Wojciech Smarzowski, hier bei der Oscar-Verleihung 2012, hat mit seinem neuen Film „Klerus“ nicht davor zurückgeschreckt, die Tabus der katholischen Kirche aufzugreifen

Wojciech Smarzowski, hier bei der Oscar-Verleihung 2012, hat mit seinem neuen Film „Klerus“ nicht davor zurückgeschreckt, die Tabus der katholischen Kirche aufzugreifen

Film greift Tabus innerhalb der katholischen Kirche auf

Der polnische Film „Klerus“ ist ein Kassenschlager – und der erfolgreichste seit dem Ende des Kommunismus. Er hält der katholischen Kirche vor allem ihre Verfehlungen vor. Am Sonntag ist der Streifen als Sondervorstellung auch in vielen deutschen Kinos zu sehen.

Der Film „Klerus“ sorgt im Nachbarland Polen gerade für Aufsehen. Drei Millionen Menschen haben ihn seit seiner Premiere vor zwei Wochen gesehen. Regisseur Wojciech Smarzowski thematisiert die Tabus innerhalb der katholischen Kirche.

Polen gilt als eines der gläubigsten Länder Europas. Sonntags geht fast jeder zweite Bürger in die Kirche. Laut der Tageszeitung Welt sind geschätzt 85 bis 90 Prozent der 38 Millionen Einwohner Polens Mitglied der katholischen Kirche. Doch der Film löst Kontroversen und inhaltliche Debatten über die Kirche aus. Kritiker fragen sich, ob ein Film die Kirche so negativ zeigen darf.

„Korrupt, bigott, geld- und machtgeil“

Hauptprotagonisten des Films „Klerus“ sind die drei Provinzpriester Andrzej, Tadeusz und Leszek, die alle durch negatives Verhalten auffallen und sogar gewisse Tabus innerhalb der Kirche brechen. Einer der Priester begeht betrunken einen Unfall mit Fahrerflucht, ein anderer ist bei der Renovierung seiner Kirche höchst bestechlich und der dritte soll sich an Kindern vergehen und eine Affäre haben. Als die Frau schwanger ist, rät er ihr zur Abtreibung.

Tomasz Krianowicz schreibt in seiner Rezension der Tageszeitung Die Welt von einer polnischen Priesterschaft, die „korrupt, bigott, geld- und machtgeil“ dargestellt wird. Besonders brisant sei, dass nachgespielte Aussagen von missbrauchten Ministranten und Kirchenmitgliedern gezeigt würden, die von authentischen Fällen berichteten. Der stellvertretende polnische Kulturminister Jaroslaw Sellin sagte der ARD, der Film festige nur Vorurteile gegenüber der Kirche.

Schlagzeilen schon vor dem Erscheinungstermin

Der 120-minütige Film berühre alle Tabus, die bisher nur unter vorgehaltener Hand zur Sprache kämen, schreibt Krianowicz. Der Film hatte aber auch schon vor seinem Erscheinen für Schlagzeilen gesorgt, als der Trailer mit einer Szene, in der ein Priester mit seiner Partnerin im Bett liegt, aus dem Netz entfernt wurde.

Regisseur Wojtek Smarzowski hat den Finger in die Wunde gelegt. Der Verband katholischer Journalisten hat den Film für „antikatholisch“ und „antipolnisch" erklärt. Einige Priester hatten ihre Gemeindemitglieder gewarnt, den Film anzusehen und ihn als Teufelswerk gebrandmarkt. Der Film liefert etliche Beispiele für Seilschaften und Korruption.

Nach Lage der Dinge hat er einen Stein über die Verhältnisse und Versäumnisse innerhalb der katholischen Kirche ins Rollen gebracht. Als erste Konsequenz haben die Bischöfe noch für dieses Jahr einen Bericht zur Pädophilie in der Kirche angekündigt. Am Sonntag, dem 21. Oktober, wird der Film als Sonderveranstaltung auch in zahlreichen deutschen Kinos zu sehen sein.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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