Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher war gläubige Christin und sehr engagiert in der Kirche
Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher war gläubige Christin und sehr engagiert in der Kirche

Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Die langjährige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Die gläubige Christin engagierte sich in der Kirche und im christlich-jüdischen Dialog.

Hildegard Hamm-Brücher wurde am 11. Mai 1921 in Essen geboren, sie wuchs in Berlin auf. Mit zehn Jahren verlor sie die Eltern und lebte bei der Großmutter in Dresden. Mit 15 erfuhr die preußische Protestantin, dass sie nach den Rassegesetzen der Nazis „Halbjüdin“ ist. Ihre geliebte Großmutter brachte sich um, weil sie als Jüdin deportiert werden sollte. Hamm-Brücher war während ihres Chemiestudiums mit den Widerstandskämpfern rund um die Geschwister Scholl und die Gruppe „Weiße Rose“ befreundet. Sie habe damals gedacht: „Jetzt will ich dafür leben, wofür Freunde und Kommilitonen ihr Leben geopfert haben.“

1948 zog die promovierte Chemikerin für die FDP in den Münchner Stadtrat ein. Sie kandidierte 1994 für das Amt des Bundespräsidenten, doch im dritten Wahlgang opferte ihre Partei sie dem Koalitionskalkül, Staatsoberhaupt wurde Unionskandidat Roman Herzog. „Ich wusste, dass ich keine Chance hatte“, sagte sie dazu, „aber manchmal hat man keine Chance und nutzt sie trotzdem.“ Hamm-Brücher war von 1976 bis 1982 Staatsministerin im Auswärtigen Amt unter Außenminister Hans-Dietrich Genscher. 14 Jahre saß sie im Bundestag.

„Christen sollen weltliche Verantwortung übernehmen“

Über Jahrzehnte prägte Hamm-Brücher so die Politik der Liberalen. Nach 50 Jahren in der FDP gab Hamm-Brücher 2002 ihr Parteibuch ab – wegen antiisraelischer Äußerungen des damaligen Parteivizes Jürgen Möllemann. 2015 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Doch trotz zweier Oberschenkelhalsbrüche, Gedächtnislücken und Gleichgewichtsstörungen verfolgte sie die Entwicklungen in der Politik weiter. „Mit ihr verliert Deutschland eine große liberale Persönlichkeit“, sagte der bayerische FDP-Landeschef Albert Duin.

Hamm-Brücher verliebte sich als junge FDP-Frau in den Fünfzigerjahren in einen verheirateten CSU-Politiker und bekam ein Kind von ihm. Ihre Schwangerschaft und das Neugeborene musste sie in Holland verstecken, um ihre Karriere und seine Scheidung nicht zu gefährden. Erst ein Jahr später konnten die beiden heiraten und offiziell eine Familie gründen.

Für die Grande Dame der FDP war der Glaube stets wichtig. Die Kirche solle nicht als Partei auftreten, sagte sie vor fünf Jahren in einem Interview des Evangelischen Pressedienstes (epd). „Sie muss Christen ermutigen, auch weltliche Verantwortung zu übernehmen“, betonte die liberale Politikerin.

14 Jahre im Kirchentagspräsidium

Hamm-Brücher war Mitglied des Kuratoriums am Jüdischen Zentrum München. Von 1974 bis 1988 gehörte sie dem Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages an. Dessen Generalsekretärin würdigte das Wirken der Politikerin: „Ihre Aufrichtigkeit und Überzeugungskraft haben den Kirchentag als öffentliches Forum einer demokratischen Debatte gestärkt.“ Als Präsidiumsmitglied habe sie sich „mit Nachdruck für die Aufarbeitung der NS-Diktatur eingesetzt“. Auf dem „Markt der Möglichkeiten“ habe Hamm-Brücher mit dem Projekt „Christen im Parlament“ ein Begegnungs- und Diskussionsforum von Politikern und Kirchentagsbesuchern über Parteigrenzen hinweg geschaffen.

Für ihr Engagement im christlich-jüdischen Dialog erhielt Hamm-Brücher zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem die Moses-Mendelssohn-Medaille. In einem Interview des Tagesspiegels sagte Hamm-Brücher, der Glaube an Gott sei für sie „immer ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen die Verzweiflung“. (pro)

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Von: js

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