Weinkönigin, Religionslehrerin, Journalistin – Julia Klöckner hat viel erlebt, bevor sie von 2002 bis 2011 für die CDU im Bundestg saß. Heute ist sie Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag von Rheinland-Pfalz
Weinkönigin, Religionslehrerin, Journalistin – Julia Klöckner hat viel erlebt, bevor sie von 2002 bis 2011 für die CDU im Bundestg saß. Heute ist sie Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag von Rheinland-Pfalz

„Burka hat nichts mit kultureller Vielfalt zu tun“

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner bekräftigt im pro-Gespräch ihre Kritik an der Vollverschleierung von Frauen – und stellt sich der Frage, ob sie wirklich nicht Bundeskanzlerin werden will.

pro: Zuletzt waren Sie mit der Forderung eines Burka-Verbots in den Schlagzeilen. Kaum eine Frau in Deutschland trägt Burka – war es nötig, das Thema aufzugreifen?

Julia Klöckner: Es geht nicht nur um die Burka, sondern auch um die in Deutschland häufiger zu sehende Niqab, es geht um die Vollverschleierung von Frauen. Es hat nichts mit einer offenen, freien Gesellschaft zu tun, wenn sich Frauen aufgrund ihres Geschlechts verhüllen müssen, weil einige fundamentalistische Männer das wollen. Und das nur aus dem Grund, weil sie als Frauen geboren wurden. Das hat nichts mit Gleichberechtigung, auch nichts mit kultureller Vielfalt zu tun, denn die Männer verhüllen sich ja auch nicht. Wenn aber ein Mann den Anblick einer Frau in der Öffentlichkeit nicht ertragen kann, dann ist das nicht das Problem der Frau, sondern des betreffenden Mannes. In Frankreich und in Spanien ist die Vollverschleierung verboten. Und es hat nichts mit der Quantität der Trägerinnen zu tun, wie viele es von ihnen in unserem Land gibt, sondern mit der Qualität des Frauenbildes. Wer für Frauenquote, gleiche Bezahlung von Männern und Frauen kämpft, der kann Vollverschleierung nicht gut finden. Im Übrigen will die Umwelt auch umgekehrt jemandem ins Gesicht schauen können, Gestik und Mimik sind wichtig.

Die Sorge um Frauenrechte in islamischen Parallelgesellschaften treibt auch die Demonstranten von Pegida um.

Pegida setzt sich auch für mehr Bürgerbeteiligung ein, lassen deshalb die Grünen jetzt ihre Forderung nach Bürgerbeteiligung fallen? Sicher nicht. Ob es den Demonstranten wirklich um Frauenrechte geht, kann ich nicht beurteilen.

Sehen Sie Defizite bei der Integrationsbereitschaft muslimischer Einwanderer?

Es gibt nicht „die“ muslimischen Einwanderer. Ich kann und will kein pauschales Urteil treffen. Unter Einwanderern, ganz gleich welches Glaubens, gibt es Integrationswillige und weniger Integrationsbereite. Es gibt viele Beispiele gelungener Integration, schauen Sie doch mal in unsere Krankenhäuser: Viele würden nicht mehr funktionieren, wenn dort nicht Menschen ihren Dienst täten, die auch einen Migrationshintergrund haben. Wir stellen aber fest, dass häufig Jungs aus streng gläubigen muslimischen Familien, wenn sie kein Deutsch sprechen, wenige Erfolgserlebnisse haben, sich abschotten, auch Frauen als Lehrerinnen nicht anerkennen.

Ihr Generalsekretär hat mal erklärt, von der CDU zur AfD gewechselte Wähler nicht zurückgewinnen zu wollen. Mittlerweile behauptet er das Gegenteil. Wollen Sie, dass Ihre Partei zur AfD übergelaufene Wähler anspricht – und wenn ja, wie?

Was den Umgang mit der AfD angeht, plädiere ich für Gelassenheit. Diese Partei ist ja aktuell vor allem mit sich selbst beschäftigt und hat in der Vergangenheit Positionen vertreten, gerade mit Blick auf Europa und den Euro, die abenteuerlich sind und den erfolgreichen Zusammenhalt gefährden.

Sie haben immer wieder erklärt, nicht Bundeskanzlerin werden zu wollen. Wir glauben Ihnen nicht.

Ob Sie mir glauben oder nicht, das bringt mich jetzt auch nicht um den Schlaf (lacht). Mein Ziel ist der Regierungswechsel in Rheinland-Pfalz im kommenden Jahr. Kein Kanzleramt in Berlin, sondern Staatskanzlei in Mainz. Das können Sie mir getrost glauben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Moritz Breckner. (pro)

Von: mb

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