Der Diplom-Theologe und Philosoph Olivier Ndjimbi-Tshiende beschreibt in seinem Buch nicht nur, welche rassistischen Anfeindungen er im bayerischen Dorf Zorneding erfuhr

Der Diplom-Theologe und Philosoph Olivier Ndjimbi-Tshiende beschreibt in seinem Buch nicht nur, welche rassistischen Anfeindungen er im bayerischen Dorf Zorneding erfuhr

Sein Glaube ist bunt

Olivier Ndjimbi-Tshiende ist Pastor, Diplom-Theologe, Magister der Pädagogik und habilitierter Philosoph und Professor. Einen solchen Geistlichen in einem kleinen bayerischen Dorf als Seelsorger zu haben, müsste eine Zier sein. Sollte man meinen. Doch Ndjimbi-Tshiende wurde aus seiner bayerischen Gemeinde geradezu verjagt. Eine Rezension von Jörn Schumacher

Olivier Ndjimbi-Tshiende stammt aus dem Kongo, doch seit 2005 lebt er in Deutschland. Er betreute mehrere Pfarrleitungen, zuletzt in der katholischen Gemeinde St. Martin in Zorneding in Bayern. Mit seiner Hautfarbe und seinem kulturellen Hintergrund passt er nicht jedem Bewohner der ländlichen Gegend. Am 30. November 2015 beginnt eine Drangsalierung, die ihm schwer zu schaffen macht.

In seinem Briefkasten findet der Pastor an diesem Tag eine rassistische Drohung vor. In schlechtem Deutsch ist vom „Negger“ die Rede, der abhauen soll, und: „Wir schicken Dich nach Auschwitz. Amen!“ Ndjimbi-Tshiende hatte seine Pfarrstelle drei Jahre zuvor angetreten. Immer wieder bekam er es in Deutschland mit rassistischen Anfeindungen zu tun, doch in Zorneding wurde es so schlimm, dass er flüchten musste. Der Fall eskaliert, als die Ortsvorsitzende der CSU, Sylvia Boher, in einem Lokalblatt ihrem Fremdenhass freien Lauf lässt und behauptet, Bayern werde „überrannt“ von Flüchtlingen. Offenbar ermutigt von der promovierten Politologin, zeigten weitere Bürger offen ihren Hass gegenüber dem schwarzen Pastor. Der Fall machte im ganzen Land und darüber hinaus die Runde und tauchte in vielen überregionalen Zeitungen auf.

Liebe Gottes unabhängig von der Hautfarbe

Ndjimbi-Tshiende hat nun seine Geschichte in einem Buch zusammengefasst. Doch nicht nur das. Nach der Schilderung der erschütternden Feindlichkeit, die ihm in Bayern widerfuhr, erläutert er seine ganz eigene Theologie, sein Bild von Gott, und woran es seiner Meinung nach im materiell reichen, aber geistlich oft armen Deutschland mangelt. Der hochgebildete Geistliche, der im Kongo aufwuchs und aus eigener Erfahrung gut weiß, was Armut ist, aber auch, wie echter Zusammenhalt zwischen Menschen aussehen kann, appelliert: An seine Kirche, die viel zu sehr auf Protz und Prunk schaut, und an jeden Christen, wieder auf das zu schauen, was wirklich zählt: der liebende Gott und Jesus, der nicht Ruhm und Reichtum im Sinn hatte, sondern jeden einzelnen Menschen, unabhängig von seinem Bankkonto, seiner Hautfarbe oder seinem Geburtsland.

Somit ist „Und wenn Gott schwarz wäre“ ein bewegendes und wichtiges Buch, denn es ist nur zur einen Hälfte ein Bericht über Rassismus in Deutschland, sondern auch ein Mutmacher, wieder den Menschen vor Gott zu betrachten, und nicht „den Ausländer“ oder „den Deutschen“. Vom Charakter her ist Gott für Ndjimbi-Tshiende oft eher wie eine Frau. Und wenn man sich anschaut, wo die ersten Mensch lebten – in Afrika – liege die Vermutung nahe, dass er schwarz sei. Gott ist eine Frau und schwarz – diese provokante These passt zum Motto des Buches von Olivier Ndjimbi-Tshiende, das auf dem Cover steht: „Mein Glaube ist bunt!“ Und genau so erfrischend ist dieses Buch. (pro)

Olivier Ndjimbi-Tshiende: „Und wenn Gott schwarz wäre ...“, Gütersloher Verlagshaus, 192 Seiten, 17,99 Euro, ISBN: 978-3-579-08684-2

Von: js

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