Bei der Filmzeitschrift Filmdienst gehen die Lichter aus, allerdings nur bei der Printausgabe
Bei der Filmzeitschrift Filmdienst gehen die Lichter aus, allerdings nur bei der Printausgabe

Katholische Kirche will Filmzeitschrift aufgeben

Die älteste deutsche Zeitschrift für Filmkritik, Filmdienst, droht ihre Printausgabe zu verlieren. Gerüchten zufolge sollte das katholische Magazin komplett eingestellt werden. Nun scheint zumindest das Onlineportal eine Zukunft zu haben.

Seit bald 70 Jahren bespricht die katholische Zeitschrift Filmdienst sämtliche Filme, die in den deutschen Kinos laufen. Alle zwei Wochen erscheinen in der Printausgabe ausführliche Rezensionen zu Kinofilmen und DVD-Premieren, Porträts von Filmemachern und Schauspielern, thematische Analysen und Meldungen aus der Filmbranche. Eine „weltweit einmalige Quelle“ urteilt die Zeitung Die Welt. Aufgrund wirtschaftlicher Probleme soll sich das nun – „wenn nicht noch ein kleines Wunder geschieht“ – ändern, sagt Theo Mönch-Tegeder, Geschäftsführer der „dreipunktdrei“-Mediengesellschaft, die das Magazin herausgibt, im Interview mit der Welt.

Filmdienst künftig nur noch online

In zweierlei Hinsicht wird die Publikation von diesen Veränderungen betroffen sein: Zum einen wird es den Filmdienst ab Mitte 2017 nur noch im Internet geben, „bei gleich hohen Qualitätsansprüchen“, betont Mönch-Tegeder. Zum anderen wird die Redaktion die Kinoproduktionen nicht länger in ihrer Gesamtheit diskutieren können. Stattdessen müsse man sich auf bestimmte Kinofilme beschränken. Dafür müsste nach journalistischen Kriterien entschieden werden, was besprochen wird und was nicht. Ein solches Kriterium könnte der Begriff „wertvoller Film“ sein. „Dabei würde es auf der Hand liegen, zur Würdigung von Filmen auch die christliche Ethik heranzuziehen“, erklärte Mönch-Tegeder. Eine definitive Entscheidung, auch über die Größe der Redaktion, ist laut Spiegel Online Ende November zu erwarten.

Auslöser für die Maßnahme waren allgemeine Strukturveränderungen durch die Deutsche Bischofskonferenz, bei der alle Medienaktivitäten auf den Prüfstand gestellt wurden. Außerdem sinke die Auflage des Filmdienstes in den letzten zwei Jahren kontinuierlich, wie die anderer Filmpublikationen auch. Dagegen erschienen immer mehr neue Filme. Das führe zu steigenden redaktionellen Kosten, wenn nach wie vor alle Filme besprochen werden sollten. Mönch-Tegeder hofft, dass die Neugestaltung des Periodikums Ende Mai 2017 abgeschlossen sein wird.

„Filmdienst ist ein Leuchtturm“

Sowohl der Verband deutscher Filmkritik (VDFK) als auch die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) haben an die Medienverantwortlichen der Katholischen Kirche und den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, appelliert, das Vorhaben zu überdenken. Im offenen Brief des VDFK heißt es: „Wir appellieren an die Katholische Kirche, die Bewegtbilder nicht leichtfertig der von ökonomischen Aspekten geleiteten Filmverwertung zu überlassen und sich weiterhin engagiert, filmhistorisch und ästhetisch kompetent zu äußern.“

Der Filmdienst sei neben der Filmzeitschrift des Evangelischen Pressedienstes, epd-Film, „ein Leuchtturm in einem stets banaler anmutenden Markt sogenannter Film-Zeitschriften in Deutschland“, äußert sich die GKP in einer Pressemitteilung. Auf Festivals und in Gesprächen mit Branchenvertretern und Filmkritikern erhalte das Magazin viel Wertschätzung für seine Qualität und Perspektiven, „wie sie die katholische Kirche in Deutschland im Bereich der Kultur sonst kaum erfährt“. Als „eines der wenigen kirchlichen Medienangebote, das Adressaten über den kirchlichen Binnenraum hinaus erreicht, hier speziell Kreative und Entscheider im Kultur-Betrieb“ müsse man am Filmdienst in seiner bisherigen Form festhalten. In ihm begegne der Leser „in aller Regel einer genuin christlichen oder auch kirchlichen Sicht auf den Menschen und auf Grundfragen der Moderne“.

Als „Filmdienst der Jugend“ erschien die Zeitschrift 1947 zum ersten Mal. Umbenannt in „Filmdienst“ rezensierte sie seit den Fünfzigern alle Filme, die in den deutschen Kinos liefen. Inhaltlich war das Magazin zunächst stark an katholischen Glaubensprinzipien ausgerichtet. Seit den Sechzigern wurde es unabhängiger in seinen Urteilen. Trotz neuer Gestaltung und Struktur im Jahr 2013 sanken die Auflagenzahlen. Neben der Rezension von Kinofilmen gehört auch die Erarbeitung des Lexikons des Internationalen Films zu den Erzeugnissen von Filmdienst. (pro)

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Von: man

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