Ein Video des Google-Konzerns zeigt, wie Google sich die Zukunft vorstellt

Ein Video des Google-Konzerns zeigt, wie Google sich die Zukunft vorstellt

Google-Nutzer aufgepasst!

Ein geleaktes Google-Video zeigt, dass Google anhand von Datenanalyse vorhersagen will, wie sich Menschen verhalten werden. Angeblich handelt es sich nur um ein Gedankenexperiment. Umsichtig mit seinen eigenen Daten umzugehen, ist trotzdem angebracht. Ein Kommentar von Swanhild Zacharias

Das amerikanische Technikportal The Verge hat ein Video von Google geleakt, das zeigt, wie sich der Konzern die Zukunft vorstellt: „The Selfish Ledger“ (zu deutsch etwa: Das egoistische Journal) zeigt, dass Google durch ständiges Datensammeln und den Einsatz von künstlicher Intelligenz die Probleme jedes einzelnen Menschen mit einer auf ihn angepassten Strategie lösen will. Außerdem will es der Konzern auch mit den Problemen und Herausforderungen der gesamten Menschheit aufnehmen.

Das soll funktionieren durch die Analyse immenser Datenmengen, die bei der Nutzung von Google-Diensten entstehen. Jeder Nutzer habe dann ein „Ledger“, ein persönliches Journal, das „eine sich konstant entwickelnde Repräsentation von dem, was wir sind“ sei. So heißt es in dem Video. Fehlen Daten, um den Google-Nutzer besser zu verstehen, suche das System nach einer Möglichkeit, diese zu bekommen. Ist etwa das Gewicht des Nutzers unbekannt, werde dem User zum Beispiel der Kauf einer Waage angeboten. Durch die Datensammlung könne Google „immer akkuratere Vorhersagen machen über Entscheidungen und zukünftiges Verhalten“.

Nach der unfreiwilligen Veröffentlichung des Videos verlautbarte Google in einer Presseerklärung, das Video sei nur für den internen Gebrauch bestimmt gewesen und es gebe keinerlei Verbindung zu aktuellen oder geplanten Google-Produkten. Es handele sich um ein Gedankenexperiment, das zur Diskussion anregen und Debatten provozieren soll.

Wer Google nutzt, muss sich der Konsequenzen bewusst sein

Wer aber Google kennt, der bleibt bei dieser Aussage zumindest skeptisch. Denn dass der Konzern seine Nutzer schon jetzt mehr oder weniger genau kennt und diese Daten auch für eigene Zwecke nutzt, ist kaum zu bestreiten – und auch nicht wirklich neu. So nutzt der Konzern zum Beispiel schon lange seine Daten, um personalisierte Werbeanzeigen zu schalten oder dem Nutzer Nachrichten, basierend auf dessen Interessen, zu empfehlen. Neu sind hingegen die Dimension und die Äußerung, der Konzern wolle vorhersagen, wie sich Menschen verhalten werden.

Falsch wäre es, Google nun pauschal zu verteufeln, denn die Dienste des Konzerns sind im Alltag durchaus hilfreich. Ob Suchmaschine, das unkomplizierte Navigieren mit Google Maps, die Kalender- und die Notiz-Funktion oder das E-Mailprogramm. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Wer die Dienste nutzt, muss sich aber klar darüber sein, dass Google registriert und speichert, welche Termine der Nutzer hat, wie sein Wocheneinkauf aussieht oder welche Ausflugsziele zuletzt angesteuert wurden. Und Google registriert auch Daten, die man auf den ersten Blick schnell vergisst. Bei Besitzern eines Android-Handys zum Beispiel den Kauf von Apps im Google Play Store.

Wer gar nicht in den Fängen der „Datenkrake“ landen will, kann sich dem entziehen. Das ist aber aufwändig: Es gibt alternative Suchmaschinen und Navigationsprogramme. Bei einem geeigneten Smartphone wird die Suche schon schwerer: Ein Android-Betriebssystem kommt wegen der Nähe zu Google nicht in Frage. Und ein Apple-Gerät wird für Menschen, die ihre Daten nicht weitergeben wollen, kaum eine Alternative sein. Wer einfach nur sorgsam mit seinen Daten umgehen und wissen möchte, was Google weiß, kann seine Nutzerdaten auch einsehen und gegebenenfalls löschen. Außerdem gibt es verschiedene Möglichkeiten, um seine Privatsphäre zu schützen. Ein umsichtiges Nutzungsverhalten ist in jedem Fall angebracht – nicht erst seit Bekanntwerden von „The Selfish Ledger“.

Von: Swanhild Zacharias

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