Erhard Eppler war Mitglied der EKD-Synode und zweimal Kirchentagspräsident

Erhard Eppler war Mitglied der EKD-Synode und zweimal Kirchentagspräsident

SPD-Politiker und „großer Protestant“ Erhard Eppler gestorben

Der SPD-Politiker und ehemalige Entwicklungsminister Erhard Eppler ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Über seine politischen Ämter hinaus war er Mitglied der EKD-Synode und Kirchentagspräsident.

Vordenker und Visionär: Erhard Eppler hat die SPD in Deutschland über Jahrzehnte geprägt und ist lange Zeit zugleich auch ihr Gewissen gewesen. Am Samstag starb der streitbare Sozialdemokrat im Alter von 92 Jahren. Als einer der ersten thematisierte er die Risiken der Atomkraft und kritisierte schon früh, dass ein höheres Bruttosozialprodukt nicht automatisch mehr Wohlstand für alle in der Welt bedeute. Sein Verhältnis zu den Sozialdemokraten war lange Zeit von Spannungen geprägt. „In meiner Zeit als aktiver Politiker habe ich mich fast jede Woche über die Partei geärgert“, sagte Eppler, den sein Fraktionschef im Bundestag, Herbert Wehner, einst als „Pietcong“ verspottet hatte.

„Nie bereut, der SPD beigetreten zu sein“

Von seinem Posten als Entwicklungshilfeminister trat er 1974 zurück, nachdem der Nachfolger von Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt, gerade einmal sieben Wochen im Amt war. Hintergrund waren Differenzen bei der finanziellen Ausstattung des Ressorts. Eppler hatte sich zugleich gegen eine zu enge Verbindung von Außenpolitik und Entwicklungshilfe gewandt. Das Verhältnis zwischen Schmidt und dem 1926 in Ulm als Sohn eines Lehrers geborenen Eppler galt als äußerst angespannt.

„Ich habe es aber nie bereut, dass ich der SPD beigetreten bin. Ich bin ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat“, sagte der ausgebildete und promovierte Lehrer, der Englisch, Deutsch und Geschichte studiert hat. Er unterrichtete für kurze Zeit und gründete zunächst die Gesamtdeutsche Volkspartei mit. 1956 wechselte er dann zur SPD. 1961 zog er über die baden-württembergische Landesliste in den Bundestag ein. Dort machte er schnell Karriere - unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) wurde Eppler dann 1968 Entwicklungshilfeminister und blieb dies auch unter Kanzler Brandt.

Nach seinem Rücktritt widmete er sich verstärkt der Landespolitik in Baden-Württemberg – Landeschef war er von 1973 bis 1981. Obwohl er in seinem SPD-Landesverband im Programm den langfristigen Ausstieg aus der Atomenergie durchsetzte, zogen die Grünen 1980 in den Stuttgarter Landtag ein. Die Konsequenz: Eppler nahm ein Jahr später seinen Hut. Er war zweimal erfolgloser Spitzenkandidat bei Landtagswahlen der Genossen im Südwesten.

Von 1973 bis 1992 leitete der gottesfürchtige und kampfeslustige Bildungsbürger die SPD-Grundwertekommission. Die dortige Integrationsarbeit sei besonders interessant gewesen. „Da war der Bedarf in den 1970er-Jahren besonders groß. Man musste Ökonomie, Ökologie, Gewerkschafter und Friedensbewegung zusammenbringen. Vor allem die Ökologie war etwas Neues. Und Teil eins der politischen Ökologiediskussion fand in der SPD statt“, sagte er fast schon reumütig. Denn der Vater von vier Kindern vertrat schon früh Positionen, die später dann von den Grünen eingenommen wurden.

Höchste Auszeichnung der EKD

Eppler war zugleich in der Evangelischen Kirche und in der Friedensbewegung aktiv. Von 1968 bis 1984 war er Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und von 1981 bis 1983 und 1989 bis 1991 war er Präsident des Deutchen Evangelischen Kirchentages. Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July habe Eppler als „seiner Zeit weit voraus“ und als „einen großen Protestanten“ gewürdigt, berichtet das Nachrichtenportal evangelisch.de. Der Politiker habe aus seinem christlichen Glauben heraus Verantwortung übernommen, „auch dann, wenn es unpopulär und seiner Parteikarriere nicht förderlich war“. „Mich hat beeindruckt, wie er sich immer als aktives Glied unserer Landeskirche verstanden hat“, zitiert evangelisch.de den Bischof.

Im Jahr 2009 hatte Eppler die Johannes-Brenz-Medaille in Silber erhalten, die höchste Anerkennung der Landeskirche. Sie ist nach dem Reformator Johannes Brenz benannt und wird seit 1992 in den Klassen „Silber“ und „Bronze“ für das Engagement in der Evangelischen Kirche verliehen. Eppler selber schrieb sich einst eine „Scharnierfunktion“ zu zwischen den Sozialdemokraten und den Friedenaktivisten, die gegen den Nato-Doppelbeschluss kämpften.

Seinen Posten als SPD-Vorstandsmitglied räumte er 1991. Seitdem hatte er sich mit über 20 Büchern und zahlreichen Aufsätzen zur Wort gemeldet - oder bei Parteitagen: So warb er 1999 für den Einsatz im Kosovo-Krieg oder einige Jahre später für die Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bei dem umstrittenen Milliardenprojekt Stuttgart 21 sorgte er als einer der Initiatoren des Volksentscheids dafür, dass es ein Ventil für die Konflikte seiner Partei mit den Grünen gab. Dass er vor und hinter den Kulissen sehr gegen das Projekt war, nahmen ihm nicht wenige in der Landespartei krumm.

Von: dpa/Swanhild Zacharias

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