Veränderte Nachrichtenströme: Mehr Beiträge von Freunden und der Familie ist Mark Zuckerbergs Devise für 2018

Veränderte Nachrichtenströme: Mehr Beiträge von Freunden und der Familie ist Mark Zuckerbergs Devise für 2018

Journalisten-Verband gegen Facebook-Vorstoß

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat angekündigt, dass die Nutzer künftig mehr Beiträge von Freunden statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen sollen. Die Plattform solle dadurch wieder persönlicher werden. Das Vorhaben stößt allerdings auf Kritik.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Facebook-Pläne kritisiert, die Nachrichtenströme auf seiner Plattform zu ändern. „Ich halte die Facebook-Maßnahme für problematisch“, sagte Sprecher Hendrik Zörner der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. „Facebook ist als Kommunikationsmedium von hohem Stellenwert und hoher Bedeutung. Aber das eigene Kommunikationsspektrum auf den Gute-Laune-Bär zu reduzieren, geht an der Bedeutung von Facebook und der Kommunikation von Menschen schlechthin vorbei.“

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hatte in der Nacht zu Freitag angekündigt, dass die Nutzer künftig mehr Beiträge von Freunden und der Familie statt von Unternehmen, Medien und politischen Gruppen zu sehen bekommen sollen. Damit solle Facebook wieder persönlicher werden. Unklar ist, ob abonnierte Nachrichtenkanäle damit deutlich geringere Verbreitung erlangen werden. „Facebook ist kein journalistisches Medium“, sagte Zörner weiter. „Spätestens jetzt wird deutlich: Verlässliche Informationen kommen nur von Medien. Das ist der Nebeneffekt dieser neuen Veränderung.“

„Hochwertige journalistische Inhalte erkennen und wertschätzen“

Zuckerbergs Pläne für die Neugewichtung der Nachrichtenströme auf Facebook sind auch in den USA auf Kritik gestoßen. Facebook habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schreibt der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis in einem Blog-Beitrag. Der Journalist ist auch Buchautor und unterrichtet an der Graduate School of Journalism an der City University of New York. Facebook könne seine Verantwortung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform als wichtiger Lieferant von Nachrichten und Informationen in der Gesellschaft inzwischen eingenommen habe. Es sei zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medien-Unternehmen wahr würden, dass ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen werde.

Er sei zuversichtlich, dass Facebooks Bemühungen, sinnvolle Interaktionen fördern zu wollen, letztlich „zu mehr Höflichkeit in unseren Gesprächen führen könnte, die die Gesellschaft dringend braucht“, schreibt Jarvis. „Die Frage ist: Wird Facebook Höflichkeit, Intelligenz und Glaubwürdigkeit oder bloße Konversation schätzen und messen?“ Es sei bekannt, was allein das Gespräch bringe: „Kommentare und Trolle“. Er würde sich wünschen, dass Facebook die Qualität von Nachrichten befördern werde. Facebook dürfe das „journalistische Baby“ nicht mit dem Badewasser ausschütten, sondern müsse hochwertige Inhalte erkennen und wertschätzen.

Am Donnerstag hatte der neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm vorgeschlagen, eine gemeinsame Plattform von privaten Verlegern und öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zu gründen, um den US-Giganten wie Facebook und Google einen Teil der Marktmacht zu nehmen. Zörner: „Ich würde es begrüßen, wenn diese Anstrengung gelingen würde. Ich warne nur vor allzu großer Euphorie, denn es ist nicht zu unterschätzen, dass viele Menschen überzeugt werden müssen, dass es nicht reicht, sich allein bei Facebook zu informieren.“

Von: dpa

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