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Letzte Chance für schwer erziehbare Jugendliche?

S a l t L a k e C i t y (PRO) – Immer mehr Fernsehsender setzen auf Doku-Formate, die sich mit dem Thema Erziehung beschäftigen. RTL etwa schickt jetzt schwer erziehbare Jugendliche in den Wilden Westen. In einem Umerziehungslager in den USA sollen sie wieder "gesellschaftsfähig" gemacht werden. Anderen Sendern reicht die Cowboy-Pädagogik nicht – sie lassen Jugendliche "Drill statt Knast" zukommen.
Von PRO

“Teenager außer Kontrolle – Letzter Ausweg Wilder Westen” lautet der Titel der siebenteiligen Doku-Soap des Privatsenders RTL. In der “Turn Around Ranch” (“Wende-Ranch”) im US-Bundesstaat Utah müssen sich die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren harten Regeln unterwerfen: Kein Handy, keine Piercings, keine Markenklamotten, keine Zigaretten, keine Drogen.

Fernab jeglicher Zivilisation durchlaufen sie ein “erlebnispädagogisches Erziehungsprogramm”, ein Überlebenstraining in der Wüste. Therapeuten sind Cowboys, die den Jugendlichen helfen sollen, ihr Selbstwertgefühl wiederzuerlangen, Teamgeist zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Wie das geht? Die Teilnehmer müssen Aufgaben bewältigen wie ein Zelt aufbauen, Feuer machen, Rinder über Felder treiben. “Wir machen keine Kompromisse. Wir verhandeln nicht”, sagt die Deutsch-Amerikanerin Annegret Noble, leitende Therapeutin des Projektes, laut einem Bericht der “Welt”.

Die “Turn Around Ranch” ist ein Programm der “Aspen Education Group”, die seit Anfang der 80er Jahre der Weltmarktführer im so genannten “Outdoor Behavioral Healthcare” (Verhaltenstherapie im Freien) ist. Pro Jahr werden etwa 3.000 “Patienten” behandelt. Die Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent. Zahlreiche überforderte Eltern setzen in die “Outdoor-Therapie” ihre letzten Hoffnungen. Ein Vater etwa wünscht sich, dass sein Sohn “da so umgebogen wird, dass er als halbwegs vernünftiger Mensch wieder zurückkommt”.

Unterhaltung ohne Grenzen

Gegen Therapieverfahren ist ja nichts einzuwenden. Allerdings ist dieses Doku-Format von RTL umstritten, stehen doch nicht nur pädagogische Ziele im Vordergrund, sondern vor allem auch die Unterhaltungsbedürfnisse des Publikums. Fraglich ist, inwieweit es vorteilhaft ist, derartige Therapieprojekte medial zu begleiten. Zu Recht wird beispielsweise in der “Welt” die Frage aufgeworfen, ob die “labilen Protagonisten” nicht für ein sensationssüchtiges Publikum zur Schau gestellt werden und ob die Kamera nicht eher zur “Selbstinszenierung” verführt. Jedenfalls haben die Jugendlichen in der Dokumentation noch einmal ausführlich Gelegenheit, mit Pistole oder mit Kraftausdrücken vor der Kamera zu posieren. Für die Zuschauerquote scheint sich dies gut auszuwirken.

“Teenager außer Kontrolle – Letzter Ausweg Wilder Westen” ist jedenfalls nicht die einzige Sendung dieses Formates. Vor kurzem lief auf RTL2 die Doku-Soap “Erziehungscamp”. Sie zeigte, wie ein Ex-Boxer auf einem Bauernhof bei Kassel versucht, potentielle Straftäter mit Leibesübungen wieder in die richtige Bahn zu bringen. Da ging es ebenfalls um Disziplin, Selbstachtung und Respekt.

“Drill statt Knast”

Der Sender “Kabel 1” strahlt derzeit “Drill statt Knast – Das Michigan Boot Camp” aus. Die “Boot Camps” sind die umstrittenste Form der Erlebnispädagogik, verbreitet vor allem in den USA. Schwer erziehbare Jugendliche werden hier wie Soldaten gedrillt. In den USA und in Großbritannien wurde im Jahr 2005 erstmals die Reality-Show “Brat Camp” ausgestrahlt, in der Teenager ebenfalls in die Wüste geschickt wurden. In Großbritannien war diese Serie erfolgreich. Einige der Teilnehmer wurden wirksam behandelt, andere hatten Rückfälle. Zudem beklagten zahlreiche Teilnehmer eine mangelnde Unterstützung nach der Therapie. Doch warum sollten sich die Sender mit derart “fachlichen” Fragen aufhalten? Geht es doch nach wie vor und immer wieder offenbar mehr um das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums.

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