Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU, Archivbild)

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU, Archivbild)

Seehofer zu Presserat und taz-Kolumne: „Wertesystem aus den Fugen“

Der Deutsche Presserat hat fast 400 Beschwerden gegen eine taz-Kolumne zurückgewiesen, in der Polizisten auf den Müll gewünscht wurden. Innenminister Horst Seehofer kritisiert die Entscheidung mit scharfen Worten. „Als Christ“ werde er immer seine Stimme gegen „eine solche Sprache“ erheben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer kann den Verzicht des Presserats auf Sanktionen wegen einer polizeikritischen Kolumne in der Tageszeitung taz nicht nachvollziehen. „Polizistinnen und Polizisten werden in der Kolumne „all cops are berufsunfähig“ öffentlich als Müll bezeichnet“, erklärte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin. „Der Deutsche Presserat hält dies für eine Geschmacksfrage. Für mich ist diese Bewertung eine unerträgliche Verharmlosung.“

Der Beschwerdeausschuss des Presserats hatte am Vortag ausgeführt, die Polizei als Teil der Exekutive müsse es sich gefallen lassen, von der Presse scharf kritisiert zu werden. Der Presserat ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse, also von Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien. Gegen den Text hatte es Hunderte Beschwerden gegeben. Seehofer hatte öffentlich eine Anzeige wegen des Textes erwogen, dann aber verzichtet. Ein Treffen des Ministers mit der taz-Chefredaktion ist noch geplant.

In der Kolumne „All cops are berufsunfähig“ stellte die Autorin ein Gedankenspiel an, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Zum Schluss hieß es in dem Text: „Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten.“

„Als Christ werde ich immer meine Stimme erheben“

„Wenn eine ganze Berufsgruppe, die tagtäglich den Kopf für uns hinhält, in dieser brachialen Weise bewusst herabgesetzt und verunglimpft wird, geht es nicht mehr um Geschmack, sondern um unser gemeinsames Wertesystem“, sagte Seehofer laut Mitteilung. „Wenn man sagen darf, dass Menschen auf den Müll gehören, ist dieses Wertesystem ganz offenkundig aus den Fugen geraten.“ Solche Haltungen seien für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht förderlich, sondern wirkten spaltend. „Die Polizei muss scharfe Kritik aushalten, aber Kritik darf niemandem die Menschenwürde absprechen“, so Seehofer. „Als Bundesinnenminister, als Mensch und als Christ werde ich eine solche Sprache niemals akzeptieren, sondern immer meine Stimme dagegen erheben.“

Von: dpa/Nicolai Franz

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