In Medien- und Wirtschaftskreisen war die Homosexualität von Apple-Chef Tim Cook bekannt. Nun hat er sie öffentlich gemacht
In Medien- und Wirtschaftskreisen war die Homosexualität von Apple-Chef Tim Cook bekannt. Nun hat er sie öffentlich gemacht

Deutlich weniger Homosexuelle als gedacht

Studien zeigen: In den USA wird der Bevölkerungsanteil Homosexueller weit überschätzt. Trägt die Medienberichterstattung um prominente Homosexuelle wie Apple-Chef Tim Cook zu dieser Fehleinschätzung bei?

Der Blick ins amerikanische Fernsehen zeigt: Homosexuelle sind überdurchschnittlich oft präsent, sei es als Nachrichtensprecher, als Serienrolle oder als Gegenstand der Berichterstattung, wenn sich wieder einmal ein Prominenter wie Apple-Chef Tim Cook „outet“. Fördern die Medien damit eine Fehleinschätzung darüber, wie viele US-Bürger tatsächlich homosexuell empfinden? Laut der nationalen Gesundheitsstudie, die im Juli von der US-Behörde CDC vorgelegt wurde, bezeichnen sich 1,6 Prozent aller Erwachsenen als homosexuell, weitere 0,7 Prozent als bisexuell. 96,6 Prozent stuften sich als heterosexuell ein, 1,1 Prozent konnten oder wollten die Frage nicht beantworten. Sollten die Amerikaner nicht massenweise bei ihren sexuellen Präferenzen lügen, sind diese Werte sehr gering. Die Frage nach der sexuellen Orientierung war auf Wunsch von Homosexuellen-Verbänden in die Gesundheitsumfrage aufgenommen worden, um die Bedürfnisse homosexuell orientierter Menschen besser einschätzen zu können.

Die Ergebnisse werden interessant, wenn man sie mit anderen Zahlen vergleicht. „Einer von Zehn“ heißt beispielsweise eine Lobbyorganisation schwuler, lesbischer, bi- und transsexueller Menschen in Washington D.C. Der Name basiert auf der über Jahre im öffentlichen Diskurs verbreiteten Annahme, dass etwa zehn Prozent aller Menschen homosexuell seien.

35 Prozent glauben, mehr als 25 Prozent seien homosexuell

Während diese in Debatten gängigen zehn Prozent also ein deutlich überhöhter Wert sind, liegen die US-Bürger noch klarer daneben. Das Gallup-Institut fragte 2011 die Amerikaner: „Einfach mal geschätzt, was glauben Sie, wie viele Amerikaner schwul oder lesbisch sind?“ Die Antworten überraschten: Jeder Dritte befragte Amerikaner geht davon aus, dass mindestens einer von vier Bürgern homosexuell empfindet. Dagegen glauben nur vier Prozent, dass weniger als jeder zwanzigste betroffen sei.

Diese deutliche Fehleinschätzung könne die öffentliche Haltung zu Homosexuellen-Rechten wie etwa der gleichgeschlechtlichen Ehe beeinflussen, schrieb das Polit-Magazin The Atlantic. Einerseits liege es nahe, dass Menschen, welche die Anzahl Homosexueller überschätzen, auch die gesellschaftliche Auswirkung der Legalisierung der Homo-Ehe überschätzten. Andererseits könne die außergewöhnlich verzerrte Wahrnehmung als ein Triumph der Homosexuellen-Bewegung gewertet werden.

So sieht das auch Stuart Gaffney, Sprecher einer Lobby-Gruppe für die Homo-Ehe. Er habe gelacht, als er von der Studie gehört habe: „Sie ist tatsächlich ein Zeichen des Erfolgs der schwul-lesbischen Community“, erklärte er.

Homosexuelle in Medien und Kultur omnipräsent

Über die Ursachen der drastischen Fehleinschätzung, welche die Gallup-Studie offenbarte, gibt es keine Erhebung. In der gleichen Umfrage gut neun Jahre zuvor glaubten „nur“ 25 Prozent der Befragten, der Anteil Homosexueller mache mehr als 25 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Es liegt die Vermutung nahe, dass die starke Präsenz Homosexueller in Popkultur und Medien in den USA die Wahrnehmung der Amerikaner verzerrt hat.

So bekennen sich neben Prominenten wie Apple-Chef Tim Cook immer mehr homosexuelle Fernsehjournalisten öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung, seien es Schwule und Lesben bei den drei großen Nachrichtensendern oder den Infotainmentprogrammen der Networks.

In fiktionalen Formaten wie Fernsehserien sind Homosexuelle seit den späten 90ern sehr stark vertreten. In den Familienserien „Brothers and Sisters“ und „Modern Family“ wird für die Gleichstellung schwuler Paare auch beim Adoptionsrecht geworben. Der amerikanische Vizepräsident Joe Biden, immerhin der zweite Mann im Staat, erklärte, die Comedy-Serie „Will & Grace“ habe Amerika über Homosexualität „unterrichtet“ und die Sache der Schwulen vorangebracht.

Für „herausragende“ homosexuelle TV-Inhalte gibt es in den USA einen eigenen Medienpreis. Die „Schwul-lesbische Allianz gegen Diskriminierung“ belohnt regelmäßig Fernsehsendungen, in denen Homosexualität positiv dargestellt wird. (pro)

Von: mb

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