Der streitbare Sozialdemokrat und Protestant: Erhard Eppler feiert seinen 90. Geburtstag
Der streitbare Sozialdemokrat und Protestant: Erhard Eppler feiert seinen 90. Geburtstag

SPD-Politiker und Kirchenmann Eppler wird 90 Jahre alt

Der SPD-Politiker und Protestant Erhard Eppler feiert am Freitag seinen 90. Geburtstag. Zurückblicken kann er auf bewegte Jahre – als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Mitglied der EKD-Synode und „streitbarer Protestant“.

Erhard Eppler wird 90 Jahre alt. In der SPD galt er als Vordenker und Visionär, im kirchlichen Kontext als „streitbarer Protestant“, wie ihn der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, einst beschrieb. Eppler, der dem Protest und dem Hinterfragen so manch kirchlicher Position nicht abgeneigt war, war jahrelang in der Friedensbewegung aktiv.

Von 1981 bis 1983 präsidierte Eppler für den Kirchentag, ein Amt, das er 1989 für zwei weitere Jahre wieder aufnahm. Wie Huber zu berichten weiß, sei Umkehr stets der innere Antrieb von Epplers Handelns gewesen, veröffentlichte er doch 1983 noch als Präsident des deutschen Kirchentags in Hannover die Schrift „Umkehr zum Leben“. Schon 1975 hatte er diese Thematik in einem Mahnruf mit dem Titel „Ende oder Wende“ an Politik und Gesellschaft aufgegriffen. 2006 sagte Huber über Eppler: „Der Ruf nach Umkehr prägt sein Denken, er erwächst aus der Buße in dem ursprünglichen reformatorischen Sinn, den Luther dem Wort in seinen 95 Thesen beispielsweise beilegte.“

Frieden ja, aber nicht mit allen

Eppler engagierte sich lange Zeit in der Friedensbewegung – einem Bereich seines Lebens, wo er sein protestantisches und politisches Anliegen übereinbringen konnte. In Zusammenarbeit mit dem CDU-Politiker und späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker verfasste er die EKD-Denkschrift „Friedensaufgaben der Deutschen“, in der beide über Parteigrenzen hinweg eine gemeinsame Wertvorstellungen formulierten.

Auch als Politiker war Eppler streitbar. Als einer der ersten thematisierte er die Risiken der Atomkraft und kritisierte, dass ein höheres Bruttosozialprodukt nicht automatisch mehr Wohlstand für alle in der Welt bedeute. Sein Verhältnis zu den Sozialdemokraten war lange von Spannungen geprägt. „In meiner Zeit als aktiver Politiker habe ich mich fast jede Woche über die Partei geärgert“, räumt Eppler heute ein. Er ist seit 60 Jahren SPD-Parteimitglied und lebt in Schwäbisch Hall. 2007 wurde bekannt, dass Eppler als junger Mann Mitglied der NSDAP war. Dem Nachrichtenmagazin Focus sagte er dazu: „Ich bin nicht gegen meinen Willen auf eine Liste gekommen, sondern habe es akzeptiert. So war das damals.“

Gottesfürchtig und kampfeslustig

Von seinem Posten als Entwicklungshilfeminister, den er seit 1968 inne hatte, trat er 1974 zurück, nachdem der Nachfolger von Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt, gerade einmal sieben Wochen im Amt war. Das Verhältnis der beiden Politiker galt als äußerst spannungsreich. Von 1973 bis 1981 war er schließlich Landeschef der SPD in Baden-Württemberg.

Von 1973 bis 1992 leitete der gottesfürchtige und kampfeslustige Bildungsbürger die SPD-Grundwertekommission. Die dortige Integrationsarbeit sei besonders interessant gewesen. „Da war der Bedarf in den 1970er Jahren besonders groß. Man musste Ökonomie, Ökologie, Gewerkschafter und Friedensbewegung zusammenbringen. Vor allem die Ökologie war etwas Neues. Und Teil eins der politischen Ökologiediskussion fand in der SPD statt“, sagt er. Er selber schrieb sich einst eine „Scharnierfunktion“ zwischen den Sozialdemokraten und den Friedenaktivisten zu, die gegen den Nato-Doppelbeschluss kämpften. Seinen Posten als SPD-Vorstandsmitglied im Bund räumte er 1991. (pro)

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Von: ak/dpa

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