Ein Moslem aus dem Iran im katholischen Gottesdienst: So sieht Begegnung in About the Other aus
Ein Moslem aus dem Iran im katholischen Gottesdienst: So sieht Begegnung in About the Other aus
Christen beten mit Muslimen, Muslime beten mit Christen – was daraus wird, zeigt About the Other
Christen beten mit Muslimen, Muslime beten mit Christen – was daraus wird, zeigt About the Other

Der Glaube des Anderen

Theologiestudenten in Paderborn reicht es nicht, den Islam von außen zu betrachten. Sie sind in den Iran gereist, haben sich mit muslimischen Studenten ausgetauscht und ihre Gebete miterlebt. Ein Film zeigt nun, wie aus dieser Begegnung Freundschaften entstanden sind.

Wenn junge Christen ins Herz des schiitischen Islam reisen, dann ist das definitiv eine Reportage wert. Umso mehr, wenn die jungen Muslime ihrerseits anschließend Deutschland und seinen universitären Umgang mit der Theologie erleben. Das dachten sich wohl auch Stephan Schöbel und Sandra Lenke, als sie sich dazu entschieden, die Studenten aus Paderborn und dem iranischen Qom bei ihrem einzigartigen Austausch zu begleiten. Das Ergebnis, der Film „About the Other“, war am Dienstag im Berliner Kino Central zu sehen.

Die Reise ist Teil des Studienprogrammes am ZEKK, dem Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften. Dahinter steht der Gedanke, dass Religionen nur dann vergleichbar sind, wenn der Forschende sie selbst erlebt hat. Direkter Kontakt also statt theoretischem Wissen aus dem Schulbuch. Dass das aber auch Probleme mit sich bringt, zeigt sich schon in den ersten Tagen des deutsch-iranischen Besuchsprogramms.

Emanzipation gegen traditionellen Islam

So nehmen die Paderborner am universitären Programm im islamischen Staat teil. Sie diskutieren mit den dortigen Studenten über Geschlechterrollen und Feminismus. „Frustrierend“, nennt das eine der deutschen Teilnehmerinnen, eine andere spricht davon, dass die Meinungen der strenggläubigen Muslime sie „bedrücken“. „Ich wünsche mir sehr, dass auch der Islam Wege findet, da weiter zu kommen“, erklärt die Frau weiter und meint damit zum Beispiel die Trennung nach Geschlecht beim Gebet oder das Lehrverbot für Frauen. Auch das Christentum habe eine solche antifeministische Theologie geprägt – habe dies aber hinter sich gelassen.

Die Muslime ihrerseits haben Probleme damit, religiöse Schriften als poetisch und symbolisch zu verstehen, wie es die Studenten der christlichen Theologie gewohnt sind. „Für uns ist der Koran direkt von Gott offenbart“, sagt etwa einer der Iraner. Dennoch machen Christen und Muslime rasch Gemeinsamkeiten aus. „Wir teilen unsere Menschlichkeit“, sind sie sich sicher. Humanität nämlich sei das Wesen beider Religionen.

Schöne heile Welt blendet Wirklichkeit aus

Über weite Strecken blendet die Dokumentation aus, dass die Wirklichkeit anders aussieht als dieser Prototyp des Interreligiösen Dialogs. Von einer rigiden iranischen Gesellschaftsordnung, in der Hinrichtungen und Gefängnisstrafen wegen Blasphemie an der Tagesordnung sind, erfährt der Zuschauer nichts. Das mag gewollt sein, steht doch die Erfahrung der Reisenden im Vordergrund. Dennoch lässt das die Produktion zeitweise lückenhaft wirken.

Stark ist hingegegen, dass Schöbel und Lenke zeigen, wie besonders die Christen in der Fremde ihre eigene religiöse Identität wiederentdecken. So feiern sie etwa einen Aschermittwochsgottesdienst inmitten der islamischen Fakultät. Sie singen im Beisein der Muslime christliche Lieder und malen sich gegenseitig das Aschekreuz auf die Stirn. „Das hat mich völlig aus den Latschen gehauen“, sagt einer der deutschen Teilnehmer nach dem Ritual. Zuhause gebe er wenig auf christliche Symbolik. Aber hier, in der Ferne, habe er den Wert christlicher Tradition erst entdecken können.

Ein Turban in der Messe

Beim Deutschlandbesuch der Iraner nehmen die Studenten sie mit zu einer Messe. Die Kamera schwenkt auf den Turban eines der Muslime, im Hintergrund sind die goldenen Bauten im Innern der Kirche zu sehen. Nichts könnte klarer zeigen, um was es beim Begegnungsprojekt der Uni Paderborn geht: Nicht Ungleiches gleich zu machen, ist das Ziel. Sondern die Begegnung in aller Unterschiedlichkeit. Turban und Goldverzierung – das gibt ein schönes Bild. Als ebenso wertvoll haben die Iraner und Deutschen im Nachhinein ihr Aufeinandertreffen beschrieben. Und ja, dabei seien auch Freundschaften entstanden. Tiefe sogar. (pro)

Von: al

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