Roman Herzog im Jahr 2012 bei der Verleihung des Karlspreises
Roman Herzog im Jahr 2012 bei der Verleihung des Karlspreises

Roman Herzog war engagierter Christ

Der frühere Bundespräsident Roman Herzog ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Er bleibt nicht nur als reformwilliger Politiker in Erinnerung, sondern auch als profilierter Protestant.

Der Name Roman Herzog ist nicht nur in der deutschen Politik ein großer. Der 1934 in Landshut geborene frühere Bundespräsident und CDUler war ab 1987 Vorsitzender des Bundesverfassungsgericht und mit Leib und Seele Jurist. Nicht umsonst arbeiten sich Jurastudenten bis heute durch seinen Kommentar zum Grundgesetz von 1964.

Politiker, Jurist und Protestant – auch das dritte Label passt auf den ehemaligen Landesminister in Baden-Württemberg. Herzog war Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche und leitete die sogenannte Kammer für öffentliche Verantwortung der Protestanten. Außerdem fungierte er als Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises von CDU und CSU.

Kirche soll Politik an Wesentliches erinnern

Herzog sagte 1998, ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit als Präsident, auf dem Deutschen Katholikentag, die Kirche habe die Aufgabe, zu mahnen. „Eine Kirche, die die Orientierungslosigkeit der Gesellschaft nur noch einmal verdoppelte, hätte sich selber überflüssig gemacht, noch bevor andere ihr das bescheinigten. Und eine Kirche, die glaubte, auf jedem gesellschaftlichen Gebiet kompetenter zu sein als die Zuständigen, dürfte sich nicht wundern, wenn man sie eines Tages nicht mehr ernst nähme", erklärte er. Die Kirchen sollten hingegen daran erinnern, daß viele politische Debatten sich um Vorletztes drehten. „Das scheint mir die Aufgabe der Kirche zu sein, die heute am notwendigsten ist."

Politisch machte sich Herzog vor allem durch seine „Berliner Rede" von 1997 einen Namen. Er sagte: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen", und forderte die Bürger so dazu auf, Neuerungen positiv zu begegnen. Diese Haltung zog sich durch das weitere Engagement Herzogs, der zeitweise auch Mitherausgeber der Wochenzeitung Christ und Welt war, damals noch zugehörig zum Rheinischen Merkur.

1998 erhielt Herzog den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland. Bei seiner Dankesrede lobte er das Wachstum der jüdischen Gemeinden in der Bundesrepublik und sagte einen Satz, der auch diesertage höchst aktuell klingt: „Nicht die Abwehr alles vermeintlich Fremden oder Unbekannten sollte unser Denken und Handeln bestimmen, sondern Offenheit für die Zukunftschancen, die sich aus solchen Symbiosen ergeben können."

„Man spürte sein Gottvertrauen“

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, würdigte Herzog am Dienstag: Er habe stets deutlich werden lassen, „dass sein Engagement, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen, in seinem Glauben wurzelte. Man spürte sein Gottvertrauen“, teilte Bedford-Strohm mit. Auch der Evangelische Arbeitskreis der Union trauert. Über Herzog erklärt der Vorsitzende, Thomas Rachel: „Er verstand es in herausragender Weise, christliches Bekenntnis und politisches Augenmaß authentisch und überzeugend miteinander zu verbinden." (pro)

Von: al

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