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Katholischer Sozialethiker verteidigt Waffenlieferungen an Ukraine

Der katholische Sozialethiker Elmar Nass verteidigt Waffenlieferungen an die Ukraine. Aus christlicher Sicht gebe es gute Gründe, sich im Notfall gegen Gewalt zu wehren.
Von dpa
Elmar Nass

Foto: MRAlvagro | CC BY-SA 4.0 International

Elmar Nass ist Professor für Christliche Sozialwissenschaften und gesellschaftlichen Dialog an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie

Der katholische Sozialethiker Elmar Nass hat das Votum der Deutschen Bischofskonferenz für Waffenlieferungen an die Ukraine verteidigt. „Das muss man im Kontext der gerechtfertigten Verteidigung sehen“, sagte der an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie lehrende Wissenschaftler der Kölnischen Rundschau am Montag.

„Wenn ein Freund angegriffen wird, und ich schaue nur tatenlos zu, dann ist das auch keine Freundschaft. Die Lieferung von Waffen würde ich als Akt der Freundschaftshilfe für das ukrainische Volk sehen mit dem Ziel, größeres Übel zu verhindern und zu einem Ende des Kriegs zu kommen.“

Es gebe nicht nur eine Interpretation der biblischen Friedensbotschaft, sagte Nass der Zeitung. Es gebe die pazifistische Position, es könne aber „auch aus christlicher Sicht gute Gründe geben, sich im Notfall gegen Gewalt auch mit gewaltsamen Mitteln wehren zu dürfen“. Deeskalation nach dem Prinzip „Wer dich auf die linke Wange schlägt, dem halte auch die rechte hin“ funktioniere nur, „wenn der andere mich nicht umbringt“.

Werde dagegen eine solche Eskalationsstufe erreicht, dann funktioniere diese Idee nicht mehr. Nass: „Deshalb können die radikalen Forderungen der Bergpredigt in so einer Situation nicht der letzte Maßstab von Friedenspolitik sein.“

Die katholischen deutschen Bischöfe halten Waffenlieferungen in die Ukraine für gerechtfertigt. „Rüstungslieferungen an die Ukraine, die dazu dienen, dass das angegriffene Land sein völkerrechtlich verbrieftes und auch von der kirchlichen Friedensethik bejahtes Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen kann“, seien „grundsätzlich legitim“, hieß es in einer Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz.

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3 Antworten

  1. Seit dem Jahr 313 ist die Kirche leider eng mit der politischen Macht verbunden. Das sie bis heute an den weltlichen Verbindungen festhält und die Christen nicht zu einer biblischen Haltung gemäß der Lehre Jesu anhält, ist sehr traurig. Leider betrifft das nicht nur die katholische Kirche. Würde doch der Ruf von Dietrich Bonhoeffer 1934 auf der Jugenkonferenz in Fanö endlich zum Ruf aller christlichen Kirchen und Gemeinden: „Wie wird Friede? Wer ruft zum Frieden, dass die Welt es hört, zu hören gezwungen ist? Dass alle Völker darüber froh werden müssen? … Nur das Eine große ökumenische Konzil der Heiligen Kirche Christi aus aller Welt kann es so sagen, dass die Welt zähneknirschend das Wort vom Frieden vernehmen muss und dass die Völker froh werden, weil diese Kirche Christi ihren Söhnen im Namen Christi die Waffen aus der Hand nimmt und ihnen den Krieg verbietet und den Frieden Christi ausruft über die rasende Welt.“

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    1. Und mit Bonhoeffer muss ich Herrn Freerksema widersprechen. Denn gerade Bonhoeffer machte eine interessante Wandlung durch. Ich zitiere:
      “Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.”
      “Es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen.”
      “Schlimmer als die böse Tat ist das Böse-sein.”
      Und so wurde aus dem Pazifisten Bonhoeffer der Widerstandskämpfer Bonhoeffer, der die Tötung Hitlers befürwortete, um Menschen zu retten.
      Noch ein Zitat:
      “Die Sünde zu vermeiden, kann die größte Schuld sein. Er fordert tatsächlich auf, sich zum Schutz des Nächsten schuldig zu machen.
      Soweit Bonhoeffer.

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  2. Leider muss ich Herrn Nass zustimmen. Sein Beispiel ist sehr eindrücklich
    .Jemand, vielleicht eine Frau, wird in der Öffentlichkeit, in meiner umittelbaren Nähe angegriffen, mißhandelt , überfallen. Gibt es ja leider bei uns fast täglich. Was mache ich dann ? Was hätte Jesus gesagt und getan ? Weggeschaut, vierlleicht bestenfalls noch theoretisch von Frieden philosophiert und sich anschließend in seine Glaubensblase verabschiedet ohne selbst aktiv einzugreifen und den Angreifer versuchen abzuwehren ? So wie es beispielsweise Herr Freerskema scheinbar vorschlägt ?

    Ich glaube nicht, dass Jesus bei der Steinigung der Frau weiter zugeschaut hätte ohne weitere Schritte zu unternehmen, wenn seine Worte nicht die entsprechende Wirkung gezeigt hätten.

    Wir sind nicht Gott und nicht Jesus. UNSERE Worte haben leider nicht diese Wirkung und Vollmacht.

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