An Israel scheiden sich die Geister: Laut Verfassungsschutz teilt sich die Neue Rechte in ein israelfreundliches und ein israelkritisches Lager auf

An Israel scheiden sich die Geister: Laut Verfassungsschutz teilt sich die Neue Rechte in ein israelfreundliches und ein israelkritisches Lager auf

Verfassungsschutz sieht starke Verbreitung antisemitischer Hetze

Antisemitische Ressentiments und Hetze beobachten die Sicherheitsbehörden bei Extremisten verschiedener Couleur. Am stärksten verbreitet ist Judenfeindschaft laut einem Lagebild des Verfassungsschutzes allerdings unter Rechtsextremisten.

Der Verfassungsschutz erkennt bei einigen Vertretern der sogenannten Neuen Rechten und des Rechtsaußen-Flügels der AfD antisemitische Denkmuster. Als „Neue Rechte“ bezeichnet der Verfassungsschutz ein informelles Netzwerk, in dem rechtsextremistische bis rechtskonservative Kräfte verortet werden. Dazu zählt der Inlandsgeheimnis beispielsweise das Compact-Magazin und das Institut des Verlegers Götz Kubitschek, das Verbindungen zum

rechtsnationalen AfD-Flügel pflegt.

In einem am Montag veröffentlichten Lagebild der Behörde zu Antisemitismus in Deutschland heißt es: „Das eine Lager verteidigt das Existenzrecht Israels, die israelische Außen- und Sicherheitspolitik und sieht sich zudem in einer christlich-jüdischen Tradition stehend, die es etwa in erster Linie gegen den (politischen) Islam zu verteidigen gelte.“ Das andere Lager innerhalb der Neuen Rechten sei dagegen „antiimperialistisch“ und israelkritisch. Diese Menschen und Gruppierungen sähen den ideologischen Hauptfeind stärker im Liberalismus als im Islamismus.

Nach Einschätzung der Behörde tauchen auch in den Äußerungen einzelner Vertreter des inzwischen offiziell aufgelösten „Flügels“ der AfD „antisemitische Versatzstücke“ auf. Als ein Beispiel dafür werden in dem Bericht Verlautbarungen des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke angeführt.

Radikalisierung übers Internet

Die Zahl der antisemitischen Gewalttaten hat sich laut Polizeistatistik zwischen 2017 und 2019 nahezu verdoppelt. Diese Entwicklung sei „erschreckend“, erklärte Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang. Judenfeindschaft sei zwar grundsätzlich in allen extremistischen Phänomenbereichen präsent. Im Linksextremismus besitze der Antisemitismus allerdings „nachrangige Bedeutung“. Unter Islamisten seien verschiedene Formen des Antisemitismus zu beobachten, den höchsten Stellenwert innerhalb dieses Spektrums besitze gleichwohl der „gegen den ‚Judenstaat Israel' gerichtete antizionistische Antisemitismus“.

Knapp 85 Prozent der 73 antisemitischen Gewalttaten des vergangenen Jahres waren laut Polizei rechtsextremistisch motiviert. „Insbesondere das Internet ist ein wesentlicher Dynamisierungsfaktor für die Verbreitung antisemitischer Hetze“, stellte der Verfassungsschutz fest. Das hat auch Folgen außerhalb der virtuellen Welt. Eine „enorme Internetradikalisierung“ konstatiert die Behörde beispielsweise bei dem Attentäter von Halle. Der zurückgezogen lebende Rechtsextremist hatte am 9. Oktober 2019 mit Sprengstoff und Schusswaffen versucht, an einem jüdischen Feiertag in eine Synagoge einzudringen. Als ihm das nicht gelang, erschoss er eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss.

Bundesweite Meldestellen gefordert

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) reagierte beunruhigt auf die Entwicklung. „Die stetige Zunahme antisemitischer Straftaten und die wachsende Verunsicherung unserer jüdischen Mitbürger betrachte ich mit größter Sorge“, sagte er der Welt. „Antisemitismus ist ein Angriff auf die Werte unserer freiheitlichen demokratischen Gesellschaft, dem wir uns mit der geballten Macht des Staates konsequent und unerbittlich entgegenstellen.“

Das Lagebild des Verfassungsschutzes sei ein sinnvoller Schritt, um vor der tiefsitzenden Verwurzelung des Antisemitismus zu warnen, sagte der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser. Um aber auch „das große Dunkelfeld antisemitischer Vorfälle, die gar nicht gemeldet werden“, zu erfassen, sollte ein Netzwerk von Beratungs- und Meldestellen für antisemitische Vorfälle in allen Bundesländern etabliert und finanziert werden.

Von: dpa

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