Das Vertrauen in die Medien ist angestiegen, wie eine Studie der Universität Mainz belegt

Das Vertrauen in die Medien ist angestiegen, wie eine Studie der Universität Mainz belegt

Jeder vierte Deutsche misstraut Medien

Das Vertrauen in die Medien geht verloren? Falsch, sagen zwei Professoren der Universität Mainz. Immer mehr Menschen vertrauen den Medien stärker als früher. Woran das liegt, erklärt eine gerade veröffentlichte Studie.

Das Vertrauen in Zeitungen und Fernsehen steigt, haben die Mainzer Medienwissenschaftler Tanjev Schultz und Oliver Quiring in einer repräsentativen Studie herausgefunden. Waren es im Jahr 2008 nur 29 Prozent, finden inzwischen 40 Prozent der Bevölkerung, dass man Medien in wichtigen Fragen „eher“ oder „voll und ganz“ vertrauen kann.

Den Anstieg erklärt sich Quiring mit einer stärkeren Positionierung der Deutschen: „Man könnte das angesichts von bösartigen Vorwürfen wie Lügenpresse als Statement werten.“ Möglicherweise, so meint der Kommunikationswissenschaftlicher in einem Gespräch mit der Wochenzeitung Die Zeit, werde einigen Bürger nun bewusst, „was man im Vergleich zu anderen Staaten an den Medien und der Pressefreiheit in Deutschland“ habe.

Jedoch ist laut der Studie auch die Zahl derer gestiegen, die Medien „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ vertrauen, von neun Prozent im Jahr 2008 auf 24 Prozent im Jahr 2016. Bei der Befragung habe sich jedoch gezeigt, dass genau diese misstrauischen Nutzer die Medien recht ausführlich benutzen und bei bestimmten Themen den etablierten Zeitungen und öffentlich-rechtlichen Sendern vertrauten. Diesen Widerspruch erklärt Quiring mit einer „diffusen Argwohn“, der diesen Teil der Bevölkerung umtreibe und der schließlich in dem Vorwurf der Lüge münde.

Darüber hinaus komme in diesem Fall auch eine große Unkenntnis über die Funktionsweise der Medien zum Tragen, wie sein Kollege Schultz sagt, der selbst jahrelang als Journalist tätig war.

„Minderheit bestimmt bei Facebook den Diskurs”

Er fordert eine bessere Medienpädagogik angesichts eines ganzen „Komplexes von Desinformation“. „Deshalb sollte man schon in der Schule lernen, wie guter Journalismus funktioniert, und warum es zum Beispiel etwas anderes ist, ob eine Information in der Zeitung steht oder in einem privatem Blog.“

Gleichzeitig appellieren Schultz und Quiring an die Medien, transparenter zu arbeiten, zu erklären, warum sie bestimmte Themen aufgreifen, wie sie recherchieren und warum sie zu einer bestimmten Meinung kommen. Dass sowohl ein Anstieg bei den Teilen der Bevölkerung auszumachen ist, die Medien vertrauen, als auch bei den Menschen, die das Vertrauen verloren haben, erklärt die Studie mit einer verringerten Anzahl derjenigen, die eine neutrale Haltung in dieser Frage aufweisen.

90 Prozent kommentieren nicht im Web

Heutzutage bestehe die Gefahr, dass die Lautesten und die Aggressiven den Diskurs bestimmten, nehme man die sozialen Medien in den Blick, sagte Quiring gegenüber der Zeit. Doch die Studie zeigt auch, dass die Mehrheit der Bevölkerung soziale Medien gar nicht zur Meinungsäußerung verwendet. Insgesamt verfassen nur sieben Prozent der Befragten häufig Beiträge in Meinungsforen.

Dementsprechend gebrauchen mehr als 90 Prozent selten bis nie soziale Medien wie Facebook oder Twitter, um Nachrichten kommentieren. Viel Beachtung fänden die Kommentare trotzdem bei Journalisten und Politikern. Doch das seien oft nicht mehr als Provokationen und Spielereien. Schultz rät Journalisten und Politikern deshalb: „Cooler bleiben.”

Für die Studie, die die Universität Mainz in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut ifak durchführte, wurden im Oktober und November vergangenen Jahres 1.200 Menschen in Deutschland befragt. (pro)

Von: ak

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