In Flüchtlingsunterkünften kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen (Symbolbild)
In Flüchtlingsunterkünften kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen (Symbolbild)

Flüchtlinge: Polizei will Christen und Muslime trennen

Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen zwischen Flüchtlingen verschiedener Religionen. Vor allem christliche Flüchtlinge leiden unter den Konflikten, die sich aus ihrer Heimat nach Deutschland verlagern. Experten fordern bereits eine Trennung der Asylbewerber nach Kulturkreis.

In der Welt am Sonntag (WamS) berichtet Gottfried Martens, Pfarrer der Berliner Dreieinigkeitskirche, von den Problemen, die christliche Flüchtlinge in den Heimen oft haben. Zu seiner Gemeinde gehörten etwa 600 Afghanen und Iraner, von denen er viele getauft habe. Fast alle hätten in ihren Unterkünften große Probleme. „Streng gläubige Muslime vermitteln dort die Ansicht: Wo wir sind, herrscht die Scharia, herrscht unser Gesetz“, sagt er. Die Christen dürften ihre Speisen in den Küchen nicht zubereiten und würden gemobbt, wenn sie nicht fünfmal am Tag Richtung Mekka beteten. Vor allem Konvertiten seien viel Leid ausgesetzt. „Und sie stellen sich schon die Frage: Was passiert, wenn die streng gläubigen muslimischen Flüchtlinge das Heim verlassen? Müssen wir uns als Christen in Zukunft in diesem Land verstecken?“, gibt Martens zu bedenken.

Die WamS berichtet außerdem von dem Iraner Said, der in einem Asylbewerberheim im südlichen Brandenburg lebt. Er könne dort nicht offen sagen, dass er Christ ist, sonst würde er bedroht. Die meisten der anderen Flüchtlinge in dem Heim seien Syrer und streng gläubige sunnitische Muslime. „Sie wecken mich vor dem Morgengrauen während des Ramadan und sagen, ich solle essen, bevor die Sonne aufgeht. Wenn ich ablehne, sagen sie, ich bin ein ,kuffar‘, ein Ungläubiger. Sie spucken mich an. Sie behandeln mich wie ein Tier. Und drohen, mich zu töten“, sagt Said. Der Sicherheitsdienst, den er alarmierte, habe nichts unternommen.

Im sauerländischen Hemer hätten Algerier vor kurzem einen Eritreer und seine schwangere Frau mit einer Glasflasche angegriffen. Das Paar trug seine Taufketten um den Hals. Ein Syrer aus dem Erstaufnahmelager in Gießen berichtet der Zeitung, er habe Angst, dass sich unter den Flüchtlingen Anhänger des Islamischen Staates befänden. „Sie schreien Koranverse. Das sind Wörter, die der IS schreit, bevor sie den Menschen die Köpfe abschneiden. Ich kann hier nicht bleiben. Ich bin Christ“, sagt der Mann.

Forderung: Flüchtlinge nach Religion trennen

Ein dramatischer Fall sei auch der einer christlichen Familie aus dem Irak, die im bayerischen Freising untergebracht war. Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk hatte der Vater von gewalttätigen Angriffen und Drohungen eines syrischen Islamisten gesprochen. „Sie haben meine Frau angeschrien und mein Kind geschlagen. Sie sagen: Wir werden dich töten und dein Blut trinken“, erklärte der Mann gegenüber dem Fernsehsender. Weil sie es nicht mehr aushielt, sei die Familie nach einiger Zeit zurück nach Mossul in den Irak gegangen. Von dort sei sie jedoch wieder vertrieben worden, diesmal nach Erbil in den Nordirak. Der Anwalt der Familie aus München sagte gegenüber der Welt: „Es geht ihnen sehr schlecht. Ich wollte ihnen gern helfen und habe auch ans Innenministerium geschrieben, aber es gab keine Möglichkeit, sie zurück nach Deutschland zu holen.“

Simon Jacob vom Zentralrat der orientalischen Christen überraschen die Vorfälle nicht: „Ich kenne sehr viele Berichte von christlichen Flüchtlingen, die Angriffen ausgesetzt sind. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs.“ Es gebe eine hohe Dunkelziffer. Die Konflikte zwischen Christen und Muslimen brächten die Flüchtlinge aus ihrer Heimat nach Deutschland. Dabei sind nicht nur Christen betroffen. Zwischen Schiiten und Sunniten, Kurden und Extremisten, Jesiden und Extremisten gebe es ähnliche Ausschreitungen. Jacob plädiert deshalb dafür, die Flüchtlinge zu Anfang getrennt nach Religionen unterzubringen. Er erklärt aber auch, dass das keine langfristige Lösung sein könne.

Nachdem es in einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel vor kurzem zu einer Massenschlägerei kam, forderte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) eine getrennte Unterbringung der Asylbewerber nach Religion. Obwohl der Konflikt angeblich keinen konfessionellen Hintergrund hatte, forderte die GdP, Christen und Muslime voneinander zu trennen. „Wir müssen alles tun, um weitere Gewaltausbrüche zu verhindern, eine getrennte Unterbringung auch nach den Religionen halte ich für absolut sinnvoll“, sagte der Vize-Chef der Gewerkschaft Jörg Radek nach Angaben von t-online.de. Weil sich die unterschiedlichen Gruppen solidarisierten, käme es vermehrt zu Massenschlägereien. Es reiche dann nicht aus, einen Streifenwagen zu schicken. Grund für die wiederkehrenden Auseinandersetzungen ist nach Radek die Enge in den Unterkünften: „Wenn da 4000 Menschen in einem Heim sind, das eigentlich nur 750 Plätze hat, dann führt diese Enge zu Aggressionen, wo selbst eine Winzigkeit wie der Gang zur Toilette zu einer Handgreiflichkeit führt.“

Grüne: Gläubige müssen Nebeneinander lernen

Max Klingberg von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte geht davon aus, dass die Gewalt in den Asylunterkünften weiter zunehmen wird. „Wir müssen uns von der Illusion befreien, dass alle, die hier ankommen, Menschenrechtsaktivisten sind. Unter den jetzt Ankommenden ist ein nicht kleiner Anteil in seiner religiösen Intensität mindestens auf dem Niveau der Muslimbrüder“, sagt er. Je enger die Menschen zusammenlebten, desto wahrscheinlicher brächten Konflikte aus. Am härtesten von allen treffe es dabei Jesiden und Christen. „Bei christlichen Konvertiten, die ihren Glauben nicht verheimlichen, geht die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Übergriffen oder Mobbing zu werden, gegen 100 Prozent.“

Als einziges Bundesland versucht derzeit Thüringen, Flüchtlinge nach Religion getrennt unterzubringen. Die Umsetzung sei aber schwierig. Wir achten auf eine konfliktsensible Unterbringung und versuchen, Menschen aus unterschiedlichen Ländern auf verschiedene Stockwerke oder eigene Unterkünfte zu verteilen“, sagt Thüringens Justiz- und Migrationsminister Dieter Lauinger (Bündnis 90/Die Grünen). Aufgrund der Krisensituation sei das nur eingeschränkt möglich. Wenn der Zuzug wieder geordnet ablaufe, solle das jedoch ausgebaut werden. Eine strikte Trennung nach Religion hält Lauinger für falsch. Gerade intensiv religiöse Muslime müssten lernen, mit anderen Religionen zu leben. Es sei ein „Spagat zwischen der konfliktvermeidenden getrennten Unterbringung und der klaren Anforderung, andere Kulturen und Religionen zu dulden.“ (pro)

Von: sz

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