Auch in christlichen Konfessionen bedecken Frauen und Mädchen ihr Haar mit Kopftüchern. Zum Beispiel beim Betreten einer Kirche oder eines Klosters.

Auch in christlichen Konfessionen bedecken Frauen und Mädchen ihr Haar mit Kopftüchern. Zum Beispiel beim Betreten einer Kirche oder eines Klosters.

FDP, ÖVP, AC/DC & Co.

Konservative Österreicher und liberale Deutsche verbindet eine seltsame Allianz. Sie wollen das Tragen von Kopftüchern bei jungen Mädchen durch Gesetze verbieten. Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Mitte der vergangenen Woche hat sich der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dafür ausgesprochen, das Tragen von Kopftüchern in Kindergärten und Schulen im Land zu verbieten. „Eine Verschleierung von Kleinkindern ist definitiv nichts, was in unserem Land Platz haben sollte“, erklärte der ÖVP-Politiker. Kritische Beobachter werden sich fragen, ob die Gesetzesvorlage, die die Regierung noch in diesem Jahr vorlegen will, dann Ausnahmeregelungen für österreichische Brauch- und Volkstumsgruppen vorsieht.

Verbündete fand der österreichische Kanzler, man mag es kaum glauben, auch jenseits der Alpen bei deutschen Liberalen. Der Partei, die sich hierzulande in der Regel gegen staatliche Regulierung stark macht. Dort meldete sich Joachim Stamp (FDP), seines Zeichens Integrationsminister des Landes, zu Wort. Seiner Meinung nach sollen religionsunmündige Kinder nicht dazu gedrängt werden dürfen, ein Kopftuch zu tragen. Zuletzt stimmte dann noch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner in den Abgesang auf das Kopftuch für Mädchen unter 14 Jahren ein und befand, man müsse die „individuelle Religionsfreiheit auch innerhalb von Familien" verteidigen.

Das Getöse der Politiker um das Verbot von Kopftüchern bei jungen Mädchen erinnert an Konzerte der Hard Rock Band AC/DC. Viel Lärm, viel Effekt, kaum Tiefgang. Auch deshalb, weil der Lead-Gitarrist der Band, Angus Young, bei Live-Auftritten der australischen Hard-Rock-Band in einer Schuluniform auf der Bühne aufzutreten pflegte. In dem Herkunftsland der Band wird, wie in weiten Teilen des Commonwealth, an Schulen Uniform getragen. Bei den Konzerten rockten dann Banker neben Schlossern, Lehrer neben Sozialhilfe-Empfängern und Hausfrauen gemeinsam ab – ohne Ansehen der Religion oder Weltanschauung. Dort, wo das soziale Gefälle groß ist, schätzen Eltern, dass die Kinder einheitliche Kleidung in der Schule tragen. Im Vereinigten Königreich dürfen muslimische Mädchen übrigens meist an staatlichen Schulen mit dem Kopftuch am Unterricht teilnehmen. Dahin gehend könnten sich Politiker aller Parteien einmal Gedanken machen. Hinderungsgrund für gedeihliches Miteinander ist vielerorten der mangelnde Respekt gegenüber anderen Glaubensauffassungen oder Lebensentwürfen. Es geht im Kern darum, dass Kinder und Eltern gegenseitigen Respekt vor jedem Menschen, unabhängig der religiösen und weltanschaulichen Äußerungen vermittelt durch Kleidung oder andere erkennbare Merkmale, gewinnen. Respekt hat der Kippa-tragende Junge jüdischer Eltern, genau wie das kopftuchtragende Mädchen muslimischer Eltern, wie der Dastar-tragende Mann der Sikh-Religion verdient. Diesen Respekt wird kein Verbot der Welt zutage fördern.

Von: Norbert Schäfer

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