Manfred Lütz: „Wir müssen unseren Glauben wieder kennen und auch bekennen – und zwar in einer Sprache, die Menschen verstehen können“
Manfred Lütz: „Wir müssen unseren Glauben wieder kennen und auch bekennen – und zwar in einer Sprache, die Menschen verstehen können“

„So reden, dass Atheisten es verstehen“

Der Psychiater und Buchautor Manfred Lütz hat Christen dazu aufgefordert, verständlich über ihren Glauben zu sprechen. Sein Vortrag bildete am Donnerstag den Auftakt zum Kongress christlicher Führungskräfte in Hamburg.

Buchautor Manfred Lütz erklärte: „Hinter den großen Debatten, die wir in unserer Gesellschaft führen, steht immer die Frage: Gibt es Gott?“ Als Beispiele nannte er den aktuellen Streit um Sterbehilfe. Das öffentliche Gespräch über Gott sei deshalb notwendig. Christen müssten in der Lage sein, Rechenschaft über die Hoffnung abzulegen, die in ihnen lebe. „Wir müssen unseren Glauben wieder kennen und auch bekennen – und zwar in einer Sprache, die Menschen verstehen können“, sagte er und kritisierte Geistliche, „die mit Fachchinesisch auf die Kanzel steigen“. Weiter sagte er: „Ich bin der Meinung, alles, was man sagen muss, kann man auch in verständlichen Worten sagen.“ Theologische Fachsprache sei in Predigten unangebracht. „Christen müssen heute so reden, dass der atheistische Nachbar das versteht.“

Menschen seien heute oft deshalb Atheisten, weil sie in „künstlichen Welten“ lebten, in denen Gott nicht vorkomme: innerhalb der Medien oder der Wissenschaft etwa. Das Fernsehen wirke für viele realer als das echte Leben. Deshalb gebe es für viele auch Gott nicht. „Wer das für die Realität hält, hat ein Problem“, sagte Lütz. Nur Christen, die ihre Identität kennen, könnten diesem Kreislauf entkommen.

Kompass in „neuer Unübersichtlichkeit“

Olaf Scholz (SPD), Bürgermeister von Hamburg, erklärte, Unternehmen bräuchten heute mehr denn je Werte. Kürzere Produktionszeiten, komplexere Prozesse, Globalisierung: „In einer neuen Unübersichtlichkeit ist es wichtig, einen Kompass zu haben.“ Aus der Bibel sei keine direkte Anleitung für wirtschaftliches Handeln abzuleiten. Die Inhalte der Bergpredigt würden in der Wirtschaft meist nicht umgesetzt. Doch es gebe Grundzüge, auf die sich alle verständigen könnten, etwa die Gleichheit vor dem Gesetz oder die Freiheit der Meinung.

Die Direktorin der Automarke „Smart“, Annette Winkler, sagte, die Wirtschaft müsse dem Menschen dienen. „Menschen wollen sich nützlich machen, sie wollen Werte schaffen“, erklärte sie. Entsprechend der biblischen Gleichung von den anvertrauten Talenten müssten Unternehmer selbige bei ihren Mitarbeitern erkennen und nutzen. Das koste Zeit, aber sie sei es wert. „Wir kontrollieren uns zu Tode“, kritisierte Sie die eigene Zunft. Das ersticke Kreativität. Stattdessen müssten Chefs ihren Mitarbeitern Verantwortung anvertrauen. „Wir brauchen eine Kultur des Lobens“, forderte sie außerdem. Wertschätzung bedeute, Mitarbeiter wahrzunehmen. „Christsein ist ein Programm der Osterfreude.“ Eine solche Freude müsse auch im Betrieb spürbar sein. Eine Kultur der Angst hingegen sei lähmend. Deshalb sollten gerade Chefs auf ihre Worte gegenüber Mitarbeitern achten.

Der Kongress christlicher Führungskräfte endet am Samstag. Zu den prominentesten Rednern zählen neben Manfred Lütz der Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Unionsfraktionschef Volker Kauder und der Mathematikprofessor und Buchautor John Lennox. Bei der Eröffnung am Donnerstag sagte Veranstalter Horst Marquardt: „Eine Gesellschaft ohne Werte hat keine Zukunft.“ Zum Kongress kommen regelmäßig mehrere tausend Besucher aus ganz Deutschland. Der Kongress findet in diesem Jahr zum neunten Mal statt. (pro)

Von: al

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