Die Vietnamesin Kim Phuc Phan Thi ist das wohl prominenteste Opfer der Napalm-Angriffe im Vietnamkrieg. Die gläubige Christin wurde am Montag mit dem Dresdener Friedenspreis ausgezeichnet.

Die Vietnamesin Kim Phuc Phan Thi ist das wohl prominenteste Opfer der Napalm-Angriffe im Vietnamkrieg. Die gläubige Christin wurde am Montag mit dem Dresdener Friedenspreis ausgezeichnet.

Napalm, ein Mädchen und ein Foto

Als am Montagabend in der Semperoper der diesjährige Dresdner Friedenspreis verliehen wurde, nahm den Preis eine Frau entgegen, die so gut wie jeder schon einmal in seinem Leben gesehen haben dürfte. Auf einem Foto aus dem Jahr 1972. Dort war sie neun Jahre alt und floh gerade aus ihrem Dorf Trảng Bàng in Südvietnam. Die Südvietnamesen hatten Napalm abgeworfen, und die Neunjährige erlitt wie viele andere Bewohner schwere Verbrennungen.

Der vietnamesische Fotograf Nick Út hielt einen Moment fest, wo das Mädchen verzweifelt, nackt und voller Schmerzen vor den Angriffen wegrennt. Das Foto ging um die Welt und hat sich ins Gedächtnis der westlichen Zivilisation eingebrannt, ähnlich wie Buzz Aldrin auf dem Mond oder der Mann mit Aktentasche, der sich auf dem Tian’anmen-Platz chinesischen Panzern entgegenstellte.

Was viele nicht wissen: Das Mädchen auf dem damaligen Foto, die Vietnamesin Kim Phuc Phan Thi, ist heute gläubige Christin und lebt mittlerweile in Kanada. Die als „Napalm Girl“ bekannt gewordene Kim trägt noch immer die Brandwunden von damals auf ihrem Körper, doch seelisch ist sie nicht in der Rolle des Opfers verharrt. In einem Fernsehinterview mit dem amerikanischen Sender CBS sagte sie, sie habe irgendwann in einer Bibliothek angefangen, in einem Neuen Testament zu lesen. Dadurch habe sie den Sinn in ihrem Leben gefunden. „Als ich Christ wurde, bekam ich so viel Frieden in mein Herz“, sagte sie. Sie konnte den Militärs, die mit dem Napalm ihren und den Tod so vieler erreichen wollten, vergeben und ist als „Botschafterin des guten Willens“ der Unesco unterwegs und gründete vor 20 Jahren eine Stiftung für vom Krieg versehrte Kinder.

Als internationale Friedensaktivistin wurde die heute 55-Jährige für ihren unermüdlichen Einsatz für Versöhnung und Vergebung nun mit dem Dresdner Friedenspreis geehrt. Die internationale Auszeichnung, die mit 10.000 Euro dotiert ist, hat ihr der Friedenspreisträger des Jahres 2015, der Herzog von Kent, überreicht. Die Unesco-Botschafterin erhalte die Auszeichnung, weil sie sich als Opfer dem Hass verweigert habe, sagte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), der Ehrenmitglied des auslobenden Vereins Friends of Dresden Deutschland ist.

Bei der Preisverleihung sagte Kim, was ihr geholfen habe, nach dem Horror den Tätern zu vergeben: ihr christlicher Glaube. Sie bete jeden Tag für den Frieden der Welt. Bis heute leide sie an den Folgen des Angriffs, sagte die Vietnamesin, deren Haut noch immer schwer von den Verbrennungen gezeichnet ist. Doch: „Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber mit Liebe können wir die Zukunft heilen“, betonte die Preisträgerin in Dresden. Sie rief dazu auf, sich Vorurteilen und Hass entgegenzustellen. In seiner Laudatio sagte der US-amerikanische Kriegsfotograf James Nachtwey, Kim habe aus einem Leben des Krieges ein Leben des Friedens gemacht. Kim selbst sagte im Fernsehinterview, dass das Foto von damals zu einem Werkzeug für Gott geworden sei. „Offenbar hatte Gott noch einiges vor mit mir.“

Von: Jörn Schumacher

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus