Werte vermitteln in der Erziehung: Gottes Gebote sind eine gute Richtschnur
Werte vermitteln in der Erziehung: Gottes Gebote sind eine gute Richtschnur

Werte machen das Leben wertvoll

Egal, ob in der Erziehung, der Werbung, den Medien: Überall werde ich herausgefordert, meine Werte zu überprüfen. Gottes Gebote sind ein Wertekompass für alle Lebensbereiche. Ein Gastkommentar von Ricarda John

Wir leben in einer Kultur der Beliebigkeit, in der christliche Werte, die über Generationen das gesellschaftliche Leben geprägt haben, nicht mehr bindend sind. Unterschiedlichste Lebens- und Glaubensentwürfe stehen heute gleichberechtigt nebeneinander. Man darf sich aussuchen, wie man lebt und was einem wichtig ist. Daraus entsteht zuweilen eine Beliebigkeit, die mich erschreckt und Menschen zu hilflosen oder überforderten Lebenskünstlern macht.

Mama spielt die zweite Geige

Werte sind Vorstellungen und Haltungen, die in der Regel anerkannt sind in der Gesellschaft, in der man lebt. Sie sind in unserem Denken verankert und beeinflussen uns. Wenn ich mich für einen Wert oder eine Haltung entschieden habe, dann muss ich nicht immer wieder neu überlegen, ob beispielsweise hier oder da eine Notlüge angebracht ist oder ob ich hier oder da eine Ausnahme machen kann. Meine Werte finde ich in den Zehn Geboten wunderbar zusammengefasst. Als Lebenskompass für alle Handlungen und Entscheidungen verhelfen sie mir zu mehr Lebensqualität. Ihre zeitlose Gültigkeit macht zugleich ihre Tragfähigkeit aus.

Als meine Kinder klein waren, haben sie uns Eltern alles geglaubt. Wir konnten die Zeit nutzen und sie wichtige Dinge lehren. Wenn sie als kleine Jungen ihren Mittagsschlaf beendet hatten und ich in ihr Zimmer kam, standen sie im Gitterbettchen und streckten die Arme nach mir aus. Ich hatte die komplette Aufmerksamkeit meiner Kinder. Diese Zeiten sind nun vorbei. Denn komme ich heute in die Zimmer meiner Teenager und erwachsenen Söhne, laufen PC, Handy oder Fernseher und liefern neue Ideen, neue Werte. Da muss man erst mal schnell fertig werden, dann darf Mama etwas sagen. Wie kann ein Fifa- oder Quizpartner im Onlinematch, den sie nicht mal kennen, so viel wichtiger sein?

In Kindergarten und Grundschule werden unterschiedliche Erziehungstrends sichtbar. Es gibt keine allgemeingültige Richtung mehr. Hierarchien werden aufgehoben. So sagte ein Kindergartenleiter neulich zu mir: „Wissen Sie, ich mag auch nicht jemanden über mir, der mir sagt, was ich tun soll, also mach ich das mit den Kindern auch nicht“. „Aber“, dachte ich, „wer führt dann die Kinder auf einen guten Weg? Brauchen sie nicht Leitlinien und Wegmarkierungen von uns?“

Toleranz als Lösungsidee

Um uns vor negativen Konsequenzen unseres Handelns zu schützen, haben wir Richtlinien von Gott bekommen. In jedem Gebot stecken ein oder mehrere tragende Werte. Doch zählen sie heute noch? Die Wertewandel-Forschung hat drei Begriffe geprägt, die das Wertedilemma, in dem wir heute stehen, beschreiben:

Der „Säkularismus der Werte“. Das bedeutet: Die Werte heute sind abgekoppelt von der Bibel und göttlichen Maßstäben.

Der „Pluralismus der Werte“. Das heißt: Die Globalisierung brachte viele Kulturen, Ideen und Werte zusammen. Vieles steht nebeneinander.

Der „Individualismus der Werte“. Jeder entscheidet für sich selbst, was für ihn gilt. Das führt unweigerlich zu Kollisionen in der Gesellschaft und im Miteinander. Immer lauter wird deshalb der Schrei nach Toleranz. Toleranz soll das Problem lösen.

Als mein erster Sohn klein war, besuchte er einen evangelischen Kindergarten. Dort haben Kinder und Erzieher gemeinsam gefrühstückt und vor dem Essen gebetet. Als mein vierter Sohn acht Jahre später in diesen evangelischen Kindergarten ging, hatte sich das geändert: kein gemeinsames Frühstück mehr – jeder isst, wenn er hungrig ist. Und es wurde auch nicht mehr vor dem Essen gebetet. Das hat unser Fünfjähriger nicht verstanden: „Mama, die reden immer von Kirche und Gottesdienst und so, aber beten vor dem Essen tun sie nicht. Wieso?“ Ich konnte es ihm nicht beantworten, aber am nächsten Tag fragten wir bei der Kindergartenleitung nach. Die Antwort lautete: „Wir sind hier mittlerweile so multikulturell geworden, da können wir den anderen Konfessionen nicht aufzwingen, hier zu beten.“ Für mich war das nicht verständlich, denn immer noch war es ein evangelischer Kindergarten. Aus meiner Sicht eine falsche Toleranz.

Prägende Erziehung im Sinne der biblischen Werte wird zu einem Spießrutenlauf. Schule, Medien, Gleichaltrige liefern ein pluralistisches Werteangebot zur individuellen Auswahl. Wie sollen wir damit umgehen? Manche Eltern sagen „Kann man nicht ändern“ und passen sich an. Andere Eltern wählen Abschirmung, Isolation und Verbote und ziehen sich zurück. Der Mittelweg ist das praktische Leben in der Familie. Es steht als riesige Herausforderung vor mir, täglich neu. Ich möchte selbstständige, urteilsfähige, umsichtige, leistungsbereite, verantwortungsbewusste Menschen erziehen, die sich von den Trends der Gesellschaft nicht beherrschen lassen. Ich wünsche mir, dass in unserer Familie eine echte Lebensschule stattfindet, in der man sich angstfrei bewegen, öffnen und entfalten kann. Ich wünsche mir, dass meine Kinder zu Hause in jedem Alter erzählen können, was sie woanders aufschnappen und worüber sie sich Gedanken machen. Aber das ist natürlich freiwillig und nicht erzwingbar.

Ich möchte einen Raum dafür anbieten, um Dinge auszudiskutieren, anstatt sie vom Tisch zu fegen. Nicht alle Kinder werden sich deswegen so entwickeln, wie ich es mir wünsche, aber es findet hoffentlich eine Prägung statt. Diese Prägung soll es unseren Kindern ermöglichen, auch in einer postmodernen Gesellschaft ein biblisches Christentum zu leben. Letztlich geschieht das durch mein Vorbild. „Erziehung kann man sich sparen, Kinder machen einem doch alles nach“, sagt der Autor und Erziehungsexperte Jan-Uwe Rogge. Also muss ich mich fragen: Wie ist mein eigener Umgang mit anderen? Nehme ich mir Zeit für andere Menschen? Bin ich bereit, Rücksicht zu nehmen? Bin ich zuverlässig, ehrlich, hilfsbereit? Bin ich ein Vorbild für andere? Kinder übernehmen Werte nur dann, wenn Eltern sie nicht nur „reden“, sondern sie auch vorleben.

Wie das Miteinander gelingen kann

Letztlich können sie nicht einfach benannt werden, sondern müssen im Handeln konsequent umgesetzt werden – zur richtigen Zeit, mit den richtigen Worten, in der richtigen Haltung. Inkonsequenz bedeutet das Sterben der Werte. Das heißt, unter Umständen müssen Standpunkte ausdiskutiert werden – mit dem Partner, dem Kollegen oder mit den Kindern. Bei uns gilt: Die Steuererklärung soll stimmen. Das Wechselgeld auch. Fundstücke müssen zurückgegeben werden, und ich trickse niemanden aus. Wenn jemand verheiratet ist, ist er vergeben und somit nicht zu haben. Abtreibung ist Mord. Und eine Notlüge ist auch eine Lüge.

Gottes Gebote sind sinnvoll und wertvoll. Gott verlangt nicht, dass ich es alleine schaffe, er sichert mir seine Hilfe zu. Ich wünsche mir, dass ich keine faulen Kompromisse eingehe in Notlagen oder Engpässen. Und ich wünsche mir, dass, wenn es doch geschieht, ich Gottes Vergebung annehmen kann. Ich wünsche mir, dass ich immer wieder aus meinen Fehlern lerne und Werte hochhalte, die der Schöpfer seinen Geschöpfen gegeben hat. Er weiß am besten, was wir brauchen. Seine Gebote sind ein Wertekompass für alle Lebensbereiche. Ich darf die Werte annehmen, die mein Schöpfer mir gibt – klar, zeitlos und allgemeingültig. Und weil er sie so wichtig findet, gebietet er sie uns. Die Zehn Gebote – diese Werte machen das Leben wertvoll. (pro)

Eva Ricarda John ist verheiratet, Mutter von vier Söhnen, Coach und therapeutische Seelsorgerin.

Von: Ricarda John

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