Die Welt des Internets: Auf der Re:publica ist jeder online
Die Welt des Internets: Auf der Re:publica ist jeder online

Mehr Internet!

Kreativität ist heute im Internet zu Hause. Doch Jugendschützer und auch viele Christen warnen vor den Gefahren neuer Onlinemedien. Die einzige sinnvolle Antwort darauf lautet: Mehr Netz für alle! Ein Kommentar von Anna Lutz

Eine Woche ist es her, da tagten in Berlin all die Netzjunkies, die Nerds, die Blogger, die Technikaffinen, die Twitterer und Facebooker und die künftigen Apple-Watch-Besitzer, kurz: Es war Re:publica. Wohlfühlen kann sich hier eigentlich jeder – es sei denn, er ist Internetskeptiker. Denn wer die Rede hier auf den umstrittetenen Terminus Internetsucht bringt oder gar erklärt, noch nie einen Tweet abgesetzt zu haben, wird wahlweise ungläubig angeschaut oder belehrt. Dafür ist das Treffen der Netzgemeinde eines der Kreativsten der Republik. Nichts in Deutschland ist derzeit innovativer als die Internetcommunity.

Am Mittwoch zeigte die Hauptstadt, was sie kann: Kontraste schaffen. Denn nur wenige Tage nach dem Ende der Re:publica luden Jugendschützer zur Vorstellung eines Jahresberichts ein, der sich mit den Gefahren der Netzwelt auseinandersetzt. Der ergab: Kinder und Jugendliche, die das Internet nutzen, sind gefährdet. Sie werden in Foren und Chats dazu animiert, sich selbst zu verletzten, schon Neunjährige planen dort den gemeinschaftlichen Suizid. Das will so gar nicht zum Netzglamour der Re:publicaner passen. Aber nur auf den ersten Blick.

Eine gewisse Netzskepsis unter Frommen

Zunächst einmal blasen die Jugendschützer mit ihrer Warnung zu Recht in ein Horn, das auch Christen schon lange bespielen. Die Pädagogikseiten christlicher Medien, auch die von pro, beschäftigen sich regelmäßig und verlässlich mit den Gefahren der Netzwelt. Bedenkt man, dass schon das Fernsehen viele Angebote hervorbringt, über die Fromme sich regelmäßig in Leserbriefen und öffentlich beschweren, so bekommt man vielleicht eine ungefähre Vorstellung davon, wie kritisch sie das Internet erst sehen müssten.

Eine gewisse Netzskepsis unter Christen dürfte also an der Tagesordnung sein. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die kirchlichen Netzangebote – und hier spielen Konfession und Denomination ersteinmal gar keine Rolle – dem Mainstream meist meilenweit hinterherhinken. Hier und da wird das Internet zwar als Werkzeug zur Mission verstanden. Etwa durch die Macher der Seite Glaubensimpulse, die während der Fußball-WM Fotos von Sportlern mit christlichen Zitaten posteten und von denen viele tausendfach geteilt wurden. Aber die echten Möglichkeiten der Netzgemeinde, diesem oft bemühten Terminus, werden doch hinlänglich verkannt. Vernetzung und Diskurs finden eher am Rande und durch Einzelne statt.

Eltern vs. Digital Natives

Sei es in der Kirche oder außerhalb, gerade die Generation 50plus tut sich mit dem Chatten, Posten und Kommentieren schwer, sprich, sie tut es eher selten, vor allem im direkten Vergleich mit ihren Kindern und Kindeskindern. Hier finden die Netzskeptiker vom Jugendschutz und die Netzaktivisten von der Re:publica dann unerwarteterweise auch zusammen. Denn das halten beide Gruppen für unangemessen. Nicht weniger Netz kann die Lösung für die ja durchaus vorhandenen Probleme moderner Medienwelten sein. Mehr Internet muss her, und zwar auf den Handys, Laptops und PCs der Älteren. Denn wie sagte Margit Gottstein (Die Grünen), Staatssekretärin im Jugendministerium Rheinland-Pfalz, doch bei der Vorstellung des Jugendschutz-Berichts: „Viele Eltern sind fern von den Kenntnissen, die ihre Kinder schon mitbringen.“

Die Digital Natives rennen ihren Vätern und Müttern in Sachen Netz davon. Deshalb liegt die erste Aufgabe von Eltern nicht darin, ihren Zöglingen den Zugang zum Web zu versperren. Das ist ohnehin nicht mehr möglich, denn das Internet ist überall. Der einzige Weg für Netzskeptiker, Gefahren zu begegnen ist einer, den sogar Jesus in der Bibel bereits gegangen ist: Know your Enemy, kenne deinen Feind. Also, Christen (und Nichtchristen): Ran an die Tastaturen, die Bildschirme, die Mäuse. Und wer weiß, vielleicht gibt es dort ja Dinge zu entdecken, die auch euch begeistern. (pro)

Von: al

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