Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

Wir sind mehr! Oder weniger!

Morgen Abend ist in meiner Stadt eine Demo gegen Rechtsextremismus geplant. Chemnitz ruft. Vertreter der Parteien, Kirchen und der Universität werden sprechen. Es wird mit hoher Beteiligung gerechnet. Marburg ist eine politisch linke und religiös neutrale Stadt. Links gegen rechts funktioniert hier immer. Eine Kolumne von Jürgen Mette

Ich bin kein Demo-Pilger, hab noch nie eine Fahne geschwenkt, nie ein Banner vor mir hergetragen. Ich tauge nicht für Sprechchöre und schrille Parolen, seien es christlich oder politisch inszenierte Kampagnen. Parolen vereinfachen komplexe Themen, verkürzen die Lösungen ernster Probleme auf reimfähige Vierzeiler. Bei einem Schweigemarsch wäre ich gern dabei. Demos mit den Dimensionen von Chemnitz, mit Liedern wie vom K.I.Z. treiben mir die Lust auf dieses ambulante Theater aus. Im Song „Ein Affe und ein Pferd“ von K.I.Z. heißt es: „Ich ramm die Messerklinge in die Journalisten-Fresse“. Oder diese Hass-Zeilen über die ehemalige Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman: „Eva Herman sieht mich, denkt sich: ‚Was‘n Deutscher!‘/Und ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer/Ich fick sie grün und blau, wie mein kunterbuntes Haus/Nich alles was man oben reinsteckt, kommt unten wieder raus.“

Mit Hass-Parolen Hass überwinden gleicht dem Versuch, das Feuer mit Sauerstoff zu löschen.

Wer wird neben mir durch Marburg marschieren? Vom Verfassungsschutz beobachtete Muslim-Brüder, gewaltbereite Linksradikale, Burschenschaftler, Gewerkschafter, notorische Trittbrettfahrer jedweder Motivation? Mich verbindet wenig mit den Genannten, ich bin nicht deren Komplize. Werde ich in einem Pulk mit Christenhassern für Toleranz und Frieden demonstrieren, mit den gleichen, die kürzlich wieder gegen die Evangelikalen in unserer Stadt opponiert haben? Will ich inmitten von stromlinienförmig angepassten Anstandsbürgern in die Oberstadt ziehen? Ist das meine Blutgruppe? Ist es wirklich die Sorge um die innere Sicherheit, die uns auf die Straße bringt? Ist eine solche Demo wirklich Ausdruck eines Leidens am Zustand unserer Republik? Werden die Wortbeiträge deeskalierend wirken?

Es gibt Situationen, da ist eine Demo Christenpflicht

Wir sind mehr. Wer ist „wir“? Die Guten? Manchmal ist weniger mehr! Und was heißt „mehr“? Seit wann vertritt die Mehrheit per se die Wahrheit?

Soll ich mitmachen? Meinem Gesundheitszustand wäre eine Teilnahme sicher nicht zuträglich. Unser Dekan Burkhardt zur Nieden wird sprechen. Ein Grund, hinzugehen und ihn betend zu unterstützen.

Ich werde trotz aller Bedenken hingehen und mitmachen. Weil ich die Verteidigung unserer auf christlichen Werten basierende Verfassung und unsere freiheitliche Demokratie nicht den Kräften überlassen möchte, die eine andere Republik wollen. Es gibt Situationen, da ist eine Demo Christenpflicht. Das ist jetzt der Fall. Und wenn ein mir unbekannter Mitmarschierer dies aus humanistischen Motiven tut, dann ist das auch gut. Vielleicht kommen wir ins Gespräch. Wer in Christus und seinem Evangelium verwurzelt ist, kommt nicht um in der Konfrontation mit denen, die aus anderer Motivation für die gleiche Sache eintreten.

Von: Jürgen Mette

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