Vielen Redaktionen fehlt es an Vielfalt. Die frühere Chefreakteurin der Bild-Zeitung bemängelte im Rahmen der Münchener Medientage, dass es schwerfalle, „einen konservativen Katholiken in der Redaktion zu finden".

Vielen Redaktionen fehlt es an Vielfalt. Die frühere Chefreakteurin der Bild-Zeitung bemängelte im Rahmen der Münchener Medientage, dass es schwerfalle, „einen konservativen Katholiken in der Redaktion zu finden".

„Kaum konservative Katholiken in Redaktionen“

Im Rahmen der Münchener Medientage diskutierte die Fachwelt darüber, wie es Medien gelingen kann, Vertrauen zurückzugewinnen. Tanit Koch, Geschäftsführerin von n-tv, kritisierte moralische Überheblichkeit unter Journalisten und forderte mehr Vielfalt in den Redaktionen.

Im Zuge der Münchener Medientage diskutierte die Fachwelt drei Tage über Bezahlschranken auf Online-Nachrichtenseiten, den Umgang mit Internetriesen wie Google und Facebook und darüber, wie es gelingen kann, das Vertrauen der Leser wiederzugewinnen. Das Motto der Tagung in diesem Jahr lautet: „Next digital level: Let's build the Media we want!“

Die Geschäftsführerin des Nachrichtensenders n-tv, Tanit Koch, warf vielen Journalisten in Bezug auf die Berichterstattung über Ostdeutschland „moralische Überheblichkeit“ vor. Wenn eine ganze Region als politisch überwiegend rechts gebrandmarkt werde, „verwundert es nicht, dass wir als Branche dort Probleme haben, Vertrauen aufzubauen“.

Mit journalistischem Augenmaß handeln

Sie vermisse in den deutschen Redaktionen die Vielfalt und die unterschiedlichen Biografien. „Einen konservativen Katholiken in der Redaktion zu finden, ist schwer“, sagte die frühere Chefredakteurin der Bild-Zeitung. Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres, warb darum, in der journalistischen Arbeit „mit Augenmaß zu handeln“ – und weniger aufgeregt. Die Verantwortung der Journalisten sei es, den Dialog zu suchen, gerade wo es wehtue.

Die Debatte über den Lokaljournalismus verdeutlichte, dass es auch darum gehe, den Leser besser zu verstehen. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) legte eine Studie zu digitalen Bezahlschranken vor. Sie bilanziert, dass Zeitungsverlage in Datensammlung und -analyse investieren sollten, um Bezahlschranken optimal auszurichten und die Interessen der Kunden zu erfassen. Die Leiterin der Onlineredaktion der Aachener Zeitung, Nina Leßenich betonte, dass guter und fundiert recherchierter Lokaljournalismus besser funktioniere als Katzen-Videos.

Europäische Internetplattform als Alternative zu Facbeook?

Einigkeit herrschte beim Umgang mit Internetriesen wie Google und Facebook. Die Medienwelt müsse diesen mehr und Besseres entgegensetzen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach sich für eine alternative europäische Internetplattform aus. Die Wissenschaftlerin Teynep Tufekci kritisierte, dass Google und Facebook „autoritäre“ Strukturen geschaffen hätten.

Andreas Briese (Director Youtube Partnerships Central Europe) betonte in einer Gesprächsrunde, dass YouTube-Algorithmen in den vergangenen Jahren verändert worden seien. Ursprünglich sollten Videos gefördert werden, die viele Klicks erzielen. Danach seien Videos mit langen Sehzeiten favorisiert worden. Jetzt gehe es darum, Inhalte zu fördern, die breit und vielfältig sind und nicht nur thematische Nischen bedienen.

Die Zeiten der „satten und bräsigen“ Journalisten sind vorbei

Die Medientage verdeutlichten, dass die Streaming-Dienste das Konsumverhalten verändern. Laut „Digitalisierungsbericht Video 2019“ der Landesmedienanstalten bleibe der Fernseher für 56,6 Prozent der Deutschen weiterhin das wichtigste Gerät für Videokonsum, allerdings sei der Wert um etwa sieben Prozent gesunken. 11,5 Prozent nutzten das Smartphone am häufigsten. Bei den 14- bis 19-Jährigen liegt dieser Wert bei 32,2 Prozent. Nur 25,7 Prozent in dieser Altersgruppe nannten den Fernseher als wichtigstes Gerät.

Die Sender sehen in dem Umbruch eine Chance: „Wir können heute Geschichten so konsequent und frei erzählen, wie ich es noch nie erlebt habe“, sagte Vox-Geschäftsführer Sascha Schwingel. Dass dadurch mehr Bewegung und Wettbewerb im Markt sei, empfinde er als „gar nicht so schlecht“. Es habe eine Zeit gegeben, in der Redakteure „satt und bräsig“ herumgesessen hätten. „Da müssen wir raus.“

Bei den Medientagen diskutierten bis zum Freitag Medienschaffende und Experten über die großen Herausforderungen der Branche. Dieses Jahr ging es vor allem um den digitalen Wandel und die damit verbundenen Herausforderungen.

Von: dpa/Johannes Blöcher-Weil

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