christen vor einer wachsenden Dominanz des Islam in Deutschland und Europa. Teilen Sie die Sorgen?

Es hat wenig Sinn zu spekulieren, was in einigen Jahrzehnten sein wird. Wenn man rein statistisch hochrechnet, wie viele Muslime im Land leben, und das mit Christen vergleicht, ist ein großer Fehler dabei: Bei den Christen zählen wir entweder aktive oder zumindest solche, die per Mitgliedschaft und per Spende oder Kirchensteuer als dieser Religion zugehörig gelten – mit dem Ergebnis, dass die Zahl nach unten geht. Auf muslimischer Seite zählen wir nur Menschen, die in einem muslimischen Land oder einer muslimischen Familie geboren worden sind. Ob sie den Islam praktizieren, ob sie den für richtig halten, weiß keiner. Wir packen auch alle Bewegungen zusammen, die Ahmadiyya, die aus Pakistan gekommen sind, weil sie hier mehr Religionsfreiheit haben wollen, ebenso wie die Extremisten.

Die Realität ist, dass der größte Teil der Muslime in Deutschland lange Zeit eher säkular war. Mit der Rückkehr religiöser Bewegungen in den Heimatländern wie der Türkei hat auch der Anteil der religiös praktizierenden Muslime bei uns zugenommen. Der ist aber in der Türkei schon wieder stark rückläufig und das wird in nicht allzu langer Zeit auch hier wieder umschlagen. Dann muss man die Bewegung zwischen den Religionen sehen. Wir haben in Deutschland jetzt schon so viele Übertritte vom Islam zum Christentum wie noch nie zuvor. Im Iran gibt es über eine Million Christen im Untergrund. Viele der Iraner, die hierherkommen, haben daher ein großes Interesse am Christentum. Ich würde sagen, dass unser Christentum in Deutschland zum Teil so schwach auf der Brust ist, dass es sowieso von irgendjemandem abgelöst werden kann, sei es einer anderen Spielart des Christentums – lange haben wir Evangelikalen gedacht, das wäre die Alternative –, sei es der Islam. Aber wir haben immer noch einen so geringen Anteil an Muslimen in unserem Land verglichen mit anderen, dass ich, selbst wenn es alle konservativ praktizierende Muslime wären, nicht sehen kann, wie sie das Land übernehmen wollten.

Der Anteil der religiös geprägten Menschen ist unter Flüchtlingen generell deutlich höher als der Anteil der religiösen Menschen in Deutschland. Wo liegen da Herausforderungen für deren Integration?

Ich sehe das Problem, dass unsere politische Alltagswirklichkeit eher unreligiös geprägt ist. Juristen, Entscheider in den Behörden, aber auch Journalisten sind oft ganz offiziell oder praktisch säkular. Es ist unmittelbar zu sehen, dass die Menschen, die persönlich mit Religion nichts anfangen können, auch ganz große Mühe mit diesem Thema haben und unter Integration eigentlich verstehen, dass die Menschen, die hierher kommen, Religion auf den Privatbereich beschränken. Das wird nicht funktionieren. Und es entspricht auch nicht unserem Grundgesetz. Aber es ist die Realität, dass Richter in Asylfällen über Konversionen zu entscheiden haben, die die Unterschiede nicht nur zwischen katholisch und evangelisch nicht kennen, sondern manchmal selbst diejenigen zwischen den Religionen. Das ist meine Erfahrung auch außerhalb Deutschlands auf EU-Ebene.

Ein Top-Politiker hat mich schon privat beiseite genommen und gesagt: „Wenn unter Lebensgefahr einer den Islam verlässt oder womöglich im Iran Christ wird – können Sie mir irgendwie helfen zu verstehen, was in ihm vorgeht? Ich kann grad noch nachvollziehen, dass jemand eine Religion hatte, in die er hineingeboren ist. Aber warum muss er sie unter Lebensgefahr wechseln, oder wenn er das schon will, warum muss er das laut sagen, wenn er weiß, das kann ihn sein Leben kosten?“ Ein religiöser Mensch, gleich welcher Religion, kann das nachvollziehen. Er versteht, dass Religion kein Hobby ist wie Strohblumen basteln, was ich auch mal eine Zeit lang aussetzen kann. Sondern für religiöse Menschen hat das etwas mit ihrer Identität zu tun.

Das Bundesverfassungsgericht hat kürzlich erst bestätigt, dass die Richter überprüfen dürfen, wie intensiv ein Konvertit glaubt ...

Aber dazu müssen sie doch eine gewisse Vorgabe haben. Welche Kategorien sind denn entscheidend dafür, dass die Richter einem Konvertiten seinen Religionswechsel abnehmen? Der eine sagt, der Asylbewerber kennt die ganze Dogmatik seiner Religion rauf und runter, das hat er bestimmt auswendig gelernt. Der andere sagt, der Konvertit kann die Inhalte seiner neuen Religion nicht beschreiben, er ist nicht wirklich Christ geworden. Ob man für das Asylrecht wegen Religionswechsel die neue Religion lehrmäßig besonders gut kennen sollte oder besser nicht; oder darüber reden sollte, wie es einem im neuen Glauben ums Herz warm wird, ist völlig offen.

Unter anderem in Bezug auf Flüchtlinge wird aus evangelikalen Kreisen gegenüber der Kirche oft die Kritik laut, dass sie sich zu politisch statt geistlich äußere. Ganz aktuell ist das Thema Seenotrettung. Wie sehen Sie das aus theologischer und soziologischer Perspektive?

Darauf gibt's keine einfache, simple Antwort. Zunächst einmal ist das politische Engagement der Kirche, was wir wahrnehmen, vor allen Dingen das politische der Kirchenoberen. Ob es auch das der Kirchengemeinden vor Ort repräsentiert, steht auf einem anderen Blatt. Ich sehe das etwa in den kirchlichen Erklärungen zum Dialog mit dem Islam. Es sind vor allen Dingen die Kirchenleitungen, die darauf drängen, dabei jeden missionarischen Aspekt beiseite zu lassen. Gleichzeitig werden in praktisch jeder Kirchengemeinde ehemalige Muslime getauft. Solche Erklärungen gehen teilweise völlig an der Realität vorbei, weil sie praktisch nur die politische Seite sehen – wie kommen wir nett im Land miteinander klar – und die inhaltliche Seite, insbesondere das Evangelium, aus den Augen verlieren. Dabei ist das der Grund, warum die Muslime Christen werden, nicht die politischen Positionen.

Dazu kommt: Wenn sich Kirchenleiter tagespolitisch äußern – konkret zum Beispiel: Wir sollten jetzt die Flüchtlinge im Mittelmeer retten –, müssen sie damit politisch Position beziehen. Die Schwierigkeit ist dann immer, wenn ein erheblicher Teil der eigenen Mitglieder eine andere politische Richtung verfolgt. Dann ist es kein Zufall, dass diejenigen, die protestieren und die Kirchen zu politisch finden, auch diejenigen sind, die in diesen Dingen anders denken. Ich finde es sehr schade, wenn über eine solche tagespolitische Frage – Schiff ja oder nein? – die dahinterliegende Frage der christlichen DNA verlorengeht. In diesem Falle, dass ein Flüchtling auf dem Mittelmeer als Ebenbild Gottes dieselbe Menschenwürde hat wie jemand, der zufälligerweise in einer glücklicheren Situation lebt. Nicht weil dieser oder jener fromm ist, sondern weil er Mensch ist. Das steht auf den ersten Seiten der christlichen und jüdischen heiligen Schrift. Im Islam ist die Mehrheitsmeinung, dass nur, wer sich Allah unterwirft, auch bestimmte Rechte hat. Die Religion hat also durchaus politische Implikationen, auch das Evangelium, dass Jesus uns gemeinsam erlöst hat.

Ein anderes Beispiel für gesellschaftspolitisches Engagement ist das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Die Weltweite Evangelische Allianz hat auch ein Nachhaltigkeitszentrum. Was ist der spezifische Beitrag, den die Allianz zu dem Thema leisten kann?

Dieses Zentrum hat zwei Gründe. Wir sind der Meinung, dass wir laut den ersten Kapiteln der Bibel den Auftrag haben, die Schöpfung zu bewahren. Das findet nun einmal immer mehr auf globaler Ebene statt. Da sollten wir nicht außen vor sein, sondern mittendrin, wenn nicht sogar vorneweg. Da unsere Welt insgesamt religiöser wird, wird auch diese ganze Frage der Nachhaltigkeit eine Frage der Religionsgemeinschaften. Unser Zentrum ist also auch ein großes Dialogprogramm. Auch vonseiten der anderen Religionen wird der Wunsch, mit uns zusammenzuarbeiten, immer stärker artikuliert. Da viele Funktionsträger selber aus religiösen Ländern kommen und selber eine Religion praktizieren, tun sie sich zunehmend schwer, mit völlig säkularisierten Menschen zusammenzuarbeiten. Das kann man in der UN zwar nicht vermeiden, aber die Säkularen repräsentieren eben nicht mehr die Mehrheit weltweit.

Können Sie über die globalen Fragen wie Klima und Migration ein bestimmtes Thema ausmachen, das für die WEA oder die Christenheit überhaupt besonders drängend ist?

Die größte Bedrohung ist, dass die Bibelkenntnis abnimmt. Es geht dabei nicht um auswendig gelerntes Wissen, sondern um das Bibelwissen als Grundlage der zentralen Wahrheiten des Christentums. Schon in Deutschland kommen immer mehr Menschen zum Glauben, die nicht als Christen aufgewachsen sind und kaum mit einem biblischen Wissen an den Start gehen. Und es wird immer schwieriger, sie dann dafür zu gewinnen, das nachzuholen. In China werden so viele Menschen Christen, dass man rein praktisch nicht hinterherkommt, sie inhaltlich zu schulen, weil oft die Strukturen dafür fehlen. Oder in den Favelas in Brasilien: Dort haben wir ein eigenes Programm, um Pastoren zu schulen. Warum? Weil dort insbesondere im Bereich der Pfingstgemeinden so viele neue Gemeinden entstehen, dass oft derjenige, der am längsten dabei ist, der Pastor wird. Und wir haben viele Fälle, wo die Pastoren nicht einmal lesen und schreiben können.

Das ist aber nicht nur ein Problem der Evangelikalen. Die orthodoxen Kirchen sind zum Beispiel bei den Bibelgesellschaften eingestiegen und wollen aktiv dafür sorgen, dass die Bibel in den orthodoxen Ländern verbreitet wird. Auch Papst Franziskus hat ganz Ähnliches gesagt. In seiner Schrift zum Predigen schreibt er, dass das Grundproblem der katholischen Kirche ist, dass die Priester die Bibel nicht mehr lesen und für den Sonntag dann plötzlich von irgendwo eine Predigt herkommen müsse. Das Richtige, sagt er, ist, dass der Priester die ganze Woche mit der Bibel lebt und am Sonntag gar nicht weiß, über welche der vielen Bezüge, die er kennengelernt hat, er predigen soll.

Warum ist das eine Gefahr?

Weil das Christentum nie nur religiöse Praxis ist, sondern im Kern ein Bekenntnis hat. Wenn den Christen zum Beispiel inhaltlich nicht mehr bewusst ist, dass die Dreieinigkeit aus der Offenbarung kommt, dann ist Tor und Tür dafür geöffnet, dass jeder aus dem Christentum das macht, was ihm selber gerade passt. Das kann man keinem verbieten, wir haben Religionsfreiheit. Aber das ist dann nicht mehr Christentum. Das Christentum kommt nicht ohne Inhalte aus. Das, was uns verbindet, sind die Inhalte, nicht die Formen, mit denen wir sie zum Ausdruck bringen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Jonathan Steinert

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Thu, 25 Jun 2020 11:59:00 +0200
<![CDATA[„Eine Reform des Familienbildes findet nicht statt“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/06/25/eine-reform-des-familienbildes-findet-nicht-statt/ Echte Integration kann nur gelingen, wenn Deutschland Parallelgesellschaften vermeidet. Diese These hat die Soziologin Necla Kelek in einem Online-Vortrag der Friedrich-Naumann-Stiftung vertreten. Darin nahm sie Bezug auf ihr 2019 erschienenes Buch „Die unheilige Familie. Wie die islamische Tradition Frauen und Kinder entrechtet“. Aus ihrer Sicht bleibe zu sehr verborgen, was mit Frauen und Kindern in der islamischen Gemeinschaft passiert.

Zunächst verdeutlichte die Soziologin anhand einiger Beispiele aus ihrem Buch, auf welche Weise Frauen unterdrückt würden. Eine von ihnen habe erst nach Todesdrohungen gegen die eigene Familie der Heirat mit ihrem Cousin zugestimmt: „Viele Frauen schaffen es nicht, sich vom Druck der Familie zu lösen, weil sich die Unterdrückung über Jahrhunderte verfestigt hat“, sagte Kelec. „Deswegen müssen wir uns einmischen, wenn es um die Rechte von Kindern und Frauen geht.“

„Regelmäßige Untersuchungen und ein eigenes Konto“

Die Autorin bezeichnete Familie als Kernzelle einer freien und emanzipierten Gesellschaft. Nicht funktionierende Familien würde von staatlicher Stellen unterstützt. Kelek fragte, ob dieser Schutz der Familie auch gelte, „wenn Familie nicht Familie ist“. Sie engagiere sich dafür, die Rechte von Frauen in muslimischen Ländern zu verbessern. Zu dieser Agenda gehöre es, Zwangsehen zu verbieten. Auch Kinderehen dürften unter keinen Umständen zustandekommen.

Um Genitalverstümmelungen zu vermeiden, seien regelmäßige ärztliche Untersuchungen notwendig. Geflüchtete Frauen bräuchten zudem einen eigenen Aufenthaltsstatus und – „ganz banal“ – ein eigenes Konto, auf dem sie Teile des Kindergeldes gleichberechtigt erhielten. Darüber hinaus wünschte sie sich einen gesetzlichen Rahmen dafür, dass Kinder bis zum 18. Lebensjahr Schulen und öffentliche Einrichtungen nur ohne Kopftuch betreten dürfen.

Junge Menschen sollten selbst herausfinden, dass es Alternativen zu ihrem Status gebe. Mit ihren Büchern wolle sie sich in die Debatte einmischen, Schwierigkeiten bei der Integration thematisieren und helfen, ernsthafte Lösungen zu finden: „Die Integrationschancen haben sich nicht verbessert. Eine Integration in die westliche Welt und Reformen des Familienbildes finden nicht statt. Davor habe ich Angst.“

Keine Unterschiede machen bei dysfunktionalen Familien

Menschen hätten kein Recht dazu, über Leben und Tod ihrer Familienmitglieder zu entscheiden. Der jungen Generation machte sie wenig Vorwürfe: „Wie soll ein junger Muslim in Frage stellen, ob sein Verhalten richtig oder falsch ist, wenn er es gar nicht anders kennt.“ Die Gesellschaft müsse sich um die Familien kümmern, damit die Väter merkten, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung sei: „Der Staat darf keine ethnischen und kulturellen Unterschiede machen bei dysfunktionalen Familien.“

Kelek wünschte sich eine ehrliche Analyse der bestehenden Strukturen: „Wo es nötig ist, müssen wir uns einmischen. Sonst wird es nicht besser. Multikulturalität muss nicht nur eine Bereicherung sein, wenn man alles so laufen lässt. Wir müssen das weiterhin kritisch beobachten.“ Die Muslime müssten bereit sein, den eigenen Status zu reflektieren.

Die Politik müsse sich bei diesen Themen rigider einmischen, „sonst verlieren wir wieder eine Generation an Menschen“. Die Alternative für Deutschland (AfD) sei gewachsen, weil sie diese Themen besetzt habe. Die übrigen Parteien seien oft damit beschäftigt, das abzulehnen, was die AfD beantragt habe. Politik müsse deutlich machen, dass das Gesetz keinen Raum für Mehrehen gibt und Menschenrechtsverletzungen klar benennen.

„Der Islam muss sich reformieren, aber die Tradition wird von Imamen und Rechtsgelehrten unterstützt." Zu der Online-Veranstaltung hatte die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung eingeladen. Moderiert wurde sie von dem Journalisten Michael Krons.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Thu, 25 Jun 2020 11:03:00 +0200
<![CDATA[Frankfurter Baptisten genesen – keine Strafe für Gemeinde]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/06/24/frankfurter-baptisten-genesen-keine-strafe-fuer-gemeinde/ Ende Mai waren rund 200 Mitglieder einer Baptistengemeinde in Frankfurt positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Die Tageszeitung Die Welt berichtete am Mittwoch, dass die an Covid-19 erkrankten Personen genesen seien. Auch Untersuchungen zu dem Corona-Ausbruch in der Gemeinde sind demnach abgeschlossen. Wegen des Verstoßes gegen die Corona-Regeln droht der Gemeinde aber keine Strafe.

Am 10. Mai war nach einem Gottesdienst in der Baptistengemeinde, die mehrheitlich von Russlanddeutschen besucht wird, bei mehr als 200 Gemeindemitgliedern aus sieben umliegenden Landkreisen das Corona-Virus nachgewiesen worden. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am Mittwoch berichtete, droht der Gemeinde keine Strafe wegen Missachtung der Hygieneregeln und der Landesverordnungen zur Eindämmung der Pandemie. Dem FAZ-Bericht zufolge hat die Stadt auf rechtliche Schritte gegen den Trägerverein der Gemeinde verzichtet, obwohl 180 Personen an dem Gottesdienst teilgenommen hatten.

Auf Anfrage von pro teilte Stadtrat Stefan Majer (Grüne), Dezernent für Personal und Gesundheit der Stadt Frankfurt, mit: „Die nachweislichen Verstöße gegen Empfehlungen des Landes Hessen im Gottesdienst der Baptistengemeinde waren nicht justitiabel. Verstöße gegen die Anordnung des Landes Hessen waren juristisch nicht eindeutig nachweisbar.“ Bei dem Gottesdienst waren offenbar die gebotenen Mindestabstände nicht eingehalten und entgegen den Empfehlungen auch gesungen worden. Die Gemeinde beteuerte, dass der Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten wurde.

Dem FAZ-Artikel zufolge hat die Stadt auf Strafverfolgung verzichtet, weil „die Gemeinde im Gegenzug vollumfänglich mit dem Robert-Koch-Institut kooperiert“ hat. Gegenüber pro erklärte Majer am Mittwochnachmittag, „dass die Gemeinde sehr eng kooperiert hat sowohl bei der Eingrenzung der Infektionen als auch bei der Analyse des Infektionsgeschehens. Die Kooperation stand allerdings in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens.“

Das Robert-Koch-Institut war an der Erforschung und Rekonstruktion der Umstände interessiert, die zu dem lokalen Corona-Ausbruch geführt hatten. „Während der Verein zunächst Tage gebraucht habe, um sich zu erklären, hätten sich die Mitglieder wenig später einsichtig und kooperativ verhalten“, berichtet die FAZ. Das kooperative Verhalten habe dann letztlich dazu geführt, dass der Infektionsherd schnell habe eingedämmt werden können. Nach Angaben des Dezernenten der Stadt wurde die wissenschaftliche Studie zur Analyse und Nachuntersuchung des Infektionsausbruchs dann vom Institut für Virologie der Goethe Universität Frankfurt durchgeführt.

Von: Norbert Schäfer

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hatte es unter Bezugnahme auf den FAZ-Artikel gelautet: „Grund für die Strafverschonung ist eine Übereinkunft der Gemeinde mit der Stadt und dem Robert-Koch-Institut.“

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Wed, 24 Jun 2020 16:38:00 +0200
<![CDATA[EU verzichtet auf Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/06/23/eu-verzichtet-auf-sonderbeauftragten-fuer-religionsfreiheit/ 2016 hatte Jean-Claude Juncker den slowakischen Politiker Ján Figeľ (Christlich-demokratische Bewegung) zum Sonderbeauftragten für Religions- und Weltanschauungsfreiheit außerhalb der EU ernannt, im Oktober 2019 war dessen Mandat ausgelaufen. Die EU-Kommission stellte nun klar: Eine Verlängerung wird es nicht geben. Das geht aus einem Brief der Europäischen Kommission an den „International Religious Freedom Roundtable“ hervor, den das „Dokumentationszentrum für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa“ (OIDAC) veröffentlicht hat.

Demnach sollen künftige Verletzungen der Religionsfreiheit vom EU-Delegierten und dem EU-Menschenrechtsbeauftragten, Eamon Gilmore (Irish Labour Party), dokumentiert und angesprochen werden. Um Religionsfreiheit kümmere sich zudem explizit das „Europäische Instrument für Demokratie und Menschenrechte“ (EIDMR). Zwischen 2007 und 2018 habe das EIDMR weltweit entsprechende Projekte mit einer Summe von 22 Millionen Euro gefördert, 2019 seien es 6,9 Millionen Euro gewesen. Daher habe die zuständige Kommissarin für Internationale Partnerschaften, die finnische Sozialdemokratin Jutta Urpilainen, beschlossen, keinen Sonderbeauftragten zu benennen.

Die österreichische katholische Nationalrätin Gudrun Kugler (ÖVP) forderte mit ihrem Parteifreund Reinhold Lopatka und der grünen Abgeordneten Ewa Ernst-Dziedzic die österreichische Bundesregierung schriftlich dazu auf, sich auf allen Ebenen für die Wiedereinführung des Amtes des Sonderberichterstatters für Religions- und Weltanschauungsfreiheit einzusetzen. „Religiös motivierte Verfolgungen“ seien in vielen Ländern der Erde wieder vermehrt zu beobachten. „Für bestimmte Themen ist es von großer Bedeutung, eine konstante Linie zu verfolgen“, so die Abgeordneten. Der Schutz der Menschenrechte und hier insbesondere der Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit sei ein solcher Bereich.

Kritik von Kauder

Laut der katholischen Tagespost und der evangelischen Nachrichtenagentur idea kritisierte auch der CDU-Politiker Volker Kauder die Entscheidung der EU-Kommission. „Ich halte dies für ein ausgesprochen problematisches Signal“, zitiert die Tagespost aus einem Brief des ehemaligen Unionsfraktionschefs an die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen (CDU). Europa müsse bei diesem Thema mit einer Stimme sprechen. Das sei nun nicht mehr möglich. Dabei werde Religionsfreiheit seiner Ansicht nach in den nächsten Jahren „zu der Menschenrechtsfrage überhaupt“.

Die Bundesregierung hatte 2018 erstmals einen ähnlichen Posten geschaffen: Markus Grübel (CDU) wurde zum Beauftragten für weltweite Religionsfreiheit berufen. Das Amt ist beim Bundesentwicklungsministerium angesiedelt. Auf Ebene der Vereinten Nationen gibt es schon lange einen Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Seit 2016 hat Ahmed Shaheed von den Malediven diesen Posten inne. Er war auf den katholischen Theologen, Philosophen und Historiker Heiner Bielefeldt gefolgt.

Von: Nicolai Franz

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Tue, 23 Jun 2020 17:36:00 +0200
<![CDATA[„Verschwörungstheorien sind eine humane Konstante“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/06/23/verschwoerungstheorien-sind-eine-humane-konstante/ pro: Herr Funkschmidt, was ist per Definition eine Verschwörungstheorie?

Kai Funkschmidt: Ich würde eine Verschwörungstheorie definieren als eine Annahme, dass ein bestimmtes Ereignis oder bestimmte Entwicklungen zurückzuführen sind auf das verborgene, zielgerichtete und mit negativen Absichten versehene Handeln von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen von Verschwörern. Wenn bei einem Menschen im Grunde die ganze Weltsicht darin besteht, dass er überall Verschwörungen wittert, spricht man von Verschwörungsmythen oder -ideologien. Das beobachten wir momentan im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Im Grunde sehen manche Menschen nur noch eine Realität, die Fassade zu sein scheint, hinter der sich in Wirklichkeit etwas völlig anderes verbirgt.

Warum greifen in Krisensituationen – wie jetzt mit dem Coronavirus – Verschwörungstheorien besonders stark um sich?

Verschwörungstheorien sind im Grunde eine humane Konstante. Daher ist das jetzt gar nicht ungewöhnlich. Krisen sind ein guter Nährboden dafür, denn eine Neigung zu verschwörungsideologischem Denken wird durch Verunsicherung von Menschen erleichtert. Das haben psychologische Versuche nachgewiesen. Menschen, die das Gefühl haben, sie verstehen die Welt nicht mehr, viele Dinge geraten plötzlich auf unerklärliche Weise außer Kontrolle, versuchen, Ordnung ins Chaos zu bringen. Alle Menschen sind darauf angelegt, Ordnung zu suchen. Wenn sie besonders verunsichert sind, kann das dazu führen, dass sie eine Ordnung finden, die gar nicht vorhanden ist – eine Verschwörungstheorie. Es gibt eine große Epidemie, die trifft überwiegend Alte, manchmal Junge, ein Land mehr als ein anderes. Wir wissen nicht, woher sie kommt – das kann doch alles gar nicht unerklärlich sein! Ich möchte eine Erklärung haben für meine Unsicherheit. Und dann kommt eine Idee: Ja, dahinter stecken Menschen, die haben das ausgelöst. Das ist die Erklärung. Das gibt Sicherheit.

Wie empfänglich sind Christen für Verschwörungsmythen?

Es gibt keine Untersuchungen, die zeigen, dass Christen weniger anfällig wären für so etwas. Die Intuition würde mir sagen, dass ein Christ sich nicht so verunsichern lässt, dass er nach jedem Strohhalm einer Erklärung greift, auch wenn es ein völlig absurder wie eine Verschwörungsideologie ist. Ein Christ sollte mit der Unverfügbarkeit des Daseins umgehen können und wissen, dass Gottes Wege nicht immer erforschlich sind. Ein Christ weiß, dass sogar dem Gerechten, wie es im Buch Hiob steht, großes Unheil widerfahren kann. Er müsste dafür nicht Verschwörungen von Bill Gates bis zu den Freimaurern oder den Juden verantwortlich machen.

Hängen Christen nicht ohnehin Verschwörungsmythen an? Wer an die Auferstehung der Toten glaubt, das ewige Leben oder gar an die Jungfrauen­geburt, der ist im 21. Jahrhundert nicht mehr im Zentrum des wissenschaftlichen Mainstreams.

Der Glaube sieht keine Verschwörung in dem Sinne, dass ich geheime Motive hinter weltlichen Dingen vermute. Er ist eher das Gegenteil von Verschwörungsdenken. Denn dieses beruht auf Misstrauen. Christlicher Glaube beruht auf Vertrauen zu Gott. Ja, Glaubensinhalte wie die Auferstehung oder auch der Wunderglaube, überhaupt der Gottesglaube als solcher, sind im Grunde nicht mit der rationalen Vernunft der Aufklärung begründbar. Der Glaube tritt aus sich heraus. Aber Gläubige behaupten nicht, dass wir eine geheime Erklärung für die Dinge haben. Es gibt Christen, die sagen, das, was jetzt passiert, ist eine Heimsuchung Gottes. Als Glaubensaussage kann man das auch akzeptieren, wenn nicht derjenige, der diesen Glauben hat, das mit der Haltung äußert: „Da habt ihr es. Ich habe es ja gesagt, ihr seid selber schuld.“ Wer so eine Theologie vertritt, ist zumindest gut beraten, sich in das Schuldbekenntnis selbst mit hineinzunehmen.

Was würden Sie Verfechtern einer Verschwörungstheorie entgegenhalten?

Ich würde zum Beispiel fragen: Angenommen, ich habe recht – gibt es irgendeinen Beweis, den du gelten lassen würdest, um dir zu zeigen, dass du Unrecht hast? Denn: Es ist eines der Grundmerkmale von Verschwörungstheorien, dass man sie nicht widerlegen kann; alle Gegenargumente taugen nur zur Unterstützung der Theorie, weil sie die besondere Perfidie und Geschicklichkeit der angeblichen Verschwörer bestätigen.

Dann könnte man einwenden: Wenn das Ganze so geheim ist, wieso weißt du das? Komische Verschwörungstheorie, wenn jeder Wichtel im Internet darüber schreiben kann. Da hat die Verschwörung offensichtlich nicht geklappt. Oder wenn die Sache so mächtig ist, wie du dir das vorstellst, wenn das Weltjudentum da im Regiment sitzt und alle Strippen zieht, warum erlauben es dir die Verschwörer, davon zu erzählen?

Haben Sie in der Corona-Krise Äußerungen bemerkt, bei denen Sie innerlich zusammengezuckt sind im Sinne von: Oh, damit werden jetzt die Verschwörungstheoretiker auf den Plan gerufen?

So ein knalliges Zitat nicht. Ich habe aber in der Tat den Eindruck, dass das politische Handeln die Sache teils eher befeuert oder ihr jedenfalls nicht gerade entgegengewirkt hat. Verschwörungstheorien entstehen dann, wenn Menschen misstrauisch sind und das Gefühl haben, es wird nicht wirklich alles ausgesprochen. In jeder Situation der Demokratie gibt es Leute, die sind anderer Meinung. Wenn allerdings jemand versucht, eine Diskussion mit Begriffen wie „alternativlose Politik“ oder „Öffnungsdiskussionsorgien“ zu unterbinden, versucht er, Meinungen zu delegitimieren. Es ist eigentlich nie etwas alternativlos, ganze Länder haben in dieser Krise Alternativen gezeigt. So zu reden, ist undemokratisch, und das fördert das Gefühl der Menschen: Meine Stimme kommt gar nicht vor, ich habe keine Kontrolle, ich werde entmündigt, und dann werde ich auch noch zum Idioten erklärt.

Wie nehmen Sie das Thema derzeit in den Medien wahr?

Auch in der medialen Rezeption ist manches wirklich abgedreht. Die Verschwörungstheoretiker sind ja nicht die einzigen, die demonstrieren. Das waren auch nicht die ersten. Am Anfang waren es politische Anliegen, die Demonstranten vortrugen und sagten: „Wir denken, dass die Maßnahmen, die jetzt getroffen werden, schlimmer sind, als die Krankheit sein könnte.“ Verschwörungstheorien sind keinem politischen Lager zuzuordnen. Das wissen wir aus wissenschaftlichen Untersuchungen zuhauf. Dass manche Medien das so beschreiben, als würde eine Querfront von Verschwörungstheoretikern von links bis rechts, und in der Mitte die Impfgegner, entstehen und die stünden kurz vor der Machtübernahme, macht dieses Phänomen größer, als es ist. Die Berichterstattung klingt manchmal selbst ein bisschen verschwörungstheoretisch.

Was vermissen Sie in der Berichterstattung?

Mir fehlt etwas Besonnenheit, das einzuordnen. Nicht jeder, der eine verrückte Theorie mal erwägt oder vielleicht auch vertritt, ist deswegen gleich durch und durch verschwörungsideologisch unterwegs. Ich erlebe, dass Menschen selbstverständlich auch mit für mich nicht nachvollziehbaren oder nicht naturwissenschaftlichen Theorien ein normales Leben führen können.

Abraham Lincoln hat geglaubt, es gebe eine Verschwörung der südlichen Sklavenhalter, die Sklaverei in den ganzen USA einzuführen. Die hat es nachweislich nie gegeben. Deswegen war er trotzdem funktionsfähig und ein guter Präsident. Man muss sich davor hüten, einen Verschwörungstheoretiker als eine grundsätzlich andere Art Mensch zu betrachten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Norbert Schäfer

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe 3/2020 des Christlichen Medienmagazins pro, das sie hier bestellen können.

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Tue, 23 Jun 2020 14:57:00 +0200
<![CDATA[Corona-Krise: So viele Stimmen]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/corona-krise-so-viele-stimmen/ „Der Messias wird bald wiederkommen, um die Rothschild-Familie zu vernichten.“ Dieser Satz stammt nicht etwa von einem antisemitischen Pamphlet der 1940er Jahre, sondern fällt Ende Mai auf einer der vielen Anti-Corona-Demonstrationen in Berlin – von einem iranischen Christen, wie der Mann selbst angibt. Nachdem er sich prominent vor den Reichstag gestellt hat, beginnt er zu sprechen und hat schnell die Aufmerksamkeit einiger Leute auf sich gezogen. Vornehmlich Journalisten drängen sich um den glatzköpfigen Mann mit der gelben Sicherheitsweste. In einigem Abstand treten andere Demonstranten an die Menschentraube heran. Beamte der Polizei nähern sich nun ebenfalls dem Geschehen und erinnern die Presseleute daran, dass auch für sie der Mindestabstand von 1,5 Metern gilt. Es gibt daraufhin Applaus für die Polizei.

Demos für das Grundgesetz

Es ist eine mittlerweile fast typische Szene für einen Samstagnachmittag in Berlin und anderen Städten der Republik. Im gesamten Zentrum der Hauptstadt finden kleine Demonstrationen statt – die Polizei zählt mehr als 30 angemeldete Kundgebungen. Hinzu kommen weitere, nicht genehmigte Veranstaltungen, die schnell von der Polizei aufgelöst werden. Eine solche formiert sich an der Siegessäule. Von dort wollen die Demonstranten ans Brandenburger Tor oder zum Reichstag ziehen und für das Grundgesetz demonstrieren. Keiner scheint aber das genaue Ziel mit Gewissheit zu kennen. Das liege daran, dass die Kommunikation über den Messenger Telegram nicht gut funktioniere, beschwert sich ein älterer Mann. „Auf die moderne Technik kann man sich nicht verlassen.“ Aber auch das genaue Ziel des Demonstrationszugs hätte den versammelten Menschen wohl nichts gebracht. Die Polizei ist bereits frühzeitig vor Ort und verhindert den Aufmarsch. Einige nutzen die Situation, um mit den Beamten über das Coronavirus und mögliche Verletzungen der Grundrechte zu diskutieren.

Die Motive der Demonstranten scheinen vielfältig zu sein. Da gibt es einige mit der schwarz-weiß-roten Flagge des Kaiserreichs, die sich vom „Merkel-Regime“ bedroht fühlen und sich die „alten Zeiten“ zurückwünschen. Ein anderer Mann berichtet von einem italienischen Freund, der ihm versichert habe, dass viele der Schreckensbilder aus Italien mit massenweisen Särgen nur gestellt seien. Der Lockdown in Deutschland beruhe daher auf Lügen. Wie könne er da noch der Regierung oder Institutionen vertrauen, fragt er. Er fordert handfeste Beweise der Regierung, die die starken Einschränkungen rechtfertigen. Das sei die Politik den Menschen schuldig. Direkt daneben versucht eine Kollegin von Welt TV ein Interview mit einer Demonstrantin zu führen. Doch auf jede ihrer Fragen antwortet diese in Anspielung auf den Mund-Nase-Schutz der Journalistin: „Ich verstehe Sie nicht, Sie haben da etwas im Gesicht.“ Zum Zynismus greifen die Menschen meist erst dann, wenn sie jede Hoffnung auf eine echte Debatte aufgegeben haben. Bei etlichen Corona-Kritikern ist das längst der Fall.

Und es gibt Demonstranten wie den Iraner. Er scheint nun richtig in Fahrt gekommen zu sein. Erzählt, wie der Bankier Roth­schild das Grundgesetz diktiert habe und die deutsche Politik bis heute lenke. Die Ideen dafür kämen aus den Synagogen. Keiner könne prüfen, was in den jüdischen Gotteshäusern gepredigt werde, weil der Eintritt nur nach Sicherheitscheck möglich sei. Menschen wie ihm sei es daher fast unmöglich Beweise zu sammeln. Vor Wut beginnt er nun, das Grundgesetz zu zerreißen. Als einer der anderen Demonstranten ihn auffordert, in einen symbolischen Akt den Reichstag zu stürmen und der Iraner daraufhin über die Absperrung klettert, greift die Polizei ein, nimmt den Mann fest und löst die Demonstration auf.

Die Krise verschärft soziale Unterschiede

Wie konnte es so weit kommen? Zum Anfang der Pandemie trafen die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierungen noch auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Großveranstaltungen wurden abgesagt, Grenzen geschlossen, auch Gottesdienste fielen aus. Mit dem Beginn des Lockdowns änderte sich die Lage. Familien sahen sich plötzlich Vielfachbelastungen ausgesetzt: Berufstätige Eltern jonglierten fortan zwischen Home­office, Homeschooling, Home-Kita. Pädadogen warnten mit jeder Woche des Lockdowns stärker davor, dass gerade Kinder aus bildungsfernen Schichten abgehängt werden. Auch Solo-Selbstständige traf die Krise hart. Herrschte anfangs noch Freude über unbürokratische Soforthilfen, machte sich schnell Ernüchterung breit: Manche Hilfen müssen zurückgezahlt werden – aber wovon denn, wenn sich die Einnahmen über Monate auf exakt null Euro belaufen?

Gleichzeitig gab es in Deutschland keine Bilder von überfüllten Krankenhäusern, Massen an Särgen und provisorisch eingerichteten Lazaretten wie in anderen Ländern. Waren die Maßnahmen also übertrieben? Der britische Epidemiologe Geoffrey Rose sprach in den 1980er Jahren von einem „Präventionsparadox“: Wenn notwendige medizinische Maßnahmen für die Bevölkerung insgesamt einen hohen Nutzen bringen, merkt der Einzelne oft sehr wenig davon. Auf die Pandemie bezogen bedeutet das: Auch wenn alle Maßnahmen nötig waren, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und viele Menschenleben zu retten, könnten viele Bürger trotzdem das Gefühl haben, einen zu hohen Preis gezahlt zu haben.

Acht Wochen Lockdown haben genügt, um die Stimmung in Teilen der Bevölkerung von Verständnis auf radikalen Widerstand zu verändern, auch wenn das nicht auf die große Mehrheit zutrifft. Laut einer Civey-Umfrage Mitte Mai zeigten 70 Prozent der Befragten kein Verständnis für die Corona-Proteste auf den Straßen.

Anderen ist der Geduldsfaden gerissen. „Widerstand 2020“ heißt eine politische Bewegung des HNO-Arztes Bodo Schiffmann, der eigentlich eine Schwindelambulanz leitet. Mittlerweile hat er sich zum Wortführer überzeugter Corona-Kritiker gemausert. Zwar hat er die Maßnahmen bis Mitte März noch mitgetragen. Seither beschreiten die Regierungen seiner Meinung nach aber einen Irrweg. Eine Sars-CoV2-Erkrankung sei kaum schlimmer als eine Grippe, ist er überzeugt.

Dem Virologen platzt der Kragen

Schiffmanns Ansichten speisen sich aus einer Mischung an öffentlich einsehbaren Fakten und eher eigenwilligen Interpretationen derselben. Führende Virologen und Epidemiologen widersprechen Schiffmanns Einschätzung. Obwohl er kein Virus-Experte ist, geht er keiner Auseinandersetzung aus dem Weg, diskutierte sogar gelassen im Radio mit dem Virologen Martin Stürmer. Als Schiffmann im Radio-Streitgespräch zu Protokoll gab, es würden nun ja alle „eingesperrt“, nur um alte oder besonders gefährdete Menschen zu schützen, platzte dem Virologen Stürmer der Kragen. Es gebe schon jetzt viele Berichte darüber, dass Covid-19 auch bei jungen, gesunden Menschen mehrere Organe angreift. „Und das Ganze jetzt so zu verharmlosen, ist meiner Meinung nach eigentlich skandalös und für einen Arzt eigentlich auch nicht tragbar.“ Nach Stürmers Ansicht – die derjenigen fast aller führenden Virologen entspricht – ist das Virus deutlich gefährlicher als die saisonale Grippe. Das ergebe sich aus der sogenannten Übersterblichkeit, die man im Moment noch nicht mal vollständig beziffern könne. Für Schiffmann eine Steilvorlage: „Ich beziehe mich nicht auf Glaubensfragen, weil das Einzige, was ich glaube, ist, dass ich Christ bin.“ Schiffmanns geschliffene Rhetorik hat ihm auf YouTube ein Millionenpublikum beschert, auch wenn er im akademischen Diskurs kaum eine Rolle spielt.

Natürlich sind nicht alle Kritiker Verschwörungstheoretiker. Und doch gibt es sie: Eine Minderheit, die grundsätzlich allen offiziellen Verlautbarungen misstraut, der kein Verdacht zu absurd ist, solange er von einem vermeintlich „unabhängigen“ Akteur auf YouTube oder anderen Seiten kommt. Menschen wie der Vegan-Koch Attila Hildmann, eine der lautesten Stimmen auf der Straße und im Netz, glauben, dass Bill Gates und andere Eliten globale, satanistische Pädophilen-Netzwerke betreiben, die nun die Welt zwangsimpfen wollen, um per implantiertem Mikrochip die gesamte Menschheit einer neuen Weltordnung zu unterjochen. Solche Fantastereien machen sich auch in manchen christlichen Kreisen breit und mischen sich in endzeitliche Deutungen. Manche fragen: Ist dieser dubiose Chip vielleicht das „Zeichen des Tieres“ aus Offenbarung 13?

Eine große Mehrheit der Bevölkerung und der Öffentlichkeit schenkt vor allem etablierten Fachleuten großes Vertrauen. Doch auch diese hehre Haltung treibt bisweilen besondere Blüten. Um den Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité hat sich mittlerweile ein Starkult gebildet, der kaum abweichende Meinungen zulässt. Seit Beginn der Krise bekommt Drosten mehrmals wöchentlich ausgiebige Sendezeit im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. Dort erklärt er redegewandt die neuesten Entwicklungen, beantwortet Hörerfragen – all das mit der vorsichtigen Zurückhaltung eines seriösen Wissenschaftlers, der auch bereit ist, die eigenen Ansichten zu korrigieren. Der Podcast wird auch in anderen Sendeanstalten ausgestrahlt. Auf HR-Info etwa wird Drosten Folge für Folge als „Deutschlands bekanntester Virologe“ anmoderiert. Dass Drosten seine Meinung mehrfach änderte, etwa bei der Maskenpflicht oder der Sinnhaftigkeit von Schulschließungen, nahmen viele Medien eher unkritisch zur Kenntnis. Drosten, der auch die Bundesregierung berät, hat durch seine mediale Präsenz einen Einfluss gewonnen, der seinesgleichen sucht – und der ihm selbst zuwider sein dürfte. Immer wieder betont Drosten, wie wichtig der Diskurs ist.

Abweichende Meinungen finden in der öffentlichen Debatte zwar auch Gehör, haben es aber eher schwer. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck etwa sah sich einer Fülle an Kritik ausgesetzt, als er Bedenken gegenüber den aktuellen Maßnahmen äußerte und dies mit einer Studie aus dem Corona-Hotspot Heinsberg untermauerte. In Fachkreisen sind solche Debatten erwünscht und normal. In der Medienöffentlichkeit führen sie zu Zuspitzungen, die oft auf die Frage hinauslaufen: „Sind Sie dafür oder dagegen?“ Dass Streeck und Drosten als Antipoden aufgebaut wurden, hat die Debatte jedenfalls nicht unbedingt beflügelt, obwohl beide Wissenschaftler einander als Fachkollegen schätzen. Noch deutlicher wurde das Problem, als die Bild-Zeitung kritische Anmerkungen von Wissenschaftlern zu einer Drosten-Studie zur Infektiösität von Kindern zitierte, um daraus abzuleiten, die Studie sei „grob falsch“. Die von Bild genannten Wissenschaftler distanzierten sich von dieser Vereinnahmung.

Siegfried Scherer wünscht sich eine offenere Debatte. Der Mikrobiologe ist seit fast dreißig Jahren Professor an der Technischen Universität München. Als einziger Wissenschaftler wurde er zweimal – 2005 und 2016 – mit dem renommierten Otto-von-Guericke-Forschungspreis ausgezeichnet. Im pro-Interview moniert er, dass abweichende Meinungen in den Medien vorschnell abgetan würden. „Verrückten Verschwörungstheoretikern sollte am besten keiner zuhören“, sagt Scherer. „Allerdings: Unterschiedliche Standpunkte sind im Wissenschaftsbetrieb völlig normal. Je weniger wir über einen Sachverhalt wissen, desto kontroverser geht es in der Wissenschaft zu.“ Sars-CoV2 sei hoch ansteckend, bei Risikogruppen gebe es eine hohe Sterblichkeit. Jedoch sei immer noch nicht klar, welche Maßnahmen wie effektiv gewesen seien, um das Virus einzudämmen. Die Politik solle dies ehrlich benennen und sich bei Bedarf korrigieren. Ein Beispiel für eine solche Korrektur war das Tragen von Schutzmasken. Anfangs hieß es, Mund-Nasen-Masken seien unwirksam und somit unnötig. Dann folgte die Rolle rückwärts, bundesweit galt plötzlich eine solche Maskenpflicht. Scherer: „Die Verantwortlichen hätten meines Erachtens sagen können: Wir haben leider versäumt, Schutzmasken zu bevorraten, und jetzt haben wir keine, aber zum Schutz anderer hilft es sehr, wenn ihr wenigstens selbstgenähte Mund-Nase-Bedeckungen tragt.“ Dieser Kommunikationsfehler hat weitreichende Folgen. Bis heute denken viele Menschen, solche einfachen Masken seien überflüssig. „Natürlich war deren Fremdnutzen von Anfang an klar, das weiß jeder Chirurg“, kommentiert Scherer.

Politiker haben es in diesen Tagen alles andere als leicht. Sie müssen sich auf Wissenschaftler verlassen, aber auch andere Interessen abwägen. Einen wochenlangen akademischen Diskurs können sie sich nicht leisten. Hinzu kommt ein Nachteil des Föderalismus: Anstatt sich auf eine bundesweite Linie zu einigen wie am Anfang der Pandemie, kocht jedes Bundesland sein eigenes Süppchen. Während in Bayern noch strenge Regeln gelten, schafft Thüringen viele davon ab. Das Länder-Kleinklein führt zu einem Regel-Wirrwarr, mit dem mancher überfordert ist: Darf ich mich nun mit zwei oder zehn Personen treffen? Ist ein Hauskreis eine religiöse Veranstaltung, zu der ich mich mit mehreren Freunden treffen darf, die nicht zu meinem Haushalt gehören?

Der Mikrobiologe, selbst gläubig, wird manchmal von Christen gefragt, ob die Corona-Krise eine Seuche der Endzeit ist, wie sie in der Offenbarung erwähnt werden. „Das würde ich eher verneinen, aber ich weiß es letztlich nicht. Es gab in der Geschichte viel schlimmere Pandemien: die Pestwellen im Mittelalter, die Spanische Grippe 1918 mit 20 bis 50 Millionen Toten.“ Vielleicht komme Deutschland mit einem blauen Auge davon. „Gott helfe uns, dass wir daraus nicht nur epidemiologisch, sondern auch geistlich lernen.“

Für Scherer ist es für das Verhalten der Menschen heute aber auch nicht relevant, ob man die Pandemie als Zeichen der Endzeit deutet. „Ich glaube und hoffe, dass Jesus bald wiederkommt. Wir wissen aus dem Neuen Testament, dass das mit äußeren Zeichen verbunden sein wird. Jesus sagt: Achtet auf diese Zeichen der Zeit. Er sagt aber auch, dass wir nicht genau wissen, wann diese Zeit kommt.“ Es gebe für Christen keinen Grund, Angst zu haben, denn Gott sitze weiter im Regiment. „Und: Nirgends lese ich in der Schrift, dass wir dann die Hände in den Schoß legen sollten. Selbst wenn wir im allerletzten Teil der Endzeit leben sollten, wäre es für uns Christen alternativlos, das Leid so stark wie möglich zu lindern.“

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe 3/2020 des Christlichen Medienmagazins pro, das sie hier bestellen können.

Von: Nicolai Franz, Norbert Schäfer, Martin Schlorke

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Tue, 23 Jun 2020 14:55:00 +0200
<![CDATA[Bibel TV: Stabiles Wachstum im Jahr 2019]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/06/23/bibel-tv-stabiles-wachstum-im-jahr-2019/ In Spitzenzeiten erreicht der Fernsehsender Bibel TV bis zu 692.000 Zuschauer pro Tag. Das geht aus den Zahlen hervor, die Geschäftsführer Matthias Brender anlässlich der Gesellschafterversammlung am 19. Juni vorlegte. Zudem konnte sich der Sender über eine gestiegene Zahl an Spenden und Spendern freuen.

Basis für den Erfolg seien die Serien, die beim Publikum auf gute Resonanz stoßen. Außerdem gebe es neue Programmpartnerschaften. Im vergangenen Jahr habe Bibel TV eine Livestreaming-Plattform für Gottesdienste gestartet. Auf bibeltv.de/live-gottesdienste finden Interessierte Links zu Gottesdiensten, deren Bandbreite von der katholischen „Home Church“ bis zur freikirchlichen „ICF“ reicht. Bereits jetzt hätten sich mehr als 50 Anbieter auf der Seite registriert, mit steigender Tendenz.

Positive Sendungen mit mutmachenden Botschaften

Außerdem konnte Bibel TV 2019 den Streaming-Dienst „Yesflix“ starten. Dort strahlt er „lebensbejahenden“ Inhalt aus, der mit christlichen Werten im Einklang stehe. Damit möchte der Sender eine Zielgruppe unabhängig von religiösen Überzeugungen ansprechen, die sich für positive Sendungen mit mutmachenden und hoffnungsvollen Botschaften interessiert.

In der Zuschauergunst weit vorne hätten auch die TV-Premieren „Samson“ und „Was Gott zusammenfügt“ gestanden. Im Schnitt hatte der Sender im Berichtsraum 236.000 Zuschauer in Deutschland, in Spitzenzeiten sind es 692.000 Nutzer täglich. Bibel TV bietet in seinem Internetauftritt eine umfangreiche Mediathek an. Dank der Bibel TV-App und des Streaming-Portals Yesflix entwickelt sich der Sender nach eigenen Angaben mehr und mehr zu einem Medienhaus mit zeitgemäßen Angeboten für verschiedene Sehgewohnheiten. Die katholische und die evangelische Kirche halten je 12,75 Prozent der Anteile am Sender. Auch die Christliche Medieninitiative pro ist Gesellschafter.

Erlöse um 500.000 Euro gestiegen

Als neue Programmpartner konnte Bibel TV die Päpstlichen Missionswerke in Österreich („Missio Österreich“), den Salzburger Dom und den Berliner Dom gewinnen. Die Programmpartner bringen eigene Beiträge in das Angebot des Hamburger Senders ein. Bibel TV finanziert sich zum größten Teil aus Spenden. Die Erlöse aus Werbung und Spenden sind gegenüber dem Vorjahr um 500.000 Euro auf 12,9 Millionen Euro gestiegen. 9,9 Millionen Euro stammten von 67.000 Spender. Im Vorjahr waren es 64.000 Spender.

Bibel TV strahlt ein 24-stündiges Vollprogramm aus. Zu empfangen ist der Sender europaweit via Astra in Deutschland, Österreich und der Schweiz über das digitale Kabel, DVB-T2, und IP-TV sowie als Livestream im Web und über die Bibel TV App. Die gemeinnützige GmbH hat 16 Gesellschafter, die katholische und evangelische Kirche in Deutschland halten je 12,75 Prozent der Anteile.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Tue, 23 Jun 2020 11:24:00 +0200
<![CDATA[Verbot von Konversionstherapien: Ratgeber für Gemeinden veröffentlicht]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/gesellschaft/2020/06/22/verbot-von-konversionstherapien-ratgeber-fuer-gemeinden-veroeffentlicht/ Im Mai 2020 hat der Deutsche Bundestag das „Gesetz zum Schutz vor Konversionsbehandlungen“ beschlossen. Damit sollen Minderjährige und nicht einwilligungsfähige Erwachsene vor Therapien gegen Homosexualität geschützt werden. Mit einer Handreichung informiert die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) über den Inhalt des neuen Gesetzes, mögliche Folgen und gibt Tipps, wie mit dem Gesetz umgegangen werden kann.

„Wir haben eine Fülle von Anfragen aus Gemeinden erhalten, wie mit dem Gesetz umgegangen werden soll“, erklärt der Politikbeauftragte der DEA, Uwe Heimowski, auf Anfrage. Aus Telefonaten und Emails sei eine tiefe Verunsicherung der Gemeinden beim Umgang mit dem Thema Homosexualität erkennbar. Das neue Gesetz billige christlichen Gemeinden aber im Rahmen von Religions- und Meinungsfreiheiten durchaus Freiräume zu. „Davon sollen die Gemeinden mutig Gebrauch machen“, sagte Heimowski. Gespräche mit Homosexuellen sollen laut der Handreichung immer von Ergebnisoffenheit geprägt sein. Prinzipiell fordert die DEA einen „wertschätzenden Umgang“ mit dem Thema und „sachlichen Ton in Bezug auf unterschiedliche Lebensweisen“ als eine Selbstverständlichkeit.

Biblische Glaubensüberzeugung zum Ausdruck bringen

Die Handreichung erklärt, worum es bei dem neuen Gesetz geht, gibt einen Überblick über dessen Entstehung und zeigt mögliche Folgen für die gemeindliche Praxis. Eine Beratung homosexueller Menschen, die von sich aus den Wunsch nach Veränderung äußern und eine „fachkundige Begleitung“ suchen, wird nach Einschätzung der DEA „nicht vom Wortlaut des Gesetzes erfasst“. Für die Verkündigung gelte, dass „eine biblische Glaubensüberzeugung“ zum Ausdruck gebracht werden dürfe, die Homosexualität als Sünde bezeichne. „In der Predigt darf allerdings weder von Homosexualität als einer Krankheit gesprochen noch für eine Behandlung zur Veränderung der sexuellen Orientierung geworben werden“, lautet es in der DEA-Handreichung.

Folgendes ist nach Einschätzung der DEA weiterhin erlaubt:

  1. „Die Verkündigung darf eine biblische Glaubensüberzeugung zum Ausdruck bringen, die Homosexualität als Sünde bezeichnet“

  2. Literaturhinweise, „sofern darin nicht für konkrete Dienste oder Einrichtungen zur Veränderung oder Unterdrückung der Sexualität geworben wird“

  3. Informationen über Organisationen, die „eine ergebnisoffene Beratung anbieten“

  4. Hinweise auf „seelsorgerische oder psychotherapeutische Gespräche, die einen Austausch über die Lebenssituation des Betreffenden, über etwaige Glaubensgebote oder den Umgang mit der eigenen sexuellen Orientierung zum Gegenstand haben“

Folgendes ist nach Einschätzung der DEA nun verboten:

  1. In einer Predigt darf nicht von Homosexualität als einer Krankheit gesprochen werden

  2. Die Verkündigung darf nicht für eine Behandlung zur Veränderung der sexuellen Orientierung werben

  3. Persönliche Lebenszeugnisse dürfen kein konkretes Angebot von „am Menschen durchgeführten Behandlungen, die auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität gerichtet sind (Konversionsbehandlung)“, darstellen, dafür werben oder es vermitteln

  4. Jugendliche dürfen keinem „Zwang ausgesetzt werden, der auf Veränderung oder Unterdrückung gleichgeschlechtlichen Empfindens zielt“

Gemeinden waren vielfach hartherzig

Die DEA rät Gemeinden, ihre Mitarbeiter in der Jugendarbeit „zum Schutz der Jugendlichen und zu ihrer eigenen Sicherheit“ in Themen der Sexualität fortzubilden. Weil Verstöße gegen das neue Gesetz mit Freiheitsstrafe oder Geldbußen bis 30.000 Euro bestraft werde können, empfiehlt die DEA dort, wo „im konkreten Einzelfall rechtliche Unsicherheit“ besteht, „fundierte juristische Beratung durch kompetente Rechtsanwälte“.

Die Handreichung zum neuen Gesetz beinhaltet zudem Leitgedanken zu Ehe und Homosexualität, wie die Allianz sie schon 2017 formuliert hatte. Darin heißt es: „Die in der Bibel beschriebene homosexuelle Praxis ist mit dem Willen Gottes und damit dem biblischen Ethos unvereinbar“ und „homosexuelle Partnerschaften der Ehe nicht gleichgestellt werden können“. Dabei bekennt das Netzwerk evangelikal gesinnter Christen aus Kirchen und Freikirchen, „dass auch christliche Gemeinden vielfach durch Hartherzigkeit, Arroganz und verurteilendes Verhalten Homosexuellen gegenüber schuldig geworden sind“.

Von: Norbert Schäfer

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Mon, 22 Jun 2020 16:02:00 +0200
<![CDATA[Andrew Brunson: Pastor und Staatsfeind Nummer 1]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/buecher/2020/06/20/andrew-brunson-pastor-und-staatsfeind-nummer-1/ Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil]]> 23 Jahre lebte und arbeitete der amerikanische Pastor Andrew Brunson in der Türkei als Missionar. Der dreifache Familienvater gründete Gemeinden, arbeitete mit IS-Flüchtlingen und widmete sein Leben einem Land, in dem es Christen schwer haben. Für seine Mission saß er zwei Jahre in einem türkischen Gefängnis. Seine Geschichte hat er in dem Buch „Geisel für Gott“ aufgeschrieben.

Brunson beschreibt die Missionstätigkeit in der Türkei als „oft entmutigend“. Er bekommt Morddrohungen. Diese lassen ihn an seinem und Gottes Auftrag zweifeln. Trotzdem fühlt er sich am richtigen Ort. Seine Gemeinde in Izmir ist Anlaufstelle für viele Menschen: „Wir waren glücklich und hatten noch so vieles vor.“ Dann verändert ein Anruf der Polizei das Leben der Familie grundlegend. Dabei geht es nicht, wie zunächst gedacht, um die Aufenthaltsgenehmigung. Brunson und seine Frau Norine werden ohne ersichtlichen Grund verhaftet und sollen abgeschoben werden.

Ein Spielball der politischen Interessen

Die türkische Regierung von Präsident Erdogan wirft ihnen Verbindungen zur kurdischen Terrorgruppe PKK vor. Die Eheleute fragen sich, ob die willkürliche Verhaftung wirklich Gottes Plan für sie ist. Während Brunsons Frau bald frei kommt, beginnt für ihren Mann eine zweijährige Odyssee durch türkische Gefängnisse. Der Missionar beschreibt in seinem Buch eindrücklich, wie schwach, machtlos und einsam er sich dabei fühlte.

Immer wieder zweifelt er an dem „liebenden Vater“, von dem er als Missionar berichtet hatte. Brunson wird zum Spielball der politischen Interessen der Türkei und der USA. Die Gefängnisaufenthalte erlebt er als „pure Isolation“, weil er kaum Besuch empfangen darf. Sein Glaube wankt. Als Amerikaner, Christ und Missionar ist er als Gefangener ein „attraktives Ziel für die türkische Regierung“.

Weltweit beten Millionen Christen für ihn und sein Wohlergehen. Aber dem Häftling geht es körperlich und seelisch immer schlechter. In der Haft verliert er 22 Kilo Körpergewicht. Er fühlt sich von Gott verraten. Die Lage zermürbt ihn. In Panikattacken denkt er sogar daran, sich umzubringen. Einziger Anker sind die Besuche seiner Frau. Das Buch zeichnet einen gebrochenen Mann, der um sein Überleben kämpft.

Als er dann tatsächlich endlich vor Gericht steht, traut er seinen Ohren nicht. Die gegen ihn erhobenen Vorwürfe basieren auf falschen Zeugenaussagen. So soll er mit dem Widersacher des türkischen Präsidenten Erdogan, Fetullah Gülen, und dessen Mitstreitern kooperiert haben. Er ist hilflos, war er doch lediglich in die Türkei gekommen, „um Jesus Christus verständlich zu machen“.

Für ein politisches Verbrechen drohte ihm lebenslange Haft. Brunson ringt mit sich und Gott. Es dauert Monate, bis er bereit ist, „Gottes Auftrag für mich anzunehmen“. Die 62-seitige Anklageschrift gegen ihn enthält „lächerliche Anschuldigungen“. Sein Verbrechen war die „Christianisierung“ des Landes. Brunson weiß, das Präsident Erdogan über sein Wohl und Wehe entscheiden kann.

„Geistliche Ernte in der Türkei einfahren“

Der Missionar will Gott auch im Gefängnis dienen. Aber von den Zeugen muss er sich an jedem Verhandlungstag „abscheuliche Lügengeschichten“ anhören: „Ich hatte die türkische Regierung und ihr öffentliches Getue satt“. Am Tiefpunkt angekommen, begibt er sich ganz in Gottes Hände. Trotz der vielen Lügen will er keinen Groll hegen und auf Gottes Erbarmen vertrauen.

Er weiß – und beteuert vor Gericht – dass er in allen Anklagepunkten unschuldig ist. Das Urteil des Gerichts trifft ihn genauso unvermittelt wie seine Verhaftung. Aus gesundheitlichen Gründen wird er in den Hausarrest entlassen. Die endgültige Freilassung wird eine Sache der Diplomatie: „In einem Land der Intrigen und Verschwörungen, konnte alles passieren“, schreibt er.

Es kommt darauf an, welchen Preis der amerikanische Präsident Trump bereit ist zu zahlen. Zwischen einer baldigen Freilassung und einer 35-jährigen Haftstrafe scheint alles möglich. Genau dieses Strafmaß fordert der Staatsanwalt in der finalen Verhandlung: „Es fühlte sich an, als würde sich der Schlund der Hölle erneut öffnen.“ Doch es kommt alles anders: Der Staatsanwalt lässt seine Forderung fallen.

Christen sind „Spione, Verräter und Terroristen“

Die Haftstrafe wird auf drei Jahre, einen Monat und 15 Tage herabgesetzt. Mit der Untersuchungshaft ist die Zeit abgegolten. Brunson ist frei und die Familie wird so schnell es geht aus dem Land gebracht. Türkische Politiker bezeichnen ihn in der Öffentlichkeit immer noch als Spion. Für ihn selbst steht fest, dass die türkischen Medien seine Geschichte benutzten, um Christen öffentlich als „Verräter, Terroristen und Feinden der Türkei“ zu brandmarken.

Er vermutet, dass die türkischen Christen auch heute noch die Auswirkungen seines Prozesses spüren und angefeindet werden. Durch seinen Fall hätten aber auch „Millionen Menschen die Türkei auf dem Radar“. Im Rückblick ist Brunson klar, dass die Gebete und politischen Einlassungen für seine Freilassung sorgten: „Ich war Erdogans Geisel, bis Gott erreicht hatte, was er durch meine Gefangenschaft erreichen wollte“, bilanziert er für sich.

Das Buch beschreibt ein offenes und ehrliches Ringen mit Gott in einer sehr herausfordernden Lebensphase. Vielleicht sollte er anderen Menschen als Mutmacher und Beispiel dafür dienen, wie ein Mensch trotz größter Anfechtungen und Tiefschlägen auf Gottes Fürsorge vertraut. Brunson ist ein Mann, den die Isolation, die Bedrohungen und die Ängste zu Gott getrieben haben. Sein Bericht ist spannend und lesenswert.

Andrew Brunson/Craig Borlase, Geisel für Gott, Gerth Medien, 304 Seiten, 15 Euro , ISBN 9783957347039

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Sat, 20 Jun 2020 09:50:00 +0200
<![CDATA[Doku: Deutsche IS-Frauen sind keine Opfer]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/fernsehen/2020/06/19/doku-deutsche-is-frauen-sind-keine-opfer/ Frauen waren genauso in die Kämpfe und das Herrschaftssystem der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verstrickt wie Männer. Das zeigt eine Dokumentation des syrisch-orthodoxen Christen, Aktivisten und Journalisten Simon Jacob, die diese Woche auf n-tv lief. Mehrere Augenzeugen berichten in dem Film davon, dass auch Frauen getötet und Frauen anderer Religionen, etwa Jesidinnen, als Sklavinnen der Dschihadisten behandelt hätten.

Auch deutsche Frauen und Männer sind in der Zeit in die Region gereist, um für den IS zu kämpfen. Nachdem der IS jedoch weitestgehend besiegt und zahlreiche seiner Anhänger verhaftet wurden, hätten sich vor allem Frauen oft als Opfer ausgegeben, die angeblich nicht an Kämpfen beteiligt gewesen seien, sondern nur in der Küche oder im Büro gearbeitet hätten. Das treffe aber nicht zu, erklärt im Film etwa eine kurdische Aktivistin, die eine der letzten Schlachten erlebt und auch mit deutschen IS-Frauen gesprochen hat.

Augenzeugen wie sie würden jedoch von Gerichten in Deutschland selten angehört, wenn die über IS-Rückkehrer urteilten, da die Zeugen meist weit weg im Ausland lebten. Vor Gericht würde meist mit Informationen aus zweiter Hand gearbeitet, gibt der Anwalt Detlev-Otto Binder zu bedenken. So gut wie nie fänden Ermittlungen vor Ort im Nahen Osten statt, wo die Kämpfe tatsächlich stattfanden.

Gehirnwäsche lässt sich nicht einfach umdrehen

Mit den IS-Rückkehrern stünden derzeit so viele Kriegsteilnehmer wie seit 1946 nicht mehr vor Gericht, heißt es in der Doku. Neben dem Strafgesetzbuch komme etwa auch das Völkerstrafrecht und das Kriegsrecht zur Anwendung. Die Rechtsprechung sei aber bisher nicht einheitlich, was wie als Straftat gewertet und geahndet werden kann. Beweist ein Foto, das die Angeklagte mit einer Kalaschnikow über der Brust zeigt, dass sie Mitglied einer terroristischen Vereinigung ist? Oder diente die Waffe der Selbstverteidigung? Die SPD-Politikerin Sigrid Herrmann-Marschall, die den Prozess in Düsseldorf gegen eine IS-Witwe beobachtete, weist im Film darauf hin, dass auch eine Gefährdung des Kindeswohls vor Gericht in Betracht gezogen werden könnte, wenn eine Mutter mit ihrem Kind ins Kriegsgebiet gereist ist.

Das für IS-Rückkehrer zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte den Filmemachern kein Interview geben wollen. Im Film heißt es weiter, dass die Frauen von Nichtregierungsorganisationen betreut würden, auch diese hätten sich nicht äußern wollen. So bleibe vieles im Dunkeln, wie genau mit den IS-Frauen verfahren wird. Eine „Gehirnwäsche“ der islamistischen Ideologie würden die Rückkehrer jedoch nicht mit einem Kurs in wenigen Monaten ablegen können, sagt der Psychologe Ja Ilhan Kizilhan dem Filmemacher. „Wir brauchen Konzepte, die drei Jahre und länger dauern“, sagt er – und die Hilfe von Ärzten, Therapeuten, Sozialarbeitern, um mit den Rückkehrern neue Beziehungen aufzubauen und ihnen ein Gesellschaftsmodell von Demokratie und Freiheit zu vermitteln.

Der Film „IS-Rückkehrer – Strafe oder Nachsicht“ ist auf der Plattform TV Now zu sehen.

Von: Jonathan Steinert

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Fri, 19 Jun 2020 23:53:00 +0200
<![CDATA[„Religionsfreiheit einzuschränken ist etwas anderes, als eine Kneipe zu schließen“]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/06/19/religionsfreiheit-einzuschraenken-ist-etwas-anderes-als-eine-kneipe-zu-schliessen/ Von: Jonathan Steinert, Christoph Irion und Jörn Schumacher

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Fri, 19 Jun 2020 16:31:00 +0200
<![CDATA[Bundestag beschließt Gesetz gegen Hass im Netz]]> https://www.pro-medienmagazin.de/politik/2020/06/19/bundestag-beschliesst-gesetz-gegen-hass-im-netz/ Hass und Hetze im Internet werden in Zukunft stärker verfolgt und bestraft. Das hat der Deutsche Bundestag am Donnerstag in Berlin beschlossen. Das neue Gesetz soll nach dem Willen der Bundesregierung und der Regierungsparteien von CDU/CSU und SPD den Rechtsextremismus und die Hasskriminalität im Internet und den sozialen Netzwerken eindämmen und aggressives Auftreten, Einschüchterung und Androhung von Straftaten bekämpfen und unter Strafe stellen.

Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD stimmten für ihren Entwurf, Linksfraktion und AfD lehnten ihn ab, die FDP und Bündnis 90/Die Grünen enthielten sich. Das neue Gesetz ergänzt das seit 2017 geltende Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) bei der Bekämpfung von Hasskriminalität im Netz.

Meldepflicht für Betreiber sozialer Netzwerke

Das neue Gesetz nimmt besonders die sozialen Medien ins Visier. Wer einer Person im Internet, auch Kommunalpolitikern und Personen des öffentlichen Lebens, körperliche Gewalt oder sexuelle Übergriffe androht, kann dafür mit bis zu zwei Jahren Freiheitsentzug bestraft werden. Bislang galt lediglich die Androhung von Mord als strafbare Handlung. Wer öffentlich eine Morddrohung ausspricht, muss mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren rechnen.

Das Gesetz sieht als eine zentrale Neuerung die Einführung einer Meldepflicht der Anbieter sozialer Netzwerke im Sinne des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes vor. Betreiber der sozialen Netzwerke werden verpflichtet, bestimmte strafbare Inhalte – darunter Neonazi-Propaganda, Volksverhetzung, die Androhung von Gewalt, Mord und Vergewaltigung – an das Bundeskriminalamt (BKA) zu melden. Zur Strafverfolgung sollen auch sensible Daten wie die IP-Adressen von den Netzwerkbetreibern dem BKA übermittelt werden. Für die Weitergabe von Passwörtern an das BKA ist ein richterlicher Beschluss erforderlich. Bisher waren die Betreiber sozialer Netzwerke lediglich dazu verpflichtet, die entsprechenden Posts zu löschen.

Opposition bemängelt Sammeln von Daten und Einschränkung der Meinungsfreiheit

Johannes Fechner (SPD) stellte in seiner Rede vor dem Parlament fest, dass sich „Hass und Hetze gerade aus der rechtsradikalen Ecke immer mehr im Netz ausbreitet". Aus den Worten folgten Taten. Die „Vergiftung der Gesellschaft“ dürfe nicht hingenommen werden. Das neue Gesetz von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) stelle neben Gewaltandrohung auch die Androhung von Sexualstraftaten unter Strafe. Für viele Frauen, die im Internet „gestalkt“ würden, sei daher das neue Gesetz ebenfalls eine ganz wichtige Maßnahme. Mit dem neuen Gesetz soll auch Personal in Notaufnahmen und Rettungsdiensten vor Drohungen und Gewalt geschützt werden.

In der Debatte prangerte Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) die „Verrohung, die wir im Netz erleben“, an und bezeichnete sie als „eine Bedrohung“ für die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Das Gesetz ziele auf den Schutz der Meinungsfreiheit im Internet. Der Versuch, Menschen im Internet mundtot zu machen, verhindere hingegen den freien Diskurs. Luczak nannte das Gesetz einen „großen Schritt“ zu Wahrung von Recht und Ordnung auch im Internet. „Unser Rechtsstaat gilt“, sagte er, und ergänzte: „Digital und real.“

Stephan Brandner (AfD) geißelte in seiner Rede vor allem „linke Straßenterroristen" und „straff organisierte linke Chaoten", deren Straftaten die Altparteien kultiviert hätten. Verfolgt oder aufgeklärt würden diese Straftaten jedoch nie. Das Gesetz greife „alte linke Sprachbegriffe und Floskeln" auf, sagt Brandner, die aus „dem Duktus der untergegangenen DDR" stammten. Der AfD-Politiker warf der Regierung einen „einseitigen Blick nach rechts“ vor mit der Absicht, alles strafbar zu machen, was „bürgerlich-patriotisch oder ansonsten vernünftig" sei. „Der Hass kommt überwiegend von links", stellte Brandner fest. Das Gesetz verwische bewusst die Grenze der Meinungsfreiheit.

Benjamin Strasser (FDP) forderte von der Regierung, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft für den europaweiten Kampf gegen den Rechtsextremismus zu nutzen. Renate Künast (Grüne) sprach sich dagegen aus, „massenhaft Daten von privaten Diensteanbietern an das BKA“ weiterzugeben. Niema Movassat (Linke) lehnte für seine Fraktion ebenfalls die „Datensammelei" ab.

Hintergrund

In einem Interview des ZDF verteidigte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) am Donnerstagmorgen den Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung der Bürger. „Wir erleben, dass unglaublich viele Menschen durch Hasskommentare, durch Hetze im Internet sich zurückziehen, ihre Meinung nicht mehr äußern.“ Lambrecht sieht darin eine Gefahr für die Meinungsfreiheit und die Demokratie. Es dürfe nicht akzeptiert werden, dass Bürger mundtot gemacht würden. „Keiner der im Netz hetzt, der Hass verbreitet, kann sich sicher sein“, sagte Lambrecht. Alle Ermittlungsmöglichkeiten sollen bei der Strafverfolgung ausgeschöpft werden. Nicht jede Beleidigung würde in Zukunft mit dem neuen Gesetz verfolgt, sagte Lambrecht. Das neue Gesetz verpflichtet Facebook, Twitter und andere Anbieter, strafrechtlich relevante Inhalte dem BKA mitzuteilen. Beim BKA werden dazu nach Angaben von Lambrecht 300 Stellen in einer zentralen Anlaufstelle neu geschaffen.

Als Auslöser für das Gesetz gelten der antisemitische Anschlag auf eine Synagoge im Oktober 2019 in Halle und die Ermordung von Regierungspräsident Walter Lübcke durch einen Rechtsextremisten im Juni 2019. Bei dem gescheiterten Attentat auf die Synagoge tötete der mutmaßlich rechtsextreme Attentäter in Halle auf der Flucht eine Passantin und einen Gast in einem Straßenimbiss. Der Attentäter hatte Motive und Vorbilder seiner Tat im Internet gefunden, die Tat dort angekündigt und schließlich die Bluttat live ins Internet übertragen.

Von: Norbert Schäfer

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Fri, 19 Jun 2020 08:44:00 +0200
<![CDATA[Lokaljournalist startet Gebetsportal]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/06/19/lokaljournalist-startet-gebetsportal/ Die Internetseite ist im schlichten Schwarz-Weiß gehalten. Die Botschaft des Initiators ist klar: „Ich bete für Sie!“ Dieter Lemmer, 40 Jahre lang Lokalredakteur beim Gießener Anzeiger, hatte häufig ein offenes Ohr für die Anliegen seiner Kollegen, Freunde und Bekannten. In seinem Ruhestand nutzt er diese Fähigkeit. Seit einigen Wochen gibt es sein Online-Portal.

Er bietet Menschen an, für ihre Anliegen zu beten. „In meiner Zeit als Lokalredakteur hatte ich Kontakt zu ganz vielen verschiedenen Menschen. Oft hat sich dabei ein Vertrauensverhältnis entwickelt“, erzählt der 61-jährige evangelische Christ gegenüber pro. Menschen hätten ihm Schicksalsschläge, schlimme Arztdiagnosen oder ihre Arbeitslosigkeit anvertraut. Lemmer hörte ihnen geduldig zu. Statt mit Phrasen und Worthülsen zu antworten, habe er ihnen angeboten, für sie zu beten, berichtet er.

Viele Menschen reagieren dankbar

Lemmer war dabei überrascht, wie oft und gerne die Menschen dies genutzt haben. Dieses Angebot hat Lemmer jetzt – mit Hilfe seines Sohnes – digitalisiert. Auf der Internetseite kann man ihm eine vertrauliche und anonyme Mail mit dem eigenen Anliegen schreiben. Lemmer reagiert dann darauf – und oft kann Lemmer dann von dankbaren Reaktionen berichten. Er ist froh, dass er seinen Draht nach oben nutzen kann.

„Es gibt einen Adressaten, dem wir ganz leicht unsere Anliegen vorbringen können“, sagt er im pro-Gespräch. Und er selbst hat nach dem Gebet für andere Menschen das Gefühl, ihnen geholfen zu haben: „Die Seite ist deswegen auch für Menschen, die das Beten noch nicht zu ihrer Angelegenheit gemacht haben, da."

Bisher hat er das Angebot nur im Freundes- und Bekanntenkreis publik gemacht. Lemmer will mit seinem Projekt verdeutlichen, wie hilfreich und nützlich das Gebet ist – und dass es nicht nur am Sonntag „für 10 bis 15 Menschen auf der Kirchenbank“ relevant ist. „Das sage ich auch, wenn ich mit Profis der Kirche spreche. Wir sollten mehr verdeutlichen, das Gott Alltag ist.“ Dies war ihm auch als Lokalredakteur ein Anliegen. Der Glaube sei für ihn ein innerer Werte-Kompass.

Dazu, wie relevant das Gebet im Alltag sein kann, ist ihm eine Anekdote mit dem Christlichen Medienverbund KEP, der jetzigen Christlichen Medieninitiative pro, im Gedächtnis geblieben. „Die KEP hatte damals Journalisten aus ganz Deutschland nach Bonn eingeladen. Obwohl jeder auf die Begegnung mit hochrangigen Politikern hingefiebert hat, hat sich Wolfgang Baake (der damalige Geschäftsführer; Anm. d. Red.) die Zeit genommen, für gute Gespräche zu beten.“

In seinen Kommentaren und Glossen hat er seinen christlichen Glauben immer wieder thematisiert oder Glaubenslehren aufgegriffen. Dabei war Lemmer aufgrund der Rückmeldungen überrascht, wie viele Menschen sich Gedanken über Glaubensfragen und -themen machen. Vielleicht, so hofft er, kann sein neues Internet-Angebot einen weiteren Beitrag dazu leisten.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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Fri, 19 Jun 2020 08:17:00 +0200
<![CDATA[Umkämpfte Deutungshoheit in der Corona-Krise: Die neue pro ist da]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/journalismus/2020/06/18/umkaempfte-deutungshoheit-in-der-corona-krise-die-neue-pro-ist-da/ Eigentlich wollte die öffentlich-rechtliche Anstalt über den Corona-Ausbruch im chinesischen Wuhan aufklären. „Kaum jemand weiß, was in der Zeit wirklich passiert ist“, kündigte die ARD den Beitrag an. „Die ‚Story im Ersten‘ rekonstruiert die Chronik eines Ausbruchs.“ Das klang nach investigativer und sauberer Recherche, was in ARD-Anstalten auch die Regel ist. Doch nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ) kam heraus: Die Filmemacher waren gar nicht nach China gereist, auch die beiden NDR-Korrespondenten waren nicht in die Produktion eingebunden. Stattdessen stammten die verwendeten Fernsehbilder vom „China Intercontinental Communication Center (CICC)“, wie auch der SWR angab.

Laut der SZ ist das CICC eine „Unterabteilung des Informationsbüros des chinesischen Staatsrats“, auf Chinesisch heiße das Informationsbüro so wie früher: „Propagandaministerium“. Der SWR gab als Begründung für den eiligen Rückzug an, die Produktionsfirma habe sich mit dem CICC nicht über die Rechte am Filmmaterial einigen können. Laut dem Portal „Übermedien“ habe der Fall für erhebliche Diskussionen gesorgt. Chinesische Staatspropaganda im öffentlich-rechtlichen Fernsehen? Kaum vorstellbar.

Wigald Boning, Predigtversteigerung: Bunte Themenmischung in aktueller pro

Wohl kein Thema hat die Medien im vergangenen halben Jahr so dominiert wie die Corona-Krise. Immer mehr Menschen meldeten sich in der Öffentlichkeit zu Wort, von seriösen Wissenschaftlern bis zu Verschwörungstheoretikern. „Die große Verunsicherung“ titelt auch die druckfrische Ausgabe des Christlichen Medienmagazins pro, das unsere Leser in den kommenden Tagen im Briefkasten finden. Auf welche Stimmen sollen wir in der Corona-Krise hören? Dazu haben wir mit verschiedenen Fachleuten gesprochen. Es wird deutlich: Wir brauchen eine sachliche Debatte. Dazu gehört, dass auch unterschiedliche Meinungen Gehör finden – auch wenn Verschwörungstheorien natürlich fehl am Platze sind.

Wie gewohnt finden Sie in der aktuellen gedruckten Ausgabe der pro eine bunte Mischung: Ein Interview mit dem Komiker Wigald Boning, der über sein Gebetsleben spricht, einen Beitrag über einen Pastor, der ein Predigtthema im Internet versteigerte, oder die Geschichte einer Freikirche im Elsass, die in Frankreich zu Unrecht zum Sündenbock für die Ausbreitung des Coronavirus gemacht wurde.

In einem weiteren Artikel geht es um Mark Galli, der vergangenes Jahr in einem Kommentar im evangelikalen Magazin „Christianity Today“ die Absetzung von US-Präsident Trump forderte. Der Artikel schlug hohe Wellen. Im Gespräch mit pro erklärt er, wie seine Forderung wütende Reaktionen, aber auch viel Zustimmung hervorrief.

All dies und noch mehr gibt es in der neuen Ausgabe von pro. Sie können das Heft kostenlos und unverbindlich online bestellen oder telefonisch unter 06441/5667700.

Von: Nicolai Franz

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Thu, 18 Jun 2020 15:45:00 +0200
<![CDATA[Eine Schiff gewordene Predigt]]> https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/06/18/eine-schiff-gewordene-predigt/ pro-Kolumnist Jürgen Mette sagt: Ja! Denn Ertrunkenen kann die Kirche das Evangelium nicht mehr bezeugen.]]> Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird ein Schiff auf das Mittelmeer schicken, um Ertrinkende in Todesnot zu retten. Eine Selbstverständlichkeit, oder? Offizielle Begründung: „Als Kirche und Diakonie sehen wir das Retten von Menschenleben als selbstverständliche Pflicht an. Es ist ein Gebot christlicher Nächstenliebe, Menschen, die aus ihren Heimatländern vor Krieg und Elend fliehen, nicht ihrem Elend zu überlassen.“

AMEN dazu! Die Kirche des Wortes wird zu einer Kirche der Tat. Diakonie ist Gottesdienst an den Schwachen und nicht ein Zweck der Evangelisation. Damit überwindet die Kirche (hoffentlich) die unselige Trennung von Diakonie und Evangelisation. Einem Ertrunkenen kann man kein Evangelium bezeugen. Und der zwischen Jerusalem und Jericho unter die Räuber gefallen war, brauchte medizinische Erstversorgung, keine Predigt. Empathie und dienende Hilfeleistung sind Konsequenzen der Missio Dei: Gott sendet Jesus zu den Hungernden, zu den Ertrinkenden, zu den Einsamen und Kranken. Und Jesus lässt sich vom Elend der Menschen seiner Zeit anziehen. Was gibt es da noch zu meckern und zu mäkeln? Dem von der EKD gestarteten Aktionsbündnis „United4Rescue“ haben sich inzwischen mehr als 150 Organisationen angeschlossen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat wegen der Pläne zur Seenotrettung von Migranten Morddrohungen erhalten. Er selbst reagiert gelassen auf solche Agitationen.

Politischer Wiederstand kommt von der AfD: das Aktionsbündnis würde nur den Schleppern dienen.

Innerkirchlicher Widerstand kritisiert die geplante Route. Die Fokussierung der EKD auf die zentrale Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien sei nicht sinnvoll. Die Flüchtlingszahlen auf dieser Route seien rapide gesunken und das Geschehen spiele sich längst wieder weiter östlich zwischen der Türkei und Griechenland ab.

Nicht mit der Not abfinden

Aus dem konservativen Lager vernimmt man moderate Stimmen. Till Roth vom bayerischen Arbeitskreis Bekennender Christen (ABC) stellt fest:: „Es gibt einen vorrangigen Auftrag der christlichen Kirche, der liegt in der Verkündigung, in der Verbreitung des Evangeliums, also in der Botschaft, dass Gott in Jesus zu den Menschen gekommen ist und sie rettet.“

Hinter den Kulissen höre ich: „Die EKD sollte lieber das Geld für Evangelisation ausgeben!“ Oder: „Ist der Kapitän gläubig?“ oder: „Wird den Geretteten das Evangelium bezeugt?“ Oder: „Wie kann die Berliner Stadtmission und der Bund evangelisch-freikirchlicher Gemeinden gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund den Missionsauftrag erfüllen?“ Ich verzichte ausdrücklich auf die Kommentierung solcher Stimmen.

Ich halte es für alternativlos, dass die christlichen Kirchen sich an einer Rettungsmission beteiligt, aus einem einzigen und einfachen Grund: Christen dürfen nicht Menschen einfach so im Meer absaufen lassen, schon gar nicht in der zynischen und widerlegten Hoffnung, dass ihr Tod andere davor zurückschrecken lässt, ins Schlauchboot zu steigen. Solange die EU-Rettungsmission Sophia an den nationalen Egoismen Europas scheitert, was eine Schande für uns ist, können sich die Kirchen nicht mit dieser Not abfinden.

Gleichzeitig stelle ich mich zu meinen Schwestern und Brüdern, die sich um die Kernkompetenz der Kirchen sorgen: „Den Glauben an Jesus Christus in Wort und Tat bezeugen“ – das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Darum kann ich nicht gegen die EKD-Initiative sein.

So haben wir es im Jugendkreis vor 55 Jahren gesungen:

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt

fährt durch das Meer der Zeit.

Das Ziel, das ihm die Richtung weist,

heißt Gottes Ewigkeit.

Das Schiff, es fährt vom Sturm bedroht

durch Angst, Not und Gefahr.

Verzweiflung, Hoffnung, Kampf und Sieg,

so fährt es Jahr um Jahr.

Und immer wieder fragt man sich:

Wird denn das Schiff bestehen?

Erreicht es wohl das große Ziel?

Wird es nicht untergehen?

Bleibe bei uns Herr!

Bleibe bei uns Herr,

denn sonst sind wir allein

auf der Fahrt durch das Meer.

O bleibe bei uns Herr.

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Thu, 18 Jun 2020 14:58:00 +0200
<![CDATA[EKD treibt Aufarbeitung sexualisierter Gewalt weiter voran]]> https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/kirche/2020/06/18/ekd-treibt-aufarbeitung-sexualisierter-gewalt-weiter-voran/ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat eine neue Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in den eigenen Reihen auf den Weg gebracht. Die umfassende Aufarbeitungsstudie soll von einem unabhängigen Forschungsverbund ab Oktober durchgeführt werden. Das beschlossen die 20 Landeskirchen am Mittwochabend einstimmig in einer digitalen Sitzung. In mehreren Teilstudien wird den Ursachen von sexualisierter Gewald in der Evangelischen Kirche auf den Grund gegangen. Die Studie kostet 3,6 Millionen Euro und wird drei Jahre andauern.

„Wir wollen mit den Studien klären, welche besonderen Risikofaktoren für Missbrauch in der evangelischen Kirche und der Diakonie bestehen, etwa in Bezug auf Kinder- und Jugendarbeit, Jugendfreizeiten und Pfadfinderarbeit“, sagte Bischöfin Kirsten Fehrs als Sprecherin des Beauftragtenrates der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Neben den Pastoren seien auch andere haupt- und nebenberufliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche im Blick. „Wir wollen Geschehenes rückhaltlos aufarbeiten, um so dafür Sorge zu tragen, dass künftiges Leid und Gewalt in Kirche und Diakonie bestmöglich verhindert werden“, sagte Fehrs.

Die neue Aufarbeitungsstudie gehört zu einem Maßnahmenpaket zum Schutz vor sexualisierter Gewalt, das die Synode der EKD im November 2018 beschlossen hatte. Seitdem gibt es zum Beispiel einen Beauftragtenrat und die „Zentrale Anlaufstelle.help“ für Betroffene. In den einzelnen Landeskirchen arbeiten zudem unabhängige Kommissionen und es wurde eine landeskirchenübergreifende Gewaltschutzrichtlinie etabliert. Im Sommer soll ein Betroffenen-Beirat seine Arbeit aufnehmen.

Die Kirchenkonferenz hat zudem den Inhalten eines „Letter of Intent“ zur weiteren Zusammenarbeit zwischen EKD und dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) zugestimmt. Der Brief legt gemeinsame Perspektiven für das weitere strukturelle Vorgehen bei den nächsten Schritten der Aufarbeitung fest.

Von: Swanhild Zacharias

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Thu, 18 Jun 2020 12:07:00 +0200
<![CDATA[„Jana glaubt" – vorerst zum letzten Mal]]> https://www.pro-medienmagazin.de/medien/internet/2020/06/17/jana-glaubt-vorerst-zum-letzten-mal/ Der kirchliche YouTube-Kanal „Jana glaubt“ veröffentlicht am 17. Juni die letzte Folge. Das hat der Herausgeber, das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), am Dienstag in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. Kern der Marke „Jana glaubt“ ist die 22-jährige christliche Influencerin Jana Highholder, der außer auf dem YouTube-Kanal viele junge Christen auch bei ihren privaten Social-Media-Angeboten folgen. Die Medizinstudentin hatte im April 2018 mit dem YouTube-Kanal begonnen, der mittlerweile mehr als 22.500 Abonnenten und mehrere Dutzend Videos rund um den christlichen Glauben vorweist.

Das GEP verantwortet gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) den Kanal für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Eigenen Angaben zufolge will das GEP den im Juni 2020 auslaufenden Dienstleistungsvertrag mit der Produktionsfirma Mediakraft zur YouTube-Präsenz von Jana Highholder nicht verlängern. Als Grund führt das GEP finanzielle Einbußen an, die im Zuge der Corona-Krise unter anderem durch Verluste im Anzeigengeschäft entstanden seien und ausgeglichen werden müssten.

Knatsch gab es auch

Wie katholisch.de berichtet, haben in der Vergangenheit verschiedene Ansichten der Influencerin durchaus Kritik hervorgerufen. Highholder war unter anderem nach einem Video über die Rolle der Frau im biblischen Kontext vorgeworfen worden, ein einseitiges Frauenbild zu vertreten und hatte zu einer Debatte über die Finanzierung des Kanals durch die EKD geführt. Kritiker hatten der Influencerin ein antiquiertes Frauenbild vorgeworfen.

Das GEP will sich eigenen Angaben zufolge auf die Weiterentwicklung des evangelischen Contentnetzwerks yeet konzentrieren, mit dem „Menschen verschiedener Frömmigkeitsprägungen, unterschiedlicher Bildung und Herkunft sowie diverser sexueller Orientierungen“ angesprochen werden sollen. yeet bilde „eine Vielfalt ab, die der evangelischen Kirche insgesamt“ entspreche.

Von: Norbert Schäfer

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Wed, 17 Jun 2020 16:01:00 +0200