Mit diesem Kruzifix startete die Künstlergruppe Gotensieben ihre Ausstellung „Sons“: Der „Son 1“ erinnert an Superman
Mit diesem Kruzifix startete die Künstlergruppe Gotensieben ihre Ausstellung „Sons“: Der „Son 1“ erinnert an Superman
„Son 2“ erinnert an Batman. Die Künstler nummerieren die Söhne durch und benennen sie nicht nach den Superhelden, sonst würden diese Figuren im Vordergrund stehen, erklärt Reichert. Sie wollen den Betrachtern nicht vorschreiben, was sie sehen sollen
„Son 2“ erinnert an Batman. Die Künstler nummerieren die Söhne durch und benennen sie nicht nach den Superhelden, sonst würden diese Figuren im Vordergrund stehen, erklärt Reichert. Sie wollen den Betrachtern nicht vorschreiben, was sie sehen sollen
Künstler Klaus Reichert (r.) mit Kunstförderer der Frankfurter Gruppe Gotensieben Wolfgang Ludwig (l.)
Künstler Klaus Reichert (r.) mit Kunstförderer der Frankfurter Gruppe Gotensieben Wolfgang Ludwig (l.)
Das Kostüm von „Son 3“ ist dem Superhelden Flash nachempfunden
Das Kostüm von „Son 3“ ist dem Superhelden Flash nachempfunden

Ausstellung: „Jesus wäre heute Superheld“

Der Künstler Klaus Reichert findet im Nachlass seines Vaters ein Kruzifix und will damit Kunst machen. Für ihn wäre Jesus, wenn er heute leben würde, ein Superheld. Das zeigt der nicht gläubige Künstler in seiner Ausstellung „Sons“. pro hat mit ihm über seine Beweggründe und den Blasphemievorwurf gegen seine Kunst gesprochen.

Mit dem Kreuz aus dem Erbe seines Vaters wusste der Kunstschaffende Klaus Reichert nicht so recht etwas anzufangen. Dann kam ihm die Idee, daraus Kunst zu machen. Er fragte sich: „Was wäre Jesus, wenn er heute leben würde?“ Seine Antwort war: ein Superheld.

Zusammen mit seiner Künstlergruppe Gotensieben ersteigert Reichert in einem Online-Auktionshaus neun weitere Kruzifixe aus Holz, Gips und Metall. Sie verwandeln die Jesus-Figuren in leuchtende Ikonen in Superman- und Batman-Kostümen. In der Kunsthalle Ludwig in Frankfurt zeigt die Gruppe ab kommenden Freitag ihre Ausstellung „Sons“ (Söhne) mit den 1,80 Meter mal 1,40 Meter großen Fotografien der 40 Zentimeter kleinen Kruzifixe. Reichert sagt über die ausgestellten Bilder, die der Fotograf Thomas Balzer aufgenommen hat: „Auf den Fotos ist die Lichtstimmung, die wir im Atelier erzeugt haben, zu sehen.“ Die Bilder seien „tatsächlich so fotografiert“, es habe im Nachhinein keine Veränderungen gegeben.

pro: Herr Reichert, warum wäre Jesus heute Superheld?

Klaus Reichert: Die Superhelden haben große Kräfte; sie können durch Wände schauen, sie können außergewöhnliche Dinge, die ein normaler Mensch nicht kann. Das zeichnet sie aus. Zudem stehen sie in der Regel auf der guten Seite. Sie sind die Guten, die die Welt besser machen wollen. Das ist eine Parallele zu Jesus Christus. Diese Vorstellung, dass diese Figur heute in irgendeiner Form auftreten würde, ist natürlich eine Abstraktion. Das ist unsere Form als Künstler, diese beiden Themen zusammenzubringen.

Wie kam Ihnen die Idee zur Ausstellung?

Ich habe im Nachlass meines Vaters vor ein paar Jahren das Kreuz gefunden. Ich habe dieses Kreuz zu Hause liegen gehabt, und wusste nicht so recht, was ich damit machen soll. Irgendwann kam mir die Idee: Was wäre eigentlich mit Jesus Christus, wenn er heute leben würde? Wie würden wir ihn wahrnehmen? Da war ich relativ schnell bei den Superhelden, die wir aus dem Kino kennen. Jesus Christus hatte Fähigkeiten, die nicht menschlich sind, wie Kranke zu heilen, Wasser in Wein zu verwandeln, übers Wasser zu laufen und vieles mehr. So kam dieses Thema Kreuz, Kruzifix, Jesus Christus und die Gestaltung mit den Farben dieser Superhelden.

Glauben Sie selbst an Jesus?

Ich bin total berührt von den Ritualen der Katholischen Kirche. Ich habe schon den Wallfahrtsort Lourdes besucht, war im Petersdom, bin auch immer gern in Kirchen und auf Friedhöfen. Das sind Orte, die mich tief berühren. Wenn Menschen glauben, finde ich das faszinierend und auch berührend. Vielleicht habe ich eine Sehnsucht nach Glauben und kriege es nicht hin. Ich bin selber noch nicht da angekommen, dass ich sagen würde, ich glaube an Jesus Christus oder an Gott. Das ist eine phänomenale Geschichte, die mich berührt und die etwas mit mir macht, aber die nicht dazu hinführt, dass ich am Ende des Tages glaube – noch nicht vielleicht. Ich bin katholisch, zahle Kirchensteuer und habe es auch noch nie in Erwägung gezogen, es nicht mehr zu tun, obwohl ich mich nicht als gläubigen Katholiken bezeichnen würde.

Jesus als Kunstobjekt – ist das erlaubt?

Das ist erlaubt. Ich glaube, alles, was Jesus Christus mit Menschen macht, wozu er sie inspiriert und wo er in irgendeiner Form öffentlich werden kann und bejaht, verteidigt, verneint werden kann – all das, was mit Glauben zu tun hat, ist als Kunstobjekt verwendbar. Am Anfang hatte ich ein wenig Angst und es war für mich eine Überwindung, das Kruzifix in die Hand zu nehmen, es auseinander zu bauen, sich an das Kreuz und die Ikone zu wagen und sie zu verändern. Wagen ist das richtige Wort. Aber im Lauf dieser Schaffensperiode war das auf einmal vollkommen in Ordnung für mich. Ich hatte keinen dunklen Gefühle dabei, dass wir den Blick auf ihn auf diese Weise verändern.

Was entgegnen Sie Kritikern, die Ihre Kunst als blasphemisch bezeichnen?

Wir leben Gott sei Dank in einer freien Gesellschaft und wir haben Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Kunstfreiheit. Wir nehmen uns die Freiheit, das so zu tun und wir sind auch bereit, die Konsequenzen zu tragen. Und wenn uns Künstler jemand blasphemisch nennt, dann darf er das gerne tun und damit hat sich das.

Welche Reaktionen haben Sie bereits auf das Projekt bekommen? Welche erwarten Sie?

Die Bilder haben schon jede Form der emotionalen Reaktion hervorgerufen. Aus unserem Umfeld haben wir sie Künstlern und in der Kommunikation tätigen Menschen gezeigt. Sie sagten, es sieht hammermäßig aus, die finden es gut und verstehen den Zusammenhang. Es gibt andere, die fremdeln damit, dass Jesus Christus so eine Veränderung erfährt. Ich will nicht von Ablehnung sprechen. Wieder andere Leute sagen, das könnt ihr nicht machen, das geht nicht.

Ich glaube, Kunst darf nicht nur aus Gefallsucht gemacht werden. Das wäre der falsche Ansatz. Die Menschen setzen sich mit Jesus Christus auseinander und das ist ein Beitrag, den wir dazu leisten. Unser Intention als Mitwirkende war nicht, uns über Jesus lustig zu machen.

Wie ordnen Sie diese unterschiedlichen Reaktionen ein?

Die Reaktionen zeigen, dass Jesus Christus den Menschen nicht egal ist. Das wäre das Allerschlimmste, wenn er den Leuten egal wäre, wenn sich keiner damit beschäftigen würde. Auch wenn es auf eine Art und Weise dargestellt wird, die manche vielleicht nicht gut finden. Dann ist es immerhin eine Reaktion, die zeigt, dass es uns wichtig ist, dass wir das ablehnen können. Das kann auch eine Beziehung vertiefen, dass ich irgendetwas sehe, was ich nicht gut finde.

Welcher ist Ihr Lieblings-Jesus in der Ausstellung und warum?

Ich persönlich finde, dass „Son 1“, der an Superman erinnert, einer der Schönsten ist (Bild 1 in unserer Fotostrecke, d. Red.). Das hängt auch damit zusammen, dass er eindeutig und am klarsten zu erkennen ist für mich als Künstler. Wenn Sie den Jesus im Batman-Kostüm sehen, dann brauchen Sie die anderen Söhne, um die Idee zu verstehen. Der Körper ist schwarz. Die Idee ist nicht so einfach zu erkennen wie bei „Son 1“. Er war auch der Erste. Damit liegt er mir ein bisschen mehr am Herzen als die anderen. Das ist der an dem Kruzifix aus dem Nachlass meines Vaters.

Wir nummerieren die Söhne durch und benennen sie nicht nach den Superhelden, sonst würden diese Figuren im Vordergrund stehen. Es geht aber um Jesus. Außerdem wollen wir den Betrachtern nicht vorschreiben, was sie sehen sollen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Martina Schubert. (pro)

Die Ausstellung „Sons“ eröffnet am Freitag, den 31. Juli, in der Frankfurter Kunsthalle Ludwig und läuft mit der Option auf Verlängerung mindestens bis zum 1. November 2015.

Von: ms

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