Open-Doors-Leiter Markus Rode (2. v. l.) befürchtet, dass die Dunkelziffer bei Gewalt gegen christliche Flüchtlinge sehr hoch ausfällt
Open-Doors-Leiter Markus Rode (2. v. l.) befürchtet, dass die Dunkelziffer bei Gewalt gegen christliche Flüchtlinge sehr hoch ausfällt
Die am Montag in Berlin vorgestellte Erhebung dokumentiert Fälle von Gewalt in deutschen Asylbewerberheimen. Die Autoren fordern von Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Thema zur Chefsache zu erklären.
Die am Montag in Berlin vorgestellte Erhebung dokumentiert Fälle von Gewalt in deutschen Asylbewerberheimen. Die Autoren fordern von Bundeskanzlerin Angela Merkel, das Thema zur Chefsache zu erklären.

„Keine Integrations-Experimente auf dem Rücken der Christen!“

Die überkonfessionelle Menschenrechtsorganisation Open Doors hat am Montag in Berlin einen erweiterten Bericht vorgelegt, der religiös motivierte Übergriffe auf nun insgesamt 753 Flüchtlinge in deutschen Asylbewerberheimen dokumentiert. Die Haltung der Volkskirchen dazu wurde kritisiert.

Bereits im Mai hatte die Organisation „Open Doors“ zusammen mit den Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen „Aktion für verfolgte Christen und Notleidende“ (AVC), der „Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM), „Kirche in Not“ sowie dem „Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland“ (ZOCD) einen Bericht vorgelegt, der Diskriminierung und Gewalt gegen Ayslbewerber mit christlichem Hintergrund in deutschen Asylbewerberunterkünften dokumentierte. Der Bericht hatte starkes Medieninteresse geweckt und eine Debatte über die Situation von Christen und religiösen Minderheiten in den Heimen entfacht. Zentraler Kritikpunkt an der Dokumentation war, dass der Großteil der erfassten Übergriffe in Berlin und Brandenburg aktenkundig geworden waren und so den Eindruck erweckten, es handle sich dabei um ein regionales Problem.

„Nur die Spitze des Eisberges“

Der am Montag in Berlin vorgestellte Bericht ist eine Fortführung dieser Erhebung vom Mai und dokumentiert nun weitere 512 Fälle für den Zeitraum von Mai bis September aus ganz Deutschland.

Die Initiatoren des Berichtes gehen weiter davon aus, dass die Anzahl der erfassten religiös motivierten Übergriffe auf christliche Flüchtlinge und andere Minderheiten nur „die Spitze des Eisbergs“ darstellt und rechnen mit einer weitaus höheren Dunkelziffer nicht dokumentierter Fälle. Von den insgesamt 753 bekanntgewordenen Fällen betreffen 743 Christen und 10 Jesiden.

In Berlin wurden 146 Fälle verzeichnet, in Hessen 136 und in Nordrhein-Westfalen 128. Auffällig ist, dass in Sachsen kein Übergriff gegen eine religiöse Minderheit in dem Bericht aufgeführt ist. Etwa zwei Drittel der befragten Flüchtlinge kommen aus dem Iran (304) und aus Syrien (263). Dem Bericht zufolge gaben 314 der Befragten an, mit dem Tode bedroht worden zu sein, 44 Personen waren den Angaben zufolge Opfer sexueller Übergriffe und 416 der Befragten gaben an, Opfer von Körperverletzungen geworden zu sein. Am häufigsten sei die Gewalt von Mitflüchtlingen ausgegangen, der Bericht nennt hier 674 Fälle. Aber auch das Wachpersonal (205) und andere Personen haben sich demnach an Übergriffen beteiligt.

Kritik an Haltung der Volkskirchen

In dem Bericht erheben die Initiatoren der Dokumentation auch Vorwürfe gegen die Volkskirchen. Diese würden zwar die Schutzbedürftigkeit der christlichen Flüchtlinge im Grundsatz erkennen, sprächen jedoch bei den Übergriffen weiter von Einzelfällen und lehnten eine nach Religionen getrennte Unterbringung der Flüchtlinge weiter ab. Open Doors bemängelt in dem nun vorgestellten Bericht seinerseits eine Erhebung der Volkskirchen über die Situation in den Flüchtlingsheimen. Die Aussagekraft der kirchlichen Erhebung werde durch Unklarheiten stark eingeschränkt. Die Kirchen hätten weder Zahlen noch Fakten, noch Angaben zur angewandten Methodik veröffentlicht. Auch gebe die Erhebung keinen Aufschluss darüber, ob die betroffenen Minderheiten in den kirchlichen Einrichtungen in die Befragung einbezogen worden seien. Aus dem Bericht der Kirchen ließen sich keine belastbaren Aussagen zur Häufigkeit der Konflikte machen.

Der Leiter von Open Doors Deutschland, Markus Rode, erklärte auf der Pressekonferenz, dass sich jeder mitschuldig mache, der Übergriffe auf Minderheiten in Flüchtlingsheimen verschweige, verharmlose oder für eigene Zwecke instrumentalisiere. Dadurch könnten Täter ermutigt werden. „Darum bitten wir die Politiker, insbesondere auch die Bundeskanzlerin, dieses Thema zur Chefsache zu machen“, sagte er. Auch positive Entwicklungen, die es in den einzelnen Bundesländern gegeben habe, seien in den Forderungskatalog mit aufgenommen worden – es gehe also nicht darum, sich nur negativ zu äußern.

„Es werden nicht-muslimische Sicherheitskräfte benötigt“

Die Initiatoren der Dokumentation verlangen, dass es keine weiteren „Integrationsexperimente“ mehr „auf dem Rücken christlicher Flüchtlinge und anderer religiöser Minderheiten“ in deutschen Asyl- und Erstaufnahmeeinrichtungen geben darf. Von der Bundeskanzlerin, den verantwortlichen Sozial-, Kultus- und Innenministern in Bund und Ländern sowie den Integrationsbeauftragten fordern sie, Angehörige von Minderheiten zusammenzulegen sowie Verfolgungs- und Diskriminierungsopfer separat unterzubringen. Außerdem sollten mehr nicht-muslimische Sicherheitskräfte in den Unterkünften beschäftigt werden. Die Mitarbeiter in den Unterkünften müssten durch Schulungen für die Situation sensibilisiert und Vertrauenspersonen christlichen Glaubens eingesetzt werden, an die sich von Verfolgung betroffene Christen wenden könnten.

Open Doors setzt sich für die Anliegen der weltweit mehr als 100 Millionen verfolgten Christen ein. Aktuell ist die Organisation in über 60 Ländern im Einsatz. Jährlich veröffentlicht Open Doors den Weltverfolgungsindex, eine Rangliste von Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. (pro)

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Von: nob

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