Sekunden nach dem Druckstart: EKD-Chef Bedford-Strohm gefällt’s
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Letzte Anweisungen vor dem großen Moment
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Und alle schauen zu: Der Ratsvorsitzende drückt den entscheidenden Knopf
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Ein Bibel-Einband von Janosch: Christoph Rösel von der Deutschen Bibelgesellschaft stellt die besonderen Schuber vor
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Lutherbibel 2017: „Das Evangelium soll ins Herz der Menschen kommen“

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat am Donnerstag im bayerischen Nördlingen den Druckstart für die Lutherbibel 2017 gegeben. Die neue Bibelübersetzung enthält zahlreiche Veränderungen – und kehrt an erstaunlich vielen Stellen zum Jahrhunderte alten Luthertext zurück.

„Muss ich diesen Knopf auch noch drücken?“, fragt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, den Mitarbeiter der Druckerei C.H. Beck. Der Ratsvorsitzende steht, umringt von Journalisten und fast übertönt vom Maschinenlärm, vor dem Schaltpult. Wie immer lächelt er herzlich. Große Rollen schweren Papiers türmen sich vor der Druckmaschine. Es ist Lutherbibel-typisch sehr dünn. Nur 36 Gramm pro Quadratmeter wiegen die Bögen, die für die neue 2017er Revision bedruckt werden. Über den Köpfen der Journalisten wird Dampf in die Halle geblasen. 50-55 Prozent Luftfeuchtigkeit braucht das Papier. Wenn es zu trocken ist, lädt es sich statisch auf. Gleich wird Bedford-Strohm den Druckstart für die ersten 260.000 neuen Lutherbibeln geben.

Auf diesen Moment hat sich der Ratsvorsitzende ganz besonders gefreut, wie er zuvor sagte. Die Lutherübersetzung habe er schon als Kind gehört und lieben gelernt. Er will, dass „das Evangelium wieder in das Herz der Menschen kommt“. Dafür spiele die Bibel die zentrale Rolle: „Die wunderbaren Texte der Bibel sind die Grundlage dafür, dass Menschen jeden Tag wissen: Gott begleitet mich in guten und in schweren Tagen. Es gibt nichts, was mich trennen kann von der Liebe Gottes.“

„Hebamme“ statt „Wehmutter“

Die Lutherübersetzung sei vor allem aufgrund ihrer sprachlichen Ästhetik außergewöhnlich, so der Ratsvorsitzende. „‚Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln‘, wenn Sie diesen Satz in einer anderen Übersetzung lesen, dann werden Sie vielleicht merken, dass irgendetwas fehlt.“ Und doch sind zehn Prozent der Wörter und 40 Prozent der Verse in der Revision von 2017 verändert worden. 70 Wissenschaftler hatten sich jahrelang mit dem Text Luthers sowie dem hebräischen und griechischen Grundtext beschäftigt. Ziel war es, die Originalität der Sprache Luthers zu bewahren und gleichzeitig für höchste Präzision zu sorgen.

An manchen Stellen sind die Übersetzer sogar wieder zum Text von 1545 zurückgegangen. So wurde in späteren Versionen das ursprünglich von Luther verwendete Wort „Hebamme“ zu „Wehmutter“. Die Lutherbibel 2017 ist nun wieder zum gebräuchlicheren Begriff „Hebamme“ zurückgegangen. Auch im „Hohelied der Liebe“ im 13. Kapitel des ersten Korintherbriefs gingen die Wissenschaftler auf die ursprüngliche Form zurück. Anstelle von die „Liebe“, also dem Akkusativ, steht im Text nun der Genitiv: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“

Auch äußerlich erscheint die Lutherbibel in neuem Gewand. Einen von Prominenten designten Schmuckschuber stellte Christoph Rösel vor, Generalsekretär der deutschen Bibelgesellschaft. Der Künstler Janosch, der Fußballtrainer Jürgen Klopp und andere Personen des öffentlichen Lebens gestalteten jeweils einen Umschlag nach ihren eigenen Vorstellungen. So präsentierte Rösel den Janosch-Einband, auf dem Adam und Eva im typischen Stil des Künstlers abgebildet sind.

Die neue Lutherbibel erscheint zum Reformationstag 2016, der offizielle Verkaufsstart ist der 19. Oktober 2016. Sie kann aber bereits vorbestellt werden.

Neben Bedford-Strohm stehen die großen Container, in denen schon zahlreiche Probedrucke der neuen Lutherbibel als Ausschussware gelandet sind. Der EKD-Chef drückt den Startknopf. Die breiten Papierbögen schießen über den Rollerstand ins Druckwerk, durch einen 80 Grad heißen Ofen geht es in die Falz. Jeweils 48 Seiten werden zusammengefasst, danach werden sie gebunden. 350 Tonnen Material wird die erste Auflage der Lutherbibel verbrauchen, dessen Druck der Ratsvorsitzende gerade angestoßen hat: „Da können wir ruhig mal klatschen.“ (pro)

Von: nf

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