Auf den ersten Blick sieht Superman alias Henry Cavill nicht aus wie Jesus. Doch der neue Film von Zack Snyder zeigt eindeutige Parallelen

Jesus – der Mann aus Stahl

„Man of Steel” bietet alles, was ein Superheldenfilm braucht: Die Welt droht zu Grunde zu gehen, die Bösen bekommen am Ende eins auf den Deckel und ein muskelbepackter Protagonist entzückt die Frauenwelt. Doch dieser Superman ist etwas Besonderes: Eine Metapher auf Jesus Christus.

Superman ist Jude, das wissen wir schon lange. In den 30ern wurde er aus der Feder der Amerikaner Jerry Siegel und Joe Shuster geboren, die selbst jüdisch-stämmig sind. Nicht umsonst ist Supermans wahrer Name Kal-El, was auf Hebräisch so viel bedeutet wie Stimme Gottes. Ebenfalls nicht zufällig durfte der Superheld in seiner Anfangszeit symbolisch Nazis verprügeln. In einem Comic aus dem Jahr 1940 mit dem Titel "Wie Superman den Krieg beenden würde" jagt der Held Hitler und Stalin und stellt sie vor ein Kriegsgericht. Von jeher wirkt der blau-rote Sonderling wie eine Mischung aus den biblischen Figuren Moses, Samson und Jesus. Das wusste auch Regisseur Zack Snyder, als er sich an die Neuverfilmung des Klassikers machte: Er kreierte eine Superhelden-Figur, die mehr biblische Motive ausweist als die meisten Hollywood-Weltenretter zuvor.

Kal-El (Henry Cavill) ist Sohn von Jor-El (Russel Crow) und Lara Lor-Van (Ayelet Zurer) vom Planeten Krypton. Er ist der erste seiner Art seit hunderten von Jahren, denn er wurde auf natürlichem Wege geboren und nicht durch aufwändige Reproduktionstechnik geschaffen. Doch sein Planet steht vor dem Untergang. Dessen maßlose Bewohner haben den Himmelskörper ausgebeutet. In letzter Minute senden Jor-El und Lara ihr Baby in einer Raum-Kapsel zur weit entfernten Erde, im Wissen, dass es dort aufwachsen und übermenschliche Kräfte entwickeln wird. „Für sie wird er ein Gott sein”, heißt es im Film. Kal-El, der die DNA seines Volkes in sich trägt, soll den Menschen Hoffnung geben und „die Brücke zwischen zwei Zivilisationen sein”.

Raumkapsel statt Weidenkörbchen

Mitten in Kansas landet der Säugling in einem Feld und wird dort von seinen künftigen Zieheltern gefunden – zwar nicht in einem Korb auf dem Nil treibend, aber die Parallele zur Geschichte Moses ist eindeutig. Dort wächst er auf, merkt aber schnell, dass er anders ist. Seine Superkräfte lassen ihn zum Außenseiter werden – vor allem, weil er sich bemühen muss, diese geheim zu halten. So bläut ihm Pflegevater Jonathan Kent (Kevin Costner) schon im Teeniealter ein, dass sich alles ändern würde, wenn die Menschen von seinen Fähigkeiten wüssten – „die Art, wie wir leben, die Art, wie wir glauben” – und dass sie dazu noch nicht bereit seien. Aber: „Am Ende wirst du ihnen helfen, Wunder zu vollbringen.” So bleibt das Kind standhaft, schlägt nicht zurück, wenn die Mitschüler ihn mobben und setzt seine Kräfte nur dann ein, wenn es sein muss, etwa als ein Schulbus verunglückt. „Hat Gott mich so gemacht?”, fragt das Kind an einer Stelle. Es wirkt, als wünsche der Junge, dass dieser Kelch an ihm vorüber gehe.

„Du musst dich entscheiden, was für ein Mann du sein wirst”, sagt der Vater schon damals. Tatsächlich kommt der Moment, in dem der unfreiwillige Superheld zwischen Gut und Böse wählen muss, ausgerechnet, als er 33 Jahre alt ist, dem Alter, in dem Jesus gekreuzigt wurde. Alte Feinde aus der zerstörten Heimat spüren Kal-El auf und lassen die ganze Erde wissen, dass sich ein Fremdling unter ihnen befindet, der an sie auszuliefern ist. Die Menschen entscheiden sich dazu, Superman zu verraten, dieser lässt sich bereitwillig ausliefern. Wer die Geschichte von Jesus kennt, weiß, wie es nun eigentlich weitergehen müsste. Wer Hollywood kennt, weiß, was tatsächlich kommt: Superman wird nicht hingerichtet, steht nicht aus dem Grabe auf und fährt nicht in den Himmel auf. Stattdessen stellt sich heraus, dass die Außerirdischen, die zunächst nur die Auslieferung Kal-Els forderten, eigentlich die Erde einnehmen und mit ihren eigenen Leuten wieder bevölkern wollen. Die drohende Apokalypse: Klarer Fall für einen Superhelden und die Gelegenheit, die eigenen Kräfte endlich zu nutzen.

Denn er hat die Menschen so sehr geliebt...

Auch wenn die Geschichte sich hier vom biblischen Vorbild entfernt, ein Motiv bleibt: Kal-El ist trotz seiner außerirdischen Abstammung menschlich geworden. Er leidet mit ihnen, als ihre Welt bedroht ist. Der Bösewicht General Zot (Michael Shannon) fragt ihn am Ende: „Liebst du sie wirklich so sehr?” Das klingt so stark nach Johannes 3,16 („Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab”, Gute Nachricht Bibel), dass Regisseur Snyder den Satz nicht zufällig in den Film eingebaut haben kann. Tatsächlich erklärte er jüngst gegenüber CNN: „Die Christus-Parallelen habe ich mir nicht ausgedacht! Wir haben nicht gesagt: Hey, lass uns das noch hinzufügen! Das Zeug ist da, in der Mythologie. Das ist die altbewährte Superman-Metapher.” Der Produktionsfirma Warner Bros. eröffnet das neue Wege der Vermarktung. In den USA bietet sie Infomaterial zum Film für Pastoren oder Kleingruppenleiter an.

Filmerisch bietet „Man of Steel” ansonsten leider wenig Tiefgang. Die Geschichte ist wenig mehr als Stoff für gutes Popcorn-Kino, auch wenn die Macher sich offensichtlich sehr darum bemüht haben, die inneren Kämpfe Supermans zu zeigen. Zwar war der Mann aus Stahl nie zuvor so nahbar, die Dialoge bleiben aber wenig einfallsreich und die Story ist vorhersehbar. Zudem arbeitet Snyder mit zahlreichen Rückblenden, was gerade in der ersten Stunde des Films immer wieder den Erzählstrang zerreißt und dem Zuschauer an die Nerven geht. Hauptdarsteller Cavill bringt zwar die nötigen Muskeln für die Darstellung des Superhelden mit, an der charakterlichen Tiefe seiner Figur scheitert er aber.

Superman bekämpft 9/11-Trauma


Beeindruckend sind jenseits aller christlicher Thematik die eindeutigen optischen Parallelen zu 9/11. So stürzt in einer Szene des Films ein Teil der Innenstadt von Metropolis, was für New York stehen dürfte, zusammen. Menschen werden unter den Trümmern begraben, andere fliehen in Panik vor den herabstürzenden Geröllmassen oder werden in eine Staubwolke gehüllt. Snyder zeichnet mitten in seinem Film und völlig unverhofft ein Bild von Ground Zero kurz nach den Anschlägen des 11. September 2001. Das markiert einen Wandel im amerikanischen Kino. Noch vor fünf Jahren wäre eine solche Darstellung jenseits einer künstlerischen Aufarbeitung des Unglücks undenkbar gewesen. Doch Zack Snyder zeigt die Szenen im Unterhaltungskino. So erlöst Superman nicht nur die Welt im Film. Er will ihr auch helfen, das amerikanische Trauma rund um Osama Bin Laden ad acta zu legen. Umso besser, wenn Superman dabei ein bisschen wie Jesus wirkt. (pro)

Von: Anna Lutz

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