Kardinal Reinhard Marx (links) und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (rechts) mühen sich um die Ökumene

Kardinal Reinhard Marx (links) und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (rechts) mühen sich um die Ökumene

Kein Gerangel um die Wahrheit

Für ihr ökumenisches Engagement im Reformationsgedenkjahr werden der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm mit dem Ökumenischen Preis 2017 der Katholischen Akademie Bayern ausgezeichnet. Wofür genau eigentlich? Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Am kommenden Montag würdigt die Katholische Akademie Bayern den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, und sein katholisches Pendant, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mit dem Ökumenischen Preis 2017. Diese Entscheidung überrascht, weil unklar ist, wofür.

Ich gönne den beiden höchsten Repräsentanten der Volkskirchen diese Auszeichung. Selbst kritische Betrachter der kirchlichen Szene und der Ökumene können nicht leugnen, wie verständnisvoll und freundschaftlich die beiden Kirchenmänner miteinander umgehen und um Versöhnung bemüht sind. Dies hat sich wie ein roter Faden durch das Reformationsjahr gezogen. Konkret ist mir die Umarmung von Bedford-Strohm und Marx beim Versöhnungsgottesdienst am 11. März in Hildesheim in Erinnerung.

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete diesen denkwürdigen Moment als „geistliches Wunder“. Erstmals in der Geschichte hätten Katholiken und Protestanten ein Reformationsjubiläum nicht zur Abgrenzung genutzt. Und die beiden obersten Repräsentanten sind weiterhin bemüht, das Gemeinsame zu betonen. An verschiedenen Orten ist man diesem Beispiel nach Versöhnung zwischen den Konfessionen gefolgt.

Doch wie sieht es mit der oft propagierten „versöhnten Verschiedenheit“ auf der unteren Ebene, oder jenseits der Kameras und Pressekonferenzen, aus? Weiß der normale Kirchgänger hüben wie drüben überhaupt noch, wo die gravierenden Unterschiede zwischen beiden Konfessionen liegen? Als ich die Ankündigung der Preisverleihung las, erinnerte ich mich an eine Buchvorstellung in Berlin im September 2016.

Verschiedenheit bleibt

Noch vor dem offiziellen Reformationsjubiläum hatten die evangelische Theologin und ehemalige Bundestagsabgeordnete Antje Vollmer sowie der katholische Jesuitenpater Klaus Merten ihren Briefwechsel über die Einheit der beiden Kirchen als Buch veröffentlicht. Der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert stellte das Werk vor. Im Hinblick auf den Umgang von Religionen mit Wahrheit sagte Lammert: „Wahrheiten sind nicht kompromissfähig und eo ipso („aus sich heraus“, Anm. d. Red.) Absolutheitsansprüche.“

Es mag erlaubt sein, diese Annahme auch auf die beiden christlichen Kirchen zu übertragen. Es geht den Kirchen um Wahrheiten. Es geht jeweils um „die“ kirchliche Lehre. Es geht um das Abendmahl. Es geht um das Verständnis der Bibel und ihrer Autorität. Es geht um die Rechtfertigung. Lammert hatte bei der Veranstaltung eindrucksvolle Gottesdienste und Kongresse zum Reformationsjubiläum prognostiziert und gemutmaßt, dass „am Ende des Jahres alles genau so sein wird wie vorher auch“.

In der Rückschau erkenne ich als Laie keine Annäherung in den fundamentalen Unterschieden der beiden Kirchen in ihren jeweiligen Glaubenswahrheiten. Wofür genau erhalten dann die beiden Kirchenführer einen Ökumene-Preis? Wird er verliehen für konkrete Fortschritte, die es aus meiner Sicht nicht gab? Wahrscheinlich war es eher der Wille zur gemeinsamen Suche nach Schnittmengen in den Glaubenswahrheiten. Als solcher ist der Preis achtenswert, auch wenn aus meiner Sicht manche Dinge und Unterschiede nicht verhandelbar sind. Am Ende bleibt bei aller Versöhnung eben die Verschiedenheit.

Von: Norbert Schäfer

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