Júnior Enrique Díaz Campbell (rechts) vertraut auch im Fußball fest auf Gott
Júnior Enrique Díaz Campbell (rechts) vertraut auch im Fußball fest auf Gott

„Bei Gott darf ich schwach sein“

Mit dem costa-ricanischen Fußballteam möchte Júnior Enrique Díaz Campbell bei der Weltmeisterschaft erfolgreich sein. Mit pro hat er über Druck im Profifußball, den Mainzer Strand und seine liebste Bibelgeschichte gesprochen.

pro: Costa Ricas WM-Gegner heißen Uruguay, Italien und England. Wahnsinns-Gruppe oder?

Júnior Díaz: Das härteste Spiel ist für mich Uruguay. Nicht nur, weil der Gegner mit Cavani, Suarez und Co. unfassbar stark ist, sondern weil es unser erstes WM-Spiel ist.

Was würde denn in Costa Rica passieren, wenn ihr die Vorrunde übersteht?

Unser Land wäre im kompletten Ausnahmezustand, alle wären auf den Straßen, alle würden laut singen und tanzen, das Leben würde stillstehen und es wäre ein einziges Fest zum Genießen, weil wir sehr fröhliche Leute sind.

Glaubst du denn ernsthaft daran?

Im Glauben ist alles möglich. Meine Mutter und schon meine Oma haben mir beigebracht, dass man allein durch den Glauben sehr viel erreichen kann. Ich bin immer gerne mit ihnen in die Kirche zum Beten gegangen. Den beiden habe ich auch meinen starken Glauben an Gott zu verdanken, denn sie haben immer versucht, mir einen positiven und vor allem fröhlichen Glauben an Gott zu vermitteln.

Viele brasilianische Nationalspieler sind Christen. Hilft das denen bei der WM?

Das gefällt mir gut, diese Unterstützung in Gott zu haben, sich bei ihm sicher zu fühlen. Natürlich gibt das jedem Spieler auf der Welt einen großen Kräfte-Schub und Zuversicht!

Wie sieht dieser Glaube denn konkret aus bei dir?

Mein Glaube gibt mir in erster Linie Kraft. Mit dem allmächtigen Gott zu sein, bedeutet für mich, dass es mir möglich ist, mit seiner Unterstützung das Beste für mein Leben zu tun – wie es auch in Philipper 4,13 heißt. (Anm. der Redaktion: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“)

Und als Fußballer?

Ich bin Gott immer dankbar für meine Gesundheit. Ich fühle mich jeden Tag wohl, weil ich sehr froh darüber bin, dass er mit mir ist. Auf dem Platz, aber auch außerhalb. Er ist immer an meiner Seite. Egal, ob wir gewinnen oder verlieren, ich gebe ihm die Ehre.

Wie schätzt du die Chancen von Deutschland bei der WM ein?

Ihr Deutschen habt schon super Spieler, die sich inzwischen alle richtig gut kennen. Löw hat ein sehr gutes Team zur Verfügung, für mich eines der stärksten Teams bei der WM – ich würde mich sehr freuen für euch, wenn Deutschland Weltmeister würde!

Welchen WM-Spieler bewunderst du?

Messi ist ein genialer Spieler, natürlich auch Ronaldo und Neymar. Gegen Neymar habe ich kürzlich sogar gespielt in Costa Rica, als wir gegen Brasilien knapp 0:1 verloren.

Stichwort „Torlinientechnik bei der WM“. Daumen nach oben oder bist du da eher konservativ?

Ja, her damit. Das ist sehr wichtig, weil so viele Missverständnisse passieren, die das Spiel auf den Kopf stellen. Das ist oft nicht fair. Ich würde es begrüßen, denn es würde allen Beteiligten helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Bist du eigentlich ein Bibelleser?

Ja, immer wieder gerne, weil es mich sehr inspiriert.

Welche Geschichte der Bibel gefällt dir am meisten?

Der Bericht von Jesu Auferstehung ist für mich die absolut wichtigste Geschichte der Bibel – damit steht und fällt unser Glaube. Das zu verstehen, verändert alles.

Und hilft er dir denn auch im Spiel?

Ich bete viel, um gesund durchs Spiel zu kommen. Und manchmal sage ich zu Gott während eines Spiels: „Ich bin kaputt, ich kann nicht mehr. Gib mir mehr Power, bitte!“

Und hat es schon einmal geholfen?

Immer (lacht). „Keep going, keep going“ (Anm. der Redaktion: „Lauf weiter, lauf weiter“), sagt er mir dann und schließlich habe ich es immer bis zum Schlusspfiff geschafft.

Ging es auch mal daneben?

Bevor ich nach Mainz kam, habe ich unter anderem in Brügge gespielt. Das war eine sehr harte Zeit für mich, weil ich so schwer am Knie verletzt war, dass ich am Meniskus operiert werden musste. Anfangs dachte ich, ich komme schnell wieder zurück, aber das war alles sehr schmerzhaft. Doch letztlich möchte ich auch diese Zeit nicht missen, denn so hart sie auch war, war es trotzdem eine gute Erfahrung. Ich habe gelernt, dankbar zu sein für das, was ich habe. Denn heute weiß ich, wie schnell das vorbei sein kann – also bin ich jeden Tag ganz bewusst dankbar.

Dein Mainzer Mitspieler Elkin Soto liest vor dem Spiel in der Kabine immer ein Buch mit kolumbianischen Gebeten. Hast du auch so eine besondere Vorbereitung?

Ja, ich kenne das von Elkin und finde das sehr gut. Jeder hat eine andere Art zu beten. Ich mache das immer wie ein Ritual, bevor ich aus dem Hotel zum Mannschaftsbus gehe. Dann bete ich dafür, dass mir Gott hilft, heute mein Bestes für mein Team zu geben, und dass er diesen Tag segnet mit allem, was passiert.

Wie hoch ist die Gefahr, dass man als Fußballstar „abhebt“ und was sollte man tun, um „normal“ zu bleiben?

Erziehung ist hier das Wichtigste, also wie dir deine Eltern das Leben erklärt haben. Dass Demut wichtig ist, egal wie erfolgreich man ist. Aber jeder ist natürlich anders. Manche verlieren eben die Bodenhaftung, weil sie es nie gelernt haben. Wenn du aber gute Werte mitbekommst von zu Hause, dann verlierst du auch die Bodenhaftung nicht.

Aus was für Verhältnissen kommst du eigentlich?

Meine Familie hatte nie viel Luxus zu bieten. Mein Vater hat nicht so viel verdient und nach der Scheidung meiner Eltern war alles nicht so einfach. Aber als sich meine Karriere immer besser entwickelte, konnte ich meiner Familie durch den Fußball helfen. „Keep going“, „immer weiter“, habe ich mir immer gesagt. Eines Tages wirst du dann auch deiner Familie ein besseres Leben ermöglichen können. Und genau so ist es gekommen. Gott sei Dank. Ich als Ältester von drei Jungs bin ja sowieso für die Familie verantwortlich und tue das gerne für meine Jungs.

Wie kommst du mit dem großen Druck im Profifußball klar?

Wir dürfen nicht vergessen, dass es ist nur ein Spiel ist. Natürlich musst du immer versuchen zu gewinnen, keiner will verlieren. Aber es geht darum, die richtige Mentalität zu finden, wie du mit diesem Druck umgehst. Auch mit der Konkurrenz. Wenn deine Einstellung stimmt, dann ist es kein Druck, sondern ein Privileg, auf diesem hohen Niveau spielen zu dürfen!

Was macht eigentlich wirklich glücklich?

Es geht um die Art und Weise, wie du auf das Leben schaust – ob du nur auf die Probleme schaust und auf das, was du nicht hast. Aber wenn du versuchst, dein Leben zu leben und ganz bewusst auf das Positive zu sehen, das ist Erfolg. Wenn du stolz auf dich selbst bist und einfach das tust, was du am besten kannst, egal was die Leute sagen, das macht glücklich. Lebe dein Leben, finde heraus, was du möchtest, und tue es.

Was vermisst du in Deutschland?

Oh, ich vermisse meine Familie und Freunde schon sehr, zusammen am Strand zu sein, den ganzen Tag. Wenn ich einmal da bin, versuche ich meist, diese Zeit ganz bewusst zu genießen und mit den Jungs zu feiern. Dann findet unser Leben nur am Strand statt.

Aber Mainz hat doch auch einen Strand?!

Ja (lacht), der ist sogar ganz schön. Aber leider nur für ein paar Wochen im Juli und August, dann ist das schöne Strandleben wieder vorbei.

Was braucht man, um ein großer Spieler zu werden wie du?

Konstanz ist das Wichtigste. Wenn du ganz oben spielen willst, oder sogar bei einer WM, dann musst du lernen, immer 100 Prozent zu geben. Egal wie du dich fühlst. Ob du mal schlecht drauf bist oder schwere Beine hast oder dich nicht wohlfühlst, das interessiert leider keinen. Du musst immer das Beste geben auf hohem Niveau. Immer gutes Training abliefern, immer gut spielen, nie Schwäche zeigen. Auch außerhalb des Platzes musst du heute Disziplin haben. Bei Gott dagegen darf ich schwach sein, so wie ich bin. Das tut gut, dass er nichts von uns fordert, sondern nur Liebe für uns hat.

Was wirst du Gott denn im Himmel fragen, wenn du ihm zum ersten Mal gegenüber stehst?

(Lacht) Gibt es hier auch Fußball? Nein, im Ernst, ich würde fragen: Kann ich hier oben bitte mitmachen bei euch?

Lieber Júnior, vielen Dank für das Gespräch! (pro)

Die Fragen stellte David Kadel

Von: pro

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