Evangelikal gesinnte Christen bezeichnet Volker Kauder (CDU) gerne als „besonders glaubwürdige Christen“

Evangelikal gesinnte Christen bezeichnet Volker Kauder (CDU) gerne als „besonders glaubwürdige Christen“

„Mit Volker Kauder geht ein Freund der Evangelischen Allianz“

Volker Kauder (CDU) hat aus seinem christlichen Glauben und dem Engagement für verfolgte Christen nie einen Hehl gemacht. Die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU wählten ihn am Dienstag nicht mehr zum Vorsitzenden ihrer Fraktion.

Am Dienstag musste Volker Kauder eine seiner bittersten politischen Niederlagen hinnehmen. Seine geplante turnusmäßige Wiederwahl zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion scheiterte. Die Abgeordneten von CDU und CSU wählten seinen Herausforderer Ralph Brinkhaus zum Vorsitzenden ihrer Fraktion. Seit der Bundestagwahl 2005 hatte Kauder dieses Amt inne gehabt. Für Christen aller Konfenssionen war Kauder bislang der gewichtigste Fürsprecher für die Religionsfreiheit und gegen die weltweite Verfolgung ihrer Glaubensgeschwister.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer würdigte die Verdienste Kauders: „Volker Kauder ist der einzige Spitzenpolitiker in Deutschland, der sich erkennbar gegen die weltweite Verfolgung von Christen und für Religionsfreiheit weltweit engagiert hat.“ Irmer erklärte auf Anfrage von pro: „Was die Themen Religionsfreiheit und das Engagement für verfolgte Christen angeht, passt ganz sicher kein Blatt Papier zwischen Kauder und Brinkhaus.“ Die Wahl von Brinkhaus zum Fraktionschef wertet Irmer nicht als „Abwahl des Menschen“, Kauder genieße weiterhin höchstes Ansehen und Respekt, sondern als eine Ausrichtung der Fraktion hin zu mehr Raum für inhaltliche Themen.

Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach zeigte sich gegenüber pro ernüchtert: „Nicht nur für mich war die Abwahl meines Freundes Volker Kauder eine echte Überraschung, Angela Merkel, Horst Seehofer und er selber dürften noch viel mehr überrascht gewesen sein. Vielleicht sollte es ja so eine Art Denkzettelwahl werden - die dann aber anders ausfiel als erwartet.“ Er habe Kauder für seinen unermüdlichen Einsatz für Religionsfreiheit und seinen Kampf gegen die Verfolgung und Unterdrückung von Christen immer bewundert. „Das war für ihn Herzenssache. Es wäre schön, wenn sein Nachfolger diesen Kampf beherzt fortsetzen würde“, hofft Bosbach.

Glaubenskraft der Evangelikalen ernst nehmen

Kauder ist evangelisch, hegt aber auch Sympathien für die evangelikale Bewegung und Ansichten der Katholischen Kirche. Evangelikale hat Kauder gerne als „besonders glaubwürdige Christen“ bezeichnet. Die Bibel sieht er als unmittelbares Wort Gottes. Die Menschen könnten nur durch einen Gnadenakt Gottes – den Opfertod Jesu – erlöst werden. Es gelte, die „Glaubenskraft“ der Evangelikalen ernst zu nehmen, und er sei froh, daran teilhaben zu können.

Auf den Konferenzen der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA) in Bad Blankenburg rief er Christen dazu auf, sich in die Gesellschaft einzubringen. Wenn das geschehe, bleibe „das Christentum in unserer Gesellschaft erhalten“. Der DEA-Politikbeauftragte, Uwe Heimowski, dankte Kauder für „aufreibende 13 Jahre" an der Spitze der Fraktion. „Mit Volker Kauder geht ein Freund der Evangelischen Allianz", erklärte Heimowski. Der Politiker sei ein Mensch mit einem klaren Profil und Mut zu unbequemen Meinungen, der sich nie habe vereinnahmen lassen und auch nicht zögerte, der DEA seine kritischen Fragen ins Stammbuch zu schreiben. So habe Kauder wissen wollen, warum auch Evangelikale nach rechts in Richtung AfD abrutschten und über den Verfall christlicher Werte in der Gesellschaft, im Speziellen in der CDU, jammerten, aber wenig dagegen täten. „Als Christ hat Volker Kauder sich immer wieder auch öffentlich zu seinem Glauben bekannt. Er scheute sich nicht, biblisch-ethische Positionen, etwa beim Lebensschutz, zu beziehen", sagte Heimowsiki, und weiter: „Auch wenn es ihm nicht immer gelang, wie beim Thema Ehe für alle, dafür Mehrheiten zu finden." Der DEA-Politikbeauftragte würdigte den „außergewöhnlichen" Einsatz Kauders als „Kämpfer für Religionsfreiheit". Heimowski: „Volker Kauder hat den verfolgten Christen eine starke Stimme gegeben."

Islam nicht identitätsstiftend

Der 69-Jährige ist strikt gegen Forderungen, den Islam in Deutschland als gleichberechtigte Religionsgemeinschaft anzuerkennen. Er forderte von Muslimen immer wieder eine höhere Bereitschaft, die Werteordnung des Grundgesetzes als Maßstab für das Zusammenleben in Deutschland anzuerkennen. Vom Spiegel gefragt, antwortete Kauder auf die Frage „Gehört der Islam zu Deutschland?“ mit der Aussage „Nein. Muslime gehören zu Deutschland, der Islam nicht. Was zu uns gehört, muss prägend sein, identitätsstiftend. Das ist der Islam nicht.“ Den Kirchen warf er im August 2011 vor, wenig von ihrem Missionsauftrag umzusetzen.

Klare Kante zeigte der CDU-Politiker beim Thema gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Gegenüber pro erklärte er 2013, dass er die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften falsch halte. Kauder blieb bei seiner Meinung, auch als das Parlament noch vor dem Ablauf der Legislatur und der Sommerpause 2017 – mit Stimmen aus den Reihen von CDU/CSU – den Weg für die „Ehe für alle“ ebnete. Auch ein volles Adoptionsrecht für homosexuelle Paare könne mit der Union „in keiner Koalition vereinbart werden”. Beim Adoptionsrecht dürfe es ausschließlich um das Kindeswohl gehen. „Nach den Erkenntnissen der analytischen Psychotherapie ist es für Kinder das Beste, wenn sie väterliches und mütterliches Prinzip erleben”, sagte Kauder pro.

Den Menschen erklären, was uns Kraft gibt

Die Präimplantationsdiagnostik lehnt Kauder grundsätzlich ab. Er forderte ein generelles strafbewehrtes Verbot der Methode, da diese „fast zwangsläufig“ zu Selektionen führe. Im Reformationsjahr 2017 plädierte Kauder dafür, nicht mit Schaum vor dem Mund vom christlichen Glauben zu reden. Ziel müsse es sein, den Menschen zu erklären, „was uns Kraft gibt, leitet und antreibt“. Seiner Partei riet er im Rahmen der Konservativismus-Debatte, das christliche Menschenbild weiter in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen, statt darüber zu diskutieren, ob die Partei ihre konservative Wurzel ausreichend pflege.

In der Kritik steht Kauder wegen des in seinem Wahlkreis ansässigen Waffen-Herstellers Heckler & Koch. Die Wochenzeitung Die Zeit bezeichnete ihn als „gewichtigen Fürsprecher“ des Unternehmens. Ein Zusammenhang zwischen Spenden des Unternehmens an die CDU und einem Einsatz von Kauder für die Firma verneinte das Unternehmen stets. Der Christliche Medienverbund KEP verlieh Kauder 2010 den Goldenen Kompass für seinen Einsatz für verfolgte Christen. Papst Franziskus zeichnete ihn für dasselbe Anliegen am 4. Juni 2014 mit dem Päpstlichen Gregoriusorden aus.

Von Johannes Blöcher-Weil/Norbert Schäfer

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